schrittliche OrDen: Die zwanziGer- UnD DreissiGer- jahre

ursulinenhof.at

schrittliche OrDen: Die zwanziGer- UnD DreissiGer- jahre

HISTORIE

Vom ehemaligen Kloster zum modernen Kulturzentrum


2 Der Orden der Gesellschaft der Heiligen Ursula

4 Die Gründung des Klosters

10 Von Kriegsnot und barocker prachtentfaltung

16 Die Kirche des Klosters zu St. Ursula – Ein Barockjuwel

20 Die regentschaft Josefs II: Das Kloster wird nicht aufgehoben

24 Die napoleonischen Kriege

26 Das neunzehnte Jahrhundert: Eine neue Zeit bricht an

34 Die Zeit des Ersten Großen Krieges

36 Der fortschrittliche Orden: Die Zwanziger- und Dreißigerjahre

40 Die Herrschaft des nationalsozialismus: Das Kloster in der Emigration

46 Wiederaufbau und ein Schulbeginn nach sieben Jahren

50 Ende und Auszug der Ordensfrauen

54 Vom Kloster St. Ursula zum Landeskulturzentrum Ursulinenhof

60 Anhang

FrOnLEIcHnAM, ScHüLErInnEn DEr UrSULInEn, 18. 06. 1911

Liebe Oberösterreicherinnen

und Oberösterreicher!

Seit nunmehr vier Jahrzehnten ist das Landeskulturzentrum Ursulinenhof in

Linz im Besitz des Landes Oberösterreich und steht für heimische Kunst und

Kultur im oberösterreichischen Kulturquartier.

Doch begonnen hat die eindrucksvolle Geschichte des Gebäudes bereits 1679

als Kloster der Ursulinen und war erste Adresse für die schulische Bildung und

christliche Erziehung von Mädchen in Oberösterreich.

Um die Historie des Ursulinenhofes auch für die jüngere und junge Generation

zu bewahren, wurde diese geschichtliche Broschüre in Auftrag gegeben.

Sie soll den Bogen spannen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen

schulischer Bildung und Bildung in Form von Kunst und Kultur.

Ich wünsche Ihnen spannende Unterhaltung, sei es nun beim Studium dieser

Broschüre oder bei einem Besuch im Landeskulturzentrum Ursulinenhof.

Ihr

Dr. Josef Pühringer

OBEröStErrEIcHIScHEr LAnDESHAUptMAnn


1. Kapitel

1535–1695

Der

OrDen Der

Gesellschaft

Der heiliGen

UrsUla

1535 GrünDUnG DEr GESELLScHAFt DEr HEILIGEn UrSULA

1600 nIEDErLASSUnG In rOM

1679 DEr OrDEn KOMMt nAcH LInZ

Der Orden der Gesellschaft der Heiligen Ursula

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sah sich die katholische Kirche mit neuen Geistesströmungen

konfrontiert. Humanismus, philosophie und nicht zuletzt die reformation

stellten ganz neue Herausforderungen für die „Alte Kirche“ dar. In jener Zeit bemühten

sich gerade die jungen Ordensgründungen um eine reform des Katholizismus. Sie

betrachteten es als vordringliche Aufgabe, sich in den Dienst der Krankenpflege, der

sozialen Fürsorge und nicht zuletzt des Erziehungswesens zu stellen.

Im Jahre 1534 hatte Ignatius von Loyola in paris die Gesellschaft Jesu gegründet. Ein Jahr

später folgte ihm Angela Merici mit der Gründung der Gesellschaft der Heiligen Ursula.

Angela Merici wurde 1474 am Gardasee geboren. 1535 gab sie die Satzung für den

von ihr gegründeten Orden heraus, die päpstliche Approbation folgte 1544. Mit ihrem

Lehrorden strebte sie nach einer vertieften Ausbildung der Frauen, nicht zuletzt zur

Wahrung der Ideale der christlichen Frau. Angela Merici starb am 27. Jänner 1540

und wurde 1768 selig-, 1808 heiliggesprochen.

Karl Borromäus war in der Folge der wichtigste Förderer des Ordens der Ursulinen. Er

berief den Orden nach Mailand und wurde von papst Gregor XIII. zum päpstlichen

Visitator des Ordens bestimmt. Um 1600 entstanden die ersten niederlassungen in

rom, 1614 wurde in Lüttich ein Kloster gegründet, von wo aus über Köln 1639 der erste

Schritt nach Deutschland getan wurde. 1655 entstand das Ursulinenkloster in prag, und

1660 berief Kaiserin Eleonore, Witwe Kaiser Ferdinands III., den Orden nach Wien.

Weitere Klostergründungen folgten 1670 in Klagenfurt, 1672 in Görz, 1676 in

pressburg, 1679 in Linz, 1686 in Graz, 1691 in Innsbruck und 1695 in Salzburg.

Als Ordensregel nahmen die Ursulinen die Augustinerregel an. Zur patronin hatten

sie die Jugendpatronin Sankt Ursula gewählt, da sie ihre Aufgabe in der Erziehung der

weiblichen Jugend sahen. Sie errichteten Volks- und Hauptschulen, näh- und Haushaltsschulen

und widmeten sich der Heranbildung von Erzieherinnen und Lehrerinnen.

Ihre pensionate mit Höheren töchterschulen genossen einen ausgezeichneten ruf

bei Adel und Bürgertum.

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2. Kapitel

1677–1695

Die

GrÜnDUnG

Des KlOsters

1618–1648 DrEISSIGJÄHrIGEr KrIEG

1677 BIttE An KAISEr LEOpOLD II. UM ErLAUBnIS ZUr GrünDUnG EInES KLOStErS

1678 GUtAcHtEn üBEr DIE MEInUnG DEr StÄnDE UnD LInZEr BürGErScHAFt

Die Gründung des Klosters

Die Gesellschaft der Heiligen Ursula zu Wien fasste unter Oberin M. Katharina

Alexia Augustina den Entschluss, auch in Linz eine niederlassung zu gründen. Im

Jahre 1677 trat der Orden an Kaiser Leopold II. mit der Bitte heran, ein Kloster mit

angeschlossener Schule zur Erziehung der weiblichen Jugend errichten zu dürfen.

Dieselbe Bitte wurde dem zuständigen passauer Fürstbischof vorgetragen.

Der Kaiser forderte im Jänner 1678 von Landeshauptmann Helmhart christoph

von Weißenwolf ein Gutachten über die Meinung der Stände und der Linzer Bürgerschaft

zur geplanten Ordensniederlassung der Ursulinen. Landeshauptmann und

Landstände zögerten die Antwort lange hinaus, da sie die ablehnende Haltung der

Linzer Bürgerschaft kannten, die Einbußen an Quartiergeld, Wachtgeld und Steuern

befürchtete.

Die Stadt Linz hatte jahrzehntelang mit widrigen Umständen zu kämpfen gehabt.

Während des Bauernkrieges 1626 waren viele Häuser zerstört worden, im Zuge des

Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war es immer wieder zu truppendurchmärschen

und Einquartierungen gekommen. Durch die Abwanderung der protestantischen

Bürgerschaft war die Wirtschaft empfindlich gestört. Dazu kam, dass Adelige und

Orden, welche Bürgerhäuser erworben hatten, sich durch eine einmalige Zahlung von

den Steuern an die Stadt befreien konnten. Es war also verständlich, wenn die Bürgerschaft

weiteren Klostergründungen ablehnend gegenüberstand. Man argumentierte,

Linz sei eine kleine Stadt, welche mit Kirchen, Klöstern und Geistlichen zur Verrichtung

der Gottesdienste zur Genüge versorgt sei.

M. Katharina Alexia Augustina wandte sich erneut mit einem Bittschreiben an den

Landeshauptmann und die Verordneten der Landstände. Die Verordneten kamen

schließlich überein, ihren Bericht so abzufassen, dass die letzte Entscheidung dem

Kaiser selbst überlassen wurde.

Auch die Jesuiten setzten sich für die Klosterneugründung ein. Als Betreuern des

1608 errichteten Jesuitengymnasiums lag den patres eine von Ordensfrauen geleitete

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DIE OrDEnSGrünDUnG WIrD BEWILLIGt 1679

GrUnDStücK WIrD ErWOrBEn 1679

Mädchenschule besonders am Herzen. rektor pater Diller betonte in seinem Gutachten

die nützlichkeit des Klosters für die Erziehung der weiblichen Jugend in Linz.

Den Ausschlag gaben schließlich einerseits die kaiserlichen Empfehlungsschreiben,

andererseits die Bereitschaft der Ursulinen, die Bürgerstöchter unentgeltlich zu unterrichten.

Die Stadträte erklärten sich widerstrebend bereit, den Ursulinen ein Grundstück

zum Bau eines neuen Klosters zu überlassen. Am 24. Mai 1679 wurde durch ein

kaiserliches Dekret die Ordensgründung in Linz bewilligt.

Oberin M. Katharina Alexia Augustina reiste in Begleitung mehrerer Schwestern per

Schiff von Wien nach Linz. Am 18. Juli traf die reisegesellschaft in Linz ein, wo tags

darauf der erste Besuch dem rektor der Jesuiten p. Dietrichstein galt.

Erwerb der Grundstücke und Klosterbau

In Absprache mit der Stadtbehörde standen den Ordensschwestern vier Grundstücke

zur Wahl: erstens das Haus Herrenstraße 18, welches Besitz des Lebzelters Mathias

panlehner war und 1671 schon den Karmeliten vorübergehend als Unterkunft gedient

hatte; zweitens die beiden Häuser der verwitweten Bürgermeistersgattin Apollonia pröller

an der Ecke Harrachstraße und Landstraße; drittens das nachbarhaus der Barbarakirche

an der Landstraße und schließlich viertens ein Grundstück im Kapuzinerfeld.

Die Ursulinen entschlossen sich zum Erwerb der beiden pröllerhäuser, da hier ausreichend

Grund und Wohnraum zur Verfügung standen. Der Besitz bestand aus einem

neu erbauten Haus samt Stadl und Garten sowie dem daran anschließenden Eckhaus

in der Harrachstraße und einem kleineren Wohnhaus samt Stallungen.

Als Kaufpreis wurde 6150 Gulden festgelegt, und da M. Katharina Alexia Augustina

8000 Gulden aus Wien mitgebracht hatte, konnte am 12. August 1679 der Verkauf vom

Stadtrat ratifiziert werden. nur zwei tage später bezogen die Ordensfrauen ihr neues

Domizil, vorerst provisorisch, denn die Gebäude bedurften noch einiger Adaptierungen.

pOStKArtE MIt DEr GESAMtAnSIcHt DES KLOStErS, UM 1910

Für die Befreiung von Abgaben an die Stadt verlangte der Magistrat eine einmalige

Zahlung von 5000 Gulden. nach tagelangen Verhandlungen kam man schließlich

überein, dass der Orden den Burgrechtspfennig sowie die Dienste an die Stadtpfarre

und an das Heilig-Geist-Beneficium zu leisten habe, jedoch von allen anderen Steuern,

rüstgeldern, Quartieren und Wachen nach einer Abschlagszahlung von 2000 Gulden

befreit werde.

