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Architektur und Handwerk

978-3-86859-354-9

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ARCHITEKTUR UND HANDWERK

BAUTEN DER UNTERNEHMERFAMILIE SCHMITZ 1864–2014

WOLFGANG SCHÄCHE / DAVID PESSIER


INHALT

VORWORT 9

EINLEITUNG 13

1864–1900. FIRMENGRÜNDUNG IN GREFRATH DURCH 19

PETER HEINRICH SCHMITZ, KONSOLIDIERUNG UND AUSBAU

Ausgewählte Projekte:

Werkstattgebäude P. H. Schmitz, Grefrath, um 1873 26

Turm der Pfarrkirche St. Peter, Hinsbeck, 1882 28

Krankenhaus Hinsbeck, Hinsbeck, 1883/84 30

Fabrikgebäude Johannes Girmes & Co., Grefrath-Oedt, 1883–86 32

St.-Sebastian-Kirche, Nettetal-Lobberich, 1891–93 36

Kloster und Klosterschule Unserer Lieben Frau, Mülhausen, 1894–99 42

St.-Godehard-Kirche, Vorst, 1894–96 46

Villa Dietrich Girmes, Grefrath-Oedt, 1896 50

Villa Gehr auf dem Overingshof, bei Tönisvorst, 1898/99 52

Wasserturm Lobberich, Nettetal-Lobberich, 1898 54

Kloster Arca Pacis (heute Abtei Mariendonk), Niederfeld bei Grefrath, 1899–1901 56

1900–1929. HEINRICH SCHMITZ, DIE EINRICHTUNG DER NIEDERLASSUNG IN 63

KEMPEN UND DEREN ETABLIERUNG ALS EIGENSTÄNDIGES UNTERNEHMEN

Ausgewählte Projekte:

Wohnsiedlung der Eisenmöbelfabrik L. & C. Arnold, Kempen, 1901/04 72

Villa Heinrich Schmitz, Kempen, um 1905 74

Wohnhäuser Konradstraße / Kastanienstraße, Krefeld-Uerdingen, 1906–14 76

Villa Johannes Girmes, Grefrath-Oedt, 1908 (1929) 78

Thomaskirche, Kempen, 1908–10 80

Königliches Lehrerseminar, Kempen, 1909/10 82

Villa Kaiser, Kempen, um 1910 84

Neersdommer Mühle, Niederfeld bei Grefrath, 1910–14 86

Bürgermeisteramt, Vorst, 1913 88

Kinematographentheater, Kempen, 1913 90

St.-Heinrich-Kirche, Krefeld-Uerdingen, 1911–15 92

Katholische Knabenschule, Kempen, 1928/29 98


1929–1977. DIE ENKELGENERATION, WELTWIRTSCHAFTSKRISE, WIEDERAUFBAUJAHRE 103

UND DER AUFSTIEG ZUM GROSSUNTERNEHMEN NEUER QUALITÄT

Ausgewählte Projekte:

Siedlung Kamperlings, Kempen, 1930–34 114

Wohnzeile St. Huberter Straße, Kempen, 1934 116

Reihenhäuser Siegfriedstraße, Kempen, 1934 117

Wohnhäuser Möhlenring, Kempen, 1950/51 118

Wohnkomplex Am Bahnhof, Kempen, 1952/53 120

Thomas-Druckerei mit Verlag, Kempen, um 1954 122

Wohn- und Geschäftshaus Grafenberger Allee, Düsseldorf, 1955 124

Siedlung Mühlenfeld, Meerbusch-Osterath, ab 1956 126

Wohnhochhaus Meineckestraße, Düsseldorf, 1957 132

Wohnhaus Friedrich-Lau-Straße, Düsseldorf, 1957/58 134

Krankenhaus, Kempen, 1959–61 136

Siedlung Garath, Düsseldorf, um 1964 138

Reihenhäuser Nansenstraße, Kempen, um 1965 144

Siedlung Mörsenbroich, Düsseldorf, 1966–69 146

Siedlung Stintenberger Straße, Mettmann-Metzkausen, 1968–74 154

Siedlung Hochdahl-Millrath, Erkrath, 1968–74 158

Hochhaus am Hofgarten, Düsseldorf, 1969–71 162

Siedlung Reisholz, Düsseldorf, 1969–73 164

Wohnanlage Kaiserpark, Krefeld, 1971–73 168

Wohnhochhäuser Ulmenstraße, Essen, 1971–73 172

Reihenhäuser Roseggerweg, Mettmann-Metzkausen, 1977/78 174

1977–2004. DIE NEUE DIMENSION: RALF SCHMITZ 177

UND DIE GRÜNDUNG DER WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT

Ausgewählte Projekte:

Landhaus Birkenallee, Kempen, 1977/78 186

Haus Ercklentz, Kempen, 1982/83 188


Wohn- und Geschäftshaus Kuhstraße, Kempen, 1983–85 190

Einfamilienhäuser Ludwig-Jahn-Straße, Kempen, 1985/86 192

Wohnhaus Von-Loe-Straße, Kempen, 1984–87 194

Wohnhaus Orsoyer Straße, Düsseldorf, 1987–89 196

Wohnhaus Comeniusstraße, Kempen, 1987–90 198

Wohnhäuser Thomas-Mann-Straße, Meerbusch-Osterath, 1990/91 200

Haus Melbeck, Düsseldorf, 1990–92 202

Haus Wiesengrund, Kempen, 1991–93 204

Wohnkomplex Kölner Straße / Haifastraße, Düsseldorf, 1992–95 208

Wohnhaus Burgwall, Kempen, 1990–95 210

Wohn- und Geschäftshaus Fürstenplatz, Düsseldorf, 1998 212

Einfamilienhäuser Curt-Beckmann-Straße, Düsseldorf, 1998–2001 214

Residenz Villa Brandenburg, Kempen, 1998–2000 216

Stadtvillen Leostraße, Düsseldorf, 2003–05 218

Karlshof, Düsseldorf, 2004–06 222

Palais Bergh, Düsseldorf, 2006 224

2004–2014. DIE FÜNFTE GENERATION, DER AUFBRUCH IN ANDERE 229

REGIONEN UND DIE ETABLIERUNG ALS ÜBERREGIONALES UNTERNEHMEN

Ausgewählte Projekte:

Stadthäuser Richard-Strauss-Straße, Berlin, 2005–07 238

Haus Hardenberg, Düsseldorf, 2006–08 242

Sophienhof, Düsseldorf, 2006–08 250

Grachtenpark, Kempen, 2006–13 256

22 Luegallee, Düsseldorf, 2008/09 262

Hubertusgärten, Berlin, 2008–10 264

Neanderhof, Düsseldorf, 2008–10 272

Mercatorterrassen, Düsseldorf, 2009–11 274

Haus Berengar, Düsseldorf, 2009–11 276

Unter den Linden, Düsseldorf, 2010–12 280

Stadthäuser Griegstraße, Berlin, 2010–12 284


Landhaus Pinn, Berlin, 2010–12 292

Haus Weyhe, Berlin, 2011–13 294

Stadtvilla Klosterstraße, Kempen, 2011–13 298

Haus Battenberg, Düsseldorf, 2011–13 302

Parkterrassen am Feldmühlepark, Düsseldorf, 2011–14 304

Klosterhof, Kempen, 2012–14 308

Haus Bahren, Hamburg, 2012–14 314

Eisenzahn 1, Berlin, 2014–16 318

Anhang

Kurzchronik des Unternehmens 322

Projektverzeichnis 324

Quellen- und Literaturverzeichnis 332

Abbildungsquellen 334

Personen- und Ortsregister 336

Danksagung 340

Zu den Autoren 341


„NUR WERT HAT BESTAND.“

Peter Heinrich Schmitz, 1831–1908


9

VORWORT

Zu den unverzichtbaren Grundbedürfnissen des Menschen zählt das Verlangen nach Unterkunft,

Raum und Heimat. Damit einher geht die Notwendigkeit der Schaffung von Gebäuden.

Aus einem bloßen Schutz vor den Widrigkeiten der Natur gelangte der Hausbau zu kultureller

Bedeutung. So spiegeln sich in der Art und Weise des Bauens handwerkliche Traditionen,

und in Typologie und Gestaltung der Bauwerke findet die jeweilige Gesellschaft ihren

adäquaten Ausdruck.

