unternehmen Oktober 2013

suedwest.presse

unternehmen Oktober 2013

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 35 | Oktober 2013 | 2,00 €

4 197821 302003 3 5

Logistiker aus

Leidenschaft

Wirtschaft braucht Mobilität.

Er schafft sie: Logistiker Harald Seifert.

Was braucht Seifert? Bessere Straßen.

Big Data Spitzeln war gestern – die Stunde der Daten-Flüsterer SEITE 6

Schwarmfinanzierung Wie man Geldgeber im Internet ködert SEITE 18

Namensgedächnis So vergessen Sie Herrn Lehmann nie SEITE 34


Festnetz, Mobil, Internet, Vernetzung

und Rechenzentrum aus einer Hand.

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unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[inhalt]

18 27

06 24

36

Liebe Leserin, Lieber Leser,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

gemessen an den Konjunktursorgen, die die

Unternehmen zwischen Ulm und dem Bodensee

im Herbst 2012 plagten, können sie

mit diesem Jahr bisher mehr als zufrieden

sein. Die Region ist wirtschaftlich robust.

Sie verfügt über einen guten Branchenmix

und viele Familienunternehmen, wie Wenger

Engineering aus Ulm (Seite 22), die sich

spezialisiert und weltweit Erfolg haben. Der

Schmierstoff für die Wirtschaft sind Logistiker

wie Harald Seifert (Titelinterview Seite

10). Er ist im Logistik-Cluster Schwaben

(Seite 30) aktiv, das sich erfolgreich zur

Plattform der Branche entwickelt hat. Deren

Erfolgsformel beruht auf strikter Orientierung

an Kundenbedürfnissen und steter Suche

nach besseren Abläufen. Davon können

auch andere Unternehmen etwas lernen. Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[verantworten]

06 Die Daten-Flüsterer Wie Unternehmen

die Datenflut für sich nutzen können

[titelthema]

10 Der richtige Takt – und es brummt

Harald Seifert im Gespräch

[finanzieren]

18 Heute zahlt der schwarm

Das Internet als Geldquelle

[führen]

21 schweigen ist alles andere als Gold

Familienunternehmen müssen

kommunizieren lernen

46 Wie man gute Leute findet und hält

Diana Leiherr von CHG-Meridian

[machen]

22 Die Meister der simulation Wenger

Engineering macht viele Testreihen

überflüssig

24 Die Letzten ihrer Art

Der Fachkräftemangel trifft das Land

27 Frischer spargel auf Knopfdruck

Was so alles aus Automaten kommt

36 bodenständig in die Zukunft 50 Jahre

Bauunternehmen Matthäus Schmid

[spezial]

30 i m Auftrag des Kunden unterwegs

Logistik ist mehr nur als der Transport

von A nach Z

40 Made im Kreis neu-Ulm Was in dem

wirtschaftsstarken Landkreis entsteht,

ist gefragt in aller Welt

[leben]

34 Merk-Würdig Wie man sich Namen

merkt

48 Vorstellungsgespräch bei Würstchen

und Glühwein Umfrage unter

Führungskräften zu ihren ersten

Bewerbungen

[namen & nachrichten]

4 neue Ära für Teva-ratiopharm

4 Wicona zieht hinter die eigenen

Fassaden

9 Milei investiert

39 Freie stellen im Handwerk

50 Preis für die neue Chirurgie in Ulm

50 Impressum

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Neue Ära für Teva-Ratiopharm

Die Pharmabranche steht vor einem

Umbruch. Große Konzerne

wie Pfizer, Novartis oder Sanofi

stehen an der sogenannten „Patentklippe“:

Umsatz und Gewinn

mit hochpreisigen Medikamenten

sinken rapide, weil Patente

auslaufen und billige Nachahmerpräparate

(Generika) auf den

Markt kommen. Der größte Generika-Anbieter

weltweit ist der

israelische Teva-Konzern; seit er

vor dreieinhalb Jahren Ratiopharm

gekauft hat, gibt er auch

in Deutschland und Europa den

Ton an.

Neu an der Spitze von Teva-Ratiopharm

ist seit Anfang des Monats

Markus Leyck Dieken. Der 48-jährige

ausgebildete Internist und

Notfallmediziner löst Sven Dethlefs

ab, der fünf Jahre lang an der

Spitze des Unternehmens gestanden

hatte. Dethlefs wechselte in

die Konzern-Zentrale. Dort verantwortet

der Topmanager, der

das Engagement von Teva-Ratiopharm

für die Ulmer Bundesliga-

Basketballer ausgebaut hat, als

Vorstand die Bereiche Produktion

und Logistik.

Sein Nachfolger Markus Leyck

Dieken verfügt über ausgiebige

Branchenerfahrung. Er ist nicht

nur „General Manager“, sondern

auch für die Marketing- und Vertriebstätigkeiten

in den Bereichen

Generika, innovative Arzneimittel

und OTC (rezeptfreie,

aber apothekenpflichtige Präparate)

zuständig. Diese Bandbreite

passt zu Tevas Neuausrichtung:

Der Konzern baut die Entwicklung

eigener Medikamente aus.

Dazu hat er weltweit die Entwicklungsabteilungen

für patentgeschützte

Arznei und Generika

zusammengelegt.

In Ulm hat Teva kräftig investiert.

30 Millionen Euro flossen in eine

Sterilfertigung für Nasenspray in

Blaubeuren, von der aus der Konzern

Europa versorgt. Teva-Ratiopharm

beschäftigt in Deutschland

3100 Mitarbeiter, davon 400

in Blaubeuren. [!]

AMB

Markus Leyck Dieken leitet Teva-Ratiopharm. In der neuen Fertigung werden

derzeit 30 Millionen Nasenspray-Flaschen pro Jahr hergestellt.

Wicona zieht hinter die eigenen Fassaden

Seinen neuen Standort hat der

Ulmer Fassadenspezialist Wicona

zum eigenen Showroom ausgebaut.

Seit 1989 war die Tochter

des norwegischen Mutterkonzerns

Norsk Hydro (Oslo) in Ulm

in der Söflinger Straße Mieter.

Das Gebäude entsprach aber in

Sachen Energieverbrauch und

Qualität der Arbeitsplätze nicht

mehr heutigen Standards. Die

Nebenkosten waren hoch, die

räumliche Kapazität an der Grenze,

sagt Geschäftsführer Arnd

Brinkmann. Ein Umzug wurde

unausweichlich.

Wicona fand in dem Ulmer Immobilienunternehmen

Plaza Estates

GmbH & Co. KG einen Investor

für den Neubau. Mit dem

hatte der Hersteller von Aluminium-Profilsystemen

für Fassaden,

Fenster und Türen bereits früher

zusammengearbeitet. Dadurch

konnten energiesparende Fassaden,

Fenster- und Türsysteme von

Wicona schon in die Planung einbezogen

werden. Eng zusammengearbeitet

habe man auch mit

dem Architekturbüro Mühlich,

Fink & Partner aus Ulm, das den

Gestaltungswettbewerb für den

Geschäftsführer Brinkmann (links) enthüllt das Wicona-Logo.

10 Millionen Euro teuren Neubau

gewonnen hatte, berichtet

Brinkmann. Die vier Stockwerke

beherbergen 50 Büros und vier

Großraumbüros.

Mehr als 200 der europaweit rund

700 Wicona-Mitarbeiter haben

hier ihren Arbeitsplatz. Ulm ist

das Zentrum der Produkt- und Projektentwicklung

sowie die Vertriebszentrale.

Der Jahresumsatz

des Unternehmens mit der Marke

Wicona beträgt weltweit über 220

Millionen Euro. In Ulm und Umgebung

war das Unternehmen mit

seinen Partnern an mehr als 100

Objekten beteiligt, darunter Stadtbibliothek,

Neue Mitte, Neue Synagoge

und die Fachhochschule

Neu-Ulm. [!]

AMB

4


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[namen & nachrichten]

Verpackungsspezialist Uhlmann wächst und baut

Die Pharmahersteller zu Gast bei

Uhlmann: Der Laupheimer Spezialist

für Abfüllanlagen von Medikamenten

veranstaltete erstmals

eine eigene Hausmesse. 700

Kunden und Interessenten aus 70

Ländern folgten der Einladung.

Mittelfristig will Uhlmann-Chef

Norbert Gruber Kunden in ein

repräsentatives Kundenzentrum

einladen. Es soll Schlusspunkt

eines groß angelegten Umbau-,

Modernisierungs- und Erweiterungsprogramms

im Volumen

von 40 Millionen Euro sein. Das

sei „klares Bekenntnis zum

Standort Laupheim und zur Firmenhistorie“.

Geplant wird das Projekt von den

Berliner Star-Architekten Regine

Leibinger und Frank Barkow. Bis

2016 entsteht eine zusätzliche

Montagehalle, zudem werden Lager

und Wareneingang neu gebaut.

Danach stehen die Erweiterung

von Endmontage und

Büroflächen sowie der Bau das

Kundenzentrums an. Spatenstich

ist für Frühjahr 2014 geplant. Bis

dahin soll ein Parkhaus mit bis zu

500 Stellplätzen fertig sein.

Im Geschäftsjahr 2012/13 (31.

März) steigerte der Herstellerr

von Verpackungsmaschinen seinen

Umsatz in der Gruppe um

3 Prozent auf 235 Millionen Euro

steigern. Die Zahl der Mitarbeiter

stieg weltweit leicht auf 1450. In

Laupheim erhöhte sie sich um 41

auf 948. Die Beschäftigten erhielten

erneut eine Sonderzahlung

als Ergebnisbeteiligung. [!] NIK

Großer Andrang bei der Hausmesse von Uhlmann in Laupheim.

Zurückhaltend, sozial

engagiert und erfolgreich

Ein erfolgreicher Manager mit

Weitsicht und sozialem Engagement,

ein großer Förderer von

Kunst und Kultur. So beschreiben

Weggefährten den einstigen

Vorstandschef und Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden

der Ulmer

Wieland-

Werke AG,

Wolfgang

Eychmüller.

Er verstarb im

Alter von 84

Jahren. Die

Wertschätzung

für den

Wolfgang

Eychmüller ist Ulmer und

gestorben.

Vöhringer

Ehrenbürger

drückte sich in vielen Ehrungen

zu seinen Lebzeiten aus.

„Er hat beispielhaft, aber eher

still fürs öffentliche Leben gewirkt,

soziale Initiativen und das

kulturelle Leben gefördert. Vor

allem hat er sich verdient gemacht

um das Ulmer Münster“,

sagte Ulms OB Ivo Gönner.

Eychmüller war nicht nur Vorsitzender

und Spendeneintreiber

des Münsterbauvereins, sondern

auch Geldgeber. „Wir verlieren

eine außergewöhnliche Persönlichkeit

und einen Menschen, der

verehrt wurde“, sagte Wieland-

Chef Harald Kroener. Eychmüller

habe die für Wieland typische

Kultur des menschlichen und respektvollen

Umgangs miteinander

geprägt. 1957 kam der junge

Ingenieur ins Unternehmen und

mach te Karriere. Von 1972 bis

1999 entwickelte er Wieland als

Vorstandschef zu einem führenden

Anbieter für Werkstoffe aus

Kupfer und Kupferlegierungen.

Zuletzt erzielten die Wieland-

Werke, die zur Ulmer Schwenk-

Gruppe gehören, mit weltweit

knapp 6400 Mitarbeitern einen

Jahresumsatz von 2,9 Milliarden

Euro. [!]

HUT/BÖ

Neue Käserei der

Milchwerke Schwaben

Die Milchwerke Schwaben (Marke

„Weideglück“) haben am

Standort Neu-Ulm für 23 Millionen

Euro eine neue Käserei gebaut.

Damit kann die Genossenschaft

die Jahresproduktion von

20.000 Tonnen Schnittkäse auf

40.000 Tonnen verdoppeln. Geschäftsführer

Fritz Fallscheer

sieht die Investition als Signal:

„Das Unternehmen sagt Ja zu

dem Werk.“ Infolge des höheren

Automatisierungsgrads fallen 4

von 180 Arbeitsplätzen weg. Diese

werden durch Fluktuation abgebaut.

2012 steigerte die Genossenschaft

den Umsatz um 2

Prozent auf 191 Millionen Euro.

Der Gewinn verdoppelte sich

nahezu auf 818.000 Euro. [!] REF

Messe Friedrichshafen

erzielt Rekordergebnis

Mit einem Rekordergebnis wartet

die Messe Friedrichshafen auf.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte

verzeichnet die Messegesellschaft

mit 31,9 Millionen

Euro einen Umsatz über der

30-Millionen-Euro-Marke.

Der Rekordwert ist den gestiegenen

Umsätzen der Messen Motorradwelt

Bodensee, Aero, Eurobike

und Outdoor zu verdanken. Vor

allem die Fahrradmesse Eurobike

und die Freizeitmesse Outdoor

haben bei Ausstellern und Besuchern

einen so guten Ruf, dass sie

europaweit als Leitmessen gelten.

Als Messestandort rangiert

Friedrichshafen in Baden-Württemberg

hinter Stuttgart auf

Platz zwei. [!]

HAM

5


Durch die ganze Welt strömt eine gewaltige Datenflut. Nicht nur in der Wirtschaft ist derjenige der Gewinner, der sie am klügsten auswertet und nutzt.

Die Daten-Flüsterer

Fast jeder Mensch im Westen hinterlässt ungezählte Datenspuren. Er kauft online Schuhe und Hosen, nimmt im

Supermarkt per Kundenkarte Rabatte mit. Über Big Data können Unternehmen sich das zu Nutze machen.

Big Data. Der Name taucht immer häufiger

in Zeitschriften und Magazinen auf,

doch bisher wissen zumeist nur eingefleischte

IT-Profis, was sich dahinter genau

verbirgt. „Trotz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen

Relevanz von Big Data kennen

nur 15 Prozent der Bundesbürger den Begriff

und seine Bedeutung. 22 Prozent haben

zwar schon einmal davon gehört, wissen aber

nicht, wofür er steht. 53 Prozent der Bürger ist

Big Data völlig unbekannt“, lautet das Ergebnis

einer repräsentativen Umfrage im Auftrag

von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft,

Telekommunikation und neue

Medien e.V. in Berlin.

Unternehmen und Privatleute produzieren

Tag für Tag eine Unmenge von Daten – beruflich

und privat. Dazu gehören E-Mails, Blogs,

Chats, Telefonate, Aufenthaltspositionen und

so weiter. All diese Informationen können

nicht nur für die Geheimdienste interessant

sein, siehe die aufgeflogenen NSA-Spitzeleien,

sondern auch für Marketing- und Vertriebsspezialisten,

für Einkäufer und Logistiker, für

Verkehrsplaner und Forscher. Doch nur, wenn

man die Daten richtig zu nutzen weiß. Die intelligente,

rasante Aus- und Verwertung der

relevanten Daten: Big Data.

Welche Risiken und welche Chancen unter

dieser riesigen Datenlawine verborgen liegen,

lässt sich schwer abschätzen. „Das Wissen darüber

steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt

Prof. Dr. Philipp Brune, der Leiter des Kompetenzzentrums

„Sichere IT-Anwendung und

-Infrastrukturen“ an der Hochschule Neu-

Ulm: „Speziell im Mittelstand wird es noch

Jahre dauern, bis die vorhandenen und oftmals

unstrukturierten Daten sinnvoll ermittelt,

gefiltert und für das eigene Unternehmen

genutzt werden können.“

Spreu vom Weizen trennen

Denn dahinter steckt viel Analyse und Mathematik.

Schließlich steht der Begriff Big Data

eben nicht nur für die Datenmenge an sich,

6


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[verantworten]

Diffuse angst vor Datendieben verhindert auslagerung

Ihr Partner für Büro-

Technik &Einrichtung

Sind unsere Daten sicher? Die Sorge um

Datenschutzprobleme ist das größte Hindernis

bei Outsourcing-Vorhaben deutscher

Unternehmen. 76 Prozent der Entscheider

lehnen nach einer aktuellen

Studie die Auslagerung von Unternehmensaufgaben

und -strukturen an externe

oder auch interne Dienstleister ab. „Eine

diffuse Angst vor Datendiebstahl bei Auslagerungen

war schon immer vorhanden

und ist durch die aktuellen Ereignisse

nachvollziehbar geworden“, sagt Daniel

Just, Outsourcing-Experte der Hamburger

Beratungsfirma Steria Mummert Consulting

im Hinblick auf den NSA-Skandal.

Auf die Frage nach den wichtigsten Anforderungen

an Outsourcing-Dienstleister

nennen 64 Prozent der Befragten – 200

Fach- und Führungskräfte – die Datensicherheit.

Im Vergleich zur Vorjahresstudie

ist der Wert um sieben Prozentpunkte gestiegen.

sl

Kopiersysteme

» Managed Print Services

» Multifunktionale Systeme

» Dokumentenmanagement

» LED-Drucktechnik

sondern auch für die effektive Verknüpfung

der Informationen mit Methoden der Statistik.

Brune: „Erst dann kann man als Firma

Vorhersagen mit höchster Trefferwahrscheinlichkeit

erzielen,

die weit über die

bisher bekannten,

klassischen Busi-

ness-Intelligence-

Verfahren hinausgehen.“

Mit solchen Prozessen

werten vor

allem Einzelhan-

Wirtschaftsinformatik-

Professor Philipp Brune.

delsfirmen bereits

seit Mitte der 90er

Jahre systematisch

elektronische

Kundendaten aus, etwa über Payback-Karten,

die das Einkaufsverhalten der Menschen dokumentieren

– mit Einwilligung der Kunden.

Big Data kann mehr. Denn immer ausgereiftere

Speichertechnologien und Software-Lösungen

knüpfen immer mehr Verbindungen

und erstellen die gewünschten Datenprofile.

Mit Big-Data-Lösungen wird die Spreu vom

Weizen getrennt, und die Unternehmen gewinnen

relevante Daten für eine effiziente

Geschäftsstrategie.

Für den Wirtschaftsinformatik-Professor ist

das sogenannte „Hadoop-Cluster“ das bislang

bekannteste und auch weitverbreitetste Big

Data-Werkzeug; als „Open-Source-Software“

ist es frei erhältlich: „Vereinfacht ausgedrückt

ist dies ein Baukasten, der verschiedene Software-Komponenten

beinhaltet. Die verteilbare

Datenbank kann die unterschiedlichsten

Daten aus den unterschiedlichsten Quellen

speichern, analysieren und verarbeiten und

erreicht ihre größte Leistungsfähigkeit durch

die gleichzeitige Datenverarbeitung bei einer

Vielzahl von Standardrechnern.“

Wer Will Wann Wo WaS

Das ist nur eine Möglichkeit, wie man mit Big

Data herausfinden kann, welche Dienstleistungen

und Services bestimmte Zielgruppen

aktuell diskutieren, etwa in den Sozialen Medien

wie Facebook oder Twitter. Brune: „Mit

Big Data kann man Aussagen noch spezifischer

machen. Unternehmen können sie zum

Beispiel nutzen, um vorherzusagen, welche

Produkte zu welcher Zeit in welcher Filiale

gefragt sein werden. Auf diese Weise kann

IT-Lösungen

» IT-Dienstleistungen

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Büroeinrichtungen

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Günzburg

Tel 08221 918-0

Biberach

Tel 07351 1598-0

Dillingen

Tel 09071 5898-0

Eisleben

Tel 03475 6799-99

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7


[verantworten] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

man Warenströme exakter fließen lassen. Die

Kunst bei Big Data besteht darin, die richtigen

Fragestellungen für verschiedene Bereiche innerhalb

von Unternehmen zu finden, um einen

Mehrwert zu generieren.“

Davon profitiert auch die IT-Branche, die sich

aufmacht, den riesigen Datenwald zu durchforsten.

Der Branchenverband Bitkom hat in

einer Umfrage ermittelt, dass 38 Prozent der

befragten Unternehmen davon ausgehen,

dass sie durch Big Data noch besser über das

Informations- und Konsumverhalten ihrer

Kunden aufgeklärt werden – und somit auch

die Angebote genauer auf deren Bedürfnisse

abstimmen können. Ebenfalls 38 Prozent hoffen,

ihr Zielpublikum noch genauer zu erreichen.

37 Prozent erwarten durch die effektive

Nutzung der Datenmengen auch eine Verbesserung

der eigenen Logistikprozesse.

Doch die explosionsartig wachsenden Datenströme

spielen nicht nur in der Wirtschaft

eine große Rolle. Big Data nutzt auch die enorme

Menge der allgemein verfüg baren „offenen

Daten“ wie Geoinformationen, Wet ter vorhersagen,

Statistiken, Verkehrsnachrichten oder

medizinische Forschungsergebnisse. Der

Hamburger Hafen etwa will durch eine Big

Data-Lösung den Container-Umschlag in den

kommenden Jahren verdreifachen – ohne die

Fläche zu vergrößern. Wie soll das funktionieren?

Eine Vielzahl von Sensoren auf dem Gelände

ermitteln wertvolle Informationen, unter

anderem über einzelne Arbeitsabläufe,

Standzeiten und auch Größen der Frachter;

das ermöglicht am Ende eine effizientere Ausnutzung

der ganzen Anlage.