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GrünDErIn M. KAtHArInA ALEXIA KEHrt nAcH WIEn ZUrücK 1680

M. MArIA ALOISIA WIrD ZUr OBErIn BEStELLt 1680

DEn 6 ScHüLErInnEn IM IntErnAt FOLGEn 40 ZöGLInGE IM EXtErnAt 1681

türKEnBELAGErUnG: VIELE ADELIGE UnD BürGEr FLIEHEn AUS WIEn 1683

nachdem auch das Ansuchen zur Errichtung einer Kapelle vom Bistum passau

positiv beantwortet wurde, konnte nach drei Jahren zähen ringens mit den Behörden

die Gründung des Ursulinenklosters zu Linz abgeschlossen werden. Die Gründerin

M. Katharina Alexia kehrte im April 1680 nach Wien zurück.

Zur ersten Linzer Oberin wurde M. Maria Aloisia bestellt, die das Amt bis 1699

ausübte. Die neue Oberin, eine geborene Gräfin cavriani, hatte aufgrund ihrer Herkunft

exzellente Kontakte zum Kaiserhof, insbesondere zur Kaiserinwitwe Eleonora,

aber auch zum landständischen und städtischen Adel und zum Bürgertum. Das

ermöglichte die Verwirklichung großer Vorhaben wie die Errichtung einer ersten

Kirche, den Erwerb weiterer Grundstücke sowie den Aufbau der Schule.

Kaiser Leopold II. spendete 1692 1500 Gulden, Ende Mai desselben Jahres trafen

vier Ordensfrauen aus Wien ein und brachten weitere 2000 Gulden zur Unterstützung

der Bauvorhaben des jungen Klosters. Das Unglück Wiens wurde dem Kloster

zum Segen: Da in Wien die pest wütete, waren zahlreiche vermögende Adelsfamilien

nach Linz gezogen und ermöglichten durch Spenden an das Kloster die Einrichtung

der Kirche und die Ausstattung mit liturgischen Geräten. Schon 1680 konnte in der

ersten hauseigenen Kirche (im pröllerhaus Landstraße 31) vom rektor des Jesuitenseminars

eine Messe gelesen werden.

Im Linzer Konvent lebten in jenen Jahren insgesamt sechs chorfrauen. Der Kremsmünsterer

Abt Ehrenbert übernahm den Schutz und die Oberaufsicht über das

Kloster und kleidete am 25. Jänner 1681 die erste novizin Maximiliana Baronesse

von Hagen als M. Maria paula ein; zwanzig Jahre später sollte sie Oberin des Klosters

werden (1703–1724). Eine ausdrückliche bischöfliche Erlaubnis war erforderlich, um

Schülerinnen ins Internat aufnehmen zu dürfen: Im Jänner 1680 wurde dies für adelige

Mädchen gestattet, im Juni auch für Bürgerstöchter. Den ersten sechs Schülerinnen

im Internat folgten 1681 schon 40 Zöglinge im Externat: Die Schule erfüllte tatsächlich

einen dringenden Bedarf der Stadt.

Im Jahr der türkenbelagerung 1683 flüchteten wieder viele Adelige und Bürger aus

dem bedrohten Wien nach Linz. Auch der Kaiserhof passierte die Stadt, was in Linz

1680 BEEnGtE rAUMVErHÄLtnISSE MAcHEn EInE ErWEItErUnG nötIG

1684 ErWErB DEr BEIDEn GrABMErHÄUSEr In DEr HArrAcHStrASSE

1692 DIE ArBEItEn BEGInnEn

1697 FErtIGStELLUnG, nEUE rÄUME KönnEn BEZOGEn WErDEn

zu Gerüchten führte, dass die türken in Verfolgung des kaiserlichen Schatzes bis in

das Land ob der Enns vorstoßen würden. Als die meisten Schülerinnen von ihren

Eltern abgeholt wurden, verließen auch die Ursulinen Kloster und Stadt und fanden

auf Schloss neuhaus an der Donau Zuflucht. Sie kamen dort im Juli 1683 an und

richteten sich notdürftig ein. Von den Schülerinnen waren nur drei mitgekommen.

Kaum war die nachricht vom glücklichen Ausgang der entscheidenden Schlacht am

Kahlenberg im Land ob der Enns eingetroffen, kehrten die Ordensfrauen wieder

nach Linz zurück.

Immer noch war das Kloster in den 1680 erworbenen Bürgerhäusern untergebracht.

Die beengten raumverhältnisse machten eine Erweiterung dringend nötig. 1684

gelang endlich der Erwerb der beiden Grabmerhäuser in der Harrachstraße um 4000

Gulden; sie rundeten den Grundbestand des Klosters nach Osten ab, sodass nun der

neubau des Klosters ins Auge gefasst werden konnte.

Es sollte vier trakte umfassen: Kirche, Konventgebäude, ein Internat für Kostschülerinnen

sowie das Schulhaus. Als die pläne schon weit gediehen waren, bewilligten die

Stände 1690 einen Zuschuss von 2000 Gulden. Im Mai desselben Jahres reiste die Oberin

mit drei Schwestern in das erst neun Jahre alte Dominikanerinnenkloster Windhaag bei

perg, um sich Anregungen für den neubau des eigenen Klosters zu holen.

In diesen Jahren wurden auch eifrig Spenden für den ehrgeizigen neubau gesammelt.

Entscheidend aber war, dass die adeligen chorfrauen oftmals beträchtliches Vermögen

mitbrachten. So erhielten beispielsweise die zwei chorfrauen M. Isabella und

M. Antonia Gräfinnen Salburg zu ihrem Eintritt 10.000 Gulden als Brautsteuer.

Am 21. Juli 1692 begannen die Arbeiten. Zuerst wurde der trakt an der nordostecke

des Areals in Angriff genommen, der für die Aufnahme des Internats vorgesehen war.

Im Sommer 1693 wurde das alte Grabmerhaus in der Harrachstraße abgerissen und

das Material gleich für den neubau weiterverwendet. Der gesamte Bau mit drei trakten

war bereits 1697 fertiggestellt und sämtliche räume konnten bezogen werden. 1695

wurde für eine Kopie der Altöttinger Madonna im Garten des Klosters eine kleine

achteckige Kapelle erbaut.

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3. Kapitel

1704 –1772

VOn

KrieGsnOt

UnD

barOcKer

PrachtentfaltUnG

1701–1714 SpAnIScHEr ErBFOLGEKrIEG

1726 DAS GrUnDStücK WIrD DUrcH DIE UrSULInEn ErWOrBEn

1732 DEr nEUBAU DEr KIrcHE WIrD GEnEHMIGt

Von Kriegsnot und barocker Prachtentfaltung

Um 1700 brachen unruhige Zeiten für Stadt und Kloster an. Im Zuge des Spanischen

Erbfolgekrieges befürchtete man im Jänner 1704 den Einmarsch bayrischer truppen. Die

Ursulinen räumten für einige tage ihr Kloster und ließen nur eine Wache zurück. Unterschlupf

fanden sie im Haus des Stadtrichters paul Franz Müller in der Badgasse. Schon am

31. Jänner konnten die Schwestern wieder in ihr unversehrtes Kloster zurückkehren.

Die Lage hatte sich zwar beruhigt, doch war die Stadt überfüllt mit Flüchtlingen, was die

Lebensmittelpreise enorm steigen ließ. nicht genug damit, musste auf päpstliche Weisung

auch noch Kirchensilber zur Bestreitung der Kriegskosten abgeliefert werden. trotz dieser

wirtschaftlichen probleme konnte das Klosterareal zügig weiter ausgebaut werden.

Schon 1691 hatten sich die Schwestern am Mößbachschen Garten östlich des Klostergrundes

interessiert gezeigt, allerdings war der Verkauf vom Stadtmagistrat abgelehnt

worden. Der Grund ging zuerst an den Bürger und rauchfangkehrer Valentin Sommerwin,

der ihn im August 1710 an Johann Georg Baron Fieger von Hirschberg weiterverkaufte.

Allerdings hatten die Ursulinen für den Kauf das Geld vorgestreckt, und sie waren es auch,

die mit der Kultivierung des komplett verwilderten Gartens begannen.

Als Baron Fieger wegen überschuldung die übergabe seines Besitzes an die Ursulinen ankündigte,

da diese seit geraumer Zeit die auf dem Grund liegenden Steuern beglichen hatten,

verweigerte der Magistrat abermals seine Bewilligung. Es sollte noch 16 Jahre dauern, bis

das Grundstück 1726 schließlich doch an die Ursulinen kam, drei Jahre später konnte der

Moserische Garten an der Ecke Bethlehemstraße / Dametzstraße erworben werden.

Die 1680 errichtete Kirche war zwischen 1696 und 1698 mit Altären ausgestattet worden.

nun drohte aber dem holzverschalten Bau der Einsturz. Oberin M. Maria Augustina trug

1732 ihrem Vetter Graf Stauffenberg die Bitte vor, bei der Kaiserin den neubau einer Kirche

zu erwirken, und schickte auf seinen rat hin eine Bittschrift an die Kaiserin. Der Kirchenbau

wurde tatsächlich genehmigt. Am 30. September 1732 wurde die feierliche Grundsteinlegung

inszeniert: rotsamtene Betschemel für Kaiserin und Hofdamen wurden in der

Baugrube aufgebaut, in der Mitte stand ein festlich geschmückter Altartisch.

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DIE GrUnDFEStEn DEr nEUEn KIrcHE WErDEn ErrIcHtEt 1736

BESEtZUnG VOn LInZ DUrcH BAyErn UnD FrAnZOSEn 1741/42

Eine geputzte Mörteltruhe, ein silberner Maurerhammer und eine Maurerkelle lagen

bereit. Um 9.30 Uhr erschienen die Hoheiten, Kaiserin Elisabeth christine hielt eine

kurze Ansprache und begab sich dann in Begleitung der Obristhofmeisterin Fürstin von

Lobkowitz zur Baustelle. Der Abt von Gleink weihte den Grundstein, der Medaillen

mit den kaiserlichen porträts und eine Gründungsinschrift enthielt. Ein Schriftstück

mit den namen des papstes, des Kaisers, des passauer Bischofs, des Gleinker Abts und

sämtlicher Linzer Ursulinen wurde beigelegt.

Doch kaum war das große Fest vorbei, blieb das projekt stecken. Monatelang herrschte

Stillstand, bevor man sich einem alternativen plan zuwandte, der aber auch nicht verwirklicht

wurde. Der immer schlechtere Zustand der bestehenden Kirche zwang jedoch

zur Eile: 1736 wurden die Grundfesten errichtet, am 25. April 1737 begann Baumeister

Haslinger mit dem aufgehenden Mauerwerk.

Das Hochaltarbild stellt die sieben Erzengel dar und ist ein Werk des Meisters

Martin Altomonte. Auftraggeber war Abt robert von Heiligenkreuz. nach dem tod

des Meisters 1745 schuf sein Sohn Bartholomäus Altomonte weitere Altarbilder für die

Ausgestaltung der Ursulinenkirche. Eine seiner töchter, Euphrosina, trat schon 1729

in den Orden ein, erhielt den Ordensnamen Maria Stanislaa und legte ihre profess am

21. Oktober 1731 ab. Die Besetzung von Linz durch Bayern und Franzosen 1741/42

verzögerte den Fortgang des Kirchenbaues erneut. Am 31. Juli 1741 wurde passau

besetzt, und am 14. September marschierte die bayerische Armee gemeinsam mit französischen

Hilfstruppen in Linz ein. Der Kurfürst zog mit der Hauptmacht weiter richtung

Mautern, ließ in Linz aber 10.000 Soldaten als Besatzung zurück. Oberin M. Maria

Augustina gab Anweisung, die Kirchenmauer gegen die Straße zu erhöhen, und ließ

die pforte mit zwei schweren riegeln verstärken. Es gelang gerade noch, den Kirchenneubau

einzudecken und so gegen die Witterung zu schützen.

