Mensch

machtwort

Geschichten vom Leben

Mensch

Geschichten vom Leben

Schicksalsjahr 2014

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Mensch — Geschichten vom Leben

Als Journalistin schreibe ich darüber. Als

systemische Beraterin und Coach erlebe ich

mit meinen Klienten, wie es ist, wenn sich

das Leben entfalten darf, wenn wir aufhören

nach vorgegebenen Mustern zu funktionieren,

wenn Hemmungen und Ängste

überwunden werden. Es ist befreiend.

Mensch, was haben wir es gut!“ Diesen

Satz höre ich gern. Unten bei

uns zuhause am Ostsee-Strand

von Langballigau höre ich ihn oft. Und es

stimmt ja: Bei allen Schwierigkeiten und

Problemen, die der Alltags mit sich bringt,

haben wir es in Deutschland und ganz besonders

wir in Schleswig-Holstein sehr gut.

Das sollten wir genießen, finde ich, denn:

Irgenwann ist es vorbei und wie lange ein

Leben währt, das kann niemand voraussehen.

Dann ist es doch schade um jede Stunde,

in der wir uns über unaufgeräumte

Zimmer, die laute Musik der Nachbarn oder

gar über zu viel Speck auf den Rippen geärgert

haben, obwohl – oder gerade weil –

uns das Essen so gut schmeckt.

Schmerzlich ist mir das bewusst geworden,

als 2014 unser kleiner Nachbarsjunge Kimi

mit gerade einmal sechs Jahren starb. Als

Journalistin habe ich darüber geschrieben,

sogar bei der Beerdigung fotografieren dürfen

(Danke an die Eltern Monira und Steffan).

Seither ist das Thema „Leben und

Sterben“ zum Mittelpunkt meiner Arbeit

geworden. Ich betrachte es von all seinen

Seiten – den schönen und den bitteren.

INHALT

Foto: Voigt

Mir klingt bis heute mahnend ein Bemerkung

im Ohr, die der Leiter des Flensburger

Katharinen Hospizes am Park, Dr. Hermann

Ewald, einmal gemacht hat: Der weitaus

größte Teil seiner Patienten äußere am

Lebensende dieselben drei Wünsche. Die

Sterbenden hätten gern weniger Zeit mit

ihrer Arbeit verbracht, dafür aber mehr Zeit

mit ihrer Familie und mit ihren Freunden.

Und sie hätte gern viel mehr nach ihren

eigenen Vorstellungen, Bedürfnissen und

Gefühlen gelebt, ohne Fassade, ohne Rücksicht

darauf, was andere vielleicht denken

könnten. Vielen Dank für den Hinweis. Ich

werde künftig nach meinen Vorstellungen

leben, wenn auch mit Rücksicht auf die

Welt, die mich umgibt – Menschen, Tiere,

Natur.

In den vergangenen Monaten habe ich mit

vielen Menschen gesprochen, die für sich zu

ähnlichen Einsichten gekommen sind. Was

nützen uns Geld, Gut und berufliches Ansehen

am Ende? Ein erfülltes Leben hat, wer

sich selbst kennenlernt und sein Potential

ausleben kann.

In diesem Heft kommen einige Menschen

zu Wort, die dazu etwas zu sagen haben.

Geschrieben habe ich es für alle, die ihr

Leben neu entdecken möchten und darüber

nachdenken, was es bedeutet zu leben,

wirklich zu leben und nicht bloß nach den

Ansprüchen und Maßstäben anderer zu

funktionieren. Viel Spaß beim Lesen!

Ihre

Anette Schnoor

Der sechste Geburtstag Seiten 3,4

Mias Reiterferien Seite 5

Glücksmoment Seiten 6,7

Sommer der Entscheidung Seiten 8,9

„Mein Krebs hat mich gehelit“ Seiten 10, 11

Träume – Schlüssel zur Seele Seiten 12, 13

Aus der Krise in eine neue Lebensspur Seite 14,15

ANHANG Seiten 16-20

mit tierischen Lebens-Tipps

Mensch“ ist ein Magazin aus dem Büro

MachtWort – Medien & Kommunikation

Moorweg1, 24977 Langballig

Es erscheint ab 2016 vierteljäjrlich und

erzählt Geschichten von Menschen für

Menschen.

V.i.S.d.P./Redaktion/Satz/Layout:

Anette Schnoor, freie Journalistin,

systemische Beraterin & Coach

E-.Mail: schnoor@macht-wort.de

Tel. 04636 - 9796866

www.anette-schnoor.de

www.macht-wort.de

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Mensch — Geschichten vom Leben

DER SECHSTE GEBURTSTAG

Hoffnung im Frühling I Zwischen Chips und Chemo

Kimi Lemke an seinem

sechsten Geburtstag:

Ein letztes Mal feiert

der Knirps sein Leben

mit einem rauschenden

Fest.

Heilung – das ist ein großes Wort. „Heilung“,

sagt Monira Lemke, „ja, wenn das

möglich wäre.“ Aber es sieht nicht so aus,

als ob für ihren Sohn Kimi alles heil, alles gut

werden soll.

Als er im April 2008 geboren wird, merkt die Mutter

schnell, dass etwas nicht stimmt. Der Kleine

hat Schmerzen. Da ist sie sich sicher. Er schläft

nicht, schreit, hält seine Umgebung auf Trab. Die

Ärzte, die sie aufsucht, zeigen unverhohlen, was sie

von der zweifachen Mutter halten: „Hysterisch.“

Monira Lemke ist verzweifelt, fährt bis nach Itzehoe

mit ihrem kleinen Sohn. Dort, endlich, nimmt

ein Kinderrheumatologe sie ernst. Ein Untersuchungsmarathon

beginnt. Die Diagnostik ist aufwändig.

Kimi muss ins Universitätsklinikum

Eppendorf nach Hamburg. Und als sie im Herbst

2009 die niederschmetternde Diagnose bekommt,

ist Monira Lemke beinahe erleichtert: „Krebs, ein

Neuroblastom.“ Die 35-Jährige macht sich gerade.

„Jetzt“, sagt sie, „können wir jedenfalls etwas tun.“

Und die Familie tut. Die Eltern begleiten jede Therapie

ihres kleinen Sohnes kritisch. Sie teilen sich

auf. Einer ist bei Kimi, einer bei seiner drei Jahre

älteren Schwester Mia. Sie soll „nicht hintenan

stehen“ und sie glaubt unerschütterlich daran,

dass ihr Bruder wieder gesund werden wird. Und

er? Er hält sich „wie ein Großer“, wird operiert,

bekommt Medikamente, verliert Haare – aber

nicht die gute Laune. 16 Monate lang existieren die

Vier irgendwo zwischen Tod und Leben. Dann

scheint es geschafft. Kimi wird als geheilt entlassen.

Seine Schwester Mia stellt fest: „Jetzt sind wir

wieder eine richtige Familie.“

Tatsächlich – die Lemkes sind eine richtige Familie,

die das Leben genießen kann – bei allen Problemen,

die es mit sich bringt: Die Ehe zwischen

Monira und Steffan scheitert. Als Eltern halten sie

zusammen. Die gemeinsame Wohnung bleibt das

Zentrum der Familie. Die Kinder sollen ihr Zuhause,

ihre Wurzeln behalten. Hier – auf einem ehemaligen

Bauernhof an der Ostseeküste – leben

auch andere Familien, Kinder, Tiere. Hier haben

sie Freunde, ihre vertraute Umgebung, ein kleines

bisschen heile Welt mit Trampolin springen und

Fußball spielen.

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Mensch — Geschichten vom Leben

Wenn Du sterben musst,

Dann sterbe ich vorher.

Nein, ich bin krank.

Du nicht. Du sollst leben.