Durch die über Generationen andauernde Beständigkeit und Präsenz des baulichen Erbes

ist die Baukunst zum Sinnbild und Namensgeber geschichtlicher Epochen geworden. Anhand

der Architektur erkennt der Betrachter Erfordernisse, Wünsche und Möglichkeiten der

jeweiligen Zeit, in der formalen Erscheinung sieht er den Willen und das Können von Auftraggebern

und Baumeistern. Die kontinuierliche Schaffensabfolge liest sich als eine Geschichte

des Bauens, von Entstehen und Vergehen, Veränderungen und Entwicklungen, Neuerungen

und Wiederkehr des Bewährten.

Die kulturellen Erkenntnisse hieraus werden üblicherweise aus der Betrachtung der

Bauwerke und Biografien der Architekten oder kunstgeschichtlichen Epochenbeschreibungen

gewonnen. Doch kennt die Baugeschichte auch beachtliche Auftraggeber, ob Aristokraten

oder Autokraten, die verschiedene Baumeister beauftragten und so eine ihre Zeit prägende,

gebildete Persönlichkeit offenbarten. Ein Architekt plant im Laufe seines Lebens für diverse

Bauherren, und anhand der individuellen Resultate lässt sich bestenfalls eine generelle Bedeutung

der Lösungen erkennen. Jedoch werden heute Auftraggeber, ob Private, Unternehmer

oder die öffentliche Hand, als Veranlasser der Gebäude mit ihren Ansprüchen oft nur als

Impulsgeber erwähnt. Ihre Vorstellungen bilden aber den Hintergrund baukünstlerischer Manifestationen,

deren Materialisierung den Planern und Ausführern schöpferisch angerechnet

wird – obwohl gerade das Zusammenwirken sowie der oft kontroverse Dialog beachtenswerte

Leistungen verursachen.


12

„INDEM WIR DIE DINGE KULTIVIEREN,

KULTIVIEREN WIR UNS SELBST.“

(Georg Simmel, Philosoph und Soziologe, 1858–1918)


13

EINLEITUNG

Das in Kempen/Niederrhein ansässige Unternehmen der Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA

kann im Oktober 2014 ein außergewöhnliches Jubiläum feiern. Es blickt auf eine gleichermaßen

bewegte wie bewegende Geschichte von stolzen 150 Jahren zurück. Schon sieben

Jahre vor Gründung des deutschen Kaiserreiches aus der Taufe gehoben, ist es bis heute

ein inhabergeführtes Familienunternehmen geblieben. Über fünf Generationen aufgebaut

und mit Umsicht kontinuierlich weiterentwickelt, vermochte es sich den jeweils unterschiedlichen

gesellschaftlichen Aufgabenstellungen der Zeit anzupassen und ist – im beginnenden

21. Jahrhundert – auch in seiner heutigen unternehmerischen Verfassung sowie Geschäftspolitik

bestens auf die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft ausgerichtet, inhaltlich

vorbereitet und wohlpräpariert.

Betrachtet man das reiche und in seinen Einzelheiten kaum überschaubare Bauschaffen

der Familie Schmitz, so offenbart es sich gleichsam als ein exemplarischer Längsschnitt

durch die Zeitgeschichte. Projekt für Projekt, Gebäude für Gebäude, Haus für Haus spiegelt

es den enormen Wandel und die vehementen Veränderungen, denen die Architektur in ihren

handwerklichen Möglichkeiten und bautechnischen Erfordernissen sowie in ihren formalen

Ausdrucksmitteln in den letzten eineinhalb Jahrhunderten ausgesetzt war. An ihren wechselnden

architektonischen Repertoires lassen sich nicht zuletzt beispielhaft die Kontinuitäten

und Brüche, die Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten nachvollziehen, die vor dem

Hintergrund der Industrialisierung die Bauentwicklung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

kennzeichneten. Aber so unterschiedlich sich die Bauaufgaben während der letzten 150 Jahre

auch darstellten und die sie prägenden Gestaltungsmuster massiven Neuerungen unterworfen

waren, verbindet die Bauten des Unternehmens von der ersten bis zur fünften Generation eine

kompromisslos auf Werthaltigkeit bedachte, handwerklich solide und präzise Bauausführung.

Das war und ist das charakteristische Markenzeichen aller Schmitz-Projekte, von den ersten

Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der Frühphase über die Kirchenbauten, Fabrikanlagen, Villen

und Landhäuser der Wende zum 20. Jahrhundert sowie die Wohnsiedlungen, Doppel- und


BAUEN ÜBER

FÜNF GENERATIONEN


1864–1900

20

Die Geschichte des aus bescheidenen Anfängen hervorgegangenen

Bauunternehmens greift in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Zu dieser

Zeit betrieb der Vater des späteren Firmengründers, Johann Cornil Schmitz,

in der niederrheinischen Bauernschaft Schlibeck bei Grefrath eine Schreinerei.

Das Schreinerhandwerk hatte in der Familie schon eine gewisse

Tradition und lässt sich bereits für zwei Generationen davor belegen.

So lag es nahe, dass der im April 1831 geborene Sohn Peter Heinrich Schmitz

ebenfalls das väterliche Handwerk erlernte.

Er tat dies auf Wunsch des Vaters bei dem in Grefrath ansässigen

Schreinermeister Andreas Cox, der Jahre später sein

Schwiegervater werden sollte, da er dessen Tochter Christine

Cox heiratete. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre machte

sich Peter Heinrich Schmitz sehr bald selbstständig und eröffnete

in Grefrath seine eigene Schreinerei. Wenige Jahre später

gliederte er dem Schreinerbetrieb dann ein kleines Bauunternehmen

an. Der mit der Erweiterung seines Betriebes erfolgte

aktive Einstieg in das Bauhandwerk, für das er schon während

seiner Lehrzeit reges Interesse zeigte, muss deshalb als die

eigentliche Geburtsstunde des Unternehmens angesehen werden.

Sie ist jedoch zeitlich nicht mehr exakt zu bestimmen, da

keinerlei Dokumente, die den historischen Vorgang belegen

könnten, auf die Gegenwart überkommen sind. Insofern gilt

der Oktober des Jahres 1864 als der Zeitpunkt der Gründung

des Unternehmens. Denn in diesem Monat hatte Peter Heinrich

Schmitz nach eigenem überliefertem Bekunden in seinem

Heimatort das erste Haus gebaut.

Der Bau einfacher Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Scheunen

und Stallungen sollte dann auch in den ersten Jahren

nach Gründung des Unternehmens dessen Arbeitsalltag bestimmen.

Schon in dieser Aufbauphase, die zunächst davon

gekennzeichnet war, den Betrieb auf ein solides wirtschaftliches

Fundament zu stellen, zeigte sich das konsequente Streben

nach handwerklich hochwertiger Qualität und technisch

einwandfreier Bauausführung. Diese auf Nachhaltigkeit und

Wertbeständigkeit zielende Arbeitshaltung war es schließlich,

die dem noch jungen Baugeschäft sehr bald einen weithin

guten Ruf verschaffte und Peter Heinrich Schmitz Reputation

einbrachte.

unten Turm der Pfarrkirche St. Peter in Hinsbeck


21 1864–1900

JEDER SOHN WURDE VOM

VATER NACH DEN SCHUL- UND

LEHRJAHREN IN DIE HÖHERE

FACHSCHULE GESCHICKT.

Vor diesem Hintergrund baute er im Laufe der 1870er-Jahre,

die als die Gründerjahre in die Geschichte eingingen, sein

Unternehmen systematisch aus. Er tat dies, wie der kleinen

Festschrift zum 100-jährigen Firmenjubiläum zu entnehmen ist,

im Besonderen „mit dem Kapital seiner fünf Söhne, Andreas,

Jakob, Heinrich, Hieronymus und Cornelius, die (nacheinander)

alle ins Baufach eingetreten waren (…). Dabei ließ er es

keinesfalls bei der praktischen Arbeit in der Schreinerei oder

auf der Baustelle bewenden, im Gegenteil, jeder Sohn wurde

vom Vater nach den Schul- und Lehrjahren nach Rheydt, Aachen

oder Köln in die höhere Fachschule geschickt, damit er als

Baugewerksmeister auch über das nötige theoretische Rüstzeug

verfügte. Alle Söhne dankten dem Vater sein Bemühen mit

dem Meisterdiplom, das ihnen nach erfolgreichem Studium

ausgehändigt wurde.“

Durch die sukzessive Einbindung und tatkräftige Mitarbeit

seiner Söhne deutlich verstärkt, konnte Peter Heinrich

Schmitz seit Beginn der 1880er-Jahre nun auch umfangreichere

Bauaufträge annehmen und bewältigen. Den entscheidenden

Durchbruch zu anderen Größenordnungen stellte

hierbei der 1882 ausgeführte Bau des Turms der Pfarrkirche

St. Peter in Hinsbeck dar. Die dortige Kirchengemeinde hatte

das Schmitz’sche Baugeschäft damit beauftragt, den alten,

baufällig gewordenen Turm der Kirche niederzulegen und

durch einen neuen zu ersetzen, der von dem bekannten Kölner

Kirchenbaumeister Vinzenz Statz konzipiert worden war.

