Lesen - Golf Dornseif

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Rassismus und Verkafferung als Zeitzünder

von Golf Dornseif

Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen publizistischen Exzessen seinerzeit die deutsche

Kolonialpresse fähig war, wenn es um das Herrenmenschen-Prinzip ging gegenüber den angeblich

minderwertigen nicht-weissen Eingeborenen der Schutzgebiete. Im September 1909 erregte sich die

Deutsche Kolonialzeitung lang und breit über das Sammeln von Briefmarken im Tausch zwischen

deutschen Jugendlichen und Afrikanern gleichen Alters:

"Erwachsene deutsche Mädchen aus angeblich besseren Kreisen scheuen sich nicht unter dem

Vorwand des Briefmarken-Sammelns mit Schwarzen aus Togo, die in der deutschen Schule

unterrichtet worden sind, in brieflichen Verkehr zu treten. Es fragt sich, wer die Adressen dieser Neger

den Mädchen in gewissen Pensionaten zugesteckt hat ...

Aus den Stilproben abgefangener Briefe ergibt sich, dass diese Korrespondenz in eine krankhafte

Schwärmerei ausartet, Eine siebzehnjährige Berlinerin schreibt ihrem "Freund", dass sie eine

Freundin habe, die auch gern einen schwarzen Freund hätte. Deshalb bitte sie um Vermittlung einer

Adresse in Togo. Sie fügte ihre eigene Fotografie bei! Die Würdelosigkeit durch mangelndes

Rassenbewusstsein steht hier im Hinter- oder Vordergrund ...

Ein Mädchen, das offenbar reif für die Irrenanstalt ist oder ein Sanatorium, macht in Sachsen einem

schwarzen Jüngling sogar einen Heiratsantrag! Es scheint sich um einen weit verzweigten Unfug zu

handeln, würdig der beschämenden Erinnerungen an die Kolonial-Schau von 1896 in Berlin, als

weisse deutsche Frauen und Mädchen solchen Schwarzen aus Kamerun und andere deutschen

Kolonien nachliefen ...

Unter diesen Negern war auch Friedrich, Sohn des berüchtigten Oberhäuptlings der Herero, Samuel

Maharero, der für sklavische Frauenseelen zur königlichen Hoheit wurde wie jener "Prinz Akwa", den

die Gerichte in die Schranken seiner Position zurückweisen mussten. Ja, so sehr war dieser Schau-

Neger verhätschelt worden ...

Für Friedrich kamen noch lange nach seiner Rückkehr in. Okahandja Liebesbriefe und allerlei

Postpakete mit Geschenken von Frauen an. Zum Glück hat er sie niemals erhalten, weil sie von den

Behörden abgefangen wurden ...

Eine Folge jener Berliner Kolonial-Ausstellung: Verbot, Eingeborene aus deutschen Kolonien zu

Schaustellungen nach Europa aufzuführen. Die Neger-Jungen in Afrika sollten erfahren, dass es

zwischen ihnen und unseren weissen Mädchen eine unüberbrückbare Distanz gibt, die zu

überschreiten nicht gestattet werden darf. Ohne die Mitwirkung amtlicher Instanzen kann dieser

würdelose Korrespondenz-Unfug nicht gesteuert und verhindert werden! Eltern sollten ausserdem ihre

Kinder darauf hinweisen, dass ein Briefwechsel mit Negerjungen ungehörig ist. Dies gilt genau so für

die Lehrer an den höheren Schulen in Deutschland.

Wenn irgendein Provinzblatt den Brief eines Schwarzen als Belustigung veröffentlicht, was oft genug

passiert, sollte man die Redaktion auf den ernsten Hintergrund solchen Tuns hinweisen. Das

selbstvergessene Handeln der jungen Mädchen ist verachtenswert, sogar schmachvoll. Der Weisse ist

in unseren Kolonien der Herr, der hoch über dem Farbigen steht oder doch rangieren sollte. Wir

müssen alles verhindern, was dieser Stellung schaden könnte.

Es ist jedoch auch zu bedenken, dass das starre Betonen des rassischen Standpunktes anderen

Menschen Härten zufügen kann wie der folgende Fall beweist:

Ein Paragraph der südwestafrikanischen Selbstverwaltungs-Verordnung spricht solchen Weissen, die

mit einer Eingeborenen verheiratet sind oder mit ihr im Konkubinat ("wilde Ehe") leben, das Wahlrecht

ab. Leider betrifft dies die Rehobother Bastard-Bevölkerung, die Nachkommen von Buren und Nama-

Frauen (Hottentotten), die einen gewissen Wohlstand im Schutzgebiet erarbeitet haben , ohne dass

man sie den Weissen jetzt gleichsetzen könnte. Einst billigte das Gouvernement den weissen Siedlern

zu, einer halbblütigen Frau die Hand zum rechtlich fundierten Ehebund zu reichen, weil es nur wenige

weisse Frauen als Heiratskandidatinnen in der Kolonie gab.


So versuchte kürzlich der Farmer C. Becker als Betroffener gegen den genannten Paragraphen zu

klagen, weil er jährlich für seine Bastard-Frau und die gemeinsamen fünf Kinder immerhin 5000 Mark

ausgebe, ohne eine Beihilfe für die Schulkosten (wie andere Weisse) vom Gouvernement zu

empfangen. In seiner Familie, so argumentierte er zornig, sei keineswegs "eine Verkafferung"

eingetreten als Folge der Eheschliessung und die kulturellen Werte bei seiner Familie könnten sich

durchaus sehen lassen! Die Deutsch-Südwestafrikanische Zeitung argumentierte gegen den

Paragraphen 17, denn "man sollte Frauen mit geringer eingeborener Blutbeimischung im Interesse

ihrer weissen Ehemänner zu Weissen erklären, wenn sich diese Personen würdig erweisen ..."

Inzwischen (1909) bietet die Deutsche Kolonial-Gesellschaft allen heiratswilligen weissen Frauen freie

Überfahrt in die Schutzgebiete nach Swakopmund oder Lüderitzbucht. Die Statistik verrät, dass ab

1898 auf Kosten der DKG 806 Personen nach Deutsch-Südwestafrika auswanderten (siehe Tabelle):

Zu dem Beschluss des Reichstags, der von der Regierung die Zulassung von Rassen-Mischehen in

den deutschen Schutzgebieten fordert, haben alle afrikanischen Kolonien Stellung bezogen und zwar

- wie zu erwarten war - strikt ablehnend. Der Wortlaut aller Resolutionen gemäss den amtlichen

Sitzungsprotokollen:

DEUTSCH-OSTAFRIKA - "Der Abschluss von Ehen zwischen Weissen und Farbigen soll auf

Beschluss des Gouvernementsrats verhindert werden, weil gegen eine Rassenmischung in illegitimer

Form sowie auf legitime Weise starke Bedenken bestehen ..."

KAMERUN "Der Gouvernementsrat erachtet es im Interesse der öffentlichen Ordnung und der

Entwicklung des Schutzgebietes nicht für nützlich Mischehen zu erlauben. Da es hier nur wenige

Mischlinge gibt, besteht zur Zeit kein Bedarf für eine Neuregelung. Das Entstehen einer Mischehe ist

nicht erwünscht ..."

TOGO - Der Gouvernementsrat wünscht, dass Mischehen in Togo unterbleiben und hält eine

Regelung des Rechts derjenigen unehelichen Kinder für sinnvoll, auf die zur Zeit das Bürgerliche

Gesetzbuch nicht näher eingeht ..."

Das Idealbild der völkisch und rassisch einwandfreien

Farmerfamilie beim Kaffeetrinken am Sonntagnachmittag in

Deutsch-Südwestafrika: über schwarzweisse Konkubinate in der

Nachbarschaft sah man diskret hinweg ...


DEUTSCH-SÜDWESTAFRIKA - " Nach Ansicht des Gouvernementsrats und des Landesrats sollten

alle bis 1905 geschlossenen Mischehen anerkannt werden, falls nach Beurteilung des zuständigen

Bezirksrats das Leben der Eltern und die Erziehung der Kinder den allgemeinen Anforderungen für

Sitte und Moral entspricht. Die Betroffenen sollten eine Bescheinigung erhalten, mit der versichert

wird, dass sie als Weisse gelten. In Zukunft ist aber jede Ehe zwischen Weissen und Eingeborenen

strengstens zu verbieten, weil dies eine schwere Gefahr für die Entwicklung des Deutschtums

bedeutet. Es muss befürchtet werden, dass eine Rückwanderung bester und schätzbarer Kolonisten-

Elemente zu erwarten sein könnte ..."

DEUTSCH-NEUGUINEA - Über die Zahl der Mischehen in Deutsch-Neuguinea berichtete Gouverneur

Dr. Hahl wie folgt: Im ganzen Schutzgebiet gibt es gegenwärtig 13 eheliche Verbindungen zwischen

Weissen und Mischlingen (Frauen), sieben zwischen Weissen und Vollblut-Farbigen, drei zwischen

Mischlingen und Eingeborenen, eine Verbindung zwischen Mischlingen untereinander, zwei zwischen

Weissen und Quadronen (Viertel-Farbigen). Hinzu kommen zahllose Verbindungen illegitimer Natur

zwischen weissen Männern und farbigen Frauen aller Schattierungen, die nicht auf Dauer angelegt

sind. In manchen Fällen bildet die illegitime Verbindung allerdings eine "Probezeit-Ehe" mit dem Ziel

einer rechtsgültigen Heirat. Solche Zustände sind nach Meinung des Gouverneurs "nicht nur vom

staatsrechtlichen und rassepolitischen Standpunkt, sondern auch aus moralischer Überlegung zu

verurteilen ..."