>>>

Der Schrecken kehrt nach zwei Jahren zurück

und jetzt mit voller Wucht. „Rückfall,

Rezidiv“, berichtet Monira den entsetzten

Nachbarn und Freunden. Alle wissen, was

das bedeutet. Die Mutter selbst hat es immer

gesagt: Die Chancen zu überleben, stehen

schlecht. Und dennoch wird gelacht und

gelebt, frei nach dem Motto „zwischen Chemo

und Chips“. „Chips“, das bedeutet für

Kimi Freizeit und „Chemo“, das ist sein Job.

Inzwischen kann er sprechen und antwortet

äußerst lässig auf eine Einladung: „Da

komm ich, da hab ich frei.“ Doch sein kleiner

Körper kämpft nicht mehr nur gegen

den Krebs. Jetzt heißt der Dämon HLH –

Hämophagozytische Lymphohistiozytose,

eine Lungenkrankheit, nicht weniger tückisch

und genauso tödlich wie der Krebs.

Das Luftholen wird zur fast unlösbaren Aufgabe

für den willensstarken Knirps, der beschließt,

seinen sechsten Geburtstag mit

einem Riesenfest zu feiern, mit Hüpfburg

und fetten Ami-Straßenkreuzern, die er cool

findet, und hunderten Leuten. Familie,

Freunde, Ärzte, Schwestern – wer kann,

kommt. Es wird ein rauschendes Fest mit

einem Geburtstagskind, das seine Sauerstoffflasche

immer dabei hat, Schläuche in

der Nase, ein Lächeln im Gesicht. Und trotz

des fröhlichen Festes ist wohl vielen Erwachsenen

auch zum Weinen zumute: „Was

muss dieser kleine Kerl alles aushalten?“,

sagt eine Frau.

Die Geschwister streiten darum, wer zuerst

sterben wird. „Wenn Du sterben musst,

dann sterb ich vorher“, sagt Mia. Kimi, der

kleine Kimi, schüttelt den Kopf. „Ich bin

krank. Du nicht.“ Seine Schwester reagiert

mit Verlustängsten. Räumt die Mutter den

Kaufmannsladen auf, beginnt die Achtjährige

zu weinen: „Lass das, da hab ich das letzte

Mal mit Kimi gespielt!“

Dann, wenig später, kommt der Tag, an dem

der kleine Patient keine Luft mehr bekommt.

Notaufnahme, Intensivstation Kiel,

künstliches Koma. Die Familie verbringt die

ersten Tage gemeinsam im Elternhaus der

Klinik, Mia ist von der Schule befreit. Alle

sind auf das Schlimmste vorbereitet. Jeden

Tag kann es vorbei sein. Und dann kommt

der kleine Kämpfer zurück. Schritt für

Schritt, Stunde für Stunde ist er wieder da,

wach und obwohl er nicht sprechen kann –

ein Luftröhrenschnitt – macht er klar, was

er will: „Cola.“

Die Lemkes feiern Kimis sechsten Geburtstag | Monira, Kimi, Mia, Steffan

Foto: Voigt

Wie geht es weiter? Steffan und Monira

Lemke wissen es nicht. Freunde und Familie

helfen, zumindest die schlimmste finanzielle

Not zu lindern. An Arbeit ist für beide

nicht zu denken, aber die Fahrten zwischen

dem heimatlichen Langballig und Kiel kosten

viel Geld. Und Mia soll nicht die ganze

Zeit in der Klinik sitzen. Sie macht Reiterferien.

Und die ganz normalen Lebenshaltungskosten

sind auch noch da. „Das geht

schon irgendwie“, sagen die Lemkes. Aber

es ist schwer. Als Freunde die beiden überreden,

ein Spendenkonto einzurichten und

auf Facebook öffentlich zu machen, sind sie

froh. Sie können jetzt mit ihren Gedanken

ganz bei Kimi sein und wer weiß: Heilung,

Wunderheilung – das hat es ja alles schon

gegeben.□

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Mensch — Geschichten vom Leben

Freude in den Augen: Auf dem

Pony sind Sorgen vergessen

MIAS REITERFERIEN

Pferdeglück an der Ostsee| Hier vergisst Mia die Sorgen um ihren kleinen Bruder.

Mia läuft über die Wiese.

Ihre blonden Haare sind

zum Zopf gebunden, die

großen blauen Augen lachen und

sie riecht nach Sonnenmilch und

Ponystall: „Das da ist Sternchen",

sagt sie und zeigt auf ein kleines,

schwarzes Shettland-Pony. „Und

das ist Rocky". Rocky ist schon

wesentlich größer und ganz schön

weiß. „Und da steht Butterfly". Ja,

die junge Stute wohnt auch hier,

ein Deutsches Reitpony, das sich

mit 1,52 Meter Stockmaß in der

Größe vertan hat, und zum Pferd

geworden ist. „Sie ist die

Schönste", stellt Mia fachmännisch

fest, wobei: „Eigentlich

sind alle schön!"

Mia, acht Jahre alt, schmal und

sportlich, fröhlich – ein

Sonnenschein, steht auf einer

Ponykoppel in Habernis. Sie

macht Reiterferien auf dem

Lindenhof, und es ist kaum zu

glauben, dass dieses unbeschwerte

Mädchen tatsächlich kein

sorgloses Ponyhof-Leben führt.

Nur wer mitbekommt, wie sie auf

andere Kinder achtet, wie sie

abgeben und großzügig

verschenken kann, der ahnt

vielleicht: „Die kleine Maus hat

schon viel erlebt." Das sagt ihre

Mutter Monira Lemke, und sie

hätte gern allen, insbesondere

ihren Kindern, diese Erlebnisse

erspart. Vor fünf Jahren, als ihr

damals einjähriger Sohn die

Diagnose „Krebs" bekam, ein

Neuroblastom, stellte das das

Leben der vierköpfigen Familie

völlig auf den Kopf. Seither geht es

um Therapien, um Ruhephasen,

um Leben und Tod. „Alles dreht

sich um Kimi. Das ist so.“ Und wie

ist das für Mia? „Wie geht es Dir

hier?“, frage ich. Das ist

unverdächtig, denn ich bin ihre

Nachbarin und reite selbst, sogar

auf Butterfly.

„Guuuht“, sagt sie und zieht die

Stimme nach hinten hin hoch.

Dann beeilt sie sich hinzuzusetzen:

„Kimi geht es auch

schon besser.“ Ihr kleiner,

sechsjähriger Bruder liegt wieder

in der Klinik, auf Leben und Tod.

So schlimm wie dieses Mal war es

noch nie. Zum Krebst hat sich eine

Lungenkrankheit gesellt. Die

Eltern weichen seit Wochen kaum

von seinem Bett und Mia selbst

war tagelang dabei. Schule? Daran

war nicht zu denken. „Was ist,

wenn Kimi stirbt, wenn ich nicht

da bin?“ hat sie gerufen und

konnte im Auto nicht aufhören zu

weinen. Also durfte sie bleiben.

Jetzt hat sie Ferien und ihr kleiner,

starker Bruder lebt, jeden Tag ein

kleines Stückchen mehr. Mia kann

frei machen. „Und dafür sind wir

dankbar“, berichten ihre Eltern,

denn an Arbeiten und Geld

verdienen, ist für sie nicht zu

denken. Und an fröhliches Freizeitvergnügen

schon gar nicht. So

geben Freunde, Familie, sogar

ganz unbekannte Menschen Geld

oder einfach praktische Hilfe, um

es Mia schön zu machen. So wie

jetzt Julia und Nino Lauscher und

ihre Betreuerinnen auf dem Lindenhof,

die die Kleine kurzentschlossen

in ihr Zimmer aufgenommen

haben.