So FlieSSt Der verkehr

Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Laut Michael

Kleinemeier, Bitkom-Präsidiumsmitglied,

wurde durch Big Data zum Beispiel das

Verkehrsaufkommen in Stockholm um 20

Prozent reduziert: „Die individuellen Fahrzeiten

sind gar auf die Hälfte geschrumpft. Dafür

werden jede Sekunde 250.000 Standortdaten

von Verkehrsteilnehmern von Video- und

Sensorsystemen

ausgewertet und

zur Verkehrssteuerung

eingesetzt“,

erklärt er. Auch die

Verkehrsemissionen

seien so um 20

Prozent verringert

worden.

Kleinemeier

nennt ein weiteres Michael Kleinemeier vom

Beispiel, um das Branchenverband Bitkom.

Spitzel-Gefühl, das

nicht wenige Leute bei dem Begriff Big Data

beschleicht, zu relativieren: „Ohne den Einsatz

von Big Data werden viele gesellschaftliche

Herausforderungen nicht zu schaffen

sein. Bereits heute werden Big-Data-Lösungen

in der Krebstherapie eingesetzt. Je besser die

Datenbasis ist, desto eher kann die wirkungsvollste

Behandlungsform für jeden einzelnen

Patienten individuell entwickelt werden.“ [!]

sTEFAN lOEFFlER

Wohlfühlen ist die Devise

Im Sinne der Kunden grenzenlos denken und fühlen.

Anzeige

vor drei Jahren wurde die um3o gegründet.

pünktlich zum dritten „Geburtstag“

konnten nun neue Büroräume in Beimerstetten

eingeweiht werden.

„Bei uns steht der Kunde als Mensch im Fokus.

Grenzenlos denken und fühlen“, bringt Oliver

Oehler, Geschäftsführender Gesellschafter

die Firmenphilosophie auf den Punkt und

erklärt: „Wir sind anders. Nach über 15-jähriger

Erfahrung im E-Business wissen wir, dass

vor allem kleine und mittlere Unternehmen

auf ihrem Weg in

die digitale Welt

vor komplexen

Aufgaben stehen.

Diesen sind wir

ein zuverlässiger

Partner und unterstützen

sie bei der

Entwicklung und

Umsetzung von

Internet-Projekten

Firmenchef

Oliver Oehler.

mit maßgeschneiderten

Lösungen“.

Der Fokus von UM3o liegt dabei auf der

Entwicklung von B2B- und B2C-Internetplattformen,

Intra- und Extranet-Lösungen,

Online-Shops sowie der Gestaltung von Internetauftritten.

Elektronischer Datenaustausch

und die Einrichtung von Schnittstellen

zu Warenwirtschaftssystemen runden das

Leistungsportfolio ab.

Solch komplexe IT-Projekte rufen auf Kundenseite

oft Berührungsängste hervor, obwohl

ein hoher Bedarf an derartigen Lösungen

besteht. „Genau hier liegt unser Ansatz“,

hebt Oliver Oehler hervor. „Wir erarbeiten

die Projekte mit unseren Kunden und deren

Mitarbeitern, binden sie in die Entwicklung

ein und vermitteln so, dass die Umsetzung

einfacher gelingen kann, als vom Kunden

ursprünglich vermutet“. Jedes noch so große

Projekt verliere Schritt für Schritt seinen

anfänglichen „Schrecken“, komplexe Abläufe

ließen sich mit einer schlüssigen Usability

bedienerfreundlich abbilden. Über die

E-Business-Lösungen der UM3o sind derzeit

mehr als 200 Unternehmen, vornehmlich

Wiederverkäufer und Einkaufsverbände aus

der Getränkebranche, angeschlossen. Dazu

zählen unter anderem die Kooperationen GE-

DIG und GEFAKO mit ihren Fachgroßhändlern

sowie die Alpirsbacher Klosterbrauerei. Für

diese Plattform wurden über 45 000 Artikeldaten

der Getränkebranche durch UM3o aufbereitet

und in die Anwendung eingebunden.

Ebenso zählt die UM3o auch Betriebe aus

anderen Bereichen zu ihren Kunden. Mittlerweile

beschäftigt die UM3o vier Mitarbeiter,

denen weitere freie Mitarbeiter aus einem gut

funktionierenden, breiten Netzwerk zur Seite

stehen, so Oliver Oehler abschließend. pm

um3o Gmbh

Ulmerstr. 13 | 89179 Beimerstetten

Tel. 0 73 48 / 20 54 010

info@um3o.de | www.um3o.de | facebook/um3o.de

8


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[namen & nachrichten]

milei investiert – und liefert noch

mehr milchpulver aus dem allgäu nach China

Die Milei GmbH in Leutkirch, eine

Tochtergesellschaft des japanischen

Molkereikonzerns Morinaga,

die Milch und Molke zu

Milchpulver, Babynahrung, Diätetikprodukten

und Sportlernahrung

verarbeitet, kommt unverhofft

zu einem größeren

Milchkontingent. Schwarzwälder

Milcherzeuger aus dem Breisgau

und dem Ortenaukreis haben

das ständige Gezerre um einen

angemessenen Erzeugerpreis

mit ihren heimischen Molkereien

Schwarzwaldmilch in Freiburg

und Offenburg satt und werden

im neuen Jahr die Allgäuer

Milchverwerter mit rund 20 Millionen

Kilo Milch beliefern.

Ihre Milch reist bis ans andere Ende der Welt.

Eingefädelt hat das Geschäft die

Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft

BMG eingefädelt; sie stellte

den Kontakt her. Bei der Milei ist

Foto: © Gordon Bussiek/Fotolia.com

der neue Partner hochwillkommen.

Die Geschäftsführung der

Milei bereitet sich gerade auf eine

Ausweitung ihrer Produktionsanlagen

und -räumlichkeiten

vor, weil sie mit einer steigenden

Nachfrage nach ihren Erzeugnissen

vor allem aus China rechnet.

Als vor fünf Jahren ein Skandal

wegen Melamin-verseuchter

Milch Südostasien erschütterte,

verloren die Verbraucher im fernen

Osten das Vertrauen in ihre

heimischen Hersteller. Die Leutkircher

Verwerter von Milch und

Molke rechnen mit einer Investitionssumme

von 150 Millionen

Euro für die Kapazitätsausweitung

und mit einem künftigen

Bedarf von bis zu 200 Millionen

Kilo Milch

Die Milei GmbH beschäftigt im

Allgäu 180 Mitarbeiter. [!] HAm

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9


[titelthema] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

10


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[titelthema]

DerrichtigeTakt

–undesbrummt

Die Straßen sind lausig, die Politik findet er mäßig hilfreich. Dennoch liebt

HaraldSeifertseinen Beruf, nennt ihn Berufung. Seine Seifert Logistics Group

bestimmt mit hunderten Lkw-Touren Tag für Tag den Takt der Wirtschaft und

montiert sogar Motoren für das Daimler-Werk in Rastatt vor.

Die Straßen und die Infrastruktur werden immer

schlechter. Wie schwierig ist es für die Logistik, die

richtigen Produkte zur richtigen Zeit zum richtigen

Ort zu bringen?

Ein heißes Thema. Unser Staat nimmt jährlich im Bereich

Mobilität 54 Milliarden Euro an Mineralölsteuer,

Kfz-Steuer, Maut und vieles mehr ein. Die Bundesregierung

gibt aber deutlich zu wenig für die Verkehrsinfrastruktur

aus: rund 9,5 Milliarden Euro jährlich.

Sichtbares Zeichen des daraus resultierenden

Sanierungsstaus an Brücken und Straßen sind die

vielen Schlaglöcher. Es sollten 3 bis 4 Milliarden Euro

pro Jahr für die Infrastruktur mehr sein. Die Lkw-Maut

bringt dem Staat jährlich circa 4 Milliarden Euro, diese

Einnahmen sind zweckgebunden, wurden aber im Vorhinein

vom Haushalt abgesenkt. Dies ist nicht korrekt

gelöst.

Gibt es weitere Gründe dafür, dass es mit der Verbesserung

der Infrastruktur in Baden-Württemberg

nicht so schnell vorankommt, wie es nötig

wäre?

Da gibt es viele Aspekte. Einer davon ist, dass der

Bund und das Land die Priorisierung unterschiedlich

sehen.

Inwiefern schadet das der Wirtschaft im Südwesten?

Wirtschaft braucht Mobilität. Die Volkswirtschaft

funktioniert nur mit guten Verkehrsanbindungen. Sie

sehen das entlang den Autobahnen: Dort siedeln sich

die Unternehmen an, dort blüht die Wirtschaft. Je weiter

entfernt von den Autobahnen, desto geringer ist die

Dichte an Industrie, weil die Logistikkosten dann einfach

zu hoch sind.

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt?

Ich bemängle an der Politik, dass Baden-Württemberg

im Länderfinanzausgleich ein Geberland ist. In den vergangenen

Jahren hat man den Südwesten bei der Infrastruktur

einfach vernachlässigt. Jahrelang wurde in

Baden-Württemberg in die Infrastruktur zu wenig investiert.

Es fehlt einfach eine zweite Ost-West-Autobahn.

Wir haben nur die B 311, welche dreispurig ausgebaut

werden sollte. In Ostdeutschland weiß man

manchmal nicht, auf welcher Autobahn man eigentlich

fahren soll, weil es dort so viele gibt. Zum Beispiel

die A 20 von Rostock nach Hamburg – dort ist man mitunter

alleine unterwegs. Das kann man von der A 8

nicht behaupten. Die Osterweiterung der Europäischen

Union verschärft das Problem der mangelnden

Infrastruktur. Wir erweitern die EU nach Osten,

vergrößern den Wirtschaftsraum, aber vergessen die

Logistik!

Aber die gehört hierzulande zu den wichtigsten

Wirtschaftsbereichen.

Die Logistikbranche in Deutschland erwirtschaftet

jährlich 225 Milliarden Euro. Darauf sind wir stolz. Die

Bundesregierung sollte zur Kenntnis nehmen, dass die

Logistikwirtschaft der drittwichtigste Arbeitgeber in

Deutschland ist und entsprechend handeln. Untersuchungen

zufolge wird der Verkehr in Deutschland bis

zum Jahr 2030 um bis zu 70 Prozent wachsen. Um die

steigenden Warenmengen transportieren zu können,

müssen wir alle Verkehrsträger ausbauen: Straße,

Schiene, Luft und Binnenschiff.

Würde die Einführung einer Pkw-Maut helfen, den

Sanierungsstau in der Infrastruktur aufzulösen?

Ich bin für die Pkw-Maut. Aber die Einnahmen müssen

ZurPerson

Zeitistein knappes

Gut für den Ulmer

Unternehmer und

Vielfahrer (60.000 Kilometer

im Jahr) Harald

Seifert (57), der

sich selbst als „Autonarren“

bezeichnet.

Sein Tagesablauf ist

durchgetaktet, der

Laptop stets dabei.

Dennoch engagiert er

sich stark ehrenamtlich.

In der Freizeit

joggt er gerne, spielt

Golf oder erliegt der

Faszination von Oldtimern.

Er wuchs mit

drei älteren Schwestern

in Ehingen auf,

stieg nach einer Lehre

in Ulm in den väterlichen

Betrieb ein.

Seifert ist verheiratet

und Vater zweier Söhne

24/20), die studieren.

225 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet Deutschlands Logistikbranche. Ein Grund, stolz zu sein, findet Harald Seifert.

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[titelthema] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

zweckgebunden sein, und zwar für die Verkehrsinfrastruktur.

Aber ein tolles teures System, das erst in fünf

Jahren kommt, ist mir zu wenig. Ich bin durch und

durch Pragmatiker. Eine Vignetten-Lösung ließe sich

schnell umsetzen.

Wie ist die Situation der Lkw-Parkplätze?

Wir haben 25.000 Lkw-Parkplätze zu wenig in Deutschland.

Das Bundesverkehrsministerium ist bereits dabei,

das Problem zu bewältigen. Zurzeit werden etliche

gebaut, aber immer noch viel zu wenige: Es kann nicht

sein, dass Lkw auf der Autobahn auf dem Standstreifen

vor den Parkplätzen und Raststätten stehen. Die Unfallgefahr

ist riesengroß.

Stichwort Spritpreisentwicklung. Wie gehen Sie

mit dem kontinuierlichen Anstieg um?

Der Sprit macht im Transportbereich rund 30 Prozent

unserer Kosten aus. Mittlerweile hat sich in der Branche

eingebürgert, dass Spediteure mit ihren Kunden

sogenannte „Diesel-Floater“ vereinbaren. Den Preisen,

die man abrechnet, liegt eine Indexregelung zu Grunde.

Das ist das eine. Zudem kaufen wir als Unternehmen

sogenannte Slots ein, um uns längerfristig abzusichern.

Ich bemängle, dass die Politik es nicht schafft,

mehr Transparenz in den Markt zu bekommen. Ich fahre

jeden Morgen an einer Tankstelle vorbei und werde

auch im Unternehmen über die aktuellen, täglichen

Preise informiert, die Entwicklung der Preise im Tagesund

Wochenverlauf sind oft merkwürdig.

Ihr Unternehmen gibt es seit 1947. Was waren die

wichtigsten Schritte in der Firmenentwicklung?

Es sind drei Meilensteine: Erstens, mein Vater ist spät

aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er

gründete ein Fuhrunternehmen, das mit eigenen Lastwagen

Transporte übernahm. Als Bub bin ich manchmal

mitgefahren. Zweitens, nach meinem Eintritt in

die Firma baute ich das Unternehmen in Richtung Spedition

weiter aus. Wir haben nicht nur eigene, sondern

auch Kollegen und Subunternehmen im nationalen

und internationalen Räumen eingesetzt. Drittens, vor

rund 25 Jahren haben wir eine eigene Tochtergesellschaft

für Logistik gegründet und bauten die Kontraktlogistik

systematisch aus.

Was bedeutet Kontraktlogistik?

Unsere Experten schauen sich die Prozesse und Wertschöpfungsketten,

die sogenannten Wertstromanalysen,

unserer Kunden an und finden heraus, wie sie sich

verbessern lassen. Dabei stehen Güter-, Daten- und Finanzströme

im Vordergrund. Das Schöne und Interes-

Eine Pkw-Maut einzuführen, hielte Harald Seifert an sich

für eine gute Sache. Aber nicht, wenn man fünf Jahre darauf

warten müsste. Also besser für den Anfang Vignetten.

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unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[titelthema]

sante an der Logistik ist, dass es so vielfältige Aufgaben

und Herausforderungen gibt. Wie zum Beispiel unsere

Tank- und Siloinnenreinigungsanlage, eine der modernsten

in Europa. Wir reinigen vollautomatisch 100

Fahrzeuge mit 350.000 Litern Wasser am Tag und bereiten

das wieder auf.

In diesem Bereich sind Sie auch für den Daimler-

Konzern aktiv.

Diese Zusammenarbeit ist eines unserer größten

Kontraktlogistikprojekte. Zuvor hatten wir nur „just

in time“ zugeliefert, also Waren und Bauteile zur richtigen

Zeit an die Produktionsbänder gebracht. Mit

dem Projekt nun für Daimler versorgen wir von unserem

Standort Malsch, bei Karlsruhe, die Bandfertigung

der A- und B-Klasse und erledigen für rund 250 Lieferanten

die sogenannte Just-In-Sequence-Belieferung.

Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System der Organisation

und Kommissionierung. Sogar Motoren montieren

wir vor.

Das klingt kompliziert. Können Sie es an einem Beispiel

für Laien veranschaulichen?

250 Daimler-Zulieferer liefern ihre Produkte zwei bis

drei Tage vor dem jeweiligen Produktionstermin an

unserem Standort an. Unsere Mitarbeiter entladen,

kommissionieren und sequenzieren etwa 25.000 Teile

täglich. Diese liefern wir in der richtigen Reihenfolge

zur richtigen Zeit für die richtigen Autos im halben

Stundentakt, rund um die Uhr, also 24 Stunden, produktionsgerecht

am Produktionsband an.

Logistik ist mehr, als nur eine

Fuhre von A nach B zu bringen.

Bei der sogenannten Just-

In-Sequence-Belieferung

montieren seine Leute sogar

Motoren für die A- und B-

Klasse von Daimler vor, berichtet

der Chef.

Symbiose Integrieren, modifizieren,

neu gestalten – USM Möbelbausysteme

verleihen Ideen konkrete Gestalt.

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[titelthema] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

2014 wird ein neues Logistikzentrum

im Ulmer Norden

gebaut. Direkt an der Autobahn,

direkt am Containerbahnhof.

„Der Logistiker

sucht immer den optimalen

Standort mit günstigen Verkehrswegen“,

erklärt Harald

Seifert.

Für wen bieten Sie solche Kontraktlogistik-Dienstleistungen

an?

Wir sind europaweit für Konzerne und mittelständische

Unternehmen in den sechs Branchen Automotiv,

Baustoffe, Chemie, Papier, Pharma und Konsumgüter

tätig.

Die Autoindustrie klagt, dass die

Umsätze in Europa nicht so gut

ausfallen. Spüren Sie da schon

etwas?

Nicht bei den Modellen, die wir betreuen:

A- und B-Klasse. Wir sind

sehr dicht an der Produktion und

bekommen die Auftragslage hautnah

mit. Bei diesen Modellen läuft

die Produktion sehr gut, und wir

sind voll ausgelastet.

Wirsind

hautnah

ander

Produktion

dran

Die Logistikbranche ist ein Frühindikator für die

Wirtschaft. Wie läuft es in den anderen Branchen?

Wir können froh sein, dass in Deutschland die Konjunktur

– auch dank politischer Entscheidungen – gut

läuft. In Baden-Württemberg und Bayern haben wir

zum Glück eine sehr gute Wirtschaftsstruktur mit vielen

Familienunternehmen. Da läuft das Geschäft gut.

Nimmt man das internationale Geschäft hinzu, spüren

wir einen Mini-Einbruch.

Wie sieht es in Ihrer Gruppe

aus?

Wir planen, 2013 mehr als 100

Millionen Euro umzusetzen. Wir

sind auf einem guten Weg, haben

gute Aufträge und neue gute Ideen.

Wir sind an 20 Standorten in

Deutschland und Polen mit rund

745 Mitarbeitern tätig. Es sind gerade

drei neue Standorte mit drei

neuen Projekten hinzugekommen. In Mannheim, im

Raum Leipzig und für Porsche ein 36.000 Quadratmeter

großes Warehouse in Ehingen-Berg. Außerdem werden

wir 2014 ein neues, modernes 24.000 Quadratmeter

großes Seifert-Logistikzentrum in Ulm-Nord bauen.

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unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[titelthema]

Dies wird in drei Hallenabschnitten geplant. Bereits

jetzt sind 50 Prozent der Lagerflächen vergeben. Es entsteht

direkt an der Autobahnausfahrt und direkt am

Containerbahnhof. Denn der Logistiker sucht immer

den optimalen Standort mit den günstigen Verkehrswegen.

Wie gut ist denn der Speditions- und Logistikstandort

Ulm/Neu-Ulm?

Hervorragend. Und das sage ich nicht nur, weil ich Logistiker

bin. Externe Gutachter bescheinigen unseren

beiden Städten eine überdurchschnittliche Logistikstärke.

Die kann man sogar sehen, wenn man auf der

A 8 fährt. Logistik findet überall im Alltag statt. Die vielen

Produktionsunternehmen, die sich im Ländereck

Ulm angesiedelt und entwickelt haben, können nur so

erfolgreich agieren, weil sie von starken Logistikunternehmen

unterstützt werden. Ich gehe sogar noch weiter

und sage, dass eine starke Logistik in Ulm/Neu-Ulm

dazu beiträgt, dass sich zukünftig weitere Produktionsunternehmen

hier ansiedeln werden. Logistik ist ein

positiver Standortfaktor.

Ihr Unternehmen ist im Juni mit dem Eco Performance

Award ausgezeichnet worden. Was unternimmt

Ihre Gruppe, um Ökologie, Ökonomie und

Soziales zu verbinden?

Bei uns im Unternehmen gibt es ein Paket an Maßnahmen.

Wir haben – ohne gesetzlichen Zwang – schon 45

Lkw mit Euro VI-Motoren angeschafft, die 15 Prozent

weniger Treibstoff verbrauchen und dementsprechend

weniger Schadstoffe ausstoßen. Unsere Führungskräfte

sind weniger unterwegs, weil wir uns europaweit

häufiger per Videokonferenzen mit unseren Kunden

abstimmen. Wir stellen ein Fünftel unserer Energie

selbst her – regenerativ. Ich persönlich stelle an einer

roten Ampel über die Eco-Taste den Motor meines

Pkws ab. Wir haben Wasserspartasten im ganzen Unternehmen.

Die Reinigungsanlage ist mit der Biogasanlage

verbunden. Da sind wir eines der führenden Unternehmen.

Auch testen wir derzeit Wasserstoffstapler.

Das sind nur verschiedene Ausschnitte unseres Portfolios.

Ich als Unternehmer und wir als Seifert Gruppe

möchten vorne mit dabei sein.

Sie lassen Lkw-Fahrer am Simulator trainieren. Ist

so etwas üblich in der Branche?

Wenn man sich so umhört, ist das doch eher selten. Unseren

Leuten aber macht das riesigen Spaß.

Ein großes Reizthema sind die sogenannten

Lang-Lkw.

