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Physiopraxis. - Gesundheit

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physiotherapiezu

physiotherapiezu gewinnen36Dreimal dreiWir verlosen dreimal drei Jonglierbällevon Sport-Thieme (www.sportthieme.de).Klicken Sie bis zum17.11.2011 unter www.thieme.de/physioonline > „physiopraxisexklusiv“> „Gewinnspiel“ auf dasStichwort „Doppelaufgaben“.Abb. 3 Ohne Fleiß kein Preis. Rückwärtszulaufen,dabei ein Glas Wasser zu balancierenund in 3er-Schritten vorwärtszuzählen erfordertschon einiges. Aber nur wenn Aufgaben dieLeistungsgrenze des Übenden treffen, steigenseine Aufmerksamkeit und Gangsicherheit an.Abb. 4 Ganz schön knifflig. Der Trainierendebalanciert einbeinig auf einer Airex-Matte,jongliert mit zwei Bällen und zählt Flussnamenauf. Diese komplexe Aufgabe erfüllt die Kriteriender 16. Dimen sion in der Taxonomie nachGentile.InternetSturzprophylaxe aufder RastermatteWie die aus Japan kommendenSquare Stepping Exercises gleichzeitigGehirn und Körper herausfordern,können Sie sich in einemVideo auf der Internetseitewww.square-step.org/en/162anschauen.und die Hirnstruktur selbst verändert. Hierbei bieten Aufgaben wieJonglieren einen Vorteil: Der Mensch lernt und arbeitet am besten,wenn er beide Körper- beziehungsweise Gehirnhälften aktiviert.Kein Erfolg bei zu leichten Übungen > Doppelaufgaben könnenalso dazu beitragen, die Aufmerksamkeit zu verbessern [22]. WieStudien zeigten, helfen entsprechende Interventionen dabei, eineAufgabe zu automatisieren, den Fokus auf andere Aufgaben einzustellenund somit die verfügbare Prozesskapazität zu erhöhen. Nacheinem Dual-Tasking-Training können Betagte mehr Aufmerksamkeitauf externe Informationen lenken und schneller auf unerwarteteStöreinflüsse reagieren [23].Eine kürzlich erschienene Literaturübersicht des Schweizer BewegungswissenschaftlersGiuseppe Pichierri zur Effektivität derdrei Trainingsformen „isolierte kognitive Übungen ergänzend zumkörperlichen Training“, „spezifisches Doppelaufgabentraining“ sowie„computerbasiertes Training in virtueller Umgebung mit Feedback“zeigt, dass Dual-Tasking-Interventionen gut bei älteren Menschenanwendbar sind [19]. Damit sie erfolgreich wirken, müssen allerdingseinige Voraussetzungen erfüllt sein: Doppelaufgabentrainingnützt Patienten, wenn es sich an ihrer Leistungsgrenze orientiertund diese leicht überschreitet. Zwei Studien zeigten, dass simplekog nitive Aufgaben wie Kopfrechnen oder Gedichterezitieren nichtgenügen, um körperliches Training zu ergänzen [31, 32]. Die Probandensollten sich zuerst nur auf eine körperliche und später aufeine kog nitive Aufgabe konzentrieren. Es stellten sich keine relevantenVerbesserungen der körperlichen Fähigkeiten ein. Die thailändischeWissenschaftlerin Patima Silsupadol hingegen fordertedie Probandengruppen in ihren Studien verstärkt heraus [24–26]:Sie sollten ihre Aufmerksamkeit gleichmäßig auf die körper liche sowieauf die kognitive Aufgabe richten, indem sie unter anderem imDual-Tasking-Training wirkt erst dann,wenn Patienten an ihre Leistungsgrenzekommen und diese etwas überschreiten.Semi tandemstand mit geschlossenen Augen einstudierte Wörteraufzählten. Das Ergebnis: Die Probandengruppe mit dem komplexenTraining zeigte eine verbesserte funktionelle Fitness der unterenExtremitäten, ein besseres Gleichgewicht und eine höhere Ganggeschwindigkeitim Vergleich zu anderen Gruppen mit rein physischemTraining. Die Ganggeschwindigkeit ist ein wichtiger Indikatorfür die körperliche Leistungsfähigkeit und Sturzanfälligkeit [29].physiopraxis 10/11 Fotos: S. Rogan

