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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> | 2,00 €<br />

4 197821 302003 3 5<br />

Logistiker aus<br />

Leidenschaft<br />

Wirtschaft braucht Mobilität.<br />

Er schafft sie: Logistiker Harald Seifert.<br />

Was braucht Seifert? Bessere Straßen.<br />

Big Data Spitzeln war gestern – die Stunde der Daten-Flüsterer SEITE 6<br />

Schwarmfinanzierung Wie man Geldgeber im Internet ködert SEITE 18<br />

Namensgedächnis So vergessen Sie Herrn Lehmann nie SEITE 34


Festnetz, Mobil, Internet, Vernetzung<br />

und Rechenzentrum aus einer Hand.<br />

ein Partner für<br />

erfolgreiche<br />

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<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[inhalt]<br />

18 27<br />

06 24<br />

36<br />

Liebe Leserin, Lieber Leser,<br />

Alexander Bögelein,<br />

Redaktionsleiter<br />

<strong>unternehmen</strong> [!]<br />

gemessen an den Konjunktursorgen, die die<br />

Unternehmen zwischen Ulm und dem Bodensee<br />

im Herbst 2012 plagten, können sie<br />

mit diesem Jahr bisher mehr als zufrieden<br />

sein. Die Region ist wirtschaftlich robust.<br />

Sie verfügt über einen guten Branchenmix<br />

und viele Familien<strong>unternehmen</strong>, wie Wenger<br />

Engineering aus Ulm (Seite 22), die sich<br />

spezialisiert und weltweit Erfolg haben. Der<br />

Schmierstoff für die Wirtschaft sind Logistiker<br />

wie Harald Seifert (Titelinterview Seite<br />

10). Er ist im Logistik-Cluster Schwaben<br />

(Seite 30) aktiv, das sich erfolgreich zur<br />

Plattform der Branche entwickelt hat. Deren<br />

Erfolgsformel beruht auf strikter Orientierung<br />

an Kundenbedürfnissen und steter Suche<br />

nach besseren Abläufen. Davon können<br />

auch andere Unternehmen etwas lernen. Ich<br />

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.<br />

Ihr Alexander Bögelein<br />

[verantworten]<br />

06 Die Daten-Flüsterer Wie Unternehmen<br />

die Datenflut für sich nutzen können<br />

[titelthema]<br />

10 Der richtige Takt – und es brummt<br />

Harald Seifert im Gespräch<br />

[finanzieren]<br />

18 Heute zahlt der schwarm<br />

Das Internet als Geldquelle<br />

[führen]<br />

21 schweigen ist alles andere als Gold<br />

Familien<strong>unternehmen</strong> müssen<br />

kommunizieren lernen<br />

46 Wie man gute Leute findet und hält<br />

Diana Leiherr von CHG-Meridian<br />

[machen]<br />

22 Die Meister der simulation Wenger<br />

Engineering macht viele Testreihen<br />

überflüssig<br />

24 Die Letzten ihrer Art<br />

Der Fachkräftemangel trifft das Land<br />

27 Frischer spargel auf Knopfdruck<br />

Was so alles aus Automaten kommt<br />

36 bodenständig in die Zukunft 50 Jahre<br />

Bau<strong>unternehmen</strong> Matthäus Schmid<br />

[spezial]<br />

30 i m Auftrag des Kunden unterwegs<br />

Logistik ist mehr nur als der Transport<br />

von A nach Z<br />

40 Made im Kreis neu-Ulm Was in dem<br />

wirtschaftsstarken Landkreis entsteht,<br />

ist gefragt in aller Welt<br />

[leben]<br />

34 Merk-Würdig Wie man sich Namen<br />

merkt<br />

48 Vorstellungsgespräch bei Würstchen<br />

und Glühwein Umfrage unter<br />

Führungskräften zu ihren ersten<br />

Bewerbungen<br />

[namen & nachrichten]<br />

4 neue Ära für Teva-ratiopharm<br />

4 Wicona zieht hinter die eigenen<br />

Fassaden<br />

9 Milei investiert<br />

39 Freie stellen im Handwerk<br />

50 Preis für die neue Chirurgie in Ulm<br />

50 Impressum<br />

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Neue Ära für Teva-Ratiopharm<br />

Die Pharmabranche steht vor einem<br />

Umbruch. Große Konzerne<br />

wie Pfizer, Novartis oder Sanofi<br />

stehen an der sogenannten „Patentklippe“:<br />

Umsatz und Gewinn<br />

mit hochpreisigen Medikamenten<br />

sinken rapide, weil Patente<br />

auslaufen und billige Nachahmerpräparate<br />

(Generika) auf den<br />

Markt kommen. Der größte Generika-Anbieter<br />

weltweit ist der<br />

israelische Teva-Konzern; seit er<br />

vor dreieinhalb Jahren Ratiopharm<br />

gekauft hat, gibt er auch<br />

in Deutschland und Europa den<br />

Ton an.<br />

Neu an der Spitze von Teva-Ratiopharm<br />

ist seit Anfang des Monats<br />

Markus Leyck Dieken. Der 48-jährige<br />

ausgebildete Internist und<br />

Notfallmediziner löst Sven Dethlefs<br />

ab, der fünf Jahre lang an der<br />

Spitze des Unternehmens gestanden<br />

hatte. Dethlefs wechselte in<br />

die Konzern-Zentrale. Dort verantwortet<br />

der Topmanager, der<br />

das Engagement von Teva-Ratiopharm<br />

für die Ulmer Bundesliga-<br />

Basketballer ausgebaut hat, als<br />

Vorstand die Bereiche Produktion<br />

und Logistik.<br />

Sein Nachfolger Markus Leyck<br />

Dieken verfügt über ausgiebige<br />

Branchenerfahrung. Er ist nicht<br />

nur „General Manager“, sondern<br />

auch für die Marketing- und Vertriebstätigkeiten<br />

in den Bereichen<br />

Generika, innovative Arzneimittel<br />

und OTC (rezeptfreie,<br />

aber apothekenpflichtige Präparate)<br />

zuständig. Diese Bandbreite<br />

passt zu Tevas Neuausrichtung:<br />

Der Konzern baut die Entwicklung<br />

eigener Medikamente aus.<br />

Dazu hat er weltweit die Entwicklungsabteilungen<br />

für patentgeschützte<br />

Arznei und Generika<br />

zusammengelegt.<br />

In Ulm hat Teva kräftig investiert.<br />

30 Millionen Euro flossen in eine<br />

Sterilfertigung für Nasenspray in<br />

Blaubeuren, von der aus der Konzern<br />

Europa versorgt. Teva-Ratiopharm<br />

beschäftigt in Deutschland<br />

3100 Mitarbeiter, davon 400<br />

in Blaubeuren. [!]<br />

AMB<br />

Markus Leyck Dieken leitet Teva-Ratiopharm. In der neuen Fertigung werden<br />

derzeit 30 Millionen Nasenspray-Flaschen pro Jahr hergestellt.<br />

Wicona zieht hinter die eigenen Fassaden<br />

Seinen neuen Standort hat der<br />

Ulmer Fassadenspezialist Wicona<br />

zum eigenen Showroom ausgebaut.<br />

Seit 1989 war die Tochter<br />

des norwegischen Mutterkonzerns<br />

Norsk Hydro (Oslo) in Ulm<br />

in der Söflinger Straße Mieter.<br />

Das Gebäude entsprach aber in<br />

Sachen Energieverbrauch und<br />

Qualität der Arbeitsplätze nicht<br />

mehr heutigen Standards. Die<br />

Nebenkosten waren hoch, die<br />

räumliche Kapazität an der Grenze,<br />

sagt Geschäftsführer Arnd<br />

Brinkmann. Ein Umzug wurde<br />

unausweichlich.<br />

Wicona fand in dem Ulmer Immobilien<strong>unternehmen</strong><br />

Plaza Estates<br />

GmbH & Co. KG einen Investor<br />

für den Neubau. Mit dem<br />

hatte der Hersteller von Aluminium-Profilsystemen<br />

für Fassaden,<br />

Fenster und Türen bereits früher<br />

zusammengearbeitet. Dadurch<br />

konnten energiesparende Fassaden,<br />

Fenster- und Türsysteme von<br />

Wicona schon in die Planung einbezogen<br />

werden. Eng zusammengearbeitet<br />

habe man auch mit<br />

dem Architekturbüro Mühlich,<br />

Fink & Partner aus Ulm, das den<br />

Gestaltungswettbewerb für den<br />

Geschäftsführer Brinkmann (links) enthüllt das Wicona-Logo.<br />

10 Millionen Euro teuren Neubau<br />

gewonnen hatte, berichtet<br />

Brinkmann. Die vier Stockwerke<br />

beherbergen 50 Büros und vier<br />

Großraumbüros.<br />

Mehr als 200 der europaweit rund<br />

700 Wicona-Mitarbeiter haben<br />

hier ihren Arbeitsplatz. Ulm ist<br />

das Zentrum der Produkt- und Projektentwicklung<br />

sowie die Vertriebszentrale.<br />

Der Jahresumsatz<br />

des Unternehmens mit der Marke<br />

Wicona beträgt weltweit über 220<br />

Millionen Euro. In Ulm und Umgebung<br />

war das Unternehmen mit<br />

seinen Partnern an mehr als 100<br />

Objekten beteiligt, darunter Stadtbibliothek,<br />

Neue Mitte, Neue Synagoge<br />

und die Fachhochschule<br />

Neu-Ulm. [!]<br />

AMB<br />

4


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Verpackungsspezialist Uhlmann wächst und baut<br />

Die Pharmahersteller zu Gast bei<br />

Uhlmann: Der Laupheimer Spezialist<br />

für Abfüllanlagen von Medikamenten<br />

veranstaltete erstmals<br />

eine eigene Hausmesse. 700<br />

Kunden und Interessenten aus 70<br />

Ländern folgten der Einladung.<br />

Mittelfristig will Uhlmann-Chef<br />

Norbert Gruber Kunden in ein<br />

repräsentatives Kundenzentrum<br />

einladen. Es soll Schlusspunkt<br />

eines groß angelegten Umbau-,<br />

Modernisierungs- und Erweiterungsprogramms<br />

im Volumen<br />

von 40 Millionen Euro sein. Das<br />

sei „klares Bekenntnis zum<br />

Standort Laupheim und zur Firmenhistorie“.<br />

Geplant wird das Projekt von den<br />

Berliner Star-Architekten Regine<br />

Leibinger und Frank Barkow. Bis<br />

2016 entsteht eine zusätzliche<br />

Montagehalle, zudem werden Lager<br />

und Wareneingang neu gebaut.<br />

Danach stehen die Erweiterung<br />

von Endmontage und<br />

Büroflächen sowie der Bau das<br />

Kundenzentrums an. Spatenstich<br />

ist für Frühjahr 2014 geplant. Bis<br />

dahin soll ein Parkhaus mit bis zu<br />

500 Stellplätzen fertig sein.<br />

Im Geschäftsjahr 2012/13 (31.<br />

März) steigerte der Herstellerr<br />

von Verpackungsmaschinen seinen<br />

Umsatz in der Gruppe um<br />

3 Prozent auf 235 Millionen Euro<br />

steigern. Die Zahl der Mitarbeiter<br />

stieg weltweit leicht auf 1450. In<br />

Laupheim erhöhte sie sich um 41<br />

auf 948. Die Beschäftigten erhielten<br />

erneut eine Sonderzahlung<br />

als Ergebnisbeteiligung. [!] NIK<br />

Großer Andrang bei der Hausmesse von Uhlmann in Laupheim.<br />

Zurückhaltend, sozial<br />

engagiert und erfolgreich<br />

Ein erfolgreicher Manager mit<br />

Weitsicht und sozialem Engagement,<br />

ein großer Förderer von<br />

Kunst und Kultur. So beschreiben<br />

Weggefährten den einstigen<br />

Vorstandschef und Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden<br />

der Ulmer<br />

Wieland-<br />

Werke AG,<br />

Wolfgang<br />

Eychmüller.<br />

Er verstarb im<br />

Alter von 84<br />

Jahren. Die<br />

Wertschätzung<br />

für den<br />

Wolfgang<br />

Eychmüller ist Ulmer und<br />

gestorben.<br />

Vöhringer<br />

Ehrenbürger<br />

drückte sich in vielen Ehrungen<br />

zu seinen Lebzeiten aus.<br />

„Er hat beispielhaft, aber eher<br />

still fürs öffentliche Leben gewirkt,<br />

soziale Initiativen und das<br />

kulturelle Leben gefördert. Vor<br />

allem hat er sich verdient gemacht<br />

um das Ulmer Münster“,<br />

sagte Ulms OB Ivo Gönner.<br />

Eychmüller war nicht nur Vorsitzender<br />

und Spendeneintreiber<br />

des Münsterbauvereins, sondern<br />

auch Geldgeber. „Wir verlieren<br />

eine außergewöhnliche Persönlichkeit<br />

und einen Menschen, der<br />

verehrt wurde“, sagte Wieland-<br />

Chef Harald Kroener. Eychmüller<br />

habe die für Wieland typische<br />

Kultur des menschlichen und respektvollen<br />

Umgangs miteinander<br />

geprägt. 1957 kam der junge<br />

Ingenieur ins Unternehmen und<br />

mach te Karriere. Von 1972 bis<br />

1999 entwickelte er Wieland als<br />

Vorstandschef zu einem führenden<br />

Anbieter für Werkstoffe aus<br />

Kupfer und Kupferlegierungen.<br />

Zuletzt erzielten die Wieland-<br />

Werke, die zur Ulmer Schwenk-<br />

Gruppe gehören, mit weltweit<br />

knapp 6400 Mitarbeitern einen<br />

Jahresumsatz von 2,9 Milliarden<br />

Euro. [!]<br />

HUT/BÖ<br />

Neue Käserei der<br />

Milchwerke Schwaben<br />

Die Milchwerke Schwaben (Marke<br />

„Weideglück“) haben am<br />

Standort Neu-Ulm für 23 Millionen<br />

Euro eine neue Käserei gebaut.<br />

Damit kann die Genossenschaft<br />

die Jahresproduktion von<br />

20.000 Tonnen Schnittkäse auf<br />

40.000 Tonnen verdoppeln. Geschäftsführer<br />

Fritz Fallscheer<br />

sieht die Investition als Signal:<br />

„Das Unternehmen sagt Ja zu<br />

dem Werk.“ Infolge des höheren<br />

Automatisierungsgrads fallen 4<br />

von 180 Arbeitsplätzen weg. Diese<br />

werden durch Fluktuation abgebaut.<br />

2012 steigerte die Genossenschaft<br />

den Umsatz um 2<br />

Prozent auf 191 Millionen Euro.<br />

Der Gewinn verdoppelte sich<br />

nahezu auf 818.000 Euro. [!] REF<br />

Messe Friedrichshafen<br />

erzielt Rekordergebnis<br />

Mit einem Rekordergebnis wartet<br />

die Messe Friedrichshafen auf.<br />

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte<br />

verzeichnet die Messegesellschaft<br />

mit 31,9 Millionen<br />

Euro einen Umsatz über der<br />

30-Millionen-Euro-Marke.<br />

Der Rekordwert ist den gestiegenen<br />

Umsätzen der Messen Motorradwelt<br />

Bodensee, Aero, Eurobike<br />

und Outdoor zu verdanken. Vor<br />

allem die Fahrradmesse Eurobike<br />

und die Freizeitmesse Outdoor<br />

haben bei Ausstellern und Besuchern<br />

einen so guten Ruf, dass sie<br />

europaweit als Leitmessen gelten.<br />

Als Messestandort rangiert<br />

Friedrichshafen in Baden-Württemberg<br />

hinter Stuttgart auf<br />

Platz zwei. [!]<br />

HAM<br />

5


Durch die ganze Welt strömt eine gewaltige Datenflut. Nicht nur in der Wirtschaft ist derjenige der Gewinner, der sie am klügsten auswertet und nutzt.<br />

Die Daten-Flüsterer<br />

Fast jeder Mensch im Westen hinterlässt ungezählte Datenspuren. Er kauft online Schuhe und Hosen, nimmt im<br />

Supermarkt per Kundenkarte Rabatte mit. Über Big Data können Unternehmen sich das zu Nutze machen.<br />

