CHINA

StefanGroh

CHINA – Der ferne Partner

1

CHINA

Der ferne Partner








Staatspräsident

Xi Jinping besucht

das Rheinland

Warum die

NRW-Wirtschaft von

China profitiert


2 CHINA – Der ferne Partner

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Meister Kong, bei uns besser bekannt als Konfuzius, hat auf

die Frage, wie man eine besonders große Menschenmenge

in den Griff bekommt, geantwortet: „Macht sie wohlhabend.“

Die Nachfahren des chinesischen Philosophen haben die Botschaft

verinnerlicht. Das Reich der Mitte boomt. Kommunismus und Kapitalismus

ist zwischen Peking und Shanghai gelebte Praxis. Mag der Westen

Umweltverschmutzung und Unfreiheit kritisieren, kursiert in der

Volksrepublik das Wort vom „chinesischen Traum“. Wohlstand. Der

Aufstieg von Chinas Mittelstand ist in Düsseldorf, Heiligenhaus und

Kleve spürbar. Investoren, Touristen, Wissenschaftler und Studenten

bereisen Deutschland. „500 Jahre lang hat der Westen mit seinen Institutionen

und Ideen geherrscht. Damit ist es jetzt vorbei“, prophezeit

der britische Historiker Niall Ferguson.

Was der eine gewinnt, muss der andere aber nicht verlieren. Kein

deutsches Bundesland profitiert so sehr von Chinas Boom wie Nordrhein-Westfalen.

Das NRW-Handelsvolumen mit dem fernen Partner

erreicht 30 Milliarden Euro. Darauf dürfte Staatspräsident Xi Jinping

hinweisen, wenn er heute Düsseldorf besucht.

An China führt kein Weg vorbei. Mit dieser Ausgabe wollen wir Ihre

Neugier auf das Land wecken. Wir wollen erklären, was das Land zusammenhält.

Wir wollen aufklären, worauf deutsche Unternehmen im

Handel achten müssen. Und wir wollen Geschichten erzählen, wie die

von Zhang Dinxian, der in den 70er Jahren als Dolmetscher zu Thyssen-Krupp

nach Duisburg kam – und bis heute blieb.

Impressum

Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Michael Bröcker

Chefredakteur

Chefredakteur

Michael Bröcker

Stellv. Chefredakteur

Horst Thoren

Redaktion

Dr. Matthias Beermann, Dr. Antje Höning, Thorsten Breitkopf, Andreas Gruhn, Andreas

Krebs, Thomas Reisener, Florian Rinke, Johnny Erling.

Konzeption

Rheinland Presse Service GmbH, José Macias, Jörg Mehl, Jürgen Grosche, Dirk Weber

Layout

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Beratung

Guangyang Yin-Baron

Grafik

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Anzeigen

Oliver Nothelfer (verantwortlich), Melanie von Hehl, Pia Kemper

Verlag

Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Sitz von Verlag, Redaktion und Technik

Geschäftsführer: Dr. Karl Hans Arnold, Patrick Ludwig, Hans Peter Bork, Stephan Marzen

Pressehaus, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf

Druck

Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH & Co. KG

Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf

Seite 26

Seite 28

Seite 30

Seite 34

INHALT

Die Welt schaut auf China Seite 3

Interview mit Chinas Botschafter

Shi Mingde Seiten 4 und 5

Xi Jiping will China im Alleingang

umkrempeln Seiten 6 und 7

Umwelt: Das rote China will grün werden Seite 8

Chinesen und Deutsche – zwischen

Faszination und Furcht Seite 9

Pilgern zu Mao: Chinas roter Tourismus Seite 10

Pierburg weiht Werk in Shanghai ein Seite 11

Wie fünf Rheinländer ihr Glück in

China machen Seiten 12 und 13

China und NRW – ein Vergleich in Zahlen Seite 14

Hisense Germany in Düsseldorf

wächst weiter Seite 15

Chongqing – Düsseldorfs riesiger Freund

am Jangtse Seite 16

Chinas Provinzen gründen

Freihandelszonen Seite 18

Klüh: Erfolge auf dem chinesischen Markt Seite 19

China und Deuschland – Zahlen,

Daten, Fakten Seiten 20 und 21

So benimmt man sich in China Seite 22

Düsseldorf: Gute Basis für Geschäfte

in Nordrhein-Westfalen Seite 23

Wie man mit Chinesen

Geschäfte macht Seite n 24 und 25

Wirtschaft: Chinesen investieren

strategisch Seite 26

Kiekert – Weltmarktführer unter

chinesischer Flagge Seite 27

Zhang Dinxian, Pionier aus dem

Reich der Mitte Seiten 28 und 29

Eine Chinesin entdeckt

Düsseldorf Seiten 30 und 31

Tourismus: Das Land der

tausend Möglichkeiten Seiten 32 bis 34

Tipps für China-Reisende Seite 35

Quiz: Wie gut kennen Sie China? Seite 36

FOM: Studiengänge für

chinesische Studierende Seite 37

China an der International

School of Düsseldorf Seite 38

Huawei – auf dem Weg an die Weltspitze Seite 39


CHINA – Der ferne Partner

3

Die Welt schaut auf China

Von Michael Bröcker

In der Volksrepublik regiert der

Superlativ. Kein Land der Erde

hat mehr Einwohner (1,3 Milliarden),

mehr Landkreise (3000),

mehr Soldaten (2,9 Millionen),

mehr Internetnutzer (500 Millionen),

mehr Smog-Opfer (1,2 Millionen),

mehr Autos (22 Millionen

Neuzulassungen pro Jahr), mehr

Währungsreserven (2,8 Billionen

Euro) als China. Das wertvollste

Unternehmen, die größte Universität,

die längste Brücke und

die längste U-Bahn stehen in China.

Der größte Mensch übrigens

auch: Zhao Liang. 2,46 Meter.

Wenn Größe eine Farbe wäre,

sie wäre rot wie die Nationalfarbe

Chinas. So eindeutig die Rekorde,

so ambivalent ist das Verhältnis

des Westens zu China. Der kommunistische

Einparteienstaat

wird in Feuilletons hierzulande

gerne als entfesselter Drache

dargestellt, der auf dem Weg zur

Weltherrschaft westliche Werte

wie Demokratie, Umweltschutz

und Menschenrechte platt trampelt.

Regimekritiker wie der

Künstler Ai Weiwei oder Tibets

geistiger Führer Dalai Lama sind

in Europa Helden – in China

Staatsfeinde. Deutsche Medien

beschäftigen sich bevorzugt mit

Menschenrechtsverletzungen,

Smog oder Skurrilitäten aus dem

chinesischen Machtapparat. Es

gibt wenige differenzierte Stimmen,

etwa die von SPD-Altkanzler

Helmut Schmidt, der mit Blick auf

die jahrtausende alte Kultur der

Volksrepublik äußert, dass westliche

Gesellschaftsnormen nicht

als Maßstab taugen könnten. Und

die Angst vor einem imperialistischen

China sei unbegründet,

urteilt Schmidt. „Dass alle so sein

sollen wie sie, ist ihnen fremd.“

Trotzdem schaut die Welt

auf China. Der Wirtschaftsboom

fasziniert und besorgt Politiker

und Ökonomen im Rest

der Welt. In den vergangenen

35 Jahren hat die Volksrepublik

China hat die

dynamischsten

Städte der Welt

ihre Wirtschaftsleistung verdreißigfacht.

Wenn Peking wollte,

könnte es morgen alle deutschen

Dax-Unternehmen aufkaufen.

Und müsste dafür nur ein Drittel

seiner Devisenreserven ausgeben.

In einer Liste der weltweit

dynamischsten Städte der US-

Fachzeitschrift „Foreign Policy“

belegen mit Shanghai, Peking

und Tianjin drei chinesische

Städte die ersten Plätze. Unter

den ersten zehn findet sich keine

europäische Metropole. Die

„Rhein-Ruhr-Region“ erreicht übrigens

Platz 51. „Noch nie in der

Geschichte ist in so kurzer Zeit

so viel Wohlstand entstanden“,

sagt der Harvard-Professor und

China-Experte Roderick MacFarquhar.

Deutschland profitiert wie

kaum ein anderes Industrieland

von dem Asia-Boom. Als „Ausrüster

der Welt“ sind deutsche Maschinen,

Anlagen, Autos und Industrie-Dienstleistungen

gefragt.

NRW-Konzerne wie Thyssen-

Krupp, Eon, Henkel oder Metro

setzen auf das China-Geschäft,

das bilaterale Handelsvolumen

durchbrach längst die Marke von

150 Milliarden Euro. Das fremde

Land ist im Wirtschaftsalltag enger

Partner. 800 chinesische Unternehmen

gibt es inzwischen in

NRW, 300 mit Sitz in der Landeshauptstadt.

Ausgerechnet die

Stadt, die als japanische Enklave

bekannt ist, beherbergt nun die

größte chinesische Gruppe in

Deutschland. 2700 Chinesen leben

am Rhein.

Das hat Folgen. Der enge

wirtschaftliche Austausch verbessert

das Verständnis zwischen

den Nationen, wie eine

aktuelle Umfrage des größten

chinesischen Unternehmens

in Deutschland, des Telekommunikations-Konzerns

Huawei,

ergeben hat. Mögen die älteren

Deutschen noch mehrheitlich

besorgt sein angesichts der

Wirtschaftsstärke Chinas, sind

es bei den Jüngeren nur noch

36 Prozent. Dass chinesische

Investitionen gut für deutsche

Arbeitsplätze sind, sagen mehr

als 50 Prozent der jungen Befragten.

„Das China-Bild wird

sich verändern“, sagt Olaf Reus,

Europachef von Huawei. Die

Intensität der Beziehungen zwischen

China und Deutschland

lasse gar nichts anderes zu. Helmut

Schmidt dürfte das freuen.

世 界 关 注 着 中 国

这 是 一 个 充 满 惊 奇 的 国 度 。

她 的 规 模 举 世 无 双 :13 亿 人

口 ,3000 多 个 县 级 以 上 行 政

区 ,230 万 的 军 队 , 超 过 5 亿 的

网 民 , 每 年 新 增 家 用 轿 车 2 千

万 辆 , 雾 霾 受 害 者 超 过 百 万 ,

外 汇 储 备 2.8 万 亿 欧 元 , 最 大 的

大 学 , 最 长 的 桥 梁 , 最 长 的 地

铁 线 , 市 值 最 高 的 企 业 , 就 连

世 界 上 第 一 长 人 也 在 中 国 ——

赵 亮 身 高 2 米 46.

如 果 大 小 也 有 颜 色 的 话 , 她

就 是 红 色 , 国 旗 红 。 中 国 现 实

所 提 供 的 数 据 无 需 多 言 , 西 方

国 家 对 中 国 的 感 情 如 此 纠 结 。

在 西 方 的 街 谈 巷 议 中 , 一 党 执

政 的 中 国 喜 欢 被 人 们 比 喻 为 被

松 绑 的 巨 龙 。 在 大 步 踏 入 世 界

超 级 强 国 队 伍 中 的 过 程 中 , 它

无 视 西 方 眼 里 的 自 由 、 民 主 、

人 权 和 环 保 。 欧 洲 社 会 里 的 英

雄 人 物 艾 未 未 、 达 赖 喇 嘛 在 中

国 则 是 异 见 人 士 或 者 是 分 裂 分

子 。 德 国 媒 体 侧 重 于 报 道 破 坏

人 权 、 雾 霾 、 权 力 机 关 的 荒 诞

不 羁 这 类 的 话 题 , 缺 少 另 一 种

声 音 。 就 象 德 国 前 总 理 施 密 特

所 表 示 的 , 中 国 是 个 千 年 文 化

大 国 , 西 方 社 会 的 架 构 并 不 是

唯 一 的 衡 量 标 准 。 恐 惧 一 个 帝

制 王 国 是 毫 无 理 由 的 。 施 密 特

说 :“ 对 中 国 人 来 说 , 事 事 一 样

是 不 可 理 解 的 。”

中 国 的 经 济 腾 飞 令 其 他 国 家

的 政 客 及 经 济 学 者 忧 喜 掺 半 ,

伤 透 脑 筋 。 在 过 去 的 35 年 里 ,

中 国 经 济 增 长 了 30 倍 。 如 果 北

京 愿 意 的 话 , 明 天 就 能 出 资 收

购 德 国 DAX 里 的 30 家 公 司 ,

而 这 仅 仅 需 要 花 费 其 外 汇 储 备

的 三 分 之 一 。 美 国 的 《 外 交 政

策 》 曾 出 过 一 个 国 际 最 具 有 活

力 的 城 市 排 名 榜 , 上 海 、 北 京

及 天 津 位 居 前 列 , 而 没 有 任 何

一 个 欧 洲 城 市 进 入 了 前 十 名 。

德 国 的 莱 茵 - 鲁 尓 地 区 排 在 第

51 名 。 哈 佛 教 授 及 中 国 专 家 马

若 德 说 :“ 历 史 上 没 有 任 何 一 个

国 家 能 够 在 这 么 短 的 时 间 内 给

民 众 带 来 如 此 多 的 富 裕 。”

工 业 国 家 中 , 德 国 是 亚 洲

经 济 繁 荣 的 最 大 受 益 者 之 一 。

德 国 生 产 的 机 械 设 备 、 汽 车 、

相 关 技 术 服 务 等 在 那 里 备 受 欢

迎 。 北 威 州 的 蒂 森 - 克 鲁 格 、

意 昂 电 力 集 团 、 汉 高 、 麦 德 龙

都 十 分 看 重 中 国 业 务 。 两 国 双

边 贸 易 额 突 破 了 1500 亿 欧 元 大

关 。 中 国 这 个 陌 生 的 国 度 早 已

是 经 济 生 活 中 的 亲 密 伙 伴 。 北

威 州 有 800 多 家 中 国 公 司 , 在

杜 塞 尔 多 夫 市 就 有 300 多 家 ,

这 个 曾 经 的 日 本 人 中 心 , 现 在

成 为 了 德 国 最 大 的 中 国 人 聚 集

地 ,2700 多 中 国 人 生 活 工 作 居

住 在 这 个 被 誉 为 北 威 州 的 购 物

天 堂 里 。

针 对 在 德 国 的 中 国 企 业 ,

华 为 发 布 的 最 新 调 查 问 卷 表

明 , 紧 密 的 经 济 交 往 加 强 了 两

个 民 族 的 沟 通 和 理 解 。 老 一 辈

德 国 人 担 心 中 国 的 崛 起 , 但 是

年 轻 人 抱 有 这 种 态 度 的 人 仅 仅

占 36%。 超 过 半 数 的 年 轻 人 认

为 , 来 自 中 国 的 投 资 , 给 德 国

带 来 了 就 业 岗 位 。 华 为 的 欧 洲

区 总 裁 Reus 先 生 说 ,“ 中 国 的

形 象 将 会 改 变 。” 前 总 理 施 密 特

应 该 能 够 感 到 欣 慰 , 密 切 的 往

来 会 使 双 方 加 深 认 识 和 理 解 。

Foto: dpa


4 CHINA – Der ferne Partner

„NRW ist eine

gastfreundliche

Region“

Chinas Botschafter zur Anziehungskraft von NRW

auf chinesische Unternehmen, zu den ehrgeizigen

Reformprojekten in seiner Heimat und zu chinesischen

Vorstellungen von Demokratie.

Chinas Botschafter Shi Mingde kennt Deutschland seit Jahrzehnten.

Foto: dpa

Shi Mingde (59), Pekings

Mann in Berlin, begrüßt seine

Gäste in der Botschaft

am Märkischen Ufer in typisch

chinesischem Dekor. Und zwar

in perfektem Deutsch. Alle in

seiner Familie beherrschen es,

seine Frau Xu Jinghua, die sich

als Übersetzerin einen Namen

gemacht hat, von Heinrich Böll

bis Elfriede Jelinek, und auch

sein Sohn. In den 70er Jahren

studierte Shi Mingde in der DDR,

übernahm dort später erste diplomatische

Posten. Er lobt die

starke Verflechtung zwischen

Deutschland und China, er weiß

aber auch, dass sein Land Kritik

auf sich zieht. Aber, so beteuerte

er schon bei seinem Amtsantritt

2012 in Berlin, einem offenen

Dialog auch über heikle Themen

wolle er nicht ausweichen.

Herr Botschafter, eine Studie

hat erst jüngt wieder belegt,

dass China in Deutschland immer

noch ein Image-Problem

hat. Die Deutschen bewundern

den wirtschaftlichen Aufstieg

Chinas, er macht vielen Menschen

aber auch Angst. Wie erklären

Sie sich das?

Das China-Bild vieler Deutscher

hinkt der Realität hinterher. Wie

rasant sich mein Land entwickelt

hat, ist vielen Menschen

im Westen immer noch nicht

ganz bewusst. Vor 35 Jahren

hatte China einen Anteil an der

Weltwirtschaftsleistung von 1,8

Prozent. Heute sind es zwölf Prozent.

Das Bruttosozialinlandsprodukt

pro Kopf stieg in dieser Zeit

von 200 auf 7000 US-Dollar.

Jeder fünfte Mensch auf der Welt

ist ein Chinese. Wenn es unsere

Regierung also gelingt, für diese

vielen Menschen einen bescheidenen

Wohlstand zu schaffen,

dann frage ich Sie: Ist das nun

eine Bedrohung oder nicht doch

vielmehr ein Beitrag für Frieden

und Stabilität in der Welt? Es ist

richtig, wir sind ein Land voller innerer

Widersprüche. So sind wir

zwar die zweitgrößte Volkswirtschaft

der Welt und wohl bald

auch die größte, aber wenn Sie

unsere Wirtschaftsleistung pro

Kopf berechnen, also durch 1,3

Milliarden dividieren, dann liegen

wir nur noch auf dem 90. Platz in

der Welt. Bis wir zu einem Wohlstandsniveau

wie in Deutschland

oder den USA aufschließen, kann

es noch Jahrzehnte dauern.

Wo könnte Deutschland von

China lernen und umgekehrt

China von Deutschland?

Zwischen unseren beiden Ländern

gibt eine lange Tradition

des Austauschs. Es herrscht in

China ein großer Respekt für

deutsche Kultur und Wissenschaft.

Deutschland galt seit

Mitte des 19. Jahrhunderts als

Vorbild für moderne Technologien,

vor allem bei der Militärtechnik.

Ich persönlich finde,

dass die berühmten deutschen

Tugenden wie Gewissenhaftigkeit,

Pünktlichkeit und Präzision,

die im „Made in Germany“

stecken, ein Vorbild für uns

sind. Auch wenn es um diese

Tugenden heutzutage nicht imwir

zuvor auch eingenommen

haben! Wir haben also grundsätzlich

dieselbe Einstellung zur

Wirtschaft, wir sind die größten

Exportnationen und verfügen

über die größten Realwirtschaften.

Es ist deswegen nur logisch,

dass wir so exzellente Beziehungen

haben und dass so viele

deutsche Unternehmen in China

investieren – bisher 40 Milliarden

Euro.

„Wir befinden uns

in China wirklich an

einem Scheideweg“

mer mehr ganz so gut bestellt

ist (lacht). Im Übrigen mache ich

Sie aufmerksam auf die großen

Gemeinsamkeiten: Warum sind

von den großen Volkswirtschaften

eigentlich nur China und

Dutschland gestärkt aus der

Krise hervorgegangen? Weil wir

beide auf Wertschöpfung setzen

und nur das ausgeben, was

Traditionell war Hamburg mit

seinem großen Hafen erster

Anlaufpunkt für chinesische

Firmen in Deutschland. Heute

ist es das Binnenland Nordrhein-Westfalen

– warum?

Es stimmt, seit drei Jahren siedeln

sich mehr chinesische Firmen

in NRW an als in Hamburg.

Dort sitzen immer noch die groß-

en Handelsunternehmen, die ihr

Exportgeschäft über den Hafen

abwickeln. Doch seit sich die chinesische

Wirtschaft stärker auf

industrielle Produktion verlegt,

erweist sich der Raum um Düsseldorf

häufig als geeigneter für Investitionen.

Deswegen kommen

immer mehr produzierende Unternehmen

hierher, vor allem übrigens

mittelständische Firmen.

Eine Rolle spielt sicher auch, dass

NRW seit drei oder vier Jahren eine

sehr erfolgreiche China-Offensive

betreibt, um Unternehmen

anzulocken. Auch die Stadt Düsseldorf

bemüht sich sehr um chinesische

Ansiedlungen. Außerdem

handelt es sich bei NRW um

eine gastfreundliche Region, mit

aufgeschlossenen Bewohnern.

Fremdenfeindlichkeit ist hier eher

selten, das ist ein Pluspunkt. Und:

In NRW geht es weniger bürokratisch

zu als in den meisten anderen

Bundesländern, etwa bei der

Erteilung von Visa.

Ende vergangenen Jahres

hat die chinesische Führung

ein großes Reformprogramm

beschlossen. Was soll sich ändern

in China?

Nach 35 Jahren rasanter Entwicklung

sind wir an einem kritischen

Punkt angelangt. In der Vergangenheit

zählte einzig und allein

das Wachstum, und damit haben


CHINA – Der ferne Partner

5

wir ja auch große Erfolge erzielt,

auf die wir stolz sind. Aber nun

häufen sich auch die Probleme.

Das bisherige Wirtschaftsmodell

ist auf Dauer nicht mehr zu halten.

Dazu sind unsere Ressourcen

zu knapp. Um ein vergleichbares

Produkt herzustellen, benötigen

wir viermal soviel Energie wie in

Europa und sogar siebenmal mehr

als in Japan. Und dazu kommt die

Umweltzerstörung, Smog in allen

großen Städten, verseuchte Flüsse.

Wir haben für unseren Wohlstand

ökologisch einen hohen

Preis bezahlt. Um diese Probleme

anzugehen, setzten wir übrigens

besonders auch auf deutsches

Know-how in der Umwelttechnik.

Da eröffnet sich in China ein interessanter

neuer Markt für deutsche

Unternehmen.

Die Umweltprobleme sind das

eine – wie sieht die soziale Lage

aus?

Allen Chinesen geht es heute

besser, aber das soziale Ungleichgewicht

hat sich verstärkt und

schürt die Unzufriedenheit der

Menschen. Genauso übrigens

wie die Behandlung der Wanderarbeiter,

von denen viele nun

schon lange in Städten leben, die

aber nach unserem traditionellen

Modell bisher nicht die gleichen

Rechte genießen wie die Stadtbevölkerung.

Schließlich die Korruption:

Viele Parteifunktionäre

betrachten den Staat als Selbstbedienungsladen

und bereichern

sich persönlich. Der gewachsene

Wohlstand in China hat also auch

zu einer Vielzahl von negativen

Nebenwirkungen geführt, mit

denen wir jetzt fertig werden

müssen. Wir befinden uns wirklich

an einem Scheideweg.

Trotz aller Reformen: Freiheits-

und Bürgerrechte bleiben

in China eingeschränkt.

Sind Ihnen diese Rechte weniger

wichtig als uns im Westen?

Wir sind davon überzeugt, dass

die wirtschaftlichen Reformen

nur Erfolg haben können, wenn

sie von politischen Reformen

begleitet werden. Wenn wir im

Sozialismus die Marktwirtschaft

einführen, ist das doch auch eine

politische Maßnahme! Wenn

man von Menschenrechten

spricht, verstehen wir darunter

zuerst einmal die Sicherung der

Existenz. Und was bedeutet

denn Demokratie? Die Beteiligung

einer Mehrheit von Menschen

an den Entscheidungsprozessen.