physiotherapiephysiopraxis 10/11Auch der japanische Wissenschaftler Ryosuke Shigematsu fordertedie Probanden in zwei Studien mit schwierigen Doppelaufgabenheraus [27, 28]. Er entwickelte dafür die Square SteppingExercises (SSE). Basis für die SSE ist eine 2,50 Meter lange Matte,die in viermal zehn kleine Felder gerastert ist. Auf dieser sollten dieProbanden aus dem Gedächtnis vorher gelernte Schrittfolgen reproduzieren(a „Internet“). Die Übungen haben das Ziel, über einebessere Fitness der unteren Extremitäten die Gehsicherheit vonSenioren zu schulen. Insgesamt 39 Teilnehmer im Alter zwischen 65und 74 Jahren nahmen an der Studie teil. Sie trainierten zwei Malpro Woche für 40 Minuten. Die Studie zeigte, dass die SSE geeignetist, um das Gleichgewicht, die Geschicklichkeit und die Geh geschwindigkeitder Probanden zu verbessern.In der therapeutischen Praxis ist es also sinnvoll, Bewegungsformenmit koordinativen oder kognitiven Aufgaben zu koppeln(a Abb. 3–4 und „Dual-Tasking-Training“). Patienten scheint einDoppelaufgabentraining aber nur dann zu nützen, wenn es anspruchsvollist. Ist die Aufgabe zu leicht, wird kein Effekt eintreten.Ist die Aufgabe zu schwierig, wird sie den Patienten demotivieren.Das Dual-Tasking-Training sollte wie folgt aufgebaut sein: von einfachenzu schweren Aufgaben, von großer zu kleiner Unterstützungsfläche,von langsamer zu schneller Bewegungsausführung.Interessante Alternative: computergestützte Interventionen >Die Übersicht von Giuseppe Pichierri hat zusätzliche interessanteErkenntnisse zutage gefördert. Beim Doppelaufgabentraining kannman erfolgreich neue Computerspiele wie die Nintendo Wii undelektronische Tanz-Videospiele à la Stepmania (a Abb. 1–2, S. 35)einsetzen. Früher benutzten Therapeuten Computerspiele mehrheitlich,um kognitive Fähigkeiten zu trainieren. Seit einiger Zeitwenden sie sie aber auch vielfältig und vielversprechend als kognitivesElement im Bereich des körperlichen Trainings an. Man kannbei einem Computerspiel das Aufgabenniveau stufenweise erhöhenund den Leistungsverlauf gut protokollieren.Die Spielideen reichen vom Gleichgewichtstraining mit visuellemBiofeedback über interaktive virtuelle Umgebungen, in welchensich der Teilnehmer selbst sehen kann und beispielsweise als TorhüterFußbälle abwehren muss. Die Mehrheit der Studien mit älterenMenschen zeigen positive Effekte auf verschiedene körperlicheAspekte wie zum Beispiel die Ganggeschwindigkeit, die Gleichgewichtsfähigkeitund die Reaktionszeit. Letztlich fließt bei Computerspieleneine große Portion Spieltrieb mit ins Training ein, weshalbdie Teilnehmer meist motivierter und regelmäßiger trainierenals bei traditionellen, körperlichen Übungen.Fazit: Effektive Sturzprophylaxe > Es besteht weiterhin Bedarfnach guten randomisierten Studien, welche die zugrunde liegendenpathophysiologischen Mechanismen zwischen Mobilität,Sturzrisiko und kognitiver Funktion untersuchen. Trotzdem könnenPhysiotherapeuten bereits jetzt schon sinnvoll multimodale Interventioneneinsetzen, die Bewegungs- und Kognitionselementeverbinden. Slavko Rogan, Giuseppe Pichierri, Eling Douwe de BruinLiteratur: www.thieme-connect-de/ejournals/toc/physiopraxisDual-Tasking-TrainingStroop-ÜbungItshak Melzer und Kollegen [21] nutzen beim Dual-Tasking-Training den Stroop-Effekt als kognitives Element. Dieserbasiert darauf, dass automatisierte kognitive Fähigkeitenwie Lesen schneller ablaufen als nicht automatisierte wiedas Benennen eines farbigen Objekts [18]. Unterdrückt einePerson den Automatismus zugunsten einer anderen Aufgabe,wird sie langsamer und macht öfter Fehler: So benennenTestpersonen eine Schriftfarbe langsamer, wenn diesenicht mit dem Inhalt des geschriebenen Farbwortes übereinstimmt.Für die Stroop-Übung schreibt der Therapeut über fünf Zeilenjeweils fünf Farbwörter auf ein Poster. Der Proband soll nichtlesen, sondern die Schriftfarbe der Wörter benennen.Er muss also den automatisierten Prozess des Lesens unterdrücken.Das trainiert die Exekutivfunktionen und dieAufmerksamkeit.Währenddessen schult der Übende sein Gleichgewicht invariierender Ausgangsstellung: im Stehen die Füße nebeneinander,danach Semitandemstand zuerst mit größerem,dann mit kleinem Abstand zwischen den Füßen, undschließlich Einbeinstand.GELB BRAUN ROT GRÜN BLAUROT BLAU GELB GRAU BRAUNBLAU ROT GRÜN BRAUN GELBGRAU GELB BRAUN ROT GRÜNGRÜN GRAU BLAU GELB ROTSlavko Rogan, MScPT, BPT, ist Physiotherapeut. Er lehrt an der BernerFachhoch schule im Studiengang Physiotherapie und leitet zudem denBereich Entwicklungsmanagement an der Akademie für integrativePhysiotherapie und Trainingslehre (AfiPT). Im Rahmen seiner Doktorarbeituntersucht er momentan die Wirkung von Ganzkörpervibration auf dieposturale Kontrolle und Kognition bei älteren Menschen.Giuseppe Pichierri, MSc ETH, ist Bewegungswissenschaftler. Er schreibtgerade seine Doktorarbeit am Institut für Bewegungswissenschaftenund Sport der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich imBereich Sturzprävention bei Senioren.Dr. Eling Douwe de Bruin ist Physiotherapeut und Doktor der Bewegungswissenschaften.Er arbeitet als Privatdozent am Institut für Bewegungswissenschaftenund Sport der ETH Zürich und forscht im Bereich Trainingund Sturzprävention bei Senioren.37

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