Da ist wenig Platz – nur die

oberste Etage im Hochbett – aber

wer braucht hier schon mehr als

ein Bett? Früh morgens geht’s los,

nach den Ponys schauen, um 9

Auch wenn Kimi in der

Klinik um sein Leben

kämpft – seine große

Schwester Mia soll einen

möglichst sorglosen

Sommer erleben. Die

kleine Reiterin verbringt

fröhliche Stunden mit

ihren geliebten Ponys.

5


Mensch — Geschichten vom Leben

>>>

Uhr ist erste Reiterbesprechung und dann heißt es

„Rauf in den Sattel" und Mia kann zeigen, was sie

schon kann und das ist viel: auch leicht traben und

galoppieren. Die hellen blauen Augen lachen wieder,

während der kleine Körper unter seiner Schutzweste

– „Die muss ich wegen Mutti tragen“ – aufrecht und

stolz auf dem Pferderücken sitzt. „Die sind sooooooo

süß!“ sagt sie hinterher und kann gar nicht dicht

genug bei den Tieren stehen. „Frei und fröhlich“,

diese Worte schießen mir durch den Kopf und die

Frage, wie es mit ihr weitergeht, mit dieser begabten

kleinen Reiterin, die mit ihrem Bruder lebt und

leidet, die mit der Dame vom mobilen

Kinderhospizdienst Window Color-Bilder malt und

sich trotzdem als Kind selbst treu bleibt – und

heimlich Nutella nascht. □

Leben ist Bewegung.

Nichts steht still, weder

das Universum um uns,

noch das Universum in

uns – und immer wieder

erleben wir Moment des

Glücks.

In Langballig hat Kimis

Nachbar Ralf Schnoor

sein neues E-Bike in Besitz

genommen. Mehr

als 4000 Kilometer wird

er auf ihm allein im ersten

Jahr abstrampeln.

GLÜCKSMOMENT

Ein E-Bike kommt ins Haus I Ralf Schnoor über eine neue, große Liebe

Manch große Freude, hat eine kleine Ursache.

Die größte Freude, die sich Anfang

2014 Ralf Schnoor machte, war der Kauf

eines E-Bikes. Seitdem fährt er jede Strecke auch die

täglichen 30 Kilometer zur Arbeit und wieder zurück

mit dem Fahrrad. „Da strampel’ ich mir alles weg“,

sagt er und meint nicht nur lästige Fettpölsterchen –

er ist Genießer, isst und kocht gern –, sondern auch

Stresserlebnisse und traurige Gedanken. Sein neuer

Drahtesel hat Ralf tasächlich sogar so glücklich gemacht,

dass der ansonsten eher schreibfaule Software-Entwickler

inzwischen regelmäßig in die

Tasten haut und online über seine Erlebnisse berichtet,

über kaputte Reifen, Akkus mit Ladehemmung,

Regenklamotten für den Radfahrer und was ihm

sonst noch so begegnet. >>>

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Mensch — Geschichten vom Leben

>>>

„Ein E-Bike habe ich mir Anfang

dieses Jahres angeschafft. Nach

wirklich langer und bedächtiger

Auswahl. Und zwar so bedächtig,

dass meine „Mitwisser“ schon

Wetten abschlossen, ob es jemals

zur Beschaffung kommen würde.

Nun denn, es ist da. Und

mittlerweile auch schon über 2500

Kilometer gefahren. Zeit für einen

ersten Bericht zur Sache. Es wurde

Ende Februar ein Kalkhoff Image

bx 24 aus dem Breisgau für nur

999 Euro frei Haus geliefert. Ein

Bombenangebot, finde ich. In

einigen Blogs zum Thema e-Bike

mit dem verbauten Bionx-Antrieb

finden sich allerdings durchaus

Kritiker des Systems. Deswegen

wohl auch der günstige Preis. Ich

habe nun einige Erfahrungen

gemacht und möchte vorab sagen,

dass ich mit dem Rad gut

zufrieden bin.

Auf der negativen Seite steht in

erster Linie das Lenkerschlagen.

Also lässt man bei etwa 20 km/h

oder mehr den Lenker los, so fängt

er an zu flattern. Das kannte ich

zuletzt von meinem Alpina-5

Gang-Jugendfarrad. Habe aber

auch andere e-Bikes getestet – die

hatten trotz des doppelten Preises

dasselbe Problem. Außerdem ließ

sich dieses Manko zumindest

lindern – nämlich über Punkt zwei

der Negativliste: Die Pannenanfälligkeit

der Originalen

Conti eco Bereifung.

In Zeiten von Schwalbe Maraton

Plus Pannenresistenz ist ein

Platten pro Woche außerhalb

meiner Toleranz. Dann hat mir der

serienmässige B&M Lyt eco

Scheinwerfer zu wenig Licht

gegeben und ich hab ihn gegen

einen B&M IQ 2 Luxos B

getauscht. Nun kann die dunkle

Jahreszeit kommen.

Als vorerst letzte Maßnahme

wurde noch an der hinteren

Felgenbremse mit einem Brake-

Booster nachgerüstet, da die

wirklich gut funktionierende

Magura HS 11 den Hinterbau

auseinander drückt. Jetzt arbeitet

sie noch besser.

Kommen wir zu den positiven Seiten

des Rades: ich bin über seine

Reichweite überrascht. Denn in

der Beschreibung steht, dass es

mit einer Akku-Ladung maximal

60 Kilometer kommen würde.

Und zwar unter günstigsten Bedingungen.

Ehrlich gesagt hat der

Akku die 60 Kilometer so gut wie

immer geschafft. Hier oben im

norddeutschen Flachland kommt

man im vorsichtig gerechneten

Schnitt sogar 70 Kilometer weit.

Dann ist da noch die Ergonomie,

die gut zu mir passt - kompakter

Rahmen Größe M bei 1,82 Körpergröße.

Aber das ist natürlich eine

ganz persönliche Sache. Und die

Bremsen– in meinen Augen eine

wirklich gute Konstruktion. Bis

auf die genannte Spreizung des

Hinterbaus.

Das Rad an sich macht unterm

Strich einen deutlich positiven

Eindruck. Im Einsatz ist es in erster

Linie im Pendelverkehr zur Arbeit

und wieder nach Hause (14

Km pro Tour). Die genannte

Reichweite ist natürlich auch erradelt,

will damit sagen dass man

schon in die Pedale treten muss,

damit es so weit gehen kann. Meine

maximale Reichweite lag bis

jetzt bei 105 Kilometern. So geht's

eben auch. Vor allem im Flachland.

Sehen wir mal, was der Winter

so bringt. Die Spike- Reifen

liegen im Schuppen bereit. Und

dann bin ich mal gespannt, was

der Akku in der kalten Jahreszeit

schafft.“□

● Ralfs Fahrrad-Blog im Internet:

http://www.newsimnorden.de/ralfs

e-bike-geschichten.html

Geschichten auf News im Norden

Anfang 2014 startete das Mitmachportal News im Norden. Auf der

Internetseite wächst seither stetig die Sammlung von Blogs und

privaten Newsportalen aus Norddeutschland. Mitmachen

erwünscht: www.newsimnorden.de

Per Postpaket wird der

neue Drahtesel angeliefert

- die Männer packen

aus, schrauben zusammen

und los geht’s

durch Wind und Wetter.

Übrigens: „Bescheuerte

Kleidung macht selbstbewusst.“

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Mensch — Geschichten vom Leben

Der Sommer 2014 ist

ein Traumsommer, heiß

und trocken. Während

am Nordseestrand die

Kinder durch den Sand

toben, liegt Kimi in seinem

Krankenhausbett

und ringt mit dem Tod.

Im August stirbt er.

