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Schönbächler, Patrick - Tabak und Rauchgenuss in der Waldstatt Einsiedeln (25-Jahr-Jubiläum Cigarrenverein Wüstensöhne), Einsiedeln 2017 (red)

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<strong>Tabak</strong> <strong>und</strong> <strong>Rauchgenuss</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln<br />

Festschrift zum <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>», E<strong>in</strong>siedeln (1993-2018)<br />

1


Impressum<br />

Diese Schrift erschien anlässlich des <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong>s des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong><br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>», E<strong>in</strong>siedeln.<br />

Redaktion/Text:<br />

Korrektorat:<br />

Satz/Druck:<br />

Verlag:<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

Edgar Käl<strong>in</strong><br />

Franz Käl<strong>in</strong> AG, E<strong>in</strong>siedeln<br />

Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>», CH-8840 E<strong>in</strong>siedeln<br />

E<strong>in</strong>siedeln <strong>2017</strong><br />

ISBN 978-3-033-06432-4<br />

www.wuestensoehne.ch<br />

2


1. Vorwort<br />

Als Präsident des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» erfüllt es mich mit<br />

grossem Stolz, Ihnen die Festschrift zum Anlass unseres <strong>25</strong>-jährigen <strong>Jubiläum</strong>s<br />

übereignen zu dürfen. Sie werden sich sicher fragen: Warum e<strong>in</strong> Buch über<br />

das Rauchen? Warum gibt es noch Vere<strong>in</strong>e, die solcherlei heute noch<br />

propagieren?<br />

Die «<strong>Wüstensöhne</strong>» haben ihren Vere<strong>in</strong>szweck bewusst unter die Schirmherrschaft<br />

des Genusses gestellt <strong>und</strong> diesen stets gesamtheitlich verstanden:<br />

Fre<strong>und</strong>schaft, Geselligkeit <strong>und</strong> Lebensfreude s<strong>in</strong>d dabei die elementaren<br />

Werte, die es auch heute noch zu verteidigen gilt. E<strong>in</strong>e edle Cigarre zusammen<br />

mit e<strong>in</strong>em guten Glas Rotwe<strong>in</strong> genossen, dies <strong>in</strong> Gesellschaft mit Gleichges<strong>in</strong>nten,<br />

befreit den Geist <strong>und</strong> entrückt vom Alltag, ist gleichsam Stressbewältigung.<br />

Diese Tatsache haben die Aficionados schon vor <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erten<br />

geschätzt, wie <strong>der</strong> nachfolgende historische Überblick im ersten Teil <strong>der</strong><br />

Festschrift e<strong>in</strong>drucksvoll aufzeigt.<br />

Apropos Historie: Me<strong>in</strong> beson<strong>der</strong>er Dank gebührt unserem hochgeschätzten<br />

Altvater Dr. <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, <strong>der</strong> schon jetzt als E<strong>in</strong>siedler Lokalhistoriker<br />

von Rang e<strong>in</strong>gestuft werden muss. Ohne se<strong>in</strong>e mühsame Kle<strong>in</strong>arbeit <strong>und</strong><br />

se<strong>in</strong>e Liebe zum Detail wäre die Festschrift nie realisiert worden.<br />

Me<strong>in</strong> Dank gebührt aber auch denjenigen, die <strong>in</strong> den vergangenen <strong>25</strong> <strong>Jahr</strong>en<br />

teils unsichtbar im H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> dazu beigetragen haben, dass fast sämtliche<br />

Anlässe des Vere<strong>in</strong>s zu e<strong>in</strong>em Erfolg wurden. Diesen heute nicht Erwähnten<br />

<strong>und</strong> Vergessenen: E<strong>in</strong> herzliches «Vergelt's Gott»!<br />

Aber jetzt ist es an <strong>der</strong> Zeit, sich <strong>in</strong>s Vergnügen zu stürzen. Die Lektüre dieser<br />

Festschrift soll nämlich zweierlei se<strong>in</strong>: lehrreich <strong>und</strong> spannend, wahrsche<strong>in</strong>lich<br />

manchmal auch kurios.<br />

Wer mit alledem nichts anfangen kann, dem empfehle ich, spätestens jetzt <strong>in</strong><br />

Deckung zu gehen. Denn mit K<strong>in</strong>g Edward VII. eröffne ich nun das Feuer:<br />

«Gentlemen, you may smoke!»<br />

Mit rauchigen Grüssen Ihr<br />

Dr. Christoph Lehner<br />

Präsident des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>»<br />

3


2. Gratulation <strong>und</strong> Grusswort des Landammanns<br />

Es gibt Ereignisse, die <strong>in</strong> die Geschichte e<strong>in</strong>gehen. Oftmals ist das we<strong>der</strong><br />

Absicht, noch s<strong>in</strong>d sich die Hauptverantwortlichen dessen bewusst. So<br />

geschehen vor <strong>25</strong> <strong>Jahr</strong>en, am 9. März 1993, als die «<strong>Wüstensöhne</strong>» <strong>in</strong><br />

E<strong>in</strong>siedeln gegründet wurden. Damals, als die Welt noch <strong>in</strong> Ordnung war, das<br />

Rauchen als Teil unserer alpenländischen Identität <strong>und</strong> Kultur anerkannt war,<br />

me<strong>in</strong>te man es mit <strong>der</strong> Gründung dieses für das menschliche Zusammenleben<br />

sehr wichtigen Vere<strong>in</strong>s nur gut. Man wollte <strong>in</strong> bester Absicht dem korrekten,<br />

stilvollen Genussrauchen <strong>der</strong> Cigarren die richtige Plattform bieten <strong>und</strong> damit<br />

e<strong>in</strong>en Gegenpol zum geradezu verschwen<strong>der</strong>ischen, hektischen, herzkreislaufstörenden<br />

Zigarettenrauchen setzen.<br />

Aber dann wurde die Weltgeme<strong>in</strong>schaft auf diese Vere<strong>in</strong>sgründung aufmerksam.<br />

Man befürchtete die def<strong>in</strong>itive Vorherrschaft <strong>der</strong> rauchenden<br />

Bevölkerung. Es ergab sich e<strong>in</strong>e eigentliche Gegenbewegung. In Amerika<br />

ergriffen Anwälte Sammelklagen <strong>und</strong> erlangten millionenschwere<br />

Abgeltungen zu Lasten <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>verarbeiter. In Europa wurde die Gesetzesmasch<strong>in</strong>erie<br />

<strong>in</strong> Bewegung gesetzt. Italien verbot als erstes Land das Rauchen<br />

<strong>in</strong> öffentlichen Lokalen. Weltweit wurden Antiraucherkampagnen gestartet,<br />

mit dem Ergebnis, dass heute die Verpackungen von Raucherwaren auch<br />

Werbeplakate für Monsterfilme se<strong>in</strong> könnten. Die Schweiz als Heimatland <strong>der</strong><br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» kam gewaltig unter Druck <strong>und</strong> musste ebenfalls mit e<strong>in</strong>em<br />

gesetzlichen Verbot nachziehen. Wer hätte das bei <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sgründung<br />

gedacht!<br />

Zum Glück, <strong>und</strong> ich b<strong>in</strong> sehr dankbar dafür, haben die «<strong>Wüstensöhne</strong>» all dem<br />

Druck Stand gehalten. Trotz all den Angriffen <strong>und</strong> Anfe<strong>in</strong>dungen blieben sie<br />

standhaft <strong>und</strong> haben ihre volle Eigenständigkeit bewahrt. Die «<strong>Wüstensöhne</strong>»<br />

verstehen es trotz den heute widrigen Umständen, die Cigarre <strong>in</strong>s rechte Licht<br />

zu rücken. So, wie das <strong>in</strong> <strong>der</strong> Vergangenheit schon an<strong>der</strong>e wichtige<br />

Persönlichkeiten gemacht haben.<br />

Für mich ist wichtig, dass sich die «<strong>Wüstensöhne</strong>» auch <strong>in</strong> Zukunft dafür<br />

e<strong>in</strong>setzen, dass <strong>der</strong> Genuss e<strong>in</strong>er Cigarre möglich bleibt <strong>und</strong> <strong>der</strong> richtige<br />

Umgang geför<strong>der</strong>t wird. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei allen<br />

ehrenamtlich tätigen Vere<strong>in</strong>smitglie<strong>der</strong>n <strong>und</strong> gratuliere ihnen ganz herzlich für<br />

<strong>25</strong> <strong>Jahr</strong>e äusserst erfolgreiche Vere<strong>in</strong>stätigkeit.<br />

Othmar Reichmuth<br />

Landammann Kanton Schwyz<br />

4


3. Gratulation <strong>und</strong> Grusswort des <strong>Tabak</strong>produzenten<br />

Zum <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» entbiete ich<br />

Ihnen me<strong>in</strong>e herzlichsten Glückwünsche. In unserer schnelllebigen Zeit ist<br />

e<strong>in</strong>e Spanne von e<strong>in</strong>em Vierteljahrh<strong>und</strong>ert e<strong>in</strong> bemerkenswerter Abschnitt,<br />

<strong>der</strong> e<strong>in</strong>e beson<strong>der</strong>e Beachtung verdient, umso mehr als im Zentrum Ihrer<br />

Aktivitäten die Cigarre steht, e<strong>in</strong> Genussmittel, das heute nicht mehr ganz<br />

unumstritten ist.<br />

Die Raucher bek<strong>und</strong>en heutzutage e<strong>in</strong>ige Mühe, überhaupt noch e<strong>in</strong>en Platz<br />

zu f<strong>in</strong>den, wo sie sich ungestört ihrem Genuss h<strong>in</strong>geben können. Dabei gehört<br />

die Cigarre zu jenen <strong>Tabak</strong>produkten, die unserer Ges<strong>und</strong>heit am wenigsten<br />

abträglich s<strong>in</strong>d.<br />

Es gibt ja e<strong>in</strong>en schönen K<strong>in</strong><strong>der</strong>spruch, den man heute noch kaum laut zu<br />

sagen wagt:<br />

«Alkohol <strong>und</strong> Nikot<strong>in</strong> rafft die halbe Menschheit h<strong>in</strong>,<br />

doch ohne Alkohol <strong>und</strong> Rauch stirbt die an<strong>der</strong>e Hälfte auch.»<br />

Das ist natürlich etwas sarkastisch, aber das gemütliche Zusammense<strong>in</strong><br />

erwachsener Männer (<strong>und</strong> auch Frauen, denn es gibt ja auch «Damenraucherclubs»)<br />

zum Gedankenaustausch <strong>und</strong> zur Pflege <strong>der</strong> Fre<strong>und</strong>schaft<br />

gehört auch zu den bescheidenen Lebensfreuden. Dass wir als Cigarrenfabrikanten<br />

etwas dazu beitragen können, freut uns ganz beson<strong>der</strong>s.<br />

In diesem S<strong>in</strong>ne wünsche ich Ihrem Vere<strong>in</strong> e<strong>in</strong> langes <strong>und</strong> glückliches Leben.<br />

Mit herzlichen Grüssen<br />

He<strong>in</strong>rich Villiger<br />

Villiger Söhne AG<br />

5


4. E<strong>in</strong>leitung<br />

«Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken <strong>und</strong> Dichten. Es ist<br />

auch nur für Müssiggänger, für Menschen, die Langeweile haben, die e<strong>in</strong><br />

Drittel des Lebens verschlafen (…). Aber es liegt auch <strong>in</strong> dem Rauchen e<strong>in</strong>e<br />

arge Unhöflichkeit, e<strong>in</strong>e impert<strong>in</strong>ente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten<br />

die Luft weit <strong>und</strong> breit <strong>und</strong> ersticken jeden honetten Menschen, <strong>der</strong> nicht zu<br />

se<strong>in</strong>er Verteidigung zu rauchen vermag.», so JOHANN WOLFGANG VON GOETHE, <strong>der</strong><br />

entschiedene <strong>Tabak</strong>gegner, gegenüber se<strong>in</strong>em rauchenden Fre<strong>und</strong> Karl Ludwig<br />

von Knebel. 1<br />

Mit <strong>der</strong> vorliegenden Festschrift zum <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> des Cigarrenvere<strong>in</strong>s<br />

<strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» sollen nicht nur die Vorurteile Goethe's wi<strong>der</strong>legt <strong>und</strong><br />

Lügen gestraft, son<strong>der</strong>n auch die nichtsdestotrotz fortwährende Geselligkeit<br />

<strong>der</strong> E<strong>in</strong>siedler Genussraucher hervorgehoben werden. Es ist überdies die<br />

Geschichte e<strong>in</strong>es – ohne Zweifel – kle<strong>in</strong>en <strong>und</strong> unbedeutenden Vere<strong>in</strong>s, <strong>der</strong><br />

zwar dem Zeitgeist zu trotzen vermag, dessen Zukunft jedoch im<br />

<strong>und</strong>urchsichtigen Qualm liegt.<br />

Dies macht es aber gerade <strong>in</strong>teressant, den Vere<strong>in</strong> bereits nach e<strong>in</strong>em Vierteljahrh<strong>und</strong>ert<br />

se<strong>in</strong>es Bestehens vorzustellen <strong>und</strong> für die Nachwelt zu erhalten.<br />

«Darüber s<strong>in</strong>d sämmtliche Raucher e<strong>in</strong>ig, von König Jakob angefangen, bis<br />

herab zu dem letzten Proletarier, dass das Rauchen e<strong>in</strong>e Wonne ist. Es hat<br />

aber auch se<strong>in</strong>e Märtyrer, <strong>und</strong> wir sollten es, wenn auch nicht aus<br />

Überzeugung, so doch schon aus Pietät betreiben.» 2<br />

Die vorliegende Festschrift mag <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em ersten Teil <strong>der</strong> geistigen Erbauung<br />

<strong>und</strong> <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em zweiten Teil <strong>der</strong> gewollten Unterhaltung dienen. Viel Vergnügen.<br />

E<strong>in</strong>siedeln, Oktober <strong>2017</strong><br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

1 Aus EDUARD ENGEL, Die Weisheit Goethes, Leipzig 1921.<br />

2 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 6. Februar 1886.<br />

6


5. E<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e <strong>Tabak</strong>geschichte<br />

5.1 In Amerika besass <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>konsum bei <strong>der</strong> Urbevölkerung e<strong>in</strong>e lange<br />

spirituell-kultische Tradition. In Europa war <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> h<strong>in</strong>gegen, im Gegensatz<br />

zum Alkohol, bis zur frühen Neuzeit unbekannt. Die uns hier <strong>in</strong>teressierende<br />

Geschichte des <strong>Tabak</strong>s <strong>in</strong> Europa begann Ende des 15. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts. Christoph<br />

Kolumbus soll im Zuge se<strong>in</strong>er Entdeckungsfahrten mit <strong>Tabak</strong> <strong>in</strong> Kontakt<br />

gekommen se<strong>in</strong> <strong>und</strong> die <strong>Tabak</strong>pflanze nach 1492 <strong>in</strong> Europa bekannt gemacht<br />

haben. 3 Von 1496 existiert auch e<strong>in</strong>e erste Nachricht des spanischen Mönchs<br />

Roman Pane (ca 1460-1520), <strong>der</strong> Kolumbus auf se<strong>in</strong>er zweiten Fahrt<br />

begleitete, über den <strong>Tabak</strong>, den er auf Santa Dom<strong>in</strong>go kennengelernt hatte. Er<br />

nannte ihn Cohoba <strong>und</strong> beschrieb ihn als W<strong>und</strong>- <strong>und</strong> Religionskraut <strong>der</strong><br />

dortigen Schamanen. Die E<strong>in</strong>geborenen würden ihn aus zweizackigen Pfeifen<br />

rauchen, die sie Tobaco nennen. 4<br />

In den folgenden <strong>Jahr</strong>zehnten fand <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> wie<strong>der</strong>holt Erwähnung <strong>und</strong><br />

Beschreibung als W<strong>und</strong>- <strong>und</strong> berauschendes Kraut. Der Spanier Hernandez de<br />

Oviedo (1478-1557) berichtete <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Historia de las Indias 1538, dass die<br />

Wilden das Rauchen durch die Nase Tabacco machen nennen <strong>und</strong> die<br />

Europäer den <strong>Tabak</strong> gegen die Lustseuche (Syphilis) rauchen. 5<br />

Wann die <strong>Tabak</strong>pflanze dann genau nach Europa kam, ist nicht bekannt. Nach<br />

<strong>der</strong> e<strong>in</strong>en Theorie soll <strong>der</strong> besagte Ramon Pane, <strong>der</strong> <strong>in</strong> Santa Dom<strong>in</strong>go<br />

zurückblieb, die Pflanze um 1496 nach Europa geschickt haben. Nach e<strong>in</strong>er<br />

an<strong>der</strong>en hat Hernandez de Oviedo die ersten <strong>Tabak</strong>samen 15<strong>25</strong> nach Spanien<br />

gebracht. Nach <strong>der</strong> dritten Theorie sollen Samen aus Brasilien 1556 durch den<br />

französischen Mönch André Thevet (1516-1590) nach Europa gekommen<br />

se<strong>in</strong>. 6<br />

Jedenfalls 1558 baute man <strong>Tabak</strong> erstmals <strong>in</strong> Europa, <strong>in</strong> den königlichen<br />

Gärten von Lissabon, an <strong>und</strong> gebrauchte ihn als Arzneimittel. Der 1559-1561 <strong>in</strong><br />

Lissabon weilende französische Gesandte Jean Nicot soll die Pflanze dann<br />

nach Paris gebracht haben <strong>und</strong> wurde zum Namensgeber <strong>der</strong> Pflanze, <strong>der</strong><br />

herba nicotiana, <strong>und</strong> des <strong>in</strong> dieser enthaltenen Wirkstoffes. Bereits um 1564<br />

war auch <strong>der</strong> Zürcher Arzt <strong>und</strong> Professor für Naturgeschichte Konrad Gessner<br />

3 ROBIN BRUNOLD, Geschichte des <strong>Tabak</strong>s im Europa <strong>der</strong> frühen Neuzeit <strong>und</strong> Mo<strong>der</strong>ne, (besucht am <strong>25</strong>.2.<strong>2017</strong>); CÉLINE DURUZ, <strong>Tabak</strong>, <strong>in</strong>: Historisches Lexikon <strong>der</strong><br />

Schweiz (HLS), Version v. 27. Juli 2012, .<br />

4 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 1.<br />

5 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 2.<br />

6 GÜNTHER STAHL, Die E<strong>in</strong>führung des <strong>Tabak</strong>s <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarre <strong>in</strong> Europa, S. 146, <strong>in</strong>: Schweizerisches Archiv für<br />

Volksk<strong>und</strong>e, Band 27 (1926-1927).<br />

7


im Besitz <strong>der</strong> «Heilpflanze» <strong>und</strong> gab dem Botaniker <strong>und</strong> Professor für<br />

Theologie Benedictus Aretius <strong>in</strong> Bern davon Nachricht, <strong>der</strong> die Pflanze aber<br />

bereits kannte <strong>und</strong> <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Garten anbaute. 7 Die K<strong>und</strong>e als Allheilmittel für<br />

viele Beschwerden <strong>und</strong> Krankheiten, verwendet <strong>in</strong> Salben, Pasten <strong>und</strong><br />

T<strong>in</strong>kturen, verbreitete sich für damalige Verhältnisse rasend.<br />

Im dem <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln geborenen Theophrastus<br />

Paracelsus (1493-1541) zugeschriebenen<br />

«Natürlichen Zauber Magaz<strong>in</strong>»,<br />

welches 1771 erschien, wurde<br />

unter «Läuse auf dem Haupt zu tödten,<br />

<strong>und</strong> zu vertreiben» empfohlen: «Nimm<br />

<strong>Tabak</strong>, lege solchen <strong>in</strong> Bier o<strong>der</strong><br />

Branntenwe<strong>in</strong>, tauche die Bürste dare<strong>in</strong>,<br />

<strong>und</strong> wasche dich damit, so werden alle<br />

Läuse <strong>und</strong> Nisse auf dem Kopf vergehen.»<br />

8<br />

Paracelsus um 1540 nach e<strong>in</strong>em Kupferstich<br />

von August<strong>in</strong> Hirschvogel.<br />

5.2 Das Rauchen des <strong>Tabak</strong>s wurde unter <strong>der</strong> Herrschaft des Habsburgers Karl<br />

V., seit 1516 König von Spanien <strong>und</strong> ab 1519 römisch-deutscher König,<br />

1520 letzter vom Papst gekrönter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches,<br />

bekannt. Im Rahmen <strong>der</strong> zahlreichen militärischen Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzungen <strong>der</strong><br />

Spanier, <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e gegen die Franzosen <strong>und</strong> Osmanen, verbreitete sich die<br />

Kenntnis des <strong>Tabak</strong>konsums. 9 «Heutzutage sieht man be<strong>in</strong>ahe alle Seeleute,<br />

die aus Indien o<strong>der</strong> Portugal zurückkehren, kle<strong>in</strong>e Trichter aus Palmblättern<br />

o<strong>der</strong> Stroh verfertigt, im M<strong>und</strong>e führen, an <strong>der</strong>en äussersten Seite zusammengerollte,<br />

zerschnittene <strong>und</strong> getrocknete <strong>Tabak</strong>blätter h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>gesteckt s<strong>in</strong>d (…).<br />

Diese zünden sie mit Feuer an <strong>und</strong> saugen mit offenstehendem M<strong>und</strong> durch<br />

E<strong>in</strong>atmen den Rauch soviel sie können, e<strong>in</strong>. Dabei behaupten sie, dass dies<br />

7 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 2; (besucht am<br />

16.7.<strong>2017</strong>); GÜNTHER STAHL, Die E<strong>in</strong>führung des <strong>Tabak</strong>s <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarre <strong>in</strong> Europa, S. 146 f., <strong>in</strong>: Schweizerisches Archiv für<br />

Volksk<strong>und</strong>e, Band 27 (1926-1927).<br />

8 THEOPHRASTUS PARACELSUS, Natürliches Zauber-Magaz<strong>in</strong>, wor<strong>in</strong>nen als <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Auszug aus dessen Schriften allerley zur<br />

Lust <strong>und</strong> Nuzen, <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e aber auch Oekonomische Künsten, <strong>und</strong> bewährt erf<strong>und</strong>ene Curen an Menschen <strong>und</strong><br />

Vieh enthalten s<strong>in</strong>d, zum allgeme<strong>in</strong>en Nuzen herausgegeben, Frankfurt <strong>und</strong> Leipzig 1771, S. 45.<br />

9 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 3.<br />

8


Hunger <strong>und</strong> Durst beschwichtige, die Kräfte wie<strong>der</strong> herstelle <strong>und</strong> den Geist<br />

erheitere. Sie versichern öfters, dass es das Gehirn mit angenehmer<br />

Trunkenheit zur Ruhe br<strong>in</strong>ge. Nicht etwa schnell macht dieser Rauch trunken<br />

noch verwirrt er durch Frösteln (…), son<strong>der</strong>n er erfüllt durch gewisse äusserst<br />

wohlriechende Dämpfe die Gehirngänge.», so <strong>der</strong> <strong>in</strong> Polen wirkende Zürcher<br />

Arzt <strong>und</strong> Botaniker ANTON SCHNEEBERGER 1579 <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er se<strong>in</strong>er mediz<strong>in</strong>ischen<br />

Schriften. 10<br />

Die Soldaten des Dreissigjährigen Krieges, <strong>der</strong> 1618-1648 <strong>in</strong> Europa tobte,<br />

zunächst vor allem Hollän<strong>der</strong>, Spanier <strong>und</strong> Englän<strong>der</strong>, machten den <strong>Tabak</strong>konsum<br />

bei ihren Durchmärschen dann überall <strong>und</strong> <strong>in</strong> allen Bevölkerungsschichten<br />

bekannt. 11 Die damalige Eidgenossenschaft konnte sich zwar<br />

weitgehend aus diesem Konflikt heraushalten, trotzdem waren auch<br />

Schweizer <strong>und</strong> Schwyzer Reisläufer bzw. Söldner <strong>in</strong> diesen e<strong>in</strong>geb<strong>und</strong>en. Als<br />

solche trugen sie nach ihrer Rückkehr zur Verbreitung des <strong>Tabak</strong>rauchens,<br />

-kauens o<strong>der</strong> -schnupfens bei. 12<br />

Der Schwyzer Historiker THOMAS FASSBIND<br />

(1755-1824) schrieb hierzu, aber <strong>in</strong> zeitlicher<br />

H<strong>in</strong>sicht ungenau: «Der rauch- <strong>und</strong> schnupf<br />

tabak dessen man so viele zentner braucht,<br />

war vorm 18den saecula hier noch ganz<br />

unbekant. So ist e<strong>in</strong>es <strong>und</strong> das an<strong>der</strong>e, bald<br />

das bald diess, von diesem <strong>und</strong> von jenem<br />

aus <strong>der</strong> fremde h<strong>in</strong>e<strong>in</strong> gebracht worden,<br />

dessen man längst gar wohl entbehren<br />

könnte (…).» 13<br />

Die früheste bekannte Darstellung e<strong>in</strong>es Rauchers<br />

im Kanton Schwyz 1695: Initiale e<strong>in</strong>es Gültbriefes<br />

mit wohl Selbstdarstellung des Schreibers Caspar<br />

Hummer. 14<br />

10 E.A. GESSLER, E<strong>in</strong>e Beschreibung <strong>der</strong> Cigarre von 1579, S. 114 f., <strong>in</strong>: Schweizerisches Archiv für Volksk<strong>und</strong>e, Band 24<br />

(1922-1923).<br />

11 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 94; (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>); GÜNTHER STAHL, Die E<strong>in</strong>führung des <strong>Tabak</strong>s <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />

Cigarre <strong>in</strong> Europa, S. 151 f., <strong>in</strong>: Schweizerisches Archiv für Volksk<strong>und</strong>e, Band 27 (1926-1927).<br />

12 ANSELM ZURFLUH, Dreissigjähriger Krieg, <strong>in</strong>: Historisches Lexikon <strong>der</strong> Schweiz (HLS), Version v. 5. März 2015,<br />

; CHRISTINE DOERFEL, Über Nahrungsmittel <strong>und</strong> Hungersnöte von anno<br />

dazumal, S. 20, <strong>in</strong>: Schriften des Vere<strong>in</strong>s fürs Chärnehus, E<strong>in</strong>siedler W<strong>in</strong>ter, E<strong>in</strong>siedeln 1985.<br />

13 JOSEPH TOMAS FASSBIND, Schwyzer Geschichte, Band 1 + 2, bearbeitet von Angela Dettl<strong>in</strong>g, Zürich 2005, S. 713 (fol<br />

165v).<br />

14 STASZ, Gülten Arth, GB Nr. 747.<br />

9


Auch MEINRAD LIENERT (1865-1933) vermerkte <strong>in</strong> «Geschichtliches über die<br />

<strong>Waldstatt</strong>»: «Und kehrten die Reisläufer heim, so waren sie von ungewohnten<br />

Sitten o<strong>der</strong> vielmehr Unsitten <strong>und</strong> <strong>der</strong> Stille ihrer Täler <strong>und</strong> <strong>der</strong> harten<br />

Landarbeit nicht mehr gewohnt.» 15<br />

Laut dem Pfarrer <strong>und</strong> Historiker GABRIEL WALSER (1695-1776) hat <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz<br />

zuerst die Bevölkerung von Appenzell <strong>Tabak</strong> geraucht (1653). 16 Spätestens<br />

1662 muss auch im Land Schwyz geraucht worden se<strong>in</strong>. 17<br />

5.3 Schon früh traten aber Gegner des <strong>Tabak</strong>rauchens auf den Plan <strong>und</strong><br />

prangerten unter an<strong>der</strong>em se<strong>in</strong>en Missbrauch als Genussdroge an. Jakob I.,<br />

König von England, veröffentlichte 1603 mit «Der Rauchgegner o<strong>der</strong> e<strong>in</strong><br />

königliches Scherzstück über den <strong>Tabak</strong>» e<strong>in</strong>e bekannte Streitschrift gegen<br />

den <strong>Tabak</strong>, brachte se<strong>in</strong>e Verachtung gegenüber den «ausschweifenden <strong>und</strong><br />

lie<strong>der</strong>lichen» Rauchern zum Ausdruck <strong>und</strong> bezweifelte dessen mediz<strong>in</strong>ische<br />