So wird es in China

vor und nach allen wichtigen

Entscheidungen Befragungen

der Bürger geben. Das ist unser

Modell einer konsultativen

Demokratie. Das wird im Ausland

nicht immer angemessen

gewürdigt. Wir möchten uns

da nicht belehren lassen, wie

wir auch niemanden anderen

belehren wollen. Aber es muss

doch klar sein, dass Demokratie

in einem Land wie China mit

1,3 Milliarden Menschen nicht

genauso aussehen kann wie in

einem Land wie Deutschland mit

82 Millionen Bürgern.

Wo sehen Sie Chinas Rolle

in der Welt? Als neue Supermacht?

Nein, wir wollen keine Supermacht

werden, und wir sind auch

gar nicht in der Lage dazu. China

hat sich von einem Außenseiter

zu einem aktiven Mitgestalter

der internationalen Politik entwickelt.

Wir tragen heute schon

große Verantwortung für die

Sicherung des Friedens und der

Sicherheit in der Welt. So stellt

China heute die meisten UN-

Blauhelme. Aber wir wollen andere

Länder nicht dominieren,

wir sind immer für eine politische

Lösung der Konflikte, für Dialog.

Das gilt auch in unserer eigenen

Nachbarschaft.

Das Gespräch führte

Matthias Beermann

‘‘ 北 威 州 人 民 热 情 好 客 ’’

中 国 大 使 就 北 威 州 的 中 资 企 业 , 中 国 政 改 及 民 主 进 程 发 表 看 法

史 明 德 (59 岁 ), 资 深 外 交 官 ,

现 任 中 国 驻 德 国 大 使 。 大 使 夫 妇

及 儿 子 精 通 德 国 历 史 文 化 , 夫

人 徐 静 华 在 行 内 以 翻 译 著 作 闻

名 。70 年 代 史 明 德 曾 在 原 东 德

进 修 学 习 , 之 后 进 入 中 国 驻 德 使

馆 工 作 。 他 高 度 赞 扬 德 中 双 边 关

系 , 尽 管 知 道 自 己 的 言 行 会 在 国

内 引 起 反 响 , 但 是 2012 年 就 任

大 使 时 , 明 确 强 调 不 会 回 避 敏 感

问 题 的 对 话 。

大 使 先 生 , 最 新 的 研 究 结 果 再 次

证 明 , 中 国 在 德 国 的 形 象 仍 然 不

佳 。 中 国 的 经

济 崛 起 令 德 国 民 众 钦 佩 , 但 同 时

也 让 许 多 人 害 怕 。 请 问 您 对 此 作

何 解 释 ?

许 多 德 国 人 对 中 国 的 印 象 脱 离 实

际 。 人 们 依 然 并 不 十 分 了 解 , 中

国 近 年 来 取 得 了 多 么 迅 猛 的 快 速

发 展 。35 年 前 , 中 国 在 世 界 经 济

总 量 中 所 占 份 额 仅 为 1.8%, 如

今 已 上 升 至 12%。 与 此 同 时 , 中

国 人 均 国 内 生 产 总 值 从 200 美 元

攀 升 至 7000 美 元 。 中 国 占 世 界

人 口 的 五 分 之 一 , 如 果 中 国 政 府

成 功 地 做 到 让 如 此 众 多 的 民 众 实

现 小 康 , 那 我 想 问 的 是 : 这 究 竟

是 一 种 威 胁 , 还 是 更 多 的 是 对 世

界 和 平 与 稳 定 的 贡 献 ? 当 然 , 中

国 是 一 个 内 部 矛 盾 复 杂 的 国 家 。

因 此 , 虽 然 我 们 已 经 是 世 界 第 二

大 经 济 体 , 或 许 不 久 就 将 成 为 世

界 上 最 大 的 经 济 体 , 但 如 果 将 我

们 的 经 济 总 量 按 人 均 来 计 算 , 即

除 以 13 亿 人 口 , 中 国 在 世 界 上

的 排 名 就 将 下 滑 到 第 86 位 。 我

们 还 需 要 经 过 数 十 年 , 才 有 可 能

达 到 德 国 或 者 美 国 的 富 裕 水 平 。

德 国 能 够 在 哪 些 方 面 向 中 国 学

习 ? 而 中 国 反 过 来 又 能 从 德 国 学

习 什 么 ?

中 德 两 国 有 着 悠 久 的 交 流 传 统 。

中 国 人 对 德 国 的 文 化 和 科 学 十 分

敬 佩 , 自 19 世 纪 中 叶 起 , 德 国

就 被 视 作 现 代 工 艺 的 典 范 。 我 个

人 认 为 ,“ 德 国 制 造 ” 中 所 包 含 的

认 真 、 准 时 和 精 确 等 德 国 人 闻 名

于 世 的 品 德 , 正 是 我 们 学 习 的 榜

样 , 尽 管 当 前 这 些 美 德 的 情 况

也 并 不 总 是 很 好 ( 大 笑 )。 另

外 , 我 想 提 醒 您 关 注 这 样 一 个

中 德 两 国 的 共 同 点 : 世 界 各 主 要

经 济 体 , 为 什 么 只 有 德 国 和 中 国

摆 脱 了 危 机 ? 因 为 我 们 两 国 都 致

力 于 创 造 新 的 价 值 , 并 且 量 入 为

出 。 我 们 对 经 济 发 展 有 着 基 本 相

同 的 观 点 , 都 是 世 界 上 数 一 数 二

的 出 口 国 和 最 主 要 的 实 体 经 济 之

一 。 因 此 , 中 德 两 国 关 系 密 切 ,

到 中 国 投 资 的 德 国 企 业 数 量 如 此

众 多 —— 迄 今 为 止 投 资 额 已 高 达

400 亿 欧 元 , 就 不 言 而 喻 了 。

传 统 上 汉 堡 因 其 港 口 优 势 是 中 国

公 司 进 军 德 国 的 首 选 之 地 。 如

今 , 中 国 公 司 却 更 多 地 选 择 北 威

州 。 原 因 何 在 ?

确 实 如 此 。 最 近 三 年 来 , 在 北 威

州 落 户 的 中 国 企 业 要 比 汉 堡 多 。

依 靠 港 口 从 事 进 出 口 业 务 的 大 部

分 贸 易 公 司 仍 然 停 留 在 汉 堡 。 然

而 , 随 着 中 国 企 业 越 来 越 多 地 转

向 工 业 生 产 领 域 , 杜 塞 尔 多 夫 周

边 地 区 常 常 被 证 明 更 适 于 投 资 。

因 此 , 越 来 越 多 的 制 造 企 业 来 到

这 里 , 尤 其 是 中 型 企 业 。 当 然 ,

为 吸 引 中 国 企 业 , 北 威 州 近 三 到

四 年 来 所 开 展 的 卓 有 成 效 的 中 国

攻 势 , 也 起 到 了 一 定 的 推 动 作

用 。 杜 塞 尔 多 夫 市 也 竭 力 争 取 中

国 企 业 落 户 该 市 。 此 外 , 北 威 州

当 地 居 民 热 情 好 客 , 非 常 开 明 ,

当 地 很 少 发 生 排 外 现 象 。 这 同 样

是 一 个 加 分 项 。 还 有 就 是 : 与 其

他 多 数 州 相 比 , 北 威 州 官 僚 主 义

现 象 较 为 少 见 , 比 如 在 签 证 发 放

方 面 。

去 年 底 , 中 国 领 导 人 做 出 了 全 面

深 化 改 革 的 决 定 。 中 国 将 在 哪 些

方 面 作 出 改 变 ?

经 过 35 年 的 迅 猛 发 展 , 我 们 正

处 在 一 个 关 键 点 上 。 过 去 , 经 济

增 长 是 第 一 位 , 我 们 也 因 此 取

得 了 令 人 自 豪 的 巨 大 成 就 。 但 现

在 问 题 累 积 得 越 来 越 多 。 从 长 远

看 , 现 行 的 经 济 增 长 方 式 将 难 以

为 继 。 我 们 的 资 源 无 法 满 足 这 种

需 要 。 同 类 产 品 的 生 产 , 我 们 的

能 源 消 耗 是 欧 洲 国 家 的 4 倍 , 日

本 的 7 倍 。 此 外 , 还 导 致 环 境 破

坏 、 所 有 大 城 市 的 雾 霾 以 及 河 流

受 到 污 染 。 我 们 已 经 为 富 足 付 出

了 巨 大 的 生 态 代 价 。 为 了 解 决 这

些 问 题 , 我 们 十 分 寄 希 望 于 德 国

在 环 保 科 技 方 面 的 专 业 技 能 。 中

国 也 将 因 此 再 次 成 为 一 个 令 德 国

企 业 感 兴 趣 的 新 兴 市 场 。

环 境 问 题 是 众 多 问 题 之 一 。 当 前

中 国 社 会 现 状 如 何 ?

如 今 , 所 有 中 国 人 的 生 活 状 况 都

有 了 明 显 好 转 , 但 社 会 不 公 现 象

日 益 加 剧 , 引 起 了 民 众 的 不 满 。

农 民 工 待 遇 同 样 是 一 个 值 得 关 注

的 问 题 。 虽 然 他 们 当 中 许 多 人 已

经 在 城 市 生 活 了 很 长 时 间 , 但 按

照 我 们 现 行 的 管 理 模 式 , 至 今 仍

无 法 和 城 市 居 民 一 样 享 有 同 等 的

权 利 。 最 后 还 有 腐 败 : 许 多 党 员

干 部 将 国 家 视 作 自 选 商 店 , 中 饱

私 囊 。 中 国 人 生 活 水 平 的 不 断 提

高 , 也 带 来 了 一 系 列 目 前 必 须 加

以 解 决 的 负 面 问 题 。 目 前 我 们 确

实 正 面 临 抉 择 。

虽 然 改 革 涉 及 方 方 面 面 , 但 自 由

和 公 民 权 等 在 中 国 仍 然 受 到 限

制 。 难 道 这 些 权 利 对 贵 国 人 民 没

有 对 我 们 西 方 人 那 么 重 要 吗 ?

我 们 深 信 , 只 有 同 时 推 进 政 治 改

革 , 经 济 改 革 才 能 取 得 成 功 。

我 们 将 市 场 经 济 引 入 社 会 主 义 制

度 之 中 , 这 本 身 就 是 一 个 政 治 举

措 。 谈 到 人 权 , 我 们 认 为 , 首 先

应 确 保 人 的 生 存 权 。 民 主 究 竟 意

味 着 什 么 呢 ? 那 就 是 大 多 数 人

参 与 到 决 策 进 程 中 。 因 此 , 在 中

国 , 所 有 重 大 决 定 出 台 前 和 出 台

后 , 都 要 征 求 民 众 的 意 见 。 这 就

是 我 们 的 协 商 民 主 形 式 。 在 国

外 , 这 种 形 式 并 未 能 得 到 其 应 有

的 评 价 。 正 如 我 们 不 愿 教 导 任 何

其 他 人 一 样 , 我 们 也 不 愿 被 人 教

导 。 但 有 一 点 需 要 明 确 的 是 , 在

中 国 这 样 一 个 拥 有 13 亿 人 口 国

家 中 , 其 民 主 的 表 现 形 式 , 不 会

和 像 德 国 这 样 仅 有 8200 万 人 口

的 国 家 完 全 一 样 。

您 认 为 , 中 国 在 世 界 上 是 怎 样 的

角 色 ? 是 一 个 新 的 超 级 大 国 吗 ?

中 国 不 想 成 为 超 级 大 国 , 也 完 全

不 具 备 那 样 的 能 力 。 中 国 已 经 从

一 个 局 外 人 成 为 国 际 政 治 的 积 极

参 与 者 。 如 今 , 中 国 承 担 着 维 护

世 界 和 平 与 安 全 的 重 要 责 任 , 是

派 遣 联 合 国 蓝 盔 部 队 人 数 最 多 的

国 家 。 但 我 们 并 不 想 主 宰 其 他 国

家 。 我 们 始 终 致 力 于 通 过 对 话 和

政 治 途 径 解 决 分 歧 。 这 一 原 则 同

样 适 用 于 处 理 我 们 与 邻 国 的 关

系 。


6 CHINA – Der ferne Partner

Xi will im Alleingang

China umkrempeln

Chinas Präsident hat seinem Land nicht weniger als eine

„nationale Wiedererneuerung“ verordnet. Bei seinem

Besuch in Nordrhein-Westfalen wird es auch darum

gehen, die ökonomische Grundlagen dafür zu sichern.

Von Johnny Erling

Der im November 2012 als

neuer Parteichef Chinas

gewählte Xi Jinping stellte

nach einem Jahr im Amt seinem

Zentralkomitee die Frage,

wie in China eine „neue sozialistische

Gesellschaft“ aufgebaut

werden kann. Er hielt seine Antwort

bereit. Dank ihrer 30-jährigen

Reformen sei die Volksrepublik

nach früheren „schlimmen

Abwegen“ heute auf richtigem

Weg. Aber nur, wenn sie eine

zweite neue Runde des Wandels

einleitet, „Es geht nicht mehr nur

um Reformen in einem Bereich.

Wir wollen sie diesmal überall anschieben.“

Nach dieser Ankündigung des

60-Jährigen auf einem Sonderparteitag

am 12. November 2013

billigte das ZK seinen 60 Punkte-

Reformplan bis 2020. Nach ihm

soll sich – immer unter der Kontrolle

der Partei – auch gesellschaftlich

einiges ändern, etwa

durch die stufenweise Auflockerung

der seit 1982 geltenden Einkind-Geburtenkontrolle

oder der

Abschaffung der illegalen Arbeitslagerhaft.

Im Mittelpunkt aber

stehen Reformen, die die bisher

staatlich regulierten Bereiche wie

Finanzen oder Dienstleistungen

liberalisieren und Monopole überwinden

sollen. Neues Leitmotto

für den Wirtschaftsumbau ist,

dass der Regulierungskraft des

Marktes nicht mehr eine „wichtige“,

sondern eine „entscheidende

Rolle“ zukommt.

Xi skizzierte die Aufgaben für

die von ihm verantworte erste

von zwei geplanten Entwicklungsphasen

zur „nationalen

Wiedererneuerung Chinas“, die

in der Langfristplanung der Partei

bis 2021 und dann bis 2049

dauern sollen. Am Ende dieser

Entwicklungsphasen wäre dann

die Volksrepublik nach außen

eine auch militärisch starke

Weltmacht, die nach innen ihren

Bürgern einen gerecht verteilten

Wohlstand und nachhaltige

Entwicklung bescheren kann.

Diese Agenda verbirgt sich auch

hinter weiteren zwei Schlagworten,

die Xi den „Traum Chinas“

und zugleich die „doppelten

100 Jahre“ nennt und bei der die

Entwicklung des Landes und die

Alleinherrschaft der Partei miteinander

verbunden sind. 2021

wird die KP 100 Jahre alt, 2049

feiert die von ihr gegründete

Volksrepublik ihren hundertsten

Gründungstag. Um beide Etappenziele

zu erreichen, müsse das

„größte Entwicklungsland der

Welt“ aber vor allem weiter die

Wirtschaft ausbauen.

Nationale Wiedererneuerung

Xi weiß: Die Jahre des explosionsartigen

Wirtschaftswachstums

sind vorbei. Jetzt muss es

darum gehen, die chinesische

Industrie noch stärker in Richtung

Hightech zu entwickeln.

Deswegen sind Peking gerade

die Beziehungen zu Deutschland

besonders wichtig.

Chinas Staatspräsident

Xi Jinping kommt nach

Düsseldorf. Foto: dpa


CHINA – Der ferne Partner

7

Vor 30 Jahren gelang der

erste Anlauf zur Modernisierung

Chinas unter dem Reformarchitekten

Deng Xiaoping

durch dessen Kampagne zur

„Befreiung des Denkens“. Dengs

Absicht war, alle dogmatischen

planwirtschaftlichen Hindernisse

für einen beschleunigen

Wirtschaftaufbau über Bord zu

werfen. Heute, so Xi, habe die

zweitstärkte Volkwirtschaft und

größte Handelsnation der Welt

eine zweite „Befreiung des Denkens“

nötig. Nur so könnte sie ihre

Ziele, sich „nachhaltig, innovativ,

sozial gerecht und ökologisch

ausgewogen zu modernisieren“,

auch erreichen.

Politische Reformen und Mitsprache

der Öffentlichkeit gehören

für den autoritär herrschenden

Xi nur dazu, wenn er sie

initiieren lässt und kontrollieren

kann. Chinas neuer Führer redet

einem von oben herab verordneten

Wandel der Wirtschaftsstrukturen

das Wort, zu einem

von der Parteispitze geführten

Kampf gegen die Korruption

und für eine Re-Ideologisierung

der Gesellschaft, um sie zu disziplinieren.

Wer aus der Reihe

tanzt, wandert in Haft. Das Los

erlebten Dutzende friedliche Regimekritiker

vom Verfassungs-

rechtler Xu Zhiyong bis zum

uigurischen Wirtschaftsdozenten

Ilham Tohti. Xis Mitstreiter und

Ideologiechef Liu Yunshan sagt,

dass alle „nach einer Leitmelodie

singen“ müssten und sorgt mit

schärfer zensierten Medien und

Internet dafür.

Xi hat formal

so viel Macht

in seiner Hand

konzentriert

wie kein

anderer

Führer vor ihm

In kaum eineinhalb Jahren als

Parteichef hat Xi formal so viel

Macht in seiner Hand konzentriert

wie kein anderer Führer

vor ihm, ohne aber die absolute

Autorität eines Mao zu besitzen.

Er scheint dennoch entschlossen,

im Alleingang China

umkrempeln zu wollen. Er ist

Partei-, Armee- und Staatschef

in einer Person. Als Vorsitzender

von drei neugeschaffenen

Zentralkommissionen für „nationale

Sicherheit“, für „Strukturreformen“

und für „Internetsicherheit“

hat er sich zusätzliche

Befehlsgewalt über Ministerien

und Provinzen beschafft. Auch

die Außenpolitik mit ihrem 2013

neu aufgeflammten Territorialstreit

um das Ost- und Südchinesische

Meer sind Chefsache.

Xi, der sich auf Auslandsreisen

von seiner populären Frau Peng

Liyuan in der Rolle einer „First

Lady“ begleiten lässt, gibt sich

auch nach innen betont volkstümlich.

Das kommt an. Er hat an

Charisma eines „starken Mannes“

gewonnen.

Einige Parteiveteranen, die

sich heute als demokratische Sozialisten

verstehen, machen kein

Hehl daraus, dass ihnen seine

Machtkonzentration unheimlich

geworden ist. Andere, die auch

zu den Reformern gerechnet

werden, hoffen, dass alles nur

Mittel zum Zweck ist, um für Chinas

Reformen neue Bahnen zu

brechen.

Xi Jinpings Ehefrau Peng Liyuan tritt selbstbewusst neben ihrem Mann

auf. Sie ist ausgebildete Sängerin - und bekleidet den Rang eines Generalmajors

in der chinesischen Armee.

Fotos: dpa

Xis Tag in Düsseldorf

Xi kommt mittags gegen 13 Uhr auf dem Flughafen Düsseldorf an

– bei sich eine Delegation aus 200 Personen: Wirtschaftsvertreter,

Minister, hohe Beamte der chinesischen Regierung. Kurz nach der

Ankunft wird Xi mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bundeswirtschaftsminister

Sigmar Gabriel (beide SPD) sprechen. Vermutlich

im Hotel des Gastes – nach inoffiziellen Aussagen wird dies

das Interconti an der Kö sein.

Nach den Gesprächen wird die Reisegruppe aus Peking nach Duisburg

fahren – dort interessiert sich Xi vor allem für den Hafen.

Am Abend wird es – vermutlich ebenfalls im Hotel – ein Bankett für

rund 500 Gäste geben. Am nächsten Morgen endet der Staatsbesuch

in Deutschland – gegen 8 Uhr startet die Maschine des Präsidenten

ab Düsseldorf Richtung Brüssel.

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8 CHINA – Der ferne Partner

Das rote China will

grün werden

Smog: Die Luft Pekings ist schwer belastet mit Abgasen. Chinas Premier Li Keqing erklärte deshalb der Umweltverschmutzung den Krieg.

Fotos: dpa

Bisher war Umweltschutz keine Priorität in China. Die dramatischen Folgen zwingen zum Kurswechsel.

Von Johnny Erling

Chinas Hauptstadt warb

früher um den Besuch

von Touristen mit dem

Sprichwort: „Einmal sehen ist

besser als hundert Mal hören.“

Der Pekinger Zou Yi hat nun für

ein neues Bonmot gesorgt, dass

die Metropole nicht gut wegkommen

lässt: „Ein Foto sagt

mehr als tausend Worte.“ Alles

begann am 27. Januar 2013. Der

Tag startete morgens so grau,

dass er von seiner Wohnung im

13. Stock nur noch die Umrisse

des benachbarten Hochhauses

sah. Zou fotografierte die Sicht

mit seinem Handy. Am nächsten

und übernächsten Tag machte

er um sieben Uhr früh weitere

Aufnahmen des Gebäudes und

stellte sie in seinen Mikroblog.

Nach 64 Tagen hatte Zou einen

Online-Fotokatalog zusammen.

Unter dem doppelsinnigen Titel:

„Alles klar auf einen Blick“ wurde

seine Montage zum Internethit,

der zeigte wie Peking in den Würgegriff

des wabernden Smogs

geriet. Zou knipste ein Jahr lang

das gleiche Motiv um die gleiche

Zeit. Seine 365 Momentportraits

des TV-Gebäudes hatten

fast alle einen Stich ins Trübe.

Der umweltbewusste Bürger

war seiner Zeit voraus. Erst im

kommenden Juni, so sagte jetzt

der Vizechef der chinesischen

Umweltschutzbehörde Wu Shaoqing.

werde sein Ministerium

das Ausmaß der Luftverschmutzung

2013 für 74 Großstädte

bekanntgeben. Er verriet vorab

erste Ergebnisse. Nur drei Städte,

darunter das tibetische Lhasa,

konnten Chinas Standards

für unbedenkliche Luftqualität

erfüllen. In Peking und 13 umgebende

Städte in Nordchina

gab es dagegen 2013 nur an

einem von drei Tagen (37,5 Prozent)

„gute“ Luft. Vizeminister

Wu bestätigte damit das Urteil

von Sozialwissenschaftlern, die

jüngst in ihrem Blaubuch 2014

zum internationalen Städtevergleich

überspitzt feststellten:

Die 22 Millionen-Einwohner-

Metropole sei wegen ihrer

durch Kohleverbrennung, Industrie-

und Autoabgase hochbelasteten

Luft „nicht mehr zum

Leben geeignet.“

Es geht um Feinstaub, den China

seit 2013 systematisch messen

lässt. Die bisher veröffentlichten

Resultate versetzten den Bürgern

einen Schock. Obwohl das

Umweltministerium die von der

Weltgesundheitsorganisation

(WHO) für Entwicklungsländer

tolerierte Höchstgrenze von 75

Mikrogramm Schmutzpartikel pro

Kubikmeter Luft als China-Standard

ansetzt. Das ist schon die

dreifache Menge, die in Industriestaaten

Grenzwerte sind. In Peking

wurden 2013 immer wieder

furchterregende Werte erreicht.

Bei extremen windstillen

Wetterlagen sprengte

die Schadstoffkonzentration

sogar viele

der nur 500 Mikrogramm anzeigenden

Messgeräte. Der Smog

zwang die Pekinger sich mit Atemschutzmasken

zu vermummen.