DEUTSCH-SAMOA - Aus Samoa war keine Stellungnahme zu registrieren, vermutlich deshalb, weil

man sie dort für überflüssig hielt. Die Mischlinge sind dort gesellschaftlich und im Geschäftsleben

hoch angesehen und ihre Zahl übertrifft die Weissen um das Doppelte mit steigender Tendenz. Die

Attraktivität der Insulanerinnen, die dem europäischen Schönheitsideal weitgehend entspricht, ist für

ehewillige Europäer selbstverständlich ohne irgendwelche rassischen Bedenken ...

Samoanische Häuptlingstöchter

waren bei deutschen Junggesellen

heiß begehrt auf der Brautschau,

denn sie brachten als Mitgift

lukrative Plantagen mit in die

fröhliche Mischehe zur Kolonialzeit!

Ihr Liebreiz soll sagenhaft gewesen

sein (in vielen Fällen) ...


Eine originelle Auswahl von Kleinanzeigen des kolonialen Heiratsmarktes mit

vielfältigen Hinweisen auf erwünschtes bzw. vorhandenes Vermögen zur

ehelichen Existenzgründung. "Schuldlos geschieden. mit Kind" war allerdings

weniger aussichtsreich im Vergleich zu "neun Mille bar" und "Treudeutsch 782".


Was Christenmenschen und Rechtsgelehrte verkündeten

252. Sitzung des Deutschen Reichstags am Freitag, dem 8. Mai 1914, eröffnet um 10.20 Uhr durch

den Präsidenten Dr. Kaempf. Das Wort hat der Herr Abgeordnete Dr. Müller-Meiningen:

"Ist es richtig, dass zur Verhütung von Eheschliessungen zwischen christlichen Negermädchen und

nichtchristlichen Männern in einigen Missionsstationen Deutsch-Ostafrikas die Prügelstrafe gegen

grössere, also heiratsfähige Mädchen, angewendet wird, und was gedenkt der Herr Reichskanzler zu

tun, um diesem Missbrauch ein Ende zu bereiten?"

Präsident: Zur Beantwortung der Anfrage hat das Wort der Herr Direktor Dr. Gleim vom

Reichskolonialamt.

Dr. Gleim: "Über die in der Anfrage erwähnten Vorgänge ist bisher amtlich nichts bekannt geworden in

unserem Haus. Nach Zeitungsmeldungen aus Deutsch-Ostafrika vom März dieses Jahres sollen auf

einer Station von Missionaren im Bezirk Mahenge zu dem in der Anfrage angegebenen Zweck

Prügelstrafen an eingeborenen und heiratsfähigen Mädchen vollzogen worden sein durch die

Missionare. Nach den gleichen Quellen seien die. hierfür zuständigen Verwaltungsdienststellen des

Schutzgebietes dagegen eingeschritten. Über die Angelegenheit ist vom Kaiserlichen Gouverneur in

Dar-es-Salaam ein Bericht angefordert worden. Sollten sich die Behauptungen bewahrheiten, so wird

dafür gesorgt werden, dass keine Wiederholung derartiger Handlungen bei Strafandrohung

vorkommt."

(Beifall im Plenum)

August Bebel auf der

Rednertribüne im

Berliner Reichstag:

Sozialdemokraten

und Zentrum zeigten

volle Sympathien für

Mischehen in den

Kolonien, konnten

sich aber nicht

durchsetzen bis zum

Kriegsausbruch.

Am 3. Januar 1913 war im OSTASIATISCHEN LLOYD (Kiautschou/Tsingtau) nachzulesen, welche

Botschaft der "Ausschuss der deutschen Missionen" (in den Schutzgebieten) an den Staatssekretär

des Reichskolonialamtes, Dr. Solf, gerichtet hatte, unterzeichnet von Missionsdirektor Theodor Oehler:

Darin heisst es unter anderem: "Wir sind auf Grund unserer Erfahrungen davon überzeugt, dass

Mischehen wegen der rassischen Unterschiede unterbleiben sollten. Wir sehen solche

Eheschliessungen als einen Fehlgriff an, und wir wenden uns vornehmlich gegen Mischehen

zwischen Deutschen und primitiven Eingeborenen. Mischehen zwischen kulturell annähernd gleich

gestellten Rassen wie Japaner und Chinesen sind milder zu beurteilen, obwohl man sie auch nicht

empfehlen kann ...


Tatsächlich findet aber in allen Kolonien ein Zusammenleben von weissen Männern mit eingeborenen

Frauen statt, was man nicht völlig unterbinden kann. Es wird aber nötig sein, für die aus solchen

Verbindungen stammenden Mischlinge eine Fürsorge einzurichten. Es ist deshalb zu begrüßen, dass

die Alimentationspflicht der Erzeuger vom Reich rechtlich geregelt werden soll. Die Rheinische

Missionsgesellschaft hat in Deutsch-Südwestafrika zwei Erziehungshäuser für solche Kinder

gegründet. Andererseits werden die Jungen und Mädchen allmählich durch den langjährigen

Aufenthalt unter Weissen ihrem Volkstum entfremdet. Wie können sie sich später unter Eingeborenen

zurechtfinden? Überdies werden sie dem Irrtum erliegen, nunmehr zur weissen Rasse zu zählen, was

nicht zutrifft. Dies schafft Verbitterung, sogar Entgleisung ...

Die schwarzen Mütter geben ihre Kinder nur widerstrebend ab, sodass zu überlegen wäre, ob es nicht

sinnvoller ist die Mischlinge in der Obhut ihrer Mütter zu lassen und für zuverlässige Zahlung der

Alimente durch behördliche Kontrolle zu sorgen! Bastarde sind keineswegs die Erben der schlechten

Eigenschaften beider Elternteile, wie immer wieder unterstellt wird aus Unkenntnis und Bosheit. Wenn

viele ältere Mischlinge verwahrlosen und sogar kriminell werden, so hat dies gesellschaftliche Gründe,

verursacht durch die Umwelt und Diskriminierung. Ein gesetzliches Verbot einer legitimen

Eheschließung zwischen einem weissen Mann und einer farbigen Frau ist jedoch nach unserer

Einschätzung mit der urchristlichen Wertschätzung der Ehe grundsätzlich unvereinbar.

Warum könnte der Staat sich weigern solche Eheschließungen anzuerkennen? Es muss den

Behörden doch daran gelegen sein, dass der weisse Mann, welcher mit einem farbigen Mädchen

zusammenleben möchte, zugleich als rechtschaffener Deutscher handelt und die Farbige nicht als

jederzeit kündbare Konkubine missbraucht wie es so oft der Fall ist im richtigen Kolonialleben Afrikas.

Der anständige Deutsche als Ehemann sorgt für Frau und Kinder in jeder Beziehung ...

Solange unsere Regierung die Eheschließung zwischen deutschen Männern und farbigen Frauen

missbilligt, erschwert und verhindert, gerät die Missionspraxis ebenfalls ins Zwielicht. Konkubinen sind

nicht zum Abendmahl zugelassen, farbige Ehefrauen zählen zur Gemeinde Christi..."

Wer verfällt der Verkafferung?

In der KAMERUN POST (Duala) vom 24. Mai 1913 beschäftigte sich die Redaktion mit dem

Schreckgespenst der sogenannten Verkafferung: "Mancher arme Teufel und mancher

Abenteuerlustige zog jüngst hinaus in unsere Kolonien und träumte von unbegrenzten neuen

Chancen im fremden und jungfräulichen Land. In Wirklichkeit drohte bald die Verkafferung der

ahnungslosen Auswanderer. Ansiedler, die einzeln und ohne Besitz zu den Wilden stiessen, konnten

kaum noch ihre eigene bescheidene Kultur vorführen. Sie mussten Sprache und Sitten der Wilden

annehmen, gerieten in wirtschaftliche Abhängigkeit von den Eingeborenen und nahmen sich

schliesslich eine Stammesangehörige als Konkubine.

Unerwünschte Schwangerschaften im Schutzgebiet ließen

sich durch eine diskrete Niederkunft in Kapstadt

verschleiern durch den Service der empfehlenswerten

deutschen Hebamme im Anzeigenteil der Windhoeker

Tagespresse ...


Ähnliche Erfahrungen machten die Siedler im Wilden Westen des nordamerikanischen Kontinents, die

Fallensteller und umher ziehenden Händler. Sie nahmen sich eine indianische Squaw als Gefährtin

und verschmolzen nach und nach mit der Gemeinschaft der Rothäute, bei dem Nomadenleben als

Jäger und Sammler. Unterhändler und Dolmetscher wurde zum Nebenberuf, Aggressionen gegen

weisse Siedler nach dem Wunsch der Indianer blieben nicht aus.

