Bildungskoalition NGO - Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

bildungskoalitionngo

Die Staats- und Regierungschefs haben sich am Gipfeltreffen der Vereinten Nationen im September 2015 auf eine globale Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung geeinigt. Mit dem Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030 will die Bildungskoalition NGO zeigen, wie die Schweiz die Ziele der Agenda in Bezug auf ihre Bildungspolitik umsetzen kann und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Die UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung fordert in Ziel 4 eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle. Die bildungspolitische Bedeutung der Agenda geht jedoch weit darüber hinaus. Mehr als die Hälfte der 17 vereinbarten Ziele haben einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Bildungspolitik. Deshalb betont die Bildungsagenda 2030 der Bildungskoalition NGO gemeinsam mit der UN-Agenda die Notwendigkeit der transformativen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Damit einher gehen ein Wertewandel, ein Verständnis für Handlungsoptionen und die Vermittlung von Nachhaltigkeitslösungen in einer partizipativen Art und Weise. Diese Transformation gelingt nur, wenn Bund, Kantone, Zivilgesellschaft, Sozialpartner und andere Akteure in Bildungspartnerschaften zusammenarbeiten.
Der Bundesrat hat in seiner Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019 den Bezug zur UN Agenda hergestellt und in einer Roadmap deren Umsetzung geplant. Die Bildungskoalition NGO hat dazu Vorarbeit geleistet. Sie beschreibt die Herausforderungen und Defizite und zeigt konkrete Massnahmen auf. Insgesamt schlägt sie 22 Kernanliegen zur Umsetzung vor und richtet sich an Bund und Kantone, die in nahezu allen Politikbereichen mit einem Bildungsauftrag zur nachhaltigen Entwicklung konfrontiert sind.

Projekt Schweizer

Bildungsagenda 2030

Beitrag der Zivilgesellschaft zur Bildungspolitik 2016–2030

Weshalb eine Schweizer Bildungsagenda 2030?

• Die Staats- und Regierungschefs haben an der

UN-Generalversammlung für die nächsten 15 Jahre

eine globale Agenda 2030 mit 17 Zielen zu einer

nachhaltigen Entwicklung (SDGs) beschlossen. Sie

richtet sich an alle Länder – Industrie-, Schwellenund

Entwicklungsländer – gleichermassen, und

somit auch an die Schweiz;

• Das globale UN Ziel 4 betrifft explizit die Bildung

und will eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige

Bildung gewährleisten und Möglichkeiten

des lebenslangen Lernens für alle fördern;

• Das Projekt «Schweizer Bildungsagenda 2030» ist

als Anregung für Bund und Kantone gedacht, die in

nahezu allen Politikbereichen mit einem Bildungsauftrag

zur nachhaltigen Entwicklung konfrontiert

sind;

• Der Bundesrat hat in seiner Strategie Nachhaltige

Entwicklung 2016–2019 den Bezug zur UN Agenda

2030 hergestellt und für die nächsten 4 Jahre erste

Ziele formuliert. Die Zivilgesellschaft möchte die

Strategie des Bundesrates mit Massnahmen konkretisieren

und für die Umsetzung verbindlicher ausgestalten.


2 Schweizer Bildungsagenda 2030

Notwendigkeit der transformativen Bildung

Gemeinsam mit der UN Agenda betont die Schweizer

Bildungsagenda 2030 die Notwendigkeit einer transformativen

Bildung für nachhaltige Entwicklung. Verantwortungstragende

in Bildung und Forschung anerkennen,

dass

• die Entwicklungen des Erdsystems und der globalen

Wirtschaft eine Transformation zur Nachhaltigkeit

mit einem Wertewandel notwendig machen;

• nachhaltiges Lernen und Denken nur transformativ

wirksam wird, wenn ein Verständnis für Handlungsoptionen

erarbeitet, tatsächliche Nachhaltig-

keitslösungen eingeübt und die Art und Weise des

Lernens partizipativ gestaltet werden;

• die Transformation gelingt, wenn sich Bund und

Kantone mit der Zivilgesellschaft, den Sozialpartnern

und andere Akteuren in Bildungspartnerschaften

gegenseitig ermutigen, herausfordern und

stärken;

• die Entwicklung einer Bildung der Zukunft in enger

Kohärenz zu anderen Politiken kinder-, jugend-,

generationen-, umwelt-, gesundheits- und menschenverträglich

zu gestalten ist.