Die Stadt erließ auf Druck der

Bürger Alarmregelungen. Künftig

wird es Fahrverbote für die Hälfte

der 5,3 Millionen Pkw geben,

Kindergärten und Grundschulen

geschlossen, wenn Smoghöchstwerte

für drei Tage im Voraus erwartet

werden. Auch die Politik

zieht die Notbremse. Sie will das

rote China grün

werden lassen.

Pre-

mier Li Keqiang erklärte vor

dem Volkskongress förmlich der

„Umweltverschmutzung den

Krieg“. Erstmals gestand er auch

ein: „Smog ist das rote Warnlicht

der Natur gegen unser Wachstumsmodell

ineffizienter und

blindwütiger Entwicklung“. Die

Zeit für einen Strategiewechsel in

der Wirtschaftsweise und für einschneidende

Umweltschutzauflagen

sei überreif.

Chinas Regierung kündigte

Milliardenprogramme für die

Sanierung der verheerend verschmutzten

Luft, Wasser und

Boden. Die Kooperation für effiziente

Energienutzung und

Umweltschutz steht auch beim

Berlin- und Düsseldorf-Besuch

von Staatspräsident Xi Jinping

Ende März oben auf der

Agenda.

Fotograf Zou fängt

schon mal an. Seine Fotos

haben ihn selbst aufgeschreckt.

Er lebe seither

umweltbewusster, fahre

nicht mehr mit dem Auto

innerhalb der Pekinger City,

sagte er dem Staatsradio CRI

und wolle sich bei der Aufklärung

seiner Mitbürger engagieren.


CHINA – Der ferne Partner

9

Zwischen Faszination und Furcht

Die Beziehungen zwischen China und Deutschland sind so eng wie nie zuvor, besonders wirtschaftlich.

Doch wie sehen eigentlich die Deutschen China und die Chinesen Deutschland? Eine Studie zeigt: Es gibt

noch sehr viele Vorurteile.

Von Matthias Beermann

Der erste Punkt geht klar

an die Chinesen. Denn

immerhin jeder fünfte

von ihnen weiß, dass Angela

Merkel deutsche Bundeskanzlerin

ist. Dagegen wissen nur zwei

Prozent der Deutschen, dass Xi

Jinping Chinas neuer Staats- und

Parteichef ist. Wie wenig sich die

beiden Völker kennen, belegt

eine neue Studie, die im Auftrag

des chinesischen Telekommunikationskonzerns

Huawei vom

Hamburger GIGA Institut für Asienstudien

und dem Meinungsforschungsinstitut

Emnid angefertigt

wurde. In beiden Ländern

wurden jeweils 1000 „normale“

Bürger sowie 200 Manager und

100 Politiker befragt.

Es ist bereits die zweite Untersuchung

dieser Art nach einer

ersten Bestandsaufnahme im

Jahr 2012. Der Befund hat sich in

diesen zwei Jahren freilich kaum

Das Verhältnis der Deutschen zu China ist eher gespalten. Umgekehrt

mögen zwei Drittel der Chinesen Deutschland.

Foto: dpa

verändert - immer noch bestimmen

hartnäckige Klischees die

gegenseitige Wahrnehmung. Es

gibt aber einen auffälligen Unterschied:

Während Chinesen

insgesamt eher einen positiven

Eindruck von Deutschland haben,

sind die Deutschen zutiefst

gespalten in ihrer Einstellung zu

China.

Die dynamischen Handelsbeziehungen

zur zweitgrößten

Volkswirtschaft der Welt werden

einerseits als große Chance für

die deutsche Wirtschaft empfunden.

Die große Mehrheit der Befragten

(84 Prozent) hält sie für

ebenso wichtig oder sogar wichtiger

als die zu den USA. 58 Prozent

glauben, dass eine brummende

Wirtschaft in China auch

der deutschen Konjunktur hilft.

Andererseits fürchten auch viele

Deutsche den rasanten Aufstieg

Chinas. So meinen 58 Prozent

der Befragten, dass einheimische

Hersteller durch chinesische Produkte

verdrängt werden. 59 Prozent

empfinden Chinas wachsende

politische Macht als konkrete

Bedrohung. Dagegen sehen nur

17 Prozent der Chinesen die Politik

der Bundesregierung mit

Besorgnis.

„Mit Blick auf Politik und Staat

in China sehen besonders viele

Deutsche die Situation in den Bereichen

Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit,

freie Meinungsäußerung

sowie Umgang mit der

natürlichen Umwelt kritisch“,

erläutert Patrick Köllner, Direktor

des GIGA Instituts. Es sei daher

kein Wunder, dass Chinas Image

in Deutschland schlechter sei als

das der USA oder auch Japans.

Immerhin: Im direkten Ländervergleich

schneidet China besser

ab als etwa Russland oder Indien.

Umgekehrt haben zwei Drittel der

Chinesen ein positives Bild von

Deutschland. Jeder zweite Chinese

könnte sich sogar vorstellen, in

Deutschland zu leben, wogegen

nur jeder fünfte Deutsche freiwillig

nach China übersiedeln würde.

Interessante Übereinstimmungen

gibt es bei den klassischen

Wertvorstellungen. So

betrachten sich Deutsche und

Chinesen gegenseitig als ähnlich

traditionsgebunden, hierarchieorientiert,

höflich und als Volk mit

Familien- und Gemeinschaftssinn.

NORDRHEIN-WESTFALEN


10 CHINA – Der ferne Partner

Pilgern zu Mao: Chinas roter Tourismus

Chinas Führung zelebriert ihre Parteigeschichte als Spektakel für Touristen.

Museen und Freizeitparks sollen die Ideologie festigen. Mehr als eine halbe

Milliarde Menschen pilgern jährlich zu den historischen Stätten.

Der frühere Staatschef Mao wird

beinahe verehrt wie ein Gott.

Millionen Besucher pilgern jährlich

zu seinen Gedenkstätten in

China. Foto: dpa

Von Stephan Scheuer

Xu Wenxiang ist 1300 Kilometer

gereist, um Mao

Tsetung die Ehre zu erweisen.

Tief verbeugt sich Herr

Xu vor der sechs Meter hohen

Bronzestatue von Chinas Revolutionsführer.

„Für den Vorsitzenden

ist kein Weg zu weit“, sagt er.

Zwei Männer in Militäruniformen

tragen im Stechschritt einen Blumenkranz

vor Herrn Xu bis zu der

Statue. Aus den Lautsprechern

am Rande des Platzes in Maos

Geburtsort Shaoshan in der

südchinesischen Provinz Hunan

erschallt das Mao-Loblied „Der

Osten ist rot“. Anschließend rufen

einige der umstehenden Passanten

den Slogan: „Vorsitzender

Mao lebe 10 000 Jahre!“

Der von Chinas Führung propagierte

„rote Tourismus“ ist

für Daniel Leese von der Albert-

Ludwigs-Universität Freiburg

nur eine neue Verpackung für

die ideologische Erziehung der

Bevölkerung. „Die Inhalte müsse

an die Zeit angepasst werden“,

sagt der Juniorprofesso. In einem

Forschungsprojekt untersucht er

den Maoismus in China.

Mao ist 37 Jahre nach seinem

Tod in China zu einer Geldmaschine

geworden. Jedes Jahr pilgern

Millionen Touristen zu den

Wirkungsstädten des umstrittenen

Revolutionärs. In einem

Museum in der Nähe von Maos

Geburtshaus in Shaoshan ist alles

ausgestellt: von Maos Schlafanzug,

über seinen Socken bis hin

zu seiner Badehose.

Mehrere Zehntausend Besucher

zählt das Museum nach eigenen

Angaben an Spitzentagen.

An Feiertagen müssen Touristen

mehr als drei Stunden anstehen,

um einen kurzen Blick in Maos

Kinderzimmer am anderen Ende

des Ortes zu werfen. Der Revolutionär

wird als ein Führer mit Bürgernähe

gefeiert. Kein Wort fällt

über die Millionen Menschen, die

seiner Politik zum Opfer fielen.

Die Zahl der Besucher an den

Pilgerorten der Kommunistischen

Partei Chinas ist im Jahr

2012 nach offiziellen Angaben

um 24 Prozent auf 670 Millionen

angewachsen. Insgesamt

spielten die „Roten Touristen“

demnach 167 Milliarden Yuan

(20 Milliarden Euro) ein. Die Zentralregierung

macht Geld für die

Touristenorte locker. Gleichzeitig

sollen sie die Wirtschaft in den

weniger entwickelten Regionen

des Landes ankurbeln.

Denn Respekt für Mao lassen

sich die Touristen einiges kosten.

Xu Wenxiang hat sich für die Premiumversion

der Zeremonie vor

der Mao-Statue entschieden.

999 Yuan (120 Euro) hat ihn der

Kranz mit einer Schleife und seinem

Namen gekostet. Für den

festlichen Akt mit den als Soldaten

verkleideten Schauspielern

musste er weitere 1000 Yuan

bezahlen. Nach fünf Minuten ist

alles vorbei. „Das war das Geld

wert“, sagt Herr Xu neben der

breiten Treppe, von der ein roter

Teppich zu der Mao-Statue auf

einem Betonsockel führt.

Die Kommunistische Partei

in China treibt den „roten Tourismus“

mit Macht voran. Eine

„Nationale Koordinierungsgruppe“

gibt als staatliche Einrichtung

die Leitlinien für den Kult um die

Partei vor.

Seit dem Jahr 2004 lenkt die

Zentralregierung den Ausbau im

ganzen Land gezielt. „Die Erziehung

in Patriotismus, Kollektivismus

und Sozialismus muss weiter

vertieft werden“, hatte der

Chef der Koordinierungsgruppe,

Zhu Zhixin, beim Jahrestreffen

2013 gefordert.

Mit den Touristenspektakeln

soll das Bild der Bürger von der

Partei gefestigt werden, sagt

Daniel Leese: „Es soll eine emotionale

Verbindung geschaffen

werden.“ In Schulunterricht und

Fernsehen vermittelt Chinas

Führung ein Bild von sich. Mit

dem Besuch der Touristenorte

schafft Peking eine Ideologie

zum Anfassen und Miterleben.

Die Forscherin Yoko Takayama

vom Slavic Research Center in

Japan nannte die Entwicklung

in einer Analyse eine „Disneysierung“,

in Anlehnung an die

Disney-Freizeitparks.

In der ehemaligen Revolutionsbasis

Yan‘an 900 Kilometer

südwestlich von Peking, in der

sich Mao nach 1935 verschanzt

hatte, können Touristen einen

Kampf um den Ort mit Panzern

und Gewehren spielen. In Zhuanbi

in der nordchinesischen

Provinz Shanxi ist ein ganzer Freizeitpark

für die „roten Touristen“

errichtet worden, in der sie in

einem Hindernisparcours einen

Häuserkampf nachspielen können.

Und weitere Attraktionen

sollen in Zukunft dazukommen.


CHINA – Der ferne Partner

11

Rheinmetall-Tochter Pierburg weiht elftes

Werk in Shanghai ein

Von Thorsten Breitkopf

Der Umzug beginnt in

wenigen Wochen: Ende

April ist der Neubau des

Pierburg-Werkes an der Neusser

Hafenspitze so weit fertig,

dass die ersten Mitarbeiter des

Autozulieferers dort mit der

Produktion von Magnetventilen

und Abgasrückführungssystemen

beginnen. Bis 2015 sollen es

700 Kollegen sein, die aus dem

bisherigen Neusser Werk an der

Alfred-Pierburg-Strasse und aus

einem weiteren Werk in Nettetal

dorthin wechseln.

Die 70000 Quadratmeter

große Baustelle in Neuss hat

noch einen kleinen Bruder: 8851

Kilometer weiter östlich baut

Pierburg gerade ebenfalls ein

Werk. Die neue Produktion in

Shanghai soll fast zeitgleich ihre

Arbeit aufnehmen. Der Unterschied:

Während die Tochter der

börsennotierten Rheinmetall

AG an der Hafenspitze gerade

mal ihre zweite größere Produktionsstätte

in Neuss errichtet,

entsteht in Shanghai bereits das

elfte Pierburg-Werk.

30 Prozent Wachstum

„In China wachsen wir in guten

Zeiten auch mal bis zu 30

Prozent pro Jahr“, vermittelt

Pierburg-Sprecher Folke Heyer

einen Eindruck von der Dynamik

des Automobilmarktes in

Fernost. Für den Automarkt

in Europa haben einige Marktbeobachter

kürzlich hingegen

noch ein jahrelanges Siechtum

vorausgesagt. Der Preis, den

westliche Unternehmen für

ihren Erfolg in China zahlen

müssen: „Bis vor kurzem war

es Westfirmen fast unmöglich,

in China auf eigene Faust tätig

zu werden“, so Heyer. Offenbar

auch, um einen Technologie-

Transfer zu erzwingen, bestand

die chinesische Führung in den

meisten Fällen auf so genannten

Joint Ventures: Die Westfirmen

mussten sich einen chinesischen

Partner suchen und den

Markt mit diesem gemeinsam

erobern. „Was nicht nur von

Nachteil ist“, meint Heyer, „gerade

Unternehmen mit wenig

Fernost-Erfahrung haben von

ihren chinesischen Partnern

auch enorm profitiert.“

Der China-Partner der Pierburg-Gruppe

ist seit 1997 die

Shanghai Automotive Industry

Corporation (SAIC). Der Milliardenkonzern

ist inzwischen die

größte chinesische Gruppe von

Auto- Motorrad- und Autoteileherstellern.

Gemeinsam mit SAIC

beschäftigt Pierburg in China

3500 Mitarbeiter, die rund 500

Millionen Euro Umsatz pro Jahr

erwirtschaften. Schöne Zahlen,

die in der offiziellen Rheinmetall-

Bilanz aber nicht verrechnet werden

- eben weil es sich nur um

ein Joint Venture handelt. Aber

An der Hafenspitze entsteht Pieburgs zweite größere Produktionsstätte

in Neuss - und in Shanghai derzeit das elfte Pierburg-Werk.

Foto: Woitschützke

beim Vergleich helfen die Zahlen

trotzdem: Die gesamte Automotive-Sparte

des Rheinmetall-

Konzerns, zu der neben Pierburg

auch die Kolbenschmidt-Gruppe

gehört, beschäftigt weltweit

12000 Mitarbeiter. 2013 erwirtschafteten

sie bei einem Umsatz

von 2,5 Milliarden Euro einen

operativen Gewinn von rund 160

Millionen Euro.

„Qualitativ unterscheidet

unsere Produktion in China sich

nicht von der heimischen Produktion“,

erklärt Heyer. Zu den

Kunden gehören chinesische Autobauer

ebenso wie Volkswagen

oder BMW, die in China eigene

Produktionen betreiben. Für die

deutschen Autobauer ist China

längst zum Schicksalsmarkt geworden.


12 CHINA – Der ferne Partner

Wenn das Leben ein chinesisches Abenteuer ist

Von fünf Rheinländern, die auszogen, in China ihr Glück zu machen – und es in einer

fremden Kultur auch wirklich fanden.

Von Ludger Baten

Galopp-Rennbahn Sha Tin,

New Territories in Hongkong:

Schon der Führ-

Ring gleicht einem Stadion, das

12 000 Zuschauer fasst. Ein

bei gutem Wetter zu öffnendes

Schiebedach ist Standard.

Als nach der Präsentation der

Vollblut-Rennpferde Winfried

Engelbrecht-Bresges (58) seine

deutschen Besucher aus dem

ansonsten nur Besitzern, Clubmitgliedern,

Sponsoren und wenigen

Medienvertretern vorbehaltenen

Innenraum bittet, ist er

sicher, dass seine Gäste den Weg

zu ihren Tribünenplätzen finden

werden: „Alle haben Euch mit mir

gesehen. Hier geht Ihr von jetzt

an nicht mehr verloren.“

In Hongkong zählt „EB“ – wie

Engelbrecht-Bresges in der ehemaligen

britischen Kronkolonie

und heutigen chinesischen Finanzmetropole

gerufen wird

– zur absoluten Prominenz. Seit

Februar 2007 ist er Chef des

reichsten Vereins der Welt, der

zugleich auch größter Steuerzahler

in Hongkong ist. 2011

überwies der von ihm geführte

Jockey Club 1,5 Milliarden Euro

in die Stadtkasse. Er kann es sich

leisten, denn dieser Verein ist ein

Konzern: Der Club setzt nach eigenen

Angaben mehr als 16 Milliarden

Euro jährlich mit Pferdeund

Fußballwetten um.

An der Spitze des 1844 gegründeten

Hongkonger Jockey

Der promovierte Jurist Holger Hanisch ist fasziniert von Elektro-Mobilität

und Wasserstoff-Rädern. Derzeit baut der Neusser sein Geschäft

mit Komponenten auf, die aus China stammen. Foto: A. Woitschützke

Clubs mit seinen mehr als 23 000

Mitgliedern steht ein Deutscher,

genauer gesagt ein in Rheydt

aufgewachsener Niederrheiner.

Winfried Engelbrecht-Bresges

spielte Fußball für den TuS Xanten

und den 1. FC Viersen, studierte

Wirtschaft. Über seine

Ex-Frau, deren Familie das traditionsreiche

Gestüt Zoppenbroich

in Mönchengladbach führt, fand

er zur Pferdezucht und zum Galopprennen.

Von 1990 bis 1998

war er Präsident des Neusser

Reiter- und Rennvereins, wirkte

parallel sechs Jahre im Direktorium

für Vollblutzucht und Rennen

e. V. in Köln.

Ein Rheydter ist Chef im

Jockey Club Hongkong

1998 folgte Engelbrecht-Bresges

einem Ruf nach Hongkong, um

dort Renndirektor zu werden.

Seit dem 1. Februar 2007 ist er

Vorstandschef im Jockey Club. Er

hat seinen Weg nach Fernost nie

bereut. „Hongkong ist eine Stadt,

die niemals schläft. Ich denke, sie

behält ihre Offenheit und Rechtsstaatlichkeit,

denn sie spielt in

der Entwicklung des Landes eine

wichtige Rolle.“ Das Ziel sei

ein vereintes China. China denke

da, so Engelbrecht-Bresges, in

Zeiträumen von zehn, zwanzig

Jahren. Hongkong sei so etwas

wie der Masterplan für Taiwan.

Er, der mit seiner zweiten Frau,

einer Chinesin, in Hongkong

lebt, kann sich nicht vorstellen,

noch einmal in Deutschland zu

arbeiten. Im Ruhestand, so sagt

er, könnte es gut sein, dass er

in „drei Welten“ leben wird: in

Hongkong, in Schanghai, wo er

ein Haus hat, und in Deutschland,

„wo ich Verwandte und

Freunde habe“. Aber sein Vertrag

läuft mindestens noch drei Jahre.

Womöglich ist Winfried Engelbrecht-Bresges

der bekannteste

unter den Niederrheinern,

die nach China gingen, um dort

ihr Glück zu machen. Aber er ist

beileibe nicht die eine große Ausnahme

und vor allem war er nicht

einer der ersten. Als „EB“ vor 17

Jahren, direkt nach der Rückgabe

Hongkongs an die Volksrepublik,

beim Jockey Club einstieg, war

Chinas wirtschaftlicher Aufbruch

im vollen Gange.

Ulrich Mäder (65) kennt noch

das alte China, das erst am Anfang

seiner Öffnung stand. Der

Dormagener reiste als Mitarbeiter

des deutschen Handelsunternehmens

Quelle/Schickedanz erstmals

1977 in das Reich der Mitte,

das ihn mit seiner enormen Dynamik,

seinem permanenten Wandel

und seiner immensen Kraft

sofort faszinierte – insbesondere

die Stadt Shanghai, die ihm zu

einem zu Hause wurde, hat es ihm

bis heute angetan. Ulrich Mäder

blieb auch als seine Frau verstarb,

weil er in Asien „Fuß gefasst“ hatte

und sich dort „entfalten“ kann.

Seit 1990 ist er selbstständig, lebt

in Shanghai und in der Hafenstadt

Ningbo (Partnerstadt von Aachen),

wo er eine Textil-Fabrikati-

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Mit drei chinesischen Associates in den deutschen Büros und mehr als 100 Anwälten

in der Region China verfügt Jones Day über eine der größten deutsch-chinesischen

Praxisgruppen unter den internationalen Wirtschaftskanzleien. Mit unserer jahrzehntelangen

China-Erfahrung und der nahtlosen Vernetzung unserer Fachkompetenzen

in allen wirtschaftsrelevanten Bereichen unterstützen wir sowohl chinesische Unternehmen

in Deutschland als auch deutsche Unternehmen in China.

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CHINA – Der ferne Partner

13

Vorstandsvorsitzender Winfried Engelbrecht-Bresges (r.), in Rheydt aufgewachsen, und sein Hongkong Jockey Club haben oft genug Grund für eine Champagner-Dusche.

Jährlich setzt der Jockey Club 16 Milliarden Euro um. In der Mitte die malaysische Filmschauspielern Michelle Yeoh.

Foto: AFP

on betreibt. Auch berät der erfahrene

Mäder deutschen Firmen im

Chinageschäft.

Ulrich Mäder gründete bereits

1983 ein Netzwerk für die

deutsche Kaufmannschaft in

Shanghai, das als Vorläufer der

späteren Auslandshandelskammer

(AHK) gilt, deren Vorstand

er bis heute angehört. Seine

Pionierarbeit wurde mit dem

Bundesverdienstkreuz belohnt.

Das rheinische Blut kann Ulrich

Mäder aber auch nach fast

vier Jahrzehnten in China nicht

verleugnen: Zum Dormagener

Schützenfest zieht er alljährlich

die Uniform an.

Das Neusser Schützenfest

bedeutet auch für Thomas Hommers

(31), dass er Ende August

in seiner alten Heimat ist. Seit

2004 hat er aber ein Standbein

in Hangzhou. Der immer noch

junge Neusser ging vor zehn Jahren

als Produktmanager für einen

niederländischen Textilimporteur

erstmals ins Riesenreich, wo ihn

der „China-Bazillus“ voll erwischte.

Er baute seine eigene Internet-Firma

auf, die mit Beratung

und Service für internationale

Unternehmen erfolgreich ist. „Die

Gesellschaft und somit auch die

Wirtschaft sind in China immer in

Bewegung“, sagt Hommers, „das

hier vor Ort in der Volksrepublik

mitzuerleben, mitzugestalten, ist

anstrengend, bedeutet steten

Kampf und ist doch super spannend.“

Das Leben als ein einziges

chinesisches Abenteuer.

Für Holger Hanisch (46) war

China auch ein Abenteuer –

zwölf Jahre lang. Seit 2012 lebt

er mit seiner chinesischen Frau,

den beiden Töchtern und seiner

Schwiegermutter in Neuss:

„Jetzt erlebt meine Familie im für

sie fremden Deutschland wie es

mir im fremden China ergangen

ist.“ In der Volksrepublik arbeitete

Hanisch meist für deutschchinesische

Kooperationen und

Projekte. Als er mit dem Kohlebergbau

in China in Kontakt

kam, wurde ihm schnell klar, wie

wichtig Fragen von Sicherheit

und Ökologie in der (Energie-)

Wirtschaft sind. Sein persönlicher

Beitrag zu einer Antwort:

Elektro- und Wasserstoff-Räder.

Verschiedene Komponenten, die

zum Teil auch in China produziert

werden, komponiert er zu einem

Prototypen. Die Serienfertigung

ist sein deutsch-chinesischer

Traum.

Verschiedene Modelle

von „Welt“

Pure Neugierde trieb 1992

Marcus Hernig (48) von Rhein

und Ruhr nach China. Er wollte

„Kultur, Land und Sprache“

kennenlernen; wirtschaftliche

Überlegungen spielten für ihn

keine Rolle. Hernig blieb, lebt

vorwiegend in Shanghai, wochenweise

aber auch in Japan

und Deutschland. Das Leben für

seine chinesische Frau, seinen

Sohn und sich finanziert er als

Dozent, Buchautor sowie als Berater

deutscher Firmen wie zum

Beispiel BMW.

