Bericht von Andrea Waeber - Schule für Natural Horsemanship

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Bericht von Andrea Waeber - Schule für Natural Horsemanship

Reiningturnier als Spiel mit neuer Herausforderung

Sind wir doch ehrlich: Die NHMS Ausbildung machen wir ja nicht (nur), um einen neufarbigen

Savvystring zu erhalten, oder? Nein, wenn die Basisausbildung fortgeschritten ist, dann soll es

laufend anspruchsvoller werden. Lasst uns die Beziehung und die Prinzipien vielfältig testen und

stärken. Wie wärs mit einer Turnierteilnahme?

Hier können wir die „Qualitäten eines Horseman“ testen.

Wie gut ist:

• Das Herzblut

• der Respekt

• die Impulsion

• die Flexion

• die Einstellung

• das Feeling

• das Timing

• die Balance

• mein Savvy ?

All die Erlebnisse vor, während und nach dem Turnier geben

mir die notwendige Erfahrung und auch genügend Feedback,

wo ich mit Deinem Pferd stehe und noch besser werden

kann.

Letztes Jahr startete ich mit meinen beiden Pferden Velvet Pepper Rose und Memory nach dem

Sportcamp mit Urs und Tizzy am Springturnier in St. Moritz. Dieses Jahr steht für mich und Velvet der

von mir bevorzugte Reiningsport im Fokus.

Reining ist eine Galopp-­‐Dressurprüfung der Westerndisziplinen, indem Pferd und Reiter ein

vorgegebenes Pattern bestehend aus verschiedenen Aufgaben wie Kreisen, Geraden, Stopps und

Drehungen absolvieren müssen und dies in verschiedenen Galopp-­‐Geschwindigkeiten:

REINING -­‐Definition der NRHA (deutsche Fassung aus dem Regelbuch SWRA 2012):

Reining („to rein a horse“) heisst nicht nur, das Pferd zu führen, sondern auch jede seiner

Bewegungen zu kontrollieren. Das am besten gerittene Pferd sollte bereitwillig der Führung des

Reiters folgen und sich mit nur wenig oder sogar ohne erkennbare Hilfen lenken und vollständig

beherrschen lassen. Jede selbständig vom Pferd ausgeführte Bewegung muss als fehlende oder

zeitweise fehlende Kontrolle betrachtet werden, und daher entsprechend der Schwere der

Abweichung mit Punktabzug bestraft werden. Positiv bewertet werden Weichheit, Feinheit, Haltung,

rasche Ausführung und Überlegenheit bei der Ausführung der verschiedenen Lektionen unter

Einhaltung einer kontrollierten Geschwindigkeit.

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© Andrea Waeber – alle Rechte vorbehalten


Die Reining Aufgaben können sehr gut den 7 Spielen und Patterns zugeordnet werden, z.B.

Reining-­‐Aufgabe

Stopp

grosse schnelle Zirkel

kleine langsame Zirkel

Spins (360 0 Hinterhandwendung)

Fliegende Wechsel

Rundown und Sliding Stopp (grade Linien und

Halt)

Rollback (gesprungene Wendung auf der

Hinterhand)

Backup/Rückwärts

Natural Horsemanship Spiel

Friendly Game

Bullseye

Bullseye

Kleinstes Bullseye

Sideways/Galoppwechsel

Jo-­‐Jo

Jo-­‐Jo

Jo-­‐Jo

Es braucht etwas Mut, von der „geschützten Welt der Horsemanshipper“ rauszugehen und in die

„normale Welt“ einzutauchen. Wie sollte ich denn meinen Prinzipien auf dem Turnierplatz treu

bleiben und mein Pferd nach NHMS eintunen, ohne dass ich die üblichen Tools prominent einsetze,

fragte ich mich zu Beginn?

Velvet und ich sind meist einige Tage vor dem effektiven Start angereist, haben uns akklimatisiert

und ruhig vorbereitet. Klar sind einige Dinge plötzlich nicht so gut gelaufen wie zuhause. Velvet war

etwas aufgeregter, nicht so fokussiert, ängstlicher – ich wohl auch: Andere Umgebung, andere

Situation, anderes Pferd. Die emotionale Fitness wird strapaziert und auch die Fähigkeit gefordert,

flexibel zu sein und die Strategien im Umgang und Reiten diesen Situationen anzupassen.