Roadmap der UNESCO als Richtlinie

Eine Schweizer Bildungsagenda 2030 fordert die Bildungsakteure auf, die 5 Handlungsfelder der UNESCO

Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms «Bildung für eine nachhaltige Entwicklung» in der Bildungspraxis

einzulösen:

1 Politische

Unterstützung

2 Ganzheitliche Transformation

von Lernund

Lehrumgebungen

3 Kompetenzentwicklung

bei Lehrpersonen

und Multiplikator/

-innen

4 Stärkung und Mobilisierung

der Jugend

5 Förderung nachhaltiger

Entwicklung

auf lokaler Ebene

Integration der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in die Politik in

den Bereichen der Bildung und der nachhaltigen Entwicklung, um ein günstiges

Umfeld zu schaffen und systematische Veränderungen zu bewirken;

Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in Bildungs- und Ausbildungskontexte;

Stärkung der Kompetenzen von Lehrpersonen und Multiplikator/-innen für

effektivere Ergebnisse im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung;

Einführung weiterer Bildungsmassnahmen für Kinder und Jugendliche an

schulischen und ausserschulischen Lernorten;

Ausweitung der BNE Programme und -Netzwerke auf der Ebene von Städten,

Gemeinden und Regionen.


Schweizer Bildungsagenda 2030 3

Rolle der Bildung für alle 17 UN-Ziele

Eine Schweizer Bildungsagenda 2030 muss dynamisch

bleiben: Die Bildungskoalition NGO wird jährlich

Geschäfte von Bundesrat und Parlament auf ihre

Bildungs- und Nachhaltigkeitsverträglichkeit prüfen

und mit politischen Vorstössen und Empfehlungen

zur Erreichung der Ziele der UN-Agenda 2030 in der

Schweiz beitragen. Die Schweizer Bildungsagenda

2030 wird mit den anderen UN-Agenda-Zielen im

Sinne einer kohärenten Bildungs- und Nachhaltigkeitspolitik

als Querschnittaufgabe erneuert.

Alle thematischen Kernanliegen der globalen UN Agenda sind durch Bildungsmassnahmen zu begleiten. Bildung,

Forschung und Innovation von Bund und Kantonen sind gefordert, bis 2030 zu allen 17 UN-Zielen beizutragen:

• Armut und Bildungsarmut in allen ihren Formen

zu beenden (Ziel 1)

• Kompetenzen zur Ernährungssicherheit, zur gesünderen

Ernährung und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft

zu stärken (Ziel 2)

• Die Gesundheitsbildung für alle Menschen in jedem

Alter zu fördern (Ziel 3)

• Die Geschlechtergleichstellung in der Bildung zu

erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung

zu befähigen (Ziel 5)

• Die Fähigkeiten zur nachhaltigen Bewirtschaftung

von Wasser und der Sanitärversorgung für alle zu

verbessern (Ziel 6)

• Bildungsinitiativen zu nachhaltigen Energien und

zum Umgang mit erneuerbaren Energien auszubauen

(Ziel 7)

• Curricula auf ein nachhaltiges und ressourcenschonendes

Wirtschaftswachstum auszurichten und

menschenwürdige Arbeit für alle zu fördern (Ziel 8)

• Mit Bildung und Forschung eine nachhaltige Infrastruktur

zu unterstützen und nachhaltige Innovationen

zu begünstigen (Ziel 9)

• Bildungsungleichheit in und zwischen den Ländern

zu verringern (Ziel 10)

• Menschen zu befähigen, Städte und Siedlungen

nachhaltig zu gestalten (Ziel 11)

• Kompetenzen zum nachhaltigen Konsum und zur

nachhaltigen Produktion auf allen Bildungsstufen

zu verbessern (Ziel 12)

• Umgehend Bildungsmassnahmen zur Bekämpfung

des Klimawandels und seiner Auswirkungen zu

ergreifen (Ziel 13)

• Menschen zu befähigen, zum Schutz und zur nachhaltigen

Nutzung der Meeresressourcen beizutragen

(Ziel 14)

• In der Bildung zur biologischen Vielfalt sowie zum

Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Landschaften

beizutragen (Ziel 15)

• Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine

nachhaltige Entwicklung in der Bildungspraxis zu

fördern (Ziel 16)

• Umsetzungsmittel in der Bildung zu stärken und

globale Bildungspartnerschaften für nachhaltige

Entwicklung mit neuem Leben zu erfüllen (Ziel 17)


4 Schweizer Bildungsagenda 2030

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

Das Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030 übernimmt die UN Bildungsagenda 2030 mit ihren 7 Unterzielen

und stellt diese in Bezug zu den Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten in der Schweiz.