Wirkung. London war damals das führende <strong>Tabak</strong>handelszentrum. Se<strong>in</strong><br />

Versuch e<strong>in</strong>es <strong>Tabak</strong>verbots geschah <strong>in</strong> Form von Erhöhungen des<br />

E<strong>in</strong>fuhrzolles um 4000%. Dies jedoch mit <strong>der</strong> Folge, dass die Zahl <strong>der</strong> legalen<br />

Importe sank <strong>und</strong> mit ihnen auch die königlichen E<strong>in</strong>nahmen. Stattdessen<br />

wuchs <strong>der</strong> Schmuggel, die Ware wurde gestreckt, <strong>und</strong> <strong>der</strong> Konsum stieg weiter<br />

an. 1608 wurden die Zölle darum wie<strong>der</strong> gesenkt <strong>und</strong> die Steuer für den <strong>Tabak</strong><br />

zu e<strong>in</strong>er bedeutsamen königlichen E<strong>in</strong>nahmequelle. Regierende <strong>und</strong> Händler<br />

erkannten fortan, dass sich mit dem <strong>Tabak</strong>handel enorme Geldmengen für<br />

den Staatshaushalt <strong>und</strong> Gew<strong>in</strong>ne erzielen liessen. 18<br />

Ab <strong>der</strong> zweiten Hälfte des 18. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts wurden mit <strong>Tabak</strong>regal <strong>und</strong><br />

-handel <strong>in</strong> zahlreichen Län<strong>der</strong>n staatliche E<strong>in</strong>künfte generiert. 19 Im Kanton<br />

Schwyz war <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>, wie allerd<strong>in</strong>gs an<strong>der</strong>e Warenimporte auch, bereits ab<br />

dem 17. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>ert zu verzollen. 20 Ab etwa 1840 wurde sodann auch<br />

hierzulande e<strong>in</strong>e Consumsteuer für Schnupf- <strong>und</strong> Rauchtabak erhoben. 21<br />

15 MEINRAD LIENERT, Geschichtliches über die <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln, S. 35, <strong>in</strong>: Schriften des Vere<strong>in</strong>s fürs Chärnehus,<br />

Me<strong>in</strong>rad Lienert (1865-1933), E<strong>in</strong>siedeln 1983.<br />

16 GÜNTHER STAHL, Die E<strong>in</strong>führung des <strong>Tabak</strong>s <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarre <strong>in</strong> Europa, S. 152, <strong>in</strong>: Schweizerisches Archiv für<br />

Volksk<strong>und</strong>e, Band 27 (1926-1927).<br />

17 Ratsprotokolle 1638-1666, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, S. 143, STASZ, cod. <strong>25</strong>.<br />

18 (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>).<br />

19 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 35 ff.<br />

20 MARTIN OCHSNER, Schwyz <strong>und</strong> <strong>der</strong> Verkehr über den St. Gotthard, III. Das Schwyzerische Zollwesen, S. 23 f., 62, 99,<br />

101, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, Schwyz 1929.<br />

21 STASZ, Hauptarchiv, Protokolle <strong>der</strong> Kantonsgeme<strong>in</strong>den 1803-1836, Protokolle <strong>der</strong> Bezirksgeme<strong>in</strong>den 1814-1852,<br />

Transkription von Erw<strong>in</strong> Horat, Schwyz 2010, S. 101 (p. 232), 104 (p. 240), 107 (p. 243), 1<strong>25</strong> (p. 268).<br />

10


Auf B<strong>und</strong>esebene entwickelte sich h<strong>in</strong>gegen erst ab 1920 e<strong>in</strong> gemischtes<br />

System aus Steuer <strong>und</strong> Zoll, welches ab 1947 die AHV alimentierte. 22<br />

Auch <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz versuchte man es<br />

zunächst aber mit Verboten, nachdem<br />

sich manche P<strong>red</strong>iger wi<strong>der</strong> das <strong>Tabak</strong>rauchen<br />

ereifert hatten. Dieses wurde<br />

mitunter als e<strong>in</strong> «seelenver<strong>der</strong>bliches<br />

Wesen <strong>und</strong> e<strong>in</strong> unmittelbares Werk des<br />

Teufels» <strong>und</strong> als Sünde bezeichnet, denn<br />

die heilige Schrift sage: «Was aus dem<br />

M<strong>und</strong>e des Menschen ausgeht, das macht<br />

ihn unre<strong>in</strong>, nicht aber das, was zum<br />

M<strong>und</strong>e geht.» Darum sei es h<strong>in</strong>gegen<br />

erlaubt, sich <strong>in</strong> Branntwe<strong>in</strong> zu betr<strong>in</strong>ken. 23<br />

1610-1640, Deutsche Kultur-Bil<strong>der</strong>, Nr. 78, <strong>Tabak</strong>-<br />

Händler. 24<br />

Da die Obrigkeit sich <strong>in</strong> ihrem Territorium als Vertreter<strong>in</strong> Gottes auf Erden <strong>und</strong><br />

als zuständig für die Aufrechterhaltung <strong>der</strong> gottgewollten (tabakfreien)<br />

Gesellschaftsordnung verstand, ergriff sie, um weiteren göttlichen Zorn nach<br />

erfahrenen Schicksalsschlägen abzuwenden, unverzüglich Massnahmen. In<br />

zahlreichen Verordnungen wurden nebst Gotteslästerung <strong>und</strong> Korruption,<br />

übermässigem Essen, Tr<strong>in</strong>ken <strong>und</strong> Tanzen auch das <strong>Tabak</strong>rauchen <strong>und</strong><br />

-schnupfen angeprangert. <strong>25</strong><br />

1661 erg<strong>in</strong>g die Berner Polizeiverordnung, die nach den zehn Geboten<br />

geglie<strong>der</strong>t war. In <strong>der</strong>selben stand das Verbot, <strong>Tabak</strong> zu rauchen, unter <strong>der</strong><br />

Rubrik «Du sollst nicht ehebrechen». Auch wurde e<strong>in</strong> <strong>Tabak</strong>sgericht <strong>in</strong>stalliert,<br />

welches von 1675 – ca. 1750 Bestand hatte. 26<br />

Der Gesessene Schwyzer Landrat verbot am 26. Juni 1662 ebenfalls das<br />

öffentliche «Tr<strong>in</strong>ken» (Rauchen) von <strong>Tabak</strong> <strong>und</strong> bestrafte Zuwi<strong>der</strong>handlungen<br />

mit 2 Gulden Busse. 1675 wurde dieses Verbot erneuert <strong>und</strong> wurden<br />

Verstösse gegen das Verbot, <strong>Tabak</strong> zu verkaufen, mit e<strong>in</strong>er Busse von <strong>25</strong><br />

22 CHRISTOPH MARIA MERKI, Vom Genussmittel zum Suchtmittel, <strong>in</strong>: Neue Zürcher Zeitung v. 6./7. November 1993, S. 23.<br />

23 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 34, 47.<br />

24 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

<strong>25</strong> PHILIPPE BART, Gesellschaftliche Verän<strong>der</strong>ungen <strong>und</strong> Katastrophen, S. 239, <strong>in</strong>: Historischer Vere<strong>in</strong> des Kantons Schwyz<br />

(Hsg.), Geschichte des Kantons Schwyz, Band 3, Herren <strong>und</strong> Bauern, Schwyz 2012.<br />

26 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 33 f.<br />

11


Schill<strong>in</strong>g bestraft. 27 Am 10. Februar 1663 wurde Jacob Späck aus Arth wegen<br />

Fluchens <strong>und</strong> Schwörens zu e<strong>in</strong>em Tag <strong>und</strong> e<strong>in</strong>er Nacht «Turm» bestraft.<br />

Weiter wurde ihm bei zusätzlicher Strafe verboten, We<strong>in</strong>, Most <strong>und</strong> <strong>Tabak</strong> zu<br />

tr<strong>in</strong>ken. 28<br />

In <strong>der</strong> <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln erliess Fürstabt August<strong>in</strong> II. 1674 e<strong>in</strong> Mandat<br />

betreffend Verbot des D<strong>in</strong>gszehrens (auf Pump leben), übermässigen Tr<strong>in</strong>kens,<br />

<strong>Tabak</strong>rauchens <strong>und</strong> Schnupfens. 29<br />

Die Kirche selber verhielt sich <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>frage <strong>in</strong>dessen we<strong>der</strong> e<strong>in</strong>heitlich,<br />

noch konsequent. In Portugal, Spanien <strong>und</strong> Italien zählten die Priester zu den<br />

stärksten Schnupfern. 30 Erneuerte Papst Innocenz XII. noch 1690 den Bann<br />

gegen alle, die <strong>in</strong> <strong>der</strong> St. Peters-Kirche <strong>Tabak</strong> nahmen, hob Papst Benedictus<br />

XIII. diesen auf, weil er sich selbst an den <strong>Tabak</strong> gewöhnt hatte, <strong>und</strong> das<br />

Verbot ke<strong>in</strong>e Wirkung zeigte. 31<br />

Das <strong>Tabak</strong>rauchen war offenbar so verbreitet, dass das Verbot nicht mehr<br />

praktisch durchsetzbar war, fortlaufend relativiert <strong>und</strong> letztlich noch vor allem<br />

zwecks Vermeidung öffentlichen Ärgernisses sowie Brandgefahr aufrecht<br />

erhalten wurde. Die E<strong>in</strong>siedler Feuerverordnung von 1684 legte fest, dass <strong>in</strong><br />

den Gasthäusern ke<strong>in</strong> Gast <strong>Tabak</strong> rauchen dürfe, <strong>und</strong> sollte <strong>der</strong> Wirt dies<br />

dulden, so sollen beide mit <strong>der</strong> gleichen Busse bestraft werden. 32<br />

Am 6. September 1687 beschloss <strong>der</strong> Gesessene Landrat zu Schwyz:<br />

«Schirmer <strong>und</strong> Diener sollend niemand nach sich <strong>in</strong> dass Gottsshauss ziehen,<br />

den <strong>Tabak</strong>h <strong>in</strong> dem Gottsshauss zu tr<strong>in</strong>khen ist selben verbotten.» 33 Gut zwei<br />

<strong>Jahr</strong>e später wurde dieser Beschluss wie folgt präzisiert: «Dess <strong>Tabak</strong>hss<br />

halber ist <strong>und</strong>t soll selbiger an<strong>der</strong>st nit zuo tr<strong>in</strong>khen verbotten se<strong>in</strong>, alss bey<br />

<strong>der</strong> Kirkhen, <strong>in</strong> den Wirthsseüssern <strong>und</strong>t auff dem Platz, auch <strong>in</strong> den Gedmern<br />

<strong>und</strong> Stäuheüsern, dass bey e<strong>in</strong>em Loissthaler zuo Puoss.» 34 Daraus war zu<br />

schliessen, dass das «<strong>Tabak</strong>tr<strong>in</strong>ken» (<strong>Tabak</strong>rauchen) an<strong>der</strong>norts, bspw. auf<br />

dem Schützenhaus von Schwyz, geduldet war. 35 Dies wie<strong>der</strong>um im Gegensatz<br />

27 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1642-1679, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2009, S. 141 (p. 689).<br />

28 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1638-1666, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2009, S. 148 (p. 690).<br />

29 KAE, Summarium Amt A, Fasz. A.LN-A.SO, A.15/312.<br />

30 (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>).<br />

31 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 35.<br />

32 «Feuer! Feuer!», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 16. August 1862.<br />

33 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1680-1689, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2010, S. 157 (p. 332r).<br />

34 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1689-1701, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2010, S. 9 (p. 13r);<br />

MARTIN STYGER, Das Schützenwesen im Lande Schwyz, S. 10, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons<br />

Schwyz, 1906.<br />

35 MARTIN STYGER, Das Schützenwesen im Lande Schwyz, S. 10, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons<br />

Schwyz, 1906.<br />

12


zu E<strong>in</strong>siedeln, wo das <strong>Tabak</strong>rauchen auf dem Schützenhaus wegen zu<br />

besorgen<strong>der</strong> (Schiess-)Gefahr bei 5 Schill<strong>in</strong>g Busse verboten war. 36<br />

Dass diese feuerpolizeilichen Sicherheitsvorkehrungen durchaus ihre Berechtigung<br />

hatten, zeigten beispielhaft zwei Vorfälle: «Die Kösten wegen Reparierung<br />

<strong>der</strong> Feürssprützen, so bey lester Brunst <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lastmath gefroren <strong>und</strong> an<br />

mit ver<strong>der</strong>bt worden, sollen von Herrn Kirchenvogt Ulrich als Eigenthümer<br />

(weil das Unglük allem Ansche<strong>in</strong> nach durch Sorgloosigkeit des <strong>Tabak</strong>rauchens<br />

entstanden) dem Dorfvogt Studiger bezalt werden.» 37 Und im September 1882<br />

konnte man erfahren: «Nachts halb 2 Uhr ist im Armenhaus <strong>in</strong> Ibach <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Wohnstube <strong>der</strong> Männer Feuer ausgebrochen. Dem energischen E<strong>in</strong>greifen <strong>der</strong><br />

Schwestern <strong>und</strong> <strong>der</strong> Bewohner des Armenhauses gelang es nach e<strong>in</strong>igen<br />

Anstrengungen, dem verheerenden Elemente E<strong>in</strong>halt zu thun. Das Feuer<br />

entstand durch das <strong>Tabak</strong>rauchen, <strong>in</strong>dem unvorsichtiger Weise <strong>Tabak</strong>asche <strong>in</strong><br />

die mit Sagmehl gefüllten Spuckgeschirre ausgeleert wurde.» 38<br />

Am 3. März 1712 beschloss <strong>der</strong> Dreifache Landrat <strong>in</strong> Schwyz: «Aldiweilen <strong>der</strong><br />

unanständige Misbruch dess unnöthigen vilfeltigen Tabach Rauchens so weith<br />

erwachssen, dass so wohl Geist- <strong>und</strong> Weltlich, Fründ <strong>und</strong> Heimbsche sich<br />

ergern, dardurch auch nit wenige, ja sehr grosse Gefahr dess Feürss <strong>in</strong><br />

Heüsern <strong>und</strong> s.h. Stählen endtstehn thuet <strong>und</strong> zu vermuoten, dz schon vil<br />

Unglükh deswegen beschechen. Damit danne <strong>in</strong> Zeiten solchen Gefahren<br />

vorgesorget <strong>und</strong> die Misbrüch <strong>und</strong> Unanständigkheit umb etwass<br />

<strong>und</strong>erbrochen werde, alss haben unssere gnedige Herren <strong>und</strong> Obern,<br />

Landtamman, Rhät <strong>und</strong> geme<strong>in</strong>e Landtlüth e<strong>in</strong>es 3 fachen Landtrhatss<br />

mänigklich hiermit gantz wohlme<strong>in</strong>end <strong>und</strong> väterlich erihnern <strong>und</strong> ermahnen<br />

wollen, ihnen <strong>und</strong> an<strong>der</strong>n ehrlichen Lüten vor Schaden zu se<strong>in</strong>, dass man krafft<br />

dis Gebots <strong>und</strong> Verbots <strong>in</strong> den s.h. Stählen <strong>und</strong> an den jenigen Ohrten, so<br />

Gefahr des Feürss erwachssen möchte, man dess Tabach Rauchens sich<br />

müesigen solle. Ess ist auch anbey erkent <strong>und</strong> verboten, dz man allhier auf<br />

dem Platz <strong>und</strong> an den jenigen Ohrten, wo man mit dem hochwürdigen Guoth<br />

Processions Weiss gehet, auch allhier <strong>in</strong> <strong>der</strong> Acht, <strong>in</strong> Wirths- <strong>und</strong> particular<br />

Heüsern, wer <strong>der</strong> auch sei, nit Tabach rauchen solle <strong>und</strong> wer über abmahnen<br />

mit Tabach rauchen fortfahre, von e<strong>in</strong>em solchen die Leüfer fünf Batzen Buos,<br />

so offt ess zu Verschulden kombt, e<strong>in</strong>ziechen sollen. Ess ist auch <strong>in</strong> dem Spital<br />

bey hochoberkheitichem Verboth Tabach zu rauchen mängiklich abgschlagen<br />

<strong>und</strong> ferboten.» 39<br />

36 MARTIN OCHSNER, Das Schiesswesen im alten E<strong>in</strong>siedeln, S. 116, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons<br />

Schwyz, 1901.<br />

37 Beschluss des Wochenrats v. 19. Januar 1773 sowie des Samstagrats v. 30. Januar 1773, <strong>in</strong>: STASZ, Hauptarchiv,<br />

Ratsprotokolle 1772-1774, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2013, S. 43 (p. 129), 46 (p. 139).<br />

38 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 9. September 1882.<br />

39 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1710-1722, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2011, S. 62 (p. 174 f.).<br />

13


1720 erg<strong>in</strong>g auch <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln von den Drei Theilen e<strong>in</strong> Sitten-Mandat, das<br />

u.a. nur noch bestimmte: «8. Soll an heiligen Tägen, Sonn- <strong>und</strong> Feyertagen,<br />

ehe <strong>der</strong> vormittägige Gottesdienst vollendet ist, Niemand auf <strong>der</strong> Kirchstiegen,<br />

Kramgas <strong>und</strong> auf dem Platz Taback rauchen, bey 9 Pf<strong>und</strong> Bus.» 40<br />

1748 ersuchten die E<strong>in</strong>siedler Schuster den Fürstabt Nikolaus selber u.a. um<br />

Schutz <strong>in</strong> folgendem Punkt: «6. Welche auf den Kirchweg <strong>Tabak</strong> rauchet, o<strong>der</strong><br />

ohne Rock <strong>und</strong> Mantel <strong>in</strong> die Kirche kommt, o<strong>der</strong> beym Elesazionsläuten nicht<br />

aufkniet, darfällt um 10 S.» 41<br />

Der Gesessene Landrat <strong>in</strong> Schwyz musste am 3. Juni 1771 erneut bestimmen:<br />

«Und weilen auch <strong>in</strong> Betrachtung gezogen werden, das offtermahlen<br />

gefährliche Brunsten wegen sorglosem Tabac rauchen entstanden; als ist<br />

erkent worden, das solle publiciert werden, das niemand <strong>in</strong> Stählen old<br />

Scheüren Tabac rauchen, zumahlen auch nächtlicher Weis niemand ohne<br />

verdektes Liecht <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Lanternen <strong>in</strong> Stähl <strong>und</strong> Gädmer o<strong>der</strong> abgelegene<br />

Gefahr beorgende Ohrt gehen solle bey zwey Dublen Bus <strong>und</strong> Ersatz des<br />

Schaden, so daraus ensprunge. Es solle auch niemand <strong>in</strong> die Sust zu Brunnen<br />

mit Tabac rauchen, zumahlen auch des Nachts mit offnem Liecht bey obeiger<br />

Straff h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>zugehen.» 42<br />

S.a. MARTIN DETTLING, Schwyzerische Chronik o<strong>der</strong> Denkwürdigkeiten des Kantons Schwyz, Schwyz 1860, S. 92.<br />

40 KAE, A.DE-01.20.<br />

41 KAE, A.IE.13.<br />

42 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1771-1772, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2013, S. 49 (p. 133).<br />

14


Und auch zur öffentlichen Ordnung f<strong>in</strong>det sich am 21. Juli 1780 e<strong>in</strong> weiterer<br />

Beschluss des Samstagrats <strong>in</strong> Schwyz: «Es solle ausgekündt werden, das<br />

während denen vormittägig als nachmittägigen Processionen niemand unter<br />

dem Bogen sich bef<strong>in</strong>den <strong>und</strong> Tabac rauchen old Hut aufhaben solle.» 43<br />

Bereits im <strong>Jahr</strong> 1811 wurde aber ernüchtert zur Kenntnis genommen:<br />

«Überhaupt nimmt seitdem das <strong>Tabak</strong>srauchen, ungeachtet aller Verbote des<br />

öffentlichen Rauchens auf Strassen, so zu, dass es sich wohl <strong>der</strong> Mühe<br />

verlohnte, e<strong>in</strong> Mal genau zu berechnen, wie viel an <strong>Tabak</strong> jährlich nur <strong>in</strong><br />

Deutschland verbraucht würde. Auch wäre diess <strong>der</strong> schicklichste Beweis<br />

dafür, dass alle policeilichen Verordnungen gegen den <strong>Tabak</strong> bis jetzt nur dazu<br />

gedient haben, den Verbrauch desselben zu vermehren; es müsste denn<br />

jemanden e<strong>in</strong>fallen, zu behaupten, auf <strong>der</strong> Strasse zu rauchen, sey<br />

feuergefährlicher, als <strong>in</strong> den Stuben, auf Böden, <strong>in</strong> Kammer usw. Verbote,<br />

<strong>der</strong>en Gr<strong>und</strong> man nicht e<strong>in</strong>sehen kann, reizen nur noch mehr, e<strong>in</strong>e Sache zu<br />

thun, die man ausserdem lassen würde. So glauben wir auch, dass das<br />

<strong>Tabak</strong>srauchen nach <strong>und</strong> nach ger<strong>in</strong>ger werden würde, wenn man von Seiten<br />

<strong>der</strong> Policei nicht mehr hemmend e<strong>in</strong>schreiten wollte.» 44<br />

5.4 Der erste Anbau von <strong>Tabak</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz erfolgte 1686 bei Basel sowie im<br />

Tess<strong>in</strong>. Nachdem Bern den <strong>Tabak</strong>konsum zunächst erfolglos verboten hatte,<br />

entschied sich <strong>der</strong> Kanton 1719 den <strong>Tabak</strong>anbau <strong>in</strong> <strong>der</strong> Broye-Ebene sogar zu<br />

för<strong>der</strong>n, <strong>und</strong> 1723 vor Importen zu schützen. 1726 gründeten Bürger von<br />

Payerne die ersten <strong>Tabak</strong>betriebe, -fabriken <strong>und</strong> -läden, um den Inlandmarkt<br />

zu versorgen, <strong>und</strong> Schweizer <strong>Tabak</strong> zu exportieren. 45<br />

H<strong>und</strong>ert <strong>Jahr</strong>e später wurde nach wie vor vor allem im Nordwesten <strong>der</strong><br />

Schweiz <strong>Tabak</strong> angebaut <strong>und</strong> bestanden mittlerweilen bedeutende <strong>Tabak</strong>fabriken<br />

<strong>in</strong> Basel, Murten, Bulle, Bern, Nydau <strong>und</strong> Lugano. 46<br />

Weitere h<strong>und</strong>ert <strong>Jahr</strong>e später, 1937, vere<strong>in</strong>igten sich 4'075 <strong>Tabak</strong>bauern im<br />

Verband schweizerischer <strong>Tabak</strong>pflanzer. Während des zweiten Weltkrieges<br />

verdoppelte sich die Anbaufläche auf 1'472 ha. Die e<strong>in</strong>heimische Produktion<br />

vermochte damit 24% des Bedarfs <strong>der</strong> Schweizer Raucher abzudecken. 47<br />

43 STASZ, Hauptarchiv, Ratsprotokolle 1779-1781, Transkription von Peter In<strong>der</strong>bitz<strong>in</strong>, Schwyz 2014, S. 132 (p. 392).<br />

44 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 37.<br />

45 CÉLINE DURUZ, <strong>Tabak</strong>, <strong>in</strong>: Historisches Lexikon <strong>der</strong> Schweiz (HLS), Version v. 27. Juli 2012, ; FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 34.<br />

46 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 65.<br />

47 CÉLINE DURUZ, <strong>Tabak</strong>, <strong>in</strong>: Historisches Lexikon <strong>der</strong> Schweiz (HLS), Version v. 27. Juli 2012, .<br />

15


Die «Stumpen<strong>in</strong>dustrie» <strong>in</strong> den<br />

1940/50er-<strong>Jahr</strong>en <strong>und</strong> <strong>der</strong> e<strong>in</strong>heimische<br />

<strong>Tabak</strong> (nach se<strong>in</strong>em Hauptanbaugebiet<br />

<strong>und</strong> wegen se<strong>in</strong>er ursprünglich<br />

ungenügenden Qualität despektierlich<br />

«Murtenchabis» genannt) wurden<br />

vom B<strong>und</strong> lange protektioniert. 48<br />

Inserat im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 28. August<br />

1970.<br />

Der Schwyzer Zollrodel <strong>in</strong> Immensee listete 1696 <strong>Tabak</strong>importe aus Italien<br />

sowie kistenweise <strong>Tabak</strong>pfeifen auf. 49 Der Zolltarif, <strong>der</strong> auch <strong>in</strong> Arth <strong>und</strong><br />

Sch<strong>in</strong>dellegi zum Zuge kam, war beim leichtgewichtigen <strong>Tabak</strong> per Zentner<br />

<strong>und</strong> <strong>Tabak</strong>pfeifen per Kiste geschuldet, 50 was gewisse Rückschlüsse auf die<br />

jeweils importierten Quantitäten erlaubt. Den Schwyzer Frühmesser AUGUSTIN<br />

SCHIBIG (1766-1846) bewog es jedenfalls zur Kritik, dass die Schwyzer zu viele<br />

Sachen für teures Geld importieren, anstatt selber zu produzieren, so u.a.<br />

«überflüssige Luxusgüter» wie <strong>Tabak</strong>, Kaffee o<strong>der</strong> We<strong>in</strong>. 51<br />

Diese Luxusgüter waren begehrte Ware. Schlecht erg<strong>in</strong>g es dabei dem Michael<br />

N. von Arth, welcher am 5. März 1754 auf <strong>der</strong> Weidhuob <strong>in</strong> Schwyz mit dem<br />

Schwert h<strong>in</strong>gerichtet wurde, weil er «zu Bellenz bei Nachtzeit 2 Ballen<br />

Kaufmannsgüter eröffnet <strong>und</strong> e<strong>in</strong>ige Pf<strong>und</strong> <strong>Tabak</strong> daraus entwendet hatte». 52<br />

48 CHRISTOPH MARIA MERKI, Vom Genussmittel zum Suchtmittel, <strong>in</strong>: Neue Zürcher Zeitung v. 6./7. November 1993, S. 23.<br />

49 MARTIN OCHSNER, Schwyz <strong>und</strong> <strong>der</strong> Verkehr über den St. Gotthard, III. Das Schwyzerische Zollwesen, S. 23 f., 62, <strong>in</strong>:<br />

Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, Schwyz 1929.<br />

50 MARTIN OCHSNER, Schwyz <strong>und</strong> <strong>der</strong> Verkehr über den St. Gotthard, III. Das Schwyzerische Zollwesen, S. 23 f., 62, 99,<br />

101, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, Schwyz 1929.<br />

51 KARL KÄLIN, Lebenswelten <strong>und</strong> Alltag, S. 181, <strong>in</strong>: Geschichte des Kantons Schwyz, Kultur <strong>und</strong> Lebenswelten (1712-<br />

2010), Band 6, Schwyz 2012.<br />

52 MARTIN DETTLING, Schwyzerische Chronik o<strong>der</strong> Denkwürdigkeiten des Kantons Schwyz, Schwyz 1860, S. 365.<br />

16


Um 1800 wurde fast auf <strong>der</strong> ganzen Welt – von Süd- <strong>und</strong> Nordamerika, von<br />

Europa über Indien bis Asien – <strong>Tabak</strong> angebaut. 53 Bis um 1789 soll <strong>der</strong> beste<br />

Rauchtabak von Dünkirchen aus geliefert worden se<strong>in</strong> <strong>und</strong> aus ⅘ amerikanischen<br />

<strong>und</strong> ⅕ holländischen Blättern bestanden haben. Unter an<strong>der</strong>en<br />

Län<strong>der</strong>n wurde auch die Schweiz mit diesem versorgt. 54 E<strong>in</strong>e Bestätigung<br />

f<strong>in</strong>det solches – <strong>und</strong> gleichzeitig e<strong>in</strong>en H<strong>in</strong>weis auf die Tücken des Transports –<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Bestellbrief <strong>der</strong> im «Raben» domizilierten E<strong>in</strong>siedler Geschäfts<strong>in</strong>haber<br />