Die Besatzungstruppen lagerten zunächst auf freiem Feld, das Spätherbstwetter zwang

sie aber schließlich, sich einzuquartieren. Am 9. november verlangten 50 französische

Soldaten auch bei den Ursulinen Quartier. nachdem man den französischen General

Segur unter Vermittlung des Beichtvaters der Ursulinen informiert hatte, dass es sich

um ein Kloster mit chorfrauen von großteils adeliger Herkunft handelte, ließ der

General zum Schutz der Schwestern eine Schildwache aufziehen; einquartiert wurde

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1742 GEnErALAnGrIFF AUF LInZ

1744 WEItErBAU DEr KIrcHE

lediglich ein Offizier. Die Lage verschlimmerte sich, als die Franzosen an der Enns von

den kaiserlichen truppen geschlagen wurden. Ende Dezember glich Linz einem Heerlager.

Gassen wurden mit palisaden verschanzt. Man bereitete sich auf einen Großangriff

der kaiserlichen truppen unter General Khevenhüller vor.

Im Karmelitenkloster lagerten 600 Mann Besatzungstruppen. Von den Ursulinen verlangten

die Franzosen ungehinderten Durchgang durch pforte und Klausur, worauf

Oberin M. Maria Augustina einem französischen Offizier den Haustorschlüssel des

Klosters überreichte, um eine Konfrontation zu verhindern. Die Schwestern konnten

im oberen Stockwerk wohnen bleiben, im Erdgeschoss verursachten die Soldaten jedoch

enorme Schäden, indem sie auf den Holzfußböden Feuer entzündeten, das Gitter der

pforte herausrissen und einige Mauern schleiften, um freies Schussfeld zu bekommen.

Am 23. Jänner 1742 verkündeten zwischen sieben und acht Uhr drei Kanonenschüsse den

Beginn des Generalangriffes auf Linz. Am tag zuvor war Großherzog Franz Stephan

von Lothringen, der Gemahl von Kaiserin Maria Theresia, zu den truppen gestoßen.

Eine kaiserliche Batterie feuerte vom Freinberg gegen das Kapuzinerkloster, wo die französischen

Stellungen dann von den Varasdiner panduren unter Oberst trenk genommen

wurden. Eine zweite Batterie schoss von den Kaplanhoffeldern und von der Eisernen

Hand gegen die Klöster der Karmeliten und Ursulinen.

Die Franzosen hielten die Fenster des Klosters besetzt, kaiserliche Kanonenkugeln schlugen

im Garten und im Klosterhof ein, beschädigten Fenster und Mauern, durchschlugen den

Dachboden und setzten den Wäscheboden in Brand. Hilfsschwestern konnten ihn löschen.

Die Franzosen kapitulierten noch in derselben nacht. Als ihnen und den Bayern freier

Abzug gewährt wurde, plünderten und zerstörten sie, was sie nicht mitnehmen konnten.

Am 24. Jänner zogen die kaiserlichen truppen in Linz ein. nun verlangten die österreicher

die Zahlung eines Ablösegeldes für die Glocken, welche der siegreichen Artillerie zustanden.

Die wirtschaftlichen Folgen waren verheerend. Das Kloster war schließlich sogar

auf Spenden angewiesen, um die Lebensmittelknappheit zu bewältigen: Sogar der Bischof

von passau schickte 150 Gulden als Soforthilfe. nach dieser Epoche der Unruhen konnte

sich der Orden ab 1744 endlich wieder dem Weiterbau der 1736 begonnenen Kirche

widmen. Unter Leitung von Oberin M. Maria Anna carolina (1744–1756), einer geborenen


HErZ-JESU-ALtAr ALS SEItEnALtAr 1745

EInFüHrUnG DEr KOpFStEUEr 1746

AUFHEBUnG DEr StEUErFrEIHEIt Für ADELIGE UnD GEIStL. FrEIHÄUSEr 1750

Gräfin türheim, wurde der Josephialtar in der Kapelle unter dem chor („Vermählungskapelle“)

errichtet. Das Familienwappen schmückt den Altar, der ein Geschenk ihrer

Brüder christoph Wilhelm und Sigmund war. Am 24. Juni 1745 wurde ein Herz-Jesu-

Altar als Seitenaltar aufgestellt und die Herz-Jesu-Andacht eingeführt.

Zehn Jahre später wandte sich der Orden mit der Bitte um die Festsetzung eines Einweihungstermins

an den Bischof von passau. Dieser ordnete aber erst einmal eine neue

Grundsteinlegung an, da sich der 1732 gelegte Grundstein außerhalb des nun bestehenden

Gebäudes befand. Dieser Festakt fand unter Leitung des Abtes des Stiftes St. Florian am

28. Mai 1755 statt. Der Grundstein befindet sich jetzt rechts neben der Eingangstür auf

der Seite der Vermählungskapelle und wurde zweieinhalb Schuh unter dem Boden der

Hauptgrundmauer eingesetzt. Als Oberin Maria Anna carolina im Jahre 1756 verstarb,

war zwar die Kirche der Ursulinen endlich fertiggestellt, es fehlten aber immer noch die

türme und die Ausgestaltung der Giebelfront.

Die regentschaft von Kaiserin Maria Theresia hatte zahlreiche neue Verordnungen gebracht,

die auch das klösterliche Leben der Ursulinen beeinflussten. Im Jänner 1746 wurde eine

Kopfsteuer eingeführt. Der Orden, der in Linz 44 Klosterfrauen, eine Kandidatin, zwei

Kirchendiener und eine Magd zählte, war zur Zahlung von 284 Gulden und 50 Kreuzer

verpflichtet. Die Oberin ersuchte vergeblich um nachlass des Betrages, da nicht nur

die Klosterangehörigen zu versorgen, sondern auch der Schulbetrieb zu finanzieren war.

Im April des gleichen Jahres wurde der Fleischkreuzer eingeführt, was dem Kloster einen

Fleischaufschlag von 40 Gulden abverlangte.

1752 wurde den Kirchen verboten, Defraudanten (Betrügern und Hinterziehern),

Mautschwärzern und Deserteuren Asyl zu gewähren, und zwei Jahre später wurden 23

Heiligenfeste als Feiertage gestrichen, die von nun an nur noch klosterintern begangen

wurden. Dazu kam noch das Verbot von pauken und trompeten in der Kirchenmusik.

Schon 1750 war durch kaiserlichen Erlass die Steuerfreiheit der adeligen und geistlichen

Freihäuser aufgehoben worden. Die Ursulinen wurden aufgefordert, die üblichen bürgerlichen

Steuern zu leisten. nach Verhandlungen einigten sich Kloster und Magistrat

auf eine jährliche Dominikalsteuer von 32 Gulden. Vom Burgrechtspfennig, den jeder

Hausbesitzer als Verzinsungssteuer abzuliefern hatte, konnte man sich durch eine

1756 M. KAtHArInA JOSEpHA ZUr OBErIn GEWÄHLt

1771 WEIHE DES nOrDtUrMS

1777 ABFASSUnG EInEr KLOStErcHrOnIK

einmalige Zahlung von 80 Gulden befreien. Im Juni 1756 wurde die vormalige präfektin der

Schule M. Katharina Josepha zur Oberin des Klosters gewählt (1756–1759). In den nur

drei Jahren ihrer Amtsführung wurde die Ursulinenkirche zu Ehren der sieben Erzengel

geweiht. Das St.-Michaelsfest am 29. September wurde zum jährlichen Kirchweihfest

bestimmt. trotz der Einschränkungen und teuerungswellen, welche der Siebenjährige

Krieg mit sich brachte, wurde gerade in dieser Zeit das Gotteshaus würdig eingerichtet.

Wieder waren es Erbschaften und Schenkungen, welche die Ausstattung des Ursula-

und des Augustinusaltars mit marmornen Abschlussgittern und die Anschaffung einer

neuen Weihnachtskrippe ermöglichten, die in einem Glasschrank auf dem Ursulaaltar

aufgestellt wurde. Dazu kamen Kelche, Lampen, paramente (Kanzel- und Altarbehänge),

Bilderrahmen und vieles andere.

Als Oberin M. Maria cajetana 1759 ihr Amt antrat, schenkte sie ihre volle Aufmerksamkeit

zunächst der neuorganisation des Klosterlebens. Gleich nach ihrer Wahl gab sie

eine neue Hausordnung heraus, in der die wesentlichen punkte der Ordensregel zusammengefasst

waren und die auch einen Festkalender beinhaltete. Zudem vereinfachte und

modernisierte sie den gesamten Klosterbetrieb. Es wurden allgemeine richtlinien für den

Unterricht im Externat und Internat der Schule ausgearbeitet und zu einem Lehrplan

zusammengefasst. Schließlich ordnete sie 1777 die Abfassung einer Klosterchronik an.

Das zweite große Vorhaben dieser Epoche waren der Ausbau der Giebelfront der Kirche

und die Errichtung der beiden türme. Der Bau war zwar vollendet und geweiht, doch

die Gebäudefront an der Landstraße glich noch einem provisorium, welches zur Dauereinrichtung

geworden war. nur ein Bretterverschlag war hier vorhanden, das portal bot

wenig Schutz vor Wind und Wetter. Dieser Zustand wurde schon bei der Kirchweihe

1757 bemängelt. So soll einmal sogar ein scheuendes pferd in die Kirche eingedrungen

sein und sich dort niedergelassen haben. Für den neubau der Kirchenfront spendete

Kaiserin Maria Theresia 600 Gulden, die Landstände steuerten 650 Gulden bei. Der Bau

begann im März 1770, und noch im gleichen Jahr waren der Giebel und der nordturm bis

auf Dachgesimshöhe fertig. Im Oktober 1771 erfolgte die Weihe des nordturms durch

den Abt des Stiftes St. Florian, im Mai 1772 die des Südturmes durch den Stadtpfarrer

von Enns. Am 8. november 1772 fand schließlich ein Dankgottesdienst zur Feier der

Fertigstellung statt. Die beiden türme der Ursulinenkirche prägen seitdem das Stadtbild

von Linz und gelten als Musterbeispiel des österreichischen Barock.

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4. Kapitel

1738–1801

Die

Kirche Des

KlOsters

zU st. UrsUla

ein barOcKjUwel

GESAMtAnSIcHt DES KLOStErS

Die Kirche des Klosters zu St. Ursula – ein Barockjuwel

Das Bauwerk, eine einschiffige Saalkirche mit dem Hochaltar im chorraum, je drei

Seitennischen für die Altäre an den Seitenwänden und jeweils einer Kapelle in den

Untergeschossen der türme, ist durch korinthische pilaster und durchlaufende

Gesimse gegliedert. Stuckkapitelle, Kartuschen, Voluten und putten bilden den reichen

Schmuck. Für die Kirchenfassade schufen die Steinmetzmeister Ignaz Hiebel und

Michael Herstorfer Kapitelle und Vasen.

Das Hauptportal wird flankiert von Statuen, die den Heiligen Antonius von padua

sowie den Heiligen Florian darstellen. Im Giebel hat eine drei Meter hohe Statue der

Immaculata ihren platz, zu ihren Seiten ruhen zwei Engel. Den Abschluss des Giebels

bildet ein Kreuz mit zwei knienden Engelsgestalten.