Ziel 1 der UN-Bildungsagenda 2030

Allen Mädchen und Jungen

den Abschluss einer hochwertigen,

kostenlosen

Primar- und Sekundarschulbildung

zu ermöglichen, die

zu relevanten und effektiven

Lernergebnissen führt.

Herausforderungen in der Schweiz

• Über 34 % der Schweizer Jugendlichen besuchten in den Jahren 2011/12 in der

8./9. Klasse bezahlten Nachhilfeunterricht; 1

• Die Kantone planen für 2016 bis 2018 Sparpakete im Bildungsbereich von mindestens

538 Mio. Fr. Gemäss den Prognosen soll es auf der Primarstufe zwischen

2011 und 2021 um 12 % mehr Schüler geben. Auf der Sekundarstufe

wird die Zahl der Schüler bis 2021 um 7,5 % zunehmen;

• Die Einführung der sprachregionalen Lehrpläne für die Volksschule verursacht

einmalige und wiederkehrende Kosten, um die hochwertige Qualität der

Primar- und Sekundarschulbildung zu gewährleisten.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 1

1 Einführungsfächer, Stützfächer und Freifächer sind tragende Pfeiler einer

hochwertigen Primar- und Sekundarschulbildung. Zahlreiche kantonale Sparmassnahmen

in der Bildung stehen im Widerspruch zur UN-Bildungsagenda

2030. Der Spartrend soll gestoppt werden;

2 Schülergerechte Einführung des Lehrplans 21: Kantone sollten bei der Umsetzung

in die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte und in neue attraktive

Lehrmittel, sowie bei den Stundentafeln in den fächerübergreifenden Unterricht

investieren;

3 Die EDK beschliesst gemeinsam mit dem Bund einen nationalen Aktionsplan

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung 2016–2020 als Beitrag zur Umsetzung

der UN-Agenda 2030.

Ziel 2 der UN-Bildungsagenda 2030

Allen Mädchen und Jungen

den Zugang zu hochwertiger

frühkindlicher Bildung,

Betreuung und Erziehung

zu sichern, die ihnen einen

erfolgreichen Übergang in

die Schule ermöglicht.

Herausforderungen in der Schweiz

• Die Schweiz liegt nach der OECD-Studie «Education at a glance 2015» weit

hinter dem OECD-Durchschnitt in der Bildungsbeteiligung und den Ausgaben

der frühkindlichen Bildung zurück: die Ausgaben der öffentlichen Hand

für die frühkindlichen Bildung in der Schweiz liegen bei 0,2 % des BIP, der

OECD-Durchschnitt liegt bei 0,6 %; 2

• Die Kosten der frühkindlichen Bildung sind für Eltern hoch. So tragen Eltern

in der Schweiz zwischen 66 % (Deutschschweiz) und 38 % (Kanton Waadt) der

Krippenkosten selbst. In den Nachbarländern liegt der Elternanteil bei max.

25 %, wobei grundsätzlich alle Plätze subventioniert sind, während dies in der

Schweiz häufig nur bei einem Teil der Plätze der Fall ist; 3

• Viele Institutionen und Angebote sind unterfinanziert und funktionieren nur

dank unbezahltem Einsatz von Fachpersonen und Freiwilligen. Weil die Ressourcen

fehlen, kann die Qualität nicht im erwünschten Sinne gesichert und

entwickelt werden. 4

1 SKBF 2014: Staff Paper 14, Stefanie Hof und Stefan C. Wolter: Ausmass und Wirkung bezahlter

Nachhilfe in der Schweiz.