Big Data. Der Name taucht immer häufiger<br />

in Zeitschriften und Magazinen auf,<br />

doch bisher wissen zumeist nur eingefleischte<br />

IT-Profis, was sich dahinter genau<br />

verbirgt. „Trotz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen<br />

Relevanz von Big Data kennen<br />

nur 15 Prozent der Bundesbürger den Begriff<br />

und seine Bedeutung. 22 Prozent haben<br />

zwar schon einmal davon gehört, wissen aber<br />

nicht, wofür er steht. 53 Prozent der Bürger ist<br />

Big Data völlig unbekannt“, lautet das Ergebnis<br />

einer repräsentativen Umfrage im Auftrag<br />

von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft,<br />

Telekommunikation und neue<br />

Medien e.V. in Berlin.<br />

Unternehmen und Privatleute produzieren<br />

Tag für Tag eine Unmenge von Daten – beruflich<br />

und privat. Dazu gehören E-Mails, Blogs,<br />

Chats, Telefonate, Aufenthaltspositionen und<br />

so weiter. All diese Informationen können<br />

nicht nur für die Geheimdienste interessant<br />

sein, siehe die aufgeflogenen NSA-Spitzeleien,<br />

sondern auch für Marketing- und Vertriebsspezialisten,<br />

für Einkäufer und Logistiker, für<br />

Verkehrsplaner und Forscher. Doch nur, wenn<br />

man die Daten richtig zu nutzen weiß. Die intelligente,<br />

rasante Aus- und Verwertung der<br />

relevanten Daten: Big Data.<br />

Welche Risiken und welche Chancen unter<br />

dieser riesigen Datenlawine verborgen liegen,<br />

lässt sich schwer abschätzen. „Das Wissen darüber<br />

steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt<br />

Prof. Dr. Philipp Brune, der Leiter des Kompetenzzentrums<br />

„Sichere IT-Anwendung und<br />

-Infrastrukturen“ an der Hochschule Neu-<br />

Ulm: „Speziell im Mittelstand wird es noch<br />

Jahre dauern, bis die vorhandenen und oftmals<br />

unstrukturierten Daten sinnvoll ermittelt,<br />

gefiltert und für das eigene Unternehmen<br />

genutzt werden können.“<br />

Spreu vom Weizen trennen<br />

Denn dahinter steckt viel Analyse und Mathematik.<br />

Schließlich steht der Begriff Big Data<br />

eben nicht nur für die Datenmenge an sich,<br />

6


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[verantworten]<br />

Diffuse angst vor Datendieben verhindert auslagerung<br />

Ihr Partner für Büro-<br />

Technik &Einrichtung<br />

Sind unsere Daten sicher? Die Sorge um<br />

Datenschutzprobleme ist das größte Hindernis<br />

bei Outsourcing-Vorhaben deutscher<br />

Unternehmen. 76 Prozent der Entscheider<br />

lehnen nach einer aktuellen<br />

Studie die Auslagerung von Unternehmensaufgaben<br />

und -strukturen an externe<br />

oder auch interne Dienstleister ab. „Eine<br />

diffuse Angst vor Datendiebstahl bei Auslagerungen<br />

war schon immer vorhanden<br />

und ist durch die aktuellen Ereignisse<br />

nachvollziehbar geworden“, sagt Daniel<br />

Just, Outsourcing-Experte der Hamburger<br />

Beratungsfirma Steria Mummert Consulting<br />

im Hinblick auf den NSA-Skandal.<br />

Auf die Frage nach den wichtigsten Anforderungen<br />

an Outsourcing-Dienstleister<br />

nennen 64 Prozent der Befragten – 200<br />

Fach- und Führungskräfte – die Datensicherheit.<br />

Im Vergleich zur Vorjahresstudie<br />

ist der Wert um sieben Prozentpunkte gestiegen.<br />

sl<br />

Kopiersysteme<br />

» Managed Print Services<br />

» Multifunktionale Systeme<br />

» Dokumentenmanagement<br />

» LED-Drucktechnik<br />

sondern auch für die effektive Verknüpfung<br />

der Informationen mit Methoden der Statistik.<br />

Brune: „Erst dann kann man als Firma<br />

Vorhersagen mit höchster Trefferwahrscheinlichkeit<br />

erzielen,<br />

die weit über die<br />

bisher bekannten,<br />

klassischen Busi-<br />

ness-Intelligence-<br />

Verfahren hinausgehen.“<br />

Mit solchen Prozessen<br />

werten vor<br />

allem Einzelhan-<br />

Wirtschaftsinformatik-<br />

Professor Philipp Brune.<br />

delsfirmen bereits<br />

seit Mitte der 90er<br />

Jahre systematisch<br />

elektronische<br />

Kundendaten aus, etwa über Payback-Karten,<br />

die das Einkaufsverhalten der Menschen dokumentieren<br />

– mit Einwilligung der Kunden.<br />

Big Data kann mehr. Denn immer ausgereiftere<br />

Speichertechnologien und Software-Lösungen<br />

knüpfen immer mehr Verbindungen<br />

und erstellen die gewünschten Datenprofile.<br />

Mit Big-Data-Lösungen wird die Spreu vom<br />

Weizen getrennt, und die Unternehmen gewinnen<br />

relevante Daten für eine effiziente<br />

Geschäftsstrategie.<br />

Für den Wirtschaftsinformatik-Professor ist<br />

das sogenannte „Hadoop-Cluster“ das bislang<br />

bekannteste und auch weitverbreitetste Big<br />

Data-Werkzeug; als „Open-Source-Software“<br />

ist es frei erhältlich: „Vereinfacht ausgedrückt<br />

ist dies ein Baukasten, der verschiedene Software-Komponenten<br />

beinhaltet. Die verteilbare<br />

Datenbank kann die unterschiedlichsten<br />

Daten aus den unterschiedlichsten Quellen<br />

speichern, analysieren und verarbeiten und<br />

erreicht ihre größte Leistungsfähigkeit durch<br />

die gleichzeitige Datenverarbeitung bei einer<br />

Vielzahl von Standardrechnern.“<br />

Wer Will Wann Wo WaS<br />

Das ist nur eine Möglichkeit, wie man mit Big<br />

Data herausfinden kann, welche Dienstleistungen<br />

und Services bestimmte Zielgruppen<br />

aktuell diskutieren, etwa in den Sozialen Medien<br />

wie Facebook oder Twitter. Brune: „Mit<br />

Big Data kann man Aussagen noch spezifischer<br />

machen. Unternehmen können sie zum<br />

Beispiel nutzen, um vorherzusagen, welche<br />

Produkte zu welcher Zeit in welcher Filiale<br />

gefragt sein werden. Auf diese Weise kann<br />

IT-Lösungen<br />

» IT-Dienstleistungen<br />

» Hard- &Software<br />

» Medientechnik<br />

» Digitale Beschilderung<br />

Büroeinrichtungen<br />

» Sitzmöbel &Arbeitsplätze<br />

» Beleuchtung &Beschattung<br />

» Chefzimmer &Konferenzräume<br />

» Raumakustik<br />

Kontakt<br />

Günzburg<br />

Tel 08221 918-0<br />

Biberach<br />

Tel 07351 1598-0<br />

Dillingen<br />

Tel 09071 5898-0<br />

Eisleben<br />

Tel 03475 6799-99<br />

www.feha.de<br />

7


[verantworten] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

man Warenströme exakter fließen lassen. Die<br />

Kunst bei Big Data besteht darin, die richtigen<br />

Fragestellungen für verschiedene Bereiche innerhalb<br />

von Unternehmen zu finden, um einen<br />

Mehrwert zu generieren.“<br />

Davon profitiert auch die IT-Branche, die sich<br />

aufmacht, den riesigen Datenwald zu durchforsten.<br />

Der Branchenverband Bitkom hat in<br />

einer Umfrage ermittelt, dass 38 Prozent der<br />

befragten Unternehmen davon ausgehen,<br />

dass sie durch Big Data noch besser über das<br />

Informations- und Konsumverhalten ihrer<br />

Kunden aufgeklärt werden – und somit auch<br />

die Angebote genauer auf deren Bedürfnisse<br />

abstimmen können. Ebenfalls 38 Prozent hoffen,<br />

ihr Zielpublikum noch genauer zu erreichen.<br />

37 Prozent erwarten durch die effektive<br />

Nutzung der Datenmengen auch eine Verbesserung<br />

der eigenen Logistikprozesse.<br />

Doch die explosionsartig wachsenden Datenströme<br />

spielen nicht nur in der Wirtschaft<br />

eine große Rolle. Big Data nutzt auch die enorme<br />

Menge der allgemein verfüg baren „offenen<br />

Daten“ wie Geoinformationen, Wet ter vorhersagen,<br />

Statistiken, Verkehrsnachrichten oder<br />

medizinische Forschungsergebnisse. Der<br />

Hamburger Hafen etwa will durch eine Big<br />

Data-Lösung den Container-Umschlag in den<br />

kommenden Jahren verdreifachen – ohne die<br />

Fläche zu vergrößern. Wie soll das funktionieren?<br />

Eine Vielzahl von Sensoren auf dem Gelände<br />

ermitteln wertvolle Informationen, unter<br />

anderem über einzelne Arbeitsabläufe,<br />

Standzeiten und auch Größen der Frachter;<br />

das ermöglicht am Ende eine effizientere Ausnutzung<br />

der ganzen Anlage.<br />

So FlieSSt Der verkehr<br />

Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Laut Michael<br />

Kleinemeier, Bitkom-Präsidiumsmitglied,<br />

wurde durch Big Data zum Beispiel das<br />

Verkehrsaufkommen in Stockholm um 20<br />

Prozent reduziert: „Die individuellen Fahrzeiten<br />

sind gar auf die Hälfte geschrumpft. Dafür<br />

werden jede Sekunde 250.000 Standortdaten<br />

von Verkehrsteilnehmern von Video- und<br />

Sensorsystemen<br />

ausgewertet und<br />

zur Verkehrssteuerung<br />

eingesetzt“,<br />

erklärt er. Auch die<br />

Verkehrsemissionen<br />

seien so um 20<br />

Prozent verringert<br />

worden.<br />

Kleinemeier<br />

nennt ein weiteres Michael Kleinemeier vom<br />

Beispiel, um das Branchenverband Bitkom.<br />

Spitzel-Gefühl, das<br />

nicht wenige Leute bei dem Begriff Big Data<br />

beschleicht, zu relativieren: „Ohne den Einsatz<br />

von Big Data werden viele gesellschaftliche<br />

Herausforderungen nicht zu schaffen<br />

sein. Bereits heute werden Big-Data-Lösungen<br />

in der Krebstherapie eingesetzt. Je besser die<br />

Datenbasis ist, desto eher kann die wirkungsvollste<br />

Behandlungsform für jeden einzelnen<br />

Patienten individuell entwickelt werden.“ [!]<br />

sTEFAN lOEFFlER<br />

Wohlfühlen ist die Devise<br />

Im Sinne der Kunden grenzenlos denken und fühlen.<br />

Anzeige<br />

vor drei Jahren wurde die um3o gegründet.<br />

pünktlich zum dritten „Geburtstag“<br />

konnten nun neue Büroräume in Beimerstetten<br />

eingeweiht werden.<br />

„Bei uns steht der Kunde als Mensch im Fokus.<br />

Grenzenlos denken und fühlen“, bringt Oliver<br />

Oehler, Geschäftsführender Gesellschafter<br />

die Firmenphilosophie auf den Punkt und<br />

erklärt: „Wir sind anders. Nach über 15-jähriger<br />

Erfahrung im E-Business wissen wir, dass<br />

vor allem kleine und mittlere Unternehmen<br />

auf ihrem Weg in<br />

die digitale Welt<br />

vor komplexen<br />

Aufgaben stehen.<br />

Diesen sind wir<br />

ein zuverlässiger<br />

Partner und unterstützen<br />

sie bei der<br />

Entwicklung und<br />

Umsetzung von<br />

Internet-Projekten<br />

Firmenchef<br />

Oliver Oehler.<br />

mit maßgeschneiderten<br />

Lösungen“.<br />

Der Fokus von UM3o liegt dabei auf der<br />

Entwicklung von B2B- und B2C-Internetplattformen,<br />

Intra- und Extranet-Lösungen,<br />

Online-Shops sowie der Gestaltung von Internetauftritten.<br />

Elektronischer Datenaustausch<br />

und die Einrichtung von Schnittstellen<br />

zu Warenwirtschaftssystemen runden das<br />

Leistungsportfolio ab.<br />

Solch komplexe IT-Projekte rufen auf Kundenseite<br />

oft Berührungsängste hervor, obwohl<br />

ein hoher Bedarf an derartigen Lösungen<br />

besteht. „Genau hier liegt unser Ansatz“,<br />

hebt Oliver Oehler hervor. „Wir erarbeiten<br />

die Projekte mit unseren Kunden und deren<br />

Mitarbeitern, binden sie in die Entwicklung<br />

ein und vermitteln so, dass die Umsetzung<br />

einfacher gelingen kann, als vom Kunden<br />

ursprünglich vermutet“. Jedes noch so große<br />

Projekt verliere Schritt für Schritt seinen<br />

anfänglichen „Schrecken“, komplexe Abläufe<br />

ließen sich mit einer schlüssigen Usability<br />

bedienerfreundlich abbilden. Über die<br />

E-Business-Lösungen der UM3o sind derzeit<br />

mehr als 200 Unternehmen, vornehmlich<br />

Wiederverkäufer und Einkaufsverbände aus<br />

der Getränkebranche, angeschlossen. Dazu<br />

zählen unter anderem die Kooperationen GE-<br />

DIG und GEFAKO mit ihren Fachgroßhändlern<br />

sowie die Alpirsbacher Klosterbrauerei. Für<br />

diese Plattform wurden über 45 000 Artikeldaten<br />

der Getränkebranche durch UM3o aufbereitet<br />

und in die Anwendung eingebunden.<br />

Ebenso zählt die UM3o auch Betriebe aus<br />

anderen Bereichen zu ihren Kunden. Mittlerweile<br />

beschäftigt die UM3o vier Mitarbeiter,<br />

denen weitere freie Mitarbeiter aus einem gut<br />

funktionierenden, breiten Netzwerk zur Seite<br />

stehen, so Oliver Oehler abschließend. pm<br />

um3o Gmbh<br />

Ulmerstr. 13 | 89179 Beimerstetten<br />

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8


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

milei investiert – und liefert noch<br />

mehr milchpulver aus dem allgäu nach China<br />

Die Milei GmbH in Leutkirch, eine<br />

Tochtergesellschaft des japanischen<br />

Molkereikonzerns Morinaga,<br />

die Milch und Molke zu<br />

Milchpulver, Babynahrung, Diätetikprodukten<br />

und Sportlernahrung<br />

verarbeitet, kommt unverhofft<br />

zu einem größeren<br />

Milchkontingent. Schwarzwälder<br />

Milcherzeuger aus dem Breisgau<br />

und dem Ortenaukreis haben<br />

das ständige Gezerre um einen<br />

angemessenen Erzeugerpreis<br />

mit ihren heimischen Molkereien<br />

Schwarzwaldmilch in Freiburg<br />

und Offenburg satt und werden<br />

im neuen Jahr die Allgäuer<br />

Milchverwerter mit rund 20 Millionen<br />

Kilo Milch beliefern.<br />

Ihre Milch reist bis ans andere Ende der Welt.<br />

Eingefädelt hat das Geschäft die<br />

Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft<br />

BMG eingefädelt; sie stellte<br />

den Kontakt her. Bei der Milei ist<br />

Foto: © Gordon Bussiek/Fotolia.com<br />

der neue Partner hochwillkommen.<br />

Die Geschäftsführung der<br />

Milei bereitet sich gerade auf eine<br />

Ausweitung ihrer Produktionsanlagen<br />

und -räumlichkeiten<br />

vor, weil sie mit einer steigenden<br />

Nachfrage nach ihren Erzeugnissen<br />

vor allem aus China rechnet.<br />

Als vor fünf Jahren ein Skandal<br />

wegen Melamin-verseuchter<br />

Milch Südostasien erschütterte,<br />

verloren die Verbraucher im fernen<br />

Osten das Vertrauen in ihre<br />

heimischen Hersteller. Die Leutkircher<br />

Verwerter von Milch und<br />

Molke rechnen mit einer Investitionssumme<br />

von 150 Millionen<br />

Euro für die Kapazitätsausweitung<br />

und mit einem künftigen<br />

Bedarf von bis zu 200 Millionen<br />

Kilo Milch<br />

Die Milei GmbH beschäftigt im<br />

Allgäu 180 Mitarbeiter. [!] HAm<br />

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9


[titelthema] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

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<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[titelthema]<br />

DerrichtigeTakt<br />

–undesbrummt<br />

Die Straßen sind lausig, die Politik findet er mäßig hilfreich. Dennoch liebt<br />

HaraldSeifertseinen Beruf, nennt ihn Berufung. Seine Seifert Logistics Group<br />

bestimmt mit hunderten Lkw-Touren Tag für Tag den Takt der Wirtschaft und<br />

montiert sogar Motoren für das Daimler-Werk in Rastatt vor.<br />

Die Straßen und die Infrastruktur werden immer<br />

schlechter. Wie schwierig ist es für die Logistik, die<br />

richtigen Produkte zur richtigen Zeit zum richtigen<br />

Ort zu bringen?<br />

Ein heißes Thema. Unser Staat nimmt jährlich im Bereich<br />

Mobilität 54 Milliarden Euro an Mineralölsteuer,<br />

Kfz-Steuer, Maut und vieles mehr ein. Die Bundesregierung<br />

gibt aber deutlich zu wenig für die Verkehrsinfrastruktur<br />

aus: rund 9,5 Milliarden Euro jährlich.<br />

Sichtbares Zeichen des daraus resultierenden<br />

Sanierungsstaus an Brücken und Straßen sind die<br />

vielen Schlaglöcher. Es sollten 3 bis 4 Milliarden Euro<br />

pro Jahr für die Infrastruktur mehr sein. Die Lkw-Maut<br />

bringt dem Staat jährlich circa 4 Milliarden Euro, diese<br />

Einnahmen sind zweckgebunden, wurden aber im Vorhinein<br />

vom Haushalt abgesenkt. Dies ist nicht korrekt<br />

gelöst.<br />

Gibt es weitere Gründe dafür, dass es mit der Verbesserung<br />

der Infrastruktur in Baden-Württemberg<br />

nicht so schnell vorankommt, wie es nötig<br />

wäre?<br />

Da gibt es viele Aspekte. Einer davon ist, dass der<br />

Bund und das Land die Priorisierung unterschiedlich<br />

sehen.<br />

Inwiefern schadet das der Wirtschaft im Südwesten?<br />

Wirtschaft braucht Mobilität. Die Volkswirtschaft<br />

funktioniert nur mit guten Verkehrsanbindungen. Sie<br />

sehen das entlang den Autobahnen: Dort siedeln sich<br />

die Unternehmen an, dort blüht die Wirtschaft. Je weiter<br />

entfernt von den Autobahnen, desto geringer ist die<br />

Dichte an Industrie, weil die Logistikkosten dann einfach<br />

zu hoch sind.<br />

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt?<br />

Ich bemängle an der Politik, dass Baden-Württemberg<br />

im Länderfinanzausgleich ein Geberland ist. In den vergangenen<br />

Jahren hat man den Südwesten bei der Infrastruktur<br />

einfach vernachlässigt. Jahrelang wurde in<br />

Baden-Württemberg in die Infrastruktur zu wenig investiert.<br />

Es fehlt einfach eine zweite Ost-West-Autobahn.<br />

Wir haben nur die B 311, welche dreispurig ausgebaut<br />

werden sollte. In Ostdeutschland weiß man<br />

manchmal nicht, auf welcher Autobahn man eigentlich<br />

fahren soll, weil es dort so viele gibt. Zum Beispiel<br />

die A 20 von Rostock nach Hamburg – dort ist man mitunter<br />

alleine unterwegs. Das kann man von der A 8<br />

nicht behaupten. Die Osterweiterung der Europäischen<br />

Union verschärft das Problem der mangelnden<br />

Infrastruktur. Wir erweitern die EU nach Osten,<br />

vergrößern den Wirtschaftsraum, aber vergessen die<br />

Logistik!<br />

Aber die gehört hierzulande zu den wichtigsten<br />

Wirtschaftsbereichen.<br />

Die Logistikbranche in Deutschland erwirtschaftet<br />

jährlich 225 Milliarden Euro. Darauf sind wir stolz. Die<br />

Bundesregierung sollte zur Kenntnis nehmen, dass die<br />

Logistikwirtschaft der drittwichtigste Arbeitgeber in<br />

Deutschland ist und entsprechend handeln. Untersuchungen<br />

zufolge wird der Verkehr in Deutschland bis<br />

zum Jahr 2030 um bis zu 70 Prozent wachsen. Um die<br />

steigenden Warenmengen transportieren zu können,<br />

müssen wir alle Verkehrsträger ausbauen: Straße,<br />

Schiene, Luft und Binnenschiff.<br />

Würde die Einführung einer Pkw-Maut helfen, den<br />

Sanierungsstau in der Infrastruktur aufzulösen?<br />

Ich bin für die Pkw-Maut. Aber die Einnahmen müssen<br />

ZurPerson<br />

Zeitistein knappes<br />

Gut für den Ulmer<br />

Unternehmer und<br />

Vielfahrer (60.000 Kilometer<br />

im Jahr) Harald<br />

Seifert (57), der<br />

sich selbst als „Autonarren“<br />

bezeichnet.<br />

Sein Tagesablauf ist<br />

durchgetaktet, der<br />

Laptop stets dabei.<br />

Dennoch engagiert er<br />

sich stark ehrenamtlich.<br />

In der Freizeit<br />

joggt er gerne, spielt<br />

Golf oder erliegt der<br />

Faszination von Oldtimern.<br />

Er wuchs mit<br />

drei älteren Schwestern<br />

in Ehingen auf,<br />

stieg nach einer Lehre<br />

in Ulm in den väterlichen<br />

Betrieb ein.<br />

Seifert ist verheiratet<br />

und Vater zweier Söhne<br />

24/20), die studieren.<br />

225 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet Deutschlands Logistikbranche. Ein Grund, stolz zu sein, findet Harald Seifert.<br />

11


[titelthema] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

zweckgebunden sein, und zwar für die Verkehrsinfrastruktur.<br />

Aber ein tolles teures System, das erst in fünf<br />

Jahren kommt, ist mir zu wenig. Ich bin durch und<br />

durch Pragmatiker. Eine Vignetten-Lösung ließe sich<br />

schnell umsetzen.<br />

Wie ist die Situation der Lkw-Parkplätze?<br />

Wir haben 25.000 Lkw-Parkplätze zu wenig in Deutschland.<br />

Das Bundesverkehrsministerium ist bereits dabei,<br />

das Problem zu bewältigen. Zurzeit werden etliche<br />

gebaut, aber immer noch viel zu wenige: Es kann nicht<br />

sein, dass Lkw auf der Autobahn auf dem Standstreifen<br />

vor den Parkplätzen und Raststätten stehen. Die Unfallgefahr<br />

ist riesengroß.<br />

Stichwort Spritpreisentwicklung. Wie gehen Sie<br />

mit dem kontinuierlichen Anstieg um?<br />

Der Sprit macht im Transportbereich rund 30 Prozent<br />

unserer Kosten aus. Mittlerweile hat sich in der Branche<br />

eingebürgert, dass Spediteure mit ihren Kunden<br />

sogenannte „Diesel-Floater“ vereinbaren. Den Preisen,<br />

die man abrechnet, liegt eine Indexregelung zu Grunde.<br />

Das ist das eine. Zudem kaufen wir als Unternehmen<br />

sogenannte Slots ein, um uns längerfristig abzusichern.<br />

Ich bemängle, dass die Politik es nicht schafft,<br />

mehr Transparenz in den Markt zu bekommen. Ich fahre<br />

jeden Morgen an einer Tankstelle vorbei und werde<br />

auch im Unternehmen über die aktuellen, täglichen<br />

Preise informiert, die Entwicklung der Preise im Tagesund<br />

Wochenverlauf sind oft merkwürdig.<br />

Ihr Unternehmen gibt es seit 1947. Was waren die<br />

wichtigsten Schritte in der Firmenentwicklung?<br />

Es sind drei Meilensteine: Erstens, mein Vater ist spät<br />

aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er<br />

gründete ein Fuhr<strong>unternehmen</strong>, das mit eigenen Lastwagen<br />

Transporte übernahm. Als Bub bin ich manchmal<br />

mitgefahren. Zweitens, nach meinem Eintritt in<br />

die Firma baute ich das Unternehmen in Richtung Spedition<br />

weiter aus. Wir haben nicht nur eigene, sondern<br />

auch Kollegen und Sub<strong>unternehmen</strong> im nationalen<br />

und internationalen Räumen eingesetzt. Drittens, vor<br />

rund 25 Jahren haben wir eine eigene Tochtergesellschaft<br />

für Logistik gegründet und bauten die Kontraktlogistik<br />

systematisch aus.<br />

Was bedeutet Kontraktlogistik?<br />

Unsere Experten schauen sich die Prozesse und Wertschöpfungsketten,<br />

die sogenannten Wertstromanalysen,<br />

unserer Kunden an und finden heraus, wie sie sich<br />

verbessern lassen. Dabei stehen Güter-, Daten- und Finanzströme<br />

im Vordergrund. Das Schöne und Interes-<br />

Eine Pkw-Maut einzuführen, hielte Harald Seifert an sich<br />

für eine gute Sache. Aber nicht, wenn man fünf Jahre darauf<br />

warten müsste. Also besser für den Anfang Vignetten.<br />

12


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[titelthema]<br />

sante an der Logistik ist, dass es so vielfältige Aufgaben<br />

und Herausforderungen gibt. Wie zum Beispiel unsere<br />

Tank- und Siloinnenreinigungsanlage, eine der modernsten<br />

in Europa. Wir reinigen vollautomatisch 100<br />

Fahrzeuge mit 350.000 Litern Wasser am Tag und bereiten<br />

das wieder auf.<br />

In diesem Bereich sind Sie auch für den Daimler-<br />

Konzern aktiv.<br />

Diese Zusammenarbeit ist eines unserer größten<br />

Kontraktlogistikprojekte. Zuvor hatten wir nur „just<br />

in time“ zugeliefert, also Waren und Bauteile zur richtigen<br />

Zeit an die Produktionsbänder gebracht. Mit<br />

dem Projekt nun für Daimler versorgen wir von unserem<br />

Standort Malsch, bei Karlsruhe, die Bandfertigung<br />

der A- und B-Klasse und erledigen für rund 250 Lieferanten<br />

die sogenannte Just-In-Sequence-Belieferung.<br />

Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System der Organisation<br />

und Kommissionierung. Sogar Motoren montieren<br />

wir vor.<br />

Das klingt kompliziert. Können Sie es an einem Beispiel<br />

für Laien veranschaulichen?<br />

250 Daimler-Zulieferer liefern ihre Produkte zwei bis<br />

drei Tage vor dem jeweiligen Produktionstermin an<br />

unserem Standort an. Unsere Mitarbeiter entladen,<br />

kommissionieren und sequenzieren etwa 25.000 Teile<br />

täglich. Diese liefern wir in der richtigen Reihenfolge<br />

zur richtigen Zeit für die richtigen Autos im halben<br />

Stundentakt, rund um die Uhr, also 24 Stunden, produktionsgerecht<br />

am Produktionsband an.<br />

Logistik ist mehr, als nur eine<br />

Fuhre von A nach B zu bringen.<br />

Bei der sogenannten Just-<br />

In-Sequence-Belieferung<br />

montieren seine Leute sogar<br />

Motoren für die A- und B-<br />

Klasse von Daimler vor, berichtet<br />

der Chef.<br />

Symbiose Integrieren, modifizieren,<br />

neu gestalten – USM Möbelbausysteme<br />

verleihen Ideen konkrete Gestalt.<br />

Fragen Sie nach detaillierten Unterlagen<br />

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13


[titelthema] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

2014 wird ein neues Logistikzentrum<br />

im Ulmer Norden<br />

gebaut. Direkt an der Autobahn,<br />

direkt am Containerbahnhof.<br />

„Der Logistiker<br />

sucht immer den optimalen<br />

Standort mit günstigen Verkehrswegen“,<br />

erklärt Harald<br />

Seifert.<br />

Für wen bieten Sie solche Kontraktlogistik-Dienstleistungen<br />

an?<br />

Wir sind europaweit für Konzerne und mittelständische<br />

Unternehmen in den sechs Branchen Automotiv,<br />

Baustoffe, Chemie, Papier, Pharma und Konsumgüter<br />

tätig.<br />

Die Autoindustrie klagt, dass die<br />

Umsätze in Europa nicht so gut<br />

ausfallen. Spüren Sie da schon<br />

etwas?<br />

Nicht bei den Modellen, die wir betreuen:<br />

A- und B-Klasse. Wir sind<br />

sehr dicht an der Produktion und<br />

bekommen die Auftragslage hautnah<br />

mit. Bei diesen Modellen läuft<br />

die Produktion sehr gut, und wir<br />

sind voll ausgelastet.<br />

Wirsind<br />

hautnah<br />

ander<br />

Produktion<br />

dran<br />

Die Logistikbranche ist ein Frühindikator für die<br />

Wirtschaft. Wie läuft es in den anderen Branchen?<br />

Wir können froh sein, dass in Deutschland die Konjunktur<br />

– auch dank politischer Entscheidungen – gut<br />

läuft. In Baden-Württemberg und Bayern haben wir<br />

zum Glück eine sehr gute Wirtschaftsstruktur mit vielen<br />

Familien<strong>unternehmen</strong>. Da läuft das Geschäft gut.<br />

Nimmt man das internationale Geschäft hinzu, spüren<br />

wir einen Mini-Einbruch.<br />

Wie sieht es in Ihrer Gruppe<br />

aus?<br />

Wir planen, <strong>2013</strong> mehr als 100<br />

Millionen Euro umzusetzen. Wir<br />

sind auf einem guten Weg, haben<br />

gute Aufträge und neue gute Ideen.<br />

Wir sind an 20 Standorten in<br />

Deutschland und Polen mit rund<br />

745 Mitarbeitern tätig. Es sind gerade<br />

drei neue Standorte mit drei<br />

neuen Projekten hinzugekommen. In Mannheim, im<br />

Raum Leipzig und für Porsche ein 36.000 Quadratmeter<br />

großes Warehouse in Ehingen-Berg. Außerdem werden<br />

wir 2014 ein neues, modernes 24.000 Quadratmeter<br />

großes Seifert-Logistikzentrum in Ulm-Nord bauen.<br />

14


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[titelthema]<br />

Dies wird in drei Hallenabschnitten geplant. Bereits<br />

jetzt sind 50 Prozent der Lagerflächen vergeben. Es entsteht<br />

direkt an der Autobahnausfahrt und direkt am<br />

Containerbahnhof. Denn der Logistiker sucht immer<br />

den optimalen Standort mit den günstigen Verkehrswegen.<br />

Wie gut ist denn der Speditions- und Logistikstandort<br />

Ulm/Neu-Ulm?<br />

Hervorragend. Und das sage ich nicht nur, weil ich Logistiker<br />

bin. Externe Gutachter bescheinigen unseren<br />

beiden Städten eine überdurchschnittliche Logistikstärke.<br />

Die kann man sogar sehen, wenn man auf der<br />

A 8 fährt. Logistik findet überall im Alltag statt. Die vielen<br />

Produktions<strong>unternehmen</strong>, die sich im Ländereck<br />

Ulm angesiedelt und entwickelt haben, können nur so<br />

erfolgreich agieren, weil sie von starken Logistik<strong>unternehmen</strong><br />

unterstützt werden. Ich gehe sogar noch weiter<br />

und sage, dass eine starke Logistik in Ulm/Neu-Ulm<br />

dazu beiträgt, dass sich zukünftig weitere Produktions<strong>unternehmen</strong><br />

hier ansiedeln werden. Logistik ist ein<br />

positiver Standortfaktor.<br />

Ihr Unternehmen ist im Juni mit dem Eco Performance<br />

Award ausgezeichnet worden. Was unternimmt<br />

Ihre Gruppe, um Ökologie, Ökonomie und<br />

Soziales zu verbinden?<br />

Bei uns im Unternehmen gibt es ein Paket an Maßnahmen.<br />

Wir haben – ohne gesetzlichen Zwang – schon 45<br />

Lkw mit Euro VI-Motoren angeschafft, die 15 Prozent<br />

weniger Treibstoff verbrauchen und dementsprechend<br />

weniger Schadstoffe ausstoßen. Unsere Führungskräfte<br />

sind weniger unterwegs, weil wir uns europaweit<br />

häufiger per Videokonferenzen mit unseren Kunden<br />

abstimmen. Wir stellen ein Fünftel unserer Energie<br />

selbst her – regenerativ. Ich persönlich stelle an einer<br />

roten Ampel über die Eco-Taste den Motor meines<br />

Pkws ab. Wir haben Wasserspartasten im ganzen Unternehmen.<br />

Die Reinigungsanlage ist mit der Biogasanlage<br />

verbunden. Da sind wir eines der führenden Unternehmen.<br />

Auch testen wir derzeit Wasserstoffstapler.<br />

Das sind nur verschiedene Ausschnitte unseres Portfolios.<br />

Ich als Unternehmer und wir als Seifert Gruppe<br />

möchten vorne mit dabei sein.<br />

Sie lassen Lkw-Fahrer am Simulator trainieren. Ist<br />

so etwas üblich in der Branche?<br />

Wenn man sich so umhört, ist das doch eher selten. Unseren<br />

Leuten aber macht das riesigen Spaß.<br />

Ein großes Reizthema sind die sogenannten<br />

Lang-Lkw.<br />

Lang-Lkw, Giga-Liner, 60-Tonnen-Monstrum: Hätte das<br />

Umweltfreundliches Verhalten<br />

ist ihm im Unternehmen,<br />

aber auch als Privatmann<br />

wichtig, sagt Harald Seifert.<br />

An einer roten Ampel stelle er<br />

natürlich den Motor ab.<br />

bulthaup b3<br />

Folgt keinen<br />

schnellen Trends.<br />

Sondern<br />

Überzeugungen.<br />

Grüner GmbH<br />

Neue Straße 113<br />

89073 Ulm<br />

Tel. 0731 92705930<br />

15


[titelthema] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Aus dem Transportbetrieb seines Vaters hat Harald Seifert ein Logistik<strong>unternehmen</strong> gemacht, das täglich 800 Lkw-Ladungen disponiert.<br />