SOMMER DER ENTSCHEIDUNG

Nach fünf Jahren ist alles vorbei I Plötzlich ist es still

Und plötzlich war alles still.“ Wer

kann das Leid ermessen, wenn ein

Kind stirbt. Wenn fünf Jahre zwischen

Hoffen und Bangen, zwischen Klinik,

Sonnenschein und Katastrophen plötzlich

vorbei sind. „Alles still.“ Sie sagt es noch

einmal und ihre großen, braunen Augen

schwimmen in Tränen, blicken forschend in

das Gesicht ihrer Gesprächspartnerin. Kann

sie verstehen, was das heißt: „alles still“?

Keine Beatmungsmaschine, kein Überwachungsgerät,

kein Herzschlag, kein Leben.

Monira Lemke hat ihr sterbendes Kind in

den Armen gehalten. Ein letztes Bild zeigt

die beiden, ein kleiner müder Junge mit

blutleeren Lippen, der entspannt-geborgen

auf dem weichen Körper seiner Mutter liegt,

in liebevoller Umarmung. Am Morgen hatten

die Ärzte dem Vater gesagt, dass es vorbei

sei, dass sein Sohn nun sterben werde.

Literweise Blutkonserven hatten sie zuvor

in den kleinen Körper gepumpt und Literweise

war das Blut wieder herausgelaufen.

Einfach so. „Wir wissen nicht wieso und wir

wissen nicht, wie lange es jetzt noch dauern

wird. Machen sie ihm einen letzen, schönen

Tag.“

Kimi ist tot und sein letzter Tag war ein

schöner, mit Freunden und Cola trinken

und ohne Schmerzen. „Aber das kannst Du

doch nicht begreifen, dazusitzen und zu wissen,

dass Dein Kind stirbt. Und er sah gut

aus, so gut, gar nicht mehr so krank.“ Kimis

Kampf gegen den Krebs – ich habe darüber

in Zeitungen und Magazinen berichtet. Von

den Hoffnungen der Eltern, von seiner

Schwester Mia, der kleinen leidenschaftlichen

Reiterin, und von Kimi selbst, der

trotz allem ein fröhliches Kind war, das sein

Leben genossen hat. Ein Junge, ein echter

Macker, der zu seinem sechsten Geburtstag

ein rauschendes Fest verlangte, mit Hüpfburg

und dicken Autos.

Viele Leser spendeten der Familie Geld, damit

alle zusammen sein konnten in den dramatischen

Tagen in der Klinik, in dieser

Zwischenzeit, in der an Arbeit nicht zu denken

war. „Wir haben mehrere tausend Euro

bekommen“, sagt Monira Lemke dankbar.

„Richtig viel Geld. Das hat uns geholfen und

hilft uns immer noch.“ Die Kosten für ein

Leben am Krankenbett, die Beerdigung und

die Grabpflege, Reiterferien für Mia, sogar

ein Urlaub für die ganze Familie auf Fuerte

Ventura können die Lemkes davon bezahlen.

„Das hat sich Mia so sehr gewünscht,

mit Mama und Papa zusammen.“ Es ist eine

Möglichkeit als Familie wieder zueinanderzufinden,

vielleicht, auch wenn die Eltern

längst geschieden sind. Es ist still geworden.

Auch zwischen ihnen. Die Trauer und der

Schmerz machen sprachlos, die Eltern und

ihre kleine Tochter.

Mit sich selbst klar zu kommen, das ist es,

was jeder versucht. Denn da ist kein Kimi

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Mensch — Geschichten vom Leben

mehr, um den die Welt sich dreht, darum,

dass er essen muss, trinken, schlafen, Medizin

bekommen, eine neue Sauerstofflasche,

eine neue Windel – und mit dem man lachen

kann! Es gibt nichts mehr, was ablenkt

von diesem Wahnsinn, nur eine unheimliche,

ungerechte Leere ist geblieben.

Disziplin zeigen, das hat Monira Lemke in

den vergangenen Jahren gelernt. Eisern behält

sie die Zügel in der Hand. Blickt nicht

zurück. Fragt nicht nach dem „Warum“ und

wieso ihr damals niemand geglaubt hat als

sie mit ihrem gerade ein paar Monate alten

Sohn von Arzt zu Arzt lief. Hätte man sie

nicht als hysterische Mutter nach Hause geschickt,

sondern hätte Kimis Urin vorsorglich

auf ein Neuroblastom hin untersucht –

was wäre gewesen? Welche Chancen hätte er

gehabt, wäre der Krebs nicht erst entdeckt

worden, als der kleine Körper randvoll davon

war? All diese Fragen nützen nichts

mehr. Da ist der neunte Geburtstag ihrer

kleinen Tochter. Und Mia ist jetzt endlich

einmal dran. Sie hat über Jahre hinweg zurückgesteckt.

„Ist ja nicht so wichtig, Mama

– diesen Satz, hat sie viel zu oft gesagt“,

findet die Mutter. Und: „Wir sind es Kimi

schuldig, dass wir das Leben leben, dass wir

auch seine schönen Seiten genießen, dass

wir jeden Morgen aufstehen, uns schick machen

und da raus gehen, auch um Spaß haben,

uns nicht runterziehen lassen in einen

Strudel, der nur abwärts führt. Natürlich

trauern wir, wir weinen und sind wütend

und streiten uns und vertragen uns und wir

sind genervt – aber das geht doch nur uns

was an!“

„Wir sind es Kimi schuldig, dass wir das

Leben leben, dass wir auch seine schönen

Seiten genießen, dass wir jeden Morgen

aufstehen, uns schick machen und da raus

gehen, auch um Spaß zu haben.“

Die letzten Worte klingen bitter, denn „Wer

nicht dem Klischee einer trauernden Familie

entspricht, der hat es schwer“. Das erfahren

die Drei beinahe täglich. Da sind so viele

Verletzungen, die geschehen und alte Wunden,

die jetzt Zeit haben aufzubrechen, gehässige

Sätze, die nachhallen. Sätze wie

„Krebs kriegen ja nur die Kinder von armen

Leuten.“ Oder: „Na, dann habt Ihr es ja endlich

geschafft.“ Und: „Behaltet Ihr jetzt das

ganzen Geld, wo Kimi tot ist?“ Nicht selten:

„Sehr trauernd seht ihr ja nicht gerade aus.“

Gerne auch: „Tut mir leid, dass ich mich

nicht gemeldet habe – ich kann das einfach

nicht aushalten.“

Die verwaiste Mutter holt tief Luft: „Ihr

macht Euch gar keine Vorstellungen davon,

was ich alles nicht mehr aushalten kann!“

platzt es aus ihr heraus. „Aber, was nützt es

denn? Da muss man sich doch mal gerade

machen!“ Dann ist sie still, schaut in ihren

Kaffebecher, ziemlich lange. „Naja, und

dann fahren wir jetzt zusammen nach Fuerte.“

Endlich einmal Urlaub, endlich einmal

raus in eine andere Umgebung zwischen andere

Menschen, Menschen, die die Geschichte

der Lemkes nicht kennen. „Und

danach geht es weiter.“ Ihre Erfahrungen

will Monira Lemke nicht für sich behalten,

sie will sich sozial engagieren. „Wenn ich

daran denke, wie wir um Kimi gekämpft

haben und sehe, dass andere, gesunde Kinder

so misshandelt werden, dass sie im Innersten

sterben, dann treibt mich das um.

Und wir haben ja auch sehr viel Gutes erfahren,

viel Unterstützung bekommen. Das

möchte ich zurückgeben.“ Wie und wo genau?

„Das wird sich zeigen. Wir haben doch

Zeit“, sagt sie. Ersteinmal Zeit für die Stille.□

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Mensch — Geschichten vom Leben

Michhelle Meyenburg hatte den Tod vor Augen.

„Ich habe mich bewusst dafür entschieden zu

leben“, sagt sie im Herbst 2014.

