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Junia Ausgabe 1/2022

Junia ist das Mitgliedermagazin des kfd-Bundesverbandes. Mehr unter: www.junia-magazin.de

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Geschlechtersensible Medizin – warum<br />

sie wichtig ist und Leben rettet<br />

FRAUEN<br />

WERDEN<br />

anders<br />

KRANK<br />

Die Corona-Pandemie hat es<br />

Medizinerinnen und Medizinern klar<br />

vor Augen geführt: Frauen und<br />

Männer erkranken auf<br />

unterschiedliche Art und Weise an<br />

Covid-19. Frauen erkranken häufiger,<br />

Männer schwerer. Somit zeigt das<br />

Virus eindrücklich, was die so<br />

genannte Gendermedizin schon länger<br />

fordert: Der weibliche Körper ist<br />

anders als der männliche, bis hinein in<br />

jede Zelle. Frauen und Männer<br />

brauchen unterschiedliche<br />

Anamnesen, Behandlungen, Rehas.<br />

Für eine gesündere Gesellschaft.<br />

8<br />

FRAUENFRAGEN


FRAUENFRAGEN<br />

VON ISABELLE DE BORTOLI<br />

M<br />

it dem Herzen fing alles an: Kardiologinnen<br />

in den USA fragten sich in<br />

den 1990er-Jahren, warum Männer<br />

zwar häufiger als Frauen einen Herzinfarkt<br />

erleiden, Frauen diesen aber öfter nicht<br />

überleben. Es war die Geburtsstunde der<br />

geschlechtersensiblen Medizin, auch Gendermedizin<br />

genannt. Sie läutet eine Abkehr<br />

von einer Medizin ein, in der der Mann den<br />

Standard bildet. „Geschlechtersensible Medizin<br />

bedeutet, die beste Medizin für sie und<br />

ihn, für Jung und Alt zu finden. In der differenzierten<br />

Betrachtung von der Diagnose und<br />

Behandlung von Frauen und Männern liegt<br />

eine große Chance für unsere Gesellschaft“,<br />

sagt Annegret Hofmann, Sprecherin des Netzwerks<br />

„Gendermedizin & Öffentlichkeit“,<br />

in dem sich mehr als 250 deutschsprachige<br />

Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten<br />

medizinischen Fachbereichen<br />

für geschlechtersensible Medizin miteinander<br />

austauschen. „Geschlechtersensible Medizin<br />

stellt die Frage, welche biologischen, psychologischen,<br />

sozialen Unterschiede es zwischen<br />

Mann und Frau gibt und welche Rolle sie für<br />

Gesundheit und Krankheit, für die Diagnose<br />

und Therapie von Krankheiten, für Prävention<br />

und Rehabilitation spielen.“<br />

Der vitruvianische Mensch – vor allem bekannt<br />

durch das berühmte Gemälde Leonardo<br />

da Vincis – war offensichtlich ein Mann.<br />

„Krankheitsbeschreibungen und Therapieempfehlungen<br />

galten jahrhundertelang für<br />

Männer. Noch heute werden Medikamentenstudien<br />

vor allem mit jungen, weißen Männern<br />

durchgeführt – ja, es geht sogar so weit,<br />

dass in Vorstudien, im Labor, lieber männliche<br />

Mäuse als weibliche zum Einsatz kommen“,<br />

sagt Annegret Hofmann. Dabei zeigt die<br />

Wissenschaft inzwischen deutlich die Unterschiede<br />

zwischen den Geschlechtern: „In der<br />

Gendermedizin schaut man zum Beispiel vor<br />

allem auf die Hormone und ihre Verknüpfung<br />

mit dem Immunsystem“, erklärt die Expertin.<br />

„Es hat sich gezeigt, dass hier große Unterschiede<br />

zwischen Männern und Frauen herrschen,<br />

die sich auf Erkrankungen, Verläufe<br />

und Heilung auswirken. Der weibliche Körper<br />

ist anders als der männliche, bis hinein in die<br />

Zelle. Dabei kommen immer wieder neue Fragestellungen,<br />

