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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> | 3,00 €<br />

4 197821 303000 4 1<br />

Da springt<br />

der Funke über<br />

Das Handwerk setzt um, was die Forschung erfindet.<br />

Aber wo ist die Schnittstelle? Tobias Mehlich und<br />

Werner Tillmetz über ihre zündende Initiative.<br />

Finanzieren Kaufen statt gründen – Tipps für angehende Unternehmer SEITE 22<br />

Nutzfahrzeuge Wie die Zukunft auf deutschen Straßen aussieht SEITE 42<br />

Umfrage Wofür sich Führungskräfte Zeit nehmen SEITE 51


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<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[inhalt]<br />

Liebe Leserin, Lieber Leser,<br />

Irmgard Städele,<br />

Redaktion <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Politiker und Journalisten teilen sich das<br />

traurige Schicksal, dass sie oft heute schon<br />

über Dinge reden, die sie erst morgen ganz<br />

verstehen. Das hat Altkanzler Helmut<br />

Schmidt einmal gesagt. Das Mitgefühl von<br />

Unternehmern, Selbstständigen und Führungskräften<br />

dürfte sich da freilich in Grenzen<br />

halten: Mit ihren Entscheidungen stellen<br />

sie heute die Weichen für die Zukunft<br />

ihrer Unternehmen. Wer Entwicklungen<br />

verschläft, landet schneller als er denkt auf<br />

dem Abstellgleis. Das hohe Tempo der Entwicklungen<br />

trifft das Handwerk (Titelinterview<br />

Seite 12), den Maschinenbau mit dem<br />

Thema „Industrie 4.0“ (Seite 28) , die Nutzfahrzeugbranche<br />

mit dem autonom fahrenden<br />

Lkw (Seite42) ... Nicht zu langsam,<br />

nicht zu schnell. Das ist das Meisterstück.<br />

Sich Zeit zu nehmen, ist wichtig. Wie das<br />

geht, zeigt unsere Umfrage (Seite 51).<br />

Eine anregende Lektüre wünscht<br />

Ihre Irmgard Städele<br />

[sicherheit]<br />

6 Gute Wolken, schlechte Wolken<br />

Wie tückisch Clouds sein können<br />

[titelthema]<br />

12 e inladung zum Anfassen Tobias<br />

Mehlich und Werner Tillmetz im<br />

Gespräch<br />

[finanzieren]<br />

22 Chefsessel zu vergeben Was ist<br />

wichtig beim Unternehmenskauf?<br />

[machen]<br />

26 Vielversprechendes Haustürgeschäft<br />

Frustfreie Paketzustellung<br />

32 Tischlein deck dich Burger Zelte &<br />

Catering feiert den Fünfzigsten<br />

40 Lisa, Thomas und der Kessel nr. 2<br />

Bio-Chips – knusperfrischer Genuss aus<br />

Amtszell<br />

48 Tante emma atmet auf<br />

Lebensmittel-Großhandel Utz gibt<br />

Dorfläden eine Perspektive<br />

[führen]<br />

36 Die teuren Fehler der Vorgesetzten<br />

Warum schlechte Führung Geld kostet<br />

[spezial]<br />

28 evolution der Maschinen Das Internet<br />

dringt in die Produktion vor<br />

[bewegen]<br />

42 Fahren muss der Fahrer nicht Der<br />

autonome Lkw ist fast schon Realität<br />

45 Mit „rotem bus“ in rente: ein<br />

Visionär fährt ab Omnibus-Entwickler<br />

Franz Krieglsteiner steigt aus<br />

[leben]<br />

51 Ach du liebe Zeit!<br />

Führungskräfte, ihr Leben, ihre Uhren<br />

[namen & nachrichten]<br />

4 n eues Zentrum will einwanderer<br />

locken<br />

10 schwere Zeiten<br />

21 ZF Friedrichshafen trennt<br />

sich von Lenksysteme-Tochter<br />

47 ZU-Präsident Jansen geht vorzeitig<br />

54 Abschalten in natur und sonne<br />

54 Impressum<br />

40 42<br />

36 48<br />

28<br />

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Neues Zentrum will Einwanderer locken<br />

Foto: © Dariusz T. Oczkowicz, ars digital media services / Fotolia.com<br />

Gute Fachkräfte braucht die Region: Wenn sie aus dem Ausland kommen, erhalten sie künftig Unterstützung.<br />

Die Region braucht Fachkräfte.<br />

Darum soll sich künftig das neue<br />

„Welcome Center“ der Ulm/Oberschwaben<br />

der IHK Ulm kümmern.<br />

„Es stellt für Ulm einen<br />

zweiten Turm dar, der neue Menschen<br />

anzieht!“ Mit diesen Worten<br />

eröffnete Irmgard Otto, Referentin<br />

für Fachkräftesicherung<br />

im baden-württembergischen<br />

Wirtschaftsministerium das<br />

Center. Ziel des Centers sei es,<br />

dem Fachkräftemangel „mit einer<br />

neuen Willkommenskultur<br />

für Immigranten zu begegnen“,<br />

erklärt Center-Verantwortliche<br />

Nadine Schilder. Das Center<br />

übernimmt eine Art Lotsenfunktion.<br />

So helfen die Mitarbeiter<br />

Einwanderern bei Behördengängen,<br />

beraten sie über Kinderbetreuungsangebote<br />

und Sprachkurse<br />

oder unterstützen sie auch,<br />

wenn es um die Anerkennung<br />

beruflicher Qualifikationen geht.<br />

IHK-Geschäftsführer Otto Sälzle<br />

erklärt den Hintergrund: „Für<br />

uns ist es ganz wichtig, Unternehmen<br />

und ausländische Fachkräfte<br />

näher zusammenzubringen,<br />

denn der demografische<br />

Wandel und die Rente mit 63 sorgen<br />

dafür, dass wir unsere Region<br />

dringend attraktiver für Zuwanderer<br />

machen müssen.“ Allen Beteiligten<br />

sei es deshalb wichtig,<br />

die Institution möglichst langfristig<br />

zu betreiben.<br />

Die Idee der „Welcome Center“<br />

stammt vom Land. Insgesamt<br />

gibt es für elf Zentren 2 Millionen<br />

Euro, die mehrheitlich aus dem<br />

europäischen Sozialfonds kommen.<br />

Nach Ulm fließt eine Anschubfinanzierung<br />

von 93.000<br />

Euro, den Rest der Kosten für die<br />

2,5 Stellen trägt die IHK.<br />

Den 30.000 Unternehmen in der<br />

Re gion fehlen im Moment rund<br />

12.000 Fachkräfte, mehrheitlich<br />

solche mit dualer Ausbildung. [!]<br />

GABRIEL BOCK<br />

Parkraum-Wunder aus dem Allgäu<br />

Mit spektakulären Projekten hat<br />

die Klaus Multiparking GmbH<br />

aus Aitrach bei Memmingen in<br />

den vergangenen 50 Jahren Aufmerksamkeit<br />

erregt. Mit raffinierten<br />

Erfindungen und solider<br />

handwerklicher Fertigung erarbeiteten<br />

sich die Allgäuer auf<br />

dem Gebiet raumsparender benutzerfreundlicher<br />

Parksysteme<br />

international Ansehen. Weltweit<br />

gibt es kaum eine Metropole, in<br />

der nicht Parklösungen aus Aitrach<br />

zu finden sind. Ob London,<br />

Rom, Los Angeles, Tokio: Überall<br />

stehen architektonisch spektakuläre<br />

Bauten, die mit Klaus-<br />

Parksystemen bestückt sind.<br />

Neuerdings sind es spektakulärekirchturmhohe<br />

Parktürme. In<br />

ihnen werden die Autos am Fuß<br />

in Empfang genommen und automatisch<br />

auf Etagen mit leeren<br />

Parkboxen gehievt. Aus denen<br />

werden sie wie von Geisterhand<br />

wieder abgerufen.<br />

Das war vor 50 Jahren anders. Als<br />

Firmengründer Kaspar Klaus, die<br />

Idee hatte, wegen der sich abzeichnenden<br />

Parkplatznot zwei<br />

Autos per Rampe übereinander<br />

abzustellen, wurde er belächelt.<br />

Der Kölner Rheinauhafen: In der längsten öffentlichen Tiefgarage Europas<br />

kommen auch technische Lösungen von Klaus Multiparking zum Einsatz.<br />

Doch er behielt Recht. In rascher<br />

Folge kamen mehrstöckige Plattformen,<br />

die seitlich verschiebbar<br />

waren, und kreisförmige drehbare<br />

Scheiben dazu. Sie waren nicht<br />

nur platz- sondern auch zeitsparend,<br />

weil der lästige Gegenverkehr<br />

entfiel. Damit war das<br />

Grundprinzip für die heute nach<br />

dem Fahrstuhlprinzip arbeitenden<br />

Parktürme erfunden. Heute<br />

zählt Klaus Multiparking bei Autoparksystemen<br />

zu den Weltmarktführern,<br />

kooperiert mit 65<br />

Vertriebspartnern weltweit und<br />

hat Anlagen mit mehr als 700.000<br />

Stellplätzen ausgeliefert. Allesamt<br />

wurden von den 140 Mitarbeitern<br />

im Werk in Aitrach konzipiert<br />

und gefertigt. [!] HAM<br />

4


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Je größer die Firma, desto satter das Gehalt<br />

Führungskräfte und Spezialisten<br />

im kaufmännischen Bereich<br />

konnten sich 2013 im Durchschnitt<br />

über 3,3 Prozent höhere<br />

Bezüge freuen. Nach dem Vergütungsreport<br />

der Managementberatung<br />

Kienbaum erhalten Führungskräfte<br />

durchschnittlich<br />

eine Vergütung von 124.000 Euro<br />

im Jahr, während Spezialisten auf<br />

64.000 Euro und Sachbearbeiter<br />

auf 47.000 Euro kommen.<br />

Die Unternehmensgröße beeinflusst<br />

die Vergütung von Führungskräften<br />

in kaufmännischen<br />

Funktionen erheblich: Eine kaufmännische<br />

Führungskraft in einem<br />

Unternehmen mit mehr als<br />

5000 Beschäftigten verdient mit<br />

151.000 Euro durchschnittlichem<br />

Jahresgehalt gut 75 Prozent<br />

Verdienst im kaufmännischen Bereich<br />

124.000 €/Jahr (Führungskräfte)<br />

64.000 €/Jahr (Spezialisten)<br />

Quelle: Kienbaum Consultants International GmbH<br />

47.000 €/Jahr (Sachbearbeiter)<br />

Grafik: mediaservice ulm<br />

mehr als eine Führungskraft in<br />

einem Unternehmen mit bis zu<br />

50 Mitarbeitern: Sie erhält 86.000<br />

Euro. 86 Prozent der Manager erhalten<br />

einen Bonus. Im Schnitt<br />

beträgt dieser 24.000 Euro; das<br />

entspricht 17 Prozent der Gesamtdirektvergütung.<br />

Bei den<br />

Spezialisten und Sachbearbeitern<br />

sind die Unterschiede nicht<br />

ganz so groß: Unternehmen mit<br />

mehr als 5000 Beschäftigten zahlen<br />

ihren kaufmännischen Spezialisten<br />

im Schnitt 75.000 Euro im<br />

Jahr, bei kleinen Firmen erhalten<br />

diese 55.000 Euro. Bei den Sachbearbeitern<br />

reicht die Bandbreite<br />

von 52.000 Euro bis 41.000 Euro.<br />

Für die Studie hat Kienbaum<br />

4600 Positionen in 577 Unternehmen<br />

analysiert. [!]<br />

OS<br />

Kohler fördert faire Löhne<br />

und Klimaprojekt<br />

Ugandische Frauen bei der Ernte von Bio-Baumwolle.<br />

Was Modeketten nach Skandalen<br />

in der Textilproduktion erst lernen<br />

müssen, ist bei Kohler Standard.<br />

Das auf Einrichtungshaus<br />

aus Erolzheim (Kreis Biberach)<br />

hat laut Firmenchef Peter Kohler<br />

schon immer auf die Herkunft<br />

und die Produktion der Textilien<br />

geachtet. Die Wäsche der Marke<br />

„Cotonea“ besteht aus Biobaumwolle,<br />

die ohne Pestizide, Gentechnik<br />

und Kunstdünger in<br />

Uganda angebaut wird. Faire Löhne<br />

und Abnahmepreise sowie<br />

gute Arbeitsbedingungen seien<br />

garantiert und würden überprüft.<br />

In Indien unterstützt das<br />

Familien<strong>unternehmen</strong>, das elf<br />

Mitarbeiter beschäftigt, ein Klimaprojekt,<br />

das der Bevölkerung<br />

zu günstigen Brennstoffen ohne<br />

CO2-Ausstoß verhilft. [!] OS<br />

Kaserne wird zum<br />

Energie-Lernpark<br />

Ein grünes Gewerbegebiet, ein<br />

Lern- und Energiepark sowie eine<br />

Akademie für Nachhaltigkeit: Das<br />

ist auf 77 Hektar Fläche auf dem<br />

ehemaligen Gelände der Oberschwabenkaserne<br />

in Hohentengen<br />

geplant. Das ganze firmiert<br />

unter dem Namen Ehoch4. Die<br />

spielerische Vermittlung von Wissen<br />

rund um die Energie soll von<br />

2016 an jährlich tausende Kinder<br />

zwischen 2 und 15 Jahren anlocken.<br />

Dahinter steckt der Ravensburger<br />

Spieleverlag. Auch ein<br />

Wissenschaftscampus ist vorgesehen.<br />

Alle dortigen Einrichtungen<br />

sollen mit vor Ort erzeugter Energie<br />

versorgt werden. Das Investitionsvolumen<br />

beträgt mehr als<br />

50 Millionen Euro. [!] OS<br />

1000 neue Arbeitsplätze<br />

mit L-Bank-Förderung<br />

Die Förderung der L-Bank hat in<br />

der Region Ulm zahlreiche Investitionen<br />

ausgelöst. Im ersten<br />

Halbjahr unterstützte das landeseigene<br />

Förderinstitut 274 Unternehmen<br />

aus dem IHK-Bezirk<br />

Ulm mit rund 93 Millionen Euro.<br />

Das sind 82 Prozent mehr als im<br />

Vorjahr. Dies führte zu Investitionen<br />

von 163 Millionen Euro. Fast<br />

300 neue Arbeitsplätze sind entstanden.<br />

Neben IHK-Firmen wurden<br />

auch 685 Betriebe der Handwerkskammer<br />

Ulm unterstützt.<br />

Die Darlehen von 196 Millionen<br />

Euro (plus 14 Prozent) lösten Investitionen<br />

von mehr als 337 Millionen<br />

Euro aus. Dadurch werden<br />

in den Handwerksfirmen 1000<br />

Jobs geschaffen. [!]<br />

OS<br />

5


[rubrik] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Foto: © Pixsooz / Fotolia.com<br />

guteWolken,schlechteWolken<br />

Wer braucht heute noch eigene teure Server und IT-Spezialisten, wo es doch Clouds gibt? Doch so manche Wolke, vor<br />

allem in den USA, kann tückisch sein. Wo lauert Gewittergefahr? Ein Überblick.<br />

Schöne neue Welt. Von jedem Gerät an jedem Ort kann man auf Firmendaten zugreifen. Aber Achtung. Nicht jeder Cloud kann man trauen.<br />

Sie ist kompliziert, teuer und für viele<br />

unerlässlich: IT (Information Technologies),<br />

also elektronische Datenverarbeitung.<br />

Kaum ein Unternehmen kommt<br />

noch ohne IT-basierte Verarbeitung von Daten<br />

aus. Ob Kundendaten, Wissensmanagement<br />

oder Verwaltung, alles wird elektronisch<br />

gemacht. Natürlich vernetzt, damit alle<br />

immer auf dem aktuellen Stand sind.<br />

Problemlos ist die IT freilich nicht. Einfach<br />

den Rechner anschalten und loslegen, klappt<br />

nur dann, wenn die Voraussetzungen stimmen.<br />

Für ein funktionierendes System sind<br />

ausreichende technische Kapazitäten nötig –<br />

und Leute, die für Wartung und Bereitstellung<br />

sorgen. Aber Fachleute und Technik kosten so<br />

viel, dass es sich für viele Unternehmen nicht<br />

lohnt, sie selbst im Betrieb anzustellen.<br />

Angesichts dessen<br />

verwundert es<br />

nicht, dass das sogenannte<br />

Cloud-<br />

Computing seit<br />

der Jahrtausendwende<br />

immer<br />

beliebter wird.<br />

„Unter Cloud-<br />

Computing versteht<br />

IT-Professor Philipp Brune<br />

man die<br />

erklärt die Cloud.<br />

skalierbare Bereitstellung<br />

verschiedener<br />

IT-Dienstleistungen in einem entfernten<br />

Rechenzentrum über das Internet, es ist<br />

eine besondere Form des IT-Outsourcings“,<br />

erklärt Professor Philipp Brune von der Hochschule<br />

Neu-Ulm (HNU). Er ist wissenschaftlicher<br />

Leiter des Rechenzentrums der HNU und<br />

Experte in Sachen Cloud-Computing.<br />

ameriKaNerDomiNiereN<br />

Lag das deutsche Marktvolumen von Cloud-<br />

Diensten 2013 noch bei 4,52 Milliarden Euro,<br />

wird es im laufenden Jahr auf voraussichtlich<br />

6,62 Milliarden Euro und 2015 auf 9,23 Milliarden<br />

Euro anwachsen. Das prognostiziert<br />

eine Studie der Münchner Experton-Group.<br />

Dominiert wird der Markt von den großen US-<br />

Anbietern wie salesforce.com und den Cloud-<br />

Diensten von Google, Apple und Microsoft.<br />

Laut dem Computermagazin „c‘t“ befinden<br />

sich 90 Prozent der globalen Cloud-Kapazität<br />

in den USA.<br />

Es gibt jedoch auch Cloud-Anbieter mit Rechenzentren<br />

in Europa. Im Großraum Ulm<br />

6


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[sicherheit]<br />

Cloud-Dienstleistungen:Diedreitypen<br />

Partner auf<br />

Augenhöhe<br />

Kopiersysteme<br />

» Multifunktionale Systeme<br />

» Managed Print Services<br />

» Dokumentenmanagement<br />

» Analyse & Optimierung<br />

grundsätzlich wird zwischen drei Arten<br />

von Cloud-Dienstleistungen unterschieden,<br />

erklärt Experte Philipp Brune.<br />

Infrastructure-as-a-Service (IaaS) bezeichnet<br />

die reine Bereitstellung technischer<br />

Leistungen, also von Rechenkapazität<br />

oder Speicherplatz. Die Verwaltung<br />

und Betreuung übernimmt der Kunde<br />

selbst. IaaS ist die häufigste Form von<br />

Cloud-Computing.<br />

Platform-as-a-Service (PaaS) beinhaltet<br />

für den Kunden die Möglichkeit, in<br />

der Cloud selbst Anwendungen zu entwickeln<br />

oder zu betreiben.<br />

Die vielleicht bekannteste Cloud-Form<br />

ist Software-as-a-Service (SaaS). Hierbei<br />

nutzt der Kunde Software auf dem<br />

Cloud-Speicher, die vom Dienstleister<br />

angeboten, betreut und verwaltet wird.<br />

Der Unterschied zum Mieten eines Servers<br />

besteht darin, dass beim Cloud-<br />

Computing flexibel auf den aktuellen Bedarf<br />

an technischen Ressourcen reagiert<br />

werden kann. „Man bezahlt nur, was gerade<br />

benötigt wird. Gleichzeitig kann der<br />

Anbieter ungenutzte Kapazität anderweitig<br />

verkaufen“, erläutert der Professor.<br />

Die Vorteile für den Kunden: Er spart sich<br />

eine eigene IT-Abteilung und Betreuung.<br />

Die Flexibilität des Cloud-Computings<br />

macht zudem eine einfache Anpassung<br />

der IT-Strukturen auf Veränderungen und<br />

Fortschritt möglich.<br />

Gab<br />

IT-Lösungen<br />

» IT-Infrastruktur & Sicherheit<br />

» Medien- & Konferenztechnik<br />

» Cloud-Dienste & Storage<br />

» Virtualisierungskonzepte<br />

stellt beispielsweise auch die Wilken-Gruppe<br />

ein Rechenzentrum mit entsprechenden<br />

Dienstleistungen zur Verfügung. Der Geschäftsführer<br />

des Zentrums, Harald Varel,<br />

skizziert das Konzept: „Wir bieten Software<br />

und IT-Infrastruktur auf lokaler Ebene an und<br />

stellen auf den Kunden abgestimmte Lösungen<br />

bereit.“<br />

Das Rechenzentrum selbst ist ein mannshoher,<br />

schwarzer Block mit einer Grundfläche<br />

von zwei auf fünf Metern. Er besteht aus mehreren<br />

Recheneinheiten, von denen jede den<br />

Stromverbrauch eines Mehrfamilienhauses<br />

hat. Das gesamte Zentrum benötigt täglich etwa<br />

1350 kWh. Insgesamt werden hier am Tag<br />

mehr als 30 Terrabyte Daten verarbeitet und<br />

den Unternehmen, die sie auslagern, wieder<br />

zur Verfügung gestellt. Das Gesamtvolumen<br />

der Daten beträgt etwa ein Petabyte, das sind<br />

eine Million Gigabyte. Auch andere Unternehmen<br />

vermitteln lokale und internationale<br />

Clouds und betreuen sie, so zum Beispiel auch<br />

der Ulmer IT-Spezialist Fritz und Macziol.<br />

Cloud-Direktor Jörg Mecke sagt: „Uns ist es<br />

wichtig, dass der Kunde keinen Unterschied<br />

zur IT ohne Cloud bemerkt.“ Fritz und Macziol<br />

bietet sowohl die Betreuung von Clouds an,<br />

die ein Unternehmen selbst errichtet, als auch<br />

eine Übernahme der IT-Auslagerung an auswärtige<br />

Rechenzentren. Hier bleibt die Wahl<br />

des Cloud-Standortes dem Auftraggeber überlassen.<br />

Bei dem Ulmer IT-Spezialisten wird<br />

Flexibilität als der größte Vorteil der Clouds<br />

gesehen. Gute Cloudlösungen lassen sich<br />

nach den Worten Meckes auf die Bedürfnisse<br />

und Wünsche des Kunden anpassen.<br />

Bei der Auslagerung von Unternehmensdaten<br />

ist die Sicherheit das zentrale Thema. Gerade<br />

Büroeinrichtungen<br />

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7


[sicherheit] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Rechenzentren benötigen außerordentlich viel Energie. Das Ulmer Unternehmen Wilken hat daher ein eigenes Blockheizkraftwerk.<br />