Hernig weiß aus Erfahrung,

welche „hohe Wertschätzung“

die Chinesen den Deutschen und

der deutschen Wirtschaft entgegenbringen:

Deutschland bleibe

aber nur der „gewünschte Premiumpartner“,

wenn es sich klar

und deutlich zur Zusammenarbeit

bekenne und die „kulturelle

Affinität weiter gefestigt und mit

besseren Programmen gestärkt“

werde. Hernig plädiert, zu akzeptieren,

dass es „verschiedene

Modelle von Welt“ gebe. Globale

Wirtschaft kehre kulturelle Unterschiede

unter den Teppich

und lasse den Anschein zu, dass

„überall alles gleich“ sei: „Dem ist

nicht so!“

Your Premier Bank of RMB Services.

Bank of China Frankfurt Branch

Bockenheimer Landstr. 24

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14 CHINA – Der ferne Partner

ZTE will bei Handys weltweit an die Spitze

Aktuell ist ZTE bei Handyverkäufen

weltweit nur die

Nummer fünf. Nach einer

Studie des Marktforschers Gartner

kam das Unternehmen im vergangenen

Jahr auf einen Marktanteil

von 3,3 Prozent. Das soll sich

ändern. Bis 2015 will ZTE einer

der drei größten Handyhersteller

weltweit werden. Dabei soll auch

der deutsche Markt helfen, den

der chinesische Konzern, dessen

Tochter seit 2005 in Düsseldorf

ihren Sitz hat, stärker in den Blick

nimmt.

Denn obwohl ZTE bereits seit

15 Jahren Mobiltelefone herstellt,

waren diese auf dem europäischen

Markt lange Zeit unbekannt.

Das Unternehmen hatte

sie ohne den eigenen Markennamen

zu verwenden für Mobilfunkhersteller

produziert. Seit 2012

tritt ZTE auch in Europa unter eigenem

Namen auf.

ZTE stellt jedoch nicht nur

Mobilfunkgeräte her. Seit Januar

hat die deutsche Tochter der

Chinesen den Netzbetrieb für

das Mobilfunkunternehmen E-

Plus übernommen. Im gleichen

Monat hatte sie den ehemaligen

Netzdienstleister der E-Plus-

Gruppe, Alcatel-Lucent Network

Services, übernommen. Die

Mitarbeiterzahl in Deutschland

stieg dadurch von 200 auf knapp

1000 Personen.

Auch der Umsatz im Geschäft

mit Firmenkunden soll kräftig

steigen. Momentan macht das

Geschäft zehn Prozent des Umsatzes

aus. In drei bis fünf Jahren

soll es rund ein Drittel sein, hofft

ZTE.

5,9 t

CO 2

produzierte jeder

Chinese 2011

3,24 Mrd. €

Wert der Maschinen, die 2013

von Unternehmen in NRW

nach China exportiert wurden.

15,1 t

CO 2

produzierte jeder

NRW-Bürger 2011

CHINA UND NRW

IM VERGLEICH

2,2 Mrd. €

flossen allein 2013 für

Bekleidung aus NRW

nach China.

67%

25,7%

der Fläche von

NRW ist bewaldet.

der Karnevalsartikel

2013 in NRW stammen

aus China.

6,9 Mrd. €

flossen allein 2013 für

Elektrogeräte aus NRW

nach China.

1,17 Mrd. €

Wert der Exporte von

chemischen Produkten

aus NRW nach China.

800

chinesische Unternehmen

haben sich in

NRW angesiedelt.

23619

Chinesen lebten 2012

in NRW. Das sind nur

1,3 % der Ausländer.

5,92 Bill. €

Bruttoinlandsprodukt

Chinas im Jahr 2012.

3,43 Billionen €

Bruttoinlandsprodukt

Deutschlands im Jahr 2012.

300

ist die Länge des Autobahnchinesische

Unternehmen

befinden sich in der

Netzes in NRW.

Region Düsseldorf 22,5%

2903

Chinesen lebten 2012

allein in Düsseldorf.

Mit rund 8000 Km Länge ist die chinesische Mauer das größte Bauwerk der W elt.

2216 Km

19,6°C

beträgt die Durchschnittstemperatur

im wärmsten

Monat Chinas: Juli.

17,4°C

beträgt die

Durchschnittstemperatur

im Juli

in NRW.

14,9 Prozent

beträgt der Anteil der NRW-

Exporte nach China an den

gesamten Ausfuhren der

Bundesrepublik nach China.

20,1 Mrd. €

Wert der Güter, die 2013

von Unternehmen in

China nach NRW

exportiert wurden.

der Fläche Chinas ist

mit Wald bedeckt .

27 Prozent

beträgt der Anteil der

Exporte Chinas nach

Deutschland, die nach

NRW gehen.

9,97 Mrd. €

Wert der Güter, die 2013

von Unternehmen in NRW

nach China exportiert

wurden.

QUELLEN: IT NRW, IHK DÜSSELDORF, STAT.

BUNDESAMT | GRAFIK: RADOWSKI


CHINA – Der ferne Partner

15

Hisense Germany in Düsseldorf wächst weiter

Das chinesische Unternehmen ist weltweit erfolgreich

Von Jürgen Grosche

Was wollen unsere Kunden?

Diese Frage stellen

sich die Mitarbeiter von

Hisense immer wieder – und fragen

die Kunden direkt. „Mittels

repräsentativer Statistiken und

Umfragen wird der genaue Kundenwunsch

analysiert. Gleichzeit

überprüfen wir, ob und wie wir

diese Wünsche erfüllen können“,

erklärt Christian Stuhrmann,

Commercial Director bei Hisense

in Düsseldorf. Aus diesen Analysen

sind viele Produktinnovationen

entstanden. Beispielsweise

ist bei allen Fernsehgeräten des

Herstellers bereits ein

Satelliten-Empfänger

eingebaut, der für alle

Empfangsarten gerüstet

ist. So müssen die Kunden

keinen separaten

Receiver kaufen. Bei den

internetfähigen „Smart-

TVs“ reicht ein Klick auf

die Bedienungsoberfläche,

schon gelangt man

Christian

Stuhrmann

auf „YouTube“ oder kann in den

Mediatheken der Fernsehsender

verpasste Sendungen ansehen

– im Großformat statt auf dem

Computerbildschirm.

Angefangen hat bei Hisense

alles im chinesischen Qindao.

1969 begann das Unternehmen

dort Radiogeräte herzustellen,

später Fernseher sowie Kühlund

Gefriergeräte. In den vergangenen

Jahren entwickelte sich

das Unternehmen rasant. 2007

entwickelte es beispielsweise die

erste Produktionslinie für LCD-

Chips in Massenherstellung, was

zu Kooperationen mit anderen internationalen

Unternehmen wie

IBM oder Bauknecht-

Whirlpool führte. Inzwischen

ist Hisense

in 17 Ländern mit Produktionsstätten

vertreten

und vertreibt

seine Produkte in 130

Ländern.

Auch der Standort

in Düsseldorf ist weiter

auf Wachstumskurs.

Fotos: Hisense

Die Zahl der Mitarbeiter steigt, in

wenigen Wochen steht der Umzug

vom Seestern auf ein größeres

Gelände am Heerdter Lohweg an.

„An dieser Stelle wird auch einen

großen, öffentlichen Showroom

mit unseren Produkten geben“,

sagt Stuhrmann. „In Deutschland

haben wir bereits eine eigene

Abteilung für Forschung und Entwicklung

aufgebaut. Als erstes

Ergebnis haben wir das Design der

Handgriffe an unseren Kühlgeräten

angepasst“, berichtet Stuhrmann.

Die „easy to open“-Griffe

(„leicht zu öffnen“) lassen die Türen

besonders einfach aufgleiten.

Das Ziel aller Hisense-Entwicklungen:

Sie sollen mehr Anwendungsmöglichkeiten

und Funktionen

bieten, die die Kunden im

Alltag unterstützen und unkompliziert

zu bedienen sein – schließlich

ist das Unternehmen Technologieführer

in den Bereichen TV und

Weiße Ware.

Auch die neuen Produkte, die

in diesem Jahr von Hisense neu

auf den Markt kommen werden,

sollen diesem hohen Standard

entsprechen: Waschmaschinen,

Klimaanlagen und Smartphones.


16 CHINA – Der ferne Partner

Düsseldorfs riesiger Freund vom Jangtse-Fluss

Düsseldorfs Partnerstadt Chongqing in China

ist wahrscheinlich die

unbekannteste Mega-City der Welt.

Von Thomas Reisener

Mit einer Fläche von

82 000 Quadratkilometern

ist Chongqing so

groß wie Österreich. 32 Millionen

Einwohner leben dort – fast

doppelt so viele Menschen wie

in ganz Nordrhein-Westfalen.

Mit Temperaturen von bis zu 44

Grad, gerne im Wechsel mit rekordverdächtigen

Niederschlägen,

zählt die Metropolregion im

gebirgigen Hinterland Zentralchinas

auch klimatisch zu den

herausforderndsten Ballungsräumen

der Welt.

Allerdings beeindrucken

große Zahlen nirgends auf

der Welt weniger als in China.

Schließlich ist die ganze Nation

ein einziger Superlativ. Aber das

rasante Wachstum, das diese

Stadt an der Mündung des Jialing

in den Jangtse-Fluss antreibt,

ist selbst für chinesische Verhältnisse

ungewöhnlich. Vor 40

Jahren hatten dort nur wenige

Häuser mehr als ein Stockwerk

und in den Gassen pickten noch

Hühner. Heute haben viele Gebäude

weit mehr als 50 Stockwerke,

teilweise sogar 80. Dabei

sprießen die Wolkenkratzer

schneller aus dem Boden, als die

Arbeiter Straßen bauen können.

Einige der High-Tech-Türme sind

deshalb nur zu Fuß zu erreichen -

obwohl bautechnisch ansonsten

vielen westlichen Bürotürmen

überlegen: So löst in Chongqing

die klimafreundliche Flusswasserkühlung

vielerorts bereits die

Kompressor-Kli-

herkömmliche

maanlagen ab.

Sonderwirtschaftszone

Als China 1993 mit dem Bau des

Drei-Schluchten-Staudammes

begann, erklärten die Kommunisten

wenig später das Ufergebiet

des Jangtse in der bevölkerungsreichsten

Provinz Sichuan

zur Sonderwirtschaftszone. Die

Partei benannte sie nach der

größten Stadt des Gebietes,

Chongqing. Mit dem Pegel des

Jangtse wuchs die Wirtschaftsmacht

von Chongqing, das in

Wahrheit ähnlich wie das Ruhrgebiet

aus mehreren Großstädten

besteht, die zum Teil durch

dünner besiedelte Agrarflächen

verbunden sind.

Das liberalere Wirtschaftsrecht

in dieser Sonderzone hat

den unternehmerischen Ehrgeiz

entfacht. Binnen weniger

Jahre boomte die Industrie,

die von den reichen Kohle- und

Gasvorkommen in der Nachbarschaft

und der verkehrsgünstigen

Lage am Knotenpunkt

der beiden wichtigsten

ostchinesischen Wasserstraßen

profitierte. Innerhalb von 40

Jahren explodierte das Bruttoinlandsprodukt

der Region von

ein paar Hundert Millionen auf

heute geschätzte 280 Milliarden

Euro – das entspricht fast

einem Zehntel der gesamten

deutschen Wirtschaftsleistung.

Allerdings wuchs mit dem

Wohlstand der Bevölkerung,

auch die Schere zwischen arm

und reich. Deutsche Premium-

Autos, japanische Lautsprecher

und französische Haute Couture

sind in Chongqing zwar inzwischen

üblich – aber nur für einen

kleinen Teil der Bevölkerung.

Auch umgekehrt kam der Warenstrom

in Gang: Chongqings

Motorenwerke exportieren, und

angeblich kommt ein Drittel aller

weltweit verkauften Laptops

aus dieser Region.

Wie das Ruhrgebiet

Die guten Wirtschafts- und Handelskontakte

seit Ende der 1990-

er Jahre haben die spätere Städtepartnerschaft

von Düsseldorf

und Chongqing vorbereitet. Am

22. Juli 2004 besiegelten die

beiden Metropolen ihre Partnerschaft.

Kulturelle Kontakte und

die Zusammenarbeit bei internationalen

Projekten der Europäischen

Union runden die immer

engeren ökonomischen Verbindungen

ab.

Trotzdem glaubt der Außenhandelsexperte

der IHK zu Düsseldorf,

Gerhard Eschenbaum,

dass die große Zeit dieser Städtepartnerschaft

erst noch kommt:

„China verdankt sein Wachstum

bisher vorwiegend den Küstenund

küstennahen Regionen“,

erklärt der China-Fachmann, „die

Entwicklung des Binnenlandes

wird jetzt erst zu einem Thema

von größter politischer Priorität.“

Dabei, davon ist Eschenbach

überzeugt, werde Chongqing eine

Schlüsselrolle spielen.

Nach Angaben der ehemaligen

Bundesagentur für Außenwirtschaft,

die sich heute „Germany

Trade and Invest“ nennt, sind

derzeit 40 deutsche Unternehmen

in Chongqing ansässig. Dazu

zählen der Chemieriese BASF, die

Autozulieferer Brose und Saargummi,

die Dienstleiserer Klüh

und Melchers, der Handelsriese

Metro, die Messe Düsseldorf, der

Sanitärtechniker Duravit und der

Torspezialist Hörmann. Das Düsseldorfer

Architektenbüro HPP

war zum Beispiel an der Planung

der Chongqing High Speed Train

Station beteiligt.

Für deutsche Unternehmen,

die heute schon in China aktiv

sind, sagt Eschenbaum rosige

Zeiten voraus: „Deren Präsenz

wird sich sicher vergrößern.“

Denn mit der neuen Go-West-

Strategie der chinesischen Regierung

dürften künftig auch

deutsche Unternehmen ihr Geschäft

von der Küste in Richtung

Binnenland treiben.

China ist näher, als man

in Deutschland denkt. Gut,

dass sich Düsseldorf dort mit

Chongqing schon einen riesigen

Freund verlassen kann.


China –

für uns ganz nah!

中 国 —— 离 我 们 很 近 !

Weil wir schon seit Langem als Partner

in China und in Düsseldorf aktiv sind:

» mit eigener Verwaltungsgesellschaft

Messe Düsseldorf Shanghai zur

Durchführung zahlreicher Messen in China,

» mit der Tochtergesellschaft

Messe Düsseldorf China für die Akquisition

von Ausstellern und Besuchern,

» mit Büros in Hongkong, Beijing,

Chongqing und Shenyang,

» mit der Beteiligung über ein Joint Venture

am Shanghai New International Expo Center

(SNIEC), der Drehscheibe des chinesischen

Messewesens.

Doppelter Effekt: Wir profitieren in China

von der weiterhin wachsenden wirtschaftlichen

Stärke des Landes und erhöhen gleichzeitig

die Attraktivität des Standorts Düsseldorf.

2013 war die Volksrepublik China die

zweitgrößte ausländische Ausstellernation

am Messeplatz Düsseldorf.

因 为 很 久 以 来 , 我 们 一 直 都 作 为 伙 伴 活 跃 于 中 国 和 杜 塞 尔 多 夫 :

» 我 们 自 己 的 展 览 公 司 —— 杜 塞 尔 多 夫 展 览 ( 上 海 ) 有 限 公 司

在 中 国 执 行 诸 多 展 会 的 实 施 工 作 ;

» 我 们 的 子 公 司 —— 杜 塞 尔 多 夫 展 览 ( 中 国 ) 有 限 公 司 则 负 责 招 揽 展 商 和 观 众 ;

» 我 们 在 香 港 、 北 京 、 重 庆 和 沈 阳 均 设 有 分 公 司 ;

» 我 们 通 过 一 家 合 资 公 司 参 股 上 海 新 国 际 博 览 中 心 (SNIEC)——

这 是 中 国 会 展 业 的 中 枢 。

双 重 效 果 : 中 国 不 断 增 强 的 经 济 实 力 让 我 们 在 这 个 国 家 获 益 匪 浅 ,

同 时 , 我 们 也 提 升 了 杜 塞 尔 多 夫 的 区 位 吸 引 力 。

2013 年 , 中 华 人 民 共 和 国 是 杜 塞 尔 多 夫 会 展 中 心 第 二 大 外 国 参 展 商 来 源 国 。

我 们 衷 心 期 盼 中 国 国 家 主 席 习 近 平 的 来 访 并 想 说 :

热 烈 欢 迎 您 来 到 杜 塞 尔 多 夫 的 好 朋 友 家 里 做 客 !

Wir freuen uns über den Besuch

des chinesischen Präsidenten Xi Jinping

und sagen: herzlich willkommen bei

guten Freunden in Düsseldorf!


18 CHINA – Der ferne Partner

Shanghai ist Vorbild für weitere Freihandelszonen in China.

Foto: dpa

Neuer Boom: Chinas Provinzen gründen

Freihandelszonen

Im Herbst 2013 durfte Shanghai die erste „Freihandelszone“ der

Volksrepublik gründen. Hier soll noch mehr Marktwirtschaft getestet

werden. Es ist ein Pilotprojekt bis 2016. So lange wollen viele andere

Provinzen aber nicht warten und drängen schon jetzt auf ihre eigenen

Sonderzonen.

Von Johnny Erling

Manche sprechen euphorisch

schon vom

„Mini-Hongkong“,

obwohl es in Shanghai weder

die Rechtssicherheit noch Medienfreiheit

der Sonderverwaltungszone

gibt. Die Superstadt

Shanghai aber hofft auf einen

Wachstumsschub durch das für

neue Marktreformen designierte

Experimentierfeld und auf frisches

Auslandskapital. Immerhin

meldeten sich pro Tag rund 100

in- und ausländische Investoren

zur Ansiedlung an, schrieb die

Nachrichtenagentur Xinhua.

Gleiche Chancen wünscht sich

auch das ländlich geprägte Anhui,

das ins untere Mittelfeld der Provinzen

abzurutschen droht. Als

der aus Anhui stammende, zum

Vizepremier und Politbüromitglied

aufgestiegene Wang Yang

an der Debatte der Delegierten

teilnahm, bestürmten sie „ihren

Landmann“, den Lobbyisten

zu spielen, damit sie auch ihre

Zone gründen dürfen, schrieb

die „Beijing News“. Der 58-jährige

Wang gab ihnen einen Korb.

Shanghai sei ein Pilotprojekt, das

erst ausgetestet werden müsse

Längst stehen Chinas Provinzen

Schlange für ihre „FTZ“,

Shanghais Nachbarn Jiangsu

und Zhejiang am Yangtse-Delta

bis Guangdong, Shenzhen und

Xiamen an der Südküste, oder

das nördliche Tianjin mit seiner

Bohai-Bucht. Sie sehen in

Freihandelszonen die neuen Antriebskräfte

der Wirtschaft, so

wie es die Sonderwirtschaftszonen

Anfang der achtziger Jahre

wurden. Peking erlaubte damals

Shenzhen und 14 Küstenstädten,

Inseln in Chinas damaliger Planwirtschaft

zu gründen, wo Auslandsinvestitionen

und marktwirtschaftliche

Praktiken zuerst

Fuß fassen durften, um sich dann

nach und nach ins Land hinein

zu verbreiten. Nun sollen im

geschützten Umfeld von Freihandelszonen

die bislang reglementierten

Dienstleistungs- und

Finanzbereiche einem freien

Markt geöffnet werden dürfen

und Tests mit der Freigabe der

noch nicht konvertiblen chinesischen

Währung erlaubt werde.

Premier Li Keqiang heizte in

seinem Regierungsbericht am 5.

März den Hype an. Die Regierung

wolle sicherstellen, dass

China weiter „erste Wahl“ für

Auslandsinvestitionen bleibt.

Dazu gehöre, dass die „China

(Shanghai) Freihandelszone

erfolgreich aufgebaut und gemanagt

wird, um das Modell zu

kopieren und zu verbreiten. „Wir

werden weitere Experimentierzonen

einrichten, Inland- und

Grenzgebiete weiter öffnen und

diese Gebiete zu neuen heißen

Anziehungspunkten machen.“

Chinas Parteichef Xi Jinping

nannte auf dem Volkskongress

die Einrichtung von Freihandelszonen

eine „nationale Strategie“,

schrieb Xinhua.

Die Reform braucht Zeit

Hintergrund für den absurden

Run der Provinzen auf „FTZ für

alle“ ist die Sorge, wie es Premier

Li sagte, dass Chinas Wirtschaft,

deren Zuwächse sich

2013 auf 7,7 Prozent verlangsamten,

auch 2014 unter weiteren

Abwärtsdruck gerät. Die

alarmierende Tendenz zeigt sich

auch im Außenhandel und bei

den Auslandsinvestitionen. Mit

Initiativen wie der „Freihandelszone“

lässt Peking gegensteuern,

um die nachlassende Attraktivität

des Standorts China wieder

aufzupolieren. Peking drängt

auf Eile. In Shanghai getestete

Zulassungsreformen für Handelsunternehmen

sollen nun schon

vorzeitig auch landesweit eingeführt

werden. Doch die Herzstücke

des Pilotprojekts wie die

heiklen und risikoreichen Finanzreformen

brauchen Zeit. Die

Freihandelszone operiert erstmals

auch mit „Negativlisten“

für neue Investitionsprojekte.

Gemeint ist damit in Umkehr

der bisherigen Verfahren, künftig

alles zu erlauben, was nicht

ausdrücklich verboten wird. Der

erste von Shanghai erstellte

„Negativkatalog“ war allerdings

so ellenlang, dass er nur Verwirrung

auslöste. Han Zheng, Parteichef

von Shanghai, versprach

im ersten Halbjahr 2014 eine

stark gekürzte Liste vorzulegen.

Geplant sei, dass das Shanghaier

Experiment bis 2016 getestet

werden soll. Dann erst könnte

entschieden werden, was für

Chinas Wirtschaftsreformen zur

Übernahme taugt. Doch weder

Anhui noch andere Provinzen

wollen so lange warten.


CHINA – Der ferne Partner

19

Zwei Hostessen in einer chinesischen

Klinik, die Kunde bei

Düsseldorfer Unternehmen

Klüh ist.

Foto: Klüh

Klüh auf Chinas Gesundheitsmarkt erfolgreich

Von Thorsten Breitkopf

Der Wandel Chinas von

einem Schwellenland zu

einer der größten Industrienationen

der Erde lässt vor

allem den inländischen Gesundheitsmarkt

rasant wachsen. Wie

in den vergangenen Jahrzehnten

in westlichen Ländern ebenso

zu beobachten war, steigen die

Ansprüche an die medizinische

Versorgung heute in Fernost. So

wächst die Lebenserwartung der

Chinesen in der Stadt ebenso wie

im ländlichen Raum stetig. Eines

der führenden ausländischen Unternehmen

auf dem chinesischen

Gesundheitsmarkt ist der Düsseldorfer

Dienstleister Klüh. Seit

dem Jahr 2005 ist die Firma in

China geschäftlich tätig. Seither

hat sich Klüh dort zur Nummer

zwei in diesem Marktsegment

entwickelt. Mehr als 35 Millionen

Euro setzte Klüh im Jahr 2013 in

China um – das war Rekord in der

Firmengeschichte, und: „Wir verzeichnen

in China inzwischen ein

zweistelliges Wachstum pro Jahr“,

sagt Uwe Gossmann, Sprecher der

Geschäftsführung von Klüh.