MitDienstleistungen<br />

rasantgewachsen<br />

InzweiterGeneration führt Harald Seifert<br />

seine Logistikgruppe. 1976 trat er in<br />

den Transportbetrieb seines Vaters ein,<br />

der damals fünf Mitarbeiter beschäftigte.<br />

Heute arbeiten für die Seifert Logistics<br />

Group (SLG) 750 Mitarbeiter an 18 Stand<br />

orten. 2012 steigerte die Gruppe ihren<br />

Umsatz um 16 Prozent auf 92 Millionen<br />

Euro. Seiferts Unternehmen disponiert<br />

für mehr als 1000 Kunden aus den Bereichen<br />

Automotive, Chemie, Pharma, Papier,<br />

Konsumgüter und Baustoffe täglich<br />

mehr als 800 Lkw­Ladungen. Der eigene<br />

Fuhrpark umfasst 240 Fahrzeugeinheiten,<br />

zudem fahren mehr als 270 festintegrierte<br />

Subunternehmer für Seifert im Corporate<br />

Design des Ulmer Unternehmers. Die<br />

Lagerfläche entspricht der Größe von<br />

rund 30 Fußballfeldern. Ein Schwer punkt<br />

liegt auf der Kontraktlogistik. In deren<br />

Rahmen reinigt SGL beispielsweise Silotanks<br />

für die Chemie bran che. Firmenchef<br />

Harald Seifert en ga giert sich stark ehrenamtlich.<br />

Er ist unter anderem Regionalgruppensprecher<br />

Allgäu/Bodensee der<br />

Bundesvereinigung für Logistik, Mitglied<br />

im Verkehrsausschuss des Deutschen Industrie­<br />

und Han delskammertages, Mitbegründer<br />

und zweiter Vorsitzender des<br />

Logistik­Clusters Ulm/Neu­Ulm und Vizepräsident<br />

der IHK Neu­Ulm.<br />

AMB<br />

Fahrzeug keinen so komischen Namen, gäbe es die Diskussion<br />

auf der politischen Ebene gar nicht. Ich spreche<br />

vom Öko-Liner. Von den Kritikern würde ich gerne<br />

eine vernünftige Begründung hören, warum sie gegen<br />

den Öko-Liner sind. Wenn diese Gründe stichhaltig<br />

sind, überzeugen sie mich auch. Der baden-württembergische<br />

Verkehrsminister Winfried<br />

Hermann von den Grünen<br />

findet aber keine. Das Ganze ist ein<br />

an den Haaren herbeigezogener politischer<br />

Nonsens.<br />

Was macht den Lang-Lkw in<br />

Ihren Augen zum Öko-Liner?<br />

Wo heute drei herkömmliche Lkw<br />

fahren, könnten auf bestimmten<br />

Touren und mit speziellen Gütern<br />

künftig zwei Öko-Liner fahren. Das verringert den<br />

Spritverbrauch und den Schadstoffausstoß um circa<br />

33 Prozent. Die Kosten für den Transport sinken. Das<br />

kommt auch den Verbrauchern zugute.<br />

Es heißt aber doch, dass die langen Lkw Brücken<br />

und Fahrbahnen beschädigen.<br />

DerStreit<br />

umden<br />

„Öko-Liner“<br />

istpolitischer<br />

Nonsens<br />

Die Tonnage bliebe ja bei 40 Tonnen. Darum gäbe es<br />

auch keine Probleme mit Brücken oder Straßen. Da<br />

müsste nichts umgebaut werden. Es geht beim Öko-<br />

Liner ums Volumen. Warum kann man für leichte Güter<br />

wie zum Beispiel Styropor, Windeln oder Verbandsstoffe<br />

nicht bestimmte Strecken festlegen und<br />

freigeben?<br />

Betrifft Sie das Thema Fachkräftemangel,<br />

oder rennen<br />

Ihnen die Leute die Bude ein,<br />

weil Sie so interessante Jobs zu<br />

bieten haben?<br />

In der Spedition und Logistik<br />

herrscht Fachkräftemangel, weil<br />

unsere sehr interessante Branche<br />

unterbewertet wird. Aber daran<br />

arbeiten wir. Die Seifert-Gruppe sucht immer gute Leute.<br />

Wir haben aber durch den langjährigen Mitarbeiterstamm<br />

eine sehr gute Mannschaft, darauf bin ich besonders<br />

stolz. Das Schöne ist, dass wir wachsen und<br />

auch jungen Leuten Führungsnachwuchs-Positionen<br />

anbieten können. Diese sind mit Leidenschaft in der<br />

Logistik tätig. Überhaupt ist Leidenschaft ein gutes<br />

16


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[titelthema]<br />

Wort. Denn Leidenschaft ist für mich der Grundgedanke.<br />

Wenn ich Leidenschaft für einen Beruf habe,<br />

dann ist es die Berufung. Meine Leidenschaft ist die Logistik.<br />

Bleibt Seifert Logistik ein Familien<strong>unternehmen</strong>?<br />

Ich habe das Glück, dass ich nicht wie manche Familien<strong>unternehmen</strong><br />

in Deutschland vom Nachwuchsproblem<br />

betroffen bin. Da ich zwei Söhne habe, auf die<br />

ich stolz bin. Beide studieren derzeit. Einer war gerade<br />

als Werksstudent da, der andere kommt demnächst für<br />

sechs Monate in die Firma, bevor er seinen Master<br />

macht. Sie studieren in die richtige Richtung: International<br />

Management der eine und BWL mit Schwerpunkt<br />

Logistik der andere. Nach Auslandsaufenthalt<br />

und Fremderfahrung steht dem Eintritt in die Firma<br />

nichts entgegen. Beide Söhne sind bei den Strategieund<br />

Führungskräftemeetings bereits dabei.<br />

Und bis zur Übergabe?<br />

Wir haben ein sehr langjähriges und gutes Führungskräfteteam.<br />

In den vergangenen Jahren sind wir sehr<br />

stark gewachsen und top aufgestellt gewesen – und<br />

sind es immer noch.<br />

Wie anstrengend ist es, mit Ihnen in Urlaub zu<br />

fahren?<br />

Ich bin Workaholic. Ich arbeite gerne und bin ein positiv<br />

denkender und leidenschaftlicher Mensch. Ich<br />

kann mich auf die Sekunde fokussieren. Meinen Ausgleich<br />

finde ich bei meiner Familie, beim Golfen und<br />

bei meinem Hobby, den Oldtimern.<br />

DAS GESPRäcH FÜHRTEN<br />

KAREN EMLER, LEITERIN<br />

DER WIRTScHAFTSREDAKTION DER SÜDWEST PRESSE,<br />

UND ALExANDER BÖGELEIN,<br />

REDAKTIONSLEITER UNTERNEHMEN [!]<br />

FOTOS: MARc HÖRGER<br />

DOKUMENTATION: DANIEL GLANZ<br />

Die Aussichten, dass die Seifert-Logistics-Gruppe<br />

in Familienhand<br />

bleibt, sind gut, erzählt<br />

Harald Seifert im<br />

Gespräch mit Karen Emler<br />

und Alexander Bögelein.<br />

Seine beiden erwachsenen<br />

Söhne studieren schon „in die<br />

richtige Richtung“.<br />

17


[finanzieren] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

HeutezahltderSchwarm<br />

Ob Buch oder Start-up. Nicht für alle Ideen gibt es sofort einen Kredit von der Bank. Ein neues Finanzierungsinstrument<br />

ermöglicht die Verwirklichung dennoch: Crowdfunding. Das Internet bringt die Geldgeber zusammen.<br />

Um ihren deutsch-peruanischen Phantasy-Roman<br />

Qayqa drucken zu lassen<br />

und den Illustrator bezahlen zu können,<br />

suchte Ritti Soncco Unterstützer im Internet.<br />

„Das Manuskript über die mystische<br />

Welt Perus verpackt in ein Märchen war fertig,<br />

aber ich hatte keinen Verlag“, erzählt die<br />

selbstständige Schriftstellerin und Filmemacherin<br />

aus Ulm. Auf der Online-Plattform<br />

Startnext warb die 29-Jährige deshalb per Videobotschaft<br />

um Spenden. „Über meinen Blog<br />

wusste ich von Fans, die auf das Buch gewartet<br />

haben und mich unterstützen wollten.“<br />

Innerhalb eines Monats hatte Soncco gut<br />

3000 Euro zusammen.<br />

„Es hat mich<br />

positiv überrascht,<br />

wie gut das funktioniert<br />

hat. Ich bin<br />

sehr dankbar, dass<br />

so viele Menschen<br />

etwas gegeben haben“,<br />

sagt die<br />

Künstlerin, die<br />

halb Deutsche und<br />

halb Peruanerin Der Schwarm finanziert<br />

ist. Das Geld reicht Ritti Sonccos Roman.<br />

nun sogar noch für<br />

eine Lesetour durchs Land. Insgesamt gaben<br />

45 Unterstützer zwischen 5 und 500 Euro.<br />

Zum Dank erhielten sie dafür ein handsigniertes<br />

Qayqa-Exemplar, eine namentliche<br />

Erwähnung in der Danksagung des Romans<br />

und einen persönlichen Dankesbrief.<br />

Diese noch junge Methode, Geld aufzutun,<br />

heißt Schwarmfinanzierung. Die Idee: Viele<br />

kleine Investoren entscheiden unabhängig<br />

voneinander in ihrer Gesamtheit darüber, ob<br />

ein Produkt finanziell gefördert wird oder<br />

nicht. Wer Geld sammeln will, stellt dafür auf<br />

speziellen Internetplattformen sein Projekt<br />

Hier ein Schein, da ein Schein – auch wenn viele<br />

Leute nur kleine Summen springen lassen, lässt<br />

sich so manches Projekt verwirklichen.<br />

18


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[finanzieren]<br />

vor, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen.<br />

Außerdem sollte er dazu bereit sein,<br />

über soziale Netzwerke mit seinen Unterstützern<br />

zu kommunizieren. Dafür bekomme er<br />

schon vor der Produkteinführung ein Feedback<br />

vom Markt, kostenloses Marketing und<br />

eine Vielzahl aktiver Multiplikatoren. Geschickt<br />

wird dabei mit dem Begriff der sogenannten<br />

Schwarmintelligenz gearbeitet. Gemeint<br />

ist, dass sich aus vielen Entscheidungen<br />

Einzelner eine profitable Weisheit der Masse<br />

– englisch Crowd – herauskristallisiert.<br />

EinBuCHalSDankESCHön<br />

Es gibt zwei Arten von Schwarmfinanzierung:<br />

Beim so genannten Crowdfunding werben<br />

Kreative wie Soncco Spenden für künstlerische<br />

Projekte wie Bücher, Musik-CD oder Kinofilme<br />

ein. Als Gegenleistung gibt es das<br />

Produkt oder eine Eintrittskarte. Crowdfunding<br />

begann 2009 in den USA mit der Plattform<br />

Kickstarter, seit 2010 bieten auch hierzulande<br />

immer neue Online-Marktplätze wie<br />

etwa Startnext ihre Dienstleistungen an.<br />

Daraus entwickelt hat sich europaweit das sogenannte<br />

Crowdinvesting, das noch einen<br />

Schritt weiter geht: Insbesondere Start-ups<br />

versorgen sich über Online-Plattformen wie<br />

Companisto, Seedmatch oder Innovestment<br />

mit Kapital privater Investoren. „Beim Crowdinvesting<br />

erhält der Kapitalgeber Unternehmensanteile<br />

am Gründungs<strong>unternehmen</strong>“,<br />

erklärt Hans Rauth, stellvertretendes Vorstandsmitglied<br />

der Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen.<br />

Das könne sowohl in der echten Gründungsphase<br />

als auch in einer späteren<br />

Expansionsphase der Fall sein. Erwirtschaftet<br />

das Unternehmen Gewinn oder wird es mit<br />

Gewinn verkauft, streichen die Anleger ihre<br />

Rendite ein. „Allerdings wissen wir nicht erst<br />

seit der Lehman-Pleite oder dem Scheitern des<br />

Neuen Marktes, dass hohe Chancen mit hohen<br />

Risiken untrennbar verbunden sind“, gibt<br />

Rauth möglichen Investoren zu bedenken.<br />

EinSchwarm,zwei<br />

Finanzierungstypen<br />

Crowdfunding: Dabei handelt es sich<br />

in der Regel um Spenden, die auf Online-Plattformen<br />

eingeworben werden,<br />

um künstlerische oder soziale Projekte<br />

wie Konzerte oder Filme zu verwirklichen.<br />

Zum Dank bekommen die<br />

Spen der eine Naturalrendite in Form<br />

des Produkts, einer Eintrittskarte oder<br />

der namentlichen Erwähnung, sei es<br />

im Abspann oder auf der Verpackung.<br />

Crowdinvesting: Bei dieser Variante<br />

erwerben Investoren über spezielle<br />

Online-Portale Unternehmensanteile.<br />

Sie werden zu stillen Gesell schaftern<br />

und stellen dem Unternehmen dadurch<br />

frisches Kapital zur Verfügung.<br />

Investoren erwarten eine Rendite.<br />

Macht das Unternehmen Gewinne<br />

oder wird es mit Gewinn verkauft, profitieren<br />

auch die Anleger.<br />

hof<br />

Wir finanzieren den Mittelstand.<br />

Nutzen Sie das Sparkassen-Finanzkonzept für Firmenkunden.


[finanzieren] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

dreimal so viele wie 2009 – Tendenz weiter<br />

steigend. In Europa werden etwa 200 gezählt,<br />

hierzulande sind derzeit 20 aktiv.<br />

In Ulm treibt vor allem Andreas Dukek-Haferkorn<br />

von der Kulturfahrschule, einem Treff<br />

für Künstler und Kreative, dieses Thema voran.<br />

Er versucht, über Startnext bis zu 300.000<br />

Euro einzusammeln, um die zehnspurige<br />

Bowling-Bahn im Universum-Center, einem<br />

1970 eröffneten Hochhausklotz, zu einer<br />

Eventlocation umzubauen. Zudem möchte er<br />

bis Ende 2014 eine eigene Crowdfunding-<br />

Plattform für Projekte und Unternehmen aus<br />

Bayern und Baden-Württemberg anbieten.<br />

Die Zahl der Plattformen wächst rasant: 200 sind es mittlerweile in Europa.<br />

Professor Dirk Schiereck ist Inhaber des Lehrstuhls<br />

für Unternehmensfinanzierung an der<br />

TU Darmstadt: „Für Start-ups ist diese Finanzierungsform<br />

deshalb interessant“, erklärt er,<br />

„weil viele nur geringe Rücklagen und oft keinen<br />

Zugang zum klassischen Bankkredit haben.“<br />

Zwar gebe es auch Venture-Capital-Firmen<br />

oder Business Angels, also eine Art<br />

Mentoren, die sich finanziell am Unternehmen<br />

beteiligen und die Existenzgründer mit<br />

Know-how und Kontakten unterstützen, „jedoch<br />

kann längst nicht jedes Unternehmen<br />

einen solchen Sponsor für sein Vorhaben gewinnen“.<br />

Auch Marc Evers, Mittelstandsexperte<br />

beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag<br />

(DIHK) in Berlin, sieht im<br />

Crowdinvesting eine „interessante Finanzierungsalternative<br />

für Start-ups“. Selbst die von<br />

der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission<br />

Forschung und Innovation geht<br />

davon aus, dass das Modell eine „zunehmend<br />

wichtige Rolle in der Frühfinanzierungsphase<br />

von Unternehmen“ spielen könnte. „Bei größeren<br />

Kreditbeträgen muss man allerdings<br />

Fortsetzung<br />

folgt–nur<br />

wennder<br />

Schwarm<br />

eswill<br />

sehr viele Kapitalgeber gewinnen“, sagt Evers.<br />

Eines dürfe man auch nicht vergessen: „Man<br />

präsentiert seine Idee dann einem breiten Publikum,<br />

möglicherweise auch Plagiatoren.“<br />

Nichtsdestotrotz wächst der Markt rasant:<br />

Laut Crowdfunding-Report der US-Marktforscher<br />

„Crowdsourcing LLC“ sammelten entsprechende<br />

Initiativen 2012 weltweit über 2,1<br />

Milliarden Euro ein – 91 Prozent mehr als im<br />

Vorjahr. Seit 2009 hat sich das Marktvolumen<br />

verfünffacht. Die Höhe der erschwärmten Beträge<br />

nimmt ebenfalls zu, wie auch die Zahl<br />

der Plattformen. Mit etwa 530 gibt es weltweit<br />

kliCkumkliCkPromotion<br />

Den Erfolg von Schwarmfinanzierungen erklärt<br />

Professor Gottfried Vossen vom Institut<br />

für Wirtschaftsinformatik der Universität<br />

Münster so: „Durch soziale Netzwerke im Internet<br />

ist es sehr einfach geworden, innerhalb<br />

kurzer Zeit viele Geldgeber zu erreichen und<br />

mit Informationen zu versorgen.“ Denn sind<br />

erst einmal Unterstützer gefunden, verbreiten<br />

diese die Idee per Klick wiederum in ihren<br />

Netzwerken und so weiter, bis genügend<br />

Geldgeber zusammen sind. „Innerhalb kurzer<br />

Zeit lässt sich der Bekanntheitsgrad enorm<br />

steigern. Soziale Netze und Blogs leisten hier<br />

Unvorstellbares“, sagt Vossen.<br />

Manche Plattformen geben bestimmte Mindestbeträge<br />

vor, die eingesammelt werden<br />

müssen, damit ein Projekt realisiert wird.<br />

Oder die Unternehmen nennen den Kapitalbedarf,<br />

den sie mindestens erschwärmen wollen.<br />

Kommen die Summen nicht zustande,<br />

wird das Vorhaben abgeblasen und die Investoren<br />

erhalten ihr Geld zurück. Damit das<br />

klappt, müssen sie sich vorher registrieren.<br />

„Schwarmfinanzierung funktioniert insbesondere<br />

bei kleineren, kreativen Projekten.<br />

Oder zur Herstellung von Produkten, die einen<br />

gewissen Reiz und eine eigene Fangemeinde<br />

haben“, sagt Nikolaus Hertle, Leiter<br />

Innovation bei der IHK Ulm. Skeptisch ist er<br />

hingegen, wenn größere Summen aufgenommen<br />

werden sollen: „Wenn ein Unternehmen<br />

für seine Vorhaben keine Finanzierung auf<br />

herkömmlichem Weg bekommt, hat das<br />

meist seinen Grund.“<br />

Soncco jedenfalls ist überzeugt vom Crowdfunding.<br />

Sie unterstützt auch selbst künstlerische<br />

Projekte. Derzeit schreibt sie an der Fortsetzung<br />

von Qayqa, aus der auch ein Buch<br />

werden soll – wenn der Schwarm es will. [!]<br />

Petra hoffknecht<br />

20


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[führen]<br />

SchweigenistallesanderealsGold<br />

Mittelständische Firmenchefs scheuen häufig die kommunikation mit der Öffentlichkeit und den Medien. Doch das ist<br />

nicht ratsam und rächt sich in Konfliktsituationen, sagt Professor Markus Rhomberg von der Zeppelin-Universität<br />

Viele Familien<strong>unternehmen</strong> geben sich im<br />

Umgang mit der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend.<br />

Medienanfragen werden manchmal<br />

sehr spät oder nur teilweise beantwortet. Angaben<br />

zum Umsatz gibt es selten, zur Ertragslage<br />

erst recht nicht. „Einen Zwang zur Auskunft<br />

gegenüber der Presse haben die<br />

Unternehmen nicht“, sagt Markus Rhomberg,<br />

Professor für Politische Kommunikation an<br />

der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.<br />

Jedoch gilt auch für Familien<strong>unternehmen</strong>,<br />

wenn sie in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft<br />

geführt werden, die gesetzliche Publizitätspflicht.<br />

Sie müssen auch abhängig von<br />

Größe und Rechtsform ihren Jahresabschluss<br />

veröffentlichen. Anders verhält es sich bei Personengesellschaften.<br />

Gründe für die Intransparenz<br />

gibt es laut Rhomberg mehrere. Viele<br />

Firmenchefs dächten: „Ich möchte nicht, dass<br />

meine Mitbewerber, Lieferanten und Mitarbeiter<br />

wissen, wie gut oder schlecht das Unternehmen<br />

da steht.“ Gegenüber Medien herrsche<br />

schlicht großes Misstrauen.<br />

Allerdings setze ein Wandel ein. Die jüngere<br />

Generation der Unternehmer habe ein anderes<br />

Verhältnis zu Medien und ein anderes Verständnis<br />

von Transparenz. Verschwiegenheit<br />

könne sich ein Unternehmen heute ohnehin<br />

nicht mehr leisten. Die Suche nach guten Fachkräften<br />

und Auszubildenden lasse sich viel<br />

Markus Rhomberg, Professor für Politische Kommunikation an der Zeppelin Universität.<br />

eher lösen, wenn man als Unternehmen öffentlich<br />

wahrgenommen wird.<br />

Ein Beispiel für dieses Umdenken ist das Tettnanger<br />

Outdoor-Unternehmen Vaude. Jahrelang<br />

wurden nur wenige Daten preisgegeben:<br />

„Ich habe hier die Vorgehensweise meines Vaters<br />

fortgeführt“, sagt Chefin Antje von Dewitz.<br />

Inzwischen ist das anders. „Je transparenter das<br />

Unternehmen kommuniziert, umso mehr<br />

kann man Entscheidungen verständlich machen.“<br />

Viele Firmen merkten erst, wie wichtig<br />

Öffentlichkeit ist, wenn es schon zu spät ist,<br />

sagt auch Rhomberg. Denn in Krisen- oder<br />

Konfliktsituationen fänden Journalisten bei<br />

schlechter Kommunikation in der Regel andere<br />

Quellen – enttäuschte Mitarbeiter, einen<br />

Betriebsrat oder auch einen Politiker aus der<br />

Region. „Und dann hat man die Botschaft als<br />

Unternehmen nicht mehr unter Kontrolle.“ [!]<br />

kathrIn Streckenbach/özlem YIlmazer<br />

Firmenmüssenaufihreanliegenaufmerksammachen<br />

Einen Mentalitätswandel bei vielen Familien<strong>unternehmen</strong><br />

fordert der Präsident des Baden-<br />

Württembergischen Industrie- und Handelskammertages<br />

und Ulmer IHK-Chef Peter<br />

Kulitz. „Es ist enorm wichtig, dass Familienunternehmer<br />

ihre Interessen in die Gesellschaft<br />

hinaustragen“, sagte Kulitz. Das Wirken<br />

von Familien<strong>unternehmen</strong> sei in den<br />

Regionen sehr vorteilhaft, werde aber nicht<br />

angemessen dargestellt.<br />

Mehr als 90 Prozent der Betriebe im Südwesten<br />

sind Familien<strong>unternehmen</strong>. Eine gewisse<br />

Verschwiegenheit<br />

vor allem bei kleinen<br />

und mittleren<br />

Betrieben habe<br />

sich aus Tradition<br />

und Mentalität heraus<br />

entwickelt.<br />

Der Begriff Familien<strong>unternehmen</strong><br />

weise bereits darauf<br />

hin: „Das ist eine<br />

Familie, und die<br />

BWIHK-Chef Peter Kulitz<br />

appelliert an Firmen.<br />

privaten Dinge einer Familie werden nicht<br />

außen exponiert“, sagt Kulitz. Auch dass es in<br />

der Regel keine Publizitätspflicht für Personengesellschaften<br />

gibt, spiele eine Rolle, so<br />

der Kammerpräsident. Öffentlichkeitsarbeit<br />

sei wichtig, etwa wenn es um Folgen von politischen<br />

Entscheidungen für die Betriebe gehe.<br />

Familienunternehmer sollten sich stärker öffentlich<br />

äußern. „Ein anderer Umgang mit<br />

Medien bietet die Chance, seine Anliegen öffentlich<br />

zu machen“, sagte Kulitz, der selbst<br />

ein Familien<strong>unternehmen</strong> führt. [!] Str/YIl<br />

21


Kinderspielzeug? Von wegen. Der vermeintliche Klotz wird einmal das Innenleben eines Autokühlers. Der Ingenieur simuliert hier die Temperaturverteilung<br />

in einem Windkanal: Von außen strömt kühlere Luft (blau) durch den Kühler.<br />

Die Meister der Simulation<br />

Probieren geht über Studieren? Je nachdem. Wo es um komplexe Technologie geht, können Testreihen viel Geld<br />

verschlingen. Und sind oft überflüssig. Das beweist die Wenger Engineering GmbH mit ihren Simulationen.<br />