wenn es um Kundendaten geht, darf nichts<br />

passieren. Für den Schutz muss jedes Unternehmen<br />

garantieren. Das kann zum Problem<br />

für Firmen werden, die Cloud-Anbieter in den<br />

USA nutzen. Diese unterliegen dem sogenannten<br />

„Patriot Act“. Das nach den Anschlägen<br />

vom 11. September 2001 entstandene Gesetz<br />

verpflichtet Unternehmen in den USA,<br />

den Geheimdiensten auch ohne richterliche<br />

Anordnung Zugriff auf ihre Server zu geben.<br />

Wird hierbei gegen das deutsche Bundesdatenschutzgesetz<br />

verstoßen, so drohen dem<br />

deutschen Kunden des US-Anbieters möglicherweise<br />

juristische Probleme. Die Folge<br />

können Bußgelder und Schadenersatzzahlungen<br />

sein.<br />

Der europäische Gerichtshof entschied 2011,<br />

dass personenbezogene Daten nur noch eingeschränkt<br />

in die USA gelangen dürfen. „Der<br />

Ausweg aus der problematischen Situation<br />

ist, einen regionalen oder zumindest nationalen<br />

Cloud-Anbieter zu wählen“, sagt Brune.<br />

Diese sind den deutschen Gesetzen unterworfen<br />

und bieten häufig eine höhere Transparenz<br />

ihrer Strukturen. Auch Microsoft plant<br />

nun Clouds in Deutschland.<br />

In jüngster Zeit tauchen Berichte auf, dass Hacker<br />

sensible Daten von Clouds gestohlen haben.<br />

Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Veröffentlichung<br />

privater Fotos etlicher<br />

Prominenter. Die Bilder wurden aus Cloud-<br />

Speichern des US-Konzernriesen Apple entwendet.<br />

Für ein Unternehmen wäre der Diebstahl<br />

von Know-how oder Kundendaten eine<br />

Katastrophe. Zudem stellt sich die Frage nach<br />

Problemen beim technischen Betrieb des Rechenzentrums.<br />

Ein Ausfall der Datenzentren,<br />

etwa wegen eines Stromausfalls, könnte fatal<br />

sein, denn plötzlich wären sämtliche Kunden<br />

von ihrer IT-Verwaltung abgeschnitten.<br />

DasProblemistDerKUNDe<br />

Ist die Auslagerung also leichtsinnig? Nein,<br />

findet Brune: „Gerade die auf die Wirtschaft<br />

spezialisierten Anbieter von Cloud-Computing<br />

haben oft mehr Erfahrung und Wissen<br />

beim Thema Sicherheit und auch höhere<br />

Standards, als dies bei ihren Kunden der Fall<br />

ist. Oft gelangen die Hacker viel einfacher an<br />

die Zugangsdaten der Nutzer und kommen<br />

darüber an die Datenbanken.“ Auch Harald<br />

Varel bestätigt, dass die meisten Sicherheitsprobleme<br />

beim Kunden entstehen. „Wir versuchen,<br />

unsere Kunden mit Beratung und<br />

durch besonders<br />

restriktive Sicherheitsmechanismen<br />

zu einem sicheren<br />

Umgang<br />

mit ihren Passwörtern<br />

zu bewegen“,<br />

sagt er. Bei Wilken<br />

legt man besonderen<br />

Wert auf Virenabwehr<br />

und Wilken-Geschäftsführer<br />

Ausfallsicherheit Dr. Harald Varel.<br />

des Rechenzentrums.<br />

Das steht in einem alarmgesicherten<br />

bunkerartigen Raum mit Sicherheitsschleuse<br />

und eigenem Kühlsystem, die Firma verfügt<br />

in Ulm zudem über ein eigenes Blockheizkraftwerk<br />

und ein Notstromaggregat.<br />

Worauf muss ein Unternehmen also achten,<br />

wenn es einen Cloud-Dienst nutzen möchte?<br />

„Das A und O ist Information“, sagt Brune: „Ich<br />

muss wissen, welche Form von Cloud-Computing<br />

ich benötige und welchen Kriterien<br />

der Dienst genügen sollte.“ Für Unternehmen,<br />

die ihre komplette IT auslagern wollen, bietet<br />

sich ein sogenannter IaaS-Dienst (siehe Info-<br />

Kasten) an. Brune zufolge spricht viel für An-<br />

8


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[sicherheit]<br />

bieter in der Nähe: Bei ihnen kann man vor<br />

Ort genau in Augenschein nehmen, wie die<br />

Daten aufbewahrt werden. Das ist sogar<br />

Pflicht. Der Paragraph 11 des Bundesdatenschutzgesetzes<br />

besagt, dass jeder, der personenbezogene<br />

Daten extern verwalten lässt,<br />

sich von der Einhaltung der Sicherheitsstandards<br />

überzeugen muss.<br />

WindowsXPalssicherheitsrisiko<br />

it-KoNgressiNNeU-Ulm<br />

Anhaltspunkte für die Sicherheit von Daten<br />

und Rechenzentren können auch verschiedene<br />

Zertifikate bieten. Technische Maßnahmen<br />

etwa werden von der ISO-Norm ISO<br />

27001 erfasst, während der Tüv Zertifikate für<br />

Infrastruktur und Prozesse ausstellt. Auch das<br />

Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer vergibt<br />

Zertifikate für Rechenzentren aus.<br />

Allerdings bremst eine Sache in Deutschland,<br />

die Ausbreitung der Cloud-Dienste, gibt Brune<br />

zu bedenken: „Ein großes Problem ist die<br />

Breitband-Anbindung.“ Zwar sind die Rechenzentren<br />

oft sehr gut und bei mehreren Providern<br />

angebunden, jedoch sind die Internet-<br />

Leitungen zu den potenziellen Kunden oft<br />

sehr schlecht. Das bestätigen auch die Ulmer<br />

IT-Anbieter. Baden-Württembergs Ministerpräsident<br />

Winfried Kretschmann (Grüne) hat<br />

das auch erkannt. Er will den Ausbau der<br />

Breitbandversorgung vorantreiben, vor allem<br />

im ländlichen Raum, wo viele mittelständische<br />

Weltmarktführer ihren Sitz haben. Statt<br />

12 Millionen Euro will die Landesregierung<br />

den Breitbandausbau künftig jährlich mit 30<br />

Millionen Euro fördern.<br />

Eine Möglichkeit für Unternehmer und Entscheider,<br />

mit regionalen Anbietern ins Gespräch<br />

zu kommen und sich über sie und ihre<br />

Dienste zu informieren, bietet am 13. November<br />

in der Hochschule Neu-Ulm der „IT-Kongress<br />

Neu-Ulm/Ulm <strong>2014</strong>“. Das Forum für<br />

Wirtschaft und IT-Fachwelt legt einen besonderen<br />

Fokus auf Cloud-Computing und Informationssicherheit.<br />

[!] Gabriel bock<br />

DURCHBLICK<br />

IN WOLKIGEN<br />

ZEITEN!<br />

Damit Sie die echten Informationen<br />

zwischen all den „IT Buzzwords“<br />

finden, haben wir für Sie die Cloud<br />

Bibliothek entwickelt.<br />

Sie erhalten dort Studien, Whitepaper<br />

oder Leitfäden – kostenfrei und<br />

von Experten für Experten.<br />

Diepopulärstenbetriebssysteme sind<br />

die der Windows-Reihe des Softwareriesen<br />

Microsoft. Diese werden immer wieder<br />

für ihre Anfälligkeit gegenüber Hacking<br />

kritisiert. IT-Experten bestätigen<br />

zwar, dass es manchmal Lücken in den<br />

Systemen gibt, jedoch sind die meisten<br />

von ihnen dann kein Thema mehr, wenn<br />

auf regelmäßige Updates und aktuellen<br />

Virenschutz geachtet wird.<br />

Ein großes Problem stellt aber Windows<br />

XP dar. Für das veraltete Betriebssystem<br />

entwickelt Microsoft keine Sicherheitspatches<br />

mehr, und auch der Support ist<br />

eingestellt. Das bedeutet, dass neue Sicherheitslücken<br />

nicht mehr geschlossen<br />

werden. Obwohl der US-Konzern mittlerweile<br />

vor der Nutzung des XP-Systems<br />

warnt, verwenden es noch immer viele<br />

Betriebe und Privatpersonen. Sein Marktanteil<br />

liegt <strong>2014</strong> bei etwa 23 Prozent.<br />

Dabei ist klar, dass jeder Rechner mit<br />

dem veralteten Betriebssystem und Zugang<br />

zu sensiblen Daten ein besonderes<br />

Sicherheitsrisiko darstellt.<br />

Der Umstieg auf eine aktuelle Windows-<br />

Version empfiehlt sich also dringend. Viele<br />

Unternehmen überspringen hierbei den<br />

XP-Nachfolger Windows 7, dessen Updates<br />

2020 eingestellt werden und stellen<br />

gleich auf das aktuelle Windows 8.1 um.<br />

Andere wiederum entscheiden sich, auf<br />

dessen Nachfolger Windows 9 zu warten;<br />

der ist für April 2015 angekündigt. Gab<br />

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9


[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

ÖMA Kisslegg<br />

zieht um nach<br />

Lindenberg<br />

Die Vertriebsgesellschaft Ökologische<br />

Molkereien Allgäu<br />

(ÖMA) stößt am Standort Kisslegg<br />

an Kapazitätsgrenzen und<br />

verlagert deshalb ihren Firmensitz<br />

nach Lindenberg. Dort<br />

übernimmt sie Gewerbeflächen<br />

des Schmelzkäseproduzenten<br />

Schreiber und ein großes Kühllager.<br />

Die ÖMA beliefert ausschließlich<br />

den ökologischen<br />

Fachhandel. Sie wurde 1985 in<br />

einer Garage gegründet. Seither<br />

wuchs sie kontinuierlich. Zuletzt<br />

erwirtschaftete sie mit 50<br />

Mitarbeitern einen Jahresumsatz<br />

von 35 Millionen Euro.<br />

Steigtechnik<br />

gehört zu den 50<br />

Besten Bayerns<br />

Besondere Ehrung für die Günzburger<br />

Steigtechnik GmbH: Das<br />

Familien<strong>unternehmen</strong> mit 250<br />

Mitarbeitern darf sich mit dem<br />

Titel „Bayerns Best 50“ schmücken.<br />

Der Hersteller von Leitern<br />

zähle zu den Wachstumsmotoren<br />

des Freistaats und sei der<br />

bayerische Vertreter in der<br />

Champions League des Mittelstands,<br />

sagte die bayerische<br />

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner<br />

(CSU). Das Unternehmerehepaar<br />

Ferdinand und Ruth<br />

Munk wurde auch für das Bekenntnis<br />

zum Standort Günzburg<br />

und für die Qualifizierung<br />

der Mitarbeiter gewürdigt.<br />

Edelmann<br />

investiert<br />

in Ungarn<br />

Der Verpackungshersteller<br />

Edelmann (Heidenheim) vergrößert<br />

sein Werk in Ungarn<br />

für fünf Millionen Euro. Ende<br />

des Jahres soll ein neues Gebäude<br />

mit 14.000 Quadratmetern<br />

Schwere Zeiten<br />

Der Wegfall der Milchquote in der EU im Frühjahr 2015 löst<br />

Ängste bei Landwirten im Südwesten aus. „Die kleinen Betriebe<br />

auf der Schwäbischen Alb oder im Allgäu werden es schwer<br />

haben“, sagte der Landeschef des Bundesverbandes Deutscher<br />

Milchviehhalter, Karl-Eugen Kühnle. Im Norden seien die<br />

Böden leichter zu bearbeiten, dort sei Großlandwirtschaft besser<br />

möglich. Heute gibt es in Baden-Württemberg noch 9000<br />

Milchviehhöfe, das sind weniger als die Hälfte als 1996.<br />

Fläche im Werk Zalaegerszeg<br />

im Osten des Landes bezogen<br />

werden. Das soll die Basis sein,<br />

um das Geschäft in Zentral- und<br />

Osteuropa auszuweiten. Bis<br />

2016 entstehen dort 100 neue<br />

Jobs. Im Jahr 2013 erzielte Edelmann<br />

mit 2200 Mitarbeitern an<br />

13 Standorten einen Umsatz<br />

von 233 Millionen Euro.<br />

Stadtwerk am<br />

See steigert<br />

Gewinn deutlich<br />

Das Stadtwerk am See (Friedrichshafen/Überlingen)<br />

hat im<br />

ersten vollen Geschäftsjahr seit<br />

Foto: © Thomas Neumahr / Fotolia.com<br />

der Fusion im <strong>Oktober</strong> 2012 den<br />

Gewinn um ein Drittel auf 9,8<br />

Millionen Euro steigern können.<br />

Der Umsatz sank im Jahr 2013<br />

um knapp 2 Prozent auf 180 Millionen<br />

Euro. Die Einbußen im<br />

Energiegeschäft konnte das Unternehmen<br />

mit 311 Mitarbeitern,<br />

das im Herbst 2012 aus der<br />

Fusion der Stadtwerke Friedrichshafen<br />

und Überlingen<br />

hervorgegangen ist, mit dem<br />

Wassergeschäft mehr als ausgleichen.<br />

„Die Einmalkosten aus<br />

der Fusion sind 2013 entfallen,<br />

die Synergien kommen mehr<br />

zum Tragen“ , erklärten die Geschäftsführer<br />

Alfred Müllner<br />

und Klaus Eder. An die Gesellschafter<br />

– die Städte Friedrichshafen<br />

und Überlingen – überweist<br />

das Unternehmen für 2013<br />

insgesamt 12 Millionen Euro.<br />

Uzin Utz erhält<br />

Preis von<br />

„familiyNET“<br />

Der Bauchemiespezialist Uzin<br />

Utz AG (Ulm) ist im Rahmen<br />

von „familyNET“ für sein Engagement<br />

zur besseren Vereinbarkeit<br />

von Beruf und Familie ausgezeichnet<br />

worden. Das<br />

landes weite Projekt wird unter<br />

anderem unterstützt durch das<br />

Landeswirtschaftsministerium<br />

sowie die Metall- und Chemieindustrie.<br />

Uzin Utz erhielt den<br />

Preis, weil das Unternehmen individuelles<br />

Coaching, Mentoring,<br />

flexible Arbeitszeitmodelle,<br />

Führen in Teilzeit sowie zahlreiche<br />

Workshops anbietet. Zuletzt<br />

kam der Hersteller von Spezialchemikalien<br />

und Geräten für die<br />

Bodenbearbeitung auf einen Jahresumsatz<br />

von 217 Millionen<br />

Euro mit 950 Mitarbeitern.<br />

Cooper Standard<br />

verlagert Stellen<br />

nach Serbien<br />

Der in Lindau ansässige Automobilzulieferer<br />

Cooper Standard<br />

denkt an die Verlagerung<br />

eines Großteils der Arbeitsplätze<br />

vom Bodensee nach Serbien.<br />

Fast 40 Prozent der knapp 1000<br />

Arbeitsplätze in Lindau sollen<br />

trotz einer Standortsicherungsvereinbarung<br />

von der Maßnahme<br />

betroffen sein. In erster Linie<br />

geht es um lohnintensive<br />

Tätigkeiten in der Produktion.<br />

In Serbien liegt der Stundenlohn<br />

bei 3,50 Euro. Seit Jahren<br />

bemühen sich die Beschäftigten<br />

in Lindau, durch Lohnverzicht<br />

ihre Arbeitsplätze zu erhalten.<br />

Als das Unternehmen zur Metzeler-Gruppe<br />

gehörte, war es eines<br />

der größten Arbeitgeber in<br />

Lindau. [!]<br />

10


Gutes Geld – gutes Gewissen.<br />

Unser Engagement<br />

für Bildung.<br />

Sparkassen fördern Bildung in allen Regionen Baden-Württembergs. Im<br />

Rahmen unseres sozialen Engagements ermöglichen wir Bildungsangebote für alle<br />

Teile der Bevölkerung. Wir fördern gemeinnützige Vorhaben im Bildungsbereich<br />

mit jährlich über 16 Mio. Euro in 21 Stiftungen. Denn Wissen ist der wichtigste<br />

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11


[titelthema] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

12


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[titelthema]<br />

Einladung<br />

zumAnfassen<br />

Wie funktioniert eine Brennstoffzelle? Was tun, wenn ein E-Auto brennt? Wie<br />

verhält sich Wasserstoff? Antworten gibt das Ulmer WBZU -– Handwerkern,<br />

Studenten, Schülern. Anfassen ist dabei fast immer erlaubt. Dr.TobiasMehlich<br />

und Prof.WernerTillmetz über das Tête-à-Tête von Handwerk und Forschung.<br />

Wer Handwerker sucht, tut das in Werkstätten oder<br />

auf dem Bau. Seit einiger Zeit tauchen sie aber<br />

auch mitten in der Ulmer Wissenschaftsstadt auf<br />

dem Oberen Eselsberg vermehrt auf – in Seminaren<br />

und Laboren. Was steckt dahinter?<br />

Dr. Tobias Mehlich: Das Handwerk macht sich fit für die<br />

Zukunft – im Weiterbildungszentrum für innovative<br />

Energietechnologien der Handwerkskammer Ulm,<br />

dem WBZU. Es ist eine Schnittstelle zwischen Praxis<br />

und Forschung.<br />

Will das Handwerk selbst forschen?<br />

Mehlich: Nein, es geht darum, den Kunden Erfindungen<br />

möglichst rasch anzubieten. Zum Handwerk zählt<br />

eben nicht nur der Schuster, der nach herkömmlicher<br />

Methode Schuhe besohlt. Wir wollen ein traditionelles<br />

Handwerk, aber wir wollen auch ein Handwerk, das die<br />

moderne Welt gestaltet. Wir entwickeln neue Betätigungsfelder<br />

und Geschäftsideen.<br />

Und wieso suchen Sie, Professor Tillmetz, als Wissenschaftler<br />

und Leiter des Zentrums für Sonnenenergie-<br />

und Wasserstoff-Forschung (ZSW) die<br />

Nähe zum Handwerk?<br />

Professor Werner Tillmetz: Mich hat schon immer nicht<br />

nur die pure Forschung angetrieben. Die dient im<br />

universitären Bereich dem reinen Erkenntnisgewinn.<br />

Das ist für mich persönlich eher sekundär. Mir ist die<br />

Anwendung wichtig: Wie kann ich das nutzen? Wie<br />

kann die Wirtschaft damit Geld verdienen? Wie kann<br />

man eine neue Technologie nachhaltig nutzen? Wir in<br />

Deutschland haben ein Umsetzungs-Problem. Wir sind<br />

immer wieder Forschungsweltmeister, aber verkaufen<br />

tun andere.<br />

An welche Beispiele denken Sie?<br />

Tillmetz: Kameras. Da waren wir einst Weltmarktführer.<br />

Hochwertige Kameras kamen aus Deutschland.<br />

Wie viele produzieren wir heute noch? Es gibt viele andere<br />

Beispiele. Wo mechanische Technologien von etwas<br />

Neuem, Besseren verdrängt werden, ist auch das<br />

oft bei uns erfunden worden. Nehmen Sie den Computer,<br />

entwickelt von Konrad Zuse, das Fax von Siemens ...<br />

Und wer macht das Geschäft? Apple, Samsung, Panasonic<br />

... Das treibt mich um, weil ich seit Jahrzehnten an<br />

neuen Technologien arbeite, lange in der Industrie –<br />

und jetzt seit fast zehn Jahren hier in der Forschung.<br />

Wie kommt das Handwerk ins Spiel?<br />

Tillmetz: Die Idee ist vor gut eineinhalb Jahren entstanden.<br />

Grundgedanke: Mit dem Handwerk sind wir direkt<br />

am Nutzer neuer Technologien dran. So erfahren<br />

wir, was er nicht oder anders will – und wieso. Das ist<br />

eine Chance, vom reinen Forschungsweltmeister wegzukommen.<br />

Hat die Kooperation schon unmittelbaren Nutzen<br />

für Ihre Forschung gebracht?<br />

Tillmetz: Noch nicht direkt. Aber vor gut einem Jahr<br />

war ich mit meinem Auto beim Kundendienst. Bei der<br />

Gelegenheit habe ich den Meister gefragt, was er von<br />

Elektromobilität hält – einem der Schlüsselthemen an<br />

unserem ZSW.<br />

Und?<br />

Tillmetz: „Totaler Blödsinn“, sagte er.<br />

Wer wie Sie Batterien entwickelt, muss da wohl erst<br />

mal schlucken, oder?<br />

Sie verbinden Handwerk und Forschung: Tobias Mehlich (li.), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, und Professor<br />

Werner Tillmetz, Leiter des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, vor einem Blockheizkraftwerk.<br />

ZurPerson<br />

Langweilig dürfte es<br />

Tobias Mehlich (47)<br />

so schnell nicht werden.<br />

Als Hauptgeschäftsführer<br />

der<br />

Handwerkskammer<br />

Ulm vertritt er seit<br />

dem Jahr 2010 rund<br />

18.000 Betriebe. In<br />

seiner Freizeit engagiert<br />

er sich für Musik<br />

– als Vorsitzender<br />

des Vereins Kinderund<br />

Jugendchor „Ulmer<br />

Spatzen“. Der<br />

Jurist, der mit seiner<br />

Familie (verheiratet,<br />

drei Kinder) in Ulm<br />

wohnt, stammt aus<br />

dem hessischen Bad<br />

Nauheim.<br />

ZurPerson<br />

WernerTillmetz gehört<br />

zu den führenden<br />

Brennstoffzellenund<br />

Batterieexperten<br />

in Deutschland. Der<br />

59-jährige Professor<br />

folgte 2004 dem Ruf<br />

der Uni Ulm. Seither<br />

leitet er den Geschäftsbereich<br />

Elektrochemische<br />

Energietechnologien<br />

am<br />

Zentrum für Sonnenenrgie-<br />

und Wasserstoffforschung.<br />

Der<br />

gebürtige Oberbayer<br />

wuchs in Lindau auf,<br />

wo er noch heute mit<br />

seiner Frau und seinen<br />

beiden Kindern<br />

(15 und 21) lebt.<br />

13


[titelthema] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Tillmetz: Ich wollte wissen, warum. Seine Antwort:<br />