aber auch Erkenntnisse zutage.“<br />

Bekannt ist zum Beispiel inzwischen: Eine<br />

Tablette benötigt im weiblichen Verdauungstrakt<br />

etwa das Doppelte an Zeit, bis sie verarbeitet<br />

ist und wirken kann. Frauen brauchen<br />

daher bei bestimmten Medikamenten eine<br />

andere Dosierung. Und es sind die Erkrankungen<br />

mit den meisten Todesfällen in Deutschland,<br />

für deren Erkennung und Behandlung<br />

das Geschlecht eine entscheidende Rolle<br />

spielt: die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und<br />

vor allem der Herzinfarkt. „Bei Frauen wird<br />

ein Herzinfarkt oft erst zu spät erkannt, auch<br />

weil sie andere Symptome als die bekannten<br />

beschreiben und der Arzt diese Erkrankung<br />

deshalb bei ihnen einfach nicht vermutet“,<br />

sagt Annegret Hofmann. Das Problem: Innerhalb<br />

einer Stunde sollte man nach den ersten<br />

Symptomen eine Klinik erreichen, um so viel<br />

Herzmuskelgewebe wie möglich zu erhalten.<br />

Frauen – wie auch ihre behandelnden Ärztinnen<br />

und Ärzte – verlieren durch Zögern zu<br />

viel Zeit. „Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im<br />

Oberbauch und in der Brust, Müdigkeit sind<br />

häufige Symptome eines Herzinfarktes bei<br />

Frauen. Den oft als typisch beschriebenen<br />

Druck auf der Brust haben sie eher selten“,<br />

sagt Hofmann. „So kommt die Diagnose oft zu<br />

spät – das ist auch heute noch so.“<br />

Unterschiede gebe es übrigens auch in der<br />

Reha: Während Männer häufig mit um die 50<br />

Jahren einen Herzinfarkt erleiden, sind Frauen<br />

eher mit um die 70 Jahre betroffen. „Diese<br />

beiden Gruppen jetzt in ein und dieselbe<br />

Reha-Therapie zu stecken, ist eigentlich völlig<br />

unsinnig, wird aber so praktiziert“, sagt Annegret<br />

Hofmann. „Dabei hat eine Studie an einer<br />

bayerischen Rehaklinik gezeigt, dass Frauen<br />

in einer eigenen, auf sie zugeschnittenen Reha<br />

sehr viel besser und schneller wieder genesen<br />

können. Dennoch wird das Thema durch die<br />

Politik, die Kassen oder die Rentenversicherung<br />

nicht vorangetrieben.“<br />

Fakten<br />

UND MEHR …<br />

Frauenmedizin – Männermedizin<br />

Der kleine Unterschied ist größer<br />

als gedacht<br />

Taschenbuch<br />

Annegret Hofmann, Rolf Hofmann<br />

Goldegg Verlag, 206 S., 17,00 €<br />

ISBN 978-3-99060-213-3<br />

Neueste Forschungsergebnisse,<br />

wichtige Köpfe und mehr aus der<br />

Gendermedizin gibt es auf<br />

www.gendermed.info<br />

Auch die kfd beschäftigt sich mit<br />

dem Thema Frauengesundheit.<br />

Mehr unter:<br />

www.kfd.de/frauengesundheit<br />

Zudem haben verschiedene<br />

Diözesanverbände Programme<br />

speziell zu diesem Thema ausgearbeitet.<br />

Der Bundesverband bietet<br />

vom 8. bis 9. Juli <strong>2022</strong> die Tagung<br />

„Ich schenke Dir mein Herz – oder<br />

lieber doch nicht? Organspende<br />

aus Frauenperspektive“ an.<br />

Auch in der Schmerztherapie würde sich<br />

ein geschlechtersensibler Blick lohnen, so<br />

die Expertinnen des Netzwerks Gendermedizin,<br />

denn Frauen und Männer beschreiben<br />

Schmerzen nicht nur unterschiedlich, sie<br />

empfinden sie Studien zufolge auch anders.<br />

Ein Grund – und daran muss weiter geforscht<br />

werden: die Hormone. Ähnliches gilt auch für<br />

psychische Erkrankungen, allen voran Depressionen:<br />