Eine Gründungsgeschichte wie aus dem<br />

Hochglanzprospekt der Ulmer Wissenschaftsstadt:<br />

Der Hauptakteur, ein hochqualifizierter<br />

Wissenschaftler von der renommierten<br />

Zürcher ETH, sondiert nach dem<br />

Studium seine Chancen, wird auf ein neues<br />

Projekt einer Konzernforschungseinrichtung<br />

in Ulm aufmerksam und vom Fleck weg dafür<br />

engagiert. Als sein Vertrag nach drei Jahren<br />

ausläuft, wagt er den Sprung in die Selbstständigkeit.<br />

Das Equipment besteht aus einem<br />

Laptop, geliehenen Möbeln und einem handtuchgroßen<br />

Büro in der Technologiefabrik<br />

Ulm. Dazu kommen jede Menge Kontakte, die<br />

er zwischenzeitlich geknüpft hat.<br />

Heute, sechs Jahre später: Das vormalige Ein-<br />

Mann-Start-up, die Wenger Engineering<br />

GmbH, beschäftigt 20 Mitarbeiter und verfügt<br />

über ein weltweites Kundennetz. Die Idee<br />

trägt, die Nische des hochspezialisierten Ingenieurbüros<br />

hat sich als ausbaufähig erwiesen.<br />

Dr. David Wenger ist ein Fachmann auf dem<br />

Gebiet der Thermodynamik. Ein Spezialgebiet<br />

ist die thermische Simulation. Teure Versuchsreihen<br />

werden, wo möglich, ersetzt<br />

durch komplexe Berechnungen am PC. „Dadurch<br />

können wir schon früh in einer Projektphase<br />

sagen, ob etwas funktioniert – oder<br />

nicht“, erklärt Wenger. Das ist der entscheidende<br />

Vorteil für seine Kunden.<br />

WiE Dick MuSS Ein kabEl SEin?<br />

Das Know-how von Wenger und seinem interdisziplinär<br />

besetzten Team aus den Bereichen<br />

Verfahrens-, Luft- und Raumfahrttechnik<br />

sowie Chemieingenieurwesen ist zum<br />

Beispiel beim Anschluss von Offshore-Windparks<br />

per Hochspannungskabel gefragt. Wie<br />

dick muss, wie dünn darf so ein Kabel sein?<br />

Durch den komplexen Aufbau solcher Leitungen<br />

und die jeweils unterschiedliche „Einbausituation“<br />

würden Standardberechnungen zu<br />

falschen Ergebnissen<br />

führen. Eine<br />

bestimmte Maximaltemperatur<br />

aber darf das Kabel<br />

an keiner Stelle<br />

überschreiten. Da<br />

das Leitermaterial<br />

(Kupfer) sehr teuer<br />

ist, birgt eine präzise<br />

Simulation ein<br />

Von der ETH Zürich nach<br />

Ulm: David Wenger. Einsparpotential<br />

in Millionenhöhe.<br />

Als Wenger 2004 am damaligen Daimler-<br />

Chrysler-Forschungszentrum anheuerte, war<br />

er mit der Entwicklung der Brennstoffzellen-<br />

Technologie befasst, konkret: mit der Betankungsproblematik<br />

entsprechender Fahrzeuge<br />

mit Wasserstoff. Wird dieser, hochverdichtet,<br />

in einen kleinen Tank gepresst, verändert er<br />

seine Temperatur. Ziel war es, die optimale<br />

22


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[machen]<br />

Tankstelle zu entwickeln. „Eine der besten in<br />

Deutschland steht am Stuttgarter Flughafen,<br />

an der Optimierung waren wir beteiligt“, sagt<br />

Wenger. Die Führung von Kühlkanälen zur<br />

Optimierung der Strömungsverhältnisse bei<br />

Verbrennungsmotoren oder sich je nach Konfiguration<br />

unterschiedlich stark erhitzende<br />

Batterien sind weitere Arbeitsfelder. Aktuelle<br />

Projekte befassen sich mit der Kühlung von<br />

Batterien in Elektro- beziehungsweise Hybridfahrzeugen<br />

und dem Ziel der Hersteller,<br />

möglichst kleine, leichte und kostengünstige<br />

Motoren zu entwickeln.<br />

EinSTEin TuT DEM iMaGE GuT<br />

Im vergangenen Jahr habe seine Firma „knapp<br />

60 Projekte von knapp 30 Kunden“ bearbeitet,<br />

Aufträge „von Japan bis Kalifornien“. Doch<br />

wie nun schafft es ein kleines Büro, von Ulm<br />

aus die nötige Aufmerksamkeit auf sich zu<br />

ziehen? Etwa zwei Drittel der Aufträge basierten<br />

auf Empfehlungen, verrät Wenger. Weil er<br />

sich nicht allein darauf verlassen will, geht er<br />

immer wieder auf Kongresse und auch Fachmessen.<br />

Nicht schlecht fürs Firmenimage sei<br />

die Adresse in der Einsteinstraße, dagegen –<br />

und das erstaunt – beziffert er die Synergien<br />

durch die Wissenschaftsstadt auf dem Oberen<br />

Eselsberg doch als eher marginal.<br />

Zwei Drittel seines Teams bestehen aus Ingenieuren,<br />

die Wenger weltweit rekrutiert.<br />

Auch auf diesem Feld geht die Perspektive<br />

weit über Ulm hinaus: „Ulm“, sagt Wenger,<br />

„ist viel zu klein, um solche Spezialisten zu<br />

finden.“<br />

Wird das noch etwas mit der Brennstoffzellentechnologie,<br />

für die er einst von Zürich<br />

nach Ulm gekommen ist? Die Probleme scheinen<br />

gravierend zu sein, der Serienstart solcher<br />

Autos verschiebt sich immer weiter nach hinten.<br />

Derlei Bedenkenträgerei ist nichts für<br />

Wenger, da ist er zu sehr Ingenieur aus ganzem<br />

Herzen: „Natürlich wird es gelingen“, sagt<br />

er. Schließlich steckten in den Autos mit heutiger,<br />

konventioneller Verbrennungstechnik<br />

ungezählte Ingenieursarbeitsleben – aus einer<br />

Spanne von mehr als 100 Jahren. Im Vergleich<br />

dazu sei bisher doch nur ein winziger<br />

Bruchteil Arbeitszeit in die Brennstofftechnologie<br />

geflossen. Und die Ingenieure sind<br />

quicklebendig. [!]<br />

THOMAS VOGEL<br />

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Touchscreen war gestern<br />

– Myestro versteht Gesten<br />

Wenger Engineering funktioniere auch gut<br />

ein paar Wochen ohne ihn – so gut organisiert<br />

sei das Unternehmen, sagt David Wenger. Die<br />

Freiräume nutzt er aber gleichermaßen beruflich:<br />

in seiner Myestro Interactive GmbH. Ihr<br />

Produkt sei eine Revolution, ein Meilenstein<br />

der Technikgeschichte. Es geht dabei darum,<br />

dass sich ein Bildschirm durch Gesten steuern<br />

lässt. Ein Touchscreen ist im direkten Vergleich<br />

dazu schon wieder Technik von gestern.<br />

Entwickelt wurde die Zauberlösung von<br />

einem technikversierten Partner und Tüftler,<br />

Wenger ist in der gemeinsamen Firma fürs<br />

Unternehmerische und die Vermarktung zuständig,<br />

was über Lizenzen geschehen soll.<br />

Spielen kann man mit Myestro auch, Technik-<br />

Freaks könnten ihre Haustechnik daran koppeln,<br />

Faulpelze ersparen sich sogar den Griff<br />

zur Fernbedienung.<br />

Doch Wenger hat auch eine Anwendung<br />

auf gänzlich anderem<br />

Gebiet im Sinn,<br />

in der Kranken- und<br />

Seniorenbetreuung:<br />

Anfassen überflüssig: Der Gesten-Schirm Myestro<br />

reagiert sogar auf ungeübte Besucher.<br />

Stürzt eine Person in einem Raum, der von einem<br />

Myestro-Sensor überwachtwird, erkennt<br />

das System auch darin eine Geste. Es schlägt<br />

Alarm und rettet so einem womöglich hilflosen<br />

„User“ das Leben. In der kleinen Versuchsecke<br />

bei Wenger Engineering installiert, hat<br />

das System immerhin gleich mal bewiesen,<br />

dass es sich selbst einem<br />

ungeschult gestikulierenden<br />

Besucher unterwirft.<br />

[!]<br />

TV<br />

23


[machen] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

DieLetztenihrerArt<br />

Klempner, Glaser, Schuhmacher – die gab es einst in jedem Städtchen. Heute werden vor allem auf dem Land<br />

qualifizierte FachkräfteimHandwerk immer rarer. Dabei sind die Karrierechancen ausgezeichnet.<br />

Der Absatz ist links abgelaufen, und der<br />

Reißverschluss schließt am Rechten<br />

nicht richtig. Ansonsten haben die geliebten<br />

Lederstiefel Schnee, Matsch und<br />

Streusalz gut überstanden. Zum Wegschmeißen<br />

fraglos zu schade: 140 Euro haben sie vor<br />

drei Jahren gekostet und passen wie angegossen.<br />

Also ab zur Reparatur mit ihnen, bevor<br />

der nächste Winter über uns hereinbricht.<br />

Aber wer repariert Stiefel? Im oberschwäbischen<br />

Riedlingen gibt es eine Antwort: „Breitfeld“.<br />

So heißt in der rund 10.000 Einwohner<br />

zählenden Stadt der einzige verbliebene<br />

Schuhmodeladen mit Reparaturservice aus<br />

Meisterhänden.<br />

EinEtrAurigEListE<br />

Franz Breitfeld gehören diese Hände, und sein<br />

Name steht auf einer traurigen Liste der Handwerkskammer<br />

Ulm: neben Klempnern, Glasern,<br />

Parkettlegern und vielen anderen; neben<br />

Handwerkern, die in ihrem Ort allesamt die<br />

einzigen Vertreter ihres Gewerks sein sollen,<br />

ob in Kirchheim, Laupheim, Westhausen<br />

oder eben Riedlingen im Kreis Biberach.<br />

Breitfeld wundert seine Alleinstellung wenig.<br />

Als er 1983 seine Meisterprüfung als Schuhmacher<br />

ablegte, „waren wir schon nur 15 Leute<br />

– aus ganz Baden-Württemberg und Bayern“.<br />

Und heute ist es für Betriebe sehr viel<br />

schwerer Handwerkernachwuchs zu finden,<br />

da ein immer höherer Prozentsatz eines Jahrgangs<br />

sich nach der Schule für ein Studium<br />

entscheidet. „Die das Handwerk heute noch<br />

lernen“, sagt Breitfeld, „orientieren sich zudem<br />

meistens in Richtung Orthopädieschuhmacher,<br />

der auf individuelle Schuhanpassungen<br />

bei Fußschäden spezialisiert ist.“<br />

Der 59-jährige Breitfeld versucht hingegen,<br />

betagte Modeschuhe wieder ordentlich aussehen<br />

zu lassen. Mit einem Fräskopf formt er in<br />

Wo gibt‘s das noch – einen Schuhmachermeister,<br />

der selber Hand anlegt? In Riedlingen. Franz<br />

Breitfeld gehört zu den Letzten seiner Zunft.<br />

24


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[machen]<br />

seiner Werkstatt die Rundungen des zu erneuernden<br />

Winterstiefelabsatzes. Am Ende färbt<br />

er ihn mit schwarzem Wachs – fertig. 10 bis 15<br />

Minuten braucht der Meister für den Absatz,<br />

für den Reißverschluss deutlich länger. „Den<br />

und das Innenfutter müssen sie erst sauber<br />

raustrennen, die Länge abmessen und den<br />

Reißverschluss aus der Meterware rausdrücken<br />

und alles separat wieder einkleben beziehungsweise<br />

nähen und einfassen. Das dauert<br />

mindestens eine halbe Stunde.“ Rund 40<br />

Euro verlangt Breitfeld für beide Arbeiten. Bei<br />

einem Billigstiefel für 50 Euro würde sich die<br />

Reparatur kaum lohnen.<br />

niEmEHrQuALDErWAHL<br />

Vor vielen Jahren habe es noch sieben Schuhanbieter<br />

in Riedlingen gegeben, erinnert sich<br />

Breitfeld, und auch einen, der nur mit Schuhreparaturen<br />

sein Geld verdient hat. Aber wie viele<br />

andere musste<br />

auch dieser Fachmann<br />

schließen –<br />

vor nicht allzu langer<br />

Zeit erst ein<br />

Jahrzehnte altes<br />

Fachgeschäft, das<br />

ebenfalls Reparaturen<br />

übernahm.<br />

Tobias Mehlich, Geschäftsführer<br />

der Handwerkskammer,<br />

befürchtet Versorgungsprobleme.<br />

Jetzt gibt es in Riedlingen<br />

neben Filialen<br />

von Deichmann<br />

und Quick-<br />

Schuh, nur noch<br />

einen Ortho pä dieschuhmach<br />

er, eine<br />

Schuhmodespezialistin und eben Breitfeld.<br />

Wer seine Stiefel reparieren lassen möchte,<br />

Ein Teil von Franz Breitfelds Handwerkszeug (von links): Lederaufrauher, Kneipe, Schuhmacherhammer,<br />

Beißzange, Heft mit Ahle, Oberlederschere (für weicheres Leder), Bodenlederschere und Lochzange.<br />

muss zu Breitfeld gehen oder, wie der Meister<br />

sagt, 20, 30 Minuten mit dem Auto fahren.<br />

Diese Konzentration in der Nahversorgung<br />

gibt es in immer mehr Orten und Handwerksbereichen,<br />

berichtet Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer<br />

der Handwerkskammer Ulm:<br />

„Der Fachkräftemangel im Handwerk gefährdet<br />

nicht nur Arbeitsplätze in der Region von<br />

der Ostalb bis zum Bodensee, sondern auch<br />

die Versorgung. Heute haben wir keinen Azubi<br />

auf eine freie Stelle, morgen keinen Gesellen,<br />

der den Auftrag des Kunden abarbeiten<br />

kann. Übermorgen ist dann auch kein Nachfolger<br />

mehr da, der den Betrieb übernimmt.<br />

An manchen ländlichen Standorten in der Region<br />

kann das in Zukunft ein richtig großes<br />

Problem werden.“ Positiv ausgedrückt, entfällt<br />

für die Leute auf dem Land immer häufiger<br />

die Qual der Wahl, negativ gesehen, werden<br />

sie von einem Anbieter abhängig, sofern<br />

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25


[machen] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Ein gutes Schuhsortiment gibt es noch vielerorts – nicht aber die Leute, die von der Pike auf gelernt haben, wie man es bürstet, hegt und pflegt.<br />

es noch einen gibt, oder sie müssen weit fahren<br />

oder hohe Anfahrtskosten zahlen.<br />

Der demografische Wandel wird dabei den<br />

Mangel an Fachkräften im Handwerk noch<br />

vergrößern. Das zeigen die Zahlen des Fachkräftemonitors<br />

der Industrie- und Handelskammern<br />

(IHK) im Südwesten, der das Fachkräfteangebot<br />

und die -nachfrage in 105 Berufsgruppen<br />

und 18 Branchen bis zum Jahr<br />

2030 beschreibt:<br />

„In der Region Bodensee-Oberschwaben<br />

werden<br />

zwischen <strong>2013</strong><br />

und 2030 durchschnittlich<br />

mehr<br />

als 13.000 Fachkräfte<br />

fehlen“, sagt<br />

Heinrich Grieshaber,<br />

Präsident der<br />

IHK-Geschäftsführer Otto IHK Bodensee-<br />

Sälzle wirbt für „Karriere Oberschwaben. Im<br />

mit Lehre“.<br />

Gebiet der IHK<br />

Ulm werden es in<br />

dem Zeitraum 12.000 sein, in Baden-Württemberg<br />

220.000. Dabei steht in der Region Ulm<br />

einem vergleichsweise geringen Mangel an<br />

Akademikern ein Bedarf von etwa 5500 nichtakademischen<br />

Fachkräften mit mittlerer und<br />

hoher Qualifikation gegenüber. „Hier liegt das<br />

eigentliche Fachkräfteproblem“, sagt der<br />

Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, Otto<br />

Sälzle. Zu den Nicht-Akademikern mit hoher<br />

Qualifikation zählten Leute mit einer Weiterbildung<br />

zum Techniker, Meister, Fach- und<br />

Betriebswirt. „Wer eine Karriere mit Lehre<br />

anstrebt, ist auf jeden Fall auf der Gewinnerstraße“,<br />

sagt Sälzle, sind doch die Bedarfszahlen<br />

für hoch beruflich Qualifizierte in der<br />

Region siebenmal so hoch wie die für akademische<br />

Berufe. Nur bei gering qualifizierten<br />

Arbeitskräften sei ein Überangebot zu beobachten.<br />

Für Breitfeld bedeutet diese Entwicklung im<br />

Moment vor allem mehr Arbeit: In seiner acht<br />

Quadratmeter großen Werkstatt warten auf<br />

dem Boden und auf Tischen viele Schuhpaare<br />

auf ihre Reparatur. „So acht bis zehn Tage<br />

müssen die Kunden im Normalfall schon warten<br />

können“, sagt Breitfeld. „Wir haben Wäschekörbe<br />

voller Arbeit, und ich kann das nur<br />

nebenher machen. Das Hauptgeschäft ist ja<br />

der Schuhverkauf.“ In diesem Bereich verdient<br />

der Meister das meiste Geld. Der Umsatz<br />

reicht, um drei Mitarbeiter im Verkauf zu beschäftigen.<br />

„Der Kuchen ist durch die gesunkene<br />

Zahl an Schuhanbietern in Riedlingen<br />

aber nicht größer geworden“, sagt Breitfeld.<br />

„Schließlich gibt es heute das Internet und<br />

solche Mitbewerber wie Deichmann oder<br />

Quick-Schuh, wobei ich zum Glück mit unserem<br />

Sortiment andere Kunden anspreche, die<br />

bereit sind, mal 100 Euro und mehr für einen<br />

Qualitätsschuh auszugeben.“<br />

Was Breitfeld beruhigt, ist die geregelte Nachfolge.<br />

Sein Sohn wird den Laden einmal übernehmen.<br />

„Er leitet momentan in einer anderen<br />

Stadt eine Filiale von einem anderen Unternehmen.“<br />

Ansonsten ginge eine<br />

ungewöhn lich lange Tradition zu Ende: Seit<br />

1779 verkauft und repariert die Familie Breitfeld<br />

Schuhe in Riedlingen. Das ist urkundlich<br />

belegt. Ob der Reparaturservice bleibt, ist allerdings<br />

fraglich. Denn auch sein Sohn ist<br />

kein gelernter Schuhmachermeister mehr,<br />

sondern Kaufmann. [!] ANDREAS CLASEN<br />

Dakommtder<br />

Abtrittanbieter<br />

ÜberdieJahr-<br />

hunderte hat die<br />

Welt eine Vielzahl<br />

von Branchen und<br />

Berufen kommen<br />

und gehen sehen.<br />

Eine lesenswerte<br />

Zusammenstellung<br />

findet sich in<br />

„Verschwundene<br />

Arbeit“ von Rudi Palla (Christian<br />

Brand stätter Verlag, 35 Euro).<br />

Private Toiletten zum Beispiel sind eine<br />

relativ neue Einrichtung. Noch im Mittelalter<br />

erleichterten sich die Menschen<br />

ungeniert auf Straßen, auf Treppen,<br />

in Hinterhöfen. Im 18. Jahrhundert<br />

wuchs ein neues Schamgefühl, es wurden<br />

sogar Vorschriften erlassen, nicht<br />

vor aller Augen seine Notdurft zu verrichten.<br />

Die Stunde eines neuen Berufs<br />

hatte geschlagen: des Abtrittanbieters.<br />

Das waren armen Schlucker, die in großen<br />

Städten einen Kübel und einen<br />

Sichtschutz – meist einen großen Umhang<br />

– zur Verfügung stellten. Dem Beruf<br />

war keine Zukunft beschieden. Im<br />

19. Jahrhundert setzten sich Bedürfnisanstalten<br />

durch – und das war’s.<br />

Manche Berufe, die fast verschwunden<br />

waren, erleben freilich eine Renaissance,<br />

wenn auch nur in bescheidenem<br />

Umfang. So gibt es heute wieder mehr<br />

Hufschmiede, dem Trend zum Freizeitpferd<br />

sei Dank. Womöglich taucht eines<br />

Tages auch der Abtrittanbieter<br />

wieder auf – und tingelt von Bierzelt zu<br />

Bierzelt.<br />

iSt<br />

26


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[machen]<br />

Frischer Spargel<br />

auf Knopfdruck<br />

Cola, Milch, Fleisch, Postkarten, aber auch Regen schir me, Zahnbürsten,<br />

Hundefutter und Slips. Es gibt fast nichts, was man nicht aus einem Automaten<br />

ziehen kann. Die Vending-Branche wächst.<br />

Man sieht sie an allen Ecken und Enden,<br />

in Bahnhöfen, Parkhäusern, auf<br />

Schulhöfen, auf Flughäfen – manchmal<br />

stehen sie auch am Wegesrand und halten<br />

für Fahrradfahrer mit Plattfuß einen Ersatzschlauch<br />

parat. Praktische „Erste Hilfe“<br />

bieten auch die Automaten, die an Teichen<br />

und Bächen stehen. Aus ihnen können vergessliche<br />

Angler vor Ort gekühlte Würmer<br />

ziehen. Die sogenannten Vending-Maschinen<br />

sind aus unserem Alltagsleben nicht mehr<br />

wegzudenken. Zu jeder Tageszeit werfen sie<br />

alles Mögliche aus. „Im Prinzip gibt es alles.<br />

Doch Spitzenreiter sind ganz klar die Kaffeeautomaten,<br />

von denen es allein in Deutschland<br />

bis zu 210.000 Exemplare gibt“, sagt Mieke<br />

Feldmann vom Bundesverband der<br />

Deutschen Vending-Automatenwirtschaft<br />

(BDV) e.V. in Köln. Diese Kaffeeautomaten findet<br />

man als sogenannte „Table top“-Tischgeräte<br />

mitunter in Arztpraxen, Werkstätten und<br />

in den Verkaufsräumen von Autohäusern –<br />

oder eben als wuchtige Standgeräte, die zum<br />

Beispiel in Kantinen oder Krankenhäusern<br />

auf Knopfdruck hunderte von Tassen am Tag<br />

aufbrühen.<br />

EIN MOCCACINO? BITTESEHR!<br />

Für viele Besucher oder Mitarbeiter ist das eine<br />

feine Sache, denn die Zeiten, in denen Automatenkaffee<br />

einen fahlen Geschmack auf<br />

der Zunge hinterlassen hat, sind wohl fast<br />

überall vorbei. Mieke Feldmann: „Heute kann<br />

man selbstverständlich zwischen Cappuccino,<br />

Moccacino, Latte Macchiato, Espresso und<br />

vielen weiteren Sorten wählen.“<br />

Auch Bio-Produkte, Grillfleisch und frische<br />

Milch findet man heutzutage nicht mehr ausschließlich<br />

beim Metzger oder im Supermarkt.<br />

Mieke Feldmann: „Immer mehr Landwirte<br />

erkennen die Zeichen der Zeit und<br />

befüllen außerhalb der Öffnungszeiten des<br />

Die modernen Automaten verfügen über ausgetüftelte<br />

Kühlsysteme: Da bleibt der Spargel frisch.<br />

Foto: © Reika/Fotolia.com<br />

27


[machen] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Man kann fast alles in einen Automaten<br />

stecken. Findige Landwirte zum Beispiel<br />

halten ihren Hofladen auf die Art rund um<br />

die Uhr geöffnet.<br />

Fotos Fotolia.com; Fleisch: © gradt; Zahnbürste: © Ilya Akinshin; Milch: © TrudiDesign; Kaffee: © Fanfo; Eier: © philipus<br />