A. Kael<strong>in</strong> & A. Kael<strong>in</strong> Sohn v. 19. September 1836 an den Händler<br />

I. Duhser <strong>in</strong> Schwyz: «Der letztgesandte Taback ist bedeutend besser, als <strong>der</strong><br />

frühere, welcher durch die Hitze e<strong>in</strong>en so wi<strong>der</strong>igen Geruch erhalten hatte,<br />

dass ihm me<strong>in</strong>e K<strong>und</strong>en nicht mehr [mehres] wollten. Seien Sie gefl. besorgt,<br />

dass Ihre Stampfer<strong>in</strong> mir nur e<strong>in</strong>e gute untadelhaft Waren verpacke, damit die<br />

früher errungenen Lorbeeren nicht verloren gehen. Haben Sie ke<strong>in</strong>en Hollän<strong>der</strong>taback<br />

von dunkeler Farbe, wenn ja, so legen Sie 5 W je Muster bei. (…).» 55<br />

Teils wurde <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> hierzulande auch weiterverarbeitet. In E<strong>in</strong>siedeln baute<br />

das Stift 1787 die Klostermühle <strong>und</strong> -säge neu auf <strong>und</strong> brachte 1788 unter <strong>der</strong><br />

Säge noch e<strong>in</strong>e <strong>Tabak</strong>stampfe an. 56<br />

Für 1789 ist e<strong>in</strong>e zweite <strong>Tabak</strong>stampfe von Joseph Mathias Leonz Benziger<br />

(1751-1809) an <strong>der</strong> Mühlematte bekannt. Es dürfte dies die Stelle des Hauses<br />

zum «Stampf» am Wänibach gewesen se<strong>in</strong>, wo sich seit 1966 <strong>der</strong> Coop<br />

bef<strong>in</strong>det. 57 Bis <strong>in</strong> die 1850er-<strong>Jahr</strong>en existierte e<strong>in</strong>e dritte <strong>Tabak</strong>stampfe von<br />

Landammann Karl Benziger im Rabennest, die «ihre Wohlgerüche<br />

verbreitete». 58<br />

Der Zürcher Geograf <strong>und</strong> Historiker GEROLD MEYER VON KNONAU (1804-1858)<br />

berichtete 1835 von <strong>Tabak</strong>stampfen auch im Bezirk Schwyz sowie von vier<br />

<strong>Tabak</strong>srapiren an <strong>der</strong> Alp <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln, 59 von welchen drei wohl die<br />

obgenannten s<strong>in</strong>d. M<strong>in</strong>destens 1853 müssen von diesen noch zwei<br />

<strong>Tabak</strong>srapiren <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln existiert haben. 60 MARTIN GYR bezeichnet die<br />

53 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 34 ff.<br />

54 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 60.<br />

55 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, E<strong>in</strong>siedeln.<br />

56 ODILO RINGHOLZ, B<strong>in</strong>zen, S. 32, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, Schwyz 1907.<br />

57 B. L.-S., Beiträge zur Geschichte <strong>der</strong> Benziger von E<strong>in</strong>siedeln <strong>und</strong> <strong>der</strong> ersten Buchdruckerei im Dorfe, <strong>in</strong>: Das alte<br />

E<strong>in</strong>sidlen Nr. 28, Beilage zum E<strong>in</strong>siedler Anzeiger v. 15. April 1969.<br />

58 ODILO RINGHOLZ, B<strong>in</strong>zen, S. 34, <strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, Schwyz 1907; KARL J.<br />

BENZIGER, Geschichte <strong>der</strong> Familie Benziger von E<strong>in</strong>siedeln, New York/C<strong>in</strong>c<strong>in</strong>nati/Chicago 1923, S. 79; Handel <strong>und</strong><br />

Wandel <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln, <strong>in</strong>: Son<strong>der</strong>beilage E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger 1909.<br />

59 GEROLD MEYER VON KNONAU, Historisch-geographisch-statistisches Gemälde <strong>der</strong> Schweiz, fünftes Heft, <strong>der</strong> Kanton<br />

Schwyz, St. Gallen <strong>und</strong> Bern 1835, S. 136.<br />

60 WERNER OECHSLIN/ANJA BUSCHOW OECHSLIN, Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Neue Ausgabe III.II, E<strong>in</strong>siedeln II,<br />

Bern 2003, S. 85 f.<br />

17


<strong>Tabak</strong>stampfe <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em 1935 erschienenen Werk «E<strong>in</strong>siedler Volksbräuche»<br />

als erloschenen Kle<strong>in</strong><strong>in</strong>dustriezweig. 61<br />

Die Klostermühle <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Aufnahme um 1930; 1788 Standort <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>stampfe des Stifts. 62<br />

Mit <strong>Tabak</strong>stampfe <strong>und</strong> <strong>Tabak</strong>srapire wird <strong>der</strong> selbe Vorgang, nämlich das<br />

Zerkle<strong>in</strong>ern <strong>und</strong> Zerreiben <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>blätter beschrieben. 63 Damit ist auch<br />

bereits gesagt, was <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln hergestellt wurde: Schnupf- <strong>und</strong> Pfeifentabak.<br />

Die Herstellung desselben hatte bis dah<strong>in</strong> bereits verschiedene Schritte<br />

durchlaufen: Anbau, Sortieren <strong>und</strong> Entrippen <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>sblätter, Plätten,<br />

Beizen <strong>und</strong> Auslaugen sowie Gären, Rösten, Färben, Sp<strong>in</strong>nen, Schneiden,<br />

Formen <strong>in</strong> Carotten o<strong>der</strong> Pressen <strong>und</strong> Verpacken. In E<strong>in</strong>siedeln angekommen<br />

wurde er gestampft, gemahlen, gesiebt, angefeuchtet <strong>und</strong> gemischt sowie<br />

eventuell noch e<strong>in</strong>mal gegärt. 64<br />

61 MARTIN GYR, E<strong>in</strong>siedler Volksbräuche, E<strong>in</strong>siedeln 1935, S. 133.<br />

62 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

63 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 201 ff.<br />

64 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch-<br />

18


Zur <strong>Tabak</strong>stampfe <strong>in</strong> <strong>der</strong> Mühlematte am Wänibach heisst es: «In dieser<br />

wurde aus <strong>Tabak</strong>blättern <strong>und</strong> an<strong>der</strong>n Gewürzkräutern Schnupftabak<br />

fabriziert.» 65 Der <strong>Tabak</strong> wurde <strong>in</strong> verschiedenen Stadien regelmässig<br />

– entwe<strong>der</strong> um ihm e<strong>in</strong>en beson<strong>der</strong>en Geruch zu geben o<strong>der</strong> den schlechten<br />

desselben zu verdecken, je nach Belieben o<strong>der</strong> halt Notwendigkeit – mit<br />

wohlriechenden Zusätzen versehen bzw. <strong>in</strong> Form von entsprechenden<br />

Flüssigkeiten, mit welchen man ihn e<strong>in</strong>sprengt o<strong>der</strong> tränkt, «gebeizt». Als<br />

«vorzüglichste» kamen zur Anwendung: Wasser, Kalien, Pottasche, Natron,<br />

Ammoniak, Menschenharn, Zitronen- <strong>und</strong> Apfelsaft, Salze, Salpeter, Kalkerde,<br />

Zucker o<strong>der</strong> Sirup, Wachol<strong>der</strong>beeren, Rosenblätter, Fenchel, Hol<strong>und</strong>er, Safran<br />

<strong>und</strong> Zimt, Nelkenwurz <strong>und</strong> Vanille, Angelikawurzel, Lavendel <strong>und</strong> Lorbeeröl<br />

usw. 66 Indessen galt es Acht zu geben, hiess es doch bereits zu Beg<strong>in</strong>n des 19.<br />

<strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts, dass «<strong>der</strong> Betrug wohl nirgends so häufig vorkomt, als bei<br />

Zubereitung des <strong>Tabak</strong>s, welchen Kaufleute durch allerhand Saucen (Brühen)<br />

das Ansehen <strong>und</strong> den Geruch des guten, zum grossen Schaden des rauchenden<br />

Publikums, zu geben verstehen». 67<br />

War übrigens ke<strong>in</strong> <strong>Tabak</strong> verfügbar o<strong>der</strong> konnte <strong>und</strong> wollte man sich diesen<br />

nicht leisten, wurden seit jeher allenorts auch Ersatzmittel geraucht. Als<br />

solche waren um 1830 bekannt: Kartoffel-, Walnuss-, Runkelrüben-, L<strong>in</strong>den-,<br />

Sonnenblumen- <strong>und</strong> Rosskastanienblätter, <strong>in</strong> Afrika auch Hanfblätter <strong>und</strong><br />

sogar Elefantenkot sowie <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz, um Chamonix, Arnikablätter. 68<br />

«Sowie es Menschen gibt, die den h<strong>und</strong>sgeme<strong>in</strong>en Kartoffelfusel tr<strong>in</strong>ken, so<br />

gibt es Ungeheuer, die Alles auf <strong>der</strong> Welt rauchen, wenn es nur brennt <strong>und</strong><br />

Rauch von sich gibt (…).» 69<br />

Wie im ganzen süddeutschen Raum <strong>und</strong> <strong>in</strong> Österreich war bei Buben auch <strong>in</strong><br />

E<strong>in</strong>siedeln bis <strong>in</strong> die 1980er-<strong>Jahr</strong>e das «Nielä-Rauchen» beliebt, das Rauchen<br />

des trockenen Stengels <strong>der</strong> gewöhnlichen Waldrebe. 70 Bekannt war<br />

hierzulande früher auch das Rauchen <strong>der</strong> getrockneten «Chilbibluem»<br />

(R<strong>in</strong>gelblume) sowie von Torfabraum <strong>und</strong> -mull («Turpegüsel»). 71 Mehr <strong>in</strong> die<br />

Kategorie Bestrafung zu zählen ist die folgende Anekdote aus <strong>der</strong> ersten Hälfte<br />

<strong>und</strong> Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 130 ff.<br />

65 B. L.-S., Beiträge zur Geschichte <strong>der</strong> Benziger von E<strong>in</strong>siedeln <strong>und</strong> <strong>der</strong> ersten Buchdruckerei im Dorfe, <strong>in</strong>: Das alte<br />

E<strong>in</strong>sidlen Nr. 28, Beilage zum E<strong>in</strong>siedler Anzeiger v. 15. April 1969.<br />

66 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 119 ff., 132.<br />

67 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 5.<br />

68 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 93 f.<br />

69 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 6. Februar 1886.<br />

70 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 201, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln<br />

2013; (besucht am 19.7.<strong>2017</strong>).<br />

71 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 71, 283, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

19


des 20. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts: «Zwei Buben <strong>der</strong> 6. Primarklasse wurden beim<br />

Stumpenrauchen ertappt. Beide mussten vor den Augen des Lehrers Baptist<br />

Lienert e<strong>in</strong> Meerrohrstäble<strong>in</strong> [gleichzeitig Rohrstock <strong>der</strong> Erzieher] mit Butz <strong>und</strong><br />

Stiel abrauchen, bis sie sich ergaben.» 72<br />

5.5 Zu Beg<strong>in</strong>n des 17. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts äusserte e<strong>in</strong> Zeitgenosse zur Art des<br />

damaligen <strong>Tabak</strong>konsum: «(D)ie Gewohnheit, <strong>Tabak</strong> zu tr<strong>in</strong>ken [= rauchen],<br />

(habe sich) <strong>der</strong>massen ausgebreitet, dass ke<strong>in</strong> Bauernhaus <strong>in</strong> Deutschland,<br />

dar<strong>in</strong>nen sich nicht e<strong>in</strong>e <strong>Tabak</strong>spfeife f<strong>in</strong>det. Theils schmauchen den <strong>Tabak</strong>;<br />

theils fressen den <strong>Tabak</strong>; theils schnupfen den <strong>Tabak</strong>, also dass es zu<br />

verw<strong>und</strong>ern, warum sich noch ke<strong>in</strong>er gef<strong>und</strong>en, <strong>der</strong> ihn <strong>in</strong> die Ohren<br />

gesteckt.» 73<br />

Konsumierten bereits die amerikanischen Ure<strong>in</strong>wohner den <strong>Tabak</strong> unterschiedlich,<br />

so war dies auch <strong>in</strong> Europa <strong>der</strong> Fall. Die ursprünglich gebräuchlichste<br />

Form des Rauchens war jedoch die <strong>Tabak</strong>spfeife. Hierzu verwendete<br />

man <strong>in</strong> <strong>der</strong> Regel Tonmodelle, Meerschaum- <strong>und</strong> Bernste<strong>in</strong>pfeifen, bemalte<br />

Porzellankopf- <strong>und</strong> Heidekrautwurzelpfeifen. Schnupftabak genoss vor allem<br />

im 18. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>ert grosse Popularität. 74<br />

Das <strong>Tabak</strong>kauen blieb h<strong>in</strong>gegen e<strong>in</strong>e Ran<strong>der</strong>sche<strong>in</strong>ung <strong>und</strong> wurde teils aus<br />

mediz<strong>in</strong>ischen (Re<strong>in</strong>igung <strong>der</strong> Zähne, Heilung von Skorbut, L<strong>in</strong><strong>der</strong>ung von<br />

Zahnweh) 75 o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en, konkreten Beweggründen gemacht (bspw aus<br />

Sicherheitsgründen von Seeleuten auf hölzernen Segelschiffen) 76 .<br />

Das Rauchen von Cigarren fand <strong>in</strong> Europa erst ab dem Ende des 18. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts<br />

Verbreitung. 77 Der <strong>Tabak</strong>fabrikant Schottmann <strong>in</strong> Hamburg soll 1788<br />

als Erster Cigarren gefertigt haben. 78<br />

Zigaretten, ursprünglich <strong>in</strong> Papier gewickelte <strong>Tabak</strong>reste <strong>in</strong> französischen<br />

Cigarrenfabriken für dortige Arbeiter<strong>in</strong>nen, kamen schliesslich erst ab 1850<br />

auf <strong>und</strong> dom<strong>in</strong>ierten aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> masch<strong>in</strong>ellen Verarbeitung, <strong>der</strong> damit<br />

verb<strong>und</strong>enen Massenproduktion <strong>und</strong> des niedrigen Preises den <strong>Tabak</strong>konsum<br />

72 MARTIN GYR, Schwyzer Volkstum, E<strong>in</strong>siedeln 1955, S. 119.<br />

73 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 8.<br />

74 (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>).<br />

75 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 92.<br />

76 (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>).<br />

77 (besucht am 18.7.<strong>2017</strong>).<br />

78 JOHANN CARL LEUCHS, Vollständige <strong>Tabak</strong>-K<strong>und</strong>e, o<strong>der</strong> wissenschaftlich-praktische Anleitung zur Bereitung des Rauch<strong>und</strong><br />

Schnupftabaks <strong>und</strong> <strong>der</strong> Cigarren, Nürnberg 1830, S. 65, 142.<br />

20


ab dem ersten Weltkrieg <strong>und</strong> im 20. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>ert. 79 Der Siegeszug <strong>der</strong>selben<br />

lag mitunter dar<strong>in</strong>, dass diese im Rauchtempo an das allgeme<strong>in</strong> stark<br />

beschleunigte Tempo <strong>der</strong> Mo<strong>der</strong>ne (Arbeit, Essen, Reisen) angepasst waren. 80<br />

<strong>Tabak</strong> «tr<strong>in</strong>ken» bzw. rauchen me<strong>in</strong>t das Inhalieren von <strong>Tabak</strong>rauch <strong>und</strong><br />

betrifft hauptsächlich Zigaretten. Pfeifen <strong>und</strong> Cigarren werden dagegen <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Regel «gepafft». 81<br />

Im Kanton Schwyz dürfte von Anbeg<strong>in</strong>n das Pfeifenrauchen dom<strong>in</strong>iert haben.<br />

Dies ist zum e<strong>in</strong>en aus <strong>der</strong> obgenannten Art <strong>der</strong> Rauchverbote <strong>und</strong><br />

-e<strong>in</strong>schränkungen zu schliessen. Zum an<strong>der</strong>en aus vorhandenen historischen<br />

Quellen <strong>und</strong> Anekdoten, welche das Rauchen im Alltag thematisieren:<br />

• Zur Volks- <strong>und</strong> Late<strong>in</strong>schule <strong>der</strong> <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln bis zur Helvetik schrieb<br />

MARTIN OCHSNER: «(...) die <strong>Tabak</strong>spfeiffe an e<strong>in</strong>em dem K<strong>in</strong>ne nach gekrümmten<br />

kurzen, o<strong>der</strong> 4-6 Zoll langen schurgeraden Rohre, mit den Stockzähnen<br />

angebissen, <strong>und</strong> mit zweifacher Kette wohl behangen <strong>und</strong> geziert. - So setzt<br />

sich <strong>der</strong> Erzieher wohlbedacht auf se<strong>in</strong>en Meister-Stuhl <strong>und</strong> lässt – feurig o<strong>der</strong><br />

gemachlich nach se<strong>in</strong>em Charakter – den Cathechismus o<strong>der</strong> das ABC, die<br />

Jungens hersagen, <strong>in</strong>dem wird se<strong>in</strong> angerauchter <strong>Tabak</strong> veraschet.» 82<br />

• Aus <strong>der</strong> Zeit <strong>der</strong> Helvetik existiert die Sage des «spottenden Franzosen»:<br />

«Man erzählt gar oft das Schicksal e<strong>in</strong>es französischen Soldaten zur<br />

Revolutionszeit 1798. Dieser trieb se<strong>in</strong> Gespött beim Grossen Herrgott (dem<br />

Kruzifix, <strong>der</strong> heute an <strong>der</strong> Chorapsis <strong>der</strong> Friedhofkapelle hängt). Er g<strong>in</strong>g soweit,<br />

stieg ans Kreuz h<strong>in</strong>auf <strong>und</strong> steckte dem Christusbild se<strong>in</strong>e <strong>Tabak</strong>spfeife <strong>in</strong> den<br />

M<strong>und</strong>, fiel h<strong>in</strong>unter, war tot <strong>und</strong> schwarz über <strong>und</strong> über.» 83<br />

• Nachdem die Franzosen sich 1799 dann e<strong>in</strong> erstes Mal aus E<strong>in</strong>siedeln<br />

zurückgezogen hatten, <strong>und</strong> die Österreicher e<strong>in</strong>marschierten, war mit diesen<br />

– so e<strong>in</strong> damaliger Augenzeuge – auch <strong>der</strong> bekannte Kapuz<strong>in</strong>erpater Paul<br />

Styger <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln e<strong>in</strong>getroffen. Mit <strong>Tabak</strong>spfeife im M<strong>und</strong> soll er sich <strong>in</strong> die<br />

Klosterkirche begeben haben, wo er am provisorischen Muttergottesaltar (die<br />

Gnadenkapelle war abgebrochen) die heilige Messe nach Reitermanier im<br />

Galopp zelebriert habe. Hierauf habe er sich, die Pfeife weiterh<strong>in</strong> im M<strong>und</strong>, <strong>in</strong>s<br />

79 https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarette> (besucht am 16.7.<strong>2017</strong>).<br />

80 ROBIN BRUNOLD, Geschichte des <strong>Tabak</strong>s im Europa <strong>der</strong> frühen Neuzeit <strong>und</strong> Mo<strong>der</strong>ne, (besucht am <strong>25</strong>.2.<strong>2017</strong>).<br />

81 (besucht am 4.8.<strong>2017</strong>).<br />

82 MARTIN OCHSNER, Die Volks- <strong>und</strong> Late<strong>in</strong>schule <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln bis zur Helvetik, S. 24 f., <strong>in</strong>: Mitteilungen des<br />

historischen Vere<strong>in</strong>s des Kantons Schwyz, 1897.<br />

83 WERNERKARL KÄLIN, Sagen aus E<strong>in</strong>siedeln <strong>und</strong> Umgebung <strong>und</strong> ihr Sammler J.M. Ochsner, <strong>in</strong>: Das alte E<strong>in</strong>sidlen, Nr. 24,<br />

E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 1. Oktober 1968.<br />

21


Wirtshaus «Sonne» zurückbegeben, um sich mit se<strong>in</strong>en Genossen beim<br />

lustigen Schmause zu laben. 84<br />

• Der E<strong>in</strong>siedler Schlossermeister KONRAD STUDERUS (1882-1973) schwelgte <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>en Jugen<strong>der</strong><strong>in</strong>nerungen als wan<strong>der</strong>n<strong>der</strong> Handwerksbursche um 1900:<br />

«(...) Da entdeckten wir e<strong>in</strong>en <strong>Tabak</strong>laden <strong>in</strong> dessen Schaufenster <strong>Tabak</strong>pfeifen<br />

ausgestellt waren <strong>und</strong> zwar das Stück zu 45 Pfennig. E<strong>in</strong> Päckle<strong>in</strong> <strong>Tabak</strong><br />

kostete nur 10 Pfennig. Also e<strong>in</strong>igten wir uns, diese Kostbarkeiten zu erstehen.<br />

Zwei Pfeifen à 45 Pfennig, dazu zwei Päckli <strong>Tabak</strong> à 10 Pfennig, macht genau<br />

1 Mark 10 Pfennig. Also waren wir unsere ganze Barschaft los, dafür aber<br />

glückliche Besitzer e<strong>in</strong>er <strong>Tabak</strong>pfeife. Pfeife schmauchend <strong>und</strong> mit uns <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />

ganzen Welt zufrieden, tippelten wir nun wie<strong>der</strong> weiter. Probleme, wie: wo<br />

werden wir morgen essen <strong>und</strong> wo werde ich schlafen, gab es für uns nicht.<br />

(…).» 85<br />

Bauern mit Schwyzer-Pfyffli um 1920 <strong>in</strong> <strong>der</strong> Wäni. 86<br />

Zum Pfeifenrauchen schrieb MARTIN GYR: «Unsere Bauern rauchen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Regel<br />

den groben Rollentabak, die sog. ‹Schweizerrollen›, die sie mit dem ‹Hegl› auf<br />

dem Tisch schnetzeln. Sie stopfen damit das Schwyzerpfyffli, am liebsten das<br />

84 DOMINIK STEINAUER, Geschichte des Freistaates Schwyz, erster Band, E<strong>in</strong>siedeln 1861, S. 306.<br />

85 KONRAD STUDERUS, Gesellenleben – Wan<strong>der</strong>leben von anno dazumal, <strong>in</strong>: Das alte E<strong>in</strong>sidlen, Nr. 18, E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger<br />

v. 23. Januar 1968.<br />

86 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

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gebogene, das im Gegensatz zu <strong>der</strong> Pfeife mit dem geraden Stiel, sogar bei <strong>der</strong><br />

Arbeit bequem im M<strong>und</strong>w<strong>in</strong>kel sitzt. (…) Der alte ‹Baksack› aus Weissle<strong>der</strong>,<br />

den man selten mehr sieht, war aus 3 Taschen zusammengesetzt. E<strong>in</strong>e Tasche<br />

nahm den <strong>Tabak</strong>, die an<strong>der</strong>e den Feuerste<strong>in</strong> <strong>und</strong> Zündschläger, die dritte den<br />

Z<strong>und</strong>el auf.» 87<br />

«Es ist mir schier, wenn's mir nicht im Maul hängt, es fehle mir e<strong>in</strong> Stück vom<br />

Kopf <strong>und</strong> es sei nur halbwegs Tag.», sagte <strong>der</strong> auf e<strong>in</strong>em Melkstuhl hockende,<br />

mit dem Käsbrecher wirkende Älpler se<strong>in</strong>em Vetter, dem <strong>Waldstatt</strong>dichter<br />

Me<strong>in</strong>rad Lienert. 88<br />

Namentlich als wohl erster bekannter Schnupfer <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln dürfte Giacomo<br />

Girolamo Casanova de Se<strong>in</strong>galt gelten. In se<strong>in</strong>en Memoiren beschrieb er<br />

nämlich, wie er bei se<strong>in</strong>em Besuch im Kloster E<strong>in</strong>siedeln 1760 se<strong>in</strong>e Schnupftabakdose<br />

(«la tabatière») hervorzog <strong>und</strong> diese dem Fürstabt präsentierte. 89<br />

Im Volk war das «Bakschnupfe» bis um 1890 stark verbreitet. Nicht umsonst<br />

behauptet hier das Nastuch immer noch se<strong>in</strong>en bodenständigen Namen. Es<br />

heisst nämlich «Schnupftuoch». Die alten Bauern <strong>und</strong> Bäuer<strong>in</strong>nen schnupften<br />

den schwarzen Schwyzertabak, den sie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er rechteckigen Horndose,<br />

genannt «Bakbuote» (von frz. boîte, Schachtel), auf sich trugen.“ 90<br />

«Also ‹Sebeli› steck d'Nase dri, <strong>und</strong> nimm ä Prisä, <strong>und</strong> gib auch därvou i<br />

disä.» 91<br />

Bekannt ist, dass unter Abt Cölest<strong>in</strong> Müller um 1840 an dessen Namenstag<br />

sowie desjenigen des Dekans je<strong>der</strong> Bru<strong>der</strong> e<strong>in</strong> halbes Pf<strong>und</strong> Schnupftabak<br />

erhielt. 92 Dies vermochte <strong>in</strong>dessen P. Thomas Bruh<strong>in</strong> (1835-1895) nicht davon<br />

abzuhalten, das Stift E<strong>in</strong>siedeln 1869 zu verlassen <strong>und</strong> später <strong>in</strong> Basel e<strong>in</strong>en<br />

Cigarrenladen zu führen. 93<br />

Die «alten E<strong>in</strong>siedler» (geme<strong>in</strong>t diejenigen um 1850) seien Liebhaber <strong>der</strong><br />

edlen Schnupferei gewesen. Wo <strong>in</strong>dessen heute (1909) e<strong>in</strong>er schnupfte, da<br />

taten es vor 50 <strong>Jahr</strong>en wenigstens zehn. So sei auch die Existenz <strong>der</strong> beiden<br />

letzten <strong>Tabak</strong>stampfen erklärbar gewesen. 94 Der beschriebene Rückgang <strong>der</strong><br />

87 MARTIN GYR, E<strong>in</strong>siedler Volksbräuche, E<strong>in</strong>siedeln 1935, S. 27.<br />

88 MEINRAD LIENERT, selber passionierter Pfeifenraucher, zum «Rauchen» im Feuilleton <strong>der</strong> Neuen Zürcher Zeitung v.<br />

13. Februar 1933 (zit. <strong>in</strong>: KARL HENSLER, Me<strong>in</strong>rad Lienert, Band II, E<strong>in</strong>siedeln 2015, S. 103 ff.).<br />

89 GIACOMO CASANOVA, Mémoires de J. Casanova de Se<strong>in</strong>galt, Nouvelle Édition, Tome quatrième, Edition Garnier Frères,<br />

Paris 1880, Chapitre IX.<br />

90 MARTIN GYR, E<strong>in</strong>siedler Volksbräuche, E<strong>in</strong>siedeln 1935, S. 28.<br />

91 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 15. Dezember 1883. So die Auffor<strong>der</strong>ung des damaligen Grosser Genossenschreibers an e<strong>in</strong>e<br />

«alte Jungfer» zu mehr Gelassenheit.<br />

92 RUDOLPH HENGGELER, Geschichte des Klosters E<strong>in</strong>siedeln, Typoskript, KAE, A.16/1, S. 907.<br />

93 RUDOLPH HENGGELER, Professbuch <strong>der</strong> fürstlichen Benedikt<strong>in</strong>erabtei U.L. Frau zu E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln 1934, S. 553.<br />

94 Handel <strong>und</strong> Wandel <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln, <strong>in</strong>: Son<strong>der</strong>beilage E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger 1909.<br />

23


Schnupferei hiess aber nicht, dass die E<strong>in</strong>siedler weniger <strong>Tabak</strong> konsumiert<br />

hätten. Im Gegenteil.<br />

Schon 1863 fanden sich im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger wie<strong>der</strong>holt Inserate für<br />

Havanna-, Hamburger-, Bremer- <strong>und</strong> Hollän<strong>der</strong>-Cigarren. Das Gasthaus «zum<br />