„Es gibt – so wissen wir heute – nicht<br />

mehr Frauen mit Depressionen als Männer,<br />

Frauen gehen damit aber viel offener um“, so<br />

Annegret Hofmann. „Und so haben wir dort<br />

viel mehr Diagnosen. Männer haben ähnliche<br />

psychische Sorgen wie Frauen – nur durften<br />

sie diese eben in ihrem Rollenbild lange Zeit<br />

nicht haben, bis heute.“<br />

Um Erkrankungen aufzuspüren, brauche<br />

es auch eine andere, geschlechtergerechte<br />

Ansprache der Patientinnen und Patienten.<br />

„Ärztinnen und Ärzte müssen Symptome<br />

FRAUENFRAGEN<br />

9


im Lebensalltag der Patienten verorten, egal<br />

ob Mann oder Frau. Sie müssen wissen, wie<br />

ein Mensch lebt, was ihn bewegt“, sagt die<br />

Expertin. Allerdings: In der medizinischen<br />

Ausbildung hat die Gendermedizin bisher<br />

einen eher marginalen Anteil. An der Charité<br />

in Berlin ist sie Pflichtfach, an einigen<br />

anderen Fakultäten steht sie immerhin zur<br />

Wahl. Die Charité war es auch, die 2007 das<br />

deutschlandweit erste Institut für Gendermedizin<br />

gründete, inzwischen gibt es immer<br />

mehr Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem<br />

Thema beschäftigen. „Tatsächlich sind es die<br />

Frauen in Forschung und Wissenschaft, die<br />

der Gendermedizin den entscheidenden Push<br />

geben“, sagt Annegret Hofmann. Deshalb sei<br />

es wichtig, dass Frauen in Kliniken Führungspositionen<br />

einnehmen. Gleichzeitig sei es<br />

entscheidend, dass die Erkenntnisse der Gendermedizin<br />

rasch raus aus den Laboren und<br />

Hörsälen und rein in die Arztpraxen und Kliniken<br />

kämen. Patientinnen müssten eine Behandlung<br />

einfordern, die ihrem Geschlecht,<br />

ihrer Lebenslage entspricht.<br />

Geschlechtersensible Medizin bietet<br />

Chancen für die ganze Gesellschaft: „Die<br />

Menschen wären einfach gesünder und damit<br />

zufriedener“, betont das Netzwerk Gendermedizin.<br />

Nicht zu unterschätzen sei auch der<br />

wirtschaftliche Faktor. „Medikamente wären<br />

besser an die Bedürfnisse der Menschen angepasst<br />

– und würden so weniger weggeworfen.<br />

Allein das würde sehr viel Geld einsparen.<br />

Hinzu kämen weniger falsch oder zu spät behandelte<br />

Frauen und Männer.“<br />

In einem sehen die Gender-Medizinerinnnen<br />

und -Mediziner aber keine großen Unterschiede<br />

zwischen den Geschlechtern – nämlich<br />

bei der Frage, wie man ein langes und<br />

gesundes Leben führen kann. Eine gesunde<br />

Ernährung und regelmäßiger Sport helfen,<br />

den Körper vor den Volkskrankheiten Diabetes<br />

und Herzleiden zu schützen. „Männer<br />

müssen zusätzlich noch dazu kommen, Vorsorgeuntersuchungen<br />

wahrzunehmen. Da<br />

sind Frauen ihnen schon voraus. Denn Frauen<br />

übernehmen in der Familie oft die Rolle der<br />

Gesundheits-Managerin.“<br />

Das<br />

gebrochene<br />

Herz<br />

Als der Reeder-Millionär<br />

Aristoteles Onassis sie verließ,<br />

soll Operndiva Maria Callas im<br />

Alter von nur 53 Jahren an ihrem<br />

gebrochenen Herzen gestorben<br />

sein. Alles nur Legende? Nicht<br />

unbedingt, denn das „Broken-<br />

Heart-Syndrom“ gibt es<br />

tatsächlich. Medizinisch wird<br />

es Tako-Tsubo-Kardiomyopathie<br />

genannt, und die Symptome sind<br />

mit denen eines Herzinfarkts<br />

vergleichbar – auf Grund einer<br />

massiven Ausschüttung von<br />