Lang-Lkw, Giga-Liner, 60-Tonnen-Monstrum: Hätte das

Umweltfreundliches Verhalten

ist ihm im Unternehmen,

aber auch als Privatmann

wichtig, sagt Harald Seifert.

An einer roten Ampel stelle er

natürlich den Motor ab.

bulthaup b3

Folgt keinen

schnellen Trends.

Sondern

Überzeugungen.

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15


[titelthema] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Aus dem Transportbetrieb seines Vaters hat Harald Seifert ein Logistikunternehmen gemacht, das täglich 800 Lkw-Ladungen disponiert.

MitDienstleistungen

rasantgewachsen

InzweiterGeneration führt Harald Seifert

seine Logistikgruppe. 1976 trat er in

den Transportbetrieb seines Vaters ein,

der damals fünf Mitarbeiter beschäftigte.

Heute arbeiten für die Seifert Logistics

Group (SLG) 750 Mitarbeiter an 18 Stand

orten. 2012 steigerte die Gruppe ihren

Umsatz um 16 Prozent auf 92 Millionen

Euro. Seiferts Unternehmen disponiert

für mehr als 1000 Kunden aus den Bereichen

Automotive, Chemie, Pharma, Papier,

Konsumgüter und Baustoffe täglich

mehr als 800 Lkw­Ladungen. Der eigene

Fuhrpark umfasst 240 Fahrzeugeinheiten,

zudem fahren mehr als 270 festintegrierte

Subunternehmer für Seifert im Corporate

Design des Ulmer Unternehmers. Die

Lagerfläche entspricht der Größe von

rund 30 Fußballfeldern. Ein Schwer punkt

liegt auf der Kontraktlogistik. In deren

Rahmen reinigt SGL beispielsweise Silotanks

für die Chemie bran che. Firmenchef

Harald Seifert en ga giert sich stark ehrenamtlich.

Er ist unter anderem Regionalgruppensprecher

Allgäu/Bodensee der

Bundesvereinigung für Logistik, Mitglied

im Verkehrsausschuss des Deutschen Industrie­

und Han delskammertages, Mitbegründer

und zweiter Vorsitzender des

Logistik­Clusters Ulm/Neu­Ulm und Vizepräsident

der IHK Neu­Ulm.

AMB

Fahrzeug keinen so komischen Namen, gäbe es die Diskussion

auf der politischen Ebene gar nicht. Ich spreche

vom Öko-Liner. Von den Kritikern würde ich gerne

eine vernünftige Begründung hören, warum sie gegen

den Öko-Liner sind. Wenn diese Gründe stichhaltig

sind, überzeugen sie mich auch. Der baden-württembergische

Verkehrsminister Winfried

Hermann von den Grünen

findet aber keine. Das Ganze ist ein

an den Haaren herbeigezogener politischer

Nonsens.

Was macht den Lang-Lkw in

Ihren Augen zum Öko-Liner?

Wo heute drei herkömmliche Lkw

fahren, könnten auf bestimmten

Touren und mit speziellen Gütern

künftig zwei Öko-Liner fahren. Das verringert den

Spritverbrauch und den Schadstoffausstoß um circa

33 Prozent. Die Kosten für den Transport sinken. Das

kommt auch den Verbrauchern zugute.

Es heißt aber doch, dass die langen Lkw Brücken

und Fahrbahnen beschädigen.

DerStreit

umden

„Öko-Liner“

istpolitischer

Nonsens

Die Tonnage bliebe ja bei 40 Tonnen. Darum gäbe es

auch keine Probleme mit Brücken oder Straßen. Da

müsste nichts umgebaut werden. Es geht beim Öko-

Liner ums Volumen. Warum kann man für leichte Güter

wie zum Beispiel Styropor, Windeln oder Verbandsstoffe

nicht bestimmte Strecken festlegen und

freigeben?

Betrifft Sie das Thema Fachkräftemangel,

oder rennen

Ihnen die Leute die Bude ein,

weil Sie so interessante Jobs zu

bieten haben?

In der Spedition und Logistik

herrscht Fachkräftemangel, weil

unsere sehr interessante Branche

unterbewertet wird. Aber daran

arbeiten wir. Die Seifert-Gruppe sucht immer gute Leute.

Wir haben aber durch den langjährigen Mitarbeiterstamm

eine sehr gute Mannschaft, darauf bin ich besonders

stolz. Das Schöne ist, dass wir wachsen und

auch jungen Leuten Führungsnachwuchs-Positionen

anbieten können. Diese sind mit Leidenschaft in der

Logistik tätig. Überhaupt ist Leidenschaft ein gutes

16


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[titelthema]

Wort. Denn Leidenschaft ist für mich der Grundgedanke.

Wenn ich Leidenschaft für einen Beruf habe,

dann ist es die Berufung. Meine Leidenschaft ist die Logistik.

Bleibt Seifert Logistik ein Familienunternehmen?

Ich habe das Glück, dass ich nicht wie manche Familienunternehmen

in Deutschland vom Nachwuchsproblem

betroffen bin. Da ich zwei Söhne habe, auf die

ich stolz bin. Beide studieren derzeit. Einer war gerade

als Werksstudent da, der andere kommt demnächst für

sechs Monate in die Firma, bevor er seinen Master

macht. Sie studieren in die richtige Richtung: International

Management der eine und BWL mit Schwerpunkt

Logistik der andere. Nach Auslandsaufenthalt

und Fremderfahrung steht dem Eintritt in die Firma

nichts entgegen. Beide Söhne sind bei den Strategieund

Führungskräftemeetings bereits dabei.

Und bis zur Übergabe?

Wir haben ein sehr langjähriges und gutes Führungskräfteteam.

In den vergangenen Jahren sind wir sehr

stark gewachsen und top aufgestellt gewesen – und

sind es immer noch.

Wie anstrengend ist es, mit Ihnen in Urlaub zu

fahren?

Ich bin Workaholic. Ich arbeite gerne und bin ein positiv

denkender und leidenschaftlicher Mensch. Ich

kann mich auf die Sekunde fokussieren. Meinen Ausgleich

finde ich bei meiner Familie, beim Golfen und

bei meinem Hobby, den Oldtimern.

DAS GESPRäcH FÜHRTEN

KAREN EMLER, LEITERIN

DER WIRTScHAFTSREDAKTION DER SÜDWEST PRESSE,

UND ALExANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER UNTERNEHMEN [!]

FOTOS: MARc HÖRGER

DOKUMENTATION: DANIEL GLANZ

Die Aussichten, dass die Seifert-Logistics-Gruppe

in Familienhand

bleibt, sind gut, erzählt

Harald Seifert im

Gespräch mit Karen Emler

und Alexander Bögelein.

Seine beiden erwachsenen

Söhne studieren schon „in die

richtige Richtung“.

17


[finanzieren] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

HeutezahltderSchwarm

Ob Buch oder Start-up. Nicht für alle Ideen gibt es sofort einen Kredit von der Bank. Ein neues Finanzierungsinstrument

ermöglicht die Verwirklichung dennoch: Crowdfunding. Das Internet bringt die Geldgeber zusammen.

Um ihren deutsch-peruanischen Phantasy-Roman

Qayqa drucken zu lassen

und den Illustrator bezahlen zu können,

suchte Ritti Soncco Unterstützer im Internet.

„Das Manuskript über die mystische

Welt Perus verpackt in ein Märchen war fertig,

aber ich hatte keinen Verlag“, erzählt die

selbstständige Schriftstellerin und Filmemacherin

aus Ulm. Auf der Online-Plattform

Startnext warb die 29-Jährige deshalb per Videobotschaft

um Spenden. „Über meinen Blog

wusste ich von Fans, die auf das Buch gewartet

haben und mich unterstützen wollten.“

Innerhalb eines Monats hatte Soncco gut

3000 Euro zusammen.

„Es hat mich

positiv überrascht,

wie gut das funktioniert

hat. Ich bin

sehr dankbar, dass

so viele Menschen

etwas gegeben haben“,

sagt die

Künstlerin, die

halb Deutsche und

halb Peruanerin Der Schwarm finanziert

ist. Das Geld reicht Ritti Sonccos Roman.

nun sogar noch für

eine Lesetour durchs Land. Insgesamt gaben

45 Unterstützer zwischen 5 und 500 Euro.

Zum Dank erhielten sie dafür ein handsigniertes

Qayqa-Exemplar, eine namentliche

Erwähnung in der Danksagung des Romans

und einen persönlichen Dankesbrief.

Diese noch junge Methode, Geld aufzutun,

heißt Schwarmfinanzierung. Die Idee: Viele

kleine Investoren entscheiden unabhängig

voneinander in ihrer Gesamtheit darüber, ob

ein Produkt finanziell gefördert wird oder

nicht. Wer Geld sammeln will, stellt dafür auf

speziellen Internetplattformen sein Projekt

Hier ein Schein, da ein Schein – auch wenn viele

Leute nur kleine Summen springen lassen, lässt

sich so manches Projekt verwirklichen.

18


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[finanzieren]

vor, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen.

Außerdem sollte er dazu bereit sein,

über soziale Netzwerke mit seinen Unterstützern

zu kommunizieren. Dafür bekomme er

schon vor der Produkteinführung ein Feedback

vom Markt, kostenloses Marketing und

eine Vielzahl aktiver Multiplikatoren. Geschickt

wird dabei mit dem Begriff der sogenannten

Schwarmintelligenz gearbeitet. Gemeint

ist, dass sich aus vielen Entscheidungen

Einzelner eine profitable Weisheit der Masse

– englisch Crowd – herauskristallisiert.

EinBuCHalSDankESCHön

Es gibt zwei Arten von Schwarmfinanzierung:

Beim so genannten Crowdfunding werben

Kreative wie Soncco Spenden für künstlerische

Projekte wie Bücher, Musik-CD oder Kinofilme

ein. Als Gegenleistung gibt es das

Produkt oder eine Eintrittskarte. Crowdfunding

begann 2009 in den USA mit der Plattform

Kickstarter, seit 2010 bieten auch hierzulande

immer neue Online-Marktplätze wie

etwa Startnext ihre Dienstleistungen an.

Daraus entwickelt hat sich europaweit das sogenannte

Crowdinvesting, das noch einen

Schritt weiter geht: Insbesondere Start-ups

versorgen sich über Online-Plattformen wie

Companisto, Seedmatch oder Innovestment

mit Kapital privater Investoren. „Beim Crowdinvesting

erhält der Kapitalgeber Unternehmensanteile

am Gründungsunternehmen“,

erklärt Hans Rauth, stellvertretendes Vorstandsmitglied

der Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen.

Das könne sowohl in der echten Gründungsphase

als auch in einer späteren

Expansionsphase der Fall sein. Erwirtschaftet

das Unternehmen Gewinn oder wird es mit

Gewinn verkauft, streichen die Anleger ihre

Rendite ein. „Allerdings wissen wir nicht erst

seit der Lehman-Pleite oder dem Scheitern des

Neuen Marktes, dass hohe Chancen mit hohen

Risiken untrennbar verbunden sind“, gibt

Rauth möglichen Investoren zu bedenken.

EinSchwarm,zwei

Finanzierungstypen

Crowdfunding: Dabei handelt es sich

in der Regel um Spenden, die auf Online-Plattformen

eingeworben werden,

um künstlerische oder soziale Projekte

wie Konzerte oder Filme zu verwirklichen.

Zum Dank bekommen die

Spen der eine Naturalrendite in Form

des Produkts, einer Eintrittskarte oder

der namentlichen Erwähnung, sei es

im Abspann oder auf der Verpackung.

Crowdinvesting: Bei dieser Variante

erwerben Investoren über spezielle

Online-Portale Unternehmensanteile.

Sie werden zu stillen Gesell schaftern

und stellen dem Unternehmen dadurch

frisches Kapital zur Verfügung.

Investoren erwarten eine Rendite.

Macht das Unternehmen Gewinne

oder wird es mit Gewinn verkauft, profitieren

auch die Anleger.

hof

Wir finanzieren den Mittelstand.

Nutzen Sie das Sparkassen-Finanzkonzept für Firmenkunden.


[finanzieren] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

dreimal so viele wie 2009 – Tendenz weiter

steigend. In Europa werden etwa 200 gezählt,

hierzulande sind derzeit 20 aktiv.

In Ulm treibt vor allem Andreas Dukek-Haferkorn

von der Kulturfahrschule, einem Treff

für Künstler und Kreative, dieses Thema voran.

Er versucht, über Startnext bis zu 300.000

Euro einzusammeln, um die zehnspurige

Bowling-Bahn im Universum-Center, einem

1970 eröffneten Hochhausklotz, zu einer

Eventlocation umzubauen. Zudem möchte er

bis Ende 2014 eine eigene Crowdfunding-

Plattform für Projekte und Unternehmen aus

Bayern und Baden-Württemberg anbieten.

Die Zahl der Plattformen wächst rasant: 200 sind es mittlerweile in Europa.

Professor Dirk Schiereck ist Inhaber des Lehrstuhls

für Unternehmensfinanzierung an der

TU Darmstadt: „Für Start-ups ist diese Finanzierungsform

deshalb interessant“, erklärt er,

„weil viele nur geringe Rücklagen und oft keinen

Zugang zum klassischen Bankkredit haben.“

Zwar gebe es auch Venture-Capital-Firmen

oder Business Angels, also eine Art

Mentoren, die sich finanziell am Unternehmen

beteiligen und die Existenzgründer mit

Know-how und Kontakten unterstützen, „jedoch

kann längst nicht jedes Unternehmen

einen solchen Sponsor für sein Vorhaben gewinnen“.

Auch Marc Evers, Mittelstandsexperte

beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag

(DIHK) in Berlin, sieht im

Crowdinvesting eine „interessante Finanzierungsalternative

für Start-ups“. Selbst die von

der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission

Forschung und Innovation geht

davon aus, dass das Modell eine „zunehmend

wichtige Rolle in der Frühfinanzierungsphase

von Unternehmen“ spielen könnte. „Bei größeren

Kreditbeträgen muss man allerdings

Fortsetzung

folgt–nur

wennder

Schwarm

eswill

sehr viele Kapitalgeber gewinnen“, sagt Evers.

Eines dürfe man auch nicht vergessen: „Man

präsentiert seine Idee dann einem breiten Publikum,

möglicherweise auch Plagiatoren.“

Nichtsdestotrotz wächst der Markt rasant:

Laut Crowdfunding-Report der US-Marktforscher

„Crowdsourcing LLC“ sammelten entsprechende

Initiativen 2012 weltweit über 2,1

Milliarden Euro ein – 91 Prozent mehr als im

Vorjahr. Seit 2009 hat sich das Marktvolumen

verfünffacht. Die Höhe der erschwärmten Beträge

nimmt ebenfalls zu, wie auch die Zahl

der Plattformen. Mit etwa 530 gibt es weltweit

kliCkumkliCkPromotion

Den Erfolg von Schwarmfinanzierungen erklärt

Professor Gottfried Vossen vom Institut

für Wirtschaftsinformatik der Universität

Münster so: „Durch soziale Netzwerke im Internet

ist es sehr einfach geworden, innerhalb

kurzer Zeit viele Geldgeber zu erreichen und

mit Informationen zu versorgen.“ Denn sind

erst einmal Unterstützer gefunden, verbreiten

diese die Idee per Klick wiederum in ihren

Netzwerken und so weiter, bis genügend

Geldgeber zusammen sind. „Innerhalb kurzer

Zeit lässt sich der Bekanntheitsgrad enorm

steigern. Soziale Netze und Blogs leisten hier

Unvorstellbares“, sagt Vossen.

Manche Plattformen geben bestimmte Mindestbeträge

vor, die eingesammelt werden

müssen, damit ein Projekt realisiert wird.

Oder die Unternehmen nennen den Kapitalbedarf,

den sie mindestens erschwärmen wollen.

Kommen die Summen nicht zustande,

wird das Vorhaben abgeblasen und die Investoren

erhalten ihr Geld zurück. Damit das

klappt, müssen sie sich vorher registrieren.

„Schwarmfinanzierung funktioniert insbesondere

bei kleineren, kreativen Projekten.

Oder zur Herstellung von Produkten, die einen

gewissen Reiz und eine eigene Fangemeinde

haben“, sagt Nikolaus Hertle, Leiter

Innovation bei der IHK Ulm. Skeptisch ist er

hingegen, wenn größere Summen aufgenommen

werden sollen: „Wenn ein Unternehmen

für seine Vorhaben keine Finanzierung auf

herkömmlichem Weg bekommt, hat das

meist seinen Grund.“

Soncco jedenfalls ist überzeugt vom Crowdfunding.

Sie unterstützt auch selbst künstlerische

Projekte. Derzeit schreibt sie an der Fortsetzung

von Qayqa, aus der auch ein Buch

werden soll – wenn der Schwarm es will. [!]

Petra hoffknecht

20


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[führen]

SchweigenistallesanderealsGold

Mittelständische Firmenchefs scheuen häufig die kommunikation mit der Öffentlichkeit und den Medien. Doch das ist

nicht ratsam und rächt sich in Konfliktsituationen, sagt Professor Markus Rhomberg von der Zeppelin-Universität

Viele Familienunternehmen geben sich im

Umgang mit der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend.

Medienanfragen werden manchmal

sehr spät oder nur teilweise beantwortet. Angaben

zum Umsatz gibt es selten, zur Ertragslage

erst recht nicht. „Einen Zwang zur Auskunft

gegenüber der Presse haben die

Unternehmen nicht“, sagt Markus Rhomberg,

Professor für Politische Kommunikation an

der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

Jedoch gilt auch für Familienunternehmen,

wenn sie in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft

geführt werden, die gesetzliche Publizitätspflicht.

Sie müssen auch abhängig von

Größe und Rechtsform ihren Jahresabschluss

veröffentlichen. Anders verhält es sich bei Personengesellschaften.

Gründe für die Intransparenz

gibt es laut Rhomberg mehrere. Viele

Firmenchefs dächten: „Ich möchte nicht, dass

meine Mitbewerber, Lieferanten und Mitarbeiter

wissen, wie gut oder schlecht das Unternehmen

da steht.“ Gegenüber Medien herrsche

schlicht großes Misstrauen.

Allerdings setze ein Wandel ein. Die jüngere

Generation der Unternehmer habe ein anderes

Verhältnis zu Medien und ein anderes Verständnis

von Transparenz. Verschwiegenheit

könne sich ein Unternehmen heute ohnehin

nicht mehr leisten. Die Suche nach guten Fachkräften

und Auszubildenden lasse sich viel

Markus Rhomberg, Professor für Politische Kommunikation an der Zeppelin Universität.

eher lösen, wenn man als Unternehmen öffentlich

wahrgenommen wird.

Ein Beispiel für dieses Umdenken ist das Tettnanger

Outdoor-Unternehmen Vaude. Jahrelang

wurden nur wenige Daten preisgegeben:

„Ich habe hier die Vorgehensweise meines Vaters

fortgeführt“, sagt Chefin Antje von Dewitz.

Inzwischen ist das anders. „Je transparenter das

Unternehmen kommuniziert, umso mehr

kann man Entscheidungen verständlich machen.“

Viele Firmen merkten erst, wie wichtig

Öffentlichkeit ist, wenn es schon zu spät ist,

sagt auch Rhomberg. Denn in Krisen- oder

Konfliktsituationen fänden Journalisten bei

schlechter Kommunikation in der Regel andere

Quellen – enttäuschte Mitarbeiter, einen

Betriebsrat oder auch einen Politiker aus der

Region. „Und dann hat man die Botschaft als

Unternehmen nicht mehr unter Kontrolle.“ [!]

kathrIn Streckenbach/özlem YIlmazer

Firmenmüssenaufihreanliegenaufmerksammachen

Einen Mentalitätswandel bei vielen Familienunternehmen

fordert der Präsident des Baden-

Württembergischen Industrie- und Handelskammertages

und Ulmer IHK-Chef Peter

Kulitz. „Es ist enorm wichtig, dass Familienunternehmer

ihre Interessen in die Gesellschaft

hinaustragen“, sagte Kulitz. Das Wirken

von Familienunternehmen sei in den

Regionen sehr vorteilhaft, werde aber nicht

angemessen dargestellt.

Mehr als 90 Prozent der Betriebe im Südwesten

sind Familienunternehmen. Eine gewisse

Verschwiegenheit

vor allem bei kleinen

und mittleren

Betrieben habe

sich aus Tradition

und Mentalität heraus

entwickelt.

Der Begriff Familienunternehmen

weise bereits darauf

hin: „Das ist eine

Familie, und die

BWIHK-Chef Peter Kulitz

appelliert an Firmen.

privaten Dinge einer Familie werden nicht

außen exponiert“, sagt Kulitz. Auch dass es in

der Regel keine Publizitätspflicht für Personengesellschaften

gibt, spiele eine Rolle, so

der Kammerpräsident. Öffentlichkeitsarbeit

sei wichtig, etwa wenn es um Folgen von politischen

Entscheidungen für die Betriebe gehe.

Familienunternehmer sollten sich stärker öffentlich

äußern. „Ein anderer Umgang mit

Medien bietet die Chance, seine Anliegen öffentlich

zu machen“, sagte Kulitz, der selbst

ein Familienunternehmen führt. [!] Str/YIl

21


Kinderspielzeug? Von wegen. Der vermeintliche Klotz wird einmal das Innenleben eines Autokühlers. Der Ingenieur simuliert hier die Temperaturverteilung

in einem Windkanal: Von außen strömt kühlere Luft (blau) durch den Kühler.