Einen großen Erfolg erzielte

die fernöstliche Klüh-Tochter im

vergangenen Jahr. Die chinesische

Provinz Hubai beauftragte

Klüh mit der Erarbeitung und

Implementierung von Hygienestandards

für Krankenhäuser in

der gesamten Provinz. In der leben

heute fast 60 Millionen Einwohner.

Das Klüh-Tochterunternehmen

Wuhan Tongji Property

Management im südostchinesischen

Wuhan wurde kürzlich in

die Liste der 200 besten Immobilienbewirtschaftungs-Unternehmen

Chinas aufgenommen

und dort auf Platz 162 gelistet.

Die Kliniksparte errang unter

allen beteiligten Unternehmen

landesweit sogar den zweiten

Platz. Um die Aufnahme in die

Top 200 hatten sich insgesamt

mehr als 71 000 Unternehmen

beworben.

Klüh bietet im Krankenhausbereich

alle denkbaren Dienstleistungen

außer der direkten

medizinischen Versorgung an.

Zurzeit beschäftigt Klüh im

Reich der Mitte mehr als 12 000

Mitarbeiter, Tendenz steigend.

Doch gerade im eigentlich menschenreichen

China ist der Faktor

Personal heute der größte

Engpass im Dienstleistungssektor.

„Die Politik der chinesischen

Regierung macht es für die

Menschen attraktiv, weiter auf

dem Land zu leben. Dort gibt es

heute viele Jobs. Das ist zwar

wünschenswert, macht es für

uns aber zunehmend schwierig,

neues Personal zu rekrutieren“,

sagt Klüh-Chef Gossmann. Denn

auch der erfolgreiche Dienstleister

Klüh stehe als Arbeitgeber

in Konkurrenz zu vielen anderen

großen Firmen in China.

Unsere Heimat: Düsseldorf.

Unser Zuhause: Die Welt.

Vor 137 Jahren wurde Henkel in Deutschland gegründet. Heute sind wir

weltweit tätig. Mehr als 40 Prozent des Umsatzes erzielen wir in den

Wachstumsmärkten. Besonders China spielt dabei eine wichtige Rolle.

Seit fast 25 Jahren ist Henkel hier aktiv – mit großem Erfolg. Inzwischen

zählt China zu unseren drei größten Märkten. Für weiteres Wachstum

sind wir bestens gerüstet: 2013 hat Henkel in Shanghai das weltweit

größte Klebstoffwerk eröffnet.


20 CHINA – Der ferne Partner CHINA – Der ferne Partner 21

673 544

Geburten (2012)

73,6

Taxis je 100 000

Einwohner

61,0

Taxis je 100 000

Einwohner

9 596 961 km²

16 464 000

Geburten (2012)

Rund drei Millionen Babys pro

Jahr werden wegen der

Ein-Kind-Politik vor den

12 698

Patentanmeldungen

(2010)

33 139

Patentanmeldungen

(2010)

Behörden versteckt.

357 022 km 2 81 147 000

CHINA UND DEUTSCHLAND

DIE ZAHLEN, DATEN UND FAKTEN

476,2 Mio.

Schweinebestand

26,5 Mio.

Schweinebestand

62 364

Windenergie in Megawatt

29 060

Windenergie in Megawatt

4,9 Kilo Reis

Konsum pro Kopf und Jahr

75,9 Kilo Reis

Konsum pro Kopf und Jahr

815

Mobiltelefone

je

1000 Einw.

1327

Mobiltelefone

je 1000 Einw.

10,8

Eheschließungen

je 1000 Einwohner

1 349 586 000

Einwohner (2013)

4,7

Eheschließungen

je 1000 Einwohner

20

Scheidungen

je 1000 Einwohner

2,3

Scheidungen

je 1000 Einwohner

Einwohner (2013)

2,6 Ärzte

je 1000 Einwohner

4,1 Ärzte

je 1000 Einwohner

In China, so scheint es wenigstens, ist alles groß. Sehr,

sehr groß. Kein Land der Erde hat mehr Einwohner,

mehr Soldaten, mehr Devisenreserven. Auch die

Dimensionen der zweitgrößten Volkswirtschaft der

Welt sind nach Jahren des stürmischen Wachstums

ebenso gewaltig wie das Land selbst. Verglichen

damit wirkt Deutschland wie ein Zwerg. Aber in

manchen Punkten sind sich Deutschland und China

ähnlicher als man denkt, auch in der Statistik. Da gibt

es Zahlen, die verblüffen. Auch davon haben wir

einige hier versammelt.

118 016

Post-Briefkästen

171 043

Post-Briefkästen

61,24 Mio.

Pkw

41,74 Mio.

Pkw

QUELLEN: UNO, CIA-FACTBOOK, STATISTIKSAMMLUNG „CHINA IN ZAHLEN“ (BRAND EINS WISSEN) 2012 | GRAIK: RADOWSKI


22 CHINA – Der ferne Partner

So benimmt man

sich in China

Das Wort Globalisierung ist in aller Munde. In vielen Bereichen

gleichen sich Benimm und Benehmen vor allem

im geschäftlichen Bereich weltweit an.

Von Thorsten Breitkopf

Da ist eine ähnliche Business-Kleidung

– Hemd,

Anzug, Schlips. Auch der

Handschlag, einst eine typisch

westliche Begrüßung, hat seinen

weltweiten Siegeszug angetreten.

Dennoch können deutsche

Geschäftsleute in China in Dutzende

Fettnäpfchen treten. Die

Unterschiede der Kulturen sind lebendig.

„Ursprung für viele Missverständnisse

ist meist die ganz

andere Herangehensweise an ein

Problem und andere Schritte des

Kennenlernens“, sagt Robert Cao.

In China ist der Geschäftsmann in

der Automobilzuliefererindustrie

und im Gesundheitswesen tätig

und hat die Lizenz für die Marke

„Hofbräuhaus“, in Deutschland

betreibt er das Düsseldorf China

Center (DCC) an der Königsallee.

Etwa einmal im Monat fliegt

der Chinese nach Deutschland,

er spricht Deutsch fließend und

fehlerfrei. „Die Deutschen sind

sehr direkt. Das ist unter Deutschen

völlig in Ordnung. Dafür

werden sie in vielen Ländern

sehr geschätzt. Aber in China ist

der indirekte Weg manchmal der

bessere“, sagt Cao. Bei einem

geschäftlichen Essen dürfe man

nicht nach der Vorspeise direkt

auf das Geschäft zu sprechen

kommen, man müsse sich zunächst

beschnuppern. Lange,

manchmal stundenlange Gespräche

über Privates, die Familie,

Hobbys, das steht in China

meist vor den harten Verhandlungen.

Und das kann dauern.

„Deutsche sind da manchmal

etwas ungeduldig. Die Kunst der

guten Zusammenarbeit zwischen

Deutschen und Chinesen besteht

darin, ein bisschen so zu werden

wie sein Gegenüber sagt Robert

Cao, der eigentlich Cao Kebo

heißt. Der Familienname Cao

wird im Chinesischen vorangestellt.

Kebo ist sein chinesischer

Vorname. Robert ist ein Name,

den Cao ausgewählt hat, weil er

für seine europäischen Partner

besser zu merken und auszusprechen

ist.

Streng nach Hierarchie

Arndt Rautenberg, Geschäftsführer

der Düsseldorfer Beratungs-

und Beteiligungsfirma

Rautenberg & Company, war

über zwei Jahrzehnte viele Male

auf Geschäftsreisen in China, seine

Frau wuchs in Hongkong auf.

„Es gibt unendlich viele Fettnäpfchen,

in die man in China treten

kann“, sagt der Geschäftsmann.

„Bei einem Geschäftsessen kam

eine Kollegin aus dem mittleren

Management im sehr knappen

weißen Kleid zum Abendessen.

Bei der Begrüßung ging sie

forsch an ihrem deutschen Chef

vorbei. Beim Dinner sprach sie

als Erstes über chinesische Außenpolitik

– das waren alles für

die chinesischen Partner alles

Zeichen großer Respektlosigkeit.

Die Stimmung an dem Abend

war mehr als angespannt“, sagt

Rautenberg. Was war schief gelaufen?

Das knappe Kleid war

unangemessen, außerdem ist

Weiß die Farbe der Trauer in

China. „Zudem gehen Chinesen

strenger nach der Hierarchie. Es

begrüßen sich erst die ranghöchsten

Vertreter, dann die darunter

und so weiter“, erklärt Rautenberg.

Und Politik sei ohnehin ein

Tabu-Thema, über das man mit

Fremden nicht spricht.

Ein anderer heikler Bereich

in Fernost ist das Essen selbst.

„Viele Speisen zu verweigern

gilt in China als sehr unhöflich

gegenüber dem Gastgeber.

Man sollte nicht zimperlich

sein und auch Dinge probieren,

deren Herkunft einem

schleierhaft ist“, sagt der

Deutsche sind manchmal

etwas ungeduldig,

sagt Robert Cao,

der das Düsseldorf

China Center an

der Kö betreibt.

Foto: DCC

Es gibt unendlich viele Fettnäpfchen, in die man in China treten kann, sagt Arndt Rautenberg, Geschäftsführer

der Beratungsfirma Rautenberg & Company.

Foto: Andreas Endermann

Geschäftsmann. Außerdem gebe

es immer weitaus mehr zu

Essen, als man überhaupt schaffen

kann. Das sei ein Zeichen der

Gastfreundschaft. Und die Rechnung

hat der Gastgeber schon

vorher bezahlt, unbemerkt. Als

deutscher Gast danach zu fragen,

würde die Solvenz des chinesischen

Partners infrage stellen

und wäre ein Affront.

Keine Angst vor der Blamage

Das Thema Compliance hat teure

Geschenke unter Geschäftspartnern

im Westen weitgehend unüblich

gemacht. Das ist in China

noch anders. „Gastgeschenke

dürfen durchaus wertvoll sein,

nur Blumen sind tabu, die stehen

für Todesfälle“, so Rautenberg.

Ausgepackt werden die

Geschenke übrigens nicht sofort,

sondern später, ohne Anwesenheit

des Schenkenden. Vorher

zum Auspacken zu drängen sei

unhöflich. Bei der Begrüßung

sollten Europäer in China mit

Bedacht vorgehen. Der Händedruck

soll nicht ruppig ausfallen

und schon gar nicht in ein Kräftemessen

ausarten. Körperkontakt,

etwa Umarmungen oder

Schulterklopfen, lösen bei vielen

Chinesen Unbehagen aus.

Übertriebene Furcht sich zu blamieren

müssten Chinareisende

aber nicht haben, da sind sich Robert

Cao und Arndt Rautenberg

einig. „Besonders in den großen

Ballungsräumen Chinas sind die

Gepflogenheiten oft denen des

Westens ähnlicher geworden, die

Menschen tolerant gegenüber

dem Auftreten der Europäer“,

meint Rautenberg. Und Robert

Cao ergänzt: „Chinesische Gastgeber

wissen ja, dass sich ihre

Gäste oft auf Neuland begeben

und sehen viele Patzer als Anfängerfehler

nach“, sagt Cao.


CHINA – Der ferne Partner

23

NRW bietet gute Basis für asiatische Firmen

Asien im Raum Düsseldorf: Die japanischen Unternehmen haben eine Tradition begründet, die jetzt auch den

Firmen aus China zugute kommt. Die Infrastruktur gilt als vorbildlich.

Von Jürgen Grosche

Schon seit Jahrzehnten leben

viele Japaner in Düsseldorf.

Sie brachten Geschäfte mit,

in denen auch Menschen aus

anderen asiatischen Ländern

das finden, was sie sonst in Europa

vermissen. „Es gibt eine gewachsene

Infrastruktur, die von

den Japanern vorbereitet wurde

und auf der nun andere aufbauen

können“, erklärt Dr. Gerhard

Eschenbaum, Geschäftsführer

für den Bereich Internationale

Kontakte bei der IHK Düsseldorf.

Die rasant wachsende Zahl

der chinesischen Firmen und ihre

Mitarbeiter finden im Raum

Düsseldorf Ansprechpartner für

vieles und eigentlich alles, was

sie für den erfolgreichen Aufbau

ihres Geschäftes brauchen.

Das China-Kompetenzzentrum

vernetzt als erste Anlaufstelle

viele wichtige Mitspieler der Kontaktpflege.

Neben chinesischen

Unternehmen unterhalten auch

Ob Messe, Flughafen, Verbände, Banken oder Anwälte: Düsseldorf bietet

den Unternehmen aus China eine gute Infrastruktur. Foto: Werner Gabriel

Banken aus dem Riesenreich Niederlassungen

in Düsseldorf.

Dazu kommen Verbände wie

die Chinese Enterprises Association,

in der sich die chinesischen

Unternehmen selbst organisieren,

und der chinesische Industrie-

und Handelsverband CIHD,

die beide ihren Sitz in Düsseldorf

haben. Auch auf gesellschaftlicher

Ebene tut sich viel. So ist

es nicht verwunderlich, dass

sich bereits 800 Unternehmen

aus dem Riesenreich gerade in

Nordrhein-Westfalen angesiedelt

haben.

Ein großer Vorteil des Raumes

Düsseldorf ist die Lage: „Die Region

befindet sich im Zentrum

der Märkte“, sagt Eschenbaum.

Der Ballungsraum befindet sich

wirtschaftlich gesehen in der

Mitte Europas. Der Flughafen

sorgt für rasche Verbindungen in

die Zentren des Kontinents. Und

es gibt Direktflüge nach Peking,

sogar fünfmal die Woche. Viele

Unternehmen nutzen daher

Düsseldorf als Standort für ihre

Europa-Niederlassungen.

Auf dem Weg in die andere

Richtung bietet zum Beispiel die

IHK deutschen Unternehmen

wichtige Basisinformationen für

ihre Geschäfte in China und vermittelt

Kontakte zur Außenhandelskammer

im Reich der Mitte.

Gefragt sind Informationen über

den Markt, aber auch über viele

Details, etwa zur Beschaffungslogistik,

Joint Ventures oder Finanzregularien.

Zu all dem bietet die Kammer

Broschüren, Auskünfte und

Veranstaltungen an. „Wir stehen

auch in engem Kontakt mit

chinesischen Unternehmen“,

sagt Eschenbaum. Der wird

demnächst intensiviert. Es geht

darum, den Unternehmen zu

zeigen, wie die Märkte, die Sozialsysteme

oder auch das Ausbildungswesen

funktionieren. „Wir

wollen die Firmen dafür sensibilisieren

und zum Beispiel auch dafür

gewinnen, selbst in Aus- und

Weiterbildung zu investieren“,

sagt der IHK-Außenwirtschaftsexperte.

Denn davon würden

auch die Unternehmen selbst

profitieren.

Darüber hinaus helfen die

Messe, Banken, Berater und Anwaltskanzleien

den Geschäftspartnern

beider Seiten, bündeln

ihre Kontakte zum Teil an eigenen

China-Desks. So sollte dem

weiteren Wachstum eigentlich

nichts im Wege stehen; entsprechend

zuversichtlich bewerten

Deutsche und Chinesen die Perspektiven

für die Zukunft.

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Unsere Partner:


24 CHINA – Der ferne Partner

Wie man Geschäfte mit Chinesen macht

Der kulturelle Unterschied ist groß. Das merken deutsche

Unternehmer in China ebenso wie chinesische, die

hierzulande Fuß fassen wollen. Doch Profis

wissen Rat für beide.

Von Jürgen Grosche

Chinesen verhandeln gerne

nach – häufig erlebt oder

ein Märchen? Viele Experten

bestätigen diese Erfahrung,

andere halten das für ein „Phantom-Phänomen“.

So oder so –

die Gesprächspartner kommen

aus so verschiedenen Kulturen,

dass leicht Missverständnisse

entstehen können. Wer sich gut

vorbereitet, kann solchen Fallen

entgehen.

„Chinesen können sehr fordernd

und direkt auftreten“,

sagt Dr. Gerhard Eschenbaum,

Geschäftsführer für den Bereich

Internationale Kontakte bei der

IHK Düsseldorf, „und man muss

sich häufig fragen: Ist der Vertrag

die Endstufe?“ Die Partner aus

Asien wollten manches nochmal

neu bereden, was der deutsche

Ansprechpartner bereits abgeschlossen

habe.

Solche und viele andere Themen

rund ums China-Geschäft

stellen Experten immer wieder

bei Veranstaltungen vor, die die

IHK anbietet. Da geht es etwa

ums Zoll- und Einfuhrrecht, Zulassungsverfahren

oder notwendige

Dokumente. „Wir machen

auf Knackpunkte aufmerksam,

sensibilisieren für grundsätzliche

Fragen“, sagt der Außenwirtschaftsexperte.

Im Detail

müssten Unternehmer natürlich

Finanz- und Rechtsspezialisten

zu Rate ziehen.

Die IHK vermittelt Kontakte

nach China über die Außenhandelskammer.

Dort helfen

Experten bei der Suche nach

Geschäftspartnern oder Standorten.

„Man kann vieles schon in

Deutschland vorbereiten“, sagt

Eschenbaum. Eines der wichtigsten

Themen auf der finanziellen

Seite von Geschäften ist

die Absicherung von Währungsrisiken,

erklärt Bernhard Esser,

Emerging Markets-Analyst und

China-Experte bei HSBC Trinkaus.

Der chinesische Renminbi

kann nicht frei getauscht werden,

den Wechselkurs legt der

Staat fest. „Es gibt zudem strenge

Kapitalverkehrskontrollen“,

sagt Esser. Verkaufserlöse aus

dem Güterverkehr könnten Unternehmen

aber ohne weiteres

transferieren.

„Die chinesische Geschäftskultur sieht Geschenke, Einladungen

zu Events und Reisen als selbstverständlich zum

Beziehungsaufbau an. Deutsche Unternehmen müssen den

schwierigen Spagat zwischen dieser Art der ‚Beziehungspflege‘

und den immer strenger werdenden Anti-Korruptionsvorschriften

schaffen.“

Karin Holloch, Rechtsanwältin und Partnerin bei McDermott

Will & Emery Rechtsanwälte und Steuerberater LLP,

Düsseldorf

Foto: McDermott

Verhandlungen zwischen Chinesen und Deutschen gestalten sich wegen

kultureller Unterschiede oft schwierig. Experten erklären, worauf

man achten muss, damit die Verhandlungen zum Erfolg führen.

Foto: vitchanan/istockphoto.com

IHK vermittelt Kontakte

Der persönliche Kontakt spiele

eine wichtige Rolle, sagt auch der

HSBC-Experte: „Geschäft ohne

persönliche Beziehung gibt es

nicht.“ Deutsche sollten nicht

ihre Vorstellungen von hier mitnehmen.

Dass Deutschland und

China sich in ihren Kulturen unterscheiden,

zeigt sich zum Beispiel

im Verständnis davon, was

ein Vertrag ist: „In China sieht

man ihn nicht als Abschluss von

Verhandlungen, sondern häufig

als Beginn.“ So würden zum Beispiel

gerne Preise nachverhandelt.

Unternehmen, die sich für

den Riesenmarkt interessieren,

sollten sich schon früh Gedanken

über die Finanzierung und die

Absicherung von Finanzmarktrisiken

machen, empfiehlt Esser.

Banken können da mit zahlreichen

Instrumenten helfen. Die

HSBC, die ihre Ursprünge in China

hat, unterhält in Düsseldorf

und in Shanghai China-Desks.

Ein chinesischer Kollegen ist in

Düsseldorf Ansprechpartner

für chinesische Kunden, die Geschäfte

in Deutschland machen.

In Shanghai betreuen zwei Kollegen

die deutschen Kunden.

Mit solchen Desks arbeiten

auch Anwaltskanzleien, zum Beispiel

Jones Day Düsseldorf. Zwei

Experten beraten die Mandanten

– neben Dr. Ulrich Brauer auch

die chinesische Anwältin Dr. Zhaoxia

Chen. In China unterhält die

Kanzlei drei Büros sowie eines

in Taiwain. In vielem seien sich

Deutsche und Chinesen ähnlich,

hat Brauer festgestellt: „Beide

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CHINA – Der ferne Partner

25

sind sehr direkt und kommen

gut miteinander klar.“ Natürlich

gebe es kulturelle Unterschiede,

die sich im Geschäft auswirken,

räumt auch Zhaoxia Chen ein, etwa

die genannten Vorstellungen

von Verträgen. „Da Preise gerne

nachverhandelt werden, sollten

Unternehmer bereits im Vorfeld

genügend Spielraum einkalkulieren“,

rät Brauer.

Bei der Bürokratie hingegen

haben chinesische Unternehmen

in Deutschland oft den Eindruck,

es dauere alles zu lange, zum Beispiel

Arbeits- und Aufenthalts-

Genehmigungen. „In China laufen

solche Dinge häufig schneller.“

Beim Thema Schutzrechte sehen

die beiden Anwälte durchaus einen

Wandel. Der brauche Zeit,

Claus Eßers, Rechtsanwalt

und Partner bei Hoffmann

Liebs Fritsch & Partner

Foto: Alois Müller

„Wer Geschäfte in China machen

will, muss seine Partner

erst einmal persönlich kennenlernen.

Zuerst muss man

Freundschaft schließen, dann

erst folgen die Geschäfte.

Das ist zeitaufwändig, aber

notwendig.“

da Urheberschutz in China früher

nicht als schützenswertes Kulturgut

galt. Doch mittlerweile entwickeln

immer mehr chinesische

Unternehmen selbst Dinge, die

sie als schützenswert erachten,

auch Gerichte würden geistiges

Eigentum höher gewichten, wie

jüngste Urteile zeigen.

„Die Anzahl der Patentanmeldungen

wächst deutlich“, stellen

auch Dr. Alexander Schröder-

Frerkes und Dr. Jiri Jäger von Bird

& Bird fest. Die rechtliche Ausgangslage

ähnele immer mehr

der in Deutschland. „Man hat erkannt,

dass dies ein strategisches

Thema ist“, sagt Schröder-Frerkes.

Die Investitionen in Hochtechnologie

und die Ausbildung

von Ingenieuren haben in den

zurückliegenden Jahren stark zugenommen.

Vertrag als

Willenskundgebung

Heute geht es zudem nicht mehr

ums Kopieren. Die Unternehmen

sichern sich die Patente, indem

sie die Marktführer aus dem Mittelstand,

die „hidden Champions“

kaufen. Jäger nennt als Beispiel

die Betonpumpen-Hersteller

Schwing (Herne) und Putzmeister

(Aichtal). Allerdings gebe es

in China eine „große Bandbreite

an kulturellen Entwicklungsgraden“,

räumt Schröder-Frerkes

ein, daher müssten Unternehmen

nach wie vor darauf achten,

sich vor Kopierern zu schützen.

Wie das am besten geschieht,

sollten Unternehmen mit Experten

besprechen. Denn einfach

nur ein Patent anzumelden kann

ein Bumerang sein: „Das Patent

muss man ja offenlegen, das

Kopieren wird also eher noch

Wei Wang, Direktor Local

China Practice Germany bei

der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

KPMG Foto: KPMG

einfacher“, warnen die Rechtsexperten.

Große Konzerne können

leicht das volle Programm durchziehen

und den Patentschutz

durch einen massiven Markenauftritt

zusätzlich absichern.

Mittelständler fahren häufig

hingegen mit einer individuellen

Strategie besser: „Es gibt da eine

ganze Reihe von Instrumenten

– vom Gebrauchsmuster bis zur

Handelsmarke“, sagt Jäger. „Das

sollte alles aber nur mit juristischem

Rat umgesetzt werden.“

Gerade in Düsseldorf nehmen

immer mehr juristische Berater

das China-Geschäft in den Blick.