Die Durchführung der vergleichsweise umfänglichen und

komplizierten Baumaßnahme beanspruchte dabei nur wenig

mehr als ein Jahr und wurde zur vollsten Zufriedenheit aller

Beteiligten erledigt. Sie brachte dem Unternehmen große

Anerkennung wie Respekt ein und festigte seinen guten Ruf

im Baugewerbe. Fortan galt es nun auch als prädestiniert, komplexe

Bauaufgaben mit dem Anspruch auf höchste Qualität

auszuführen. Die mit großem Lob bedachte handwerkliche

Leistung des prächtigen Hinsbecker Kirchturms dankte die

dortige Gemeinde Peter Heinrich Schmitz schließlich mit

der Beauftragung eines Krankenhausneubaus. Dem 1883/84

errichteten Hinsbecker Krankenhaus schloss sich dann in

dichter zeitlicher Folge der Bau großer Fabrikanlagen an,

da die sich nun mehr und mehr am Niederrhein herausbildende

Industrie ebenfalls auf das Grefrather Baugeschäft

Schmitz aufmerksam geworden war. So entstanden seit Mitte

der 1880er-Jahre im Umfeld von Grefrath unter anderem

die Fabriken der Textilunternehmen Schwartz & Cie. und A.

Berger & Cie. sowie im nahe gelegenen Oedt der noch heute

weitgehend existente und wegen seiner lokalgeschichtlichen

Bedeutung unter Denkmalschutz stehende Industriekomplex

von Johannes Girmes & Cie.

oben St.-Sebastian-Kirche in Nettetal-Lobberich

unten St.-Vitus-Hospital in Grefrath


1864–1900

34


35 1864–1900


1864–1900

44


45 1864–1900

oben Ansicht des aufgesockelten Kapellenbaues mit rechts anschließendem Verbindungstrakt

links Blick in die mit filigranen Gewölben ausgestattete „Große Kapelle“


1900–1929

62


63 1900–1929

1900

1929

HEINRICH SCHMITZ,

DIE EINRICHTUNG DER NIEDER-

LASSUNG IN KEMPEN

UND DEREN ETABLIERUNG

ALS EIGENSTÄNDIGES

UNTERNEHMEN

links Arbeiter auf einer Baustelle der Heinrich Schmitz KG


1900–1929

64

Die Erfolgsgeschichte, die für das Unternehmen von Peter Heinrich Schmitz

in den frühen 1880er-Jahren mit der sukzessiven Einbindung seiner Söhne

ihren Ausgang nahm, fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre bruchlose,

uneingeschränkte Fortsetzung und hielt bis zum Ausbruch des Ersten

Weltkrieges unvermindert an.

Der nun in voller Verantwortung stehenden zweiten Generation gelang

es sogar, das bereits bis zur Jahrhundertwende stark expandierte Unternehmen

noch weiter auf Wachstumskurs zu bringen. Mit kaufmännischer

Umsicht und der über Jahrzehnte erworbenen handwerklich-technischen

Kompetenz vermochte man den stetig komplexer gewordenen Bauaufgaben

dabei auf allen Ebenen mit gleichbleibender Qualität gerecht zu werden.

oben links Porträt Heinrich Schmitz (1870-1952)

oben rechts Porträtaufnahme Andreas Schmitz (1859-1940)


65 1900–1929

Und um das erreichte Niveau zu erhalten und in die Zukunft

fortzuschreiben, wurden auch die Betriebsstätten ausgebaut

und technisch aufgerüstet. In diesem Zusammenhang kam

es 1903 zu dem folgenreichen Erwerb eines großflächigen

Grundstücks im benachbarten Kempen. Die P. H. Schmitz &

Cie. kaufte das am dortigen Burgring gelegene Areal, um hier

einen zweiten Standort des Unternehmens aufzubauen. Der

Entscheidung, sich neben dem Stammsitz in Grefrath im wesentlich

verkehrsgünstiger gelegenen Kempen anzusiedeln,

folgten dann sehr bald schon erste konkrete Taten, indem

man auf dem erworbenen Grundstück eine nach dem neuesten

Stand der Technik ausgestattete Schreinerei errichtete. Mit

ihrer Fertigstellung nahm die Filiale 1905 zugleich offiziell

ihren Betrieb auf. Die Leitung übernahm Heinrich Schmitz,

der mit der Gründung der Zweigniederlassung auch nach Kempen

übersiedelte und dort sesshaft wurde. Er und sein älterer

Bruder Andreas Schmitz bestimmten zu diesem Zeitpunkt

bereits die Geschicke des Unternehmens und hatten dessen

faktische Führung übernommen. Ein Jahr zuvor betrieben sie

bereits gemeinsam mit großem Erfolg „die Vereinigung der

P. H. Schmitz & Cie. mit den Herren Rick, Boms und Wallrafen,

die einen Ringofen in Brempt bei Niederkrüchten unterhielten“,

um eine Falzziegelfabrik in der Nähe des Ofens

zu errichten, woraus die spätere Brempter Tonwerke GmbH

hervorging, deren Geschäftsführung lange Jahre dann Andreas

Schmitz innehatte.

Als der Gründer und Stammvater des Familienunternehmens,

Peter Heinrich Schmitz, am 20. November 1908 „nach

einem arbeitsamen und erfolgreichen Leben in völliger Blindheit“

verstarb, stand der von ihm geschaffene Betrieb in vollster

wirtschaftlicher Blüte. Und so war er, wie in der Festschrift von

1964 nachzulesen ist, „in der beruhigenden Gewißheit von der

Welt geschieden, daß sein Erbe in den Händen seiner tüchtigen

Söhne wohl aufgehoben war, die in dem weiteren Ausbau des

Übernommenen ihre Lebensaufgabe sahen“. Infolge seines

Todes wurde dementsprechend im März 1909 die Eintragung

ins Handelsregister geändert und seine Gesellschafteranteile

wurden auf die Verbliebenen verteilt. Desgleichen geschah

mit den Anteilen des bereits sieben Jahre zuvor bei einem Arbeitsunfall

auf der Kempener Baustelle der Eisenmöbelfabrik

L. & C. Arnold ums Leben gekommenen Sohnes Hieronymus

Schmitz. Andreas und Heinrich Schmitz wurden schließlich

mit Wirkung vom 16. April 1912 zu Alleininhabern der Firma

P. H. Schmitz & Cie., nachdem die beiden anderen Teilhaber

Cornelius und Magdalena Schmitz sich endgültig aus dem

Geschäftsleben zurückgezogen hatten, „um den Rest ihres

Lebens als Rentner zu verbringen“.

Indes ging die Modernisierung der Betriebsstätten ungeachtet

des Rückzugs von Cornelius und Magdalena Schmitz

permanent weiter. So konnte im Jahre 1913 im Zuge der konsequent

verfolgten Mechanisierung der Grefrather Schreinerei

„ein Sägegatter mit mehreren Blättern in Betrieb genommen

(werden), das das Zerschneiden der Stämme zu Brettern in

einem Arbeitsgang erledigte“. Die damit verfügbare Technik

stellte eine ungeheure Arbeitserleichterung dar, über die zu

diesem Zeitpunkt kein anderer Baubetrieb im weiten Umfeld

von Grefrath und Kempen verfügte. Erfuhr der Stammsitz

in Grefrath damit eine weitere deutliche Verbesserung der

Arbeitsbedingungen, wurde auch die von Heinrich Schmitz

geleitete Kempener Dependance zwischenzeitlich ausgebaut

und durch die Einrichtung eines Bauhofes erheblich erweitert.

Hier wie dort mit modernsten Betriebsstätten ausgestattet,

oben Eisenmöbelfabrik L. & C. Arnold in Kempen

unten Wasserwerk mit Wasserturm in Kempen


1900–1929

78


79 1900–1929

1908 (1929)

VILLA JOHANNES GIRMES

GREFRATH-OEDT

Das markante, ganz in Sandstein gewandete

Wohnhaus für Johannes Girmes (1854–1912)

entstand vier Jahre vor dessen Tod in unmittelbarer

Nähe zu seiner Fabrik in Oedt.