2 OECD 2015: Bildung auf einen Blick 2015 (Education at a Glance 2015), Indikator C2

3 Bundesrat 2015: Vollkosten und Finanzierung von Krippenplätzen im Ländervergleich – Bericht des

Bundesrates in Erfüllung des Postulats 13.3259 Christine Bulliard-Marbach vom 22. März 2013, S. 3.

4 UNESCO / Netzwerk Kinderbetreuung 2015: Appell für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung,

S. 22.


Schweizer Bildungsagenda 2030 5

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 2

4 Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung wird als Teil des Bildungssystems

verankert und gezielt weiterentwickelt und gestärkt. Bund, Kantone

und Gemeinden schaffen klare Zuständigkeiten und entwickeln eine

gemeinsame Strategie zur Entwicklung von Angebot und Qualität der frühkindlichen

Bildung;

5 Staat und Wirtschaft engagieren sich dafür, die Kosten der frühkindlichen Bildung

für Eltern zu reduzieren und damit allen Familien den Zugang zu ermöglichen;

6 Der vorschulische Erwerb der Schulsprache für fremdsprachige Kinder wird

schweizweit gefördert und finanziell unterstützt.

Ziel 3 der UN-Bildungsagenda 2030

Allen Frauen und Männern

einen gleichberechtigten

und bezahlbaren Zugang

zu qualitativ hochwertiger

beruflicher und akademischer

Bildung zu ermöglichen.

Herausforderungen in der Schweiz

• In der Berufsbildung und an Hochschulen besteht in unterschiedlichen Bereichen

ein grosses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechteranteilen bei der

Berufs- und Studienwahl;

• Der «Zürcher Appell» für die Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit

hat den Gefahren der wissenschaftlichen Käuflichkeit durch Konzerne Ausdruck

verliehen;

• Kinder aus Akademikerfamilien haben eine 3,7-mal bessere Chance, auf die

höhere Schullaufbahn in der Sekundarschule I zu wechseln, und eine 5,6-mal

bessere Chance, zu studieren; 5

• Hochwertige akademische Bildung setzt voraus, dass die wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen

Fakultäten und Studiengänge an Hochschulen Studierende

ausreichend für ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Management qualifizieren.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 3

7 Gleichberechtigte Berufs- und Studienwahl: Der Nationale Zukunftstag fördert

als nationale Kampagne die echte Wahlfreiheit in der Berufs- und Hochschulbildung

und trägt zur Sensibilisierung in geschlechtsspezifischen Entscheidungen

bei der Berufs- und Studienwahl bei;

8 Hochwertige Hochschulbildung: Die SHK erlässt Richtlinien zur vollständigen

Transparenz über die Herkunft und Verwendung von Drittmitteln sowie zur

Offenlegung der Interessenbindungen von Hochschulangehörigen;

9 Bund und Kantone wirken durch sozialverträgliche Studiengebühren und Stipendien

auf einen gleichberechtigten und bezahlbaren Zugang zur akademischen

Bildung hin;

10 Förderung nachhaltiger Unternehmensverantwortung: SBFI und Swiss Universities

überprüfen Akkreditierungsstandards und Curricula von BSc und

MSc in Wirtschafts- und Finanz- und Rechtswissenschaften auf die Ziele der

UN-Agenda 2030.

5 Becker, Soziale Ungleichheit von Bildungschancen in der Schweiz, in: Künzli, Maag, 2010; in Sozialalmanach

2013, S. 66; Vgl. auch Rolf Becker, Uni Bern: Soziale Ungleichheit von Bildungschancen in der

Schweiz und was man dagegen tun könnte, in: Akademien der Wissenschaften Schweiz: Zukunft Bildung

Schweiz. Akten der Fachtagung vom 21. April 2010, S. 23.


6 Schweizer Bildungsagenda 2030

Ziel 4 der UN-Bildungsagenda 2030

Sicherzustellen, dass

Jugendliche und Erwachsene

die für eine Beschäftigung

oder Selbstständigkeit

relevanten Kenntnisse,

Fähigkeiten und Fertigkeiten

erwerben.