Claus Eßers, Partner in der Sozietät

Hoffmann Liebs Fritsch, kennt

das Land indes bereits seit 1999;

„Dass die Chinesen bereits ausgehandelte Verträge

immer wieder aufschnüren und mit Hinhalte- und

Zermürbungstaktik versuchen, bessere Konditionen

zu erzielen, ist ein Phantom-Phänomen, dem ich in

der mehr als zehn Jahre langen Beratungstätigkeit

noch nie begegnet bin. Die chinesischen Firmen neigen

eher dazu, allem Schriftlichen großen Respekt

zu zollen.

Sie können schon mal Unverständnis erzeugen,

wenn sie an Standardtexten oder -formulierungen

herumdrehen. Manchmal verpassen sie auch Geschäftschancen,

weil sie die anfänglichen unverbindlichen

Angebote aus Sorge zu niedrig ansetzen, dass

größere Anpassungen nach unten als unehrenhaft

und unseriös angesehen werden könnten.“

fünfzigmal hat er das Reich der

Mitte schon besucht und insbesondere

deutsche Mittelständler

bei ihrer Expansion begleitet.

Eßers bestätigt die Beobachtung,

dass mit Verträgen oft

weniger festgezurrt ist, als man

es aus Deutschland kennt: „Chinesische

Partner sehen einen

Vertrag eher als Willensbekundung,

von der man auch wieder

abweichen kann.“ Wichtiger sei

das Faktische. Wer etwas will,

muss auch etwas bieten können.

So reicht es nicht, die Weitergabe

von Know-how oder Informationen

nur im Vertrag zu regeln.

Eßers empfiehlt, in einem solchen

Fall zum Beispiel ebenfalls

Exklusivität anzubieten. „Das

„Die Frage, wie man Patente und geistiges Eigentum

schützt, ist nach wie vor ein Thema, wobei China in

der Entwicklung von Technik zunehmend aufholt.

Unternehmen sollten frühzeitig entscheiden, ob sie ein

Patent in China anmelden oder besser andere Wege

finden, wie sie ihre Schutzrechte wahren.“

Dr. Alexander Schröder-Frerkes,

Rechtsanwalt und Partner bei Bird & Bird

wird akzeptiert, muss aber präzise

vereinbart werden.“

Wichtig sei die genaue Definition

von Begriffen, um Missverständnisse

zu vermeiden, betont

der Jurist. Wenn der Partner

zum Beispiel mit einem „letter

of intent“ schon schlechte Erfahrungen

gemacht hat und ihn

nicht akzeptiert, kann man auch

von „memorandum of understanding“

sprechen. Die Qualität

des juristischen Austauschs

verbessert sich aber zusehends,

beobachtet Eßers: „Man versteht

mittlerweile, wie internationale

Verträge funktionieren“. In wenigen

Jahren würden chinesische

Partner genauso verhandeln wie

andere auch.

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26 CHINA – Der ferne Partner

Chinesen investieren

strategisch

Der Transfer von Know-how ist nur

das eine – Käufer haben auch den

Kapitalmarkt im Blick

Von Jürgen Grosche

Die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Nordrhein-Westfalen

und

China intensivieren sich in beide

Richtungen. Und sie werden

immer komplexer. Chinesische

Unternehmen, die sich in deutsche

Firmen einkaufen, sind am

bekannt hochwertigen Knowhow

interessiert. „Doch das ist

nur eine Seite“, sagt Yi Sun, Leiterin

des China-Geschäfts bei der

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

EY (früher: Ernst & Young). „Es

geht auch um neue Zugänge zu

Absatzmärkten.“

Chinesische Autozulieferer

zum Beispiel finden über die

Kontakte der deutschen Unternehmen

nicht nur hierzulande,

sondern auch in China selbst

einen besseren Zugang zu den

deutschen Autokonzernen. Zudem

steigern sie ihre Attraktivität

am Kapitalmarkt, wenn sie solide

deutsche Firmen in ihrer Bilanz

aufführen können. „Damit stärken

sie ihre Basis und werden für

Investoren interessanter“, erklärt

Yi Sun.

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Yi Sun, Leiterin des China-Geschäfts bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

EY

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Die China-Expertin, die aus

Shanghai stammt und seit 2006

bei EY tätig ist – seit drei Jahren

als Partnerin –, kennt den Markt

wie wenige andere. In ihrem Bereich

der Transaktionsberatung

wickelt EY mehr als 80 Prozent

der Deals über 100 Millionen Euro

ab, also der Firmenkäufe von

chinesischen Unternehmen in

Deutschland.

Aktuell beobachtet sie mehrere

neue Trends. So beteiligen

sich nicht nur chinesische strategische

Investoren an den Übernahmen,

sondern zunehmend

auch Fonds, die aus staatlichen

oder kommunalen Mitteln gespeist

sind. „Sie wollen damit die

chinesischen Unternehmen unterstützen“,

erklärt Yi Sun.

Eine weitere neue Entwicklung:

Da es in Europa nicht immer

einfach ist, die betreffenden

Unternehmen nach einer solchen

grenzüberschreitenden Übernahme

erfolgreich zu integrieren,

lassen sich die chinesischen Geldgeber

immer häufiger auch auf

Investitionen gemeinsam mit europäischen

Anlegern ein. Die verkaufen

dann später ihre Anteile an

die chinesischen Investoren.

Eine Drehscheibe für den Handel

Werben für die

Region

2013 war ein Rekordjahr: 63 Unternehmen

aus China haben sich

neu in der Region angesiedelt.

Maßgeblich beteiligt an dem

Erfolg ist NRW.Invest, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft

des Landes. „Wir werben für den

Standort Nordrhein-Westfalen

und chinesische Investitionen“,

erklärt Geschäftsführerin Petra

Wassner die Aufgaben der Gesellschaft.

NRW.Invest ist mit drei

Repräsentanzen und 14 Mitarbeitern

in Peking, Shanghai und in

Nanjing vertreten. Schon vor 20

Jahren ging die Gesellschaft ins

Reich der Mitte. „NRW ist dort

mittlerweile recht bekannt“, sagt

Wassner. Die Akquise hat sich

ausgezahlt. 800 Unternehmen

aus dem Riesenreich haben einen

Standort in NRW gewählt. „Dadurch

wurden 8000 Arbeitsplätze

im Land geschaffen und gesichert“,

betont Petra Wassner.

Internet: www.nrwinvest.com

Wie gründe ich in Deutschland

ein Unternehmen? Wie komme

ich an eine Aufenthaltserlaubnis?

Wie funktionieren die Sozialsysteme?

Gibt es eine Schule für

die Kinder der Mitarbeiter? Chinesische

Unternehmen, die nach

Deutschland kommen, müssen

sich erst mal mit dem Zielland

vertraut machen. Die Stadt Düsseldorf

bietet ihnen einen umfassenden

Service, nach dem man

so woanders suchen muss.

One-stop-agency oder: alles

aus einer Hand, lautet das Motto.

Die Wirtschaftsförderung

der Stadt hat zusammen mit der

Bereits 1999 wagte die Düsseldorfer

Messegesellschaft den Schritt

nach China, gründete das Tochterunternehmen

Messe Düsseldorf

China Ltd. Daran schloss sich eine

Erfolgsgeschichte an, die ihre

Wirkung sowohl ins Rheinland als

auch ins Reich der Mitte entfaltet.

Messen öffnen Unternehmen die

Märkte in der jeweils anderen Region,

und was sich hier entwickelt

hat, kann sich sehenlassen. Die

Messe Düsseldorf ist mit Büros in

sechs Städten, darunter Peking,

Hongkong und Chongqing, vertreten.

Den Schwerpunkt legt die

Gesellschaft auf Shanghai. Hier

organisiert sie über die Veranstaltungs-Tochter

Messe Düsseldorf

Shanghai Co. Ltd. Ausstellungen

im Shanghai New International

Expo Center (SNIEC). Dieses Center,

an dem sich zu je einem Drittel

die Messegesellschaften von Düsseldorf,

Hannover und München

beteiligen, habe sich seit Gründung

1999 „zum modernsten und

am besten ausgelasteten Messegelände

in der Volksrepublik China

entwickelt“, sagt Dornscheidt.

Es verzeichne von Beginn an

zweistellige Wachstumsraten. In

diesem Jahr wird die Düsseldorfer

Messe dort zehn Veranstaltungen

anbieten.

Die Geschäftstätigkeit wirke

spürbar auf den Messeplatz Düsseldorf

zurück, sagt der Messechef

und belegt dies mit Daten:

In den letzten zehn Jahren (2003

bis 2013) stieg die Zahl der Besucher

aus China von 2109 auf rund

5570. Die Zahl der Aussteller verdreifachte

sich im gleichen Zeitraum

auf inzwischen 1850. Damit

war China 2013 die zweitgrößte

ausländische Ausstellernation in

Düsseldorf hinter Italien (2412).

Sprachrohr für

Unternehmen

Mittlerweile haben so viele chinesische

Unternehmen den

Weg nach Nordrhein-Westfalen

gefunden, dass sie eine gemeinsame

Plattform benötigen, um

sich untereinander, aber auch mit

den Partnern aus Deutschland

auszutauschen. Sie haben daher

im Jahr 2010 die „Chinese Enterprises

Association NRW“ gegründet.

Der Verband unterstützt

die Mitgliedsfirmen mit Dienstleistungen

aller Art, organisiert

Veranstaltungen und fördert den

Austausch.

Ziel ist es nach eigenen Aussagen,

eine „starke, verantwortungsbewusste

und hilfsbereite

Anlaufstelle für chinesische Unternehmen

in NRW“ zu sein. Außerdem

sieht es die Association

als ihre Aufgabe an, ein positives

internationales Image der chinesischen

Unternehmen in Nordrhein-Westfalen

aufzubauen.

Internet: www.cea-nrw.com/de/

Alles aus einer Hand in Düsseldorf

IHK und der Messegesellschaft

vor zehn Jahren das China-Kompetenzzentrum

Düsseldorf ins

Leben gerufen. Unter der Überschrift

China goes Dus verknüpft

das Zentrum alle relevanten Angebote

für chinesische Firmen. Bei

Anfragen treffen sie auf zwei chinesischsprechende

Mitarbeiter.

„Wir stellen Kontakte herund

erklären, wie die Märkte funktionieren“,

beschreibt Annette

Klerks, Abteilungsleiterin International

Business Services der

städtischen Wirtschaftsförderung,

das Aufgabengebiet.

Internet: www.china-goes-dus.de


CHINA – Der ferne Partner

27

Kiekert – ein Weltmarktführer

unter chinesischer Flagge

Von Thomas Reisener

Vor wenigen Jahren wurden

chinesische Investoren in

der deutschen Wirtschaft

noch als roter Drache gefürchtet.

In Wahrheit übernehmen sie inzwischen

viel öfter die Rolle des

weißen Ritters. Beispiel Kiekert:

Vor zwei Jahren wurde der Weltmarktführer

für Auto-Türschlösser

mit Sitz im rheinischen Heiligenhaus

von einem chinesischen

Autozulieferer übernommen.

Danach hat Kiekert die Belegschaft

deutlich auf heute 4700

erweitert und den Umsatz um

knapp 100 Millionen auf zuletzt

über 600 Millionen Euro gesteigert.

Vor der Übernahme durch

die chinesische HeBei LingYun

Industrial sah die Welt bei Kiekert

nicht immer rosig aus. Das über

150 Jahre alte Unternehmen, das

sich als Erfinder der modernen

Zentralverriegelung sieht, galt

um die Jahrtausendwende noch

als unglückliches Beispiel für die

„Heuschrecken“-Debatte um die

Rolle von Finanzinvestoren in der

Wirtschaft. Der britische Finanzinvestor

Permira hatte Kiekert

im Jahr 2000 für über eine halbe

Milliarde Euro gekauft und wollte

anschließend Teile der Kaufbelastung

auf die Rheinländer abwälzen.

Das klappte nicht, weil Kiekert

nach eigenen Verlusten die

Zinsen nicht aufbringen konnte.

Permira reichte Kiekert an zwei

Hedgefonds und die US-Investmentbank

Morgan Stanley weiter.

Die neuen Investoren übertrugen

die Geschäftsführung im

Jahr 2007 an Karl Krause. Der

ehemalige Visteon-Manager

brachte Kiekert mit einer Globalisierungsoffensive

zurück auf die

Erfolgsspur und wird bei dieser

Strategie seit 2012 auch von He-

Bei LingYun unterstützt.

Vorstandsvorsitzender Dr.Karl Krause mit Besuch aus China, Wang

Jiankang.

Foto: Achim Blatzy

„Das Arbeitsverhältnis ist sehr

partnerschaftlich“, berichtet Krause,

„das haben die vergangenen

zwei Jahre gezeigt“. Durch den

chinesischen Großaktionär habe

Kiekert auf dem weltweit wichtigsten

Automobil-Wachstumsmarkt

China bessere Chancen.

Auch das Vorurteil, China sei nur

ein kostengünstiger Produktionsstandort

für westliche Entwicklungen,

sei falsch. Kiekert produziert

zwar auch in China, zugleich

gehört das Reich der Mitte neben

Deutschland, Tschechien, den

USA und Mexiko aber auch zu

den fünf Entwicklungsstandorten

des Konzerns, der über rund

900 Patente verfügt. Dass die

Chinesen ihm über Gebühr in seinen

Arbeitsalltag hinein regieren,

bestreitet Krause. Die operative

Struktur von Kiekert habe sich

durch den Eigentümerwechsel

nicht geändert. „Es gibt keinen

operativen Einfluss“, sagt Krause.

57 %

der Deutschen halten die

deutsch-chinesischen

Wirtschaftsbeziehungen für ebenso

wichtig wie die zu den USA.

27 % halten diese sogar für wichtiger.

Meinungen, die in keine Schublade passen.

Deutschland und China – Wahrnehmung und Realität. Die Huawei-Studie 2014

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28 CHINA – Der ferne Partner

Zhang Dingxian wurde 1972 nach

Duisburg geschickt

Foto: Hans-Jürgen Bauer

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Pionier aus dem

Reich der Mitte

Als China noch ein wirtschaftliches

Entwicklungsland war, schickte Mao in den 70er Jahren

Ingenieure und Dolmetscher zum Lernen ins Thyssen-

Stahlwerk in Duisburg. Einer von ihnen war Zhang

Dingxian – er ist bis heute geblieben.

Von Andreas Gruhn

Warum Mao Tsetung

ausgerechnet ihn ausgesucht

hat, das weiß

Zhang Dingxian bis heute nicht.

Wieso sollte er als einer der ersten

Chinesen überhaupt ausreisen?

Nach Deutschland? Aus

dem armen Entwicklungsland

in die pulsierende Industrie-

Hochburg Ruhrgebiet? Und

noch heute hier leben? Dr. Zhang

Dingxian (59) ist Dozent für chinesische

Sprache und Kultur im

Landessprachen-Institut der

Ruhr-Universität Bochum. Aber

seine Geschichte ist eng verbunden

mit dem Aufstieg Chinas

vom Industrie-Entwicklungsland

zur Weltwirtschaftsmacht. Ein

Drache, dessen Hochöfen heute

gigantische Mengen Rauch speien.

Und Zhang war einer seiner

Pioniere.

Es ist 1972, Mao Tsetung hat

die „Drei-Welten-Theorie“ zur

Maxime der Außenpolitik gemacht.

China teilt die Welt in

drei Teile: die Weltmächte USA

und Sowjetunion, dann die westlichen

Industrieländer, und dann

die Entwicklungsländer in Asien.

Am Ende dieser Entwicklung

sollte China sie alle überholen.

Dafür braucht die Volksrepublik

aber Know-How, unter anderem

in der Stahlindustrie. Und das

soll aus Westeuropa, genauer aus

dem Thyssen-Werk in Duisburg-

Meiderich, kommen.

Als Dolmetscher nach

Deutschland

Als die Bundesrepublik und

China ihre diplomatischen Beziehungen

gerade beginnen,

arbeitet Zhang als Jugendlicher

in einer Kleinstadt nahe Wuhan

als Telefonist. Da meldet sich

seine frühere Schule bei ihm,

Zhang kann kaum glauben, was

er hört. Er soll nach Deutschland.

Als Dolmetscher. Dabei spricht

er doch gar kein Wort deutsch.

Aber die Partei hat ihn nun einmal

ausgesucht. Zweifel vergisst

er schnell, es ist die Gelegenheit,

mehr von der Welt zu sehen als

die Telefonzentrale in der Provinz.

„Meine ganze Familie war

unglaublich stolz. Wer sonst hätte

diese Chance bekommen?“,

sagt Zhang. China ist damals arm,


CHINA – Der ferne Partner

29

viele Menschen auf dem Lande

haben nicht mal genug zu essen.

In Deutschland aber, ahnt Zhang,

da können sich selbst die einfachen

Arbeiter Autos und ihren

Jahresurlaub leisten.

In einem Kurs an der Hochschule

Wuhan wird Zhang mit

etwa 70 weiteren Chinesen auf

den Einsatz im Westen und in

Japan vorbereitet. Deutschlehrer

reisen aus Peking an, Zhang lernt

etwas über deutsche Kultur und

Geschichte („Weltkriege“), Benimmregeln

(„Nicht auf den Boden

spucken“), über das Ruhrgebiet,

Bergbau und Stahlkochen.

Technische Fachbegriffe. Verzinkung,

Verchromung, Worte,

die Zhang noch heute kennt.

Er wird ausgestattet mit einem

Koffer, zwei westlichen Anzügen

und zwei paar Lederschuhen.

Die Reise nach Westdeutschland

dauert damals manchmal eine

Woche, Direktflüge gibt es noch

nicht. Vom Himmel aus sieht

Zhang die hell erleuchteten Städte,

Straßenlaternen, alles grell.

Als er aus dem Flugzeug steigt,

blenden ihn aber noch mehr

die Farben. Deutschland in den

70ern ist bunt, Frauen sind geschminkt,

Schlaghosen, überall

Autos. „Eine total andere Welt“,

erinnert er sich.

Zusammen mit den anderen

Chinesen bezieht er drei Etagen

im Thyssen-Wohnheim Duisburg.

Von nun an geht es täglich ins

Werk. In die Unterrichtsräume.

Jeder chinesische Arbeiter und

Ingenieur bekommt einen Betreuer,

und Zhang übersetzt so viel er

Anfang der 70er Jahre arbeitete

Zhang Dinxian im Thyssen-Werk

in Duisburg.

Foto: dpa

kann. Auch im Schichtdienst. Die

Chinesen sind fleißig. Schließlich

sollen sie in Wuhan ein schlüsselfertiges,

hochmodernes Stahlwerk

bauen. Aber das Leben ist

ungewohnt. „Das Essen hat uns

gar nicht geschmeckt“, erinnert

er sich. An Pommes und Schnitzel

kann er sich zunächst kaum

gewöhnen. „Aber alle fühlten sich

sehr gut. Immer volle Produktion –

eine tolle Sache.“ Ende 1977 kehrt

Zhang nach Wuhan zurück, die

Arbeiten am Stahlwerk beginnen

dort. Deutsche Techniker liefern

Know-How, und deutsche Konzerne

wie Mannesmann, Siemens

und AEG liefern die dafür notwendige

Ausstattung. Drei Jahre

dauern die Arbeiten, und als das

Werk so gut wie fertig ist, wird

Zhang nach Shanghai versetzt. Er

studiert dort Germanistik, er ist

einer der ersten, die diesen Hochschulabschluss

dort machen.

Und kurz darauf kommt er für

seine Doktorarbeit zurück nach

Deutschland – und bleibt diesmal

endgültig mit seiner Familie.

Als im Thyssen-Werk in Duisburg

die letzten Hochöfen erlischen,

nehmen das Werk in

Wuhan richtig Dampf auf. Das

Hüttenwerk in Duisburg ist heute

der Landschaftspark, und China

weltgrößter Stahlproduzent. Mit

alldem hat Zhang heute nichts

mehr zu tun. Heute wirkt er wie

ein Tourist, wenn er im alten Hüttenwerk

spazieren geht. Seine

Augen leuchten dabei. Er ist hier

heimisch geworden. Nach China

fährt er nur noch ein- bis zweimal

im Jahr. In den Urlaub.

中 原 大 地 的 先 锋

七 十 年 代 的 中 国 还 是 一 片 绿 军

装 和 蓝 工 装 的 海 洋 , 大 街 上 一

片 乌 泱 泱 的 自 行 车 。 此 时 , 一

批 中 国 工 程 师 和 翻 译 进 了 杜 伊

斯 堡 的 蒂 森 钢 铁 厂 学 习 , 其 中

的 张 定 显 至 今 居 住 在 德 国 。

张 定 显 到 现 在 也 没 想 明 白 , 为

什 么 毛 泽 东 当 年 选 择 了 杜 伊 斯

堡 这 个 地 方 , 选 中 了 他 第 一 批

公 派 出 国 , 而 且 是 到 德 国 , 从

一 个 落 后 的 发 展 中 的 国 家 , 到

一 个 工 业 高 度 发 达 的 鲁 尔 区 ,

并 且 生 活 到 今 天 。 张 定 显 今 天

五 十 九 岁 , 是 波 鸿 大 学 语 言 学

院 汉 语 中 心 的 讲 师 。 他 的 经 历

见 证 了 中 国 从 一 个 发 展 中 国 家

转 变 成 世 界 经 济 巨 龙 的 过 程 ,

而 他 则 是 这 个 巨 龙 苏 醒 阶 段 的

先 驱 者 。

1972 年 毛 泽 东 把 他 的 “ 三 个 世

界 划 分 ” 理 论 作 为 当 时 外 交 政

策 准 则 , 美 苏 是 第 一 世 界 , 然

后 是 西 方 工 业 国 家 , 第 三 是 亚

非 拉 发 展 中 国 家 。 最 终 中 国 将

超 过 所 有 国 家 。 为 实 现 这 个 目

标 , 中 国 需 要 技 术 , 需 要 钢

铁 , 具 体 来 说 , 是 德 国 鲁 尔 区

的 蒂 森 钢 铁 厂 。

在 德 中 建 交 初 期 , 张 定 显 在 武

汉 边 上 一 个 小 城 市 当 电 话 员 。

有 一 天 , 他 以 前 的 学 校 通 知

他 , 他 将 作 为 翻 译 去 德 国 。 张

定 显 简 直 是 不 相 信 自 己 的 耳 朵

了 。 他 一 句 德 语 不 会 , 真 要 去

德 国 的 话 , 先 得 给 自 己 找 个 翻

译 。 但 是 国 家 选 中 了 他 , 疑 惑

很 快 就 被 抛 到 九 天 之 外 , 高 兴

还 不 及 呢 ! 出 国 见 识 世 界 肯 定

比 在 那 个 小 地 方 当 电 话 员 强 。

当 时 中 国 还 很 贫 穷 和 落 后 , 很

多 农 村 地 区 还 存 在 的 温 饱 问

题 。 张 定 显 已 经 预 感 到 德 国 即

使 是 工 薪 层 也 能 买 得 起 汽 车 度

得 起 假 ,“ 我 全 家 人 自 豪 极 了 ,

有 几 个 人 能 有 这 样 的 机 会 ?!”

