HolzKraft, 04/2020

IGHolzkraft1010

In unserer neuen Ausgabe der "HolzKraft" beschäftigen wir uns mit dem Thema "Wärme". 

Besonders beim Heizen gibt es in Österreich auch durchaus noch Potential hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Einen wichtigen Beitrag dazu kann die Bioenergie leisten und hier, mit Blick auf die Holzkraftwerke, vor allem die Fernwärme.

Aber wie viel Fernwärme wird in Österreich eigentlich produziert und verbraucht? Aus welchen Energieträgern wird die Wärme gewonnen? Und wie hoch ist der Beitrag der Holzkraftwerke? Um diese Fragen zu beantworten, muss man sich in die Tiefen der Energiebilanzen der Statistik Austria vorwagen. Wir haben genau das getan und uns für Sie durch die Zahlen der letzten Jahre gearbeitet.

Zusätzlich haben wir zum Thema biogene Wärme noch jemanden befragt, der es wirklich wissen muss: Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer von ProPellets Austria und Präsident des Weltbiomasseverbands.

HolzKraft

Fernwärme aus

Holzkraftwerken

Der Fokus des letzten HolzKraft

Newsletters dieses Jahres liegt,

passend zu der kalten Jahreszeit,

auf dem Thema Wärme. Genauer

gesagt Fernwärme, denn diese

kann einen wichtigen Beitrag zur

Energiewende leisten.

Aus welchen Energieträgern diese

Fernwärme erzeugt wird und welche

Rolle die Holzkraftwerke dabei

spielen, erfahren Sie in dieser Ausgabe.

Einschätzungen zur

Wärmewende

"Die Wärmewende nimmt langsam

Fahrt auf." sagt Christian Rakos,

Geschäftsführer von proPellets

Austria und Präsident des

Weltbiomasseverbandes.

Seine Überlegungen zur

Wärmewende, zur Rolle von

Holz als Energieträger und zur

Wärmeversorgung der Zukunft

lesen Sie in unserem Interview.

Inhalt

Vorwort von Hans-Christian Kirchmeier,

Vorsitzender der IG Holzkraft

........................................................... Seite 2

Fernwärme aus Holzkraftwerken

........................................................... Seite 2

Einschätzungen zur Wärmewende

........................................................... Seite 3

Fröhliche Weihnachten

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein

frohes Weihnachtsfest und einen erfolgreichen

Start ins neue Jahr!

Ausgabe 04/2020

1


Vorwort von Mag. Hans-Christian Kirchmeier, Vorsitzender des

Vorstandes der IG Holzkraft

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Das ist die letzte Ausgabe der

HolzKraft für dieses außergewöhnliche Jahr. Ich weiß ja nicht, wie es

Ihnen geht, aber ich zumindest habe das Gefühl, die Zeit ist verflogen.

Es ist einfach unglaublich viel passiert.

Wir haben in der Vorbereitung auf diese Ausgabe überlegt, welchem

Thema wir uns widmen sollen. Letztendlich haben wir uns für das naheliegendste

entschieden. Denn nachdem wir hier in der nördlichen

Foto: IG Holzkraft/Lisa Grebe

Hemisphäre angesiedelt sind, geht der bevorstehende Jahreswechsel

auch immer mit dem Winter einher. Zwar werden die Winter im Durchschnitt immer milder, heizen

müssen wir aber trotzdem. Besonders beim Heizen gibt es in Österreich auch durchaus noch

Potential hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Einen wichtigen Beitrag dazu kann die

Bioenergie leisten und hier, mit Blick auf die Holzkraftwerke, vor allem die Fernwärme.

Aber wie viel Fernwärme wird in Österreich eigentlich produziert und verbraucht? Aus welchen

Energieträgern wird die Wärme gewonnen? Und wie hoch ist der Beitrag der Holzkraftwerke?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man sich in die Tiefen der Energiebilanzen der Statistik

Austria vorwagen. Wir haben genau das getan und uns für Sie durch die Zahlen der letzten Jahre

gearbeitet.

Zusätzlich haben wir zum Thema biogene Wärme noch jemanden befragt, der es wirklich wissen

muss: Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer von ProPellets Austria und Präsident des Weltbiomasseverbands.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

Fernwärme aus Holzkraftwerken

Holzkraftwerke werden in der Regel als Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen betrieben. Daher sind

sie häufig in Fern- oder Nahwärmenetze eingebunden. Abhängig von ihrer Leistung und ihrem

Einsatzort kommen die Kraftwerke entweder zur Deckung der ganzjährigen Grundlast oder des

erhöhten Wärmebedarfs im Winter zum Einsatz.