Der Klassiker spuckt Kaffee aus<br />

Die Zahlen sind enorm. Tag für Tag<br />

werden in Deutschland an den Vending-<br />

Automaten (das englische Wort Vending<br />

steht für Verkauf) neben Snacks und Lebensmitteln<br />

aller Art über zehn Millionen<br />

Heißgetränke wie etwa Kaffee sowie Millionen<br />

von Kaltgetränken verkauft.<br />

Die Zahl der in Deutschland betriebenen<br />

Getränke- und Verpflegungsautomaten<br />

beträgt nach brancheninternen Schätzungen<br />

500.000, darunter etwa 293.500<br />

für die Ausgabe von Heißgetränken. Für<br />

Hofladens eigene Verkaufsautomaten mit<br />

Spargel, Eiern und Kartoffeln.“<br />

Das ist praktisch. Übrigens gibt es das<br />

frische Gemüse nicht ausschließlich gegen<br />

Bares. Immer mehr moderne Automaten sind<br />

mittlerweile mit der kontaktlosen NFC-Technik<br />

ausgestattet. Bei dieser „Near Field<br />

Communication“-Methode können Daten dadurch<br />

übertragen werden, dass man die<br />

Scheckkarte nur noch an das Gerät hält – und<br />

fertig.<br />

Diese einfache Form der Bezahlung gilt natürlich<br />

auch für die Betriebe, in denen sich sogenannte<br />

„Genussautomaten“ zu beliebten<br />

Treffpunkten für Angestellte und Arbeiter gemausert<br />

haben. Beim kurzen Plausch kann<br />

Zehn Millionen Heißgetränke servieren Automaten in Deutschland jeden Tag.<br />

den kleinen Hunger zwischendurch gibt<br />

es über 47.700 Snack- Automaten, und<br />

an etwa 2800 Stück kann man Eis bekommen.<br />

Mehr als 80 Prozent der Geräte stehen<br />

dem Verband zufolge nach wie vor in Unternehmen.<br />

Insbesondere in kleineren<br />

Betrieben bilden Automaten häufig das<br />

einzige Verpflegungsangebot, vor allem<br />

dort, wo die Kantine aufgrund hoher Betriebskosten<br />

nicht mehr wirtschaftlich zu<br />

betreiben war.<br />

SL<br />

man hier den Kaffee zwischendurch, einen<br />

Pausensnack oder auch eine warme Mahlzeit<br />

genießen. Die Auswahl ist stattlich. Ob Sauerbraten<br />

mit Semmelknödel, Rindergulasch mit<br />

Spiralnudeln, Rahmschnitzel mit Spätzle<br />

oder Kassler mit Sauerkraut. Die vermutlich<br />

„kleinsten Kantinen der Welt“ servieren alles,<br />

was der Magen begehrt und sind vor allem für<br />

Leute im Schichtbetrieb ein Segen, wenn der<br />

Hunger auch außerhalb der Öffnungszeiten<br />

der Betriebskantinen groß ist.<br />

DER KÜHL SCHRANK GRILLT<br />

Diese „Genussmenü-Automaten“ sind als<br />

Kombination aus Kühlschrank und Mikrowelle<br />

kleine Wunderwerke der Technik. In<br />

ihnen werden Frischgerichte sachgerecht gelagert<br />

und auf Knopfdruck schnell und schonend<br />

zubereitet – rund um die Uhr.<br />

Speziell die großen Essens- und Getränkeautomaten<br />

tragen zum Wohl der deutschen Warenautomatenwirtschaft<br />

bei. 2012 konnte sie<br />

einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro verzeichnen<br />

– Tendenz steigend. Lediglich im<br />

Jahr 2009 gab es eine Kurve nach unten: „In<br />

diesem Jahr hatten viele Firmen Kurzarbeit<br />

angemeldet und dementsprechend gingen<br />

auch die Verkäufe an den Automaten in den<br />

Betrieben zurück“, erklärt Feldmann.<br />

Trotz steigender Zahlen bei den Automaten-<br />

Verkäufen verzeichnet die Branche im Bereich<br />

der Tabakautomaten einen Abschwung,<br />

eine Folge des gesetzlich ausgeweiteten Nichtraucherschutzes.<br />

Aufgestellt werden die Geräte überwiegend<br />

von selbstständigen Unternehmern. Im Auftrag<br />

der jeweiligen Betriebe kümmern sich<br />

diese Full-Service-Anbieter auf eigene Rechnung<br />

um das Installieren, Einrichten, Beschicken<br />

und Warten. Laut BDV hat ein Automatenbetreuer<br />

in der Regel 20 Geräte am Tag<br />

auf seiner Liste. Auch hier hilft moderne<br />

28


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[machen]<br />

Technik. Spezielle Übertragungsmodule in<br />

den einzelnen Automaten ermöglichen es, alle<br />

Verkaufsdaten und die aktuelle Gerätetemperatur<br />

über Funk abzurufen. So ist die Befüllung<br />

gut auch aus der Distanz planbar, weil<br />

angezeigt wird, welche Produkte ersetzt werden<br />

müssen. Die Daten sind per Mail jederzeit<br />

abrufbar.<br />

BITTE FÜR UNS SÜNDER ...<br />

Automatenbetreuer, dies scheint ein Beruf<br />

mit Zukunft zu sein. So sieht das auf jeden Fall<br />

die Branche, die seit dem Jahr 2008 jungen<br />

Menschen die Möglichkeit bietet, sich zur<br />

Fachkraft für den Automatenservice oder<br />

zum Automatenfachmann oder zur Automatenfachfrau<br />

für den kaufmännischen oder<br />

technischen Bereich ausbilden zu lassen.<br />

Der Nachwuchs wird es in den kommenden<br />

Jahren mit immer pfiffigeren Automaten zu<br />

tun haben, die es den Nutzern mit ihren<br />

„Touchscreen“-Flächen immer leichter und<br />

auch unterhaltsamer machen. Denn es gibt<br />

bereits Geräte, auf deren<br />

Oberfläche Kurz- oder auch<br />

Werbefilme flimmern – so<br />

kann man sich die Wartezeit<br />

auf den Kaffee auch versüßen.<br />

Wer jedoch denkt, dass die<br />

Vending-Automaten ausschließlich<br />

für eine schnelllebige<br />

Zeit des Fastfood-Konsums<br />

stehen, der irrt. Das<br />

beweist der „Gebetomat“: In<br />

dessen Kabine können Ruhesuchende<br />

für wenig Geld Gebete<br />

erklingen lassen. Die<br />

Fürbitten sind nach Weltreligionen<br />

und ihren jeweiligen<br />

Glaubensrichtungen geordnet<br />

– es genügt, den Bildschirm<br />

zu berühren. [!]<br />

STEFAN LOEFFLER<br />

Kein Kleingeld im Sack? Egal. Der Automat von<br />

heute arbeitet gerne bargeldlos. Foto: Jofemar SA<br />

Mehr Raum für Genuss<br />

Egal in welchem Büro, egal in welcher Stadt:<br />

Mit einer guten Tasse Kaffee oder Tee läuft<br />

alles leichter. Nur: Wer kümmert sich um den<br />

Einkauf, die Zubereitung, die Maschine, die<br />

Pflege, den Service, die Bezahlung und das<br />

Geschirr? Dallmayr Vending & Office bietet<br />

professionelle Kaffeeversorgung aus einer<br />

Hand. So können Unternehmen alle Fragen<br />

zur passenden Kaffeemaschine, zum Einkauf,<br />

der Reinigung und dem Service einfach<br />

abhaken. Das Konzept „Genuss aus<br />

einer Hand“ spart Zeit und Personalkosten.<br />

Außerdem steigern eine gute Tasse Kaffee<br />

oder ein Latte Macchiato die Motivation der<br />

Mitarbeiter und stimmen Kunden positiv auf<br />

Meetings ein. Mit der regelmäßigen Wartung<br />

und Reinigung durch das Dallmayr Serviceteam<br />

bleiben die Automaten und Kaffeemaschinen<br />

dauerhaft topfit. Auch die bargeldlose<br />

Bezahlung durch Dallmayr Card Systeme<br />

läuft reibungslos, sicher und bequem. „Das<br />

alleine ist schon eine runde Sache – aber wir<br />

bieten noch mehr“, so Andreas Prestel, Geschäftsführer<br />

von Dallmayr Vending & Office<br />

in Ravensburg, Neu-Ulm und Stuttgart. „Ein<br />

guter Kaffee schmeckt noch besser, wenn<br />

das Ambiente stimmt. Unsere Vision ist,<br />

rund um Kaffeegenuss zentrale Kommunikationstreffpunkte<br />

zu schaffen, an denen sich<br />

Mitarbeiter und Kunden wohlfühlen. Daher<br />

bieten wir auch modulare Raumkonzepte –<br />

je nach Platzangebot vom kompakten<br />

Coffeepoint bis hin zur voll ausgestatteten<br />

Kaffee-Lounge. Auch in Ihrer Stadt.”<br />

Anzeige<br />

Neugierig geworden? Gerne zeigen wir Ihnen,<br />

wie bereits bei vielen unserer Kunden<br />

neuer Raum für Genuss geschaffen wurde.<br />

Denn wo Kaffee getrunken wird, findet<br />

auch immer ein Austausch statt.<br />

Kontaktieren Sie uns:<br />

Dallmayr Vending & Office Ravensburg:<br />

Tel. 07 51 - 97715-0<br />

Key-Account-Manager: Pit Domes<br />

Dallmayr Vending & Office Neu-Ulm:<br />

Tel. 07 31 - 978 05-0<br />

Vertriebsleitung: Axel Möhle<br />

Dallmayr Vending & Office<br />

Friolzheim bei Stuttgart:<br />

Tel. 070 44-959-0<br />

Vertriebsleitung: Gebhard Kielwein<br />

Meine Stadt. Mein Büro.<br />

Mein Kaffee.<br />

www.dallmayr.de<br />

29


[spezial] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

ImAuftragdesKundenunterwegs<br />

Mit Logistik ist die Region zwischen Ulm, Augsburg und Kempten schon seit langem ein Schwergewicht. Seit es den<br />

Logistik-ClusterSchwaben gibt, wird dies zunehmend auch außerhalb bekannt.<br />

Verbraucher sind mitunter merkwürdige<br />

Wesen. Auf der Autobahn ärgern sie<br />

sich, weil sie wegen langer Lkw-Kolonnen<br />

nicht schnell genug vorwärtskommen.<br />

Zuhause machen sie sich auf dem Sofa bequem,<br />

sie bestellen Smartphones von<br />

Samsung oder Apple per Mausklick, dazu<br />

Schuhe in zweierlei Größen und dreierlei Farben.<br />

Von denen sie aber nur ein Paar behalten,<br />

den Rest ins Paket packen und zurückschicken.<br />

Nur die wenigsten Verbraucher, die den<br />

Online-Handel boomen lassen, machen sich<br />

wohl bewusst, dass sie damit Warenströme in<br />

Fluss setzen, über die er sich dann als Autofahrer<br />

ärgern. Denn irgendwie müssen die Produkte<br />

aus Asien in die schwäbischen Wohnungen<br />

kommen.<br />

„Logistik ist freilich viel mehr, als einen Lkw<br />

von A nach B zu schicken“, sagt Robert Schönberger,<br />

Geschäftsführer des „Logistik-Clusters<br />

Schwaben“ (LCS). Das Bild von der Logistik in<br />

den Köpfen vieler Menschen und das Image<br />

der Branche würden aber immer noch sehr<br />

stark von Lastwagen geprägt. Dabei sei Logistik<br />

ausgesprochen vielseitig, sie verbinde<br />

Menschen, Unternehmen und Regionen. Logistik<br />

stelle sicher, dass Rohstoffe und Teile<br />

für die Produktion vorrätig sind. Logistik plane<br />

und manage den gesamten Produktionsprozess.<br />

Zur großen Bandbreite an Aufgaben<br />

gehöre auch, dass die Logistiker als Dienstleister<br />

Produkte kommissionieren und konfektionieren<br />

– nach den individuellen Wünschen<br />

der Kunden.<br />

Räumlich erstreckt sich der vor zwei Jahren<br />

gegründete Cluster von der Region Ulm/Neu-<br />

Ulm bis nach Augsburg und ins Allgäu. Damals<br />

hatten 33 Unternehmer aus den IHK-<br />

Regionen Schwaben und Ulm und den beiden<br />

Kammern den Verein gegründet. Mit der Präsentation<br />

eines „Logistik-Atlas Schwaben“,<br />

den die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply<br />

Sinnbild für Logistik: Das Image wird immer<br />

noch stark von Lastwagen geprägt.<br />

30


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[spezial]<br />

Chain Services<br />

(SCS/Nürnberg),<br />

ging der „Logistik-<br />

Cluster Schwaben“<br />

(LCS) erstmals an<br />

die Öffentlichkeit.<br />

Die Welt der Logistik<br />

wurde seither<br />

nicht völlig neu erfunden,<br />

und ein<br />

Robert Schönberger vom starker Logistik-<br />

Logistik-Cluster.<br />

Standort war die<br />

Region auch vorher<br />

schon. Geändert hat sich nach den Worten<br />

Schönbergers, dass die Region mit ihrem Cluster<br />

nun auch aufgrund der PR-Arbeit, diversen<br />

Messeauftritten sowie Networking in der<br />

Fachpresse und bei Entscheidern stärker beachtet<br />

werde. Als er sich auf die Stelle des Geschäftsführers<br />

bewarb, hatte er angenommen,<br />

sie sei in Stuttgart angesiedelt, gibt Schönberger<br />

unumwunden zu. Doch für seine neue<br />

Aufgabe wechselte er von Wiesbaden nach<br />

Augsburg. Dort hat er bei der Industrie- und<br />

Handelskammer ein Büro – ebenso wie in<br />

Ulm. Schönberger arbeitet beharrlich daran,<br />

dass der Cluster auch außerhalb von Ulm und<br />

Bayrisch Schwaben mehr Aufmerksamkeit<br />

bekommt. Eine stärkere Wahrnehmung sei<br />

für die Entwicklung der Unternehmen sehr<br />

wichtig, sagt Harald Seifert, Chef der gleichnamigen<br />

Logistik-Gruppe, und stellvertretender<br />

LCS-Vorstandsvorsitzender „Denn wir wollen<br />

auch vor Ort weiter wachsen und die Region<br />

stärken.“<br />

Unterdentop18<br />

Mit gewisser Genugtuung registrieren die<br />

mittlerweile 90 Mitglieds<strong>unternehmen</strong>, dass<br />

die Experten der Fraunhofer SCS als anerkanntes<br />

Forschungs- und Beratungsinstitut<br />

die Region zwischen Ulm und Augsburg als<br />

eine der 18 „Top-Logistik-Regionen“ in<br />

Deutschland mit einem überdurchschnittlichen<br />

Beschäftigungswachstum identifiziert<br />

haben. Wenn nun die Verantwortlichen des<br />

Mitgliederzahlfast<br />

verdreifacht<br />

Im Juli 2011 von neun Unternehmen initiiert<br />

und mit 33 Mitgliedern aus der<br />

Transport- und Logistikbranche, der<br />

produzierenden Industrie, dem Handel<br />

sowie den beiden IHK Schwaben und<br />

Ulm gestartet, vertritt der LCS heute<br />

bereits 90 Mitglieder. Insgesamt hält<br />

die die Logistikbranche in Schwaben<br />

derzeit rund 47.000 Arbeitsplätze bereit.<br />

Ähnliche Cluster-Organisationen<br />

gibt es z.B. für Mechatronik (landesweites<br />

Cluster in Bayern), für Faserverbundstoffe<br />

(Carbon-Composite-Verein,<br />

Augsburg) sowie für Nutzfahrzeuge<br />

und Biotechnologie (Ulm).<br />

tv<br />

Clusters die zentrale Lage in Europa anpreisen,<br />

ihre Nähe zu den fünf größten süddeutschen<br />

Ballungsräumen, all die guten Standortfaktoren,<br />

die Vielfalt und die Stärken ihrer<br />

Von Airbus bis Zeiss<br />

Über 1.000.000 m ² Logistikflächen geplant und realisiert.<br />

Nething Generalplaner<br />

Architekten und Ingenieure<br />

Wegenerstraße 7<br />

89231 Neu-Ulm<br />

www.nething.com<br />

Büros in Berlin, Günzburg, Leipzig, Stuttgart . Ein Unternehmen der Nething Gruppe<br />

Nething<br />

Generalplaner<br />

Architekten<br />

Ingenieure<br />

31


[spezial] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Foto: © davis/Fotolia.com<br />

Logistik ist viel mehr, als einen Lkw von A nach B zu schicken. Dazu gehört Lagerhaltung ebenso wie<br />

Konfektionieren und Kommissionieren von Waren nach Maß – und alles zur richtigen Zeit.<br />

Mitglieds<strong>unternehmen</strong>, betreiben sie im<br />

Grunde Standortpolitik.<br />

„Cluster zeigen, wo die Stärken der Region liegen,<br />

und sie schärfen das Profil der Region als<br />

Wirtschaftsstandort“, erklärt Vorstandsmitglied<br />

und IHK-Hauptgeschäftsführer Otto<br />

Sälzle (Ulm). „Wo es eine starke Logistik gibt,<br />

Foto: Christophe Fouquin/Fotolia.com<br />

Foto: © Monkey Business /Fotolia.com<br />

Landkreisemitsehr<br />

gutennoten<br />

derLogistik-AtlasSchwaben schlüsselt<br />

das Standort-Angebot und die Investoren-Nachfrage<br />

für verschiedene<br />

Logistik-Typen auf, zumeist „landkreisscharf“.<br />

Was die Standortattraktivität<br />

für die Produktionsversorgung betrifft,<br />

so schnitten in den IHK-Regionen<br />

Schwaben und Ulm fast alle Landkreise<br />

„überdurchschnittlich“ ab. Berücksichtigt<br />

wurden dabei Faktoren wie Industriedichte,<br />

Flächenverfügbarkeit,<br />

Autobahnnähe sowie die Dienstleisterdichte.<br />

Für Neu-Ulm, Augsburg und<br />

Augsburg-Land gab es für diese Faktoren<br />

die Bestnote „sehr hoch“. Infos unterwww.logistik-schwaben.de<br />

tv<br />

da rollt auch die Produktion hin“, ergänzt<br />

Schönberger. Je mehr die Logistik<strong>unternehmen</strong><br />

über die Lieferkette und als Kontrakt-<br />

Logistiker in Produktionsprozesse integriert<br />

werden, desto bedeutender wird ihre Rolle.<br />

Und desto mehr steigt ihr Anteil an der Wertschöpfung.<br />

Als Partner ihrer Kunden entwickeln<br />

sie stetig individuelle Dienstleistungsangebote.<br />

Diese Kontraktlogistik gehört zu<br />

den großen Trends „Sie bleibt attraktiv, da sie<br />

eine höhere Wertschöpfung verspricht“, sagt<br />

Schönberger. Und beim Gros der Neugründungen<br />

in der Branche gehe es um Dienstleistungen<br />

in Tätigkeitsfeldern, für die dann<br />

keine firmeneigenen Lastwagen mehr angeschafft<br />

werden müssten.<br />

Aber auch die Logistik leidet in all ihren Aufgabenfeldern<br />

zunehmend an ein Fach- und<br />

Arbeitskräftemangel – von den Lageristen<br />

über den Verwaltungsbereich bis hin zum Management.<br />

Besonders schwierig ist die Lage<br />

bei den Berufskraftfahrern. Der Grund: Es<br />

kommt kein personeller Nachschub mehr aus<br />

der Bundeswehr. Deshalb sei es umso wichtiger,<br />

das Image der Branche zu polieren.<br />

PLANUNG<br />

BERATUNG<br />

ENGINEERING<br />

www.scherr-klimke.de<br />

32


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[spezial]<br />

Dass sie ferner am eigenen Netzwerk knüpfen,<br />

das Forschung, Kommunen und Wirtschaft<br />

im Interesse der Gesamtregion zusammenführe,<br />

gehört für zu den weiteren<br />

Kernaufgaben des Clusters, sagt Schönberger.<br />

Als „Integrationsplattform“ sei der Cluster<br />

auch eine Plattform, auf der man gemeinsam<br />

Themen bearbeitet, die für einzelne Unternehmen<br />

nur schwer zu stemmen seien: Man<br />

kann Hochschulen einbinden und zum Beispiel<br />

Logistikdienstleister an Infrastruktur-<br />

Fragen beteiligen.<br />

Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern<br />

an den Rahmen- und Standortbedingungen<br />

sowie in der Verkehrsinfrastruktur. Hier müsse<br />

die Branche in Politik und Öffentlichkeit<br />

Bewusstsein für ihre Bedürfnisse schaffen.<br />

Und was fehlt sonst noch? Schönberger muss<br />

nicht lange überlegen. Ein Hafen. Natürlich<br />

ist er sich im Klaren, dass der Wunsch dem<br />

Reich der Träume entstammt. Die Weiterentwicklung<br />

der direkten Container-Verkehre zu<br />

den Seehäfen steht dennoch auf der Agenda.<br />

Handys, iPad, Sofa: Wer hat‘s organisiert? Die Logistiker.<br />

Nach einer Untersuchung von Fraunhofer<br />

SCS bietet gerade dieses Feld Logistikern gute<br />

Zukunftschancen. Als wichtigen Schritt in<br />

diese Richtung wertet Schönberger daher,<br />

dass es seit diesem Monat wieder einen Containerzug<br />

vom Güterverteilzentrum Ulm aus<br />

nach Italien geben werde. [!]<br />

thomas vogel<br />

WAS? WANN?<br />

WER? W0?<br />

Die Unternehmen des schwäbischen Logistiknetzwerks<br />

geben Antworten und bieten Lösungen!<br />

Treten Sie mit uns in Kontakt:<br />

Logistik-Cluster Schwaben (LCS) e.V. · Augsburg 0821/3162 - 363<br />

Ulm 0731/173 - 285 · info@logistik-schwaben.de · www.logistik-schwaben.de<br />

33


[leben] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Merk-Würdig<br />

„Guten Tag, Herr äääääääähhhh ...“ Peinlich, peinlich. Es soll ja Leute geben, deren Gedächtnis unfehlbar ist. Wer<br />

nicht dazugehört, muss zu Tricks greifen. Ein Mentaltrainer empfiehlt, sich Geschichten und Bilder auszudenken.<br />

Je schräger, desto besser – „merk-würdig“ halt. Ein Test mit unserem Team.<br />

Man trifft jemanden auf der Straße, weiß genau, dass man<br />

den Gegenüber kennt, aber der Name will einem partout<br />

nicht in den Sinn kommen. Sicher ist es jedem schon einmal<br />

so ergangen. Oder man wechselt den Job und bekommt<br />

es im neuen Unternehmen binnen kürzester Zeit mit lauter<br />

neuen Gesichtern zu tun. Natürlich, die haben sich alle beim ersten<br />

Mal vorgestellt, aber wer kann sich schon so viele Namen auf einmal<br />

merken?<br />

Oliver Geisselhart, seines Zeichens Gedächtnistrainer, sagt, dass es dafür<br />

eine sehr effiziente Methode gibt. Das Prinzip ist einfach: Man<br />

denkt sich eine Geschichte aus, die zu dem jeweiligen Namen und der<br />

Person passen könnte. Je skurriler und „merk-würdiger“, desto besser<br />

bleibt das kleine Filmchen vor dem geistigen Auge im Gedächtnis. Er<br />

selbst habe ein Fläschchen Olivenöl im Koffer und eine Domina-Geißel,<br />

um sich – zum Beispiel bei öffentlichen Auftritten – vorzustellen:<br />

Dann schlägt er sich ein-, zweimal mit der Geißel hart auf den Rücken<br />

und reibt sich mit Olivenöl ein. Die Leute vergessen seinen Namen<br />

nicht.<br />

DER LEHM-MANN UND DER LANGHAARIGE<br />

Das abgedrehte Kopfkino läuft bei Geisselhart auch gleich an, als er<br />

Fotos der vier Südwest Presse-Mitarbeiter (Foto auf der rechten Seite)<br />

anschaut, die zusammen mit Redaktionsleiter Alexander Bögelein das<br />

Wirtschaftsmagazin „<strong>unternehmen</strong> [!]“ auf die Beine stellen: „Herrn<br />

Lehmann stelle ich mir ganz wörtlich als den Lehm-Mann vor. Der<br />

schmiert sich selber mit Lehm ein, weil es gut für die Haut ist. Wenn<br />

ich mir jetzt noch vorstelle, wie er sich sein akkurat sauberes Hemd<br />

einschmiert, wird es noch bescheuerter – und damit merk-würdiger.“<br />

Was Tobias Lehmann (45) im echten Leben als realitätsfernen Unfug<br />

von sich weisen würde, ist er doch als Objektleiter „<strong>unternehmen</strong> !“ für<br />

die Anzeigen zuständig und durch und durch seriös.<br />

Art Director Alen Pahic macht Geisselharts Phantasie gleich zum<br />

Herrn Peitsch – „es reicht, wenn es ähnlich klingt.“ Der lässt seine eh<br />

schon längeren Haare so lange wachsen, bis er sich mit ihnen selber<br />

peitschen kann. Nicht, dass der 41-jährige Grafikchef so etwas vorhätte.<br />

Er lacht, als er die Geschichte hört. Bildchefin Bozena Demski (47),<br />

„obwohl sie sehr freundlich und nett schaut“, demoliert im Kopfkino<br />

des Trainers ihre Skier oder sie dämmt sie. „Denn das Bild sollte vom<br />

Klang her den Namen wiedergeben.“ Nun gut, die echte Frau Demski<br />

hat gar keine Skier, sondern früher Basketball in der 2. polnischen<br />

Bundesliga gespielt. Die Frau Städele geht in Geisselharts Vorstellung<br />

zum Städtele hinaus, bei schönem Wetter setzt sie ihre Sonnenbrille<br />

auf und trällert das alte Lied „Muss i denn, muss i denn zum …“ Mit dem<br />

Spruch sollte man der Redakteurin im echten Leben besser nicht kom-<br />

men – „ich weiß nicht, wie viele tausend Mal ich das schon gehört<br />

habe“, sagt die 49-Jährige und verdreht die<br />

Augen.<br />

Was zu einem wichtigen Punkt führt:<br />

Vergessen oder gar nicht merken<br />

– das sind zwei Paar Stiefel<br />

Die Details<br />

seiner Na-<br />

mensmerk-Phantasien sollte<br />

man besser für sich behalten.<br />

Die Technik mag für Laien kompliziert<br />

klingen. Immer wieder hö-<br />

re er, „da muss ich mir ja viel mehr<br />

merken als nur den Namen“,<br />

sagt Geisselhart. „Aber das<br />

ist ja der Trick.“ Die Welt-<br />

rekordzahl beim Merken<br />

von Vor- und Zunamen<br />

liege bei 201 Personen<br />

in 15 Minuten. „Da<br />

schafft es auch Otto<br />

Normalverbraucher,<br />

sich in drei bis<br />

fünf Minuten zehn<br />

Namen zu merken.“<br />

Schon seit knapp drei<br />

Jahrzehnten steht der<br />

„Ich habe noch nie im Vortrag etwas vergessen, da können<br />

Sie mich um drei Uhr nachts wecken“, sagt Oliver Geisselhart.<br />

„Wenn ich etwas nicht weiß, habe ich es nicht vergessen, sondern<br />

mir gar nicht erst gemerkt.“<br />

140 Vorträge hält der 45-Jährige pro Jahr, früher noch deutlich<br />

mehr. Negative Erlebnisse habe er in Zusammenhang mit seinem<br />

Beruf eigentlich gar keine gehabt, sagt der in Friedrichshafen<br />

geborene Mentaltrainer. Dafür jede Menge schöne Erfahrungen<br />

wie den ersten Zeitungsbericht über ihn, den ersten<br />

Vortrag vor mehr als 1000 Leuten, den ersten Fernsehauftritt<br />

und auch den Moment, in dem er sein erstes selbst verfasstes<br />

Buch in Händen hielt.<br />

GAL<br />

34


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[leben]<br />

45-Jährige auf der Bühne, TV- und Radio-Auftritte, volle Hallen und<br />

mehrere Bücher zeigen seinen Erfolg. Weltweit werde er von Unternehmen<br />

gebucht, berichtet er. Zu dem Metier gekommen ist er über<br />

seinen Onkel Roland Geisselhart, den er respektvoll als „den Gedächtnispionier<br />

in Europa“ bezeichnet. „Schon mit 12 war ich bei seinen<br />

Seminaren mit dabei, mit 14 und 15 Jahren habe ich gemeinsam mit<br />

meinem Onkel mit Kleingruppen gearbeitet.“ Als 16-Jähriger vertrat<br />

er dann erstmals den Onkel als Trainer für Erwachsene – selbst erst gut<br />

1,60 Meter groß, durchaus eine Herausforderung.<br />

AM ANFANG WIRD ERST MAL ANGEGEGEBEN<br />

Respekt verschaffe er sich immer gleich zu Beginn mit einer kleinen<br />

Angebernummer, erzählt Geisselhart: Die Seminarteilnehmer dürfen<br />

ihm 20 Begriffe, verbunden mit einer Zahl, wahllos zurufen.<br />

„Wenn ich dann anschließend weiß, dass 18 ,Stau auf der Autobahn’<br />

war und 5 die ,Deckenbeleuchtung’, dann erkennen sie mich als Experten<br />

an.“<br />

Jeder könne vom Gedächtnisbesitzer zum Gedächtnisbenutzer werden<br />

und seine Gedächtnisleistung um ein Vielfaches steigern – davon<br />

ist er überzeugt. Das beschränke sich nicht nur auf Namen und Gesichter,<br />

sondern funktioniere auch beim Vokabeln lernen, den Tagesplan<br />

oder Fachbegriffe behalten oder auch, wenn man eine Rede ohne<br />

Spickzettel halten will. Grundschema ist immer das Assoziieren, das<br />

Denken in Bildern, verbunden mit einer Emotion. Da ist natürlich eine<br />

gehörige Portion Kreativität gefragt. Beispiele für Vornamen gefällig?<br />

Markus gibt der Mark einen Kuss, die Claudia klaut ein Dia, Matthias<br />

isst einen Matjes-Hering, und die Wiebke wippt im Keller. [!]<br />

WERNER GALLBRONNER<br />

35<br />

Haben Sie alle Namen identifiziert? Redakteurin Irmgard Städele, Objektleiter Tobias Lehmann, Art Director Alen Pahic und Bildchefin Bozena Demski (v. l. n. r.).