Die Materialität, eine im Ganzen eher reduktive

Formensprache sowie das mächtige schiefergedeckte

Mansarddach erzeugen dabei

eine gleichsam statuarische Erscheinung.

Der tiefe Einschnitt an der Hauptfassade, der

den repräsentativen Eingang aufnimmt und

im Obergeschoss durch den Balkon sowie eine

Loggia mit eingestellten Säulen akzentuiert

wird, verstärkt diese Wirkung. Im Jahr 1929

erfolgten eine rückwärtige Erweiterung des

Hauses sowie der Bau eines Schwibbogens als

direkter Übergang zur Fabrik.

oben Detailansicht der Haupttreppe in der Halle

links Blick auf die straßenseitige Hauptfassade der Villa


1900–1929

98

1928/29

KATHOLISCHE

KNABENSCHULE

KEMPEN

ARCHITEKT: MAX KIEFER

Für die ab 1919 eigenständig von Kempen aus

agierende Heinrich Schmitz KG war die Schule

in Nachbarschaft des Gymnasiums eine der

ganz wenigen größeren Bauaufgaben seit ihrer

Gründung. Das symmetrisch aufgebaute und

gegliederte zweigeschossige Gebäude mit

Walmdach nahm dabei neben acht Klassen der

Knabenschule auch vier der gemischten

Grundschule sowie zwei der Hilfsschule in

sich auf. Seine architektonische Wirkung

entfaltet der Bau vor allem durch die kunstvolle

bauliche Verarbeitung des Backsteins,

die sich in unterschiedlichen Verbänden sowie

feinen Profilierungen der Fassaden zeigt.

oben Die Schule in der rückwärtigen Ansicht

rechts Ausschnitt der rückwärtigen Fassade mit Mittelrisalit

nächste Doppelseite Teilansicht der straßenseitigen Gebäudefront


99 1900–1929


1929–1977

102


103 1929–1977

1929

1977

DIE ENKELGENERATION,

WELTWIRTSCHAFTSKRISE,

WIEDERAUFBAUJAHRE

UND DER AUFSTIEG

ZUM GROSSUNTERNEHMEN

NEUER QUALITÄT

links Hochhaus der Heinrich Schmitz KG am Hofgarten in Düsseldorf


1929–1977

104

Nachdem Heinrich Schmitz aus der Kempener Niederlassung des Baubetriebes

P. H. Schmitz & Cie. heraus die eigenständige Heinrich Schmitz KG

gegründet und diese erfolgreich etabliert hatte, übergab er die Geschäftsführung

im Jahr 1929 seinem zweitgeborenen Sohn Karl. Dieser sollte nun,

unterstützt durch seine Schwester Klara, die als Prokuristin tätig wurde,

das Familienunternehmen in die Zukunft führen, „da das Ruder die kräftige

Hand eines jungen Steuermanns erforderlich machte“.

Diese „Wachablösung“ markiert den Beginn des fast fünf Jahrzehnte

umfassenden Bauschaffens der dritten Schmitz-Generation.

Und wenngleich dieses in späteren Dekaden noch vollkommen

neue Dimensionen erreichen sollte, waren die ersten Jahre

vor allem von dem Bemühen geprägt, angesichts schwieriger

Rahmenbedingungen zu bestehen.

So konfrontierte die Weltwirtschaftskrise den jungen Geschäftsführer

sogleich mit einer Situation, die „hart an der Krisenfestigkeit

des (...) Unternehmens rüttelte“. Hier erwies es

sich im Besonderen als hohes Gut, dass man seit mehreren Generationen

in der Region verwurzelt war und mit einzelnen Bauherren

ebenso lang in geschäftlicher Verbindung stand. Nicht

zuletzt hierdurch ergab sich etwa die Möglichkeit, dem Kloster

Unserer Lieben Frau und der angegliederten Liebfrauenschule

in Mülhausen, die in ihren wesentlichen baulichen Bestandteilen

bereits unter der Ägide des Firmengründers errichtet und

später – wie erwähnt – durch Heinrich Schmitz in mehreren

Schritten noch erweitert worden waren, in den wirtschaftlich

schweren Jahren 1929/30 einen neuen viergeschossigen Schulbau

hinzuzufügen. In Form vorbereitender Arbeiten, ebenfalls

1930 begonnen, jedoch durch die Rezession verzögert erst 1934

vollendet, stellen die Wohnhäuser der sogenannten Siedlung

Kamperlings in Kempen ein weiteres wichtiges Projekt jener

ersten Jahre dar, in denen die dritte Generation federführend

wirkte. Die für die Rheinische Heimstätten GmbH in der Straße

An der Flöth erbauten einfachen Doppelhäuser mit Nutzgärten

entstanden dabei mit festgeschriebener Eigenleistung der

Siedler. Es war für das Unternehmen der Einstieg in den Siedlungsbau,

der nach dem Zweiten Weltkrieg zum wichtigsten

Tätigkeitsfeld avancierte. Und auch den Grundstein dafür, dass

oben Doppelhaus der Siedlung Kamperlings in Kempen

unten Kasernenanlage in Lüdenscheid


105 1929–1977

DIE ERSTEN JAHRE WAREN VOR

ALLEM VON DEM BEMÜHEN

GEPRÄGT, ANGESICHTS SCHWIERIGER

RAHMENBEDINGUNGEN

ALS UNTERNEHMEN ZU BESTEHEN.

selbiger dann zur tragenden Säule der beeindruckenden Prosperität

wurde, legte man schon in jener Zeit. 1934 veräußerte die

Heinrich Schmitz KG eigenes Bauland an der Siegfriedstraße in

Kempen parzellenweise an Interessenten und erstellte darauf

zu einem Festpreis schlüsselfertige Häuser. Mit dieser für die

Käufer komfortablen und zudem weitgehend risikofreien Form

der Eigentumsbildung war maßgeblich jenes Angebot geboren,

welches später in verfeinerter wie differenzierter Form das

Erfolgsmodell des Unternehmens werden sollte.

Der politische Umbruch in Deutschland 1933, der die Nationalsozialisten

an die Macht und damit tief greifende Veränderungen

der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse brachte,

wirkte sich auch auf das Schaffen des Kempener Baubetriebes

aus, der nun verstärkt für staatliche Institutionen tätig wurde.

Im Zuge der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht

1935 – als Teilaspekt der massiven Aufrüstungsbestrebungen –

erhielt die Heinrich Schmitz KG beispielsweise die Aufträge zur

Errichtung mehrerer Kasernen, so etwa in Dortmund, Münster

oder Lüdenscheid. Hierauf folgte in den Jahren nach der Besetzung

des demilitarisierten Rheinlandes durch Wehrmachtstruppen

der Bau umfangreicher Bunker- und Verteidigungsanlagen

am sogenannten Westwall bei Trier und Aachen – dessen

Errichtung ebenfalls im Kontext der Kriegsvorbereitung durch

die Nationalsozialisten zu sehen ist. Primär die vermehrten öffentlichen

Aufträge waren es auch, welche 1936 zum Kauf des

Fabrikgeländes einer ehemaligen Schraubenfabrik an der St.

Huberter Straße in Kempen führten, da der bisherige Standort

am Burgring für den wachsenden Baubetrieb zu klein geworden

war. Am Ende der 1930er-Jahre gab zudem der älteste Bruder

der Enkel-Generation, Heinrich (jun.), seinen Dienst als Regierungsbaurat

auf und trat ebenfalls in das Unternehmen ein,

„um seine Erfahrungen von jetzt ab nur für das eigene Haus

zu verwerten“.

Die Phase des Aufschwungs endete jedoch durch den von

der nationalsozialistischen Politik heraufbeschworenen und

forcierten Zweiten Weltkrieg. Zunächst kamen das private

sowie das zivile Bauen vollständig zum Erliegen. Während

des Krieges stand die Heinrich Schmitz KG dann im Dienst

der dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition unterstellten

Organisation Todt (OT) und wirkte an der Errichtung

von nicht näher benannten Flugplätzen und Bunkern mit, die

sich dem Tätigkeitsbereich der OT entsprechend vermutlich

sowohl innerhalb Deutschlands als auch in besetzten Gebieten

befanden. Schließlich resultierte aus ihm der Verlust der

Werk- und Lagerhallen auf dem Firmengelände am Burgring,

dem ersten Kempener Standort des Unternehmens, die bei

Bombenangriffen so stark zerstört wurden, dass man sie nicht

wieder aufbaute.

oben Werkhof der Heinrich Schmitz KG an der St. Huberter Straße in Kempen

unten Baustelle mit Lastwagen der Heinrich Schmitz KG


1929–1977

124

1955

WOHN- UND GESCHÄFTSHAUS

GRAFENBERGER ALLEE

DÜSSELDORF

ARCHITEKTEN:

NOTHHELFER & SCHWINGEN

Die großstädtische Eckbebauung an der

Grafenberger Allee ist gleichermaßen als ein

Projekt des Wiederaufbaues zu begreifen.

Es gehört zugleich zu den ersten Bauaufgaben,

die das Unternehmen nach dem Zweiten

Weltkrieg in Düsseldorf realisieren konnte.

In dem siebengeschossigen Wohn- und

Geschäftshaus mit seiner eigentümlichen

Eckausbildung, die ursprünglich als Reklamefläche

vorgesehen war, und dem auffälligen

Staffelgeschoss mit Satteldach befanden sich

in den späten 1950er-Jahren die Büroräume

der Wohnungsverwaltung der Heinrich

Schmitz KG.

rechts Blick auf die Eckausbildung und die Straßenfront an der Grafenberger Allee


125 1929–1977


1929–1977

134

1957/58

WOHNHAUS

FRIEDRICH-LAU-STRASSE

DÜSSELDORF

ARCHITEKT:

FRIEDRICH-ERNST BLUME

Der 1957/58 errichtete Wohnkomplex Friedrich-

Lau-Straße ist ein Werk des von der Heinrich

Schmitz KG beauftragten Architekten Friedrich-

Ernst Blume. Der linear angelegte achtgeschossige

Solitär befindet sich in einem parkartigen

Umfeld. Seine klare Fassadengliederung

sowie sein architektonischer Duktus werden

durch den konstruktiven Aufbau des Gebäuderiegels

bestimmt. Großzügige Loggien

prägen das horizontal gegliederte Fassadenbild

des in rotbraunem Backstein verkleideten

Baukörpers, wobei auf der Eingangsseite zwei

geschlossene Treppenhäuser vertikale Akzente

setzen. Dem Gebäuderiegel ist ein eingeschossiger

Verkaufspavillon vorgelagert, dem

ein elegantes Flugdach aufgesetzt wurde.

oben Der Wohnkomplex mit vorgelagertem Pavillon aus dem Straßenraum gesehen

rechts Teilansicht des Gebäuderiegels mit Eingangssituation


135 1929–1977


1929–1977

152

vorherige Doppelseite Typische Gebäudekonfiguration aus Zeilen und Riegeln an der Gerhart-Hauptmann-Straße

oben Teilansicht einer Reihenhauszeile

rechts Blick auf das Wohnhochhaus an der Wilhelm-Raabe-Straße


153 1929–1977


1929–1977

160


161 1929–1977


1929–1977

172

1971–73

WOHNHOCHHÄUSER

ULMENSTRASSE

ESSEN

ARCHITEKTEN:

NOTHHELFER & SCHWINGEN

Fand der Typus des Wohnhochhauses bislang

singulär oder als akzentuierende Dominante

größerer Gebäudekonstellationen Verwendung,

so wurde hier erstmals dessen Gruppierung

architektonisch thematisiert. In Kooperation

mit der Treufinanz errichtete man am

Essener Stadtwald ein frei stehendes Ensemble

aus drei 13-geschossigen Punkthochhäusern

mit 195 hochwertigen Eigentumswohnungen.

Durch gestaffelt angeordnete Balkone

gegliedert und in reduktiver Formensprache

gehalten, entwickeln die Bauten dabei

eine bemerkenswerte, durchaus nicht zeittypische

Eleganz.

oben Blick in den durchgrünten Innenbereich des Wohnensembles

rechts Fassadenansichten zweier Hochhäuser mit gestaffelten Balkonen


173 1929–1977


1977–2004

176


177 1977–2004

1977

2004

DIE NEUE DIMENSION:

RALF SCHMITZ

UND DIE GRÜNDUNG

DER WOHNUNGS-

BAUGESELLSCHAFT

links Ralf Schmitz vor den Porträts von Peter Heinrich und Hieronymus Schmitz


1977–2004

178

Mit der Abwicklung der Heinrich Schmitz KG in den Jahren 1977/78

hätte zugleich auch die bis dato schon deutlich mehr als ein Jahrhundert

umfassende Geschichte des bauenden Familienunternehmens ein

Ende gefunden, wäre nicht genau in jenem Zeitraum wiederum ein Schmitz

der vierten Generation angetreten, diese mit gleichsam eigener

Handschrift fortzuschreiben.

Gerade einmal knapp 24 Jahre alt, gründete Ralf Schmitz,

der zuvor sein Studium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen hatte,

die „Ralf Schmitz GmbH & Co. KG Wohnungsbau-Altbausanierung“,

die am 14. April 1977 in das Handelsregister eingetragen wurde.

Obgleich selbst nicht vom Baufach, jedoch als Sohn des für

die Heinrich Schmitz KG so prägenden Hieronymus Schmitz

mit dem Bauen seit frühester Jugend sehr wohl vertraut, griff

er somit die unternehmerische Tradition der Familie auf, beschritt

darüber hinaus allerdings von Anfang an einen eigenständigen

Weg. Tatkräftig und zielstrebig, mit kaufmännischem

Geschick und Gespür für das Baumetier, schuf Ralf Schmitz

sukzessive das Unternehmen, welches in gewandelter Form

das Bauschaffen der vorangegangenen drei Generationen weiterführte,

das hier zu neuen Dimensionen vorstoßen sollte und

welches schließlich heute äußerst erfolgreich arbeitend 150

Jahre Bautätigkeit der Familie Schmitz repräsentiert.

Die Anfänge dieses neuen Kapitels in der Unternehmensgeschichte

stellten sich gleichwohl noch vergleichsweise bescheiden

dar. Von einem Eineinhalb-Zimmer-Büro am Kempener

Burgring 65 aus begann die konzeptionell neu ausgerichtete

gewerbliche Tätigkeit. Zwar stand das Wohnen einmal mehr im

Fokus des Unternehmens. Es sollte fortan jedoch ausschließlich

als Bauträger agieren – ohne eigenen Baubetrieb. Den Auftakt

bildete dabei die Sanierung zweier kleinerer Altbauten in Kempen,

in denen modernisierte Eigentumswohnungen entstanden.

Und während jener an der Aldekerker Straße 8 im Ortsteil St.

Hubert „das erste Objekt der Ralf Schmitz KG“ wurde, brachte

die sorgsame Renovierung des in „völlig verrottetem Zustand“

erworbenen Hauses Moorenring 9 der jungen Firma sogleich

den 2. Preis im Altbau-Fassadenwettbewerb der Stadt ein.

unten Sanierungsprojekt Aldekerker Straße 8 in Kempen


179 1977–2004

Nur wenig später konnte auch der erste Neubau errichtet werden,

ein Einfamiliendoppelhaus an der Nelkenstraße in Krefeld.

Der Entwurf hierzu stammte vom Architekten Hellmut

Heinsdorff, der gerade in der ersten Dekade die überwiegende

Mehrzahl der Bauvorhaben projektierte. Damit war gleichsam

der Grundstein gelegt und rasch folgten weitere Projekte des

1978 in „Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft“ umbenannten

Unternehmens. Dieses bezog Mitte desselben Jahres ferner

seinen neuen Firmensitz im soeben fertig sanierten Haus

Moorenring 7, wo man nun über „immerhin schon circa 95

Quadratmeter Bürofläche“ verfügte.

Eine nicht unwesentliche Rolle für den erfolgreichen Start

spielte zumindest mittelbar die von der dritten Generation

geführte Heinrich Schmitz KG. Zum einen hatte der Sohn

von Hieronymus Schmitz als „Junggesellschafter“ hier selbst

wichtige fachliche Einblicke gewinnen können, zum anderen

ließen sich aus deren Substanz einige der frühen Projekte akquirieren.