Stresshormonen kommt es<br />

zu einer Verkrampfung des<br />

Herzens und zu verminderter<br />

Schlagkraft an der Herzspitze.<br />

Die Betroffenen haben starke<br />

Schmerzen, ihr Blutdruck fällt<br />

ab, die Pumpleistung des Herzens<br />

lässt nach, der Körper wird nicht<br />

ausreichend mit Blut versorgt,<br />

es kommt zu heftigem<br />

Schweißausbruch und Übelkeit.<br />

Betroffen sind in der großen<br />

Mehrzahl Frauen nach den<br />

Wechseljahren, und sie alle<br />

berichten, dass den Symptomen<br />

emotionale Situationen wie der<br />

Verlust des Partners oder andere<br />

Unglücke vorausgegangen sind.<br />

Diese Erkrankung ist akut<br />

lebensgefährlich und bedarf<br />

intensiver Behandlung. Sie<br />

heilt aber in vielen Fällen ohne<br />

Folgen aus, während die meisten<br />

„echten“ Infarkte Defekte am<br />

Herzgewebe hinterlassen.<br />

Gebrochene Herzen können<br />

also tatsächlich heilen.<br />

CORONA UND<br />

DIE FOLGEN<br />

Frauengesundheit<br />

in der Pandemie<br />

Die Corona-Pandemie hat der Gendermedizin<br />

zu weiterer Bekanntheit<br />

verholfen. Wie? Weltweit stellten<br />

Ärztinnen und Ärzte fest, dass mehr<br />

Frauen als Männer an Covid-19 erkrankten,<br />

gleichzeitig aber mehr<br />

Männer schwer krank wurden und<br />

auch an dem Virus starben. Elpiniki<br />

Katsari, Fachärztin für Herzchirurgie<br />

sowie Gendermedizinerin an<br />

der Universitätsmedizin Greifswald,<br />

hat eine internationale Fachtagung<br />

zu dem Thema veranstaltet: „Die<br />

Pandemie hat gezeigt, dass das Geschlecht<br />

bei Covid-Erkrankungen<br />

eine bedeutende Rolle spielt. Man<br />

hat die Gender-Aspekte wirklich sehr<br />

schnell und offensichtlich gesehen.<br />

Die unterschiedlichen Krankheitsverläufe<br />

haben biologische wie soziale<br />

Ursachen: Frauen arbeiten stärker<br />

in Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen<br />

und sind dem Virus daher<br />

häufiger ausgesetzt als Männer. Diese<br />

wiederum leiden häufiger an Bluthochdruck,<br />

sind Raucher oder haben<br />

Vorerkrankungen wie die Lungenkrankheit<br />

COPD.“<br />

Doch nach einer überstandenen<br />

Erkrankung ist der Leidensweg<br />

für 10 Prozent der Infizierten nicht<br />

vorbei, sie leiden an Long Covid.<br />

„Es zeigt sich, dass vor allem Frauen<br />

an Long Covid leiden. Sie kämpfen<br />

mit Atembeschwerden, Konzentrations-<br />

und Schlafproblemen, Angststörungen<br />

und Depressionen“, sagt<br />

Elpiniki Katsari. „Warum das so ist,<br />

muss noch erforscht werden, auch<br />

die volkswirtschaftlichen Folgen sind<br />

noch nicht absehbar.“ Deshalb müsse<br />

man auch notwendige Behandlungsformen<br />

finden. „Frauen sind in dieser<br />

Pandemie nicht nur gesundheitlich<br />

schwer angegriffen. Es kommt<br />

noch einiges dazu: Sie verdienen<br />

weniger, haben weniger Ersparnisse,<br />

unsichere Jobs, gleichzeitig hängt die<br />

Sorgearbeit innerhalb der Familie an<br />

ihnen: Wenn sie nun an Long Covid<br />

leiden, bricht das alles über ihnen zusammen.“<br />

10<br />

FRAUENFRAGEN


FRAUEN,<br />

die uns 2021 bewegt haben<br />

und uns (auch) <strong>2022</strong> begleiten werden<br />

Höchstleistungen und Durchhaltevermögen in Wissenschaft und Sport,<br />

Furchtlosigkeit und in Journalismus und Kirchenpolitik: Dafür stehen diese Vier<br />

