Tina Birgitta Lauffer | Mama-Alarm

verlagmonikafuchs

, , , , , , , , ,

Tina Birgitta Lauffer

Mama-

Von Wutzwergen,

Schnappschildkröten und

Unschuldsengeln

Alarm

Verlag

Monika Fuchs


Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detallierte bibliografische Daten

sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-940078-46-9

www.mama-alarm.de

www.tina-birgitta-lauffer.de

www.verlag-monikafuchs.de

© 2012 by Verlag Monika Fuchs | Hildesheim

Umschlagzeichnungen: Christa Lippich | Wetzlar – unter Verwendung

von Fotos von Tina Birgitta Lauffer und Bianca Skoda

Umschlaggestaltung, Satz und Layout: MedienBüro Monika Fuchs | Hildesheim

Printed in EU 2012


Inhaltsverzeichnis

Vorwort 9

Schwanger 13

Schwangerschaftskurs 19

Geburt 22

Wochenbett 26

Koliken 29

Mütter-Mütter 31

Babyschwimmen 33

Arbeiten mit Baby? – Kein Problem! 36

Das verflixte erste Jahr 38

Erste Mahlzeiten 40

Das Mama-Multifunktionsgen 42

Schlafen 44

Das erste Fieber 46

Vorsorge und fiese Piekse 50

Krabbelgruppenzeit 52

Alles meins! 55

Alleine!! 57

Babysitter 59


Vom (über)fördern und (über)fordern 62

Alles kleine Einsteins 65

Bobbycar 68

Klone für Mamas und Kronen für Papas 69

Väter 71

Konsequent sein!? 75

Brauchen Kinder so viel Spielzeug? 78

Sand und dicke Bohnen 81

Spielgruppe 83

Unsere Multikulti-Familie 85

Andere Länder – andere … 87

Der Schnuller 89

Suppenkasper und Schnappschildkröten 91

Mittagsschlaf? Ist doch für Babys! 93

Virentauschbörse Kindergarten 95

Pipi-Alarm 98

Ich will aber!!! 100

Schlaumöhrchen und Glückstomaten 105

Trügerische Ruhe 108

Jahresevent Kindergeburtstag 110

Abenteuer Urlaub 113

Von kleinen ganz Großen 119

Verkehrs- und Umgangsregeln 122

Mamas, Sport und Sahnetorte 125

Von Monsterfallen und kleinen Füßen 129

Karneval 132


Sternenkind 134

Auweia, es weihnachtet 137

Langweilig 139

Basteln 142

Sammelkarten 144

Größer, höher, schneller, weiter 146

Halt mich fest und lass mich los 149

Bitte, bitte, bitte ein Haustier!!! 151

Von Ausflügen und Ausfällen 153

Rituale, kleine Inseln im Alltag 155

Hilfe, wir sind Schulkind 158


Vorwort

Nehmen wir mal an, Sie kommen in einem Supermarkt

an einem schreienden, wütend um sich schlagenden

und stampfenden Kleinkind vorbei. Sollten Sie denken:

Wie schrecklich, diese rotzfreche, verzogene Göre – dann … klappen

Sie das Buch am besten gleich wieder zu, es ist nämlich

überhaupt gar nichts für Sie!

Denken Sie allerdings (mit einer Mischung aus wissendem,

schadenfrohem Mitleid mit der Mutter, der man gerne auf

die Schulter klopfen würde): Auweia, Trotzalarm! oder Halte

durch, tu es für uns! Du bist die Mutter der Stunde, des Tages! Du

stehst stellvertretend für uns alle mit hochrotem Kopf an der Kasse,

allen widrigen Kleinkind-Anfallattacken zum Trotz! (würde frau

natürlich nie in echt aufmunternd sagen) – dann … werden

Sie mit diesem Buch viel Spaß haben und sich vielleicht sogar

hier und da selbst wieder finden.

Dieses Buch ist kein Ratgeber – es ist noch nicht einmal

annähernd einer. Es ist eine Sammlung kleiner Anekdoten,

»Weisheiten« und Anregungen aus den ersten sechs Jahren

meines Alltags als Mutter. Ich hatte sie nach und nach

auf meiner WebSite www.tijo-kinderbuch.de unter dem Titel

»Von, mit und für Mamas« eingestellt: zum Schmunzeln,

Wiedererkennen, Nachsinnieren und Ätsch-das-geht-auchanderen-so-Denken.