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DEr HOcHALtAr WIrD VOM ABt DES StIFtES HEILIGEnKrEUZ GEStIFtEt 1738

ErrIcHtUnG DES KrEUZALtArS 1755

DEr UrSULA-ALtAr FOLGt 1756

Der Hochaltar wurde 1738 vom Abt des Stiftes Heiligenkreuz gestiftet, das Altarbild,

das die sieben Erzengel darstellt, stammt von Meister Martin Altomonte. Da die

Stände des Landes Oberösterreich 3000 Gulden für diesen Altar spendeten, ist im

Giebel das Landeswappen eingesetzt. Je zwei Engel stehen links und rechts als Allegorien

von Hoffnung, Glaube, Liebe und Altarsakrament. Im rahmengefüge befindet

sich ein ebenfalls von Martin Altomonte stammendes Bild, welches ein Engelskonzert

darstellt. Engel und putten bilden den oberen Abschluss.

Der Altaraufbau stammt von Matthias Krinner und Franz Josef Mähl, der auch die

Statuen anfertigte. Sechs Seitenaltäre stehen in nischen: links der Annenaltar mit

einem von Bartholomäus Altomonte 1743 angefertigten Bildnis der sitzenden

Mutter Anna; es folgt der Augustinusaltar mit dem Altarbild des Heiligen Augustinus

von Antonio Bellucci, das in der ersten Kirche der Ursulinen den Hochaltar schmückte.

Das Ursulinenkloster war 1686 in den Besitz des Märtyrerleibes des Heiligen plazidus

gelangt, und so befindet sich diese reliquie in einem Glassarg am dritten Altar

links. Den Abschluss bildet der 1755 errichtete Kreuzaltar mit der Darstellung der

Kreuzigung Jesu.

An der rechten Seite stand ursprünglich statt der Lourdeskapelle ein Josefsaltar, auch

Vermählungsaltar genannt, eine Stiftung der türheimer aus dem Jahre 1775 mit deren

Wappen. Es folgt der Ursulaaltar, der in seinem Aufbau dem Augustinusaltar gleicht;

das Altarbild von Bartholomäus Altomonte aus dem Jahr 1756 verweist auf die

Ursulalegende.

Der Herz-Jesu-Altar wurde unter Oberin M. Karolina nach 1745 errichtet, das

ursprüngliche Altarbild wurde 1899 durch das gegenwärtige ersetzt. Die reihe wird

vom Marienaltar abgeschlossen, der 1756 errichtet wurde, die bekleidete Statue

konnte 1801 erworben werden. Beachtenswert ist auch die Kanzel, deren vergoldete

reliefs rafael als Begleiter des tobias, Jakobs traum von der Engelsleiter und die

Eltern Samsons darstellen. Der Schalldeckel wird von einem Engel mit Weltkugel

gekrönt, putten verweisen von links nach rechts auf die vier Erdteile Asien, Amerika,

Afrika und Europa.

QUIttUnG BArtHOLOMÄO MOntES üBEr DAS BILDnIS DES UrSULAALtArS, 1756

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5. Kapitel

1773–1786

Die

reGentschaft

jOsefs ii:

Das KlOster

wirD nicht

aUfGehOben

1773 AUFLöSUnG DES JESUItEnOrDEnS DUrcH pApSt cLEMEnS XIV

1782 AUFLöSUnG DEr KArMELItInnEn, DEr MInOrItEn UnD DEr KApUZInEr

1786 KAISEr JOSEF II BESIcHtEt pErSönLIcH DAS KLOStEr –

DEr FOrtBEStAnD ISt GESIcHErt

Die Regentschaft Josefs II:

Das Kloster wird nicht aufgehoben

nach der Thronbesteigung Kaiser Josefs II. brachen wieder turbulente Zeiten für

die Ursulinen an. Hatte man die Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 durch

papst clemens XIV. schon mit Sorge für die Zukunft der Klöster zur Kenntnis

genommen, so löste das kaiserliche Klosteraufhebungspatent vom 12. Jänner 1782

größte Bestürzung aus.

In Linz wurden die Ordenshäuser der Karmelitinnen, der Minoriten und der Kapuziner

aufgelöst. Auch das Kloster der Elisabethinen war gefährdet. Selbst der Besuch des

papstes pius IV. in Wien konnte die kaiserlichen Beschlüsse nicht beeinflussen. pius

besuchte am 24. April 1782 auch Linz und segnete im Vorbeifahren die vor der Kirche

Spalier stehenden Ordensfrauen.

Die Aufhebung der beschaulichen Orden brachte es mit sich, dass einige Ordensschwestern

den übertritt zu den Ursulinen in Erwägung zogen. Dies wurde von der

oberösterreichischen Landesregierung ausdrücklich gewünscht, da in der Schule des

Ordens zu dieser Zeit 250 Mädchen extern unterrichtet wurden, dazu noch 30 bis 40

Zöglinge im Klosterinternat.

Die Ausweitung der Schulkapazität war bei einer Gesamtschülerzahl in der Stadt Linz von

993 (Gesamtbevölkerung ca. 14.000) von größter Wichtigkeit. Zwei chorfrauen und drei

Laienschwestern des ehemaligen Karmelitinnenklosters traten schließlich in den Orden der

Ursulinen ein, später folgte noch eine Dominikanerin aus dem Kloster Thal in tirol.

Indessen begab sich Oberin M. Maria cajetana nach Steyr, um das dort aufgehobene

coelesterinerinnenkloster mit päpstlicher Bewilligung und mit Zustimmung des passauer

Bischofs in ein Ursulinenkloster umzuwandeln. Von den über 30 „Ex-nonnen“

erklärten sich jedoch nur fünf zum übertritt bereit. Sie wurden rasch in die Institutionen

ihres neuen Ordens eingeführt und zu Lehrerinnen ausgebildet. Schon im

november 1782 konnte in Steyr eine zweiklassige Mädchenschule eröffnet werden.

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Die Schulpräfektin von Linz blieb vorerst zur Anleitung und Unterstützung in Steyr.

Aber schon am 1. Juli 1784 wurde das Kloster zu Steyr wieder aufgehoben und die

Schule vom normalschulfond und weltlichen Lehrkräften übernommen.

Durch die übertrittswelle vom Jahr 1782 legten am 22. Mai 1785 dreizehn Ordensfrauen

ihre profess ab, doch waren darunter nur zwei novizinnen des Ursulinenordens. Die

Zeremonie leitete der seit drei Wochen inthronisierte erste Bischof Ernst Johann Graf

Herberstein der neu errichteten Diözese Linz. Immer noch drohte aber die Säkularisierung

der Schule, worauf unweigerlich die Aufhebung des Klosters gefolgt wäre.

Am 7. Oktober 1786 kam Kaiser Josef II persönlich nach Linz und inspizierte schon

am folgenden tag die städtischen Einrichtungen und Klöster, darunter auch jenes

DEr GArtEn

- 24 - - 25 -

der Ursulinen. Das Kosthaus und die Schule wurden besichtigt, und der Kaiser scheint

zufrieden gewesen zu sein: „Sie leisten ausgezeichnete Arbeit. Ihr Haus bleibt bestehen,

da herein soll niemand kommen.“ Der Fortbestand des Klosters war damit gesichert.

Als die Oberin 1794 starb, war nicht bloß die Klosteraufhebung abgewendet, sondern

auch die ökonomische Situation des Ordens gesichert. Durch Gartenbau konnte sich

das Kloster nicht nur versorgen, man erzielte sogar durch den Verkauf von überschüssen

beträchtliche Einnahmen, oft mehr als 300 Gulden jährlich. Der 1768 angelegte Garten

hatte in den ersten 20 Jahren einen reinertrag von über 3700 Gulden eingebracht. Kurz

vor ihrem tod ließ M. Maria cajetana einen eigenen Bibliothekstrakt einrichten, um

die zahlreichen, in verschiedensten räumen verstreuten Bücher würdig und zweckmäßig

unterbringen zu können.


6. Kapitel

1800 –1810

Die

naPOleOnischen

KrieGe

1800 DIE SIEGrEIcHE ArMEE nApOLEOnS rücKt In LInZ EIn

1810 DIE FrAnZOSEn VErLASSEn LInZ EnDGüLtIG

Die Napoleonischen Kriege

Am 21. Dezember 1800 rückte die siegreiche Armee napoleons in Linz ein. Ein

französischer Offizier quartierte sich im Ursulinenkloster ein, vor der pforte zog eine

Wache auf. Während der vier Monate dauernden Einquartierung versorgten die

Ordensschwestern österreichische Gefangene mit Lebensmitteln, lieferten Verbandsmaterial

und fertigten Hemden für die Besatzungsarmee.

Im november 1805 besetzten die Franzosen erneut die Stadt, allerdings in weitaus

höherer Zahl als beim ersten Mal. Die Ursulinen mussten 21 französischen Soldaten

Quartier geben, neuerlich stand vor der pforte eine Wache. nach der verlustreichen

Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 waren die Linzer Spitäler, besonders die

der Elisabethinen und der Barmherzigen Brüder, mit Verwundeten überfüllt. In der

Stadt herrschte chaos. Diesmal blieben die Franzosen bis Ende April 1806.

Drei Jahre später wiederholte sich diese Situation. Am 3. Mai 1809 begann um elf

Uhr der Beschuss von Ebelsberg, der Markt brannte, die Schlacht dauerte bis in die

nacht an. Urfahr wurde in Schutt und Asche gelegt, am 27. Mai wurde der pöstlingberg

beschossen und die Kirche schwer beschädigt. Das Gnadenbild wurde bei den

Ursulinen geborgen und blieb dort bis zur Wiederherstellung der pöstlingbergkirche

im Dezember.

Auch diesmal blieb das Ursulinenkloster nicht von Einquartierungen verschont, bis

zu 90 Mann samt pferden waren unterzubringen und ein Depot wurde eingerichtet.

napoleon verlangte von der Stadt eine hohe Kontribution, zu der die Ursulinen 1285

Gulden beisteuerten. Erst Anfang 1810 verließen die Franzosen Linz endgültig.

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7. Kapitel

1756 –1900

Das neUnzehnte

jahrhUnDert:

eine neUe

zeit bricht

an

1768 SELIGSprEcHUnG DEr OrDEnSGrünDErIn

1807 FEIErLIcHES HOcHFESt AnLÄSSLIcH DEr HEILIGSprEcHUnG

1869 DAS GESAMtE ScHULWESEn WIrD DEr AUFSIcHt DES StAAtES UntErStELLt

Das neunzehnte Jahrhundert:

Eine neue Zeit bricht an

Schon 1756 hatten sich die Ursulinen in rom mit der Bitte an ihre Linzer Mitschwestern

gewandt, einen Beitrag zur Seligsprechung der Ordensgründerin zu leisten. Die

Linzer Oberin sandte einen Betrag von 100 Gulden an die Sammelstelle nach Wien.

1768 erfolgte die Seligsprechung. 1770 konnte das Linzer Kloster sogar eine reliquie

der Seligen erwerben, welche in einer Silberkapsel in einer Monstranz zur Verehrung

aufgestellt wurde.

Anlässlich der Heiligsprechung im Jahre 1807 bereiteten die Ursulinen in Linz ein

feierliches Hochfest vor. Ein großes Gemälde der Heiligen Ursula wurde bei der

Malerin Gürtler aus Steyr in Auftrag gegeben, ein kleineres Bild war für den Sankt-

Ursula-Altar bestimmt. Kaiserin Maria Ludovika Beatrix und Erzherzogin Maria

Elisabeth spendeten 500 Gulden für die Feierlichkeiten.

Vom 25. bis zum 30. Juni 1808 fand eine reihe von Festgottesdiensten, predigten und

Andachten statt, den Höhepunkt bildete der von Generalvikar Mayr gehaltene Festgottesdienst.

Der Besuch war außerordentlich gut, zeitweise musste vor der Kirche

eine Militärwache postiert werden, um dem Ansturm der Menge Herr zu werden.

Die baulichen Veränderungen der nächsten Jahrzehnte betrafen das sogenannte Beichtvaterhaus,

das 1850 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde und durch ein neues „pfarrhöfchen“

ersetzt wurde. 1845 musste die seit 1791 bestehende Apotheke aufgelassen werden,

weil es nur mehr geprüften Apothekern erlaubt war, Medikamente zu verabreichen.

Das Kloster wurde fortan vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder versorgt.

Die größte Zäsur im 19. Jahrhundert bildete für die Ursulinen das reichsvolksschulgesetz

aus dem Jahre 1869, mit dem das gesamte Schulwesen der Aufsicht des Staates

unterstellt wurde. privatschulen wie die Ursulinenschule erhielten vom Ministerium

für Kultus und Unterricht nur dann das recht, staatsgültige Zeugnisse auszustellen,

wenn sich die Lehrkräfte einer Lehrbefähigunsprüfung unterzogen und Organisation

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DIE EXtErnE ScHULE ErHÄLt DAS öFFEntLIcHKEItSrEcHt 1871

DIE IntErnAtSScHULE ErHÄLt DAS rEcHt Für EInE VOLKSScHULE.1882

und Lehrziele dem staatlichen Lehrplan der öffentlichen Schulen angeglichen wurden.

Die externe Schule erhielt nach vorausgegangener prüfung am 26. Juli 1871 das

öffentlichkeitsrecht. Sie wurde von nun an als sechsklassige, ab 1874 als siebenklassige

Volksschule geführt.

Die Internatsschule erhielt 1882 das öffentlichkeitsrecht für eine fünfklassige Volksschule.

Wenn auch die Qualität des Unterrichts nicht bekannt ist, so ist doch die Vielfalt der

Unterrichtsgegenstände beachtlich: religion, Deutsch, Schreiben, rechnen und Geometrie,

Geschichte und Geografie, naturlehre und naturgeschichte, Gesang, pädagogik,

Stricken, Häkeln, nähen, Sticken, Kleidermachen, Wäscheglätten, Haushaltungskunde,

Zeichnen, Malen und Spritzen sowie Französisch, Englisch und Italienisch. 1887 wurde

die Internatsschule auf eine siebenklassige Volksschule erweitert. nach nochmaliger

Erweiterung 1891/92 teilte man sie in eine fünfklassige Volksschule und eine dreiklassige

Bürgerschule, die am 20. März 1899 das öffentlichkeitsrecht erhielt.

IntErnAt, ScHLAFSAAL IM ALtEn GEBÄUDE

töcHtErScHULE, JAHrGAnG 1916

ScHULKücHE

- 30 - - 31 -


Im Jahr 1900 wurde dem Internat eine zweijährige töchterschule angeschlossen, in

der die Vorbereitung für die Lehrerinnenbildungsanstalt absolviert werden konnte.

In deren Lehrplan wurden ab 1914 Kochkurse integriert. 1908 folgte schließlich die

Einführung einer Industrieschule (nähschule).

Mit diesen Schultypen war es den Ursulinen gelungen, einerseits die staatlichen Auflagen

zu erfüllen, andererseits stellten sie ein damals zeitgemäßes, in sich schlüssiges

Bildungssystem dar. Als Johanna Jax im Jahre 1898 als M. Maria Aloisia in den Orden

der Ursulinen eintrat, beschloss ihr Vater, der Linzer nähmaschinenfabrikant Johann

FrOnLEIcHnAM, ScHüLErInnEn DEr UrSULInEn, 18. 06. 1911

Jax, dem Orden als Mitgift ein Erholungsheim zu stiften. nach der Besichtigung

verschiedener Objekte kam es zum Ankauf des Schiefersedergutes in Bachl nr. 25

und 26. Am 15. Juli 1898 unterzeichneten Johann Jax und der Hofbesitzer Buchgeher

den Kaufvertrag. Die Bauarbeiten erwiesen sich wegen des harten Granitgesteins

als sehr schwierig, dennoch konnte am 16. Juli 1900 das zweistöckige „Marienheim“

eingeweiht werden. Es sollte vor allem den Lehrerinnen der Ursulinenschule als

Erholungsheim dienen, aber auch die übrigen Schwestern konnten hier Entspannung

außerhalb der Stadt finden.

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ZWEItEr JAHrGAnG DEr töcHtErScHULE, 1917/18

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8. Kapitel

1914 –1922

Die zeit

Des

ersten

GrOssen

KrieGes

ABtrAnSpOrt DEr GLOcKEn IM KrIEGSJAHr 1916

Die Zeit des Ersten Weltkrieges

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte die Einquartierung von reservisten und

Flüchtlingen. Die Einrichtung eines not-reservespitals (27. november 1914 bis 29. September

1915) hatte Einschränkungen im Schulbetrieb zur Folge. Die beengten raumverhältnisse

und die Lebensmittelknappheit ließen wiederholt Mitglieder des Konvents in

das Marienheim ausweichen, wo die Lage etwas erträglicher war. Die Schwestern hatten

für die Verpflegung von über 120 Verwundeten zu sorgen, was Schwerstarbeit bedeutete,

und so wurde das Marienheim wie ein Fluchtpunkt für sie. Am 2. Oktober 1916 mussten

auch noch die beiden großen Glocken für rüstungszwecke abgeliefert werden.

In den Hungerjahren nach 1918 wurde eine amerikanische Frühstücksaktion in die

Wege geleitet. Sie bestand bis 1921. Wegen Mangels an Heizmaterial wurde in den

Wintermonaten 1918/19 und 1919/20 Halbtagsunterricht eingeführt. 1921 erfolgte

die Konstituierung der „österreichischen provinz der Ursulinen“ in der „Unio romana“.

Das Linzer Kloster war schon 1905 der Unio romana beigetreten, einem auf päpstlichen

Wunsch erfolgten engeren Zusammenschluss vieler Ursulinenklöster. Es wies in diesen

Jahren einen Stand von 31 chorfrauen, 17 Laienschwestern und 4 novizinnen auf.

Das noviziat für die österreichische provinz der Unio romana wurde ins Marienheim

verlegt und am 31. Mai 1922 mit 16 novizinnen eröffnet.

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9. Kapitel

1924 –1937

Der fOrtschrittliche

OrDen:

Die zwanziGer-

UnD DreissiGerjahre

1929 DIE nEUE MÄDcHEnMIttELScHULE WIrD EröFFnEt

1930 ScHULHAUSnEUBAU An DEr DAMEtZStrASSE

1931 FEIErLIcHE EInWEIHUnG DES nEUEn ScHULGEBÄUDES

1937 DIE ErStE rEIFEprüFUnG WIrD ABGEHALtEn

Der fortschrittliche Orden:

Die Zwanziger- und Dreißigerjahre

Die Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre sind gekennzeichnet durch neuerliche

tiefgreifende Veränderungen im Schulbereich des Klosters. Gabriella Hauch hat diese

Jahre in ihrer Arbeit (s. Anhang) eingehend recherchiert und dargestellt.

Die Schülerinnen erhielten unentgeltlich Lehrmittel und waren von der Zahlung des

Schulgeldes befreit. Dennoch sanken die Schülerinnenzahlen des Externats durch

Abwanderung in die öffentlichen Schulen in den folgenden Jahren ständig, sodass

einzelne Klassen ab 1924/25 mit Internatsklassen verschmolzen wurden.

Schließlich reifte der Entschluss, eine private Mittelschule zu gründen. Die Bewilligung

zur Errichtung einer Frauenoberschule wurde am 4. April 1929 erteilt. Diese

Form hatte man gewählt, um den Kreuzschwestern keine Konkurrenz zu machen,

überlegte es sich aber schnell anders und suchte um die Umwandlung in ein realgymnasium

an. Dieser Bitte wurde im Unterrichtsministerium sofort entsprochen.

Mit 32 Schülerinnen eröffnete am 4. September 1929 die neue Mädchenmittelschule.

Schon in der Gründungsphase war klar, dass in Linz ein wesentlich höherer Bedarf

an Bildungsmöglichkeiten für Mädchen herrschte. Deshalb wurden pläne für einen

Schulhausneubau an der Dametzstraße ausgearbeitet. Im März 1930 begannen die

Vorarbeiten, Dombaumeister Schlager übernahm die Gesamtplanung.

Die Glashäuser im Garten wurden abgerissen, im Juni erfolgte der Spatenstich,

bereits 1931 war der rohbau fertiggestellt. Die feierliche Einweihung des neuen

Schulgebäudes fand am 24. Juni 1931 statt, und im Herbst stieg die Schülerinnenzahl

von 316 auf fast 500. Die erste reifeprüfung wurde 1937 abgehalten.

Unter den ersten Internatsschülerinnen war die zehnjährige Maria Helene Frauendorfer,

die mit der klösterlichen Internatszucht in den ersten Jahren nur schwer

zurechtkam. Obwohl sie sich später anpasste und bis zur Auflösung der Schule 1938

blieb, verarbeitete sie die Eindrücke und Erlebnisse Jahrzehnte später als Marlene

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DAS nEUE GEBÄUDE DES rEALGyMnASIUMS nOcH OHnE ErWEItErUnGSBAU, 1931/36

nEUES ScHULHAUS, InnEnrAUM

1922 ZWEI ScHWEStErn ArBEItEn SIcH In DIE MOntESSOrI-MEtHODE EIn

1834 KÄMpFE ZWIScHEn EXEKUtIVE UnD ScHUtZBUnD BrEcHEn AUS

Haushofer in mehreren romanen, die einen – wenn auch sehr persönlich gefärbten

und problembelasteten – Einblick in die Befindlichkeit einer höheren Schülerin im

Klosterinternat der Zwischenkriegszeit gewähren.

trotz strengster klösterlicher Disziplin blieb die Erziehung bürgerlicher Haus- und

Ehefrauen nicht die einzige richtschnur der Mädchenausbildung bei den Linzer

Ursulinen. Im Sommer 1922 begannen zwei Schwestern sich in die Montessori-

Methode einzuarbeiten und richteten im Einvernehmen mit dem Stadtschulrat eine

Versuchsklasse ein. Wahrscheinlich wurden diese reformpädagogischen Ansätze noch

mehrere Jahre lang fortgeführt. Aber auch andere Fakten wie der freiwillige Besuch

von Fortbildungskursen in Schulturnen und das Angebot vieler Freifächer sprechen

für eine – im gegebenen rahmen – durchaus fortschrittliche Einstellung der Schwestern.

Es ist anzunehmen, dass sich daraus in den Jahren des Ständestaates durchaus auch

Konflikte mit dem katholischen Bildungsideal für Frauen ergaben.

Als am 12. Februar 1934 in Linz die Kämpfe zwischen Exekutive und Schutzbund

ausbrachen, lag das Kloster an sehr gefährdeter Stelle. Die Schießereien im Hotel

Schiff und auf der Landstraße, für die jüngeren ein spannend-schauriges Schauspiel,

waren Anlass zur Versammlung aller Schülerinnen im sichereren Schultrakt. Wie in

vielen anderen Häusern und Einrichtungen wurde das tor geschlossen und verrammelt.

Erst wegen der Straßensperren, dann wegen der allgemeinen Unsicherheit wurde die

Schule für eine Woche geschlossen.

Als Lehrkräfte fungierten im Schuljahr 1937/38 vier Ordensfrauen, sechs externe

anstaltseigene Lehrkräfte und sieben nicht anstaltseigene Lehrkräfte. Auf Anregung

mancher Eltern, die das Lateinstudium ablehnten, wurde nun doch eine Frauenoberschule

eingeführt, die ebenfalls das öffentlichkeitsrecht erhielt. Wegen der steigenden

Schülerinnenzahlen in allen Schulformen (1935/36 waren es bereits 716, davon 90

Internatsschülerinnen) fasste Oberin M. Angela Lettner 1936 den Entschluss zur

Errichtung eines Erweiterungsbaues. Schon am 21. Oktober 1937 konnte das Gebäude

durch Generalvikar prälat Kolda eingeweiht werden. noch war nicht zu ahnen,

dass der neubau nur ein Jahr lang widmungsgemäß verwendet werden würde. Wieder

einmal waren es politische Ereignisse, die dem Wachstum ein jähes Ende setzten.

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10. Kapitel

1938 –1945

Die herrschaft

Des natiOnal-

sOzialismUs:

Das KlOster in

Der emiGratiOn

1938 LEHrKrÄFtE WErDEn AUF DEn FüHrEr DES DEUtScHEn rEIcHES VErEIDIGt

ScHLIESSUnG DEr ScHULEn

ZEIcHEnSAAL UnD FEStSAAL WErDEn HEErESGErIcHt

Die Herrschaft des Nationalsozialismus:

Das Kloster in der Emigration

Am 22. März 1938 wurden alle Lehrkräfte auf den Führer des Deutschen reiches

vereidigt, für die sogenannten Gesinnungsfächer durften nur mehr Lehrkräfte Verwendung

finden, die Unterricht nach dem nationalsozialistischen Ideengut erteilten. Mitte

Juli erhielt die Oberin den Erlass, in dem die Schließung der Schulen mitgeteilt wurde.

Mit 728 Schülerinnen beendete die Ursulinenschule im Juli 1938 ihren Betrieb. Die

Ordensfrauen seien nicht geeignet, die Schülerinnen im Geist des nationalsozialismus

zu erziehen, so das offizielle Urteil der neuen Machthaber. Die Mädchen wurden auf

die öffentlichen Schulen in Linz aufgeteilt.

noch im März wurde die Kommandantur der Infanterieregimenter nr. 55 und nr. 95

im neuen Schulgebäude an der (heutigen) Dametzstraße einquartiert. In den nächsten

Monaten erfolgten häufige Wechsel der regimentsstäbe. Im Mai kam der nächste

Schlag: Zeichensaal und Festsaal wurden durch das Heeresgericht, das Heeresbauamt

und die Heeresstandortverwaltung beschlagnahmt. Im September beanspruchte die

Landesfinanzdirektion den größten teil der räume des pensionates in der Harrachstraße.

In dieser Situation wurde am 18. Mai 1938 M. raphaela Kern zur provinzialoberin

ernannt und reiste bald darauf nach rom, um die äußerst schwierige Situation mit der

Generaloberin zu besprechen. Es ging schlicht um das Fortbestehen des Ordens im

ehemaligen österreich, da die Schließung aller Schulen und Internate die Existenz

des Ordens in Frage stellte. Der Sitz des provinzialats wurde von Wien nach Linz-

Marienheim verlegt.

Die Linzer Schwestern wurden angewiesen, sich reisepässe zu besorgen, und als erste

reiste M. Aloisia Jax, tochter des Stifters des Marienheims, am 14. September 1938

nach tournai in Belgien. Bis zum november war die Zahl der ausgewanderten Schwestern

auf etwa 30 angewachsen. Belgien, England, niederlande, Frankreich und Italien waren

die Fluchtländer. Das noviziat wurde nach Beaugency in Frankreich verlegt.

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KLAUSUrtrAKt WIrD ZU GEFÄnGnIS Für pOLItIScHE GEFAnGEnE UMGEBAUt 1938

ScHWEStEr KAMILLA WIrD In GEStApOHAFt GEnOMMEn 1941

DEM OrDEn VErBLEIBEn nUr nOcH 1/5 DES BISHErIGEn GrUnDBESItZES .

Im Oktober beschlagnahmte die Wehrmacht die Klausur des Klosters, und im november

wurden die Schwestern informiert, dass ihnen lediglich die räume direkt an der Kirche

belassen würden. Das Externat war schon im September in eine staatliche Frauenschule umgewandelt

worden. Die Mehrzahl der noch verbliebenen Schwestern zog ins Marienheim.

nur einige harrten im Kloster aus, dessen verbliebene räume sie sich mit den Kreuzschwestern

teilten, die Küchendienst für die Wehrmacht erfüllten. Die Zellen im

Klausurtrakt wurden zu Gefängniszellen umgebaut. Die Fenster wurden bis auf einen

schmalen Schlitz zugemauert und mit Eisengittern versehen. Im Inneren befanden

sich Mauerringe, Fußfesseln, Ketten und eine Holzpritsche. In diesem Gefängnis waren

bis 1945 politische Häftlinge eingesperrt, darunter auch Franz Jägerstätter.

Vom 12. Mai bis 19. Juni 1941 wurde Schwester Kamilla in Gestapohaft genommen,

weil sie im Winter einem barfuß im Hof arbeitenden Häftling Socken zugeworfen

hatte. Mit Fortdauer des Krieges mussten zehn Schwestern im Linzer Kloster Vorhänge,

Socken, Decken und sonstige textilien für die Wehrmacht herstellen. Im

november 1941 wurden sämtliche Glocken abgenommen und abgeliefert.

Auch in ihrer Zufluchtsstätte Marienheim waren die Ordensfrauen vor den Zugriffen

der nationalsozialistischen Machthaber nicht gefeit. Der zum Marienheim gehörige

Meierhof musste gegen Entschädigung an die Hermann Göring Werke abgegeben werden.

Den Ursulinen verblieben der Klausurgarten, ein Lärchenwäldchen und die Hauswiese.

1941 verblieb dem Orden nur noch ein Fünftel des bisherigen Grundbesitzes.

Die Unterbringung von 30 bis 35 Arbeitsmaiden im September 1941 sowie die

nutzung als Erholungsheim für 40 Schülerinnen im Oktober gleichen Jahres wurde

wieder abgeblasen, da das Gut über keinen Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel

verfügte. Ab 1943 zeigte das Linzer polizeipräsidium an dem Gebäude Interesse, da es

außerhalb der bombengefährdeten Zone lag. Auch ein Oberst der Wehrmacht hatte

ein Auge darauf geworfen. Die provinzoberin M. raphaela Kern führte persönlich

alle schwierigen Verhandlungen mit den Behörden und der partei und konnte durch

kluges Vorgehen das Marienheim dem Orden erhalten.

1945 DAS MIttELScHIFF DES LInZEr DOMS WIrD ZErStört

DIE US-ArMEE rücKt In DIE ZErStörtE StADt EIn

Als bei einem Luftangriff am 20. Jänner 1945 das Mittelschiff des Linzer Doms

zerstört wurde, übernahm die Ursulinenkirche die Funktion der Bischofskirche. Im

Februar gab es 20 Luftalarme und drei Angriffe auf Linz, die große Zerstörungen

anrichteten. Der Südturm der Ursulinenkirche wurde beschädigt und zahlreiche

Fenster gingen in Scherben.

Ab 25. April 1945 war die Infrastruktur der Stadt zur Gänze lahmgelegt. Es gab

weder post noch Zeitung, die Straßenbahn hatte den Betrieb eingestellt. Am 4. Mai

1945 rückte schließlich die US-Armee in die zerstörte Stadt ein.

Im Kloster der Ursulinen waren zu diesem Zeitpunkt etwa 13.000 Gefangene einquartiert,

die sich irgendwie durchbringen mussten und dabei Haus und Garten

verwüsteten, plünderten und große Schäden verursachten, bevor sie nach Wegscheid

verlegt wurden. Ab 10. Mai konnten die Ordensschwestern mit Hilfe der Amerikaner

die rückübersiedlung vom Marienheim in das Stadtkloster beginnen.

Die Kriegsgefangenen wurden für Aufräumungsarbeiten eingesetzt, allerdings unter

Aufsicht der Amerikaner, die auch vom 17. Juni 1945 bis 8. Jänner 1946 das Schulgebäude

teilweise beschlagnahmten. Das Fürsorgeamt, das Versorgungsamt sowie die

Landesversicherung waren ebenfalls in den Klosterräumen untergebracht. Es herrschte

allenthalben platzmangel in der bombenzerstörten Stadt.

Zwischen Oktober 1945 und Juli 1946 kehrten mehrere Schwestern aus dem Ausland

zurück. Dazu kamen noch 14 Schwestern, welche aus der tschechoslowakei ausgewiesen

worden waren und in Linz verblieben.

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1938 -1945

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11. Kapitel

1945 –1953

wieDeraUfbaU

UnD ein

schUlbeGinn

nach sieben

jahren

1945 DIE VOLKS-, DIE HAUpt- UnD EInE HAUSHALtUnGSScHULE WErDEn EröFFnEt

1946 Dr. EBErHArD MArcKHGOtt WIrD nEUEr KIrcHEnrEKtOr

Der Wiederaufbau und ein

Schulbeginn nach sieben Jahren

Die am 4. november neu gewählte Oberin M. Bernarda Bankovska sah sich vor die

schwierige Aufgabe des Wiederaufbaues gestellt. Schon bald konnte nach siebenjähriger

Unterbrechung der Betrieb im Kindergarten und in der Ursulinenschule wieder

aufgenommen werden.

trotz raumnot, Kriegszerstörung und plünderungen wurden im Herbst 1945 die

vierklassige Volksschule, die dreiklassige Hauptschule und eine einjährige Haushaltungsschule

mit parallelzug eröffnet.

Die dreijährige Höhere Lehranstalt für Frauenberufe konnte wegen platzmangels

infolge der amerikanischen Besatzung erst im Jänner 1946 eröffnet werden. Drei

räume stellte man dem staatlichen pädagogium zur Verfügung, dessen Gebäude von

Bomben zerstört war. Eine besondere Herausforderung stellte die häufige überquerung

der Zonengrenze auf der nibelungenbrücke dar, weil die Schwestern

zum teil im Marienheim wohnten und so aus der russischen in die amerikanische

Besatzungszone „reisen“ mussten.

Im September 1946 übernahm Dr. Eberhard Marckhgott, ein Enkel des Gründers

des Marienheims Johann Jax, die Stelle des Kirchenrektors bei den Ursulinen. Seinem

Wirken ist die Erhaltung der achteckigen Altöttinger Muttergotteskapelle im Garten

des Klosters zu verdanken.

Der 1695 als Stiftung des Hofkanzlers Johann Buccelini errichtete Zentralbau hatte seit

dem Verbot Kaiser Josefs II., die Ordensfrauen in der Gruft beizusetzen, als Aufbahrungshalle

gedient, erst seit 1925 durfte die Gruft wieder als Grablege genutzt werden.

Als letzte Ordensfrau wurde am 5. Juli 1974 Sr. notburga in der Gruft beigesetzt.