Die neue Ulmer Synagoge, der „steile Zahn“ der Schapfenmühle oberhalb der Stadt – 2 von um die 2000 Projekten, die Schmid in 50 Jahren hochgezogen hat.<br />

Bodenständig in die Zukunft<br />

Solidität, Verlässlichkeit, Innovationskraft – über 50 Jahre hinweg hat das Bau<strong>unternehmen</strong> Schmid damit allen<br />

Konjunkturstürmen erfolgreich getrotzt. Die Baltringer besitzen eine hohe Kompetenz bei heiklen Bauaufgaben.<br />

Seine Bauschilder sind in der Region beinahe<br />

allgegenwärtig. Bis zu 30 Baustellen<br />

befinden sich bei guter Auftragslage<br />

parallel in der Ausführungsphase, an die<br />

2000 Bauten insgesamt hat das Bau<strong>unternehmen</strong><br />

Matthäus Schmid im Verlauf von 50 Jahren<br />

errichtet, ganz genau weiß das nicht einmal<br />

mehr der Gründer.<br />

Der Überblick im relevanten Bereich blieb<br />

freilich immer erhalten. Denn während viele<br />

Baufirmen der Region in den zurückliegenden<br />

Jahren aufgeben mussten, beschritt die in<br />

zweiter Generation geführte Firma aus dem<br />

bei Laupheim gelegenen Baltringen einen stetigen<br />

Expansionspfad. Mit derzeit 300 Mitarbeitern,<br />

davon rund 240 gewerblichen, und<br />

der geballten Erfahrung im Haus sei man in<br />

der Lage, Projekte in höherer zweistelliger<br />

Millionengröße ebenso zu bewältigen wie<br />

bautechnisch diffizile Aufträge. Fridolin<br />

Schmid, der zusammen mit seinen Brüdern<br />

Felix und Christian das Geschäftsleitungs-<br />

Trio bildet, nennt die Edelsichtbeton-Bauten<br />

der Ulmer „Neuen Mitte“ als Beispiel.<br />

Das Biberacher Jordanbad, die Synagoge in<br />

Ulm, der „steile Zahn“ in Gestalt des 116 Meter<br />

hohen Getreidesilos der Schapfenmühle bei<br />

Ulm-Jungingen sind weitere Projekte, ebenso<br />

die Akademie für Kommunikation Ulm, der<br />

Erweiterungsbau der Hochschule Biberach,<br />

jede Menge Firmenzentralen, gewerbliche Gebäude<br />

und natürlich Brücken, darunter die<br />

Blautalbrücke in Ulm oder – aktuell – das<br />

neue Donauviadukt bei Untermarchtal.<br />

Da drängt sich die Frage an den Gründer förmlich<br />

auf nach den Fehlern, die er in den ersten<br />

36


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[machen]<br />

eine Chance für den „Baltringer Haufen“<br />

749.-*w<br />

Nivona CafeRomatica<br />

757 schwarz<br />

Gründer Matthäus Schmid und seine Söhne (von links) Fridolin, Christian und Felix.<br />

* mit Cappuccino und Latte-<br />

Macchiato-Funktion und Spülpflege-<br />

Automatik für Milchaufschäumer<br />

Sein eigener Chef sein – dieses Ziel hatte<br />

Maurermeister Matthäus Schmid nicht<br />

eben zu einem glücklichen Zeitpunkt in<br />

die Tat umgesetzt, nämlich am 1. Januar<br />

1963. Das war mitten in einem später legendär<br />

gewordenen, weil schier nie endenden<br />

Winter. Der unverhoffte Auftrag<br />

für einen Heizungsumbau rettete den<br />

Jung unternehmer und seine fünf festen<br />

Angestellten über Kälte und Baustillstand<br />

hinweg. Der Bau einer Villa für den Unternehmer<br />

Uhlmann, der „dem Baltringer<br />

Haufen eine Chance gab“, war ein weiterer<br />

dankbar angenommener Anschub: Es<br />

war der Anfang der bis heute währenden<br />

Zusammenarbeit mit dem Verpackungsspezialisten<br />

aus Laupheim. Schon zwei<br />

Jahre nach der Gründung hatte Schmid<br />

15 Leute; der Bau boomte. Wohnungsund<br />

Brückenbau bildeten die Grundpfeiler.<br />

Seitdem kennen die Kurven von Umsatz<br />

und Mitarbeiterzahl nur noch eine<br />

Richtung: nach oben. Im Jahr 2012 hat<br />

das heute von den drei Söhnen des Gründers<br />

geführte Familien<strong>unternehmen</strong> rund<br />

100 Millionen Euro erwirtschaftet. tv<br />

Jahrzehnten eben nicht begangen habe? Matthäus<br />

Schmid (75), nicht mehr im operativen<br />

Geschäft tätig, aber noch oft in der Firmenzentrale<br />

präsent, spricht ein unverstelltes Schwäbisch,<br />

strahlt die Solidität eines bodenständigen<br />

Handwerkers aus – und hat damit einen<br />

Teil der Frage schon beantwortet.<br />

Wider den ZeitgeiSt<br />

Als andere ihre Stammmannschaften „verschlankten“<br />

und immer stärker auf Leiharbeiter<br />

setzten, hat er „an meinen Leuten“ festgehalten.<br />

„Aus wirtschaftlichen Gründen habe<br />

ich nie jemanden entlassen.“ Dem am Ende<br />

für viele Firmen ruinösen Preisdumping habe<br />

er sich entzogen, indem er Qualitätsarbeit<br />

und Verlässlichkeit bot – und so nicht zuletzt<br />

immer wieder durch Folgeaufträge profitierte.<br />

Als der ökonomische Zeitgeist die „Fokussierung<br />

aufs Kerngeschäft“ propagierte, verfochten<br />

er und mit ihm später auch seine<br />

Söhne den gegenteiligen Ansatz: Sie stellten<br />

die Firma möglichst breit auf, mit eigener<br />

Zimmerei, Schlosserei, dem Fertigteilbau, der<br />

Lackier- und der Reparaturwerkstatt und sogar<br />

noch einem eigenen Bauhof zur Materialversorgung<br />

der eigenen Baustellen. Der bindet<br />

zwar Kapital, ermöglicht aber eine höhere<br />

Flexibilität. In der Holzwerkstatt stellen 20<br />

Mitarbeiter beispielsweise die komplexen<br />

Schalungen für Brückenbauwerke selbst her.<br />

Selbst Kleinaufträge verschmäht man nicht.<br />

Dafür gibt es den Bauservice, eine „fliegende<br />

Truppe“, die auch mal eine Garage hochzieht<br />

oder einen Altbau saniert. Die Sparte hat vor<br />

geraumer Zeit an 100 Autobahnraststätten<br />

von Süd bis Nord die Toilettenanlagen umgebaut<br />

(Sanifair).<br />

Etliche der größeren Projekte haben Architekturpreise<br />

eingeheimst und sind Zierde der<br />

Baukultur, die eigene Zentrale mit eingeschlossen,<br />

die nebenbei als Demonstrationsobjekt<br />

der eigenen Fertigkeiten dient. Bei<br />

nicht wenigen Schmid-Bauten werden Kenner<br />

der Materie innovative Lösungen feststellen,<br />

von selbstentwickelten Befestigungstechniken<br />

für Fassaden ele mente bis hin zu ausgeklügelten<br />

Konstruktionen oder Betonier-Methoden.<br />

Wer in der Festschrift des Bau<strong>unternehmen</strong>s<br />

blättert, wird feststellen, dass bei Schmid mitunter<br />

gleich mehrere Mitglieder einer Familie<br />

37


[machen] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Auch Brücken sind ein wichtiger Pfeiler im Geschäft von Schmid. Hier die 2011 fertiggestellte Donaubrücke bei Günzburg.<br />

in Lohn und Brot stehen. Von „Betriebsfamilie“<br />

spricht Fridolin Schmid voller Emphase,<br />

die Mitarbeiter erführen Wertschätzung. Andersherum<br />

sind in der Belegschaft noch fast<br />

altmodische, ländliche Tugenden lebendig:<br />

„Wenn mal Not am Mann ist, dann lässt sich<br />

auch mal nach Feierabend ein Trupp zusammenbringen.“<br />

Bei alledem ist nicht zu übersehen, dass<br />

Schmid gewachsen ist – parallel zu den beständig<br />

gestiegenen Anforderungen im<br />

Bausektor. Alle drei Schmid-Söhne und -Geschäftsführer<br />

haben studiert und sich entsprechend<br />

die kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen<br />

und technischen Zuständigkeiten<br />

aufgeteilt. Nicht zuletzt dadurch konnte die<br />

Schlagzahl des Betriebs auf das heutige Niveau<br />

angehoben werden. Die gründliche Kostenkalkulation<br />

ist ein weiterer Schlüssel, warum<br />

Schmid alle Klippen der wechselhaften<br />

Baukonjunkturen erfolgreich umschiffen<br />

konnte. Die meisten Projekte werden am<br />

Computer modular so dargestellt und simuliert,<br />

dass sich Kosten und Fertigungstermin<br />

daraus ablesen lassen.<br />

Unter dem Dach von Schmid stecken drei separate<br />

Unternehmen: die Baufirma mit Hoch-,<br />

Holz- und Schlüsselfertigbau, der Stahl- und<br />

ist mal not<br />

am Mann,<br />

kommt man<br />

auch nach<br />

Feierabend<br />

Fassadenbau und schließlich Schmid Immobilien,<br />

worin Projektentwicklung und das<br />

Bauträgergeschäft gebündelt sind. Unter deren<br />

Fittichen entstand das Friedrichshafener<br />

Medienhaus K 42 und wird in Ulm derzeit das<br />

„UZ“ auf dem ehemaligen Daiber-Areal hochgezogen.<br />

Hier ziehen das Finanzamt und eine<br />

Hotelkette ein; ein Käufer ist auch schon gefunden:<br />

ein Fonds. Diese Aufstellung helfe,<br />

unterschiedliche Baukonjunkturen auszutarieren,<br />

erläutert Fridolin Schmid. Apropos Ulmer<br />

Markt? „Der ist super“, sagt Schmid ohne<br />

zu zögern. Kein Wunder, nachdem hier der<br />

Stadtumbau wieder erheblich an Fahrt gewonnen<br />

hat.<br />

Welche Ziele haben sich die Schmids für die<br />

nächste Zukunft gestellt? Fridolin Schmid<br />

sagt, dass an einen weiteren Personalaufbau<br />

derzeit nicht gedacht sei. Im Moment könnten<br />

gerade beim schlüsselfertigen Bauen die<br />

eklatanten Preissteigerungen nicht im gebotenen<br />

Maße weitergegeben werden. Weitere<br />

Wachstumsfelder werden jedoch bereits geprüft,<br />

im Dienstleistungsbereich.<br />

Was die Rekrutierung von neuem Personal<br />

und von Nachwuchskräften betrifft, geht man<br />

bei Schmid an und für sich planmäßig vor.<br />

Doch als durch Pleiten Fachkräfte frei wurden,<br />

griff das Unternehmen auch mal kurz<br />

entschlossen zu – weil Bauingenieure sich in<br />

aller Regel ihre Jobs aussuchen können. Speziell<br />

der Beruf Maurer leidet noch immer unter<br />

Imageproblemen, das weiß die Firmenleitung<br />

natürlich sehr wohl. Um immer genügend<br />

Lehrlinge für alle sieben Ausbildungsberufe<br />

zu gewinnen, setzt man zum einen auf Schulpartnerschaften,<br />

zum anderen auf innerbetriebliche<br />

Aufstiegsmöglichkeiten und weitere<br />

Anreize für Auszubildende.<br />

Ein Berufsleben lang bei Schmid, mit einer<br />

solchen Perspektive zeigt sich das Bau<strong>unternehmen</strong><br />

wiederum wie aus der Zeit gefallen.<br />

Tatsächlich ist auch das einer der Bausteine<br />

der bisherigen Erfolgsgeschichte. [!]<br />

<br />

thomasvogel<br />

38


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Pepsico trennt<br />

sich von<br />

Gold Ochsen<br />

Pepsico Deutschland trennt<br />

sich nach fast 50 Jahren Zusammenarbeit<br />

Ende 2016 von der<br />

Ulmer Brauerei Gold Ochsen.<br />

Deren Tochter<strong>unternehmen</strong>,<br />

die Ulmer Getränke Vertrieb,<br />

verliert die Konzession für die<br />

Abfüllung von Pepsi Cola an die<br />

Radeberger-Gruppe. „Wir werden<br />

das Auslaufen der Pepsi-<br />

Konzession zum Anlass nehmen,<br />

uns neu aufzustellen“,<br />

sagte Firmenchefin Ulrike<br />

Freund. Etwa 40 Prozent des Geschäftsvolumens<br />

entfallen auf<br />

alkoholfreie Getränke. Gold<br />

Ochsen beschäftigt rund 200<br />

Mitarbeiter und gehört zu den<br />

20 größten familiengeführten<br />

Brauereien in Deutschland.<br />

Omira zahlt<br />

Abfindung an<br />

Wolfgang Nuber<br />

Die kriselnde Molkerei Omira<br />

(Ravensburg) peilt in diesem<br />

Jahr einen Gewinn von 4,6 Millionen<br />

Euro an. 2012 hatte die<br />

Genossenschaft einen Verlust<br />

von 15,2 Millionen Euro ausgewiesen.<br />

Im Herbst 2014 schließt<br />

die Omira<br />

ihr Werk in<br />

Rottweil. Zudem<br />

soll die<br />

Produktion<br />

von Milch<br />

und Sahne,<br />

Der Ex-Chef der<br />

Omira: Wolfgang<br />

Nuber.<br />

die starken<br />

Marktschwankungen<br />

unterliegt,<br />

Freie Stellen im Handwerk<br />

vielehandwerksbetriebeinBaden-Württembergkönnenihre<br />

ausbildungsplätzenichtbesetzen.Den16.300neuabgeschlossenenverträgenstehen2500freielehrstellengegenüber.In<br />

derhandwerkskammerUlmgibtes(standmitteseptember)<br />

2514neueverträge.Besondersvielederinsgesamt141freien<br />

lehrstellengibtesindenausbildungsberufenstuckateur,<br />

Kraftfahrzeugmechatronikerundschreiner.<br />

verringert, die von Milchpulver<br />

ausgeweitet werden. Die Molkerei<br />

erhöht das Milchgeld auf ein<br />

Niveau oberhalb des Branchendurchschnitts.<br />

So will die Omira<br />

Bauern, die sie verlassen haben,<br />

zurückgewinnen. Mit<br />

Wolfgang Nuber, dem geschassten<br />

Ex-Geschäftsführer, hat sich<br />

die Genossenschaft geeinigt.<br />

Sein Vertrag wurde einvernehmlich<br />

aufgelöst; er erhielt<br />

eine Abfindung.<br />

Goldschmitt geht<br />

unter das Dach<br />

von Hymer<br />

Der Reisemobilveredler Goldschmitt<br />

(Walldürn/ Neckar-<br />

Odenwald-Kreis ) schließt sich<br />

nach einer Phase enger Zusammenarbeit<br />

dem Hymer-Konzern<br />

(Bad Waldsee) an. Der Spezialist<br />

für luftgestützte Fahrwerksysteme<br />

wird aber weiter auch andere<br />

Hersteller beliefern.<br />

Schnell Motoren<br />

reduziert<br />

die Belegschaft<br />

Foto: © auremar/Fotolia.com<br />

Das novellierte Erneuerbare-<br />

Energien-Gesetz und der Anstieg<br />

der Agrarpreise haben der<br />

erfolgsverwöhnten Schnell Motoren<br />

AG in Amtzell einen<br />

Dämpfer verpasst. Weil weniger<br />

Biogasanlagen als erwartet gebaut<br />

werden, muss der Hersteller<br />

von Blockheizkraftwerken,<br />

die mit Biogas betrieben werden,<br />

seine Belegschaft um 45<br />

Mitarbeiter reduzieren. Das unwahrscheinlich<br />

schnell gewachsene<br />

Unternehmen beschäftigt<br />

jetzt noch rund 550<br />

Mitarbeiter; 400 von ihnen sind<br />

in Amtzell beschäftigt. Die Firma<br />

will den Export verstärken<br />

und die Produktpalette erweitern.<br />

Schnell verfügt bis jetzt<br />

über ein Tochter<strong>unternehmen</strong><br />

in Tschechien und zwei Niederlassungen<br />

in Niedersachsen.<br />

Neuer Bereich<br />

von Futronic<br />

wächst stark<br />

Im neuen Geschäftsbereich<br />

Wirtschaftsglas, wozu in erster<br />

Linie Trinkgläser gehören, verzeichnet<br />

die Futronic GmbH<br />

(Tettnang), Spezialist für Automatisierungslösungen<br />

im Maschinen-<br />

und Anlagenbau in der<br />

Glasindustrie, im ersten Geschäftsjahr<br />

Erfolge. Der Umsatz<br />

in diesen Bereichen legte um 19<br />

Prozent auf 10 Millionen Euro<br />

zu. Künftig will Futronic mit<br />

seinen 70 Mitarbeitern auch in<br />

der Schüttguttechnik wachsen.<br />

Erneut baut Voith<br />

Stellen in der<br />

Papiersparte ab<br />

Der Heidenheimer Anlagenbauer<br />

Voith will bis Ende September<br />

2014 rund 560 Stellen abbauen.<br />

Grund dafür sei die<br />

anhaltende Nachfrageflaute in<br />

Europa. „Dieser Einschnitt ist<br />

bitter und schmerzhaft“, sagte<br />

Sparten-Chef Hans-Peter Sollinger.<br />

Er sei jedoch unumgänglich,<br />

um die Organisation der<br />

Sparte auf die veränderte Nachfrage<br />

auszurichten. Die Umsetzung<br />

des Personalabbaus werde<br />

nun mit dem Betriebsrat besprochen,<br />

betriebsbedingte<br />

Kündigungen seien nicht ausgeschlossen.<br />

Betroffen sind die<br />

Standorte Krefeld (210 Stellen),<br />

Ravensburg (50), Neuwied (10)<br />

und St. Pölten in Österreich<br />

(290). Kurz zuvor hatte Voith<br />

Paper angekündigt, bis März<br />

2015 in Heidenheim 240 Stellen<br />

zu streichen. [!]<br />

39


Ein Gebäude im Industriegebiet. Auf den ersten Blick unscheinbar – wie vieles im Kreis Neu-Ulm. Doch was hier entsteht, ist auf der ganzen Welt gefragt.<br />

Made im Kreis Neu-Ulm<br />

Baden-Baden steht für Reichtum und Rentner, Berlin für prickelndes Leben. Der Landkreis Neu-Ulm hat keinen so großen<br />

Namen. Dafür gehört er mit Ulm und dem Alb-Donau-Kreis zu den stärksten Wirtschaftsräumen in Deutschland.<br />