Für dieses Buch habe ich die Beiträge

überarbeitet, den kolumnenartigen Stil aber beibehalten.


Und nun wünsche ich allen Leserinnen (und Lesern) nicht

nur viel Spaß mit diesem Buch, sondern vor allem: gute Nerven,

Geduld, Liebe, Humor und Freude mit, für und an ihren

Kindern.

Tina Birgitta Lauffer

PS: Ich freue mich über Ihre Reaktionen auf das Buch! Sie könnten

zum Beispiel

# einen Kommentar auf der WebSite www.mama-alarm.de

hinterlassen.

# Oder eine Lesermeinung auf www.amazon.de schreiben.

# Oder mir eine Mail schicken: mama@verlag-monikafuchs.de

10


Wo fange ich am besten an? Vorher? Nachher?

Nein. Nachher ist schlecht. Das gibt es ja für eine Mutter

gar nicht mehr. Ist man nämlich einmal zum Muttertier

mutiert, dann gibt es kein Zurückverwandeln mehr.

Leider haben Schwangerschaftsstreifen, Krampfadern und

Besenreiser das auch gemerkt. Und nur mal so für alle, die so

aussehen wie ein Starmodel und auch nach vier Kindern solche

Probleme immer noch nicht kennen: »Besenreiser« sind

diese fiesen, kleinen Äderchen an den Beinen. Ich persönlich

habe diesbezüglich immer mal wieder die Angst, folgenden

Satz zu hören: »Aber Mami, wieso darf ich meine Beine nicht

anmalen und du schon?« Zum Glück ist er noch nicht gefallen,

der Satz, im Gegensatz zu: »Mami, dein Bauch ist so

schön schwabbelig und kuschelig!« … Das lass ich hier mal

unkommentiert so stehen …

Also dann: Auf zum Start!

11


Schwanger

Schwanger.

chwanger?

chwanger!

Hurra! Ich werde eine Mama, eine richtige Mama!

Zum hundertsten Mal schaute ich auf den Schwangerschaftstest

und legte ihn so behutsam ab, als könnte sich der

zweite Strich allein durch das Hinlegen in Luft auflösen. Doch

zum Glück verschwand er nicht. Und ich beschloss, vorsichtig

zu glauben, wirklich richtig schwanger zu sein. Also ab

zum Gynäkologen, dieses Mal ausnahmsweise gerne. (Frauenarztbesuche

sind sonst nämlich direkt nach den Zahnarztbesuchen

auf meiner Beliebtheitsskala ziemlich weit unten.)

Mit dem Mutterpass – also der amtlichen Bestätigung,

wirklich ein Kind zu erwarten – und einem Stapel Beratungsbroschüren

in der Tasche war ich glücklich wieder zu Hause

angelangt und fing sofort an, mit »Baby« Zwiesprache zu

halten. Und das, obwohl es nur so klein war wie eine Erbse …

Na und? Ping Pong aus Mandala war schließlich auch nicht

größer und dem wurden sogar schon Regierungsgeschäfte

anvertraut, jawohl!

Apropos Regierung. Oder besser gesagt: Behörden. Warum

zum Henker wird man hier eigentlich nie nach einem Ausweis

gefragt? Ich war schon kurz davor, zu schnell durch eine

Polizeikontrolle zu rasen, nur um mal nach meinen »Pa-

13


pieren« gefragt zu werden. So von wegen: »Führerschein?

Hab ich nicht dabei, aber meinen Mutterpass, wollen sie

den vielleicht sehen?« Wie die Polizisten wohl reagiert hätten?

Bestimmt nicht sonderlich interessiert. Da hatte man

also einen tollen (Mutter)Pass und niemand wollte ihn sehen

… Ausgenommen Freundinnen und Familienangehörige

natürlich. Die bekamen allerdings auch ohne Grenz- oder

Geschwindigkeitskontrolle sofort sämtliche Schwangerschaftserkennungsmerkmale

gezeigt. Natürlich auch die Ultraschallbilder!

Die sind ja – ähnlich wie die abstrakte Kunst

– nichts für unerfahrene Betrachter. Aber auch hier gibt niemand

zu, keine Ahnung zu haben. Es ist ganz egal, wie herum

man sie hält, man erntet immer ein: »Oh!« oder »Ah!« oder

auch: »Wunderbar!« Hach, man muss kein Künstler sein,

um in Bewunderung genussreich zu baden! Schwanger sein

reicht schon.

