unternehmen Oktober 2014

suedwest.presse

unternehmen Oktober 2014

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 41 | Oktober 2014 | 3,00 €

4 197821 303000 4 1

Da springt

der Funke über

Das Handwerk setzt um, was die Forschung erfindet.

Aber wo ist die Schnittstelle? Tobias Mehlich und

Werner Tillmetz über ihre zündende Initiative.

Finanzieren Kaufen statt gründen – Tipps für angehende Unternehmer SEITE 22

Nutzfahrzeuge Wie die Zukunft auf deutschen Straßen aussieht SEITE 42

Umfrage Wofür sich Führungskräfte Zeit nehmen SEITE 51


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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[inhalt]

Liebe Leserin, Lieber Leser,

Irmgard Städele,

Redaktion unternehmen [!]

Politiker und Journalisten teilen sich das

traurige Schicksal, dass sie oft heute schon

über Dinge reden, die sie erst morgen ganz

verstehen. Das hat Altkanzler Helmut

Schmidt einmal gesagt. Das Mitgefühl von

Unternehmern, Selbstständigen und Führungskräften

dürfte sich da freilich in Grenzen

halten: Mit ihren Entscheidungen stellen

sie heute die Weichen für die Zukunft

ihrer Unternehmen. Wer Entwicklungen

verschläft, landet schneller als er denkt auf

dem Abstellgleis. Das hohe Tempo der Entwicklungen

trifft das Handwerk (Titelinterview

Seite 12), den Maschinenbau mit dem

Thema „Industrie 4.0“ (Seite 28) , die Nutzfahrzeugbranche

mit dem autonom fahrenden

Lkw (Seite42) ... Nicht zu langsam,

nicht zu schnell. Das ist das Meisterstück.

Sich Zeit zu nehmen, ist wichtig. Wie das

geht, zeigt unsere Umfrage (Seite 51).

Eine anregende Lektüre wünscht

Ihre Irmgard Städele

[sicherheit]

6 Gute Wolken, schlechte Wolken

Wie tückisch Clouds sein können

[titelthema]

12 e inladung zum Anfassen Tobias

Mehlich und Werner Tillmetz im

Gespräch

[finanzieren]

22 Chefsessel zu vergeben Was ist

wichtig beim Unternehmenskauf?

[machen]

26 Vielversprechendes Haustürgeschäft

Frustfreie Paketzustellung

32 Tischlein deck dich Burger Zelte &

Catering feiert den Fünfzigsten

40 Lisa, Thomas und der Kessel nr. 2

Bio-Chips – knusperfrischer Genuss aus

Amtszell

48 Tante emma atmet auf

Lebensmittel-Großhandel Utz gibt

Dorfläden eine Perspektive

[führen]

36 Die teuren Fehler der Vorgesetzten

Warum schlechte Führung Geld kostet

[spezial]

28 evolution der Maschinen Das Internet

dringt in die Produktion vor

[bewegen]

42 Fahren muss der Fahrer nicht Der

autonome Lkw ist fast schon Realität

45 Mit „rotem bus“ in rente: ein

Visionär fährt ab Omnibus-Entwickler

Franz Krieglsteiner steigt aus

[leben]

51 Ach du liebe Zeit!

Führungskräfte, ihr Leben, ihre Uhren

[namen & nachrichten]

4 n eues Zentrum will einwanderer

locken

10 schwere Zeiten

21 ZF Friedrichshafen trennt

sich von Lenksysteme-Tochter

47 ZU-Präsident Jansen geht vorzeitig

54 Abschalten in natur und sonne

54 Impressum

40 42

36 48

28

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Neues Zentrum will Einwanderer locken

Foto: © Dariusz T. Oczkowicz, ars digital media services / Fotolia.com

Gute Fachkräfte braucht die Region: Wenn sie aus dem Ausland kommen, erhalten sie künftig Unterstützung.

Die Region braucht Fachkräfte.

Darum soll sich künftig das neue

„Welcome Center“ der Ulm/Oberschwaben

der IHK Ulm kümmern.

„Es stellt für Ulm einen

zweiten Turm dar, der neue Menschen

anzieht!“ Mit diesen Worten

eröffnete Irmgard Otto, Referentin

für Fachkräftesicherung

im baden-württembergischen

Wirtschaftsministerium das

Center. Ziel des Centers sei es,

dem Fachkräftemangel „mit einer

neuen Willkommenskultur

für Immigranten zu begegnen“,

erklärt Center-Verantwortliche

Nadine Schilder. Das Center

übernimmt eine Art Lotsenfunktion.

So helfen die Mitarbeiter

Einwanderern bei Behördengängen,

beraten sie über Kinderbetreuungsangebote

und Sprachkurse

oder unterstützen sie auch,

wenn es um die Anerkennung

beruflicher Qualifikationen geht.

IHK-Geschäftsführer Otto Sälzle

erklärt den Hintergrund: „Für

uns ist es ganz wichtig, Unternehmen

und ausländische Fachkräfte

näher zusammenzubringen,

denn der demografische

Wandel und die Rente mit 63 sorgen

dafür, dass wir unsere Region

dringend attraktiver für Zuwanderer

machen müssen.“ Allen Beteiligten

sei es deshalb wichtig,

die Institution möglichst langfristig

zu betreiben.

Die Idee der „Welcome Center“

stammt vom Land. Insgesamt

gibt es für elf Zentren 2 Millionen

Euro, die mehrheitlich aus dem

europäischen Sozialfonds kommen.

Nach Ulm fließt eine Anschubfinanzierung

von 93.000

Euro, den Rest der Kosten für die

2,5 Stellen trägt die IHK.

Den 30.000 Unternehmen in der

Re gion fehlen im Moment rund

12.000 Fachkräfte, mehrheitlich

solche mit dualer Ausbildung. [!]

GABRIEL BOCK

Parkraum-Wunder aus dem Allgäu

Mit spektakulären Projekten hat

die Klaus Multiparking GmbH

aus Aitrach bei Memmingen in

den vergangenen 50 Jahren Aufmerksamkeit

erregt. Mit raffinierten

Erfindungen und solider

handwerklicher Fertigung erarbeiteten

sich die Allgäuer auf

dem Gebiet raumsparender benutzerfreundlicher

Parksysteme

international Ansehen. Weltweit

gibt es kaum eine Metropole, in

der nicht Parklösungen aus Aitrach

zu finden sind. Ob London,

Rom, Los Angeles, Tokio: Überall

stehen architektonisch spektakuläre

Bauten, die mit Klaus-

Parksystemen bestückt sind.

Neuerdings sind es spektakulärekirchturmhohe

Parktürme. In

ihnen werden die Autos am Fuß

in Empfang genommen und automatisch

auf Etagen mit leeren

Parkboxen gehievt. Aus denen

werden sie wie von Geisterhand

wieder abgerufen.

Das war vor 50 Jahren anders. Als

Firmengründer Kaspar Klaus, die

Idee hatte, wegen der sich abzeichnenden

Parkplatznot zwei

Autos per Rampe übereinander

abzustellen, wurde er belächelt.

Der Kölner Rheinauhafen: In der längsten öffentlichen Tiefgarage Europas

kommen auch technische Lösungen von Klaus Multiparking zum Einsatz.

Doch er behielt Recht. In rascher

Folge kamen mehrstöckige Plattformen,

die seitlich verschiebbar

waren, und kreisförmige drehbare

Scheiben dazu. Sie waren nicht

nur platz- sondern auch zeitsparend,

weil der lästige Gegenverkehr

entfiel. Damit war das

Grundprinzip für die heute nach

dem Fahrstuhlprinzip arbeitenden

Parktürme erfunden. Heute

zählt Klaus Multiparking bei Autoparksystemen

zu den Weltmarktführern,

kooperiert mit 65

Vertriebspartnern weltweit und

hat Anlagen mit mehr als 700.000

Stellplätzen ausgeliefert. Allesamt

wurden von den 140 Mitarbeitern

im Werk in Aitrach konzipiert

und gefertigt. [!] HAM

4


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[namen & nachrichten]

Je größer die Firma, desto satter das Gehalt

Führungskräfte und Spezialisten

im kaufmännischen Bereich

konnten sich 2013 im Durchschnitt

über 3,3 Prozent höhere

Bezüge freuen. Nach dem Vergütungsreport

der Managementberatung

Kienbaum erhalten Führungskräfte

durchschnittlich

eine Vergütung von 124.000 Euro

im Jahr, während Spezialisten auf

64.000 Euro und Sachbearbeiter

auf 47.000 Euro kommen.

Die Unternehmensgröße beeinflusst

die Vergütung von Führungskräften

in kaufmännischen

Funktionen erheblich: Eine kaufmännische

Führungskraft in einem

Unternehmen mit mehr als

5000 Beschäftigten verdient mit

151.000 Euro durchschnittlichem

Jahresgehalt gut 75 Prozent

Verdienst im kaufmännischen Bereich

124.000 €/Jahr (Führungskräfte)

64.000 €/Jahr (Spezialisten)

Quelle: Kienbaum Consultants International GmbH

47.000 €/Jahr (Sachbearbeiter)

Grafik: mediaservice ulm

mehr als eine Führungskraft in

einem Unternehmen mit bis zu

50 Mitarbeitern: Sie erhält 86.000

Euro. 86 Prozent der Manager erhalten

einen Bonus. Im Schnitt

beträgt dieser 24.000 Euro; das

entspricht 17 Prozent der Gesamtdirektvergütung.

Bei den

Spezialisten und Sachbearbeitern

sind die Unterschiede nicht

ganz so groß: Unternehmen mit

mehr als 5000 Beschäftigten zahlen

ihren kaufmännischen Spezialisten

im Schnitt 75.000 Euro im

Jahr, bei kleinen Firmen erhalten

diese 55.000 Euro. Bei den Sachbearbeitern

reicht die Bandbreite

von 52.000 Euro bis 41.000 Euro.

Für die Studie hat Kienbaum

4600 Positionen in 577 Unternehmen

analysiert. [!]

OS

Kohler fördert faire Löhne

und Klimaprojekt

Ugandische Frauen bei der Ernte von Bio-Baumwolle.

Was Modeketten nach Skandalen

in der Textilproduktion erst lernen

müssen, ist bei Kohler Standard.

Das auf Einrichtungshaus

aus Erolzheim (Kreis Biberach)

hat laut Firmenchef Peter Kohler

schon immer auf die Herkunft

und die Produktion der Textilien

geachtet. Die Wäsche der Marke

„Cotonea“ besteht aus Biobaumwolle,

die ohne Pestizide, Gentechnik

und Kunstdünger in

Uganda angebaut wird. Faire Löhne

und Abnahmepreise sowie

gute Arbeitsbedingungen seien

garantiert und würden überprüft.

In Indien unterstützt das

Familienunternehmen, das elf

Mitarbeiter beschäftigt, ein Klimaprojekt,

das der Bevölkerung

zu günstigen Brennstoffen ohne

CO2-Ausstoß verhilft. [!] OS

Kaserne wird zum

Energie-Lernpark

Ein grünes Gewerbegebiet, ein

Lern- und Energiepark sowie eine

Akademie für Nachhaltigkeit: Das

ist auf 77 Hektar Fläche auf dem

ehemaligen Gelände der Oberschwabenkaserne

in Hohentengen

geplant. Das ganze firmiert

unter dem Namen Ehoch4. Die

spielerische Vermittlung von Wissen

rund um die Energie soll von

2016 an jährlich tausende Kinder

zwischen 2 und 15 Jahren anlocken.

Dahinter steckt der Ravensburger

Spieleverlag. Auch ein

Wissenschaftscampus ist vorgesehen.

Alle dortigen Einrichtungen

sollen mit vor Ort erzeugter Energie

versorgt werden. Das Investitionsvolumen

beträgt mehr als

50 Millionen Euro. [!] OS

1000 neue Arbeitsplätze

mit L-Bank-Förderung

Die Förderung der L-Bank hat in

der Region Ulm zahlreiche Investitionen

ausgelöst. Im ersten

Halbjahr unterstützte das landeseigene

Förderinstitut 274 Unternehmen

aus dem IHK-Bezirk

Ulm mit rund 93 Millionen Euro.

Das sind 82 Prozent mehr als im

Vorjahr. Dies führte zu Investitionen

von 163 Millionen Euro. Fast

300 neue Arbeitsplätze sind entstanden.

Neben IHK-Firmen wurden

auch 685 Betriebe der Handwerkskammer

Ulm unterstützt.

Die Darlehen von 196 Millionen

Euro (plus 14 Prozent) lösten Investitionen

von mehr als 337 Millionen

Euro aus. Dadurch werden

in den Handwerksfirmen 1000

Jobs geschaffen. [!]

OS

5


[rubrik] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Foto: © Pixsooz / Fotolia.com

guteWolken,schlechteWolken

Wer braucht heute noch eigene teure Server und IT-Spezialisten, wo es doch Clouds gibt? Doch so manche Wolke, vor

allem in den USA, kann tückisch sein. Wo lauert Gewittergefahr? Ein Überblick.

Schöne neue Welt. Von jedem Gerät an jedem Ort kann man auf Firmendaten zugreifen. Aber Achtung. Nicht jeder Cloud kann man trauen.

Sie ist kompliziert, teuer und für viele

unerlässlich: IT (Information Technologies),

also elektronische Datenverarbeitung.

Kaum ein Unternehmen kommt

noch ohne IT-basierte Verarbeitung von Daten

aus. Ob Kundendaten, Wissensmanagement

oder Verwaltung, alles wird elektronisch

gemacht. Natürlich vernetzt, damit alle

immer auf dem aktuellen Stand sind.

Problemlos ist die IT freilich nicht. Einfach

den Rechner anschalten und loslegen, klappt

nur dann, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Für ein funktionierendes System sind

ausreichende technische Kapazitäten nötig –

und Leute, die für Wartung und Bereitstellung

sorgen. Aber Fachleute und Technik kosten so

viel, dass es sich für viele Unternehmen nicht

lohnt, sie selbst im Betrieb anzustellen.

Angesichts dessen

verwundert es

nicht, dass das sogenannte

Cloud-

Computing seit

der Jahrtausendwende

immer

beliebter wird.

„Unter Cloud-

Computing versteht

IT-Professor Philipp Brune

man die

erklärt die Cloud.

skalierbare Bereitstellung

verschiedener

IT-Dienstleistungen in einem entfernten

Rechenzentrum über das Internet, es ist

eine besondere Form des IT-Outsourcings“,

erklärt Professor Philipp Brune von der Hochschule

Neu-Ulm (HNU). Er ist wissenschaftlicher

Leiter des Rechenzentrums der HNU und

Experte in Sachen Cloud-Computing.

ameriKaNerDomiNiereN

Lag das deutsche Marktvolumen von Cloud-

Diensten 2013 noch bei 4,52 Milliarden Euro,

wird es im laufenden Jahr auf voraussichtlich

6,62 Milliarden Euro und 2015 auf 9,23 Milliarden

Euro anwachsen. Das prognostiziert

eine Studie der Münchner Experton-Group.

Dominiert wird der Markt von den großen US-

Anbietern wie salesforce.com und den Cloud-

Diensten von Google, Apple und Microsoft.

Laut dem Computermagazin „c‘t“ befinden

sich 90 Prozent der globalen Cloud-Kapazität

in den USA.

Es gibt jedoch auch Cloud-Anbieter mit Rechenzentren

in Europa. Im Großraum Ulm

6


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[sicherheit]

Cloud-Dienstleistungen:Diedreitypen

Partner auf

Augenhöhe

Kopiersysteme

» Multifunktionale Systeme

» Managed Print Services

» Dokumentenmanagement

» Analyse & Optimierung

grundsätzlich wird zwischen drei Arten

von Cloud-Dienstleistungen unterschieden,

erklärt Experte Philipp Brune.

Infrastructure-as-a-Service (IaaS) bezeichnet

die reine Bereitstellung technischer

Leistungen, also von Rechenkapazität

oder Speicherplatz. Die Verwaltung

und Betreuung übernimmt der Kunde

selbst. IaaS ist die häufigste Form von

Cloud-Computing.

Platform-as-a-Service (PaaS) beinhaltet

für den Kunden die Möglichkeit, in

der Cloud selbst Anwendungen zu entwickeln

oder zu betreiben.

Die vielleicht bekannteste Cloud-Form

ist Software-as-a-Service (SaaS). Hierbei

nutzt der Kunde Software auf dem

Cloud-Speicher, die vom Dienstleister

angeboten, betreut und verwaltet wird.

Der Unterschied zum Mieten eines Servers

besteht darin, dass beim Cloud-

Computing flexibel auf den aktuellen Bedarf

an technischen Ressourcen reagiert

werden kann. „Man bezahlt nur, was gerade

benötigt wird. Gleichzeitig kann der

Anbieter ungenutzte Kapazität anderweitig

verkaufen“, erläutert der Professor.

Die Vorteile für den Kunden: Er spart sich

eine eigene IT-Abteilung und Betreuung.

Die Flexibilität des Cloud-Computings

macht zudem eine einfache Anpassung

der IT-Strukturen auf Veränderungen und

Fortschritt möglich.

Gab

IT-Lösungen

» IT-Infrastruktur & Sicherheit

» Medien- & Konferenztechnik

» Cloud-Dienste & Storage

» Virtualisierungskonzepte

stellt beispielsweise auch die Wilken-Gruppe

ein Rechenzentrum mit entsprechenden

Dienstleistungen zur Verfügung. Der Geschäftsführer

des Zentrums, Harald Varel,

skizziert das Konzept: „Wir bieten Software

und IT-Infrastruktur auf lokaler Ebene an und

stellen auf den Kunden abgestimmte Lösungen

bereit.“

Das Rechenzentrum selbst ist ein mannshoher,

schwarzer Block mit einer Grundfläche

von zwei auf fünf Metern. Er besteht aus mehreren

Recheneinheiten, von denen jede den

Stromverbrauch eines Mehrfamilienhauses

hat. Das gesamte Zentrum benötigt täglich etwa

1350 kWh. Insgesamt werden hier am Tag

mehr als 30 Terrabyte Daten verarbeitet und

den Unternehmen, die sie auslagern, wieder

zur Verfügung gestellt. Das Gesamtvolumen

der Daten beträgt etwa ein Petabyte, das sind

eine Million Gigabyte. Auch andere Unternehmen

vermitteln lokale und internationale

Clouds und betreuen sie, so zum Beispiel auch

der Ulmer IT-Spezialist Fritz und Macziol.

Cloud-Direktor Jörg Mecke sagt: „Uns ist es

wichtig, dass der Kunde keinen Unterschied

zur IT ohne Cloud bemerkt.“ Fritz und Macziol

bietet sowohl die Betreuung von Clouds an,

die ein Unternehmen selbst errichtet, als auch

eine Übernahme der IT-Auslagerung an auswärtige

Rechenzentren. Hier bleibt die Wahl

des Cloud-Standortes dem Auftraggeber überlassen.

Bei dem Ulmer IT-Spezialisten wird

Flexibilität als der größte Vorteil der Clouds

gesehen. Gute Cloudlösungen lassen sich

nach den Worten Meckes auf die Bedürfnisse

und Wünsche des Kunden anpassen.

Bei der Auslagerung von Unternehmensdaten

ist die Sicherheit das zentrale Thema. Gerade

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7


[sicherheit] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Rechenzentren benötigen außerordentlich viel Energie. Das Ulmer Unternehmen Wilken hat daher ein eigenes Blockheizkraftwerk.

wenn es um Kundendaten geht, darf nichts

passieren. Für den Schutz muss jedes Unternehmen

garantieren. Das kann zum Problem

für Firmen werden, die Cloud-Anbieter in den

USA nutzen. Diese unterliegen dem sogenannten

„Patriot Act“. Das nach den Anschlägen

vom 11. September 2001 entstandene Gesetz

verpflichtet Unternehmen in den USA,

den Geheimdiensten auch ohne richterliche

Anordnung Zugriff auf ihre Server zu geben.