Hinzu kam noch ein weiterer bedeutsamer Aspekt,

auf den Ralf Schmitz in seinen rückblickenden Aufzeichnungen

ebenfalls verweist: „Mit ausgewählten früheren Mitarbeitern

der Schmitz KG hatte ich die besten Fachleute – Herrn Weinert,

später Herrn Ryczek als Bauleiter, die drei Hausmänner Hausmann,

Metzler und Ruß als Verkäufer.“ Karl-Walter Weinert

etwa hatte den Umbau des schon 1976 von Ralf Schmitz privat

erworbenen Landhauses Birkenallee 12 in Kempen geleitet,

war so gewissermaßen „der erste Mitarbeiter“ geworden und

verantwortete in der Folge die Bauleitung einer ganzen Reihe

von Projekten. Die „Hausmänner“ hingegen stehen für die

noch unter Beteiligung der Heinrich Schmitz KG gegründete

Vertriebsgesellschaft „Hausmann Bauregie“, welche nun sehr

erfolgreich für das neue Unternehmen arbeitete. Eine herausgehobene

Stellung sollte dabei die jahrzehntelange und bis in

die Gegenwart andauernde Zusammenarbeit mit Dieter Ruß

erlangen, der über die geschäftliche Verbindung hinaus ein

enger Vertrauter von Ralf Schmitz wurde.

Die somit in verschiedener Hinsicht gut aufgestellte und

zudem engagiert agierende Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft

konnte sich bestens entwickeln und etablierte sich inneroben

Die Gebäude Moorenring 7 (links) und Moorenring 9 in Kempen


1977–2004

196


197 1977–2004

1987–89

WOHNHAUS

ORSOYER STRASSE

DÜSSELDORF

ARCHITEKTEN:

SCHWINGEN + WERMUTH

Die vom Architekturbüro Schwingen + Wermuth

konzipierte Wohnanlage in Düsseldorf-

Golzheim bedeutete für das Unternehmen

eine qualitative Weichenstellung. In den

Jahren 1987 bis 1989 entstanden, leitete sie

in der Geschäftspolitik einen entscheidenden

Paradigmenwechsel ein, der richtungsweisend

werden sollte. Erstmals bediente man mit den

16 repräsentativen sowie in der Ausstattung

gleichermaßen hochwertigen Wohnungen auch

das Luxussegment des Düsseldorfer Marktes.

In drei risalitartige Hausabschnitte unterteilt,

die jeweils eine individuelle Fassadenausbildung

aufweisen, offenbart sich der dreigeschossige

Wohnkomplex mit seinem gediegenen

Vorgartenbereich dabei bis heute als

ein handwerklich hochwertiges und in seinen

architektonischen Ausdrucksmitteln anspruchsvolles

Schlüsselprojekt, das neue

Maßstäbe setzte.

links Blick auf die Ansicht der Wohnanlage an der Orsoyer Straße


1977–2004

218


219 1977–2004

2003–05

STADTVILLEN

LEOSTRASSE

DÜSSELDORF

ARCHITEKTEN:

ARCHITEKTURBÜRO

DICKEL

Die Stadtvillen an der Leostraße in Düsseldorf-

Oberkassel stellen einen weiteren bemerkenswerten

Qualitätssprung im Schaffen des

seit der Jahrtausendwende auf das Wohnen

im obersten Segment fokussierten Unternehmens

dar. In bester innerstädtischer Lage

errichtete man sechs Häuser für das gehobene

individuelle, urbane Wohnen und adaptierte

hierfür den englischen Stadthaustyp des

terraced house in jener Ausprägung, wie er etwa

in den bürgerlichen Stadtteilen von London

vorkommt. Die stärkste assoziative Bildkraft

entwickeln dabei die vorgelagerten Treppen

und vorgestellten Portale an den Hauseingängen,

welche den Einzelhauscharakter architektonisch

betonen.

oben Blick in eine Diele mit aufgehender Treppe

links Frontalansicht einer Stadtvilla an der Straße

nächste Doppelseite Ansicht der Stadtvillen entlang der Leostraße


2004–2014

228


229 2004–2014

2004

2014

DIE FÜNFTE GENERATION,

DER AUFBRUCH IN

ANDERE REGIONEN UND

DIE ETABLIERUNG

ALS ÜBERREGIONALES

UNTERNEHMEN

links Kurfürstendamm 58 in Berlin-Charlottenburg, Sitz der Berliner Niederlassung der Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA


2004–2014

230

Auch das jüngste Kapitel der Firmengeschichte ist von qualitativen

Veränderungen und bedeutsamen Weichenstellungen für die Zukunft

geprägt, die vor zehn Jahren ihren konkreten Ausgang nahmen.

Hatte Ralf Schmitz, als Vertreter der vierten Generation auf sich allein

gestellt, bis zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet,

kontinuierlich erweitert und als „Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft“

souverän in das 21. Jahrhundert geführt, traten ihm ab 2004 nun in

sukzessiver Folge seine drei Söhne an die Seite und machten es in gemeinsamer,

zielgerichteter Arbeit zu einer der führenden Projektentwicklungsgesellschaften

Deutschlands im Segment des hochwertigen Wohnungsbaues.

oben Ralf Schmitz (Mitte) mit Axel Martin, Richard Alexander, Clara und Daniel Ralf Schmitz (v.l.n.r.)

in den Räumen des Berliner Firmensitzes am Kurfürstendamm 58


231 2004–2014

Einhergehend mit dem Eintritt der fünften Generation in die

Geschäftsführung erfolgte der konsequente Ausbau der Firma

zu einem überregional agierenden Unternehmen. Denn war

der Geschäftsbetrieb bis zu diesem Zeitpunkt vornehmlich

auf das niederrheinische Umfeld von Düsseldorf und Kempen

konzentriert, hat man sich nun auch in Berlin und Hamburg

etabliert und ist auch dort mit zunehmender Intensität tätig.

Den entscheidenden Schritt hierzu vollzog Daniel Ralf

Schmitz, der älteste Sohn von Ralf Schmitz, der im Jahre 2004

– kurz nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre

–, ermutigt durch den Vater, das damalige

Wagnis einging, für das Unternehmen nach Berlin zu gehen,

um dort eine Firmen-Dependance aufzubauen. Obwohl ihm

durchaus wohlmeinende Menschen davon abrieten, setzte er

sein Vorhaben entschlossen und unbeirrt noch im selben Jahr

in die Realität um. Er war von der Richtigkeit seines Handelns

überzeugt, da er schon sehr viel früher als andere die enormen

Potenziale der deutschen Hauptstadt erkannte sowie deren Entwicklungsmöglichkeiten

einzuschätzen wusste. Seine Beharrlichkeit

wurde schließlich mit Erfolg belohnt. Und so erwuchs

aus dem vergleichsweise kleinen Etagenbüro der Aufbaujahre

im gediegenen Berlin-Grunewald sehr bald eine veritable

Firmenrepräsentanz am Kurfürstendamm. Entsprechend dem

eigenen Selbstverständnis und dem exponierten Anspruch an

das Handwerk und die Architektur residiert man hier nun seit

2011 in den großzügigen und eleganten Raumfolgen eines ehemaligen

herrschaftlichen Wohnpalasts, welcher 1906 errichtet

wurde und den damit die Patina von mehr als 100 Jahren ziert.

Von hier aus baute Daniel Ralf Schmitz denn auch die nächste

großstädtische Dependance des Unternehmens in Hamburg

auf, die im Mai 2013 ihre Arbeit aufnehmen konnte und wie

die Berliner Niederlassung seither von ihm geleitet wird.

Dem 2004 vollzogenen Eintritt von Daniel Ralf Schmitz

in das bis dahin vom Vater allein geführte Unternehmen folgte

drei Jahre später der Einstieg des zweitältesten Sohnes Richard

Alexander Schmitz, der ebenso wie sein älterer Bruder Betriebswirtschaftslehre

studiert hatte. Er konzentrierte sich

im Rahmen seiner ihm angetragenen Leitungsfunktion von

Beginn an auf die relevanten Querschnittsbereiche wie die

Unternehmensfinanzierung und das Rechnungswesen. Der

jüngste Sohn, Axel Martin Schmitz, ist schließlich seit 2011

für die Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft tätig und seit

2013 als Geschäftsführer für die Projektentwicklung in der

Region Kempen verantwortlich. Wie seine älteren Brüder hat

auch er Betriebswirtschaftslehre studiert, ehe er im operativen

Geschäft des Familienunternehmens aktiv wurde.