Die Meister der Simulation

Probieren geht über Studieren? Je nachdem. Wo es um komplexe Technologie geht, können Testreihen viel Geld

verschlingen. Und sind oft überflüssig. Das beweist die Wenger Engineering GmbH mit ihren Simulationen.

Eine Gründungsgeschichte wie aus dem

Hochglanzprospekt der Ulmer Wissenschaftsstadt:

Der Hauptakteur, ein hochqualifizierter

Wissenschaftler von der renommierten

Zürcher ETH, sondiert nach dem

Studium seine Chancen, wird auf ein neues

Projekt einer Konzernforschungseinrichtung

in Ulm aufmerksam und vom Fleck weg dafür

engagiert. Als sein Vertrag nach drei Jahren

ausläuft, wagt er den Sprung in die Selbstständigkeit.

Das Equipment besteht aus einem

Laptop, geliehenen Möbeln und einem handtuchgroßen

Büro in der Technologiefabrik

Ulm. Dazu kommen jede Menge Kontakte, die

er zwischenzeitlich geknüpft hat.

Heute, sechs Jahre später: Das vormalige Ein-

Mann-Start-up, die Wenger Engineering

GmbH, beschäftigt 20 Mitarbeiter und verfügt

über ein weltweites Kundennetz. Die Idee

trägt, die Nische des hochspezialisierten Ingenieurbüros

hat sich als ausbaufähig erwiesen.

Dr. David Wenger ist ein Fachmann auf dem

Gebiet der Thermodynamik. Ein Spezialgebiet

ist die thermische Simulation. Teure Versuchsreihen

werden, wo möglich, ersetzt

durch komplexe Berechnungen am PC. „Dadurch

können wir schon früh in einer Projektphase

sagen, ob etwas funktioniert – oder

nicht“, erklärt Wenger. Das ist der entscheidende

Vorteil für seine Kunden.

WiE Dick MuSS Ein kabEl SEin?

Das Know-how von Wenger und seinem interdisziplinär

besetzten Team aus den Bereichen

Verfahrens-, Luft- und Raumfahrttechnik

sowie Chemieingenieurwesen ist zum

Beispiel beim Anschluss von Offshore-Windparks

per Hochspannungskabel gefragt. Wie

dick muss, wie dünn darf so ein Kabel sein?

Durch den komplexen Aufbau solcher Leitungen

und die jeweils unterschiedliche „Einbausituation“

würden Standardberechnungen zu

falschen Ergebnissen

führen. Eine

bestimmte Maximaltemperatur

aber darf das Kabel

an keiner Stelle

überschreiten. Da

das Leitermaterial

(Kupfer) sehr teuer

ist, birgt eine präzise

Simulation ein

Von der ETH Zürich nach

Ulm: David Wenger. Einsparpotential

in Millionenhöhe.

Als Wenger 2004 am damaligen Daimler-

Chrysler-Forschungszentrum anheuerte, war

er mit der Entwicklung der Brennstoffzellen-

Technologie befasst, konkret: mit der Betankungsproblematik

entsprechender Fahrzeuge

mit Wasserstoff. Wird dieser, hochverdichtet,

in einen kleinen Tank gepresst, verändert er

seine Temperatur. Ziel war es, die optimale

22


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[machen]

Tankstelle zu entwickeln. „Eine der besten in

Deutschland steht am Stuttgarter Flughafen,

an der Optimierung waren wir beteiligt“, sagt

Wenger. Die Führung von Kühlkanälen zur

Optimierung der Strömungsverhältnisse bei

Verbrennungsmotoren oder sich je nach Konfiguration

unterschiedlich stark erhitzende

Batterien sind weitere Arbeitsfelder. Aktuelle

Projekte befassen sich mit der Kühlung von

Batterien in Elektro- beziehungsweise Hybridfahrzeugen

und dem Ziel der Hersteller,

möglichst kleine, leichte und kostengünstige

Motoren zu entwickeln.

EinSTEin TuT DEM iMaGE GuT

Im vergangenen Jahr habe seine Firma „knapp

60 Projekte von knapp 30 Kunden“ bearbeitet,

Aufträge „von Japan bis Kalifornien“. Doch

wie nun schafft es ein kleines Büro, von Ulm

aus die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu

ziehen? Etwa zwei Drittel der Aufträge basierten

auf Empfehlungen, verrät Wenger. Weil er

sich nicht allein darauf verlassen will, geht er

immer wieder auf Kongresse und auch Fachmessen.

Nicht schlecht fürs Firmenimage sei

die Adresse in der Einsteinstraße, dagegen –

und das erstaunt – beziffert er die Synergien

durch die Wissenschaftsstadt auf dem Oberen

Eselsberg doch als eher marginal.

Zwei Drittel seines Teams bestehen aus Ingenieuren,

die Wenger weltweit rekrutiert.

Auch auf diesem Feld geht die Perspektive

weit über Ulm hinaus: „Ulm“, sagt Wenger,

„ist viel zu klein, um solche Spezialisten zu

finden.“

Wird das noch etwas mit der Brennstoffzellentechnologie,

für die er einst von Zürich

nach Ulm gekommen ist? Die Probleme scheinen

gravierend zu sein, der Serienstart solcher

Autos verschiebt sich immer weiter nach hinten.

Derlei Bedenkenträgerei ist nichts für

Wenger, da ist er zu sehr Ingenieur aus ganzem

Herzen: „Natürlich wird es gelingen“, sagt

er. Schließlich steckten in den Autos mit heutiger,

konventioneller Verbrennungstechnik

ungezählte Ingenieursarbeitsleben – aus einer

Spanne von mehr als 100 Jahren. Im Vergleich

dazu sei bisher doch nur ein winziger

Bruchteil Arbeitszeit in die Brennstofftechnologie

geflossen. Und die Ingenieure sind

quicklebendig. [!]

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Touchscreen war gestern

– Myestro versteht Gesten

Wenger Engineering funktioniere auch gut

ein paar Wochen ohne ihn – so gut organisiert

sei das Unternehmen, sagt David Wenger. Die

Freiräume nutzt er aber gleichermaßen beruflich:

in seiner Myestro Interactive GmbH. Ihr

Produkt sei eine Revolution, ein Meilenstein

der Technikgeschichte. Es geht dabei darum,

dass sich ein Bildschirm durch Gesten steuern

lässt. Ein Touchscreen ist im direkten Vergleich

dazu schon wieder Technik von gestern.

Entwickelt wurde die Zauberlösung von

einem technikversierten Partner und Tüftler,

Wenger ist in der gemeinsamen Firma fürs

Unternehmerische und die Vermarktung zuständig,

was über Lizenzen geschehen soll.

Spielen kann man mit Myestro auch, Technik-

Freaks könnten ihre Haustechnik daran koppeln,

Faulpelze ersparen sich sogar den Griff

zur Fernbedienung.

Doch Wenger hat auch eine Anwendung

auf gänzlich anderem

Gebiet im Sinn,

in der Kranken- und

Seniorenbetreuung:

Anfassen überflüssig: Der Gesten-Schirm Myestro

reagiert sogar auf ungeübte Besucher.

Stürzt eine Person in einem Raum, der von einem

Myestro-Sensor überwachtwird, erkennt

das System auch darin eine Geste. Es schlägt

Alarm und rettet so einem womöglich hilflosen

„User“ das Leben. In der kleinen Versuchsecke

bei Wenger Engineering installiert, hat

das System immerhin gleich mal bewiesen,

dass es sich selbst einem

ungeschult gestikulierenden

Besucher unterwirft.

[!]

TV

23


[machen] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

DieLetztenihrerArt

Klempner, Glaser, Schuhmacher – die gab es einst in jedem Städtchen. Heute werden vor allem auf dem Land

qualifizierte FachkräfteimHandwerk immer rarer. Dabei sind die Karrierechancen ausgezeichnet.

Der Absatz ist links abgelaufen, und der

Reißverschluss schließt am Rechten

nicht richtig. Ansonsten haben die geliebten

Lederstiefel Schnee, Matsch und

Streusalz gut überstanden. Zum Wegschmeißen

fraglos zu schade: 140 Euro haben sie vor

drei Jahren gekostet und passen wie angegossen.

Also ab zur Reparatur mit ihnen, bevor

der nächste Winter über uns hereinbricht.

Aber wer repariert Stiefel? Im oberschwäbischen

Riedlingen gibt es eine Antwort: „Breitfeld“.

So heißt in der rund 10.000 Einwohner

zählenden Stadt der einzige verbliebene

Schuhmodeladen mit Reparaturservice aus

Meisterhänden.

EinEtrAurigEListE

Franz Breitfeld gehören diese Hände, und sein

Name steht auf einer traurigen Liste der Handwerkskammer

Ulm: neben Klempnern, Glasern,

Parkettlegern und vielen anderen; neben

Handwerkern, die in ihrem Ort allesamt die

einzigen Vertreter ihres Gewerks sein sollen,

ob in Kirchheim, Laupheim, Westhausen

oder eben Riedlingen im Kreis Biberach.

Breitfeld wundert seine Alleinstellung wenig.

Als er 1983 seine Meisterprüfung als Schuhmacher

ablegte, „waren wir schon nur 15 Leute

– aus ganz Baden-Württemberg und Bayern“.

Und heute ist es für Betriebe sehr viel

schwerer Handwerkernachwuchs zu finden,

da ein immer höherer Prozentsatz eines Jahrgangs

sich nach der Schule für ein Studium

entscheidet. „Die das Handwerk heute noch

lernen“, sagt Breitfeld, „orientieren sich zudem

meistens in Richtung Orthopädieschuhmacher,

der auf individuelle Schuhanpassungen

bei Fußschäden spezialisiert ist.“

Der 59-jährige Breitfeld versucht hingegen,

betagte Modeschuhe wieder ordentlich aussehen

zu lassen. Mit einem Fräskopf formt er in

Wo gibt‘s das noch – einen Schuhmachermeister,

der selber Hand anlegt? In Riedlingen. Franz

Breitfeld gehört zu den Letzten seiner Zunft.

24


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[machen]

seiner Werkstatt die Rundungen des zu erneuernden

Winterstiefelabsatzes. Am Ende färbt

er ihn mit schwarzem Wachs – fertig. 10 bis 15

Minuten braucht der Meister für den Absatz,

für den Reißverschluss deutlich länger. „Den

und das Innenfutter müssen sie erst sauber

raustrennen, die Länge abmessen und den

Reißverschluss aus der Meterware rausdrücken

und alles separat wieder einkleben beziehungsweise

nähen und einfassen. Das dauert

mindestens eine halbe Stunde.“ Rund 40

Euro verlangt Breitfeld für beide Arbeiten. Bei

einem Billigstiefel für 50 Euro würde sich die

Reparatur kaum lohnen.

niEmEHrQuALDErWAHL

Vor vielen Jahren habe es noch sieben Schuhanbieter

in Riedlingen gegeben, erinnert sich

Breitfeld, und auch einen, der nur mit Schuhreparaturen

sein Geld verdient hat. Aber wie viele

andere musste

auch dieser Fachmann

schließen –

vor nicht allzu langer

Zeit erst ein

Jahrzehnte altes

Fachgeschäft, das

ebenfalls Reparaturen

übernahm.

Tobias Mehlich, Geschäftsführer

der Handwerkskammer,

befürchtet Versorgungsprobleme.

Jetzt gibt es in Riedlingen

neben Filialen

von Deichmann

und Quick-

Schuh, nur noch

einen Ortho pä dieschuhmach

er, eine

Schuhmodespezialistin und eben Breitfeld.

Wer seine Stiefel reparieren lassen möchte,

Ein Teil von Franz Breitfelds Handwerkszeug (von links): Lederaufrauher, Kneipe, Schuhmacherhammer,

Beißzange, Heft mit Ahle, Oberlederschere (für weicheres Leder), Bodenlederschere und Lochzange.

muss zu Breitfeld gehen oder, wie der Meister

sagt, 20, 30 Minuten mit dem Auto fahren.

Diese Konzentration in der Nahversorgung

gibt es in immer mehr Orten und Handwerksbereichen,

berichtet Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer Ulm:

„Der Fachkräftemangel im Handwerk gefährdet

nicht nur Arbeitsplätze in der Region von

der Ostalb bis zum Bodensee, sondern auch

die Versorgung. Heute haben wir keinen Azubi

auf eine freie Stelle, morgen keinen Gesellen,

der den Auftrag des Kunden abarbeiten

kann. Übermorgen ist dann auch kein Nachfolger

mehr da, der den Betrieb übernimmt.

An manchen ländlichen Standorten in der Region

kann das in Zukunft ein richtig großes

Problem werden.“ Positiv ausgedrückt, entfällt

für die Leute auf dem Land immer häufiger

die Qual der Wahl, negativ gesehen, werden

sie von einem Anbieter abhängig, sofern

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25


[machen] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Ein gutes Schuhsortiment gibt es noch vielerorts – nicht aber die Leute, die von der Pike auf gelernt haben, wie man es bürstet, hegt und pflegt.

es noch einen gibt, oder sie müssen weit fahren

oder hohe Anfahrtskosten zahlen.

Der demografische Wandel wird dabei den

Mangel an Fachkräften im Handwerk noch

vergrößern. Das zeigen die Zahlen des Fachkräftemonitors

der Industrie- und Handelskammern

(IHK) im Südwesten, der das Fachkräfteangebot

und die -nachfrage in 105 Berufsgruppen

und 18 Branchen bis zum Jahr

2030 beschreibt:

„In der Region Bodensee-Oberschwaben

werden

zwischen 2013

und 2030 durchschnittlich

mehr

als 13.000 Fachkräfte

fehlen“, sagt

Heinrich Grieshaber,

Präsident der

IHK-Geschäftsführer Otto IHK Bodensee-

Sälzle wirbt für „Karriere Oberschwaben. Im

mit Lehre“.

Gebiet der IHK

Ulm werden es in

dem Zeitraum 12.000 sein, in Baden-Württemberg

220.000. Dabei steht in der Region Ulm

einem vergleichsweise geringen Mangel an

Akademikern ein Bedarf von etwa 5500 nichtakademischen

Fachkräften mit mittlerer und

hoher Qualifikation gegenüber. „Hier liegt das

eigentliche Fachkräfteproblem“, sagt der

Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, Otto

Sälzle. Zu den Nicht-Akademikern mit hoher

Qualifikation zählten Leute mit einer Weiterbildung

zum Techniker, Meister, Fach- und

Betriebswirt. „Wer eine Karriere mit Lehre

anstrebt, ist auf jeden Fall auf der Gewinnerstraße“,

sagt Sälzle, sind doch die Bedarfszahlen

für hoch beruflich Qualifizierte in der

Region siebenmal so hoch wie die für akademische

Berufe. Nur bei gering qualifizierten

Arbeitskräften sei ein Überangebot zu beobachten.

Für Breitfeld bedeutet diese Entwicklung im

Moment vor allem mehr Arbeit: In seiner acht

Quadratmeter großen Werkstatt warten auf

dem Boden und auf Tischen viele Schuhpaare

auf ihre Reparatur. „So acht bis zehn Tage

müssen die Kunden im Normalfall schon warten

können“, sagt Breitfeld. „Wir haben Wäschekörbe

voller Arbeit, und ich kann das nur

nebenher machen. Das Hauptgeschäft ist ja

der Schuhverkauf.“ In diesem Bereich verdient

der Meister das meiste Geld. Der Umsatz

reicht, um drei Mitarbeiter im Verkauf zu beschäftigen.

„Der Kuchen ist durch die gesunkene

Zahl an Schuhanbietern in Riedlingen

aber nicht größer geworden“, sagt Breitfeld.

„Schließlich gibt es heute das Internet und

solche Mitbewerber wie Deichmann oder

Quick-Schuh, wobei ich zum Glück mit unserem

Sortiment andere Kunden anspreche, die

bereit sind, mal 100 Euro und mehr für einen

Qualitätsschuh auszugeben.“

Was Breitfeld beruhigt, ist die geregelte Nachfolge.

Sein Sohn wird den Laden einmal übernehmen.

„Er leitet momentan in einer anderen

Stadt eine Filiale von einem anderen Unternehmen.“

Ansonsten ginge eine

ungewöhn lich lange Tradition zu Ende: Seit

1779 verkauft und repariert die Familie Breitfeld

Schuhe in Riedlingen. Das ist urkundlich

belegt. Ob der Reparaturservice bleibt, ist allerdings

fraglich. Denn auch sein Sohn ist

kein gelernter Schuhmachermeister mehr,

sondern Kaufmann. [!] ANDREAS CLASEN

Dakommtder

Abtrittanbieter

ÜberdieJahr-

hunderte hat die

Welt eine Vielzahl

von Branchen und

Berufen kommen

und gehen sehen.

Eine lesenswerte

Zusammenstellung

findet sich in

„Verschwundene

Arbeit“ von Rudi Palla (Christian

Brand stätter Verlag, 35 Euro).

Private Toiletten zum Beispiel sind eine

relativ neue Einrichtung. Noch im Mittelalter

erleichterten sich die Menschen

ungeniert auf Straßen, auf Treppen,

in Hinterhöfen. Im 18. Jahrhundert

wuchs ein neues Schamgefühl, es wurden

sogar Vorschriften erlassen, nicht

vor aller Augen seine Notdurft zu verrichten.

Die Stunde eines neuen Berufs

hatte geschlagen: des Abtrittanbieters.

Das waren armen Schlucker, die in großen

Städten einen Kübel und einen

Sichtschutz – meist einen großen Umhang

– zur Verfügung stellten. Dem Beruf

war keine Zukunft beschieden. Im

19. Jahrhundert setzten sich Bedürfnisanstalten

durch – und das war’s.

Manche Berufe, die fast verschwunden

waren, erleben freilich eine Renaissance,

wenn auch nur in bescheidenem

Umfang. So gibt es heute wieder mehr

Hufschmiede, dem Trend zum Freizeitpferd

sei Dank. Womöglich taucht eines

Tages auch der Abtrittanbieter

wieder auf – und tingelt von Bierzelt zu

Bierzelt.

iSt

26


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[machen]

Frischer Spargel

auf Knopfdruck

Cola, Milch, Fleisch, Postkarten, aber auch Regen schir me, Zahnbürsten,

Hundefutter und Slips. Es gibt fast nichts, was man nicht aus einem Automaten

ziehen kann. Die Vending-Branche wächst.

Man sieht sie an allen Ecken und Enden,

in Bahnhöfen, Parkhäusern, auf

Schulhöfen, auf Flughäfen – manchmal

stehen sie auch am Wegesrand und halten

für Fahrradfahrer mit Plattfuß einen Ersatzschlauch

parat. Praktische „Erste Hilfe“

bieten auch die Automaten, die an Teichen

und Bächen stehen. Aus ihnen können vergessliche

Angler vor Ort gekühlte Würmer

ziehen. Die sogenannten Vending-Maschinen

sind aus unserem Alltagsleben nicht mehr

wegzudenken. Zu jeder Tageszeit werfen sie

alles Mögliche aus. „Im Prinzip gibt es alles.

Doch Spitzenreiter sind ganz klar die Kaffeeautomaten,

von denen es allein in Deutschland

bis zu 210.000 Exemplare gibt“, sagt Mieke

Feldmann vom Bundesverband der

Deutschen Vending-Automatenwirtschaft

(BDV) e.V. in Köln. Diese Kaffeeautomaten findet

man als sogenannte „Table top“-Tischgeräte

mitunter in Arztpraxen, Werkstätten und

in den Verkaufsräumen von Autohäusern –

oder eben als wuchtige Standgeräte, die zum

Beispiel in Kantinen oder Krankenhäusern

auf Knopfdruck hunderte von Tassen am Tag

aufbrühen.

EIN MOCCACINO? BITTESEHR!

Für viele Besucher oder Mitarbeiter ist das eine

feine Sache, denn die Zeiten, in denen Automatenkaffee

einen fahlen Geschmack auf

der Zunge hinterlassen hat, sind wohl fast

überall vorbei. Mieke Feldmann: „Heute kann

man selbstverständlich zwischen Cappuccino,

Moccacino, Latte Macchiato, Espresso und

vielen weiteren Sorten wählen.“

Auch Bio-Produkte, Grillfleisch und frische

Milch findet man heutzutage nicht mehr ausschließlich

beim Metzger oder im Supermarkt.

Mieke Feldmann: „Immer mehr Landwirte

erkennen die Zeichen der Zeit und

befüllen außerhalb der Öffnungszeiten des

Die modernen Automaten verfügen über ausgetüftelte

Kühlsysteme: Da bleibt der Spargel frisch.

Foto: © Reika/Fotolia.com

27


[machen] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Man kann fast alles in einen Automaten

stecken. Findige Landwirte zum Beispiel

halten ihren Hofladen auf die Art rund um

die Uhr geöffnet.

Fotos Fotolia.com; Fleisch: © gradt; Zahnbürste: © Ilya Akinshin; Milch: © TrudiDesign; Kaffee: © Fanfo; Eier: © philipus

Der Klassiker spuckt Kaffee aus

Die Zahlen sind enorm. Tag für Tag

werden in Deutschland an den Vending-

Automaten (das englische Wort Vending

steht für Verkauf) neben Snacks und Lebensmitteln

aller Art über zehn Millionen

Heißgetränke wie etwa Kaffee sowie Millionen

von Kaltgetränken verkauft.