Wird hierbei gegen das deutsche Bundesdatenschutzgesetz

verstoßen, so drohen dem

deutschen Kunden des US-Anbieters möglicherweise

juristische Probleme. Die Folge

können Bußgelder und Schadenersatzzahlungen

sein.

Der europäische Gerichtshof entschied 2011,

dass personenbezogene Daten nur noch eingeschränkt

in die USA gelangen dürfen. „Der

Ausweg aus der problematischen Situation

ist, einen regionalen oder zumindest nationalen

Cloud-Anbieter zu wählen“, sagt Brune.

Diese sind den deutschen Gesetzen unterworfen

und bieten häufig eine höhere Transparenz

ihrer Strukturen. Auch Microsoft plant

nun Clouds in Deutschland.

In jüngster Zeit tauchen Berichte auf, dass Hacker

sensible Daten von Clouds gestohlen haben.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Veröffentlichung

privater Fotos etlicher

Prominenter. Die Bilder wurden aus Cloud-

Speichern des US-Konzernriesen Apple entwendet.

Für ein Unternehmen wäre der Diebstahl

von Know-how oder Kundendaten eine

Katastrophe. Zudem stellt sich die Frage nach

Problemen beim technischen Betrieb des Rechenzentrums.

Ein Ausfall der Datenzentren,

etwa wegen eines Stromausfalls, könnte fatal

sein, denn plötzlich wären sämtliche Kunden

von ihrer IT-Verwaltung abgeschnitten.

DasProblemistDerKUNDe

Ist die Auslagerung also leichtsinnig? Nein,

findet Brune: „Gerade die auf die Wirtschaft

spezialisierten Anbieter von Cloud-Computing

haben oft mehr Erfahrung und Wissen

beim Thema Sicherheit und auch höhere

Standards, als dies bei ihren Kunden der Fall

ist. Oft gelangen die Hacker viel einfacher an

die Zugangsdaten der Nutzer und kommen

darüber an die Datenbanken.“ Auch Harald

Varel bestätigt, dass die meisten Sicherheitsprobleme

beim Kunden entstehen. „Wir versuchen,

unsere Kunden mit Beratung und

durch besonders

restriktive Sicherheitsmechanismen

zu einem sicheren

Umgang

mit ihren Passwörtern

zu bewegen“,

sagt er. Bei Wilken

legt man besonderen

Wert auf Virenabwehr

und Wilken-Geschäftsführer

Ausfallsicherheit Dr. Harald Varel.

des Rechenzentrums.

Das steht in einem alarmgesicherten

bunkerartigen Raum mit Sicherheitsschleuse

und eigenem Kühlsystem, die Firma verfügt

in Ulm zudem über ein eigenes Blockheizkraftwerk

und ein Notstromaggregat.

Worauf muss ein Unternehmen also achten,

wenn es einen Cloud-Dienst nutzen möchte?

„Das A und O ist Information“, sagt Brune: „Ich

muss wissen, welche Form von Cloud-Computing

ich benötige und welchen Kriterien

der Dienst genügen sollte.“ Für Unternehmen,

die ihre komplette IT auslagern wollen, bietet

sich ein sogenannter IaaS-Dienst (siehe Info-

Kasten) an. Brune zufolge spricht viel für An-

8


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[sicherheit]

bieter in der Nähe: Bei ihnen kann man vor

Ort genau in Augenschein nehmen, wie die

Daten aufbewahrt werden. Das ist sogar

Pflicht. Der Paragraph 11 des Bundesdatenschutzgesetzes

besagt, dass jeder, der personenbezogene

Daten extern verwalten lässt,

sich von der Einhaltung der Sicherheitsstandards

überzeugen muss.

WindowsXPalssicherheitsrisiko

it-KoNgressiNNeU-Ulm

Anhaltspunkte für die Sicherheit von Daten

und Rechenzentren können auch verschiedene

Zertifikate bieten. Technische Maßnahmen

etwa werden von der ISO-Norm ISO

27001 erfasst, während der Tüv Zertifikate für

Infrastruktur und Prozesse ausstellt. Auch das

Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer vergibt

Zertifikate für Rechenzentren aus.

Allerdings bremst eine Sache in Deutschland,

die Ausbreitung der Cloud-Dienste, gibt Brune

zu bedenken: „Ein großes Problem ist die

Breitband-Anbindung.“ Zwar sind die Rechenzentren

oft sehr gut und bei mehreren Providern

angebunden, jedoch sind die Internet-

Leitungen zu den potenziellen Kunden oft

sehr schlecht. Das bestätigen auch die Ulmer

IT-Anbieter. Baden-Württembergs Ministerpräsident

Winfried Kretschmann (Grüne) hat

das auch erkannt. Er will den Ausbau der

Breitbandversorgung vorantreiben, vor allem

im ländlichen Raum, wo viele mittelständische

Weltmarktführer ihren Sitz haben. Statt

12 Millionen Euro will die Landesregierung

den Breitbandausbau künftig jährlich mit 30

Millionen Euro fördern.

Eine Möglichkeit für Unternehmer und Entscheider,

mit regionalen Anbietern ins Gespräch

zu kommen und sich über sie und ihre

Dienste zu informieren, bietet am 13. November

in der Hochschule Neu-Ulm der „IT-Kongress

Neu-Ulm/Ulm 2014“. Das Forum für

Wirtschaft und IT-Fachwelt legt einen besonderen

Fokus auf Cloud-Computing und Informationssicherheit.

[!] Gabriel bock

DURCHBLICK

IN WOLKIGEN

ZEITEN!

Damit Sie die echten Informationen

zwischen all den „IT Buzzwords“

finden, haben wir für Sie die Cloud

Bibliothek entwickelt.

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Diepopulärstenbetriebssysteme sind

die der Windows-Reihe des Softwareriesen

Microsoft. Diese werden immer wieder

für ihre Anfälligkeit gegenüber Hacking

kritisiert. IT-Experten bestätigen

zwar, dass es manchmal Lücken in den

Systemen gibt, jedoch sind die meisten

von ihnen dann kein Thema mehr, wenn

auf regelmäßige Updates und aktuellen

Virenschutz geachtet wird.

Ein großes Problem stellt aber Windows

XP dar. Für das veraltete Betriebssystem

entwickelt Microsoft keine Sicherheitspatches

mehr, und auch der Support ist

eingestellt. Das bedeutet, dass neue Sicherheitslücken

nicht mehr geschlossen

werden. Obwohl der US-Konzern mittlerweile

vor der Nutzung des XP-Systems

warnt, verwenden es noch immer viele

Betriebe und Privatpersonen. Sein Marktanteil

liegt 2014 bei etwa 23 Prozent.

Dabei ist klar, dass jeder Rechner mit

dem veralteten Betriebssystem und Zugang

zu sensiblen Daten ein besonderes

Sicherheitsrisiko darstellt.

Der Umstieg auf eine aktuelle Windows-

Version empfiehlt sich also dringend. Viele

Unternehmen überspringen hierbei den

XP-Nachfolger Windows 7, dessen Updates

2020 eingestellt werden und stellen

gleich auf das aktuelle Windows 8.1 um.

Andere wiederum entscheiden sich, auf

dessen Nachfolger Windows 9 zu warten;

der ist für April 2015 angekündigt. Gab

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[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

ÖMA Kisslegg

zieht um nach

Lindenberg

Die Vertriebsgesellschaft Ökologische

Molkereien Allgäu

(ÖMA) stößt am Standort Kisslegg

an Kapazitätsgrenzen und

verlagert deshalb ihren Firmensitz

nach Lindenberg. Dort

übernimmt sie Gewerbeflächen

des Schmelzkäseproduzenten

Schreiber und ein großes Kühllager.

Die ÖMA beliefert ausschließlich

den ökologischen

Fachhandel. Sie wurde 1985 in

einer Garage gegründet. Seither

wuchs sie kontinuierlich. Zuletzt

erwirtschaftete sie mit 50

Mitarbeitern einen Jahresumsatz

von 35 Millionen Euro.

Steigtechnik

gehört zu den 50

Besten Bayerns

Besondere Ehrung für die Günzburger

Steigtechnik GmbH: Das

Familienunternehmen mit 250

Mitarbeitern darf sich mit dem

Titel „Bayerns Best 50“ schmücken.

Der Hersteller von Leitern

zähle zu den Wachstumsmotoren

des Freistaats und sei der

bayerische Vertreter in der

Champions League des Mittelstands,

sagte die bayerische

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner

(CSU). Das Unternehmerehepaar

Ferdinand und Ruth

Munk wurde auch für das Bekenntnis

zum Standort Günzburg

und für die Qualifizierung

der Mitarbeiter gewürdigt.

Edelmann

investiert

in Ungarn

Der Verpackungshersteller

Edelmann (Heidenheim) vergrößert

sein Werk in Ungarn

für fünf Millionen Euro. Ende

des Jahres soll ein neues Gebäude

mit 14.000 Quadratmetern

Schwere Zeiten

Der Wegfall der Milchquote in der EU im Frühjahr 2015 löst

Ängste bei Landwirten im Südwesten aus. „Die kleinen Betriebe

auf der Schwäbischen Alb oder im Allgäu werden es schwer

haben“, sagte der Landeschef des Bundesverbandes Deutscher

Milchviehhalter, Karl-Eugen Kühnle. Im Norden seien die

Böden leichter zu bearbeiten, dort sei Großlandwirtschaft besser

möglich. Heute gibt es in Baden-Württemberg noch 9000

Milchviehhöfe, das sind weniger als die Hälfte als 1996.

Fläche im Werk Zalaegerszeg

im Osten des Landes bezogen

werden. Das soll die Basis sein,

um das Geschäft in Zentral- und

Osteuropa auszuweiten. Bis

2016 entstehen dort 100 neue

Jobs. Im Jahr 2013 erzielte Edelmann

mit 2200 Mitarbeitern an

13 Standorten einen Umsatz

von 233 Millionen Euro.

Stadtwerk am

See steigert

Gewinn deutlich

Das Stadtwerk am See (Friedrichshafen/Überlingen)

hat im

ersten vollen Geschäftsjahr seit

Foto: © Thomas Neumahr / Fotolia.com

der Fusion im Oktober 2012 den

Gewinn um ein Drittel auf 9,8

Millionen Euro steigern können.

Der Umsatz sank im Jahr 2013

um knapp 2 Prozent auf 180 Millionen

Euro. Die Einbußen im

Energiegeschäft konnte das Unternehmen

mit 311 Mitarbeitern,

das im Herbst 2012 aus der

Fusion der Stadtwerke Friedrichshafen

und Überlingen

hervorgegangen ist, mit dem

Wassergeschäft mehr als ausgleichen.

„Die Einmalkosten aus

der Fusion sind 2013 entfallen,

die Synergien kommen mehr

zum Tragen“ , erklärten die Geschäftsführer

Alfred Müllner

und Klaus Eder. An die Gesellschafter

– die Städte Friedrichshafen

und Überlingen – überweist

das Unternehmen für 2013

insgesamt 12 Millionen Euro.

Uzin Utz erhält

Preis von

„familiyNET“

Der Bauchemiespezialist Uzin

Utz AG (Ulm) ist im Rahmen

von „familyNET“ für sein Engagement

zur besseren Vereinbarkeit

von Beruf und Familie ausgezeichnet

worden. Das

landes weite Projekt wird unter

anderem unterstützt durch das

Landeswirtschaftsministerium

sowie die Metall- und Chemieindustrie.

Uzin Utz erhielt den

Preis, weil das Unternehmen individuelles

Coaching, Mentoring,

flexible Arbeitszeitmodelle,

Führen in Teilzeit sowie zahlreiche

Workshops anbietet. Zuletzt

kam der Hersteller von Spezialchemikalien

und Geräten für die

Bodenbearbeitung auf einen Jahresumsatz

von 217 Millionen

Euro mit 950 Mitarbeitern.

Cooper Standard

verlagert Stellen

nach Serbien

Der in Lindau ansässige Automobilzulieferer

Cooper Standard

denkt an die Verlagerung

eines Großteils der Arbeitsplätze

vom Bodensee nach Serbien.

Fast 40 Prozent der knapp 1000

Arbeitsplätze in Lindau sollen

trotz einer Standortsicherungsvereinbarung

von der Maßnahme

betroffen sein. In erster Linie

geht es um lohnintensive

Tätigkeiten in der Produktion.

In Serbien liegt der Stundenlohn

bei 3,50 Euro. Seit Jahren

bemühen sich die Beschäftigten

in Lindau, durch Lohnverzicht

ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

Als das Unternehmen zur Metzeler-Gruppe

gehörte, war es eines

der größten Arbeitgeber in

Lindau. [!]

10


Gutes Geld – gutes Gewissen.

Unser Engagement

für Bildung.

Sparkassen fördern Bildung in allen Regionen Baden-Württembergs. Im

Rahmen unseres sozialen Engagements ermöglichen wir Bildungsangebote für alle

Teile der Bevölkerung. Wir fördern gemeinnützige Vorhaben im Bildungsbereich

mit jährlich über 16 Mio. Euro in 21 Stiftungen. Denn Wissen ist der wichtigste

Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Das ist gut für die Menschen und gut

für Baden-Württemberg. www.gut-fuer-bw.de

Sparkassen. Gut für Baden-Württemberg.

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[titelthema] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[titelthema]

Einladung

zumAnfassen

Wie funktioniert eine Brennstoffzelle? Was tun, wenn ein E-Auto brennt? Wie

verhält sich Wasserstoff? Antworten gibt das Ulmer WBZU -– Handwerkern,

Studenten, Schülern. Anfassen ist dabei fast immer erlaubt. Dr.TobiasMehlich

und Prof.WernerTillmetz über das Tête-à-Tête von Handwerk und Forschung.

Wer Handwerker sucht, tut das in Werkstätten oder

auf dem Bau. Seit einiger Zeit tauchen sie aber

auch mitten in der Ulmer Wissenschaftsstadt auf

dem Oberen Eselsberg vermehrt auf – in Seminaren

und Laboren. Was steckt dahinter?

Dr. Tobias Mehlich: Das Handwerk macht sich fit für die

Zukunft – im Weiterbildungszentrum für innovative

Energietechnologien der Handwerkskammer Ulm,

dem WBZU. Es ist eine Schnittstelle zwischen Praxis

und Forschung.

Will das Handwerk selbst forschen?

Mehlich: Nein, es geht darum, den Kunden Erfindungen

möglichst rasch anzubieten. Zum Handwerk zählt

eben nicht nur der Schuster, der nach herkömmlicher

Methode Schuhe besohlt. Wir wollen ein traditionelles

Handwerk, aber wir wollen auch ein Handwerk, das die

moderne Welt gestaltet. Wir entwickeln neue Betätigungsfelder

und Geschäftsideen.

Und wieso suchen Sie, Professor Tillmetz, als Wissenschaftler

und Leiter des Zentrums für Sonnenenergie-

und Wasserstoff-Forschung (ZSW) die

Nähe zum Handwerk?

Professor Werner Tillmetz: Mich hat schon immer nicht

nur die pure Forschung angetrieben. Die dient im

universitären Bereich dem reinen Erkenntnisgewinn.

Das ist für mich persönlich eher sekundär. Mir ist die

Anwendung wichtig: Wie kann ich das nutzen? Wie

kann die Wirtschaft damit Geld verdienen? Wie kann

man eine neue Technologie nachhaltig nutzen? Wir in

Deutschland haben ein Umsetzungs-Problem. Wir sind

immer wieder Forschungsweltmeister, aber verkaufen

tun andere.

An welche Beispiele denken Sie?

Tillmetz: Kameras. Da waren wir einst Weltmarktführer.

Hochwertige Kameras kamen aus Deutschland.

Wie viele produzieren wir heute noch? Es gibt viele andere

Beispiele. Wo mechanische Technologien von etwas

Neuem, Besseren verdrängt werden, ist auch das

oft bei uns erfunden worden. Nehmen Sie den Computer,

entwickelt von Konrad Zuse, das Fax von Siemens ...

Und wer macht das Geschäft? Apple, Samsung, Panasonic

... Das treibt mich um, weil ich seit Jahrzehnten an

neuen Technologien arbeite, lange in der Industrie –

und jetzt seit fast zehn Jahren hier in der Forschung.

Wie kommt das Handwerk ins Spiel?

Tillmetz: Die Idee ist vor gut eineinhalb Jahren entstanden.

Grundgedanke: Mit dem Handwerk sind wir direkt

am Nutzer neuer Technologien dran. So erfahren

wir, was er nicht oder anders will – und wieso. Das ist

eine Chance, vom reinen Forschungsweltmeister wegzukommen.

Hat die Kooperation schon unmittelbaren Nutzen

für Ihre Forschung gebracht?

Tillmetz: Noch nicht direkt. Aber vor gut einem Jahr

war ich mit meinem Auto beim Kundendienst. Bei der

Gelegenheit habe ich den Meister gefragt, was er von

Elektromobilität hält – einem der Schlüsselthemen an

unserem ZSW.

Und?

Tillmetz: „Totaler Blödsinn“, sagte er.

Wer wie Sie Batterien entwickelt, muss da wohl erst

mal schlucken, oder?

Sie verbinden Handwerk und Forschung: Tobias Mehlich (li.), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, und Professor

Werner Tillmetz, Leiter des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, vor einem Blockheizkraftwerk.

ZurPerson

Langweilig dürfte es

Tobias Mehlich (47)

so schnell nicht werden.

Als Hauptgeschäftsführer

der

Handwerkskammer

Ulm vertritt er seit

dem Jahr 2010 rund

18.000 Betriebe. In

seiner Freizeit engagiert

er sich für Musik

– als Vorsitzender

des Vereins Kinderund

Jugendchor „Ulmer

Spatzen“. Der

Jurist, der mit seiner

Familie (verheiratet,

drei Kinder) in Ulm

wohnt, stammt aus

dem hessischen Bad

Nauheim.

ZurPerson

WernerTillmetz gehört

zu den führenden

Brennstoffzellenund

Batterieexperten

in Deutschland. Der

59-jährige Professor

folgte 2004 dem Ruf

der Uni Ulm. Seither

leitet er den Geschäftsbereich

Elektrochemische

Energietechnologien

am

Zentrum für Sonnenenrgie-

und Wasserstoffforschung.

Der

gebürtige Oberbayer

wuchs in Lindau auf,

wo er noch heute mit

seiner Frau und seinen

beiden Kindern

(15 und 21) lebt.

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[titelthema] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Tillmetz: Ich wollte wissen, warum. Seine Antwort:

„Mein Geld verdiene ich heute mit Öl-, mit Zündkerzen-

und Zahnriemenwechsel. Das gibt es im E-Auto

nicht mehr. Wie soll ich also damit etwas verdienen?“

Mehlich: Genau darum geht es: zeigen, welche Geschäftsideen

hinter neuen Technologien stecken könnten und

dem Handwerk das nötige Wissen vermitteln.

Konnten Sie die Sicht des Kfz-Meisters nachvollziehen,

Herr Professor Tillmetz?

Tillmetz: Klar. Tatsächlich informieren die Autohersteller

ihre Vertragspartner in den Werkstätten nicht über

die Arbeitsinhalte rund um das E-Auto. Ihnen ist wohl

nicht bewusst, dass man den Umgang mit einer komplett

neuen Technologie auch gelernt haben muss.

Über das WBZU und die Handwerkskammer erreichen

Sie die Handwerker …

Tillmetz: So ist es. Wir können an die Basis gehen. Wir

setzen uns mit den Handwerkern aus den Werkstätten

zusammen und erklären ihnen, wie ein Elektroauto

funktioniert, wo Wartungsbedarf auftreten kann und

worauf man achten muss. Mit den Leuten kann man

sehr fundiert diskutieren.

Mehlich: Auch deshalb muss das Handwerk nahe bei der

Forschung sein. Bringt die Forschung etwas auf den

Weg, müssen wir wissen, wohin die Reise geht und wie

die Betriebe damit Umsatz machen können. Gibt es nur

noch Autos mit Brennstoffzellen, muss ein Lehrling

nicht mehr lernen, wie man einen Auspuff schmiert,

sondern wie man mit Wasserstoff umgeht.