Vom Stift Lambach erwarb Marckhgott den barocken Springbrunnen, welcher aus

der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt. Und als im Oktober 1953 Bischof

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EStAUrIErUnG DEr HAUSFrOnt An DEr LAnDStrASSE 1949

WEIHUnG DES UrSULADEnKMALS DUrcH BIScHOF FLIESSEr 1953

Fließer die Weihe und Enthüllung des vom Bildhauer Josef Thorak geschaffenen

Ursuladenkmals vornahm, hielt Dr. Marckhgott die Festansprache mit einer genauen

Darstellung der Ursulalegende.

Die Statue wurde nach der Auflassung des Klosters im Jahre 1968 in den Garten vor

dem Marienheim übertragen. Schließlich erreichte er in Zusammenarbeit mit dem

Linzer Kunsthistoriker Justus Schmidt die Einrichtung eines Konventmuseums, das

1957 eröffnet wurde.

Im Herbst 1949 wurde unter Leitung des Architekten Ing. J. Arndt die restaurierung

der Hausfront an der Landstraße begonnen. Dies geschah zeitgleich mit der Vermietung

von fünf Geschäftslokalen und bereitete sowohl im technischen wie im

denkmalschützerischen Sinn große Schwierigkeiten. Dennoch war der Umbau im

Februar 1950 fertiggestellt und der barocke charakter der Fassade trotz neuer Auslagenfenster

nicht gestört. 1953 folgte der Umbau des traktes in der Harrachstraße

auf die gleiche Weise.

VOr DEr UrSULInEnScHULE

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12. Kapitel

1957–1969

enDe

UnD aUszUG

Der OrDensfraUen

1957 DrOHEnDE AUFLöSUnG DES UrSULInEnKOnVEntS

200-JÄHrIGES JUBILÄUM DEr EInWEIHUnG DEr UrSULInEnKIrcHE

1965 ScHULBEtrIEB BEI DEn UrSULInEn WIrD AUFGELASSEn

1968 DEr GESAMtE KLOStErKOMpLEX WIrD ZUM VErKAUF AUSGEScHrIEBEn

Ende und Auszug der Ordensfrauen

Im April 1957 war erstmals von der Auflösung des Ursulinenkonvents die rede.

Grund hierfür war der immer deutlicher spürbare Schwesternmangel. Das bischöfliche

Konsistorium zeigte sich wenig erfreut über die geplante Schließung des Klosters,

sodass kein Auflösungsbeschluss gefasst wurde.

Vom 16. bis 18. november 1957 wurde das zweihundertjährige Jubiläum der Einweihung

der Ursulinenkirche gefeiert. noch einmal wurde auf die großen Leistungen

des Ordens in Fragen des Erziehungswesens verwiesen, Diözesanbischof Zauner

bezeichnete die tätigkeit des Ursulinenordens als unverzichtbar für Linz. Acht Jahre

später kam dann das abrupte Ende. trotz zahlreicher baulicher Verbesserungen 1961

(neue Beleuchtung, telefon, Gasheizung etc.) war das Klostergebäude wirtschaftlich

nicht mehr zu halten; der Orden hatte sich in Salzburg und Wien mit neubauten

engagiert, der dringende renovierungsbedarf vor allem der Kirche in Linz überstieg

die Möglichkeiten.

Im Jänner 1965 erfuhren die Schwestern, dass nach langen Beratungen der Schulbetrieb

bei den Ursulinen aufgelassen werde. Im folgenden Schuljahr käme es zu keinen

neuaufnahmen mehr, die übrigen Klasse sollten bis zum Jahr 1968 auslaufen. Schon

im Sommer 1966 waren drei räume im Schulgebäude an das musisch-pädagogische

realgymnasium vermietet worden. Die Klosterbibliothek und nicht mehr benötigtes

Mobiliar wurde in den folgenden Jahren verkauft. Den verbliebenen rest

brachte man ins Marienheim, das den Ursulinen als kleines Kloster erhalten bleiben

sollte. Liturgische Geräte, paramente und Statuen wurden an pfarreien und Klöster

abgegeben.

Der gesamte Klosterkomplex wurde zum Verkauf ausgeschrieben: „Das insgesamt

zum Verkauf gelangende, 9477 Quadratmeter große, nur zum teil verbaute Areal liegt

an der Hauptgeschäftsstraße von Linz und wurde bisher als Schule und Internat von

den Ursulinen benützt. Die ganze Liegenschaft wird wegen Auflassung der genannten

Einrichtungen verkauft.“ (Salzburger Nachrichten, 9. März 1968).

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Die Schulbehörde zeigte anfangs Interesse, im Frühjahr 1968 erfolgte jedoch eine

Absage. Auch von kirchlicher Seite bestand aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse

an der übernahme der Klosteranlage.

Im Juni 1968 fand die letzte Maturaprüfung statt, und im november desselben Jahres

übersiedelten 25 Schwestern ins Marienheim, das für die neue Aufgabe als „Klösterlein“

adaptiert worden war. Zwei Schwestern blieben vorerst noch im Kloster an

der Landstraße, um die geschäftlichen Angelegenheiten abzuwickeln. Im Marienheim

übernahm die neue Oberin M. Eleonora Ehrenstrasser mit 5. August 1969 die

schwierige Aufgabe des Klosterverkaufs.

EInE DEr LEtZtEn KLASSEn DEr UrSULInEn

LEtZtE MAtUrAprüFUnG 1968

KLOStErVErKAUF 1969

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13. Kapitel

1965 –2008

VOm KlOster

st. UrsUla

zUm lanDes-

KUltUrzentrUm

UrsUlinenhOf

1970 StUrMScHÄDEn An DEr FASSADE

1971 SIcHErUnG DEr ScHAUSEItE

1972 AnKAUF DUrcH DAS LAnD OBEröStErrEIcH

Vom Kloster St. Ursula zum

Landeskulturzentrum Ursulinenhof

Seit 1965 war die Absicht des Ordens bekannt, das Eigentum an Kirche und Kloster

in Linz aufzugeben. Im selben Jahr brachten die Oberösterreichischen Nachrichten einen

Artikel mit dem titel „Gefahr einer Spekulation um das Linzer Ursulinenkloster abwenden“:

Es gehe um das letzte Stück Barock an der Landstraße, war der Hilferuf

manch besorgter Denkmalschützer, zumal nach dem Auszug des Ordens das Gebäude

einige Jahre ungenutzt war und dem Verfall preisgegeben schien.

Eine nutzung als Lehrerakademie oder Schülerheim wurde ergebnislos diskutiert.

Mit Ausnahme der Geschäftslokale im Erdgeschoss blieb das Gebäude leer. Im

Herbst 1970 kam es zu Sturmschäden an der Fassade, im darauf folgenden Frühjahr

lösten starke Wolkenbrüche große Verputzbrocken, die auf die Landstraße fielen.

Die Baupolizei forderte daraufhin die Sicherung oder gar Abräumung eines teils der

Fassadengliederung. Im Zusammenwirken von Bund, Land, Diözese und Stadt Linz

konnte die Sicherung der Schauseite bis 1971/72 durchgeführt werden. Die Bauherrschaft

übernahm der Verein Denkmalpflege in Oberösterreich.

Als nächster Schritt erfolgte der Ankauf durch das Land Oberösterreich. Am 20. Dezember

1972 unterzeichnete die bevollmächtigte Oberin M. Eleonora Ehrenstraßer die

Abtretung des Klostergebäudes an das Land. Im selben Jahr stimmte auch das Bundesdenkmalamt

der Eigentumsübertragung und Adaptierung des Baues zu. 1973 konnte

mit den planungsarbeiten begonnen werden, Baubeginn war der 6. August 1973.

Der trakt in der Harrachstraße wurde bis auf das Erdgeschoss komplett abgetragen,

nur die Geschäftslokale blieben, um den Geschäftsgang nicht zu unterbrechen. Der

Umfang der Adaptierungen gibt eine Vorstellung vom Sanierungsaufwand: Erneuerung

des gesamten Dachstuhls und neueindeckung; Erneuerung aller abgefaulten

Dippelbaumdecken; komplette Sanierung aller Böden, Fenster und türen; Erneuerung

aller Fassaden sowie restaurierung der Steingewände und portale.

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DAS nEUE LAnDESKULtUrZEntrUM WIrD EröFFnEt 1977

MODErnES KULtUr-, VErAnStALtUnGS- UnD prESSEZEntrUM 2007

Dazu kamen zeitgemäße Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallation und der Einbau

von Klimaanlagen für restaurant, Festsaal und pressezentrum, schließlich die Gestaltung

der räume und Innenhofanlagen.

Im März 1977 konnte der damalige Kulturreferent des Landes Oberösterreich

Dr. Josef ratzenböck das neue Landeskulturzentrum feierlich eröffnen. In seinem

Geleitwort zur Festschrift anlässlich der Eröffnung schrieb er: „Die Landesregierung

hat dieses Haus, das von seinen früheren Besitzern aufgegeben werden musste, dem

möglichen Verfall entrissen, es nach denkmalpflegerischen Grundsätzen vollkommen

renoviert und mit den technischen Errungenschaften der Gegenwart versehen. nunmehr

wird es einer weit gefächerten Vielzahl kultureller Organisationen und zur

aktiven Kulturarbeit zur Verfügung gestellt (...). Das Ziel dieser Bestrebungen ist es

– auf eine Kurzformel gebracht – Kulturschaffen jeder Art zu ermutigen und zu fördern,

Kultur einem immer größeren Kreis von Menschen zu erschließen und damit die

Gefahr der zivilisatorischen Vermassung und Gleichgültigkeit entgegenzuwirken. Die

Entwicklung eines Kulturbewusstseins auf breiter Basis soll vorangetrieben und damit

zur Humanisierung beigetragen werden.“

Die Vielzahl und Breite der kulturellen Organisationen war von Anfang an ein

Markenzeichen des Ursulinenhofes. Eine Auflistung der Vereine und Organisationen

(siehe Anhang), welche schon zu Beginn das Haus bevölkerten, gibt ein Bild davon,

dass dieses Vorhaben geglückt ist.

Doch auch hier ergaben sich mit den Jahrzehnten Veränderungen. So wurde der

Ursulinenhof im Jahr 2007 von der Heimstätte für kulturelle Vereine und Organisationen

zu einem modernen Kultur-, Veranstaltungs- und pressezentrum mitten im ober-

österreichischen Kulturquartier: Das Haus beherbergt jetzt Galerien, Kulturvereine

und Institutionen (siehe Anhang), die sich ganzjährig mit vielfältigen Veranstaltungen

und Bildungsangeboten präsentieren. Einzigartig ist die angeschlossene „Artothek“,

in der sich privatpersonen Original-Kunst aus den Beständen des Landes ausleihen

können. Und mit seinen modern ausgestatteten Konferenz- und Seminarräumen ist

der Ursulinenhof immer noch erste Adresse für Bildung – wie in seinen Anfängen

im Jahr 1679.

FEIErn IM UrSULInEnHOF

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EnOVIErUnG DEr KIrcHE 1983

AUFBAU EInES KIrcHLIcHEn KULtUrZEntrUMS 1985

Die Kirche

Die Kirche wurde der Diözese Linz übergeben und zwischen 1983 und 1985 innen und

1996 außen renoviert. Sie beherbergt seit 1986 an den Sonntagabenden eine Akademiker-,

Künstler- und Studentengemeinde. Ihre Lage inmitten der Fußgängerzone

macht sie zu einer beliebten Flaniererkirche, die auch tagsüber gern besucht wird und

an Werktagen eine Mittagsmesse anbietet.