Die Zahl der in Deutschland betriebenen

Getränke- und Verpflegungsautomaten

beträgt nach brancheninternen Schätzungen

500.000, darunter etwa 293.500

für die Ausgabe von Heißgetränken. Für

Hofladens eigene Verkaufsautomaten mit

Spargel, Eiern und Kartoffeln.“

Das ist praktisch. Übrigens gibt es das

frische Gemüse nicht ausschließlich gegen

Bares. Immer mehr moderne Automaten sind

mittlerweile mit der kontaktlosen NFC-Technik

ausgestattet. Bei dieser „Near Field

Communication“-Methode können Daten dadurch

übertragen werden, dass man die

Scheckkarte nur noch an das Gerät hält – und

fertig.

Diese einfache Form der Bezahlung gilt natürlich

auch für die Betriebe, in denen sich sogenannte

„Genussautomaten“ zu beliebten

Treffpunkten für Angestellte und Arbeiter gemausert

haben. Beim kurzen Plausch kann

Zehn Millionen Heißgetränke servieren Automaten in Deutschland jeden Tag.

den kleinen Hunger zwischendurch gibt

es über 47.700 Snack- Automaten, und

an etwa 2800 Stück kann man Eis bekommen.

Mehr als 80 Prozent der Geräte stehen

dem Verband zufolge nach wie vor in Unternehmen.

Insbesondere in kleineren

Betrieben bilden Automaten häufig das

einzige Verpflegungsangebot, vor allem

dort, wo die Kantine aufgrund hoher Betriebskosten

nicht mehr wirtschaftlich zu

betreiben war.

SL

man hier den Kaffee zwischendurch, einen

Pausensnack oder auch eine warme Mahlzeit

genießen. Die Auswahl ist stattlich. Ob Sauerbraten

mit Semmelknödel, Rindergulasch mit

Spiralnudeln, Rahmschnitzel mit Spätzle

oder Kassler mit Sauerkraut. Die vermutlich

„kleinsten Kantinen der Welt“ servieren alles,

was der Magen begehrt und sind vor allem für

Leute im Schichtbetrieb ein Segen, wenn der

Hunger auch außerhalb der Öffnungszeiten

der Betriebskantinen groß ist.

DER KÜHL SCHRANK GRILLT

Diese „Genussmenü-Automaten“ sind als

Kombination aus Kühlschrank und Mikrowelle

kleine Wunderwerke der Technik. In

ihnen werden Frischgerichte sachgerecht gelagert

und auf Knopfdruck schnell und schonend

zubereitet – rund um die Uhr.

Speziell die großen Essens- und Getränkeautomaten

tragen zum Wohl der deutschen Warenautomatenwirtschaft

bei. 2012 konnte sie

einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro verzeichnen

– Tendenz steigend. Lediglich im

Jahr 2009 gab es eine Kurve nach unten: „In

diesem Jahr hatten viele Firmen Kurzarbeit

angemeldet und dementsprechend gingen

auch die Verkäufe an den Automaten in den

Betrieben zurück“, erklärt Feldmann.

Trotz steigender Zahlen bei den Automaten-

Verkäufen verzeichnet die Branche im Bereich

der Tabakautomaten einen Abschwung,

eine Folge des gesetzlich ausgeweiteten Nichtraucherschutzes.

Aufgestellt werden die Geräte überwiegend

von selbstständigen Unternehmern. Im Auftrag

der jeweiligen Betriebe kümmern sich

diese Full-Service-Anbieter auf eigene Rechnung

um das Installieren, Einrichten, Beschicken

und Warten. Laut BDV hat ein Automatenbetreuer

in der Regel 20 Geräte am Tag

auf seiner Liste. Auch hier hilft moderne

28


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[machen]

Technik. Spezielle Übertragungsmodule in

den einzelnen Automaten ermöglichen es, alle

Verkaufsdaten und die aktuelle Gerätetemperatur

über Funk abzurufen. So ist die Befüllung

gut auch aus der Distanz planbar, weil

angezeigt wird, welche Produkte ersetzt werden

müssen. Die Daten sind per Mail jederzeit

abrufbar.

BITTE FÜR UNS SÜNDER ...

Automatenbetreuer, dies scheint ein Beruf

mit Zukunft zu sein. So sieht das auf jeden Fall

die Branche, die seit dem Jahr 2008 jungen

Menschen die Möglichkeit bietet, sich zur

Fachkraft für den Automatenservice oder

zum Automatenfachmann oder zur Automatenfachfrau

für den kaufmännischen oder

technischen Bereich ausbilden zu lassen.

Der Nachwuchs wird es in den kommenden

Jahren mit immer pfiffigeren Automaten zu

tun haben, die es den Nutzern mit ihren

„Touchscreen“-Flächen immer leichter und

auch unterhaltsamer machen. Denn es gibt

bereits Geräte, auf deren

Oberfläche Kurz- oder auch

Werbefilme flimmern – so

kann man sich die Wartezeit

auf den Kaffee auch versüßen.

Wer jedoch denkt, dass die

Vending-Automaten ausschließlich

für eine schnelllebige

Zeit des Fastfood-Konsums

stehen, der irrt. Das

beweist der „Gebetomat“: In

dessen Kabine können Ruhesuchende

für wenig Geld Gebete

erklingen lassen. Die

Fürbitten sind nach Weltreligionen

und ihren jeweiligen

Glaubensrichtungen geordnet

– es genügt, den Bildschirm

zu berühren. [!]

STEFAN LOEFFLER

Kein Kleingeld im Sack? Egal. Der Automat von

heute arbeitet gerne bargeldlos. Foto: Jofemar SA

Mehr Raum für Genuss

Egal in welchem Büro, egal in welcher Stadt:

Mit einer guten Tasse Kaffee oder Tee läuft

alles leichter. Nur: Wer kümmert sich um den

Einkauf, die Zubereitung, die Maschine, die

Pflege, den Service, die Bezahlung und das

Geschirr? Dallmayr Vending & Office bietet

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Hand. So können Unternehmen alle Fragen

zur passenden Kaffeemaschine, zum Einkauf,

der Reinigung und dem Service einfach

abhaken. Das Konzept „Genuss aus

einer Hand“ spart Zeit und Personalkosten.

Außerdem steigern eine gute Tasse Kaffee

oder ein Latte Macchiato die Motivation der

Mitarbeiter und stimmen Kunden positiv auf

Meetings ein. Mit der regelmäßigen Wartung

und Reinigung durch das Dallmayr Serviceteam

bleiben die Automaten und Kaffeemaschinen

dauerhaft topfit. Auch die bargeldlose

Bezahlung durch Dallmayr Card Systeme

läuft reibungslos, sicher und bequem. „Das

alleine ist schon eine runde Sache – aber wir

bieten noch mehr“, so Andreas Prestel, Geschäftsführer

von Dallmayr Vending & Office

in Ravensburg, Neu-Ulm und Stuttgart. „Ein

guter Kaffee schmeckt noch besser, wenn

das Ambiente stimmt. Unsere Vision ist,

rund um Kaffeegenuss zentrale Kommunikationstreffpunkte

zu schaffen, an denen sich

Mitarbeiter und Kunden wohlfühlen. Daher

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[spezial] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

ImAuftragdesKundenunterwegs

Mit Logistik ist die Region zwischen Ulm, Augsburg und Kempten schon seit langem ein Schwergewicht. Seit es den

Logistik-ClusterSchwaben gibt, wird dies zunehmend auch außerhalb bekannt.

Verbraucher sind mitunter merkwürdige

Wesen. Auf der Autobahn ärgern sie

sich, weil sie wegen langer Lkw-Kolonnen

nicht schnell genug vorwärtskommen.

Zuhause machen sie sich auf dem Sofa bequem,

sie bestellen Smartphones von

Samsung oder Apple per Mausklick, dazu

Schuhe in zweierlei Größen und dreierlei Farben.

Von denen sie aber nur ein Paar behalten,

den Rest ins Paket packen und zurückschicken.

Nur die wenigsten Verbraucher, die den

Online-Handel boomen lassen, machen sich

wohl bewusst, dass sie damit Warenströme in

Fluss setzen, über die er sich dann als Autofahrer

ärgern. Denn irgendwie müssen die Produkte

aus Asien in die schwäbischen Wohnungen

kommen.

„Logistik ist freilich viel mehr, als einen Lkw

von A nach B zu schicken“, sagt Robert Schönberger,

Geschäftsführer des „Logistik-Clusters

Schwaben“ (LCS). Das Bild von der Logistik in

den Köpfen vieler Menschen und das Image

der Branche würden aber immer noch sehr

stark von Lastwagen geprägt. Dabei sei Logistik

ausgesprochen vielseitig, sie verbinde

Menschen, Unternehmen und Regionen. Logistik

stelle sicher, dass Rohstoffe und Teile

für die Produktion vorrätig sind. Logistik plane

und manage den gesamten Produktionsprozess.

Zur großen Bandbreite an Aufgaben

gehöre auch, dass die Logistiker als Dienstleister

Produkte kommissionieren und konfektionieren

– nach den individuellen Wünschen

der Kunden.

Räumlich erstreckt sich der vor zwei Jahren

gegründete Cluster von der Region Ulm/Neu-

Ulm bis nach Augsburg und ins Allgäu. Damals

hatten 33 Unternehmer aus den IHK-

Regionen Schwaben und Ulm und den beiden

Kammern den Verein gegründet. Mit der Präsentation

eines „Logistik-Atlas Schwaben“,

den die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply

Sinnbild für Logistik: Das Image wird immer

noch stark von Lastwagen geprägt.

30


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[spezial]

Chain Services

(SCS/Nürnberg),

ging der „Logistik-

Cluster Schwaben“

(LCS) erstmals an

die Öffentlichkeit.

Die Welt der Logistik

wurde seither

nicht völlig neu erfunden,

und ein

Robert Schönberger vom starker Logistik-

Logistik-Cluster.

Standort war die

Region auch vorher

schon. Geändert hat sich nach den Worten

Schönbergers, dass die Region mit ihrem Cluster

nun auch aufgrund der PR-Arbeit, diversen

Messeauftritten sowie Networking in der

Fachpresse und bei Entscheidern stärker beachtet

werde. Als er sich auf die Stelle des Geschäftsführers

bewarb, hatte er angenommen,

sie sei in Stuttgart angesiedelt, gibt Schönberger

unumwunden zu. Doch für seine neue

Aufgabe wechselte er von Wiesbaden nach

Augsburg. Dort hat er bei der Industrie- und

Handelskammer ein Büro – ebenso wie in

Ulm. Schönberger arbeitet beharrlich daran,

dass der Cluster auch außerhalb von Ulm und

Bayrisch Schwaben mehr Aufmerksamkeit

bekommt. Eine stärkere Wahrnehmung sei

für die Entwicklung der Unternehmen sehr

wichtig, sagt Harald Seifert, Chef der gleichnamigen

Logistik-Gruppe, und stellvertretender

LCS-Vorstandsvorsitzender „Denn wir wollen

auch vor Ort weiter wachsen und die Region

stärken.“

Unterdentop18

Mit gewisser Genugtuung registrieren die

mittlerweile 90 Mitgliedsunternehmen, dass

die Experten der Fraunhofer SCS als anerkanntes

Forschungs- und Beratungsinstitut

die Region zwischen Ulm und Augsburg als

eine der 18 „Top-Logistik-Regionen“ in

Deutschland mit einem überdurchschnittlichen

Beschäftigungswachstum identifiziert

haben. Wenn nun die Verantwortlichen des

Mitgliederzahlfast

verdreifacht

Im Juli 2011 von neun Unternehmen initiiert

und mit 33 Mitgliedern aus der

Transport- und Logistikbranche, der

produzierenden Industrie, dem Handel

sowie den beiden IHK Schwaben und

Ulm gestartet, vertritt der LCS heute

bereits 90 Mitglieder. Insgesamt hält

die die Logistikbranche in Schwaben

derzeit rund 47.000 Arbeitsplätze bereit.

Ähnliche Cluster-Organisationen

gibt es z.B. für Mechatronik (landesweites

Cluster in Bayern), für Faserverbundstoffe

(Carbon-Composite-Verein,

Augsburg) sowie für Nutzfahrzeuge

und Biotechnologie (Ulm).

tv

Clusters die zentrale Lage in Europa anpreisen,

ihre Nähe zu den fünf größten süddeutschen

Ballungsräumen, all die guten Standortfaktoren,

die Vielfalt und die Stärken ihrer

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[spezial] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

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Logistik ist viel mehr, als einen Lkw von A nach B zu schicken. Dazu gehört Lagerhaltung ebenso wie

Konfektionieren und Kommissionieren von Waren nach Maß – und alles zur richtigen Zeit.

Mitgliedsunternehmen, betreiben sie im

Grunde Standortpolitik.

„Cluster zeigen, wo die Stärken der Region liegen,

und sie schärfen das Profil der Region als

Wirtschaftsstandort“, erklärt Vorstandsmitglied

und IHK-Hauptgeschäftsführer Otto

Sälzle (Ulm). „Wo es eine starke Logistik gibt,

Foto: Christophe Fouquin/Fotolia.com

Foto: © Monkey Business /Fotolia.com

Landkreisemitsehr

gutennoten

derLogistik-AtlasSchwaben schlüsselt

das Standort-Angebot und die Investoren-Nachfrage

für verschiedene

Logistik-Typen auf, zumeist „landkreisscharf“.

Was die Standortattraktivität

für die Produktionsversorgung betrifft,

so schnitten in den IHK-Regionen

Schwaben und Ulm fast alle Landkreise

„überdurchschnittlich“ ab. Berücksichtigt

wurden dabei Faktoren wie Industriedichte,

Flächenverfügbarkeit,

Autobahnnähe sowie die Dienstleisterdichte.

Für Neu-Ulm, Augsburg und

Augsburg-Land gab es für diese Faktoren

die Bestnote „sehr hoch“. Infos unterwww.logistik-schwaben.de

tv

da rollt auch die Produktion hin“, ergänzt

Schönberger. Je mehr die Logistikunternehmen

über die Lieferkette und als Kontrakt-

Logistiker in Produktionsprozesse integriert

werden, desto bedeutender wird ihre Rolle.

Und desto mehr steigt ihr Anteil an der Wertschöpfung.

Als Partner ihrer Kunden entwickeln

sie stetig individuelle Dienstleistungsangebote.

Diese Kontraktlogistik gehört zu

den großen Trends „Sie bleibt attraktiv, da sie

eine höhere Wertschöpfung verspricht“, sagt

Schönberger. Und beim Gros der Neugründungen

in der Branche gehe es um Dienstleistungen

in Tätigkeitsfeldern, für die dann

keine firmeneigenen Lastwagen mehr angeschafft

werden müssten.

Aber auch die Logistik leidet in all ihren Aufgabenfeldern

zunehmend an ein Fach- und

Arbeitskräftemangel – von den Lageristen

über den Verwaltungsbereich bis hin zum Management.

Besonders schwierig ist die Lage

bei den Berufskraftfahrern. Der Grund: Es

kommt kein personeller Nachschub mehr aus

der Bundeswehr. Deshalb sei es umso wichtiger,

das Image der Branche zu polieren.

PLANUNG

BERATUNG

ENGINEERING

www.scherr-klimke.de

32


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[spezial]

Dass sie ferner am eigenen Netzwerk knüpfen,

das Forschung, Kommunen und Wirtschaft

im Interesse der Gesamtregion zusammenführe,

gehört für zu den weiteren

Kernaufgaben des Clusters, sagt Schönberger.

Als „Integrationsplattform“ sei der Cluster

auch eine Plattform, auf der man gemeinsam

Themen bearbeitet, die für einzelne Unternehmen

nur schwer zu stemmen seien: Man

kann Hochschulen einbinden und zum Beispiel

Logistikdienstleister an Infrastruktur-

Fragen beteiligen.

Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern

an den Rahmen- und Standortbedingungen

sowie in der Verkehrsinfrastruktur. Hier müsse

die Branche in Politik und Öffentlichkeit

Bewusstsein für ihre Bedürfnisse schaffen.

Und was fehlt sonst noch? Schönberger muss

nicht lange überlegen. Ein Hafen. Natürlich

ist er sich im Klaren, dass der Wunsch dem

Reich der Träume entstammt. Die Weiterentwicklung

der direkten Container-Verkehre zu

den Seehäfen steht dennoch auf der Agenda.

Handys, iPad, Sofa: Wer hat‘s organisiert? Die Logistiker.

Nach einer Untersuchung von Fraunhofer

SCS bietet gerade dieses Feld Logistikern gute

Zukunftschancen. Als wichtigen Schritt in

diese Richtung wertet Schönberger daher,

dass es seit diesem Monat wieder einen Containerzug

vom Güterverteilzentrum Ulm aus

nach Italien geben werde. [!]

thomas vogel

WAS? WANN?

WER? W0?

Die Unternehmen des schwäbischen Logistiknetzwerks

geben Antworten und bieten Lösungen!

Treten Sie mit uns in Kontakt:

Logistik-Cluster Schwaben (LCS) e.V. · Augsburg 0821/3162 - 363

Ulm 0731/173 - 285 · info@logistik-schwaben.de · www.logistik-schwaben.de

33


[leben] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Merk-Würdig

„Guten Tag, Herr äääääääähhhh ...“ Peinlich, peinlich. Es soll ja Leute geben, deren Gedächtnis unfehlbar ist. Wer

nicht dazugehört, muss zu Tricks greifen. Ein Mentaltrainer empfiehlt, sich Geschichten und Bilder auszudenken.

Je schräger, desto besser – „merk-würdig“ halt. Ein Test mit unserem Team.

Man trifft jemanden auf der Straße, weiß genau, dass man

den Gegenüber kennt, aber der Name will einem partout

nicht in den Sinn kommen. Sicher ist es jedem schon einmal

so ergangen. Oder man wechselt den Job und bekommt

es im neuen Unternehmen binnen kürzester Zeit mit lauter

neuen Gesichtern zu tun. Natürlich, die haben sich alle beim ersten

Mal vorgestellt, aber wer kann sich schon so viele Namen auf einmal

merken?

Oliver Geisselhart, seines Zeichens Gedächtnistrainer, sagt, dass es dafür

eine sehr effiziente Methode gibt. Das Prinzip ist einfach: Man

denkt sich eine Geschichte aus, die zu dem jeweiligen Namen und der

Person passen könnte. Je skurriler und „merk-würdiger“, desto besser

bleibt das kleine Filmchen vor dem geistigen Auge im Gedächtnis. Er

selbst habe ein Fläschchen Olivenöl im Koffer und eine Domina-Geißel,

um sich – zum Beispiel bei öffentlichen Auftritten – vorzustellen:

Dann schlägt er sich ein-, zweimal mit der Geißel hart auf den Rücken

und reibt sich mit Olivenöl ein. Die Leute vergessen seinen Namen

nicht.

DER LEHM-MANN UND DER LANGHAARIGE

Das abgedrehte Kopfkino läuft bei Geisselhart auch gleich an, als er

Fotos der vier Südwest Presse-Mitarbeiter (Foto auf der rechten Seite)

anschaut, die zusammen mit Redaktionsleiter Alexander Bögelein das

Wirtschaftsmagazin „unternehmen [!]“ auf die Beine stellen: „Herrn

Lehmann stelle ich mir ganz wörtlich als den Lehm-Mann vor. Der

schmiert sich selber mit Lehm ein, weil es gut für die Haut ist. Wenn

ich mir jetzt noch vorstelle, wie er sich sein akkurat sauberes Hemd

einschmiert, wird es noch bescheuerter – und damit merk-würdiger.“

Was Tobias Lehmann (45) im echten Leben als realitätsfernen Unfug

von sich weisen würde, ist er doch als Objektleiter „unternehmen !“ für

die Anzeigen zuständig und durch und durch seriös.

Art Director Alen Pahic macht Geisselharts Phantasie gleich zum

Herrn Peitsch – „es reicht, wenn es ähnlich klingt.“ Der lässt seine eh

schon längeren Haare so lange wachsen, bis er sich mit ihnen selber

peitschen kann. Nicht, dass der 41-jährige Grafikchef so etwas vorhätte.

Er lacht, als er die Geschichte hört. Bildchefin Bozena Demski (47),

„obwohl sie sehr freundlich und nett schaut“, demoliert im Kopfkino

des Trainers ihre Skier oder sie dämmt sie. „Denn das Bild sollte vom

Klang her den Namen wiedergeben.“ Nun gut, die echte Frau Demski

hat gar keine Skier, sondern früher Basketball in der 2. polnischen

Bundesliga gespielt. Die Frau Städele geht in Geisselharts Vorstellung

zum Städtele hinaus, bei schönem Wetter setzt sie ihre Sonnenbrille

auf und trällert das alte Lied „Muss i denn, muss i denn zum …“ Mit dem

Spruch sollte man der Redakteurin im echten Leben besser nicht kom-

men – „ich weiß nicht, wie viele tausend Mal ich das schon gehört

habe“, sagt die 49-Jährige und verdreht die

Augen.

Was zu einem wichtigen Punkt führt:

Vergessen oder gar nicht merken

– das sind zwei Paar Stiefel

Die Details

seiner Na-

mensmerk-Phantasien sollte

man besser für sich behalten.