„Mein Geld verdiene ich heute mit Öl-, mit Zündkerzen-<br />

und Zahnriemenwechsel. Das gibt es im E-Auto<br />

nicht mehr. Wie soll ich also damit etwas verdienen?“<br />

Mehlich: Genau darum geht es: zeigen, welche Geschäftsideen<br />

hinter neuen Technologien stecken könnten und<br />

dem Handwerk das nötige Wissen vermitteln.<br />

Konnten Sie die Sicht des Kfz-Meisters nachvollziehen,<br />

Herr Professor Tillmetz?<br />

Tillmetz: Klar. Tatsächlich informieren die Autohersteller<br />

ihre Vertragspartner in den Werkstätten nicht über<br />

die Arbeitsinhalte rund um das E-Auto. Ihnen ist wohl<br />

nicht bewusst, dass man den Umgang mit einer komplett<br />

neuen Technologie auch gelernt haben muss.<br />

Über das WBZU und die Handwerkskammer erreichen<br />

Sie die Handwerker …<br />

Tillmetz: So ist es. Wir können an die Basis gehen. Wir<br />

setzen uns mit den Handwerkern aus den Werkstätten<br />

zusammen und erklären ihnen, wie ein Elektroauto<br />

funktioniert, wo Wartungsbedarf auftreten kann und<br />

worauf man achten muss. Mit den Leuten kann man<br />

sehr fundiert diskutieren.<br />

Mehlich: Auch deshalb muss das Handwerk nahe bei der<br />

Forschung sein. Bringt die Forschung etwas auf den<br />

Weg, müssen wir wissen, wohin die Reise geht und wie<br />

die Betriebe damit Umsatz machen können. Gibt es nur<br />

noch Autos mit Brennstoffzellen, muss ein Lehrling<br />

nicht mehr lernen, wie man einen Auspuff schmiert,<br />

sondern wie man mit Wasserstoff umgeht.<br />

Im WBZU spielen nicht nur die E-Autos eine Rolle?<br />

Mehlich: Das geht viel weiter. Die Energiewende betrifft<br />

die verschiedensten Handwerksgebiete: Elektromobilität,<br />

Energieeffizienz von Heizungen, Energiegewinnung<br />

aus Sonne und Wind, Speichertechnik für Häuser.<br />

Das wird auch die Ausbildung in vielen Berufen<br />

verändern. Die Nähe zur Forschung hilft uns, die Ausbildungsordnungen<br />

anzupassen.<br />

Diese Impulse könnten von Ulm aus das Handwerk<br />

im ganzen Land revolutionieren?<br />

Mehlich: Was wir hier am WBZU machen, hat eine bundesweite<br />

Leuchtturmfunktion.<br />

Dann sind Sie Trendsetter?<br />

Mehlich: Oder Versuchskaninchen. Es ist ein Versuch,<br />

den wir starten, es gilt auch Gräben zu überwinden.<br />

Forscher haben ihre eigene Sprache, Handwerker<br />

auch ...<br />

Bevor einer fragt: Auch Tobias Mehlich weiß, dass man mit<br />

Krawatte nicht Löcher in Betonklötze bohrt. Für den Fotografen<br />

machte er eine Ausnahme.<br />

14


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[titelthema]<br />

Tillmetz: Die Übersetzung hinzubekommen, komplizierte<br />

Sachverhalte verständlich zu erklären – das ist<br />

die große Kunst. Wir haben am WBZU talentierte Leute<br />

dafür, und auch im Handwerk beherrschen das viele.<br />

Um beim Kfz-Mechaniker zu bleiben: Bisher schulen<br />

die Meister den Umgang mit dem Vergaser, künftig<br />

müssen sie erklären, wie das mit Batterien und E-Autos<br />

geht. Wir können also entweder eigene Leute einsetzen<br />

oder wir versorgen die Ausbilder im Handwerk mit<br />

Wissen.<br />

Wie wird das Wissen vermittelt?<br />

Tillmetz: Das ist das Einmalige am WBZU: Wir haben in<br />

sieben Labors Technik zum Anfassen – Knöpfe drücken,<br />

Messkurven anschauen … Man erlebt praxisnah,<br />

wie eine Brennstoffzellenbatterie funktioniert.<br />

Mehlich: Hier können Handwerker durch Erfahrung lernen,<br />

Wissen wird nicht einfach an der Tafel präsentiert.<br />

Man muss es in ihre Sprache übersetzen und vor allem<br />

in ihre Methoden transferieren.<br />

Komplizierte Inhalte herunterzubrechen, wird in<br />

der Welt der Wissenschaft nicht unbedingt besonders<br />

geschätzt. Wie gehen Sie damit um, Herr Professor<br />

Tillmetz?<br />

Tillmetz: Vielleicht müsste man in die Belohnungssysteme<br />

der Wissenschaft eingreifen: Man macht am ehesten<br />

das, wofür man belohnt wird. Für Forscher an Universitäten<br />

sind dazu möglichst viele Veröffentlichungen<br />

in den Wissenschaftsjournalen wichtig. Wer einfache<br />

Anfassen erlaubt: Am Weiterbildungszentrum<br />

wird Wissen<br />

nicht dröge an der Tafel<br />

oder in Präsentationen vermittelt.<br />

Symbiose Integrieren, modifizieren,<br />

neu gestalten – USM Möbelbausysteme<br />

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15


[titelthema] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Wie reagieren die Studenten?<br />

Tillmetz: Wir nutzen die Labors im WBZU für die ganz<br />

normale Praktikumsausbildung der Studenten. In einem<br />

internationalen Masterstudiengang lernen sie<br />

Batterien, Brennstoffzellen und so weiter kennen – an<br />

den gleichen Apparaturen und Geräten wie die Handwerker.<br />

Die meisten sind begeistert und wollen auch<br />

ihre Master- oder Doktorarbeit am ZSW machen.<br />

Gibt es gemischte Projekte, bei denen Handwerker<br />

und Studenten zusammen arbeiten und lernen?<br />

Mehlich: Noch nicht, das wäre spannend. Aber schon<br />

jetzt gehen Praktikanten von der Universität hier genauso<br />

ein und aus wie die Handwerker.<br />

Das WBZU steht also auch für die Durchlässigkeit<br />

von Bildungs- und Karrierewegen?<br />

Mehlich: Eines Tages werden wir die Meisterabsolventen<br />

mit den Doktoranden mischen können. Das muss<br />

das Ziel sein. Wir werden hier hochwertige Ausbildungsinhalte<br />

anbieten können, die man anderswo<br />

nicht bekommt.<br />

Welche Themen außer der Brennstoffzelle werden<br />

in der Kooperation zwischen WBZU und ZSW beleuchtet?<br />

Welche Handwerkszweige können profitieren?<br />

Tillmetz: Am ZSW arbeiten wir stark an der Kraft-Wärme-Kopplung<br />

– mit und ohne Brennstoffzelle. Das Thema<br />

hat die Handwerker vor einigen Jahren kalt erwischt.<br />

Für uns wurde es zu einer tollen Erfolgsstory.<br />

Die Fachverbände der Handwerker fragten uns: „Wir<br />

müssen jetzt Kraft-Wärme-Kopplungen einbauen, wie<br />

denn?“ Klassisch schließt der Elektriker den Strom an,<br />

der Installateur die Gasleitung oder die Wärmeversorgung.<br />

Beides zusammen geht laut klassischer Handwerkerordnung<br />

nicht.<br />

Professor Tillmetz hat‘s in der<br />

Hand: eine komplette Brennstoffzelle<br />

mit 20 Einzelzellen.<br />

An den Modellen in Labor 4<br />

wird demonstriert, wie so ein<br />

System funktioniert.<br />

Formulierungen benutzt, kommt da nicht weiter.<br />

Übersetzungen, wie wir sie brauchen, machen diese<br />

Wissenschaftler gewöhnlich nicht. Bei mir ist das<br />

anders.<br />

Sie legen keinen Wert auf Publikationen?<br />

Tillmetz: Nein. Ich will Umsetzungen<br />

hinbekommen. In dem anderen<br />

System stecke ich auch nicht drin.<br />

Mehlich: Professor Tillmetz macht<br />

genau das, was hier schon immer<br />

passieren sollte: Universität, Hochschulen<br />

und Unternehmen in einer<br />

Wissenschaftsstadt angesiedelt –<br />

um Nähe zu schaffen und Übersetzungen<br />

anzuschieben.<br />

Wasserstoff<br />

macht<br />

erstmal<br />

Angst<br />

Werner Tillmetz<br />

Darauf nimmt die Kraft-Wärme-Kopplung aber keine<br />

Rücksicht ...<br />

Tillmetz: Richtig. Auf Bitte der Fachverbände schafften<br />

wir solche Geräte an, um daran eine herstellerneutrale<br />

Ausbildung anzubieten. Wir haben in einem Tageskurs<br />

ein Grundverständnis vermittelt.<br />

Mehlich: … und das alles gewerkeübergreifend.<br />

Tillmetz: Genau, und das ist wichtig.<br />

Kraft-Wärme-Kopplung spielt<br />

eine Riesenrolle in der Energiewende,<br />

aber das Prinzip dahinter<br />

verstehen viele noch nicht.<br />

Sie schulen am WBZU auch Feuerwehrleute<br />

und Rettungskräfte.<br />

Warum?<br />

Tillmetz: Dahinter steckt die Elektromobilität.<br />

Die Fahrzeuge kann<br />

man mit Wasserstoff ausrüsten oder mit Batterien.<br />

Wasserstoff ist bei vielen negativ belegt. Wasserstoff<br />

macht erstmal Angst.<br />

Klingt eben nach Bombe …<br />

Tillmetz: Ja, oder nach Hindenburg-Syndrom. Dabei<br />

16


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[titelthema]<br />

sind die Menschen beim Zeppelin-Absturz damals in<br />

Lakehurst nicht wegen des Wasserstoffs ums Leben<br />

gekommen, sondern wegen der brennenden Stoffbahnen.<br />

Zurück zu den Rettungskräften. Was lernen sie<br />

hier?<br />

Tillmetz: Wir zeigen ihnen, dass Wasserstoff als solcher<br />

nicht gefährlich ist. Er ist sogar viel, viel weniger gefährlich<br />

als Benzin. Wir zeigen, wie man mit Wasserstoff<br />

umgeht – und mit Batterie-getriebenen Fahrzeugen.<br />

Was tut man, wenn sie gegen einen Baum fahren?<br />

Ganz normal löschen? Man muss viele Details beachten.<br />

Die erklären wir in den Schulungen. Zurzeit gibt es<br />

noch fast keine Vorschriften, die den Umgang mit diesen<br />

Technologien auch in Gefahrensituationen regeln.<br />

Die Autobauer geben aber doch Informationen zu<br />

ihren Fahrzeugen und dem Umgang mit ihnen?<br />

Tillmetz: Sie statten ihre Fahrzeuge mit einer Rettungskarte<br />

aus. Darauf können die Feuerwehrleute nachlesen,<br />

wo Hochspannungsleitungen verlaufen und sie<br />

mit ihrer Rettungsschere nicht reinfahren dürfen. Aber<br />

was man macht, wenn die Batterie brennt, erfährt man<br />

nicht.<br />

Was sollte man tun?<br />

Tillmetz: Für Feuerwehrleute und Rettungskräfte gilt:<br />

Personen retten, löschen so viel und so gut es geht, und<br />

dann das Fahrzeug stehen lassen und warten. Nicht in<br />

brennendem Zustand abschleppen; das Feuer erlischt<br />

von selbst. Es ist etwas ganz anderes, wenn eine Lithium-Ionen-Batterie<br />

brennt als wenn ein Benzintank<br />

brennt. Das muss man wissen.<br />

Wo ist der große Unterschied?<br />

Tillmetz: Bei einer brennenden Batterie lässt sich das<br />

Feuer nicht durch Sauerstoff-Entzug ersticken. Sie<br />

brennt auch ohne dass von außen Sauerstoff dazukommt.<br />

Deshalb hilft nur: Abwarten, bis sie entladen<br />

ist. Die richtige Reaktion: Ruhig Blut, nicht nervös werden!<br />

Es kann an die zehn Jahre dauern, bis Vorschriften<br />

für solche Gefahrensituationen entstehen, weil diese<br />

so viele Gremien passieren müssen. Wir helfen den<br />

Leuten jetzt.<br />

Seien es Handwerker oder Rettungskräfte, Sie reden<br />

mit Anwendern. Werden Sie durch diesen Dialog<br />

zuweilen auf Schwierigkeiten aufmerksam, die<br />

Ihnen sonst womöglich nicht aufgefallen wären?<br />

Tillmetz: Ja. Dieser Rückfluss ist für mich mindestens<br />

genauso wichtig wie der Wissenstransfer in die andere<br />

So sehen die Eingeweide des<br />

kleinen Blockheizkraftwerks<br />

aus. Für Laien gilt hier aber:<br />

Finger weg – was Tobias<br />

Mehlich respektvoll beachtet.<br />

17


[titelthema] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Im WBZU arbeiten Forscher und Handwerker eng zusammen. Die Verantwortung tragen Prof. Werner Tillmetz (links) und Tobias Mehlich.<br />

EinLeuchtturmprojekt<br />

inDeutschland<br />

DasWeiterbildungszentrum für innovative<br />

Energietechnologien Ulm (WBZU) am<br />

Ulmer Eselsberg verzahnt Wissenschaft<br />

und Technik. Seine Kernaufgabe besteht<br />

darin, neue Energietechnologien wie<br />

Brenn stoffzellen, Wasserstoff, Batterien<br />

und Miniblockheizkraftwerke in der Praxiseinführung<br />

zu begleiten und die entsprechenden<br />

Berufsgruppen frühzeitig weiterzubilden.<br />

Die Handwerkskammer Ulm hat<br />

das WBZU, in dem fünf Mitarbeiter tätig<br />

sind, zu Jahresbeginn übernommen, sie<br />

ist bundesweit die erste Hand werks institu<br />

tion, die selbst angewandte Forschung<br />

betreibt.<br />

Prof.Dr.WernerTillmetz war bis Ende<br />

2013 Vorstandschef des WBZU, seither<br />

steht er dessen Beirat vor. Tillmetz leitet<br />

das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung<br />

Baden-Württemberg<br />

(ZSW) in Ulm. Insgesamt beschäftigt das<br />

ZSW mit Hauptsitz in Stuttgart 220 Mitarbeiter,<br />

in Ulm sind es 110 Beschäftigte plus<br />

70 wissenschaftliche Hilfskräfte. Das ZSW<br />

in Ulm stand zuletzt wegen einer Explosion<br />

in den Schlagzeilen, die eines der 15 Labore<br />

verwüstete und 300.000 Euro Schaden<br />

anrichtete. Grund war eine defekte<br />

Gasleitung. Das Labor ist wieder instandgesetzt,<br />

verletzt wurde niemand. AMB<br />

Richtung. Wir müssen wissen, welche Probleme es in<br />

der Handhabung geben kann.<br />

Mehlich: Das gilt auch für die Speichertechnologie, die<br />

nach und nach in den Haushalten Einzug halten soll.<br />

Der Forscher lernt vom Anwender: Gibt es Beispiele?<br />

Tillmetz: Die gibt es, aber spontan<br />

fällt mir nichts Plakatives ein.<br />

Mehlich: Wenn wir unsere Arbeit<br />

hier gut machen, dann kann ich mir<br />

vorstellen, dass immer mehr Lernprozesse<br />

auch in die andere Richtung<br />

laufen. Die Handwerker zum<br />

Beispiel, die Speicher einbauen und<br />

warten, können enorm viel einspeisen.<br />

Tillmetz: Jetzt hätte ich ein Beispiel<br />

parat.<br />

Nur raus damit ...<br />

Tillmetz: Wenn ein Elektroauto einen Crash hat, gehen<br />

die Schalter der Batterie automatisch auf, weil die Batterie<br />

die Spannungsquelle ist (mit 400 Volt). Lösen sich<br />

Handwerker<br />

können<br />

enormviel<br />

einspeisen<br />

Tobias Mehlich<br />

die Schalter oder Verbindungsklammern, ist das ganze<br />

Fahrzeug spannungsfrei. Das ist auch richtig so.<br />

Aber?<br />

Tillmetz: Man kann dann nicht mehr schauen, was in<br />

der Batterie passiert. Die Verbindung zu den vielen Sensoren<br />

in der Batterie wird gekappt, wenn die Schalter<br />

aufgehen. Dann ist sie eine stromlose<br />

schwarze Kiste. Die Feuerwehrleute<br />

vor Ort können dann<br />

nicht wissen, ob die Batterie kaputt<br />

ist oder nur abgeschaltet und<br />

sicher. Das gibt uns in unserer Forschung<br />

am ZSW Stoff zum Nachdenken:<br />

Wie könnte man die abgekoppelte<br />

Batterie testen? Solche<br />

Prozesse sind wichtig für uns.<br />

Weil Sie in weniger alltagstauglichen Kategorien<br />

denken?<br />

Tillmetz: Wir Wissenschaftler sind oft ganz stolz, wenn<br />

wir den Wirkungsgrad verbessern. Dann kommt der<br />

Kunde und fragt: Wirkungsgrad? Er will wissen, wie<br />

lang die Batterie durchhält, wie sie gewartet wird. Sol-<br />

18


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[titelthema]<br />

che Fragestellungen kommen einem begeisterten Forscher<br />

oft gar nicht in den Sinn.<br />

Mehlich: Der Dialog verhilft den Wissenschaftlern ein<br />

Stückweit zur Markt- und Anwendungsorientierung.<br />

Guter Wirkungsgrad ist sicher ein gutes Verkaufsargument.<br />

Aber ich sollte nicht jede Viertelstunde zum<br />

Nachjustieren eines Speichers in den Keller müssen.<br />

Wie viel Personal hält die ganzen Seminare im<br />

WBZU am Laufen?<br />

Mehlich: Momentan fünf Festangestellte. Sie gehören<br />

zur Weiterbildungsakademie des Handwerks mit insgesamt<br />

etwa 50 Beschäftigten. Dazu kommen freie Dozenten<br />

auf Honorarbasis.<br />

Tillmetz: Die Dozenten kommen zum Teil von uns, dem<br />

ZSW, oder von befreundeten Instituten.<br />

Wie ist die Resonanz auf das Angebot des WBZU?<br />

Mehlich: Schon ganz gut. Aber wir müssen noch mehr<br />

dafür trommeln.<br />

Tillmetz: Im Schnitt haben wir über den Verein WBZU<br />

e.V. etwa 1000 Leute pro Jahr erreicht.<br />

Im Gespräch (von links):<br />

Wirtschaftsressortleiterin<br />

Karen Emler, der technische<br />

Leiter des WBZU Peter Pioch<br />

und Tobias Mehlich.<br />

Das Foto links zeigt das Herzstück<br />

einer Brennstoffzelle:<br />

die (einlaminierte) Polymermembran.<br />

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Partner der Kanzlei (von links nach rechts): Stefan M. Senft, Sven Hendrik Schmidt, Dr. Wolfgang Weitzel, Stephan Zeitler, Hans-Christian Weitzel<br />

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19


[titelthema] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Wer behauptet, Forschung<br />

macht keinen Spaß?! Der Gokart<br />

läuft mit einer Brennstoffzelle<br />

und wurde im Rahmen<br />

einer Studienarbeit<br />

gebaut.<br />

DAS INTERvIEW FÜHRTE<br />

KAREN EMLER, LEITERIN<br />

WIRTScHAFTSREDAKTION<br />

SÜDWEST PRESSE<br />

FOTOS:<br />

OLIvER ScHULZ<br />

DOKUMENTATION:<br />

ISABELLA BURK<br />

Mehlich: Ursprünglicher Auftrag des Vereins war die<br />

Information der Öffentlichkeit über neue Energietechnologien<br />

wie die Brennstoffzelle. Als Handwerk sehen<br />

wir den Auftrag weiter.<br />

Nämlich?<br />

Mehlich: Zum Beispiel Berufsorientierung. Hier sind<br />

ständig Schülergruppen unterwegs.<br />

Die Schüler sehen an dieser Schnittstelle zwischen<br />

Forschung und Handwerk, was heute alles zu einem<br />

modernen Handwerk dazugehört?<br />

Mehlich: Exakt. Wir wollen gut qualifizierte junge Leute<br />

für das Thema Energiewende interessieren, sie für die<br />

Mitarbeit gewinnen, sei es als Handwerker, als Forscher<br />

oder als Industriefertiger. Wir bemühen uns auch, verstärkt<br />

Hochschulabbrecher für das Handwerk zu gewinnen.<br />

30 Prozent der jungen Menschen, die ein Studium<br />

beginnen, verpeilen sich.<br />

Was haben Sie vor?<br />

Mehlich: Wir wollen sie gezielter abholen als bisher,<br />

ihnen Perspektiven zeigen. Dabei kann das WBZU mit<br />

all der sichtbaren neuen Technologie helfen. Und Tür<br />

an Tür mit Hochschule und Universität können diese<br />

jungen Leute sehen, dass es auch im Handwerk tolle<br />

Berufe gibt.<br />

Zurück zur Schnittstelle Forscher – Anwender.<br />

Klopfen auch Hersteller bei Ihnen an, um zu erfahren,<br />

wie anwendertauglich ihre Produkte sind?<br />

Tillmetz: Wir haben schon den einen oder anderen Prototyp<br />

hier stehen.Die Anwender mit den Entwicklern<br />

in der Industrie zusammenzubringen – das wäre ein<br />

schönes Thema für die Zukunft. Aber schon jetzt kommen<br />

Firmen, die eine Technologie verstehen wollen.<br />

Zum Beispiel?<br />

Tillmetz: Eine unserer Brennstoffzellen ist perfekt für<br />

Notstromversorgung, primär in der Telekommunikation.<br />

Mit ihr würde das Handynetz bei Stromausfall<br />

lange weiter funktionieren. Die üblichen Bleibatterie-<br />

Sicherungen in Mobilfunkstationen sind nach einer<br />

Stunde leer. Mit Brennstoffzelle und Wasserstoff arbeitet<br />

das Netz wochenlang. Manche Vertreter der Telekommunikationsindustrie<br />

haben sich die Technologie<br />

im WBZU angeschaut und danach solche Geräte<br />

gekauft – um sich gegen einen Blackout zu wappnen.<br />

20


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> [namen&nachrichten]<br />

ZFFriedrichshafentrennt<br />

sichvonLenksysteme-Tochter<br />

ZF Friedrichshafen gibt seine Hälfte am Gemeinschafts<strong>unternehmen</strong><br />

ZF Lenksysteme<br />

an Bosch ab. Der Stuttgarter Autozulieferer<br />

übernimmt damit die vollständige Kontrolle<br />

über den Spezialisten für elektronische Lenkungen.<br />

ZF Friedrichshafen wirft damit Ballast<br />

auf dem Weg zur 9,5 Milliarden Euro teuren<br />

Übernahme des US-Wettbewerbers TRW<br />

ab. Die US-Amerikaner sind eine gute Ergänzung<br />

für ZF. Sie sind spezialisiert auf Sicherheitsprodukte<br />

wie Airbags, Gurte, Brems- oder<br />

Fahrer-Assistenzsysteme. Der Chef von ZF<br />

Friedrichshafen, Stefan Sommer, betonte, er<br />

sehe „viele Symmetrien“ in den Kulturen beider<br />

Firmen. ZF steigt durch den Zukauf mit<br />

dann rund 30 Milliarden Euro Umsatz und<br />

insgesamt 138.000 Mitarbeitern unter die Top<br />

drei im weltweiten Zulieferer-Geschäft auf.<br />

Bosch-Chef Volkmar Denner indes freut sich<br />

über den Zukauf der ZF Lenksysteme (Schwäbisch<br />

Gmünd), die zuletzt mit 13.000 Mitarbeitern<br />

an 18<br />

Standorten einen<br />

Jahresumsatz von<br />

4,1 Milliarden Euro<br />

erzielte. Am<br />

Stammsitz auf der<br />

Ostalb sind mehr<br />

als 5000 Beschäftigte<br />

tätig. Rund 60<br />

Prozent des Umsatzes<br />

macht ZFLS Stefan Sommer, der Chef<br />

mit Elektrolenkungen.<br />

„Mit der<br />

der ZF Friedrichshafen.<br />

kompletten Übernahme von ZFLS stärkt<br />

Bosch die Position für eine aktive Gestaltung<br />

der Zukunft der Mobilität“, sagte Denner.<br />

Denn ZFLS zähle „zu den Technologieführern<br />

im Zukunftsfeld Elektrolenkung“. Das sei „die<br />

Basistechnologie für automatisiertes Fahren,<br />

für effizientere Fahrzeuge und auch für Elektroautos“,<br />

sagte der Bosch-Chef. [!] KER<br />

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Das Geschäft der jahrzehntelang erfolgsverwöhnten<br />