Als ich genug in Bewunderung gebadet hatte, besorgte ich

mir pflichtbewusst Dutzende von Broschüren, Zeitschriften,

Ratgebern und Büchern. Schließlich war ich ab sofort für

mindestens zwei Menschen verantwortlich! Los ging’s: Mal

sehen … Was steht denn hier? – Ach so, und was ist das? Und hier?

– Moment, da steht es aber ganz anders und dort auch! Was ist denn

jetzt richtig?

Fragte ich also mal alle Muttis, die ich so kannte. Blöd war

nur, so viele kannte ich (noch) nicht und die, die ich kannte,

hatten auch verschiedene Ansichten. Ich beschloss also, alle

Ratgeber wegzuschmeißen und nur noch ein Buch – das mir

von eben diesen vorgeschlagen wurde – zu lesen. Schließlich

hatte ich ja schwangerschaftsbedingt ohnehin Supersinne

und war daher der Überzeugung, die anstehende Geburt

rechtzeitig riechen zu können. Denn irgendwas riechen

oder dann wieder gar nicht riechen können, konnte ich verdammt

gut! Um nicht zu sagen: zu gut! Die Erinnerung an

14


so einige Gerüche kam so manches Mal ungebeten wieder

hoch – Übelkeitsattackenalarm! Aber das legte sich ja zum

Glück im Laufe der Zeit. Allerdings hatte ich das Pech, dass

die Übelkeit übergangsfrei zu einem ständigen und fiesen

Sodbrennen wurde, da hätte es auch nichts genützt, wenn

mein Mann bei der Feuerwehr gewesen wäre.

Jetzt aber nochmal zu den Supersinnen: Hat eigentlich

schon mal jemand darüber nachgedacht, »Spürmamas« bei

der Polizei einzusetzen? Die würden die Drogen ohne Probleme

erschnüffeln und mit 98%-iger Sicherheit nicht selber

ausprobieren. Na, über die Prozentzahl lässt sich sicher

streiten, rauchen und trinken lassen ja leider auch nicht alle,

aber darauf will ich hier nicht weiter eingehen.

Kataloge für Babymöbel, Kleidung und andere in absehbarer

Zeit wichtige Utensilien wurden zu meiner neuen Lieblingslektüre.

Und kaum hatte ich die ersten Kataloge mit Babymöbeln

durchgewälzt, fing mein Körper schon mal an, von

innen aufzupolstern. Aber da konnte ich ja locker drüber

stehen! Oder? Na klar, versicherte ich mir. Baby sollte es ja

schließlich auch schön gemütlich haben und sich nicht an

irgendwelchen spitzen Knochen den Kopf einhauen. Klang

doch logisch … irgendwie. Na gut, man musste schon wollen,

dass es logisch klingt … Aber außerdem: Mein Gehirn

konnte durchaus mal ein »gedachtes Placebo« vertragen!

Ungefährlich, frei von Nebenwirkungen und gut für das innere

Gleichgewicht, hihi. Also zeigte ich nach jahrelangem

Bauchverstecken bald stolz meinen runden Babybauch und

wartete darauf, die Frage »Bist du schwanger?« endlich mal

ganz schlicht (und stolz) mit »Ja« beantworten zu können.

(Bis dahin entgegnete ich bei dieser Frage üblicherweise:

»Nein, ist nur mein Fettdepot, hat in die Handtasche einfach

nicht mehr reingepasst. Für eine plötzliche Hungersnot im

15


Berufsverkehr oder für den Fall, dass ich mal in eine Felsspalte

stürze, man kann ja nie wissen, was einem so passieren

wird.«)

Apropos Depot: Leider wurde, wie schon erwähnt, nicht

nur der Bauch rund, mein Körper plante die Speichervorräte

eindeutig auch für die nächsten möglichen Schwangerschaften

gleich mit. So etwas nannte man im Osten Planwirtschaft.

Schuld sind wahrscheinlich diese verdammten »Ostgene«.

Doch zum Glück sorgten gerade diese auch dafür, dass

der Besitzerstolz einer echten »Kinderüberraschung« alles

andere vergessen machte. Während ich also immer runder

und zu Hause liebevoll »Elefanti« genannt wurde, zogen die

Monate ins Land. Der Wendekreis, den ich brauchte, nahm

deutlich zu: So ungefähr, als ob man von einem Kleinwagen

auf einen Van umsteigt, was man als gewohnter Kleinwagenfahrer

beim Wenden oder Einparken leider manchmal vergisst

… In solchen Fällen war ich dann ausnahmsweise froh

darüber, dass sich der eine oder andere »Stoßdämpfer« gebildet

hatte. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt merkte ich

auch, dass die Anziehungskraft der Erde auch ihre Grenzen

hat, an einem superdicken Babybauch kommt sie nämlich

nicht vorbei. Jede, die schon mal schwanger war, kennt das:

Man läuft eigentlich fast ständig mit einem dicken Fleck auf

dem Pulli herum, da alles, was irgendwie verkleckert wird,

genau dort auf der Mitte landet. Soll einen wahrscheinlich

schon mal darauf vorbereiten, dass man in den nächsten Monaten

sowieso ständig vollgeschmiert herumlaufen wird.

Ansonsten ist so eine Schwangerschaft natürlich eine spannende

Zeit, begleitet von Vorfreude, aber auch von nicht wenigen

Ängsten. Ich ging regelmäßig mit einem mulmigen

Gefühl zu meinen Vorsorgeuntersuchungen und kehrte erleichtert

und froh wieder zurück, wenn der Arzt bestätigt

hatte: »Alles nach Plan.« Diesen »Plan« gibt es nämlich und

16


ich kann mir gut vorstellen, was die armen Mütter durchmachen

müssen, bei denen nicht alles im Bereich der Norm

ist. Gut, dass es bei den meisten dieser Babys nicht an Krankheiten

liegt, sondern sie einfach nur kleine Individualisten

sind, die der Welt zeigen wollen: »Hey, ich hab meine eigenen

Maße.« Oder: »Ich lass mich doch nicht in eine Statistik

zwingen, ich bin ich und ich wachse so schnell oder langsam,

wie ich will!« Bravo, sag ich da nur, das nenn ich Charakterstärke.

Es gibt ja auch heute noch tatsächlich Eltern, die sich das

Geschlecht des Kindes vorher nicht sagen lassen, um bei der

Geburt überrascht zu werden. Das sind wahrscheinlich diejenigen

unter uns, die als Kinder nicht kurz vor Weihnachten

heimlich mal in die Schränke ihrer Eltern geschaut haben.

Oder die, wenn alles in freudiger Erwartung drum herum

steht, die eingepackten Geschenke erst mal an die Seite

legen, so nach dem Motto: Das mach ich später in Ruhe auf. Was

hat mich sowas früher geärgert! Heute ärgert mich das nicht

mehr, denn ich habe einen Spezialtrick für solche Experten:

Ich packe die Geschenke dann einfach in durchsichtige Folie

ein, tolle Schleife dran, fertig. Dann können sie sie von mir

aus sogar erst in drei Wochen auspacken, ist ja schließlich

nicht (mehr) mein Problem!

Ich jedenfalls gehörte eindeutig zu den Schrankdurchsuchern.

Und ich wollte auf jeden Fall wissen, was es wird. Aber

entweder hat sich der kleine Schlingel so geschickt gedreht,

dass man rein gar nichts erkennen konnte, oder aber ich hatte

am Vortag schlauer Weise etwas gegessen, was – sagen wir

mal – kleine Bläschen verursacht hatte. Also blieb es lange

spannend. Aber »zum Glück« gab es ja viele Leute, die meinten,

anhand der Form des Bauches erkennen zu können, was

drin war. (Wundert mich, dass auf diesem Gebiet noch keine

neue Wettmafia entstanden ist.) Im achten Monat löste sich

17


das Rätsel aber und ich erfuhr, dass ich einen kleinen Jungen

erwartete. Mit einer Wahrscheinlichkeit von »nur« 99 % natürlich.

Kein Arzt würde je 100 % sagen, damit nicht wegen

einer Fehldiagnose plötzlich die komplette rosa Erstausstattung

eines Jungen in der Praxis stünde. Oder später mal die

Rechnung vom Psychiater mit der Post kommt.

Na egal – wir haben uns jedenfalls 100%-ig gefreut!

18


Schwangerschaftskurs

Um mich so richtig gut auf die Entbindung vorzubereiten,

machte ich natürlich einen Schwangerschaftskurs.

Zehn Frauen unterschiedlichen Alters, Aussehens und

Herkunft trafen sich mit dem gleichen Ziel. Diese Tatsache

machte mir die meisten von ihnen auf Anhieb sympathisch

und war der Beginn von manch wunderbarer Freundschaft.

Natürlich waren auch Damen dabei, in deren Bauch ich als

Baby nicht so gerne gesteckt hätte, aber nun ja, so ist sie, unsere

Welt. Man kann sich leider nicht immer alles so aussuchen.

Die Kursteilnehmerin neben mir zum Beispiel fragte

mich, was es denn bei mir werde, und erzählte mir nach meiner

Antwort sofort ungefragt, dass sie leider nur eine »Dose«

bekäme. Wenn es mich (innerlich) nicht so schockiert hätte,

hätte ich schon damals lachen können. Heute stelle ich mir

das Ganze bildlich vor: »Herr Doktor, was ist es?« »Es ist, es

ist … eine Dose!« Auweia! Na ja, hoffen wir mal, dass aus der

»Dose« mittlerweile ein stolzes und fittes kleines Mädchen

geworden ist.

Wieder zurück zum Kurs: Am Ende jedes Treffens durften

wir Damen noch etwas »planschen« gehen, das war herrlich.

Im Wasser fühlte ich mich leicht und beweglich. Aber als ich

dann wieder »an Land« ging, wusste ich sofort, warum Flusspferde

den größten Teil ihrer Zeit im Wasser verbringen. Bei

der nächsten Schwangerschaft (fest vorgenommen) miete

19


ich mir auf jeden Fall ein mobiles Schwimmbassin oder ziehe

am besten gleich in ein Schwimmbad ein – aber nur mit

warmem Wasser, versteht sich.

Wasser schien mein Körper jedoch leider auch zu mögen,

er fing nämlich an, es überall zu speichern. Vielleicht wäre

dies ja in der Wüste eine tolle Überlebensstrategie, aber

hierzulande? Na, wenigstens konnte ich deshalb ganz offiziell

(und sogar verordnet) öfter mal die Beine hochlegen.

Zurück zum Kurs: Ich hatte bewusst einen ohne Partner

gewählt, da ich persönlich nicht glaube, dass es einer Frau

wirklich etwas nützt, wenn der Mann mithilft zu hecheln.

Oder dann während der Geburt vielleicht sogar meint, er wäre

befähigt, gute Ratschläge und Instruktionen zu erteilen.

Es gab allerdings auch in diesem Kurs einen Tag, wo der Partner

anwesend sein durfte (oder sollte). Hatte bestimmt in einigen

Beziehungen für einen harten Machtkampf gesorgt.

Die heimischen Gewinnerinnen präsentierten ihren männlichen

Part, sofern es einen gab, natürlich nicht ohne Stolz.

Die Frauen, die an diesem besagtem Tag ohne Männer erschienen,

bekamen nicht wenige mitleidige Blicke zugeworfen.

Alle Achtung, Ladys, dass ihr trotzdem gekommen seid,

ihr seid echte Patriotinnen! Fairerweise sollte ich an dieser

Stelle erwähnen, dass der eine oder andere Mann aus beruflichen

Gründen verhindert gewesen war und durchaus gerne

gekommen wäre. Natürlich hatten wir eine Menge Spaß

und anatomische Einzelheiten blieben uns an diesem Tag erspart.

Ein anderes Mal allerdings zeigten die uns doch glatt anhand

einer Puppe und einem Becken aus Gips, wo das Kind

durchpassen muss. Hat schon mal jemand versucht, eine Apfelsine

durch ein Nasenloch zu stopfen? Nein? Geht ja auch

nicht! Eben! Mensch, die Natur ist doch sonst immer so perfekt

und einfallsreich, so eine Art Babyklappe wäre doch

20


gar nicht so verkehrt gewesen. Naja, egal, zu spät, dass schaff

ich schon!, machte ich mir selber Mut. Millionen und Abermillionen

Frauen auf der ganzen Welt haben das ja auch geschafft!

Die Menschheit wäre schließlich ausgestorben, wenn es so super

schlimm wäre.

Also ließ ich die letzen Wochen, zwar nicht mehr ganz so

behände und mit vielen »uffs« und »ahs«, ziemlich entspannt

dahinziehen.

21


Geburt

Das Wort »ziehen« nehme ich jetzt mal als Einsatz: Ich

lag also schließlich im Krankenhaus und es ging los.