Nicht zuletzt als Konsequenz der massiven Ausweitung

des Geschäftsbetriebes auf vier Standorte sowie die damit einhergehende

Übernahme von Verantwortung durch die fünfte

Generation erhielt das Unternehmen im Jahre 2013 eine neue

Gesellschaftsform. Aus der Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft,

die im ersten Jahr ihres Bestehens noch als Ralf Schmitz

GmbH & Co. KG Wohnungsbau – Altbausanierung firmierte,

wurde im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen nunmehr

die Ralf Schmitz GmbH & Co. KGaA. Bis heute ist der inhabergeführte

Betrieb dabei „zu 100 Prozent im Besitz der

Familie (geblieben), aufgeteilt auf fünf Gesellschafter“. Als

Kontrollgremium wurde ein Aufsichtsrat installiert.

Ralf Schmitz, Doyen des Familienunternehmens und

dessen väterlicher Kopf, konzentriert sich seit der umsichtigen

Einbindung der Söhne in die Geschäftsführung auf die

Leitung des Düsseldorfer Standortes und zeichnet hier für

die gesamte Projektentwicklung in der Region verantwortlich.

Manifester Ausdruck der in diesem Zusammenhang von

ihm in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt jüngst

entfalteten Aktivitäten ist die 2013 erfolgte, langfristige Anmietung

des sogenannten Brückenschlösschens, eines nach

Plänen des stadtbekannten Architekten Theodor Balzer 1902

entstandenen ehemaligen großbürgerlichen Wohnhauses, das

am Kaiser-Friedrich-Ring 1 / Ecke Luegplatz gelegen ist. Das

architektonisch signifikante Baudenkmal markiert zusammen

mit dem gegenüberliegenden Haus Esplanade an der Rheinbrücke

gleichsam das Eingangstor zu Oberkassel. Es wird ab

Oktober 2014, nach denkmalgerechter baulicher Ertüchtigung

und pünktlich zur denkwürdigen 150-Jahr-Feier des Unternehmens,

die Düsseldorfer Firmenrepräsentanz aufnehmen

und damit ein gleichermaßen selbstbewusstes wie zukunftsweisendes

Zeichen setzen.

Der neue repräsentative Firmensitz in Düsseldorf, der die

über viele Jahre von der Niederlassung genutzten Büroflächen

in der Georg-Glock-Straße 8 ersetzt, steht dabei beispielhaft

für den seit der Wende zum 21. Jahrhundert vollzogenen qualitativen

Sprung, der für das Unternehmen mit seinen architektonisch

ambitionierten Wohnprojekten kennzeichnend ist.

Betrachtet man die in den letzten zehn Jahren an den vier

Standorten entwickelten bzw. realisierten mehr als 60 Projekte

im Einzelnen, so verbindet sie trotz unterschiedlicher

entwurflicher Handschrift das durchgängig hohe gestalterische

Niveau sowie ihre nahezu perfekte handwerkliche Ausführung.

Dies gilt sowohl für die stets mit Sorgfalt und der

Liebe zum Detail vorbereiteten Neubauten als auch für die

mit großer Sensibilität und Gespür für das historisch Bewährte

wiederhergestellten Altbauprojekte. Denn die Sicherung,

Restaurierung und Qualifizierung von Bestandsbauten, zumal

Baudenkmalen, blieb neben der Entwicklung hochwertiger,

exklusiver Wohnbausubstanz bis heute ein besonderes


2004–2014

238

2005–07

STADTHÄUSER

RICHARD-STRAUSS-

STRASSE

BERLIN

ARCHITEKTEN:

KLOTZ VOOSEN

ASSOZIIERTE

Hatte sich die Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft

in ihren Aktivitäten bis dato vor

allem auf Kempen und Düsseldorf konzentriert,

erfolgte mit dem Eintritt der fünften

Generation in das Unternehmen die Expansion

in neue Regionen und die Einrichtung

der Berliner Dependance. Das villenartige

Doppelhaus an der Richard-Strauss-Straße in

Grunewald markiert dabei den ersten Neubau

in der Hauptstadt. Das zweigeschossige

Gebäude mit Mansarddach reagiert sowohl in

seiner Kubatur als auch in der gediegen klassizierenden

Architektur auf die umgebende,

durch Landhäuser und Villen des späten

19. wie frühen 20. Jahrhunderts geprägte Baustruktur

und unterstreicht mithin die Konsolidierung

des vollzogenen Qualitätssprunges

in Anspruch und gebauter Gestalt.

oben Das Doppelhaus an der Richard-Strauss-Straße, von Norden aus gesehen

rechts Detailansicht eines Einganges mit Treppe und Portikus

nächste Doppelseite Straßenseitige Ansicht aus westlicher Perspektive


239 2004–2014


2004–2014

258

rechts Blick auf zwei die Gracht flankierende Wohnhäuser


259 2004–2014


2004–2014

302

2011–13

HAUS BATTENBERG

DÜSSELDORF

ARCHITEKTEN:

RHODE, KELLERMANN,

WAWROWSKY (RKW)

Das auf einem Doppelgrundstück in der

Bankstraße in Düsseldorf-Golzheim errichtete

Haus Battenberg fügt sich in die vorhandene

Baulinie ein und setzt dennoch einen

eigenständigen architektonischen Akzent.

Der streng symmetrisch aufgebaute, in seiner

Kubatur durch zwei Rücklagen aufgelockerte

Baukörper vermittelt eine am klassischen

Kanon orientierte Gestalt und überführt

dessen tektonische Prinzipien in eine zeitlos-reduktive

Fassade. Diese zeigt dabei eine

differenzierte Gliederung sowie fein gezeichnete

Profilierung, was sich einmal mehr dem

hervorragenden handwerklichen Umgang mit

dem in diesem Fall gräulichen Backstein verdankt.

Wesentliche Teile des Erdgeschosses

sind zudem durch die Verkleidung mit Naturstein

nobilitiert. Vom gesteigerten Wohnwert

zeugen sowohl die rückwärtigen Privatgärten

als auch der großzügige Dachgarten.

oben Ansicht der Fassade zur Bankstraße

rechts Blick in die Diele einer Maisonettewohnung


303 2004–2014


2004–2014

320

oben Arkadien in Berlin: Blick auf den Hofbereich


ANHANG


322

KURZCHRONIK DES UNTERNEHMENS

1864

Gründung des Bauunternehmens durch Peter Heinrich Schmitz

(1831–1908) in Grefrath / Niederrhein und Fertigstellung des ersten

Hauses im Oktober des Jahres.

ab 1880

Sukzessiver Eintritt der fünf Söhne von Peter Heinrich Schmitz in

das Unternehmen mit einhergehender kontinuierlicher Ausweitung

der Tätigkeitsbereiche.

1900

Das Unternehmen wird mit Wirkung vom 17. März des Jahres in eine

Handelsgesellschaft umgewandelt. Sie trägt fortan den Namen

P. H. Schmitz & Cie., offene Handelsgesellschaft. Ihre Inhaber sind:

„Peter Heinrich (Vater), Andreas, Heinrich, Hieronymus, Cornelius

(alle Bauunternehmer), Magdalena (ohne Beruf).“ Die Kinder Jakob,

Katharina und Anna sind nicht als Mitinhaber in die Firma eingetreten,

wobei sich Jakob Schmitz schon Jahre zuvor selbstständig gemacht

und als Bauunternehmer in Kaldenkirchen niedergelassen hat.

1903

Erwerb eines großflächigen Grundstücks in Kempen / Niederrhein

zwecks Aufbau einer zweiten Betriebsstätte der P. H. Schmitz & Cie.

1905

Offizielle Aufnahme des Geschäftsbetriebes der Kempener

Niederlassung unter Leitung von Heinrich Schmitz (1870–1952), der

im selben Jahr auch nach Kempen übersiedelt.

1908

Peter Heinrich Schmitz, der Firmengründer und Stammvater des

Unternehmens, verstirbt am 20. November des Jahres.

1912

Mit Wirkung vom 16. April werden Andreas Schmitz und Heinrich

Schmitz zu Alleininhabern der Firma P. H. Schmitz & Cie., nachdem

die beiden Teilhaber Cornelius und Magdalena Schmitz sich endgültig

aus dem Geschäftsleben zurückgezogen haben und Hieronymus

schon Jahre zuvor bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist.

1919

Heinrich Schmitz scheidet am 26. Juni des Jahres aus der Firma

P. H. Schmitz & Cie. aus und macht aus der von ihm aufgebauten

und 14 Jahre geführten Niederlassung in Kempen ein eigenständiges

Unternehmen, die Heinrich Schmitz KG.