Branche der Reisemobil- und Caravanbauer<br />

verläuft seit geraumer Zeit ausgesprochen<br />

holprig. Das trifft auch den<br />

Reisemobil- und Caravanhersteller Dethleffs<br />

aus Isny. Dessen Umsatz verringerte sich im<br />

Geschäftsjahr 2013/<strong>2014</strong> um rund drei Prozent<br />

auf 335 Millionen Euro, der Absatz von<br />

Reisemobilen sank von 8144 auf 7968 Exemplare.<br />

Bei den Caravans, deren Preise deutlich<br />

unter denen der Reisemobile liegen, stiegen<br />

die Verkaufszahlen um 111 auf 2526 Stück.<br />

Als Konsequenz aus dem unbefriedigenden<br />

Ergebnis bauten die Dethleffs-Verantwortlichen<br />

20 von 779 Stellen ab. Zudem streben sie<br />

an, das Unternehmen schneller als bisher geplant<br />

zur „Volumen-Marke“ umzubauen – mit<br />

Fahrzeugen in modernem Design, die dem<br />

Mainstream der Branche folgen. Dadurch soll<br />

der Umsatz auf 351 Millionen Euro klettern.<br />

Im Gegenzug wird das „Luxus-Segment“<br />

schrittweise verkleinert. Gleichzeitig investiert<br />

Dethleffs 7,3 Millionen Euro, vor allem in<br />

den Bau einer neuen Fertigungsstraße für<br />

Fußböden. [!]<br />

HAM<br />

Biomilch-Bauern<br />

erwägenKlage<br />

Der Streit zwischen der Großmolkerei Omira<br />

und ihren Biomilchlieferanten geht in eine<br />

neue Runde. Als die Genossenschaft die Sparte<br />

Biomilch aufgab, gingen die Erzeuger davon<br />

aus, dass sie mit Ende der Belieferung ihre<br />

Geschäftsanteile an der Omira ausgezahlt bekommen.<br />

Doch zu einer fristgerechten Kündigung<br />

kam es nicht. Vielmehr versuchte Omira,<br />

die Bio-Genossen mit Aufhebungsverträgen<br />

aus dem Geschäft zu drängen. Von Überbrückungshilfen<br />

wie Abstandszahlungen oder<br />

die sofortige Auszahlung der Geschäftsanteile<br />

war seitens der Omira nicht die Rede.<br />

Schlimmstenfalls wollte die Molkerei die Biomilch<br />

zum Preis für normale Milch bei den<br />

Biobauern abholen. Das würde beachtliche elf<br />

Cent pro Kilogramm Biomilch ausmachen.<br />

Diese Regelung empfinden die Biobauern als<br />

Nötigung und wollen notfalls klagen. Betroffen<br />

sind rund 12o Bio-Landwirte, die jährlich<br />

25 Millionen Liter geliefert haben. Aktuell<br />

verarbeitet die Omira mit ihren rund 600 Mitarbeitern<br />

jährlich etwa 1 Milliarde Kilo Milch<br />

an den Standorten in Ravensburg, Rottweil<br />

und Neuburg an der Donau. [!] HAM<br />

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[finanzieren] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Chefsesselzuvergeben<br />

Viele Firmen in Baden-Württemberg suchen händeringend nach einem Nachfolger. Kaufen statt Gründen wird für<br />

angehende Unternehmer zu einer Alternative. Auf welche Punkte es bei einer Übernahme zu achten gilt.<br />

Nach Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung<br />

(IfM) gab es im vergangenen<br />

Jahr 338.000 Existenzgründungen<br />

bei gleichzeitig 354.000 Pleiten. Einer<br />

der Gründe für diese negative Bilanz ist, dass<br />

die Geschäftsidee oder das Produkt der Jung<strong>unternehmen</strong><br />

oft noch nicht ausgereift genug<br />

ist, um sich am Markt durchzusetzen. „Dazu<br />

kommt, dass man am Anfang an so vieles denken<br />

und sich darum kümmern muss – nicht<br />

nur im operativen Geschäft, sondern auch um<br />

die Verwaltungsaufgaben“, sagt Johann Alt,<br />

Prokurist bei der Kaechele GmbH in Laichingen.<br />

„Das ist schon sehr viel Aufwand für einen<br />

Unternehmer in der Gründungsphase.“<br />

EiNübErsChaubarEsrisiko<br />

Alt und sein Partner Thomas Grabensee nahmen<br />

einen anderen Weg und stiegen als Gesellschafter<br />

bei Kaechele ein. „Die Übernahme<br />

eines bestehenden Unternehmens<br />

erschien uns einfacher als eine Neugründung“,<br />

erzählt Alt, „zwar ist dabei nicht alles<br />

so, wie man es sich idealerweise wünscht,<br />

aber es sind funktionierende Strukturen vorhanden.<br />

An Verbesserungen kann man dann<br />

Schritt für Schritt arbeiten.“ Zudem sind die<br />

Produkte ebenso wie der Markt erprobt, es<br />

gibt Kundenverbindungen – und überprüfbare<br />

Geschäftszahlen der vergangenen Jahre, so<br />

dass sich das unternehmerische Risiko recht<br />

gut einschätzen lässt. Im Fall von Alt und Grabensee<br />

kam dazu, dass Dieter Fiebelkorn, bis<br />

dahin Alleininhaber und Geschäftsführer des<br />

Herstellers für Hotelwäsche und Objektausstattung,<br />

schon seit längerem auf der Suche<br />

nach einem Partner war, der das Unternehmen<br />

weiterführt, wenn er in ein paar Jahren<br />

in den Ruhestand geht.<br />

Nach Schätzung des IfM steht allein in Baden-<br />

Württemberg bei 17.000 Unternehmen pro<br />

Altinhaber Dieter Fiebelkorn (links) will sich in<br />

ein paar Jahren zurückziehen – Thomas Grabensee<br />

(Mitte) und Johann Alt übernehmen.<br />

22


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[finanzieren]<br />

Joachim Rupp, Finanzierungsexperte<br />

der IHK Ulm<br />

Jahr die Nachfolge<br />

an, davon bei etwa<br />

500 bis 600 Firmen<br />

in der Region Ulm.<br />

Immer seltener<br />

bleibt die unternehmerische<br />

Führung<br />

in der Familie<br />

– oft, weil der<br />

Nachwuchs andere<br />

Pläne hat. Einen<br />

Partner von außen<br />

aufzunehmen, ist<br />

dann meist die einzige Möglichkeit, den Fortbestand<br />

der Firma zu sichern und einen Verkauf<br />

an externe Dritte zu verhindern. In der<br />

IHK Ulm betreut Nachfolgemoderator Joachim<br />

Rupp das Thema. Der Finanzierungsexperte<br />

hilft, potenzielle Kandidaten zu finden<br />

und auszuwählen und kümmert sich um die<br />

Nachbetreuung. Allerdings gilt es beim Einstieg<br />

in bestehende Unternehmen eine hohe<br />

Hürde zu meistern: die Finanzierung.<br />

„Eine Unternehmensbewertung vom Sechsbis<br />

Achtfachen des Jahresergebnisses vor Zinsen,<br />

Steuern und Abschreibungen ist üblich“,<br />

weiß Klaus Windheuser, Leiter Financial Engineering<br />

der Mittelstandsbank in der Commerzbank.<br />

„Da kommt selbst bei einem Mittelständler<br />

schnell ein Millionenbetrag<br />

zusammen.“ Und den wollen die Alteigentümer<br />

oft bar haben, um ihren Lebensabend finanzieren<br />

zu können. Da kommen selbst Gutverdiener<br />

an ihre Grenzen. Viele Unternehmer<br />

in spe sind daher auf die Hilfe ihrer Hausbank<br />

und anderer Finanziers angewiesen – etwa eines<br />

Finanzinvestors.<br />

Mitunter kommt auch eine interne Lösung<br />

zustande, in der Fachsprache Managementbuy-out<br />

(MBO) genannt. Genau das haben<br />

Anita Thierer, Julia Bug und Ana Touza Suarez<br />

auf die Beine gestellt. Eher ungeplant haben<br />

die drei vor rund einem dreiviertel Jahr die<br />

Ulmer Filmproduktionsgesellschaft Ulmedia<br />

übernommen, bei der sie zuvor angestellt waren.<br />

„Für uns war es ein Schock, als wir erfuhren,<br />

dass der Alteigentümer aufhören und<br />

verkaufen will“, erzählt Geschäftsführerin<br />

Bug, „aber dann griffen wir zu, weil wir hoffen,<br />

dass wir die Kunden halten können, die<br />

wir uns bei einer Neugründung mühsam hätten<br />

erarbeiten müssen.“ Dass der MBO weitgehend<br />

reibungslos klappte, hatte auch damit<br />

zu tun, dass die drei den Kauf aus eigenen Mitteln<br />

finanzieren konnten. Zudem ließen sie<br />

sich von einem Experten der staatlichen Förderbank<br />

KfW unterstützen und beraten. Er<br />

erklärte, welche Schritte als nächstes notwendig<br />

sind und warnte vor Fußangeln.<br />

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Ohne Rat keine Tat<br />

Der Kauf und die Übergabe eines Unternehmens<br />

ist ein komplexer Prozess, mit dem beide<br />

Seiten meist keine Erfahrung haben. Kaufinteressenten<br />

sollten einen Steuerberater<br />

oder Wirtschaftsprüfer hinzuziehen, um deren<br />

Expertise für den Due-Diligence-Prozess<br />

parat zu haben (siehe nächster Punkt). Der<br />

Der perfekte Partner für Ihren Erfolg.<br />

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23


[finanzieren] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Investors die Eigenkapitalquote des Ziel<strong>unternehmen</strong>s<br />

und damit das Rating. Ansprechadressen<br />

bei Finanzinvestoren vermittelt<br />

die IHK ebenso wie viele Hausbanken.<br />

Auch so kann man zum Unternehmer werden: Als ihr Chef überraschend aufhörte, übernahmen sie die<br />

Agentur (von links): Julia Bug, Anita Thierer und Ana Touza Suarez.<br />

Steuerfachmann hilft auch bei der Frage, ob<br />

es für die neuen Eigentümer besser ist, selbstständig<br />

zu werden oder angestellt zu sein. „Genauso<br />

wichtig ist ein Rechtsanwalt, da ein bestehendes<br />

Unternehmen meist sehr viele<br />

Verträge im Einkaufs- und Vertriebsbereich<br />

hat. Hinzu kommen häufig Kooperationsvereinbarungen,<br />

die alle rechtlich vor dem Kauf<br />

geprüft werden müssen“, rät Windheuser.<br />

Commerzbank-Experte<br />

Klaus Windheuser.<br />

Drum prüfe, wer sich ewig bindet<br />

Bevor Käufer und Alteigentümer über den<br />

Preis sprechen können, steht eine Due-Diligence<br />

an: Bei diesem<br />

Prozess öffnet<br />

der Unternehmer<br />

– vereinfacht gesagt<br />

– seine Bücher<br />

für einen externen<br />

Steuerberater oder<br />

Wirtschaftsprüfer,<br />

der die Firma<br />

gründlich durchleuchtet.<br />

Ziel ist es,<br />

das Unternehmen<br />

zu bewerten und<br />

herauszufinden,<br />

ob es größere Risiken oder Altlasten gibt. Ist<br />

das der Fall, kann der Käufer das bei seinem<br />

Preisgebot berücksichtigen. Faustregel: Je größer<br />

das Projekt ist, desto größere Ressourcen<br />

sollten auf die Due-Diligence verwendet werden.<br />

Doch auch bei kleineren Übernahmen<br />

geht nichts ohne Prüfung: „Eine Basis-Due-<br />

Diligence ist immer notwendig, und es ist unser<br />

Anspruch als finanzierende Bank, diese zu<br />

bekommen“, sagt Windheuser.<br />

Wo soll’s hingehen?<br />

Außer der Due-Diligence verlangt die finanzierende<br />

Bank üblicherweise einen Business-<br />

Plan vom Kaufinteressenten. „Wichtig für den<br />

neuen Eigentümer ist, dass er eine Idee hat,<br />

wo er mit dem Unternehmen hin will“, sagt<br />

Peter Sachse, Geschäftsführer des Finanzinvestors<br />

VR Equitypartner.<br />

Es darf ein bisschen mehr sein<br />

Die Grundregel lautet: Wer einen Unternehmenskauf<br />

voll finanziert, wird von der Zinslast<br />

erwürgt. Das machen meist auch die<br />

Banken nicht mit. Der Finanzrahmen sollte<br />

nicht zu knapp kalkuliert werden. „Mit dem<br />

Kaufpreis allein ist es noch nicht getan“,<br />

sagt Ulmedia-Geschäftsführerin Bug, „Insgesamt<br />

mussten wir noch einmal etwas<br />

mehr als ein Drittel der Kaufsumme für<br />

Sonder- und Folgekosten, etwa die Notarkosten,<br />

einkalkulieren.“<br />

Auf zur Partnersuche<br />

Ein Alleingang bei einem Unternehmenskauf<br />

ist nicht nur schwer zu stemmen, auch<br />

das finanzielle Risiko steigt erheblich. Sinnvoll<br />

ist es, über die Beteiligung eines Partners<br />

nachzudenken – etwa eines Finanzinvestors.<br />

Der bringt nicht nur Geld, sondern<br />

auch unternehmerische Expertise und ein<br />

breites Netzwerk mit. „Der Einstieg eines<br />

Finanzinvestors signalisiert Vertrauen in<br />

die neuen Eigentümer und hilft, weitere Finanzmittel<br />

zu akquirieren – und zwar nicht<br />

nur auf der Eigenkapital-, sondern auch auf<br />

der Darlehensseite“, weiß Sachse. So erhöht<br />

sich dank der finanziellen Beteiligung des<br />

Nicht gleich im Galopp lossprinten<br />

Einer der Hauptfehler ist ein unrealistischer<br />

Zeithorizont. Interessenten sollten sich einen<br />

Projektplan machen, um Abhängigkeiten auf<br />

der Vertrags- und Finanzierungsseite erkennen<br />

und berücksichtigen zu können. Sonst<br />

kann es passieren, dass zum Beispiel eine bestimmte<br />

Unterlage noch nicht vorliegt, die<br />

aber für den nächsten Schritt nötig ist. Das<br />

kann das ganze Projekt gefährden. „Wenn<br />

wirklich alle Voraussetzungen und offenen<br />

Fragen geklärt sind, kann so eine Transaktion<br />

innerhalb von sechs Monaten ablaufen“, sagt<br />

Windheuser. „Im Regelfall liegt ein realistischer<br />

Zeithorizont bei ein bis zwei Jahren.“<br />

Die Chemie muss stimmen<br />

Ausführliche Gespräche helfen zu erkennen,<br />

ob das Zwischenmenschliche stimmt. Es<br />

kommt immer wieder vor, dass sich mehrere<br />

Manager für einen Kauf zusammenfinden,<br />

dann aber nach einigen Monaten oder Jahren<br />

feststellen, dass sie überhaupt nicht zusammenpassen.<br />

Das heißt dann oft, sich hochkompliziert<br />

und mühsam wieder auseinanderdividieren<br />

zu müssen. [!] ThOmAs LuThER<br />

solide,erfolgreich,<br />

alteingesessensucht…<br />

angehendeunternehmer, die statt zu<br />

gründen einen bestehenden Betrieb<br />

übernehmen wollen, stehen meist vor<br />

der Frage: Wo und wie lassen sich überhaupt<br />

Firmen finden, für die ein Nachfolger<br />

gesucht wird? Umgekehrt<br />

suchen Unternehmen, die keinen Nachfolger<br />

haben, nach einer Anlaufstelle,<br />

bei der sie mit potenziellen Käufern in<br />

Kontakt kommen können. Die Industrie-<br />

und Handelskammern haben daher<br />

zusammen mit weiteren Partnern die<br />

Unternehmensbörse www.nexxtchange.org<br />

ins Leben gerufen. Auf der<br />

Online-Plattform finden sich mehr als<br />

10.000 Inserate zur Unternehmensnachfolge<br />

– neben Angeboten auch Gesuche<br />

von Existenzgründern, die eine<br />

Nachfolge antreten möchten. Aber<br />

auch viele Sparkassen und genossenschaftliche<br />

Institute betreiben entsprechende<br />

Marktplätze.<br />

LuT<br />

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25


[machen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

VielversprechendesHaustürgeschäft<br />

Lange Schlangen am Postschalter. Packstation mit Fehlfunktion. Wer seine Nerven schonen will, hat eine andere<br />

Möglichkeit. Mit der Entwicklung zweier Brüder: Die Huckepack-Boxlässt sich leicht an die Tür hängen.<br />

Weihnachten 2012 standen Dominik<br />

Spaun und sein Bruder Marco im<br />

Grunde mit leeren Händen da. Die<br />

Geschenke, die sie im Internet bestellt hatten,<br />

waren nicht mehr rechtzeitig zugestellt worden.<br />

Noch am selben Abend setzten sich die 30<br />

und 23 Jahre alten Brüder aus Ettenbeuren bei<br />

Günzburg mit Stift und Papier unter den<br />

Christbaum und überlegten, wie man in Zukunft<br />

endlosen Schlangen in der Post und<br />

an Packstationen entgehen könnte. Metallboxen<br />

müsste man entwickeln. Überdimensionierte<br />

Briefkästen, die außen an der Hausoder<br />

Wohnungstür hängen. So klein wie<br />

möglich, so groß wie nötig, am besten ausziehbar.<br />

Zum Einhängen, damit nichts angebohrt<br />

werden muss. Wichtig in Mietshäusern.<br />

Zudem müsste die Box für jeden Paketboten<br />

– ob von DHL, GLS, Hermes, UPS, TNT oder<br />

DPD – zu öffnen sein. Aber bitteschön nicht<br />

für den Nachbarn.<br />

Weil Dominik Spaun Wirtschaftsingenieur<br />

ist und Marco Spaun Maschinenbautechniker,<br />

war klar, dass das Produkt auch auf den<br />

Markt kommen sollte. Es sollte eine Nische<br />

füllen und damit die Welt der Online-Shopper<br />

wieder ein Stück bequemer machen. Fast 2,7<br />

Milliarden Paket- und Expresssendungen<br />

wurden im vergangenen Jahr versandt. Das<br />

sind fast vier Prozent mehr als im Vorjahr –<br />

und knapp 60 Prozent mehr als im jahr J000.<br />

NureiNerHatdeNScHlüSSel<br />

Nicht lange nach jenem bescherungsarmen<br />

Weihnachtsfest stellte Marco Spaun einen<br />

Prototyp aus Aluminium her: 40 Zentimeter<br />

breit, 40 Zentimeter tief, 60 Zentimeter hoch.<br />

Der Eigentümer braucht zum Öffnen einen<br />

Schlüssel; er muss auch dafür sorgen, dass die<br />

Box für den Boten geöffnet ist. Der Bote dreht<br />

dann den Griff, klick, das Schloss rastet ein.<br />

Ruckzuck hat die Tür die Box huckepack genommen.<br />

Wer hat’s erfunden? Marco (links) und Dominik<br />

Spaun.<br />

26


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[machen]<br />

Obwohl beide Brüder nicht mehr daheim<br />

wohnen, wurde die elterliche Garage in<br />

Beschlag genommen. „Darin befindet sich<br />

jetzt unsere Montagelinie“, sagt der 23-jährige<br />

Marco und lacht. Aufgebaut wurde das<br />

Start-up hauptsächlich am Wochenende,<br />

wenn sein älterer Bruder frei hatte, der wochentags<br />

in München bei der Deutschen Bahn<br />

arbeitet.<br />

KeiNeZeitVergeudeN<br />

Mit der Zeit verwandelten die Brüder fast die<br />

komplette erste Etage des Elternhauses in ein<br />

Büro: Schreibtische, an den Wänden Konstruktionszeichnungen,<br />

Balkon mit Ausblick<br />

auf die ruhige Siedlung im Lärchenweg. Mittlerweile<br />

offizielle Adresse der Huckepack UG<br />

– wie die beiden ihr Unternehmen nannten.<br />

Ein Jahr dauerte der Entwicklungsprozess. Eine<br />

Hürde: Die Steuernummer ließ lange auf<br />

sich warten. Schnell dagegen war ein Metallbetrieb<br />

in Memmingen gefunden, der bereit<br />

war, die Boxen in kleiner Auflage herzustellen.<br />

Marco Spaun vollendete sie in der Garage.<br />

Die erste Serie – 50 Stück – ist mittlerweile<br />

verkauft. Derzeit wird die zweite produziert.<br />

100 Stück. Ein Patent wurde angemeldet, ein<br />

Logo entworfen, Dominik Spauns Frau Julia<br />

kümmerte sich um die Kommunikation: Flyer,<br />

Homepage, Pressetexte.<br />

Mit Aufhängung kostet Huckepack rund 220<br />

Euro. Dominik Spaun: „Ein Luxusprodukt für<br />

jeden, der nicht in der Schlange am Postschalter<br />

stehen und seine Zeit vergeuden will.“<br />

Noch. Günstiger lässt sich das Produkt aktuell<br />

nicht herstellen. „Aber wir arbeiten an einem<br />

Einsteigermodell, so groß wie ein Schuhkarton.“<br />

Für 99 Euro. Auch in Sachen Ästhetik<br />

WegvomSchalter,fertig,los…<br />

Wenn niemand zu Hause ist, legt der DHL-Zusteller die Sendung in den Paketkasten im Vorgarten.<br />

Die Hausbesitzer öffnen die Box mit einem Schlüsselchip.<br />

sehen die Jungunternehmer Optimierungsmöglichkeiten.<br />

Nicht jeder steht auf Aluminium.<br />

Die Idee: Der Kunde soll seine individuelle<br />

Box gestalten können. Er lädt ein Foto im<br />

Internet hoch oder „einen coolen Spruch“.<br />

Wenn die Firma gut läuft, soll aus dem Nebenein<br />

Vollzeitjob werden. Rückblickend würden<br />

sich die Spauns früher ums Marketing kümmern,<br />

früher Prototypen bauen und mehr<br />

auchdiedeutschePost bietet seit dem<br />

Frühjahr Paketkästen an, die Hausbesitzer<br />

im Vorgarten aufstellen können. Die<br />

kleinste kostet 99 Euro und fasst 78 Liter.<br />

Für 1,99 Euro im Monat kann die Box auch<br />

gemietet werden. Die Kästen sind im Prinzip<br />

eine Weiterentwicklung der Packstationen,<br />

an denen per Zugangscode ausschließlich<br />

DHL-Pakete rund um die Uhr<br />

abgeholt, aber auch versandt werden können.<br />

In Berlin testet der Bonner Konzern<br />

gerade den Paket-Butler, eine Lösung für<br />

Haus- und Wohnungstüren. Aber auch andere<br />

Firmen drängen ins Haustürgeschäft,<br />

unter anderem „LockTec“, „Max Knoblock“<br />

und „Onebox.me“. Viele sind noch<br />

in der Konzeptphase. Die Boxen können<br />

oft von mehreren Parteien eines Mehrfamilienhauses<br />

genutzt werden. Die Huckepack-Boxen<br />

sind seit Mai im Handel. Isa<br />

Wert auf individuelle Gestaltung legen.<br />

Schließlich gehört Deutsche Post zu ihren<br />

Konkurrenten. Diese bietet seit dem Frühjahr<br />

eigene Kästen an, lässt aber nur Pakete hinein,<br />

die über ihre Tochter DHL versandt werden.<br />

Angst, vom Riesen plattgemacht zu werden,<br />

haben die Brüder nicht: „Unsere Box nimmt<br />

alles.“ Vielleicht liegt bald auch das Sonntagsfrühstück<br />

drin. [!] Isabella Hafner<br />

DEKRA Akademie qualifiziert:<br />

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27


[spezial] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

EvolutionderMaschinen<br />

Ist denn gerade wieder Revolution? Kommt das Schlagwort Industrie4.0ins Spiel, spricht alle Welt davon. Ei gentlich<br />

handelt es sich um eine Evolution. Die Vernetzung von Maschine und Internet wird die Produktion umwälzen.<br />