VON ISABELLE DE BORTOLI<br />

1. ÖZLEM TÜRECI<br />

Wissenschaftlerin,<br />

Gründerin von BioNTech<br />

„Es funktioniert – es funktioniert<br />

fantastisch.“ Es war dieser Anruf,<br />

der nicht nur das Leben von Özlem<br />

Türeci und Ugur Sahin veränderte<br />

– sondern das von Millionen<br />

Menschen auf der ganzen<br />

Welt. Denn was da funktionierte,<br />

war der von Türeci und Sahin mit<br />

ihrem Unternehmen BioNTech<br />

entwickelte Impfstoff gegen das<br />

Corona-Virus. Und das bedeutete:<br />

der langersehnte Ausweg aus der<br />

Pandemie war endlich da. Und<br />

zuvor noch nahezu unbekannt,<br />

wurden die beiden Mediziner<br />

Özlem Türeci und Ugur Sahin<br />

weltweit gefeiert. Özlem Türeci<br />

(54) ist medizinischer Vorstand<br />

von BioNTech, außerdem ist die<br />

Ärztin Privatdozentin an der Johannes<br />

Gutenberg-Universität in<br />

Mainz. Sie kam mit vier Jahren<br />

nach Deutschland, weil ihr Vater,<br />

ein Chirurg, in einem Krankenhaus<br />

in Niedersachsen arbeitete.<br />

Türeci forscht seit mehr als 20<br />

Jahren zur mRNA-Technologie<br />

und leitete bei BioNTech die klinische<br />

Entwicklung des ersten<br />

mRNA-basierten Impfstoffs gegen<br />

COVID-19. Für ihre Leistung erhielt<br />

die Wissenschaftlerin gemeinsam<br />

mit ihrem Mann das<br />

Bundesverdienstkreuz.<br />

2. DEUTSCHE<br />

OLYMPIONIKINNEN<br />

Siegerinnen im Reiten,<br />

Weitsprung, Kajak und Co.<br />

Es waren die Frauen, die in der<br />

deutschen Olympia-Mannschaft<br />

für die Goldmedaillen in Tokio<br />

sorgten: Sieben der zehn Goldmedaillen<br />

wurden von Frauen<br />

gewonnen, wie etwa von Weitspringerin<br />

Malaika Mihambo,<br />

Jessica von Bredow-Werndl im<br />

Dressur-Einzel oder Ricarda Funk<br />

im Kajak-Einer. Dabei stellten die<br />

Frauen mit 175 Sportlerinnen den<br />

kleineren Anteil im deutschen<br />

Team mit insgesamt 432 Olympionikinnen<br />

und Olympioniken.<br />

Schaut man auf das gesamte Start-<br />

Feld, waren die Frauen immerhin<br />

mit 48 Prozent vertreten und<br />

konnten an 20 Wettbewerben<br />

mehr teilnehmen als noch 2016.<br />

3. MARIA RESSA<br />

Journalistin und<br />

Friedensnobelpreis-<br />

Gewinnerin<br />

Für ihren couragierten Kampf für<br />

die Meinungsfreiheit wurde die<br />

philippinische Journalistin Maria<br />

Ressa (58) mit dem Friedensnobelpreis<br />

ausgezeichnet. Ressa<br />

ist Mitbegründerin und Chefin<br />

der Online-Nachrichtenseite<br />

„Rappler“, die in dem südostasiatischen<br />

Land investigativen Journalismus<br />

betreibt. „Ressa hat sich<br />

als furchtlose Verteidigerin der<br />

Meinungsfreiheit erwiesen“, hieß<br />

es zur Begründung vom Nobelkomitee.<br />

Der „Rappler“ fokussiere<br />

seine Berichterstattung auf die<br />

umstrittene tödliche Anti-Drogen-<br />

Kampagne von Präsident Rodrigo<br />

Duterte, deren Opferzahl so hoch<br />

sei, dass sie einem Krieg gegen<br />

die eigene Bevölkerung gleichkomme.<br />

Zugleich dokumentierten<br />

Ressa und Rappler, wie die<br />

sozialen Netzwerke für die Verbreitung<br />

von Falschinformationen<br />

genutzt würden. Gegen Ressa hat<br />

der philippinische Staat etliche<br />

Gerichtsverfahren angestrengt,<br />

wiederholt war sie schikaniert<br />

und verhaftet worden. Die Philippinen<br />

zählen schon lange zu<br />

den gefährlichsten Ländern für<br />

Journalisten. Allein unter Duterte<br />

wurden von 2016 bis Ende 2020<br />

mindestens 19 Journalisten umgebracht.<br />

Maria Ressa ist übrigens<br />

die 18. Frau, die den Friedensnobelpreis<br />

erhalten hat – männliche<br />

Preisträger gibt es hingegen schon<br />

91.<br />

4. IRME STETTER-KARP<br />

Neue Vorsitzende des ZdK<br />

Sie steht seit Mitte November<br />

an der Spitze des höchsten katholischen<br />

Laiengremiums, dem<br />