In unseren afrikanischen Kolonien sind bereits hunderte von mittellosen Ansiedlern der Verkafferung

verfallen, sei es in Südwest, Kamerun, Togo oder Ostafrika. Im Zusammenhang mit der Mischehen-

Debatte interessierte sich auch der Reichstag für diesen beklagenswerten Zustand. Die deutschen

Männer mit schwarzen Frauen gehen für unsere Kultur hoffnungslos verloren, ob tatsächlich

verheiratet oder nur als Halter von Konkubinen. Ein Zustrom deutscher ehewilliger Frauen in die

Schutzgebiete wäre bitter nötig, um das Problemen zu lösen!

Besitz macht erst den Menschen zum Menschen. Besitz erzeugt kulturelle Bedürfnisse und den

ernsthaften Wunsch nach höherer Bildung. Auf soliden materiellen Fundamenten wären jedoch

Brücken zwischen den unterschiedlichen Rassen möglich, gebaut von strebsamen und

verantwortungsbewussten Siedlern. In Nordamerika gibt es gebildete Chinesen, gebildete Indianer

und vor allem gebildete Schwarze dank ihres starken Willens zum Aufstieg. Warum nicht auch in

unseren Kolonien? ..."

Die KAMERUN POST vom 22. März 1913 bemühte sich auf verschlungenen Umwegen, Kaiser

Wilhelm II. als scharfen Gegner aller Mischehen hervorzuheben und berief sich dabei auf einen

Kapstädter Informanten. Der Kaiser hielt sich im September 1912 im Kreis anderer Ausländer als

Manövergast bei Truppenübungen in der Schweiz auf und lernte dort während einer Gefechtspause

den südafrikanischen Buren-General Beyers kennen. Majestät verzehrte wohlgelaunt aus einer

bescheidenen Blechbüchse belegte Brötchen, machte interessierte Konversation und. erkundigte sich

bei dem Buren-General nach der Rassentrennung am Kap sowie noch nach der dortigen

Mischlingsbevölkerung. In den deutschen Kolonien dulde er keineswegs Heiraten zwischen Weissen

und Schwarzen.

Die für den Fotografen gestellte "Liebelei" der Matrosen wirkt ziemlich zwanghaft statt

entspannt: über militärischen Sex mit schwarzen Frauen schweigt die Kolonialliteratur

(von seltenen Ausnahmen abgesehen).


Kommentar der Presse: "Das hier zitierte Urteil des Kaisers wird bei den meisten Deutschen in der

Heimat und in den Kolonien freudigen Widerhall finden. Vor allem deshalb, weil sich vor einem Jahr im

Reichstag eine Mehrheit fand, die nichts gegen Mischehen einzuwenden hatte ..."

Während der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Bremen zur

Eingeborenenfrage im Jahr 1908 stellte Direktor Hupfeld laut DEUTSCHER KOLONIALZEITUNG

unter anderem fest:

"Die grossen Differenzen unter der Menschheit hat der Allmächtige Gott so verstanden, dass die

Rassen getrennt bleiben sollen, weil jede einzelne eine besondere Aufgabe zu erfüllen hat, die für alle

gleich gross ist . Die Ehe zwischen verschiedenen Rassen ist zu verbieten, weil sie ja zu weit

voneinander entfernt sind ..."

Die Vertreter der evangelischen und katholischen Missionen, Pater Acker und Missions-Inspektor

Schreiber, traten diesem Verlangen aus allgemein sittlichen Gesichtspunkten entgegen, hatten aber

gegen ein rechtmässiges Verbot der Mischehen an sich nichts einzuwenden. Schreiber teilte mit, dass

den evangelischen Missionaren schon seit längerer Zeit die Verehelichung mit farbigen Weibern

verboten sei. Die Anglikaner in Grossbritannien und USA schlossen sich solchen Auffassungen an.

Missions-Senior Johannes Flierl (Deutsch-Neuguinea): "Das Göttliche Recht, wie ich es verstehe,

verbietet keineswegs sogenannte Ehen gemischter Partner. Gott hat gemacht, dass von EINEM

BLUT ALLER MENSCHEN GESCHLECHT AUF DER GANZEN ERDE WOHNEN. Dies ist die

großartige göttliche Lizenz für jeden weissen Mann, der sich entscheidet eine Farbige zu heiraten!

Wenn ein Deutscher von reinstem Blut arischen Ursprungs eine kohlrabenschwarze Negerin heiratet,

sie ehrbar behandelt und die gemeinsamen Kinder gut versorgt und anständig erzieht, so verhält er

sich wie ein Mann von Ehre und steht unendlich höher in Gottes Angesicht als jene ehrlosen Gesellen,

die farbige Mädchen und Frauen gewissenlos als Werkzeuge ihrer Lüste missbrauchen, um sie später

wieder wegzuwerfen und die zugleich ihre natürlichen Kinder, ihr eigenes Fleisch und Blut, verleugnen

und im Elend verkommen lassen! Ja, es ist etwas faul im Staat Dänemark, wollte sagen in unseren

und anderen Kolonien der Engländer, Franzosen oder Portugiesen usw.

Lasst uns nicht Mücken anprangern und Kamele verschlucken! Durch Mischehen in den Kolonien

degeneriert keine Rasse wie so oft dramatisch unterstellt wird. Die sozialen Verhältnisse in unseren

grossen deutschen Städten des Reichs sowie Eheschliessungen zwischen Verwandten (aus

materiellem Gewinnstreben usw.) verursachen eine weitaus schlimmere Degeneration als schwarzweisse

Verbindungen in Afrika.

Zum Teufel mit der verwerflichen Einrichtung der schwarzen Hausmädchen als Lustobjekte und der

"Ehen auf Zeit" im Kolonialstil! Welch ein Schandfleck für unsere angeblich so hochstehende weisse

Herrenmenschenrasse, dass durch ihre Vertreter von den Wüsten Australiens bis zu den entlegenen

Südsee-Inseln die Eingeborenen durch Syphilis zugrunde gerichtet werden ..."

Spitzfindigkeiten der Juristen

Zahlreiche deutsche Juristen befassten sich vor 1914 mit der Problematik von Mischehen in den

Schutzgebieten und gerieten dadurch meist in abenteuerliche Spekulationen (abgesehen von ihrer

privaten Abwehrhaltung). Mit deutscher Gründlichkeit erörterten die Rechtsgelehrten zunächst die

kitzlige Frage, ob die deutschen Schutzgebiete formal Reichsgebiet oder Ausland oder sonst etwas

nach dem Völkerrecht darstellen. Waren seinerzeit die Eingeborenen (vielleicht) deutsche

Staatsangehörige, ohne es zu wissen ? Fazit: Die Schutzgebiete hatten "Inlandseigenschaften, ohne

deutsches Staatsgebiet zu sein ..." (meinten manche Juristen). Und darf man demzufolge Mischehen

verbieten? Antwort: Ja und Nein. Jurist Fuchs zum Beispiel "spricht dem Eingeborenen in den

deutschen Kolonien zwar die völkerrechtliche Inländerqualität zu und sowie staatsrechtliche

Reichszugehörigkeit als Deutsche ab, hält ihn aber für einen NICHTDEUTSCHEN-AUSLÄNDER ...

Tatsächlich ist der Eingeborene (nach Privat-Dozent Dr. Friedrich aus Giessen, 1910) staatsrechtlich

und. völkerrechtlich DEUTSCHER INLÄNDER, aber kein DEUTSCHER REICHSANGEHÖRIGER


solange er nicht NATURALISIERT wird. Ebenso ist das Schutzgebiet deutsches Inland, aber kein

deutsches Reichsgebiet.

Ob das Eherecht (für Mischlinge) als reines Privatrecht oder als Grenzgebiet des öffentlichen und

privaten Rechts anzusehen ist, muss dahingestellt bleiben, solange der Gesetzgeber (in Berlin) die

ausdrückliche vorbehaltene Verordnung noch nicht darüber erlassen hat, ob materielles und formelles

deutsches Eherecht auf Eingeborene Anwendung finden soll ...

(Anmerkung: Bis Kriegsausbruch 1914 gab es keine eindeutige Gesetzgebung des Reichs zur

Gestattung oder zum Verbot von Mischehen. Lediglich die Gouverneure untersagten durchweg aus

eigener Machtvollkommenheit derartige Heiraten. In Deutsch-Samoa kümmerte sich allerdings

niemand darum ...

Mischehen konnten im Deutschen Reichsgebiet (Heimatland) jederzeit ohne irgendwelche Einwände

vor einem Standesbeamten geschlossen werden, gestützt auf §7 des Gesetzes vom 4. Mai 1870 und

dem Erlass vom 11. Dezember 1885, verkündet vom Reichskanzler. Es genügte, wenn einer der

Verlobten der Zuständigkeit des jeweiligen Standesbeamten unterstand. Tatsächlich wurden solche

Ehen meist in Berlin korrekt beurkundet. Dem Standesbeamten war es nicht erlaubt, Anstoss an der

Hautfarbe oder dem sonstigen Aussehen eines Ehewilligen zu nehmen , denn Rassenzugehörigkeit

bildete kein Ehehindernis im Reichsgebiet. )

Wie attraktiv sind Mischehefrauen?

Eine Spottpostkarte um

1910 mit Hinweis auf

"lüsterne Girls" in

Deutschland, die von

schwarzem Sex

träumen ...