Pokal» («Franziskaner») warb an Aschermittwoch 1872 mit «alten Cigarren».<br />

Inserat im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 10. Februar 1872. Stierenaugen <strong>und</strong> Schabziger <strong>in</strong> Komb<strong>in</strong>ation<br />

mit Cigarren.<br />

Den 1871 <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln e<strong>in</strong>quartierten Bourbaki-Soldaten wurden <strong>Tabak</strong> <strong>und</strong><br />

Cigarren als gern gesehene Geschenke überreicht. 95<br />

Ob Cigarren <strong>und</strong> Stumpen o<strong>der</strong> Pfeife: geraucht wurde bei je<strong>der</strong> sich<br />

bietenden Gelegenheit, öffentlich <strong>und</strong> ohne grosse Rücksichtnahme.<br />

1876 liest man zur Theater-Aufführung «Der Allerweltsvetter» im Chärnehus,<br />

an welchem auch die Musikgesellschaft Konkordia sowie e<strong>in</strong> Streichquartett<br />

mitwirkten: «Noch möchten wir ernstlich die Unsitte rügen, trotz <strong>der</strong> Bitten<br />

<strong>der</strong> Direktion, im Theater zu rauchen. Bei so vollgepfropften Räumen wie dies<br />

bis anh<strong>in</strong> <strong>der</strong> Fall war <strong>und</strong> <strong>der</strong> hiedurch erzeugten, drückenden Hitze, ist<br />

<strong>Tabak</strong>squalm geradezu unerträglich. So viel Rücksichten, namentlich für das<br />

zart besaitete, schöne Geschlecht dürfte man von e<strong>in</strong>em Theaterpublikum mit<br />

Fug <strong>und</strong> Recht verlangen.» 96<br />

Auch die Bezirksgeme<strong>in</strong>deversammlungen, welche <strong>in</strong> <strong>der</strong> damaligen<br />

Schulhaus-Kapelle abgehalten wurden, verliefen <strong>in</strong> gleicher Weise: «Die<br />

Geme<strong>in</strong>de eröffnete Hr. Landammann A. Ochsner mit <strong>der</strong> fre<strong>und</strong>lichen<br />

95 WERNERKARL KÄLIN, E<strong>in</strong>siedeln, lokal- <strong>und</strong> kunstgeschichtliche Aufsätze, E<strong>in</strong>siedeln 1966 ff., S. 40.<br />

96 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 18. Oktober 1876.<br />

24


E<strong>in</strong>ladung, es möchte das Rauchen zu besserer Schonung des neuerrichteten<br />

Altars <strong>und</strong> <strong>der</strong> übrigen Dekorationen <strong>der</strong> Kapelle künftigh<strong>in</strong> unterbleiben,<br />

welcher E<strong>in</strong>ladung <strong>in</strong> loyaler Weise Folge geleistet wurde, so dass<br />

anzunehmen, es werde diese Unsitte für alle Zukunft unterbleiben.» 97<br />

Ke<strong>in</strong>e 10 <strong>Jahr</strong>e später folgte <strong>in</strong>dessen die ernüchternde Bilanz: «Wir haben<br />

schon früher e<strong>in</strong>mal im ‹Anzeiger› auf das Unschickliche o<strong>der</strong> vielmehr auf die<br />

Unsitte des Rauchens <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schulhauskapelle anlässlich <strong>der</strong> Geme<strong>in</strong>deversammlung<br />

aufmerksam gemacht. An <strong>der</strong> letzten Genossengeme<strong>in</strong>de war<br />

das ganze Lokal von e<strong>in</strong>em solchen Rauchqualm erfüllt, dass <strong>der</strong>selbe vielen<br />

Geme<strong>in</strong>debesuchern recht lästig wurde. Noch mehr, die schönen Altarbil<strong>der</strong><br />

werden auf diese Weise ru<strong>in</strong>iert. Die K<strong>in</strong><strong>der</strong>, welche des an<strong>der</strong>n Tages hier<br />

wie<strong>der</strong> dem Gottesdienste beiwohnen müssen, klagen über Unwohlse<strong>in</strong> <strong>und</strong> zu<br />

alldem schickt sich nun e<strong>in</strong>mal das Rauchen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Kapelle nicht. Der<br />

Bezirksrath, <strong>der</strong> über die Lokalitäten zu verfügen hat, sollte das Rauchen bei<br />

den Geme<strong>in</strong>deversammlungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schulhauskapelle für e<strong>in</strong> <strong>und</strong> alle mal<br />

verbieten.» 98<br />

Bereits <strong>in</strong> Bezug auf das frühere Tanzen auf <strong>der</strong> Tanztili im Rathaus schrieb<br />

MARTIN OCHSNER von jeweils «s<strong>in</strong>nbethörendem Lärm, Dunst <strong>und</strong> Qualm». 99<br />

Über die Verkaufsquantitäten <strong>in</strong> Bezug auf die Überhand nehmenden Cigarren<br />

existieren ke<strong>in</strong>e Zahlen. Die konsumierte Menge dürfte <strong>in</strong>dessen hoch<br />

gewesen se<strong>in</strong>. So kaufte bspw. das Gasthaus zum «Biergarten» anno 1927<br />

über 1'000 Brissagos <strong>und</strong> Pedroni-Cigarren e<strong>in</strong>. 100 Im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger<br />

erschienen regelmässig Inserate wie die folgenden:<br />

Inserat im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v.<br />

9. Juni 1883.<br />

Inserat im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 27. Februar<br />

1897. Cigarren im H<strong>und</strong>erter-Pack.<br />

97 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 10. Januar 1883.<br />

98 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 23. März 1892.<br />

99 MARTIN OCHSNER, Volksfeste im alten E<strong>in</strong>siedeln, Vortrag, STASZ, WKK, MO.I.4.<br />

100 Nota Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

<strong>25</strong>


Die Abhängigkeit von <strong>Tabak</strong> versuchte man sich gegen Ende des 19. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts<br />

übrigens auch <strong>in</strong>direkt für «militärische» Zwecke zu Nutze zu<br />

machen: Nachdem die Rekrutenprüfungen zum Teil schlechte Resultate für<br />

den Kanton Schwyz hervorgebracht hatten, beschloss man 1893-1899 die<br />

E<strong>in</strong>richtung e<strong>in</strong>er mehrwöchigen, kasernenartig geführten Straf- o<strong>der</strong><br />

Nachschule, welche die Rekruten mit ungenügenden Noten im «Straftenü»<br />

ohne Messer <strong>und</strong> <strong>Tabak</strong> zu absolvieren hatten. 101<br />

Cigarren als Weihnachts- <strong>und</strong> Neujahrsgeschenke (1883).<br />

Heute nicht mehr vorstellbar ist <strong>der</strong> Umstand, dass <strong>in</strong> Musikproben <strong>der</strong> hiesigen<br />

Feldmusiken <strong>und</strong> <strong>der</strong> «Konkordia», welche <strong>in</strong> den Schulhäusern stattfanden,<br />

noch bis <strong>in</strong> die 1980er-<strong>Jahr</strong>e h<strong>in</strong>e<strong>in</strong> geraucht wurde.<br />

Das <strong>Tabak</strong>kauen war noch bis Ende des letzten <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts bekannt.<br />

«Wahrsche<strong>in</strong>lich ist diese Zimpferlichkeit <strong>der</strong> englischen Ladies Schuld daran,<br />

dass die Männer, da sie auf den <strong>Tabak</strong> nicht verzichten können, sich auf's<br />

<strong>Tabak</strong>kauen verlegt haben <strong>und</strong> auf dem Schiffe <strong>und</strong> im Salon, im<br />

Schauckelstuhl zurückgelehnt, den Plafond vollspucken, <strong>und</strong> wenn sie unter<br />

freiem Himmel an ihrem Prieschen kauen, mit <strong>der</strong> Gewalt e<strong>in</strong>er Armstrong-<br />

Kanone spritzend, vielleicht die Wolken durchlöchern.» 102<br />

Als Dorf-Orig<strong>in</strong>al bekannt war <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln <strong>der</strong> «<strong>Tabak</strong>schigg» bettelnde Gusti<br />

Grätzer (1900-1978). 103 Er soll beim Malermeister Me<strong>in</strong>rad B<strong>in</strong>gisser jeden<br />

Sonntag vorbei gekommen se<strong>in</strong>, um «Schigg» zu holen, denn jener rauchte<br />

Cigarren. Er sei jeweilen auch wie unauffällig auf am Boden liegende<br />

<strong>Tabak</strong>reste getreten <strong>und</strong> habe diese danach vom Schuh abgenommen <strong>und</strong><br />

«geschiggt». 104<br />

101 BEATRICE SUTTER, Bildung 1700-2000, S. 228, <strong>in</strong>: Historischer Vere<strong>in</strong> des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte des<br />

Kantons Schwyz, Band 5, Zürich 2012.<br />

102 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 6. Februar 1886.<br />

103 MARKUS LIENERT, Vo Schnü<strong>der</strong>nä <strong>und</strong> Erwachsnä z E<strong>in</strong>sidlä, 3. A., E<strong>in</strong>siedeln 2012, S. 103.<br />

104 PRAVEEN NIRAGANATHAS, Orig<strong>in</strong>ale – E<strong>in</strong>e Spurensuche <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln, Maturaarbeit, 2016, S. 6 f.<br />

26


Lange befand sich an <strong>der</strong> Pforte <strong>der</strong> Klosterkirche das nebenstehende, wohl aus <strong>der</strong> Zeit um<br />

1880 stammende H<strong>in</strong>weisschild, das sich mitunter an die «<strong>Tabak</strong>schigger» richtete. 105<br />

5.6 <strong>Tabak</strong> <strong>und</strong> Cigarren sowie Zubehör wurden <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln <strong>in</strong> zahlreichen<br />

Spezerei- bzw. «Kolonialwaren»-Geschäften, <strong>in</strong>kl. Gemüsehändler <strong>und</strong><br />

Mercerie-Geschäfte, verkauft.<br />

Inserat im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 4. Juli<br />

1868: «<strong>Tabak</strong>pfeifen» <strong>und</strong> «Cigarenspitzen»<br />

bei J. Schubiger bei <strong>der</strong> Brücke (Haus<br />

zwischen Bahnhofsgebäude <strong>und</strong> «Parpan»,<br />

im Zuge <strong>der</strong> Bahnhofplatzerweiterung<br />

1876 abgebrochen).<br />

105 Sammlung Hugo Käl<strong>in</strong>, Nebikon.<br />

27


Faktura-Briefkopf <strong>der</strong> Witwe Lienert-Schny<strong>der</strong> im «Ste<strong>in</strong>hof» (Mühlestrasse) von 1916. 106<br />

«Colonialwaren» <strong>und</strong> «Käse-Handlung»<br />

mit Verkauf von Cigarren,<br />

Rauch- <strong>und</strong> Schnupftabak von Georg<br />

Schnei<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Traube» an <strong>der</strong><br />

Hauptstrasse um 1890. 107<br />

«Cigarren & <strong>Tabak</strong>»<br />

Das Kolonialwarengeschäft von Stephan<br />

Eberle im Haus «Taube» an <strong>der</strong> Hauptstrasse<br />

um 1904. 108<br />

Im Schaufenster wurde unter an<strong>der</strong>em<br />

sog. Rollentabak schlangenförmig zum<br />

Schneiden ausgestellt.<br />

106 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

107 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

108 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

28


Geschäftsstempel <strong>der</strong> Geschwister Grätzer<br />

zum «Haumesser» anno 1934. 109<br />

Der Vertreter von «Heiri Weber's <strong>Tabak</strong>fabrik»<br />

kündigt 1939 se<strong>in</strong>en Besuch im Kolonialwarengeschäft<br />

von Karl Hensler, «zum Tell», an. 110<br />

Das «<strong>Tabak</strong>-Lädeli» <strong>in</strong> <strong>der</strong> Taubengasse<br />

im <strong>Jahr</strong> 1989. 111<br />

109 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

110 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

111 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

29


5.7 Der <strong>in</strong>tensive <strong>Tabak</strong>konsum <strong>der</strong> E<strong>in</strong>siedler fand auch Nie<strong>der</strong>schlag <strong>in</strong> <strong>der</strong>en<br />

Wortschatz.<br />

Generell war von «Tuubak» <strong>und</strong> von «tuubakä» o<strong>der</strong> «tuubäklä» die Rede. 112<br />

War <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> schlecht sprach man von «Chruut» o<strong>der</strong> «Turpegüsel». 113<br />

Für das Pfeifenrauchen war «baknäblä» gebräuchlich. Die <strong>Tabak</strong>spfeife war<br />

geme<strong>in</strong>h<strong>in</strong> die «Pfiife», die grosse <strong>Tabak</strong>spfeife <strong>der</strong> «Bräämächessel», <strong>der</strong><br />

«Gülläsuuger» die grosse klobige <strong>und</strong> <strong>der</strong> «Chübel» die unförmige. 114<br />

Spöttisch war mitunter auch die Rede von «Süggel» <strong>und</strong> «Sürchel». 115 Den<br />

Putzdraht für die <strong>Tabak</strong>pfeife nannte man «Piifäbutzer», das Werkzeug zum<br />

Auskratzen «Gusli», den Deckel <strong>der</strong> Pfeife «Pfiifäteckel» <strong>und</strong> den <strong>Tabak</strong>sbeutel<br />

«Tuubakseckel». 116<br />

Die r<strong>und</strong>e, gestutzte Cigarre war <strong>der</strong> «Stumpä», scherzhaft auch – zusammen<br />

mit <strong>der</strong> Zigarette – e<strong>in</strong> «Lungäbräüdli» o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> «Nagel». 117 Die Schnupftabakdose<br />

war schliesslich die «Buetä» o<strong>der</strong> «Buutä». 118 Kautabak war <strong>der</strong><br />

«Schigg», hergleitet vom französischen chique. <strong>Tabak</strong> kauen war «schiggä». 119<br />

E<strong>in</strong> «Chämi» o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> «Ruesschämi» war e<strong>in</strong> starker Raucher. 120<br />

5.8 Wie aufgezeigt, hatte <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> seit se<strong>in</strong>em Ersche<strong>in</strong>en <strong>in</strong> Europa stets<br />

se<strong>in</strong>e Gegner. Als man e<strong>in</strong>sah, dass man diesen nicht verbieten konnte,<br />

begnügte man sich mit örtlichen <strong>und</strong> zeitlichen E<strong>in</strong>schränkungen, die sittlich<br />

<strong>und</strong>/o<strong>der</strong> feuerpolizeilich begründet wurden. Man arrangierte sich behördlicherseits,<br />

<strong>in</strong>dem man E<strong>in</strong>fuhr, Verkauf <strong>und</strong> Konsum diversen Abgaben <strong>und</strong><br />

Steuern unterwarf.<br />

112 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 284, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

113 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 83, 283, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

114 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 38, 53, 83, 134, 211, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus<br />

E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

115 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 267, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

116 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 136, 211, 284, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

117 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 181, 199, 265, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus<br />

E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

118 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 59, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln<br />

2013.<br />

119 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 238, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

120 WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 65, 230, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln,<br />

E<strong>in</strong>siedeln 2013.<br />

30


Nachdem <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong> zunächst als mediz<strong>in</strong>isches Allerweltsmittel gepriesen <strong>und</strong><br />

angewandt wurde, kamen doch auch früh Stimmen auf, welche den<br />

ges<strong>und</strong>heitlichen Nutzen <strong>in</strong> Frage stellten <strong>und</strong> schliesslich – bereits zu Beg<strong>in</strong>n<br />

des 19. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts – die Ges<strong>und</strong>heitsschädlichkeit anprangerten. Im<br />

19. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>ert war das Rauchen <strong>in</strong>dessen sozial weitgehend akzeptiert <strong>und</strong><br />

als Mittel zum Ausdruck von Rang, Gelassenheit <strong>und</strong> Überlegenheit positiv<br />

besetzt. 121<br />

1868 konnte man dazu im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger lesen, dass Pariser Vere<strong>in</strong>e für<br />

Frauen-Emancipation über das Rauchen diskutiert hätten, wobei sich die<br />

Versammlung <strong>in</strong> zwei Lager geteilt hätte. «Bei <strong>der</strong> Abstimmung zogen alle<br />

Frauen, die dafür stimmten, e<strong>in</strong>e Cigarre hervor, zündeten sie an <strong>und</strong><br />

verliessen rauchend das Lokal.» 122 Die Cigarre, das bevorzugte <strong>und</strong> typische<br />

Genussmittel des Mannes.<br />

«Man könnte nun fragen, womit<br />

denn das schöne Geschlecht se<strong>in</strong>e<br />

Geruchs- <strong>und</strong> Geschmacksnerven<br />

befriedigt? Die Antwort liegt nahe:<br />

Die Damenwelt liebt die Parfüms<br />

<strong>und</strong> isst öfters als die Männer. Der<br />

stärkere Trieb <strong>der</strong> Männer bedarf<br />

e<strong>in</strong>er anhaltenden Beschäftigung.<br />

So fand er auch für se<strong>in</strong>en<br />

Geschmack <strong>und</strong> Geruch das<br />

<strong>Tabak</strong>kraut.» 123<br />

Der selbe Autor zeigt sich aber<br />

kulant: «Beson<strong>der</strong>s gut macht sich<br />

e<strong>in</strong>e Papier-Zigarette zwischen<br />

schön geschnittenen Lippen. Das<br />

Rauchen gibt den Damen e<strong>in</strong>en<br />

Sche<strong>in</strong> von Emanzipation (…).» 124 Inserat <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Schweizer Illustrierten» Nr. 31<br />

v. 1. August 1934.<br />

121 (besucht am 4.8.<strong>2017</strong>).<br />

122 E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 17. Oktober 1868.<br />

123 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 6. Februar 1886.<br />

124 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v.. 13. Februar 1886.<br />

31


Volkstümliche Bezeichnungen wie «Sargnagl» o<strong>der</strong> «Friedhofsspargel» für<br />

starke Zigaretten, Stumpen, Brissago usw. zeigen, dass die möglichen Folgen<br />

des Rauchens schon früh bekannt waren. 1<strong>25</strong> 1868 wurde wie<strong>der</strong>holt berichtet,<br />

dass man seit e<strong>in</strong>iger Zeit häufig Knaben im Alter von 10-15 <strong>Jahr</strong>en begegne,<br />

die «ganz ungenirt ihre Pfeifen <strong>und</strong> Cigarren <strong>in</strong> ihren oft ungewaschenen<br />

Mäulern tragen <strong>und</strong> rauchen wie <strong>der</strong> älteste Mann. Wäre es da nicht am<br />

Platze, diesem Missbrauch <strong>und</strong> dieser Jugendvergiftung jedesmal bei<br />

Begegnung solcher Knaben mit e<strong>in</strong>er <strong>der</strong>ben Zurechtweisung o<strong>der</strong> wenn es<br />

zulässig wäre, mit e<strong>in</strong>er Maulschelle abzuhelfen?» 126<br />

Der Zigaretten-Automat am Bahnhofkiosk <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln 1957. 127 Am Kiosk selber konnten<br />

auch 2er-Packungen für 20 Rp. gekauft werden.<br />

Als 1962 <strong>der</strong> Zusammenhang zwischen dem <strong>Tabak</strong>rauchen <strong>und</strong> dem Risiko <strong>der</strong><br />

Entwicklung e<strong>in</strong>es Bronchialkarz<strong>in</strong>oms (Lungenkrebs) <strong>und</strong> e<strong>in</strong>er koronaren<br />

Herzkrankheit wissenschaftlich bewiesen werden konnte, kam die Wende. Mit<br />

zunehmen<strong>der</strong> Verbreitung <strong>der</strong> mediz<strong>in</strong>ischen Erkenntnisse über die ge-<br />

1<strong>25</strong> CHRISTOPH MARIA MERKI, Vom Genussmittel zum Suchtmittel, <strong>in</strong>: Neue Zürcher Zeitung v. 6./7. November 1993, S. 23;<br />

s.a. WALTER R. KÄLIN, E<strong>in</strong>siedler Wörterbuch, 2. A., S. 236, <strong>in</strong>: Schriften des Kulturvere<strong>in</strong>s Chärnehus E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedeln<br />

2013.<br />

126 S. E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 9. Mai u. 24. Oktober 1868.<br />

127 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

32


s<strong>und</strong>heitsschädlichen Folgen des Rauchens wendete sich die allgeme<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>schätzung<br />

des Rauchens stark zum Negativen h<strong>in</strong>. Hierzu trug die Formierung<br />

<strong>und</strong> das Lobby<strong>in</strong>g <strong>der</strong> <strong>Tabak</strong>gegner wesentlich bei. Der <strong>Tabak</strong>konsum <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Bevölkerung wurde seither ungefähr halbiert, liegt heute aber immer noch bei<br />

ca <strong>25</strong>% <strong>und</strong> divergiert je nach Geschlecht, Alter <strong>und</strong> sozialen Schichten. 128<br />

«Und <strong>der</strong> Gatte legte das Rauchzeug, ich glaube es war die Zigarette beiseite,<br />

<strong>und</strong> liess den Kopf hängen, wie e<strong>in</strong> Esel, <strong>der</strong> am Haberfeld vorbeigetrieben<br />

wird. Und das war von <strong>der</strong> betreffenden Frau nicht schön, aber dumm. Denn<br />

als sie ihrem Mann das Rauchen versagte, hatte sie ihm mit e<strong>in</strong>em Zug, wie<br />

mit e<strong>in</strong>em Besen, h<strong>und</strong>ert, ja tausend Freudle<strong>in</strong> vom Weg gewischt, die er<br />

noch vor sich gehabt hätte. Und s<strong>in</strong>d es denn nicht die kle<strong>in</strong>en Freuden, die<br />

uns den Weg doch etwas erhellen, wie dem nächtlichen Wan<strong>der</strong>er die Sterne,<br />

wenn ihm die Sonne <strong>und</strong> Mond nicht sche<strong>in</strong>en wollen.» 129<br />

Der <strong>Tabak</strong> wandelte sich im 20. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>ert schliesslich vom gesellschaftlich<br />

akzeptierten <strong>und</strong> allenfalls als «Laster» kritisierten Genussmittel zum krankmachenden<br />

Suchtmittel. 130<br />

In den 1990er-<strong>Jahr</strong>en begannen<br />

je länger je mehr sowohl<br />

Ges<strong>und</strong>heitsorganisationen als<br />

auch <strong>der</strong> Staat zu <strong>in</strong>tervenieren<br />

<strong>und</strong> verlangten e<strong>in</strong>en Schutz vor<br />

Passivrauchen. Es wurde über<br />

Rauchverbote diskutiert, die<br />

<strong>Tabak</strong>steuer wurde erhöht <strong>und</strong><br />

es wurden verschiedene Präventionskampagnen<br />

lanciert<br />

– etwa mit abschreckenden<br />

Bil<strong>der</strong>n auf Zigarettenpackungen.<br />

131<br />

Bekannte E<strong>in</strong>siedler Brissago-Raucher<br />

anno 1986 im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger.<br />

128 (besucht am 4.8.<strong>2017</strong>); CHRISTOPH MARIA MERKI, Vom Genussmittel<br />

zum Suchtmittel, <strong>in</strong>: Neue Zürcher Zeitung v. 6./7. November 1993, S. 23.<br />

129 Der <strong>Waldstatt</strong>dichter MEINRAD LIENERT zum «Rauchen» im Feuilleton <strong>der</strong> Neuen Zürcher Zeitung v. 13. Februar 1933<br />

(zitiert <strong>in</strong>: KARL HENSLER, Me<strong>in</strong>rad Lienert, Band II, E<strong>in</strong>siedeln 2015, S. 103 ff.).<br />

130 CHRISTOPH MARIA MERKI, Vom Genussmittel zum Suchtmittel, <strong>in</strong>: Neue Zürcher Zeitung v. 6./7. November 1993, S. 23.<br />

131 «Kle<strong>in</strong>e Geschichte des Rauchens», Tages-Anzeiger v. 23. März <strong>2017</strong> ( [besucht am 3.9.<strong>2017</strong>]).<br />

33


Ab 11. Dezember 2005 war das Rauchen <strong>in</strong> allen Zügen, Bussen, Schiffen<br />

sowie Bahngebäuden verboten. Man er<strong>in</strong>nert sich mit Wehmut an die<br />

Raucherabteile <strong>der</strong> Südostbahn (SOB) mit ihren rot gepolsterten Sitzbänken, <strong>in</strong><br />

denen jeweils stets noch Platz zum Sitzen war.<br />

Um 1880 waren die Verhältnisse noch so,<br />

dass <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er langen Eisenbahnkomposition<br />

von 15-20 Wagen vielleicht nur e<strong>in</strong>er o<strong>der</strong><br />

zwei für Nichtraucher e<strong>in</strong>gerichtet waren. 132<br />

Später war etwa noch die Hälfte aller<br />

Sitzplätze für Raucher reserviert <strong>und</strong><br />

zwischen 2000 <strong>und</strong> dem endgültigen Aus im<br />

<strong>Jahr</strong> 2005 nur noch r<strong>und</strong> 20 Prozent. Auch<br />

viele Raucher sassen lieber im Nichtraucherabteil<br />

– entwe<strong>der</strong> weil sie mit Nichtrauchern<br />

unterwegs waren, o<strong>der</strong> weil <strong>der</strong><br />

blaue Dunst manchmal buchstäblich atemberaubend<br />

war.<br />

Die Auslastung <strong>in</strong> den Raucherabteilen lag<br />

am Schluss unter <strong>25</strong> Prozent. In jedem Vierer-<br />

Abteil sass also im Durchschnitt nur noch<br />

e<strong>in</strong>e Person. 133<br />

Das Raucher-Abteil <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em SBB-Zug (SRF<br />

Archiv).<br />

Der Schwyzer Kantonsrat erklärte am 20. September 2006 e<strong>in</strong>e Motion zum<br />

Schutz vor Passivrauchen <strong>in</strong> öffentlichen Gebäuden für erheblich. 134 Diese<br />

rannte <strong>in</strong>sofern offene Türen e<strong>in</strong>, als sie durch das B<strong>und</strong>esgesetz zum Schutz<br />

vor Passivrauchen, welches seit 2010 galt, überholt wurde. 135 Dieses verbietet<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich das Rauchen <strong>in</strong> geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich<br />

s<strong>in</strong>d o<strong>der</strong> mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen. Raucherräume durften<br />

e<strong>in</strong>gerichtet werden, sofern sie dicht abgetrennt, ausreichend belüftet <strong>und</strong><br />

beson<strong>der</strong>s gekennzeichnet s<strong>in</strong>d. Darüber h<strong>in</strong>aus darf <strong>in</strong> Gastlokalen unter<br />

80 m² geraucht werden, wenn sie gut belüftet, als Raucherbetrieb gekennzeichnet<br />

<strong>und</strong> von <strong>der</strong> zuständigen Behörde bewilligt s<strong>in</strong>d.<br />

132 S. Neue Zuger Zeitung v. 16. November 1881.<br />

133 Tages-Anzeiger v. 6. Dezember 2015 (<br />

[besucht am 27.8.<strong>2017</strong>]).<br />

134 Protokoll des Schwyzer Kantonsrates 2006, S. 1242.<br />

135 SR 818.31.<br />

34


Ob <strong>der</strong> im Schwyzer Kantonsrat von e<strong>in</strong>em Märchler gemachte H<strong>in</strong>weis auf<br />

«Bräuche, bei denen die Jugendlichen Stumpen rauchen dürfen bis sie<br />

umfallen» 136 zutrifft, muss offen gelassen werden. Er zeigt aber die geführten<br />

Diskussionen im Spannungsverhältnis von fürsorglichen Schutzbestrebungen<br />

<strong>und</strong> freiheitlichem Herkommen po<strong>in</strong>tiert auf. Im Kanton Schwyz wurde dann<br />

letztlich die b<strong>und</strong>esrechtliche M<strong>in</strong>imallösung umgesetzt. 137<br />

Als Raucherlokale waren zwischen 2010 <strong>und</strong> <strong>2017</strong> <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln noch bekannt:<br />

«Biergarten», «Dorfkeller», «Du Nord», «E<strong>in</strong>siedlerstübli», «Elefant»,<br />

«Fischerstube», «Glocken»-Bar, «Grott<strong>in</strong>o 87», «Haumesser», «Hofstatt»-Bar,<br />