Zentralkomitee der deutschen Katholiken<br />

(ZdK): Irme Stetter-Karp.<br />

Die Biografie der 65-Jährigen ist<br />

geprägt von ihrem Engagement<br />

im Bistum Rottenburg-Stuttgart,<br />

wo sie vier Jahrzehnte lang wirkte,<br />

etwa als Chefin des BDKJ,<br />

außerdem ist sie Vizepräsidentin<br />

des Deutschen Caritasverbandes.<br />

Als eine der Moderatorinnen des<br />

Synodalen Wegs gilt die gebürtige<br />

Ellwangerin innerkirchlich seit<br />

Jahren als bestens vernetzt.<br />

Die verheiratete Mutter zweier<br />

erwachsener Kinder will weiter<br />

leidenschaftlich für Reformen in<br />

der katholischen Kirche kämpfen,<br />

um mehr Beteiligung und Gleichberechtigung<br />

von Frauen durchzusetzen.<br />

Auch dann, wenn es<br />

mit persönlichen Konsequenzen<br />

verbunden ist. 1999 riskierte sie<br />

den Job, als sie nach dem von<br />

Papst Johannes Paul II. verordneten<br />

Ausstieg aus dem staatlichen<br />

System der Schwangerenberatung<br />

mit anderen prominenten<br />

Katholiken den Verein Donum Vitae<br />

(Geschenk des Lebens) gründete.<br />

Irme Stetter-Karp möchte<br />

die Stimme des ZdK stärken: „Wir<br />

können es uns nicht leisten, uns<br />

ins gesellschaftspolitische Abseits<br />

zu spielen. Vor allen Einzelfragen<br />

ist die Frage der Solidarität in unserer<br />

Gesellschaft zentral. Auch<br />

für die Stabilität unserer Demokratie.“<br />

ZIEMLICH BESTE FRAUEN 11


VERANSTALTUNGS­<br />

TIPPS<br />

von Equal Care bis<br />

Synodaler Weg<br />

Die nächste Synodalversammlung, bei der die kfd mit vier Delegierten<br />

vertreten ist und die über die Zukunft der Katholischen Kirche in<br />

Deutschland mitbestimmen wird, findet vom 3. bis 5. Februar statt.<br />

Flankierend dazu gibt es mehrere Veranstaltungen im Bildungsprogramm<br />

der kfd:<br />

Am 14. und 15. Januar heißt es „Unterwegs auf dem Synodalen<br />

Weg - ein Zwischenhalt". Am 9. März startet eine abendliche Online-Gesprächsreihe<br />

zum Synodalen Weg mit dem Thema „Nicht von<br />

dieser Welt? Oder: Ganz in dieser Welt! Was heißt priesterliche Existenz<br />

heute?''.<br />

Alltagsrassismus begegnet uns leider immer häufiger. Wie kfd-Frauen<br />

diesem begegnen können, wird bei einem Workshop mit dem Titel<br />

„Null Toleranz für Rassismus -was Frauen tun können" vom 4. bis<br />

6. Februar erarbeitet.<br />

Ein wichtiges Thema, das vor allem Frauen betrifft: Die Sorgearbeit,<br />

die sie meist ohne große Anerkennung leisten. Auf die mangelnde Wertschätzung<br />

und unfaire Verteilung von Care-Arbeit weist der „Equal<br />

Care Day" hin, der in Schaltjahren am 29. Februar begangen wird. Die<br />

kfd lädt mit der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands<br />

am 1. März zur Tagung „Care gerecht gestalten" ein.<br />

Mehr unter www.kfd.de/bildungsangebote<br />

Jetzt auch mit<br />

Zugang zum<br />

Digital-Angebot!<br />

Neue<br />

<strong>Ausgabe</strong><br />

--<br />

DieMita b<br />

_ ~···-.L.!!ferin<br />

DIE MITARBEITERIN<br />

HELFEN - DER DIENST<br />

AM NÄCHSTEN<br />

Hilfsbereitschaft hält unsere Gesellschaft<br />

zusammen und kann sich in vielen Formen<br />

zeigen: in praktischer Unterstützung,<br />

einem offenen Ohr oder einem lieben<br />

Wort. Ohne gegenseitige Hilfe wäre unser<br />

Leben um einiges ärmer. Lesen Sie in<br />

der neuen „Mitarbeiterin" mehr über die<br />

Kunst des Helfens - und warum es dazugehört,<br />

Hilfe auch annehmen zu können.<br />

Weitere Themen der aktuellen <strong>Ausgabe</strong>:<br />

• Vergiss mein nicht!<br />

Ein Wortgottesdienst für Menschen mit<br />

und ohne Demenz<br />

• Segenswerkstatt zum Jahresanfang<br />

• Kabarett für die kfd-Bühne<br />

• ... und weitere spannende Themen<br />

ABO-SERVICE: Dijana Galzina<br />

Tel. 021144992-34<br />

E-Mail: abo@kfd.de<br />

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