Der Beitrag der Holzkraftwerke zur Fernwärmeproduktion in Österreich befindet sich seit mehreren

Jahren auf einem konstanten Niveau von rund 4.000.000 Megawattstunden (MWh). Das sind

in etwa 17 % der gesamten Fernwärme.

Die größten Fernwärmeverbraucher in Österreich

sind Privathaushalte, gefolgt vom

Dienstleistungssektor und der Industrie. Insgesamt

deckt die Fernwärme 13 % des Wärmebedarfs

der privaten Haushalte.

1

FERNWÄRMEVERBRAUCH NACH

SEKTOREN 2019

Landwirtschaft

Rund die Hälfte der Fernwärme ist in Österreich

erneuerbar. Zum Einsatz kommt vorrangig Bioenergie.

Industrie

Dienstleistung

45%

Einen kleinen Anteil nehmen Geother-

mie, Solarthermie und große Wärmepumpen

ein. Rund ein Drittel der erneuerbaren Fernwärme

stammt aus Holzkraftwerken. Die weitere

Privathaushalte

40%

biogene Fernwärme wird hauptsächlich in Heizwerken erzeugt. Österreich verfügt mit mehr als

2.000 Biomasse-Heizwerken über eine hohe Dichte an regionalen Nahwärme- und urbanen Fernwärmenetzen.

Somit kommen die Vorteile der Fernwärme auch ländlichen Regionen zu Gute.

1%

14%

2


Insgesamt machte der Wärmebedarf in

Österreich mehr als die Hälfte des Gesamtenergieverbrauchs

aus. Rund die

Hälfte der Wärmeversorgung wird direkt

aus den fossilen Energieträgern Erdgas,

Öl und Kohle gewonnen. Hier besteht

also noch hohes Potential zur Einsparung

von Treibhausgasen.

FERNWÄRMEVERBRAUCH ANTEIL DER-ENERGIETRÄGER NACH

AM WÄRMEVERBRAUCH SEKTOREN 2019

2019

Brennbare-Abfälle

Kohle Landwirtschaft

Sonstige Energieträger

37%

Industrie

45%

Öl

1%

3% 3%

14%

5% 9%

Gemeinsam mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz

wurde am 16. September

2020 auch eine Novelle des Wärme- und

Elektrische-Energie

Dienstleistung

Bioenergie Privathaushalte

Gas

40%

Kälteleitungsausbaugesetzes in Begut-

29%

achtung geschickt. Dieser Entwurf sieht

eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien in der Fernwärme vor. Um eine Förderung zu

erhalten, müssen Fernwärmebetreiber einen Ausbaupfad zu 60 % erneuerbarer Fernwärme bis

2030 nachweisen. Hier besteht auch in Zukunft noch deutliches Potential für die Holzkraftwerke.

14%

Interview mit DI Dr. Christian Rakos (Geschäftsführer von proPellets

Austria) - Einschätzungen zur Wärmewende

Wie steht es um die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Österreich?

Ist die Wärmewende erfolgreich?

Grundsätzlich sind wir mit einem Anteil von rund 33% erneuerbarer

Energie im Wärmemarkt längst nicht soweit, wie beim Strommarkt, wo

der Anteil erneuerbarer Energie ja schon bei rund 70% liegt. Ich würde

aber sagen, die Wärmewende nimmt – zumindest im Raumwärmebereich

- langsam Fahrt auf. In der Phase der hohen Ölpreise zwischen

2006 und 2012 kam es schon zu einer Welle der Heizungsumstellungen.

Leider war diese ziemlich abrupt zu Ende, als die Ölpreise wieder sanken.

Es folgten einige Jahre des Stillstands, der erfreulicher Weise jetzt

überwunden scheint.

Foto: www.propellets.at

Wir haben im letzte Jahr und auch heuer - trotz Corona - einen kräftigen Anstieg der Nachfrage

nach Pelletheizungen zu verzeichnen. Dass dies trotz der niedrigen Ölpreise der Fall ist, deutet

auf eine Trendwende hin. Offenbar beginnt sich doch langsam die Erkenntnis durchzusetzen,

dass wir etwas gegen die Klimakatastrophe unternehmen müssen. Dazu kommt sicher auch die

Angst vor dem Verbot der Ölheizung, das zwar noch nicht da ist, aber immerhin im Regierungsabkommen

vereinbart wurde. Schließlich gibt es derzeit sehr hohe Förderungen und ein massiv

aufgestocktes Förderbudget für die Heizungsumstellung. Auch das trägt maßgeblich zu der Bereitschaft

bei umzusteigen.