MEIN KREBS HAT MICH GEHEILT

Sie ist 16 Jahre alt, steht kurz vor dem

Realschulabschluss und wenn sie auch

nur einen Apfel essen soll, wehrt sie

sich mit Händen und Füßen. Essen, das

kommt für sie nicht in Frage. Heute, nur ein

gutes Jahr später, sagt Michelle Meyenburg:

„Mein Krebs hat mich von der Magersucht

befreit.“ Krebs – genauer gesagt Lymphdrüsenkrebs,

das ist die Diagnose, die die zarte

junge Frau nach einem Irrweg durch Artpraxen

und Kliniken, nach Fehldiagnosen

und schlaflosen Nächten zu hören bekommt.

Schmerzen über der rechten Niere

hatten sie geplagt – „und das war ja auch

kein Wunder, nach dem Kampf, den ich gegen

meinen Körper geführt habe. Mir war

klar, dass die Nieren irgendwann kaputt gehen.“

Doch die sind tatsächlich okay. Auch

das Pfeiffersche Drüsenfieber, das kurz im

Gespräch ist, als das Fieber kommt, bestätigt

sich nicht. „Tatsächlich war es schon das

Pel-Ebstein-Fieber, das auf die Lymphome

hinwies“, weiß Michelle heute. Aber Krebs

mit 16 Jahren? „Du hörst das und denkst,

die Orgel knallt.“

„Heute weiß ich:

Körper und

Seele – das geht

nur zusammen.“

Stoffwechselaktivität zahlreicher Tumoren.

„Aber kein Organ war befallen.“ So hat sie

gute Heilungschancen als die erste Chemo

beginnt. Sieben intensive Therapie-Monate

liegen vor Michelle. Sie schafft es. Heute ist

die junge Frau gesund, hat mit eisernem

Willen ihren Realschulabschluss gemacht,

ist auf dem Weg zum Abitur – ein Weg, der

mit Mundschutz, ohne Haare und dem Bewusstsein

begonnen hat, das Ziel ungläubigneugieriger

Blicke zu sein.

Die Zeit als Krebspatientin hat Michelle geprägt

– im Umgang mit sich selbst und mit

anderen. Sie will darüber sprechen, dass die

schwere Krankheit nicht nur schrecklich

war. „Gesprochen wird über die Einschränkungen,

nicht über die >>>

Krebs? „Was bedeutet das für mein Leben,

für meinen Schulabschluss. Ich will die Prüfung

machen, Freunde treffen, zum Abschlussball

gehen.“ Der Arzt in der Kieler

Uniklinik fragt seine junge Patientin: Weißt

Du, warum Du hier bist, was Onkologie bedeutet?

„Da habe ich es erst realisiert und

geweint. Und dann wachst Du am nächsten

Morgen auf und denkst: Okay, Du liegst hier

immer noch. Das war kein Traum.“

Nein, es ist kein Traum. Eine PET (Positronen-Emissions-Tomographie)

zeigt das

Ausmaß der Erkrankung: „Mein Oberkörper

war schwarz“ – ein Hinweis auf die hohe

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Mensch — Geschichten vom Leben

>>> Entwicklungschancen, die Du hast. Und nicht

über die fröhlichen Momente.“ Das schmale Gesicht

wird ernst: „Wenn Du erlebst, was es heißt,

komplett die Kontrolle über Deinen Körper zu verlieren,

lernst Du seinen Wert zu schätzen.“ Das

Leben fühlt sich danach anders an. Da ist diese

Schlüsselszene: „Ich kannte es bis dahin nur, gegen

mich zu kämpfen, das Essen zu verweigern, wenn

ich meinte, nicht gut genug zu sein. Und dann lag

ich da voller Schmerzen total bewegungsunfähig im

Bett. Ich habe die Botschaft meines Körpers verstanden:

Wenn ich gegen ihn kämpfe, kämpft er

gegen mich. Leben, das geht nur miteinander.“

Unterwegs im Hansapark: Regelmäßig organisiert das Team Doppelpass

Ausflüge für Patienten und ihre Familien. Bei diesem Ausflug im September

2014 waren Torben Schütt, Eike Bruhn, Mirko Nitschmann, Torsten

Schulz und Oliver Goebel (v.l.) dabei.

Das Team

Doppelpass

tut soviel für

uns. Ich

möchte etwas

zurückgeben,

mit anderen

eine Show auf

die Beine

stellen,

Spenden

sammeln.

Michelle entscheidet sich bewusst dafür zu leben,

mit Freude zu leben. Jetzt geht es bergauf. Sie isst,

auf der Kieler Woche nimmt sie zum ersten Mal

ihre Mütze ab und präsentiert mutig den nackten

Schädel. Wenn sie davon erzählt, lächelt sie und

spricht dankbar über die Unterstützung, die sie

bekommen hat. Von Freunden, Familie, Ärzten,

Schwestern, Pflegern – und vom Team Doppelpass.

Der gemeinnützige Verein ehemaliger Fußballer

erfüllt Kindern mit Krebs ihre Wünsche. Regelmäßig

sind die jungen Patienten mit den Jungs unterwegs.

In Bussen geht es in den Heidepark oder ins

Hansaland, notwendige Anschaffungen werden finanziert.

„Das bringt uns so viel Lebensfreude“,

sagt Michelle. „Da möchten wir etwas zurückgeben.“

Gemeinsam mit Freundin Johanna beschließt sie,

„selbst ein Event auf die Beine zu stellen. Jetzt mal

umgekehrt für das Team Doppelpass.“ Einige ehemalige

Patienten hat sie für ihre Idee schon gewinnen

können, sogar der Radiosender RSH hat

Unterstützung zugesagt, um das Thema Krebs aus

Sicht der jugendlichen Patienten zu präsentieren.

Die „typischen Schlüsselfragen“ will Michelle ansprechen:

Wie erlebst Du die Diagnose? Was bedeutet

die Therapie für Dein Leben? Wie gehst Du

in Dein neues Leben? „Ich will zeigen, was Krebs

uns wirklich bedeutet. Auch im positiven Sinne.

Welche Entwicklungschancen uns die Krankheit

gibt“, denn: „Wenn heute jemand zu mir sagt: ,Jetzt

bist Du endlich wieder gesund und alles ist wie

früher‘, dann denke ich: Nein, nichts ist mehr wie

früher – glücklicherweise nicht!“ □

Team Doppelpass

Das Team Doppelpass besteht aus ehemaligen Fußballern, die

ursprünglich aus Nortorf kommen. Sie unterstützen Kinder,

die an Krebs erkrankt sind und ihre Familien finanziell und

erfüllen den kleinen Patienten ihre besonderen Träume.

Spendengelder werden zu 100 Prozent weitergegeben.

Mehr im Internet unter www.team-doppelpass.de

11


Mensch — Geschichten vom Leben

Von Tieren und Träumen

können wir viel lernen –

dass Gut und Böse unverfälscht

dazugehören,

manchmal sogar recht dicht

beieinander liegen. Polaritäten

begleiten unser Leben:

Freude und Leid, Spaß

und Ernst, Gesundheit und

Krankheit, Leben und Tod.

Warum leiden und sterben

wir? Welchen Sinn können

wir im Leben und Sterben

für uns selbst entdecken?

Einen Weg zur Auseinandersetzung

eröffnen uns

unsere Träume.

TRÄUME – SCHLÜSSEL ZUR SEELE

Botschaft aus dem Unbewussten I Symbole können uns den Weg zu uns selbst zeigen

Ach was, Träume sind doch nur Schäume“,

habe ich meine Urgroßmutter noch im Ohr.

