Von der Idee zur Serienreife D [609 kB] - Reform

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Von der Idee zur Serienreife D [609 kB] - Reform

KNOW-HOWERFOLG-STORYVon der Idee zur SerienreifeREFORM, ein Spezialist in der Berglandtechnik, aber auch in der Bodenbearbeitung,im Sämaschinenbau und in der Kommunaltechnik tätig, lancierte vor einem Jahr dieneue «Metrac X»-Baureihe der Zweiachsmäher. Die UFA-Revue informierte sich beiFirmenchef Clemens Malina und Entwicklungsleiter Peter Schober über den Werdegangdieser neuen Modellreihe.RomanEngelerSeit knapp 100 Jahren – das Unternehmenwurde 1910 gegründet –produzieren die Reformwerke imösterreichischen Wels Maschinenfür die Landwirtschaft. Als Urproduktgilt die Sämaschine «Welsia», in den Anfangsjahrenwurde aber noch eine Vielzahlvon Maschinen und Geräte fürHaus, Hof und Garten gebaut. Nachdem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1948mit dem Bau des Motormähers der ersteSchritt in die Motorisierung und eineFokussierung auf die Berglandtechnik.«Man erkannte damals, dass die Berglandwirtschafttechnisch unterversorgtwar und baute sich so gezielt eine Nischeauf», betont Reform-GeschäftsführerClemens Malina, ein Enkel des FirmengründersJohann Bauer.Das MarktumfeldDie Berglandtechnik ist für Clemens Malina ein Nischengeschäft,geprägt von mittelständischen Herstellern und für grosse Anbieterkaum von Interesse. Die Stückzahlen gingen tendenzmässig eherzurück, dafür würden die Geräte grösser und anspruchsvoller, so dassderen Besitzer über eine höhere Schlagkraft verfügten. «Wachsen kannman als Hersteller nur, wenn man das Marktgebiet vergrössern oder inandere Bereiche, beispielsweise Hochwasserschutz, Grünanlagen oderRenaturierungen, eindringen kann», meint Malina. Insgesamt sei dieBerglandtechnik ein stabiler, aber gesättigter Markt und von deraktuellen Finanzkrise wenig betroffen, da weitgehend solide finanziert.«In der Entwicklung künftiger Fahrzeuge werden Faktoren wie Komfortam Arbeitsplatz (Ergonomie, Klima, Lärm, Schwingungen) wichtiger.Zudem kommt dem Wirkungsgrad der Maschinen (Energieeffizienz)wohl eine noch grössere Bedeutung zu», prophezeit Malina.Meilensteine der EntwicklungMit dem Transporter «Muli» (1968) unddem Zweiachsmäher «Metrac» (1977)folgten zwei weitere Meilensteine in derFirmen-Chronik. Mit Innovationen wieden allradgelenkten Zweiachsmähern(1984), gefederten Transportern unddem hydrostatischen Antrieb der «Metrac»(1993) machte Reform weiter vonsich reden. 1999 kam dann mit demBergtraktor «Mounty» gar eine weitereFahrzeugkategorie hinzu.Heute machen die Reformwerke zweiDrittel des Umsatzes mit der Berglandtechnikund einen Drittel im Kommunalbereich.Als Traditionsprodukte sindSämaschinen und Kreiseleggen weiterim Angebot, diese werden jedoch nur inspezifischen Märkten angeboten undvertrieben. 70% der Produktion wirdexportiert, wobei die Schweiz der wichtigsteAuslandsmarkt darstellt. Die inHünenberg domizilierte Tochterfirma«Agromont» erwirtschaftet rund einDrittel des gesamten Umsatzes. «Wirsind ganz klar ein Nischenanbieter undsehen uns nicht in der Masse», umschreibtMalina die Firmenphilosophie,die er mit dem Satz «die Kinder unsererKunden sind die Kunden unserer Kinder»gleich selbst auf den Punkt bringt.Projekt «Metrac G7 X» Terminbestimmendfür die Entwicklung derneuen «Metrac»-Baureihe waren dieEmissionsvorschriften der Stufe 3a, dienun auch für diese PS-Klasse in Kraft tratenund einen neuen Motor verlangten.Gleichzeitig wollte man mit dem «MetracG7 X» ein neues Spitzenmodell derZweiachsmäher mit Schaltgetriebe lancieren.«Neben den gesetzlichen Anforderungengab es aber noch weiterePunkte, die wir mit dem neuen Modellumsetzen wollten», weiss Peter Schober,Leiter der Entwicklung bei Reform,zu berichten. Einerseits gebe es immereinen gewissen «Themenvorrat» aus früherenEntwicklungen, anderseits würdenstets auch Rückmeldungen vonKunden und gezielte Marktbefragungenin neue Projekte einfliessen. «All diesreift dann zu einem Projektvorschlag,der nach wirtschaftlichen Kriterien undvorhandenen Kapazitäten bereinigt derGeschäftsleitung vorgelegt wird», führtSchober weiter aus. Sei ein Projekt genehmigt,laufe in der Folge ein standardisierterProzess ab, bei dem Ziele definiert,Pflichtenhefte erstellt, ProjektundHerstellungskosten beziffert sowieTerminpläne skizziert würden.Mehr Leistung mit Folgen In einemersten Teilprojekt galt es nun, einenMotor zu finden, der die gesetzlichenEmissionsgrenzwerte erfüllt undeine Leistung von um die 70 PS erreicht.War dieser einmal gefunden, musstenPeripheriekomponenten wie die Auspuffanlage,die Luftansaugung oder dieKühlung angepasst werden sowie Fragenrund um die Einbauräume und Motorenlagerunggeklärt werden. Weil derMotor mehr Leistung und ein höheresDrehmoment hatte, war das in Vorgängerserienverbaute Schaltgetriebe beiden Lagern, Zahnrädern und Wellendimensionenzu verstärken. Die Schmierungdes Getriebes wurde mit Hilfe einerDruckumlaufschmierung deutlichverbessert. Die erhöhte Motorleistungverlangte aber auch ein entsprechendeAbsicherung der Endantriebe, was miteiner funktionellen Änderung von Sonnen-und Hohlradgetriebe bewerkstelligtwurde. Mit dem Einbau eines Torsionsdämpfersins Schwungrad kam manzudem den Anforderungen einer Lärmreduktionim unteren Drehzahlbereichentgegen. Die Verwendung einer Simplexbremsemit einem Bremskraftverstärkerlöste die Frage nach Bremsen mitoptimaler Wirkung bei geringen Betäti-26 UFA-REVUE · 9 2009