Der Landkreis Neu-Ulm hatte die konjunkturellen<br />

Auswirkungen der Finanzkrise<br />

in den Jahren 2008/2009 mit<br />

am stärksten zu spüren bekommen. Aber: Am<br />

Ende war er eine der Regionen, die am besten<br />

aus dem Debakel herausgekommen sind.<br />

Das belegen Zahlen, die die Kreisverwaltung<br />

zur Verfügung stellt, unter anderem das Brutto-Inlandsprodukt<br />

(BIP) und die Übernachtungszahlen.<br />

Gerade im Jahr 2009 erlebte der<br />

Landkreis diesen Dämpfer, das BIP sank von<br />

5,040 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,679<br />

Milliarden Euro. Die Zahl der Arbeitslosen<br />

stieg im Vergleich zum Vorjahr im Jahresmittel<br />

von 2,9 auf 4,4 Prozent. Die Übernachtungszahlen<br />

gingen im gleichen Zeitraum um<br />

rund 13.500 auf 182.500 zurück. „Die relativ<br />

schnelle Erholung unserer Unternehmen von<br />

dieser Krise hat gezeigt, dass wir mit unserem<br />

Branchenmix gut aufgestellt sind“, sagt Landrat<br />

Erich Josef Geßner über die Unternehmen<br />

in der Region; sie sind zumeist Familienbetriebe<br />

oder aus solchen hervorgegangen. Landrat<br />

Geßner sieht sie für die Zukunft gerüstet: „Ob<br />

Metallerzeugung und -verarbeitung, Maschinenbau,<br />

Fahrzeugbau oder Handel – aus allen<br />

Branchen kommen Produkte, die weltweit ge-<br />

40


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[spezial]<br />

Stolz auf die Region: Landrat<br />

Erich Josef Geßner.<br />

fragt sind. Dazu<br />

kommen die Logistikbetriebe,<br />

die<br />

sich als hervorragende<br />

Dienstleistungs<strong>unternehmen</strong><br />

präsentieren.<br />

Ich bin überzeugt,<br />

dass diesen Branchen<br />

auch die Zukunft<br />

gehören<br />

wird.“<br />

Neuansiedlungen<br />

in Deutschland zu bekommen, sei mittlerweile<br />

sehr schwer, erläutert der neue Wirtschaftsbeauftragte<br />

des Landkreises, Xunmeng Ying,<br />

der im Landratsamt Monika Stadlers Aufgaben<br />

übernimmt. „Der Schwerpunkt in der<br />

Wirtschaftsförderung ist die Bestandspflege.“<br />

Er will sich aber auch dafür einsetzen, dass<br />

ausländische Investoren ihr Augenmerk auf<br />

die Region richten – und dafür seine Kontakte<br />

nach China nutzen. Dort sei „Made in Germany“<br />

immer noch ein Zeichen für Qualität, von<br />

dem chinesische Unternehmen profitieren<br />

wollen, weiß er. In Sachen Gewerbeansiedlung<br />

warte man aber nicht mehr auf „den großen<br />

Einen“, sondern die Gemeinden verkaufen<br />

Grund gern an jemanden, den sie kennen,<br />

fügt Stadler hinzu. Entwicklungspotential für<br />

Betriebe gebe es im ganzen Landkreis, ob im<br />

Norden von Illertissen in der Pionierstraße, ob<br />

im Eschach in Weißenhorn, ob in der Stadt<br />

Neu-Ulm selbst.<br />

„Kreistag und Kreisverwaltung haben bereits<br />

in den vergangenen Jahren vieles dafür getan,<br />

dass die Rahmenbedingungen stimmen und<br />

sich die Unternehmen nicht nur hier niederlassen,<br />

sondern auch mit großen Innovationen<br />

und Investitionen gezeigt haben, dass sie<br />

in unserem Landkreis ihre Zukunft sehen“,<br />

sagt Geßner. Zu diesen Bedingungen zählt der<br />

Landrat „eine bürger- und unternehmerfreundliche<br />

Verwaltung“. Aus diesem Grund<br />

habe er das Landrats amt umgebaut zu einem<br />

Dienstleistungs<strong>unternehmen</strong>, „und es freut<br />

mich, wenn mir immer wieder einmal bestätigt<br />

wird, dass unsere Genehmigungsverfahren,<br />

die teilweise erheblich verkürzt wurden,<br />

vorbildlich laufen“.<br />

ArbeiteN, wo MAN Lebt<br />

Die gute Zusammenarbeit dort zwischen Betrieben<br />

und Amt im Kreis heben auch Thilo<br />

Butzbach, Vorsitzender des Clubs der Industrie,<br />

und dessen Geschäftsführer Michael<br />

Mühlbacher als vorteilhaft hervor. Nicht zuletzt<br />

deswegen stehe der Landkreis gut da. In<br />

einigen Gemeinden gebe es aber in Sachen<br />

Gewerbeflächen durchaus Handlungsbedarf,<br />

sagt Butzbach: „Wir dürfen uns nicht nur auf<br />

Neu-Ulm konzentrieren, sondern müssen<br />

wohnortnahe Arbeitsplätze schaffen. Wenn<br />

die Mitarbeiter zu Fuß oder mit dem Fahrrad<br />

zur Arbeit kommen, brauchen wir keine dritte<br />

Spur auf der A 7.“<br />

Dass es während der Finanz- und Wirtschaftskrise<br />

im Kreis nicht noch mehr Arbeitslose<br />

gab, schreibt der Unternehmer dem Bestreben<br />

der Betriebe und Unternehmen zu, ihre Mitarbeiter<br />

zu halten. Das von der Politik verlängerte<br />

Kurzarbeitergeld sei eine gute Lösung gewesen,<br />

um dies zu unterstützen. Nicht<br />

zufrieden dagegen ist Butzbach mit der<br />

Steuer belastung für Unternehmen, speziell<br />

die Gewerbesteuer ist seiner Auffassung nach<br />

Stimmen aus der<br />

Wirtschaft<br />

Entsorgungsunternehmer<br />

Werner Knittel<br />

Für Werner Knittel,<br />

der ein Entsorgungs<strong>unternehmen</strong><br />

in Vöhringen<br />

führt, bietet der<br />

Landkreis Neu-<br />

Ulm hohe Lebensqualität<br />

wegen des<br />

attraktiven Freizeitangebots,<br />

seiner<br />

Nähe zu Allgäu<br />

und Bodensee. Zudem<br />

sei das Arbeitsplatzangebot<br />

groß. Das Bildungsangebot<br />

reiche von wohnortnahen Schulen bis zur internationalen<br />

Schule und den Hochschulen.<br />

Verbessert werden sollte seiner Ansicht nach<br />

die grenzüberschreitende Berufsschulausbildung.<br />

Das duale Ausbildungssystem, das noch<br />

wenig ausgeprägt ist, gelte es auszubauen. Die<br />

Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität<br />

sei eng verbunden mit einer guten Verkehrsanbindung.<br />

„Hier müssen wir aufpassen, dass unsere<br />

Region nicht aufs Abstellgleis gerät.“ So<br />

gelte es Projekte anzugehen wie den dreispurigen<br />

Ausbau der A7 vom Elchinger Kreuz bis<br />

Memmingen, Elektrifizierung und zweigleisigen<br />

Ausbau der Illertalbahn und Ausbau der<br />

Bahnstrecke Neu-Ulm – Augsburg für Tempo<br />

200 km/h. Stuttgart 21 solle zügig umgesetzt<br />

werden, ein Airport-Express ab Augsburg zum<br />

Flughafen München wäre wünschenswert. [!]<br />

Der Landkreis Neu-Ulm ist einer der wirtschaftsstärksten<br />

Standorte Bayerns. Hier vereinen sich Kompetenz, Innovation<br />

und hohe Lebensqualität. Die Wirtschaftsbroschüre<br />

zeigt, warum wir zu den Besten in Bayern und Deutschland<br />

gehören. Überzeugen Sie sich selbst!<br />

Landkreis Neu-Ulm<br />

Kantstraße 8, 89231 Neu-Ulm<br />

www.landkreis.neu-ulm.de<br />

wirtschaft@lra.neu-ulm.de<br />

41


[spezial] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Stimmen aus der<br />

Wirtschaft<br />

rund 22.300 euro Kaufkraft pro einwohner<br />

Heinz Koch, Vorsitzender<br />

von „Wir in Neu-Ulm“.<br />

Heinz Koch, Vorsitzender<br />

von „Wir<br />

in Neu-Ulm“, bemängelt,<br />

dass keine<br />

Identifizierung<br />

mit Neu-Ulm als<br />

Zentrum oder<br />

Stadt möglich ist.<br />

Zwar sei die Stadt<br />

rund 150 Jahre alt,<br />

aber auf der „Viehweide<br />

Ulms“ entstanden.<br />

Es gebe<br />

viele Neubauten, wie die Glacis-Galerie. „Die<br />

wichtigste Aufgabe für Neu-Ulm ist es, seine<br />

Mitte zu finden“, sagt der Chef des Stadtmarketingvereins.<br />

Dieser ist aus einer Händlervereinigung<br />

entstanden, hat aber auch Künstler<br />

und Dienstleister als Mitglieder. Diese Mitte<br />

sei sowohl für die Stadt selbst als auch für die<br />

Stadtteile der Petrusplatz. Für diesen Ort müsse<br />

man die Aufenthaltsqualität und die Verweildauer<br />

erhöhen, für Koch hat das viel dem<br />

Gastronomie- und Kulturangebot zu tun. [!]<br />

der Kreis Neu-Ulm mit seiner Fläche von<br />

rund 515 Quadratkilometern und einer<br />

Bevölkerungsdichte von 323 Einwohnern<br />

pro Quadratkilometer zählt zu den kleineren<br />

und dicht besiedelten Landkreisen<br />

Bayerns. Im Jahr 2012 lebten dort 166.451<br />

Menschen. Sozialversicherungspflichtig<br />

beschäftigt waren 57.389, die meisten davon<br />

im produzierenden Gewerbe<br />

(25.485), gefolgt von Handel, Verkehr,<br />

Foto: © Christian Müller/Fotolia.com<br />

Gastgewerbe (16.455), Dienstleistungen<br />

und freien Berufen (15.155) sowie Landund<br />

Forstwirten (294). Die Arbeitslosigkeit<br />

lag 2012 bei 3,1 Prozent (Bayern: 3,7;<br />

Deutschland: 8,4). Die Kaufkraft – das<br />

verfügbare Einkommen ohne Steuern und<br />

Sozialabgaben inklusive staatlicher Transferleistungen<br />

– liegt im Kreis pro Kopf im<br />

Jahr <strong>2013</strong> bei durchschnittlich 22.352 Euro,<br />

deutsch landweit bei 20.621 Euro.<br />

Michael Stoll,<br />

Kreishandwerkermeister<br />

für Günzburg/Neu-Ulm,<br />

lobt die Region als<br />

wirtschaftlich<br />

sehr stark und stabil.<br />

Das Handwerk<br />

sei gut ausgelastet,<br />

es gebe für einige<br />

Kreishandwerkermeister Betriebe eher das<br />

Michael Stoll<br />

Problem, „Aufträge<br />

sinnvoll abzuarbeiten,<br />

als an Aufträge zu kommen.“ Da die<br />

Sparzinsen der Banken sehr niedrig seien, investieren<br />

viele Leute. „Sie stecken ihr Geld<br />

gerade auch in die energetische Sanierung ihrer<br />

Häuser und Wohnungen“. Da gebe es sehr<br />

viele Felder, auf denen Handwerker aus verschiedenen<br />

Bereichen tätig werden können.<br />

Deshalb sei die aktuelle Lage sehr positiv. Zudem<br />

habe der Wirtschaftsstandort Neu-Ulm<br />

durch seine gute Verkehrsanbindung „Strahlkraft<br />

in alle vier Himmelsrichtungen“. [!]<br />

in manchen Gemeinden doch sehr hoch. „Ein<br />

altbekanntes Thema“, weiß er, nichtsdestotrotz<br />

hofft er auf Besserung.<br />

KeiMzeLLe der S-bAhN<br />

Die Verkehrsanbindung war seit jeher das große<br />

Plus der Region. Die günstige Lage zwischen<br />

Donau und Iller und der Bau der Eisenbahnlinie<br />

Ulm - Memmingen haben schon<br />

Mitte des 19. Jahrhunderts Unternehmen ins<br />

untere Illertal gelockt. Über Ulms ICE- sowie<br />

die IC/EC-Verbindungen ist der Landkreis ans<br />

europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen.<br />

Der Nahverkehr weist über den<br />

Donau-Iller-Nahverkehrsverbund DING in<br />

der gesamten Region ein einheitliches Tarifsystem<br />

aus.<br />

Die Anbindung von Weißenhorn nach Senden<br />

über die reaktivierte Bahnstrecke – Geßner<br />

bezeichnet sie als Keimzelle eines Regio-S-<br />

Bahn-Netzes – in Verbindung mit darauf<br />

abgestimmten Busverbindungen soll den<br />

Nahverkehr weiter voranbringen. Mit der<br />

A 7 und der nahegelegenen A 8 ist der Landkreis<br />

besser als viele andere Regionen an das<br />

Fernstraßennetz angebunden. Auch in der<br />

Stadt Neu-Ulm selbst tue sich derzeit ja einiges,<br />

sagt Butzbach und verweist auf die „B 10<br />

neu“. Einen vierspurigen Ausbau bis zur Autobahn<br />

und eine bessere Anbindung der Industriegebiete<br />

an die Europastraße wünscht er<br />

sich.<br />

iN der ChAMpioNS LeAgUe<br />

Früher galt der Ansiedlungspolitik das Hauptaugenmerk<br />

der Wirtschaftsförderung, heute<br />

stehen ganz andere Themen im Blickpunkt:<br />

Oft werden nicht Flächen benötigt, sondern<br />

Menschen, erklärt Landrat Geßner. „Um wirtschaftlich<br />

weiterhin in der Champions<br />

League spielen zu können, brauchen wir sehr<br />

gut ausgebildete und hoch motivierte Fachkräfte“,<br />

sagt er. „Schwerpunkt unserer Arbeit<br />

im Kreistag ist deshalb Bildung.“ Das bleibt<br />

auch an höherer Stelle nicht unbemerkt: „Wir<br />

wurden am 19. April <strong>2013</strong> als erste Gebietskörperschaft<br />

Bayerns vom Bayerischen Staatsminister<br />

für Unterricht und Kultus mit dem<br />

Qualitätssiegel ,Bildungs region in Bayern’ zertifiziert.“<br />

42


Anzeige<br />

Umrahmt von Seen, Wiesen und Wäldern bietet Senden einen optimalen Mix zum Wohnen und Arbeiten.<br />

Fotos: Stadt Senden<br />

Der Magnet im unteren Illertal<br />

Die Wirtschaftstreibenden in Senden profitieren von der einzigartigen Lage der Stadt.<br />

Auf der einen Seite ist die optimale<br />

Verkehrsanbindung an Bundesstraße<br />

und Autobahnen hervorzuheben,<br />

andererseits hat sie sich durch die umliegenden<br />

Seen einen Namen als Naherholungsgebiet<br />

gemacht. Die Nummerschilder<br />

an den Autos verraten, dass eine stetig steigende<br />

Zahl an Bade- und Urlaubsgästen<br />

selbst aus Ballungsgebieten wie Stuttgart<br />

anreist. Im Grenzgebiet von Baden-Württemberg<br />

und Bayern gelegen, übernehmen<br />

die in Senden angesiedelten Unternehmen<br />

die Nah- und Regionalversorgung. Aus den<br />

ländlich geprägten Gebieten der Umgebung<br />

genauso wie aus den größeren Städten des<br />

Umfeldes kommen viele Menschen nach<br />

Senden, um die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten<br />

zu nutzen. Sie profitieren vom<br />

großzügigen Parkplatzangebot ebenso wie<br />

von den vielen Geschäften aller denkbaren<br />

Prägung. Durch die Präsenz namhafter Anbieter<br />

hat Senden weit über die Grenzen der<br />

Region einen enormen Bekanntheitsgrad<br />

erlangt, von dem auch etliche andere Firmen<br />

profitieren, die sich hier angesiedelt<br />

haben. Durch geschickte Maßnahmen ist es<br />

der Stadtverwaltung gelungen, eine gesunde,<br />

gut durchdachte Angebotsmischung zu<br />

etablieren. Als Stadt ist Senden über die<br />

Jahre aus mehreren Dörfern zusammengewachsen,<br />

hat aber in den verschiedenen<br />

Ortsteilen seinen dörflichen Charakter beibehalten.<br />

Die räumlichen Bedingungen erlauben<br />

durch Bundesstraßen, Eisen- und<br />

Autobahnen, aber auch den Fluss Iller sowie<br />

Seen und Landschaftsschutzgebiete keine<br />

unkontrollierte Ausdehnung der Stadt. Sendens<br />

erster Bürgermeister Kurt Baiker<br />

spricht in diesem Zusammenhang von „Flächenrecycling“,<br />

wenn frei werdende Flächen<br />

an neue Interessenten vermittelt werden.<br />

Ihm und seinen Mitarbeitern im Rathaus<br />

liegt ein ausgewogenes Miteinander von Arbeiten,<br />

Wohnen und auch Landwirtschaft<br />

besonders am Herzen. Denn nicht nur als<br />

Standort für Qualitätswirtschaft hat sich<br />

Senden letztlich<br />

hauptsächlich<br />

durch Mund-zu-<br />

Mund-Propaganda<br />

ein herausragendes<br />

Image erarbeitet,<br />

auch für<br />

die Bevölkerung<br />

wird die Attraktivität<br />

immer weiter<br />

erhöht. So<br />

werden neben Gewerbeflächen<br />

Sendens erster Bürgermeister<br />

Kurt Baiker<br />

auch neue Baugebiete zu erschwinglichen<br />

Preisen für junge Familien geschaffen, um<br />

der demografischen Entwicklung entgegenzusteuern.<br />

Der Branchenmix, die Schullandschaft<br />

und das vielfältige Vereinsleben gelten<br />

als optimal. Richtungweisend in diesem<br />

Zusammenhang ist die Wiederbelebung der<br />

Bahnstrecke nach Ulm, auf der ab 15. Dezember<br />

eine S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt<br />

verkehren wird.<br />

leh<br />

43


Reichlich Platz, gute, autobahnnahe Lage zwischen Donau und Iller: Auch der Handelsplatz Senden zieht viele Verbraucher aus dem weiten Umkreis an.<br />

Einer der entscheidenden Punkte im Kreisentwicklungsprogramm<br />

ist die Fachkräftesicherung.<br />

Gemeinsam mit dem Kreis Günzburg<br />

wurde schon vor Jahren bei der Hochschule<br />

Neu-Ulm eine Studie zu diesem Thema in Auftrag<br />

gegeben.<br />

der KreiS Sorgt vor<br />

„Wegen des demografischen Wandels wird in<br />

Zukunft die Gesundheitswirtschaft an Bedeutung<br />

gewinnen“, sagt der Landrat. Der Landkreis<br />

habe „vorgesorgt und in seine drei Kliniken<br />

– Donauklinik Neu-Ulm, Illertalklinik<br />

Illertissen und Stiftungsklinik Weißenhorn –<br />

in den vergangenen Jahren zweistellige Millionenbeträge<br />

investiert.“ Aber eben auch auf<br />

die Ausbildung geschaut: Mit Leuten aus<br />

Wirtschaft und Pflegebereich wurde eigens<br />

ein Workshop eingerichtet. Ein Ergebnis daraus:<br />

Als sogenanntes „Günzburger Modell“<br />

wurde ein neuer Studiengang „interprofessionelle<br />

und angewandte Gesundheitswissenschaften“<br />

an der dualen Hochschule Heidenheim<br />

eingerichtet, bei dem Ausbildung im<br />

Krankenhaus und Studium verzahnt werden.<br />

Doch nicht nur den Gesundheitsbereich hat<br />

man im Blick: Ein weiteres Ergebnis des<br />

Workshops ist das Weiterbildungsportal auf<br />

der Internetseite www.innovationsregionulm.de,<br />

das gemeinsam mit Ulm und Alb-Donau-Kreis<br />

eingerichtet wurde.<br />

Eine Zukunftsbranche werde die Energiewirtschaft<br />

sein, davon ist der Landrat überzeugt.<br />

„Das Klimaschutzkonzept, das wir mit<br />

Fachleuten und Bürgern erarbeitet haben“,<br />

könne als Richtschnur für bezahlbare, ressourcenschonende<br />

und umweltverträgliche<br />

Energieversorgung dienen. An Bedeutung gewinnen<br />

werde freilich auch die Kultur- und<br />

Kreativwirtschaft. Geßner: „Dieser bisher<br />

noch wenig beachtete Wirtschaftszweig leistet<br />

einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung.<br />

Wir haben beispielsweise viele<br />

Erfinder, und dieses Potenzial muss gefördert<br />

werden.“<br />

eS gibt So vieL gUteS<br />

Die Region sei auch zum Wohnen und Leben<br />

ein attraktiver Standort – für jüngere Menschen<br />

sei das ein wichtiger Entscheidungsfaktor,<br />

betont Monika Stadler. Ihr ist es auch ein<br />

Anliegen, die Region in Verbindung mit Freizeit<br />

und Tourismus<br />

noch bekannter<br />

zu machen.<br />

„Man hat vor zwölf<br />

Jahren gar nicht<br />

darüber gespro-<br />

Thilo Butzbach, Chef des<br />

Clubs der Industrie<br />

chen, was es Gutes<br />

gibt im Landkreis.“<br />

Das Werben um<br />

Arbeitskräfte geht<br />

schon bei bezahlbarem<br />

Wohnraum<br />

los, und es geht bei<br />

Kindergartenplätzen<br />

und dem Bildungsangebot weiter. Gerade<br />

letzteres ist ein weiteres Plus der Region, wie<br />

das verliehene Qualitätssiegel deutlich belegt.<br />

Jetzt müsse man die Leute nur noch mehr aufklären,<br />

„wie durchlässig unser Bildungssystem<br />

schon ist“, meint Butzbach dazu. Viele<br />

wüssten gar nicht, dass man auch als Facharbeiter<br />

noch den Weg zum Studium finden<br />

kann. [!]<br />

werner gallbronner<br />

44


Anzeige<br />

Schwabengarage ist ausgezeichnet<br />

Ford vergibt den „Ford Chairman‘s Award“ für außerordentliche Kundenzufriedenheit an die Schwabengarage Neu-Ulm.<br />

Einmal im Jahr schreibt Ford<br />

den begehrten Preis für die<br />

rund 6.800 Ford-Partner in Europa<br />

aus. Diesmal wurde auch<br />

die Schwabengarage Neu-Ulm<br />

für seinen exzellenten Dienst<br />

am Kunden ausgezeichnet.<br />

Regionalleiter<br />

Robert<br />

Imbrogno<br />

Der „Ford Chairman’s Award“<br />

wird nach strengen Kriterien für<br />

höchste Kundenzufriedenheit im<br />

Neuwagenverkauf<br />

und<br />

Service vergeben.<br />

Insgesamt<br />

wurden<br />

die besten 40<br />

der mehr als<br />

1800 deutschen<br />

Ford-<br />

Partner für<br />

ihre herausragenden<br />

Leistungen<br />

geehrt. Europaweit sind<br />

300 Ford-Partner aus 24 nationalen<br />

Ford-Verkaufsgesellschaften<br />

ausgezeichnet worden. Als deutscher<br />

Preisträger des „Ford<br />

Chairman’s Awards“ zählt die<br />

Schwabengarage Neu-Ulm auch<br />

zu den besten Ford-Partnern in<br />

Europa. Die Auszeichnung unterstreicht<br />

zudem den hohen Stellenwert,<br />

die die Kundenzufriedenheit<br />

bei Ford einnimmt.<br />

Zur Messung der Kundenzufriedenheit<br />

führt Ford laufend umfangreiche<br />

Untersuchungen<br />

durch. Mit der Vergabe des „Ford<br />

Chairman’s Awards“ kann sich<br />

die Schwabengarage Neu-Ulm<br />

als gewähltes Autohaus sicher<br />

sein, dass sie die Erwartungen ihrer<br />

Kunden nicht nur erfüllt, sondern<br />

sogra übertroffen hat.<br />

Der „Ford Chairman’s Award“<br />

wird seit nunmehr 28 Jahren vergeben<br />

und ist die höchste Auszeichnung,<br />

die Ford in Europa an<br />

seine Partner vergibt.<br />

Bereits im Frühjahr hatte der Karosseriefachbetrieb<br />

der Schwabengarage<br />

Neu-Ulm ein TÜV-Zertifikat<br />

für die ausgezeichnete Reparaturqualität<br />

bei Schäden<br />

erhalten. Die Vorteile einer solchen<br />

TÜV-Zertifizierung für den<br />

Kunden liegen auf der Hand: Die<br />

Gewährleistung der Qualität der<br />

Reparatur, die sich an einem hohen<br />

Standard orientiert.<br />

Wer einen Unfall hatte, bei dem an<br />

seinem Fahrzeug ein Strukturschaden<br />

entstanden ist, weiß sich<br />

dank des TÜV-Zertifikats beim<br />

Karosseriefachbetrieb der<br />

Schwa bengarage nachweislich in<br />

Expertenhänden. Die strengen<br />

Sachverständigen vom TÜV-Süd<br />

prüften neben den offensichtlichen<br />

Arbeiten am Auto mit Begutachtung<br />

vor Beginn der Reparatur,<br />

Zwischenschritten und<br />

Endabnahme nach der Fertigstellung<br />

auch das allgemeine Erscheinungsbild<br />

der Schwabengarage.<br />

Hierbei spielten Dinge wie<br />

der Empfang sowie der weitere<br />

Umgang mit dem Kunden, die Beratung<br />

und selbst nebensächlich<br />

wirkende Details wie Ausschilderungen<br />

eine Rolle. Natürlich wurde<br />

auch das eingesetzte Werkzeug<br />

kritisch in Augenschein genommen.<br />

„Ein schlichter<br />

Hammer und vielleicht eine Zange<br />

reichen sicher nicht mehr“,<br />

erklärt der TÜV-Sachverständige<br />

für Kfz-Schäden und Bewertung,<br />

Florian Maucher. „Für die unterschiedlichen<br />

Hersteller müssen<br />

Spezialwerkzeuge vorhanden<br />

sein, die dem neuesten Stand der<br />

Technik entsprechen.“ In der<br />

Schwabengarage war das der<br />

Fall. Zudem zeigten die Mitarbeiter<br />

das notwendige Know-how,<br />

um ohne Bindung an eine bestimmte<br />

Marke Instandsetzungen<br />

an der Karosserie vornehmen<br />

zu können. „Bei Ford waren wir<br />

lange schon zertifiziert“, berich-<br />

tet Serviceleiter Thomas Heuschmid.<br />

„Die Überprüfung durch<br />

den TÜV-Süd war jetzt wesentlich<br />

umfangreicher und tiefgehender.“<br />

Und auch wenn die Zertifizierung<br />

jedes Jahr wiederholt<br />

werden muss, bringt sie nur Vorteile<br />

mit sich – zum Beispiel bei<br />

der Zusammenarbeit mit Versicherungen.<br />

leh<br />

STRAHLENDER<br />

SIEGER!<br />

DER NEUE FORD TRANSIT CUSTOM IST GEWINNER<br />

DES INTERNATIONAL VAN OF THE YEAR <strong>2013</strong> AWARD 1 .<br />

Schwabengarage<br />

Abbildung zeigt Wunschausstattung<br />

Biberach<br />

gegen Mehrpreis.<br />

Steigmühlstraße 34, 88400 Biberach, Telefon (0 73 51) 50 03-0<br />

www.schwabengarage-biberach.de<br />

FORD TRANSIT CUSTOM LKW BASIS<br />

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />

Ladevolumen 5,95 m³, Laderaumlänge 2555 mm, Trennwand<br />

mit Durchlademöglichkeit von 3 m, verlängerte Inspektionsintervalle<br />

(50.000 km oder 2 Jahre), Dieselpartikelfilter,<br />

Fensterheber elektr. vorne, ESP, ABS, Beifahrerdoppelsitz, u.v.m.<br />

Bei uns für<br />

Schwabengarage Heidenheim<br />

Schnaitheimerstr. 171, 89520 Heidenheim, Tel. (0 73 21) 3 18-0<br />

www.schwabengarage-heidenheim.de<br />

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />

€<br />

19.950,- 2<br />

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (07 31) 162-0<br />

www.schwabengarage-ulm.de<br />

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />

1<br />

Quelle: www.van-of-the-year.com.<br />

2 Gewerbekunden-Angebot gilt für einen Ford Transit Custom<br />

Kastenwagen LKW Basis 270 L1 2,2 l TDCi 74 kW (100 PS) zzgl. MwSt. sowie Überführungskosten in<br />