Die Technik mag für Laien kompliziert

klingen. Immer wieder hö-

re er, „da muss ich mir ja viel mehr

merken als nur den Namen“,

sagt Geisselhart. „Aber das

ist ja der Trick.“ Die Welt-

rekordzahl beim Merken

von Vor- und Zunamen

liege bei 201 Personen

in 15 Minuten. „Da

schafft es auch Otto

Normalverbraucher,

sich in drei bis

fünf Minuten zehn

Namen zu merken.“

Schon seit knapp drei

Jahrzehnten steht der

„Ich habe noch nie im Vortrag etwas vergessen, da können

Sie mich um drei Uhr nachts wecken“, sagt Oliver Geisselhart.

„Wenn ich etwas nicht weiß, habe ich es nicht vergessen, sondern

mir gar nicht erst gemerkt.“

140 Vorträge hält der 45-Jährige pro Jahr, früher noch deutlich

mehr. Negative Erlebnisse habe er in Zusammenhang mit seinem

Beruf eigentlich gar keine gehabt, sagt der in Friedrichshafen

geborene Mentaltrainer. Dafür jede Menge schöne Erfahrungen

wie den ersten Zeitungsbericht über ihn, den ersten

Vortrag vor mehr als 1000 Leuten, den ersten Fernsehauftritt

und auch den Moment, in dem er sein erstes selbst verfasstes

Buch in Händen hielt.

GAL

34


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[leben]

45-Jährige auf der Bühne, TV- und Radio-Auftritte, volle Hallen und

mehrere Bücher zeigen seinen Erfolg. Weltweit werde er von Unternehmen

gebucht, berichtet er. Zu dem Metier gekommen ist er über

seinen Onkel Roland Geisselhart, den er respektvoll als „den Gedächtnispionier

in Europa“ bezeichnet. „Schon mit 12 war ich bei seinen

Seminaren mit dabei, mit 14 und 15 Jahren habe ich gemeinsam mit

meinem Onkel mit Kleingruppen gearbeitet.“ Als 16-Jähriger vertrat

er dann erstmals den Onkel als Trainer für Erwachsene – selbst erst gut

1,60 Meter groß, durchaus eine Herausforderung.

AM ANFANG WIRD ERST MAL ANGEGEGEBEN

Respekt verschaffe er sich immer gleich zu Beginn mit einer kleinen

Angebernummer, erzählt Geisselhart: Die Seminarteilnehmer dürfen

ihm 20 Begriffe, verbunden mit einer Zahl, wahllos zurufen.

„Wenn ich dann anschließend weiß, dass 18 ,Stau auf der Autobahn’

war und 5 die ,Deckenbeleuchtung’, dann erkennen sie mich als Experten

an.“

Jeder könne vom Gedächtnisbesitzer zum Gedächtnisbenutzer werden

und seine Gedächtnisleistung um ein Vielfaches steigern – davon

ist er überzeugt. Das beschränke sich nicht nur auf Namen und Gesichter,

sondern funktioniere auch beim Vokabeln lernen, den Tagesplan

oder Fachbegriffe behalten oder auch, wenn man eine Rede ohne

Spickzettel halten will. Grundschema ist immer das Assoziieren, das

Denken in Bildern, verbunden mit einer Emotion. Da ist natürlich eine

gehörige Portion Kreativität gefragt. Beispiele für Vornamen gefällig?

Markus gibt der Mark einen Kuss, die Claudia klaut ein Dia, Matthias

isst einen Matjes-Hering, und die Wiebke wippt im Keller. [!]

WERNER GALLBRONNER

35

Haben Sie alle Namen identifiziert? Redakteurin Irmgard Städele, Objektleiter Tobias Lehmann, Art Director Alen Pahic und Bildchefin Bozena Demski (v. l. n. r.).


Die neue Ulmer Synagoge, der „steile Zahn“ der Schapfenmühle oberhalb der Stadt – 2 von um die 2000 Projekten, die Schmid in 50 Jahren hochgezogen hat.

Bodenständig in die Zukunft

Solidität, Verlässlichkeit, Innovationskraft – über 50 Jahre hinweg hat das Bauunternehmen Schmid damit allen

Konjunkturstürmen erfolgreich getrotzt. Die Baltringer besitzen eine hohe Kompetenz bei heiklen Bauaufgaben.

Seine Bauschilder sind in der Region beinahe

allgegenwärtig. Bis zu 30 Baustellen

befinden sich bei guter Auftragslage

parallel in der Ausführungsphase, an die

2000 Bauten insgesamt hat das Bauunternehmen

Matthäus Schmid im Verlauf von 50 Jahren

errichtet, ganz genau weiß das nicht einmal

mehr der Gründer.

Der Überblick im relevanten Bereich blieb

freilich immer erhalten. Denn während viele

Baufirmen der Region in den zurückliegenden

Jahren aufgeben mussten, beschritt die in

zweiter Generation geführte Firma aus dem

bei Laupheim gelegenen Baltringen einen stetigen

Expansionspfad. Mit derzeit 300 Mitarbeitern,

davon rund 240 gewerblichen, und

der geballten Erfahrung im Haus sei man in

der Lage, Projekte in höherer zweistelliger

Millionengröße ebenso zu bewältigen wie

bautechnisch diffizile Aufträge. Fridolin

Schmid, der zusammen mit seinen Brüdern

Felix und Christian das Geschäftsleitungs-

Trio bildet, nennt die Edelsichtbeton-Bauten

der Ulmer „Neuen Mitte“ als Beispiel.

Das Biberacher Jordanbad, die Synagoge in

Ulm, der „steile Zahn“ in Gestalt des 116 Meter

hohen Getreidesilos der Schapfenmühle bei

Ulm-Jungingen sind weitere Projekte, ebenso

die Akademie für Kommunikation Ulm, der

Erweiterungsbau der Hochschule Biberach,

jede Menge Firmenzentralen, gewerbliche Gebäude

und natürlich Brücken, darunter die

Blautalbrücke in Ulm oder – aktuell – das

neue Donauviadukt bei Untermarchtal.

Da drängt sich die Frage an den Gründer förmlich

auf nach den Fehlern, die er in den ersten

36


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[machen]

eine Chance für den „Baltringer Haufen“

749.-*w

Nivona CafeRomatica

757 schwarz

Gründer Matthäus Schmid und seine Söhne (von links) Fridolin, Christian und Felix.

* mit Cappuccino und Latte-

Macchiato-Funktion und Spülpflege-

Automatik für Milchaufschäumer

Sein eigener Chef sein – dieses Ziel hatte

Maurermeister Matthäus Schmid nicht

eben zu einem glücklichen Zeitpunkt in

die Tat umgesetzt, nämlich am 1. Januar

1963. Das war mitten in einem später legendär

gewordenen, weil schier nie endenden

Winter. Der unverhoffte Auftrag

für einen Heizungsumbau rettete den

Jung unternehmer und seine fünf festen

Angestellten über Kälte und Baustillstand

hinweg. Der Bau einer Villa für den Unternehmer

Uhlmann, der „dem Baltringer

Haufen eine Chance gab“, war ein weiterer

dankbar angenommener Anschub: Es

war der Anfang der bis heute währenden

Zusammenarbeit mit dem Verpackungsspezialisten

aus Laupheim. Schon zwei

Jahre nach der Gründung hatte Schmid

15 Leute; der Bau boomte. Wohnungsund

Brückenbau bildeten die Grundpfeiler.

Seitdem kennen die Kurven von Umsatz

und Mitarbeiterzahl nur noch eine

Richtung: nach oben. Im Jahr 2012 hat

das heute von den drei Söhnen des Gründers

geführte Familienunternehmen rund

100 Millionen Euro erwirtschaftet. tv

Jahrzehnten eben nicht begangen habe? Matthäus

Schmid (75), nicht mehr im operativen

Geschäft tätig, aber noch oft in der Firmenzentrale

präsent, spricht ein unverstelltes Schwäbisch,

strahlt die Solidität eines bodenständigen

Handwerkers aus – und hat damit einen

Teil der Frage schon beantwortet.

Wider den ZeitgeiSt

Als andere ihre Stammmannschaften „verschlankten“

und immer stärker auf Leiharbeiter

setzten, hat er „an meinen Leuten“ festgehalten.

„Aus wirtschaftlichen Gründen habe

ich nie jemanden entlassen.“ Dem am Ende

für viele Firmen ruinösen Preisdumping habe

er sich entzogen, indem er Qualitätsarbeit

und Verlässlichkeit bot – und so nicht zuletzt

immer wieder durch Folgeaufträge profitierte.

Als der ökonomische Zeitgeist die „Fokussierung

aufs Kerngeschäft“ propagierte, verfochten

er und mit ihm später auch seine

Söhne den gegenteiligen Ansatz: Sie stellten

die Firma möglichst breit auf, mit eigener

Zimmerei, Schlosserei, dem Fertigteilbau, der

Lackier- und der Reparaturwerkstatt und sogar

noch einem eigenen Bauhof zur Materialversorgung

der eigenen Baustellen. Der bindet

zwar Kapital, ermöglicht aber eine höhere

Flexibilität. In der Holzwerkstatt stellen 20

Mitarbeiter beispielsweise die komplexen

Schalungen für Brückenbauwerke selbst her.

Selbst Kleinaufträge verschmäht man nicht.

Dafür gibt es den Bauservice, eine „fliegende

Truppe“, die auch mal eine Garage hochzieht

oder einen Altbau saniert. Die Sparte hat vor

geraumer Zeit an 100 Autobahnraststätten

von Süd bis Nord die Toilettenanlagen umgebaut

(Sanifair).

Etliche der größeren Projekte haben Architekturpreise

eingeheimst und sind Zierde der

Baukultur, die eigene Zentrale mit eingeschlossen,

die nebenbei als Demonstrationsobjekt

der eigenen Fertigkeiten dient. Bei

nicht wenigen Schmid-Bauten werden Kenner

der Materie innovative Lösungen feststellen,

von selbstentwickelten Befestigungstechniken

für Fassaden ele mente bis hin zu ausgeklügelten

Konstruktionen oder Betonier-Methoden.

Wer in der Festschrift des Bauunternehmens

blättert, wird feststellen, dass bei Schmid mitunter

gleich mehrere Mitglieder einer Familie

37


[machen] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Auch Brücken sind ein wichtiger Pfeiler im Geschäft von Schmid. Hier die 2011 fertiggestellte Donaubrücke bei Günzburg.

in Lohn und Brot stehen. Von „Betriebsfamilie“

spricht Fridolin Schmid voller Emphase,

die Mitarbeiter erführen Wertschätzung. Andersherum

sind in der Belegschaft noch fast

altmodische, ländliche Tugenden lebendig:

„Wenn mal Not am Mann ist, dann lässt sich

auch mal nach Feierabend ein Trupp zusammenbringen.“

Bei alledem ist nicht zu übersehen, dass

Schmid gewachsen ist – parallel zu den beständig

gestiegenen Anforderungen im

Bausektor. Alle drei Schmid-Söhne und -Geschäftsführer

haben studiert und sich entsprechend

die kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen

und technischen Zuständigkeiten

aufgeteilt. Nicht zuletzt dadurch konnte die

Schlagzahl des Betriebs auf das heutige Niveau

angehoben werden. Die gründliche Kostenkalkulation

ist ein weiterer Schlüssel, warum

Schmid alle Klippen der wechselhaften

Baukonjunkturen erfolgreich umschiffen

konnte. Die meisten Projekte werden am

Computer modular so dargestellt und simuliert,

dass sich Kosten und Fertigungstermin

daraus ablesen lassen.

Unter dem Dach von Schmid stecken drei separate

Unternehmen: die Baufirma mit Hoch-,

Holz- und Schlüsselfertigbau, der Stahl- und

ist mal not

am Mann,

kommt man

auch nach

Feierabend

Fassadenbau und schließlich Schmid Immobilien,

worin Projektentwicklung und das

Bauträgergeschäft gebündelt sind. Unter deren

Fittichen entstand das Friedrichshafener

Medienhaus K 42 und wird in Ulm derzeit das

„UZ“ auf dem ehemaligen Daiber-Areal hochgezogen.

Hier ziehen das Finanzamt und eine

Hotelkette ein; ein Käufer ist auch schon gefunden:

ein Fonds. Diese Aufstellung helfe,

unterschiedliche Baukonjunkturen auszutarieren,

erläutert Fridolin Schmid. Apropos Ulmer

Markt? „Der ist super“, sagt Schmid ohne

zu zögern. Kein Wunder, nachdem hier der

Stadtumbau wieder erheblich an Fahrt gewonnen

hat.

Welche Ziele haben sich die Schmids für die

nächste Zukunft gestellt? Fridolin Schmid

sagt, dass an einen weiteren Personalaufbau

derzeit nicht gedacht sei. Im Moment könnten

gerade beim schlüsselfertigen Bauen die

eklatanten Preissteigerungen nicht im gebotenen

Maße weitergegeben werden. Weitere

Wachstumsfelder werden jedoch bereits geprüft,

im Dienstleistungsbereich.

Was die Rekrutierung von neuem Personal

und von Nachwuchskräften betrifft, geht man

bei Schmid an und für sich planmäßig vor.

Doch als durch Pleiten Fachkräfte frei wurden,

griff das Unternehmen auch mal kurz

entschlossen zu – weil Bauingenieure sich in

aller Regel ihre Jobs aussuchen können. Speziell

der Beruf Maurer leidet noch immer unter

Imageproblemen, das weiß die Firmenleitung

natürlich sehr wohl. Um immer genügend

Lehrlinge für alle sieben Ausbildungsberufe

zu gewinnen, setzt man zum einen auf Schulpartnerschaften,

zum anderen auf innerbetriebliche

Aufstiegsmöglichkeiten und weitere

Anreize für Auszubildende.

Ein Berufsleben lang bei Schmid, mit einer

solchen Perspektive zeigt sich das Bauunternehmen

wiederum wie aus der Zeit gefallen.

Tatsächlich ist auch das einer der Bausteine

der bisherigen Erfolgsgeschichte. [!]


thomasvogel

38


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[namen & nachrichten]

Pepsico trennt

sich von

Gold Ochsen

Pepsico Deutschland trennt

sich nach fast 50 Jahren Zusammenarbeit

Ende 2016 von der

Ulmer Brauerei Gold Ochsen.

Deren Tochterunternehmen,

die Ulmer Getränke Vertrieb,

verliert die Konzession für die

Abfüllung von Pepsi Cola an die

Radeberger-Gruppe. „Wir werden

das Auslaufen der Pepsi-

Konzession zum Anlass nehmen,

uns neu aufzustellen“,

sagte Firmenchefin Ulrike

Freund. Etwa 40 Prozent des Geschäftsvolumens

entfallen auf

alkoholfreie Getränke. Gold

Ochsen beschäftigt rund 200

Mitarbeiter und gehört zu den

20 größten familiengeführten

Brauereien in Deutschland.

Omira zahlt

Abfindung an

Wolfgang Nuber

Die kriselnde Molkerei Omira

(Ravensburg) peilt in diesem

Jahr einen Gewinn von 4,6 Millionen

Euro an. 2012 hatte die

Genossenschaft einen Verlust

von 15,2 Millionen Euro ausgewiesen.

Im Herbst 2014 schließt

die Omira

ihr Werk in

Rottweil. Zudem

soll die

Produktion

von Milch

und Sahne,

Der Ex-Chef der

Omira: Wolfgang

Nuber.

die starken

Marktschwankungen

unterliegt,

Freie Stellen im Handwerk

vielehandwerksbetriebeinBaden-Württembergkönnenihre

ausbildungsplätzenichtbesetzen.Den16.300neuabgeschlossenenverträgenstehen2500freielehrstellengegenüber.In

derhandwerkskammerUlmgibtes(standmitteseptember)

2514neueverträge.Besondersvielederinsgesamt141freien

lehrstellengibtesindenausbildungsberufenstuckateur,

Kraftfahrzeugmechatronikerundschreiner.

verringert, die von Milchpulver

ausgeweitet werden. Die Molkerei

erhöht das Milchgeld auf ein

Niveau oberhalb des Branchendurchschnitts.

So will die Omira

Bauern, die sie verlassen haben,

zurückgewinnen. Mit

Wolfgang Nuber, dem geschassten

Ex-Geschäftsführer, hat sich

die Genossenschaft geeinigt.

Sein Vertrag wurde einvernehmlich

aufgelöst; er erhielt

eine Abfindung.

Goldschmitt geht

unter das Dach

von Hymer

Der Reisemobilveredler Goldschmitt

(Walldürn/ Neckar-

Odenwald-Kreis ) schließt sich

nach einer Phase enger Zusammenarbeit

dem Hymer-Konzern

(Bad Waldsee) an. Der Spezialist

für luftgestützte Fahrwerksysteme

wird aber weiter auch andere

Hersteller beliefern.

Schnell Motoren

reduziert

die Belegschaft

Foto: © auremar/Fotolia.com

Das novellierte Erneuerbare-

Energien-Gesetz und der Anstieg

der Agrarpreise haben der

erfolgsverwöhnten Schnell Motoren

AG in Amtzell einen

Dämpfer verpasst. Weil weniger

Biogasanlagen als erwartet gebaut

werden, muss der Hersteller

von Blockheizkraftwerken,

die mit Biogas betrieben werden,

seine Belegschaft um 45

Mitarbeiter reduzieren. Das unwahrscheinlich

schnell gewachsene

Unternehmen beschäftigt

jetzt noch rund 550

Mitarbeiter; 400 von ihnen sind

in Amtzell beschäftigt. Die Firma

will den Export verstärken

und die Produktpalette erweitern.

Schnell verfügt bis jetzt

über ein Tochterunternehmen

in Tschechien und zwei Niederlassungen

in Niedersachsen.

Neuer Bereich

von Futronic

wächst stark

Im neuen Geschäftsbereich

Wirtschaftsglas, wozu in erster

Linie Trinkgläser gehören, verzeichnet

die Futronic GmbH

(Tettnang), Spezialist für Automatisierungslösungen

im Maschinen-

und Anlagenbau in der

Glasindustrie, im ersten Geschäftsjahr

Erfolge. Der Umsatz

in diesen Bereichen legte um 19

Prozent auf 10 Millionen Euro

zu. Künftig will Futronic mit

seinen 70 Mitarbeitern auch in

der Schüttguttechnik wachsen.

Erneut baut Voith

Stellen in der

Papiersparte ab

Der Heidenheimer Anlagenbauer

Voith will bis Ende September

2014 rund 560 Stellen abbauen.

Grund dafür sei die

anhaltende Nachfrageflaute in

Europa. „Dieser Einschnitt ist

bitter und schmerzhaft“, sagte

Sparten-Chef Hans-Peter Sollinger.

Er sei jedoch unumgänglich,

um die Organisation der

Sparte auf die veränderte Nachfrage

auszurichten. Die Umsetzung

des Personalabbaus werde

nun mit dem Betriebsrat besprochen,

betriebsbedingte

Kündigungen seien nicht ausgeschlossen.

Betroffen sind die

Standorte Krefeld (210 Stellen),

Ravensburg (50), Neuwied (10)

und St. Pölten in Österreich

(290). Kurz zuvor hatte Voith

Paper angekündigt, bis März

2015 in Heidenheim 240 Stellen

zu streichen. [!]

39


Ein Gebäude im Industriegebiet. Auf den ersten Blick unscheinbar – wie vieles im Kreis Neu-Ulm. Doch was hier entsteht, ist auf der ganzen Welt gefragt.

Made im Kreis Neu-Ulm

Baden-Baden steht für Reichtum und Rentner, Berlin für prickelndes Leben. Der Landkreis Neu-Ulm hat keinen so großen

Namen. Dafür gehört er mit Ulm und dem Alb-Donau-Kreis zu den stärksten Wirtschaftsräumen in Deutschland.

Der Landkreis Neu-Ulm hatte die konjunkturellen

Auswirkungen der Finanzkrise

in den Jahren 2008/2009 mit

am stärksten zu spüren bekommen. Aber: Am

Ende war er eine der Regionen, die am besten

aus dem Debakel herausgekommen sind.

Das belegen Zahlen, die die Kreisverwaltung

zur Verfügung stellt, unter anderem das Brutto-Inlandsprodukt

(BIP) und die Übernachtungszahlen.

Gerade im Jahr 2009 erlebte der

Landkreis diesen Dämpfer, das BIP sank von

5,040 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,679

Milliarden Euro. Die Zahl der Arbeitslosen

stieg im Vergleich zum Vorjahr im Jahresmittel

von 2,9 auf 4,4 Prozent. Die Übernachtungszahlen

gingen im gleichen Zeitraum um

rund 13.500 auf 182.500 zurück. „Die relativ

schnelle Erholung unserer Unternehmen von

dieser Krise hat gezeigt, dass wir mit unserem

Branchenmix gut aufgestellt sind“, sagt Landrat

Erich Josef Geßner über die Unternehmen

in der Region; sie sind zumeist Familienbetriebe

oder aus solchen hervorgegangen. Landrat

Geßner sieht sie für die Zukunft gerüstet: „Ob

Metallerzeugung und -verarbeitung, Maschinenbau,

Fahrzeugbau oder Handel – aus allen

Branchen kommen Produkte, die weltweit ge-

40


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[spezial]

Stolz auf die Region: Landrat

Erich Josef Geßner.

fragt sind. Dazu

kommen die Logistikbetriebe,

die

sich als hervorragende

Dienstleistungsunternehmen

präsentieren.