«Isebähnli», «Juanito» («St. Johann»), Museum «Fram»-Cafeteria, «Mythenblick»,<br />

«Pöstli», «Rabä Bar» («Schwyzerhüsli»), «Rosengarten», «Santo's Bar»,<br />

«Schmiede», «Shisha-Lounge S<strong>in</strong>dbad» (1. OG «Klostergarten»), «Sihlsee»,<br />

«Twenty-One» («Franziskaner») <strong>und</strong> «<strong>Waldstatt</strong>». In Trachslau das «Tändli». In<br />

Euthal die Kontakt-Bar im Ste<strong>in</strong>bach. 138<br />

Über Raucherräume/Fumoirs verfügten im gleichen Zeitraum: «Drei Könige»,<br />

«L<strong>in</strong>de», «Pfauen», «Schlüssel» (Willerzell) <strong>und</strong> die Vere<strong>in</strong>sbar im 1. OG des<br />

Dorfzentrums. 139<br />

Aufgr<strong>und</strong> des rückläufigen <strong>Tabak</strong>konsums gehen die Zigarettenhersteller<br />

aktuell neue Wege. «In» ist heute das <strong>Tabak</strong>dampfen mit e<strong>in</strong>em <strong>Tabak</strong>dampfgerät<br />

ohne Rauch, Rauchgeruch <strong>und</strong> Asche. Dies entwe<strong>der</strong> mit e<strong>in</strong>er<br />

E-Zigarette 140 o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>er «Ploom TECH, a new state-of-the-art tobacco<br />

vaporizer» 141 .<br />

Auch das <strong>Tabak</strong>schnupfen, wohl weil als sozialverträglicher e<strong>in</strong>gestuft, erfreut<br />

sich seit geraumer Zeit vor allem bei Jungen wie<strong>der</strong> grosser Beliebtheit.<br />

136 Protokoll des Schwyzer Kantonsrates 2009, Votum von KR Dr. Adrian Oberl<strong>in</strong>, S. 605.<br />

137 § 9a Ges<strong>und</strong>heitsgesetz (GesG, SRSZ 571.110); Protokoll des Schwyzer Kantonsrates 2009, S. 604 ff., <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e<br />

mit H<strong>in</strong>weis auch auf das entsprechende Votum des damaligen Präsidenten des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>»,<br />

KR Dr. <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> (S. 606).<br />

138 Mitteilungen des Bezirksrates (), 2010 ff.<br />

139 Mitteilungen des Bezirksrates (), 2010 ff.<br />

140 Die elektrische Zigarette, auch E-Zigarette o<strong>der</strong> elektronische Zigarette genannt, ist e<strong>in</strong> Gerät, das durch e<strong>in</strong>e<br />

elektrisch beheizte Wendel e<strong>in</strong>e Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, zum Verdampfen br<strong>in</strong>gt. Der entstehende Nassdampf<br />

wird vom Konsumenten <strong>in</strong>haliert o<strong>der</strong> gepafft. Im Unterschied zur Zigarette f<strong>in</strong>det ke<strong>in</strong> Verbrennungsprozess<br />

statt ( [besucht am 24.8.<strong>2017</strong>]).<br />

141 «Das technische Kernstück bildet e<strong>in</strong>e Art Verdampfer, <strong>der</strong> e<strong>in</strong>e Flüssigkeit auf lediglich 30 Grad erwärmt. Von dort<br />

strömt <strong>der</strong> gewonnene Dampf durch e<strong>in</strong>e Kapsel mit gemahlenem <strong>Tabak</strong> <strong>und</strong> dann <strong>in</strong> den M<strong>und</strong> des Rauchers. Die<br />

Flüssigkeit im Zwischenstück ist nikot<strong>in</strong>frei <strong>und</strong> darum <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz erlaubt.» (Bote <strong>der</strong> Urschweiz v. 2. August <strong>2017</strong>,<br />

S. 19; [besucht am 24.8.<strong>2017</strong>]).<br />

35


Raucherlokal Restaurant «Du Nord»: «Auch Nichtraucher herzlich willkommen.» 142<br />

Vorläufig «ausgeraucht» an <strong>der</strong> Austr<strong>in</strong>kete <strong>in</strong> <strong>der</strong> «<strong>Waldstatt</strong>» am 31. Oktober 2014. 143<br />

142 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

143 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

36


6. Die Anfänge des Vere<strong>in</strong>s (1993-1995)<br />

6.1 Historisch lässt sich e<strong>in</strong> erster bescheidener Ursprung des Cigarrenvere<strong>in</strong>s<br />

<strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» mit e<strong>in</strong>igem guten Willen auf den 31. August 1685<br />

zurückführen. Gemäss Tagebuch des E<strong>in</strong>siedler Konventuals P. JOSEPH DIETRICH<br />

war auf dem E<strong>in</strong>siedler Verenenmarkt nämlich e<strong>in</strong> Kamel zu sehen, das 1683<br />

bei <strong>der</strong> Belagerung von Wien den Türken abgenommen wurde. Es sei e<strong>in</strong> altes,<br />

unflätiges Tier gewesen, das im Konventgarten e<strong>in</strong> ganzes Apfelbäumchen<br />

geleert habe. 144 Die <strong>Waldstatt</strong> E<strong>in</strong>siedeln war mit dem Orient <strong>in</strong> Kontakt<br />

gekommen.<br />

Der grösste <strong>Tabak</strong>sliebhaber war sodann Friedrich Wilhelm I. (1688-1740),<br />

König von Preussen. Se<strong>in</strong>e liebste Erholung habe er <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em gleich zu Anfange<br />

se<strong>in</strong>er Regierung (ab 1713) gestifteten <strong>Tabak</strong>scollegium gef<strong>und</strong>en, welches<br />

täglich von 5 Uhr des Abends angefangen <strong>und</strong> oft bis Mitternacht <strong>und</strong> noch<br />

länger gedauert habe. 145 Der organisierte <strong>Rauchgenuss</strong> war entstanden.<br />

Mitte des 19. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts tauchte dann an <strong>der</strong> E<strong>in</strong>siedler Fasnacht die<br />

Fasnachtsfigur des «Altvaters» auf, e<strong>in</strong>er «harmlosen Bühnenfigur, Fasson<br />

Rokoko, mit e<strong>in</strong>er langen <strong>Tabak</strong>pfeife im M<strong>und</strong>». «Er knüpft da <strong>und</strong> dort mit<br />

Bekannten e<strong>in</strong> ratspendendes Gespräch an <strong>und</strong> drückt sich dann<br />

geräuschlos.» 146 Der spätere Ehrentitel <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» war geboren.<br />

Der vierte Bezugspunkt bildet München. Die Fasz<strong>in</strong>ation für dessen Bräuche<br />

fand nämlich früh ihren Weg <strong>in</strong> die <strong>Waldstatt</strong>. Bereits 1869 wurden Münchner<br />

Lager-Bier <strong>und</strong> Bock-Würste im «Schlüssel» <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln angeboten:<br />

Soweit <strong>der</strong> historisch gewillkürte, aber existierende Brückenschlag.<br />

144 MAGNUS HELBLING, Diarium des E<strong>in</strong>siedler Conventuals P. Josef Dietrich 1681-1692 unter Fürstabt August<strong>in</strong> Red<strong>in</strong>g,<br />

<strong>in</strong>: Mitteilungen des historischen Vere<strong>in</strong>s, 1913, S. 148.<br />

145 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 48 f.<br />

146 MARTIN GYR, E<strong>in</strong>siedler Volksbräuche, E<strong>in</strong>siedeln 1935, S. 33. Das erst nach 1900 <strong>in</strong> Mode gekommene Brissago-<br />

Rauchen des «Dom<strong>in</strong>o» gehörte ursprünglich nicht zum echten E<strong>in</strong>siedler «Dom<strong>in</strong>o» (Fasnachtsgesellschaft<br />

Goldmäu<strong>der</strong> E<strong>in</strong>siedeln, E<strong>in</strong>siedler Fasnacht / 50 <strong>Jahr</strong>e Goldmäu<strong>der</strong>, E<strong>in</strong>siedeln 1980, S. 34).<br />

37


6.2 Wie stets bei e<strong>in</strong>er Vere<strong>in</strong>sgründung stand auch bei den «<strong>Wüstensöhne</strong>n»<br />

e<strong>in</strong> geselliges <strong>und</strong> kollegiales Beisammense<strong>in</strong> am Anfang. Am 31. Juli 1992<br />

wurde im «Stei» <strong>in</strong> Alpthal e<strong>in</strong> erstes Mal grilliert <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e Davidoff-Cigarre<br />

geraucht. Anwesend waren Christof Stutz, Walter Birchler, Christoph <strong>und</strong><br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>. Am 19. September 1992 folgte – e<strong>in</strong> weiteres Mal – <strong>der</strong><br />

Besuch des Münchner Oktoberfestes, an welchem Benno Käl<strong>in</strong>, Christof Stutz,<br />

Edgar Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> teilnahmen. In <strong>der</strong> Agenda des Letzteren<br />

tauchte dann am Freitag, 18. Dezember 1992 e<strong>in</strong> erstes Mal <strong>der</strong> Vermerk<br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» auf. Angesagt war e<strong>in</strong> kollegiales Treffen <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln. E<strong>in</strong><br />

weiteres solches Treffen folgte am 5. März 1993. Beide damals im<br />

«Schwyzerhüsli».<br />

Anlässlich dieser we<strong>in</strong>- <strong>und</strong> bierseligen sowie tabakgeschwängerten R<strong>und</strong>en<br />

entstand die Idee <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sgründung. Diese fand dann bereits am 9. März<br />

1993 im «Schwyzerhüsli» statt. Als Gründungsmitglie<strong>der</strong> fungierten Benno<br />

Käl<strong>in</strong>, Marco Käl<strong>in</strong>, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> <strong>und</strong> – mit e<strong>in</strong>stündiger, aber entschuldigter<br />

Verspätung – Christof Stutz. Edgar Käl<strong>in</strong> traf aufgr<strong>und</strong> «amouröser<br />

Verwicklungen» h<strong>in</strong>gegen erst M<strong>in</strong>uten nach Versammlungsschluss e<strong>in</strong>.<br />

Besuch des Münchner Oktoberfests am<br />

2. Oktober 1993 (oben v.l.n.r. Benno Käl<strong>in</strong>,<br />

Christof Stutz, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>; rechts<br />

v.l.n.r. <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Benno Käl<strong>in</strong>,<br />

Edgar Käl<strong>in</strong>).<br />

38


Als Vere<strong>in</strong>szweck wurde «das geme<strong>in</strong>same Geniessen von Davidoff-Cigarren<br />

<strong>und</strong> damit zusammenhängend die För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Kommunikation <strong>und</strong><br />

Kollegialität im gleichges<strong>in</strong>nten Kreise» festgelegt. Die Ämter wurden wie folgt<br />

besetzt: Präsident <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Notar Benno Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> Tischbaron<br />

Marco Käl<strong>in</strong>. Das «Schwyzerhüsli» wurde als Vere<strong>in</strong>slokal bestimmt.<br />

E<strong>in</strong> wegweisen<strong>der</strong> Antrag von Christof Stutz, welcher mit Stichentscheid des<br />

Präsidenten angenommen wurde, war das Beehren <strong>der</strong> Gründungsväter des<br />

Vere<strong>in</strong>s mit dem Titel «Altvater», dem – wie oben erwähnt – auch e<strong>in</strong>e<br />

gewisse humorvolle Historie zu Gr<strong>und</strong>e lag. Mit diesem Ehrentitel durften sich<br />

fortan <strong>der</strong> Antragsteller selber sowie <strong>der</strong> Präsident schmücken.<br />

Anlässlich <strong>der</strong> ausserordentlichen Generalversammlung v. 7. Mai 1993 wurde<br />

Edgar Käl<strong>in</strong> als weiteres Mitglied aufgenommen <strong>und</strong> im zweiten Wahlgang als<br />

Zahlmeister gewählt. Auf se<strong>in</strong>en Antrag h<strong>in</strong> stimmte die Versammlung auch<br />

<strong>der</strong> Wahl von Christof Stutz als Rechnungsprüfer zu.<br />

Das erste offizielle Foto <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» anlässlich <strong>der</strong> GV v. 11. Dezember 1993. Vorne<br />

v.l.n.r. Benno Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>; h<strong>in</strong>ten v.l.n.r. Marco Käl<strong>in</strong>, Christof Stutz <strong>und</strong><br />

Edgar Käl<strong>in</strong>.<br />

39


Im Gründungsjahr fanden noch zwei «Wüstenhocks» statt (6. August,<br />

29. Oktober), d.h. gesellige Treffen, bei denen man sich dem Vere<strong>in</strong>szweck<br />

h<strong>in</strong>gab. Die erste ordentliche Generalversammlung wurde am 11. Dezember<br />

1993 im Säli des Hotels «Storchen» abgehalten. Nachdem zuvor über Strafen<br />

wegen Unpünktlichkeit diskutiert wurde, erschienen alle rechtzeitig. Dafür<br />

musste die Versammlung e<strong>in</strong>e Klei<strong>der</strong>rüge aussprechen. Neu wurde das Amt<br />

des Antiquars geschaffen, welches <strong>in</strong>dessen vorerst unbesetzt blieb.<br />

Was über <strong>Jahr</strong>e zunächst nur gemunkelt wurde, erwies sich im Nachh<strong>in</strong>e<strong>in</strong> als<br />

Tatsache: die «<strong>Wüstensöhne</strong>» s<strong>in</strong>d <strong>der</strong> älteste Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz.<br />

6.3 Das zweite Vere<strong>in</strong>sjahr startete turbulent, musste <strong>der</strong> junge Vere<strong>in</strong> im<br />

Januar 1994 doch vom Tod des Cigarrenpapstes Z<strong>in</strong>o Davidoff Kenntnis<br />

nehmen. Der Vorstand kondolierte offiziell. Im ersten Halbjahr fanden noch<br />

drei «Wüstenhocks» im «Klostergarten» (4. März) <strong>und</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Gartenwirtschaft<br />

des «St. Peter» (27. Mai), sowie auf dem Sitzplatz des rauchenden Schwiegervaters<br />

(<strong>in</strong> spe) des Präsidenten an <strong>der</strong> Schlyffistrasse 11 statt (15. Juli). «Die<br />

Steppe erzittert, die Löwen brüllen», hiess es <strong>in</strong> <strong>der</strong> E<strong>in</strong>ladung.<br />

Hoch zu <strong>und</strong> her g<strong>in</strong>g es an <strong>der</strong> legendären<br />

Versammlung vom 26. August 1994 «Im Stei»<br />

<strong>in</strong> Alpthal, nachdem im Vorfeld bereits schriftliche<br />

Korrespondenzen zwischen dem Präsidenten<br />

<strong>und</strong> dem Notar erfolgt waren. Obwohl<br />

ersterer klarstellte, dass mit dem Ehrentitel<br />

ke<strong>in</strong>erlei Privilegierung e<strong>in</strong>her gehe, wurde<br />

dieser auf Antrag des Notars mit knappestmöglichem<br />

Mehr abgeschafft <strong>und</strong> über <strong>in</strong>sgesamt<br />

fünf Anträge wegen Rügen <strong>und</strong> Bussen<br />

diskutiert.<br />

Das Versammlungslokal «Im Stei».<br />

Auch zeichneten sich für die kommende Generalversammlung Kampfwahlen<br />

ab. Teils g<strong>in</strong>gen die Wogen vor dem H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> <strong>der</strong> damals heiss diskutierten<br />

europapolitischen Ausrichtung <strong>der</strong> Schweiz hoch.<br />

Auch die zweite Generalversammlung v. 10. Dezember 1994 fand im Säli des<br />

Hotels «Storchen» statt. Zufolge «Unidentifizierbarkeit mit dem Rauchen von<br />

Cigarren» erklärte Notar Benno Käl<strong>in</strong> se<strong>in</strong>en Rücktritt vom Amt <strong>und</strong> auch<br />

se<strong>in</strong>en Austritt aus dem Vere<strong>in</strong>. Neu konnten Frieda Chicherio, Biberbrugg,<br />

<strong>und</strong> Ralph R<strong>in</strong>gger, Zürich, als Mitglie<strong>der</strong> aufgenommen werden. Dies,<br />

nachdem die Statuten entsprechend geän<strong>der</strong>t wurden, <strong>und</strong> <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> fortan<br />

40


auch Angehörigen des weiblichen Geschlechts offenstand. Ralph R<strong>in</strong>gger<br />

wurde als neuer Notar gewählt <strong>und</strong> Frieda Chicherio als Antiquar<strong>in</strong>. Das viel<br />

diskutierte Rügepr<strong>in</strong>zip wurde abgeschafft <strong>und</strong> – nach dem Cigarrenbrevier<br />

von Z<strong>in</strong>o Davidoff – die Anschaffung e<strong>in</strong>es zweiten Cigarrenbuches <strong>und</strong> e<strong>in</strong><br />

Abonnement des Magaz<strong>in</strong>s «Cigar» beschlossen. Man näherte sich <strong>der</strong><br />

eigentlichen Sache an.<br />

Im Folgejahr 1995 fanden fünf «Wüstenhocks» statt (10. Februar, 7. April,<br />

26. Mai, 12. August, 1. September, 27. Oktober). E<strong>in</strong> erster Vere<strong>in</strong>shöhepunkt<br />

war sodann die Teilnahme an <strong>der</strong> «Smoker Night» <strong>in</strong> Zürich am 13. September<br />

1995. Auch die dritte Generalversammlung v. 23. Dezember 1995 im Hotel<br />

«Post» <strong>in</strong> Biberbrugg sollte nicht ganz ruhig ablaufen. Zunächst beklagte sich<br />

Tischbaron Marco Käl<strong>in</strong> über die mangelnde Toleranz se<strong>in</strong>er Kollegen, weil er<br />

<strong>der</strong>en leeres We<strong>in</strong>glas nicht sofort wie<strong>der</strong> aufgefüllt hatte. Hernach konnte<br />

Pius Marty als neues Mitglied – <strong>und</strong> aufgr<strong>und</strong> se<strong>in</strong>er Verdienste <strong>in</strong> den<br />

Vorjahren <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sgründung als dritter «Altvater» – im Vere<strong>in</strong> willkommen<br />

geheissen werden. Der Vere<strong>in</strong> beschloss die Anschaffung e<strong>in</strong>es Humidors <strong>und</strong><br />

nahm positiv Kenntnis von <strong>der</strong> angeschafften Cigarren-Schere. Auch dem<br />

präsidialen Ans<strong>in</strong>nen, an «Wüstenhocks» Gäste e<strong>in</strong>zuladen sowie selber<br />

«Smoker Nights» durchzuführen, zeigte man sich gewogen. Nachdem <strong>der</strong><br />

Präsident die Generalversammlung geschlossen hatte, eröffnete er diese kurz<br />

darauf wie<strong>der</strong>, <strong>und</strong> beantragte die Wie<strong>der</strong>e<strong>in</strong>führung des Ehrentitels<br />

«Altvater». Diesem Antrag war trotz heftiger Kritik <strong>und</strong> gegenüber dem<br />

Präsidenten geäussertem Vorwurf <strong>der</strong> «Titelgeilheit» mit 3 zu 2 Stimmen<br />

Erfolg beschieden. E<strong>in</strong> Husarenstück des Vorsitzenden, das nicht zuletzt dank<br />

<strong>der</strong> Absenzen von Frieda Chicherio <strong>und</strong> Ralph R<strong>in</strong>gger zustande kam.<br />

7. Die Zeit <strong>der</strong> Smoker-Nights (1996-2006)<br />

7.1 An den «Wüstenhocks» 1996, welche im «Schwyzerhüsli» (16. Februar),<br />

«Wachslicht» (29. März), «Pfauen» (1. Juni), bei Markus Staub (Tierarztpraxis,<br />

Kornhausstrasse 54, 6. Juli) sowie am 4. Oktober stattfanden, stand die<br />

Durchführung e<strong>in</strong>er ersten «Smoker Night» im Mittelpunkt. Es handelte sich<br />

um den «<strong>in</strong> <strong>der</strong> Region E<strong>in</strong>siedeln vor <strong>der</strong> <strong>Jahr</strong>tausendwende wohl<br />

bedeutendsten Anlass», so die E<strong>in</strong>ladung zum 18. Wüstenhock am 23. August<br />

1996.<br />

41


In <strong>der</strong> Tat handelte es sich bei <strong>der</strong> «Smoker Night» v. 19. Oktober 1996 um<br />

den ersten kollektiven Genussraucher-Anlass im Kanton Schwyz. Zum Preis<br />

von Fr. 75.-- wurden e<strong>in</strong> Apéro, e<strong>in</strong> Vier-Gang-Menue sowie e<strong>in</strong>e exzellente<br />

kubanische Cigarre angeboten. Als Gast nahm die Firma Burger Söhne AG,<br />

Burg, teil, welche ihr Cigarrensortiment vorstellte <strong>und</strong> à discrétion anbot,<br />

sowie e<strong>in</strong>en Dia-Vortrag über ihre Cigarrenproduktion <strong>in</strong> Brasilien hielt. Der<br />

Anlass war mit 32 Teilnehmern – trotz gleichzeitiger Konkurrenz mit e<strong>in</strong>em<br />

Hamburger-Wettfressen <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln – ausverkauft <strong>und</strong> machte die «<strong>Wüstensöhne</strong>»<br />

auf e<strong>in</strong>en Schlag bekannt (o<strong>der</strong> berüchtigt).<br />

Im E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 20. August 1996 publizierte <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> folgenden<br />

Beitrag:<br />

42


V.l.n.r. <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Hr. Herzog<br />

(Burger Söhne AG), Josef Theiler.<br />

V.l.n.r. Benno Käl<strong>in</strong>, Edgar Käl<strong>in</strong>, Alois Gmür,<br />

Karl Hensler.<br />

V.l.n.r. Josef <strong>Schönbächler</strong>, Me<strong>in</strong>rad Bisig,<br />

Thomas Bisig, Christian Grätzer.<br />

V.l.n.r. Peter Lerch, Marco Käl<strong>in</strong>, Christoph<br />

Lehner, Rolf Scherrer.<br />

V.l.n.r. Andreas Theiler, Marlen Reichmuth,<br />

Felicia Bettschart, Frieda Chicherio.<br />

Peter Wer<strong>der</strong><br />

Im <strong>Jahr</strong> 1996 folgten danach noch zwei «Wüstenhocks» am <strong>25</strong>. Oktober <strong>und</strong><br />

am 29. November.<br />

43


7.2 Anlässlich <strong>der</strong> 4. Generalversammlung am 13. Dezember 1996 im<br />

«Schwyzerhüsli» konnte mit Christoph Lehner, Teilnehmer an <strong>der</strong> ersten<br />

«Smoker Night», e<strong>in</strong> Neumitglied aufgenommen <strong>und</strong> für das verwaiste Amt<br />

des Notars gewonnen werden.<br />

Dem präsidialen Vorschlag, an den<br />

kommenden «Wüstenhocks» mehr<br />

Cigarren-Tast<strong>in</strong>gs durchzuführen, wurde<br />

e<strong>in</strong>stimmig zugestimmt. Lehnte <strong>der</strong><br />

Vere<strong>in</strong> die unbegrenzte Aufnahme von<br />

Mitglie<strong>der</strong>n ab, so stimmte er <strong>der</strong><br />

Durchführung e<strong>in</strong>er zweiten «Smoker<br />

Night» <strong>und</strong> mit Stichentscheid des<br />

Präsidenten <strong>der</strong> Errichtung e<strong>in</strong>es<br />

«Cigarrenfonds» zu, welcher mit Erträgen<br />

aus den «Smoker Nights» sowie<br />

den hälftigen Mitglie<strong>der</strong>beiträgen gespiesen<br />

werden sollte. Per Stichentscheid<br />

wurde sodann erneut <strong>der</strong><br />

Ehrentitel «Altvater» bestätigt.<br />

Das «Schwyzerhüsli» <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Aufnahme<br />

von 1989. 147<br />

Das <strong>Jahr</strong> 1997 startete am 24. Januar mit e<strong>in</strong>em «Wüstenhock» bei <strong>der</strong><br />

We<strong>in</strong>handlung Paracelsus auf <strong>der</strong> Luegeten. Es folgten noch fünf weitere am<br />

14. März, 30. Mai, am 12. Juli (Grillieren «Im Stei», Alpthal), 13. September<br />

sowie 28. November.<br />

Am 22. August 1997 besuchte man die «Smoker Night ‹Cigar + Kirsch›» <strong>der</strong><br />

Villiger Söhne AG <strong>in</strong> Luzern.<br />

Die am <strong>25</strong>. Oktober 1997 durchgeführte zweite «Smoker Night» im Hotel<br />

«Post» wies bereits 41 Teilnehmer auf. Zu Gast war die Cigarrenfabrik Villiger<br />

Söhne AG, Pfeffikon.<br />

In e<strong>in</strong>em Leserbrief v. 29. August 1997 pries <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> die «Freiheit des<br />

Cigarrenrauchens» <strong>und</strong> warb für den Anlass:<br />

147 Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

44


E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 28. Oktober 1997.<br />

45


7.3 Die fünfte Generalversammlung wurde am 13. Dezember 1997 im<br />

Restaurant «Lustgärtli» durchgeführt. Der Tischbaron beklagte sich über die<br />

«dramatisch abnehmende We<strong>in</strong>qualität» im «Schwyzerhüsli». Es folgte<br />

sodann e<strong>in</strong>e «eher lustlose Diskussion über den Bestand <strong>der</strong> vere<strong>in</strong>seigenen<br />

Cigarrenmagaz<strong>in</strong>e». Der Präsident <strong>und</strong> <strong>der</strong> Rechnungsprüfer monierten das<br />

Fehlen e<strong>in</strong>er doppelten Buchhaltung <strong>und</strong> e<strong>in</strong>en fehlenden «Cigarrenfonds».<br />

Mangels Anwesenheit vermochte sich <strong>der</strong> Zahlmeister nicht zu wehren.<br />

Generell waren die Absenzen e<strong>in</strong>zelner Mitglie<strong>der</strong> e<strong>in</strong> Thema. Für das neu<br />

geschaffene Amt des Cigarrenmeisters wurde Notar Christoph Lehner gewählt.<br />

Als neues Mitglied fand Edgar Fuchs Aufnahme <strong>in</strong> den erlauchten Kreis. Die<br />

statutarisch begrenzte Zahl <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong> wurde auf neu 11 erhöht.<br />

Die 3. «Smoker Night fand am 24. Oktober 1998 erneut im Hotel «Post» <strong>in</strong><br />

Biberbrugg statt. Es nahmen 40 Personen teil. Die Cigarrenfirmen Wellauer &<br />

Co. AG, St. Gallen, sowie Burger Söhne AG («Dannemann»), Burg, stellten ihre<br />

Produkte vor. Zwei Cigarrenroller aus <strong>der</strong> Dom<strong>in</strong>ikanischen Republik<br />

bereicherten den Abend.<br />

E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 27. Oktober 1998<br />

46


7.4 Im Arvenstübli des Hotels «Schiff» fand am 5. Dezember 1998 die sechste<br />

Generalversammlung statt. Diese begann zunächst mit «gehässigen<br />

Diskussionen» über das Protokoll <strong>der</strong> letztjährigen Generalversammlung,<br />

wobei es zu «teilweise tumultartigen Szenen» gekommen sei, so das Protokoll.<br />

Der Zahlmeister verkündete stolz die E<strong>in</strong>führung <strong>der</strong> doppelten Buchhaltung<br />

<strong>und</strong> im Bericht des Präsidenten wurden vier durchgeführte «Wüstenhocks»<br />

(13. Februar, 1. Mai, 19. Juni <strong>und</strong> 18. September) <strong>und</strong> erneut die<br />

durchgeführte «Smoker Night» vermerkt. Neu präsentierten sich die<br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» mit eigener Webseite. Erstmals fand auch Erwähnung, dass<br />

<strong>der</strong> Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» <strong>der</strong> mutmasslich älteste<br />

Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>der</strong> Schweiz sei. Als neues Mitglied konnte – nach e<strong>in</strong>em<br />

erstmalig durchgeführten Hear<strong>in</strong>g – Walter Birchler als «Wüstensohn»<br />

aufgenommen werden. «Dieses edle Prädikat verpflichtet nicht nur, son<strong>der</strong>n<br />

stellt dem Inhaber auch das Zeugnis fe<strong>in</strong>er Lebensart aus.», liest man im<br />

Protokoll. Das Neumitglied wurde sogleich mit <strong>der</strong> Schaffung e<strong>in</strong>es<br />

Vere<strong>in</strong>slogos beauftragt. E<strong>in</strong> weiterer Versuch, den Ehrentitel «Altvater» zu<br />

elim<strong>in</strong>ieren, scheiterte im Diskussionsstadium.<br />

In <strong>der</strong> Januar-Ausgabe (1999) <strong>der</strong> «Schweizer Bank» war <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Kolumne<br />

zum Cigarrenrauchen <strong>und</strong> zu e<strong>in</strong>er «Smoker Night for Ladies only» im Zürcher<br />

Hotel Ascot zu lesen: «Die Herren dürfen sich dafür <strong>in</strong> abenteuerlich<br />

kl<strong>in</strong>genden Clubs, wie <strong>der</strong> ‹Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Wüstensöhne</strong>› <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln<br />

trösten (…).»<br />

Die vierte «Smoker Night» im Hotel «Post» am 16. Oktober 1999 sprengte <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Folge alles Bisherige: 49 Teilnehmer genossen die Cigarren <strong>der</strong> Oett<strong>in</strong>ger<br />

Imex AG, Basel. Die Nebelschwaden sanken bereits kurz nach dem Hauptgang<br />

tief <strong>und</strong> reizten die Augen.<br />

47


Pianist Walter Zehn<strong>der</strong>. V.l.n.r. Roman Kühne, Susanne Theiler,<br />

Franz Käl<strong>in</strong>.<br />

V.l.n.r. Roman Kühne, Josef Theiler, Pius<br />

Marty.<br />

V.l.n.r. Marco Oehri <strong>und</strong> Marlen Reichmuth.<br />

Vorne Nicolas Herzog, h<strong>in</strong>ten Jean-<br />

François Correvon.<br />

Reto Ulrich<br />

48


7.5 Die «<strong>Wüstensöhne</strong>» trafen sich zur 7. ordentlichen Generalversammlung<br />

e<strong>in</strong> weiteres Mal im Restaurant «Lustgärtli», <strong>und</strong> zwar – laut Protokoll – per<br />

Präsidialverfügung erstmals im Folgejahr, am 14. Januar 2000. Auf den Antrag<br />

des Präsidenten, die Wahl des Tischbarons bis nach dem Essen aufzuschieben,<br />

wurde nicht e<strong>in</strong>gegangen. Das Vere<strong>in</strong>svermögen wies e<strong>in</strong>en Höchststand von<br />

Fr. 5'081.<strong>25</strong> auf (Vere<strong>in</strong>sutensilien nicht berücksichtigt).<br />

Dem <strong>Jahr</strong>esbericht des Präsidenten – traditionell <strong>der</strong> Höhepunkt je<strong>der</strong><br />

Generalversammlung – war zu entnehmen, dass fünf «Wüstenhocks» (15.<br />

Januar, 23. April, 30. Juli, 24. September, 26. November), e<strong>in</strong> «Grillnachmittag»<br />

(22. August) sowie die vierte «Smoker Night» durchgeführt wurden.<br />

Letztere war mit 50 Teilnehmenden restlos ausverkauft <strong>und</strong> an <strong>der</strong> Grenze<br />

angelangt. Erstmalig musste e<strong>in</strong> gewisses Hamstern <strong>der</strong> Gäste an den<br />

aufgelegten Cigarren konstatiert werden.<br />

Der Wahl des Restaurants<br />

«Lustgärtli» als<br />

neues Vere<strong>in</strong>slokal<br />

wurde e<strong>in</strong>hellig zugestimmt.<br />

Gestärkt<br />

durch die erfolgreiche<br />

Vere<strong>in</strong>spolitik kündigte<br />

<strong>der</strong> Präsident<br />

e<strong>in</strong>e Kantonsratskandidatur<br />

an («Gegen<br />

die Vernebelung <strong>der</strong><br />

Politik» usw.). Neu beschlossen<br />

wurde, dass<br />

Vere<strong>in</strong>s- <strong>und</strong> Kalen<strong>der</strong>jahr<br />

zusammenfallen<br />

<strong>und</strong> <strong>der</strong> GV-Term<strong>in</strong><br />

<strong>in</strong> das erste <strong>Jahr</strong>esquartal<br />

verlegt werden<br />

soll.<br />

E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 19. September 2000.<br />

49


Auch die fünfte «Smoker Night» im Hotel «Post» <strong>in</strong> Biberbrugg am 7. Oktober<br />

2000 war mit knapp 50 Teilnehmern sehr gut besucht. Gast war erneut die<br />

Cigarrenfirma Villiger Söhne AG, Pfeffikon.<br />

7.6 Die 8. Generalversammlung konnte <strong>der</strong> Präsident am 9. Februar 2001 im<br />

«Lustgärtli» «mit e<strong>in</strong>em sauberen Anschnitt se<strong>in</strong>er Cigarre», so das Protokoll,<br />

eröffnen. Die Antiquar<strong>in</strong> präsentierte erstmals e<strong>in</strong> schriftliches Verzeichnis des<br />

Vere<strong>in</strong>s<strong>in</strong>ventars, darunter e<strong>in</strong>en funktionstüchtigen Humidor. Aufgr<strong>und</strong><br />

s<strong>in</strong>kenden Eigenkapitals beschloss die Versammlung e<strong>in</strong>e nachhaltige<br />

Sanierung <strong>der</strong> F<strong>in</strong>anzen, <strong>in</strong>dem <strong>der</strong> <strong>Jahr</strong>esbeitrag auf Fr. 100.-- erhöht <strong>und</strong> an<br />

den «Wüstenhocks» e<strong>in</strong> Pauschalbeitrag e<strong>in</strong>gezogen werden soll. In se<strong>in</strong>em<br />

<strong>Jahr</strong>esbericht musste <strong>der</strong> Präsident auf e<strong>in</strong> wi<strong>der</strong>sprüchliches <strong>Jahr</strong><br />

zurückblicken. Zwar war die durchgeführte «Smoker Night» e<strong>in</strong>e <strong>der</strong> besten,<br />

doch drückten die hohen Cigarrenpreise den Gew<strong>in</strong>n. Als ganz erfreulich<br />

wurde das von Urs F<strong>in</strong>k abgelieferte Filmprojekt über die «<strong>Wüstensöhne</strong>» <strong>und</strong><br />

das von Walter Birchler geschaffene Vere<strong>in</strong>slogo bezeichnet. Durchgeführt<br />

wurden im vergangenen <strong>Jahr</strong> fünf «Wüstenhocks» (17. März, 28. April,<br />

16. Juni, 4. August zum Filmen im «Storchen» <strong>und</strong> 8. Dezember).<br />

Zum 10-<strong>Jahr</strong>es-<strong>Jubiläum</strong> warf <strong>der</strong> Präsident die Idee e<strong>in</strong>er «Big Smoke» <strong>in</strong> die<br />

R<strong>und</strong>e, welche nach geführter Diskussion <strong>in</strong>dessen auf Eis gelegt wurde. Die<br />

Wahlen verliefen <strong>in</strong>sofern spektakulär, als für den amtsmüden Notar neu<br />

Walter Birchler gewählt wurde, dieser die Annahme <strong>der</strong> Wahl <strong>in</strong>dessen<br />

ausschlug. Der bisherige Notar Christoph Lehner blieb somit <strong>in</strong>terimistisch im<br />

Amt.<br />

50


Die sechste «Smoker Night» v. 6. Oktober 2001 im Hotel «Post» <strong>in</strong> Biberbrugg<br />

gestaltete sich enttäuschend. Es war e<strong>in</strong> regelrechter E<strong>in</strong>bruch <strong>der</strong><br />

Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Es nahmen nur noch 22 Personen teil. Die<br />

Cigarrenfirma Don Pepe Import SA, Kloten, stellte die brasilianische<br />

<strong>Tabak</strong>kultur vor.<br />

7.7 Auch die 9. Generalversammlung des Cigarrenvere<strong>in</strong>s <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>»<br />

fand im Restaurant «Lustgärtli» statt, <strong>und</strong> zwar am 8. März 2002. Nach den<br />

traditionellen Diskussionen um die Korrektheit <strong>und</strong> Vollständigkeit des<br />

Protokolls folgte <strong>der</strong> obligate Dank des Tischbarons für das <strong>in</strong> ihn gesetzte<br />

Vertrauen. «Nach diesen Ausführungen bemängelte <strong>der</strong> Vizepräsident, dass<br />

man vom Tischbaron an dieser Stelle jedes <strong>Jahr</strong> dasselbe höre.», steht im<br />

Protokoll. Im sentimenalen Teil se<strong>in</strong>es <strong>Jahr</strong>esrückblicks zeigte sich <strong>der</strong><br />

Präsident erfreut über den erfolgten Sprung <strong>in</strong> den Schwyzer Kantonsrat <strong>und</strong><br />

«die glaubwürdige Vertretung <strong>der</strong> Cigarrenraucher». Weiter folgten positive<br />

Ausführungen zur gelungenen neuen Internetpräsenz mit Dank an den<br />

Vizepräsidenten. Es fanden im vergangenen <strong>Jahr</strong> vier «Wüstenhocks» statt<br />

(23. März, 11. Mai, 3. August, 7. Dezember).<br />

Der «rationale Ausblick» thematisierte<br />

das 10-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> des<br />

Vere<strong>in</strong>s («Big Smoke» o<strong>der</strong> Reise).<br />

In se<strong>in</strong>en Flitterwochen fahre er<br />

nach Kuba, liess <strong>der</strong> Präsident<br />

mitteilen. Als neues Vere<strong>in</strong>smitglied<br />

konnte Reto Ulrich aufgenommen<br />

werden.<br />

Das «Lustgärtli» um 2000.<br />

Am 26. Oktober 2002 versuchte <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>, <strong>der</strong> siebten Auflage <strong>der</strong> «Smoker<br />

Night neuen «Esprit» e<strong>in</strong>zuhauchen, <strong>in</strong>dem man das Lokal wechselte, <strong>und</strong><br />

diese erstmals im Restaurant «Golfplatz» <strong>in</strong> Studen durchführte.<br />

51


7.8 Die zehnte Generalversammlung <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» v. 12./13. April 2003<br />

war e<strong>in</strong>e denkwürdige. Erstmals <strong>in</strong> Anwesenheit <strong>der</strong> Partner<strong>in</strong>nen eröffnete<br />

<strong>der</strong> Präsident die GV im Hotel «Stanserhof» <strong>in</strong> Stans. Zum ersten Mal wurde<br />

mit Reto Ulrich auch e<strong>in</strong> Stimmenzähler gewählt. Nach den üblichen<br />

Diskussionen um das Protokoll gestand <strong>der</strong> Tischbaron se<strong>in</strong>e «chronische<br />

Unterfor<strong>der</strong>ung» im Vere<strong>in</strong>, weshalb «se<strong>in</strong>e Berichte <strong>in</strong> den letzten <strong>Jahr</strong>en<br />

nicht zu den spannendsten gehörten». Zur letzten «Smoker Night» äusserte er<br />

sich enttäuscht, nicht zuletzt über den Service. Indessen habe er an den<br />

Schweizer Meisterschaften im We<strong>in</strong>degustieren teilgenommen. Die Antiquar<strong>in</strong><br />

beantragte die Abschaffung ihres Berichts, da sie gar nicht im Besitz <strong>der</strong><br />

Vere<strong>in</strong>sutensilien sei, worauf <strong>der</strong> Präsident ihr bzw. dem Vere<strong>in</strong> e<strong>in</strong>en antiken<br />

«Cigarren-Wüstenfuchsschnei<strong>der</strong>» vermachte. Zahlmeister <strong>und</strong> Rechnungsprüfer<br />

berichteten vom geschafften f<strong>in</strong>anziellen «Turnaro<strong>und</strong>».<br />

Der Präsident <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> liess <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em e<strong>in</strong>leitenden Dekadenbericht<br />

die ersten zehn <strong>Jahr</strong>e Revue passieren. Das vergangene Vere<strong>in</strong>sjahr<br />

bezeichnete er als ruhig («Wüstenhocks» fanden am 10. Mai <strong>und</strong> 7. Dezember<br />

2002 statt), geisselte jedoch den schleichenden «Sittenzerfall». Die «Smoker<br />

Night» im Golfclub Ybrig war e<strong>in</strong> Versuch, die gew<strong>in</strong>nbr<strong>in</strong>gende Webseite <strong>der</strong><br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» h<strong>in</strong>gegen e<strong>in</strong> Highlight.<br />

Die Wahlen verliefen spektakulär. In e<strong>in</strong>er orchestrierten Aktion wurde<br />

beschlossen, die Amtsträger je separat zu wählen. Nach formaljuristischen<br />

Scharmützeln «passiert das nicht für möglich Gehaltene»: <strong>der</strong> Präsident wurde<br />

mit 3 zu 5 Stimmen abgewählt. E<strong>in</strong> unerhörter, zumal nicht angekündigter<br />

Vorgang. Se<strong>in</strong> Antrag, den Vizepräsidenten <strong>und</strong> Zahlmeister zum neuen<br />

Präsidenten zu wählen, scheiterte mit 1 zu 6 Stimmen. In <strong>der</strong> Erkenntnis,<br />

«dass sich offensichtlich ke<strong>in</strong> williger <strong>und</strong> geeigneter Nachfolger f<strong>in</strong>den lasse»,<br />

wurde <strong>der</strong> bisherige Präsident auf Antrag des Tischbarons e<strong>in</strong>stimmig<br />

wie<strong>der</strong>gewählt. Die übrigen Amtsträger wurden komfortabel bestätigt.<br />

Im Anschluss an die GV fand e<strong>in</strong> Foto-Shoot<strong>in</strong>g mit dem Kunstfotografen<br />

Roland Isel<strong>in</strong>, Kreuzl<strong>in</strong>gen, statt. 148 Der Zahlmeister Edgar Käl<strong>in</strong> fand<br />

schliesslich E<strong>in</strong>gang <strong>in</strong> dessen Projekt «Members».<br />

Am Sonntag Morgen begab sich <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> auf das Stanserhorn <strong>und</strong> genoss<br />

die frische Luft <strong>und</strong> die Schneelandschaft.<br />

148 <br />

52


Die «<strong>Wüstensöhne</strong>» anlässlich <strong>der</strong> Generalversammlung v. 12./13. April 2003 <strong>in</strong> Stans <strong>und</strong><br />

auf dem Stanserhorn. Vorne v.l.n.r. Edgar Käl<strong>in</strong>, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Christoph Lehner;<br />

h<strong>in</strong>ten Frieda Chicherio, Edgar Fuchs, Christof Stutz, Marco Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> Reto Ulrich.<br />

53


Am <strong>25</strong>. Oktober 2003 sollte schliesslich die achte <strong>und</strong> vorläufig letzte «Smoker<br />

Night» im Restaurant «Klostergarten» <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln stattf<strong>in</strong>den. Gäste waren<br />

die We<strong>in</strong>handlung Paracelsus GmbH <strong>und</strong> Jean-François Correvon von<br />

«Le Cigarbox».<br />

8. Smoker-Night <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Billard-Hall» im Klostergarten, E<strong>in</strong>siedeln.<br />

V.l.n.r. Walter Schönbächer (We<strong>in</strong>händler),<br />

Marco Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> Katja Ulrich.<br />

Zufriedene «<strong>Wüstensöhne</strong>» Walter Birchler<br />

(l<strong>in</strong>ks) <strong>und</strong> Edgar Fuchs.<br />

54


Jean-François Correvon mit (rechts) Ernst<br />

Küm<strong>in</strong> <strong>und</strong> «Wüstensohn» Reto Ulrich.<br />

Christoph Lehner, Cigarrenmeister, mit<br />

Jean-François Correvon <strong>und</strong> Marc Dufour.<br />

We<strong>in</strong>händler Pius Birchler («Tulipan») <strong>und</strong><br />

Walter <strong>Schönbächler</strong> mit Präsident <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong>.<br />

«Wüstensohn» Walter Birchler (Mitte) beim<br />

anschliessenden Billardspiel.<br />

7.9. Die 11. Generalversammlung fand am 26. März 2004 wie<strong>der</strong>um <strong>in</strong><br />

E<strong>in</strong>siedeln, im Hotel «St. Georg», statt. Das Protokoll <strong>der</strong> letztjährigen GV<br />

kritisierte <strong>der</strong> Präsident als «missbräuchliche Geschichtsschreibung» <strong>und</strong><br />

beantragte künftig die Abfassung e<strong>in</strong>es Beschlussprotokolls. Dieser Antrag<br />

wurde mehrheitlich abgelehnt. In f<strong>in</strong>anzieller H<strong>in</strong>sicht zu erwähnen war, dass<br />

<strong>der</strong> «Cigarrenfonds»-Bestand <strong>in</strong> das aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> <strong>Jubiläum</strong>s-GV gebeutelte<br />

Eigenkapital überführt wurde. In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht erwähnte <strong>der</strong> Präsident<br />

zwei durchgeführte «Wüstenhocks» (14. März, 19. Dezember) <strong>und</strong> die<br />

«Smoker Night» im «Klostergarten», den Besuch des Münchner Oktoberfests<br />

durch e<strong>in</strong>e Vere<strong>in</strong>sdelegation, die aus ihm selber <strong>und</strong> «Altvater» Pius Marty<br />

bestand. Erfreulich war auch das beim Rotary Club E<strong>in</strong>siedeln gehaltene<br />

Referat über das Cigarrenrauchen, welches <strong>der</strong> Imagepflege gedient habe.<br />

55


Die Statuten wurden von <strong>der</strong> GV dah<strong>in</strong>gehend geän<strong>der</strong>t, dass neu die<br />

«Wüstenhocks» Versammlungsstatus haben <strong>und</strong> Versammlungen als solche<br />

nicht mehr stattf<strong>in</strong>den. E<strong>in</strong>e statutarische Verankerung des Ehrentitels<br />

«Altvater» scheiterte. Als För<strong>der</strong>ungsmassnahme für den Tischbaron wurde<br />

schliesslich beschlossen, diesen fortan an die Schweizerische We<strong>in</strong>degustationsmeisterschaft<br />

zu schicken, <strong>in</strong>dessen mit dem leistungsbezogenen Ansatz,<br />

dass wenn er nicht m<strong>in</strong>destens neun Punkte (von 15) erreiche, er die<br />

Teilnahmegebühr dem Vere<strong>in</strong> zurückzuerstatten habe. Mit Bedauern gab <strong>der</strong><br />

Präsident sodann den Austritt von Pius Marty aus dem Vere<strong>in</strong> bekannt. Urs<br />

F<strong>in</strong>k wurde aufgr<strong>und</strong> se<strong>in</strong>er Verdienste um se<strong>in</strong>e filmische Dokumentation<br />

e<strong>in</strong>e «lebenslange Passivmitgliedschaft» verliehen.<br />

7.10 Die «Wüstenhocks» liefen <strong>in</strong> den Anfangszeiten des Vere<strong>in</strong>s so ab, dass<br />

<strong>der</strong> Präsident die Mitglie<strong>der</strong> schriftlich zu diesen e<strong>in</strong>lud <strong>und</strong> die Cigarren, <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Regel kubanische <strong>und</strong> dom<strong>in</strong>ikanische, im Voraus bekannt gab. Man traf<br />

sich jeweils vor dem «Dorfzentrum» (heute «Kultur- <strong>und</strong> Kongresszentrum<br />

‹Zwei Raben›») <strong>und</strong> begab sich dann geme<strong>in</strong>sam <strong>in</strong>s «Schwyzerhüsli».<br />

Inspiriert von den Rauchregeln von Z<strong>in</strong>o Davidoff wurde das Rauchen <strong>der</strong><br />

Cigarren sorgfältig zelebriert. Jedes Mal herrschte im kle<strong>in</strong>en Vere<strong>in</strong>slokal über<br />

kurz o<strong>der</strong> lang «dicke Luft». Der Tischbaron waltete se<strong>in</strong>es Amtes, bestellte<br />

den We<strong>in</strong> <strong>und</strong> sorgte für volle Gläser. Gegen Mitternacht begab man sich zig<br />

Male noch <strong>in</strong> den «Sihlsee» um Pommes-Frites mit Kräutersauce zu bestellen<br />

o<strong>der</strong> <strong>in</strong>s «Doc Holliday» für e<strong>in</strong>en Hamburger.<br />

8. Die Zeit <strong>der</strong> Konsolidierung<br />

56<br />

8.1 Auch die 12. ordentliche Generalversammlung 2005, das erste Mal<br />

durchgeführt im Restaurant «Rosengarten», hatte es <strong>in</strong> sich. Das Säli im<br />

E<strong>in</strong>gangsbereich war viel zu kle<strong>in</strong>. Die Nebelschwaden h<strong>in</strong>gen schon im frühen<br />

Versammlungsstadium auf Augenhöhe <strong>der</strong> Anwesenden. Berechtigte<br />

Diskussionen entfachte <strong>der</strong> Tischbaron <strong>in</strong> Bezug auf die Wahl <strong>der</strong><br />

Vere<strong>in</strong>slokalitäten, da die We<strong>in</strong>qualität nicht mehr zu genügen vermöge. «Am<br />

We<strong>in</strong>degustationswettbewerb habe er nicht mitgemacht, sich jedoch darüber<br />

im Internet <strong>in</strong>formiert.», so das Protokoll. In Bezug auf den Bericht <strong>der</strong><br />

Antiquar<strong>in</strong> war erwähnenswert, dass das bereits verschollen geglaubte<br />

Cigarrenbrevier von Z<strong>in</strong>o Davidoff von Edgar Fuchs auf Reto Ulrich zur Lektüre<br />

übergegangen war.


Der Präsident konnte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er «zweitwichtigsten Rede <strong>in</strong> <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sgeschichte»<br />

(Protokoll) die Durchführung von vier «Wüstenhocks» bekannt<br />

geben (20. Februar, 14. Mai, 17. September, 17. Dezember 2004).<br />

Gesellschaftspolitisch bef<strong>in</strong>de man sich aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> Anti-Raucher-<br />

Kampagnen <strong>in</strong>dessen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er sehr schwierigen Zeit. «Es droht allen<br />

anständigen Cigarrenrauchern die Verbannung <strong>in</strong> die Besenkammer!», so se<strong>in</strong><br />

Ausruf. Unter historischer Bezugnahme auf die Verwendung des <strong>Tabak</strong>s zu<br />

Zeremoniezwecken durch brasilianische Schamanen sowie Paracelsus («Nur<br />

die Dosis macht das Gift.») rechtfertigte <strong>der</strong> Präsident die Existenzberechtigung<br />

des Vere<strong>in</strong>s sowie die «psychohygienische Re<strong>in</strong>igung» des<br />

Rauchens. «Man müsse das Rauchen wie<strong>der</strong> vermehrt als Zeremonie<br />

verstehen <strong>und</strong> getreu den Lehren von Z<strong>in</strong>o Davidoff die Kunst des Rauchens<br />

zelebrieren.», so se<strong>in</strong> Schlussvotum.<br />

Der Präsident skizzierte sodann den Umbau des Vere<strong>in</strong>s <strong>und</strong> beantragte<br />

zwecks Vermeidung e<strong>in</strong>er Stempelung des Vere<strong>in</strong>s als «ges<strong>und</strong>heitsschädigende<br />

Organisation» dessen Überführung <strong>in</strong> die <strong>in</strong>ternationale «Sons of<br />

the Desert»-Vere<strong>in</strong>igung. Derzeit bestünden 217 Unterorganisationen<br />

(«Tents») <strong>der</strong> Liebhaber von Laurel & Hardy-Filmen. Er würde selber den<br />

neuen Titel «Gross-Scheich» führen dürfen, was die ständigen Diskussionen<br />

um den Ehrentitel «Altvater» überflüssig machen würden. Der erneute Antrag<br />

auf dessen Abschaffung wurde zwar gutgeheissen, scheiterte aber am<br />

qualifizierten Mehr. Im Anschluss an die GV konnten die – erstmals so<br />

genannten – «Hauskamele» (Ehegatten) begrüsst werden.<br />

Vom 13.-16. Oktober 2005 begab sich <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> auf e<strong>in</strong>e mehrtägige Reise <strong>in</strong>s<br />

Ausland. Es lockte das benachbarte Piemont mit se<strong>in</strong>en vielfältigen<br />

lukullischen Genüssen. Übernachtet wurde <strong>in</strong> <strong>der</strong> Albergo «San Lorenzo» <strong>in</strong><br />

Alba.<br />

Nebst <strong>der</strong> Besichtigung <strong>der</strong> historischen Städtchen erfolgte auch e<strong>in</strong> Besuch<br />

bei den Schwyzer We<strong>in</strong>bauern Marcello <strong>und</strong> Ursula Reichmuth <strong>in</strong> Dogliani <strong>und</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> berühmten «La Contea» <strong>in</strong> Neive. Daselbst fand man nach langem<br />

Umherirren auch den «Schatten» von Grappa-Papst Romano Levi. E<strong>in</strong>en<br />

würdigen Abschluss fand die Reise <strong>in</strong> Alba selber mit dem Trüffel- <strong>und</strong><br />

Mittelalter-Markt.<br />

57


V.l.n.r. Edgar Fuchs, Reto Ulrich, Susanne Theiler, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Christoph Lehner,<br />

Katja Ulrich, Marco Käl<strong>in</strong>.<br />

Unten l<strong>in</strong>ks: Besuch bei Marcello <strong>und</strong> Ursula Reichmuth <strong>in</strong> Dogliani.<br />

58


V.l.n.r. Christoph Lehner, Reto Ulrich, <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> <strong>und</strong> Edgar Fuchs.<br />

Trüffelmarkt <strong>in</strong> Alba.<br />

Ritterspiele am Mittelaltermarkt <strong>in</strong> Alba. V.l.n.r. Christoph Lehner, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>,<br />

Edgar Fuchs <strong>und</strong> Marco Käl<strong>in</strong>.<br />

59


8.2 Am Wochenende vom 29./30 April 2006 trafen sich die «<strong>Wüstensöhne</strong>»<br />

zur 13. Generalversammlung an e<strong>in</strong>em beson<strong>der</strong>en Ort: im Restaurant «Fata<br />

Morgana» <strong>in</strong> W<strong>in</strong>terthur-Töss, o<strong>der</strong> «Oase <strong>der</strong> Lüste», wie sie vom Präsidenten<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>er Eröffnung bezeichnet wurde. Das letztjährige Protokoll wurde als<br />

«subjektive Geschichtsschreibung» des Notars verunglimpft <strong>und</strong> e<strong>in</strong><br />

«glorioseres Licht» für den Präsident verlangt. Auch <strong>der</strong> Tischbaron kritisierte<br />

e<strong>in</strong>e «unfaire» Protokollierung. Die weiteren Mitglie<strong>der</strong> erachteten diese<br />

<strong>in</strong>dessen als «gut <strong>und</strong> amüsant». Als «re<strong>in</strong> quantitativ» wurde das Protokoll<br />

letzlich auch vom Präsidenten positiv gewürdigt.<br />

Als Höhepunkt <strong>und</strong> «kul<strong>in</strong>arischen Hochgenuss» wurde vom Tischbaron die<br />

letztjährige Reise <strong>in</strong>s Piemont bezeichnet. E<strong>in</strong>ziger «Wermutstropfen» war,<br />

dass se<strong>in</strong>e Kompetenzen teils <strong>in</strong> Frage gestellt wurden, was offenbar auf e<strong>in</strong>en<br />

«nahezu rationierten We<strong>in</strong>ausschank anlässlich <strong>der</strong> Essen» zurückzuführen<br />

war. Es folgten unergiebige Diskussionen um e<strong>in</strong>en «Saufklub». Die vom<br />

Zahlmeister präsentierte Rechnung konnte aufgr<strong>und</strong> nicht stattgef<strong>und</strong>ener<br />