Höhe von € 798,32 zzgl. MwSt.<br />

45


[führen] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

WiemanguteLeutefindetundhält<br />

Was ist für wen am besten? Diese Frage beantwortet der Technologie-Management-Konzern CHG-Meridian nicht nur für<br />

seine Kunden. Sie sind der Kern der Personalentwicklung, erklärt PersonalchefinDianaLeiherr in unserer Umfrage.<br />

ZurPerson<br />

DianaLeiherr, 35 Jahre, ist seit Januar<br />

2005 bei CHG-Meridian beschäftigt.<br />

Zuerst war sie Personalreferentin; seit<br />

Januar 2011 fungiert sie als Personalleiterin.<br />

unsere eigenen Leute fotografiert. Es war uns<br />

wichtig, auch Mitarbeiter zu Wort kommen<br />

zu lassen, sie erzählen ihren ganz persönlichen<br />

Lebensweg und ihre Entwicklung bei<br />

CHG-Meridian. Und unsere HR-Broschüre, in<br />

der wir den Bewerbern die CHG-Meridian als<br />

attraktiven Arbeitgeber näherbringen möchten<br />

– übrigens auch mit Fotos aus unserem<br />

Haus –, haben wir gleich doppelt an unsere<br />

Mitarbeiter versandt. Nach dem Motto: „Eine<br />

Version für Sie und eine für Ihren besten<br />

Freund, der morgen bei uns anfangen kann.“<br />

Personalchefin Diana Leiherr fragt die Mitarbeiter von CHG-Meridian: „Was willst du eigentlich?“ Die<br />

Antworten bestimmen, wie die individuelle Förderung aussieht.<br />

Foto: Karin Volz<br />

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit<br />

am meisten?<br />

Zum einen gilt es, Mitarbeiter zu binden. Zum<br />

anderen müssen wir neue Mitarbeiter für uns<br />

gewinnen. Beim Instrumentarium baut das<br />

Eine auf dem Anderen auf: Für beide müssen<br />

wir ein attraktiver Arbeitgeber sein. Wir müssen<br />

die Kultur des Miteinanders hegen und<br />

pflegen, wir müssen den Teamgeist fördern,<br />

dem Einzelnen Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

anbieten und Potenzialentwicklungsprogramme<br />

starten, die für die Mitarbeiter eine<br />

klare Verbesserung ihrer Position bedeuten.<br />

Wir müssen mittels flexibler Arbeitszeitmodelle<br />

und des Engagements für die Familien<br />

unserer Mitarbeiter attraktiv für Mütter und<br />

Väter sein, und wir müssen uns auch um die<br />

Gesundheit unserer Mitarbeiter sorgen. Dies<br />

gewährleisten wir mit einem abwechslungsreichen<br />

Gesundheitsmanagement. Für die Gewinnung<br />

neuer Mitarbeiter müssen wir indes<br />

all das, was wir tun, um attraktiv für Mitarbeiter<br />

zu sein, kommunizieren – auf allen Kanälen.<br />

Und zwar so, dass wir die aus unserer<br />

Sicht richtigen Menschen ansprechen, die<br />

CHG-Meridian geschäftlich, inhaltlich und<br />

menschlich weiterbringen.<br />

Wo finden Sie die richtigen Mitarbeiter?<br />

Wir finden sie überall auf der Welt, weil CHG-<br />

Meridian in 19 Ländern aktiv ist. Und wir finden<br />

sie über Stellenausschreibungen in Printund<br />

Online-Plattformen, auf Karrieremessen<br />

oder über unsere Homepage, die wir soeben<br />

einem sehr persönlichen Relaunch unterzogen<br />

haben. Wir setzen aber auch unsere Mitarbeiter<br />

als Botschafter ein: Anstatt Model-<br />

Fotos auf die Homepage zu stellen, haben wir<br />

Wie sieht Ihr Ausbildungsmarketing aus?<br />

Wir setzen sehr stark auf den direkten Kontakt.<br />

Hochschulmarketing und Bildungspartnerschaften<br />

mit Schulen eröffnen uns Möglichkeiten<br />

für die direkte Ansprache<br />

geeigneter Kandidaten. Das gleiche Prinzip<br />

gilt auch für Ausbildungsmessen: Die persönliche<br />

Ansprache ist mehr wert als jede Hochglanzbroschüre.<br />

Die setzen wir zwar auch ein<br />

– aber nur nach einem persönlichen Kontakt,<br />

nicht nur als Mitnehm- und Wegwerfartikel.<br />

Was tun Sie, um Mitarbeiter langfristig ans<br />

Unternehmen zu binden?<br />

Wir schaffen einerseits ein Umfeld, in dem<br />

sich jeder wohlfühlt – unabhängig von seinen<br />

eigenen Zielen und Wünschen. Dazu zählen<br />

zum Beispiel Spielregeln im Umgang miteinander,<br />

regelmäßige Feedback-Gespräche in<br />

beide Richtungen, Mentorenprogramme, gemeinsame<br />

Team- oder Unternehmens-Events<br />

und andere Team-Fördermaßnahmen. Andrerseits<br />

hören wir jedem Mitarbeiter zunächst<br />

46


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong><br />

[führen]<br />

einmal zu und begleiten ihn oder sie auf dem<br />

Weg in, durch und mit unserem Unternehmen.<br />

Das klingt banal – aber die Frage „Was<br />

willst du eigentlich?“ muss erst einmal gestellt<br />

sein, bevor man Antworten parat hat. Je<br />

nachdem, wo die Neigungen und Wünsche<br />

liegen, können wir Fortbildungen anbieten,<br />

einen Aufenthalt im Ausland arrangieren, Änderungen<br />

des Aufgabengebiets einleiten, zwischen<br />

Vorgesetzten und Mitarbeitern vermitteln<br />

oder Karrierepläne definieren. Beides – der<br />

Spirit und die Befriedigung persönlicher Bedürfnisse<br />

– sind das Geheimnis erfolgreicher<br />

Personalarbeit. Die Mitarbeiter quittieren diesen<br />

Einsatz mit einem außerordentlichen<br />

Teamgeist und einer weitreichenden Loyalität<br />

gegenüber unserem Unternehmen.<br />

Welche Instrumente nutzen Sie, um das<br />

Wissen der Mitarbeiter besser zu nutzen?<br />

Bei uns gibt es zum Beispiel ein Mentorenprogramm<br />

im Trainee-Bereich, über das Wissen<br />

von langjährigen Kollegen und neuen Mitarbeitern<br />

beiderseitig befruchtend weitergegeben<br />

wird. Jüngeren Teams stellen wir erfahrene<br />

Team-Leader zur Seite, die Ideen zulassen,<br />

aber auch vor Fettnäpfchen bewahren. Zu guter<br />

Letzt unterhalten wir ein eigenes Knowledge-Center,<br />

eine Art Wissensdatenbank, in<br />

der viele gute Lösungen abgespeichert sind.<br />

Wie viel investieren Sie in Weiterbildung?<br />

CHG-Meridian hat eine eigene Academy, die<br />

sich um die Weiterentwicklung jedes einzelnen<br />

Mitarbeiters kümmert. Die Weiterentwicklung<br />

erstreckt sich sowohl auf den fachlichen<br />

Bereich, wie auch auf die Vorbereitung<br />

einer Führungsverantwortung. Wir erstellen<br />

eigene E-Learning-Kurse für unsere Mitarbeiter,<br />

haben aber auch Trainer beschäftigt, die<br />

Präsenzschulungen geben oder das Coaching<br />

einzelner Personen übernehmen. Finanziell<br />

gesehen ist unser Engagement je Mitarbeiter<br />

sicher überdurchschnittlich, was auch an<br />

unserem ganz speziellen Geschäftsmodell<br />

liegt. [!]<br />

AMb<br />

CHGMeridian–<br />

in19Ländernpräsent<br />

DieCHG-MeridianAG hält Server,<br />

Computer, Bildschirme, Drucker, Industriemaschinen<br />

sowie medizinische Ausstattung<br />

im Wert von 2,5 Milliarden Euro<br />

in den eigenen Büchern und verleast<br />

diese an Unternehmen und öffentliche<br />

Auftraggeber in 19 Ländern. Als Technologie-Manager<br />

kümmert sich CHG-<br />

Meridian zudem um Beratung und Konzeption,<br />

Beschaffung der Geräte, dem<br />

Einrichten am Arbeitsplatz sowie um<br />

Weiterverkauf und Entsorgung. Von<br />

den rund 770 Mitarbeitern arbeiten<br />

450 an den sechs deutschen Standorten,<br />

240 davon am Stammsitz in Weingarten.<br />

Dort beginnt CHG Meridian im<br />

Herbst mit einem Erweiterungsbau. Im<br />

ersten Halbjahr <strong>2013</strong> stieg das Volumen<br />

der neu angeschafften Geräte gegenüber<br />

dem Vorjahr um mehr als acht<br />

Prozent auf 419 Millionen Euro. AMb<br />

47


[leben] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

VorstellungsgesprächbeiWürstch<br />

Können Sie sich noch an ihre ersteBewerbung erinnern? Drei Geschäftsführer haben ihre alten<br />

Bewerbungsunterlagen herausgekramt. In unserer Umfrage verraten sie Stefan Loeffler auch, wie man im<br />

Gespräch mit einem Personalchef punkten kann.<br />

Dipl.-Ing. Konrad Mezger (64)<br />

ist seit 1975 Geschäftsführer der<br />

Franz Geiger-Gruppe. Das Unternehmen<br />

ist unter anderem<br />

im Straßen-, Tief-, Gleis- und<br />

Rohrbau sowie in der Herstellung<br />

von Recyclingbaustoffen<br />

tätig. Mit seinen rund<br />

200 Mitarbeitern arbeitet es<br />

vorwiegend regional.<br />

1) Was war Ihr erster Job?<br />

2) Wie viele Absagen hat es vorher gehagelt?<br />

3) Was denken Sie, wenn Sie zufällig eine Ihrer alten<br />

Bewerbungen in die Hände bekommen?<br />

4) Gibt es einen Moment in einem Vorstellungsgespräch,<br />

an den Sie heute noch denken?<br />

5) Waren Sie immer pünktlich – oder sogar zu früh?<br />

6) Was raten Sie Bewerbern heute?<br />

1) Abgesehen von diversen Ferienjobs und Praktika, in denen viel gelernt<br />

und für die spätere Tätigkeit viel abgeschaut werden konnte,<br />

habe ich im Bodenseeraum als Bauleiter bei größeren Straßenbaumaßnahmen<br />

meine ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt.<br />

2) Gar keine! Ich war in der glücklichen Lage, nach meiner Bewerbung<br />

über das Landesarbeitsamt (das war damals noch möglich!) von<br />

mindestens fünf namhaften Unternehmen, sowohl im In- wie auch<br />

im Ausland, attraktive Angebote bekommen zu haben. Damit<br />

konnte ich mir die Firma aussuchen, die mir die abwechslungs- und<br />

lehrreichste Tätigkeit angeboten hat.<br />

3) Das kommt zwar nicht vor, ich würde mir jedoch dann immer wieder<br />

klar machen, dass heute in vielen Sparten total andere Bedingungen<br />

herrschen und es schon erheblich schwieriger ist, ähnliche<br />

Chancen zu bekommen wie Anfang der 70er Jahre.<br />

4) Die Firmenleitung war ausnehmend daran interessiert, sehr qualifizierten<br />

Nachwuchs zu bekommen, um ihre Erfordernisse in den<br />

Leitungspositionen befriedigen zu können. Auch damals war eine<br />

Phase der Expansion, und die Entwicklung der Firma hing an der<br />

verfügbaren Manpower. Dies hatte mich sehr beindruckt und auch<br />

motiviert, diese Erwartung erfüllen zu können.<br />

5) Ich bemühte mich zumindest, pünktlich zu sein. Zu früh zu kommen<br />

widerspräche meiner Zeitplanung. Ein signifikantes Zu-Spät-<br />

Kommen ist nicht zu entschuldigen, da es eine Geringachtung des<br />

Partners ausdrückt. Das kann ich nicht akzeptieren.<br />

6) Zügige Erledigung der Ausbildung mit ordentlichen (nicht streberhaften)<br />

Noten und Beurteilungen. So viel wie möglich Erfahrungen<br />

und Wissen im Kernbereich aneignen. Gute Allgemeinbildung und<br />

kein „Fachidiotentum“. Ehrenamtliche Tätigkeit.<br />

Norbert Seuß ist seit 1. April<br />

Geschäftsführer des Privatsenders<br />

Radio 7 in Ulm. Der 54-Jährige<br />

wurde in Landau in der<br />

Pfalz geboren und begann seine<br />

berufliche Laufbahn nach einer<br />

Ausbildung bei einer Luftfahrt-<br />

Fachzeitschrift als Volontär und<br />

Redakteur einer Tageszeitung.<br />

Norbert Seuß ist verheiratet<br />

und hat drei Kinder.<br />

1) Als Schüler Zeitungen austragen. Für die Karriere ein Volontariat<br />

bei einer Fachzeitschrift für Luftfahrt.<br />

2) Keine, weil ich mich frühzeitig gekümmert habe und mein damaliges<br />

Hobby zum Beruf machen konnte.<br />

3) Gut, dass das eine oder andere nicht geklappt hat.<br />

4) Das Gespräch mit einer Psychologin, die nicht verstehen wollte,<br />

dass man auch ohne Studium nach vorne kommen kann.<br />

5) Ich glaube, meistens rechtzeitig. Einmal richtig zu früh, wobei meine<br />

Gesprächspartner just in dem Moment angerufen hatten und<br />

fragten, ob ich nicht etwas früher da sein könnte. Somit hat‘s wieder<br />

gepasst.<br />

6) Ein klares, direktes Anschreiben ohne fürchterlich aufgeblasene<br />

Sätze mit 1000 Schlagwörtern. Einen prägnanten und nachvollziehbaren<br />

Lebenslauf. Eine gute Vorbereitung auf das Gespräch mit einer<br />

klaren Vorstellung von Job und Unternehmen.<br />

48


[leben]<br />

enundGlühwein<br />

ARCHITEKTUR IN<br />

HOLZ UND GLAS<br />

PLATZ HAUS 21 GmbH<br />

Tel. +49 7581 201-0<br />

www.platz.de<br />

Peter Roth ist 44 Jahre alt, verheiratet<br />

und hat drei Kinder.<br />

Der Dipl. Betriebswirt (BA) ist<br />

seit 16 Jahren bei der Tempo<br />

Zeitarbeit GmbH und hier seit<br />

<strong>2013</strong> als geschäftsführender<br />

Gesellschafter tätig. Der regionale<br />

Personaldienstleister hat<br />

Geschäfts stellen in Heidenheim<br />

und Ulm.<br />

1) Weil ich in meiner Jugend Leistungssport betrieben habe, hatte ich<br />

nie Zeit für Ferienjobs. Mein erster richtiger Job war als BA-Student<br />

bei einer Firma in Giengen.<br />

2) Ich hatte mich bei fünf Betrieben um einen Ausbildungsplatz als<br />

BA-Student beworben. Zwei Absagen und drei Zusagen. Also, ich<br />

hatte Glück.<br />

3) Als ich neulich meinen Schreibtisch ausmistete, fiel mir meine erste<br />

Bewerbungsmappe in die Hände. Ganz ehrlich, mein erster Eindruck<br />

war: Oh Gott! Es war ein vorgedruckter Lebenslauf, bei dem<br />

die Überschriften vorgegeben waren, sprich persönliche Daten,<br />

schulische Ausbildung, Berufserfahrung und schließlich noch die<br />

Hobbys. Sogar der Rahmen für das Passbild war eingezeichnet.<br />

4) Da ich mich schon immer für das Personalwesen interessierte, stellte<br />

ich mich nach meinem BA-Studium bei einem großen bundesweit<br />

tätigen Personaldienstleister vor. Das Gespräch fand Mitte Dezember<br />

in Ulm statt. Als ich hier ankam, wurde das Gespräch<br />

kurzerhand auf den Münsterplatz verlegt. Dort war gerade der<br />

Weihnachtsmarkt. Also stellte ich mich mit Grillwürstchen und<br />

Glühwein bei den Verantwortlichen vor. Am Ende des Tages hatte<br />

ich den Job – und zu den Würstchen wurde ich eingeladen.<br />

5) Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für mich extrem wichtig.<br />

Gerade in unserer Branche, wo es immer darum geht, Mitarbeiter<br />

schnell und passgenau zur Verfügung zu stellen, ist dies von großer<br />

Bedeutung. Aber auch mir ist einmal etwas Peinliches passiert. Zu<br />

meinem ersten Arbeitstag kam ich über eine Stunde zu spät, denn<br />

ich hatte den morgendlichen Berufsverkehr in Ulm total falsch eingeschätzt.<br />

Anstatt um acht Uhr kam ich um kurz nach halb zehn zur<br />

Arbeit.<br />

6) In jedem Vorstellungsgespräch geht es immer um drei wichtige Themenbereiche.<br />

Wer bin ich – wie stelle ich mich kurz, kompetent<br />

und interessant vor? Was kann ich – was sind meine Stärken? Was<br />

sind meine Ziele – was möchte ich in den nächsten Jahren erreichen?<br />

Und ganz wichtig: Im Vorfeld sollte man sich immer über das<br />

Unternehmen, die Branche, die Unternehmensgröße und die Ansprechpartner<br />

informieren.<br />

49


[namen & nachrichten] Ausgabe 35 | <strong>Oktober</strong> <strong>2013</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Preis für die Neue Chirurgie in Ulm<br />

Verlag/Herausgeber<br />

Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG<br />

Frauenstraße 77, 89073 Ulm<br />

Geschäftsführer:<br />

Thomas Brackvogel<br />

Redaktion<br />

Alexander Bögelein<br />

(verantwortlich),<br />

Irmgard Städele<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Gestaltung<br />

Alen Pahic (Art Director),<br />

Bozena Demski (Bild)<br />

Fotos<br />

Marc Hörger (Titel + Interview),<br />

Lars Schwerdtfeger,<br />

Getty Images, picture alliance,<br />

Pressefotos, Archiv,<br />

Privat<br />

Anzeigen<br />

Dr. Thomas Baumann<br />

(verantwortlich)<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Objektleitung<br />

Tobias Lehmann<br />

Druck<br />

Druck- und Verlagsgesellschaft<br />

Bietigheim mbH<br />

Kronenbergstraße 10<br />

74321 Bietigheim-Bissingen<br />

Auflage: 15 000 Exemplare<br />

Kontakt & Mediadaten<br />

www.swp.de/<strong>unternehmen</strong><br />

<strong>unternehmen</strong>@swp.de<br />

Telefon 0731 156-515<br />

Fax 0731 156-481<br />

Nächste Ausgabe<br />

29. November <strong>2013</strong><br />

Anzeigenschluss<br />

8. November <strong>2013</strong><br />

Den Preis für herausragende Gesundheitsbauten<br />

<strong>2013</strong> hat der Bund Deutscher Architekten<br />

an die Neue Chirurgie in Ulm vergeben. Das<br />

tröstet aber den neuen Klinikvorstand wohl<br />

kaum. Mit dem Bau und der Vorfinanzierung<br />

Nur wenige<br />

Abbrecher im<br />

dualen Studium<br />

Wer ein duales Studium beginnt,<br />

macht die Ausbildung in<br />

der Regel auch zu Ende. Nur 6,9<br />

Prozent brechen die Kombination<br />

aus Ausbildung im Betrieb<br />

und Studium an einer Hochschule<br />

ab. Das ist das Ergebnis<br />

einer Befragung des Bundesinstituts<br />

für Berufsbildung unter<br />

280 Kooperationsbetrieben dualer<br />

Studiengänge. Nach der Ausbildung<br />

bekommen im Schnitt<br />

89 Prozent einen Arbeitsvertrag.<br />

Entschieden sich die Betriebe<br />

gegen einen Kandidaten<br />

lag das meist an mangelnder Sozialkompetenz<br />

oder an mangelnder<br />

Arbeitsleistung.<br />

Höhn-Gruppe<br />

bündelt ihre<br />

Sparten in Ulm<br />

Die Ulmer Höhn-Gruppe verlagert<br />

ihren Bereich Papierdruck<br />

von Biberach nach Ulm ins Donautal.<br />

Davon betroffen sind 40<br />

der insgesamt 240 Mitarbeiter.<br />

Firmenchef Sebastian Haug (38)<br />

verspricht sich von der Konzentration<br />

aller Leistungsbereiche<br />

Zeit- und Kostenersparnisse sowie<br />

eine höhere Flexibilität bei<br />

der Auftragsabwicklung. Immer<br />

häufiger beträfen Aufträge das<br />

gesamte Leistungsspektrum aus<br />

allen Produktbereichen bis hin<br />

zu Logistikdienstleistungen wie<br />

Konfektionierung, Kommissionierung<br />

und Versand.<br />

Wann Flüge am<br />

günstigsten<br />

gebucht werden<br />

des 240 Millionen Euro teuren Gebäudes, das<br />

rund 40.000 Baumängel aufweist, hat sich die<br />

Klinik übernommen. 2012 betrug der Verlust<br />

15 Millionen Euro. Jetzt braucht die Klinik<br />

dringend Finanzhilfe vom Land.<br />

Zwei Monate vor einem geplanten<br />

Abflugdatum sind Flugtickets<br />

am günstigsten. Das ergab<br />

eine Untersuchung der Reisesuchmaschine<br />

Momondo.de, in<br />

der 60 Millionen Anfragen ausgewertet<br />

wurden. Zwischen 51<br />

und 63 Tagen vor Abreise kommen<br />

Urlauber am billigsten davon.<br />

Je näher der Reisetermin<br />

rückt, desto teurer wird das Ticket.<br />

Am teuersten sind die beiden<br />

Tage vor dem Abflug. Länger<br />

als zwei Monate im Voraus<br />

zu buchen, bringe nichts.<br />

Dieter Kurz löst<br />

Klaus Bleyer bei<br />

Ravensburger ab<br />

Der Ex-Vorstandschef der Carl<br />

Zeiss AG, Dieter Kurz (65), hat<br />

Klaus Bleyer<br />

(72) an der<br />

Spitze des<br />

Aufsichtsrats<br />

der Ravensburger<br />

AG abgelöst.<br />

Aufsichtsratschef<br />

der Ravensburger<br />

AG: Dieter Kurz.<br />

Der frühere<br />

Chef der ZF<br />

Friedrichshafen<br />

hatte<br />

das Gremium<br />

seit 2005 geleitet. Zu neuen<br />

Aufsichtsratsmitgliedern wählte<br />

die Hauptversammlung<br />

Claus-Dietrich Lahrs (50), Vorstandsschef<br />

der Hugo Boss AG,<br />

sowie Dr. Valerie Maier (44), Gesellschafterin<br />

des Familien<strong>unternehmen</strong>s<br />

und Universitätsdozentin<br />

für Biochemie. [!]<br />

50


Kann einiges einstecken.<br />

Der neue Citan.<br />

Mit kompromissloser Mercedes-Benz Qualität.<br />

Ein robuster Mitarbeiter, auf den Verlass ist: Mit seiner hohen Qualität in Material und<br />

Verarbeitung sowie Mercedes-Benz Service24h ist der Citan allen Anforderungen<br />

gewachsen, die der turbulente Joballtag mit sich bringt. Kraftstoffverbrauch (l/100 km):<br />

innerorts 5,2–4,7/außerorts 4,5–4,2/kombiniert 4,7–4,3. CO 2<br />

-Emissionen (g/km):<br />

kombiniert 123–112 g/km. Energieeffizienzklasse F–A. 1<br />

www.mercedes-benz.mpc/citan<br />

1<br />

Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein<br />

Vergleichszwecken zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen.<br />

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart<br />

Anbieter Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart<br />

Partner vor Ort: Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm, Zeppelinstraße 27, 89231 Neu-Ulm<br />

Tel.: 0731-700-0, http://www.ulm.mercedes-benz.de


Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart<br />

Partner vor Ort: Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm, Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm<br />

Tel.: 0731-700-0 , http://www.ulm.mercedes-benz.de<br />

Vision erfüllt.<br />

Die neue S-Klasse.<br />

• Erleben Sie die neue S-Klasse.<br />

• Effiziente Technologien: alle Lichtfunktionen komplett in LED-Technik.<br />

• Komfortable Sicherheit: DISTRONIC PLUS mit Lenk-Assistent und Stop & Go Pilot 1 .<br />

• Attraktive Leasing- und Finanzierungsangebote.<br />

In Ihrer Mercedes-Benz<br />

Niederlassung Ulm/Neu-Ulm<br />

Kraftstoffverbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 14,1–7,0/8,1–4,7/10,3–5,5 l/100 km; CO 2<br />

-Emissionen kombiniert: 242-146<br />

g/km; Effizienzklasse: F–A. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots,<br />

sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Das abgebildete Fahrzeug enthält<br />

Sonderausstattungen. 1 Optional erhältlich.

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