Die vierte industrielle Revolution, kurz<br />

Industrie 4.0 genannt, bietet ein immenses<br />

Potenzial, die Prozesse im verarbeitenden<br />

Gewerbe durch dezentrale Intelligenz<br />

produktiver zu gestalten. Aber warum<br />

eigentlich ist das die vierte Revolution? Die<br />

erste tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung<br />

der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse<br />

ging Ende des 18. Jahrhunderts mit<br />

der Einführung mechanischer Produktionsanlagen<br />

und anschließend mit der Dampfmaschine<br />

einher. Die zweite steht in Verbindung<br />

mit elektrischer Energie und dem Beginn der<br />

arbeitsteiligen Massenproduktion. Computergestützte<br />

Automatisierung ab Mitte der<br />

1960er Jahre löste den nächsten großen Umbruch<br />

aus. Nun ist die vierte Revolution im<br />

Gange, die Vernetzung der Produktion durch<br />

die Informationstechnik. In der klugen Fabrik<br />

der Zukunft kommuniziert alles miteinander<br />

– Maschine, Komponenten, Menschen, vergleichbar<br />

einem sozialen Netzwerk.<br />

ZuMBEIspIEl„pulsE“<br />

Die Revolution hat unterschiedliche Namen.<br />

Innerhalb der in Dornstadt ansässigen Asys-<br />

Gruppe beispielsweise heißt sie „Pulse“. Dahinter<br />

steckt ein mobiles Assistenzsystem zur<br />

Steuerung und Überwachung von Fertigungslinien<br />

über Tablet-Computer. Waren essenzielle<br />

Informationen bislang nur stationär an<br />

der Anlage selbst zu bekommen, sind sie nun<br />

überall verfügbar. Schalter oder Signalleuchten<br />

an Einzelkomponenten von Produktionsstraßen<br />

sind daher überflüssig, dem kleinen<br />

Helfer sei’s gedankt. Zum „mobilen Assistenzsystem“<br />

aufgerüstet, vermittelt es dem Bediener,<br />

übersichtlich präsentiert, sämtliche wesentlichen<br />

Maschineninformationen einer<br />

Anlage: „Pulse“ visualisiert die gesamte Fertigungslinie.<br />

Der Bediener kann bei Stillstand<br />

In der Fabrik von morgen kommunizieren nicht<br />

nur Menschen mit Maschinen, sondern auch Bauteile<br />

und Fertigungslinien untereinander.<br />

28


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[spezial]<br />

schnell reagieren, aber auch seine nächsten<br />

Tätigkeiten vorausschauend planen, erklärt<br />

Klaus Mang, Geschäftsführer des Automatisierungsspezialisten.<br />

Nach Zeit und Priorität<br />

geordnet, zeigt ein „Task-Manager“ alle anstehenden<br />

Aufgaben und Warnungen an, inbegriffen<br />

eventueller Stillstände. Im speziellen<br />

Fall von Asys geht es beispielsweise um den<br />

Füllstand von Be- und Entladesystemen. Dem<br />

Bediener wird rechtzeitig signalisiert, zu welchem<br />

Zeitpunkt er für Nachschub sorgen<br />

muss.<br />

Schon heute lässt sich die Produktion mit mobilen Assistenzsystemen optimieren .<br />

DIEproDuktIonänDErtsIch<br />

Sind Maschinen bis heute üblicherweise auf<br />

einen einmal definierten Arbeitsschritt festlegt,<br />

so sind sie künftig in der Lage, sich immer<br />

wieder an sich verändernde Anforderungen<br />

anzupassen. Die Werkstoffe und Objekte<br />

tragen Barcodes oder kleine Funk-Chips, so<br />

genannte RFID, auf der Oberfläche, deren Informationen<br />

von Scannern oder Computern<br />

ausgelesen werden. Damit teilen sie der Maschine<br />

mit, was sie mit ihnen machen soll.<br />

Auf diese Weise entfällt das zeitaufwendige<br />

Umprogrammieren der Maschinen. Dadurch<br />

kann möglicherweise sogar die Produktion<br />

von Kleinstserien rentabel werden. Da in der<br />

Industrie 4.0 die Abläufe so transparent werden<br />

wie nie, behalten die Verantwortlichen<br />

jederzeit den Überblick und können flexibel<br />

reagieren. Gibt es irgendwo einen Engpass,<br />

kann die Produktion an anderer Stelle erhöht<br />

und der Ausfall kompensiert werden. Die Zauberformel<br />

der vierten Revolution lautet: Die<br />

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29


[spezial] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Produktion soll flexibler und effizienter werden,<br />

Zeit sparen und Rohstoffe. Asys aus Dornstadt<br />

beispielsweise verspricht durch den Einsatz<br />

seines Assistenzsystems eine höhere<br />

Effizienz der Produktionslinien. Asys-Chef<br />

Mang begründet das so: „Pulse“ unterstütze<br />

vorausschauendes Planen und reduziere unproduktive<br />

Nebenzeiten.<br />

supErhIrnchEcktAufträgE<br />

Die Perspektiven von „Industrie 4.0“ sind jedoch<br />

viel weiter gespannt. In der „vernetzten<br />

Fabrik“ der Zukunft werden intelligente Maschinen<br />

und Produkte, Lagersysteme und<br />

Betriebsmittel konsequent mittels Informationstechnologie<br />

verzahnt. Beim österreichischen<br />

Maschinenbauer Geislinger, Zulieferer<br />

optimismusimMaschinenbau<br />

von Großmotorenbauern mit Sitz in Salzburg,<br />

ist ein Leitstand zum Gehirn der Produktion<br />

geworden. Das Arbeitsprogramm wurde von<br />

einem Meister auf einen selbstoptimierenden<br />

Fertigungsleitstand übertragen. Dieser überschaut<br />

sowohl alle Aufträge als auch alle Störungen<br />

und kann stündlich die Neuplanung<br />

der Aufträge vornehmen. Dieses Superhirn<br />

teilt den Bearbeitungsmaschinen die Aufträge<br />

zu, denn es weiß: Sind Materialien und Werkzeuge<br />

vor Ort? Stehen die erforderlichen Mitarbeiter<br />

zur Verfügung? Ist das CNC-Programm<br />

fertig? Gibt es irgendwo Störungen?<br />

Bei Geislinger sind laut Werksleiter Josef<br />

Tinzl täglich bis zu 2500 Fertigungsaufträge<br />

im Umlauf, die per Leitsystem optimal den<br />

140 Arbeitsplätzen zugeordnet werden.<br />

Die Maschinenbauer im Südwesten erwarten für dieses Jahr ein Umsatzplus von 4,3 Prozent.<br />

DasJahr<strong>2014</strong> verlief für den baden-württembergischen<br />

Maschinenbau bislang<br />

besser als 2013. Der Branchenverband<br />

VDMA erwartet ein Wachstum von 4,3<br />

Prozent. Mit jetzt mehr als 300.000 Beschäftigten<br />

–so vielen wie seit Beginn der<br />

1990er Jahre nicht mehr (2010: 275.000)<br />

– bleibt der von mittelständischen Unternehmen<br />

geprägte Maschinen- und Anlagenbau<br />

der mit Abstand größte industrielle<br />

Arbeitgeber im Südwesten. „Vor allem<br />

der deutsche Markt erweist sich derzeit<br />

als Zugpferd“, sagt Christoph Hahn-<br />

Woernle, Vorsitzender des Verbands Deutscher<br />

Maschinen- und Anlagenbau VDMA.<br />

Zuletzt berichteten 53 Prozent der an der<br />

jüngsten Konjunkturumfrage beteiligten<br />

Unternehmen von einer sehr guten oder<br />

guten Auftragslage. Im entsprechenden<br />

Vorjahreszeitraum waren es nur 33 Prozent.<br />

18 Prozent der Unternehmen sprechen<br />

von einer schwachen oder schlechten<br />

Lage. 26 Prozent rechnen für die<br />

nächsten Monate mit einer weiteren Aufwärtsentwicklung,<br />

64 Prozent mit einer<br />

konstanten Auftragslage. Der Bedarf an<br />

qualifizierten Fachkräften dürfte daher<br />

weiterhin hoch bleiben.<br />

Als Zielmärkte, die sich positiv entwickeln,<br />

nennen 73 Prozent der Unternehmen<br />

Deutschland an erster Stelle, gefolgt von<br />

den USA und China. Als eher schwach<br />

werden Russland, Frankreich, Indien und<br />

Brasilien angesehen. 79 Prozent der Firmen<br />

rechnen auch im kommeden Jahr mit<br />

steigenden Umsätzen.<br />

tv<br />

Industrie 4.0 bedeutet also nicht, dass smarte<br />

Produktionssysteme alle Aufgaben übernehmen.<br />

Während durch das Zusammenwachsen<br />

von IT und Automatisierungstechnik einfache<br />

Tätigkeiten tendenziell noch stärker entfallen,<br />

steigen die Ansprüche auf der anderen<br />

Seite. Gefragt sind nun Kompetenzen bei der<br />

Koordinierung von Abläufen und der Steuerung<br />

von Kommunikation, was oft eigenverantwortliche<br />

Entscheidungen nötig macht.<br />

DAsAutosAgt,wAsfEhlt<br />

„Industrie 4.0“ ist ein Thema, das sowohl die<br />

produzierende Industrie mitsamt den Anlagen-<br />

und Maschinenbauern betrifft, als auch<br />

die IT-Branche. Während in vielen Branchen<br />

wie Banken und Versicherungen die einstmals<br />

analogen Prozesse<br />

bereits komplett<br />

digitalisiert<br />

sind, ist die Digitalisierungswelle<br />

in<br />

der Fertigungsindustrie<br />

gerade erst<br />

angekommen. IT-<br />

Anbieter stehen<br />

parat, haben sie<br />

doch in anderen<br />

Branchen schon IBM-Chefin<br />

ein hohes Prozess- Martina Koederitz.<br />

und Fertigungswissen<br />

gesammelt. Herausforderung für die<br />

Industrie ist es, rechtzeitig die nötigen Fachkräfte<br />

auszubilden oder zu rekrutieren. Martina<br />

Koederitz, die Vorsitzende der Geschäftsführung<br />

der IBM Deutschland GmbH<br />

(Ehningen) und Präsidiumsmitglied im Branchenverband<br />

Bitkom, regt an, dass etwa Wirtschaftsinformatiker<br />

zusätzliche Module aus<br />

den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik<br />

belegen. Ebenso können Abläufe genau<br />

auf die Möglichkeiten der Belegschaft<br />

abgestimmt werden. Das eröffnet Chancen<br />

beispielsweise auch für Ältere. Ihre Zwischenbilanz<br />

zum Thema „Industrie 4.0“ fällt so aus:<br />

„Den Unternehmen fließt ein riesiger Schatz<br />

an Daten zu, die ihnen helfen, Kunden besser<br />

zu verstehen, Prozesse zu optimieren oder<br />

neue Absatzmärkte zu entdecken.“<br />

Auch die Abläufe der Fahrzeugindustrie werden<br />

sich nachhaltig verändern. Zentrale Bauteile<br />

von Autos sind künftig so ausgestattet,<br />

dass sie permanent Daten über ihren Zustand<br />

sammeln und rechtzeitig ein Signal geben,<br />

wenn ein Austausch ansteht – noch bevor sie<br />

ausfallen würden. Das System teilt der Werk-<br />

30


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[spezial]<br />

statt mit, dass Ersatz nötig ist. Die Bestellung<br />

enthält bereits die genauen Typen-Angaben<br />

sowie die Information, wo und wann der Austausch<br />

stattfinden kann. Sollte das Bauteil erst<br />

produziert werden müssen, konfigurieren<br />

sich in der Fabrik des Herstellers die Maschinen<br />

selbst gemäß den Anforderungen.<br />

DErstAnDDErDIngE<br />

Die vierte Revolution hat zwar schon begonnen.<br />

Einzelne Komponenten gibt es bereits,<br />

aber die Vernetzung geht noch kaum über die<br />

Grenzen eines Werkes, Unternehmens und<br />

eines Landes hinaus. Die kommunizierende<br />

Fabrik der Zukunft ist potenziell global vernetzt.<br />

Sie erfordert darüber hinaus die Entwicklung<br />

intelligenterer Monitoring- und<br />

autonomer Entscheidungsprozesse. Beim Verband<br />

der Maschinenbauer erwartet man sich<br />

dadurch vollkommen neuartige Geschäftsmodelle<br />

und die Erschließung erheblicher<br />

Optimierungspotenziale in Produktion und<br />

Logistik. [!] thomas vogel Künftig tragen nicht nur große Maschinenbau-Komponenten, sondern auch kleine Werkstoffe Minichips.<br />

Foto: © Zbynek Jirousek / Fotolia.com<br />

31


[machen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Tischleindeckdich<br />

Ob Grillabend im überschaubaren Kreis oder Vier-Gänge-Menü für 3000 Gäste. BurgerZelte&Cateringhat sich zum<br />

Party-Spezialisten entwickelt. In diesem Jahr hat das Unternehmen selbst etwas zu feiern – den Fünfzigsten.<br />

Heiner Burger hatte einen guten Überblick<br />

von seinem Süßwarenstand aus,<br />

nicht nur aufs Publikum. So entging<br />

ihm nicht, wenn nebenan der Bär steppte. Um<br />

in höhere Umsatzregionen vorzustoßen,<br />

müsste man Festwirt sein, sinnierte der gelernte<br />

Kaufmann, der seit 1964 mit seinem<br />

Vater über die Jahr- und sonstigen Märkte tingelte.<br />

Vier Jahre später, im studentenbewegten<br />

Jahr 1968, verpasste er seinem beruflichen<br />

Leben den entscheidenden Kick. Erstmals trat<br />

Burger als Festwirt auf den Plan, damals noch<br />

mit einem Leihzelt, gleichwohl vom Start weg<br />

überaus erfolgreich. Das erste eigene schaffte<br />

er 1970 an, und von nun an ging’s – bergauf.<br />

MiTZuCkerwaTTegiNg‘slos<br />

Im 50. Jahr ihrer Gründung heißt die Firma<br />

„Burger Zelte & Catering“, dem stark erweiterten<br />

Leistungsspektrum Rechnung tragend.<br />

Schon seit 1997 steht sie unter der Leitung Peter<br />

Burgers, seines Sohnes, und dessen Ehefrau<br />

Angelika. Burgers<br />

Aktivitäten<br />

nicht wahrzunehmen,<br />

dürfte<br />

schwerfallen. Auf<br />

dem Ulmer Weihnachtsmarkt,<br />

den<br />

der Firmengrün-<br />

Orientierte sich 1968 neu:<br />

Heiner Burger.<br />

der mitbegründet<br />

hat, gehört der<br />

Burger-Imbiss quasi<br />

schon zum Inventar.<br />

Präsent ist<br />

Burger bei zahlreichen<br />

Vereins-, Stadt- und sonstigen Festivitäten,<br />

bei Events und Open-airs im nahen und<br />

weiteren 200-Kilometer-Umkreis mit „Fliegenden<br />

Bauten“ – der Zeltverleih steuert rund<br />

ein Drittel zu den Umsätzen bei und bildet so-<br />

Mit bis zu 250 Arbeitskräften bekocht und bewirtet<br />

Burger seine Kunden, wenn gewünscht, auch<br />

mit 30.000 Essen am Tag. Satt wird jeder.


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[machen]<br />

Ob klein oder groß, ob Ulmer Wilhelmsburg oder Idyll im Hinterland: Die Zeltlösungen sind flexibel.<br />

mit trotz starken Wettbewerbs weiter ein festes<br />

Standbein. Seit einigen Jahren rückt die<br />

Firma verstärkt auf der Catering-Schiene nach<br />

vorne. Nur die Festwirt-Zeit ist so gut wie vor<br />

vorbei. Während Vater Heiner (72) in den<br />

Hoch-Zeiten dieser bier- und damals auch<br />

noch rauchgeschwängerten Geselligkeitsorte<br />

bis zu fünf Zelte gleichzeitig bewirtschaftete,<br />

ist heute dieses Geschäftsfeld einzig auf das<br />

Kinder- und Heimatfest in Laupheim geschrumpft.<br />

Die Zeit der „Festwochen“ landauf,<br />

landab sei zu Ende gegangen mit der rapiden<br />

Zunahme der Dorf-, Stadt-, Vereins-, Straßenund<br />

sonstigen Feste in immenser Zahl. „Und<br />

wegen der Einführung der Sommerzeit.“ Wie<br />

das? „Ha“, antwortet Burger-Senior mit der Expertise<br />

des gebürtigen Ulmers, „in Schwaben<br />

arbeitet man, bis es dunkel wird …“<br />

DaseNDeDerFesTwoCheN<br />

Das könnte bereits das Finale sein. Tatsächlich<br />

aber ist es der Ausgangspunkt für eine<br />

erstaunliche Expansion, verbunden mit einer<br />

konsequenten Diversifizierung der Angebote.<br />

„Unser Vorteil“, sagt Peter Burger: „Läuft’s in<br />

einem Bereich mal nicht so gut, können wir<br />

das an andere Stelle meist ausgleichen.“<br />

Die klassischen Imbissstände werden daher<br />

ebenfalls noch auf die Reise geschickt auf<br />

Märkte, Feste oder wo auch immer „schnelles<br />

Essen“ gefragt sei. Außerdem spielt heute die<br />

Komplettbetreuung von Firmen- wie kulturellen<br />

Veranstaltungen eine immer wichtigere<br />

Rolle: Das Burger-Team übernimmt dabei<br />

auf Wunsch alles, was zu einer Groß-Feier dazugehört,<br />

angefangen von der Organisation<br />

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33


[machen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

und Planung über die Bereitstellung von Zelt<br />

samt Ausstattung bis hin zu Bewirtschaftung,<br />

Kinderbetreuung und Kulturprogramm.<br />

Zwar gebe es gerade im Catering viele Anbieter.<br />

Doch in der Größenordnung „von 300 Essen<br />

aufwärts“, in der sich Burger vornehmlich<br />

bewegt, schon nicht mehr sehr viele. Ordern<br />

die Kunden dann noch 3000 punktgenau zu<br />

servierende Vier-Gänge-Menus oder 30.000<br />

Essen über den Tag verteilt, wird der Kreis der<br />

Mitbewerber nach seinen Worten schon sehr<br />

übersichtlich – damit ist man auch schon bei<br />

den Alleinstellungsmerkmalen der Burgers<br />

angelangt.<br />

gehTNiChT,giBT‘sNiChT<br />

Solche Großaufträge wickelt selbst die im 400<br />

Einwohner zählenden Weinried (Landkreis<br />

Unterallgäu) ansässige Firma trotz Routine,<br />

besten Kontakten zu Lieferanten und der<br />

schier unerschöpflichen<br />

Lagerbestände<br />

an Equipment<br />

nicht mit<br />

einem Fingerschnippen<br />

ab. Flattert<br />

der Auftrag<br />

dann auch noch<br />

kurz vor knapp herein,<br />

und das womöglich<br />

in der heißen<br />

Festles-Zeit<br />

Setzt auf mehrere Standbeine:<br />

Peter Burger von Juni bis Juli,<br />

dann dürfte im beschaulich<br />

am Ortsrand gelegenen Firmensitz<br />

auch mal Hektik ausbrechen. Das umschreibt<br />

Burger in schwäbischer Unaufgeregtheit mit<br />

„Nachdenken“. „Kunden zu eröffnen, tut uns<br />

leid, das geht jetzt nicht“, sei selbst in einer<br />

solchen Situation für ihn ausgeschlossen, sagt<br />

der Inhaber. Ebenso tabu ist übrigens, dass<br />

während einer Veranstaltung das Essen ausgeht.<br />

Selbst wenn, um ein Beispiel zu nennen,<br />

800 Gäste angemeldet sind, aber wider Erwarten<br />

die doppelte Zahl erscheine, müsse eine<br />

Lösung gefunden werden, beschreibt der Firmenchef<br />

die Anforderung an sich und sein<br />

Team.<br />

Versuchsballon„Feuerwurst“<br />

Burgers Feuerwurst mit Chili-Note: Ist sie zu scharf, bist du zu schwach.<br />

PeterBurger leistet sich mit der „Feuerwurst“<br />

ein Experimentierfeld, das auch<br />

ihm immer wieder veritable Überraschungen<br />

abnötigt. Die Idee entstand mit<br />

den Würsten mit der Chili-Note, die ihm<br />

ein fränkischer Metzger auf die Roste lieferte.<br />

Den Namen ließ sich Burger später<br />

markenrechtlich schützen. Seitdem ist<br />

ihm die scharfe Rote, mit großem Einsatz<br />

im regionalen Funk und Fernsehen beworben,<br />

wichtig und wertvoll. Und sie ist<br />

zur Eigenmarke an seinen Imbiss-Ständen<br />

geworden. Zusammen mit dem jetzigen<br />

Lieferanten, dem Söflinger Metzger<br />

Raimund Hörmann, plant Burger nun als<br />

wasChMasChiNeFürZelTe<br />

Rasch auf alle Eventualitäten reagieren zu<br />

können, ist der Grund dafür, dass Burger die<br />

nötige Ausrüstung komplett selbst vorhält,<br />

darunter eine kleine Flotte an Lkw bis hin zur<br />

Kuchengabel, von Koch- und Kühlgerätschaften<br />

bis hin zu den Zelten verschiedener Größe.<br />

Deren Obergrenze, peilt Burger über den<br />

Daumen, liege bei einer Kapazität von 10.000<br />

Plätzen, die Modulbauweise macht’s möglich.<br />

In einer der Lagerhallen findet sich sogar eine<br />

hauseigene „Waschmaschine“ zur Säuberung<br />

der Zeltplanen. Ein propperes Erscheinungsbild<br />

werde von den Kunden, darunter Konzerne,<br />

Kommunen und Firmen, schlicht vorausgesetzt.<br />

Nach spätestens zehn Jahren seien die<br />

Planen reif für den Austausch.<br />

Ein voll ausgestattetes Zelt entspreche Investitionen<br />

von etwa einer halben Million Euro,<br />

verrät Burger. Den Jahresumsatz behält der<br />

Unternehmer lieber für sich. Da sich das<br />

Hauptgeschäft auf die wärmeren Monate im<br />

nächsten Schritt den Markteintritt in den<br />

Lebensmitteleinzelhandel. Damit, räumt<br />

Burger ein, habe sich für ihn eine völlig<br />

neue Welt aufgetan – in welcher umfängliche<br />

rechtliche Vorschriften, Verpackungsmodalitäten<br />

und Fooddesigner<br />

vorerst eine weitaus größere Rolle als<br />

das Produkt selbst spielen. Geplant sei,<br />

zunächst in einigen inhabergeführten regionalen<br />

Märkten zu starten. Um in die<br />

Reiche der großen Konzerne zu gelangen,<br />

seien dann nochmals größere Hürden zu<br />

überwinden: „Ganz andere Liga.“ Eine<br />

Wurst als Hobby? Weit gefehlt. Burger<br />

hofft auf ein zusätzliches Standbein. TV<br />

Jahr konzentriert, ist der Personalstand stark<br />

schwankend. Im Winter seien 20 Stamm-Mitarbeiter<br />

an Bord, im Sommer 40. Dazu kämen<br />

dann phasenweise mehr als 200 temporäre<br />

Kräfte, vom Koch bis zur Bedienung, teils wiederum<br />

schon lange mit dabei, teils über spezialisierte<br />

Agenturen vermittelt. „Es wird immer<br />

schwieriger, Leute zu finden“, stimmt<br />

Peter Burger schließlich doch noch ein Klagelied<br />

an. An den Löhnen, die schon jetzt<br />

deutlich über dem Mindestlohn liegen, kann<br />

das seiner Meinung nach nicht liegen. Schon<br />

eher daran, dass die Leute mittlerweile lieber<br />

selbst auf Feste gehen, also dort kräftig zuzupacken.<br />

[!] <br />

ThomasVogel<br />

34


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35


[führen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

DieteurenFehlerderVorgesetzten<br />

Unternehmen unterschätzen oft das Thema Fluktuation. In unserer Serie GuteLeutefindenundhaltenerläutern<br />

zwei Experten, warum schlechte Führungskräfte zum Kostenfaktor werden und welche Lösungsansätze es gibt.<br />