当 时 在 武 汉 一 所 高 校 , 张 定 显

和 其 他 七 十 多 人 一 起 为 去 日 本

及 其 它 西 方 国 家 做 准 备 。 从 北

京 派 去 的 德 语 老 师 , 除 了 教 语

言 , 还 有 给 他 们 讲 德 国 文 化 、

历 史 以 及 言 行 举 止 , 比 如 不 能

随 地 吐 痰 。 从 鲁 尔 区 、 煤 矿 、

炼 钢 , 到 技 术 术 语 : 镀 锌 、 镀

铬 , 至 今 张 定 显 都 还 记 得 。

带 着 国 家 配 备 的 一 个 箱 子 , 两

套 西 装 两 双 皮 鞋 , 他 就 上 路

了 。

当 年 从 北 京 到 德 国 , 还 没 有 直

航 , 旅 程 有 时 要 辗 转 一 个 星

期 。 张 定 显 从 飞 机 小 窗 里 望 下

去 是 万 家 灯 火 的 城 市 , 当 他 下

了 飞 机 后 , 耀 眼 的 不 仅 仅 是 灯

光 , 更 多 的 是 色 彩 。 化 了 妆 的

德 国 妇 女 , 喇 叭 裤 , 满 街 的 汽

车 , 令 他 应 接 不 暇 。

张 定 显 和 其 他 中 国 人 一 起 住 进

了 一 个 三 层 楼 的 杜 伊 斯 堡 钢 铁

厂 宿 舍 , 每 天 从 那 里 去 上 班 。

每 个 中 国 工 人 和 工 程 师 都 有 一

个 德 国 同 行 陪 着 , 手 把 手 地

教 。 张 定 显 努 力 翻 译 着 , 有 时

也 要 跟 着 工 人 轮 班 倒 。 为 了 建

武 钢 , 张 定 显 他 们 努 力 地 学

习 , 努 力 地 工 作 。 两 国 的 文 化

差 异 实 在 太 大 , 工 作 之 余 的 生

活 适 应 也 是 个 问 题 。“ 德 国 饭 菜

难 以 下 咽 ”, 薯 条 和 牛 排 对 于 中

国 胃 来 说 太 陌 生 了 。“ 不 过 大 家

感 觉 非 常 好 , 工 作 热 情 很 高 ,

难 以 忘 怀 的 经 历 。”

1977 年 年 底 , 张 先 生 回 到 武

汉 , 那 里 武 钢 早 已 破 土 动 工 。

德 国 提 供 技 术 , 德 国 公 司 曼 内

斯 曼 、 西 门 子 和 AEG 供 应 设

备 。 时 间 飞 逝 , 当 钢 铁 厂 差 不

多 建 完 时 , 张 先 生 调 到 了 上 海

的 宝 钢 。 还 没 正 式 开 始 工 作 ,

他 就 考 上 了 上 海 同 济 大 学 德 语

系 研 究 生 , 毕 业 后 顺 利 留 校 。

不 过 没 几 个 月 , 运 气 再 次 落 到

张 先 生 身 上 , 国 家 教 委 分 到 同

济 两 个 德 国 奖 学 金 名 额 , 不 由

分 说 , 他 返 回 德 国 读 博 士 。 没

多 久 他 太 太 也 拿 奖 学 金 到 了 德

国 。 全 家 人 终 于 团 聚 在 德 国 ,

再 也 不 走 了 。

当 杜 伊 斯 堡 的 蒂 森 钢 铁 厂 熄 火

时 , 正 是 武 汉 钢 铁 蒸 蒸 日 上 的

时 候 。 在 冶 炼 厂 的 原 址 上 杜 伊

斯 堡 建 成 了 公 园 , 而 中 国 发

展 成 世 界 级 的 钢 铁 厂 产 地 。 张

先 生 现 在 和 这 些 都 没 什 么 关 系

了 , 即 使 去 那 个 冶 炼 厂 也 是 为

了 去 散 散 步 , 带 着 美 好 的 回

忆 。 德 国 对 他 来 说 是 个 家 , 每

年 回 中 国 变 成 了 度 假 。

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Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.


30 CHINA – Der ferne Partner

Eine Chinesin

entdeckt

Düsseldorf

Yijun Zhang wirkt so, wie man sich eine chinesische

Studentin vorstellt. Sie ist zurückhaltend gekleidet, trägt

eine große Hornbrille, hat einen wachen Blick und wirkt

doch leicht schüchtern. Sie kommt aus Tianjin, einer

Stadt in China. Einen Monat dauert ihr Praktikum im

„Düsseldorf China Center“ (DCC).

Yijun Zhang auf dem

Düsseldorfer Rathausplatz

Von Thorsten Breitkopf

Ob ihr Düsseldorf klein

vorkommt im Vergleich

zu den Städten ihrer

Heimat? „Ja klar!“ antwortet sie

selbstbewusst in gutem Deutsch

und ganz ohne Zögern. Ob ihre

Heimatstadt größer ist, wollen

wir wissen. „Ja etwas, vielleicht

drei Millionen Einwohner“, meint

die 23-Jährige. Das ist chinesische

Höflichkeit. 13,8 Millionen

Menschen leben tatsächlich in

Tianjin – die Stadt ist eine chinesische

Megalopolis. Als Exotin

fühlt sie sich nicht, wenn sie über

die Düsseldorfer Königsallee

schlendert. „Es gibt hier so viele

Chinesen wie in kaum einer anderen

deutschen Stadt“, sagt

Zhang. Dabei ziehe Düsseldorf

viel mehr Gäste aus Fernost an

als andere Metropolen. „Meine

Landsleute kommen wegen der

Messe, und dann nutzen sie ihren

Aufenthalt für Ausflüge“, sagt

Zhang.

Dass Düsseldorf eine Modestadt

ist, sei auch in China

bekannt. Entsprechend beliebt

ist für chinesische Besucher ein

Gang über die Kö mit ihren schicken

Geschäften. Doch ehrfürchtig

erstaunt ist Yijun Zhang von

den mondänen Marken keineswegs.

Die gibt es in China heute

auch. Und da offenbart sich eine

ungeahnte Chance der Stadt

am Rhein. „Ich dachte alles wäre

teurer in Düsseldorf, aber bestimmte

Uhren oder Luxusartikel

sind in Deutschland preiswerter

als in China“, meint Zhang.

Preiswerte Luxusartikel

Zhang ist keine stereotype Touristin,

die mit Baseball-Cap und


CHINA – Der ferne Partner

31

Fotoapparat um den Hals von

Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit

hechtet. Sie hat ein

Bachelorstudium Germanistik

in Tianjin absolviert, verbrachte

ein Jahr als Werkstudentin in Osnabrück

bei der Firma Kaufland -

mit den Verdiensten finanzierte

sie ihren Master in Marketing.

Dennoch ist sie von den gleichen

Orten und Dingen fasziniert,

wie die Tausenden chinesischen

Touristen, die jedes Jahr

nach Neuschwanstein oder nach

Rothenburg pilgern. Im kleinen

Souvenirladen am Düsseldorfer

Rathaus ist Yijun Zhang in ihrem

Element. Sie kauft nichts, weil

sie beim Heimflug sonst Übergepäck

anmelden müsste, aber

doch ist sie fasziniert von Kuckucksuhren,

Bleilöffeln mit dem

Düsseldorfer Radschläger oder

schweren Steinkrügen mit Hirschen

und Bundesadlern. Auch

wenn es nicht drauf steht, viele

der kitschigen Souvenirs sind

wahrscheinlich in Zhangs Heimat

hergestellt worden. Doch so naiv

ist die junge Chinesin nicht, das

zu übersehen. „Alles was unter

zwanzig Euro kostet kommt in

diesen Läden wohl aus Fernost –

das ist also kein echtes Mitbringsel,

allenfalls ein Heimkehrer“,

meint Yijun Zhang. Ein ganz anderes

Kriterium ist für Souvenirs

der Chinesen wichtig: „Sie müssen

möglichst viele Buchstaben

in lateinischer Schrift haben. Das

macht die Mitbringsel aus Europa

in China authentisch und ein bisschen

exotisch.“

Düsseldorf ist ein beliebtes

Ziel für junge Chinesen, egal

ob als Praktikanten oder als

Touristen. „Uns ist sehr wohl

bewusst, dass Düsseldorf die

Hauptstadt von Nordrhein-Westfalen,

des wichtigsten wirtschaftlichen

Ballungsraums in Deutschland

ist“, sagt Zhang. Doch der

Blick geht keineswegs nur in die

Stadt. Für die Fernreisenden aus

China steht die Region im Vordergrund,

Köln, Düsseldorf, Leverkusen,

alle Großstädte des Ruhrgebiets.

Aus großer Ferne sei das

alles fast eins, meint Zhang.

Sauerkraut mit Kassler

Was hält die junge Chinesin von

den Deutschen? Die 23-Jährige

gibt ehrliche Antworten: „Die

Deutschen fragen im Smalltalk

als erstes, wie lang man bleibt,

also konkret, wann man wieder

zurückfährt. Ein Chinese würde

das nie fragen“, sagt Zhang. Sie

weiß, dass den Deutschen diese

Unhöflichkeit nicht bewusst ist,

dass sie niemanden kränken wollen.

Komisch findet sie es trotzdem

– immer wieder.

Während ihres Praktikums

wohnt Yijun Zhang in einer Studenten-WG

in Erkrath. An den

freien Abenden wird gekocht,

sie schätzt die deutsche Küche,

mag Sauerkraut mit Kassler und

vor allem schwäbische Maultaschen.

Viele China-Imbisse in

Deutschland dagegen sieht sie

mit Skepsis, manche, so meint

sie, würden von Menschen unterschiedlichster

Herkunft betrieben

– aber jedenfalls nicht

von Chinesen.

Spätestens zum Ende ihres

Praktikums ist Yijun Zhang

Deutschland-Fan geworden. Sie

würde gerne wiederkommen,

für ein paar Jahre hier arbeiten.

Ein Job als selbstständige Fachübersetzerin

oder Marketing

mit Chinabezug, so was wäre ihr

Wunsch – am liebsten irgendwo

im Rheinland.

Die 23-jährige Yijun Zhang mag

Düsseldorf – auch wenn die Stadt im

Vergleich mit ihrer chinesischen Heimatstadt

ziemlich klein ist. Immerhin

leben hier so viele Chinesen wie

kaum anderswo in Deutschland.

Fotos: Hans-Jürgen Bauer.


32 CHINA – Der ferne Partner

China – Land der tausend Möglichkeiten


China ist eine der ältesten Zivilisationen der Welt. In den vergangenen 5000 Jahren

erlebte die heutige Volksrepublik 83 Dynastien mit 559 Herrschern, darunter

397 Kaisern und einer Kaiserin. Das Land ist etwa 27 Mal so groß wie Deutschland.

Entsprechend viel gibt es zu sehen. Zehn Ziele, die China einzigartig machen.

Von Dirk Weber

Peking und die Kulturstätten (1)

Peking ist die Hauptstadt und

das wirtschaftliche sowie kulturelle

Zentrum der Volksrepublik.

Einmalig: In Peking können

Besucher sechs Unesco-Weltkulturerbestätten

besichtigen.

Neben der Großen Mauer, dem

Himmelstempel und der Verbotenen

Stadt weitaus gibt es jedoch

noch mehr zu entdecken:

Da wären zum Beispiel die kleinen

Hutong-Gässchen rund um

den Trommelturm, nördlich des

Kaiserpalastes. Kleine individuelle

Cafés laden zum Verweilen

ein, junge chinesische Designer

zu einem Einkaufbummel. Wer

es lieber kulturell mag, ist im

Künstlerviertel 798 richtig. Eine

ehemalige Waffenfabrik – gebaut

von der ehemaligen DDR – dient

als Ausstellungsfläche moderner

chinesischer Kunst. Wer die

Menschen kennenlernen möchte,

geht morgens oder abends in

einen der öffentlichen Parks und

schaut dabei zu, wie sich die Chinesen

die Zeit vertreiben: beim

Singen, Tai Chi, Federball spielen

oder gemeinsamen Turnen.

Abends lässt man den Tag am

besten in einer der angesagten

Bars im Sanlitun-Viertel oder in

einer gediegenen Jazz-Bar rund

um den Houhai-See ausklingen.

Terrakotta-Armee

von Xian (2)

Das Mausoleum des Qin Shi

Huang ist eine frühchinesische

Grabanlage aus dem Jahr 210 vor

Christus. In Auftrag gegeben hat

sie der erste chinesische Kaiser.

Bis heute ist sie eine der größten

Gräber der Welt, bekannt für die

einzigartige Terrakotta-Armee.

Sehenswert ist die 230 Meter lange

und 62 Meter breite „Grube 1“.

In elf von 2,50 Meter dicken

Wänden getrennten Gängen

stehen 1100 Tonsoldaten mit 32

Pferden, Bronzewaffen und den

Überresten von acht Streitwagen.

Die individuell gefertigten

Tonsoldaten sind bis auf die Beine

hohl. Anhand der Mütze und

der Ausrüstung lässt sich die mi-

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CHINA – Der ferne Partner

33


litärische Rangordnung bestimmen.

Viele Figuren waren mit

Bronzespeeren bewaffnet, die

jedoch von Plünderern geraubt

wurden. Die Anordnung der

Hauptgruppe zeigt die Aufstellung

der Soldaten nach der damaligen

militärischen Kriegskunst.

Die erste Abteilung besteht aus

210 Bogenschützen, gefolgt von

gepanzerten Speerträgern und

Kampfwagen. In „Grube 2“ sind

die verschiedenen Waffengattungen

zu sehen: Infanterie, Kavallerie,

Wagenlenker sowie Bogen-

und Armbrustschützen sind

klar zu unterscheiden.

Unterwegs auf dem

Jangtse (3)

Der mächtige Jangtse entspringt

dem Qinghai-Tibet-Plateau und

misst mehr als 6300 Kilometer.

Damit ist er der drittlängste Fluss

der Welt. Seine Ufer bieten mehr

als 300 Millionen Menschen

eine Heimat. Den mächtigen

Fluss an Bord eines Schiffes zu

erleben, ist eine unvergessliche

Erfahrung. Die drei Schluchten

im Jangtse-Flusstal bilden

eine der attraktivsten touristischen

Routen. Von Chongqing

bis nach Yichang erstrecken sie

sich über 193 Kilometer und beinhalten

die Qutang-Schlucht,

die Wu-Schlucht und die Xiling-

Schlucht. In kurzer Zeit lässt sich

so ein großer Teil Chinas erkunden.

Vom Frühling bis Herbst

verkehren zahlreiche komfortabel

ausgestattete Kreuzfahrtschiffe

und Fähren auf dem

Jangtse. Abstecher in die Seitenflüsse

und kleine Ausflüge in

die Täler gewähren Einblicke in

unberührte Wälder und Natur.

Auch lässt sich bei einer Fahrt

der Drei-Schluchten-Staudamm

bestaunen.

Die Tropeninsel Hainan (4)

Früher war die Insel ein Exil für in

Ungnade gefallene chinesische

Staatsdiener. Seit einigen Jahren

ist sie das wohl bekannteste

Touristenziel der Volksrepublik.

Besonders Sanya im Süden der

Insel wird als Urlaubsziel geschätzt.

Die Region Sanya lockt

mit feinsten Sandstränden und

glasklarem Wasser. In den vergangenen

Jahren wurde viel in

die touristische Infrastruktur investiert.

So entstanden untere

anderem viele neue Hotels. Au-


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34 CHINA – Der ferne Partner



ßerdem wurden Golfplätze angelegt.

Fast alle Ausflugsziele

lassen sich von Sanya aus erreichen

und können in den Hotels

gebucht werden. Auf dem Gebiet

von Sanya befindet sich auch die

Nanwan-Affen-Insel. Das Naturschutzgebiet

ist die Heimat für

Makaken. Zahlreiche heiße Quellen

lassen sich in der Inselmitte

besuchen. Beliebt ist auch Fisch-

Wellness, bei dem abgestorbene

Hautzellen von kleinen Fischen

abgeknabbert werden.

Guilin – Himmel auf Erden (5)

„Die Landschaft von Guilin ist die

schönste unter dem Himmel“,

besagt ein chinesisches Sprichwort.

Wer die Region inmitten sagenumwobener

Turmkarstfelsen

kennt, wird dem nur zustimmen

können. Der kristallklare Fluss

Li ist 437 Kilometer lang und

durchfließt die Städte Guilin,

Yangshuo, Pingle und Wuzhou.

Die schönste Strecke liegt zwischen

Guilin und Yangshuo. Sie

ist 83 Kilometer lang. Touristen

können Fahrräder leihen und

die Umgebung auf eigene Faust

erkunden. Neben Bootstouren

werden auch Busfahrten und

individuelle Reisen angeboten.

In Yangshuo enden die meisten


Bootstouren. Eingerahmt wird

die Stadt von den Kaarstbergen.

Auch entlang des Yulong-Flusses

lohnt eine Fahrradtour. Oder man

genießt die Landschaft auf einem

Bambus-Floß.

Shanghai – Stadt der

Superlative (6)

Die höchste Aussichtsplattform

der Welt, eine atemberaubende

Skyline, der einzige öffentliche

Transrapid der Welt und schätzungsweise

25 Millionen Einwohner

– das alles und noch viel

mehr ist Shanghai. Die Stadt liegt

am Jangtse-Delta. In ihr vermischt

sich das traditionelle Chinesischa

mit der Moderne. Abends

flimmert Shanghai, wenn große

Gebäude, Hochstraßen und der

Fluss von Millionen Lichtern illuminiert

werden. Ursprünglich war

die Stadt ein kleines Fischernest

während der Periode der Kriegsstaaten

(475 bis 221 vor Christus).

Heute ist sie Chinas Geschäftsund

Finanzzentrum. Zudem erfreut

sich die exzellente Küche

eines hervorragenden Rufs – kein

Wunder, bei mehr als 10 000 Spezialitäten.

Reisende haben die

Wahl: Sterneküche, Straßenrestaurant

oder fliegende Händler.

Fotos: Onebillionvoices

Pandabären in Sichuan (7)

Der Große Panda ist das Wahrzeichen

Chinas. In den 70er Jahren

fanden Forscher heraus, dass die

Population auf höchstens 1100

Tiere zusammengeschrumpft

war. Daraufhin erließ die Regierung

ein Schutzprogramm, durch

welches bis heute etwa 40 Panda-Reservate

entstanden. Doch

nirgendwo kann man ihn besser

beobachten als in der Aufzuchtstation

nördlich von Chengdu, der

Hauptstadt der Provinz Sichuan,

wo intensiv an der Vermehrung

und Aufzucht der Pandabären gearbeitet

wird. Mit Erfolg: Im Jahr

2004 lebten wieder 1600 Große

Pandas in freier Wildbahn. In der

Aufzuchtstation haben Besucher

Gelgenheit, den Nachwuchs zu

beobachten. Ein Museum informiert

über die bedrohte Tierart

und deren Lebensraum.

Seidenstraße (8)

Vor 2000 Jahren öffnete sich China

erstmals der westlichen Welt:

Über die Seidenstraße, die Xian

mit dem Mittleren Osten und Europa

verband, wurden die ersten

Handelsbeziehungen geknüpft. Es

war das das Jahr 138 vor Christus,

als der Han Kaiser Wudi einen Botschafter

in den Westen entsandte,

um Verbündete für Chinas Kampf

gegen die Hunnen zu finden. Von

da an bis ins 14. Jahrhundert hinein

durchquerten Karawanen die

Wüsten, beladen mit Gewürzen,

Früchten und sonstigen Handelsgütern

aus dem Westen, auf der

Suche nach Seide. Und Chinas

Grenzstädte entwickelten sich

zu kosmopolitischen Handelszentren.

Die Seidenstraße führt

durch insgesamt fünf chinesische

Provinzen und noch heute haben

sich die alten Knotenpunkte wie

Kashgar, Turphan oder Urumqi

ihren Charme früher Zeiten dank

orientalischer Basare bewahrt.

Hongkong – Stadt

der Händler (9)

Die Metropole ist eine Sonderverwaltungszone

an der Südküste

der Volksrepublik China und liegt

am Perlfluss-Delta. Hongkong besteht

aus den vier Regionen Kowloon,

Hong Kong Island, New Territories

und Outlying Islands. Die

eigentliche Kernstadt erstreckt

sich zu beiden Seiten des Victoria

Harbours sowohl in Kowloon als

auch auf Hong Kong Island. Der

Hafen war Hongkongs Schlüssel

zur Entwicklung zu einem Handelszentrum

sowie einem der

wichtigsten Umschlagshäfen Chinas.

Praktischerweise gibt es ganze

Straßenzüge, die sich ausschließlich

um ein bestimmtes

Produkt drehen: Goldfische,

Vögel, Kleider, Kochzubehör,

Elektroartikel, Schuhe. Zu den

schönsten Märkten gehören der

Lady Market, der Temple Street

Night Market oder der Stanley

Market, in dessen Umgebung

sich auch hervorragende Restaurants

finden lassen.


Das Dach der Welt (10)

Das autonome Gebiet Tibet wird

gerne als „Dach der Welt“ bezeichnet,

weil es durchschnittlich

auf einer Höhe von 4000

Metern liegt. Das kulturelle und

touristische Zentrum ist die Provinzhauptstadt

Lhasa. Die Stadt

besitzt eine über 1300 Jahre alte

Geschichte. Von den 410 000

Einwohnern zählen 87 Prozent

zu den Tibetern. In Lhasa selbst

leben mehr als 30 Nationalitäten.

Lhasa bedeutet im Tibetischen

„heilige Stätte“. Weil die

Stadt von der Sonne verwöhnt

wird, ist sie auch unter dem Namen

„Sonnenstadt“ bekannt.

Der Potala-Palast und das

Jokhang-Kloster in Lhasa sind

weltbekannt und Unesco-Weltkulturerbestätten.

Etwas entfernt

gilt das Tal Tsedang mit

seinen Nebentälern als Wiege

der tibetischen Kultur. Zentrum

der Region ist die Kleinstadt Tsedang,

in der sich die ältesten Klöster

Tibets befinden. Südlich der

Stadt wurden die ersten 13 tibetischen

Könige in bis zu 250 Meter

langen Hügelgräbern beigesetzt.

Ausgrabungen haben aus

Respekt bislang nicht stattgefunden.

Weitere Hautsehenswürdigkeiten

sind der Berg Kailash, die

Stadt Shigatse und natürlich der

Mount Everest, dessen Basis-

Camp besucht werden kann.


CHINA – Der ferne Partner

35

Tipps für die Chinareise

Visum: Für die Einreise ist ein Visum

erforderlich, das zwingend

vor der Reise bei der zuständigen

chinesischen Auslandsvertretung

bzw. bei einem der Visa Application

Service Center (CVASC)

eingeholt werden muss. Anträge

nimmt das Generalkonsulat der

Volksrepublik China, Bockenheimer

Landstr. 51, 60325 Frankfurt

am Main, entgegen. Im Internet

unter www.visaforchina.org/

FRA_DE. Die Visagebühr beträgt

für die einfache Einreise 30 Euro.

Folgende Städte und Regionen

bieten einen 72-stündigen visafreien

Aufenthalt, wenn Gäste

einen internationalen Weiterflug

nachweisen können: Peking,

Shanghai, Chengdu, Chongqing,

Dalian, Shenyang sowie die Provinz

Guangdong. Reise- und Sicherheitshinweise

beim Auswärtigen

Amt.

Gesundheit: Es gibt keine vorgeschriebenen

Impfungen. Ein Malaria-Risiko

besteht im Süden in

ländlichen Gebieten unter 1500

Metern in den Provinzen Hainan

und in geringem Maße auf der

Insel Hainan; sehr geringes Risiko

besteht in den Provinzen Anhui,

Henan, Hubei, Ghuizhou und Jiangsu.