In der 55. Sitzung des Deutschen Reichstags vom 7. Mai 1912 kamen zahlreiche neue

Gesichtspunkte zum Streit über die Mischehe in den Schutzgebieten zur Sprache:

Abgeordneter Gröber: In unserer Debatte über die Rassenmischehen sind drei Verbote zu

berücksichtigen und zu unterscheiden. Das erste Verbot stammt aus dem Jahr 1905 und bezieht sich

auf das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika. Das zweite Verbot von 1906 gilt speziell für Deutsch-

Ostafrika, und das letzte bezieht sich im laufenden Jahr auf Deutsch-Samoa.

Diese Verbote von Rassenmischehen sind - kurz zusammengefasst - begründet mit der Rücksicht auf

die Erhaltung der Rassenreinheit , und zweitens geht es hierbei um die Erhaltung der Herrschaft der

Weissen in den Kolonien. Wir sollten uns vor dem Buren-Standpunkt hüten, der die Eingeborenen

überhaupt nicht als Menschen anerkennt und nur als "Geschöpfe" gelten lässt, so wie man irgendein

Arbeitstier auch als "Geschöpf" mit einer gewissen Rücksicht behandelt.

Wer die Literatur über solche Fragen studiert, muss harte Arbeit leisten. Es ist nicht angenehm

Gedanken anderer Weisser zu verfolgen, die sich auf eine endlose Alleinherrschaft der weissen

Rasse stützen und eine Schulbildung der Eingeborenen für unwichtig erachten.

(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten)


Bastard-Mädchen mit Rinder-Brautschatz

Am 15. Juli 1912. berichtete W. Ross im ALLGEMEINEN BEOBACHTER (Hamburg) unter anderem:

"Die Sitzung der Kommission für den Etat des Reichshaushalts vom 20. März 1912 hat in kolonialen

Kreisen wegen ihrer Beschlüsse zur Mischehenfrage Aufsehen erregt, nachdem ein Antrag des

ZENTRUMS vorlag "die Verbündeten Regierungen um Einbringung eines Gesetzentwurfs zu

ersuchen, welcher die Gültigkeit der Ehen zwischen Weissen und Eingeborenen in den Kolonien des

Reichs sicherstellt ..." Dieser Antrag wurde gegen drei Stimmen vom Parlament angenommen.

Der Autor verweist auf Reiter der Schutztruppe, die sich im Schutzgebiet als Farmer ansiedelten,

Bastardmädchen zur Ehefrau nahmen. Sie brachten oft als Mitgift ein bedeutendes Vermögen an

Rindern ein. Neuerdings hat der Staatssekretär im Reichskolonialamt folgende Weisungen

ausgegeben:

1. Ehen zwischen Nicht-Eingeborenen und Eingeborenen werden nicht mehr in den Schutzgebieten

genehmigt.

2. Die Nachkommen aus den bisher als legitim angesehenen Mischehen sind als Weisse

anzusehen.

3. Die aus illegitimen Verbindungen stammenden Mischlinge, soweit sie in den gegenwärtig

geführten Mischlingslisten eingetragen sind, sind den Weissen gleich zu stellen.

4. Mischlinge, die nach dem Bekanntwerden dieser Regelung geboren werden, sind Eingeborene.

5. Derartige Eingeborene, die fliessend deutsch sprechen und eine europäische Bildung

nachweisen, können auf Antrag den Weissen gleichgestellt werden.

Da heisst es zum Beispiel, die Eingeborenen dürften keine europäische Sprache erlernen und

schriftliche Fertigkeiten in solchen Sprachen zustande bringen zum Gedankenausdruck in allen

Lebenslagen. Personen von Rang und Namen behaupten kaltblütig, dass halbwegs gebildete

Eingeborene für die Kolonialherren unzumutbar seien und eine wachsende Gefahr bedeuteten.

Und die gleichen Würdenträger versteigen sich sogar zu der Behauptung, dass das Christentum für

Neger nicht geeignet sei aus vielerlei Gründen. Dies sind Denkweisen, die eine Brutalität verraten, wie

Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr, Chef des

Basterstamm-Distriks Rehoboth, umringt von mehr

oder weniger attraktiven Bastermädchen mit den

typischen Burenfrauen-Kopfhauben Jahrhunderte

alter Tradition. Es waren beliebte Bräute

entlassener deutscher Schutztruppen-Angehöriger,

die Farmer werden wollten.


man sie in deutschen Druckerzeugnissen lieber nicht entdecken möchte. Die Ausbreitung der

Mischlingsbevölkerung in unseren Kolonien ist nicht mehr zu bremsen, und da helfen weder Erlasse

noch Gesetze!

Nach den letzten Statistiken für 1907 und 1908 sind in Deutsch-Neuguinea 34 in Mischehe lebende

Personen und 170 Mischlinge bekannt. In unserem Schutzgebiet Deutsch-Samoa zählte man 90

Mischehen und 938 Mischlinge, in Deutsch-Südwestafrika 42 Mischehen und 3595 Mischlinge.

(Hört! Hört! von links)

Nicht zu vergessen etwa 2500 Angehörige des Baster-Volks, allgemein Bastarde genannt. In den

rassewütenden Schriften, die durchweg nach Tropenkoller riechen, finden sich jedoch auch Hinweise

auf günstige Verhältnisse im Bereich der verhassten Mischehen, eine indirekte Anerkennung der

vorliegenden Situation ...

Ich möchte hier aus einer Broschüre des Hauptmanns Bayer zitieren, einst. im Grossen Generalstab

der Schutztruppe Südwestafrikas tätig, 1905 publiziert. Er kommentiert die Mischehen

folgendermassen:

Es gibt zahlreiche Deutsche, die im Basterland leben, vor allem ehemalige Angehörige der

Schutztruppe mit neuen Existenzen auf Farm- und Weideland. Weil man - kaum deutsche

ledige Frauen kennt, entwickelten sich hier nach und nach Ehen zwischen Weissen und

Baster-Mädchen, die fast immer glücklich sind. Acht Schutztruppler haben bis jetzt Baster-

Mädchen geheiratet im Jahr 1905 ...

Sechs dieser Ehen sind nur kirchlich abgeschlossen bzw. eingesegnet worden, zwei dazu

standesamtlich Zur Erziehung schickt man die Kinder meistens nach Deutschland auf gute

Schulen. Die Baster-Mädchen geniessen zu Recht den Ruf "lieblich" zu sein ...

(Hört! Hört! - Heiterkeit im Saal)

Sie haben rassige Gesichtszüge im Kontrast zum blendenden Weiss ihrer Zähne, leuchtende

Pupillen, ein ansprechendes und lebhaftes Wesen ...

(Große Heiterkeit und Zurufe)

Meine Herren, die Vermischung von Weissen mit eingeborenen Frauen ist kurzum unvermeidlich, wie

ich schon betonte. Europäische Frauen eignen sich nicht für das harte und entbehrungsreiche Dasein

in Südwestafrika. Eingeborene Frauen kennen sich mit der Rinderzucht aus, während Europäerinnen

noch jahrelang Lehrgeld zahlen müssten nach der Einwanderung. Gut situierte Europäerinnen bleiben

lieber der Zivilisation treu, nur arme Mädchen schiffen sich nach Südwest ein voller Hoffnungen. Viele

eingeborene Heiratskandidatinnen bringen dem weissen Bräutigam wertvollen Rinderbestand als

Mitgift in die Ehe, was Mischehen begünstigt!

Wenn aber die Rassenmischehen in unseren Schutzgebieten unvermeidlich geworden sind, muss ihre

Rechtsgültigkeit endlich vom Reich anerkannt werden, denn sonst treibt man die Menschen ins

Konkubinat und damit ist dem deutschen Namen und der deutschen Ehre nicht gedient. Eingeborene

Christinnen haben ein Naturrecht, andere Christen gleich welcher Hautfarbe zu heiraten und

umgekehrt. Keine christliche Religionsgemeinschaft duldet solche Haarspaltereien, wenn sie es

ehrlich meint in der Mission ...

Meine Herren, ich habe hier noch ein Buch vorliegen, verfasst vom Schriftführer der Sächsischen

Missionskonferenz, Karl Paul. Da werden uns aus Samoa einige hübsche Abbildungen gezeigt, etwa

eingeborene Lehrerinnen, recht reizvoll anzuschauen. Hübscher sind bei uns die Lehrerinnen auch

nicht ....

(Heiterkeit im Saal)

Und hier zum Beispiel eine samoanische Pfarrersfrau der evangelischen Mission, wirklich eine

samoanische Schönheit!

(Heiterkeit und Zurufe)


Ich lege die Abbildungen hier auf den Tisch des Hohen Hauses zur näheren Betrachtung. Meine

Herren, wenn es möglich ist, dass ein evangelischer Pfarrer sich eine Ehefrau aus dem Kreis der

Eingeborenen Samoas nimmt, wie will man überhaupt solche Mischehenverbote aufrecht erhalten ?

Alle anderen Kolonialvölker gestatten die Rassenmischehe ohne Vorbehalt, vor allem Grossbritannien

und Frankreich neben Portugal und Spanien ...