Herausforderungen in der Schweiz

• Die statistischen Kenntnisse über die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

an ausserschulischen Aktivitäten fehlen, um deren Potential für die

Gesundheit, die Gewaltprävention, für die Gestaltung öffentlicher Räume und

für die Persönlichkeits-entwicklung besser zu nutzen. 6 Benachteiligte Jugendliche

(u. a. mit Migrationshintergrund) sind bei ausserschulischen Aktivitäten

untervertreten;

• Personen ohne Berufsbildung sind einem erhöhten Risiko bezüglich Arbeitslosigkeit

und Armut ausgesetzt. In der Schweiz verfügen 2012 658 000 Personen

zwischen 25 und 65 Jahren über keinen Berufsabschluss 7 . Der Anteil der Ausbildungslosen

nimmt bei über 60-Jährigen bis auf 21 % zu. Die durchschnittlichen

Kosten der Ausbildungslosigkeit in Form von höheren Sozialausgaben

und geringeren Sozialversicherungs- und Steuereinnahmen betragen pro Person

rund Fr. 10 000.– pro Jahr 8 ;

• Nach 10 Jahren Aufenthalt in der Schweiz sind 50 % der anerkannten Flüchtlinge

(FL) und 70 % der vorläufig Aufgenommenen (VA) ohne Erwerbsarbeit.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 4

11 Bund und Kantone verbessern über die Jugend-, Sport-, Musik- und Kultur- und

Gesundheitsförderung die Zusammenarbeit der schulischen und ausserschulischen

Arbeit mit dem Ziel, die Beteiligungsquote von Kindern und Jugendlichen

zu erhöhen und den fairen Zugang von benachteiligten Jugendlichen zu

Freizeit- und Integrationsangeboten zu fördern;

12 Der bildungspolitische Handlungsbedarf bei Personen ohne Berufsbildung

(PoBB) ist mit einer Viertelmillion PoBB zwischen 25 und 45 Jahren besonders

hoch. 9 Bis in 10 Jahren sollen 50 000 PoBB über eine Berufsausbildung verfügen.

Damit wird die PoBB-Quote von heute 12,6 % auf unter 10 % gesenkt. 10

Die Bildungsangebote für Personen ohne Berufsbildung sind so angelegt, dass

für die Teilnehmenden mit entsprechendem Potenzial der Zugang zu einem

der Wege (A. QV ohne berufliche Grundbildung, B. Validierung, C. Reguläre

berufliche Grundausbildung, D. Individuell vereinbarte Verkürzung, E. Spezielle

Lehren für Erwachsene) geöffnet wird. 11

Ziel 5 der UN-Bildungsagenda 2030

Benachteiligungen aufgrund

der Geschlechtszugehörig keit

auf allen Bildungsstufen zu

beseitigen und allen Menschen

gleichberechtigten Zugang

zu allen Bildungsstufen zu

sichern, insbesondere benachteiligten

und von Benachteiligung

bedrohten Menschen.

Herausforderungen in der Schweiz

• Geschlechtsspezifische Ausbildungs- und Berufswahl: Junge Frauen wählen

ihren Beruf noch immer aus einem deutlich kleineren Spektrum von Berufen

aus als junge Männer und wählen auch häufiger kürzere Ausbildungen; 12 In

typischen Frauenberufen ist der Verdienst geringer als in typischen Männerberufen;

• Mit der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention soll sichergestellt werden,

dass Menschen mit Behinderungen eine echte Auswahl an beruflicher Bildung

und Weiterbildung erhalten;

6 NFP 52 Impulse für eine politische Agenda aus dem Nationalen Forschungsprogramm Kindheit,

Jugend und Generationenbeziehungen, 2007

7 KEK/CDC Consultants 2012: Förderung von erwachsenen Personen ohne Berufsbildung.

8 BASS 2009, Thomas Fritsch u. a.: Die gesellschaftlichen Kosten der Ausbildungslosigkeit.

9 KEK/CDC Consultants, 2012, Förderung von erwachsenen Personen ohne Berufsbildung

10 KEK/CDC Consultants, 2012, Förderung von erwachsenen Personen ohne Berufsbildung

11 KEK/CDC Consultants, 2012, Förderung von erwachsenen Personen ohne Berufsbildung

12 Siehe Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich, Bereich Bildung,

http://www.ffg.zh.ch/internet/justiz_inneres/ffg/de/bildung.html


Schweizer Bildungsagenda 2030 7

• Gleichberechtigter Zugang für In- und Ausländer: Unterschiedliche Studiengebühren

für ausländische und inländische Studierende verletzen das Diskriminierungsverbot