Im WBZU spielen nicht nur die E-Autos eine Rolle?

Mehlich: Das geht viel weiter. Die Energiewende betrifft

die verschiedensten Handwerksgebiete: Elektromobilität,

Energieeffizienz von Heizungen, Energiegewinnung

aus Sonne und Wind, Speichertechnik für Häuser.

Das wird auch die Ausbildung in vielen Berufen

verändern. Die Nähe zur Forschung hilft uns, die Ausbildungsordnungen

anzupassen.

Diese Impulse könnten von Ulm aus das Handwerk

im ganzen Land revolutionieren?

Mehlich: Was wir hier am WBZU machen, hat eine bundesweite

Leuchtturmfunktion.

Dann sind Sie Trendsetter?

Mehlich: Oder Versuchskaninchen. Es ist ein Versuch,

den wir starten, es gilt auch Gräben zu überwinden.

Forscher haben ihre eigene Sprache, Handwerker

auch ...

Bevor einer fragt: Auch Tobias Mehlich weiß, dass man mit

Krawatte nicht Löcher in Betonklötze bohrt. Für den Fotografen

machte er eine Ausnahme.

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[titelthema]

Tillmetz: Die Übersetzung hinzubekommen, komplizierte

Sachverhalte verständlich zu erklären – das ist

die große Kunst. Wir haben am WBZU talentierte Leute

dafür, und auch im Handwerk beherrschen das viele.

Um beim Kfz-Mechaniker zu bleiben: Bisher schulen

die Meister den Umgang mit dem Vergaser, künftig

müssen sie erklären, wie das mit Batterien und E-Autos

geht. Wir können also entweder eigene Leute einsetzen

oder wir versorgen die Ausbilder im Handwerk mit

Wissen.

Wie wird das Wissen vermittelt?

Tillmetz: Das ist das Einmalige am WBZU: Wir haben in

sieben Labors Technik zum Anfassen – Knöpfe drücken,

Messkurven anschauen … Man erlebt praxisnah,

wie eine Brennstoffzellenbatterie funktioniert.

Mehlich: Hier können Handwerker durch Erfahrung lernen,

Wissen wird nicht einfach an der Tafel präsentiert.

Man muss es in ihre Sprache übersetzen und vor allem

in ihre Methoden transferieren.

Komplizierte Inhalte herunterzubrechen, wird in

der Welt der Wissenschaft nicht unbedingt besonders

geschätzt. Wie gehen Sie damit um, Herr Professor

Tillmetz?

Tillmetz: Vielleicht müsste man in die Belohnungssysteme

der Wissenschaft eingreifen: Man macht am ehesten

das, wofür man belohnt wird. Für Forscher an Universitäten

sind dazu möglichst viele Veröffentlichungen

in den Wissenschaftsjournalen wichtig. Wer einfache

Anfassen erlaubt: Am Weiterbildungszentrum

wird Wissen

nicht dröge an der Tafel

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[titelthema] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Wie reagieren die Studenten?

Tillmetz: Wir nutzen die Labors im WBZU für die ganz

normale Praktikumsausbildung der Studenten. In einem

internationalen Masterstudiengang lernen sie

Batterien, Brennstoffzellen und so weiter kennen – an

den gleichen Apparaturen und Geräten wie die Handwerker.

Die meisten sind begeistert und wollen auch

ihre Master- oder Doktorarbeit am ZSW machen.

Gibt es gemischte Projekte, bei denen Handwerker

und Studenten zusammen arbeiten und lernen?

Mehlich: Noch nicht, das wäre spannend. Aber schon

jetzt gehen Praktikanten von der Universität hier genauso

ein und aus wie die Handwerker.

Das WBZU steht also auch für die Durchlässigkeit

von Bildungs- und Karrierewegen?

Mehlich: Eines Tages werden wir die Meisterabsolventen

mit den Doktoranden mischen können. Das muss

das Ziel sein. Wir werden hier hochwertige Ausbildungsinhalte

anbieten können, die man anderswo

nicht bekommt.

Welche Themen außer der Brennstoffzelle werden

in der Kooperation zwischen WBZU und ZSW beleuchtet?

Welche Handwerkszweige können profitieren?

Tillmetz: Am ZSW arbeiten wir stark an der Kraft-Wärme-Kopplung

– mit und ohne Brennstoffzelle. Das Thema

hat die Handwerker vor einigen Jahren kalt erwischt.

Für uns wurde es zu einer tollen Erfolgsstory.

Die Fachverbände der Handwerker fragten uns: „Wir

müssen jetzt Kraft-Wärme-Kopplungen einbauen, wie

denn?“ Klassisch schließt der Elektriker den Strom an,

der Installateur die Gasleitung oder die Wärmeversorgung.

Beides zusammen geht laut klassischer Handwerkerordnung

nicht.

Professor Tillmetz hat‘s in der

Hand: eine komplette Brennstoffzelle

mit 20 Einzelzellen.

An den Modellen in Labor 4

wird demonstriert, wie so ein

System funktioniert.

Formulierungen benutzt, kommt da nicht weiter.

Übersetzungen, wie wir sie brauchen, machen diese

Wissenschaftler gewöhnlich nicht. Bei mir ist das

anders.

Sie legen keinen Wert auf Publikationen?

Tillmetz: Nein. Ich will Umsetzungen

hinbekommen. In dem anderen

System stecke ich auch nicht drin.

Mehlich: Professor Tillmetz macht

genau das, was hier schon immer

passieren sollte: Universität, Hochschulen

und Unternehmen in einer

Wissenschaftsstadt angesiedelt –

um Nähe zu schaffen und Übersetzungen

anzuschieben.

Wasserstoff

macht

erstmal

Angst

Werner Tillmetz

Darauf nimmt die Kraft-Wärme-Kopplung aber keine

Rücksicht ...

Tillmetz: Richtig. Auf Bitte der Fachverbände schafften

wir solche Geräte an, um daran eine herstellerneutrale

Ausbildung anzubieten. Wir haben in einem Tageskurs

ein Grundverständnis vermittelt.

Mehlich: … und das alles gewerkeübergreifend.

Tillmetz: Genau, und das ist wichtig.

Kraft-Wärme-Kopplung spielt

eine Riesenrolle in der Energiewende,

aber das Prinzip dahinter

verstehen viele noch nicht.

Sie schulen am WBZU auch Feuerwehrleute

und Rettungskräfte.

Warum?

Tillmetz: Dahinter steckt die Elektromobilität.

Die Fahrzeuge kann

man mit Wasserstoff ausrüsten oder mit Batterien.

Wasserstoff ist bei vielen negativ belegt. Wasserstoff

macht erstmal Angst.

Klingt eben nach Bombe …

Tillmetz: Ja, oder nach Hindenburg-Syndrom. Dabei

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[titelthema]

sind die Menschen beim Zeppelin-Absturz damals in

Lakehurst nicht wegen des Wasserstoffs ums Leben

gekommen, sondern wegen der brennenden Stoffbahnen.

Zurück zu den Rettungskräften. Was lernen sie

hier?

Tillmetz: Wir zeigen ihnen, dass Wasserstoff als solcher

nicht gefährlich ist. Er ist sogar viel, viel weniger gefährlich

als Benzin. Wir zeigen, wie man mit Wasserstoff

umgeht – und mit Batterie-getriebenen Fahrzeugen.

Was tut man, wenn sie gegen einen Baum fahren?

Ganz normal löschen? Man muss viele Details beachten.

Die erklären wir in den Schulungen. Zurzeit gibt es

noch fast keine Vorschriften, die den Umgang mit diesen

Technologien auch in Gefahrensituationen regeln.

Die Autobauer geben aber doch Informationen zu

ihren Fahrzeugen und dem Umgang mit ihnen?

Tillmetz: Sie statten ihre Fahrzeuge mit einer Rettungskarte

aus. Darauf können die Feuerwehrleute nachlesen,

wo Hochspannungsleitungen verlaufen und sie

mit ihrer Rettungsschere nicht reinfahren dürfen. Aber

was man macht, wenn die Batterie brennt, erfährt man

nicht.

Was sollte man tun?

Tillmetz: Für Feuerwehrleute und Rettungskräfte gilt:

Personen retten, löschen so viel und so gut es geht, und

dann das Fahrzeug stehen lassen und warten. Nicht in

brennendem Zustand abschleppen; das Feuer erlischt

von selbst. Es ist etwas ganz anderes, wenn eine Lithium-Ionen-Batterie

brennt als wenn ein Benzintank

brennt. Das muss man wissen.

Wo ist der große Unterschied?

Tillmetz: Bei einer brennenden Batterie lässt sich das

Feuer nicht durch Sauerstoff-Entzug ersticken. Sie

brennt auch ohne dass von außen Sauerstoff dazukommt.

Deshalb hilft nur: Abwarten, bis sie entladen

ist. Die richtige Reaktion: Ruhig Blut, nicht nervös werden!

Es kann an die zehn Jahre dauern, bis Vorschriften

für solche Gefahrensituationen entstehen, weil diese

so viele Gremien passieren müssen. Wir helfen den

Leuten jetzt.

Seien es Handwerker oder Rettungskräfte, Sie reden

mit Anwendern. Werden Sie durch diesen Dialog

zuweilen auf Schwierigkeiten aufmerksam, die

Ihnen sonst womöglich nicht aufgefallen wären?

Tillmetz: Ja. Dieser Rückfluss ist für mich mindestens

genauso wichtig wie der Wissenstransfer in die andere

So sehen die Eingeweide des

kleinen Blockheizkraftwerks

aus. Für Laien gilt hier aber:

Finger weg – was Tobias

Mehlich respektvoll beachtet.

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[titelthema] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Im WBZU arbeiten Forscher und Handwerker eng zusammen. Die Verantwortung tragen Prof. Werner Tillmetz (links) und Tobias Mehlich.

EinLeuchtturmprojekt

inDeutschland

DasWeiterbildungszentrum für innovative

Energietechnologien Ulm (WBZU) am

Ulmer Eselsberg verzahnt Wissenschaft

und Technik. Seine Kernaufgabe besteht

darin, neue Energietechnologien wie

Brenn stoffzellen, Wasserstoff, Batterien

und Miniblockheizkraftwerke in der Praxiseinführung

zu begleiten und die entsprechenden

Berufsgruppen frühzeitig weiterzubilden.

Die Handwerkskammer Ulm hat

das WBZU, in dem fünf Mitarbeiter tätig

sind, zu Jahresbeginn übernommen, sie

ist bundesweit die erste Hand werks institu

tion, die selbst angewandte Forschung

betreibt.

Prof.Dr.WernerTillmetz war bis Ende

2013 Vorstandschef des WBZU, seither

steht er dessen Beirat vor. Tillmetz leitet

das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung

Baden-Württemberg

(ZSW) in Ulm. Insgesamt beschäftigt das

ZSW mit Hauptsitz in Stuttgart 220 Mitarbeiter,

in Ulm sind es 110 Beschäftigte plus

70 wissenschaftliche Hilfskräfte. Das ZSW

in Ulm stand zuletzt wegen einer Explosion

in den Schlagzeilen, die eines der 15 Labore

verwüstete und 300.000 Euro Schaden

anrichtete. Grund war eine defekte

Gasleitung. Das Labor ist wieder instandgesetzt,

verletzt wurde niemand. AMB

Richtung. Wir müssen wissen, welche Probleme es in

der Handhabung geben kann.

Mehlich: Das gilt auch für die Speichertechnologie, die

nach und nach in den Haushalten Einzug halten soll.

Der Forscher lernt vom Anwender: Gibt es Beispiele?

Tillmetz: Die gibt es, aber spontan

fällt mir nichts Plakatives ein.

Mehlich: Wenn wir unsere Arbeit

hier gut machen, dann kann ich mir

vorstellen, dass immer mehr Lernprozesse

auch in die andere Richtung

laufen. Die Handwerker zum

Beispiel, die Speicher einbauen und

warten, können enorm viel einspeisen.

Tillmetz: Jetzt hätte ich ein Beispiel

parat.

Nur raus damit ...

Tillmetz: Wenn ein Elektroauto einen Crash hat, gehen

die Schalter der Batterie automatisch auf, weil die Batterie

die Spannungsquelle ist (mit 400 Volt). Lösen sich

Handwerker

können

enormviel

einspeisen

Tobias Mehlich

die Schalter oder Verbindungsklammern, ist das ganze

Fahrzeug spannungsfrei. Das ist auch richtig so.

Aber?

Tillmetz: Man kann dann nicht mehr schauen, was in

der Batterie passiert. Die Verbindung zu den vielen Sensoren

in der Batterie wird gekappt, wenn die Schalter

aufgehen. Dann ist sie eine stromlose

schwarze Kiste. Die Feuerwehrleute

vor Ort können dann

nicht wissen, ob die Batterie kaputt

ist oder nur abgeschaltet und

sicher. Das gibt uns in unserer Forschung

am ZSW Stoff zum Nachdenken:

Wie könnte man die abgekoppelte

Batterie testen? Solche

Prozesse sind wichtig für uns.

Weil Sie in weniger alltagstauglichen Kategorien

denken?

Tillmetz: Wir Wissenschaftler sind oft ganz stolz, wenn

wir den Wirkungsgrad verbessern. Dann kommt der

Kunde und fragt: Wirkungsgrad? Er will wissen, wie

lang die Batterie durchhält, wie sie gewartet wird. Sol-

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[titelthema]

che Fragestellungen kommen einem begeisterten Forscher

oft gar nicht in den Sinn.

Mehlich: Der Dialog verhilft den Wissenschaftlern ein

Stückweit zur Markt- und Anwendungsorientierung.

Guter Wirkungsgrad ist sicher ein gutes Verkaufsargument.

Aber ich sollte nicht jede Viertelstunde zum

Nachjustieren eines Speichers in den Keller müssen.

Wie viel Personal hält die ganzen Seminare im

WBZU am Laufen?

Mehlich: Momentan fünf Festangestellte. Sie gehören

zur Weiterbildungsakademie des Handwerks mit insgesamt

etwa 50 Beschäftigten. Dazu kommen freie Dozenten

auf Honorarbasis.

Tillmetz: Die Dozenten kommen zum Teil von uns, dem

ZSW, oder von befreundeten Instituten.

Wie ist die Resonanz auf das Angebot des WBZU?

Mehlich: Schon ganz gut. Aber wir müssen noch mehr

dafür trommeln.

Tillmetz: Im Schnitt haben wir über den Verein WBZU

e.V. etwa 1000 Leute pro Jahr erreicht.

Im Gespräch (von links):

Wirtschaftsressortleiterin

Karen Emler, der technische

Leiter des WBZU Peter Pioch

und Tobias Mehlich.

Das Foto links zeigt das Herzstück

einer Brennstoffzelle:

die (einlaminierte) Polymermembran.

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[titelthema] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Wer behauptet, Forschung

macht keinen Spaß?! Der Gokart

läuft mit einer Brennstoffzelle

und wurde im Rahmen

einer Studienarbeit

gebaut.

DAS INTERvIEW FÜHRTE

KAREN EMLER, LEITERIN

WIRTScHAFTSREDAKTION

SÜDWEST PRESSE

FOTOS:

OLIvER ScHULZ

DOKUMENTATION:

ISABELLA BURK

Mehlich: Ursprünglicher Auftrag des Vereins war die

Information der Öffentlichkeit über neue Energietechnologien

wie die Brennstoffzelle. Als Handwerk sehen

wir den Auftrag weiter.

Nämlich?

Mehlich: Zum Beispiel Berufsorientierung. Hier sind

ständig Schülergruppen unterwegs.

Die Schüler sehen an dieser Schnittstelle zwischen

Forschung und Handwerk, was heute alles zu einem

modernen Handwerk dazugehört?

Mehlich: Exakt. Wir wollen gut qualifizierte junge Leute

für das Thema Energiewende interessieren, sie für die

Mitarbeit gewinnen, sei es als Handwerker, als Forscher

oder als Industriefertiger. Wir bemühen uns auch, verstärkt

Hochschulabbrecher für das Handwerk zu gewinnen.

30 Prozent der jungen Menschen, die ein Studium

beginnen, verpeilen sich.

Was haben Sie vor?

Mehlich: Wir wollen sie gezielter abholen als bisher,

ihnen Perspektiven zeigen. Dabei kann das WBZU mit

all der sichtbaren neuen Technologie helfen. Und Tür

an Tür mit Hochschule und Universität können diese

jungen Leute sehen, dass es auch im Handwerk tolle

Berufe gibt.

Zurück zur Schnittstelle Forscher – Anwender.

Klopfen auch Hersteller bei Ihnen an, um zu erfahren,

wie anwendertauglich ihre Produkte sind?

Tillmetz: Wir haben schon den einen oder anderen Prototyp

hier stehen.Die Anwender mit den Entwicklern

in der Industrie zusammenzubringen – das wäre ein

schönes Thema für die Zukunft. Aber schon jetzt kommen

Firmen, die eine Technologie verstehen wollen.

Zum Beispiel?

Tillmetz: Eine unserer Brennstoffzellen ist perfekt für

Notstromversorgung, primär in der Telekommunikation.

Mit ihr würde das Handynetz bei Stromausfall

lange weiter funktionieren. Die üblichen Bleibatterie-

Sicherungen in Mobilfunkstationen sind nach einer

Stunde leer. Mit Brennstoffzelle und Wasserstoff arbeitet

das Netz wochenlang. Manche Vertreter der Telekommunikationsindustrie

haben sich die Technologie

im WBZU angeschaut und danach solche Geräte

gekauft – um sich gegen einen Blackout zu wappnen.

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014 [namen&nachrichten]

ZFFriedrichshafentrennt

sichvonLenksysteme-Tochter

ZF Friedrichshafen gibt seine Hälfte am Gemeinschaftsunternehmen

ZF Lenksysteme

an Bosch ab. Der Stuttgarter Autozulieferer

übernimmt damit die vollständige Kontrolle

über den Spezialisten für elektronische Lenkungen.

ZF Friedrichshafen wirft damit Ballast

auf dem Weg zur 9,5 Milliarden Euro teuren

Übernahme des US-Wettbewerbers TRW

ab. Die US-Amerikaner sind eine gute Ergänzung

für ZF. Sie sind spezialisiert auf Sicherheitsprodukte

wie Airbags, Gurte, Brems- oder

Fahrer-Assistenzsysteme. Der Chef von ZF

Friedrichshafen, Stefan Sommer, betonte, er

sehe „viele Symmetrien“ in den Kulturen beider

Firmen. ZF steigt durch den Zukauf mit

dann rund 30 Milliarden Euro Umsatz und

insgesamt 138.000 Mitarbeitern unter die Top

drei im weltweiten Zulieferer-Geschäft auf.

Bosch-Chef Volkmar Denner indes freut sich

über den Zukauf der ZF Lenksysteme (Schwäbisch

Gmünd), die zuletzt mit 13.000 Mitarbeitern

an 18

Standorten einen

Jahresumsatz von

4,1 Milliarden Euro

erzielte. Am

Stammsitz auf der

Ostalb sind mehr

als 5000 Beschäftigte

tätig. Rund 60

Prozent des Umsatzes

macht ZFLS Stefan Sommer, der Chef

mit Elektrolenkungen.

„Mit der

der ZF Friedrichshafen.

kompletten Übernahme von ZFLS stärkt

Bosch die Position für eine aktive Gestaltung

der Zukunft der Mobilität“, sagte Denner.