Seit der Wiedereröffnung der Kirche 1985 entstand hier eine Art kirchliches

Kulturzentrum mit Konzerten, Lesungen und Ausstellungen, mit Aufführungen von

Kirchenopern und Ballettproduktionen des Landestheaters und des Brucknerfestes,

mit Veranstaltungen des „Kulturvereins Ursulinenkirche“, des Vereins „Musica Sacra“

und des Katholischen Akademikerverbandes als „Forum St. Severin“, aber auch vieler

chöre, Instrumentalensembles und diverser Kulturvereinigungen. Eine Besonderheit

sind die Abendgottesdienste (20 Uhr) an den Sonn- und Feiertagen mit wechselnder

musikalischer Gestaltung und der predigt durch die priester der Studenten-, der

Akademiker- und Künstlerseelsorge.

Die barocke Kirche mit ihrer sensiblen Akustik bietet einen hervorragenden

Klangraum für musikalische Aufführungen. Deshalb steht auch ein besonderes

Instrumentarium zur Verfügung: die historische Hauptorgel aus der Zeit Anton

Bruckners (18 register, Franz Salesius Ehrlich, Braunau 1876, restauriert 2006),

die chororgel im Altarraum, ein cembalo in italienischer Bauweise und ein Konzertflügel.

Die vier tasteninstrumente werden nicht nur in den Konzerten, sondern

auch in den Abendmessen gespielt. Die Verbindung von Musik und Gottesdienst

findet ihre Höhepunkte zu den Hochfesten.

1988 DEr ScHULtrAKt WIrD EIn OFFEnES KULtUrHAUS (OK)

Der Schultrakt

Mit dem OK Offenes Kulturhaus hat das Land Oberösterreich einen faszinierenden,

belebten und dynamischen Kunstraum geschaffen, der aktuellen Strömungen platz

zur Darstellung, aber auch zur vernetzten Entwicklung bietet. Dabei liegt der Fokus

nicht nur auf bildender Kunst, sondern umfasst auch neue Musik, Film und performance.

In dieser nunmehr über 15 Jahre gereiften Kulturinstitution wird ein experimentierfreudiges,

offenes Konzept mit drei Schwerpunkten verfolgt:

Zum einen werden vorwiegend junge internationale Künstler eingeladen, die im OK

wohnen und direkt dort ihre Kunstwerke schaffen. Sie haben im OK die Möglichkeit,

ihre Werke von der ersten Idee bis zu ihrer Ausführung umzusetzen, und können

dabei auf die reichhaltige Infrastruktur dieses Zentrums zurückgreifen. Die Organisation

von Themen- oder Einzelausstellungen bildet das zweite Standbein dieses

Zentrums für Gegenwartskunst. Hier profitiert das Haus von seiner starken internationalen

Vernetzung und bietet gemeinsame Ausstellungs- und Installationsprojekte

mit renommierten Institutionen. Diese internationalen Kontakte nutzt das OK auch

im rahmen seines dritten Schwerpunktes, der in der Achsenbildung zwischen

regionalen Kunstschaffenden mit ihren Kollegen weltweit liegt.

All diese Kunstproduktionen werden mit dem Linzer publikum auf vielfältige Weise

verarbeitet. So verstehen sich die Mitarbeiter des OK nicht als Aufsichtspersonen,

sondern als Kunstvermittler, die mit den Besuchern über das Dargebotene sprechen,

Künstlergespräche und Symposien sollen in offener Diskussion die Welt zeitgenössischer

Kunst erlebbar machen, und letztlich produziert das OK reichhaltige Dokumentationen

in Form von Katalogen, Video- und cD-produktionen, die Kunsterlebnisse

von Ausstellungssituationen festhalten.

nicht nur räumlich mit dem Linzer programmkino Moviemento verbunden, schafft

das OK einen dynamischen Entwicklungsraum für Kunstprojekte, die oft in Linz

entwickelt wurden und dann ihren Weg zu den top-Adressen wie der Biennale von

Venedig oder der documenta gemacht haben.

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14. Kapitel

anhanG

I. Die Oberinnen des Klosters St. Ursula zu Linz

1. M. Maria Aloisia 1680 – 1699

2. M. cäcilia 1700 – 1703

3. M. paula 1703 – 1724

4. M. Maria Augustina 1724 – 1743

5. M. Maria Anna carolina 1744 – 1756

6. M. Katharina Josepha 1756 – 1759

7. M. Maria cajetana 1759 – 1794

8. M. Michaela v. Winke 1794 – 1797

9. M. Ursula v. pauer 1797 – 1827

10. M. cäcilia Fischer 1827 – 1836

11. M. crescentia v. Seeau 1836 – 1853

12. M. Ursula Fischer 1853 – 1869

13. M. Karolina Osterried 1869 – 1890

II. Die Schultypen im Kloster zu St. Ursula

pflichtschulen (Volksschule, Hauptschule): 1679 bis 1937/38, 1945/46 bis1967/68

Kindergarten: Ab 1930

Einjähriger Frauenlehrgang: 1923/24 bis 1925/26

Einjährige Haushaltsschule: 1933/34 bis 1937/38, 1945/46 bis 1950/51

Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe: 1924/25 bis 1937/38,

1945/46 bis 1950/51, 1953/54 bis 1964/65

Zweiklassige Kaufmännische Wirtschaftsschule: 1934/35 bis 1937/38

privat–Mädchenrealgymnasium Form c: 1929/30 bis 1937/38

Vierjährige Hauswirtschaftsschule mit Fachmatura: 1949/50 bis 1965/66

Fünfjährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe: 1963/64 bis 1967/68

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14. M. Agnes Weberbauer 1890 – 1896

15. M. Ursula Osterried 1896 – 1897

16. M. philomena Worell 1897 – 1903

17. M. Michaela Erlet 1903 – 1919

18. M. Klementina Bergmayr 1919 – 1922

19. M. Michaela Erlet 1922 – 1928

20. M. Angela Lettner 1928 – 1938

21. M. Ignatia Glaser 1938 – 1945

22. M. Bernarda Bankovska 1945 – 1948

23. M. Gabriela Mages 1949 – 1955

24. M. Stanislaa Glas 1955 – 1958

25. M. Maria Xavier Dütting 1958 – 1963

26. M. raphaela Kern 1963 – 1969


III. Meisterinnenschulen im Kloster zu St. Ursula

Zweijährige Fachschule für Damenkleidermachen und Wäschewarenerzeugung

Einjährige Meisterinnenschule für Damenkleidermachen und Wäschewarenerzeugung

(beide 1932/33-1937/38)

IV. Organisationen und Vereine bei Eröffnung

des Landeskulturzentrums Ursulinenhof

bilDenDe KUnst

Berufsvereinigung der bildenden Künstler österreichs

club der Begegnung

Oberösterreichischer Kunstverein 1851

Mühlviertler Künstlergilde

Oberösterreichischer Werkbund

literatUr

Der Autorenkreis

pEn-club

Stelzhammerbund

mUsiK

österreichischer Komponistenbund

Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher österreichs

Oberösterreichisches Volksliedwerk

Oberösterreichischer Blasmusikverband

Oberösterreichisch-Salzburger Sängerbund 1864 (1949)

Brucknerbund für Oberösterreich

lanDesKUnDe, Geschichte, DenKmalPfleGe

Oberösterreichischer Musealverein

österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung

Verein Denkmalpflege in Oberösterreich

VOlKsbilDUnG, VOlKsKUnDe, braUchtUm

Landesinstitut für Volksbildung und Heimatpflege

Oberösterreichisches Heimatwerk

Oberösterreichische Goldhaubengruppen

natUrKUnDe

österreichischer naturschutzbund

Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich

Presse

Oberösterreichischer presseclub

theater

Theaterkeller Ursulinenhof

V. Organisationen und Vereine ab 2008

im Landeskulturzentrum Ursulinenhof

Berufsvereinigung Bildender Künstler

Oberösterreichischer Kunstverein

club der Begegnung

Zülow Gruppe

Fotografische Gesellschaft Oberösterreich

Die Kunstsammlung (Eröffnung 2009)

Oberösterreichischer presseclub

Verein Freunde des Linzer Musiktheaters

u\hof: Theater für junges publikum

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VI. Weiterführende Literatur

Aglas Erwin, „10 Jahre Ursulinenhof, Das Landeskulturzentrum“, in:

Oberösterreich Information 3/87, Linz 1987

Amt der Oö. Landesregierung, Ed. Festschrift zur Eröffnung im März 1977, Linz 1977

Ardelt rudolf, „Eine besondere Jubelprofess bei den Ursulinen zu Linz im Jahre

1791“, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz, Linz 1953

Ardelt rudolf, „Geschichte des Ursulinenklosters zu Linz“, In: Historisches

Jahrbuch der Stadt Linz, Linz 1975

Hackl Ilse, Linzer Frauenklöster der Barockzeit, Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Linz,

Inaug. - Diss., phil. Fak. der Karl Franzens Universität Graz, Graz 1959

Hartl Alois, Denkwürdigkeiten von St. Ursula zu Linz, Linz 1918

Hauch Gabriella, „Ein Haus als ‚Gedächtnisort‘. Ursulinenschule – Wehrmachtsgefängnis

– Offenes Kulturhaus“; in: Der Speicher. Versuche zur Darstellbarkeit von

Geschichten, hg. v. Offenes Kulturhaus des Landes Oberösterreich, Linz 1992

Marckhgott Eberhard, „Festrede zum 200–jährigen Kirchenweihjubiläum zu

St. Ursula“, Linz, In: Jahrbuch für die Katholiken des Bistums Linz, Linz 1957

Schmidt Justus, Die Linzer Kirchen, Österreichische Kunsttopographie Bd. XXXVI, Wien 1964

Wolfslehner Johann, Das Schulwesen der Ursulinen in Linz 1918–1968,

Sonderdruck aus dem 77. Jahresbericht des bischöflichen Gymnasiums und

Diözesanseminars am Kollegium petrinum, Linz 1981

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lanDesKUltUrzentrUm

®rsUlinenhOf

4020 Linz, Landstraße 31

tel: 0732 / 781 912 - 0

Fax: 0732 / 7720 / 25 21 42

ursulinenhof@ooe.gv.at

www.ursulinenhof.at

anreise mit Den

öffentl. VerKehrsmitteln

straßenbahn

Mit den Linien 1, 2, oder 3 bis zur Haltestelle

Mozartkreuzung oder taubenmarkt,

3 Minuten Fußweg bis zur Landstraße 31

Obuslinie 46

Haltestelle Hauptbahnhof richtung Hafen

bis zur Haltestelle Mozartkreuzung,

3 Minuten Fußweg bis zur Landstraße 31

anreise mit Dem PKw

von der a7 kommend

Abfahrt Hafen richtung Zentrum - Untere

Donaulände - Graben - Dametzstraße -

Einfahrt Zentrum-Garage - Zugang zum

Haus über Lift möglich

imPressUm

rEDAKtIOn: LAnDESKULtUrZEntrUM UrSULInEnHOF

tEXt AUFBErEItEt DUrcH: KOnStAntIn pUtZ

FOtOS: UrSULInEnHOF, ArcHIV DEr UrSULInEn, prIVAt

GEStALtUnG: BAUEr – KOnZEpt & GEStALtUnG

LANDSTRASSE

PROMENADE

WALDEGGSTR.

UNTERE DONAULÄNDE

RUD. STR.

DAMETZSTR.

HARRACHSTR.

LANDSTRASSE

MOZARTSTR.

BLUMAUERSTR.

Hauptbahnhof

A7 - Mühlkreisautobahn

A7 - Richtung

Westautobahn


www.ursulinenhof.at

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