Viele Manager kommen ihre Unternehmen<br />

teuer zu stehen. Sie sind schlechte<br />

Führungskräfte, gehen nicht auf die<br />

zentralen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer<br />

Mitarbeiter ein. „Die Qualität der Führung<br />

und die Unternehmenskultur haben direkte<br />

Auswirkungen auf die Verweildauer von Beschäftigten<br />

in Unternehmen“, sagt Marco<br />

Nink, Seniorberater im Beratungs<strong>unternehmen</strong><br />

Gallup. Nach der Engagement-Studie des<br />

Marktforschungsinstituts sind nur 16 Prozent<br />

der Arbeitnehmer in Deutschland bereit, sich<br />

für ihre Firma freiwillig einzusetzen. Mehr als<br />

zwei Drittel leisten Dienst nach Vorschrift,<br />

17 Prozent haben innerlich gekündigt.<br />

Mitunter höre er die Meinung, Unternehmen<br />

müssten doch froh sein, wenn Mitarbeiter, die<br />

innerlich gekündigt haben, freiwillig gehen.<br />

Doch das hält er angesichts des Fachkräftemangels<br />

für eine gefährliche Fehleinschätzung.<br />

„Da sind viele Beschäftigte darunter, die<br />

das Unternehmen gar nicht loswerden will.“<br />

Viele Firmen vergessen, dass sie damit Erfahrung,<br />

Fachwissen und Netzwerke verlieren.<br />

„Wenn der Mitarbeiter zum Wettbewerber<br />

geht oder sich selbstständig macht, verstärkt<br />

sich die Konkurrenzsituation“, sagt Nink.<br />

Auch könne eine Sogwirkung entstehen nach<br />

dem Motto: Einer geht und andere gehen mit<br />

– nicht nur Kollegen, sondern auch Kunden.<br />

Der gemeine Mitarbeiter reagiert auf Tritte des Chefs mit Flucht. Das aber kommt die Firma teuer.<br />

Besser,aBernichtperFekt<br />

Weitere Nachteile: Neue Mitarbeiter zu finden,<br />

kostet Zeit, Geld und Ressourcen. Nach<br />

Angaben der Bundesagentur für Arbeit dauert<br />

es im Schnitt 81 Tage, bis Unternehmen Stellen<br />

mit Fachkräften besetzen können. „Bis jemand<br />

Neues am Arbeitsplatz angekommen,<br />

eingearbeitet ist und die Spielregeln im Unternehmen<br />

kennt, vergehen 12 bis 18 Monate“,<br />

sagt Nink. Den größten Einfluss auf Mitarbeiter<br />

haben Vorgesetzte. Einer Studie zufolge<br />

können 75 Prozent aller Kündigungsgründe<br />

von der direkten Führungskraft beeinflusst<br />

werden. „Es läuft heutzutage am Arbeitsplatz<br />

36


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[führen]<br />

Managementtrainer<br />

Rainer Gerke.<br />

zwar vieles besser,<br />

aber längst noch<br />

nicht alles perfekt.<br />

Mitarbeiter werden<br />

zwar weniger<br />

demotiviert, aber<br />

durch Führungsverhalten<br />

noch<br />

lange nicht zu<br />

Höchstleistung<br />

angespornt“, sagt<br />

Nink.<br />

Viele Arbeitnehmer<br />

steigen hochmotiviert ein, werden zunehmend<br />

desillusioniert und verabschieden<br />

sich irgendwann ganz. Mangelnde Führungsqualitäten<br />

werden so zum Kostenfaktor. Ein<br />

Grund hierfür ist: „Gute Fachkräfte sind nicht<br />

unbedingt gute Führungskräfte“, erklärt<br />

Nink. So sieht es auch der Ulmer Managementtrainer<br />

Rainer Gerke. In vielen Firmen<br />

würden Führungskräfte nach ungeeigneten<br />

Kriterien herausgesucht, etwa weil sie schon<br />

lange im Unternehmen sind. „Mitunter haben<br />

Unternehmenslenker regelrecht Angst, von<br />

außen einzustellen und bevorzugen interne<br />

Lösungen“, sagt Gerke, der lange Personaldirektor<br />

im Stuttgarter Mahle-Konzern war.<br />

„Neue Gedanken regen zur kritischen Betrachtung<br />

der Prozessabläufe an.“ Wichtig sei<br />

auch ein Personalentwicklungsprogramm,<br />

das auf das Unternehmen und seine Größe zugeschnitten<br />

ist. Damit kann eine Firma bei<br />

Bewerbern und den eigenen Mitarbeitern<br />

punkten. Die Grundlagen, um an die richtigen<br />

Mitarbeiter zu kommen und sie zu halten,<br />

sind sinnvolle Arbeit, innovatives Klima, fairer<br />

Dialog, variable Arbeitszeitorganisation<br />

und flexible Arbeitsorganisation.<br />

Ein Riesenthema ist laut Nink auch die in vielen<br />

Unternehmen mangelnde Feedback-Kultur.<br />

Die Devise laute häufig: Nicht geschimpft<br />

ist gelobt genug. Zudem machten sich die<br />

Führungskräfte nicht die Bedürfnisse und Erwartungen<br />

ihrer Mitarbeiter bewusst. Doch<br />

das sei nötig, um gut zu führen. Laut Gerke<br />

solangedauertdie<br />

stellenbesetzung<br />

Firmenkönnenderzeit freie Stellen<br />

schneller besetzen als 2013, doch die<br />

Suche dauert lange. Die durchschnittliche<br />

Vakanzzeit in Tagen (in Klammern<br />

der Vorjahreswert) laut Bundesagentur<br />

für Arbeit: Gesundheits und Pflegeberufe<br />

167 (175). Maschinen und Fahrzeugtechnik<br />

(akad. technische Berufe)<br />

120 (135), IT- und Softwareentwicklung<br />

117 (121), Fachkräfte Automatisierungs-/Elektrotechnik<br />

124 (127), Fachkraft<br />

Energietechnik 115 (116). AMB<br />

tun sich viele Personalchefs schwer, bei Firmenchefs<br />

mit diesen Themen durchzudringen.<br />

Vielleicht hilft da eine Zahl des Gallup-<br />

Instituts: 19 Prozent der Führungskräfte<br />

hatten in den vergangenen Monaten Kontakt<br />

mit einem Headhunter – und 12 Prozent der<br />

Beschäftigten. [!] ALEXANDER BÖGELEIN<br />

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37


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Ich werde besser!<br />

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muss man sein, um nach oben zu<br />

klettern. Für viele bedeutet beruflicher Erfolg<br />

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– Wettbewerbsfähigkeit ist wichtiger denn<br />

je, auch im persönlichen Bereich.<br />

Doch wie wird man beruflich und persönlich<br />

erfolgreich? Wie wird man besser? Was macht<br />

besser eigentlich aus? Wie wird man wettbewerbsfähig?<br />

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38


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1<br />

2 3<br />

4<br />

29.01.2015 | René Borbonus<br />

Respekt!<br />

Ansehen gewinnen bei Freund und<br />

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26.02.2015 | Monika Matschnig 26.03.2015 | Gereon Jörn<br />

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23.04.2015 | Sabine Asgodom<br />

Die zwölf Schlüssel<br />

zur Gelassenheit<br />

Energie und Lebensfreude steigern<br />

„ Um Spuren zu hinterlassen braucht man<br />

ein Profil!“<br />

„ Es gibt 6000 verschiedene Sprachen.<br />

Aber nur eine Sprache die alle Menschen<br />

verbindet: die KÖRPERSPRACHE.“<br />

„ Menschen lieben Menschen, welche so sind<br />

wie Sie selbst, oder so, wie sie selbst gern<br />

sein möchten.“<br />

„ Gelassenheit brauchen alle – Frau, Mann,<br />

jung, alt, angestellt, selbstständig oder<br />

im Unruhestand!“<br />

5 6 7<br />

8<br />

© CommonLense.de<br />

24.09.2015 | Christian Bischoff 22.10.2015 | Peter Brandl 19.11.2015 | Johannes Warth<br />

17.12.2015 | Prof. Dr. Gunter Dueck<br />

Selbstvertrauen<br />

Die Kunst, Dein Ding zu machen<br />

Hurricane Management<br />

Führen in stürmischen Zeiten<br />

Achtsamkeit –<br />

oder was ERFOLGt daraus?<br />

Das Neue und seine Feinde<br />

Innovationen voranbringen<br />

„ Jeder Meister seines Fachs hat eines Tages<br />

als totale Katastrophe angefangen.“<br />

„ Menschen versagen nicht, sie funktionieren<br />

– man sollte nur wissen wie!“<br />

„ Nur wer selbst brennt kann andere<br />

entzünden!“<br />

(Irgendein Brenner)<br />

„ Innovation heute ist wie Wollen, Wandel<br />

morgen ist wie Müssen“


[machen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Lisa,ThomasundderKesselNr.2<br />

Chips sind nicht gleich Chips. Ganz besondere kommen aus zwei großen Kesseln im oberschwäbischen Amtzell – von<br />

der AromaSnacksGmbH&Co. Und das auch noch ganz in Bio.<br />

Umgeben von Feldern, auf denen Rollrasen<br />

produziert wird, steht das Gebäude<br />

der Aroma Snacks GmbH & Co. KG.<br />

Geschäftsführender Gesellschafter ist Jochen<br />

Krumm. Der 44-Jährige hat eine Produktion<br />

für Kesselchips in Bio-Qualität aufgebaut. Dabei<br />

hat er zur rechten Zeit eine Marktlücke<br />

entdeckt. Inzwischen produziert Krumm mit<br />

20 Mitarbeitern einerseits sein eigenes Produkt,<br />

das er nach seiner Frau „Lisa‘s Kartoffelchips“<br />

nannte. Diese stellt er ausschließlich in<br />

Bioqualität her. Andererseits produziert er für<br />

die Eigenmarken großer Handelsketten – sowohl<br />

konventionell als auch in Bioqualität.<br />

Gerade während der Fußball-Weltmeisterschaft<br />

hatte der Mittelständler viel zu tun,<br />

weil der Handel bei solchen Großereignissen<br />

mehr Verkaufsflächen für Knabberartikel zur<br />

Verfügung stellt.Das freut Krumm natürlich,<br />

dessen Familien<strong>unternehmen</strong> im vergangenen<br />

Jahr deutlich mehr als 2 Millionen Euro<br />

Umsatz erzielen konnte.<br />

Krumm, der aus Ravensburg stammt, hat eine<br />

ungewöhnliche Biografie. Nach seiner Schulzeit<br />

macht er zunächst eine Banklehre. „Dort<br />

habe ich mich nicht wohlgefühlt.“ Also zieht<br />

es den jungen Mann nicht lange nach dem Abschluss<br />

nach Südafrika. Dort absolviert er eine<br />

weitere Ausbildung -– als Koch und als<br />

Konditor. In Kapstadt betreibt er zehn Jahre<br />

lang ein deutsches Restaurant und Café mit<br />

allem, was dazugehört wie Schwarzwälder<br />

Kirschtorte oder Brezeln, berichtet der zweifache<br />

Familienvater.<br />

Der Kinder wegen zog es Krumm und seine<br />

Frau Anfang des neuen Jahrtausends wieder<br />

zurück in die oberschwäbische Heimat. Er<br />

heuert bei einem Würzmittel- und Aromenhersteller<br />

an, ist unter anderem für den englischen<br />

Markt zuständig. Bei seinen Besuchen<br />

in Großbritannien entdeckt er zum ersten Mal<br />

Kesselchips. Anders als normale Chips sind<br />

sie nicht aus einer Breimasse hergestellt und<br />

dann gepresst. Hier werden die Kartoffeln in<br />

etwas dickere Scheiben geschnitten und dann<br />

in Sonnenblumenöl frittiert. So arbeitet<br />

Krumm. „Im Sommer sind die Chips etwas<br />

heller, weil die Kartoffeln frisch vom Feld<br />

kommen“, erläutert der Unternehmer.<br />

SoKLAppT‘SAuCHimHANdeL<br />

Bis die Produktion in Amtzell anläuft, vergeht<br />

aber noch eine ganze Weile. Doch das Thema<br />

Kesselchips hat ihn gepackt. Er lässt eine Verpackung<br />

entwerfen und versucht sein Glück.<br />

Er will ausprobieren, ob es in Deutschland einen<br />

Markt für Kesselchips aus England gibt.<br />

Von 2005 an vertreibt er zunächst die kleinen<br />

in England abgefüllten Beutel an Hotels und<br />

Gaststätten. „Wenn man in der Gastronomie<br />

Fuß fasst, ist das ein guter Indikator dafür, dass<br />

Waschen, schneiden, frittieren. Auch im Schneiden<br />

liegt der Unterschied zu normalen Chips: Die<br />

werden aus einer Art Brei gepresst.<br />

40


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[machen]<br />

es auch im Handel klappen könnte.“ Einige<br />

Jahre beobachtet er, wie sich das Geschäft entwickelt.<br />

2011 schließlich macht er sich selbstständig<br />

und zieht eine eigene Produktion auf.<br />

Er holt die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft<br />

Baden-Württemberg (MBG) mit ins<br />

Boot. Sie hält eine stille Beteiligung an dem<br />

Unternehmen. Dies gilt als Eigenkapital.<br />

GeHeimNiSSeAuSAmeriKA<br />

Knapp 4 Millionen Euro investiert der Schwabe<br />

in Gebäude, Förderbänder und Maschinen.<br />

Mit der Finanzierung habe er keine Probleme<br />

gehabt. Ein Grund für die positiven Gespräche<br />

sei sicherlich auch die schon vorhandene<br />

positive Historie gewesen. Während des Baus<br />

der Produktionsstätte im Jahr 2011 geht<br />

Krumm mit seinem Betriebsleiter bei Maschinenherstellern<br />

in Amerika in die Lehre, um<br />

sich in die Geheimnisse des Kesselchipskochens<br />

einweihen zu lassen. Die zwei riesigen<br />

Kessel in der Fabrik sind das Herzstück der<br />

Produktion. Um die Qualität sicherzustellen,<br />

wird nur in Chargen<br />

von 50 Kilo<br />

produziert. Nach<br />

dem Waschen werden<br />

die Kartoffeln<br />

angeraut und dann<br />

maschinell in<br />

Scheiben geschnitten.<br />

Über ein Förderband<br />

gelangen<br />

sie in einen der beiden<br />

Stahlbehälter, Chips-Fan Jochen Krumm.<br />

Geschäftsführer und<br />

der 3000 Liter Sonnenblumenöl<br />

fasst. Mit einem großen Paddel<br />

bewegt ein Mitarbeiter die Chips hin und her.<br />

Sieben Minuten, dann sind sie goldbraun. Der<br />

Namen des zuständigen Mitarbeiters ist auf<br />

der Chipspackung aufgedruckt. „Gekocht von<br />

Thomas in Kessel Nummer 2.“ Das schaffe<br />

Vertrauen beim Verbraucher.<br />

Bei Krumm kommt vor allem Bioland-Qualität<br />

in die Tüte. Die Kartoffeln stammen von<br />

Bauern aus der Region. Vor dem Würzen werden<br />

die Chips von Hand verlesen, verkochen<br />

Scheiben aussortiert. „Die Mitarbeiter haben<br />

ein besseres Auge als jede Maschine“, ist<br />

Krumm überzeugt. Bei den Gewürzmischungen<br />

seien Geschmacksverstärker sowie Farboder<br />

Konservierungsstoffe tabu.<br />

uNTerderWASSerLiNie<br />

Der Unternehmer bietet seine Marke in vier<br />

Geschmacksrichtungen an. In Deutschland<br />

sei auf dem Markt der Paprika-Geschmack<br />

vorherrschend, in Italien besonders die Meersalz-Variante.<br />

Der mediterrane Geschmack sei<br />

im Kommen. Der Exportanteil des Unternehmens<br />

beträgt 30 Prozent. „Wir haben keine<br />

Angst vor dem Export“, sagt der Unternehmer,<br />

der auch schon Abnehmer in Südostasien<br />

beliefert. Wichtig: Der Container mit den<br />

Chips müsse unterhalb der Wasserlinie in<br />

dem Schiff verstaut sein – Sonne würde ihnen<br />

schaden. In Deutschland gibt es Lisa‘s<br />

Chips in Bioläden und zunehmend im Einzelhandel.[!]<br />

Oliver Schmale<br />

Visionen Gestalt geben<br />

Anzeige<br />

Um Design kommt niemand herum. Es ist längst ein Erfolgsfaktor geworden.<br />

Gestaltung und damit Kundenakzeptanz entscheidet über die Zukunft. Schon<br />

unterschwellige Kleinigkeiten geben bei der Einprägsamkeit den Ausschlag.<br />

Erfahrung und Kontinuität spielen im Bereich<br />

der Außendarstellung eine maßgebliche Rolle.<br />

eisele.kuberg.design entwickelt seit rund 25<br />

Jahren stimmige Konzepte, sucht ein ausgewogenes<br />

Verhältnis zwischen Funktion und Emotion,<br />

setzt Ideen pragmatisch um, optimiert<br />

den Materialeinsatz und verbindet technische<br />

Anforderungen mit überzeugender Usability.<br />

„Gestaltung ist unsere Passion“, sagen Frank<br />

Eisele und Heike Kuberg. Ihr sechsköpfiges<br />

kreatives Kernteam wird nach Bedarf projektorientiert<br />

erweitert. Zuverlässige Schnelligkeit<br />

gehört neben absoluter Präzision und ständig<br />

aktuellem Know-how zu den Kompetenzen.<br />

eisele.kuberg.design analysiert Markt, Wettbewerb<br />

und Zielgruppen, erkennt Trends, formuliert<br />

Visionen und entwickelt in direkter<br />

Abstimmung mit den Entscheidungsträgern<br />

Designstrategien für die Zukunft. Dabei reicht<br />

der Kundenkreis vom Weltkonzern bis zum<br />

Klein<strong>unternehmen</strong>. Ob Industrie-, Kommunikations-<br />

oder Corporate-Design – eisele.kuberg.design<br />

simuliert und visualisiert Produktkonzepte<br />

fotorealistisch und setzt diese in<br />

reale Produkte um, die auf Dauer von vielen<br />

Tausend Menschen benutzt werden. „Virtuelle<br />

Modelle machen sichere Entscheidungen kostengünstig.<br />

Ideen und Produktkonzepte werden<br />

visuell erleb- und einschätzbar“, erklären<br />

die beiden diplomierten Designer.<br />

Oderstraße 1 · 89231 Neu-Ulm<br />

www.eiselekubergdesign.de<br />

41


Ein Radar mit einer Reichweite von 250 Metern, Nahbereichsensor bis 70 Meter und diverse Kameras zur Identifikation von Fußgängern und Hindernissen<br />

sowie viel Technik machen aus diesem Actros-Modell von Mercedes den Lkw der Zukunft.<br />

Fahren muss der Fahrer nicht<br />

Windschnittige Brummis mit Spoilern brausen selbstgesteuert über die Autobahnen und warnen sich gegenseitig vor<br />

Staus. Ein futuristisches Szenario? Mitnichten. Denn der autonome Lkw wird kommen. Und zwar in naher Zukunft.<br />

Von außen betrachtet sieht alles ganz<br />

normal aus. Der Lastwagen schnurrt<br />

mit einer Geschwindigkeit von 80<br />

Stundenkilometern über die Autobahn, fährt<br />

nicht zu nahe auf den Vordermann auf, lässt<br />

sich nicht zu weit zurückfallen. Bei einem<br />

Blick ins Cockpit erkennt man, dass sich das<br />

Steuerrad wie von Geisterhand bewegt, während<br />

sich der Fahrer genüsslich zurücklehnt<br />

und seine Unterlagen studiert.<br />

Bei so einer Szene läuft es wohl vielen kalt den<br />

Rücken hinunter. Nicht so Dr. Micha Alexander<br />

Lege. Der Geschäftsführer der Spedition<br />

Wiedmann & Winz GmbH in Geislingen ist<br />

vom Mercedes Benz Future Truck 2025 begeistert.<br />

Denn der autonom fahrende Lkw, den der<br />

Stuttgarter Konzern diesen Sommer auf einem<br />

Teilstück der A14 bei Magdeburg präsentiert<br />

hat, ist für ihn die Zukunft: „Mit diesem<br />

Lkw kann man<br />

den Fahrerarbeitsplatz<br />

effizienter<br />

gestalten, da der<br />

Chauffeur bereits<br />

während der Fahrt<br />

mit der nächsten<br />

Abladestation<br />

kommunizieren<br />

oder sich einen<br />

Parkplatz an der Spediteur Dr. Micha<br />

Raststelle reservieren<br />

kann.“<br />

Alexander Lege<br />

Möglich wird dies durch moderne Telematik<br />

sowie die intelligente Vernetzung aller bereits<br />

existierender Sicherheitssysteme, die zum<br />

Beispiel automatisch und permanent einen<br />

gebührenden Abstand zum Vordermann oder<br />

auch zum Fahrbahnrand kontrollieren und<br />

einhalten – durch Kameras, Radarsensoren<br />

und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen<br />

den Fahrzeugen. Die Brummis der Zukunft<br />

sprechen miteinander, und nicht mehr<br />

die Fahrer. Für den Geschäftsführer ist der<br />

Zukunfts-Truck, wenn er denn bis 2025<br />

kommt, fast schon revolutionär. Er ist für ihn<br />

nicht nur aus Effizienzgründen ein Muss, sondern<br />

auch aus wirtschaftlichen Gründen.<br />

„Wenn alle mitmachen, kann man mit autonom<br />

fahrenden Lkws sogar die unliebsamen<br />

Elefantenrennen verhindern. Aber vor allem<br />

kann man mit ihnen wieder neue Fahrer gewinnen.“<br />

Denn die Suche nach geeignetem<br />

Führerhaus-Personal gestaltet sich seit Jahren<br />

schwierig: „Unregelmäßige Arbeitszeiten und<br />

das schlechte Image des Berufsbilds Trucker<br />

tragen dazu bei. Deshalb ist eine attraktive<br />

Ausstattung des rollenden Arbeitsplatzes<br />

42


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[bewegen]<br />

Der Autopilot manövriert den Lkw, das gibt dem Fahrer Zeit für die Feinabstimmung seiner Tour.<br />