ERFOLG-STORYKNOW-HOWgungskräften und die Schaffung von zusätzlichemFreiraum an Achsen sowieRadkästen ermöglichte den Einsatz einerBereifung der Dimension «425/55R17» ohne Lenkungseinschränkungen.Design aussen und innen Einzweites Teilprojekt beschäftigte sich mitder Entwicklung einer neuen Komfortkabine,die möglichst viele Anforde -rungen bezüglich Hangtauglichkeit,Sicherheit, Lärm, Funktionalität und ansprechendemDesign erfüllen sollte.Diese Aufgabe führte man in Zusam-menarbeit mit einem externen Industriedesignerund einem kompetentenKabinenbauer durch. Dabei wurde auchvon Beginn an ein grosses Augenmerkauf die Fragen der Innenausstattung(Anordnung der Bedienelemente, Integrationneuer Anzeigen und Verwendungneuer Materialien) gelegt. Danacherfolgte die Konstruktion eines erstenPrototypen, der verschiedene Prüf -zyklen wie Umsturztests, Leistungsmessungendes Motors, Kühltests, Tem -peratur- und Bremsmessungen zudurchlaufen hatte.Reform-Chef ClemensMalina (rechts) undPeter Schober, LeiterEntwicklung beiReform: «Die Ziel -vorgaben bei derEntwicklung des«Metrac G7 X»wurden mehr alserfüllt».Bis zur Serienfreigabe warendann noch verschiedene Stolpersteineaus dem Weg zu räumen. Da die definitiveVersion des Motors vom Typ «VM754SES» ein um 20 Nm höheres Drehmomentals das Versuchsmodell aufwies,musste das Schaltgetriebe überarbeitetund abgesichert werden. Ebensogalt es, die Antriebskupplung dem erhöhtenDrehmoment anzupassen.Dann war es ein Ziel, die vielen Einzelschalterin der Kabine zu verringernund möglichst viele Funktionen in einemmultifunktionalen Bedienhebel zukonzentrieren. Mit der Entwicklung einessolchen Hebels, bei dem verschiedeneSchalter mit Mehrfachfunktionenausgestattet sind, und der Integrationvon Vierfach-Wippschaltern, die ergonomischangeordnet und sicherheitstechnischausgereift sind, konnten dieIngenieure diese Zielsetzung erreichen.Letztlich wurde das Fahrzeug punktoErgonomie und Komfort optimiert, indem ein Lenkrad mit Niveauverstellungeingebaut, die Armatureneinheit überarbeitetsowie die seitlichen Schalterbesser positioniert und mit logischenSymbolen versehen wurden. Desgleichenverbesserte man die Wartungszugänglichkeitim Bereich der Elektrik.Fazit Das Projekt «Entwicklung desZweiachsmähers ‹Metrac G7 X›» beanspruchteeinen Zeitraum von knappzwei Jahren. «Die Zielvorgaben unseresPflichtenhefts wurden erfüllt», stellenClemens Malina und Peter Schoberübereinstimmend fest. Im Bereich vonDesign, Ergonomie und Komfort seiendie Erwartungen gar übertroffen worden.Als Resultat konnte Reform einenZweiachsmäher mit 70 PS am Marktplatzieren, der deutlich geringere Lärmwerteals vergleichbare Produkte vonMitbewerbern aufweist.In loser Folge publiziert die UFA-Revueunter dem Titel «Erfolg-Story» Berichteüber landwirtschaftliche Maschinen.Die Maschinen, deren Eigentümer odersonstige Interviewpartner werdenjeweils in Zusammenarbeit mit denentsprechenden Herstellern oderImporteuren ausgesucht.www.agromont.chINFOBOXwww.ufarevue.ch 9 · 09UFA-REVUE · 9 2009 27

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