Ich bin überzeugt,

dass diesen Branchen

auch die Zukunft

gehören

wird.“

Neuansiedlungen

in Deutschland zu bekommen, sei mittlerweile

sehr schwer, erläutert der neue Wirtschaftsbeauftragte

des Landkreises, Xunmeng Ying,

der im Landratsamt Monika Stadlers Aufgaben

übernimmt. „Der Schwerpunkt in der

Wirtschaftsförderung ist die Bestandspflege.“

Er will sich aber auch dafür einsetzen, dass

ausländische Investoren ihr Augenmerk auf

die Region richten – und dafür seine Kontakte

nach China nutzen. Dort sei „Made in Germany“

immer noch ein Zeichen für Qualität, von

dem chinesische Unternehmen profitieren

wollen, weiß er. In Sachen Gewerbeansiedlung

warte man aber nicht mehr auf „den großen

Einen“, sondern die Gemeinden verkaufen

Grund gern an jemanden, den sie kennen,

fügt Stadler hinzu. Entwicklungspotential für

Betriebe gebe es im ganzen Landkreis, ob im

Norden von Illertissen in der Pionierstraße, ob

im Eschach in Weißenhorn, ob in der Stadt

Neu-Ulm selbst.

„Kreistag und Kreisverwaltung haben bereits

in den vergangenen Jahren vieles dafür getan,

dass die Rahmenbedingungen stimmen und

sich die Unternehmen nicht nur hier niederlassen,

sondern auch mit großen Innovationen

und Investitionen gezeigt haben, dass sie

in unserem Landkreis ihre Zukunft sehen“,

sagt Geßner. Zu diesen Bedingungen zählt der

Landrat „eine bürger- und unternehmerfreundliche

Verwaltung“. Aus diesem Grund

habe er das Landrats amt umgebaut zu einem

Dienstleistungsunternehmen, „und es freut

mich, wenn mir immer wieder einmal bestätigt

wird, dass unsere Genehmigungsverfahren,

die teilweise erheblich verkürzt wurden,

vorbildlich laufen“.

ArbeiteN, wo MAN Lebt

Die gute Zusammenarbeit dort zwischen Betrieben

und Amt im Kreis heben auch Thilo

Butzbach, Vorsitzender des Clubs der Industrie,

und dessen Geschäftsführer Michael

Mühlbacher als vorteilhaft hervor. Nicht zuletzt

deswegen stehe der Landkreis gut da. In

einigen Gemeinden gebe es aber in Sachen

Gewerbeflächen durchaus Handlungsbedarf,

sagt Butzbach: „Wir dürfen uns nicht nur auf

Neu-Ulm konzentrieren, sondern müssen

wohnortnahe Arbeitsplätze schaffen. Wenn

die Mitarbeiter zu Fuß oder mit dem Fahrrad

zur Arbeit kommen, brauchen wir keine dritte

Spur auf der A 7.“

Dass es während der Finanz- und Wirtschaftskrise

im Kreis nicht noch mehr Arbeitslose

gab, schreibt der Unternehmer dem Bestreben

der Betriebe und Unternehmen zu, ihre Mitarbeiter

zu halten. Das von der Politik verlängerte

Kurzarbeitergeld sei eine gute Lösung gewesen,

um dies zu unterstützen. Nicht

zufrieden dagegen ist Butzbach mit der

Steuer belastung für Unternehmen, speziell

die Gewerbesteuer ist seiner Auffassung nach

Stimmen aus der

Wirtschaft

Entsorgungsunternehmer

Werner Knittel

Für Werner Knittel,

der ein Entsorgungsunternehmen

in Vöhringen

führt, bietet der

Landkreis Neu-

Ulm hohe Lebensqualität

wegen des

attraktiven Freizeitangebots,

seiner

Nähe zu Allgäu

und Bodensee. Zudem

sei das Arbeitsplatzangebot

groß. Das Bildungsangebot

reiche von wohnortnahen Schulen bis zur internationalen

Schule und den Hochschulen.

Verbessert werden sollte seiner Ansicht nach

die grenzüberschreitende Berufsschulausbildung.

Das duale Ausbildungssystem, das noch

wenig ausgeprägt ist, gelte es auszubauen. Die

Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität

sei eng verbunden mit einer guten Verkehrsanbindung.

„Hier müssen wir aufpassen, dass unsere

Region nicht aufs Abstellgleis gerät.“ So

gelte es Projekte anzugehen wie den dreispurigen

Ausbau der A7 vom Elchinger Kreuz bis

Memmingen, Elektrifizierung und zweigleisigen

Ausbau der Illertalbahn und Ausbau der

Bahnstrecke Neu-Ulm – Augsburg für Tempo

200 km/h. Stuttgart 21 solle zügig umgesetzt

werden, ein Airport-Express ab Augsburg zum

Flughafen München wäre wünschenswert. [!]

Der Landkreis Neu-Ulm ist einer der wirtschaftsstärksten

Standorte Bayerns. Hier vereinen sich Kompetenz, Innovation

und hohe Lebensqualität. Die Wirtschaftsbroschüre

zeigt, warum wir zu den Besten in Bayern und Deutschland

gehören. Überzeugen Sie sich selbst!

Landkreis Neu-Ulm

Kantstraße 8, 89231 Neu-Ulm

www.landkreis.neu-ulm.de

wirtschaft@lra.neu-ulm.de

41


[spezial] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Stimmen aus der

Wirtschaft

rund 22.300 euro Kaufkraft pro einwohner

Heinz Koch, Vorsitzender

von „Wir in Neu-Ulm“.

Heinz Koch, Vorsitzender

von „Wir

in Neu-Ulm“, bemängelt,

dass keine

Identifizierung

mit Neu-Ulm als

Zentrum oder

Stadt möglich ist.

Zwar sei die Stadt

rund 150 Jahre alt,

aber auf der „Viehweide

Ulms“ entstanden.

Es gebe

viele Neubauten, wie die Glacis-Galerie. „Die

wichtigste Aufgabe für Neu-Ulm ist es, seine

Mitte zu finden“, sagt der Chef des Stadtmarketingvereins.

Dieser ist aus einer Händlervereinigung

entstanden, hat aber auch Künstler

und Dienstleister als Mitglieder. Diese Mitte

sei sowohl für die Stadt selbst als auch für die

Stadtteile der Petrusplatz. Für diesen Ort müsse

man die Aufenthaltsqualität und die Verweildauer

erhöhen, für Koch hat das viel dem

Gastronomie- und Kulturangebot zu tun. [!]

der Kreis Neu-Ulm mit seiner Fläche von

rund 515 Quadratkilometern und einer

Bevölkerungsdichte von 323 Einwohnern

pro Quadratkilometer zählt zu den kleineren

und dicht besiedelten Landkreisen

Bayerns. Im Jahr 2012 lebten dort 166.451

Menschen. Sozialversicherungspflichtig

beschäftigt waren 57.389, die meisten davon

im produzierenden Gewerbe

(25.485), gefolgt von Handel, Verkehr,

Foto: © Christian Müller/Fotolia.com

Gastgewerbe (16.455), Dienstleistungen

und freien Berufen (15.155) sowie Landund

Forstwirten (294). Die Arbeitslosigkeit

lag 2012 bei 3,1 Prozent (Bayern: 3,7;

Deutschland: 8,4). Die Kaufkraft – das

verfügbare Einkommen ohne Steuern und

Sozialabgaben inklusive staatlicher Transferleistungen

– liegt im Kreis pro Kopf im

Jahr 2013 bei durchschnittlich 22.352 Euro,

deutsch landweit bei 20.621 Euro.

Michael Stoll,

Kreishandwerkermeister

für Günzburg/Neu-Ulm,

lobt die Region als

wirtschaftlich

sehr stark und stabil.

Das Handwerk

sei gut ausgelastet,

es gebe für einige

Kreishandwerkermeister Betriebe eher das

Michael Stoll

Problem, „Aufträge

sinnvoll abzuarbeiten,

als an Aufträge zu kommen.“ Da die

Sparzinsen der Banken sehr niedrig seien, investieren

viele Leute. „Sie stecken ihr Geld

gerade auch in die energetische Sanierung ihrer

Häuser und Wohnungen“. Da gebe es sehr

viele Felder, auf denen Handwerker aus verschiedenen

Bereichen tätig werden können.

Deshalb sei die aktuelle Lage sehr positiv. Zudem

habe der Wirtschaftsstandort Neu-Ulm

durch seine gute Verkehrsanbindung „Strahlkraft

in alle vier Himmelsrichtungen“. [!]

in manchen Gemeinden doch sehr hoch. „Ein

altbekanntes Thema“, weiß er, nichtsdestotrotz

hofft er auf Besserung.

KeiMzeLLe der S-bAhN

Die Verkehrsanbindung war seit jeher das große

Plus der Region. Die günstige Lage zwischen

Donau und Iller und der Bau der Eisenbahnlinie

Ulm - Memmingen haben schon

Mitte des 19. Jahrhunderts Unternehmen ins

untere Illertal gelockt. Über Ulms ICE- sowie

die IC/EC-Verbindungen ist der Landkreis ans

europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen.

Der Nahverkehr weist über den

Donau-Iller-Nahverkehrsverbund DING in

der gesamten Region ein einheitliches Tarifsystem

aus.

Die Anbindung von Weißenhorn nach Senden

über die reaktivierte Bahnstrecke – Geßner

bezeichnet sie als Keimzelle eines Regio-S-

Bahn-Netzes – in Verbindung mit darauf

abgestimmten Busverbindungen soll den

Nahverkehr weiter voranbringen. Mit der

A 7 und der nahegelegenen A 8 ist der Landkreis

besser als viele andere Regionen an das

Fernstraßennetz angebunden. Auch in der

Stadt Neu-Ulm selbst tue sich derzeit ja einiges,

sagt Butzbach und verweist auf die „B 10

neu“. Einen vierspurigen Ausbau bis zur Autobahn

und eine bessere Anbindung der Industriegebiete

an die Europastraße wünscht er

sich.

iN der ChAMpioNS LeAgUe

Früher galt der Ansiedlungspolitik das Hauptaugenmerk

der Wirtschaftsförderung, heute

stehen ganz andere Themen im Blickpunkt:

Oft werden nicht Flächen benötigt, sondern

Menschen, erklärt Landrat Geßner. „Um wirtschaftlich

weiterhin in der Champions

League spielen zu können, brauchen wir sehr

gut ausgebildete und hoch motivierte Fachkräfte“,

sagt er. „Schwerpunkt unserer Arbeit

im Kreistag ist deshalb Bildung.“ Das bleibt

auch an höherer Stelle nicht unbemerkt: „Wir

wurden am 19. April 2013 als erste Gebietskörperschaft

Bayerns vom Bayerischen Staatsminister

für Unterricht und Kultus mit dem

Qualitätssiegel ,Bildungs region in Bayern’ zertifiziert.“

42


Anzeige

Umrahmt von Seen, Wiesen und Wäldern bietet Senden einen optimalen Mix zum Wohnen und Arbeiten.

Fotos: Stadt Senden

Der Magnet im unteren Illertal

Die Wirtschaftstreibenden in Senden profitieren von der einzigartigen Lage der Stadt.

Auf der einen Seite ist die optimale

Verkehrsanbindung an Bundesstraße

und Autobahnen hervorzuheben,

andererseits hat sie sich durch die umliegenden

Seen einen Namen als Naherholungsgebiet

gemacht. Die Nummerschilder

an den Autos verraten, dass eine stetig steigende

Zahl an Bade- und Urlaubsgästen

selbst aus Ballungsgebieten wie Stuttgart

anreist. Im Grenzgebiet von Baden-Württemberg

und Bayern gelegen, übernehmen

die in Senden angesiedelten Unternehmen

die Nah- und Regionalversorgung. Aus den

ländlich geprägten Gebieten der Umgebung

genauso wie aus den größeren Städten des

Umfeldes kommen viele Menschen nach

Senden, um die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten

zu nutzen. Sie profitieren vom

großzügigen Parkplatzangebot ebenso wie

von den vielen Geschäften aller denkbaren

Prägung. Durch die Präsenz namhafter Anbieter

hat Senden weit über die Grenzen der

Region einen enormen Bekanntheitsgrad

erlangt, von dem auch etliche andere Firmen

profitieren, die sich hier angesiedelt

haben. Durch geschickte Maßnahmen ist es

der Stadtverwaltung gelungen, eine gesunde,

gut durchdachte Angebotsmischung zu

etablieren. Als Stadt ist Senden über die

Jahre aus mehreren Dörfern zusammengewachsen,

hat aber in den verschiedenen

Ortsteilen seinen dörflichen Charakter beibehalten.

Die räumlichen Bedingungen erlauben

durch Bundesstraßen, Eisen- und

Autobahnen, aber auch den Fluss Iller sowie

Seen und Landschaftsschutzgebiete keine

unkontrollierte Ausdehnung der Stadt. Sendens

erster Bürgermeister Kurt Baiker

spricht in diesem Zusammenhang von „Flächenrecycling“,

wenn frei werdende Flächen

an neue Interessenten vermittelt werden.

Ihm und seinen Mitarbeitern im Rathaus

liegt ein ausgewogenes Miteinander von Arbeiten,

Wohnen und auch Landwirtschaft

besonders am Herzen. Denn nicht nur als

Standort für Qualitätswirtschaft hat sich

Senden letztlich

hauptsächlich

durch Mund-zu-

Mund-Propaganda

ein herausragendes

Image erarbeitet,

auch für

die Bevölkerung

wird die Attraktivität

immer weiter

erhöht. So

werden neben Gewerbeflächen

Sendens erster Bürgermeister

Kurt Baiker

auch neue Baugebiete zu erschwinglichen

Preisen für junge Familien geschaffen, um

der demografischen Entwicklung entgegenzusteuern.

Der Branchenmix, die Schullandschaft

und das vielfältige Vereinsleben gelten

als optimal. Richtungweisend in diesem

Zusammenhang ist die Wiederbelebung der

Bahnstrecke nach Ulm, auf der ab 15. Dezember

eine S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt

verkehren wird.

leh

43


Reichlich Platz, gute, autobahnnahe Lage zwischen Donau und Iller: Auch der Handelsplatz Senden zieht viele Verbraucher aus dem weiten Umkreis an.

Einer der entscheidenden Punkte im Kreisentwicklungsprogramm

ist die Fachkräftesicherung.

Gemeinsam mit dem Kreis Günzburg

wurde schon vor Jahren bei der Hochschule

Neu-Ulm eine Studie zu diesem Thema in Auftrag

gegeben.

der KreiS Sorgt vor

„Wegen des demografischen Wandels wird in

Zukunft die Gesundheitswirtschaft an Bedeutung

gewinnen“, sagt der Landrat. Der Landkreis

habe „vorgesorgt und in seine drei Kliniken

– Donauklinik Neu-Ulm, Illertalklinik

Illertissen und Stiftungsklinik Weißenhorn –

in den vergangenen Jahren zweistellige Millionenbeträge

investiert.“ Aber eben auch auf

die Ausbildung geschaut: Mit Leuten aus

Wirtschaft und Pflegebereich wurde eigens

ein Workshop eingerichtet. Ein Ergebnis daraus:

Als sogenanntes „Günzburger Modell“

wurde ein neuer Studiengang „interprofessionelle

und angewandte Gesundheitswissenschaften“

an der dualen Hochschule Heidenheim

eingerichtet, bei dem Ausbildung im

Krankenhaus und Studium verzahnt werden.

Doch nicht nur den Gesundheitsbereich hat

man im Blick: Ein weiteres Ergebnis des

Workshops ist das Weiterbildungsportal auf

der Internetseite www.innovationsregionulm.de,

das gemeinsam mit Ulm und Alb-Donau-Kreis

eingerichtet wurde.

Eine Zukunftsbranche werde die Energiewirtschaft

sein, davon ist der Landrat überzeugt.

„Das Klimaschutzkonzept, das wir mit

Fachleuten und Bürgern erarbeitet haben“,

könne als Richtschnur für bezahlbare, ressourcenschonende

und umweltverträgliche

Energieversorgung dienen. An Bedeutung gewinnen

werde freilich auch die Kultur- und

Kreativwirtschaft. Geßner: „Dieser bisher

noch wenig beachtete Wirtschaftszweig leistet

einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung.

Wir haben beispielsweise viele

Erfinder, und dieses Potenzial muss gefördert

werden.“

eS gibt So vieL gUteS

Die Region sei auch zum Wohnen und Leben

ein attraktiver Standort – für jüngere Menschen

sei das ein wichtiger Entscheidungsfaktor,

betont Monika Stadler. Ihr ist es auch ein

Anliegen, die Region in Verbindung mit Freizeit

und Tourismus

noch bekannter

zu machen.

„Man hat vor zwölf

Jahren gar nicht

darüber gespro-

Thilo Butzbach, Chef des

Clubs der Industrie

chen, was es Gutes

gibt im Landkreis.“

Das Werben um

Arbeitskräfte geht

schon bei bezahlbarem

Wohnraum

los, und es geht bei

Kindergartenplätzen

und dem Bildungsangebot weiter. Gerade

letzteres ist ein weiteres Plus der Region, wie

das verliehene Qualitätssiegel deutlich belegt.

Jetzt müsse man die Leute nur noch mehr aufklären,

„wie durchlässig unser Bildungssystem

schon ist“, meint Butzbach dazu. Viele

wüssten gar nicht, dass man auch als Facharbeiter

noch den Weg zum Studium finden

kann. [!]

werner gallbronner

44


Anzeige

Schwabengarage ist ausgezeichnet

Ford vergibt den „Ford Chairman‘s Award“ für außerordentliche Kundenzufriedenheit an die Schwabengarage Neu-Ulm.

Einmal im Jahr schreibt Ford

den begehrten Preis für die

rund 6.800 Ford-Partner in Europa

aus. Diesmal wurde auch

die Schwabengarage Neu-Ulm

für seinen exzellenten Dienst

am Kunden ausgezeichnet.

Regionalleiter

Robert

Imbrogno

Der „Ford Chairman’s Award“

wird nach strengen Kriterien für

höchste Kundenzufriedenheit im

Neuwagenverkauf

und

Service vergeben.

Insgesamt

wurden

die besten 40

der mehr als

1800 deutschen

Ford-

Partner für

ihre herausragenden

Leistungen

geehrt. Europaweit sind

300 Ford-Partner aus 24 nationalen

Ford-Verkaufsgesellschaften

ausgezeichnet worden. Als deutscher

Preisträger des „Ford

Chairman’s Awards“ zählt die

Schwabengarage Neu-Ulm auch

zu den besten Ford-Partnern in

Europa. Die Auszeichnung unterstreicht

zudem den hohen Stellenwert,

die die Kundenzufriedenheit

bei Ford einnimmt.

Zur Messung der Kundenzufriedenheit

führt Ford laufend umfangreiche

Untersuchungen

durch. Mit der Vergabe des „Ford

Chairman’s Awards“ kann sich

die Schwabengarage Neu-Ulm

als gewähltes Autohaus sicher

sein, dass sie die Erwartungen ihrer

Kunden nicht nur erfüllt, sondern

sogra übertroffen hat.

Der „Ford Chairman’s Award“

wird seit nunmehr 28 Jahren vergeben

und ist die höchste Auszeichnung,

die Ford in Europa an

seine Partner vergibt.

Bereits im Frühjahr hatte der Karosseriefachbetrieb

der Schwabengarage

Neu-Ulm ein TÜV-Zertifikat

für die ausgezeichnete Reparaturqualität

bei Schäden

erhalten. Die Vorteile einer solchen

TÜV-Zertifizierung für den

Kunden liegen auf der Hand: Die

Gewährleistung der Qualität der

Reparatur, die sich an einem hohen

Standard orientiert.

Wer einen Unfall hatte, bei dem an

seinem Fahrzeug ein Strukturschaden

entstanden ist, weiß sich

dank des TÜV-Zertifikats beim

Karosseriefachbetrieb der

Schwa bengarage nachweislich in

Expertenhänden. Die strengen

Sachverständigen vom TÜV-Süd

prüften neben den offensichtlichen

Arbeiten am Auto mit Begutachtung

vor Beginn der Reparatur,

Zwischenschritten und

Endabnahme nach der Fertigstellung

auch das allgemeine Erscheinungsbild

der Schwabengarage.

Hierbei spielten Dinge wie

der Empfang sowie der weitere

Umgang mit dem Kunden, die Beratung

und selbst nebensächlich

wirkende Details wie Ausschilderungen

eine Rolle. Natürlich wurde

auch das eingesetzte Werkzeug

kritisch in Augenschein genommen.

„Ein schlichter

Hammer und vielleicht eine Zange

reichen sicher nicht mehr“,

erklärt der TÜV-Sachverständige

für Kfz-Schäden und Bewertung,

Florian Maucher. „Für die unterschiedlichen

Hersteller müssen

Spezialwerkzeuge vorhanden

sein, die dem neuesten Stand der

Technik entsprechen.“ In der

Schwabengarage war das der

Fall. Zudem zeigten die Mitarbeiter

das notwendige Know-how,

um ohne Bindung an eine bestimmte

Marke Instandsetzungen

an der Karosserie vornehmen

zu können. „Bei Ford waren wir

lange schon zertifiziert“, berich-

tet Serviceleiter Thomas Heuschmid.