Prüfung nicht abgenommen werden.<br />

Das «Fata Morgana» <strong>in</strong> W<strong>in</strong>terthur-Töss.<br />

60


In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht verwies <strong>der</strong> Präsident auf zwei durchgeführte<br />

«Wüstenhocks» (18. Februar, 24. Juni) <strong>und</strong> die viertägige Reise <strong>in</strong>s Piemont.<br />

Als Höhepunkt bezeichnete er se<strong>in</strong>en Sieg im «Rössli-Reiten» anlässlich des<br />

mittelalterlichen Stadtfestes <strong>in</strong> Alba «gegen die gesamte norditalienische<br />

Konkurrenz». Enttäuscht zeigte er sich h<strong>in</strong>gegen weiterh<strong>in</strong> darüber, dass<br />

se<strong>in</strong>en Umstrukturierungsplänen ke<strong>in</strong>e Gefolgschaft erwachse. Indessen<br />

wurde <strong>in</strong> dieser H<strong>in</strong>sicht immerh<strong>in</strong> <strong>der</strong> Antrag des Vizepräsidenten<br />

gutgeheissen <strong>und</strong> statutarisch – offenbar ohne das notwendige qualifzierte<br />

Mehr – das neue Amt des Netzmeisters geschaffen. Bei dessen Wahl wurde<br />

<strong>der</strong> «überfor<strong>der</strong>te Vizepräsident» <strong>der</strong> «kompetenten Antiquar<strong>in</strong>» vorgezogen.<br />

Die Bauchtänzer<strong>in</strong> vermochte den Präsidenten zur Enttäuschung <strong>der</strong><br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» lei<strong>der</strong> nicht zu e<strong>in</strong>em Mittanzen zu bewegen.<br />

Die Generalversammlung klang <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bar «Zum Tisch» sowie im Hotel «Accor-<br />

Ibis» aus.<br />

Zahlmeister Edgar Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> «Wüstentochter»<br />

Frieda Chicherio.<br />

V.l.n.r. Marco Käl<strong>in</strong>, Sandra Hensler,<br />

Christof Stutz <strong>und</strong> Walter Birchler.<br />

61


8.3 Die 14. Generalversammlung <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» fand am 17./18. März<br />

2007 an e<strong>in</strong>em aussergewöhnlichen Ort statt, nämlich im Gipfelrestaurant des<br />

Fronalpstocks auf 1'922 m ü.M. (von <strong>der</strong> letztjährigen «Oase <strong>der</strong> Lüste» zum<br />

«Gipfel <strong>der</strong> Lüste»). Im Bericht des Tischbarons wurde erstmals positiv die Bar-<br />

Lounge im «Pfauen» erwähnt. Die Marke von 9 Punkten an den Schweizer<br />

Meisterschaften im We<strong>in</strong>degustieren habe er knapp verpasst. In f<strong>in</strong>anzieller<br />

H<strong>in</strong>sicht erfolgte erneut e<strong>in</strong>e Umbuchung des hälftigen «Cigarrenfonds» sowie<br />

<strong>der</strong> zukünftigen Mitglie<strong>der</strong>beiträge <strong>in</strong>s Eigenkapital. Der Präsident liess das<br />

vergangene <strong>Jahr</strong> Revue passieren <strong>und</strong> erwähnte dabei drei «Wüstenhocks»<br />

(20. Januar, 7. Juli, 17. November). Im H<strong>in</strong>blick auf das 15-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> schlug<br />

er e<strong>in</strong>e «Smoker Night» zusammen mit <strong>der</strong> deutschen Hawaii-Band<br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>» vor. Hierzu wurde auch e<strong>in</strong> OK gebildet, das aus ihm, dem<br />

Tischbaron <strong>und</strong> <strong>der</strong> Antiquar<strong>in</strong> bestand.<br />

Als e<strong>in</strong>maliger Vorgang <strong>in</strong> <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sgeschichte zu werten, war die Wahl des<br />

Präsidenten am 23. Juni 2007 zum Schwyzer Kantonsratspräsidenten, damit<br />

nicht nur zum höchsten Schwyzer, son<strong>der</strong>n auch zum höchsten «Cigar-<br />

Aficionado». Dies just <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er tabakfe<strong>in</strong>dlichen Zeitepoche.<br />

Bezirksweibel Bruno Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> Thomas<br />

Bisig, Bezirksammann <strong>und</strong> Teilnehmer <strong>der</strong><br />

ersten «Smoker Night» 1996.<br />

Der höchste Cigarier bei se<strong>in</strong>er Festansprache.<br />

Die Kantonsratspräsidenten-Feier war <strong>in</strong>sofern aussergewöhnlich, als wohl<br />

erstmals überhaupt an e<strong>in</strong>er solchen e<strong>in</strong>e Bauchtänzer<strong>in</strong> auftrat <strong>und</strong><br />

– wohl letztmals <strong>in</strong> <strong>der</strong> Geschichte – e<strong>in</strong> Cigarren-Buffet angerichtet war <strong>und</strong><br />

zum öffentlichen Genussrauchen e<strong>in</strong>lud.<br />

62


Bauchtänzer<strong>in</strong> Nathalie Bettschart. Cigarrenmeister Christoph Lehner überreicht<br />

das passende Geschenk.<br />

E<strong>in</strong> Bild mit historischer Tragweite. Die Kantonsratspräsidentenfeier 2007/08 als «kle<strong>in</strong>e<br />

Smoker Night» mit Cigarren-Buffet.<br />

8.4. Die nächste, 15. Generalversammlung wurde am 5./6. April 2008 im<br />

Restaurant «Li Tai Pe» <strong>in</strong> Luzern durchgeführt (vom «Gipfel <strong>der</strong> Lüste» <strong>in</strong> die<br />

«Opiumhöhle»). Wie stets war <strong>der</strong> Präsident sehr gut vorbereitet (auch wenn<br />

er e<strong>in</strong>gestehen musste, dass er alle se<strong>in</strong>e Unterlagen bei se<strong>in</strong>er Schwiegermutter<br />

vergessen hatte) <strong>und</strong> erläuterte, dass Ch<strong>in</strong>a mit e<strong>in</strong>em Anteil von ca<br />

22% an <strong>der</strong> Gesamtproduktion <strong>der</strong> weltgrösste <strong>Tabak</strong>produzent sei. Auch<br />

63


ef<strong>in</strong>de man sich <strong>in</strong> Richard Wagners Stammhaus <strong>und</strong> dem ersten Ch<strong>in</strong>a-<br />

Restaurant <strong>der</strong> Schweiz. Der Tischbaron verwies auf die anhaltende<br />

Schwierigkeit, cigarrenfre<strong>und</strong>liche Lokalitäten zu f<strong>in</strong>den <strong>und</strong> hob erneut die<br />

«Pfauen»-Lounge positiv hervor.<br />

In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht verwies <strong>der</strong><br />

Präsident auf die durchgeführten<br />

«Wüstenhocks»: am 4. Mai auf <strong>der</strong><br />

Eschbach-Schanze, den «Grill &<br />

Smoke» bei ihm zu Hause (26. August)<br />

sowie das «Cas<strong>in</strong>o Royale» im<br />

Seedamm-Plaza (5. Oktober).<br />

Der <strong>Jubiläum</strong>sanlass «<strong>Wüstensöhne</strong><br />

hoch 2» f<strong>in</strong>de am 11. Oktober 2008<br />

im «Chärnehus» statt.<br />

Das von Zeno Schnei<strong>der</strong> gestaltete Plakat.<br />

8.5 Die 16. Generalversammlung fand dann am 21. März 2009 wie<strong>der</strong> e<strong>in</strong>mal<br />

<strong>in</strong> heimischen Gefilden, im Hotel «Post» <strong>in</strong> Biberbrugg statt. Der Präsident<br />

eröffnete die GV mit dem H<strong>in</strong>weis, dass dies se<strong>in</strong>e letzte sei <strong>und</strong> er<br />

zurücktrete. Der Tischbaron bezeichnete das vergangene <strong>Jahr</strong> als «annus<br />

horibilis», denn seit <strong>der</strong> Schliessung <strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge gebe es ke<strong>in</strong>e<br />

geeignete Lokalität mehr <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln. Man habe darum <strong>in</strong> die «tiefen<br />

Nie<strong>der</strong>ungen des ‹Biergartens›» h<strong>in</strong>absteigen müssen (obwohl er selber vom<br />

«Biergarten-Bäni» abstammt).<br />

Der geplante <strong>Jubiläum</strong>s-Anlass «<strong>Wüstensöhne</strong> hoch 2» musste mangels<br />

Interesse bzw. Anmeldungen lei<strong>der</strong> abgesagt werden. Der Präsident hielt<br />

Rückblick auf das vergangene <strong>Jahr</strong> <strong>und</strong> zählte drei «Wüstenhocks» auf<br />

(29. März, 11. Juli, 26. September). Zwecks «Diversifikation» des Vere<strong>in</strong>s<br />

beantragte er im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>es «kulturellen Deckmäntelchens» die Aufnahme<br />

e<strong>in</strong>es neuen Kultur-Artikels <strong>in</strong> die Statuten, um das längerfristige <strong>und</strong> legale<br />

64


Überleben des Vere<strong>in</strong>s angesichts <strong>der</strong> Rauchverbote zu sichern. Zur<br />

Umsetzung desselben schlug er sich selber vor. «Er sei für Höheres berufen als<br />

zum blossen Kameltreiber/Präsident.» Abschliessend bedankte er sich für die<br />

vergangenen 15 <strong>Jahr</strong>e <strong>und</strong> das ihm «völlig zu Recht e<strong>in</strong>geräumte Vertrauen».<br />

Der Antrag des abtretenden Präsidenten für die Aufnahme e<strong>in</strong>es Kultur-<br />

Artikels <strong>in</strong> die Statuten <strong>und</strong> die Schaffung e<strong>in</strong>es für ihn zugeschnittenen Amtes<br />

als «Kulturattaché» wurde mehrheitlich abgelehnt. Als neuer Präsident <strong>und</strong><br />

gleichzeitig Cigarrenmeister gewählt wurde <strong>der</strong> bisherige Notar Christoph<br />

Lehner, welcher sich selber als «<strong>der</strong> Obama <strong>und</strong> Schwarzenegger <strong>der</strong><br />

<strong>Wüstensöhne</strong> <strong>in</strong> Personalunion» vorstellte (immerh<strong>in</strong> besser als <strong>der</strong><br />

«abtretende Put<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Wüstensöhne</strong>», so e<strong>in</strong> frohlocken<strong>der</strong> Tischbaron). Die<br />

übrigen Ämter blieben unverän<strong>der</strong>t. Zur Kenntnis musste man den Austritt<br />

von Walter Birchler nehmen.<br />

8.6 Unter <strong>der</strong> neuen Ägide von Christoph Lehner fand die 17. Generalversammlung<br />

am Wochenende v. 27./28. Februar 2010 im «La Côte» <strong>in</strong> Zürich<br />

statt. In se<strong>in</strong>er Begrüssungs<strong>red</strong>e musste er sich bereits für die e<strong>in</strong>getretenen<br />

«Pleiten, Pech <strong>und</strong> Pannen» entschuldigen. Er orientierte weiter über die am<br />

«Wüstenhock» v. 23. Januar 2010 erfolgten Aufnahmen <strong>der</strong> Neumitglie<strong>der</strong><br />

Roland Tschäppeler <strong>und</strong> Michael Weber. Tischbaron Marco Käl<strong>in</strong> wies<br />

Gerüchte über e<strong>in</strong> «Burn-out» zurück <strong>und</strong> führte aus, dass er Lichtblicke <strong>in</strong><br />

Form des neuen Lokals «Twenty-one» <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln sehe. Reto Ulrich konnte<br />

berichten, dass die Amtsübergabe <strong>der</strong> ausgetretenen Antiquar<strong>in</strong> Frieda<br />

Chicherio an ihn «bei e<strong>in</strong>em <strong>in</strong>offiziellen Essen im Geheimen» stattgef<strong>und</strong>en<br />

habe. In f<strong>in</strong>anzieller H<strong>in</strong>sicht bestanden solide Verhältnisse <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />

Pauschalbeitrag an den «Wüstenhocks» wurde bei Fr. 10.-- belassen. In<br />

se<strong>in</strong>em ersten <strong>Jahr</strong>esbericht beschrieb <strong>der</strong> Präsident se<strong>in</strong>e Leistung mit<br />

«blendend, ohne jegliches Eigenlob».<br />

Es fanden fünf «Wüstenhocks» statt (20. Februar, 1. Mai, 3. Juli, 24. Oktober<br />

<strong>und</strong> 12. Dezember), welche u.a. im «Bel-Etage» («Klostergarten»), «Juanito»<br />

<strong>und</strong> im «Twenty-One» abgehalten wurden. Der eigentliche Höhepunkt sei das<br />

Oktoberfest am 24. Oktober 2009 im Seedamm-Plaza gewesen.<br />

Als neuer Notar wurde Michael Weber gewählt, zum neuen Antiquar Reto<br />

Ulrich <strong>und</strong> zum neuen Netzmeister <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

65


Erste GV unter <strong>der</strong> neuen Führung von<br />

Präsident Christoph Lehner im «La Côte» <strong>in</strong><br />

Zürich.<br />

8.7 Die 18. Generalversammlung führte die «<strong>Wüstensöhne</strong>» am 26./27. März<br />

2011 das erste Mal <strong>in</strong>s nahe Ausland, nämlich <strong>in</strong>s Hotel «Residence» <strong>in</strong> Vaduz.<br />

Die nach <strong>der</strong> GV angesagte Privatlounge «Cuba-Club» «zeuge nach se<strong>in</strong>em<br />

Dafürhalten von dem gehobenen Stellenwert unseres Vere<strong>in</strong>s <strong>in</strong> <strong>der</strong> Obhut<br />

se<strong>in</strong>er Präsidentschaft», war im Protokoll zur Begrüssung durch den<br />

Präsidenten zu lesen. Weiter unterstrich er se<strong>in</strong>e stabilisierende<br />

E<strong>in</strong>flussnahme auf das Vere<strong>in</strong>sleben. Unter dem Motto «Back to the Roots»<br />

wurde am Abend e<strong>in</strong>e Davidoff-Cigarrenauswahl präsentiert.<br />

Freude herrschte über die Aufnahme e<strong>in</strong>es weiteren Neumitglieds: Marcel<br />

Strüby. Der Tischbaron konnte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht se<strong>in</strong>e Enttäuschung<br />

über das «Twenty-One» nicht verbergen, zeigte sich aber aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong><br />

Neueröffnungen <strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge sowie <strong>der</strong> Lounge im «Ramada»<br />

(Chaltenboden) zuversichtlich. Der Zahlmeister stellte fest, «dass seit 8 <strong>Jahr</strong>en<br />

nicht mehr so viel Gew<strong>in</strong>n erwirtschaftet wurde wie im vergangenen<br />

Vere<strong>in</strong>sjahr» (Fr. 503.65). Der Netzmeister konnte von e<strong>in</strong>em «top aktuellen<br />

Forum» berichten <strong>und</strong> bezeichnete sich als regelrechten «Medienmogul».<br />

In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esrückblick sprach <strong>der</strong> Präsident von e<strong>in</strong>em Vere<strong>in</strong>sjahr unter<br />

dem Motto «Als Diener des Vere<strong>in</strong>s, zum Wohle des Vere<strong>in</strong>s». Er berichtete<br />

von vier durchgeführten Anlässen: WM-«Wüstenhock» <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Schmiede» am<br />

2. Juli, Herbstfest <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln am 2. Oktober (nur <strong>der</strong> Netzmeister nahm teil),<br />

66


«Wüstenhock» <strong>in</strong> <strong>der</strong> Havanna-Bar im «Ramada» (30. Oktober) sowie e<strong>in</strong><br />

«Wüstenhock» im «Juanito» (29. Januar 2011).<br />

Auf Vorschlag des Netzmeisters wurde e<strong>in</strong> OK, bestehend aus diesem selber,<br />

dem Präsidenten, dem Tischbaron <strong>und</strong> dem Antiquar gebildet, mit dem<br />

Auftrag, e<strong>in</strong>e 20-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong>s-Reise nach Las Vegas zu prüfen <strong>und</strong> an <strong>der</strong><br />

nächsten GV vorzustellen.<br />

GV im «Cuba Club» <strong>in</strong> Vaduz.<br />

67


Teilnahme an <strong>der</strong> «Big Smoke»<br />

v. 27. August 2011 im «Albisgüetli»<br />

<strong>in</strong> Zürich.<br />

Die «<strong>Wüstensöhne</strong>» Marco<br />

Käl<strong>in</strong> <strong>und</strong> <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

mit Cigarren-Dame.<br />

8.8 Die 19. Generalversammlung <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» fand am Wochenende<br />

vom 24./<strong>25</strong>. März 2012 im Hotel «Krone» <strong>in</strong> Lenzburg statt, wie <strong>in</strong> den<br />

vergangenen <strong>Jahr</strong>en stets <strong>in</strong> Begleitung <strong>der</strong> «Haus- o<strong>der</strong> Wüstenkamele».<br />

Zufolge «Unterhopfung» war es dem damaligen Notar nicht möglich, die vom<br />

Präsidenten e<strong>in</strong>leitend gemachten historischen Zusammenhänge zu notieren.<br />

Der Abend sollte im «Art Cigar» <strong>in</strong> Lenzburg auskl<strong>in</strong>gen:<br />

68


Zahlmeister <strong>und</strong> Rechnungsprüfer konnten auch <strong>in</strong> diesem <strong>Jahr</strong> von e<strong>in</strong>er<br />

erfreulichen Entwicklung <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sf<strong>in</strong>anzen berichten.<br />

Se<strong>in</strong>en <strong>Jahr</strong>esbericht stellte <strong>der</strong> Präsident selber erneut unter das Motto<br />

«Pleiten, Pech <strong>und</strong> Pannen». Es wurden drei «Wüstenhocks» abgehalten: <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge (9. Juli <strong>und</strong> 29. Oktober) <strong>und</strong> am 7. Januar 2012 im<br />

Hotel «Sedartis» <strong>in</strong> Thalwil. Am 27. August nahm man am «Big Smoke» im<br />

«Albisgüetli», Zürich, teil. «Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man<br />

sich erarbeiten!», so das abschliessende präsidiale Votum.<br />

Bezüglich <strong>der</strong> Wahlen ergab sich nur beim Amt des Antiquars e<strong>in</strong>e Kampfwahl,<br />

die jedoch <strong>der</strong> bisherige Amts<strong>in</strong>haber Reto Ulrich für sich entscheiden konnte.<br />

Als neuer Cigarrenmeister wurde Marcel Strüby gewählt. In Bezug auf die<br />

<strong>Jubiläum</strong>s-Reise wurde die «Task-Force Las Vegas» erneut bestätigt.<br />

«Church, Cigar & Brunch» am 21. April 2012 <strong>in</strong> <strong>der</strong> St. Gangulf-Kapelle mit P. Basil Höfliger<br />

<strong>und</strong> <strong>der</strong> «Hudeli-Musik». Anschliessend begab man sich <strong>in</strong>s Restaurant «Tulipan» <strong>und</strong> <strong>in</strong> die<br />

«Pfauen»-Lounge.<br />

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9. Die «<strong>Wüstensöhne</strong>» <strong>in</strong> Las Vegas, 2.-9. März 2013 (20 <strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong>)<br />

Der 4. März 2013 sollte <strong>in</strong> die Geschichte <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» e<strong>in</strong>gehen. In<br />

<strong>der</strong> Lounge des Hotels «Tropicana», am Strip <strong>in</strong> Las Vegas, konnte <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>e 20-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong>s-GV begehen. Der lei<strong>der</strong> nicht mitgereiste Zahlmeister<br />

wurde um 3.00 Uhr MEZ per Skype zugeschaltet, liess <strong>in</strong>dessen se<strong>in</strong>en<br />

Teddybär-Avatar <strong>in</strong>s Bild setzen. In se<strong>in</strong>er Begrüssungsansprache («E<strong>in</strong><br />

historischer Augenblick!», «Die Wüste lebt!») wetteiferte <strong>der</strong> Präsident mit <strong>der</strong><br />

Ballade <strong>der</strong> Sänger<strong>in</strong> um die Gunst <strong>der</strong> Anwesenden. Vom Hoover-Dam, über<br />

Buggsy Siegel bis zur «S<strong>in</strong> City of Enterta<strong>in</strong>ment» zeichnete er e<strong>in</strong> buntes Bild<br />

<strong>der</strong> Stadt. Er präsentierte auch das Wochenprogramm: Cas<strong>in</strong>o-Besuche, Cigar-<br />

Clubs, «Cirque du Soleil», Hoover-Dam. Als Protokollführer amtete für den<br />

ebenfalls abwesenden Notar <strong>der</strong> Netzmeister. Der Bericht des Tischbarons<br />

(«ke<strong>in</strong> e<strong>in</strong>faches <strong>Jahr</strong>») wurde mit e<strong>in</strong>er Akklamation für die Sänger<strong>in</strong><br />

abgeschlossen. Unsicherheit löste die Antwort des Antiquars auf die Frage<br />

nach dem Verbleib des «Cigarren-Wüstenfuchs-Schnei<strong>der</strong>s» aus. Dieser sei<br />

wohl «<strong>in</strong> Verstoss geraten», so <strong>der</strong> Präsident. Nachdem sich <strong>der</strong> Avatar des<br />

Zahlmeisters verabschiedet hatte, wurde die <strong>Jahr</strong>esrechnung vom Rechnungsprüfer<br />

vorgestellt <strong>und</strong> gutgeheissen. Grosse Anerkennung fand <strong>der</strong> Bericht des<br />

Netzmeisters für se<strong>in</strong>e Medienarbeit über Website <strong>und</strong> Social Media.<br />

In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esrückblick zeigte sich <strong>der</strong> Präsident befriedigt über die an <strong>der</strong><br />

Urne abgelehnte Initiative zum «Schutz vor Passivrauchen». Er berichtete von<br />

vier durchgeführten «Wüstenhocks» (7. Januar, 29. Juli, 6. Oktober,<br />

15. Dezember) <strong>und</strong> drei OK-Sitzungen für die Reise. Grossen Anklang fand die<br />

erstmalig durchgeführte «Church, Cigar & Brunch» <strong>in</strong> <strong>der</strong> St. Gangulfs-Kapelle<br />

mit P. Basil Höfliger <strong>und</strong> <strong>der</strong> «Hudeli-Musik» um Mitglied Edgar Fuchs.<br />

Mit dem «Runn<strong>in</strong>g Joke» des amerikanischen Secret Service, «Wheels up,<br />

r<strong>in</strong>gs off», leitete <strong>der</strong> Präsident über <strong>in</strong> den angenehmen Teil des Abends, dem<br />

Buffet im «Paris», zu dem sich die «<strong>Wüstensöhne</strong>» standesgemäss mit <strong>der</strong><br />

«Stretch Limous<strong>in</strong>e» fahren liessen.<br />

Auf dem Reise- <strong>und</strong> Unterhaltungsprogramm standen <strong>der</strong> Hoover Dam, das<br />

Valley of Fire, e<strong>in</strong> Helikopterflug <strong>in</strong> den Grand Canyon, <strong>der</strong> Besuch <strong>der</strong> Shows<br />

von Magier David Copperfield, des «Cirque de Soleil» <strong>und</strong> des «Excalibur»<br />

sowie zum Abschluss die Freemont Street Experience.<br />

70


71


72


10. Der Vere<strong>in</strong> aktuell<br />

10.1 Die 21. GV <strong>der</strong> «<strong>Wüstensöhne</strong>» fand am 15./16. März 2014 im Hotel<br />

«Krone» <strong>in</strong> Gottlieben <strong>und</strong> dessen Cigarren-Lounge statt. Der Präsident<br />

begrüsste die Anwesenden <strong>und</strong> <strong>der</strong>en «Hauskamele» zum fünften <strong>Jahr</strong> se<strong>in</strong>er<br />

«Regentschaft». Die Vere<strong>in</strong>sreise nach Las Vegas war das «ultimative Highlight<br />

se<strong>in</strong>er Präsidialzeit». Das vom Netzmeister ad <strong>in</strong>terim verfasste, multimediale<br />

GV-Protokoll wurde als «sehr, sehr gut» sowie «<strong>in</strong>haltlich <strong>und</strong> sachlich ok»<br />

bezeichnet, verdankt <strong>und</strong> angenommen. Nachdem <strong>der</strong> Antiquar nach wie vor<br />

nichts über den verschollenen «Cigarren-Wüstenfuchsschnei<strong>der</strong>» zu berichten<br />

wusste, beschloss die Versammlung die E<strong>in</strong>setzung e<strong>in</strong>er F<strong>in</strong>dungskommission,<br />

bestehend aus dem emeritierten Präsidenten, «Altvater» <strong>und</strong> Netzmeister,<br />

sowie dem Zahlmeister <strong>und</strong> Vizepräsidenten. Letzterer wurde <strong>in</strong> Bezug auf<br />

se<strong>in</strong>en Kassenbericht im Protokoll zitiert mit «Er habe Tränen <strong>in</strong> den Augen<br />

über die absolut historische Lage <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>sf<strong>in</strong>anzen.» Auch <strong>der</strong> Bericht des<br />

Netzmeisters alias Medienmogul wurde verdankt.<br />

In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht streifte <strong>der</strong> Präsident noch e<strong>in</strong>mal die Höhepunkte<br />

des vergangenen <strong>Jahr</strong>es: Cigarrenschiff «MS Davidoff» auf dem Zürichsee,<br />

«Big Smoke» im «Fischer‘s Fritz» sowie fünf «Wüstenhocks» (15. Februar, 27.<br />

April, 12. Juli <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Schmiede», 11. Oktober <strong>und</strong> 13. Dezember).<br />

73


Notar Michael Weber an <strong>der</strong> Arbeit.<br />

Zahlmeister <strong>und</strong> Vizepräsident Edgar Käl<strong>in</strong>.<br />

«Big Smoke» am 28. Juni 2014 im «Fischer's<br />

Fritz», Zürich.<br />

«Wüstenhock» am 24. Oktober 2014 im<br />

«Rathaus», Pfäffikon.<br />

«Smoke on the Water» am 24. November 2014 auf dem Davidoff-Schiff <strong>in</strong> Zürich.<br />

74


10.2 Die 22. Generalversammlung führte den Cigarrenvere<strong>in</strong> <strong>in</strong> die<br />

Ostschweiz. Am 28./29. März 2015 trafen sich die «<strong>Wüstensöhne</strong>» zusammen<br />

mit den «Hauskamelen» im Hotel «E<strong>in</strong>ste<strong>in</strong>» mit «Davidoff Lounge» <strong>in</strong><br />

St. Gallen. In se<strong>in</strong>er Begrüssungsansprache gab <strong>der</strong> Präsident e<strong>in</strong>en geistigen<br />

<strong>und</strong> kul<strong>in</strong>arischen Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf des Abends zum<br />

besten. Das letztjährige Protokoll wurde als «im Niveau konstant prof<strong>und</strong>» <strong>und</strong><br />

«genussvoll» per Akklamation verdankt. Nach wie vor als schwierig taxierte<br />

<strong>der</strong> Tischbaron die Suche nach e<strong>in</strong>er Möglichkeit zum Rauchen <strong>und</strong> dem<br />

Angebot e<strong>in</strong>er qualitativ angemessenen We<strong>in</strong>karte. Den Wunsch, dies auch<br />

noch <strong>in</strong> <strong>der</strong> Region E<strong>in</strong>siedeln vorzuf<strong>in</strong>den, grenze an Träumerei, so e<strong>in</strong><br />

desillusionierter Tischbaron abschliessend. Lei<strong>der</strong> vermochte <strong>der</strong> Antiquar<br />

nichts Neues zum «Cigarren-Wüstenfuchsschnei<strong>der</strong>», den deklarierten<br />

Insignien <strong>der</strong> Macht, zu berichten. Auch die Arbeit <strong>der</strong> F<strong>in</strong>dungskommission<br />

blieb erfolglos. Obwohl die f<strong>in</strong>anzielle Lage des Vere<strong>in</strong>s vom Rechnungsprüfer<br />

als «verheerend» beschrieben wurde, wurde <strong>der</strong> Bericht des Zahlmeisters,<br />

nachdem dieser e<strong>in</strong>e Mittel-F<strong>in</strong>dungskommission angeregt hatte, angenommen.<br />