wichtig. Komfort und Ergonomie werden sich<br />

weiter steigern und auch steigern müssen.“<br />

So sieht das auch Andrea Marongiu: „Die Kabine<br />

eines Lkw wird bald schon so gemütlich<br />

wie ein Wohnzimmer sein.“ Auch der Geschäftsführer<br />

des Verbandes Spedition und<br />

Logistik Baden-Württemberg e.V. (VSL) weiß,<br />

dass die Entwicklung der Lastwagen in den<br />

kommenden Jahren noch viele weitere Stufen<br />

durchlaufen wird: „Die Sicherheit für die Fahrer<br />

und die anderen Verkehrsteilnehmer wird<br />

sich noch weiter erhöhen. Integrierte Systeme<br />

zur Abstandsregelmessung werden bald alle<br />

Fahrzeuge in sich haben.“<br />

Lege schätzt besonders die Fortschritte in der<br />

Telematik. Speziell die Fahrzeug-Managementsysteme,<br />

mit denen Flottenbesitzer die<br />

Logistik der Transporte steuern können, haben<br />

sich für den international agierenden Spediteur<br />

bis heute sehr gut entwickelt: „In Zukunft<br />

werden diese Systeme noch feinere<br />

Auswertungen der Lkws auf der Straße übermitteln,<br />

so dass wir die Fahrer noch besser von<br />

der Zentrale aus coachen können.“<br />

Man könnte fast sagen: Nichts ist unmöglich.<br />

So ist auch die 360 Grad-Kamera, mit der der<br />

Fahrer vom Cockpit aus alle Seiten des Fahrzeuges<br />

überwachen kann, längst keine Utopie<br />

mehr. Lege: „Das ist eine sehr wichtige Hilfe<br />

für unsere Fahrer, denn eine Vielzahl an Unfällen,<br />

die viel Geld verschlingen, passieren<br />

beim Rangieren und eben nicht auf den Autobahnen.“<br />

nichts ist unmÖgLich<br />

Um den Lkw fit für die Zukunft zu machen,<br />

müssen Ingenieure, Spediteure und Logistiker<br />

noch andere Aufgaben meistern. Die gesetzlich<br />

vorgeschriebenen Euro-6-Motoren<br />

mit deutlich verbesserter Abgasrückgewinnung<br />

spielen bereits eine große Rolle, die Umwelt<br />

und Betriebskasse entlasten. „Wenn man<br />

livekonzepte Michael Köstner


[bewegen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

bei einem Dieselbedarf von 3 Millionen Litern<br />

im Jahr den Kraftstoffverbrauch um zehn Prozent<br />

senken kann, ist dies ein enormes Einsparpotenzial.<br />

Heute verbrauchen unsere<br />

Lkw noch bis zu 26 Liter auf 100 Kilometer.<br />

Das ist bereits ein hervorragender Schnitt,<br />

doch da ist noch mehr drin“, sagt Speditionschef<br />

Lege. Für den Unternehmer, der tagtäglich<br />

bis zu 150 Fahrzeuge auf die Straße<br />

schickt, gibt es aber noch andere Stellschrauben,<br />

damit die Brummis nicht mehr so oft an<br />

die Zapfsäulen müssen. Dazu zählen unter anderem<br />

Reifen mit optimiertem Rollwiderstand:<br />

„Hier gibt es in den Bereichen Profil<br />

und Gummimischung noch erhebliche Unterschiede<br />

und Verbesserungspotenzial.“ Dazu<br />

gehört für ihn auch das System der elektrischen<br />

Reifendruckkontrolle, die dem Fahrer<br />

automatisch im Display des Cockpits anzeigt,<br />

wenn ein Rad Luft verliert und damit den<br />

Kraftstoffverbrauch nach oben treibt: „Im<br />

Lkw der Zukunft wird sich bei einem Luftabfall<br />

der Reifen von selbst wieder aufpumpen.<br />

ReiFen pumpt sich seLbst auF<br />

Auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbands<br />

der Automobilindustrie, hält die weitere<br />

Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und<br />

damit der CO2-Emissionen für die zentrale<br />

Herausforderung: „Allerdings sind schwere<br />

Nutzfahrzeuge nicht vergleichbar mit Pkw<br />

und Transportern, für die es bereits EU-weite<br />

CO2-Regulierungen gibt. Die Nutzfahrzeugbranche<br />

ist wie eine Fußballmannschaft. Es<br />

gibt nicht nur Abwehrspieler, sondern auch<br />

ein Mittelfeld und Stürmer. Beim schweren<br />

Lkw ist die Variantenvielfalt<br />

der<br />

Fahrzeuge so groß,<br />

dass es keinen<br />

CO2-Einheitswert<br />

geben kann“, betonte<br />

Wissmann<br />

im Vorfeld der IAA<br />

Nutzfahrzeuge in<br />

Hannover: „Die<br />

Bandbreite reicht<br />

vom Baustellenkipper<br />

über Liefer-<br />

Matthias Wissmann<br />

VDA-Präsident<br />

fahrzeuge bis zum<br />

Fernverkehrs-Lkw.“<br />

Mit Blick auf die weltweit größte Nutzfahrzeugschau<br />

sprach sich Wissmann für größere<br />

Flexibilität bei den Fahrzeugabmessungen sowie<br />

für mehr Aerodynamik und zusätzlichen<br />

Bauraum für alternative Antriebe aus: „Auch<br />

traum oder wirklichkeit: Lastwagen am bande<br />

die ideen, wie man das Speditionsgewerbe<br />

für die Zukunft fit machen kann, sind<br />

so vielseitig wie die Güter, die auf den Ladeflächen<br />

der Lkw über unsere Straßen<br />

transportiert werden. Dies gilt nicht nur<br />

für Deutschland und Europa. Auch in den<br />

USA sind Ingenieure, Hersteller und Logistiker<br />

kräftig am tüfteln. So werden in<br />

der Nähe der stark frequentierten Häfen<br />

damit können wir CO2-Emissionen senken.“<br />

Und er wirbt für den Lang-Lkw. Der sei ein<br />

wichtiges Instrument für mehr Effizienz und<br />

Klimaschutz. Schon heute zeige der Feldversuch,<br />

wie mit vergleichsweise einfachen Mitteln<br />

die Kapazität des Straßengüterverkehrs<br />

erhöht werden kann.<br />

es wiRd nicht dunkeL<br />

Auch für Andrea Marongiu ist die überlange<br />

Lkw-Kombination, bei der an den Aufliegern<br />

ein langer Anhänger angekoppelt wird, ein<br />

Schritt in die richtige Richtung. Umfassende<br />

Ladungen können auf diese Weise von drei<br />

Lastwagen auf nur zwei Fahrzeuge verteilt<br />

werden. Dennoch müssten sich deutsche Autofahrer<br />

keine Sorgen machen, dass es nun<br />

bald dunkel wird auf unseren Straßen, da<br />

schier endlos lange Straßen-Züge an ihnen<br />

vorbeidonnern. Roadtrains wird es auch weiterhin<br />

nur in Australien geben: „Der getestete<br />

Lang-Lkw misst höchstens 25,25 Meter.“ Der<br />

VSL-Geschäftsführer bedauert es, dass sich einige<br />

Bundesländer dem obengenannten Versuch<br />

nicht anschließen, darunter auch Bayern<br />

von Los Angeles und Long Beach zu Testzwecken<br />

Autobahnen mit Oberleitungssystemen<br />

für schwere Lkw eingerichtet.<br />

Ist dies auch bei uns vorstellbar? „Warum<br />

nicht?“, fragt Andrea Marongiu vom Verband<br />

Spedition und Logistik Baden-Württemberg<br />

e.V. (VSL): „Die Technik für das<br />

Projekt in Kalifornien stammt jedenfalls<br />

aus Deutschland.“<br />

loe<br />

und Baden-Württemberg: „Man sollte es einfach<br />

versuchen und nicht grundsätzlich ablehnen.<br />

Die Testfahrten mit dem Lang-Lkw<br />

finden ja nicht in den Städten, sondern ausschließlich<br />

auf Langstrecken statt.“ Mittlerweile<br />

fahren im Rahmen des Feldversuchs 79<br />

Fahrzeuge auf festgelegten Routen. Nach Einschätzung<br />

des VDA zeigen die bisherigen Erfahrungen,<br />

dass der Lang-Lkw die Erwartungen<br />

erfülle: „Weniger Fahrten, weniger<br />

Spritverbrauch und damit auch weniger CO2-<br />

Emissionen.“<br />

Ob stromlinienförmige Fahrerhäuser in<br />

Leichtbauweise oder schnittige Heckspoiler<br />

am Trailer. Die Ingenieure der Nutzfahrzeug-<br />

Hersteller haben noch viele Ideen in ihren<br />

Schubladen, wie der Lkw in Zukunft attraktiver<br />

werden und vor allem wettbewerbsfähig<br />

bleiben kann – für die Spediteure und natürlich<br />

auch die Brummifahrer. Für sie wird es<br />

interessant bleiben, sich umfassend über die<br />

neuesten Entwicklungen in der Branche zu<br />

informieren. In der Pause am Rastplatz oder<br />

eben auch während der Fahrt. [!]<br />

stefan loeffler<br />

44


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[bewegen]<br />

Franz Krieglsteiner von Evobus machte nie ein Geheimnis aus seinen Ideen.<br />

mit „Rotem bus“ in Rente:<br />

ein Visionär fährt ab<br />

Panoroma-Dächer in Reisebussen, mehr Beinfreiheit durch versetzte Sitze<br />

und die Zielangabe in der Windschutzscheibe: Omnibus-Entwickler<br />

Franz krieglsteiner hat mit seinen Ideen 40 Jahre lang die Branche geprägt.<br />

Wir gestalten mit<br />

Franz Krieglsteiner sitzt an seinem<br />

Schreibtisch und fühlt sich pudelwohl.<br />

Dabei sieht er sich selbst als Mitglied einer<br />

aussterbenden Spezies. „Heutzutage ist es<br />

gang und gäbe, dass man in Unternehmen<br />

nach fünf Jahren neue Aufgaben übernimmt“,<br />

erklärt der langjährige Leiter des Entwicklungs-<br />

und Konstruktionsbereiches „Innenraum/Ausstattung<br />

Reisebusse und Kundensonderwünsche<br />

Gesamtfahrzeug“ der<br />

Neu-Ulmer Evobus GmbH. Er ist seinem Spezialgebiet<br />

jedoch seit 40 Jahren treu geblieben.<br />

Dafür konnte der Illerkirchberger nun einen<br />

Preis entgegennehmen, den es in dieser Form<br />

noch nie gegeben hat. Der Busprofi mit Leib<br />

und Seele wurde vom Internationalen Bustouristikverband<br />

RDA in Köln mit dem Innovations-<br />

und Marketing-Sonderpreis „Roter Bus“<br />

für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Glastrophäe<br />

und Urkunde zieren nun sein Büro im<br />

Evobus-Entwicklungsgebäude in Neu-Ulm.<br />

Von hier aus drückt Franz Krieglsteiner mit<br />

seinen Mitarbeitern den aktuellen Reisebus-<br />

Generationen von Setra und Mercedes-Benz<br />

seinen Stempel auf. Dazu zählen unter anderem<br />

das große Glasdach, das den Reisenden<br />

eine Panoramasicht vermittelt oder auch die<br />

Idee einer versetzt angeordneten Bestuhlung,<br />

die dafür sorgt, dass sich die Fahrgäste auf ihren<br />

Reisen durch ganz Europa lang und breit<br />

mediaservice ulm<br />

www.mediaservice-ulm.de<br />

SÜDWEST PRESSE<br />

45


[bewegen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Serie 200 ist die erfolgreichste Baureihe der Omnisbusmarke Setra. Das Bild rechts zeigt Bus-Entwickler Franz Krieglsteiner mit Designleiter Matthias<br />

Lenz. So nackt sieht der Abschnitt eines Busses aus, bevor es an die Gestaltung des Innenraumes geht.<br />

machen können. Franz Krieglsteiner: „Viel<br />

Bein- und Schulterfreiheit auf einem bequemen<br />

Reisesitz – das ist das, was Busreisende<br />

heute unter anderem erwarten. Alles, was derzeit<br />

in Sachen Komfort und Technik möglich<br />

ist, haben wir in die Setra-Baureihe 500 einfließen<br />

lassen.“<br />

komFoRt aLLein Reicht nicht<br />

Doch Reisebusse müssen nicht nur komfortabel<br />

sein, sondern auch die Aspekte Design,<br />

Praxistauglichkeit und sogar Emotionen in<br />

sich vereinen. Jeder Typ muss sich seinen<br />

Platz in der Branche erobern und Busunternehmer<br />

und Fahrgäste auf Anhieb überzeugen.<br />

Der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbau-Techniker,<br />

der 1972 beim Ulmer Busbauer<br />

Kässbohrer als technischer Zeichner angefangen<br />

hat, prägte mit seiner Arbeit maßgeblich<br />

die Entwicklung von Reisebussen in den vergangenen<br />

vier Jahrzehnten. Mit Herz und Verstand.<br />

Er war es, der 1972 den Grundrahmen<br />

des S 200 skizzierte, dem Vorläufer der Baureihe<br />

200, die man heute getrost als legendär bezeichnen<br />

kann. Bis heute ist sie die erfolgreichste<br />

Serie der Omnibusmarke Setra, die<br />

seit 1995 zur Stuttgarter Daimler AG gehört.<br />

Die Fertigung der Baureihe 200 führte in den<br />

70er und 80er Jahren in der Region Ulm/Neu-<br />

Ulm zu einem wahren Einstellungsboom. Mit<br />

insgesamt 27.680 Einheiten, von 1976 bis<br />

1991 gebaut, übertraf sie die Verkaufszahlen<br />

der Vorgängerreihe um 150 Prozent. Sie trug<br />

zu großen Teilen zu dem bis heute ungebremsten<br />

Erfolg der selbsttragenden Busse<br />

bei, die in den 50er Jahren von dem Ulmer Ingenieur<br />

Otto Kässbohrer zur Serienreife entwickelt<br />

worden sind.<br />

Franz Krieglsteiner war es auch, der bei<br />

Linien bussen die Fahrtzielanzeige erstmals<br />

hinter der Windschutzscheibe integrierte.<br />

Wer kann sich heute noch etwas anderes vorstellen?<br />

So sah das auch RDA-Präsident Richard<br />

Eberhardt,<br />

der bei der Preisverleihung<br />

in Köln<br />

sagte: „Seit der legendären<br />

Baureihe<br />

200 aus dem Hause<br />

Kässbohrer sind<br />

zahlreiche Innovationen<br />

aus dem<br />

Zuständigkeitsbereich<br />

von Franz<br />

Krieglsteiner in RDA-Präsident Richard<br />

den Bau moderner Eberhardt<br />

Busse eingeflossen.<br />

Diese zeichnen nicht nur die aktuellen<br />

Produkte von Daimler aus, einige davon haben<br />

in der Busindustrie insgesamt Verwendung<br />

und Anerkennung gefunden.“<br />

oFFen FÜR anRegungen<br />

Ehre, wem Ehre gebührt. Der 60-Jährige ist<br />

nicht nur erfolgreich, sondern vor allem bei<br />

vielen Busunternehmern von Italien bis nach<br />

Norwegen äußerst beliebt, da er stets ein offenes<br />

Ohr für deren Wünsche und Anforderungen<br />

hat. Franz Krieglsteiner ließ sich immer<br />

ganz bewusst in die Karten blicken, neben den<br />

Kunden auch von Lieferanten, Forschern und<br />

Fahrgästen. „Nur wenn man mit Kunden frühzeitig<br />

zu neuen Themen ins Gespräch kommt<br />

und herausfindet, wo der Schuh drückt, erreicht<br />

man sein Ziel auf die beste Art“, lautet<br />

die Philosophie des Preisträgers, der sich in<br />

ein formidables Netzwerk aufgebaut hat: „Ohne<br />

eine gute Mannschaft im Hintergrund, die<br />

die Ideen in die Realität umsetzt, nutzt jedoch<br />

die ganze Kreativität nichts. Und am Schluss<br />

muss man neben der entsprechenden Position<br />

im Unternehmen auch das Durchsetzungsvermögen<br />

besitzen, die angestoßenen Projekte<br />

im Haus umzusetzen.“<br />

Dies werden nun bald andere tun, denn im<br />

<strong>Oktober</strong> geht Franz Krieglsteiner in den Ruhestand.<br />

Einen Blick in die Zukunft der Omnibusse<br />

wagt er schon heute: „Das Ambiente eines<br />

Busses wird sich in den kommenden<br />

Jahren noch mehr den modernen Kommunikationsansprüchen<br />

der Fahrgäste anpassen<br />

müssen.“ Vielleicht, so der Entwickler, wird es<br />

in ein paar Jahren gar keine Seitenverglasung<br />

mehr geben, da die Scheiben lieber als Projektionsfläche<br />

für Filme genutzt werden und die<br />

Reisenden sowieso kein Interesse mehr haben,<br />

vorbeiziehende Landschaften zu betrachten.<br />

Reine Utopie? Nicht für Franz Krieglsteiner:<br />

„Man muss die eigenen Visionen immer<br />

wieder mit dem Zeitgeist abgleichen.“<br />

Vorstellen konnte sich Franz Krieglsteiner<br />

schon viel. Wenn auch vielleicht nicht, dass<br />

er als Entwickler einmal mit einem Marketingpreis<br />

für sein Lebenswerk ausgezeichnet<br />

wird. [!]<br />

stefan loeffler<br />

46


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Zu-präsident Jansen geht vorzeitig<br />

Hat sein Amt vorzeitig<br />

aufgegeben:<br />

Stephan Jansen.<br />

Die Zeppelin-Universität (ZU)<br />

hat ihren Gründungs-Präsidenten<br />

früher als geplant verloren.<br />

Stephan Jansen, der sein Ausscheiden<br />

für<br />

das nächste<br />

Jahr angekündigt<br />

hatte,<br />

legte sein<br />

Amt als Präsident<br />

nach elf<br />

Jahren nieder.<br />

Der 43-Jährige<br />

hatte die<br />

ZU mitgegründet.<br />

Bereits<br />

die Kündigung des Kanzlers<br />

Niels Helle-Meyer im August<br />

nach nur anderthalb Jahren hatte<br />

in Kreisen von Mitarbeitern, Professoren<br />

und der 1200 Studenten<br />

Unmut und Protest ausgelöst.<br />

Der Vorstandsvorsitzende der<br />

ZU-Stiftung, Werner Allgöwer,<br />

im Hauptberuf Vorstandschef der<br />

Sparkasse Bodensee, rechtfertigte<br />

die Entscheidung mit den Worten,<br />

Mitarbeiter und Studenten<br />

könnten die Arbeit Helle-Meyers<br />

gegenüber den Gesellschaftern<br />

nicht beurteilen.<br />

Nach Helle-Meyers Kündigung<br />

folgte der nächste Paukenschlag:<br />

Ein Schreiben aus Kreisen der ZF<br />

Friedrichshafen, einem der wichtigsten<br />

Geldgeber der ZU, gelangte<br />

an die Öffentlichkeit. Darin<br />

wird die Ausgabenpolitik der ZU<br />

scharf kritisiert. Zudem werfen<br />

Insider der ZU vor, Provisionen<br />

fürs Einwerben von Forschungsund<br />

Fördergeldern bezahlt zu haben<br />

– ohne Kenntnis der jeweiligen<br />

Förderer. Die Uni bestätigt<br />

das: Seit der Gründung 2003 bestehe<br />

ein leistungsbezogenes Vergütungssystem.<br />

Das sei in Zusätzen<br />

der Arbeitsverträge von<br />

Professoren und „einnahmeorientierten“<br />

Mitarbeitern geregelt.<br />

Die Zulagen betrügen in der Regel<br />

fünf Prozent auf private Spenden<br />

und Förderungen. Zuletzt<br />

hätten 25 Kollegen solche Bezüge<br />

erzielt, darunter auch Jansen. Das<br />

Vergütungsmodell berücksichtige<br />

nur eingeworbene private<br />

Drittmittel, zum Beispiel Stiftungslehrstühle.<br />

Ausgenommen<br />

seien Groß-Förderungen an die<br />

Stiftung. Der Umgang mit Drittmitteln<br />

an Privathochschulen ist<br />

gesetzlich nicht geregelt. [!] HaM<br />

weishaupt<br />

investiert<br />

Der Hersteller von Brennern,<br />

Wärmepumpen und Solartechnik,<br />

Weishaupt, hat an seinem<br />

Hauptsitz in Schwendi (Kreis Biberach)<br />

rund 15 Millionen Euro<br />

in sein Forschungs- und Entwicklungszentrum<br />

investiert. Auf<br />

dem Werksgelände entstanden<br />

zwei neue, moderne Gebäudekomplexe.<br />

Hintergrund ist der<br />

Ausbau der Produktpalette. Das<br />

Familien<strong>unternehmen</strong> beschäftigt<br />

in dem Forschungszentrum<br />

rund 100 Mitarbeiter. Insgesamt<br />

sind es am Hauptsitz rund 1000,<br />

weltweit mehr als 3000. Die<br />

Weishaupt-Gruppe erzielte im<br />

vergangenen Jahr einen Umsatz<br />

von 540 Millionen Euro. [!] ref<br />

Privatpraxis<br />

Beate Trautmann<br />

Fachärztin für Frauenheilkunde und<br />

Geburtshilfe<br />

Diplom-Psychologin<br />

Naturheilverfahren, Akupunktur<br />

. . . auch für Männer.<br />

Magirus-Deutz-Str. 7, 89077 Ulm<br />

Tel. 0731 / 6 027 027 7<br />

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• Eine ruhige, zugewandte Atmosphäre<br />

• Genügend Zeit, um Sie und Ihre<br />

Anliegen kennenzulernen, um aus<br />

langjähriger Erfahrung eine individuelles<br />

Therapiekonzept für Sie zu entwickeln.<br />

Gerne senden wir Ihnen auf Wunsch einen<br />

Flyer mit Informationen über unser Leistungsspektrum<br />

zu.<br />

47


Früher war alles schöner – zumindest die ein oder andere Werbung.<br />

Tante Emma atmet auf<br />

Der kleine Laden ums Eck ist tot. Das hört man immer wieder. Es muss aber nicht so sein. Mit ausgefeilten Konzepten<br />

verhilft die Utz Lebensmittel-Großhandel GmbH & Co. KG Dorfläden zu neuen Chancen.<br />

Das Herz des Lebensmittelgroßhändlers<br />

Utz schlägt am Rande des Gewerbegebiets<br />

Ochsenhausen-Längenmoos:<br />

Hier erstreckt sich eine 2005 neu gebaute Halle<br />

– gleichzeitig der Firmensitz. Genau hier<br />

legen alle angelieferten, für die spätere Verteilung<br />

benötigten Waren einen Zwischenstopp<br />

ein. Auf insgesamt 7500 Quadratmetern<br />

schnurren die Lageristen auf ihren Elektro-<br />

Fahrzeugen und ihren Gabelstaplern hin und<br />

her, schaffen das perfekte System zum Anund<br />

Abtransport von Lebensmitteln, Süß-und<br />

Tabakwaren und Getränken für mehr als 1000<br />

Kunden. Die Mitarbeiter organisieren 6500<br />

verschiedene Produkte, kennzeichnen sie,<br />

sortieren Mangelware aus, behalten das Haltbarkeitsdatum<br />

im Auge, trennen Pfand- von<br />

Einwegflaschen – und nutzen dabei die 7000<br />

48


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[machen]<br />

Stellplätze für Europaletten optimal.<br />

Was unterscheidet Geschäftsführer Rainer<br />

Utz und sein Unternehmen von anderen Lebensmittel-Großhändlern?<br />

Vor allem die<br />

Dienstleistungen, die dafür sorgen, dass es mit<br />

den kleinen Lebensmittelgeschäften auf dem<br />

Land wieder bergauf geht: Das Unternehmen<br />

berät bei Rentabilitätsberechnungen und<br />

Kaufkraftanalysen, hilft bei der Suche nach<br />

passenden Standorten, bei der Ladenplanung,<br />

übernimmt bei Bedarf die Produktion von<br />

Handzetteln oder Plakaten für Sonderangebote<br />

oder hilft bei der Einrichtung.<br />

DiE BayErn warEn schnELLEr<br />

Rainer Utz: „Immer mehr alte oder geschlossene<br />

Standorte werden als Dorfladen wiedereröffnet.<br />

Uns gelingt es auch, bei Generationsoder<br />

Inhaberwechsel jüngere Leute für die<br />

Selbstständigkeit zu begeistern.“ Überdies sei<br />

die Nahversorgung als Ausdruck für eine bestimmte<br />

Lebensqualität vor allem im ländlichen<br />

Raum auf politischer Ebene angekommen.<br />

Der Begriff „Tante Emma“ sei wieder<br />

positiv besetzt, zumal die Menschen ihn mit<br />

„Nähe, Regionalität, persönlicher Ansprache<br />

und Kommunikation“ verbinden.<br />

Den Strukturwandel mit Discountern hat Utz<br />

frühzeitig erkannt und ihm eigene regionale<br />

Nahversorgungskonzepte entgegengestellt:<br />

ganzheitliche Vertriebskonzepte wie „Um’s<br />

Eck“ oder „Dorfladen“, auf genossenschaftlicher<br />

Basis oder als Unternehmergesellschaft<br />

organisiert. Oft stoßen mittlerweile Bürgerinitiativen<br />

oder auch Gemeinden ein Dorfladen-Konzept<br />

an. Etwa ein Drittel befindet sich<br />

in Baden-Württemberg, zwei Drittel liegen in<br />

Bayern – vielleicht auch, weil die Politik dort<br />

Chef Rainer Utz an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen: dem gewaltigen Lager.<br />

das Thema früher aufgegriffen hat. Utz selbst<br />

hat das Dorfladen-Prinzip übrigens vor rund<br />

zehn Jahren entwickelt.<br />

„Dorfläden funktionieren anders“, erklärt der<br />

studierte Betriebswirt, der in seiner Freizeit<br />

gerne aufs Rennrad oder Mountainbike steigt<br />

und hin und wieder einen Marathon bestreitet:<br />

„Die Geschäfte werden oftmals sehr emotional<br />

gesehen.“ Was gerade der Vorteil ist.<br />

Dennoch muss es auch wirtschaftlich funktionieren.<br />

Utz‘ Konzept dafür geht weit über das<br />

Beliefern mit Waren hinaus: Betreiber erhalten<br />

eine Standortanalyse, die wirtschaftliche<br />

Fakten und regionale Vorlieben auflistet. Die<br />

klassische Ladenausstattung kann auch ergänzt<br />

werden, etwa mit Backshop, Fotoservice,<br />

Postagentur, Kopier-Shop, Bistro-Ecke …<br />

GUTE rEGaLE von schLEckEr<br />

Des einen Leid, des anderen Freud: „Nachdem<br />

Schlecker in die Insolvenz gegangen ist, kamen<br />

wir beispielsweise günstig an Verkaufsregale,<br />

die ich bei Bedarf an unsere Dorfläden<br />

weitergeben kann.“ Denn einen Laden neu<br />

einzurichten, geht ins Geld. Und wenn Regale<br />

voll funktionstüchtig sind, nehme kaum ein<br />

Kunde wahr, ob sie nagelneu sind oder nicht<br />

– ihn interessiert, was draufsteht. „Eine kos-<br />

Details sind keine Kleinigkeiten.<br />

Nething Generalplaner Architekten und Ingenieure<br />

Wegenerstraße 7 . 89231 Neu-Ulm . Weitere Büros in Berlin und Leipzig<br />

Ein Unternehmen der Nething Gruppe<br />

nething.com


[machen] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Auch das Betriebsklima ist<br />