Noch sehr wenig tut sich der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung der Industrie. Die dort benötigten

hohen Temperaturniveaus können auch nicht so einfach von erneuerbaren Energiequellen

bereitgestellt werden.

Welche Rolle spielt Holz als Energieträger in der Raumwärmeversorgung in Österreich?

Holz ist der mit Abstand wichtigste Energieträger in der Raumwärmeversorgung. Insgesamt werden

rund 37% der gesamten Raumwärme durch Holzbrennstoffe bereitgestellt – sei es in Kleinfeuerungen

oder auch in Biomasse-Heizwerken. An zweiter Stelle folgt Erdgas mit 28% und an

dritter Stelle Heizöl mit 18% Anteil. Solarthermie und Wärmepumpe kommen zusammen auf unter

10%. Damit hat Österreich schon eine Sonderstellung in Europa. Der sehr hohe Anteil der Holzbrennstoffe

am Wärmemarkt hat maßgeblich zur Entwicklung der heimischen Biomassekesselindustrie

beigetragen. Diese ist heute was die Technologie und Qualität der Produkte betrifft

weltweit führend.

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3


Fortsetzung Interview

Welche großen Veränderungen erwarten uns im Bereich der Wärmeversorgung in den nächsten 10 Jahren?

Es wird in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich zu einem massiven Rückgang der Nutzung von Heizöl

kommen. Sehr viele Ölheizer werden auf Pellets umsteigen, weil dabei keine Umstellung der Wärmeverteilung

und auch keine großen Investitionen in die Dämmung der Gebäudehülle nötig sind. Ich glaube, dass sich der

inländische Pelletbedarf in den nächsten 10 Jahren verdoppeln wird – also von 1 Million Tonnen heute auf rund

2 Millionen Tonnen im Jahr 2030 wachsen wird.

Im Neubau spielen schon heute Wärmepumpen die dominierende Rolle. Das wird sicher auch in Zukunft so

bleiben. Auch bei Gebäuden, die thermisch saniert werden, werden Wärmepumpen eine maßgebliche Rolle

spielen.

In den Städten wird es zu einer Verdrängung von Erdgas durch Fernwärme kommen. Erhebliche Umstellungen

wird es brauchen, um die Fernwärme zu dekarbonisieren. Biomasse wird dabei sicher eine zentrale Rolle

spielen, zumal zu befürchten ist, dass wir als Folge des Klimawandels enorme Mengen an Schadholz haben

werden, die teilweise nur mehr energetisch genutzt werden können. Daneben könnten wir vermehrt große

Solarthermie Anlagen verbunden mit Saisonspeichern sehen, ebenso Geothermie und Großwärmepumpen.

Spannend wird es bei der Wärmeversorgung der Industrie. Hier könnte Biogas oder Holzgas eine Rolle spielen,

wobei ich erhebliche Zweifel an den ausgewiesenen Potentialen von Biogas habe. Global gesehen wäre

es sicher sinnvoll, die Stahlindustrie und andere energieintensive Grundstoffindustrien dort anzusiedeln, wo

mittels Photovoltaik oder Wind große Potentiale gegeben sind um Wasserstoff billig herzustellen. Dies könnte

wirtschaftlicher sein, als Wasserstoff mit großem energetischen und finanziellen Aufwand nach Europa zu

transportieren. Von einer ausreichenden heimischen Produktion von Wasserstoff oder Biogas auszugehen,

um die Grundstoffindustrie zu versorgen, halte ich für völlig illusionär.

1Quellen:

Statistik Austria, Energiebilanz Österreich 1970 bis 2019

Nutzenergiekategorien Österreich 1993 bis 2019

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Die nächste Ausgabe der "HolzKraft" erscheint im

Februar 2021.

Impressum

Herausgeber: IG Holzkraft, Graben 19/5, 1010 Wien;

Kontakt: Tel.: +43 1 93087-3127, Mail: office@ig-holzkraft.at; Gendering: Sämtliche

personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.

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