(Art. 2) des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale

und kulturelle Rechte (UNO-Pakt I);

• Die Bildung ist mit einer steigenden Zahl an traumatisierten Flüchtlingskindern

und Jugendlichen aus Bürgerkriegsgebieten konfrontiert. Das Recht auf

Bildung erfordert besondere Förderungen wie Sprach- und Kulturkenntnisse,

psychologische Beratung, Dolmetscherdienste, Einbezug der Schulen als Partner

der Migrationsbehörden etc.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 5

13 Der Nationale Zukunftstag ist auf Erwachsene Frauen und Männern auszuweiten,

um diese zu einem Berufswechsel und Berufsabschluss zu ermutigen. Der

Berufswechsel von Frauen und Männern ist durch erwachsenen- und geschlechtergerechte

Validierungs- und Prüfungsverfahren zu erleichtern;

14 Das Berufsbildungsgesetz anerkennt in Zukunft die Praktische Ausbildung

(PrA) nach INSOS als niederschwellige, teilstandardisierte Berufsbildung für

Menschen mit Behinderungen und ihr Anrecht auf eine echte Auswahl an

beruflicher Bildung und Weiterbildung;

15 Hochschulkantone und Hochschulen verankern das Diskriminierungsverbot

gegenüber ausländischen Studierenden und Flüchtlingen bei den Studiengebühren

und anderen Zulassungsbedingungen;

16 Bund und Kantone erarbeiten Qualitätsstandards und Finanzierungslösungen

für den speziellen Bildungsbedarf von traumatisierten geflüchteten Kindern

und Jugendlichen bei der schulischen und beruflichen Integration.

Ziel 6 der UN-Bildungsagenda 2030

Den Erwerb ausreichender

Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten

für alle Jugendlichen

und Erwachsenen

sicherzustellen.

Herausforderungen in der Schweiz

• Rund 15 % der Wohnbevölkerung der Schweiz fehlen ausreichende Grundkompetenzen

(Lesen und Schreiben, Alltagsmathematik und Informations- und

Kommunikationstechnologien), um den Anforderungen von Alltag und Beruf

gerecht zu werden. Eine zunehmende Anzahl von Betrieben stellt bei Mitarbeitenden

mangelnde Grundkompetenzen fest; 13

• Eine Studie 14 geht davon aus, dass in der Arbeitslosenversicherung rund 18 %

der Ausgaben oder 1,1 Mia. Fr. auf Leseschwäche zurückzuführen sind;

• Angebote zur Förderung der Grundkompetenzen sind nicht in allen Kantonen

und Landesteilen gleichwertig vorhanden.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 6

17 Beim Vollzug des Weiterbildungsgesetzes sind für den ausreichenden Erwerb

von Grundkompetenzen die erforderlichen finanziellen Mittel von Bund und

Kantonen zur Verfügung zu stellen (Vorschlag SVEB 24 Mio. für BFI-Periode);

18 Die Bildungskoalition NGO fordert gemeinsam mit der IG Grundkompetenzen

die Entwicklung eines 4-Jahresplans Grundkompetenzen von Bund, Kantonen

und Organisationen der Arbeitswelt. Der Bund hat zu gewährleisten, dass in

den Kantonen ein ausreichendes Angebot an Bildungsmassnahmen zur Förderung

von Grundkompetenzen bei Ungelernten aufgebaut wird. 15

13 Volkshochschule Bern vhsbe 2013: Konzept Förderung der Grundkompetenzen in betriebsnahen

Kursen, S. 2.

14 BASS 2007: Volkswirtschaftliche Kosten der Leseschwäche in der Schweiz.

15 KEK/CDC Consultants, 2012, Förderung von erwachsenen Personen ohne Berufsbildung.


8 Schweizer Bildungsagenda 2030

Ziel 7 der UN-Bildungsagenda 2030

Sicherzustellen, dass alle

Lernenden die notwendigen

Kenntnisse und Qualifikationen

zur Förderung nachhaltiger

Entwicklung erwerben,

unter anderem durch Bildung

für nachhaltige Entwicklung

und nachhaltige Lebensweisen,

Menschenrechte,

Geschlechtergleichstellung,

eine Kultur des Friedens und

der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft

und die Wertschätzung

kultureller Vielfalt und

des Beitrags der Kultur zu

nachhaltiger Entwicklung.