1929

Heinrich Schmitz übergibt die Geschäftsführung an seinen

zweitgeborenen Sohn Karl. Er soll nun, unterstützt von seiner Schwester

Klara, die als Prokuristin tätig wird, das Familienunternehmen

in die Zukunft führen.

1945

Hieronymus Schmitz (1915–1999), der jüngste Sohn von Heinrich

Schmitz, tritt im Sommer des Jahres in den Betrieb ein, hilft den

Geschwistern Karl, Klara und Heinrich (jun.) maßgeblich beim Wiederaufbau

des Unternehmens und wird später zusammen mit seinem

Bruder Heinrich persönlich haftender Gesellschafter.

1952

Heinrich Schmitz, der Gründer und Namensgeber des Unternehmens,

verstirbt am 9. Juli des Jahres.

1971

Im Hochhaus am Hofgarten bezieht die 1963 gegründete Wohnungsbaugesellschaft

der Heinrich Schmitz KG ihren repräsentativen

Düsseldorfer Hauptsitz.

1977

Ralf Schmitz, Sohn von Hieronymus Schmitz und Vertreter der vierten

Generation, gründet die Ralf Schmitz GmbH & Co. KG Wohnungsbau

– Altbausanierung, die am 14. April in das Handelsregister

eingetragen wird. Ein Jahr später wird das Unternehmen in Ralf

Schmitz Wohnungsbaugesellschaft umfirmiert.

1998

Zum 20-jährigen Bestehen der Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft

wird die am Moorenring in Kempen gelegene Villa Brandenburg

nach baulicher Wiederherstellung als neuer Firmensitz bezogen.


323

1999

Am 30. Januar des Jahres verstirbt Hieronymus Schmitz.

2004

Daniel Ralf Schmitz, ältester Sohn von Ralf Schmitz, tritt in die Firma

ein und gründet eine Niederlassung des Unternehmens in Berlin.

2007

Richard Alexander Schmitz tritt als zweitältester Sohn von Ralf

Schmitz in die Geschäftsführung des Unternehmens ein. Ihm folgt

Axel Martin Schmitz, der im Jahre 2011 in der Firma tätig wird und

2013 zum Geschäftsführer des Kempener Bereichs avanciert.

2013

Im Mai des Jahres wird eine weitere Firmendependance in

Hamburg eröffnet. Neben dem Stammsitz in Kempen verfügt das

Unternehmen nunmehr über Niederlassungen in Düsseldorf,

Berlin und Hamburg. Die Gesellschaftsform wird in eine GmbH &

Co. KGaA geändert und bleibt als inhabergeführtes Unternehmen

„zu 100 Prozent im Besitz der Familie, aufgeteilt auf fünf

Gesellschafter“. Diese sind: Ralf Schmitz, seine Söhne Daniel,

Richard und Axel sowie deren Schwester Clara Schmitz, die bereits

2011 in die Gesellschaft eingetreten ist. Als Kontrollgremium

wird ein Aufsichtsrat installiert.

2014

Im Oktober wird mit dem Bezug des sogenannten Brückenschlösschens

der neue Niederlassungssitz in Düsseldorf eingeweiht.

Im selben Monat begeht das traditionsreiche Familienunternehmen

sein 150-jähriges Jubliläum.


324

PROJEKTVERZEICHNIS

S / R = Sanierung / Restaurierung

1. GENERATION: 1864–1900

1864–1880

Einfache Wohnhäuser, Scheunen,

Wirtschaftsgebäude

Werkstattgebäude der Firma P. H. Schmitz,

Grefrath

um 1873

1880–1890

Turm der Pfarrkirche St. Peter,

Hinsbeck,

Vinzenz Statz

1882

Krankenhaus,

Hinsbeck

1883/84

Textilfabrik Johannes Girmes & Co.,

Grefrath-Oedt

1883–86

Textilfabrik Schwartz & Cie. (Grevelour),

Grefrath

Textilfabrik A. Berger & Cie.,

Grefrath

1890–1900

St.-Vitus-Hospital,

Grefrath-Oedt

1890–94

St.-Sebastian-Kirche,

Nettetal-Lobberich

Carl Rüdell & Richard Odenthal

1891–93

St.-Godehard-Kirche,

Vorst (Tönisvorst)

Julius Buch

1894–96

Kloster und Klosterschule Unserer Lieben Frau,

Mülhausen

1894–99

Villa Dietrich Girmes,

Grefrath-Oedt

1896

Wasserturm Lobberich,

Nettetal-Lobberich

1898

Erweiterung Kloster U. L. Frau,

Vechta

1898

Villa Gehr auf dem Overingshof,

bei Tönisvorst

1898/99

Wohnhaus Andreas Schmitz,

Grefrath

Cornelius Schmitz

1899/1900

Kloster Arca Pacis (heute Abtei Mariendonk),

Niederfeld bei Grefrath

Adolf Nöcker

1899–1901

Villa A. Berger,

Grefrath

Katholische Pfarrkirche,

Hürth bei Köln

Katholische Pfarrkirche,

Amern

Katholische Pfarrkirche,

Mülhausen

2. GENERATION: 1900–1929

1900–1910

Eisenmöbelfabrik L. & C. Arnold,

Kempen

Salzmann & Ganzlin

1901/02

Wohnsiedlung

der Eisenmöbelfabrik L. & C. Arnold,

Kempen

Salzmann & Ganzlin

1901–04

Villa van der Uppwich,

Nettetal-Lobberich

1902

Falzziegelfabrik

(Brempter Tonwerke),

Niederkrüchten

1904


325

Erweiterung Kloster

und Klosterschule U. L.Frau,

Mülhausen

1904/05

Villa Heinrich Schmitz,

Kempen

um 1905

Wasserwerk,

Kempen

1905/06

Wohnhäuser Konradstraße und

Kastanienstraße,

Krefeld-Uerdingen

1906–14

Erweiterung der Waggon-Fabrik AG,

Krefeld-Uerdingen

1906–14

Villa Johannes Girmes,

Grefrath-Oedt

1908

Thomaskirche,

Kempen

Heinrich Heidsieck

1908–10

Königliches Lehrerseminar

(heute Gymnasium Thomaeum),

Kempen

1909/10

Druckerei Heesen & Kaiser,

Kempen

um 1910

Villa Kaiser,

Kempen

um 1910

Erweiterung der Fabriken

Girmes & Co., Schwartz & Cie.

sowie A. Berger & Cie.,

Grefrath

Villa Weyland,

Kempen

Villa Karl Arnold,

Kempen

Villa Oskar Arnold,

Vorst (Tönisvorst)

1910–1920

Erweiterung Neersdommer Mühle,

Niederfeld bei Grefrath

1910–14

St.-Heinrich-Kirche,

Krefeld-Uerdingen

Hans Rummel

1911–15

Kloster Maria Helferin (U. L. Frau),

Nettetal

1912

Bürgermeisteramt,

Vorst

1913

Kinematographentheater,

Kempen

1913

Klosterschule (U. L. Frau),

Leuth

1914

Hospital zum Heiligen Geist,

Kempen

1914–17

Gummifabrik Zours,

Kempen

Seidenfabriken

Königsberger & Söhne,

Krefeld und Amern

Villa Zours,

Kempen

Villa Haffmanns,

Kempen

1920–1929

Erweiterungen Kloster U. L. Frau,

Mülhausen

1926–28

Katholische Knabenschule,

Kempen

Max Kiefer

1928/29

Erweiterung der Fabrik Girmes & Co.,

Grefrath

Fabrikgebäude Schiller & Crous,

Kempen

3. GENERATION: 1929–1977

1929–1940

Schulgebäude Klosterschule (U. L. Frau),

Mülhausen

1929/30

Siedlung Kamperlings,

Kempen

1930–34

Wohnzeile St. Huberter Straße,

Kempen

1934

Reihenhäuser Siegfriedstraße,

Kempen

1934

Reihenhäuser Dinkelbergstraße,

Kempen

Kasernenbauten in Dortmund,

Münster, Lüdenscheid

ab 1935

Bunker- und Verteidigungsbauten,

Raum Trier und Aachen

ab 1935

1940–1950

Bau von Flugplätzen und Bunkern im

Auftrag der Organisation Todt

ab 1939

Instandsetzung von Industrie- und

Militärbauten im Auftrag der britischen

Militärverwaltung

1945–50

1950–1960

Wohnhäuser Möhlenring,

Kempen

1950/51

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