Richtig gelesen: Ich lag! Ich weiß von vielen Frauen, die

noch wahre Marathons laufen oder dreimal mehr Treppen,

als der Eifelturm hoch ist, steigen mussten, bevor es endlich

losging. Aber ich musste liegen, weil bei mir die Fruchtblase

geplatzt war. Mit schlechtem Gewissen (und zum ersten

Mal der Unsicherheit, keine gute Mutter zu sein) verschweige

ich fast, dass ich vorher noch eine Hunderunde gelaufen

bin, und nun musste ich plötzlich klingeln, wenn ich nur

mal auf die Toilette wollte. Da das Fruchtwasser weiterhin

lief und ich noch keine Wehen hatte, wurde beschlossen, die

Geburt einzuleiten. Ich bekam Zäpfchen und durfte mich in

aller Ruhe auf das baldige Geschehen vorbereiten. Entspannt

und gespannt schaute ich aus dem Fenster, es war ziemlich

stürmisch draußen. Kein Wunder, war ja auch November.

War es eigentlich schlimm, dass ich im Kurs beim Beckenmuskelanspannen

öfter mal geschummelt hatte?, dachte ich gerade

so, als mich eine Welle übelsten Schmerzes überrollte. Okay,

ruhig bleiben! Oh mein Gott, die hatten gesagt, die Schmerzen steigerten

sich und ich müsste mir das mit dem Atmen einteilen. Steigern?

Atmen? Das musste ich mir nochmals durch den Kopf

gehen lassen, genau wie das Frühstück der letzten Tage. Wo

waren denn hier die Eimer? Was war das denn, ein Nieren-

22


schälchen? Wenn man noch ein paar hübsch darunter gehalten

hätte, hätte man es den »Brunnen der Empfängnis«

nennen können. Klang doch zumindest nicht schlecht, was?!

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch endlich, warum ich als

junges Mädchen während der Menstruation mit Unterleibsschmerzen

gequält wurde. Das war nicht die Rache wegen

dieser Apfelgeschichte (anno dazumal vor ca. zwei Millionen

Jahren), das war mein Training gewesen, Training für

den heutigen Tag. Für den Marathon meines Lebens, aber ich

würde ans Ziel kommen und gewinnen, da war ich mir sicher.

Soviel zu den klaren Gedanken zwischen den Wehen.

Einige weitere wirre, die sich dazugesellten, waren: Ich werde

sterben, hier und jetzt, wo ist denn nur der Tunnel? – Pause. – Vielleicht

sterbe ich doch nicht?

Ich versuchte es auf dem Gymnastikball, im Schwangerschafts-Kurs

war der doch so gemütlich gewesen!

Ich krieche auf den Boden. Ah, schön kühl!

Aber dann muss ich schon wieder sterben.

Sieben Leben hat eine Katze, bis dahin hielt ich dies für einen

Rekord, aber eine Gebärende hat auf jeden Fall mindestens

hundert! Ich arbeitete mich vor zur Sprossenwand.

Sprossenwand? Wie schade, niemand da, mit dem ich um die

Wette »turnen« kann, kicherte ich ziemlich wirr vor mich hin.

Eigentlich war mir mittlerweile gar nicht mehr zum Spaßen

zumute gewesen, da hatte sich wohl der Überlebensinstinkt

eingeschaltet … Meine Hochachtung vor all den Frauen,

die ganz viele Kinder bekommen haben! Ihr seid echte Heldinnen!

Komischerweise war mir gar nicht die Idee gekommen,

nach einer PDA zu fragen. Wahrscheinlich hatte ich

einfach gedacht, wenn ich schon sterben müsste, wollte ich

wenigstens komplett dabei sein.

Die weiteren Einzelheiten erspare ich mir an dieser Stelle.

Es war schlimm, schmerzhaft, schrecklich!!!

23


Und: Das Wundervollste, was ich je in meinem Leben erlebt

habe!

Da lag er auf meiner Brust, etwas Schöneres hatte ich noch

nie gesehen. Mein Kind, mein Sohn! Diese tiefe reine Liebe

überwältigte mich total und diesen Moment werde ich niemals

wieder vergessen. Die Nabelschnur wurde durchtrennt,

doch von da an verband uns ein anderes, viel festeres Band,

das Band der Liebe. Das sich niemals wieder lösen wird. So ist

es und so soll es sein.

Die Mutterliebe ist ein Phänomen, das es ja nicht nur bei

uns Menschen gibt, bei so ziemlich allen Säugetieren ist das

Band ähnlich stark. Zumindest, bis das nächste Kind da ist,

und spätestens dann unterscheiden wir uns dann doch ganz

ordentlich. Hatte mein Sohn doch neulich nach einem Tierfilm

gesagt: »Wenn du noch ein Baby bekommst, kann ich ja

zum Glück dableiben.« »Na klar!« Und wie klar das ist, muss

ich ja nicht noch betonen.

Wieder zurück zum Baby und zum Thema Säugetiere. Ich

hätte es bis dahin auf jeden Fall ausgeschlossen, mir jemals

von einem männlichen Wesen in die Brustwarzen beißen

zu lassen! Doch damals tat ich es, sogar mit vollkommener

Zufriedenheit. Obwohl mein Kleiner schon ziemlich schnell

den Spitznamen »Barrakuda« innehatte. Die Brüste waren

bald gerötet, verknotet und entzündet, aber ich blieb tapfer

und das zahlte sich am Ende aus. Der Kleine schmatzte,

schlabberte und trank eifrig und man konnte beim Wachsen

quasi zuschauen.

Noch schnell etwas in eigener Sache, was unbedingt mal

gesagt – beziehungsweise geschrieben – werden muss, da es

ja sonst niemand tut: Denn alle, die sich wie ich neun Monate

darüber gefreut hatten, ihre Blutung nicht zu haben,

werden nach der Entbindung mit einer netten Überraschung

konfrontiert, die jetzt hier eigens zu Wort kommt: Ȁtschi-

24


ätsch, du dachtest wohl, du bist mich los, was? Nein, ich

habe nur auf den richtigen Moment gewartet: Herzlichen

Glückwunsch.« Das steht dann jeden Tag auf der »Vorlage«,

die übrigens fast so groß wie eine Federkernmatratze ist. Getreu

nach dem Motto von Paulchen Panter: »Heute ham wir

nicht die Tage, doch sie komm’ wieder, keine Frage!«

Okay, hat wohl eher Paula Panter gesagt, aber ist ja auch

egal.

25


Wochenbett

Früher hießen die ersten Wochen nach der Geburt »Wochenbett«.

Und zwar deshalb, weil die Frau im Bett liegen

durfte und von der Familie versorgt wurde. Ich gebe

zu, dass es sicherlich unter anderem auch daran lag, weil die

hygienischen Bedingungen andere waren und die Frau ihre

ganze Kraft brauchte, um keine Infektionen oder ähnliches

zu bekommen. Leider müssen in vielen Teilen der Welt auch

heute noch Frauen ihre Kinder in teilweise katastrophalen

Verhältnissen zur Welt bringen. Da braucht man sich hierzulande

wirklich nicht darüber zu ärgern, wenn die Nachbarin

im sauberen, freundlich-hellen Krankenhauszimmer zu viel

Besuch bekommt. Braucht man nicht, tut man aber als verwöhnte

Mitteleuropäerin trotzdem!

Am Bett meiner Nachbarin standen Eltern, Großeltern,

Tanten, Onkel, Nichten, Neffen und wahrscheinlich noch die

ganze Nachbarschaft. Hallo, ich liege hier mit nacktem Busen,

versuche meinen schreienden Säugling zu stillen und kann aus gegebenem

Anlass nicht ins Stillzimmer, da es mir aus nicht zu nennen

wollenden Gründen unmöglich ist zu sitzen.

Das denkt man und was sagt man? Genau: nichts. Zu dumm

eigentlich. So wurde aus dem »Wochenbett« ein »Zwei-TageBett«

und ich ließ mich vom vor Stolz mit erhobener

Brust laufenden Vater des Kindes abholen. Wieder mal typisch!

Sich mit fremden Federn schmücken können sie gut,

26


die Männer! Wer hatte hier eigentlich die ganze Arbeit? Aber

aus verständlichen Gründen war mein Gang nicht der einer

stolzen Henne, sondern eher der einer humpelnden Milchkuh

mit geschwollenen Eutern. Aber egal, zum Glück sorgten

die Endorphine ja dafür, dass ich die ganze Zeit über ziemlich

glücklich war. Zum Glück habe ich mit dem »Baby-Blues«

keine Bekanntschaft gemacht!

Endlich zu Hause, konnte ich mich an meinem Kind gar

nicht satt sehen. Ein Wunder, so ein kleines Wesen, so vollkommen.

Dieses wundervolle Geschöpf war tatsächlich aus

meinem Bauch gekommen. Bei diesem Gedanken kam ich

nicht umhin, nach unten zu schauen. Eben genau dieser

Bauch wurde nämlich sofort wieder zum Krisengebiet erklärt,

denn zu meinem Entsetzen sah er nicht wirklich viel

dünner als vor der Geburt aus. Der einzige Unterschied war,

dass er nicht mehr prall war. Schlimmer noch, er hing!

Wenn ich bei dieser Situation angefangen hätte zu heulen,

hätte das dann doch was mit diesem Baby-Blues zu tun gehabt?

Reiß dich zusammen, schimpft da eine innere Stimme,

dafür hast du ja jetzt dieses tolle Geschenk! Wer interessiert sich

denn hinterher noch für die Verpackung?! Na gut, dem Baby ist

es egal, es lag sogar mit besonderer Vorliebe auf dem – nennen

wir ihn mal »weichen« – Bauch. Und der Kindsvater? Na,

der hatte trotzdem schon mal wieder Lust bekommen.

Das ist ja auch so eine Zwickmühle: Einerseits wollen wir

Frauen ja begehrt werden und finden es ganz scheußlich,

wenn man uns nicht will. Aber – hallo? Zwei Wochen nach

der Geburt? Ich erinnere nur an die Geschichte mit der Nase

und den Apfelsinen! Zum Glück können wir zumindest in

den ersten sechs Wochen auf den ärztlichen Rat der Zurückhaltung

verweisen. Danach wird es dann allerdings schwieriger

und irgendwann ist auch bei dem geduldigsten Mann

die Frustschwelle überschritten und er fängt an, nervös und

27


ungehalten zu werden, da er sich total zurückgesetzt fühlt.

Würde ein Mutterherz nicht selbstlos zur Seite treten und

ihrem kleinen Schützling das Feld überlassen?

Würde es, aber hier geht es eben nicht um ein Mutterherz,

sondern um ein Vaterherz. Die meisten Mütter, die ich kenne,

hatten ähnliche Gedanken und doch bin ich immer wieder

erstaunt, wenn ich Mamas sehe, deren Kinder nicht mal

ein Jahr auseinander sind. Das nenn ich aber wirklich: »Immer

bereit!« (Die Ossis unter den Lesern werden die Pointe

verstehen.) Wie dem auch sei, auch wenn man »es« dann

auch will, ist dies garantiert nicht so einfach! Erstens: Weil

mit 100%-iger Sicherheit das Baby schreit, wenn man(n) Sex

haben will, oder aber sie beim »Eben ins Bett bringen« des

Kindes gleich mit eingeschlafen ist …

28


Koliken

Bevor ich Mutter eines Säuglings war, hätte ich den Begriff

„Koliken“ wahrscheinlich einem sibirischen Nomadenvolk

zugeordnet. Möglicherweise wären mir in

diesem Zusammenhang auch noch Pferde in den Sinn gekommen,

aber Babys? Nein! Tja, schnell sollte ich eines Besseren

belehrt werden. Koliken nennt man alles, was mit dem

Baby zu tun hat, wenn es satt, gemütlich, »wohl temperiert«,

belustigt und eine frische Windel hat und dennoch nicht aufhört

zu schreien. Natürlich könnten auch ganz banale Gründe

wie Übermüdung, Überreizung oder Langeweile die Ursache

sein. Aber in vielen Fällen sind es tatsächlich üble Bauchschmerzen,

die durch gemeine Gasblubber ausgelöst werden,

die dann quer durch das arme kleine Bäuchlein eine Art Flipper

spielen. Ganz fies!

Mein armer kleiner Schatz hatte leider jede Menge davon.

Ich konnte im wahrsten Sinne des Wortes schnell ein Lied

davon singen – wie man so schön sagt. Und das habe ich auch

getan: Wenn ich damals im Rahmen so einer Kolik das Zimmer

verließ, hatte ich mir angewöhnt, Sachen wie »La, la, la,

die Mami macht …« zu singen, oder auch anderes, eben was

ich gerade so tun wollte. Denn wenn mein Sohn einmal angefangen

hatte zu schreien, konnte man machen, was man

wollte – nichts half. Ich habe vom Hüpfen auf dem Gymnastikball

über stundenlanges Rumtragen bis hin zur Pupsmas-

29

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine