2. Bericht Kinderchancen - Amt für Soziale Leistungen - Stadt ...

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2. Bericht Kinderchancen - Amt für Soziale Leistungen - Stadt ...

A ugsburg Social

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Stadt Augsburg (Sozial- und Jugendreferat)

Amt für Soziale Leistungen

2. Bericht über das Projekt

Kinderchancen der Stadt Augsburg

Gleiche Chancen für alle

Kinder in unserer Stadt !

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Vorwort

Der vorliegende 2. Bericht zum Projekt Kinderchancen stellt die Anforderungen,

Bemühungen und Aussichten des Projektes in den Vordergrund der Betrachtung. Es

ist keine endlose Zahlenreihe, sondern ein Beitrag, um die ganzheitliche Betrachtung

eines sozialen Bausteines der Augsburger Armutsprävention mit seinem

großstädtischen Entwicklungspotenzial besser verstehen zu können.

Moderne und komplexe Gesellschaftssysteme, wie das unsere, produzieren in immer

dichteren Zeitabschnitten veränderte Lebensverhältnisse. Staat, Wirtschaft und

Gesellschaft können sich ein Zurückbleiben wachsender Gruppen von verarmten

Familien nicht leisten. Im Focus stehen hierbei die betroffenen Kinder.

Das Projekt Kinderchancen erkennt diese Prozesse und steuert mit präventiven

Maßnahmen, einem dynamischen Fallmanagement seitens der Armutsprävention

und erstmals einem Förderverein dieser Entwicklung entgegen, um

Verarmungsprozesse in der Zukunft zu verhindern.

Kinderchancen ist ein Lernprozess - für uns alle!

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Ein besonderer Dank gilt der Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl VWL V

Prof. Horst Hanusch der Universität Augsburg bei diesem Bericht.

• Dr. Klaus Norbert Münch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl

• Herr Gerhard Ilg, Dipl.Kfm., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl

• Frau Elisabeth Becker

• Herr Martin Dürr

• Frau Gerda Holz vom Institut für Soziale Studien in Frankfurt

• Frau Maxzin-Weigel vom ev. Kinderheim Hochzoll

• Herrn Valentin Rothbucher vom Frère-Roger-Kinderzentrum Augsburg-

Oberhausen

• Herrn Garte vom Referat OB der Stadt Augsburg

Und allen meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Sachgebiet 3.2 ohne deren

Unterstützung so manches nicht gelungen wäre.

Robert Kern

Bilder: Gerald Schrall, Amt für Soziale Leistungen, Armutsprävention

Verantwortlich für den Inhalt:

Dr. Konrad Hummel

Wolfgang Leichs

Robert Kern

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 4

Entwicklung 5

Arbeitsprinzipien 7

Schnittstellen zu anderen Trägern, Stiftungen etc. 8

Hilfsangebote 8

Grundvoraussetzungen 10

Kooperation zwischen Einrichtungen und der Aufbau von Netzwerken 11

Ausrichtung der Hilfen auf die Bedürfnisse der betroffenen Kinder

(Kundenorientierung) 12

Engagierte und kompetente Mitarbeiter 12

Aktionen im Berichtszeitraum 13

• Städtenetzwerk vom 28.01.2007 – 29.01.2007 in Augsburg 13

• Kinderfilmtage 2007 in Augsburg 14

• Augsburger Sozialpolitik im heute-journal 16.10.2006 17

• Kinder – Kunst – Ausstellung „Freunde“ 18

• Armutsprävention der Stadt seit Dezember 2007 online 18

• Beteiligung am Projekt der Kommunalen Jugendarbeit „Ostsee-Camp“ 19

Profile prekärer Lebenssituationen von Kindern in Augsburg – Daten aus dem

Projekt Kinderchancen 2007 20

• Verteilung auf die Sozialregionen in Prozent 20

• Familienhintergründe der geförderten Kinder 21

• Schulsituation der geförderten Kinder 23

• Einkommensverteilung der Familien 25

• Verteilung nach Nationalitäten 26

• Verteilung nach Geschlecht 27

Förderverein Kinderchancen e.V. 28

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Entwicklung

Seit zwei Jahren widmet sich das Sozialreferat der Stadt Augsburg in

Zusammenarbeit mit dem Amt für Soziale Leistungen dem Thema Kinderarmut. Das

speziell hierfür geschaffene Projekt erhielt damals den positiv formulierten Namen

Kinderchancen“. Ziel des Projektes ist dabei vor allem die Vermeidung von

Armutsfolgen und familiärer Belastungen bei Kindern sowie das Eröffnen neuer

Perspektiven und die Förderung vorhandener Kompetenzen. Hierbei steht immer das

bedürftige Kind im Mittelpunkt. Diese positive Grund(ein)stimmung machte es

möglich, weg von der reinen Lehre des defizitorientierten Denkens, hin zu einer

ressourcenorientierten Denk- und Handlungsweise zu finden.

Gegenüber dem ersten Projektbericht aus dem Jahre 2006 kann man feststellen,

dass aus dem „Säugling“ von 2005 ein lebendiges und lernfähiges, junges Projekt

geworden ist, das aber noch viel Arbeit vor sich hat. Die vergangenen Monate waren

vor allem dadurch gekennzeichnet, dass wir uns in der Armutsprävention verstärkt für

alle Fragen der gesellschaftlichen Situation unserer Kinder sensibilisiert haben.

Fallmanager und Sozialpaten wurden und werden kontinuierlich mit

Kinderarmutsfragen in den Sprechstunden konfrontiert. Dieser sehr spezifischen

Form der Armut stehen wir sensibel gegenüber und schenken ihr eine erhöhte

Aufmerksamkeit.

Während die Ausgaben für die Förderung von Kindern im Jahr 2006 noch bei

insgesamt 40.442,70 € lagen, wurde 2007 der Budgetrahmen von 100.000,00 €

bereits voll ausgeschöpft. Dies ist vor allem durch den steigenden Bekanntheitsgrad

des Projektes bei den Leistungen beantragenden Fachstellen zu erklären. So wurden

2006 knapp 70 Kinder gefördert, im Jahr 2007 waren es dann insgesamt bereits über

300 Kinder und Jugendliche.

Wie auch im Jahr zuvor wurde der zahlenmäßig größte Anteil für die Förderung im

Sektor „Bildung“ (also etwa für Nachhilfeunterricht, Hausaufgabenbetreuung u. Ä.)

ausgegeben. Die sprachbezogene Förderung ging etwas zurück, da aufgrund der

Erfahrungen aus dem Jahr 2006 verstärkt auf breiter gefächerte Förderung gesetzt

wurde, die unter dem Kernbereich „Bildung“ erfasst wurde. Gegenüber dem Vorjahr

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wurde 2007 jedoch auch im Sektor „soziale Teilhabe“ verstärkte Förderung geboten.