(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten)

Das Verbot der Rassenmischehe trifft durchweg nur die Armen, niemals die Wohlhabenden. In

Südwestafrika reist man einfach in irgendeine benachbarte britische Kolonie, vielleicht nach Kapstadt,

bleibt dort wenige Wochen und. heiratet rechtmässig eine nicht-weisse Partnerin. Die deutschen

Kolonialbehörden müssen das zähneknirschend gelten lassen. Man kann schon in Walvis Bay

ungeniert "englisch heiraten" nach Belieben!

Und wer zahlt die Alimente?

Abgeordneter Mumm: Meine Herren, bei dieser Frage von grösstem sittlichen Ernst handelt es sich

auch darum, ob die beiden grossen Geistesmächte, die unser Volk beherrschen, in Einklang zu

bringen sind: auf der einen Seite der ethische Gedanke, der die Gleichheit aller, für die unser Herr

Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, vertritt, und auf der anderen Seite der nationale

Gedanke, der die Unterschiedlichkeit der menschlichen Rassen betont.

Wenden wir uns zunächst der Stellung der unehelichen Kinder zu. Nun gibt es zur Zeit in Deutsch-

Südwestafrika gerichtliche Entscheidungen, die Mischlingskindern die Alimentation vorenthält. Es

muss eine einheitliche Regelung geschaffen werden in allen Schutzgebieten. Die Mutter hat Anspruch

auf Erziehungsgeld, auf Unterhalt (ausserhalb einer Ehe ).

Katharina Carew hiess

dieses anmutige Mädchen

aus dem Baster-Stamm in

Rehoboth um 1908: eine

imposante "gute Partie" ...


Wir Christlich-Sozialen müssen bei allem Festhalten an dem, was die geltende Sitte wünscht, auf den

Boden der Tatsachen treten. Wenn also die übrigen kolonialen Staaten keine Verbote von

Rassenmischehen kennen und wenn wir innerhalb des Reichsgebietes derartige Ehen nicht verbieten

können, sondern jeder Standesbeamte kooperieren muss, so ist eine Ausnahmeregelung innerhalb

unserer Kolonien unrealistisch. In Deutsch-Südwest liegt Walvis Bay als Rettungsanker vor der Tür, in

Deutsch-Ostafrika lockt Sansibar mit dem Trauschein nach Belieben und was dann ?

Es darf keine unhaltbaren Zustände geben: Verweigerung der Ehe vor dem Standesbeamten führt zur

Verweigerung der kirchlichen Trauung. Dies wiederum bewirkt Ausschluss von der Gemeinschaft des

Abendmahls und zum unerträglichen Gewissenszwang! Wir brauchen ein Mischlingsrecht und vieles

mehr ...

Abgeordneter Ledebour: Herr Dr. Braband sagte dem Sinn nach, wenn wir die unbegrenzte

Ehefreiheit, wie sie in Deutschland existiert, jetzt auch den Eingeborenen in unseren Kolonien

gewähren, so offerieren wir diesen Eingeborenen ein Privileg, weil sie als Folge ihrer mangelhaften

kulturellen Entwicklung nicht imstande sind die Tragweite einer solchen Eheschliessung zu

überblicken! Das ist keine juristische, sondern eher eine talmudistische Ableitung,

(Heiterkeit)

die bei mir den Verdachte erweckt, dass der Herr Abgeordnete Dr. Braband selber in seinem Blut, in

seiner Denkweise nicht so ganz frei vom Talmud ist.

(Heiterkeit)

Nach meiner Ansicht gibt es hier in Europa viele Männer und Frauen, die ebenfalls ausserstande sind,

die Tragweite einer Eheschliessung zu begreifen und zu durchschauen. Es ist aber noch niemand auf

die Idee gekommen zu verlangen, dass erwachsene deutsche Männer und Frauen kein Recht haben

sollten sich nach eigener Entscheidung zu vermählen. Oder sollte erst mal eine Kommission aus

Juristen und Geistlichen die Ehetauglichkeit begutachten ?

Ich muss jetzt aber noch auf den Erlass des Herrn Staatssekretärs zurückkommen. Darin heisst es, an

das Kaiserliche Gouvernement in Apia auf Samoa gerichtet:

"Die Erfahrungen und Beobachtungen meinerseits verstärken die Überzeugung, dass es für Samoa

allerhöchste Zeit ist, gegen die Vermehrung der Mischlinge mit durchgreifenden Mitteln vorzugehen.

Wir alle wissen nur zu gut, dass die Vermehrung der Mischlinge nicht durch das Verbot der

Eheschliessung verhindert werden kann, denn man kann ja auch ohne Trauring Kinder in die Welt

setzen.

Wie drückt sich der Herr Staatssekretär nun weiter aus? Er setzt fünf Punkte auf und ermahnt das

Gouvernement zur Nachahmung seiner Ideen. Er macht einen Unterschied zwischen den

Mischlingen, die vor dem Erlass und jenen Mischlingen, die nach diesem Ukas geboren werden, und

folgert messerscharf: "Die Nachkommen aus den bisher als legitim angesehenen Rassenmischehen

sind Weisse". --- Nein, Herr Staatssekretär, so weit gehe selbst ich nicht mit meiner Auffassung zur

Sache.

(Heiterkeit)

Sie haben da schon wieder etwas anderes ausdrücken wollen ...

(Heiterkeit)

nämlich: die vor dem Erlass geborenen Mischlinge erwerben die Rechte der Weissen. Das wollten Sie

erklären, nicht wahr?

(Heiterkeit)

Aber in Ihrer unglückseligen Mischlingssprache haben Sie wieder mal den Sinn entstellt ...

(Heiterkeit)


Das stolze Volk der Baster

rund um Rehoboth verlor nach

der Unabhängigkeit Namibias

1990 sämtliche Privilegien aus

der Mandatszeit bzw.

Kolonialzeit. Das "Ovambo

Gouvernement" duldet keine

Aktivität völkischer

Minderheiten. Ein verwaistes

Museum der Baster in

Rehoboth verkümmert

allmählich, obwohl es von der

BRD finanziert wurde in

besseren Tagen ...

Weiter sagen Sie: "Mischlinge, die nach der Bekanntgabe dieser Grundsätze geboren werden, sind

also Eingeborene". - Nein, Herr Staatssekretär, das ist wiederum verkehrt formuliert!

(Heiterkeit)

Die Mischlinge sind nicht Eingeborene, sondern Sie wollen die nach Ihrem Ukas geborenen

Mischlinge in Samoa in die Rechtsposition von Eingeborenen zurück drängen. Sie wollen ihnen nicht

die Rechtsform von Europäern zubilligen. Auch in diesem Zusammenhang muss ich darum bitten, sich

in Zukunft einer korrekten deutschen Sprache zu bedienen, falls wir überhaupt ernsthaft wichtige

Fragen diskutieren wollen ...

(Lebhafte Heiterkeit)

Ich glaube Ihnen gern, Herr Staatssekretär, dass Sie die Konsequenzen Ihres Erlasses nicht so recht

durchschaut haben. Es ist allerdings das Unglaublichste, was ich jemals an Produkten europäischer

Staatsmännerkunst gedruckt zu sehen bekommen habe.

(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten)

Meine Herren, und das gilt für viele Parteien im Saal, Sie wollen die Eingeborenen, auch die

Samoaner und die Rehoboth-Baster in Südwest, kurzum abwerten, mit einem Federstrich degradieren

im Sinn des Herrn Staatssekretärs Solf. Es handelt sich hier nicht um irgendwelche "schwarze Neger",

um Fantasiegebilde des Hochmuts, sondern um kulturell hoch stehende Stämme der Samoaner und

um die Südwester Baster-Mischlinge mit Niveau. Alle stehen körperlich und geistig den Europäern

nahe. Denken Sie mal darüber nach in aller Ruhe ...

Die Rassenmischehe ab 1900

Im kaiserlich-kolonialen Deutschen Reich tauchte der Begriff "Rassenmischehe" um 1900 zum ersten

Mal unter Parlamentariern des Reichstags auf, abgegrenzt von der religiös motivierten "normalen

Mischehe" zwischen römisch-katholischen und protestantischen Partnern, denen gleichfalls soziale


Ausgrenzung drohte (neben den Christen allgemein und Juden ganz speziell). Die Einführung des

Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahr 1900 erleichterte allerdings standesamtliches Heiraten ohne

Rücksicht auf Rasse und Religion.

Deutsch-Südwestafrika sowie Deutsch-Samoa bereiteten den Politikern und Kolonial-Bürokraten

zunehmend Gewissensnot wegen der grossen Versuchung in Siedlerkreisen sich das Junggesellen-

Dasein durch nicht-weisse Konkubinen zu versüssen oder gar Trauungen anzustreben. Vor 1914

lebten in diesen beiden Kolonien insgesamt 166 "gemischte" Familien, wobei die Ehemänner vielfach

die britische Staatsangehörigkeit besassen.

Folgende Statistiken sind von Bedeutung: 1909 gab es in sämtlichen deutschen Schutzgebieten

18169 Weisse. Davon entfielen auf DSWA 11791 und auf Samoa 468 gemäss der Denkschrift des

Reichskolonialamts. Die Zahlen Stand 1913: 24389 Weisse, davon in DSWA 14830, in Samoa 557

(Deutsches Kolonial-Lexikon 1920). Mischlinge 1909 in DSWA einschliesslich der 2567 Rehoboth

Baster 4284 Personen, in Samoa 978 (erheblicher Zuwachs wegen der attraktiven Südsee-

Insulanerinnen). 1912 zählte man in sämtlichen deutschen Schutzgebieten 6814 nach offiziellen

Angaben.