Denn ZFLS zähle „zu den Technologieführern

im Zukunftsfeld Elektrolenkung“. Das sei „die

Basistechnologie für automatisiertes Fahren,

für effizientere Fahrzeuge und auch für Elektroautos“,

sagte der Bosch-Chef. [!] KER

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Dethleffsbaut

20Stellenab

Das Geschäft der jahrzehntelang erfolgsverwöhnten

Branche der Reisemobil- und Caravanbauer

verläuft seit geraumer Zeit ausgesprochen

holprig. Das trifft auch den

Reisemobil- und Caravanhersteller Dethleffs

aus Isny. Dessen Umsatz verringerte sich im

Geschäftsjahr 2013/2014 um rund drei Prozent

auf 335 Millionen Euro, der Absatz von

Reisemobilen sank von 8144 auf 7968 Exemplare.

Bei den Caravans, deren Preise deutlich

unter denen der Reisemobile liegen, stiegen

die Verkaufszahlen um 111 auf 2526 Stück.

Als Konsequenz aus dem unbefriedigenden

Ergebnis bauten die Dethleffs-Verantwortlichen

20 von 779 Stellen ab. Zudem streben sie

an, das Unternehmen schneller als bisher geplant

zur „Volumen-Marke“ umzubauen – mit

Fahrzeugen in modernem Design, die dem

Mainstream der Branche folgen. Dadurch soll

der Umsatz auf 351 Millionen Euro klettern.

Im Gegenzug wird das „Luxus-Segment“

schrittweise verkleinert. Gleichzeitig investiert

Dethleffs 7,3 Millionen Euro, vor allem in

den Bau einer neuen Fertigungsstraße für

Fußböden. [!]

HAM

Biomilch-Bauern

erwägenKlage

Der Streit zwischen der Großmolkerei Omira

und ihren Biomilchlieferanten geht in eine

neue Runde. Als die Genossenschaft die Sparte

Biomilch aufgab, gingen die Erzeuger davon

aus, dass sie mit Ende der Belieferung ihre

Geschäftsanteile an der Omira ausgezahlt bekommen.

Doch zu einer fristgerechten Kündigung

kam es nicht. Vielmehr versuchte Omira,

die Bio-Genossen mit Aufhebungsverträgen

aus dem Geschäft zu drängen. Von Überbrückungshilfen

wie Abstandszahlungen oder

die sofortige Auszahlung der Geschäftsanteile

war seitens der Omira nicht die Rede.

Schlimmstenfalls wollte die Molkerei die Biomilch

zum Preis für normale Milch bei den

Biobauern abholen. Das würde beachtliche elf

Cent pro Kilogramm Biomilch ausmachen.

Diese Regelung empfinden die Biobauern als

Nötigung und wollen notfalls klagen. Betroffen

sind rund 12o Bio-Landwirte, die jährlich

25 Millionen Liter geliefert haben. Aktuell

verarbeitet die Omira mit ihren rund 600 Mitarbeitern

jährlich etwa 1 Milliarde Kilo Milch

an den Standorten in Ravensburg, Rottweil

und Neuburg an der Donau. [!] HAM

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[finanzieren] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Chefsesselzuvergeben

Viele Firmen in Baden-Württemberg suchen händeringend nach einem Nachfolger. Kaufen statt Gründen wird für

angehende Unternehmer zu einer Alternative. Auf welche Punkte es bei einer Übernahme zu achten gilt.

Nach Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung

(IfM) gab es im vergangenen

Jahr 338.000 Existenzgründungen

bei gleichzeitig 354.000 Pleiten. Einer

der Gründe für diese negative Bilanz ist, dass

die Geschäftsidee oder das Produkt der Jungunternehmen

oft noch nicht ausgereift genug

ist, um sich am Markt durchzusetzen. „Dazu

kommt, dass man am Anfang an so vieles denken

und sich darum kümmern muss – nicht

nur im operativen Geschäft, sondern auch um

die Verwaltungsaufgaben“, sagt Johann Alt,

Prokurist bei der Kaechele GmbH in Laichingen.

„Das ist schon sehr viel Aufwand für einen

Unternehmer in der Gründungsphase.“

EiNübErsChaubarEsrisiko

Alt und sein Partner Thomas Grabensee nahmen

einen anderen Weg und stiegen als Gesellschafter

bei Kaechele ein. „Die Übernahme

eines bestehenden Unternehmens

erschien uns einfacher als eine Neugründung“,

erzählt Alt, „zwar ist dabei nicht alles

so, wie man es sich idealerweise wünscht,

aber es sind funktionierende Strukturen vorhanden.

An Verbesserungen kann man dann

Schritt für Schritt arbeiten.“ Zudem sind die

Produkte ebenso wie der Markt erprobt, es

gibt Kundenverbindungen – und überprüfbare

Geschäftszahlen der vergangenen Jahre, so

dass sich das unternehmerische Risiko recht

gut einschätzen lässt. Im Fall von Alt und Grabensee

kam dazu, dass Dieter Fiebelkorn, bis

dahin Alleininhaber und Geschäftsführer des

Herstellers für Hotelwäsche und Objektausstattung,

schon seit längerem auf der Suche

nach einem Partner war, der das Unternehmen

weiterführt, wenn er in ein paar Jahren

in den Ruhestand geht.

Nach Schätzung des IfM steht allein in Baden-

Württemberg bei 17.000 Unternehmen pro

Altinhaber Dieter Fiebelkorn (links) will sich in

ein paar Jahren zurückziehen – Thomas Grabensee

(Mitte) und Johann Alt übernehmen.

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unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[finanzieren]

Joachim Rupp, Finanzierungsexperte

der IHK Ulm

Jahr die Nachfolge

an, davon bei etwa

500 bis 600 Firmen

in der Region Ulm.

Immer seltener

bleibt die unternehmerische

Führung

in der Familie

– oft, weil der

Nachwuchs andere

Pläne hat. Einen

Partner von außen

aufzunehmen, ist

dann meist die einzige Möglichkeit, den Fortbestand

der Firma zu sichern und einen Verkauf

an externe Dritte zu verhindern. In der

IHK Ulm betreut Nachfolgemoderator Joachim

Rupp das Thema. Der Finanzierungsexperte

hilft, potenzielle Kandidaten zu finden

und auszuwählen und kümmert sich um die

Nachbetreuung. Allerdings gilt es beim Einstieg

in bestehende Unternehmen eine hohe

Hürde zu meistern: die Finanzierung.

„Eine Unternehmensbewertung vom Sechsbis

Achtfachen des Jahresergebnisses vor Zinsen,

Steuern und Abschreibungen ist üblich“,

weiß Klaus Windheuser, Leiter Financial Engineering

der Mittelstandsbank in der Commerzbank.

„Da kommt selbst bei einem Mittelständler

schnell ein Millionenbetrag

zusammen.“ Und den wollen die Alteigentümer

oft bar haben, um ihren Lebensabend finanzieren

zu können. Da kommen selbst Gutverdiener

an ihre Grenzen. Viele Unternehmer

in spe sind daher auf die Hilfe ihrer Hausbank

und anderer Finanziers angewiesen – etwa eines

Finanzinvestors.

Mitunter kommt auch eine interne Lösung

zustande, in der Fachsprache Managementbuy-out

(MBO) genannt. Genau das haben

Anita Thierer, Julia Bug und Ana Touza Suarez

auf die Beine gestellt. Eher ungeplant haben

die drei vor rund einem dreiviertel Jahr die

Ulmer Filmproduktionsgesellschaft Ulmedia

übernommen, bei der sie zuvor angestellt waren.

„Für uns war es ein Schock, als wir erfuhren,

dass der Alteigentümer aufhören und

verkaufen will“, erzählt Geschäftsführerin

Bug, „aber dann griffen wir zu, weil wir hoffen,

dass wir die Kunden halten können, die

wir uns bei einer Neugründung mühsam hätten

erarbeiten müssen.“ Dass der MBO weitgehend

reibungslos klappte, hatte auch damit

zu tun, dass die drei den Kauf aus eigenen Mitteln

finanzieren konnten. Zudem ließen sie

sich von einem Experten der staatlichen Förderbank

KfW unterstützen und beraten. Er

erklärte, welche Schritte als nächstes notwendig

sind und warnte vor Fußangeln.

DiEwiChtigstENrEgElN

Ohne Rat keine Tat

Der Kauf und die Übergabe eines Unternehmens

ist ein komplexer Prozess, mit dem beide

Seiten meist keine Erfahrung haben. Kaufinteressenten

sollten einen Steuerberater

oder Wirtschaftsprüfer hinzuziehen, um deren

Expertise für den Due-Diligence-Prozess

parat zu haben (siehe nächster Punkt). Der

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23


[finanzieren] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Investors die Eigenkapitalquote des Zielunternehmens

und damit das Rating. Ansprechadressen

bei Finanzinvestoren vermittelt

die IHK ebenso wie viele Hausbanken.

Auch so kann man zum Unternehmer werden: Als ihr Chef überraschend aufhörte, übernahmen sie die

Agentur (von links): Julia Bug, Anita Thierer und Ana Touza Suarez.

Steuerfachmann hilft auch bei der Frage, ob

es für die neuen Eigentümer besser ist, selbstständig

zu werden oder angestellt zu sein. „Genauso

wichtig ist ein Rechtsanwalt, da ein bestehendes

Unternehmen meist sehr viele

Verträge im Einkaufs- und Vertriebsbereich

hat. Hinzu kommen häufig Kooperationsvereinbarungen,

die alle rechtlich vor dem Kauf

geprüft werden müssen“, rät Windheuser.

Commerzbank-Experte

Klaus Windheuser.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Bevor Käufer und Alteigentümer über den

Preis sprechen können, steht eine Due-Diligence

an: Bei diesem

Prozess öffnet

der Unternehmer

– vereinfacht gesagt

– seine Bücher

für einen externen

Steuerberater oder

Wirtschaftsprüfer,

der die Firma

gründlich durchleuchtet.

Ziel ist es,

das Unternehmen

zu bewerten und

herauszufinden,

ob es größere Risiken oder Altlasten gibt. Ist

das der Fall, kann der Käufer das bei seinem

Preisgebot berücksichtigen. Faustregel: Je größer

das Projekt ist, desto größere Ressourcen

sollten auf die Due-Diligence verwendet werden.

Doch auch bei kleineren Übernahmen

geht nichts ohne Prüfung: „Eine Basis-Due-

Diligence ist immer notwendig, und es ist unser

Anspruch als finanzierende Bank, diese zu

bekommen“, sagt Windheuser.

Wo soll’s hingehen?

Außer der Due-Diligence verlangt die finanzierende

Bank üblicherweise einen Business-

Plan vom Kaufinteressenten. „Wichtig für den

neuen Eigentümer ist, dass er eine Idee hat,

wo er mit dem Unternehmen hin will“, sagt

Peter Sachse, Geschäftsführer des Finanzinvestors

VR Equitypartner.

Es darf ein bisschen mehr sein

Die Grundregel lautet: Wer einen Unternehmenskauf

voll finanziert, wird von der Zinslast

erwürgt. Das machen meist auch die

Banken nicht mit. Der Finanzrahmen sollte

nicht zu knapp kalkuliert werden. „Mit dem

Kaufpreis allein ist es noch nicht getan“,

sagt Ulmedia-Geschäftsführerin Bug, „Insgesamt

mussten wir noch einmal etwas

mehr als ein Drittel der Kaufsumme für

Sonder- und Folgekosten, etwa die Notarkosten,

einkalkulieren.“

Auf zur Partnersuche

Ein Alleingang bei einem Unternehmenskauf

ist nicht nur schwer zu stemmen, auch

das finanzielle Risiko steigt erheblich. Sinnvoll

ist es, über die Beteiligung eines Partners

nachzudenken – etwa eines Finanzinvestors.

Der bringt nicht nur Geld, sondern

auch unternehmerische Expertise und ein

breites Netzwerk mit. „Der Einstieg eines

Finanzinvestors signalisiert Vertrauen in

die neuen Eigentümer und hilft, weitere Finanzmittel

zu akquirieren – und zwar nicht

nur auf der Eigenkapital-, sondern auch auf

der Darlehensseite“, weiß Sachse. So erhöht

sich dank der finanziellen Beteiligung des

Nicht gleich im Galopp lossprinten

Einer der Hauptfehler ist ein unrealistischer

Zeithorizont. Interessenten sollten sich einen

Projektplan machen, um Abhängigkeiten auf

der Vertrags- und Finanzierungsseite erkennen

und berücksichtigen zu können. Sonst

kann es passieren, dass zum Beispiel eine bestimmte

Unterlage noch nicht vorliegt, die

aber für den nächsten Schritt nötig ist. Das

kann das ganze Projekt gefährden. „Wenn

wirklich alle Voraussetzungen und offenen

Fragen geklärt sind, kann so eine Transaktion

innerhalb von sechs Monaten ablaufen“, sagt

Windheuser. „Im Regelfall liegt ein realistischer

Zeithorizont bei ein bis zwei Jahren.“

Die Chemie muss stimmen

Ausführliche Gespräche helfen zu erkennen,

ob das Zwischenmenschliche stimmt. Es

kommt immer wieder vor, dass sich mehrere

Manager für einen Kauf zusammenfinden,

dann aber nach einigen Monaten oder Jahren

feststellen, dass sie überhaupt nicht zusammenpassen.

Das heißt dann oft, sich hochkompliziert

und mühsam wieder auseinanderdividieren

zu müssen. [!] ThOmAs LuThER

solide,erfolgreich,

alteingesessensucht…

angehendeunternehmer, die statt zu

gründen einen bestehenden Betrieb

übernehmen wollen, stehen meist vor

der Frage: Wo und wie lassen sich überhaupt

Firmen finden, für die ein Nachfolger

gesucht wird? Umgekehrt

suchen Unternehmen, die keinen Nachfolger

haben, nach einer Anlaufstelle,

bei der sie mit potenziellen Käufern in

Kontakt kommen können. Die Industrie-

und Handelskammern haben daher

zusammen mit weiteren Partnern die

Unternehmensbörse www.nexxtchange.org

ins Leben gerufen. Auf der

Online-Plattform finden sich mehr als

10.000 Inserate zur Unternehmensnachfolge

– neben Angeboten auch Gesuche

von Existenzgründern, die eine

Nachfolge antreten möchten. Aber

auch viele Sparkassen und genossenschaftliche

Institute betreiben entsprechende

Marktplätze.

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25


[machen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

VielversprechendesHaustürgeschäft

Lange Schlangen am Postschalter. Packstation mit Fehlfunktion. Wer seine Nerven schonen will, hat eine andere

Möglichkeit. Mit der Entwicklung zweier Brüder: Die Huckepack-Boxlässt sich leicht an die Tür hängen.

Weihnachten 2012 standen Dominik

Spaun und sein Bruder Marco im

Grunde mit leeren Händen da. Die

Geschenke, die sie im Internet bestellt hatten,

waren nicht mehr rechtzeitig zugestellt worden.

Noch am selben Abend setzten sich die 30

und 23 Jahre alten Brüder aus Ettenbeuren bei

Günzburg mit Stift und Papier unter den

Christbaum und überlegten, wie man in Zukunft

endlosen Schlangen in der Post und

an Packstationen entgehen könnte. Metallboxen

müsste man entwickeln. Überdimensionierte

Briefkästen, die außen an der Hausoder

Wohnungstür hängen. So klein wie

möglich, so groß wie nötig, am besten ausziehbar.

Zum Einhängen, damit nichts angebohrt

werden muss. Wichtig in Mietshäusern.

Zudem müsste die Box für jeden Paketboten

– ob von DHL, GLS, Hermes, UPS, TNT oder

DPD – zu öffnen sein. Aber bitteschön nicht

für den Nachbarn.

Weil Dominik Spaun Wirtschaftsingenieur

ist und Marco Spaun Maschinenbautechniker,

war klar, dass das Produkt auch auf den

Markt kommen sollte. Es sollte eine Nische

füllen und damit die Welt der Online-Shopper

wieder ein Stück bequemer machen. Fast 2,7

Milliarden Paket- und Expresssendungen

wurden im vergangenen Jahr versandt. Das

sind fast vier Prozent mehr als im Vorjahr –

und knapp 60 Prozent mehr als im jahr J000.

NureiNerHatdeNScHlüSSel

Nicht lange nach jenem bescherungsarmen

Weihnachtsfest stellte Marco Spaun einen

Prototyp aus Aluminium her: 40 Zentimeter

breit, 40 Zentimeter tief, 60 Zentimeter hoch.

Der Eigentümer braucht zum Öffnen einen

Schlüssel; er muss auch dafür sorgen, dass die

Box für den Boten geöffnet ist. Der Bote dreht

dann den Griff, klick, das Schloss rastet ein.

Ruckzuck hat die Tür die Box huckepack genommen.

Wer hat’s erfunden? Marco (links) und Dominik

Spaun.

26


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[machen]

Obwohl beide Brüder nicht mehr daheim

wohnen, wurde die elterliche Garage in

Beschlag genommen. „Darin befindet sich

jetzt unsere Montagelinie“, sagt der 23-jährige

Marco und lacht. Aufgebaut wurde das

Start-up hauptsächlich am Wochenende,

wenn sein älterer Bruder frei hatte, der wochentags

in München bei der Deutschen Bahn

arbeitet.

KeiNeZeitVergeudeN

Mit der Zeit verwandelten die Brüder fast die

komplette erste Etage des Elternhauses in ein

Büro: Schreibtische, an den Wänden Konstruktionszeichnungen,

Balkon mit Ausblick

auf die ruhige Siedlung im Lärchenweg. Mittlerweile

offizielle Adresse der Huckepack UG

– wie die beiden ihr Unternehmen nannten.

Ein Jahr dauerte der Entwicklungsprozess. Eine

Hürde: Die Steuernummer ließ lange auf

sich warten. Schnell dagegen war ein Metallbetrieb

in Memmingen gefunden, der bereit

war, die Boxen in kleiner Auflage herzustellen.

Marco Spaun vollendete sie in der Garage.

Die erste Serie – 50 Stück – ist mittlerweile

verkauft. Derzeit wird die zweite produziert.

100 Stück. Ein Patent wurde angemeldet, ein

Logo entworfen, Dominik Spauns Frau Julia

kümmerte sich um die Kommunikation: Flyer,

Homepage, Pressetexte.

Mit Aufhängung kostet Huckepack rund 220

Euro. Dominik Spaun: „Ein Luxusprodukt für

jeden, der nicht in der Schlange am Postschalter

stehen und seine Zeit vergeuden will.“

Noch. Günstiger lässt sich das Produkt aktuell

nicht herstellen. „Aber wir arbeiten an einem

Einsteigermodell, so groß wie ein Schuhkarton.“

Für 99 Euro. Auch in Sachen Ästhetik

WegvomSchalter,fertig,los…

Wenn niemand zu Hause ist, legt der DHL-Zusteller die Sendung in den Paketkasten im Vorgarten.

Die Hausbesitzer öffnen die Box mit einem Schlüsselchip.

sehen die Jungunternehmer Optimierungsmöglichkeiten.

Nicht jeder steht auf Aluminium.

Die Idee: Der Kunde soll seine individuelle

Box gestalten können. Er lädt ein Foto im

Internet hoch oder „einen coolen Spruch“.

Wenn die Firma gut läuft, soll aus dem Nebenein

Vollzeitjob werden. Rückblickend würden

sich die Spauns früher ums Marketing kümmern,

früher Prototypen bauen und mehr

auchdiedeutschePost bietet seit dem

Frühjahr Paketkästen an, die Hausbesitzer

im Vorgarten aufstellen können. Die

kleinste kostet 99 Euro und fasst 78 Liter.

Für 1,99 Euro im Monat kann die Box auch

gemietet werden. Die Kästen sind im Prinzip

eine Weiterentwicklung der Packstationen,

an denen per Zugangscode ausschließlich

DHL-Pakete rund um die Uhr

abgeholt, aber auch versandt werden können.

In Berlin testet der Bonner Konzern

gerade den Paket-Butler, eine Lösung für

Haus- und Wohnungstüren. Aber auch andere

Firmen drängen ins Haustürgeschäft,

unter anderem „LockTec“, „Max Knoblock“

und „Onebox.me“. Viele sind noch

in der Konzeptphase. Die Boxen können

oft von mehreren Parteien eines Mehrfamilienhauses

genutzt werden. Die Huckepack-Boxen

sind seit Mai im Handel. Isa

Wert auf individuelle Gestaltung legen.