In südlichen Küstenregionen

und Landesteilen wie Fujian,

Guangdong, Guangxi, Hainan,

Yunnan kann das Dengue-Fieber

übertragen werden.

Sicherheit: China gilt als eines

der sichersten Reiseländer der

Welt. Kriminalität ist auf einem

niedrigen Niveau, und es werden

praktisch keine Straftaten gegen

Touristen unternommen.

Anreise: Von Deutschland aus

fliegt Lufthansa nonstop von

München und Frankfurt am Main

nach Peking und Shanghai, von

Frankfurt täglich mit dem Airbus

A 380. Auch Air China bietet

täglich zwei Verbindungen von

Frankfurt aus an. Tickets für Hinund

Rückflug kosten ab etwa

580 Euro. Die Flugzeit beträgt

zwischen elf und 13 Stunden.

Reisezeit: China hat 18 verschiedene

Klimazonen. Die Zeit

zwischen Juni und August bietet

sich für eine Reise ins zentrale

und nördliche China an, während

das Frühjahr und der Herbst besser

für eine Reise in den Süden

geeignet sind. Die Monate März

und April gelten als Nebensaison.

In den Wintermonaten von

November bis Februar sind die

reisen am günstigsten.

Ortszeit: MEZ + 7 Stunden (Winterzeit),

+ 6 Stunden (Sommerzeit)

Währung: Renminbi – auch Yuan

genannt. Die Einheiten sind

Jiao und Fen. Ein Yuan entspricht

10 Jiao und 100 Fen. 1 Euro entspricht

aktuell etwa 8,41 Yuan.

Internationale Kreditkarten

werden in fast allen Hotels und

Geschäften der größeren Städte

akzeptiert.

Elektrizität: Elektrische Geräte

benötigen einen Adapter für die

in China gebräuchliche Steckerform.

Die allgemeine Stromspannung

beträgt 220 Volt.

Allgemeine Informationen:

Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik

China, Tel. 069 5 201 35,

www.china-tourism.de


Eine internationale Kanzlei & 20 Jahre Erfahrung auf

dem chinesischen Markt & der direkte Draht nach

Peking & Shanghai & Hong Kong & Ihr Vorteil & das ist

Als internationale Anwaltssozietät unterstützen wir unsere

Mandanten mit einem außergewöhnlichen Verständnis für

strategische und unternehmerische Zusammenhänge,

erstklassiger rechtlicher Expertise, tiefgehender Branchenkenntnis

und einer erfrischend kreativen Denkweise! Wir decken die

gesamte Bandbreite des Wirtschafts- und Unternehmensrechts ab,

insbesondere in Bereichen, in denen Technologie, Regulierung und

gewerblicher Rechtsschutz eine besondere Rolle spielen.

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36 CHINA – Der ferne Partner

Wie gut kennen Sie China?

Um bei unserem Quiz zu gewinnen, müssen Sie nur 15 Fragen beantworten. Die richtigen

Antworten ergeben die Lösung, mit der sie eine Reise nach Paris gewinnen können.

Frage 1

China ist das bevölkerungsreichste Land

der Erde. Wie viele Menschen leben dort?

997 Millionen F

1,3 Milliarden D

1,5 Milliarden K

Frage 6

China grenzt an insgesamt 14 direkte

Nachbarländer. Welcher der folgenden

Staaten gehört nicht dazu?

Russland

Malaysia

Vietnam

V

R

C

Frage 10

Die ehemalige Kolonie Macao wurde 1999

nach Auslaufen eines Pachtvertrags wieder

Teil Chinas. Zu welchem europäischen

Land gehörte sie bis dahin?

England

J

Frankreich

B

Portugal

A

Frage 11

Welche beliebte deutsche Fernsehsendung

hat es auch ins chinesische Fernsehen

geschafft?

Verstehen Sie Spaß?

Z

Wer wird Millionär?

W

Wetten, dass...?

R

Gewinnen Sie eine

Reise zur großen

China-Ausstellung in

Paris inklusive 200

Euro Reisegeld!

Das Mövenpick Hotel in Paris ist als

Oase der Ruhe konzipiert. Es liegt

auf dem Boulevard Victor Hugo

in Neuilly, einem der exklusivsten

Wohnviertel der Hauptstadt, sowie

mitten im “goldenen Geschäftsdreieck“

von Neuilly-sur-Seine, Levallois

Frage 2

Wie heißt Chinas Währung?

Renminbi

Kuai

Yuan

E

P

S

Frage 3

Seit 2004 verbindet die in Deutschland

entwickelte Magnetschwebebahn „Transrapid“

Chinas größte Stadt mit ihrem Flughafen.

Um welche Stadt handelt es sich?

Peking

Q

Shanghai

R

Hongkong

A

Frage 4

China steckt viel Geld in die Modernisierung

seiner Streitkräfte. Neuerdings

verfügt das Land auch über einen umgerüsteten

Flugzeugträger. Woher stammte

das Schiff ursprünglich?

Aus Russland

B

Aus Frankreich

R

Aus der Ukraine

F

Frage 5

Der umstrittene Drei-Schluchten-Staudamm

in der Provinz Hubei soll Chinas

gigantischen Bedarf an elektrischem

Strom decken helfen. Welcher Fluss wird

dort aufgestaut?

Gelber Fluss

N

Jangtse

E

Mekong

L

Lösungswort

Frage 7

China hat ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm

aufgelegt. Im Dezember 2013

landete ein ferngesteuertes Mondfahrzeug

auf dem Erdtrabanten. Wie lautet

sein Name?

Saphirschlange

J

Jadehase

N

Rubinfalke

Z

Frage 8

Die chinesische Hafenstadt Qingdao

(Tsingtao) ist eine ehemalige deutsche

Kolonie. Für welches typisch deutsche

Produkt ist die Stadt bis heute bekannt?

Fleischwurst

W

Bier

E

Kuckucksuhren

X

Frage 9

Wer verhandelte 1972 mit US-Präsident

Richard Nixon auf chinesischer Seite über

die Aufnahme diplomatischer Beziehungen

mit den USA?

Mao Tsetung

E

Zhou Enlai

P

Deng Xiaoping

Y

Frage 12

Die Chinesen kaufen gerne deutsche

Autos. 2005 kam jedoch auch das erste

Modell eines chinesischen Herstellers in

Deutschland auf den Markt. Sein Name?

Zhonghua

D

Landwind

T

Lenovo

F

Frage 13

Die chinesische „Kulturrevolution“ zwischen

1966 und 1976 hat nach manchen

Schätzungen Millionen Chinesen das

Leben gekostet. Wie hieß die Gruppe, die

maßgeblich dahintersteckte?

Die Viererbande

N

Die Kuomintang

B

Die Boxer

V

Frage 14

In China wird viel Tee getrunken und auch

angebaut. Wie groß ist der Anteil Chinas

an der Weltproduktion?

Rund die Hälfte

U

Rund ein Drittel

Z

Rund ein Viertel

E

Frage 15

Welches ist die chinesische Partnerstadt

von Düsseldorf?

Shanghai

S

Chongqing

R

Nanjing

C

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Perret und dem futuristischen Büroviertel

La Défense. Die elegante

Lobby empfängt mit einer urbanen

Lässigkeit. Zimmeranzahl auf 282

inklusive 29 Suiten Badezimmer mit

einem frischen und zeitgemäßen

Ambiente – unterstützt durch ein

harmonisches Farbkonzept. Die Idee

der klassisch französischen Brasserie

wurde im Restaurant „Victor Hugo“

neu interpretiert. Gezielt eingesetzte,

verspielte Muster, kontrastiert mit

klaren Designelementen, dunklen

Hölzern und einem offenen Kamin

unterstreichen die zeitgemäße und

entspannte Atmosphäre. Indirekt beleuchtete

und schwungvoll verzierte

Paneele an Wänden und Tresen

zeichnen die Bar „58 Bar & Lounge“

als perfekten Ort zum Ausklang des

Tages aus.

Gewinnen Sie einen Flug mit Air

France von Düsseldorf (DUS) nach

Paris (CDG) sowie zwei Nächte für

zwei Personen im Doppelzimmer

inklusive Frühstück. Und besuchen

Sie die neu eröffnete Ausstellung

„Sublimes matières“ über die faszinierende

Vielfalt von 5000 Jahren

chinesischer Kunst im renommierten

Musée Guimet. In zahlreichen

Objekten macht die Schau begreifbar,

zu welch hoher Vollendung

chinesische Kunsthandwerker bei

der Verarbeitung von Materialen wie

Seide, Jade, Bronze oder Porzellan

gelangt sind.

Mitmachen und gewinnen!

Nennen Sie uns die Lösung unseres

China-Quiz unter 01379 886718 (50

Cent/Anruf aus dem dt. Festnetz,

ggf. abweichende Preise aus dem

Mobilfunk) oder SMS mit dem

Kennwort „rp2“, Leerzeichen, Ihrem

Namen, Adresse und Lösung an 1111

(ohne Vorwahl, 50 Cent/SMS)! Teilnahmeschluss:

03.04.2014, 24 Uhr!


CHINA – Der ferne Partner

37

FOM-Hochschule bietet Studiengänge

speziell für chinesische Studierende

Von Christine Zacharias

Deutschlands größte private

Hochschule, die

FOM für Wirtschaft und

Management, wird direkt neben

der neuen Fachhochschule Düsseldorf

in Derendorf einen neuen

Standort mit eigenem Campus

errichten: Auf rund 8000 Quadratmetern

soll dort voraussichtlich

ab Herbst 2015 der Studienbetrieb

mit rund 1400 Studenten

aufgenommen werden. Mit dem

neuen zentralen Standort in Düsseldorf

reagiert die 1991 in Essen

gegründete Hochschule auf stetig

steigende Schülerzahlen.

Die FOM bietet ausbildungsund

berufsbegleitende Studiengänge

vorwiegend in wirtschaftlichen

Fächern an, seit 2004 auch

in Düsseldorf. Derzeit finden die

Vorlesungen und Seminare noch

in einem provisorischen Gebäude

an der Karlstraße nahe dem

Hauptbahnhof statt. Doch das ist

Ab Herbst 2015 nimmt die FOM ihren Studienbetrieb in Düsseldorf auf.

im nächsten Jahr, wenn alles gut

geht, Geschichte. Zum aktuellen

Sommersemester haben übrigens

170 Berufstätige und Auszubildende

aus Düsseldorf und

der Region ein berufsbegleitendes

Bachelor- oder Masterstudium

aufgenommen.

Foto: FOM

Seit mehr als zehn Jahren

führt die FOM-Hochschule Studiengänge

speziell für chinesische

Studierende in China, unter

anderem in Taian und Taiyuan,

durch. Bei Erfolg reisen die Studierenden

anschließend nach

Deutschland, um ein Vertiefungsstudium

am Studienort, (bislang

Essen), zu beginnen. Das Studienangebot

der FOM-Hochschule

für chinesische Studierende

gehört zu den europaweit größten

Austauschprogrammen mit

Hochschulen in dem asiatischen

Land. Im Jahr 2003 startete die

FOM den ersten Kooperationsstudiengang

mit der Shanxi University

of Finance & Ecnomics in

Taiyuan. Seitdem haben 2800

chinesische Studierende ihren

Bachelor- oder Master-Abschluss

bei FOM gemacht.

Im Januar dieses Jahres haben

76 junge Chinesen ihr Master-

Studium in den Fachrichtungen

Marketing und Sales sowie Accouting

und Finance an der FOM

Hochschule beendet. Dabei

geht das chinesische Studienprogramm

der FOM Hochschule

über die fachliche Wissensvermittlung

hinaus. Exkursionen,

Unternehmensbesichtigungen

und Praktika ergänzen das Vorlesungsangebot.

Innerhalb eines Mentoring-

Programms erfahren die Studierenden

zudem eine intensive

und individuelle Begleitung. Zum

Wintersemester 2013/14 sind

475 Chinesen an der FOM in Essen

eingeschrieben.

Energieeffizienz, Mobilität,

Umweltschutz, Stadtplanung

NRW goes to China zur UrbanTec

Asia Conference@CIFTIS

unter Leitung von NRW-Umweltminister

Johannes Remmel

28. Mai bis 1. Juni 2014

Peking, Nanjing, Shanghai/China

EnergieAgentur.NRW

Stephan Lintker

Tel. 0211/86642-12

lintker@energieagentur.nrw.de

Branchenübergreifend

Deutsch-Chinesisches

Wirtschaftsforum

mit NRW-Wirtschaftsminister

Garrelt Duin

18. Juni 2014

Köln

IHK Köln

Gudrun Grosse

Tel. 0221/1640-561

gudrun.grosse@koeln.ihk.de

NRW-Technologien für China

Im Reich der Mitte sind dringend neue Konzepte zur Bewältigung der

Urbanisierung , Energieversorgung, Infrastruktur und weiterer innovativer

Zukunftsthemen gefragt. Dies bietet besonders gute Exportchancen für

Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Das Land NRW unterstützt Sie

auf Ihrem Weg nach China – mit branchenspezifischen internationalen

Messeteilnahmen sowie Unternehmerreisen und Fachsymposien.

Energie, Bergbau, Grubengas,

Erneuerbare Energien, Energieeffizienz

NRW-Gemeinschaftsstand

auf der CIEI Expo

16. bis 18. September 2014

Taiyuan/China

Messe Düsseldorf GmbH

Ute Wynhoff

Tel. 0211/4560-7779

wynhoffu@messe-duesseldorf.de

Nanotechnologie

Unternehmerreise China

zur Messe „CHInano“

24. bis 27. September 2014

Suzhou/China

Cluster

NanoMikroWerkstoffePhotonik.NRW

Dr. Heinz-Georg Nothofer

Tel. 0211/385459-13

heinz-georg.nothofer@nmwp.nrw.de

NRW.International ist ein Unternehmen von

Gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW. Durchführung vorbehaltlich des Erreichens einer Mindestteilnehmerzahl.


38 CHINA – Der ferne Partner

China an der International

School of Düsseldorf

Genießen Sie das

besondere Ambiente unter

einem grünen Dach!

Buffet

MONGOLISCHES GRILL-MITTAGSBUFFET

Montag bis Samstag von 12.00 bis 14.30 Uhr

Pro Erwachsene 7,90 €

Kinder (bis 12 Jahre) 4,50 €

MONGOLISCHES GRILL-BUFFET

Montag bis Samstag von 18.00 bis 22.30 Uhr

Sonntag und Feiertage von 12.00 bis 14.30 Uhr

Pro Erwachsene 13,90 €

Kinder (bis 12 Jahre) 7,50 €

Inhaber: Ye

Alle Speisen auch zum Mitnehmen Biergarten - Grosse Parkplätze

Kieshecker Weg 132 · 40468 Düsseldorf

Tel.: 0211-5287688 · www.bambus-garten.net










Brehmstraße 27


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(beim Eisstadion)


Tel. 0211 / 966 543 44


www.asia-panda-restaurant.de



Täglich


von


11:30 – 15:00 Uhr

und 17:30 – 23:30 Uhr


Sonn- und Feiertags durchgehend

Von Christine Zacharias

An der International School

of Düsseldorf (ISD) ist China

bereits seit der Gründung

im Jahr 1968 vertreten. Bislang

stellen junge Chinesen dort

zwar „nur“ etwa drei Prozent

der Schüler, wie die Öffentlichkeitsbeauftragte

Beatrice Caston

berichtet. „Aber die Tendenz ist

deutlich ansteigend.“ Waren es

über viele Jahre und

Jahrzehnte hinweg

fast ausschließlich

Männer, die von ihren

Unternehmen

oder Botschaften

vorübergehend

nach Düsseldorf

geschickt wurden,

ziehen inzwischen immer mehr

Familien ihren weltweit tätigen

Vätern (und Müttern) nach. „Und

mit den Familien kommen zunehmend

Kinder aus China zu

uns, um dauerhaft hier zu bleiben.

Diese Kinder sind hochmotiviert

und wollen so schnell wie

möglich Englisch lernen“, sagt

Caston.

Die Förderung, die sie an der

ISD erfahren, ist sehr intensiv:

Kinder, die in ihrer Heimat bisher

kein Englisch gesprochen

haben, lernen die Sprache in

kleinen Fördergruppen mit spezieller

Betreuung. Natürlich ist

auch Deutsch wichtiges Unterrichtsfach

an der Schule an der

Niederrheinstraße, und das täglich.

Aber die chinesischen Manager

oder Diplomaten, die nach

Deutschland versetzt werden,

legen Wert auf eine qualitätvolle

Erziehung ihrer Kinder. Und da ist

Englisch als erste internationale

Handelssprache unabdingbar.

Der Lerneifer gerade der jungen

Menschen aus dem Reich der

Mitte beeindruckt Caston. Ebenso

angetan ist sie aber auch von

der Integrationsfähigkeit der jungen

Asiaten.

1082 Kinder und Jugendliche

aus rund 50 Nationen besuchen

derzeit die ISD. 154 Lehrer, die

ihrerseits aus 27 Nationen stammen,

helfen ihnen bei einer zügigen

Integration. „Unser Ziel ist

es, sie zu Weltbürgern, zu World

Citizens, zu machen“, erläutert

Caston. Dabei werden an der

Schule ausdrücklich alle Kulturen

gleichermaßen geschätzt. „Es

ist nicht wichtig, wie groß oder

klein das Land ist, aus dem der

Schüler kommt. Wir wollen die

Kinder neugierig machen auf die

Traditionen der anderen.“ Darüber

hinaus wird auch die Kultur

neuen Heimat vermittelt: Düsseldorf

ist fester Bestandteil des

Unterrichts. Denn die neuen Familien

sollen sich hier so schnell

wie möglich zurechtfinden. In

Klassen mit durchschnittlich

16 Schülern werden die Kinder

und Jugendlichen auf das International

Baccalaureate vorbereitet,

das am Ende der Schullaufbahn

an der ISD steht und das sie

zum Studium an allen führenden

Universitäten dieser Welt befähigt.

Für die vier Kontinente

Das International

Baccalaureate befähigt

zum Studium in aller Welt

steht dabei je ein ISD-Berater für

die Oberstufen-Schüler bereit,

der diese bei der Auswahl der

passenden Hochschule berät und

auf die jeweiligen Eingangstests

vorbereitet.

Die ISD ist eine von sieben

Schulen in Deutschland, die von

der International Baccalaureate

Organisation komplett für alle

zwölf Jahrgangsstufen zertifiziert

wurde. Denn zwölf Jahre

beträgt die offizielle Schulzeit,

die Schüler sind in der Regel bis

zu 18 Jahre alt. „Aber natürlich

1082 Kinder aus rund 50 Nationen besuchen die

International School of Düsseldorf.

Foto: Granderath Heartwork

kommt es auch vor, dass Schüler

durch einen häufigen berufsbedingten

Wohnwechsel ihrer Eltern

schon einmal etwas länger

benötigen“, so Caston. Deshalb

ist die Altersspanne innerhalb einer

Klasse auch mitunter größer

als es in den meisten nationalen

Bildungssystemen der Fall ist.

Viele Schüler bleiben auch nur

zwei oder drei Jahre und müssen

dann die ISD wieder verlassen,

weil ihre Eltern von

den weltweit tätigen

Unternehmen an einen

anderen Ort versetzt

werden. Manche verbringen

dagegen ihre

gesamte Schullaufbahn

an der ISD.

Jede neue Familie,

die ankommt, wird übrigens von

der Schulgemeinschaft individuell

begrüßt. Denn nicht nur die

Kinder, auch die Eltern werden

ausdrücklich eingeladen, am Leben

und Alltag der ISD teilzunehmen.

Begrüßungskommittees

mit speziellen Elternbotschaftern

geben den neuen Eltern in

den ersten Wochen Orientierungshilfe.

Das Verhältnis der ISD

zur Stadt Düsseldorf ist übrigens

sehr eng: Der Bergische Löwe,

das Stadtwappen, ziert auch das

ISD-Logo.


CHINA – Der ferne Partner

39

Aus dem Süden Chinas an die Weltspitze

Von Reinhard Kowalewsky

Woran zeigt sich der

Anspruch eines Konzerns?

Die erst 1987

gegründete Huawei-Gruppe

hat es geschafft, nach Ericsson

zweitgrößter Anbieter von

Netzwerktechnik auf der Welt zu

werden – Siemens, Nokia, Alcatel

aus Frankreich oder auch Lucent

aus den USA wurden überrundet

und mussten unter dem Druck

der Attacke teilweise fusionieren.

In Deutschland beschäftigt

der Konzern aus Shenzen in

Südchina mittlerweile 1700 Mitarbeiter

an 18 Standorten. Die

Kooperation beispielsweise mit

Telekom, E-Plus oder Vodafone

ist eng. 650 Mitarbeiter arbeiten

in Düsseldorf in der Europaund

Deutschlandzentrale – hier

ist China präsent. An den Fenstern

prangen Klebebilder mit

Drachenmotiven, chinesisches

Radio läuft. Und als zweitwichtigster

Konzern Chinas auf der internationalen

Bühne hinter dem

Computerbauer Lenovo sieht

sich Huawei denn auch als Bindeglied

zwischen den Ländern:

Der Aufstieg des Technikriesen Huawei beginnt gerade erst.

Foto: dpa

Das dritte Mal seit 2012 erschien

dieses Jahr eine von Huawei gesponserte

Studie zum Verhältnis

von Deutschland und China. Eine

der Erkenntnisse darin: 21 Prozent

der Bundesbürger kennen

Huawei – nur Lenovo ist mit 30

Prozent bekannter, ZTE kennen

immerhin schon vier Prozent.

Dabei beginnt der Aufstieg

des Technologieriesen erst. Nachdem

der Konzern lange Zeit seine

Handys und Smartphones ohne

eigenen Markennamen für die

westlichen Telefonkonzerne anlieferte,

spielen Huawei-Geräte

eine zunehmend große Rolle im

öffentlichen Bewusstsein: Der

Marktanteil von Smartphones

liegt bei sechs Prozent. Geräte

wie das Ascent P6 werden von der

Fachpresse in höchsten Tönen gelobt

– immerhin bieten es für nur

250 Euro bei einem Gewicht von

120 Gramm eine Qualität ähnlich

wie Modelle von Samsung oder

LG. Und der Vorstand peilt bereits

weitere Ziele an: Bis 2020 soll der

Umsatz auf 100 Milliarden Dollar,

also rund 70 Milliarden Euro steigen.

Schon 2018 soll Huawei weltweit

erfolgreichster Anbieter von

Smartphones werden.

Aus vier Gründen ist ein solcher

Triumph keineswegs völlig

unmöglich.

Immerhin 70 000 der weltweit

150 000 Beschäftigten

arbeiten in den Bereichen Forschung-

und Entwicklung. Fast

kein Konzern der Welt kann da

mithalten, obwohl westliche

Konzerne wie Apple bisher mehr

echte Innovationen erfinden.

Huawei profitiert als chinesischer

Konzern vom größten Heimatmarkt

der Welt – Apple und

Samsung können da auch nicht

mithalten. Die Nähe zum chinesischen

Staat wird Huawei zwar

häufig aus dem Westen vorgeworfen

– aber beim Geschäft im

Inland hilft es. Und das Wachstum

ist groß: In 2013 wuchs der

globale Umsatz in Dollar gerechnet

um elf Prozent auf 29

Milliarden Euro. Dabei legte das

Netzwerkgeschäft nur um fünf

Prozent zu, wogegen der Verkauf

von Verbraucherprodukten

wie Smartphones um satte 17

Prozent hochging. So bleibt am

Ende noch die Frage zu klären,

was Huawei eigentlich bedeutet:

China kann was.

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*Quelle: Global Trade Review Magazin, Dezember 2013.

HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf.

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