„Die Überprüfung durch

den TÜV-Süd war jetzt wesentlich

umfangreicher und tiefgehender.“

Und auch wenn die Zertifizierung

jedes Jahr wiederholt

werden muss, bringt sie nur Vorteile

mit sich – zum Beispiel bei

der Zusammenarbeit mit Versicherungen.

leh

STRAHLENDER

SIEGER!

DER NEUE FORD TRANSIT CUSTOM IST GEWINNER

DES INTERNATIONAL VAN OF THE YEAR 2013 AWARD 1 .

Schwabengarage

Abbildung zeigt Wunschausstattung

Biberach

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1

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45


[führen] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

WiemanguteLeutefindetundhält

Was ist für wen am besten? Diese Frage beantwortet der Technologie-Management-Konzern CHG-Meridian nicht nur für

seine Kunden. Sie sind der Kern der Personalentwicklung, erklärt PersonalchefinDianaLeiherr in unserer Umfrage.

ZurPerson

DianaLeiherr, 35 Jahre, ist seit Januar

2005 bei CHG-Meridian beschäftigt.

Zuerst war sie Personalreferentin; seit

Januar 2011 fungiert sie als Personalleiterin.

unsere eigenen Leute fotografiert. Es war uns

wichtig, auch Mitarbeiter zu Wort kommen

zu lassen, sie erzählen ihren ganz persönlichen

Lebensweg und ihre Entwicklung bei

CHG-Meridian. Und unsere HR-Broschüre, in

der wir den Bewerbern die CHG-Meridian als

attraktiven Arbeitgeber näherbringen möchten

– übrigens auch mit Fotos aus unserem

Haus –, haben wir gleich doppelt an unsere

Mitarbeiter versandt. Nach dem Motto: „Eine

Version für Sie und eine für Ihren besten

Freund, der morgen bei uns anfangen kann.“

Personalchefin Diana Leiherr fragt die Mitarbeiter von CHG-Meridian: „Was willst du eigentlich?“ Die

Antworten bestimmen, wie die individuelle Förderung aussieht.

Foto: Karin Volz

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit

am meisten?

Zum einen gilt es, Mitarbeiter zu binden. Zum

anderen müssen wir neue Mitarbeiter für uns

gewinnen. Beim Instrumentarium baut das

Eine auf dem Anderen auf: Für beide müssen

wir ein attraktiver Arbeitgeber sein. Wir müssen

die Kultur des Miteinanders hegen und

pflegen, wir müssen den Teamgeist fördern,

dem Einzelnen Weiterbildungsmöglichkeiten

anbieten und Potenzialentwicklungsprogramme

starten, die für die Mitarbeiter eine

klare Verbesserung ihrer Position bedeuten.

Wir müssen mittels flexibler Arbeitszeitmodelle

und des Engagements für die Familien

unserer Mitarbeiter attraktiv für Mütter und

Väter sein, und wir müssen uns auch um die

Gesundheit unserer Mitarbeiter sorgen. Dies

gewährleisten wir mit einem abwechslungsreichen

Gesundheitsmanagement. Für die Gewinnung

neuer Mitarbeiter müssen wir indes

all das, was wir tun, um attraktiv für Mitarbeiter

zu sein, kommunizieren – auf allen Kanälen.

Und zwar so, dass wir die aus unserer

Sicht richtigen Menschen ansprechen, die

CHG-Meridian geschäftlich, inhaltlich und

menschlich weiterbringen.

Wo finden Sie die richtigen Mitarbeiter?

Wir finden sie überall auf der Welt, weil CHG-

Meridian in 19 Ländern aktiv ist. Und wir finden

sie über Stellenausschreibungen in Printund

Online-Plattformen, auf Karrieremessen

oder über unsere Homepage, die wir soeben

einem sehr persönlichen Relaunch unterzogen

haben. Wir setzen aber auch unsere Mitarbeiter

als Botschafter ein: Anstatt Model-

Fotos auf die Homepage zu stellen, haben wir

Wie sieht Ihr Ausbildungsmarketing aus?

Wir setzen sehr stark auf den direkten Kontakt.

Hochschulmarketing und Bildungspartnerschaften

mit Schulen eröffnen uns Möglichkeiten

für die direkte Ansprache

geeigneter Kandidaten. Das gleiche Prinzip

gilt auch für Ausbildungsmessen: Die persönliche

Ansprache ist mehr wert als jede Hochglanzbroschüre.

Die setzen wir zwar auch ein

– aber nur nach einem persönlichen Kontakt,

nicht nur als Mitnehm- und Wegwerfartikel.

Was tun Sie, um Mitarbeiter langfristig ans

Unternehmen zu binden?

Wir schaffen einerseits ein Umfeld, in dem

sich jeder wohlfühlt – unabhängig von seinen

eigenen Zielen und Wünschen. Dazu zählen

zum Beispiel Spielregeln im Umgang miteinander,

regelmäßige Feedback-Gespräche in

beide Richtungen, Mentorenprogramme, gemeinsame

Team- oder Unternehmens-Events

und andere Team-Fördermaßnahmen. Andrerseits

hören wir jedem Mitarbeiter zunächst

46


unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[führen]

einmal zu und begleiten ihn oder sie auf dem

Weg in, durch und mit unserem Unternehmen.

Das klingt banal – aber die Frage „Was

willst du eigentlich?“ muss erst einmal gestellt

sein, bevor man Antworten parat hat. Je

nachdem, wo die Neigungen und Wünsche

liegen, können wir Fortbildungen anbieten,

einen Aufenthalt im Ausland arrangieren, Änderungen

des Aufgabengebiets einleiten, zwischen

Vorgesetzten und Mitarbeitern vermitteln

oder Karrierepläne definieren. Beides – der

Spirit und die Befriedigung persönlicher Bedürfnisse

– sind das Geheimnis erfolgreicher

Personalarbeit. Die Mitarbeiter quittieren diesen

Einsatz mit einem außerordentlichen

Teamgeist und einer weitreichenden Loyalität

gegenüber unserem Unternehmen.

Welche Instrumente nutzen Sie, um das

Wissen der Mitarbeiter besser zu nutzen?

Bei uns gibt es zum Beispiel ein Mentorenprogramm

im Trainee-Bereich, über das Wissen

von langjährigen Kollegen und neuen Mitarbeitern

beiderseitig befruchtend weitergegeben

wird. Jüngeren Teams stellen wir erfahrene

Team-Leader zur Seite, die Ideen zulassen,

aber auch vor Fettnäpfchen bewahren. Zu guter

Letzt unterhalten wir ein eigenes Knowledge-Center,

eine Art Wissensdatenbank, in

der viele gute Lösungen abgespeichert sind.

Wie viel investieren Sie in Weiterbildung?

CHG-Meridian hat eine eigene Academy, die

sich um die Weiterentwicklung jedes einzelnen

Mitarbeiters kümmert. Die Weiterentwicklung

erstreckt sich sowohl auf den fachlichen

Bereich, wie auch auf die Vorbereitung

einer Führungsverantwortung. Wir erstellen

eigene E-Learning-Kurse für unsere Mitarbeiter,

haben aber auch Trainer beschäftigt, die

Präsenzschulungen geben oder das Coaching

einzelner Personen übernehmen. Finanziell

gesehen ist unser Engagement je Mitarbeiter

sicher überdurchschnittlich, was auch an

unserem ganz speziellen Geschäftsmodell

liegt. [!]

AMb

CHGMeridian–

in19Ländernpräsent

DieCHG-MeridianAG hält Server,

Computer, Bildschirme, Drucker, Industriemaschinen

sowie medizinische Ausstattung

im Wert von 2,5 Milliarden Euro

in den eigenen Büchern und verleast

diese an Unternehmen und öffentliche

Auftraggeber in 19 Ländern. Als Technologie-Manager

kümmert sich CHG-

Meridian zudem um Beratung und Konzeption,

Beschaffung der Geräte, dem

Einrichten am Arbeitsplatz sowie um

Weiterverkauf und Entsorgung. Von

den rund 770 Mitarbeitern arbeiten

450 an den sechs deutschen Standorten,

240 davon am Stammsitz in Weingarten.

Dort beginnt CHG Meridian im

Herbst mit einem Erweiterungsbau. Im

ersten Halbjahr 2013 stieg das Volumen

der neu angeschafften Geräte gegenüber

dem Vorjahr um mehr als acht

Prozent auf 419 Millionen Euro. AMb

47


[leben] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

VorstellungsgesprächbeiWürstch

Können Sie sich noch an ihre ersteBewerbung erinnern? Drei Geschäftsführer haben ihre alten

Bewerbungsunterlagen herausgekramt. In unserer Umfrage verraten sie Stefan Loeffler auch, wie man im

Gespräch mit einem Personalchef punkten kann.

Dipl.-Ing. Konrad Mezger (64)

ist seit 1975 Geschäftsführer der

Franz Geiger-Gruppe. Das Unternehmen

ist unter anderem

im Straßen-, Tief-, Gleis- und

Rohrbau sowie in der Herstellung

von Recyclingbaustoffen

tätig. Mit seinen rund

200 Mitarbeitern arbeitet es

vorwiegend regional.

1) Was war Ihr erster Job?

2) Wie viele Absagen hat es vorher gehagelt?

3) Was denken Sie, wenn Sie zufällig eine Ihrer alten

Bewerbungen in die Hände bekommen?

4) Gibt es einen Moment in einem Vorstellungsgespräch,

an den Sie heute noch denken?

5) Waren Sie immer pünktlich – oder sogar zu früh?

6) Was raten Sie Bewerbern heute?

1) Abgesehen von diversen Ferienjobs und Praktika, in denen viel gelernt

und für die spätere Tätigkeit viel abgeschaut werden konnte,

habe ich im Bodenseeraum als Bauleiter bei größeren Straßenbaumaßnahmen

meine ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt.

2) Gar keine! Ich war in der glücklichen Lage, nach meiner Bewerbung

über das Landesarbeitsamt (das war damals noch möglich!) von

mindestens fünf namhaften Unternehmen, sowohl im In- wie auch

im Ausland, attraktive Angebote bekommen zu haben. Damit

konnte ich mir die Firma aussuchen, die mir die abwechslungs- und

lehrreichste Tätigkeit angeboten hat.

3) Das kommt zwar nicht vor, ich würde mir jedoch dann immer wieder

klar machen, dass heute in vielen Sparten total andere Bedingungen

herrschen und es schon erheblich schwieriger ist, ähnliche

Chancen zu bekommen wie Anfang der 70er Jahre.

4) Die Firmenleitung war ausnehmend daran interessiert, sehr qualifizierten

Nachwuchs zu bekommen, um ihre Erfordernisse in den

Leitungspositionen befriedigen zu können. Auch damals war eine

Phase der Expansion, und die Entwicklung der Firma hing an der

verfügbaren Manpower. Dies hatte mich sehr beindruckt und auch

motiviert, diese Erwartung erfüllen zu können.

5) Ich bemühte mich zumindest, pünktlich zu sein. Zu früh zu kommen

widerspräche meiner Zeitplanung. Ein signifikantes Zu-Spät-

Kommen ist nicht zu entschuldigen, da es eine Geringachtung des

Partners ausdrückt. Das kann ich nicht akzeptieren.

6) Zügige Erledigung der Ausbildung mit ordentlichen (nicht streberhaften)

Noten und Beurteilungen. So viel wie möglich Erfahrungen

und Wissen im Kernbereich aneignen. Gute Allgemeinbildung und

kein „Fachidiotentum“. Ehrenamtliche Tätigkeit.

Norbert Seuß ist seit 1. April

Geschäftsführer des Privatsenders

Radio 7 in Ulm. Der 54-Jährige

wurde in Landau in der

Pfalz geboren und begann seine

berufliche Laufbahn nach einer

Ausbildung bei einer Luftfahrt-

Fachzeitschrift als Volontär und

Redakteur einer Tageszeitung.

Norbert Seuß ist verheiratet

und hat drei Kinder.

1) Als Schüler Zeitungen austragen. Für die Karriere ein Volontariat

bei einer Fachzeitschrift für Luftfahrt.

2) Keine, weil ich mich frühzeitig gekümmert habe und mein damaliges

Hobby zum Beruf machen konnte.

3) Gut, dass das eine oder andere nicht geklappt hat.

4) Das Gespräch mit einer Psychologin, die nicht verstehen wollte,

dass man auch ohne Studium nach vorne kommen kann.

5) Ich glaube, meistens rechtzeitig. Einmal richtig zu früh, wobei meine

Gesprächspartner just in dem Moment angerufen hatten und

fragten, ob ich nicht etwas früher da sein könnte. Somit hat‘s wieder

gepasst.

6) Ein klares, direktes Anschreiben ohne fürchterlich aufgeblasene

Sätze mit 1000 Schlagwörtern. Einen prägnanten und nachvollziehbaren

Lebenslauf. Eine gute Vorbereitung auf das Gespräch mit einer

klaren Vorstellung von Job und Unternehmen.

48


[leben]

enundGlühwein

ARCHITEKTUR IN

HOLZ UND GLAS

PLATZ HAUS 21 GmbH

Tel. +49 7581 201-0

www.platz.de

Peter Roth ist 44 Jahre alt, verheiratet

und hat drei Kinder.

Der Dipl. Betriebswirt (BA) ist

seit 16 Jahren bei der Tempo

Zeitarbeit GmbH und hier seit

2013 als geschäftsführender

Gesellschafter tätig. Der regionale

Personaldienstleister hat

Geschäfts stellen in Heidenheim

und Ulm.

1) Weil ich in meiner Jugend Leistungssport betrieben habe, hatte ich

nie Zeit für Ferienjobs. Mein erster richtiger Job war als BA-Student

bei einer Firma in Giengen.

2) Ich hatte mich bei fünf Betrieben um einen Ausbildungsplatz als

BA-Student beworben. Zwei Absagen und drei Zusagen. Also, ich

hatte Glück.

3) Als ich neulich meinen Schreibtisch ausmistete, fiel mir meine erste

Bewerbungsmappe in die Hände. Ganz ehrlich, mein erster Eindruck

war: Oh Gott! Es war ein vorgedruckter Lebenslauf, bei dem

die Überschriften vorgegeben waren, sprich persönliche Daten,

schulische Ausbildung, Berufserfahrung und schließlich noch die

Hobbys. Sogar der Rahmen für das Passbild war eingezeichnet.

4) Da ich mich schon immer für das Personalwesen interessierte, stellte

ich mich nach meinem BA-Studium bei einem großen bundesweit

tätigen Personaldienstleister vor. Das Gespräch fand Mitte Dezember

in Ulm statt. Als ich hier ankam, wurde das Gespräch

kurzerhand auf den Münsterplatz verlegt. Dort war gerade der

Weihnachtsmarkt. Also stellte ich mich mit Grillwürstchen und

Glühwein bei den Verantwortlichen vor. Am Ende des Tages hatte

ich den Job – und zu den Würstchen wurde ich eingeladen.

5) Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für mich extrem wichtig.

Gerade in unserer Branche, wo es immer darum geht, Mitarbeiter

schnell und passgenau zur Verfügung zu stellen, ist dies von großer

Bedeutung. Aber auch mir ist einmal etwas Peinliches passiert. Zu

meinem ersten Arbeitstag kam ich über eine Stunde zu spät, denn

ich hatte den morgendlichen Berufsverkehr in Ulm total falsch eingeschätzt.

Anstatt um acht Uhr kam ich um kurz nach halb zehn zur

Arbeit.

6) In jedem Vorstellungsgespräch geht es immer um drei wichtige Themenbereiche.

Wer bin ich – wie stelle ich mich kurz, kompetent

und interessant vor? Was kann ich – was sind meine Stärken? Was

sind meine Ziele – was möchte ich in den nächsten Jahren erreichen?

Und ganz wichtig: Im Vorfeld sollte man sich immer über das

Unternehmen, die Branche, die Unternehmensgröße und die Ansprechpartner

informieren.

49


[namen & nachrichten] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

Preis für die Neue Chirurgie in Ulm

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein

(verantwortlich),

Irmgard Städele

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director),

Bozena Demski (Bild)

Fotos

Marc Hörger (Titel + Interview),

Lars Schwerdtfeger,

Getty Images, picture alliance,

Pressefotos, Archiv,

Privat

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Objektleitung

Tobias Lehmann

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 15 000 Exemplare

Kontakt & Mediadaten

www.swp.de/unternehmen

unternehmen@swp.de

Telefon 0731 156-515

Fax 0731 156-481

Nächste Ausgabe

29. November 2013

Anzeigenschluss

8. November 2013

Den Preis für herausragende Gesundheitsbauten

2013 hat der Bund Deutscher Architekten

an die Neue Chirurgie in Ulm vergeben. Das

tröstet aber den neuen Klinikvorstand wohl

kaum. Mit dem Bau und der Vorfinanzierung

Nur wenige

Abbrecher im

dualen Studium

Wer ein duales Studium beginnt,

macht die Ausbildung in

der Regel auch zu Ende. Nur 6,9

Prozent brechen die Kombination

aus Ausbildung im Betrieb

und Studium an einer Hochschule

ab. Das ist das Ergebnis

einer Befragung des Bundesinstituts

für Berufsbildung unter

280 Kooperationsbetrieben dualer

Studiengänge. Nach der Ausbildung

bekommen im Schnitt

89 Prozent einen Arbeitsvertrag.

Entschieden sich die Betriebe

gegen einen Kandidaten

lag das meist an mangelnder Sozialkompetenz

oder an mangelnder

Arbeitsleistung.

Höhn-Gruppe

bündelt ihre

Sparten in Ulm

Die Ulmer Höhn-Gruppe verlagert

ihren Bereich Papierdruck

von Biberach nach Ulm ins Donautal.

Davon betroffen sind 40

der insgesamt 240 Mitarbeiter.

Firmenchef Sebastian Haug (38)

verspricht sich von der Konzentration

aller Leistungsbereiche

Zeit- und Kostenersparnisse sowie

eine höhere Flexibilität bei

der Auftragsabwicklung. Immer

häufiger beträfen Aufträge das

gesamte Leistungsspektrum aus

allen Produktbereichen bis hin

zu Logistikdienstleistungen wie

Konfektionierung, Kommissionierung

und Versand.

Wann Flüge am

günstigsten

gebucht werden

des 240 Millionen Euro teuren Gebäudes, das

rund 40.000 Baumängel aufweist, hat sich die

Klinik übernommen. 2012 betrug der Verlust

15 Millionen Euro. Jetzt braucht die Klinik

dringend Finanzhilfe vom Land.

Zwei Monate vor einem geplanten

Abflugdatum sind Flugtickets

am günstigsten. Das ergab

eine Untersuchung der Reisesuchmaschine

Momondo.de, in

der 60 Millionen Anfragen ausgewertet

wurden. Zwischen 51

und 63 Tagen vor Abreise kommen

Urlauber am billigsten davon.

Je näher der Reisetermin

rückt, desto teurer wird das Ticket.

Am teuersten sind die beiden

Tage vor dem Abflug. Länger

als zwei Monate im Voraus

zu buchen, bringe nichts.

Dieter Kurz löst

Klaus Bleyer bei

Ravensburger ab

Der Ex-Vorstandschef der Carl

Zeiss AG, Dieter Kurz (65), hat

Klaus Bleyer

(72) an der

Spitze des

Aufsichtsrats

der Ravensburger

AG abgelöst.

Aufsichtsratschef

der Ravensburger

AG: Dieter Kurz.

Der frühere

Chef der ZF

Friedrichshafen

hatte

das Gremium

seit 2005 geleitet. Zu neuen

Aufsichtsratsmitgliedern wählte

die Hauptversammlung

Claus-Dietrich Lahrs (50), Vorstandsschef

der Hugo Boss AG,

sowie Dr. Valerie Maier (44), Gesellschafterin

des Familienunternehmens

und Universitätsdozentin

für Biochemie. [!]

50


Kann einiges einstecken.

Der neue Citan.

Mit kompromissloser Mercedes-Benz Qualität.

Ein robuster Mitarbeiter, auf den Verlass ist: Mit seiner hohen Qualität in Material und

Verarbeitung sowie Mercedes-Benz Service24h ist der Citan allen Anforderungen

gewachsen, die der turbulente Joballtag mit sich bringt. Kraftstoffverbrauch (l/100 km):

innerorts 5,2–4,7/außerorts 4,5–4,2/kombiniert 4,7–4,3. CO 2

-Emissionen (g/km):

kombiniert 123–112 g/km. Energieeffizienzklasse F–A. 1

www.mercedes-benz.mpc/citan

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Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein

Vergleichszwecken zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen.

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Anbieter Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Partner vor Ort: Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm, Zeppelinstraße 27, 89231 Neu-Ulm

Tel.: 0731-700-0, http://www.ulm.mercedes-benz.de


Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Partner vor Ort: Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm, Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm

Tel.: 0731-700-0 , http://www.ulm.mercedes-benz.de

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Niederlassung Ulm/Neu-Ulm

Kraftstoffverbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 14,1–7,0/8,1–4,7/10,3–5,5 l/100 km; CO 2

-Emissionen kombiniert: 242-146

g/km; Effizienzklasse: F–A. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots,

sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Das abgebildete Fahrzeug enthält

Sonderausstattungen. 1 Optional erhältlich.

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