Sollte das Bürgerliche Gesetzbuch auch für die Kolonial-Deutschen uneingeschränkt gelten (ohne

Ehehindernisse)? Diese Frage wurde nie juristisch einwandfrei geklärt, und die selbstherrlichen

Gouverneure untersagten einfach alle Eheschliessungen "zweifelhafter Natur". Gouverneur von

Lindequist erliess eigenmächtig "Verordnungen zum Schutz der weissen Rasse" in Südwestafrika.

Angehörige des Kolonial-

Frauenbunds spielten in

Berlin gern Theater bei ihren

Werbe-Aktionen und

posierten dabei neckisch in

taillierten Uniformen mit

Säbeln und Klapphüten.

Im Deutschen Reichstag setzten sich die Zentrums-Partei, christlich geprägt, und die

Sozialdemokratische Partei mit August Bebel an der Spitze für eine tolerante Regelung der

Eheschliessungen zwischen Schwarz und Weiss ein im scharfen Gegensatz zu den "völkisch"

orientierten politischen Parteien, die Juden und Eingeborene gleichermassen verachteten.

Seltsame Entscheidungen in den Kolonien kamen den Parlamentariern in Berlin zu Ohren: Ada Maria

Leinhos, Tochter eines Briten und einer Herero-Frau, reichte bei den deutschen Behörden in

Windhoek ihr Gesuch wegen Ehescheidung ein auf Grund von Untreue und Gewalttätigkeit des

Gatten. Das zuständige Obergericht zu Windhoek lehnte die Behandlung des Falls rundweg ab mit

der Begründung, dass "die Klägerin in einer Rassenmischehe lebe ohne jegliche Rechtsgültigkeit ..."

Da die Frau nicht rechtmässig verheiratet sei, könne sie auch nicht geschieden werden!

Zur gleichen Zeit förderte der Koloniale Frauenbund intensiv den "Export" mittelloser deutscher

Frauen und Mädchen für den Heiratsmarkt in DSWA. Jene armen Dienstmädchen waren in der

Kolonie fast durchweg der Ausbeutung durch "Herrschaften" preisgegeben bei minimalem Lohn.


Wahllos kam es zu Eheschliessungen zwischen den verzweifelten Geschöpfen und grobschlächtigen

Farmern und Ex-Soldaten der Truppe, weil es kein Zurück mehr gab.

Auf Samoa gehörte es mittlerweile zum guten Ton, möglichst bei einer gut situierten Häuptlingstochter

einzuheiraten (als kleiner Beamter oder Händler, Pflanzer oder Seemann). Die Braut hatte meist

wertvollen Landbesitz zur Plantagenwirtschaft...

Der Ton im Reichstag wurde schärfer. Zitat des SPD-Abgeordneten Henke: "Es ist unerhört, dass man

jetzt die Mischlingsbevölkerung in den Kolonien wie Südwestafrika neuerdings so behandelt wie etwa

hier im Reich die Sozialdemokratie!" Die zunehmende Angst vor den Mischlingen verrate die Angst

vor einem Herrschaftsverlust in absehbarer Zeit.

Staatssekretär Solf im Mai 1912 vor dem Reichstag: "Sie senden Ihre Söhne in die Kolonien. Wollen

Sie, dass sie Innen schwarze Schwiegertöchter und wollhaarige Enkel ins Haus bringen ? - Seine

Worte erregten nur Heiterkeit, denn kein Abgeordneter fühlte sich betroffen. Bekanntlich wollten immer

nur Kleinsiedler ein Aufgebot zu Heirat mit schwarzen Mädchen bestellen, während Beamte und

Offiziere sich unverbindlich Konkubinen auf Widerruf hielten, sei es vorehelich oder nebenehelich.

Oberrichter RICHTER

mit Hund und Diener: er

hatte viel Verdruss in

Sachen Familienrecht

wegen der Mischehen-

Konflikte in Deutsch-

Südwest ...

"Wollen Sie, dass unsere weisse Rasse verbastardiert wird?" beschwor Solf seine Zuhörer. Solf

sprach sich aber auch gegen eine Ehe der Weissen mit weissen Mädchen in den Tropen aus: "Was

entsteht denn daraus, wenn ein Handwerker oder kleiner Beamter, der kein Herrenleben unter Palmen

führen kann, sich mit einer weissen Frau verheiratet? Dann wachsen seine Kinder, die natürlich keine

Mischlinge sind, sondern Sprösslinge einer standesamtlichen, christlich eingesegneten Ehe, als

degenerierte Vertreter unserer Rasse unter den stolzen und imponierend anzuschauenden

Samoanern auf ..."

Man war überzeugt, dass "Tropenklima und ungesundes Geschlechtsleben" die Vertreter der weissen

Rasse degeneriere und fürchtete , unausgesprochen die explosive Sexualität der schwarzen Frau.

Der Antisemit Freiherr von Richthofen konnte es sich nicht verkneifen im Parlament zu hetzen: "Ob es

irgendwie nötig ist, die deutsche Rasse durch Samoanerinnen zu verbessern, halte ich für fraglich. Für

welchen Teil des deutschen Volkes das vielleicht nötig wäre, überlasse ich Herrn Dr. David zu

beurteilen ..."

Schliesslich wurde die Resolution zugunsten eines Reichsgesetzes über die Gültigkeit von kolonialen

Mischehen mit grosser Mehrheit von 203 zu 133 Stimmen der Parlamentarier angenommen. Da die

Tage der deutschen Kolonialherrschaft inzwischen gezählt waren, fanden die Verordnungsentwürfe

zur Verhinderung von Rassenmischehen kein weiteres Echo bis Kriegsausbruch.


Ein farbiger Urenkel des Kurt von Francois

"Vom Aussehen her werde ich in Sparten gesteckt, mit denen ich nichts anfangen kann" erklärte vor

einiger Zeit Ruprecht von Francois in Windhoek, Urenkel des Landeshauptmanns Kurt von Francois

(1882 bis 1931), der als Kunstschreiner von hohem Niveau sein täglich Brot verdient.

Die Schubladen seiner Werkstatt sind gefüllt mit Zeugnissen, die an den Urgrossvater seligen

Angedenkens erinnern. "Fremde und Bekannte haben mir die vergilbten Exponate zugetragen, denen

meine Herkunft vertraut war", erzählte Ruprecht der Journalistin Irmgard Schreiber, Allgemeine

Zeitung Windhoek.

Der Farbige kam am 13. März 1949 im Eingeborenen-Viertel (Old Location Warf) zu Windhoek zur

Welt. Er trägt nur noch deshalb den Namen des ehemals hochrangigen Schutztruppen-Offiziers, weil

dessen Tochter Josephine nie geheiratet hatte. Jene Josephine entstammte einer angeblich ehelichen

Verbindung des Kurt von Francois mit der Damara-Eingeborenen Amalia Gawaxas, die fünf Kinder zur

Welt brachte.

Ein Junge hiess Gideon von Francois, der wiederum Eva Gaes heiratete, Mischling aus der Ehe

zwischen einem Deutschen und einer Damara-Frau. Ruprecht von Francois gehört zu den neun

Kindern aus der zuletzt genannten Ehe und spricht im Gegensatz zu den Geschwistern perfekt

Deutsch ohne Akzent.

Der erfolgreiche Kunsthandwerker verbrachte seine Kinderzeit im Ghetto (Old Location) des Buren-

Regimes während der Mandatszeit und sprach zunächst nur Damara/Nama sowie Afrikaans im

täglichen Umgang. Deutsch lernte er beim Evangelischen Missionar Fritz Sehneider, der ihn zum

Posaunisten im kirchlichen Dienst ausbildete und einen Deutschlandbesuch mit dem Blechbläser-

Ensemble ermöglichte im Jahr 1969. Damals war Ruprecht 20 Jahre alt und lernte erstmals ein Land

ohne Rassentrennung kennen im Kreis von 14 anderen Kirchen-Musikern.

Ruprecht hatte seinerzeit Gelegenheit, mit vielen Deutschen näher - vertraut zu werden und traf eines

Tages auf seine zukünftige Ehefrau, Petra Engels, Nichte des Missionars Schneider. Sie

korrespondierten fünf Jahre miteinander. Endlich kam Petra mit ihrer Mutter 1974 nach Südwestafrika,

und das junge Paar konnte sich nur heimlich (wegen der offiziellen Apartheid bzw. Rassenschande

aus burischer Sicht) nähern, um eine harte Bestrafung zu vermeiden. Nichtweisse durften sich

beispielsweise nach Sonnenuntergang nicht länger in den für Weisse reservierten Ortsteilen

aufhalten.