Wenn sie das sagte, dann machte sie einen

sehr geraden Rücken, schüttelte leicht den Kopf und

sprach ausnahmsweise im besten Hochdeutsch, obwohl

sie sonst durch und durch eine „plattdütsche

angeliter Deern“ war. Nur wenn sie es ernst meinte,

dann kramte sie ihre Sonntagsausgeh-Sprache hervor

– und Träume waren ihr ernst, sie machten ihr

oft Angst. Was steckt wirklich hinter den Botschaften

unserer Seele? Ein Besuch im Traumdeuterkurs:

Recht hatte sie nicht, meine Urgroßmutter. Träume

sind keineswegs nur Schäume, sondern Botschaften

von uns selbst an uns selbst, eine Möglichkeit unbewusste

Vorgänge bewusst zu machen. Und weil das

so ist, können wir sie ganz individuell für uns deuten

und sie für uns zu nutzen, als Entscheidungshilfe

12


Mensch — Geschichten vom Leben

oder zur persönlichen Entwicklung. Ob

dabei allerdings die vielen verschiedenen

Lexika der Traumdeutung helfen, die online

oder auf dem Buchmarkt zu haben

sind? Vermutlich nicht, denn Träumen ist

eben eine sehr persönliche Sache und die

eigene Deutung, vielleicht mit Hilfe von

Fachleuten, ist durch keine allgemein gültigen

Vorschriften zu ersetzen.

Dennoch: Auch Träume folgen Regeln, und

„es gibt ganz verschiedene Kategorien von

ihnen“, erläutert der Landwirt und Tiefenpsychologe

Peter Lorenzen aus Langballig.

Gemeinsam mit seiner Frau Christa, ebenfalls

Tiefenpsychologin, leitet er Kurse, in

denen die Teilnehmer lernen, ihre Träume

zu deuten. Und beiden ist anzumerken, wie

begeistert sie von diesen nächtlichen Sequenzen

sind, die selbst dann Wirkung entfalten,

wenn wir uns nicht mehr an sie

erinnern können. Das sei möglich, weil „das

Unbewusste die Symbole der Träume versteht“,

erklärt Peter Lorenzen. „Dennoch ist

die Wirkung größer, wenn wir uns erinnern

können und noch größer, wenn wir die

Träume deuten, denn damit holen wir ihre

Botschaften direkt in unser Bewusstsein.“

Nun ist da also dieser Traum, an den ich

mich noch so gut erinnern kann, den ich

schon als kleines Kind geträumt habe: Ich

sitze in unserem guten, alten August, unserer

ersten Familienkutsche, einem VW

Käfer, habe mich wie gewohnt gemütlich in

die Sitzbank gekuschelt. Aber plötzlich bin

ich allein im Auto und August fällt und fällt

Schnauze abwärts direkt in einen Graben,

den ich vor mir schon immer näher kommen

sehe und dann – zack, wach.

„Ha“, sagt Peter Lorenzen. „Das ist ein Klassiker,

ein sogenannter Falltraum.“ Fallträume

kennen fast alle Menschen. Sie gelten als

Albträume. Ihnen gemein ist, dass der Träumende

der Situation ausgeliefert ist und oft

panische Angst empfindet. Häufig wachen

Betroffene schweißgebadet auf. Doch:

„Schaden will uns ein solcher Traum mit

Sicherheit nicht“, sagt Peter Lorenzen. „Seine

Absicht ist es, den Menschen zeigen, dass

sie etwas ändern müssen, wenn sie in bestimmten

Lebenssituationen den Boden unter

den Füßen verloren haben.“ Wird ein

Falltraum zu einem dauerhaften Problem,

sei es sinnvoll, professionelle Hilfe zu suchen,

um die Traum-Symbole deuten und

daraus die richtigen Schlüsse für mögliche

Veränderungen im realen Leben zu ziehen.

„Um Träume richtig deuten zu können,

braucht es ein klares Symbolverständnis.

Das ist wie eine Fremdsprache. Man muss es

erst lernen“, erklärt Lorenzen als Kursleiter

zu Beginn der ersten Stunde im Traumdeutungskurs.

Zehn Teilnehmer – Männer und

Frauen ab ungefähr 40 Jahren – haben sich

in dem Gruppenraum der Lorenz’schen Lebenswerkstatt

an der Ostsee versammelt.

Nun erfahren sie, dass es verschiedene Arten

von Träumen gibt. Nicht immer brauchen

sie Symbole. Der Wahr- oder

Warntraum etwa zeigt uns die Welt genauso,

wie wir sie kennen. So berichtet eine

Dame im Kurs davon, wie sie kürzlich

träumte, auf dem Weg zur Arbeit einen

Unfall zu erleben. Alles war völlig real. Üblicherweise

sei sie auf dem Weg zur Arbeit

immer etwas verspätet und deshalb zumeist

ein wenig schnell. Nach diesem Traum aber

sei sie sie gewarnt gewesen und langsamer

als üblich gefahren. Tatsächlich überquerte

ein Radfahrer bei Rot die Ampel und tauchte

plötzlich direkt vor ihrem Wagen auf. Nur

„Zähne stehen

im Traum für

Biss im Leben,

für Aggression.“

um Haaresbreite habe sie bremsen können.

„Wäre ich so schnell wie sonst gewesen, hätte

es böse ausgehen können.“

Die meisten Träume allerdings brauchen

Symbole. „Und weil viele Menschen diese

Traumsprache nicht verstehen, halten sie

das Geträumte für dummes Zeug“ – für

Schäume eben, wie es auch meine Urgroßmutter

tat. Welche typischen Symbole gibt

es denn? „Zähne zum Beispiel; sie stehen

für Aggressionen“, erklärt der Fachmann.

„Aggressionen, die ich brauche, um mich im

Leben durchzubeißen – keine zerstörerische

Wut. Und wenn mir die Zähne im Traum

ausgefallen, zeige mir das, dass ich aktuell

nicht genügend Biss habe, um mich in einer

bestimmten Situation durchzusetzen.“ Ein

anderes Beispiel: „Haare sind ein Symbol

für Gedanken. Fallen sie mir aus, heißt das,

dass ich in Bezug auf ein aktuelles Geschehen

gedankenlos handle oder vielleicht

schon gehandelt habe.“

Und was bedeuten Träume von Menschen

oder auch Tieren? Menschen und Tiere, von

denen wir träumen, stehen nicht für die

realen Personen, Hunde, Katzen und so weiter,

mit denen wir zu tun haben, lernen die

Kursteilnehmer. Sie seien lediglich Repräsentanten

eigener Aspekte. „Tiere etwa zeigen

Emotionen und Verhaltensweisen. Ich

kann mich ja bissig wie ein Wolf oder treu

wie Schaf verhalten. Menschen stehen für

unbewusste Seiten meiner Persönlichkeit,

die ich mit diesen Menschen verbinde und

die mir der Traum zeigen will.“ Und träume

ich von meinem Partner, geht es tatsächlich

um Gefühle und Meinungen, die ich einer

bestimmten Situation zu mir selbst habe.

Wer also im Traum erlebt, von seinem

Partner oder seiner Partnerin verlassen zu

werden, bekommt die Botschaft, dass er aktuell

nicht zu sich selbst steht.

Ein anderes Beispiel: Viele Menschen – meine

Urgroßmutter etwa – haben Angst,

wenn sie vom Tod träumen und mögen sich

mit diesen „Hirngespinsten“ gar nicht beschäftigen.

Schade, denn der Traum vom

Tod zeigt häufig an, dass wir in unserem

Leben etwas verändern sollten, wenn nicht

in uns angelegte Talente oder Fähigkeiten

sterben sollen. „Wenn ich eigentlich eine

Führungspersönlichkeit bin, mich aber

ständig klein mache, dann stirbt diese Qualität

in mir. Es geht dabei also um den seelischen

Tod.“

Während ich Peter Lorenzen zuhöre, arbeitet

es in mir. Was bedeutet mein Auto-

Traum? Was repräsentiert dieser alte VW-

Käfer – weiß mit roten Sitzpolstern. Das

Auto stehe für das, was in mir veranlagt sei,

das was sich verwirklichen wolle, erläutert

der Tiefenpsychologe. Was ich mit meinem

Auto im Traum erlebe, zeige mir, wie es mit

dieser Selbstverwirklichung im wahren Leben

bestellt ist.