Schließlich gehört Deutsche Post zu ihren

Konkurrenten. Diese bietet seit dem Frühjahr

eigene Kästen an, lässt aber nur Pakete hinein,

die über ihre Tochter DHL versandt werden.

Angst, vom Riesen plattgemacht zu werden,

haben die Brüder nicht: „Unsere Box nimmt

alles.“ Vielleicht liegt bald auch das Sonntagsfrühstück

drin. [!] Isabella Hafner

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[spezial] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

EvolutionderMaschinen

Ist denn gerade wieder Revolution? Kommt das Schlagwort Industrie4.0ins Spiel, spricht alle Welt davon. Ei gentlich

handelt es sich um eine Evolution. Die Vernetzung von Maschine und Internet wird die Produktion umwälzen.

Die vierte industrielle Revolution, kurz

Industrie 4.0 genannt, bietet ein immenses

Potenzial, die Prozesse im verarbeitenden

Gewerbe durch dezentrale Intelligenz

produktiver zu gestalten. Aber warum

eigentlich ist das die vierte Revolution? Die

erste tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung

der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse

ging Ende des 18. Jahrhunderts mit

der Einführung mechanischer Produktionsanlagen

und anschließend mit der Dampfmaschine

einher. Die zweite steht in Verbindung

mit elektrischer Energie und dem Beginn der

arbeitsteiligen Massenproduktion. Computergestützte

Automatisierung ab Mitte der

1960er Jahre löste den nächsten großen Umbruch

aus. Nun ist die vierte Revolution im

Gange, die Vernetzung der Produktion durch

die Informationstechnik. In der klugen Fabrik

der Zukunft kommuniziert alles miteinander

– Maschine, Komponenten, Menschen, vergleichbar

einem sozialen Netzwerk.

ZuMBEIspIEl„pulsE“

Die Revolution hat unterschiedliche Namen.

Innerhalb der in Dornstadt ansässigen Asys-

Gruppe beispielsweise heißt sie „Pulse“. Dahinter

steckt ein mobiles Assistenzsystem zur

Steuerung und Überwachung von Fertigungslinien

über Tablet-Computer. Waren essenzielle

Informationen bislang nur stationär an

der Anlage selbst zu bekommen, sind sie nun

überall verfügbar. Schalter oder Signalleuchten

an Einzelkomponenten von Produktionsstraßen

sind daher überflüssig, dem kleinen

Helfer sei’s gedankt. Zum „mobilen Assistenzsystem“

aufgerüstet, vermittelt es dem Bediener,

übersichtlich präsentiert, sämtliche wesentlichen

Maschineninformationen einer

Anlage: „Pulse“ visualisiert die gesamte Fertigungslinie.

Der Bediener kann bei Stillstand

In der Fabrik von morgen kommunizieren nicht

nur Menschen mit Maschinen, sondern auch Bauteile

und Fertigungslinien untereinander.

28


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[spezial]

schnell reagieren, aber auch seine nächsten

Tätigkeiten vorausschauend planen, erklärt

Klaus Mang, Geschäftsführer des Automatisierungsspezialisten.

Nach Zeit und Priorität

geordnet, zeigt ein „Task-Manager“ alle anstehenden

Aufgaben und Warnungen an, inbegriffen

eventueller Stillstände. Im speziellen

Fall von Asys geht es beispielsweise um den

Füllstand von Be- und Entladesystemen. Dem

Bediener wird rechtzeitig signalisiert, zu welchem

Zeitpunkt er für Nachschub sorgen

muss.

Schon heute lässt sich die Produktion mit mobilen Assistenzsystemen optimieren .

DIEproDuktIonänDErtsIch

Sind Maschinen bis heute üblicherweise auf

einen einmal definierten Arbeitsschritt festlegt,

so sind sie künftig in der Lage, sich immer

wieder an sich verändernde Anforderungen

anzupassen. Die Werkstoffe und Objekte

tragen Barcodes oder kleine Funk-Chips, so

genannte RFID, auf der Oberfläche, deren Informationen

von Scannern oder Computern

ausgelesen werden. Damit teilen sie der Maschine

mit, was sie mit ihnen machen soll.

Auf diese Weise entfällt das zeitaufwendige

Umprogrammieren der Maschinen. Dadurch

kann möglicherweise sogar die Produktion

von Kleinstserien rentabel werden. Da in der

Industrie 4.0 die Abläufe so transparent werden

wie nie, behalten die Verantwortlichen

jederzeit den Überblick und können flexibel

reagieren. Gibt es irgendwo einen Engpass,

kann die Produktion an anderer Stelle erhöht

und der Ausfall kompensiert werden. Die Zauberformel

der vierten Revolution lautet: Die

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[spezial] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Produktion soll flexibler und effizienter werden,

Zeit sparen und Rohstoffe. Asys aus Dornstadt

beispielsweise verspricht durch den Einsatz

seines Assistenzsystems eine höhere

Effizienz der Produktionslinien. Asys-Chef

Mang begründet das so: „Pulse“ unterstütze

vorausschauendes Planen und reduziere unproduktive

Nebenzeiten.

supErhIrnchEcktAufträgE

Die Perspektiven von „Industrie 4.0“ sind jedoch

viel weiter gespannt. In der „vernetzten

Fabrik“ der Zukunft werden intelligente Maschinen

und Produkte, Lagersysteme und

Betriebsmittel konsequent mittels Informationstechnologie

verzahnt. Beim österreichischen

Maschinenbauer Geislinger, Zulieferer

optimismusimMaschinenbau

von Großmotorenbauern mit Sitz in Salzburg,

ist ein Leitstand zum Gehirn der Produktion

geworden. Das Arbeitsprogramm wurde von

einem Meister auf einen selbstoptimierenden

Fertigungsleitstand übertragen. Dieser überschaut

sowohl alle Aufträge als auch alle Störungen

und kann stündlich die Neuplanung

der Aufträge vornehmen. Dieses Superhirn

teilt den Bearbeitungsmaschinen die Aufträge

zu, denn es weiß: Sind Materialien und Werkzeuge

vor Ort? Stehen die erforderlichen Mitarbeiter

zur Verfügung? Ist das CNC-Programm

fertig? Gibt es irgendwo Störungen?

Bei Geislinger sind laut Werksleiter Josef

Tinzl täglich bis zu 2500 Fertigungsaufträge

im Umlauf, die per Leitsystem optimal den

140 Arbeitsplätzen zugeordnet werden.

Die Maschinenbauer im Südwesten erwarten für dieses Jahr ein Umsatzplus von 4,3 Prozent.

DasJahr2014 verlief für den baden-württembergischen

Maschinenbau bislang

besser als 2013. Der Branchenverband

VDMA erwartet ein Wachstum von 4,3

Prozent. Mit jetzt mehr als 300.000 Beschäftigten

–so vielen wie seit Beginn der

1990er Jahre nicht mehr (2010: 275.000)

– bleibt der von mittelständischen Unternehmen

geprägte Maschinen- und Anlagenbau

der mit Abstand größte industrielle

Arbeitgeber im Südwesten. „Vor allem

der deutsche Markt erweist sich derzeit

als Zugpferd“, sagt Christoph Hahn-

Woernle, Vorsitzender des Verbands Deutscher

Maschinen- und Anlagenbau VDMA.

Zuletzt berichteten 53 Prozent der an der

jüngsten Konjunkturumfrage beteiligten

Unternehmen von einer sehr guten oder

guten Auftragslage. Im entsprechenden

Vorjahreszeitraum waren es nur 33 Prozent.

18 Prozent der Unternehmen sprechen

von einer schwachen oder schlechten

Lage. 26 Prozent rechnen für die

nächsten Monate mit einer weiteren Aufwärtsentwicklung,

64 Prozent mit einer

konstanten Auftragslage. Der Bedarf an

qualifizierten Fachkräften dürfte daher

weiterhin hoch bleiben.

Als Zielmärkte, die sich positiv entwickeln,

nennen 73 Prozent der Unternehmen

Deutschland an erster Stelle, gefolgt von

den USA und China. Als eher schwach

werden Russland, Frankreich, Indien und

Brasilien angesehen. 79 Prozent der Firmen

rechnen auch im kommeden Jahr mit

steigenden Umsätzen.

tv

Industrie 4.0 bedeutet also nicht, dass smarte

Produktionssysteme alle Aufgaben übernehmen.

Während durch das Zusammenwachsen

von IT und Automatisierungstechnik einfache

Tätigkeiten tendenziell noch stärker entfallen,

steigen die Ansprüche auf der anderen

Seite. Gefragt sind nun Kompetenzen bei der

Koordinierung von Abläufen und der Steuerung

von Kommunikation, was oft eigenverantwortliche

Entscheidungen nötig macht.

DAsAutosAgt,wAsfEhlt

„Industrie 4.0“ ist ein Thema, das sowohl die

produzierende Industrie mitsamt den Anlagen-

und Maschinenbauern betrifft, als auch

die IT-Branche. Während in vielen Branchen

wie Banken und Versicherungen die einstmals

analogen Prozesse

bereits komplett

digitalisiert

sind, ist die Digitalisierungswelle

in

der Fertigungsindustrie

gerade erst

angekommen. IT-

Anbieter stehen

parat, haben sie

doch in anderen

Branchen schon IBM-Chefin

ein hohes Prozess- Martina Koederitz.

und Fertigungswissen

gesammelt. Herausforderung für die

Industrie ist es, rechtzeitig die nötigen Fachkräfte

auszubilden oder zu rekrutieren. Martina

Koederitz, die Vorsitzende der Geschäftsführung

der IBM Deutschland GmbH

(Ehningen) und Präsidiumsmitglied im Branchenverband

Bitkom, regt an, dass etwa Wirtschaftsinformatiker

zusätzliche Module aus

den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik

belegen. Ebenso können Abläufe genau

auf die Möglichkeiten der Belegschaft

abgestimmt werden. Das eröffnet Chancen

beispielsweise auch für Ältere. Ihre Zwischenbilanz

zum Thema „Industrie 4.0“ fällt so aus:

„Den Unternehmen fließt ein riesiger Schatz

an Daten zu, die ihnen helfen, Kunden besser

zu verstehen, Prozesse zu optimieren oder

neue Absatzmärkte zu entdecken.“

Auch die Abläufe der Fahrzeugindustrie werden

sich nachhaltig verändern. Zentrale Bauteile

von Autos sind künftig so ausgestattet,

dass sie permanent Daten über ihren Zustand

sammeln und rechtzeitig ein Signal geben,

wenn ein Austausch ansteht – noch bevor sie

ausfallen würden. Das System teilt der Werk-

30


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[spezial]

statt mit, dass Ersatz nötig ist. Die Bestellung

enthält bereits die genauen Typen-Angaben

sowie die Information, wo und wann der Austausch

stattfinden kann. Sollte das Bauteil erst

produziert werden müssen, konfigurieren

sich in der Fabrik des Herstellers die Maschinen

selbst gemäß den Anforderungen.

DErstAnDDErDIngE

Die vierte Revolution hat zwar schon begonnen.

Einzelne Komponenten gibt es bereits,

aber die Vernetzung geht noch kaum über die

Grenzen eines Werkes, Unternehmens und

eines Landes hinaus. Die kommunizierende

Fabrik der Zukunft ist potenziell global vernetzt.

Sie erfordert darüber hinaus die Entwicklung

intelligenterer Monitoring- und

autonomer Entscheidungsprozesse. Beim Verband

der Maschinenbauer erwartet man sich

dadurch vollkommen neuartige Geschäftsmodelle

und die Erschließung erheblicher

Optimierungspotenziale in Produktion und

Logistik. [!] thomas vogel Künftig tragen nicht nur große Maschinenbau-Komponenten, sondern auch kleine Werkstoffe Minichips.

Foto: © Zbynek Jirousek / Fotolia.com

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[machen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Tischleindeckdich

Ob Grillabend im überschaubaren Kreis oder Vier-Gänge-Menü für 3000 Gäste. BurgerZelte&Cateringhat sich zum

Party-Spezialisten entwickelt. In diesem Jahr hat das Unternehmen selbst etwas zu feiern – den Fünfzigsten.

Heiner Burger hatte einen guten Überblick

von seinem Süßwarenstand aus,

nicht nur aufs Publikum. So entging

ihm nicht, wenn nebenan der Bär steppte. Um

in höhere Umsatzregionen vorzustoßen,

müsste man Festwirt sein, sinnierte der gelernte

Kaufmann, der seit 1964 mit seinem

Vater über die Jahr- und sonstigen Märkte tingelte.

Vier Jahre später, im studentenbewegten

Jahr 1968, verpasste er seinem beruflichen

Leben den entscheidenden Kick. Erstmals trat

Burger als Festwirt auf den Plan, damals noch

mit einem Leihzelt, gleichwohl vom Start weg

überaus erfolgreich. Das erste eigene schaffte

er 1970 an, und von nun an ging’s – bergauf.

MiTZuCkerwaTTegiNg‘slos

Im 50. Jahr ihrer Gründung heißt die Firma

„Burger Zelte & Catering“, dem stark erweiterten

Leistungsspektrum Rechnung tragend.

Schon seit 1997 steht sie unter der Leitung Peter

Burgers, seines Sohnes, und dessen Ehefrau

Angelika. Burgers

Aktivitäten

nicht wahrzunehmen,

dürfte

schwerfallen. Auf

dem Ulmer Weihnachtsmarkt,

den

der Firmengrün-

Orientierte sich 1968 neu:

Heiner Burger.

der mitbegründet

hat, gehört der

Burger-Imbiss quasi

schon zum Inventar.

Präsent ist

Burger bei zahlreichen

Vereins-, Stadt- und sonstigen Festivitäten,

bei Events und Open-airs im nahen und

weiteren 200-Kilometer-Umkreis mit „Fliegenden

Bauten“ – der Zeltverleih steuert rund

ein Drittel zu den Umsätzen bei und bildet so-

Mit bis zu 250 Arbeitskräften bekocht und bewirtet

Burger seine Kunden, wenn gewünscht, auch

mit 30.000 Essen am Tag. Satt wird jeder.


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[machen]

Ob klein oder groß, ob Ulmer Wilhelmsburg oder Idyll im Hinterland: Die Zeltlösungen sind flexibel.

mit trotz starken Wettbewerbs weiter ein festes

Standbein. Seit einigen Jahren rückt die

Firma verstärkt auf der Catering-Schiene nach

vorne. Nur die Festwirt-Zeit ist so gut wie vor

vorbei. Während Vater Heiner (72) in den

Hoch-Zeiten dieser bier- und damals auch

noch rauchgeschwängerten Geselligkeitsorte

bis zu fünf Zelte gleichzeitig bewirtschaftete,

ist heute dieses Geschäftsfeld einzig auf das

Kinder- und Heimatfest in Laupheim geschrumpft.

Die Zeit der „Festwochen“ landauf,

landab sei zu Ende gegangen mit der rapiden

Zunahme der Dorf-, Stadt-, Vereins-, Straßenund

sonstigen Feste in immenser Zahl. „Und

wegen der Einführung der Sommerzeit.“ Wie

das? „Ha“, antwortet Burger-Senior mit der Expertise

des gebürtigen Ulmers, „in Schwaben

arbeitet man, bis es dunkel wird …“

DaseNDeDerFesTwoCheN

Das könnte bereits das Finale sein. Tatsächlich

aber ist es der Ausgangspunkt für eine

erstaunliche Expansion, verbunden mit einer

konsequenten Diversifizierung der Angebote.

„Unser Vorteil“, sagt Peter Burger: „Läuft’s in

einem Bereich mal nicht so gut, können wir

das an andere Stelle meist ausgleichen.“

Die klassischen Imbissstände werden daher

ebenfalls noch auf die Reise geschickt auf

Märkte, Feste oder wo auch immer „schnelles

Essen“ gefragt sei. Außerdem spielt heute die

Komplettbetreuung von Firmen- wie kulturellen

Veranstaltungen eine immer wichtigere

Rolle: Das Burger-Team übernimmt dabei

auf Wunsch alles, was zu einer Groß-Feier dazugehört,

angefangen von der Organisation

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[machen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

und Planung über die Bereitstellung von Zelt

samt Ausstattung bis hin zu Bewirtschaftung,

Kinderbetreuung und Kulturprogramm.

Zwar gebe es gerade im Catering viele Anbieter.

Doch in der Größenordnung „von 300 Essen

aufwärts“, in der sich Burger vornehmlich

bewegt, schon nicht mehr sehr viele. Ordern

die Kunden dann noch 3000 punktgenau zu

servierende Vier-Gänge-Menus oder 30.000

Essen über den Tag verteilt, wird der Kreis der

Mitbewerber nach seinen Worten schon sehr

übersichtlich – damit ist man auch schon bei

den Alleinstellungsmerkmalen der Burgers

angelangt.

gehTNiChT,giBT‘sNiChT

Solche Großaufträge wickelt selbst die im 400

Einwohner zählenden Weinried (Landkreis

Unterallgäu) ansässige Firma trotz Routine,

besten Kontakten zu Lieferanten und der

schier unerschöpflichen

Lagerbestände

an Equipment

nicht mit

einem Fingerschnippen

ab. Flattert

der Auftrag

dann auch noch

kurz vor knapp herein,

und das womöglich

in der heißen

Festles-Zeit

Setzt auf mehrere Standbeine:

Peter Burger von Juni bis Juli,

dann dürfte im beschaulich

am Ortsrand gelegenen Firmensitz

auch mal Hektik ausbrechen. Das umschreibt

Burger in schwäbischer Unaufgeregtheit mit

„Nachdenken“. „Kunden zu eröffnen, tut uns

leid, das geht jetzt nicht“, sei selbst in einer

solchen Situation für ihn ausgeschlossen, sagt

der Inhaber. Ebenso tabu ist übrigens, dass

während einer Veranstaltung das Essen ausgeht.

Selbst wenn, um ein Beispiel zu nennen,

800 Gäste angemeldet sind, aber wider Erwarten

die doppelte Zahl erscheine, müsse eine

Lösung gefunden werden, beschreibt der Firmenchef

die Anforderung an sich und sein

Team.

Versuchsballon„Feuerwurst“

Burgers Feuerwurst mit Chili-Note: Ist sie zu scharf, bist du zu schwach.

PeterBurger leistet sich mit der „Feuerwurst“

ein Experimentierfeld, das auch

ihm immer wieder veritable Überraschungen

abnötigt. Die Idee entstand mit

den Würsten mit der Chili-Note, die ihm

ein fränkischer Metzger auf die Roste lieferte.

Den Namen ließ sich Burger später

markenrechtlich schützen. Seitdem ist

ihm die scharfe Rote, mit großem Einsatz

im regionalen Funk und Fernsehen beworben,

wichtig und wertvoll. Und sie ist

zur Eigenmarke an seinen Imbiss-Ständen

geworden. Zusammen mit dem jetzigen

Lieferanten, dem Söflinger Metzger

Raimund Hörmann, plant Burger nun als

wasChMasChiNeFürZelTe

Rasch auf alle Eventualitäten reagieren zu

können, ist der Grund dafür, dass Burger die

nötige Ausrüstung komplett selbst vorhält,

darunter eine kleine Flotte an Lkw bis hin zur

Kuchengabel, von Koch- und Kühlgerätschaften

bis hin zu den Zelten verschiedener Größe.

Deren Obergrenze, peilt Burger über den

Daumen, liege bei einer Kapazität von 10.000

Plätzen, die Modulbauweise macht’s möglich.

In einer der Lagerhallen findet sich sogar eine

hauseigene „Waschmaschine“ zur Säuberung

der Zeltplanen. Ein propperes Erscheinungsbild

werde von den Kunden, darunter Konzerne,

Kommunen und Firmen, schlicht vorausgesetzt.

Nach spätestens zehn Jahren seien die

Planen reif für den Austausch.

Ein voll ausgestattetes Zelt entspreche Investitionen

von etwa einer halben Million Euro,

verrät Burger. Den Jahresumsatz behält der

Unternehmer lieber für sich. Da sich das

Hauptgeschäft auf die wärmeren Monate im

nächsten Schritt den Markteintritt in den

Lebensmitteleinzelhandel. Damit, räumt

Burger ein, habe sich für ihn eine völlig

neue Welt aufgetan – in welcher umfängliche

rechtliche Vorschriften, Verpackungsmodalitäten

und Fooddesigner

vorerst eine weitaus größere Rolle als

das Produkt selbst spielen. Geplant sei,

zunächst in einigen inhabergeführten regionalen

Märkten zu starten. Um in die

Reiche der großen Konzerne zu gelangen,

seien dann nochmals größere Hürden zu

überwinden: „Ganz andere Liga.“ Eine

Wurst als Hobby? Weit gefehlt. Burger

hofft auf ein zusätzliches Standbein. TV

Jahr konzentriert, ist der Personalstand stark

schwankend. Im Winter seien 20 Stamm-Mitarbeiter

an Bord, im Sommer 40. Dazu kämen

dann phasenweise mehr als 200 temporäre

Kräfte, vom Koch bis zur Bedienung, teils wiederum

schon lange mit dabei, teils über spezialisierte

Agenturen vermittelt. „Es wird immer

schwieriger, Leute zu finden“, stimmt

Peter Burger schließlich doch noch ein Klagelied

an. An den Löhnen, die schon jetzt

deutlich über dem Mindestlohn liegen, kann

das seiner Meinung nach nicht liegen. Schon

eher daran, dass die Leute mittlerweile lieber

selbst auf Feste gehen, also dort kräftig zuzupacken.

[!]

ThomasVogel

34


2av ist ein Büro für Mediale Raumgestaltung

sowie für die Gestaltung von klassischen

und neuen Medien. Seit 2005 realisieren wir

interdisziplinäre Projekte, von der inhaltlichen

Konzeption über die Gestaltung bis hin zur

technischen Umsetzung.

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Darwineum Rostock, Dauerausstellung seit September 2012

35


[führen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

DieteurenFehlerderVorgesetzten

Unternehmen unterschätzen oft das Thema Fluktuation. In unserer Serie GuteLeutefindenundhaltenerläutern

zwei Experten, warum schlechte Führungskräfte zum Kostenfaktor werden und welche Lösungsansätze es gibt.

Viele Manager kommen ihre Unternehmen

teuer zu stehen. Sie sind schlechte

Führungskräfte, gehen nicht auf die

zentralen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer

Mitarbeiter ein. „Die Qualität der Führung

und die Unternehmenskultur haben direkte

Auswirkungen auf die Verweildauer von Beschäftigten

in Unternehmen“, sagt Marco

Nink, Seniorberater im Beratungsunternehmen

Gallup. Nach der Engagement-Studie des

Marktforschungsinstituts sind nur 16 Prozent

der Arbeitnehmer in Deutschland bereit, sich

für ihre Firma freiwillig einzusetzen. Mehr als

zwei Drittel leisten Dienst nach Vorschrift,

17 Prozent haben innerlich gekündigt.

Mitunter höre er die Meinung, Unternehmen

müssten doch froh sein, wenn Mitarbeiter, die

innerlich gekündigt haben, freiwillig gehen.

Doch das hält er angesichts des Fachkräftemangels

für eine gefährliche Fehleinschätzung.

„Da sind viele Beschäftigte darunter, die

das Unternehmen gar nicht loswerden will.“

Viele Firmen vergessen, dass sie damit Erfahrung,

Fachwissen und Netzwerke verlieren.

„Wenn der Mitarbeiter zum Wettbewerber

geht oder sich selbstständig macht, verstärkt

sich die Konkurrenzsituation“, sagt Nink.

Auch könne eine Sogwirkung entstehen nach

dem Motto: Einer geht und andere gehen mit

– nicht nur Kollegen, sondern auch Kunden.

Der gemeine Mitarbeiter reagiert auf Tritte des Chefs mit Flucht. Das aber kommt die Firma teuer.

Besser,aBernichtperFekt

Weitere Nachteile: Neue Mitarbeiter zu finden,

kostet Zeit, Geld und Ressourcen. Nach

Angaben der Bundesagentur für Arbeit dauert

es im Schnitt 81 Tage, bis Unternehmen Stellen

mit Fachkräften besetzen können. „Bis jemand

Neues am Arbeitsplatz angekommen,

eingearbeitet ist und die Spielregeln im Unternehmen

kennt, vergehen 12 bis 18 Monate“,

sagt Nink. Den größten Einfluss auf Mitarbeiter

haben Vorgesetzte. Einer Studie zufolge

können 75 Prozent aller Kündigungsgründe

von der direkten Führungskraft beeinflusst

werden. „Es läuft heutzutage am Arbeitsplatz

36


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[führen]

Managementtrainer

Rainer Gerke.

zwar vieles besser,

aber längst noch

nicht alles perfekt.

Mitarbeiter werden

zwar weniger

demotiviert, aber

durch Führungsverhalten

noch

lange nicht zu

Höchstleistung

angespornt“, sagt

Nink.

Viele Arbeitnehmer

steigen hochmotiviert ein, werden zunehmend

desillusioniert und verabschieden

sich irgendwann ganz. Mangelnde Führungsqualitäten

werden so zum Kostenfaktor. Ein

Grund hierfür ist: „Gute Fachkräfte sind nicht

unbedingt gute Führungskräfte“, erklärt

Nink. So sieht es auch der Ulmer Managementtrainer

Rainer Gerke. In vielen Firmen

würden Führungskräfte nach ungeeigneten

Kriterien herausgesucht, etwa weil sie schon

lange im Unternehmen sind. „Mitunter haben

Unternehmenslenker regelrecht Angst, von

außen einzustellen und bevorzugen interne

Lösungen“, sagt Gerke, der lange Personaldirektor

im Stuttgarter Mahle-Konzern war.

„Neue Gedanken regen zur kritischen Betrachtung

der Prozessabläufe an.“ Wichtig sei

auch ein Personalentwicklungsprogramm,

das auf das Unternehmen und seine Größe zugeschnitten

ist. Damit kann eine Firma bei

Bewerbern und den eigenen Mitarbeitern

punkten. Die Grundlagen, um an die richtigen

Mitarbeiter zu kommen und sie zu halten,

sind sinnvolle Arbeit, innovatives Klima, fairer

Dialog, variable Arbeitszeitorganisation

und flexible Arbeitsorganisation.

Ein Riesenthema ist laut Nink auch die in vielen

Unternehmen mangelnde Feedback-Kultur.

Die Devise laute häufig: Nicht geschimpft

ist gelobt genug. Zudem machten sich die

Führungskräfte nicht die Bedürfnisse und Erwartungen

ihrer Mitarbeiter bewusst. Doch

das sei nötig, um gut zu führen. Laut Gerke

solangedauertdie

stellenbesetzung

Firmenkönnenderzeit freie Stellen

schneller besetzen als 2013, doch die

Suche dauert lange. Die durchschnittliche

Vakanzzeit in Tagen (in Klammern

der Vorjahreswert) laut Bundesagentur

für Arbeit: Gesundheits und Pflegeberufe

167 (175). Maschinen und Fahrzeugtechnik

(akad. technische Berufe)

120 (135), IT- und Softwareentwicklung

117 (121), Fachkräfte Automatisierungs-/Elektrotechnik

124 (127), Fachkraft

Energietechnik 115 (116). AMB

tun sich viele Personalchefs schwer, bei Firmenchefs

mit diesen Themen durchzudringen.

Vielleicht hilft da eine Zahl des Gallup-

Instituts: 19 Prozent der Führungskräfte

hatten in den vergangenen Monaten Kontakt

mit einem Headhunter – und 12 Prozent der

Beschäftigten. [!] ALEXANDER BÖGELEIN

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2 3

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[machen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Lisa,ThomasundderKesselNr.2

Chips sind nicht gleich Chips. Ganz besondere kommen aus zwei großen Kesseln im oberschwäbischen Amtzell – von

der AromaSnacksGmbH&Co. Und das auch noch ganz in Bio.

Umgeben von Feldern, auf denen Rollrasen

produziert wird, steht das Gebäude

der Aroma Snacks GmbH & Co. KG.

Geschäftsführender Gesellschafter ist Jochen

Krumm. Der 44-Jährige hat eine Produktion

für Kesselchips in Bio-Qualität aufgebaut. Dabei

hat er zur rechten Zeit eine Marktlücke

entdeckt. Inzwischen produziert Krumm mit

20 Mitarbeitern einerseits sein eigenes Produkt,

das er nach seiner Frau „Lisa‘s Kartoffelchips“

nannte. Diese stellt er ausschließlich in

Bioqualität her. Andererseits produziert er für

die Eigenmarken großer Handelsketten – sowohl

konventionell als auch in Bioqualität.

Gerade während der Fußball-Weltmeisterschaft

hatte der Mittelständler viel zu tun,

weil der Handel bei solchen Großereignissen

mehr Verkaufsflächen für Knabberartikel zur

Verfügung stellt.Das freut Krumm natürlich,

dessen Familienunternehmen im vergangenen

Jahr deutlich mehr als 2 Millionen Euro

Umsatz erzielen konnte.

Krumm, der aus Ravensburg stammt, hat eine

ungewöhnliche Biografie. Nach seiner Schulzeit

macht er zunächst eine Banklehre. „Dort

habe ich mich nicht wohlgefühlt.“ Also zieht

es den jungen Mann nicht lange nach dem Abschluss

nach Südafrika. Dort absolviert er eine

weitere Ausbildung -– als Koch und als

Konditor. In Kapstadt betreibt er zehn Jahre

lang ein deutsches Restaurant und Café mit

allem, was dazugehört wie Schwarzwälder

Kirschtorte oder Brezeln, berichtet der zweifache

Familienvater.

Der Kinder wegen zog es Krumm und seine

Frau Anfang des neuen Jahrtausends wieder

zurück in die oberschwäbische Heimat. Er

heuert bei einem Würzmittel- und Aromenhersteller

an, ist unter anderem für den englischen

Markt zuständig. Bei seinen Besuchen

in Großbritannien entdeckt er zum ersten Mal

Kesselchips. Anders als normale Chips sind

sie nicht aus einer Breimasse hergestellt und

dann gepresst. Hier werden die Kartoffeln in

etwas dickere Scheiben geschnitten und dann

in Sonnenblumenöl frittiert. So arbeitet

Krumm. „Im Sommer sind die Chips etwas

heller, weil die Kartoffeln frisch vom Feld

kommen“, erläutert der Unternehmer.

SoKLAppT‘SAuCHimHANdeL

Bis die Produktion in Amtzell anläuft, vergeht

aber noch eine ganze Weile. Doch das Thema

Kesselchips hat ihn gepackt. Er lässt eine Verpackung

entwerfen und versucht sein Glück.

Er will ausprobieren, ob es in Deutschland einen

Markt für Kesselchips aus England gibt.

Von 2005 an vertreibt er zunächst die kleinen

in England abgefüllten Beutel an Hotels und

Gaststätten. „Wenn man in der Gastronomie

Fuß fasst, ist das ein guter Indikator dafür, dass

Waschen, schneiden, frittieren. Auch im Schneiden

liegt der Unterschied zu normalen Chips: Die

werden aus einer Art Brei gepresst.

40


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[machen]

es auch im Handel klappen könnte.“ Einige

Jahre beobachtet er, wie sich das Geschäft entwickelt.

2011 schließlich macht er sich selbstständig

und zieht eine eigene Produktion auf.

Er holt die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft

Baden-Württemberg (MBG) mit ins

Boot. Sie hält eine stille Beteiligung an dem

Unternehmen. Dies gilt als Eigenkapital.

GeHeimNiSSeAuSAmeriKA

Knapp 4 Millionen Euro investiert der Schwabe

in Gebäude, Förderbänder und Maschinen.

Mit der Finanzierung habe er keine Probleme

gehabt. Ein Grund für die positiven Gespräche

sei sicherlich auch die schon vorhandene

positive Historie gewesen. Während des Baus

der Produktionsstätte im Jahr 2011 geht

Krumm mit seinem Betriebsleiter bei Maschinenherstellern

in Amerika in die Lehre, um

sich in die Geheimnisse des Kesselchipskochens

einweihen zu lassen. Die zwei riesigen

Kessel in der Fabrik sind das Herzstück der

Produktion. Um die Qualität sicherzustellen,

wird nur in Chargen

von 50 Kilo

produziert. Nach

dem Waschen werden

die Kartoffeln

angeraut und dann

maschinell in

Scheiben geschnitten.

Über ein Förderband

gelangen

sie in einen der beiden

Stahlbehälter, Chips-Fan Jochen Krumm.

Geschäftsführer und

der 3000 Liter Sonnenblumenöl

fasst. Mit einem großen Paddel

bewegt ein Mitarbeiter die Chips hin und her.

Sieben Minuten, dann sind sie goldbraun. Der

Namen des zuständigen Mitarbeiters ist auf

der Chipspackung aufgedruckt. „Gekocht von

Thomas in Kessel Nummer 2.“ Das schaffe

Vertrauen beim Verbraucher.

Bei Krumm kommt vor allem Bioland-Qualität

in die Tüte. Die Kartoffeln stammen von

Bauern aus der Region. Vor dem Würzen werden

die Chips von Hand verlesen, verkochen

Scheiben aussortiert. „Die Mitarbeiter haben

ein besseres Auge als jede Maschine“, ist

Krumm überzeugt. Bei den Gewürzmischungen

seien Geschmacksverstärker sowie Farboder

Konservierungsstoffe tabu.

uNTerderWASSerLiNie

Der Unternehmer bietet seine Marke in vier

Geschmacksrichtungen an. In Deutschland

sei auf dem Markt der Paprika-Geschmack

vorherrschend, in Italien besonders die Meersalz-Variante.

Der mediterrane Geschmack sei

im Kommen. Der Exportanteil des Unternehmens

beträgt 30 Prozent. „Wir haben keine

Angst vor dem Export“, sagt der Unternehmer,

der auch schon Abnehmer in Südostasien

beliefert. Wichtig: Der Container mit den

Chips müsse unterhalb der Wasserlinie in

dem Schiff verstaut sein – Sonne würde ihnen

schaden. In Deutschland gibt es Lisa‘s

Chips in Bioläden und zunehmend im Einzelhandel.[!]

Oliver Schmale

Visionen Gestalt geben

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Um Design kommt niemand herum. Es ist längst ein Erfolgsfaktor geworden.

Gestaltung und damit Kundenakzeptanz entscheidet über die Zukunft. Schon

unterschwellige Kleinigkeiten geben bei der Einprägsamkeit den Ausschlag.

Erfahrung und Kontinuität spielen im Bereich

der Außendarstellung eine maßgebliche Rolle.

eisele.kuberg.design entwickelt seit rund 25

Jahren stimmige Konzepte, sucht ein ausgewogenes

Verhältnis zwischen Funktion und Emotion,

setzt Ideen pragmatisch um, optimiert

den Materialeinsatz und verbindet technische

Anforderungen mit überzeugender Usability.

„Gestaltung ist unsere Passion“, sagen Frank

Eisele und Heike Kuberg. Ihr sechsköpfiges

kreatives Kernteam wird nach Bedarf projektorientiert

erweitert. Zuverlässige Schnelligkeit

gehört neben absoluter Präzision und ständig

aktuellem Know-how zu den Kompetenzen.

eisele.kuberg.design analysiert Markt, Wettbewerb

und Zielgruppen, erkennt Trends, formuliert

Visionen und entwickelt in direkter

Abstimmung mit den Entscheidungsträgern

Designstrategien für die Zukunft. Dabei reicht

der Kundenkreis vom Weltkonzern bis zum

Kleinunternehmen. Ob Industrie-, Kommunikations-

oder Corporate-Design – eisele.kuberg.design

simuliert und visualisiert Produktkonzepte

fotorealistisch und setzt diese in

reale Produkte um, die auf Dauer von vielen

Tausend Menschen benutzt werden. „Virtuelle

Modelle machen sichere Entscheidungen kostengünstig.

Ideen und Produktkonzepte werden

visuell erleb- und einschätzbar“, erklären

die beiden diplomierten Designer.

Oderstraße 1 · 89231 Neu-Ulm

www.eiselekubergdesign.de

41


Ein Radar mit einer Reichweite von 250 Metern, Nahbereichsensor bis 70 Meter und diverse Kameras zur Identifikation von Fußgängern und Hindernissen

sowie viel Technik machen aus diesem Actros-Modell von Mercedes den Lkw der Zukunft.

Fahren muss der Fahrer nicht

Windschnittige Brummis mit Spoilern brausen selbstgesteuert über die Autobahnen und warnen sich gegenseitig vor

Staus. Ein futuristisches Szenario? Mitnichten. Denn der autonome Lkw wird kommen. Und zwar in naher Zukunft.

Von außen betrachtet sieht alles ganz

normal aus. Der Lastwagen schnurrt

mit einer Geschwindigkeit von 80

Stundenkilometern über die Autobahn, fährt

nicht zu nahe auf den Vordermann auf, lässt

sich nicht zu weit zurückfallen. Bei einem

Blick ins Cockpit erkennt man, dass sich das

Steuerrad wie von Geisterhand bewegt, während

sich der Fahrer genüsslich zurücklehnt

und seine Unterlagen studiert.

Bei so einer Szene läuft es wohl vielen kalt den

Rücken hinunter. Nicht so Dr. Micha Alexander

Lege. Der Geschäftsführer der Spedition

Wiedmann & Winz GmbH in Geislingen ist

vom Mercedes Benz Future Truck 2025 begeistert.

Denn der autonom fahrende Lkw, den der

Stuttgarter Konzern diesen Sommer auf einem

Teilstück der A14 bei Magdeburg präsentiert

hat, ist für ihn die Zukunft: „Mit diesem

Lkw kann man

den Fahrerarbeitsplatz

effizienter

gestalten, da der

Chauffeur bereits

während der Fahrt

mit der nächsten

Abladestation

kommunizieren

oder sich einen

Parkplatz an der Spediteur Dr. Micha

Raststelle reservieren

kann.“

Alexander Lege

Möglich wird dies durch moderne Telematik

sowie die intelligente Vernetzung aller bereits

existierender Sicherheitssysteme, die zum

Beispiel automatisch und permanent einen

gebührenden Abstand zum Vordermann oder

auch zum Fahrbahnrand kontrollieren und

einhalten – durch Kameras, Radarsensoren

und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen

den Fahrzeugen. Die Brummis der Zukunft

sprechen miteinander, und nicht mehr

die Fahrer. Für den Geschäftsführer ist der

Zukunfts-Truck, wenn er denn bis 2025

kommt, fast schon revolutionär. Er ist für ihn

nicht nur aus Effizienzgründen ein Muss, sondern

auch aus wirtschaftlichen Gründen.

„Wenn alle mitmachen, kann man mit autonom

fahrenden Lkws sogar die unliebsamen

Elefantenrennen verhindern. Aber vor allem

kann man mit ihnen wieder neue Fahrer gewinnen.“

Denn die Suche nach geeignetem

Führerhaus-Personal gestaltet sich seit Jahren

schwierig: „Unregelmäßige Arbeitszeiten und

das schlechte Image des Berufsbilds Trucker

tragen dazu bei. Deshalb ist eine attraktive

Ausstattung des rollenden Arbeitsplatzes

42


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[bewegen]

Der Autopilot manövriert den Lkw, das gibt dem Fahrer Zeit für die Feinabstimmung seiner Tour.

wichtig. Komfort und Ergonomie werden sich

weiter steigern und auch steigern müssen.“

So sieht das auch Andrea Marongiu: „Die Kabine

eines Lkw wird bald schon so gemütlich

wie ein Wohnzimmer sein.“ Auch der Geschäftsführer

des Verbandes Spedition und

Logistik Baden-Württemberg e.V. (VSL) weiß,

dass die Entwicklung der Lastwagen in den

kommenden Jahren noch viele weitere Stufen

durchlaufen wird: „Die Sicherheit für die Fahrer

und die anderen Verkehrsteilnehmer wird

sich noch weiter erhöhen. Integrierte Systeme

zur Abstandsregelmessung werden bald alle

Fahrzeuge in sich haben.“

Lege schätzt besonders die Fortschritte in der

Telematik. Speziell die Fahrzeug-Managementsysteme,

mit denen Flottenbesitzer die

Logistik der Transporte steuern können, haben

sich für den international agierenden Spediteur

bis heute sehr gut entwickelt: „In Zukunft

werden diese Systeme noch feinere

Auswertungen der Lkws auf der Straße übermitteln,

so dass wir die Fahrer noch besser von

der Zentrale aus coachen können.“

Man könnte fast sagen: Nichts ist unmöglich.

So ist auch die 360 Grad-Kamera, mit der der

Fahrer vom Cockpit aus alle Seiten des Fahrzeuges

überwachen kann, längst keine Utopie

mehr. Lege: „Das ist eine sehr wichtige Hilfe

für unsere Fahrer, denn eine Vielzahl an Unfällen,

die viel Geld verschlingen, passieren

beim Rangieren und eben nicht auf den Autobahnen.“

nichts ist unmÖgLich

Um den Lkw fit für die Zukunft zu machen,

müssen Ingenieure, Spediteure und Logistiker

noch andere Aufgaben meistern. Die gesetzlich

vorgeschriebenen Euro-6-Motoren

mit deutlich verbesserter Abgasrückgewinnung

spielen bereits eine große Rolle, die Umwelt

und Betriebskasse entlasten. „Wenn man

livekonzepte Michael Köstner


[bewegen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

bei einem Dieselbedarf von 3 Millionen Litern

im Jahr den Kraftstoffverbrauch um zehn Prozent

senken kann, ist dies ein enormes Einsparpotenzial.

Heute verbrauchen unsere

Lkw noch bis zu 26 Liter auf 100 Kilometer.

Das ist bereits ein hervorragender Schnitt,

doch da ist noch mehr drin“, sagt Speditionschef

Lege. Für den Unternehmer, der tagtäglich

bis zu 150 Fahrzeuge auf die Straße

schickt, gibt es aber noch andere Stellschrauben,

damit die Brummis nicht mehr so oft an

die Zapfsäulen müssen. Dazu zählen unter anderem

Reifen mit optimiertem Rollwiderstand:

„Hier gibt es in den Bereichen Profil

und Gummimischung noch erhebliche Unterschiede

und Verbesserungspotenzial.“ Dazu

gehört für ihn auch das System der elektrischen

Reifendruckkontrolle, die dem Fahrer

automatisch im Display des Cockpits anzeigt,

wenn ein Rad Luft verliert und damit den

Kraftstoffverbrauch nach oben treibt: „Im

Lkw der Zukunft wird sich bei einem Luftabfall

der Reifen von selbst wieder aufpumpen.

ReiFen pumpt sich seLbst auF

Auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbands

der Automobilindustrie, hält die weitere

Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und

damit der CO2-Emissionen für die zentrale

Herausforderung: „Allerdings sind schwere

Nutzfahrzeuge nicht vergleichbar mit Pkw

und Transportern, für die es bereits EU-weite

CO2-Regulierungen gibt. Die Nutzfahrzeugbranche

ist wie eine Fußballmannschaft. Es

gibt nicht nur Abwehrspieler, sondern auch

ein Mittelfeld und Stürmer. Beim schweren

Lkw ist die Variantenvielfalt

der

Fahrzeuge so groß,

dass es keinen

CO2-Einheitswert

geben kann“, betonte

Wissmann

im Vorfeld der IAA

Nutzfahrzeuge in

Hannover: „Die

Bandbreite reicht

vom Baustellenkipper

über Liefer-

Matthias Wissmann

VDA-Präsident

fahrzeuge bis zum

Fernverkehrs-Lkw.“

Mit Blick auf die weltweit größte Nutzfahrzeugschau

sprach sich Wissmann für größere

Flexibilität bei den Fahrzeugabmessungen sowie

für mehr Aerodynamik und zusätzlichen

Bauraum für alternative Antriebe aus: „Auch

traum oder wirklichkeit: Lastwagen am bande

die ideen, wie man das Speditionsgewerbe

für die Zukunft fit machen kann, sind

so vielseitig wie die Güter, die auf den Ladeflächen

der Lkw über unsere Straßen

transportiert werden. Dies gilt nicht nur

für Deutschland und Europa. Auch in den

USA sind Ingenieure, Hersteller und Logistiker

kräftig am tüfteln. So werden in

der Nähe der stark frequentierten Häfen

damit können wir CO2-Emissionen senken.“

Und er wirbt für den Lang-Lkw. Der sei ein

wichtiges Instrument für mehr Effizienz und

Klimaschutz. Schon heute zeige der Feldversuch,

wie mit vergleichsweise einfachen Mitteln

die Kapazität des Straßengüterverkehrs

erhöht werden kann.

es wiRd nicht dunkeL

Auch für Andrea Marongiu ist die überlange

Lkw-Kombination, bei der an den Aufliegern

ein langer Anhänger angekoppelt wird, ein

Schritt in die richtige Richtung. Umfassende

Ladungen können auf diese Weise von drei

Lastwagen auf nur zwei Fahrzeuge verteilt

werden. Dennoch müssten sich deutsche Autofahrer

keine Sorgen machen, dass es nun

bald dunkel wird auf unseren Straßen, da

schier endlos lange Straßen-Züge an ihnen

vorbeidonnern. Roadtrains wird es auch weiterhin

nur in Australien geben: „Der getestete

Lang-Lkw misst höchstens 25,25 Meter.“ Der

VSL-Geschäftsführer bedauert es, dass sich einige

Bundesländer dem obengenannten Versuch

nicht anschließen, darunter auch Bayern

von Los Angeles und Long Beach zu Testzwecken

Autobahnen mit Oberleitungssystemen

für schwere Lkw eingerichtet.

Ist dies auch bei uns vorstellbar? „Warum

nicht?“, fragt Andrea Marongiu vom Verband

Spedition und Logistik Baden-Württemberg

e.V. (VSL): „Die Technik für das

Projekt in Kalifornien stammt jedenfalls

aus Deutschland.“

loe

und Baden-Württemberg: „Man sollte es einfach

versuchen und nicht grundsätzlich ablehnen.

Die Testfahrten mit dem Lang-Lkw

finden ja nicht in den Städten, sondern ausschließlich

auf Langstrecken statt.“ Mittlerweile

fahren im Rahmen des Feldversuchs 79

Fahrzeuge auf festgelegten Routen. Nach Einschätzung

des VDA zeigen die bisherigen Erfahrungen,

dass der Lang-Lkw die Erwartungen

erfülle: „Weniger Fahrten, weniger

Spritverbrauch und damit auch weniger CO2-

Emissionen.“

Ob stromlinienförmige Fahrerhäuser in

Leichtbauweise oder schnittige Heckspoiler

am Trailer. Die Ingenieure der Nutzfahrzeug-

Hersteller haben noch viele Ideen in ihren

Schubladen, wie der Lkw in Zukunft attraktiver

werden und vor allem wettbewerbsfähig

bleiben kann – für die Spediteure und natürlich

auch die Brummifahrer. Für sie wird es

interessant bleiben, sich umfassend über die

neuesten Entwicklungen in der Branche zu

informieren. In der Pause am Rastplatz oder

eben auch während der Fahrt. [!]

stefan loeffler

44


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[bewegen]

Franz Krieglsteiner von Evobus machte nie ein Geheimnis aus seinen Ideen.

mit „Rotem bus“ in Rente:

ein Visionär fährt ab

Panoroma-Dächer in Reisebussen, mehr Beinfreiheit durch versetzte Sitze

und die Zielangabe in der Windschutzscheibe: Omnibus-Entwickler

Franz krieglsteiner hat mit seinen Ideen 40 Jahre lang die Branche geprägt.

Wir gestalten mit

Franz Krieglsteiner sitzt an seinem

Schreibtisch und fühlt sich pudelwohl.

Dabei sieht er sich selbst als Mitglied einer

aussterbenden Spezies. „Heutzutage ist es

gang und gäbe, dass man in Unternehmen

nach fünf Jahren neue Aufgaben übernimmt“,

erklärt der langjährige Leiter des Entwicklungs-

und Konstruktionsbereiches „Innenraum/Ausstattung

Reisebusse und Kundensonderwünsche

Gesamtfahrzeug“ der

Neu-Ulmer Evobus GmbH. Er ist seinem Spezialgebiet

jedoch seit 40 Jahren treu geblieben.

Dafür konnte der Illerkirchberger nun einen

Preis entgegennehmen, den es in dieser Form

noch nie gegeben hat. Der Busprofi mit Leib

und Seele wurde vom Internationalen Bustouristikverband

RDA in Köln mit dem Innovations-

und Marketing-Sonderpreis „Roter Bus“

für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Glastrophäe

und Urkunde zieren nun sein Büro im

Evobus-Entwicklungsgebäude in Neu-Ulm.

Von hier aus drückt Franz Krieglsteiner mit

seinen Mitarbeitern den aktuellen Reisebus-

Generationen von Setra und Mercedes-Benz

seinen Stempel auf. Dazu zählen unter anderem

das große Glasdach, das den Reisenden

eine Panoramasicht vermittelt oder auch die

Idee einer versetzt angeordneten Bestuhlung,

die dafür sorgt, dass sich die Fahrgäste auf ihren

Reisen durch ganz Europa lang und breit

mediaservice ulm

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SÜDWEST PRESSE

45


[bewegen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Die Serie 200 ist die erfolgreichste Baureihe der Omnisbusmarke Setra. Das Bild rechts zeigt Bus-Entwickler Franz Krieglsteiner mit Designleiter Matthias

Lenz. So nackt sieht der Abschnitt eines Busses aus, bevor es an die Gestaltung des Innenraumes geht.

machen können. Franz Krieglsteiner: „Viel

Bein- und Schulterfreiheit auf einem bequemen

Reisesitz – das ist das, was Busreisende

heute unter anderem erwarten. Alles, was derzeit

in Sachen Komfort und Technik möglich

ist, haben wir in die Setra-Baureihe 500 einfließen

lassen.“

komFoRt aLLein Reicht nicht

Doch Reisebusse müssen nicht nur komfortabel

sein, sondern auch die Aspekte Design,

Praxistauglichkeit und sogar Emotionen in

sich vereinen. Jeder Typ muss sich seinen

Platz in der Branche erobern und Busunternehmer

und Fahrgäste auf Anhieb überzeugen.

Der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbau-Techniker,

der 1972 beim Ulmer Busbauer

Kässbohrer als technischer Zeichner angefangen

hat, prägte mit seiner Arbeit maßgeblich

die Entwicklung von Reisebussen in den vergangenen

vier Jahrzehnten. Mit Herz und Verstand.

Er war es, der 1972 den Grundrahmen

des S 200 skizzierte, dem Vorläufer der Baureihe

200, die man heute getrost als legendär bezeichnen

kann. Bis heute ist sie die erfolgreichste

Serie der Omnibusmarke Setra, die

seit 1995 zur Stuttgarter Daimler AG gehört.

Die Fertigung der Baureihe 200 führte in den

70er und 80er Jahren in der Region Ulm/Neu-

Ulm zu einem wahren Einstellungsboom. Mit

insgesamt 27.680 Einheiten, von 1976 bis

1991 gebaut, übertraf sie die Verkaufszahlen

der Vorgängerreihe um 150 Prozent. Sie trug

zu großen Teilen zu dem bis heute ungebremsten

Erfolg der selbsttragenden Busse

bei, die in den 50er Jahren von dem Ulmer Ingenieur

Otto Kässbohrer zur Serienreife entwickelt

worden sind.

Franz Krieglsteiner war es auch, der bei

Linien bussen die Fahrtzielanzeige erstmals

hinter der Windschutzscheibe integrierte.

Wer kann sich heute noch etwas anderes vorstellen?

So sah das auch RDA-Präsident Richard

Eberhardt,

der bei der Preisverleihung

in Köln

sagte: „Seit der legendären

Baureihe

200 aus dem Hause

Kässbohrer sind

zahlreiche Innovationen

aus dem

Zuständigkeitsbereich

von Franz

Krieglsteiner in RDA-Präsident Richard

den Bau moderner Eberhardt

Busse eingeflossen.

Diese zeichnen nicht nur die aktuellen

Produkte von Daimler aus, einige davon haben

in der Busindustrie insgesamt Verwendung

und Anerkennung gefunden.“

oFFen FÜR anRegungen

Ehre, wem Ehre gebührt. Der 60-Jährige ist

nicht nur erfolgreich, sondern vor allem bei

vielen Busunternehmern von Italien bis nach

Norwegen äußerst beliebt, da er stets ein offenes

Ohr für deren Wünsche und Anforderungen

hat. Franz Krieglsteiner ließ sich immer

ganz bewusst in die Karten blicken, neben den

Kunden auch von Lieferanten, Forschern und

Fahrgästen. „Nur wenn man mit Kunden frühzeitig

zu neuen Themen ins Gespräch kommt

und herausfindet, wo der Schuh drückt, erreicht

man sein Ziel auf die beste Art“, lautet

die Philosophie des Preisträgers, der sich in

ein formidables Netzwerk aufgebaut hat: „Ohne

eine gute Mannschaft im Hintergrund, die

die Ideen in die Realität umsetzt, nutzt jedoch

die ganze Kreativität nichts. Und am Schluss

muss man neben der entsprechenden Position

im Unternehmen auch das Durchsetzungsvermögen

besitzen, die angestoßenen Projekte

im Haus umzusetzen.“

Dies werden nun bald andere tun, denn im

Oktober geht Franz Krieglsteiner in den Ruhestand.

Einen Blick in die Zukunft der Omnibusse

wagt er schon heute: „Das Ambiente eines

Busses wird sich in den kommenden

Jahren noch mehr den modernen Kommunikationsansprüchen

der Fahrgäste anpassen

müssen.“ Vielleicht, so der Entwickler, wird es

in ein paar Jahren gar keine Seitenverglasung

mehr geben, da die Scheiben lieber als Projektionsfläche

für Filme genutzt werden und die

Reisenden sowieso kein Interesse mehr haben,

vorbeiziehende Landschaften zu betrachten.

Reine Utopie? Nicht für Franz Krieglsteiner:

„Man muss die eigenen Visionen immer

wieder mit dem Zeitgeist abgleichen.“

Vorstellen konnte sich Franz Krieglsteiner

schon viel. Wenn auch vielleicht nicht, dass

er als Entwickler einmal mit einem Marketingpreis

für sein Lebenswerk ausgezeichnet

wird. [!]

stefan loeffler

46


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[namen & nachrichten]

Zu-präsident Jansen geht vorzeitig

Hat sein Amt vorzeitig

aufgegeben:

Stephan Jansen.

Die Zeppelin-Universität (ZU)

hat ihren Gründungs-Präsidenten

früher als geplant verloren.

Stephan Jansen, der sein Ausscheiden

für

das nächste

Jahr angekündigt

hatte,

legte sein

Amt als Präsident

nach elf

Jahren nieder.

Der 43-Jährige

hatte die

ZU mitgegründet.

Bereits

die Kündigung des Kanzlers

Niels Helle-Meyer im August

nach nur anderthalb Jahren hatte

in Kreisen von Mitarbeitern, Professoren

und der 1200 Studenten

Unmut und Protest ausgelöst.

Der Vorstandsvorsitzende der

ZU-Stiftung, Werner Allgöwer,

im Hauptberuf Vorstandschef der

Sparkasse Bodensee, rechtfertigte

die Entscheidung mit den Worten,

Mitarbeiter und Studenten

könnten die Arbeit Helle-Meyers

gegenüber den Gesellschaftern

nicht beurteilen.

Nach Helle-Meyers Kündigung

folgte der nächste Paukenschlag:

Ein Schreiben aus Kreisen der ZF

Friedrichshafen, einem der wichtigsten

Geldgeber der ZU, gelangte

an die Öffentlichkeit. Darin

wird die Ausgabenpolitik der ZU

scharf kritisiert. Zudem werfen

Insider der ZU vor, Provisionen

fürs Einwerben von Forschungsund

Fördergeldern bezahlt zu haben

– ohne Kenntnis der jeweiligen

Förderer. Die Uni bestätigt

das: Seit der Gründung 2003 bestehe

ein leistungsbezogenes Vergütungssystem.

Das sei in Zusätzen

der Arbeitsverträge von

Professoren und „einnahmeorientierten“

Mitarbeitern geregelt.

Die Zulagen betrügen in der Regel

fünf Prozent auf private Spenden

und Förderungen. Zuletzt

hätten 25 Kollegen solche Bezüge

erzielt, darunter auch Jansen. Das

Vergütungsmodell berücksichtige

nur eingeworbene private

Drittmittel, zum Beispiel Stiftungslehrstühle.

Ausgenommen

seien Groß-Förderungen an die

Stiftung. Der Umgang mit Drittmitteln

an Privathochschulen ist

gesetzlich nicht geregelt. [!] HaM

weishaupt

investiert

Der Hersteller von Brennern,

Wärmepumpen und Solartechnik,

Weishaupt, hat an seinem

Hauptsitz in Schwendi (Kreis Biberach)

rund 15 Millionen Euro

in sein Forschungs- und Entwicklungszentrum

investiert. Auf

dem Werksgelände entstanden

zwei neue, moderne Gebäudekomplexe.

Hintergrund ist der

Ausbau der Produktpalette. Das

Familienunternehmen beschäftigt

in dem Forschungszentrum

rund 100 Mitarbeiter. Insgesamt

sind es am Hauptsitz rund 1000,

weltweit mehr als 3000. Die

Weishaupt-Gruppe erzielte im

vergangenen Jahr einen Umsatz

von 540 Millionen Euro. [!] ref

Privatpraxis

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47


Früher war alles schöner – zumindest die ein oder andere Werbung.

Tante Emma atmet auf

Der kleine Laden ums Eck ist tot. Das hört man immer wieder. Es muss aber nicht so sein. Mit ausgefeilten Konzepten

verhilft die Utz Lebensmittel-Großhandel GmbH & Co. KG Dorfläden zu neuen Chancen.

Das Herz des Lebensmittelgroßhändlers

Utz schlägt am Rande des Gewerbegebiets

Ochsenhausen-Längenmoos:

Hier erstreckt sich eine 2005 neu gebaute Halle

– gleichzeitig der Firmensitz. Genau hier

legen alle angelieferten, für die spätere Verteilung

benötigten Waren einen Zwischenstopp

ein. Auf insgesamt 7500 Quadratmetern

schnurren die Lageristen auf ihren Elektro-

Fahrzeugen und ihren Gabelstaplern hin und

her, schaffen das perfekte System zum Anund

Abtransport von Lebensmitteln, Süß-und

Tabakwaren und Getränken für mehr als 1000

Kunden. Die Mitarbeiter organisieren 6500

verschiedene Produkte, kennzeichnen sie,

sortieren Mangelware aus, behalten das Haltbarkeitsdatum

im Auge, trennen Pfand- von

Einwegflaschen – und nutzen dabei die 7000

48


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[machen]

Stellplätze für Europaletten optimal.

Was unterscheidet Geschäftsführer Rainer

Utz und sein Unternehmen von anderen Lebensmittel-Großhändlern?

Vor allem die

Dienstleistungen, die dafür sorgen, dass es mit

den kleinen Lebensmittelgeschäften auf dem

Land wieder bergauf geht: Das Unternehmen

berät bei Rentabilitätsberechnungen und

Kaufkraftanalysen, hilft bei der Suche nach

passenden Standorten, bei der Ladenplanung,

übernimmt bei Bedarf die Produktion von

Handzetteln oder Plakaten für Sonderangebote

oder hilft bei der Einrichtung.