So wurde etwa einigen Kindern die Teilnahme an Ferienprogrammen ermöglicht.

Die bewilligten Mittel im Bereich „Sonstige Ausgaben“ umfassen etwa die

Übernahme medizinisch notwendiger Untersuchungen, die von den Kassen nicht

getragen werden.

Aufteilung 2006 2007

Bildung 24.525,05 € 56.883,38 €

Sprache 4.435,50 € 2.545,20 €

Soziale Teilhabe 11.482,15 € 34.963,41 €

Sonstige Ausgaben 0,00 € 5.510,43 €

Gesamtausgaben 40.442,70 € 99.902,42 €

Aufteilung der Mittel

Gesamtausgaben

40.442,70 €

99.902,42 €

Sonstiges

Soz.Teilhabe

Sprache

5.510,43 €

34.963,41 €

11.482,15 €

2.545,20 €

4.435,50 €

2007

2006

Bildung

24.525,05 €

56.883,38 €

0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000

Ausgaben in Euro

Auch im Jahr 2008 wird das Budget wieder 100.000,00 € umfassen. Wie in den

Jahren zuvor ist geplant, wieder in erster Linie im Bildungssektor Unterstützung zu

bieten. Vermehrtes Augenmerk wird jedoch auch auf die Förderung von Kindern im

sozio-kulturellen Bereich gelegt werden, da Kinder und Jugendliche aus

benachteiligten Verhältnissen hier in aller Regel starke Defizite aufweisen.

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Alle Kinder haben Chancen

in

Augsburg

Arbeitsprinzipien

Die Implementierung des Kinderchancenprojektes in das Amt für Soziale Leistungen,

Abteilung Armutsprävention verläuft bis heute reibungslos und zeigt deutlich die

Synergien die dadurch bereits entstanden sind. Die inhaltliche Aufstellung der

Abteilung Armutsprävention mit den drei sich gegenseitig bedingenden Säulen

gewährleistet eine hohe Qualität der von uns angestrebten Lösungen sowie ein

Maximum an wirtschaftlichem Einsatz öffentlicher Mittel.

Augsburger

Armutsprävention

Sozialpaten-

Projekt

Fallmanagement

Schuldenprävention

Obdachlosenunterbringung

Wohnraumversorgung

Wohnhilfeprojekt

Projekt

Kinderchancen

Förderverein

Kinderchancen

e.V.

Kompetenzteam im Amt für Soziale Leistungen

zusammen mit allen Kinder- und Jugendbereichen im Referat 3

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Die drei Bausteine Sozialpaten, Kinderchancen und Wohnraumversorgung wurden

aus der Praxis heraus entwickelt und werden weiterhin je nach Bedarf an die

Bedürfnisse angepasst. Das Amt für Soziale Leistungen möchte Strukturen schaffen,

die langfristig bestehen bleiben können und hat daher von Anfang an versucht, lieber

kleine, aber effektive Veränderungen vorzunehmen, anstatt von heute auf morgen

alle Strukturen komplett zu verändern. Denn gerade die Struktur der Abteilung spielt

eine wesentliche Rolle bei der Armutsprävention, da sich Wohnhilfeprojekt,

Kinderchancen und Sozialpatenprojekt in hervorragender Weise ergänzen und als

soziale Bausteine immer wichtiger geworden sind. Durch die dreigliedrige

Organisation sowie durch die Gliederung in vier Sozialregionen (Mitte, Ost, Süd und

Nordwest), ist die Abteilung Armutsprävention im ASL in der Lage, in jeder Region

schnelle und direkte Hilfe anzubieten.

Schnittstellen zu anderen Trägern, Stiftungen etc.

Während die meisten Träger oder Stiftungen sich an rein objektiven Gesichtspunkten

und hier im speziellen an der Einkommenssituation der Eltern bzw.

Erziehungsberechtigten orientieren, leitet sich der Maßnahmenkatalog des Projekts

Kinderchancen“ erkennbar vom Verwirklichungschancen- bzw. Lebenslagenansatz

der bedürftigen Kinder ab. Kinderchancen fördert Kinder individuell. Eine

institutionelle Unterstützung (für z. B. Infrastrukturmaßnahmen eines Trägers einer

Kindertagesstätte) kommt über das städtische Projekt Kinderchancen nicht in

Betracht. Ein weiterer markanter Unterschied ist auch das sehr einfache

Antragsverfahren, für das ein Formular aus den Erfahrungen über 12 Monate von

uns entwickelt wurde (Anlage).

Hilfsangebote

Die niederschwelligen Hilfsangebote zielen nicht ausschließlich auf eine materielle

Grundversorgung, sondern vielmehr auch auf die Versorgungslagen Bildung,

Wohnen bzw. soziales Umfeld und Gesundheit ab, um so dem mehrdimensionalen

Verständnis von Armut Rechnung zu tragen. Die angebotenen Hilfen richten sich

dabei nicht, wie etwa staatliche Transferleistungen, z. B. das Kindergeld, an die

Bedarfsgemeinschaft „Familie“, sondern direkt an die betroffenen Kinder und

Jugendlichen. So kann gezielt, zweckgebunden und unbürokratisch den

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vorliegenden Benachteiligungen entgegengewirkt werden. Konkrete

Förderungsmaßnahmen erstrecken sich von der Übernahme der Kosten einer

Nachmittags- bzw. Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Finanzierung von sinnvollen

Integrationsmaßnahmen, wie beispielsweise Ferien- oder Trainingslagern.

Versorgung mit Mahlzeiten

Viele Kinder erhalten zu Hause nur unregelmäßig oder keine warmen Mahlzeiten.

Dennoch muss in Augsburg kein Kind aus finanziellen Erwägungen auf ein gesundes

und warmes Mittagessen verzichten.