In meinem Traum ist der VW-Käfer mit dem

schönen Namen August zunächst ein sicherer,

gemütlicher Ort – er gehört aber

nicht mir, sondern ist das Auto der Familie.

Mit ihm stürze ich plötzlich ab ins Ungewisse,

in Richtung Graben. Die Aussage des

Traumes ist damit klar: „Geh Deinen eigenen

Weg, mach es Dir nicht in den Lebensgewohnheiten

Deiner Eltern bequem.“ Und

das offene Ende? „Alles ist offen“, sagt Peter

Lorenzen. „Du hast die Wahl, ob Du aussteigen

oder in den Graben rauschen willst.“

Wobei auch der Graben wieder ein Symbol

wäre, nämlich für das Unterbewusste; nein,

lieber nicht dort stecken bleiben und weitermachen

wie bisher.

Die Deutung meines alten Traumes macht

Sinn für mich. Und dass ich ihn irgendwann

überwunden und nie wieder geträumt habe,

zeigt mir, dass ich diese Stufe auf der Lebensleiter

genommen habe. Zu träumen allerdings,

ist mir geblieben und nach dem

Kurs sehe ich heute mit anderen Augen auf

diese Fähigkeit. Träume sind eben keine

Schäume, sondern „spannende und nützliche

Lebensbegleiter“, wie es eine Teilnehmerin

sagt. □

13


Mensch — Geschichten vom Leben

Spätestens in der Mitte des Lebens erwischt sie

uns, die Frage nach dem Sinn. Was tun, wenn

der Alltag immer schwerer fällt?

AUS DER KRISE IN

EINE NEUE LEBENSSPUR

Nein, es geht ihr nicht darum, Krisen

zu beweinen oder darauf aufmerksam

zu machen, dass die Zahl der

psychischen Erkrankungen bundesweit

steigt. Schon längst ist dieses Thema aus

der Schamecke des Privaten befreit und

hinein ins berufliche Leben geschwappt.

Schlagworte wie „Burnout“, manchmal

auch „Boreout“, sind salonfähig.

Anja Funk-Klebe geht es darum, dass diese

Krisen einen Sinn in unseren Leben haben.

Zwei Bücher hat sie darüber geschrieben

„Seelentanz statt Lebenskampf“ und „Himmelslicht

trifft Leuchtfeuer“, heißen sie.

Beide sollen ihren Lesern Begleiter sein,

erklären Ursachen und Chancen, die Lebenskrisen

innewohnen. „Begreift man die

Botschaft krisenhaften Erlebens, liegt darin

ein Wandlungsmoment, den wir nutzen

können.“ So kann der Weg in ein sinnvolleres

und leichteres Leben aussehen.

48 Jahre ist Anja Funk-Klebe alt, dreifache

Mutter, vierschiedene berufliche Ausbildungen

hat sie absolviert: Sie ist Waldorf-

Pädagogin, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin,

systemischer Coach und „in erster

Linie immer ein forschender Mensch

geblieben“, wie sie selbst von sich sagt. Auf

die Idee mit den Büchern sei sie nicht etwa

gekommen, „weil ich eine gute Schreiberin

bin. Das ist es nicht“, sagt sie lächelnd. Ihre

grün-braunen Augen blicken dabei offen –

und, ja, ein wenig forschend. Ihr gehe es

um die Botschaft, um ihre Erkenntnisse.

„Ich will keine perfekte Arbeit abliefern, ich

möchte auch nicht das große Geld machen

oder meinen Namen in der Presse lesen.

Ich möchte einfach meinen Beitrag dazu

leisten, dass sich in unserer Gesellschaft

etwas verändern kann.“

14


Mensch — Geschichten vom Leben

Die Flensburger Kinderpsychotherapeutin

sieht sie jeden Tag:

Die Schwierigkeiten im Leben vieler

Menschen beginnen in frühester

Kindheit. Mehr als die Hälfte

der Säuglinge und Kleinkinder

findet keine sichere Bindung zu

ihren Eltern, schreibt Funk-Klebe

unter Verweis auf aktuelle Erkenntnisse

aus der Hirnforschung.

Das bedeutet, dass sie

nicht erfahren, wie es ist, ohne

Bedingung oder Leistungsanforderungen

geliebt und geachtet zu

werden, einfach so wie sie sind.

Sie erfahren kaum Bestätigung,

werden nicht ermutigt, eigenständig

zu handeln und haben Angst

vor schlimmen Konsequenzen,

wenn sie Fehler machen. Das hat

Folgen. Je nach Veranlagung reagieren

die Betroffenen mit aggressivem

Verhalten, um Aufmerksamkeit

zu bekommen oder sie

sind überangepasst. „Und mit diesen

Verhaltensmustern werden sie

erwachsen, gründen Familien, gehen

in die Arbeitswelt und gestalten

unsere Gesellschaft.“

Über 50 Prozent der Bevölkerung

sind es in Deutschland. Die Buchautorin

beschreibt das anstrengende

Leben der Betroffenen, die

auf der ständigen unbewussten

Suche nach der elterlichen Anerkennung

und Geborgenheit sind,

nach der Anbindung, die es nicht

gab und so nicht mehr geben wird.

„Da sind ihre Hoffnungen in die

Umwelt.“ Leistungswillig und

ständig gut erreichbar seien viele,

manchen machen gerne Geschenke,

sind damit beschäftigt,

es anderen recht zu machen oder

stellen aggressive Forderungen

oder demonstrieren für ideelle

Ziele – und „laufen so von einer

Enttäuschung zur nächsten“.

Denn die Anerkennung und Wertschätzung,

die kindliche Anbindung,

die es zuhause nicht gab, es

gibt sie nicht mehr.

Und Schwäche zu zeigen, ist dabei

nicht möglich. Als Kind war es lebensgefährlich,

für die Erwachsene

sind Schwächen ein gesellschaftlicher

Makel, sie machen ihnen

Angst und werden verleugnet

– bis sie sich mit Macht ins Leben

drängen, die eigenen Schwächen.

„Spätestens in der Lebensmitte,

wenn die Kräfte nachlassen, die

Augen und der Körper sich verändern,

kommt die Krise“, prophezeit

die Fachfrau. Dann sind sie

da, die berühmten Fragen: Warum

tu ich mir das an, was will ich

eigentlich im Leben und ist das,

was ich habe, eigentlich das, was

ich will. Und: Was will ich eigentlich?

„Die Emotionen klopfen so

heftig an die Tür, dass wir auf unsere

Biografie gestoßen werden:

Was fehlt mir, welche Bedürfnisse

und Wünsche habe ich? Häufig

werden die Betroffenen psychisch

oder körperlich krank.“ Krise, das

bedeutet Schmerzen. Und an dieser

Stelle entscheidet es sich, ob

jemand die Schmerzen aushält,

sich ehrlich mit seinem Lebensthema

auseinandersetzt und sich

der Situation quasi als Passagier

aussetzt: Was kommt da, welche

Menschen, welche Anregungen

und Ideen in Büchern oder Filmen,

im täglichen Leben rühren

und an, welche Bemerkungen

oder Träume geben Informationen,

die in der Auseinandersetzung

mit sich selbst helfen?

„Da ist vieles möglich, wenn Du

offen bist.“ Wer jetzt die Chance

ergreift, kann neue Fähigkeiten

und Talente entwickeln – und in

einer erwachsenen Anbindung „an

die Gesellschaft, an das große

Ganze“, Sicherheit finden. So

kann die Wende hin zu einem zufriedenen

Leben aussehen, vielleicht

auch nur ein erster Schritt,

dem eine weitere Krise und ein

weiterer Schritt folgen. „Wichtig

ist es, den Krisenverlauf rückblickend

zu betrachten. Zumeist werden

sich die Botschaften ähneln.