DiE BayErn warEn schnELLEr

Rainer Utz: „Immer mehr alte oder geschlossene

Standorte werden als Dorfladen wiedereröffnet.

Uns gelingt es auch, bei Generationsoder

Inhaberwechsel jüngere Leute für die

Selbstständigkeit zu begeistern.“ Überdies sei

die Nahversorgung als Ausdruck für eine bestimmte

Lebensqualität vor allem im ländlichen

Raum auf politischer Ebene angekommen.

Der Begriff „Tante Emma“ sei wieder

positiv besetzt, zumal die Menschen ihn mit

„Nähe, Regionalität, persönlicher Ansprache

und Kommunikation“ verbinden.

Den Strukturwandel mit Discountern hat Utz

frühzeitig erkannt und ihm eigene regionale

Nahversorgungskonzepte entgegengestellt:

ganzheitliche Vertriebskonzepte wie „Um’s

Eck“ oder „Dorfladen“, auf genossenschaftlicher

Basis oder als Unternehmergesellschaft

organisiert. Oft stoßen mittlerweile Bürgerinitiativen

oder auch Gemeinden ein Dorfladen-Konzept

an. Etwa ein Drittel befindet sich

in Baden-Württemberg, zwei Drittel liegen in

Bayern – vielleicht auch, weil die Politik dort

Chef Rainer Utz an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen: dem gewaltigen Lager.

das Thema früher aufgegriffen hat. Utz selbst

hat das Dorfladen-Prinzip übrigens vor rund

zehn Jahren entwickelt.

„Dorfläden funktionieren anders“, erklärt der

studierte Betriebswirt, der in seiner Freizeit

gerne aufs Rennrad oder Mountainbike steigt

und hin und wieder einen Marathon bestreitet:

„Die Geschäfte werden oftmals sehr emotional

gesehen.“ Was gerade der Vorteil ist.

Dennoch muss es auch wirtschaftlich funktionieren.

Utz‘ Konzept dafür geht weit über das

Beliefern mit Waren hinaus: Betreiber erhalten

eine Standortanalyse, die wirtschaftliche

Fakten und regionale Vorlieben auflistet. Die

klassische Ladenausstattung kann auch ergänzt

werden, etwa mit Backshop, Fotoservice,

Postagentur, Kopier-Shop, Bistro-Ecke …

GUTE rEGaLE von schLEckEr

Des einen Leid, des anderen Freud: „Nachdem

Schlecker in die Insolvenz gegangen ist, kamen

wir beispielsweise günstig an Verkaufsregale,

die ich bei Bedarf an unsere Dorfläden

weitergeben kann.“ Denn einen Laden neu

einzurichten, geht ins Geld. Und wenn Regale

voll funktionstüchtig sind, nehme kaum ein

Kunde wahr, ob sie nagelneu sind oder nicht

– ihn interessiert, was draufsteht. „Eine kos-

Details sind keine Kleinigkeiten.

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[machen] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Auch das Betriebsklima ist

Rainer Utz sehr wichtig.

tengünstige gebrauchte Einrichtung ist in vielen

Fällen völlig ausreichend“, sagt Utz. Bisher

stehen acht Außendienstmitarbeiter den

Kunden vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Den

Beratungsansatz will er ausbauen und weitere

Fachleute einstellen.

Sei es ein Berater, sei es ein Lagerist. Rainer Utz

weiß um den Wert guter Mitarbeiter und bindet

sie am liebsten langfristig ans Unternehmen:

„Mir ist das

Betriebsklima wie

auch die Zuverlässigkeit

unserer Arbeit

gleichermaßen

wichtig.“ Der

hohe Grad an Beschäftigung

in der

Region erschwert

ihm allerdings die

Rekrutierung: „Haben

sich früher bis

zu 100 Interessenten

für eine ausgeschriebene

Stelle beworben, sind es inzwischen

manchmal kaum mehr als 30.“

Besonders schwierig sei die Suche nach Lehrlingen.

Zurzeit seien sechs Auszubildende in

der Firma. Auch deshalb ist das inhabergeführte

Unternehmen glücklich darüber, dass

die Fluktuation „äußerst gering“ ist.

wEniGE schnäppchEnjäGEr

Die Dorfläden sind für Utz nur eines von mehreren

Standbeinen. 1997 entstand das deutschlandweite

Netzwerk MCS (Marketing und

Convenience Shop System): Utz war von Anfang

an als regionaler Partner für die Belieferung

von Tankstellen- und Kiosk-Ketten in

Baden-Württemberg und Bayern dabei. Etwa

die Hälfte seines Jahresumsatzes von rund 60

Millionen Euro erwirtschaftet Utz inzwischen

mit den Convenience-Shops wie Tankstellen,

Bäckereien, Getränkemärkten und

Kiosken.

2013 führte Utz die Marke „Jeden Tag“ für

preissensible Kunden ein. Je nach Laden bewege

sich die Angebotsbreite zwischen 50

und 100 Artikeln bei einer Gesamtzahl von

2000 bis 2500 Artikeln, berichtet Utz: „Bei

den Dorfladen-Kunden überwiegen dennoch

die Marken- und Qualitätsbewussten, nicht

die Schnäppchenjäger.“ Produkte aus der Region

werden immer beliebter: Besonders bei

Frischeprodukten sei der regionale Bezug zunehmend

wichtig. „Der Dorfladen bietet

gerade hier die passende Vertrauensbasis,

100 jahre Lebensmittel Utz

Hier fing alles an, in einem kleinen Kolonialwarenladen. Auf dem Foto hält Paula Utz, die älteste

Tochter des Firmengründers, die Tante des heutigen Chefs auf dem Arm.

vor 100 jahren, am 1. August 1914,

schrieb Martin Utz die ersten Zeilen der

Erfolgsgeschichte – mit einem kleinen

Kolonialwaren- und Tabakgeschäft in

Ochsenhausen. Fünf Jahre später begann

er mit der Belieferung kleinerer Läden im

Umland. 1959 übernahm sein Sohn Karl

Utz den elterlichen Betrieb und zog mit

der Großhandelsfirma 1963 an den

Stadtrand von Ochsenhausen. Im Laufe

der Jahre vergrößerte er den Standort

mehrmals, auch weil das Lagern gekühlter

Waren an Bedeutung gewann.

Als Karl Utz überraschend starb, trat

1977 sein Sohn Rainer direkt nach dem

Abitur ins Familienunternehmen ein: als

Lehrling zum Außenhandelskaufmann.

Nach dem Wehrdienst und einem Jahr

mit Praktika in Großhandelsbetrieben in

Norddeutschland übernahm Rainer Utz

1982 – mit Unterstützung seiner Mutter

– die Geschäftsleitung.

Mit dem Aufbau des Convenience-Vertriebes

1997 wuchs Utz als Großhandelsunternehmen

so schnell, dass im Jahr

2005 der Bau eines völlig neuen Firmensitzes

im Ochsenhausener Gewerbegebiet

Längenmoos notwendig wurde.

Heute arbeiten 100 Mitarbeiter für das

führende privatwirtschaftliche Großhandelsunternehmen

Süddeutschlands.

Sie beliefern Dorfläden, Tankstellen und

Kioske vom Schwarzwald über Stuttgart,

die Ostalb, das Allgäu bis nach München

und Garmisch-Partenkirchen. 2013 erwirtschaftete

das Unternehmen einen

Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Im

Sommer 2014 feierte Utz mit Mitarbeitern

und Kunden auf dem Firmengelände

den 100. Geburtstag.

abE

denn er ist ja mit der Region verwurzelt“, erklärt

Utz.

In die Zukunft blickt das Unternehmen optimistisch:

„Wir gehen davon aus, dass wir dank

unserer zukunftsträchtigen Geschäftsfelder

weiteres Wachstum erzielen können.“ Natürlich

müsse man immer am Ball bleiben. Alle

Schritte vom Einkauf der Ware bis zur Auslieferung

an den Kunden würden ständig durchleuchtet.

Ein großes aktuelles Projekt ist die

Erneuerung der IT-Systeme. „Wir planen, die

alte und aufwendige Lagerführung und Kommissionierung

auf ein modernes, papierloses

Lagerverwaltungssystem umzustellen“, sagt

Utz. Das erhöhe die Bestandssicherheit und

Kommissionierqualität weiter, sagt der Kaufmann:

„Restlaufzeiten sowie Mindesthaltbarkeitsdatum

können dann besser überwacht

werden.“ Das Projekt wurde Anfang 2014 mit

der Dortmunder Firma Pro Logistik gestartet,

Anfang 2015 soll dann alles papierlos laufen

– und die Kommissionierer erhalten ihre

Aufträge über ein Sprachsystem (Pick by

Voice). [!]

EbErhard abElEin

50


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[leben]

AchduliebeZeit!

Sie tickt, wenn wir ins Büro gehen und sie tickt, wenn wir es wieder verlassen. Die Uhr bestimmt unseren

Arbeitsalltag von früh bis spät. Doch wie sieht es in der Freizeit aus? Fünf Führungskräfte haben sich für Stefan

Loeffler und unsere Umfrage ein bisschen Zeit genommen.

Gabriele Wulz

leitet seit 2001 die

Ulmer Prälatur der Evangelischen

Landeskirche in

Württemberg. Hätte die

1959 geborene Darmstädterin

mehr Zeit, würde sie

lesen, lesen, lesen.

1) Ich weiß es nicht mehr genau. Ich vermute jedoch, dass ich meine

erste Uhr in der ersten Schulklasse bekommen habe.

2) Beim Schwimmen.

3) Sehr schwer zu organisieren.

4) Ewigkeit, Augenblick, Vergänglichkeit.

5) Mit netten Menschen.

6) Ich würde alles lesen, was ich schon immer mal lesen wollte oder

sollte oder müsste.

7) Ich halte es in diesem Punkt mit Psalm 90: Unser Leben währet siebzig Jahre und

wenn‘s hoch kommt, so sind`s achtzig Jahre … und dann vor allem: Herr, lehre uns

bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

1) Können Sie sich erinnern, wann Sie Ihre erste Uhr bekommen

haben?

2) Legen Sie Ihre Uhr manchmal ab?

3) Wie stellen Sie sich eine Welt ohne Zeitmesser vor?

4) Nennen Sie bitte drei Begriffe, die Ihnen zum Thema

Zeit einfallen.

5) Mit wem verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten?

6) Was würden Sie tun (oder eben auch nicht), wenn Sie

plötzlich ganz viel Zeit hätten?

7) Wie alt möchten Sie werden?

Foto: © abf / Fotolia.com

Foto: © Rob Stark / Fotolia.com

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Keineswegs die UnbedeUTendsTe.«

Luciano Pavarotti

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51


[leben] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Fotos Uhren: © GoldPix / Fotolia.com

1) Können Sie sich erinnern, wann Sie Ihre erste Uhr bekommen

haben?

2) Legen Sie Ihre Uhr manchmal ab?

3) Wie stellen Sie sich eine Welt ohne Zeitmesser vor?

4) Nennen Sie bitte drei Begriffe, die Ihnen zum Thema

Zeit einfallen.

5) Mit wem verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten?

6) Was würden Sie tun (oder eben auch nicht), wenn Sie

plötzlich ganz viel Zeit hätten?

7) Wie alt möchten Sie werden?

Ernst Haible ist seit 36 Jahren

selbstständiger Finanzberater

im Bereich Versicherungen, Immobilien

und Kapitalanlagen.

Der Geschäftsführer der Ernst

Haible GmbH beschäftigt drei

Mitarbeiter. Hätte er mehr Freizeit,

würde er viel öfter am

Steuer eines Oldtimers sitzen.

Wolfram Schneider ist seit

über 30 Jahren geschäftsführender

Gesellschafter der Firma

WolframS Lifestyle GmbH

in Ulm. Der 56-jährige Vater

zweier erwachsener Kinder

verzichtet im Urlaub oftmals

auf seine Uhr.

1) Nein, aber ich habe 1975 in Bangkok meine erste Quarzuhr gekauft.

Das war damals eine Weltneuheit und bei uns noch richtig teuer.

2) Ja, immer in der Nacht.

3) Für die Gesellschaft chaotisch – privat eine völlig neue entspannte

Lebenssituation.

4) Schicke Uhren, Zeit nehmen für alles, was mich interessiert, Unendlichkeit.

5) Mit meiner Frau.

6) Reisen, um ferne Länder und fremde Menschen kennenzulernen.

Und ich würde an mehr Oldtimerrallyes teilnehmen.

7) Bei bester Gesundheit möchte ich sehr alt werden.

1) Ja, meine erste Uhr hat mir mein Großvater geschenkt, kurz nachdem

ich eingeschult wurde, weil ich häufig zu spät kam.

2) Im Urlaub, außer auf Ausflügen, lege ich oft keine Uhr an – und

genieße es sehr, einfach einmal zeitlos zu sein.

3) Eine Welt ohne Zeit kann ich mir nur im Jenseits vorstellen.

4) Planung und Organisation, Arbeitszeit, Freizeit und Urlaub.

5) Mit meinen Kindern und Freunden.

6) Ich würde gerne neue Länder und Menschen kennenlernen, reisen

und viel Sport in der Natur machen.

7) So lange ich gesund und rüstig bin, macht mir das Leben große

Freude.

52


unternehmen [!] Ausgabe 41 | Oktober 2014

[leben]

Die 33-jährige

Sandra Bohnaker, seit April

2014 Leiterin des Bereichs

Unternehmensmarketing der

IT-Firma Fritz & Macziol, hat

noch viel Zeit vor sich.

Carlheinz Gern (62) startete

sein Berufsleben als Verlagskaufmann

bei der Südwest

Presse, war 14 Jahre Marketingleiter

bei Radio 7 und ist

seit Sendestart 2003 Geschäftsführer

beim Lokalradio Donau3FM.

Der selbstständige

Veranstalter von Konzerten,

Partys und Events legt seine

Uhr nur ab, wenn er eine

andere tragen möchte.

1) Zum Schulanfang?!

2) Vice versa: Ich lege nur ab und zu eine Uhr an – dann aus modischem

Aspekt. Inzwischen findet sich die Uhrzeit doch überall.

3) Entschleunigt. Ein Leben nach der Sonne und mit der Natur – wie

im Urlaub.

4) Schwäbische Ordnung, Kalenderplanung, Sommerzeit.

5) Mit tollen Menschen, mit Sport und mit der Natur.

6) Für all diese Ideen reicht der Platz hier leider nicht aus.

7) Ich werde mindestens 100 Jahre alt!

1) Das war eine wertvolle Tissot, die ich zur Kommunion bekam.

2) Nur zum Wechseln.

3) Entspannt!

4) Augenblicke, Vergangenheit und Zukunft.

5) Mit Menschen, die mir wichtig sind, mir am Herzen liegen und zeitlos

interessant sind.

6) Die Welt bereisen.

7) Man kann gar nicht alt genug werden, um all die Überraschungen

auszuschöpfen, die das Leben so mit sich bringt.

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53


[namen & nachrichten] Ausgabe 41 | Oktober 2014 unternehmen [!]

Ulm wird Teil des

weltweiten

Metall-Clusters

Die Stadt Ulm kann sich über

die Stärkung ihrer Wirtschaftsstruktur

freuen: Sie ist Teil des

weltgrößten Konsortiums für

Metallforschung und -fertigung.

Dazu wird das Stuttgarter

Fraunhofer-Institut dort eine

Niederlassung für Produktionstechnik

und Automatisierung

einrichten. Dafür hat sich die

High-Tech-Allianz Ulm unter

Führung von Prof. Hans-Jörg

Fecht vom Uni-Institut für neue

Materialien eingesetzt. In dem

Cluster arbeiten Konzerne wie

Airbus und Arcelor Mittal mit.

Zum Auftakt dürfte eine Projektgruppe

des Stuttgarter Instituts

mögliche Vorhaben mit der

Ulmer Industrie ausloten, sagte

der geschäftsführende Vorstand

der Hightech-Allianz, Michael

Drechsler.

Druckindustrie

vergibt an NPG

Innovationspreis

Abschalten in Natur und Sonne

Acht von zehn Baden-Württembergern schreiben

ihre Urlaubserholung der Sonne und der

Natur zu. 17 Prozent der für den DAK-Urlaubsreport

Befragten gaben jedoch an, sich kaum

oder nicht im Urlaub erholt zu haben. Im Vergleich

mit anderen Bundesländern ist das der

Die Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG (NPG/Ulm), die

Herausgeberin der SÜDWEST

PRESSE, hat den Innovationspreis

der Deutschen Druckindustrie

in Silber erhalten. Bei einem

Galabend des Verbands der

Druckindustrie in der Liederhalle

in Stuttgart wurden Gestaltung

und Druck der ausklappbaren

Sonderbeilage „Das

Wallis erleben“ ausgezeichnet.

Ein Allgäuer ist

neuer Präsident

des Handwerks

Joachim Krimmer (58) aus Leutkirch

ist neuer Präsident der

Handwerkskammer Ulm. Die

Vollversammlung, die 117 ehrenamtliche

Mitglieder umfasst

und 18.000 Betriebe vertritt,

wählte ihn zum Nachfolger von

Anton Gindele (65). Der Schreiermeister

aus Horgenzell (Kreis

Ravensburg) hatte zuvor zufrieden

Bilanz

gezogen. Es

sei gelungen,

die

Kammer

stärker als

Dienstleister

für die Betriebe

aufzustellen.

Unter

Gindeles

schlechteste Wert, wie beim Stressabbau. Nur

57 Prozent der Befragten meinten, ihren

Stress reduziert zu haben. DAK-Landeschef

Markus Saur sieht das mit Sorge: „Wer nicht

loslassen kann, kann sich auch nicht erholen.

Damit ist am Ende niemandem gedient.“

Hat Anton Gindele

abgelöst:

Joachim Krimmer.

Foto: © Fotofreundin / Fotolia.com

Führung hat die Kammer die

Ausbildungsberatung für türkische

Jugendliche und hunderte

neuer Bildungspartnerschaften

ins Leben gerufen. Dennoch

wird das Thema Fachkräftesicherung

eine der großen Aufgaben

Krimmers sein. In seinem

1913 gegründeten Heizungs-,

Lüftungs- und Sanitärbetrieb

beschäftigt er 23 Mitarbeiter,

darunter zwei Auszubildende.

Krimmer engagiert sich seit

Jahren in der Kammer, unter

anderem als Obermeister und

Kreishandwerksmeister in Ravensburg.

Er ist verheiratet und

hat drei Kinder. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

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Thomas Brackvogel

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Matthias Kessler, Eberhard Abelein,

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Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 15 000 Exemplare

Objektleitung & Kontakt

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

Fax 0731 156-481

unternehmen@swp.de

Mediaberatung

Stefan Kulbe

Telefon 0731 156-137

E-Mail s.kulbe@swp.de

Nächste Ausgabe

29. November 2014

Die Themen

Der Notfallkoffer für

Unternehmer

Messebau + Messen 2015

Energie

u.v.m.

Anzeigenschluss

5. November 2014

www.swp.de/unternehmen

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Überzeugt leicht. Beeindruckt schwer.

Das neue C-Klasse T-Modell. Das Beste kennt keine Alternative.

• Sportlich-dynamisches Design trifft auf ein flexibles Raumkonzept.

• Vielseitiges Lifestyle-Fahrzeug mit herausragenden Alltagseigenschaften.

Jetzt Probe fahren.

Telefon: 0731 700-1800.

Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die zur Markteinführung (09/2014) verfügbaren Motoren (C

180/C 200/C 250/C 220 BlueTEC und C 250 BlueTEC). Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,0–4,3

l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 140–108 g/km.

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Partner vor Ort: Niederlassung Ulm/Neu-Ulm

Von-Liebig-Straße 10, 89231 Neu-Ulm, Telefon: 0731 700-0, www.mercedes-benz-ulm.de

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