Einige Tage nach dem 21. Geburtstag von Petra wanderten die Verlobten nach Deutschland aus, um

irgendwie ihre Existenz wirtschaftlich und privat aufzubauen. Die rechtmässige Ehe vor einem

bundesdeutschen Standesamt kam ein Jahr darauf zustande nach allerlei bürokratischen

Hindernissen wegen fehlender Dokumente (Geburtsurkunde des Mannes, Nachweis des Standes als

Der deutsche Kolonialoffizier und. Landeshauptmann Kurt von Francois (links) war

angeblich mit einer Farbigen rechtmässig verheiratet, was zu bezweifeln ist. Sein

Urenkel Ruprecht von Francois lebt als Tischler und Modelleur in Windhoek,

verheiratet mit einer Deutschen (rechts).


Weisheiten aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon 1914

Das DEUTSCHE KOLONIAL-LEXIKON, herausgegeben von Gouverneur Dr. Heinrich

Schnee (Redaktionsschluss 1914, Druck verzögert bis 1920) erläutert mehrere

einzigartige Begriffe, die inzwischen nahezu unverständlich geworden sind für

nachrückende Generationen. Hier einige Beispiele:

VERNEGERUNG (siehe Verkafferung und/oder Verkanakern, auch Verburung). KANAKA

bedeutet in Polynesien so viel wie Mensch oder Mann in der Sprache der Insulaner.

VERKANAKERN - Unter V. versteht man in den deutschen Südsee-Kolonien das

Herabsinken von Weissen auf die Stufe der Eingeborenen, ähnlich wie in Afrika das Wort

VERKAFFERUNG gebraucht wird.

VERKAFFERUNG - Unter V. versteht man in Deutsch-Südwestafrika das Herabsinken

eines Europäers auf die Zivilisationsstufe der Eingeborenen, eine Erscheinung, für die

man in den übrigen Schutzgebieten VERNEGERN oder VERKANAKERN gebraucht.

Einsames Leben im "Veld" (Wildnis), im steten Umgang mit Farbigen, vor allem aber die

Rassenmischehe begünstigt solche bedauerliche Entartung weisser Ansiedler. Der

verkafferte Europäer ist trotz möglicherweise vorhandener persönlicher Intelligenz stets

ein verlorenes Glied der weissen Bevölkerung, da ihm entscheidende Förderungen

unserer heimischen Kultur, das energische Wollen und das Festhalten an einem

bestimmten Plan, vollkommen fehlen.

Solche unglücklichen Europäer sind auch als Angestellte meist weniger brauchbar als

etwa intelligente - Eingeborene. Allein durch gesetzgeberische (Verbot der

Rassenmischehe) und gesellschaftliche Massnahmen lässt sich dieses Übel langfristig

beeinflussen.

Das sicherste Mittel gegen diese keineswegs zu unterschätzende Gefahr besteht in der

Erleichterung der Eheschliessung mit weissen Frauen sowie in der Förderung von

Erwerbsmöglichkeiten in der Kolonie hierzulande. Das Ausbleiben wirtschaftlicher Erfolge

führt im Zusammenhang mit gewissen klimatischen und. geographischen Einflüssen

(Mangel an geistigen Anregungen und Kontakten mit anderen Europäern) leicht zu einem

Nachlassen der inneren Energie und zur Resignation, wie uns die soziale Entwicklung des

wandernden Buren (Treckburentum) an zahlreichen Beispielen beweist. Der geistige

Kontakt mit der Heimat (Schule, Mission, Bücherei, Presse) ist unerlässlich, um die Kultur

junger Kolonisten zu sichern.

Lediger usw.) Erst die eidesstattliche Erklärung eines südwestafrikanischen Geistlichen ebnete den

dornigen Weg in die Ehe.

Ruprecht vollendete seine Tischler-Ausbildung in Wuppertal, erhielt den Meisterbrief für Möbel-

Tischlerei, konnte aber keine selbständige Existenz gründen. 1991 drängte seine Frau, nach dem

unabhängigen Namibia kurzerhand auszuwandern, wo ihn die Verwandten mit offenen Armen

empfingen und das Paar willkommen hiessen. Die Grossmutter väterlicherseits war drei Monate

vorher verstorben, mindestens 102 Jahre alt. Sie war vom Hamburger ZEIT MAGAZIN noch 1989

interviewt worden und gab Auskünfte über ihren Vater Kurt von Francois. Der renommierte Kolonial-

Offizier verliess 1895 Deutsch-Südwestafrika Kurs Heimatland. Zurück blieb seine braune Tochter im

Alter von sieben Jahren bei der Mutter.

"In Deutschland habe ich mich besser aufgehoben gefühlt", resümiert der nachdenkliche

Tischlermeister rückblickend. "Man sieht mich hier wie einen verfälschten Damara an oder wie einen

Deutschen mit irreführender Hautfarbe" urteilt er bitter. "Ich sitze zwischen zwei Stühlen, denn ich bin

hier in Namibia jetzt Ausländer mit deutschem Pass ..."


"Verbannung" aus Kindergarten, Turnverein, Kegelklub, Farmer-Club, Sängerbund usw. waren die

unmittelbare Folge rassischer Diskriminierung für deutsche Männer und ihre Mischlingskinder in

Südwest ab etwa 1906. Auch die Krieger-Reservisten wollten plötzlich nichts mehr mit den

benachbarten "Rassenschändern" zu tun haben und ächteten die unglücklichen schwarz-weissen

Familien.

Carl Becker, verheiratet mit einer Baster-Frau, notierte in seinen Erinnerungen als Farmer: "Wir

Mischehemänner wurden überall vor die Tür gesetzt im Interesse höchster sittlicher Errungenschaft.

Gleichzeitig gaben uns die anderen Deutschen augenzwinkernd zu verstehen, dass sie unsere

farbigen Ehefrauen an sich durchaus schätzten im Inneren ihres Gemüts. Aber was soll man machen,

wenn das Gesetz es befiehlt gründlich im Verein auszusortieren?"

Der Windhoeker evangelisch-lutherische Kindergarten duldete keine farbigen Kinder deutscher Väter

in der Sandkiste. Mischlingskinder hatten ebenso wenig Anspruch auf schulische Erziehung,

gleichgültig ob ehelich oder unehelich gezeugt. Da von 1908 bis 1914 ungefähr 2000 Angehörige der

Schutztruppe in Windhoek stationiert waren im Wechsel mit anderen Einheiten, erhöhte sich der

Prozentsatz an Geschlechtskrankheiten als Folge schwarz-weisser Infektionsquellen, wobei weisse

Frauen nicht die geringste Rolle spielten.

Prostituierte europäischer Herkunft in Windhoek, teilweise Deutsche und andere Nationalitäten,

liessen sich nur mit weissen Klienten ein, sodass es keine Fälle von farbigen Geburten weisser Mütter

in der Kolonialgeschichte gab. Allerdings drohte solchen Prostituierten sofortige Deportation, falls sie

nachweisbar farbige Freier bedienten. Prostitution "an sich" wurde diskret geduldet, obwohl verboten.

Vergewaltigungen schwarzer Frauen durch Weisse im Schutzgebiet sind in relativ wenigen Fällen

überliefert, teilweise mit Todesfolge. 1912 verübten zwei flüchtige deutsche Mörder, Sommer und

Falk, Notzuchtverbrechen an einer fünfundfünfzigjährigen Herero-Frau und ihrer neunjährigen Enkelin

mit tödlichen Misshandlungen im Busch. Ihre Rechtfertigung: "Wir waren auf Konkubinenfang und

guter Dinge". Wenige Monate später suchte der volltrunkene Polizeibeamte Feldwebel Odenwald die

Eingeborenen-Siedlung (Werft) zu Keetmanshoop auf, entführte ein neunjähriges krankes Khoi-

Mädchen und schändete es mit Todesfolge. Ein zweiter Polizei-Sergeant beteiligte sich an dem

Verbrechen. Es gilt als sicher, dass viele vergewaltigte eingeborene Frauen notfalls erfolgreiche

Abtreibungen mit Hilfe bestimmter Pflanzen herbei führten.

Diese Aufnahme entstand in Swakopmund vor der Heimreise

deutscher Matrosen und Seesoldaten (Marine-Infanteristen) in

Gesellschaft verlegener "Statistinnen", mühselig arrangiert als

Souvenir. Es fällt schwer, hier "Intimitäten" zu vermuten ...


In Okahandja und Keetmanshoop richteten Missionare Waisenhäuser für die unerwünschten

Mischlingskinder ein mit Unterricht in deutscher Sprache und Grundschulerziehung neben

handwerklicher Ausbildung. Holzarbeiten in der Schreiner-Werkstätte mit Möbelverkauf an Siedler

halfen den Unterhalt zu finanzieren (in bescheidenen Grenzen).

Gouverneur Seitz ging einen Schritt weiter und empfahl die Einziehung von Alimenten bei den

Erzeugern der Kinder, stieß aber auf erbitterten Widerstand der deutschen Kolonial-Bevölkerung.

Tausend Mark Pauschale je Kind waren im Gespräch als "Ablösesumme". Ab 1912 sollten die

Register für Geburten sorgsamer aufgeschlüsselt werden nach Abstammung usw. Weisse,

Eingeborene und Mischlinge teilte man in neue Kategorien ein, in eine Drei-Klassen-Gesellschaft auf

lange Sicht. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte die Vollendung des Programms.

Der Grossherzog und seine Gespielinnen

Als sich vor etwa 25 Jahren deutsche Unterhaltungsmagazine mit Themen zur deutschen

Kolonialgeschichte beschäftigten und am Beispiel Togo zahlreiche Mischlinge mit deutschen Familien-

Stammbäumen entdeckten, machten Namen wie Joseph Köhler, Louise von Döring, Hans Gruner,

Otto Hundt und andere von sich reden. Ihre Erzeuger "verkrümelten" sich anno dazumal, und ein

Kontakt mit dem deutschen Reich in Europa kam nie zustande. Mit einer Ausnahme: Der damalige

DDR-Bürger Wilhelm Gruner begrüsste 1976 seinen "Bruder" freundschaftlich in Jena.

Gouverneur Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Herzog und Regent zu Mecklenburg-Schwerin (1873 bis

1969) verkündete allerdings im AMTSBLATT FÜR DAS SCHUTZGEBIET TOGO vom 25. Oktober

1913 eine "Verordnung betreffend der Namen-Gebung und Führung seitens Eingeborener" mit Datum

vom 18. Oktober 1913 wie folgt:

Paragraph 1: Eingeborene dürfen ohne Genehmigung des Gouverneurs einen deutschen Namen als

Familien-Namen sich oder ihren Angehörigen nicht beilegen oder führen.

Paragraph 2: Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mark belegt oder mit

Gefängnisstrafe und Zwangsarbeit bis zu sechs Wochen, falls die Geldstrafe nicht beigetrieben

werden kann.

Die Häuptlinge von Anecho wandten sich nach etwa anderthalb Jahren Regierungszeit des neuen

Gouverneurs erbittert mit einer Petition an den Deutschen Reichstag mit Post vom 1. Mai 1914, die

(natürlich) nie beantwortet wurde:

"Ist der Herr Adolf Friedrich wirklich ein deutscher Herzog? Wenn man wie er zehn bis zwölf Jahre alte

eingeborene Mädchen zu sich nimmt, muss man dann nicht nach deutschem Recht ins Gefängnis

gehen ? Warum hat der Gouverneur so gehandelt ? Ich, Häuptling Lawson und Ayite Ajavon hatten

dem Herrn zwei Mädchen zugeführt und trotzdem ist er damit immer noch nicht zufrieden ..."

Im Namen der Bürger zeichne ich als Oberhäuptling JACKSON LATEKPAVUVU LAWSON.

Die britische Kolonialpresse der benachbarten Regionen nahm den Herzog und dessen Vorliebe für

zarte Eingeborenen-Mädchen (als Konkubinen) mehr als einmal aufs Korn. Beispiel THE GOLD

COAST LEADER vom 3. Mai 1913 auszugsweise: "Die erste Aktivität von Gouverneur Adolf Friedrich

zur Verbesserung der Zustände in der Kolonie bestand darin, sich das Mädchen Hoelushi Ajite,

ungefähr zwölf Jahre alt, vorzunehmen ..."

Schon vor Beginn der Kolonialzeit war es an der Küste Togos unter deutschen Kaufleuten üblich, eine

oder mehrere Eingeborenenfrauen während des begrenzten Afrika-Aufenthalts "anzuwerben". Sie

heirateten nicht nach europäischen Normen, sondern kauften die Konkubinen aus dem Bestand von

Sklavenhändlern. Zeugten die europäischen Geschäftsleute in solchen Verbindungen Nachwuchs, so

hatte der jeweilige Vater nach afrikanischer Sitte eine rechtlich-moralische Fürsorgepflicht

übernommen. Weigerte sich der Erzeuger zu zahlen, boykottierten die Eingeborenen sein

Unternehmen und schädigten es empfindlich. Aus Furcht vor derartigen Repressalien gab es in der


Regel kaum Probleme wegen Unterhaltsfragen. Die Kindesmutter oder ihre Familie verwandte die

Beträge zur Ausbildung und Pflege des Sprösslings und alle waren zufrieden. Sogar die (wenigen)

deutschen Kolonialbeamten folgten gutwillig dem Brauch durch regelmässige Beiträge, einmalige

pauschalierte Zahlungen oder sonstige Abfindungen.

Protestantische Missionare waren durchweg mit weissen Frauen verheiratet, katholische Missionare

dem Zölibat verpflichtet und "Ausbrecher" hatten Strafversetzung zu erwarten. Das lockere Treiben in

Togo konnte man zum Beispiel auch an zwei afrikanischen Tänzen ablesen, die in Mode kamen: "Der

Kaiser" sowie "Der Gouverneur". Es handelte sich, lässig interpretiert, um "Knutsch-Rhythmen" (mit

kräftigem Zupacken)!

Ab etwa 1895 kamen immer mehr Mischlingskinder zur Welt, und das sexuelle Verhalten vieler

Kolonialdeutscher nahm härtere Formen an. In der Juristensprache nannte man dies "durch Gewalt

oder die Androhung von Gewalt erpressten Beischlaf". Gleichzeig nahm die Bereitschaft zur Zahlung

freiwilliger Alimente rapid ab, wie Missionsdirektor Schreiber in einer Denkschrift formulierte. In der

Kolonialverwaltung drückte man sich um klare Regelungen der Verhältnisse und schaute weg.

Diese seltsame Verkaufsanzeige erschien am 31. Dezember 1908

in der deutschen USAMBARA POST in Deutsch-Ostafrika. Indische

bzw. goanesische Kaufleute unterboten häufig die Preise

kolonialdeutscher Händler und verdienten prächtig. Der Appell an

das deutsche Blut, das dicker sein soll als Wasser, hört sich wie

eine Verzweiflungstat an, um reichlich Seife (offenbar Ladenhüter)

endlich los zu werden zum Jahreswechsel ...

Ärgernis bereitete den Bürokraten jedoch die alte Gewohnheit der Eingeborenen, ihre

Mischlingskinder mit deutschen, englischen oder portugiesischen Familiennamen auszustatten.

Einerseits wurden die Afrikanerinnen (stets verächtlich "Weiber" genannt) sexuell missbraucht mit

entsprechenden Konsequenzen, andererseits sollte die reine Rasse abgesichert werden.

Pikanterweise kam kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein "kleiner farbiger Herzog" zur Welt, was in der

Kolonie als amüsanter Knalleffekt betrachtet wurde.

Ungerührt postulierte der Gouverneur seine staatsmännische Moral bei jeder passenden (und

unpassenden) Gelegenheit: "Wir sind gut damit gefahren, dass die Rassenunterschiede in Togo stets

scharf respektiert wurden. Die Gestattung der Rassenmischehe würde das scharfe Rassengefühl, das

wir unbedingt brauchen, erheblich schwächen! Die Mischehenfrage kann nicht von ethischen und

religiösen Gesichtspunkten beantwortet werden, sondern allein durch rassenpolitische Überlegungen."

Katholische und protestantische Missionare pflichteten mit gewundenen Erklärungen bei: "Däuble und

Schönig (Missionare) erklärten als offizielle Sprecher ihrer Glaubensgemeinschaften, dass "vom

christlichen Standpunkt gegen Rassenmischehen nichts einzuwenden sei ... aber vom

naturgegebenen und gesellschaftlichen Standpunkt aus müsse man dies bekämpfen ..."


Die Kolonialisten aller Berufszweige kümmerte das wenig, denn sie hatten ihre polygamen Privilegien

diskret unangreifbar gemacht. Mit anderen Worten: Das Zusammenleben von Europäern und

eingeborenen Frauen ("einfach so") kümmerte keine Obrigkeit. Im übrigen verbot das Gouvernement

ausdrücklich nur die Verwendung deutscher Familiennamen für Mischlingskinder. Englische oder

spanische oder portugiesische oder sonstige fremdländische Familiennamen waren geduldet, weil sie

die "deutsche Rassenehre" nicht "beschmutzten".

Kurioserweise betraf die Verordnung des Herzogs zur Namen-Gebung auch ein Kind, das viel später

prominent werden sollte. Ein deutscher Kaufmann zeugte den Knaben Nikolaus Grunitzky ... und

musste seinen Namen "löschen" unter deutscher Kolonialherrschaft. Jener Nikolaus Grunitzky machte

Karriere und brachte es bis zum Präsidenten der Republik Togo in neuerer Zeit (Schreibweise Nicolas

als Vorname).

Quellen

Deutsche Kolonialzeitung

W. Ross: Zur Mischehenfrage in unseren Kolonien

(Hamburg 1912)

S. Kotze: Wieder einmal die Rassenfrage

(Berlin 1906)

E. Radlauer: Die kolonialrechtliche Lösung der Mischehenfrage

(Hamburg 1909)

J. Flierl: Zur Mischehenfrage

(Berlin 1910)

L. Keh: Uber die Rassenfrage in den Kolonien

(Berlin 1906)

G. Braun: Zur Frage der Rechtsgültigkeit von Mischehen in den Kolonien

(Greifswald 1912)

Protokolle des Deutschen Reichstags

Dr. Th. Seitz: Vom Aufstieg und Niederbruch deutscher Kolonialmacht

(Karlsruhe 1929)

C. Essner: Reichstagsdebatten 1912 um koloniale Rassenmischehen und Sex

(Berlin 1997)

Stenographische Reichstags-Protokolle

I. Schreiber: Zwischen zwei Welten

(Windhoek 2002)

K.M. 0 Donnell: The First Besatzungskinder 1890 - 1914

(Woodbridge 2005)

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