Bereits seit Projektbeginn gewährleistet Kinderchancen die Versorgung zahlreicher

Kinder mit Mittagessen durch Übernahme von Essensgeldern. Im Jahr 2006 wurden

Mittagessen für Kinder an diversen Kitas und Horten, an den drei Augsburger

Förderzentren (Ulrich-, Martin- und Pankratiusschule) sowie an einigen Grund- und

Hauptschulen (u.a. Kapellen-Volksschule, St.-Georg-Volksschule, Elias-Holl-

Grundschule) finanziert. Seit 2007 bewährt sich nun die enge Kooperation mit der

Kartei der Not, welche dieses Konzept der flächendeckenden Versorgung aller

Kinder mit regelmäßigen warmen Mahlzeiten weiterführt. Ergänzend zu den

Essenskosten übernimmt Kinderchancen weiterhin die Betreuungsgebühren der

jeweiligen Mittags-, Nachmittags- oder Ganztagsbetreuung.

Dennoch ist es sicher, dass es auch in Augsburg eine uns unbekannte Anzahl von

Kindern gibt, die trotz aller Anstrengungen und gebotenen Möglichkeiten nicht in den

Genuss einer richtigen Mahlzeit pro Tag kommen.

Dies liegt nach den Erfahrungen aus dem Projekt Kinderchancen vor allem daran,

dass die Bereitschaft, Hilfeanträge zu stellen bei vielen Eltern bzw.

Sorgeberechtigten aus mannigfaltigen Gründen unterentwickelt ist. Schamgefühle

von Betroffenen sind häufig vorzufinden, aber auch ein gering ausgeprägtes

Bewusstsein der Verantwortung gegenüber den Kindern ist oft ein Grund. Kulturelle

Unterschiede, hohe sprachliche Barrieren der Eltern oder auch niedriger

Bildungsstand sind Faktoren, die immer wieder vorzufinden sind. Gerade hier setzt

Kinderchancen an! Das Projekt leistet – den Fokus auf die Kinder gerichtet -

Unterstützung auch ohne die aktive Mitwirkung der Eltern. Dies ist der Vorteil von

Kinderchancen.

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Wir sind uns daher sicher, dass es uns in den nächsten Jahren gelingen wird immer

mehr Kinder aus dieser Situation zu befreien.

Mit verhältnismäßig geringen Mitteln sollen bei wirtschaftlicher und sozialer

Benachteiligung der Kinder durch frühzeitiges Intervenieren und Entgegensteuern

spätere kostenintensive Maßnahmen, wie z. B. Heimunterbringungen oder gar

Resozialisierungsmaßnahmen, die aus mangelnder Fürsorge bzw.

Ausgrenzungserscheinungen entstehen können, eingespart werden.

Grundvoraussetzungen

Es gilt nun zu den jeweiligen Lebenslagen passende Indikatoren zu finden, die für

einen außenstehenden Betrachter möglichst objektive Rückschlüsse zulassen, ob

eine Benachteiligung bzw. Einschränkung vorliegt:

Die Grundvoraussetzung „Finanzielle Not“ trifft zu, wenn die Familie Sozialhilfe bzw.

Arbeitslosengeld 2 bezieht bzw. die Berufe der Eltern darauf schließen lassen, dass

die finanzielle Lage prekär ist. Letzteres ist beispielsweise anzunehmen, wenn der

Haupteinkommensbezieher nur eine Hilfsarbeitertätigkeit ausübt.

Während die Prüfung des Sozialhilfe/Arbeitslosengeld-Bezugs dem Amt für Soziale

Leistungen möglich ist, muss für den zweiten Indikator auf Erzählungen der Kinder

bzw. persönliche Informationsquellen zurückgegriffen werden, da die Berufe der

Eltern aus Gründen des Daten- bzw. Persönlichkeitsschutzes nur noch auf freiwilliger

Basis bei Kindergarten- bzw. Schulanmeldungen angegeben werden. Auch eine

nachweisbare hohe Verschuldung kann ein Kriterium für „finanzielle Not“ darstellen,

zumindest dann, wenn Tilgung bzw. Zinsen die freien Mittel auf ein (Existenz-)

Minimum reduzieren. Der Spezialfall der „emotionalen bzw. sozialen Notlage“ ist

dann gegeben, wenn die Entwicklung des Kindes durch spezielle Belastungen

erschwert wird. Dazu zählen v. a. ein „gestörtes Familienklima“ bzw. „Geringe

Erziehungs-, Bildungs-, Versorgungskompetenzen der Eltern“. Auch Todesfälle in der

engen Verwandtschaft oder schwere körperliche Beeinträchtigungen von

Familienmitgliedern können solche speziellen Belastungen darstellen. Da diese

Notlagen eben nicht zwangsläufig durch „finanzielle Not“ bedingt sind, jedoch auch

zu einer massiven Einschränkung der Verwirklichungschancen eines Kindes führen

können, entspricht der Faktor „emotionale bzw. soziale Notlage“ in unserem Konzept

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einer zur „finanziellen Not“ alternativen Grundvoraussetzung. Für eine Förderung im

Rahmen der „Kinderchancen“ muss also zwingend zumindest eine dieser beiden

Alternativen gegeben sein.

Die in den Grundvoraussetzungen abgebildeten Risikofaktoren müssen nicht

automatisch zu beeinträchtigten Entwicklungschancen des Kindes führen. Zeigen

sich allerdings „kindspezifische Erscheinungsformen von Armut in Gestalt von

materieller, kultureller, gesundheitlicher und sozialer Unterversorgung“, d. h.

Einschränkungen der kindlichen Lebenslagedimensionen, so muss von einer

Gefährdung der Zukunftsperspektive des Kindes ausgegangen und diese nach

Möglichkeit mit Mitteln aus dem Projekt Kinderchancen korrigiert werden.

Kooperation zwischen Einrichtungen und der Aufbau von Netzwerken

Seit der Gründung des Projektes konnte die Basis der Zusammenarbeit stetig

verbreitert werden. Das Projekt „Kinderchancen“ hat aufgrund seiner vielfältigen

Einsatzmöglichkeit längst seinen Platz in Augsburg gefunden. Überall da, wo

aufgrund der Aufgabenstellung Überschneidungen stattfinden, gibt es auch

Möglichkeiten Synergien zu schaffen. In vielen Gesprächen zwischen den

Mitarbeitern im Projekt und unseren Partnern gelang es uns bisher eine gute und

offene Gesprächsatmosphäre mit allen Beteiligten zu erzeugen und bis heute zu

erhalten. Ständige Absprachen mit unseren Partnern sind der Garant für eine

reibungslose Unterstützung betroffener Kinder.

Auf der Agenda des Kinderchancenprojektes stehen deshalb in hohem Maße die

Kontakte zu potentiellen Partnern im Bereich der freien Träger, den Kinderheimen,

Kindertagesstätten, den Kids-Stützpunkten, Schulen, Horten, Stiftungen,

Fördervereinen, freien Stadtteileinrichtungen, der Universität Augsburg und dem ISS

in Frankfurt. Diese und selbstverständlich auch neue Kontakte werden durch die

qualifizierte Pflege durch die Mitarbeiter des Kinderchancenprojektes ständig

überprüft und verbessert.

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Ausrichtung der Hilfen auf die Bedürfnisse der betroffenen Kinder

(Kundenorientierung)

Auch wenn Kundenorientierung in diesem Zusammenhang merkwürdig klingen mag,

so ist es doch gerade im Bereich der Armutsprävention wichtig, genau auf die

Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen. Die Maßnahmen müssen sich an den

Betroffenen oder auch Kunden orientieren, um effizient helfen zu können. So sollte

darauf geachtet werden, dass bei Maßnahmen der Armutsprävention auch die

Zielgruppe erreicht wird, die diese Hilfe am nötigsten hat und dabei deren

Möglichkeiten im Fokus stehen.

Strukturen orientieren sich an Bedürfnissen der von Armut Betroffenen. Was

brauchen sie, wie kann ihnen geholfen werden? Dann werden Strukturen und

Netzwerke geschaffen, um die bestmöglichste Hilfe zu erbringen. Im Vordergrund

steht also die Orientierung daran, was gebraucht wird, denn die Notwendigkeit der

Armutsprävention entsteht aus der Situation heraus, dass es Probleme in der

Gesellschaft gibt, die gelöst werden müssen.

Daher müssen innovative kommunale Strukturen geschaffen werden, in denen

autonome Verwaltungseinheiten ihre Aufgaben erfüllen können und dort helfen, wo

es erforderlich ist. Gerade bei uns in Augsburg spielt die moderne, innovative

kommunale Selbstverwaltung eine besondere Rolle. Hier gibt es flexible Strukturen,

um jederzeit auf Veränderungen reagieren zu können (Wohnhilfeprojekt,

Kinderchancen, Sozialpatenprojekt). Flache Hierarchien und ein dynamisches

System erlauben schnelles Handeln, um dort einzugreifen, wo es nötig ist. Die

Projekte können autonom und dadurch sehr effektiv handeln.

Engagierte und kompetente Mitarbeiter

Für eine erfolgreiche Armutsprävention ist es notwendig, dass die Mitarbeiter sich für

ihre Arbeit sehr stark interessiert zeigen und nicht nur schematisch ihre Aufgaben

erfüllen. Engagierte und motivierte Mitarbeiter der Abteilung Armutsprävention im

Amt für Soziale Leistungen tragen wesentlich zum Erfolg des „Kinderchancen“-

Projektes bei. Gerade in der Armutsprävention ist es wichtig, dass die Mitarbeiter

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sich in die jeweilige individuelle Problemlage hineinversetzen können, um den

Betroffenen kompetent zu helfen.

Da es sich bei der Armutsprävention um einen Mix aus freiwilligen und gesetzlichen

Leistungen handelt und diese stark von „bürgerschaftlichem Engagement“ geprägt

ist, wird von den Mitarbeitern ein hohes Maß sowohl an sozialer als auch fachlicher

Kompetenz erwartet. Hierbei spielt der Erfahrungsmix der Mitarbeiter eine

wesentliche Rolle. Mitarbeiter aus allen Bereichen der Sozialverwaltung arbeiten seit

dem Jahre 2005 innerhalb der Armutsprävention. Das Zusammenlegen von Ämtern

ist somit auch eine Neubündelung von Kompetenzen und daher ein Gewinn für die

immer neu gestellten Aufgaben einer modernen und sozialen Stadtgesellschaft. Eine

ausgewogene Altersstruktur sichert uns ein Höchstmaß an sozialer Kompetenz. Dies

sind die Faktoren, die ein erfolgreiches Handeln in den verschiedenen Projekten

ermöglichen.

Aktionen im Berichtszeitraum

Das Projekt „Kinderchancen“ beteiligte sich auch an vielen Aktionen zu Armuts- bzw.

Integrationsfragen in Augsburg. Stellvertretend für die vielen Aktivitäten stehen

nachfolgend genannte:

• Städtenetzwerk vom 28.01.2007 – 29.01.2007 in Augsburg

&

Hierbei handelt es sich um eine interkommunale Zusammenarbeit der Städte:

Karlsruhe, Wiesbaden, Münster, Halle/Saale und Augsburg. All diese Städte

arbeiten an zivilgesellschaftlichen Bausteinen in der kommunalen Sozialpolitik.

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Über 90 Politiker, Sozialplaner, Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Vertreter der

Sozialverwaltungen und Vertreter der Freiwilligenagenturen aus den fünf Städten

haben sich zu einer Auftaktveranstaltung in Augsburg getroffen. Am Beispiel der

Chancen von Kindern und Jugendlichen diskutierten die Teilnehmer, wie durch

eine verbindliche Zusammenarbeit von Verwaltung, Vereinen, Verbänden und

engagierten Bürgern und unter Einbeziehung aller Politikbereiche einer Kommune

eine Strategie gegen Kinderarmut entwickelt werden kann. Ziel hierbei ist das

Lernen von anderen Städten, um im eigenen Handeln neue Spielräume zu

nutzen. Diese Zusammenarbeit ist ein Musterbeispiel, wie man

ressourcensparend an Entwicklungen teilhaben kann und auch die eigenen

Erfahrungen an Dritte weitergeben kann. Netzwerke zu bilden ist der Auftrag den

die beteiligten Städte mit nach Hause nahmen. Bei der Weiterentwicklung der

Stadtgesellschaft werden in einem ersten Schritt insbesondere die Chancen von

Kindern mit besonderen Risiken in das Blickfeld genommen, an der Schnittstelle

von Familien, Jugendhilfe, Bildung, Arbeitsmarkt, und Kultur.

• Kinderfilmtage 2007 in Augsburg

&

Zum ersten Male in der 25-jährigen Geschichte der Augsburger Kinderfilmtage

war es im Jahr 2007 möglich, dass eine gezielte Zusammenarbeit zwischen dem

städtischen Projekt Kinderchancen und dem Augsburger Kinderfilmfest stattfinden

konnte. 1600 Eintrittskarten konnten an Bürger verteilt werden, die Kino fast nie

oder gar noch überhaupt nicht erlebt haben. Ausverkaufte Vorstellungen wohin

man ging. Gute Filmauswahl und die breitgefächerte Verteilung der vom

Sozialreferat der Stadt Augsburg zur Verfügung gestellten Eintrittskarten

ermöglichten für viele Familien mit Migrationshintergrund oder auch sozial

schwachen Familien ein „Aha-Erlebnis, das sie zusammen mit anderen

interessierten Augsburgern erleben durften. Migranten oder sozial schwache

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Familien schließen sich aus sehr unterschiedlichen Gründen aus unserer

Gesellschaft aus. Die einen, weil sie unsere Sprache, Kultur und Lebensweise

nicht verstehen können, andere können aus rein finanziellen Erwägungen nicht

ins Kino gehen. Ins Kino gehen bedeutet Teilhabe, Teilhabe an kulturellen

Veranstaltungen, Teilhabe an unserer Stadtgesellschaft. Was für viele von uns

kaum noch erwähnenswert erscheint, ist für einen Teil von uns eine Hürde, die

man so einfach nicht überwinden kann. Ein erheblicher Teil unserer kulturellen

Wahrnehmung findet heute über bewegte Bilder statt. Wenn aber ganze Teile

unserer Kinder eben von diesen Bildern ausgeschlossen sind, ist es nicht

verwunderlich, dass Integration zu einer sehr schwierigen Aufgabe wird. So war

es fast ein Glücksfall, dass Kinderchancen, Stadtteilmütter, das Augsburger

Filmbüro und das Sozialreferat der Stadt Augsburg im Zusammenwirken der

Bausteine in unserer sozialen Stadt deutsche und ausländische Filme einem

Publikum präsentieren konnten, das hoffentlich in der Zukunft kulturellen

Veranstaltungen in unserer Stadt aufgeschlossen und ohne Ängste

gegenübersteht und für das die Teilnahme (Teilhabe) etwas Selbstverständliches

wird.

• Aktionstag „Kinder sind Zukunft“ am 14.04.2007

Stellvertretend für alle Stadtteile Augsburgs fand am Samstag, 14.April 2007, in

Hochzoll ein Aktionstag zum Thema „Kinder sind Zukunft“ statt. Augsburg

beteiligte sich an einem bundesweiten Aktionstag, den die ARD initiiert und für den

Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft übernommen hat.

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Vom Sozialreferat der Stadt Augsburg wurde die Initiative des Ersten Deutschen

Fernsehens aufgegriffen und das Programm für diesen Tag - passend zu den

gewachsenen Strukturen des Referenz-Stadtteils Hochzoll – inhaltlich um

generationenübergreifende und bürgerschaftliche Elemente erweitert. Zusammen

mit der Stadt Augsburg gestalteten das Bündnis für Augsburg, das evangelische

Kinderheim Hochzoll, der Stadtjugendring, die Stadtteilinitiative Hochzoll, die

Aktionsgemeinschaft Hochzoll und die Kita Mittenwalderstraße den Aktionstag

„Kinder sind Zukunft“. Veranstaltungsort war „Der Laden“ an der Karwendelstraße

64, wo von 10 bis 16 Uhr Programm gemacht wurde. Dabei wurde vorgelesen und

gebastelt, es gab Sportakrobatik und Jonglieren, Malaktionen und jede Menge

Sport, Spiel und Spaß auf der Kinderheimwiese. Auch die Polizei hat sich mit

einem Informationsstand zur Prävention beteiligt. Außerdem wurden ein

Polizeimotorrad und ein Streifenwagen vorgeführt.

Mitwirkende:

Ev. Kinderheim- Hochzoll, Kath. Kinderheim-Hochzoll, Stadtjugendring,

Grundschulen, Kita-Mittenwalder Straße, Polizei, Bündnis für Augsburg,

Aktionsgemeinschaft Hochzoll, ARGE Hochzoll, Lehmbau, Pfarreien,

Sportakrobatikverein Hochzoll, Amt für Soziale Leistungen der Stadt Augsburg

Kompetenzzentrum für Integration, Projekt Kinderchancen, Kids-Stützpunkt Ost,

Seniorenbeirat der Stadt Augsburg, Sozialpaten

An dieser Stelle danken wir allen, die sich bereit erklärt haben, diesen Tag zu

einem Erfolg zu machen.

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• Augsburger Sozialpolitik im heute-journal 16.10.2006

Die Vorreiterrolle der „Augsburger Armutsprävention“ wurde in einer Reportage

für das heute-journal des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) eindrucksvoll

bestätigt. Sozialpaten und Kinderchancen, zwei wichtige Bausteine innerhalb der

Armutsprävention, wurden so einem breiten Publikum bekannt. Als einen neuen

dritten Weg in der bundesdeutschen Sozialpolitik wurde der „Augsburger Weg“

vorgestellt. Von Augsburg aus setzt sich eine lange in der Sozialpolitik nicht für

möglich gehaltene dynamische Entwicklung in Gang, um den äußerst negativen

Folgen von Armut auf kommunaler Ebene wirksam begegnen zu können. Die

Vernetzung zwischen bürgerschaftlichem Engagement und Verwaltung werden in

der Reportage als durchaus zukunftsfähig dargestellt. Insgesamt wurde das

große Engagement des Augsburger Sozialreferenten für den Umbau des

Sozialstaates gewürdigt. Das große Medieninteresse der letzten Jahre (GEO

12/05, Bayerischer Rundfunk, Süddeutsche Zeitung, Augsburg TV, Augsburger

Allgemeine, ZDF u.a.) zeigt letztlich, dass wir in Augsburg mit unseren

präventiven Ansätzen auf dem richtigen Wege sind.

• Schultütenaktion zum Schulbeginn 2007

Im September begann für viele Kinder erstmalig der „Ernst des Lebens“ nämlich die

Schulzeit. Um diesen für unsere Kinder so wichtigen Tag auch gebührend begehen

zu können, war es uns wichtig, dass die Schultüten aller Kinder in unserer Stadt

gefüllt sind. Aus diesem Grunde bekamen bis zum 30.09.2007 zweihundert

bedürftige Kinder auf Antrag in einer der Ausgabestellen vom Sozialreferat der Stadt

Augsburg einen zweckgebundenen Einkaufsgutschein in Höhe von 20,00 EURO als

Zuschuss für die Schulmaterialien.

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• Kinder – Kunst – Ausstellung „Freunde“

In der Aula des Verwaltungsgebäudes Stadtmetzg fand zum ersten Male eine

öffentliche Vernissage von Kinderbildern statt. Schirmherr Dr. Konrad Hummel

eröffnete die Ausstellung vor zahlreichen Gästen. Die Exponate entstanden bei einer

Aktion der Städtischen Kindertagesstätte Mittenwalderstraße im Rahmen des

Lechuferfestes 2007 und beim Aktionstag „ Kinder sind Zukunft “.

• Armutsprävention der Stadt seit Dezember 2007 online

Die Stadt Augsburg hat mit ihren Maßnahmen zur Armutsprävention bereits

bundesweit Presseresonanz und Anerkennung bekommen. Mit dem Konzept,

städtische Leistungen mit Bürgerengagement zu verknüpfen, gehen Sozialreferent

Dr. Hummel und das Amt für Soziale Leistungen neue Wege. Jetzt ist dieser wichtige

Bereich innerhalb des Sozialreferates in einem neuen Internetauftritt gebündelt.

Unter www.armutspraevention.augsburg.de oder über www.augsburg.de werden die

Projekte Wohnhilfe, Kinderchancen und Sozialpaten vorgestellt. Der Nutzer erhält

ausführliche Informationen zur Zielsetzung, den Leistungen und den Partnern. Die

wichtigsten Dokumente, etwa die Beitrittserklärung für den Verein Kinderchancen

e.V., können heruntergeladen werden und über Formulare kann der Interessent

direkt mit den Zuständigen Kontakt aufnehmen.

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• Beteiligung am Projekt der Kommunalen Jugendarbeit „Insel Delfina“

Das Projekt „Insel Delfina“ der Kommunalen Jugendarbeit vermittelt Augsburger

Kinder, die – aus finanziellen oder familiären Gründen – nicht mit ihren Eltern in den

Urlaub fahren können, in den Sommerferien an sogenannte „Ferienfamilien“ auf dem

Land. Bei diesen verbringen sie zwei bis drei Wochen der Sommerferien. Die Kinder

machen dort Naturerfahrungen und erleben den Umgang mit Tieren. Sie erhalten

Einblicke in ein stabiles Lebensumfeld mit allen positiven Möglichkeiten. Das Gefühl,

in der Ferienfamilie willkommen und akzeptiert zu sein sowie gemeinsames Spiel,

Spaß und Unbeschwertheit lässt sie gestärkt und fröhlicher nach Hause kommen.

Kinderchancen ermöglichte im Sommer 2007 sechzehn Kindern, deren Familien

selbst den geringen Eigenanteil für die Teilnahme nicht aufbringen konnten, die

Teilnahme an Insel Delfina und damit das Erlebnis, „in den Urlaub zu fahren“:

fröhliche Sommertage, Natur und Neues entdecken, Spiel, Spaß und Abenteuer,

neue positive Kontakte und vieles mehr....

• Beteiligung am Projekt der Kommunalen Jugendarbeit „Ostsee-Camp“

Auch die Teilnahme an einem weiteren Ferienprogramm der Kommunalen

Jugendarbeit, dem Ostsee-Camp, konnte Kinderchancen für viele Kinder und

Jugendliche ermöglichen.

Durch die Spende an mehr als 30 bedürftige Kinder und Jugendliche konnten diese

eine unbeschwerte Zeit im Camp in Scharbeutz an der Ostsee mit hauseigenem

Strand, Lagerleben und vielen tollen Aktionen – z.B. eine Kanufahrt und einen Tag

im Hansapark - erleben.

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Profile prekärer Lebenssituationen von Kindern in Augsburg – Daten aus dem Projekt

Kinderchancen 2007

• Verteilung auf die Sozialregionen in Prozent

Verteilung der Anträge auf die Sozialregionen Augsburgs

Ost (O)

30%

Süd (S)

11%

Mitte (M)

19%

Nord-West (NW)

40%

Süd (S) Mitte (M) Nord-West (NW) Ost (O)

Bei den vorstehenden Zahlen erleben wir, dass wir, im Rückblick auf die

Auswertungen im Armutspräventionsbericht 2006 keine wesentlich andere

Verteilung der Fälle bezogen auf die Sozialregionen vorfinden. Die Sozialregion

Nord / West mit ihren Stadtteilen Oberhausen, Kriegshaber und Pfersee stellen

einen deutlich höheren Anteil an Anträgen (39 %) als die Sozialregion Süd (11 %)

oder die Sozialregion Mitte (17 %). Nur die Sozialregion Ost (33 %) schließt zum

Nordwesten der Stadt auf. Es ist somit ein deutliches Gefälle innerhalb der Stadt

Augsburg festzustellen. Dieses Gefälle hat multiple Ursachen. Der Anteil an sozial

Schwachen, deren Familien seit Generationen auf staatliche Transferleistungen

angewiesen sind, ist in diesen Stadtteilen als hoch einzustufen. Der Zuzug von

Migranten in diese Regionen war in der Vergangenheit sehr hoch. Für diese

Familien in Frage kommender Wohnraum war und ist überwiegend in den

Stadtteilen vorhanden, die entweder ein hohes Sanierungspotenzial haben und /

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oder über ausreichend Leerstände an Wohnraum verfügten, die aufgrund des

Strukturwandels in der Augsburger Industrie vorhanden waren.

Viele Faktoren waren in der Folge ausschlaggebend für die heutige Situation.

Besonders betroffen sind die Schulen in der Regionen Ost und Nord-West. Allein

in den dort befindlichen Förder-, Grund- und Hauptschulen ist der Anteil an

Kindern, die ohne die Hilfen von Kinderchancen kaum auf Chancen in

Bildungsfragen hoffen könnten, da sie von zu Hause keine Unterstützung

erfahren, sehr hoch. Die hohe Konzentration von Menschen, die einer

sozialschwachen Schicht angehören, spiegelt sich folglich in der Verteilung der

Anträge auf Leistungen aus dem Projekt Kinderchancen wieder.

• Familienhintergründe der geförderten Kinder

Kinder von

Verheirateten

40%

Familienhintergründe der geförderten Kinder

Kinder von Eltern

in eheähnl.

Gemeinsch.

4%

Kinder von

Alleinerziehende

n

56%

Deutlich erkennbar ist die prekäre Situation bei den alleinerziehenden Müttern

und Vätern. Überlastung, Milieu, Überforderung und wirtschaftliche Not waren in

den meisten Fällen ausschlaggebend für die Antragstellung. Emotionale

Überforderung der Eltern, die in der Regel hinzuzurechnen ist, belastet die Kinder

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sehr. Eine Spirale der Eskalation, wie wir sie oft vorfanden, konnte in fast allen

Fällen gestoppt werden. Das Gefühl der Eltern, alles nicht mehr zu schaffen und

von allen gesellschaftlich relevanten Kräften mit seinen Problemen alleingelassen

worden zu sein, schafft für die Kinder eine Situation, in der sie keine

Unterstützung durch die Eltern erhalten und aus der sie sich alleine nicht befreien

können. Die Fähigkeit, die von der Gesellschaft geforderten Normen und

Leistungen zu erbringen, geht ohne die Hilfestellungen, die Kinderchancen bietet,

mit der Dauer dieses Zustandes zunehmend verloren. Die Folge sind Kinder, die

sozial und emotional verarmen.

Auch die Situation der Kinder, deren Eltern miteinander verheiratet sind, ist

vielfach als hochgradig instabil zu bezeichnen. In vielen dieser Familien sind

beide Elternteile hoch verschuldet, haben Migrationshintergrund und verfügen

selten über die notwendigen Kenntnisse um ihren Kindern in unserer

wissensorientierten komplexen Welt in schulischen Belangen helfen zu können.

Auch kulturelle Anpassungsschwierigkeiten spielen hier eine Rolle. Man kann bei

einem großen Teil dieser Familien von sehr fragilen Familienverhältnissen

sprechen, die bei kleinsten Erschütterungen auseinander zu brechen drohen. Die

gesellschaftlichen Kosten sowie die sozialen Folgen für die Kinder im Falle einer

Trennung sind enorm und sind deshalb durch präventive Maßnahmen bereits im

Vorfeld einer Krise zu verhindern. Die Entlastung der Eltern unserer geförderten

Kinder durch das Projekt Kinderchancen und dem Förderverein Kinderchancen

e.V. durch Maßnahmen, wie u. a. Unterbringung in Sportvereinen, Versorgung

mit Schulmaterialien, Hausaufgabenbetreuung, die Chance ein Musikinstrument

zu erlernen und vieles mehr, kann durch niederschwellige Hilfen schnell und

unkompliziert für die betroffenen Kinder bereitgestellt werden. In vielen Fällen war

die frühzeitige Intervention durch Kinderchancen ausschlaggebend dafür, dass

sich Familien wieder stabilisiert haben.

Kinder in eheähnlichen Gemeinschaften, die milieubedingt auch noch einer eher

sozialproblematischen Schicht zugehören, sind weiteren Risiken ausgesetzt. Das

Verständnis für die Verantwortung gegenüber der Lebensgemeinschaft bzw.

Familie ist hier oftmals nicht stark ausgeprägt vorhanden. Fragile

Lebensgemeinschaften - zusätzlich geschwächt durch eine Form der

Unverbindlichkeit gegenüber dem Lebenspartner - verhindern bei Kindern von

früh an, dass sie ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit entwickeln können.

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Hier ist es wichtig, sofort zu handeln und durch die Bereitstellung von Leistungen

aus dem Projekt Kinderchancen ein möglichst dichtes Netz an Hilfestellungen im

Einzelfall zu gewährleisten, und dies völlig unabhängig davon ob die Übernahme

von Krippenplätzen, Kindertagesstätten und Horten als gesetzliche Leistung

aufgrund geltender rechtlicher Bestimmungen möglich ist. Leistungen aus dem

Projekt Kinderchancen sind immer substitär zu gewähren.

• Schulsituation der geförderten Kinder

Schul- bzw. Vorschularten

HS

18%

Realschule

2%

Gymnasium

4%

Kiga

24%

GS

24%

Förderschule

28%

Hausaufgaben zuverlässig zu erledigen, strukturiertes Lernen, ja selbst

miteinander Spielen muss gelernt werden. Zu Hause sind viele Kinder sich selbst

überlassen. In vielen Fällen sind die Eltern aufgrund fehlender Bildung nicht in der

Lage, ihren Kindern auch für uns einfachste Dinge zu vermitteln. Gerade im

Bildungssektor wird überdeutlich, dass Chancengleichheit von Kindern

nicht von den finanziellen und / oder intellektuellen Möglichkeiten der Eltern

abhängen darf. Soziale und/oder Bildungsselektion führen zwangsläufig zu einer

Ungleichheit, die es betroffenen Kindern unmöglich macht, mit Kindern aus sozial

bessergestellten Familien gleichzuziehen. Von derzeit ca. 350 geförderten

Kindern im Projekt sind gerade einmal 6 Prozent in einer weiterführenden Schule.

70 % der geförderten Kinder, die auf eine Förderschule, Grundschule oder

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Hauptschule gehen, sind aus sozial emotional belasteten Familien mit und ohne

Migrationshintergrund. Wenn hier nicht mit Hausaufgabenhilfen, Unterstützung

bei der Beschaffung von Schulmaterialien sowie Hilfe bei der Beschaffung von

Nahrung, Kleidung und Wohnung geholfen wird, kann man heute schon

voraussagen, dass dadurch in Kauf genommen wird, dass eine neue Generation

an Sozialleistungsempfängern gesellschaftlich produziert wird.

Bei alledem ist es aber besonders erfreulich und hervorzuheben, dass es

trotzdem mit Hilfe von Kinderchancen möglich ist, Kinder aus sozial und

emotional belasteten Familien in weiterführende Schulen zu bringen. An den

vorhandenen Beispielen ist es möglich zu erkennen, was im Einzellfall notwendig

ist um dies zu bewerkstelligen. In allen Fällen ist zu beobachten, dass das Gefühl

von einigermaßen sozialer Sicherheit unabdingbar ist. Kinder in höheren Schulen

können den Anforderungen nur gerecht werden, wenn die Lebensbedingungen es

erlauben. Ausreichender Wohnraum (nicht ausschließlich an Quadratmetern

bemessen sondern an Räumen) ist eine, wenn nicht die wichtigste

Vorrausetzung, für den schulischen Erfolg, da nur so die Möglichkeit zu

ungestörten Lernen sichergestellt ist. Da dies aber in den meisten Fällen nicht

möglich ist (Bemessungsgrenzen im SGB II oder XII, zur Verfügung stehender

Wohnraum, kaum Wohnraum für Familien mit mehr als zwei Kinder u.v.a.),

bleiben oftmals nur noch die Förderangebote der Hausaufgabenbetreuungen und

Tagesseminaren, die unsere weiterführenden Schulen bereits dort anbieten. (z.B.

Maria Stern, Gymnasium bei St. Stephan)

Hier werden alle schulischen Hilfen bereitgestellt, die die von Kinderchancen

geförderten Kinder brauchen, um in der Schule bestehen zu können. Die

Problematik liegt in der Regel nicht an mangelhaften intellektuellen Möglichkeiten,

sondern an den Bedingungen, die vorliegen müssen, um die gleichen

schulischen Chancen zu haben, wie Kinder aus nicht belasteten Familien. Die alle

sechs Monate durchgeführte Erfolgskontrolle seitens des Projektes ergab ein

einheitliches Bild. Stimmen die Rahmenbedingungen, sind die Erfolgsaussichten

für die Kinder groß. Ohne den Einsatz von Kinderchancen gäbe es diese

positiven Beispiele nicht. Berechnungen der Perry-Studie aus Michigan/USA

(Anlage) ergaben, dass sich diese Förderungen in jedem Falle auch fiskalisch für

den Staat rechnen werden. Deshalb werden durch Kinderchancen bereits Kinder

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im Vorschulalter gefördert, um so noch größere Erfolgsaussichten und

Zukunftschancen für eine breitere Masse zu erreichen.

• Einkommensverteilung der Familien

Einkommensverteilung

andere

8%

EK

35%

Alg 2

57%

Alg 2

EK

andere

Bei der Einkommensverteilung stellt man eine für unsere Gesellschaft

dramatische Entwicklung fest. Zu den 57 % Alg-2 Empfängern kommt noch ein

Anteil von 35 % an Erwerbseinkommensempfängern, für die es bereits jetzt nicht

mehr möglich ist, die Erfüllung der notwendigsten Bedürfnisse für ihre Kinder

sicherzustellen.

Prekäre Einkommenssituation nennt man diesen Zustand, den wir in Deutschland

in immer größer werdendem Maße vorfinden. Besonders betroffen sind Familien

mit Kindern. Es sind nicht immer niedrige Löhne, die für diese Entwicklung

verantwortlich sind. Vielmehr sind auch Menschen betroffen, die -einfach

aufgrund der vorliegenden Steuer- und Abgabensituation, den davon

galoppierenden Energiepreisen (die mittlerweile häufig die Hälfte der

Mietzahlungen ausmachen) sowie ständig steigender Kosten für die

Grundversorgung der Familie mit Nahrung, Kleidung und Schulmaterial - ihr

gesamtes Einkommen einsetzen müssen. In vielen Fällen führt dies fast schon

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zwangsläufig zu Verschuldungssituationen, aus denen die Familien mit eigener

Kraft nicht mehr herauskommen werden. Menschen in prekären

Lebenssituationen ist es nicht möglich, ihre Kinder auf weiterführende Schulen

(mit höheren Kosten für Lernmittel, Nachhilfe etc.) oder gar auf eine Universität zu

schicken. Rechnet man zu den 57 % ALG-2 Empfänger noch die 35 % mit sehr

niedrigen Einkommen hinzu, sind 92 % der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten

nicht mehr in der Lage ihre Kinder mit den für die Entwicklung notwendigsten

Bedürfnissen zu versorgen. Kinderarmut ist die unausweichliche Folge dieser

Entwicklung.

• Verteilung nach Nationalitäten

Gegenüberstellung der geförderten Kinder

nach Nationalitäten

Ausländische

Kinder

39%

Deutsche Kinder

64%

Deutsche Kinder

Ausländische Kinder

Bei den deutschen Kindern sind auch die Kinder mit Migrationshintergrund und deutscher

Staatsbürgerschaft enthalten. Nichtdeutsche bzw. Ausländer sind EU-Ausländer ebenso

wie sonstige Ausländer. Asylbewerber und solche, die Leistungen nach dem

Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, erhalten keine Hilfen aus dem Projekt

Kinderchancen. Die Überschneidung um 5 % ergibt sich aus der teilweise vorhandenen

doppelten Staatsbürgerschaft.

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Die Zahlen bescheinigen uns deutlich, dass Kinderarmut kein Ausländerproblem

ist.

• Verteilung nach Geschlecht

Gegenüberstellung der geförderten Kinder

nach Geschlecht

weiblich

51%

männlich

49%

männlich

weiblich

Armut ist weiblich! Diese Erkenntnis spiegelt sich nicht auf den ersten Blick aus

der oberen Grafik wieder. Fügt man jedoch die Grafik zur Familiensituation noch

hinzu, lässt sich unschwer erkennen, dass Frauen (durch Alleinerziehung)

durchaus öfter von Armut betroffen sind.

Ohne Kinderchancen könnten schon heute mehr als 400

Kinder in Augsburg nicht mehr kindgerecht in

Chancengleichheit aufwachsen!

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Förderverein Kinderchancen e.V.

Förderverein Kinderchancen e.V.

„Jeder von uns kann etwas tun, damit unser Augsburg eine Stadt für alle Kinder

bleibt“! Hans Breuer, Alt-Oberbürgermeister

Das städtische Projekt zur Verwirklichung von Chancengleichheit für Kinder hat als

zusätzlichen Baustein einen Förderverein Kinderchancen e.V. bekommen.

Engagierte Bürger aus allen Teilen unserer Stadtgesellschaft, u. a. Wirtschaft,

Politik, Sport und kirchlichen Einrichtungen beteiligen sich durch einfache

Mitgliedschaft, Spenden oder auch durch Patenschaften am Gelingen dieses

Fördervereins. Bereits weit im Vorfeld der Gründung schlug den Verantwortlichen

viel Sympathie für diese Idee entgegen. Ein soziales Spannungsfeld, wie

Kinderarmut in Augsburg, vor Jahren kaum wahrgenommen und heute ein

bundesweites Topthema, erfährt hier, dass es außer dem Ruf nach immer mehr

öffentlichen Mitteln, auch Lösungen gibt die aus der Bevölkerung für die

Bevölkerung kommen, wie eben der Förderverein Kinderchancen e.V..

Liepert, Erster Polizeihauptkommissar

„ ...Kinder aus den unteren sozialen Schichten, vor allem mit

Migrationhintergrund, haben schlechtere Startchancen. Fehlende

Sprachkenntnisse der Kinder verursachen schlechte schulische Leistungen,

was natürlich dazu führt, dass die berufliche Ausbildung entsprechend

ausfällt. Fehlende Verdienstmöglichkeiten führen wiederum dazu, dass junge

Menschen straffällig werden. Sie finanzieren also in Zukunft nicht unser

soziales System, sondern fallen diesem zur Last.“

„Jeder Euro der dafür ausgegeben wird und jede Initiative die Kindern und

Jugendlichen bessere Startchancen verschafft, ist daher zu begrüßen.“

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