Mein Plan:

Aufwärmen am Boden: kurzes aber effektives Eintunen am Boden zwischen den Hängern oder auf

einem etwas abgelegenen Platz, ohne den Turnierreitern in die Quere zu kommen. Ziel war es ein

ruhiges, aufmerksames, auf mich fokussiertes Pferd zu erhalten, dass die notwendige

Reaktionschnelligkeit hat (calm, connected and responsive).

Aufwärmphase auf dem Pferd: Auf dem Abreitplatz die gewohnten Pre-­‐Ride Checks durchgehen, mit

dem selben Ziel eines ruhigen, aufmerksamen und fokussierten Pferdes.

Weiter geht’s mit Follow the rail in allen Gangarten, Übergängen, Wendungen, Stopp, Point to Point,

Jo-­‐Jo mit schnellem Backup sowie Bullseye und Sideways. Alle diese Elemente brauche ich in der

Reining-­‐Prüfung. Diese Aufgaben sollten am Turniertag klappen und wenn möglich punktgenau

abrufbar sein. Geprüft wird die Kommunikationsqualität zwischen Pferd und Reiter: Wie ist die

Reaktion, die Nachgiebigkeit und die Durchlässigkeit des Pferdes bei jeder Aufgabe?

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Am Turnier sind meine Nerven etwas angespannter als zuhause, nicht alles funktioniert und die

emotionale Fitness wird getestet. Ziel muss es jederzeit sein, die Beziehung zu vertiefen und diese

nicht für kurzfristige Ambitionen zu opfern! Nicht immer ganz einfach und herausfordernd.

Während der Aufwärmphase schalte ich immer wieder genügend Pausen ein, damit das Pferd auch

Zeit zum Nachdenken und zum Verschnaufen hat. Ich selbst gehe dann im Geist nochmals das

Pattern durch und setze mir 1-­‐2 Ziele. Hier geht es auch um meine Attitude – es muss Spass machen,

denn es geht nicht um Anerkennung, Schleifen und Pokale.

Turnierstart: Es ist DER Test zwischen mir und meinem Pferd. Wie gut sind die Kommunikation und

die Beziehung? In der Reiningprüfung selbst erhalte ich die ultimative Wahrheit, denn das Pferd kann

dort entweder mit mir arbeiten oder gegen mich sein. Hier kriege ich die Quittung für mein

Verhalten (auch vor dem Turnier). Spannend zu spüren ist, dass Pferde genau wissen, dass es nun um

etwas geht. Sie erhalten ebenso einen Adrenalinkick. Alles geht blitz schnell – einiges gelingt und

einiges misslingt. Trotz Konzentration hab ich Spass mit Velvet und geniesse es!

Nach der Prüfung gönne ich uns erst mal eine Verschnaufpause, umarme Velvet und entspanne.

Alsdann analysiere ich meinen Ritt: Was hat geklappt, was nicht, gibt es Gründe dafür, Lücken – wo

waren die Highlights und Downlights? Die Antworten helfen mir, besser zu werden!

Es brauchte einige Turnierstarts, um Erfahrungen im Vorbereitungstiming zu erhalten und die

Nervosität trotz ungeplanter Vorkommnisse einfach wegzustecken. Ich werde jetzt nach einigen

Turnierstarts und mit mehr Erfahrung gelassener. Am letzten Turnier hat mich Velvet zudem zwei

unvergessliche Dinge gelehrt:

-­‐ Erstmals habe ich gefühlt, was es heisst: feel of, feel on and feeling together! Wir waren

wirklich aufeinander abgestimmt, in Harmonie und in ständiger Kommunikation.

-­‐ Nach dem letzten Start habe ich bemerkt, dass Velvets Hüfte blockiert war – sie hat dennoch

am Turnier selbst alles gegeben und wir gewannen die beiden Greenreining Klassen! Was für

ein committment.

Danke Velvet!

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Turniererfahrungen stärken einerseits die Beziehung und ich kann andererseits unter neuen

Bedingungen mein Horsemanship verbessern. Turniere und Natural Horsemanship sind ideal

miteinander kombinierbar und schliessen einander nicht aus.

Macht mit – sucht Euch Eure Herausforderung an Turnieren oder Ritten – es gibt zahlreiche

Möglichkeiten. Es macht riesigen Spass und ich freue mich, wenn ich zahlreiche Horsemanshipper an

Turnieren antreffe!

Stay naturally tuned

Andrea Waeber & Velvet Pepper Rose

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