Rainer Utz sehr wichtig.<br />

tengünstige gebrauchte Einrichtung ist in vielen<br />

Fällen völlig ausreichend“, sagt Utz. Bisher<br />

stehen acht Außendienstmitarbeiter den<br />

Kunden vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Den<br />

Beratungsansatz will er ausbauen und weitere<br />

Fachleute einstellen.<br />

Sei es ein Berater, sei es ein Lagerist. Rainer Utz<br />

weiß um den Wert guter Mitarbeiter und bindet<br />

sie am liebsten langfristig ans Unternehmen:<br />

„Mir ist das<br />

Betriebsklima wie<br />

auch die Zuverlässigkeit<br />

unserer Arbeit<br />

gleichermaßen<br />

wichtig.“ Der<br />

hohe Grad an Beschäftigung<br />

in der<br />

Region erschwert<br />

ihm allerdings die<br />

Rekrutierung: „Haben<br />

sich früher bis<br />

zu 100 Interessenten<br />

für eine ausgeschriebene<br />

Stelle beworben, sind es inzwischen<br />

manchmal kaum mehr als 30.“<br />

Besonders schwierig sei die Suche nach Lehrlingen.<br />

Zurzeit seien sechs Auszubildende in<br />

der Firma. Auch deshalb ist das inhabergeführte<br />

Unternehmen glücklich darüber, dass<br />

die Fluktuation „äußerst gering“ ist.<br />

wEniGE schnäppchEnjäGEr<br />

Die Dorfläden sind für Utz nur eines von mehreren<br />

Standbeinen. 1997 entstand das deutschlandweite<br />

Netzwerk MCS (Marketing und<br />

Convenience Shop System): Utz war von Anfang<br />

an als regionaler Partner für die Belieferung<br />

von Tankstellen- und Kiosk-Ketten in<br />

Baden-Württemberg und Bayern dabei. Etwa<br />

die Hälfte seines Jahresumsatzes von rund 60<br />

Millionen Euro erwirtschaftet Utz inzwischen<br />

mit den Convenience-Shops wie Tankstellen,<br />

Bäckereien, Getränkemärkten und<br />

Kiosken.<br />

2013 führte Utz die Marke „Jeden Tag“ für<br />

preissensible Kunden ein. Je nach Laden bewege<br />

sich die Angebotsbreite zwischen 50<br />

und 100 Artikeln bei einer Gesamtzahl von<br />

2000 bis 2500 Artikeln, berichtet Utz: „Bei<br />

den Dorfladen-Kunden überwiegen dennoch<br />

die Marken- und Qualitätsbewussten, nicht<br />

die Schnäppchenjäger.“ Produkte aus der Region<br />

werden immer beliebter: Besonders bei<br />

Frischeprodukten sei der regionale Bezug zunehmend<br />

wichtig. „Der Dorfladen bietet<br />

gerade hier die passende Vertrauensbasis,<br />

100 jahre Lebensmittel Utz<br />

Hier fing alles an, in einem kleinen Kolonialwarenladen. Auf dem Foto hält Paula Utz, die älteste<br />

Tochter des Firmengründers, die Tante des heutigen Chefs auf dem Arm.<br />

vor 100 jahren, am 1. August 1914,<br />

schrieb Martin Utz die ersten Zeilen der<br />

Erfolgsgeschichte – mit einem kleinen<br />

Kolonialwaren- und Tabakgeschäft in<br />

Ochsenhausen. Fünf Jahre später begann<br />

er mit der Belieferung kleinerer Läden im<br />

Umland. 1959 übernahm sein Sohn Karl<br />

Utz den elterlichen Betrieb und zog mit<br />

der Großhandelsfirma 1963 an den<br />

Stadtrand von Ochsenhausen. Im Laufe<br />

der Jahre vergrößerte er den Standort<br />

mehrmals, auch weil das Lagern gekühlter<br />

Waren an Bedeutung gewann.<br />

Als Karl Utz überraschend starb, trat<br />

1977 sein Sohn Rainer direkt nach dem<br />

Abitur ins Familien<strong>unternehmen</strong> ein: als<br />

Lehrling zum Außenhandelskaufmann.<br />

Nach dem Wehrdienst und einem Jahr<br />

mit Praktika in Großhandelsbetrieben in<br />

Norddeutschland übernahm Rainer Utz<br />

1982 – mit Unterstützung seiner Mutter<br />

– die Geschäftsleitung.<br />

Mit dem Aufbau des Convenience-Vertriebes<br />

1997 wuchs Utz als Großhandels<strong>unternehmen</strong><br />

so schnell, dass im Jahr<br />

2005 der Bau eines völlig neuen Firmensitzes<br />

im Ochsenhausener Gewerbegebiet<br />

Längenmoos notwendig wurde.<br />

Heute arbeiten 100 Mitarbeiter für das<br />

führende privatwirtschaftliche Großhandels<strong>unternehmen</strong><br />

Süddeutschlands.<br />

Sie beliefern Dorfläden, Tankstellen und<br />

Kioske vom Schwarzwald über Stuttgart,<br />

die Ostalb, das Allgäu bis nach München<br />

und Garmisch-Partenkirchen. 2013 erwirtschaftete<br />

das Unternehmen einen<br />

Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Im<br />

Sommer <strong>2014</strong> feierte Utz mit Mitarbeitern<br />

und Kunden auf dem Firmengelände<br />

den 100. Geburtstag.<br />

abE<br />

denn er ist ja mit der Region verwurzelt“, erklärt<br />

Utz.<br />

In die Zukunft blickt das Unternehmen optimistisch:<br />

„Wir gehen davon aus, dass wir dank<br />

unserer zukunftsträchtigen Geschäftsfelder<br />

weiteres Wachstum erzielen können.“ Natürlich<br />

müsse man immer am Ball bleiben. Alle<br />

Schritte vom Einkauf der Ware bis zur Auslieferung<br />

an den Kunden würden ständig durchleuchtet.<br />

Ein großes aktuelles Projekt ist die<br />

Erneuerung der IT-Systeme. „Wir planen, die<br />

alte und aufwendige Lagerführung und Kommissionierung<br />

auf ein modernes, papierloses<br />

Lagerverwaltungssystem umzustellen“, sagt<br />

Utz. Das erhöhe die Bestandssicherheit und<br />

Kommissionierqualität weiter, sagt der Kaufmann:<br />

„Restlaufzeiten sowie Mindesthaltbarkeitsdatum<br />

können dann besser überwacht<br />

werden.“ Das Projekt wurde Anfang <strong>2014</strong> mit<br />

der Dortmunder Firma Pro Logistik gestartet,<br />

Anfang 2015 soll dann alles papierlos laufen<br />

– und die Kommissionierer erhalten ihre<br />

Aufträge über ein Sprachsystem (Pick by<br />

Voice). [!]<br />

EbErhard abElEin<br />

50


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[leben]<br />

AchduliebeZeit!<br />

Sie tickt, wenn wir ins Büro gehen und sie tickt, wenn wir es wieder verlassen. Die Uhr bestimmt unseren<br />

Arbeitsalltag von früh bis spät. Doch wie sieht es in der Freizeit aus? Fünf Führungskräfte haben sich für Stefan<br />

Loeffler und unsere Umfrage ein bisschen Zeit genommen.<br />

Gabriele Wulz<br />

leitet seit 2001 die<br />

Ulmer Prälatur der Evangelischen<br />

Landeskirche in<br />

Württemberg. Hätte die<br />

1959 geborene Darmstädterin<br />

mehr Zeit, würde sie<br />

lesen, lesen, lesen.<br />

1) Ich weiß es nicht mehr genau. Ich vermute jedoch, dass ich meine<br />

erste Uhr in der ersten Schulklasse bekommen habe.<br />

2) Beim Schwimmen.<br />

3) Sehr schwer zu organisieren.<br />

4) Ewigkeit, Augenblick, Vergänglichkeit.<br />

5) Mit netten Menschen.<br />

6) Ich würde alles lesen, was ich schon immer mal lesen wollte oder<br />

sollte oder müsste.<br />

7) Ich halte es in diesem Punkt mit Psalm 90: Unser Leben währet siebzig Jahre und<br />

wenn‘s hoch kommt, so sind`s achtzig Jahre … und dann vor allem: Herr, lehre uns<br />

bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.<br />

1) Können Sie sich erinnern, wann Sie Ihre erste Uhr bekommen<br />

haben?<br />

2) Legen Sie Ihre Uhr manchmal ab?<br />

3) Wie stellen Sie sich eine Welt ohne Zeitmesser vor?<br />

4) Nennen Sie bitte drei Begriffe, die Ihnen zum Thema<br />

Zeit einfallen.<br />

5) Mit wem verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten?<br />

6) Was würden Sie tun (oder eben auch nicht), wenn Sie<br />

plötzlich ganz viel Zeit hätten?<br />

7) Wie alt möchten Sie werden?<br />

Foto: © abf / Fotolia.com<br />

Foto: © Rob Stark / Fotolia.com<br />

»Kochen isT eine KUnsT Und<br />

Keineswegs die UnbedeUTendsTe.«<br />

Luciano Pavarotti<br />

Miele | gaggenau | liebherr | Selektion D | Val<br />

CuCine<br />

www.kueche-und-raum.de | Frauenstraße 65 | 89073 Ulm | T 0731 61288<br />

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[leben] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Fotos Uhren: © GoldPix / Fotolia.com<br />

1) Können Sie sich erinnern, wann Sie Ihre erste Uhr bekommen<br />

haben?<br />

2) Legen Sie Ihre Uhr manchmal ab?<br />

3) Wie stellen Sie sich eine Welt ohne Zeitmesser vor?<br />

4) Nennen Sie bitte drei Begriffe, die Ihnen zum Thema<br />

Zeit einfallen.<br />

5) Mit wem verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten?<br />

6) Was würden Sie tun (oder eben auch nicht), wenn Sie<br />

plötzlich ganz viel Zeit hätten?<br />

7) Wie alt möchten Sie werden?<br />

Ernst Haible ist seit 36 Jahren<br />

selbstständiger Finanzberater<br />

im Bereich Versicherungen, Immobilien<br />

und Kapitalanlagen.<br />

Der Geschäftsführer der Ernst<br />

Haible GmbH beschäftigt drei<br />

Mitarbeiter. Hätte er mehr Freizeit,<br />

würde er viel öfter am<br />

Steuer eines Oldtimers sitzen.<br />

Wolfram Schneider ist seit<br />

über 30 Jahren geschäftsführender<br />

Gesellschafter der Firma<br />

WolframS Lifestyle GmbH<br />

in Ulm. Der 56-jährige Vater<br />

zweier erwachsener Kinder<br />

verzichtet im Urlaub oftmals<br />

auf seine Uhr.<br />

1) Nein, aber ich habe 1975 in Bangkok meine erste Quarzuhr gekauft.<br />

Das war damals eine Weltneuheit und bei uns noch richtig teuer.<br />

2) Ja, immer in der Nacht.<br />

3) Für die Gesellschaft chaotisch – privat eine völlig neue entspannte<br />

Lebenssituation.<br />

4) Schicke Uhren, Zeit nehmen für alles, was mich interessiert, Unendlichkeit.<br />

5) Mit meiner Frau.<br />

6) Reisen, um ferne Länder und fremde Menschen kennenzulernen.<br />

Und ich würde an mehr Oldtimerrallyes teilnehmen.<br />

7) Bei bester Gesundheit möchte ich sehr alt werden.<br />

1) Ja, meine erste Uhr hat mir mein Großvater geschenkt, kurz nachdem<br />

ich eingeschult wurde, weil ich häufig zu spät kam.<br />

2) Im Urlaub, außer auf Ausflügen, lege ich oft keine Uhr an – und<br />

genieße es sehr, einfach einmal zeitlos zu sein.<br />

3) Eine Welt ohne Zeit kann ich mir nur im Jenseits vorstellen.<br />

4) Planung und Organisation, Arbeitszeit, Freizeit und Urlaub.<br />

5) Mit meinen Kindern und Freunden.<br />

6) Ich würde gerne neue Länder und Menschen kennenlernen, reisen<br />

und viel Sport in der Natur machen.<br />

7) So lange ich gesund und rüstig bin, macht mir das Leben große<br />

Freude.<br />

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<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong><br />

[leben]<br />

Die 33-jährige<br />

Sandra Bohnaker, seit April<br />

<strong>2014</strong> Leiterin des Bereichs<br />

Unternehmensmarketing der<br />

IT-Firma Fritz & Macziol, hat<br />

noch viel Zeit vor sich.<br />

Carlheinz Gern (62) startete<br />

sein Berufsleben als Verlagskaufmann<br />

bei der Südwest<br />

Presse, war 14 Jahre Marketingleiter<br />

bei Radio 7 und ist<br />

seit Sendestart 2003 Geschäftsführer<br />

beim Lokalradio Donau3FM.<br />

Der selbstständige<br />

Veranstalter von Konzerten,<br />

Partys und Events legt seine<br />

Uhr nur ab, wenn er eine<br />

andere tragen möchte.<br />

1) Zum Schulanfang?!<br />

2) Vice versa: Ich lege nur ab und zu eine Uhr an – dann aus modischem<br />

Aspekt. Inzwischen findet sich die Uhrzeit doch überall.<br />

3) Entschleunigt. Ein Leben nach der Sonne und mit der Natur – wie<br />

im Urlaub.<br />

4) Schwäbische Ordnung, Kalenderplanung, Sommerzeit.<br />

5) Mit tollen Menschen, mit Sport und mit der Natur.<br />

6) Für all diese Ideen reicht der Platz hier leider nicht aus.<br />

7) Ich werde mindestens 100 Jahre alt!<br />

1) Das war eine wertvolle Tissot, die ich zur Kommunion bekam.<br />

2) Nur zum Wechseln.<br />

3) Entspannt!<br />

4) Augenblicke, Vergangenheit und Zukunft.<br />

5) Mit Menschen, die mir wichtig sind, mir am Herzen liegen und zeitlos<br />

interessant sind.<br />

6) Die Welt bereisen.<br />

7) Man kann gar nicht alt genug werden, um all die Überraschungen<br />

auszuschöpfen, die das Leben so mit sich bringt.<br />

Nur mit einem gehen sie verschwenderisch um:<br />

Fahrspaß.<br />

Die neuen Cayenne Modelle.<br />

Enthusiasmus. Gesteigert.<br />

Ab sofort bestellbarbei uns im Porsche Zentrum.<br />

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.<br />

Porsche Zentrum Ulm/Neu-Ulm<br />

Sportwagen GmbH Donautal<br />

Steinbeisstraße 26 · 89079 Ulm<br />

Tel.: +49 731 94694-0 · Fax: -34<br />

www.porsche-ulm.de<br />

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): kombiniert: 11,5–6,6; CO 2<br />

-Emissionen: 267–173 g/km<br />

Cayenne S E-Hybrid: Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) kombiniert: 3,4; CO 2<br />

-Emissionen: 79 g/km; Stromverbrauch: kombiniert 20,8 kWh/100 km<br />

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[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | <strong>Oktober</strong> <strong>2014</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Ulm wird Teil des<br />

weltweiten<br />

Metall-Clusters<br />

Die Stadt Ulm kann sich über<br />

die Stärkung ihrer Wirtschaftsstruktur<br />

freuen: Sie ist Teil des<br />

weltgrößten Konsortiums für<br />

Metallforschung und -fertigung.<br />

Dazu wird das Stuttgarter<br />

Fraunhofer-Institut dort eine<br />

Niederlassung für Produktionstechnik<br />

und Automatisierung<br />

einrichten. Dafür hat sich die<br />

High-Tech-Allianz Ulm unter<br />

Führung von Prof. Hans-Jörg<br />

Fecht vom Uni-Institut für neue<br />

Materialien eingesetzt. In dem<br />

Cluster arbeiten Konzerne wie<br />

Airbus und Arcelor Mittal mit.<br />

Zum Auftakt dürfte eine Projektgruppe<br />

des Stuttgarter Instituts<br />

mögliche Vorhaben mit der<br />

Ulmer Industrie ausloten, sagte<br />

der geschäftsführende Vorstand<br />

der Hightech-Allianz, Michael<br />

Drechsler.<br />

Druckindustrie<br />

vergibt an NPG<br />

Innovationspreis<br />

Abschalten in Natur und Sonne<br />

Acht von zehn Baden-Württembergern schreiben<br />

ihre Urlaubserholung der Sonne und der<br />

Natur zu. 17 Prozent der für den DAK-Urlaubsreport<br />

Befragten gaben jedoch an, sich kaum<br />

oder nicht im Urlaub erholt zu haben. Im Vergleich<br />

mit anderen Bundesländern ist das der<br />

Die Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG (NPG/Ulm), die<br />

Herausgeberin der SÜDWEST<br />

PRESSE, hat den Innovationspreis<br />

der Deutschen Druckindustrie<br />

in Silber erhalten. Bei einem<br />

Galabend des Verbands der<br />

Druckindustrie in der Liederhalle<br />

in Stuttgart wurden Gestaltung<br />

und Druck der ausklappbaren<br />

Sonderbeilage „Das<br />

Wallis erleben“ ausgezeichnet.<br />

Ein Allgäuer ist<br />

neuer Präsident<br />

des Handwerks<br />

Joachim Krimmer (58) aus Leutkirch<br />

ist neuer Präsident der<br />

Handwerkskammer Ulm. Die<br />

Vollversammlung, die 117 ehrenamtliche<br />

Mitglieder umfasst<br />

und 18.000 Betriebe vertritt,<br />

wählte ihn zum Nachfolger von<br />

Anton Gindele (65). Der Schreiermeister<br />

aus Horgenzell (Kreis<br />

Ravensburg) hatte zuvor zufrieden<br />

Bilanz<br />

gezogen. Es<br />

sei gelungen,<br />

die<br />

Kammer<br />

stärker als<br />

Dienstleister<br />

für die Betriebe<br />

aufzustellen.<br />

Unter<br />

Gindeles<br />

schlechteste Wert, wie beim Stressabbau. Nur<br />

57 Prozent der Befragten meinten, ihren<br />

Stress reduziert zu haben. DAK-Landeschef<br />

Markus Saur sieht das mit Sorge: „Wer nicht<br />

loslassen kann, kann sich auch nicht erholen.<br />

Damit ist am Ende niemandem gedient.“<br />

Hat Anton Gindele<br />

abgelöst:<br />

Joachim Krimmer.<br />

Foto: © Fotofreundin / Fotolia.com<br />

Führung hat die Kammer die<br />

Ausbildungsberatung für türkische<br />

Jugendliche und hunderte<br />

neuer Bildungspartnerschaften<br />

ins Leben gerufen. Dennoch<br />

wird das Thema Fachkräftesicherung<br />

eine der großen Aufgaben<br />

Krimmers sein. In seinem<br />

1913 gegründeten Heizungs-,<br />

Lüftungs- und Sanitärbetrieb<br />

beschäftigt er 23 Mitarbeiter,<br />

darunter zwei Auszubildende.<br />

Krimmer engagiert sich seit<br />

Jahren in der Kammer, unter<br />

anderem als Obermeister und<br />

Kreishandwerksmeister in Ravensburg.<br />

Er ist verheiratet und<br />

hat drei Kinder. [!]<br />

[impressum]<br />

Verlag/Herausgeber<br />

Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG<br />

Frauenstraße 77, 89073 Ulm<br />

Geschäftsführer:<br />

Thomas Brackvogel<br />

Redaktion<br />

Alexander Bögelein (verantw.),<br />

Irmgard Städele,<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Anzeigen<br />

Dr. Thomas Baumann<br />

(verantwortlich)<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Gestaltung<br />

Alen Pahic (Art Director)<br />

Bozena Demski (Bild)<br />

Fotos<br />

Oliver Schulz (Titel + Interview),<br />

Matthias Kessler, Eberhard Abelein,<br />

Lars Schwerdtfeger, Getty<br />

Images, Firmenfotos, PR<br />

Druck<br />

Druck- und Verlagsgesellschaft<br />

Bietigheim mbH<br />

Kronenbergstraße 10<br />

74321 Bietigheim-Bissingen<br />

Auflage: 15 000 Exemplare<br />

Objektleitung & Kontakt<br />

Tobias Lehmann<br />

Telefon 0731 156-515<br />

Fax 0731 156-481<br />

<strong>unternehmen</strong>@swp.de<br />

Mediaberatung<br />

Stefan Kulbe<br />

Telefon 0731 156-137<br />

E-Mail s.kulbe@swp.de<br />

Nächste Ausgabe<br />

29. November <strong>2014</strong><br />

Die Themen<br />

Der Notfallkoffer für<br />

Unternehmer<br />

Messebau + Messen 2015<br />

Energie<br />

u.v.m.<br />

Anzeigenschluss<br />

5. November <strong>2014</strong><br />

www.swp.de/<strong>unternehmen</strong><br />

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Überzeugt leicht. Beeindruckt schwer.<br />

Das neue C-Klasse T-Modell. Das Beste kennt keine Alternative.<br />

• Sportlich-dynamisches Design trifft auf ein flexibles Raumkonzept.<br />

• Vielseitiges Lifestyle-Fahrzeug mit herausragenden Alltagseigenschaften.<br />

Jetzt Probe fahren.<br />

Telefon: 0731 700-1800.<br />

Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die zur Markteinführung (09/<strong>2014</strong>) verfügbaren Motoren (C<br />

180/C 200/C 250/C 220 BlueTEC und C 250 BlueTEC). Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,0–4,3<br />

l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 140–108 g/km.<br />

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart<br />

Partner vor Ort: Niederlassung Ulm/Neu-Ulm<br />

Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm, Telefon: 0731 700-0, www.mercedes-benz-ulm.de

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