Der Netzmeister («Medienmogul») konnte wie<strong>der</strong>um e<strong>in</strong>e r<strong>und</strong>um<br />

gelungene <strong>und</strong> aktuelle Medienpräsenz des Vere<strong>in</strong>s sowohl auf dessen<br />

Webseite als auch <strong>in</strong> den Social Media präsentieren. Die Anwesenden zeigten<br />

sich tief bee<strong>in</strong>druckt <strong>und</strong> nahmen se<strong>in</strong>en Bericht per Akklamation an.<br />

75


Der Präsident kämpfte im vergangenen <strong>Jahr</strong> mit ges<strong>und</strong>heitlichen Problemen,<br />

die ihn teilweise e<strong>in</strong>schränkten. Dennoch konnte er von <strong>der</strong> «Big Smoke»<br />

v. 28. Juni im «Fischer's Fritz» <strong>in</strong> Zürich berichten, dem «Smoke on the Water»<br />

auf dem Davidoff-Schiff (20. November) sowie e<strong>in</strong>em durchgeführten<br />

«Wüstenhock» (24. Oktober).<br />

Apéro <strong>und</strong> Genuss nach dem Essen <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

«Davidoff-Lounge» im Hotel «E<strong>in</strong>ste<strong>in</strong>» <strong>in</strong><br />

St. Gallen.<br />

76


10.3 Zu ihrer 23. Generalversammlung trafen sich die «<strong>Wüstensöhne</strong>» am<br />

23./24. April 2016 im Schloss B<strong>in</strong>n<strong>in</strong>gen.<br />

Die traktandierten Geschäfte warfen ke<strong>in</strong>e Wellen. Immerh<strong>in</strong> wurde auf<br />

Antrag des Rechnungsprüfers beschlossen, dass an den «Wüstenhocks» fortan<br />

nicht bloss e<strong>in</strong> Pauschalbetrag zu bezahlen sei, son<strong>der</strong>n nunmehr pro Cigarre<br />

Fr. 10.--. «Wüstenhocks» fanden am 17. Juni <strong>und</strong> 12. Dezember statt.<br />

Den wie immer tadellosen Bericht des Netzmeisters alias Medienmogul<br />

genehmigte die Versammlung «wohlwollend, zurückhaltend, aber stets<br />

beobachtend». Als Stellvertreter des Cigarrenmeisters bei «Wüstenhocks»<br />

wurde Reto Ulrich bestimmt.<br />

Im H<strong>in</strong>blick auf das anstehende <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong> wurde bestimmt, dass<br />

Netzmeister <strong>und</strong> Zahlmeister die Erstellung e<strong>in</strong>er Festschrift <strong>und</strong> weiterer<br />

Ideen prüfen <strong>und</strong> an <strong>der</strong> nächsten GV vorstellen.<br />

Notar Michael Weber, Präsident Christoph Lehner <strong>und</strong> Zahlmeister Edgar Käl<strong>in</strong> während <strong>der</strong><br />

Generalversammlung v. 23. April 2016 im Schloss B<strong>in</strong>n<strong>in</strong>gen.<br />

77


10.4 In das <strong>25</strong>. <strong>Jahr</strong> ihres Bestehens starteten die «<strong>Wüstensöhne</strong>» mit ihrer<br />

24. Generalversammlung im «Gasthof zum Gupf» <strong>in</strong> Rehetobel/AR, dem<br />

Lagerort <strong>der</strong> mit e<strong>in</strong>em Inhalt von 480 l grössten Flasche We<strong>in</strong>, e<strong>in</strong>er Küche<br />

mit 17 Gault-Millau-Punkten <strong>und</strong> e<strong>in</strong>em Guide-Michel<strong>in</strong>-Stern. Nach e<strong>in</strong>er<br />

religionspolitischen E<strong>in</strong>führung <strong>und</strong> dem präsidialen E<strong>in</strong>geständnis e<strong>in</strong>er<br />

fehlenden Vorbereitung wurde usanzgemäss <strong>der</strong> Tischbaron zum Stimmenzähler<br />

gewählt <strong>und</strong> das letztjährige Protokoll genehmigt.<br />

Der Tischbaron lobte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht das positive «Revival» <strong>der</strong><br />

«Pfauen»-Lounge <strong>und</strong> hob trotz Kritik an <strong>der</strong> «Gastfre<strong>und</strong>schaft analog e<strong>in</strong>es<br />

Seniorenheimes» im Schloss B<strong>in</strong>n<strong>in</strong>gen (so <strong>der</strong> Präsident) dessen schönes<br />

Ambiente hervor. Der Antiquar vermochte nichts Neues zu berichten. Nach<br />

wie vor sei er im Besitz <strong>der</strong> «Bibel des Hohepriesters des Cigarrenrauchens»<br />

<strong>und</strong> weiterh<strong>in</strong> sei <strong>der</strong> «Cigarren-Wüstenfuchsschnei<strong>der</strong>» unauff<strong>in</strong>dbar. Per<br />

Akklamation ebenfalls genehmigt wurde die <strong>Jahr</strong>esrechnung. Zwar sei <strong>in</strong> Bezug<br />

auf die Gönnerliste e<strong>in</strong> «Sodom <strong>und</strong> Gomorrha» festzustellen, so <strong>der</strong><br />

Rechnungsprüfer, doch habe sich immerh<strong>in</strong> das Vere<strong>in</strong>skapital verbessert<br />

(Fr. 4'680.--). Dies dank e<strong>in</strong>er Verfünfh<strong>und</strong>ertfachung des Gew<strong>in</strong>ns gegenüber<br />

dem Vorjahr.<br />

Der Netzmeister (gemäss eigener Bezeichnung: «Medienmogul») beschrieb<br />

se<strong>in</strong>e Arbeit wie gewohnt als tadellos <strong>und</strong> die Website sowie die geführten<br />

Facebook- <strong>und</strong> Twitter-Accounts als topaktuell («Mondän-Hipster aus Irak»,<br />

«Trump-Cigar» usw.). Der Cigarrenmeister schliesslich wies auf se<strong>in</strong> bewusst<br />

reichhaltiges Angebot an Cigarren <strong>und</strong> die exquisite Auswahl h<strong>in</strong>.<br />

In se<strong>in</strong>em <strong>Jahr</strong>esbericht gestand <strong>der</strong> Präsident e<strong>in</strong>, dass das vergangene<br />

Vere<strong>in</strong>sjahr nicht den Höhepunkt se<strong>in</strong>er «Regentschaft» darstelle. Immerh<strong>in</strong><br />

wurden drei «Wüstenhocks» im «Twenty-One» <strong>und</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge<br />

durchgeführt (19. März, 13. August <strong>und</strong> 4. November).<br />

Die Wahlen erfolgten unspektakulär <strong>und</strong> mit <strong>der</strong> Beson<strong>der</strong>heit, dass sich <strong>der</strong><br />

Notar nur unter <strong>der</strong> Bed<strong>in</strong>gung wie<strong>der</strong>wählen liess, dass e<strong>in</strong> neues Vere<strong>in</strong>sfoto<br />

erstellt werde. Dieses präsentiert sich nun auf <strong>der</strong> Titelseite <strong>der</strong> Festschrift.<br />

Für die geplante <strong>Jubiläum</strong>s-Reise des Vere<strong>in</strong>s im <strong>Jahr</strong> 2019 übernahm <strong>der</strong><br />

Präsident das Szepter. Der emeritierte Präsident <strong>und</strong> Netzmeister machte sich<br />

zusammen mit dem Vizepräsidenten/Zahlmeister an die Erstellung e<strong>in</strong>er<br />

Festschrift zum <strong>25</strong>-<strong>Jahr</strong>-<strong>Jubiläum</strong>.<br />

78


Im fantastischen We<strong>in</strong>keller des «Gupf». In <strong>der</strong> Schatzkammer des «Gupf».<br />

Präsident Christoph Lehner begrüsste<br />

auch die «Wüstenkamele».<br />

Küchenchef Walter Klose <strong>in</strong>mitten <strong>der</strong><br />

«<strong>Wüstensöhne</strong>».<br />

10.5 Die «Wüstenhocks» werden aktuell jeweils vom Präsidenten e<strong>in</strong>berufen,<br />

nachdem e<strong>in</strong>e Term<strong>in</strong>umfage per Doodle das möglichst vielen passende<br />

Datum ergeben hat. Daraufh<strong>in</strong> tritt <strong>der</strong> Tischbaron <strong>in</strong> Aktion <strong>und</strong> klärt die<br />

geeignete Lokalität ab. Er achtet darauf, dass Ambiente <strong>und</strong> We<strong>in</strong>karte sich<br />

mit Cigarrengenuss vertragen – <strong>und</strong> letzterer zugelassen ist. Währenddessen<br />

organisiert <strong>der</strong> Cigarrenmeister e<strong>in</strong>e vielfältige Auswahl erstklassiger Cigarren,<br />

welche er am «Wüstenhock» zu präsentieren <strong>und</strong> anzubieten gedenkt. Aktuell<br />

trifft sich <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> regelmässig <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Cigarren-Lounge» des «Rathauses» <strong>in</strong><br />

Pfäffikon (erreichbar per Bahn) o<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge <strong>in</strong> E<strong>in</strong>siedeln.<br />

Der übliche «Wüstenhock» startet mit Bier, Begrüssung <strong>und</strong> erstem Austausch<br />

von Neuigkeiten. Daraufh<strong>in</strong> tritt erneut <strong>der</strong> Tischbaron <strong>in</strong> Aktion, verlangt die<br />

We<strong>in</strong>karte <strong>und</strong> bestellt den passenden We<strong>in</strong>. Der Cigarrenmeister reicht den<br />

Humidor herum <strong>und</strong> jedes Mitglied sucht sich die ihm an diesem Abend<br />

passende(n) Cigarre(n) aus. Die In-Augensche<strong>in</strong>nahme, das Anzünden <strong>der</strong><br />

Cigarren <strong>und</strong> das Zelebrieren des Rauchens geschieht heute – teils – lei<strong>der</strong><br />

79


nicht mehr entsprechend den gebotenen Regeln von Cigarrenpapst Z<strong>in</strong>o<br />

Davidoff.<br />

In rauchgeschwängertem Ambiente, im Verlauf des Abends e<strong>in</strong>ige<br />

<strong>in</strong>teressierte <strong>und</strong> empörende Blicke von Nachbartischen auf sich ziehend, löst<br />

sich <strong>der</strong> «Wüstenhock» nach Erschöpfung <strong>der</strong> Diskussionsthemen, benebelt<br />

vom <strong>Tabak</strong>, schliesslich <strong>in</strong> M<strong>in</strong>ne <strong>und</strong> Zufriedenheit auf. Bis zum nächsten Mal.<br />

«Wüstenhock» v. 4. November 2016 <strong>in</strong> <strong>der</strong> «Pfauen»-Lounge.<br />

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11. Ehrentafel<br />

11.1 Aktivmitglie<strong>der</strong><br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> Dr.iur., Rechtsanwalt 1993 –<br />

Christof Stutz Verkaufsleiter International 1993 –<br />

Marco Käl<strong>in</strong> lic.iur., Rechtsanwalt 1993 –<br />

Benno Käl<strong>in</strong> Zustellbeamter Post 1993 – 1994<br />

Edgar Käl<strong>in</strong> Dipl. Ing. ETH/SIA 1993 –<br />

Ralph R<strong>in</strong>gger lic.iur., Staatsanwalt 1995<br />

Pius Marty Informatiker 1995 – 2004<br />

Frieda Chicherio F<strong>in</strong>k lic.iur., stv. Leiter<strong>in</strong> Rechtsdienst 1995 – 2009<br />

Christoph Lehner Dr.iur., Bezirksrichter (ZH) 1996 –<br />

Edgar Fuchs Sakristan 1997 –<br />

Walter Birchler Primarlehrer/Heilpädagoge 1998 – 2009<br />

Reto Ulrich Architekt/Generalunternehmer 2002 –<br />

Michael Weber Leiter Wo/TS BSZ, Sozialarbeiter FHZ 2009 –<br />

Roland Tschäppeler F<strong>in</strong>anzplaner 2009<br />

Marcel Strüby Malermeister 2011 –<br />

11.2 Passivmitglie<strong>der</strong><br />

Stefan Lienert 1996<br />

Bruno Frick 1997<br />

Markus Staub 1997<br />

Christoph <strong>Schönbächler</strong> 1998<br />

Urs F<strong>in</strong>k<br />

2001, lebenslang<br />

Sandra Hensler Käl<strong>in</strong> <strong>2017</strong><br />

81


11.3 Amtsträger<br />

Präsident <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, 1968<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, 1968<br />

Christoph Lehner, 1971<br />

1993 – 2003<br />

2003 – 2009<br />

2009 –<br />

Vizepräsident Edgar Käl<strong>in</strong>, 1969 1993 –<br />

Notar Benno Käl<strong>in</strong>, 1968<br />

Ralph R<strong>in</strong>gger, 1967<br />

Christoph Lehner, 1971<br />

Michael Weber, 1965<br />

1993 – 1994<br />

1995<br />

1996 – 2008<br />

2009 –<br />

Zahlmeister Edgar Käl<strong>in</strong>, 1969 1993 –<br />

Tischbaron Marco Käl<strong>in</strong>, 1972 1993 –<br />

Cigarrenmeister Christoph Lehner, 1971<br />

Marcel Strüby, 1969<br />

1997 – 2011<br />

2012 –<br />

Netzmeister Edgar Käl<strong>in</strong>, 1969<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, 1968<br />

2006 – 2009<br />

2010 –<br />

Antiquar Frieda Chicherio, 1969<br />

Reto Ulrich, 1972<br />

1995 – 2009<br />

2010 –<br />

Rechnungsprüfer Christof Stutz, 1971 1993 –<br />

82


12. Die Kunst des Rauchens<br />

«Was hat die Menschen zum Rauchen gebracht? Zwei S<strong>in</strong>ne, die sich<br />

langweilen. (…) Das Auge <strong>und</strong> das Ohr empfangen fortwährend E<strong>in</strong>drücke, <strong>und</strong><br />

ebenso ist <strong>der</strong> Gefühlss<strong>in</strong>n durch zahllose Friktionen unaufhörlich beschäftigt.<br />

(…) Aber Unbeschäftigtheit des Geruchs- <strong>und</strong> Geschmackss<strong>in</strong>nes wirkt<br />

lähmend, beunruhigt. (…) Der stärkere Trieb <strong>der</strong> Männer bedarf e<strong>in</strong>er<br />

anhaltenden Beschäftigung. So fand er auch für se<strong>in</strong>en Geschmack <strong>und</strong><br />

Geruch das <strong>Tabak</strong>kraut.» 149<br />

Stets möchten wir «um e<strong>in</strong>en möglichst billigen Preis e<strong>in</strong>e möglichst gute<br />

Cigarre haben. Aber die Zahl <strong>der</strong> geme<strong>in</strong>en Cigarren ist Legion. Es gibt solche,<br />

die bis ans Ende nur im Innern glimmen; knisternd stieben die Funken aus<br />

ihrem Schoss, wie aus e<strong>in</strong>em Krater. E<strong>in</strong>e solche Cigarre ist eigentlich e<strong>in</strong>e<br />

Rakete, die ihren Beruf verfehlt hat. Manche freilich wird des ärgerlichen<br />

Funkenspruchens müde <strong>und</strong> führt nach e<strong>in</strong>igen Zügen e<strong>in</strong>en vernünftigen<br />

Lebenswandel bis ans Ende, bis zum letzten Stümpchen. Doch es gibt nicht<br />

alle<strong>in</strong> schändliche Cigarren, son<strong>der</strong>n auch schändliche Raucher.» 150<br />

Als solche nannte <strong>der</strong> Verfasser obgenannter Zeilen bspw. den Cigarrenfresser,<br />

welcher das Cigarrenende abbeisst, den zierlichen Raucher, welcher die<br />

Cigarre bloss wegen <strong>der</strong> Asche raucht, den Rauchkünstler als virtuosen<br />

Bildner des Rauches <strong>und</strong> den sog. Zündhölzchen-Raucher, welcher aufgr<strong>und</strong><br />

se<strong>in</strong>er Geschwätzigkeit nicht über das Stadium des Anzündens <strong>der</strong> Cigarre<br />

h<strong>in</strong>aus kommt.<br />

Schon anfangs des 19. <strong>Jahr</strong>h<strong>und</strong>erts war die wichtige Erkenntnis geboren, dass<br />

man den <strong>Tabak</strong> nicht «übermässig geniesse, son<strong>der</strong>n vielmehr durch weise<br />

Anwendung <strong>und</strong> Mässigung sich e<strong>in</strong> Vergnügen, wo nicht gar e<strong>in</strong> höheres<br />

Wohlseyn verschaffe.» 151<br />

E<strong>in</strong>e wichtige Differenzierung folgte: «Es ist e<strong>in</strong>e allgeme<strong>in</strong>e Me<strong>in</strong>ung, dass es<br />

anständiger sey, <strong>in</strong> Gesellschaften, beson<strong>der</strong>s mit Damen, Cigarren zu<br />

rauchen, als e<strong>in</strong>e Pfeife.» 152<br />

149 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 13. Februar 1886.<br />

150 «E<strong>in</strong> Kapitel über das Rauchen», <strong>in</strong>: E<strong>in</strong>siedler-Anzeiger v. 13. Februar 1886.<br />

151 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 3 f.<br />

152 FRIEDRICH STERNBERG, Knasterkopfs Annehmlichkeiten <strong>und</strong> Freuden, Ronneburg 1834, S. 19.<br />

83


1. Prüfen <strong>der</strong> Cigarre<br />

Zuerst ist die Cigarre im H<strong>in</strong>blick auf Farbe des Deckblattes, Form, Grösse <strong>und</strong><br />

Druckwi<strong>der</strong>stand zu prüfen. Man beachte auch die Bauchb<strong>in</strong>de, die oft e<strong>in</strong><br />

kle<strong>in</strong>es Kunstwerk darstellt.<br />

2. Das E<strong>in</strong>schneiden<br />

Die Öffnung muss kle<strong>in</strong> se<strong>in</strong>, <strong>der</strong> Grösse <strong>der</strong> Cigarre entsprechend; so<br />

bemessen, dass <strong>der</strong> Rauch reichlich, doch nicht überreichlich strömt. Die<br />

Öffnung muss sauber <strong>und</strong> nicht zu tief se<strong>in</strong>. Alle Techniken, die diese<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllen, s<strong>in</strong>d zulässig. Wichtig ist, dass das Deckblatt nicht<br />

beschädigt wird. Ist die Cigarre e<strong>in</strong> wenig trocken, so ist sie zwischen die<br />

Lippen zu nehmen <strong>und</strong> ihr Kopf ist leicht anzufeuchten.<br />

3. Das Anzünden<br />

Der Brandherd <strong>der</strong> Cigarre soll zunächst e<strong>in</strong>ige Sek<strong>und</strong>en leicht vorgewärmt<br />

werden, bevor man die Cigarre an die Lippen führt.<br />

Die Cigarre zündet man mit kle<strong>in</strong>er Flamme an. Man hält die Cigarre hierfür<br />

e<strong>in</strong> wenig schräg nach unten im M<strong>und</strong> <strong>und</strong> dreht sie ca. e<strong>in</strong>en Zentimeter über<br />

<strong>der</strong> Flamme. Die Cigarre soll we<strong>der</strong> zu schnell noch zu langsam, son<strong>der</strong>n<br />

gleichmässig, mit kle<strong>in</strong>en, kurzen Zügen angezündet werden. Um e<strong>in</strong>en<br />

gleichmässigen Brand, d.h. e<strong>in</strong>e das ganze Brandende umfassende Glut, zu<br />

för<strong>der</strong>n, bläst man sanft auf die Glut.<br />

Man beachte: Zum Anzünden e<strong>in</strong>er Cigarre kann man Streichhölzer o<strong>der</strong> e<strong>in</strong><br />

Gasfeuerzeug verwenden, nie aber e<strong>in</strong> Benz<strong>in</strong>feuerzeug, denn es verdirbt das<br />

Aroma. E<strong>in</strong>e richtig angezündete Cigarre ist stets genussreicher als e<strong>in</strong>e hastig<br />

angezündete, man sollte sich daher Zeit lassen. Das Anzünden muss e<strong>in</strong>e<br />

persönliche Angelegenheit bleiben.<br />

4. Das Wie<strong>der</strong>anzünden<br />

Das Wie<strong>der</strong>anzünden ist geboten, wenn man noch nicht bis zur Hälfte<br />

geraucht hat. Jenseits des zweiten Drittels muss die Cigarre auf alle Fälle aber<br />

ausgegangen se<strong>in</strong>. Wenn man die Cigarre e<strong>in</strong> zweites Mal anzündet, behält<br />

man sie nicht im M<strong>und</strong>, son<strong>der</strong>n hält sie zwischen den F<strong>in</strong>gern <strong>und</strong> dreht sie<br />

zwei, drei Sek<strong>und</strong>en über <strong>der</strong> Flamme.<br />

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5. Die Bauchb<strong>in</strong>de<br />

Ob man die Bauchb<strong>in</strong>de beim Rauchen an <strong>der</strong> Cigarre lassen will o<strong>der</strong> nicht,<br />

ist e<strong>in</strong>e persönliche Sache. V.a. <strong>in</strong> England gehört es zum guten Stil, die Marke<br />

<strong>der</strong> Cigarre vorzuzeigen. Nach ZINO DAVIDOFF nimmt man die Bauchb<strong>in</strong>de ab,<br />

sobald man etwa e<strong>in</strong> Fünftel <strong>der</strong> Cigarre geraucht hat, denn die Cigarre sei<br />

schöner <strong>in</strong> ihrer «Nacktheit».<br />

Man beachte: Falls man die Bauchb<strong>in</strong>de entfernen möchte, empfiehlt es sich,<br />

die Cigarre auf jeden Fall zunächst e<strong>in</strong> paar M<strong>in</strong>uten zu rauchen, da sich bei<br />

<strong>der</strong> Wärme des Rauches <strong>der</strong> Klebstoff, mit dem die Bauchb<strong>in</strong>de am Deckblatt<br />

befestigt ist, leichter lösen lässt. So wird vermieden, dass das Deckblatt beim<br />

Entfernen <strong>der</strong> Bauchb<strong>in</strong>de beschädigt werden könnte.<br />

6. Wie man die Cigarre im M<strong>und</strong> hält<br />

Die Cigarre ist fest <strong>und</strong> sicher zwischen den Lippen zu halten, auf e<strong>in</strong>er Ebene,<br />

die mit den Zähnen e<strong>in</strong>en rechten W<strong>in</strong>kel bildet. Man lässt die Cigarre nicht<br />

zwischen den Zähnen h<strong>in</strong> <strong>und</strong> her wan<strong>der</strong>n. Vor allem verän<strong>der</strong>t man nicht<br />

ihren Neigungsw<strong>in</strong>kel; das Ende, das man im M<strong>und</strong> hält, soll so trocken wie<br />

möglich bleiben.<br />

7. Rauchgeschw<strong>in</strong>digkeit<br />

«Rauchen Sie langsam!» lautet die wichtigste Regel. Man raucht <strong>in</strong> Ruhe <strong>und</strong><br />

Würde – Cigarre <strong>und</strong> Eile, das verträgt sich nicht. Je<strong>der</strong> soll freilich se<strong>in</strong>en<br />

eigenen Rhythmus entdecken, <strong>der</strong> ihm den grössten Genuss ermöglicht. Als<br />

«Gr<strong>und</strong>mass» gilt jedoch etwa e<strong>in</strong> Zug pro M<strong>in</strong>ute. Zieht man zu oft an <strong>der</strong><br />

Cigarre, wird diese zu heiss <strong>und</strong> man verdirbt das Aroma.<br />

8. Die Cigarre raucht man auch mit den F<strong>in</strong>gern<br />

E<strong>in</strong>e Cigarre bedeutet Ruhe, Entspannung, Musse, ja Müssiggang. Man raucht<br />

e<strong>in</strong>e Cigarre nicht nur mit dem M<strong>und</strong>, son<strong>der</strong>n auch mit <strong>der</strong> Hand, mit den<br />

Augen <strong>und</strong> dem Geist.<br />

Die Hände sollten deshalb re<strong>in</strong> <strong>und</strong> frei von jedem Geruch se<strong>in</strong>. Man hält die<br />

Cigarre zwischen Daumen <strong>und</strong> Zeigef<strong>in</strong>ger <strong>und</strong> führt sie an den M<strong>und</strong>, um an<br />

ihr zu ziehen. Nur <strong>in</strong> diesem Augenblick behält man sie drei, vier, fünf o<strong>der</strong><br />

sechs Sek<strong>und</strong>en lang, je nach Geschmack, zwischen den Lippen. Die übrige<br />

Zeit hält man sie unbeweglich zwischen den F<strong>in</strong>gern, parallel zum Boden.<br />

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9. Der Rauch<br />

Der Cigarrenrauch wird nicht <strong>in</strong>haliert. Man behält den Rauch e<strong>in</strong>ige Sek<strong>und</strong>en<br />

im M<strong>und</strong>, um se<strong>in</strong>e fe<strong>in</strong>e Würze zu entdecken, ihn zu geniessen <strong>und</strong> ihm die<br />

subtilsten Nuancen abzugew<strong>in</strong>nen. Man beachte: Sobald <strong>der</strong> Rauch beg<strong>in</strong>nt,<br />

heiss zu werden, <strong>und</strong> sich e<strong>in</strong> starker Nachgeschmack e<strong>in</strong>stellt (gewöhnlich bei<br />

den letzten Zentimetern), sollte man sie beiseite legen.<br />

10. Die Asche<br />

Man wartet bis sich die Asche von selbst, nämlich durch ihr eigenes Gewicht,<br />

von <strong>der</strong> Brandfläche löst. Das geschieht bei e<strong>in</strong>er guten, gepflegten Cigarre,<br />

sobald sie e<strong>in</strong>e Länge von ungefähr drei Zentimetern hat. Man beachte: Es gibt<br />

jedoch ke<strong>in</strong>en Gr<strong>und</strong>, e<strong>in</strong> zu langes Aschenende an <strong>der</strong> Cigarre zu behalten,<br />

denn dieses stört den Luftdurchzug, so dass die Cigarre ungleichmässig<br />

brennt.<br />

11. Das Erlöschen <strong>der</strong> Cigarre<br />

Der «natürliche Tod» e<strong>in</strong>er Cigarre soll auf alle Fälle e<strong>in</strong>treten, sobald das<br />

zweite Drittel geraucht worden ist. E<strong>in</strong> Raucher von Rang zieht ihn nicht <strong>in</strong> die<br />

Länge. Man beachte: E<strong>in</strong>e Cigarre wird nicht ausgedrückt wie e<strong>in</strong>e Zigarette.<br />

Man lässt sie im Aschenbecher liegen, wo sie bald von selbst ausgeht. Dann<br />

aber sollte man den Stumpen bald wegwerfen, sonst nimmt <strong>der</strong> Raum den<br />

Geruch schalen Rauchs an.<br />

12. Nach dem Rauchen<br />

Nach dem Genuss e<strong>in</strong>er guten Cigarre ist e<strong>in</strong> wenig Ruhe <strong>und</strong> Sammlung<br />

vonnöten. Man kann den M<strong>und</strong> mit Kaffee, Tee o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>em scharfen<br />

alkoholischen Getränk spülen, je nach Geschmack. Jedenfalls lässt man, ehe<br />

man sich e<strong>in</strong>e neue Cigarre anzündet, e<strong>in</strong>e Viertelst<strong>und</strong>e verstreichen. Man<br />

beachte: Nach <strong>der</strong> Cigarre raucht man ke<strong>in</strong>e Zigarette!<br />

Aus: ZINO DAVIDOFF, Cigarren-Brevier o<strong>der</strong> Was raucht <strong>der</strong> Connaisseur, Wien 1967<br />

ANWER BATI, Cigarren - Der Guide für Kenner <strong>und</strong> Geniesser, München 1994<br />

GÉRARD PÈRE ET FILS, The Connoisseur’s Guide to Havana Cigars, Solar 1992<br />

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