Herausforderungen in der Schweiz

• Gemäss der Studie «Jugend und Nachhaltigkeit» und einer repräsentativen

Befragung des Meinungsforschungsinstituts ISOPUBLIC aus dem Jahr 2010

fordern 72 % der 14- bis 18-jährigen Jugendlichen in der Schweiz mehr Nachhaltigkeit

in den Lehrplänen; 16

• 84 % der 14- bis 18-Jährigen sind bereit, sich zu engagieren, wenn sie wüssten,

wie sie sich beteiligen können; 17 Die Schweiz hat beispielsweise einen verbindlichen

Auftrag zur Klimabildung im CO 2 -Gesetz verankert, das Bildungsprogramm

ist erst in der Entwicklung;

• Laut einer weiteren Studie möchten rund 70 % der befragten Schülerinnen

und Schüler mehr darüber wissen, wie man Menschenrechte besser schützen

kann. 18 70 % der Jugendlichen möchten Konflikte in anderen Ländern und

Regionen besser verstehen; 19

• Eine Studie des Forschungsinstituts GfS Bern 2014 stellt fest, dass fast 80 % der

Stimmberechtigten die politische Bildung stärken wollen; 20

• Der Vollzug des neuen Weiterbildungsgesetzes bietet eine Chance in der Umsetzung

der UNESCO Roadmap zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dazu

gehört die Förderung des informellen und non-formellen Lernens bei Multiplikatoren,

Jugendlichen und lokalen Initiativen.

Projekt Schweizer Bildungsagenda 2030

4 Beitrag der Schweiz zur Erfüllung des UN Ziel 7

19 SBFI, EDK und die Zivilgesellschaft einigen sich auf einen Aktionsplan Bildung

für eine nachhaltige Entwicklung 2017–2030, unter Einbezug aller 17 globalen

Ziele der UN Agenda und der fünf Prioritäten der UNESCO Roadmap (Politische

Unterstützung, Schulentwicklung, Lehrende, Jugend und Gemeinden);

20 Hochschulen (ETH, Unis, FH, PH) und Forschungsinstitutionen (SNF, KTI

u. a.) konkretisieren die Nachhaltigkeitsziele in ihren strategischen Zielen von

Lehre, Forschung, Dienstleistungen und Betrieb unter Beteiligung von Studierenden,

dem akademischen Mittelbau, der Professuren, Instituten und der

Hochschulverwaltung. Sie weisen die Leistungen in der Berichterstattung der

Jahresberichte aus;

21 Bund und Kantone entwickeln ein Monitoring und Förderprogramm zur Menschenrechtsbildung

auf allen Bildungsstufen sowie zur Aus- und Weiterbildung

von Führungskräften (CSR) 21 ;

22 Bund und Kantone fördern Bildungsprogramme, in nachhaltiger Energie, Klimaschutz,

Biodiversität, nachhaltiger Stadtentwicklung sowie nachhaltigem

Konsum und Produktion in der Berufs-, Hochschul- und Weiterbildung. Diese

leisten auf allen Bildungsstufen einen wirksamen Beitrag zur Reduktion der

Treibhausgasemissionen bis 2030.

16 SUB/FEE/FEA 2011: Studie «Jugend und Nachhaltigkeit» – Ergebnisse einer repräsentativen Befragung

von 14- bis 18-jährigen Jugendlichen der Schweiz, S. 25.

17 Ebd., S. 27.

18 GfK Marktforschungsinstitut und Bildungskoalition NGO 2013: Studie «Jugend und Lehrplan 21».

19 Ebd.

20 gfs.bern Juni 2014: Politische Bildungsoffensive für alle, Schlussbericht.

21 Schweizerische Eidgenossenschaft: Positionspapier und Aktionsplan des Bundesrates zur Verantwortung

der Unternehmen für Gesellschaft und Umwelt, 1.April 2015; insbesondere Kapitel 3.2.2;

http://www.seco.admin.ch/themen/00645/04008

Bollwerk 35 · CH-3011 Bern · www.bildungskoalition.ch · info@bildungskoalition.ch · Tel. +41 (0) 31 311 16 02

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine