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ARBEIT UND

GESUNDHEIT

02 2009

Die Infoseiten für junge Leute

Mutterschutz

Guter Hoffnung?

SICHERHEITFÜR MICH


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UNTER UMSTÄNDEN

GESCHÜTZT

Ob geplant oder nicht, wenn sich ein Baby ankündigt, stellen sich mehr Fragen als

„Wie soll´s denn heißen?". Besonders, wenn man noch in der Ausbildung ist oder gerade

eine neue Stelle angetreten hat.

Next beantwortet wichtige Fragen rund ums Thema „Mutterschutz“.

Foto: fotolia/Hannes Eichinger

Gibt es ein Gesetz, das mich als

schwangere Frau am Arbeitsplatz

besonders schützt?

Ja, das Mutterschutzgesetz (MuSchG). Es

regelt die Rechte von Schwangeren im Betrieb.

Es gilt für alle werdenden Mütter, die in

Deutschland in einem Beschäftigungsverhältnis

stehen – und zwar egal ob als Auszubildende,

in der Probezeit, teilzeitbeschäftigt oder ob

sie befristet angestellt sind. Die Schutzbestimmungen

sollen gewährleisten, dass die

schwangere Frau und das werdende Kind

vor Gefahren und Gesundheitsschädigungen

am Arbeitsplatz, vor finanziellen

Nachteilen sowie vor dem

Verlust der Stelle im Zusammenhang

mit Schwangerschaft und

Geburt geschützt werden.

Ab wann muss ich meinen Chef

oder meine Chefin informieren?

Das bleibt im Prinzip Ihnen überlassen,

sollte aber nicht zu lange hinausgezögert

werden, denn der Betrieb kann die

bestehenden Vorschriften erst anwenden,

wenn er von der Schwangerschaft weiß.

Wenn Sie eine Tätigkeit ausführen, die Ihre oder die

Gesundheit Ihres Kindes gefährden könnte (siehe

Beschäftigungsverbote übernächste Seite), sollten Sie

Ihren Arbeitgeber deshalb sofort informieren. Das

Mutterschutzgesetz schreibt „keine unverzügliche Mitteilungspflicht“

vor. Die werdende Mutter, so heißt es

lediglich, „soll“ den Arbeitgeber von der Schwangerschaft

in Kenntnis setzen. Die Mitteilung kann mündlich erfolgen,

besser ist aber die schriftliche Form an den Arbeitgeber

oder den weisungsberechtigten Vorgesetzten – schließlich

beginnen mit der Benachrichtigung der Kündigungsschutz

und die einklagbare besondere Verpflichtung des

Arbeitgebers zur Einhaltung der Mutterschutzvorschriften.

Er meldet die Schwangerschaft der Gewerbeaufsicht,

ansonsten ist der Arbeitgeber zu Verschwiegenheit verpflichtet.

Haben Sie eine Fehlgeburt, müssen Sie das

Ihrem Chef so schnell wie möglich mitteilen.

Wenn ich bereits beim Bewerbungsgespräch weiß,

dass ich schwanger bin, muss ich das sagen?

Nein, wenn es sich nicht um einen Beruf handelt, den Sie

– wie bereits erklärt – von vornherein wegen der

Schwangerschaft nicht ausüben dürfen. Das Verschweigen

einer Schwangerschaft beim Vorstellungsgespräch ist

kein Kündigungsgrund. Sogar das höchste deutsche

Arbeitsgericht hat festgestellt, dass eine Frau beim

ARBEIT UND GESUNDHEIT Februar 2009


MUTTERSCHUTZ

Bewerbungsgespräch auf die Frage, ob sie schwanger ist,

generell nicht die Wahrheit sagen muss (Az.: 2 AZR

621/01). Nach Vertragsabschluss gelten die gleichen Vorschriften

wie für andere schwangere Arbeitnehmerinnen.

Auch wenn Sie noch in der Probezeit sind, darf Ihnen

demnach nicht gekündigt werden. Rechtlich kann Ihnen

also nichts geschehen, eine andere Sache ist natürlich das

zukünftige Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten und den

Kollegen. Solch ein Start ist sicher keine vertrauensbildende

Maßnahme. Besser ist es, offen und ehrlich die

Situation darzulegen und gemeinsam mit dem potenziellen

Arbeitgeber eine Lösung zu suchen.

Ich muss bei meiner Arbeit oft schwer heben und

tragen. Darf ich das als Schwangere?

Nein, Schwangere dürfen körperlich nicht schwer arbeiten

(siehe Beschäftigungsverbote nächste Seite). Außerdem hat

die werdende Mutter das Recht, häufiger Pausen einzulegen

und einen geeigneten Ruheraum aufzusuchen. Das kann ein

Organisations- oder Platzproblem sein, das im Einzelfall zu

lösen ist. Kritischer wird es bei der Art der Beschäftigung.

Denn von nun an sind beispielsweise Arbeitsplätze mit

Lösemitteldämpfen ebenso tabu wie Beschäftigungsverhältnisse,

bei denen Nachtarbeit ansteht, im Akkord gearbeitet

wird oder bei denen die Frau lange stehen muss.

Je nach Arbeitsplatz kann das bedeuten, dass eine Schwangere

von einem auf den anderen Tag nicht mehr eingesetzt werden

darf. Eine Möglichkeit besteht darin, der Schwangeren eine

geeignete Ersatzstelle anzubieten. Zum Beispiel im Büro

oder mit einem Telearbeitsplatz zu Hause. Geht das nicht,

muss die Frau beurlaubt werden.

Mein Chef hat gesagt, er würde mich nach der

Ausbildung übernehmen. Jetzt bin ich aber schwanger.

Muss er zu seinem Wort stehen?

Schwierige Sache. Solange nichts schriftlich festgehalten

wurde und es keine Zeugen für die Zusage gibt, muss er

sich an nichts halten. Das Ausbildungsverhältnis endet mit

der Prüfung und er kann dann entscheiden, ob er Sie

übernimmt oder nicht.

Schutzfristen

Vor der Entbindung:

Werdende Mütter dürfen in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung

nicht beschäftigt werden – es sei denn, dass sie freiwillig

weiter arbeiten und keine Arbeiten ausüben, die für Schwangere

verboten sind. Dies sollte schriftlich erklärt und kann jederzeit

widerrufen werden.

Nach der Entbindung:

Mütter dürfen bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und

Mehrlingsgeburten bis zu zwölf Wochen nach der Entbindung nicht

beschäftigt werden – auch nicht auf ihren Wunsch hin. Bei Frühgeburten

verlängern sich die Fristen um den Schutzzeitraum, der

vor der Geburt nicht in Anspruch genommen werden konnte.

Beispiel:

Mutmaßlicher Entbindungstag: 08. September

Schutzfrist vor der Geburt: 25. Juli bis 7. September

(= 42 Tage)

Letzter Arbeitstag:

22. Juli

Tatsächlicher Entbindungstag: 1. September

In Anspruch genommene Schutzfrist: 28. Juli bis 31. August

(= 35 Tage)

Nicht in Anspruch genommen: 42 Tage – 35 Tage = 7 Tage

Schutzfrist nach der Geburt: 8 Wochen zuzüglich der 7 Tage,

die vorher nicht in Anspruch

genommen wurden

Ende der Schutzfrist:

3. November

Foto: fotolia/Lianem

Februar 2009 ARBEIT UND GESUNDHEIT


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Allgemeine Beschäftigungsverbote

Die werdende oder stillende Mutter darf bestimmte

Tätigkeiten nicht ausführen, im Mutterschutzgesetz sind

folgende „allgemeine Beschäftigungsverbote“ genannt:

Grundsätzlich dürfen Schwangere

• nicht schwer körperlich arbeiten

• keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie schädlichen

Einwirkungen von gesundheitsgefährdenden Stoffen

oder Strahlen, Staub, Gasen oder Dämpfen, Hitze,

Kälte oder Nässe, Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt

sind. Beim Umgang mit Druckluft, Röntgenstrahlen

und radioaktiven Stoffen schützen besondere

Vorschriften die werdende und stillende Mutter

• nicht im Akkord oder mit gesteigertem Tempo arbeiten

• keine Arbeiten verrichten, bei denen sie regelmäßig

Lasten von mehr als fünf Kilogramm und gelegentlich

Lasten von mehr als zehn Kilogramm von Hand

bewegen müssen

• sich nicht häufig erheblich strecken oder bücken

• sich nicht dauernd hocken oder sich gebückt halten

• nicht einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sein

• sich nicht der erhöhten Gefahr einer Berufskrankheit

aussetzen

• nicht an Geräten arbeiten, die eine starke Fußbeanspruchung

erfordern

• nicht mehr als 8,5 Stunden am Tag oder 90 Stunden

innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Wochen

arbeiten

• nicht nachts zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten

• nicht an Sonn- oder Feiertagen beschäftigt werden.

Für bestimmte Berufsgruppen, die einem erhöhten gesundheitlichen

Risiko ausgesetzt sind, beispielsweise Tierarzthelferinnen

und Erzieherinnen, oder bei persönlichen

Einschränkungen können diese

Vorschriften noch erweitert

werden. Auch für einige

Berufe wie zum Beispiel im

Gaststättengewerbe gelten

Ausnahmeregelungen.

Foto: fotolia/picsfive

Der besondere Kündigungsschutz für werdende Mütter

beginnt mit der mündlichen oder schriftlichen Mitteilung

an den Arbeitgeber. Verlangt der Arbeitgeber

eine ärztliche Bescheinigung über die bestehende

Schwangerschaft, trägt er die Kosten dafür. Vom Tag

der Mitteilung an gelten Schutzvorschriften für die

Schwangere am Arbeitsplatz. Der im Mutterpass

errechnete Termin bestimmt die Mutterschutzfrist. In dieser

Zeit erhält die Arbeitnehmerin statt des Gehaltes

von der Krankenkasse Mutterschaftsgeld. Wird nach

dem Mutterschutz eine Elternzeit genommen, gilt der

Kündigungsschutz weiter. Die Mutter hat eine dreimonatige

Kündigungsfrist bis zum Ende der Elternzeit.

Mehr Informationen rund um die

Themen Mutterschutz, Elternzeit, Erziehungsgeld,

Elterngeld gibt es unter:

• www.nextline.de (>Schüler und Auszubildende,

Suchwort „Mutterschutz“ eingeben)

• www.zbfs.bayern.de

• www.rund-ums-baby.de

• dejure.org/gesetze/MuschG

• www.bmfsfj.de

• www.dgb-jugend.de (>Broschüren>Downloads,

Broschüre „Ausbildung, schwanger – und jetzt?“)

• www.eltern.de (den gewünschten Suchbegriff eingeben)

www.

.de

Impressum ARBEIT UND GESUNDHEIT N EXT. Februar 2009 Die Infoseiten für junge Leute

Herausgeber: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV), Mittelstraße 51, 10117 Berlin, www.dguv.de. Redaktion: Dr. Dagmar Schittly

(verantwortlich), Berlin; Dr.-Ing. Marco Einhaus, Landesverband Süd-Ost, München; Gabriele Albert, Wiesbaden. Text: Gabriele Albert,

Stefanie Richter. Grafisches Konzept: a priori werbeagentur, Wiesbaden. Titelfoto: Fotolia, Victoria P.: Universum Verlag GmbH, 65175 Wiesbaden,

Tel.: 06 11/90 30-0, Fax: -281, www.nextline.de

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