Dann kommt es darauf an, sie zu

verstehen.“

Allerdings: Wer sich und sein bisheriges

Leben auf diese grundlegende

Weise in Frage stellt, der

verändere sich und das führe häufig

zu einer Verunsicherung seiner

Umwelt und sehr häufig zu Ablehnung,

warnt Anja Fun-Klebe,

denn: „Da funktioniert ja plötzlich

einer nicht mehr. Das gefährdet

das gesamte System. Die Angriffe,

die daraus folgen, muss ich als Erwachsener

aushalten.“

Professionelle Hilfe sei in dieser

Phase sinnvoll, auch wenn es

Kommentare gibt wie: „Na, gehst

Du in die Klappse“ oder „flüchtest

Du mal wieder ins Kranksein?“

Soviel Druck kann nicht jeder verkraften

und so flüchten manche

Menschen an dieser Stelle. Sie lassen

sich nicht auf ihre Gefühle und

Bedürfnisse ein, wollen diesen

„Humbuk“ nicht und spalten die

eigenen unangenehmen Schwächen

ab. „So sehe ich sie dann umso

mehr bei den anderen,

kritisiere sie und erhöhe mich

über sie, um mir selbst einen Wert

zu geben, um mich zu schützen.“

Viele Menschen, die auf diese

Weise verfahren, schließen sich

einer Gruppe an, die gemeinsame

Standpunkte eine gemeinsame

Meinung hat, die sie nach außen

vertritt. „Das macht den Einzelnen

stärker.“ Neue Fähigkeiten und

Kompetenzen, ein fröhlicheres Leben

wird er auf diese Weise nicht

entwickeln. Anja Funk-Klebe

blickt nachdenklich in sich hinein.

Dann ist er wieder da, dieser direkte,

forschende Blick: „Unsere

Gesellschaft sollte sich auf die Fähigkeiten

und der Stärken der Einzelnen

besinnen. Weder Eltern,

Freunde, Schule, Arbeitgeber

noch die Gesellschaft können über

den Wert eines Menschen befinden“,

sagt sie. „Mir war beim

Schreiben des Buches wichtig, den

Menschen zu sagen: Schon mit

dem Lebensbeginn sind wir wertvoll

und unersetzbar, weil es keinen

Menschen auf dieser Erde ein

zweites Mal gibt“ – das ist ein

guter Grund, gut mit sich selbst

umzugehen.□

Im Winter 2014 veröffentlicht

Anja Funk-

Klebe ihr zweites Buch.

Auf der Suche nach dem

„Wie soll’s weitergehen?“,

kommen ihre

Anregungen vielen

Menschen gerade recht.

Die Fotos zeigen sie bei

einem Vortrag im Medienhaus

des sh:z (Schleswig-Holsteinischer

Zeitungsverlag).

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Mensch — Geschichten vom Leben

ANHANG

Tierisch gute

Tipps – Nellys

Lebensregeln

Liebe Leute,

so schlecht wie sein Ruf ist der „graue Alltag“ nicht. Ihr könnt ihn Euch bunt machen!

Wie das geht, zeigen wir Hunde Euch jeden Tag:

1. Freu Dich!

Jeder neue Tag, jede Begegnung mit einem Menschen, jedes Tier oder Ereignis ist

ersteinmal ein Grund zur Freude. Wir begrüßen jeden und alles Schwanz wedelnd.

Denn: Soziale Kontakte sind wichtig.

2. Du brauchst nicht viel.

Wenn Du zu essen, ein Dach über dem Kopf und eine kuschelig-warme Höhle hast, hast

Du alles, was Du brauchst. Einige von uns lernen zusätzliche Zirkuskunststückchen, um

bewundert zu werden. Das ist klasse, wenn es Dir Spaß macht, kostet allerdings Zeit, in

der Du auf andere Weise Spaß haben kannst.

3. Lass Dich verwöhnen!

Streicheleinheiten und Leckerchen kannst Du einfach dankbar annehmen. Das ist sehr

schön für alle Beteiligten.

4. Lese die Zeichen und suche die Botschaft.

Der Tag wird sonnig, wenn für gute Unterhaltung gesorgt ist. Such Dir deshalb einen

„Laternenpfahl“. Laternenpfähle sind spannend: Jeder pinkelt dran und deshalb gibt es

dort die besten Geschichten zum Lesen und Weitersagen.

5. Du bist doch nicht zu alt!

Wir spielen bis wir sterben – das kannst Du auch. Wirklich, jeden Tag!

6. Wehr Dich!

Wenn Dich jemand angreift, brauchst Du Dir das nicht gefallen zu lassen. Einmal kurz

zu drohen und im Notfall auch zubeißen, ist in Ordnung. Aber dann kannst Du die ganze

Sache gleich wieder vergessen. Die schlechte Laune anderer Hunde ist ja nicht Dein

Problem.

7. Lecke Deine Wunden!

Wenn Du selbst gebissen worden bist, bist Du möglicherweise selbst Schuld daran.

Lecke Deine Wunde sorgfältig und denkt darüber nach, was Du nächstes Mal anders

machen kannst.

8. Das Bauchgefühl zeigt Dir den Weg.

So wichtig wie Du denkst, ist Dein Kopf gar nicht. Er sagt Dir, wann Du am Straßenrand

besser stehen bleiben solltest, ist ansonsten aber selten wirklich zu gebrauchen. Bauch

und Nase wissen sehr viel besser, wo es etwas richtig Gutes zu fressen gibt oder mit wem

Du Spaß haben kannst.

9. Gutes Essen ist wichtig.

Lecker und viel ist solange erlaubt, wie Du Dich noch gut bewegen kannst, denn

Beweglichkeit brauchst Du zum Spielen. Und spielen hilft Dir, bis zum Schluss jung und

gesund zu bleiben. Hab ich ja schon gesagt (Nr.5).

10. Such Dir einen Job, der Spaß macht.

Das Leben braucht einen Sinn. Deshalb suchen wir uns einen Job, der zu unseren

Fähigkeiten passt: Jagdhunde jagen und Hütehunde hüten und weil wir das gut können,

kriegen wir jede Menge Lob und Leckerchen. Wenn wir allerdings nicht aufpassen

und im falschen Job landen – also zum Beispiel als Jagdhund eine Familie hüten sollen

– kann es Probleme geben. Pass auf, dass Dir das nicht passiert!

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Eure Nelly

P.S. Guck „süß und knuddelig“.

Dann gibt's vielleicht mal was zu naschen. Aber übertreib es nicht, sonst heißt es

nachher: „Nicht betteln!“ oder Du wirst zu dick zum spielen.


Mensch — Geschichten vom Leben

Einblick in die

Ausstellung

Mensch“ –

Ein Jahr Leben

April 2015

Galerie Sandberg,

Flensburg

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Mensch — Geschichten vom Leben

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Mensch — Geschichten vom Leben

Unterstützer gesucht!

Das Magazin "Mensch" erscheint ab 2016

vierteljährlich und erzählt Geschichten von

Menschen für Menschen.

Als Sponsor können sie „Mensch“ unterstützen

und förden damit ein unabhängiges

journalistisches Produkt. Sie werden namentlich

genannt, erhalten Freiexemplare

und sind herzliche eingeladen, sich an der

inhaltlichen Ausrichtung der Hefte zu beteiligen.

Interessiert? Dann rufen Sie mich

an oder schreiben Sie mir:

Anette Schnoor

E-.Mail: schnoor@macht-wort.de

Tel. 04636 - 9796866

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Mensch – mach was

aus Deinem Leben!

www.anette-schnoor.de

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