Deutsch - The Wing Revolution

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Deutsch - The Wing Revolution

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Text:

Víctor Gutiérrez Silván

Fotos: www.budointernational.com

Eine der Hauptregeln dieser Zeitschrift ist es, sich

nicht in Str eitigkeiten der verschiedenen

Organisationen und Verbände einzumischen oder

Stellung zu nehmen. Oft muss ich die Autoren, die hier

schr eiben, dazu ermahnen, Angriffe auf ihr e

Mitbewerber zu unterlassen. In diesem Falle war es

nicht notwendig, da Sifu Víctor Gutiérrez sich bereits

mit großem Anstand zurückhielt, indem er sich in

seinem Artikel vom letzten Monat bei seinen Lehrern

für die erhaltene Ausbildung bedankte. Und das gerade

in dem Moment, in dem er seine Loslösung vom Verband

erklärte und dazu überging seine Lehre und seine eigene

Institution zu gründen. Der Dank von Sifu Víctor Gutiérrez

an seine Lehrer war mir besonders wichtig, da alle diese

Meister hier auch Artikel veröffentlicht haben oder immer noch

für diese Zeitschrift schreiben. Ich freue mich, obwohl dieser

Übergang für manch einen mit einem Wermutstropfen

aufgenommen worden ist, im Großen und Ganzen alles mit dem

Anstand und der Reife entwickelt, die man von diesen Herren

erwarten darf. Es ist aber trotzdem logisch, dass jeder das Recht

hat, in seinen Texten die Unterschiede unterstreicht, die ihn von

anderen trennen. Niemand sollte sich deswegen angegriffen fühlen.

In diesem Punkt ist es für mich eine Ehre, die neue DVD von Sifu

Víctor Gutiérrez vorzustellen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine DVD

mehr, eine von vielen, die bereits im Umlauf sind. Diese neue DVD vermittelt

hier eindrucksvoll nicht nur die Kraft und die Energie eines anfangenden

Projektes, sondern die geballte Erfahrung eines Meisters, der schon viele

Jahre in der Branche gearbeitet hat. The Wing Revolution ist nicht über

Nacht entstanden. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer langen

Entwicklung, welche schon in früheren Arbeiten von Sifu

Gutiérrez deutlich zu erkennen war. Seine Art, das Wing Tsun zu

betrachten, war schon seit vielen Jahren sehr persönlich

geprägt. Jetzt hat er sie einfach systematisch strukturiert

und professionalisiert und damit eine Lehre und ein

Ausbildungssystem geschaffen, die mir modern und betont

praxisorientiert erscheinen. Einige der wichtigsten

technischen Aspekte, die ihn dazu bewogen, diesen

Schritt zu gehen, werden in diesem Artikel erklärt. Ich

bin mir sicher, dass viele Wing Tsun Schüler ihn mit

großen Interesse lesen werden. Jene, die eventuell

Beleidigungen und fundamentslose Polemik erwarten,

brauchen nicht weiter zu suchen. Hier gibt es nur das,

was man von Victor Gutierrez erwarten kann:

Information über die Bewegung, die jetzt neu geboren

ist, sowie über ihre Eigenschaften und Vorteile.

Alfredo Tucci

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Immer wenn es um Veränderungen

geht, verursachen sie eine große

Anzahl von Reaktionen: Entweder

„dafür„ oder “dagegen“. Demzufolge

ist es auch nur logisch, dass zwischen

den Befürwortern und Gegnern Zweifel

und Unsicherheit entstehen. Das „Sträuben„

gegen Veränderungen und deren Einführung

war schon oft Gegenstand von Studien

unterschiedlicher Wissenschaftszweigen,

wie der Psychologie, Soziologie und

Betriebswirtschaftslehre. Eine offene Informationspolitik

ist für diejenigen die beste

Lösung, die bereit sind, Vorteile von Veränderungen

nicht von vorne herein abzulehnen,

um dann mit Ruhe entscheiden zu können,

ob diese in ihrem Interesse liegen oder nicht.

Es gibt aber auch die, bei denen jegliche

Informationsmaßnahmen zum Scheitern verurteilt

sind, da sie einfach von vorne herein

jede Veränderung ablehnen.

In den letzten Monaten musste ich viele

Fragen zu meiner Entwicklung auf dem

Gebiet der neuen “Bewegung“, die heute

schon als The Wing Revolution bekannt ist,

beantworten. Fragen, die nicht nur von meinen

Schülern, sondern auch von anderen

Liebhabern der Kampfkunst und des Kampfsportes

gestellt wurden.

Die Fragen betrafen unterschiedlichste

Aspekte, welche mir selbst sehr zu denken

gegeben haben und letztlich der Grund meiner

Entwicklung sind. Ebenfalls sah ich mich

mit sehr vielen vorgefertigten Kritiken konfrontiert,

die von Menschen geäußert wurden,

welche weder unsere Arbeit noch den

Denkansatz des neuen Systems kennen. Es

ist nicht meine Absicht, mit diesem Artikel

solche Art von Kritikern zu überzeugen. Ich

möchte lediglich denjenigen Information

anbieten, welche mehr von The Wing Revolution

wissen möchten.

Die Entwicklung des Systems „The Wing

Revolution“ begann bereits vor einigen Jahren

ohne jetzt genau sagen zu können, ab

welchem Zeitpunkt genau alles begann.

Sicher ist jedoch, dass es am Anfang nicht in

meiner Absicht lag, einen neuen Stil zu gründen.

Genauso wissen alle, dass mir nicht

alles wie in so manchen Legenden alter

Kampfkünste, über Nacht in Form einer Eingebung

oder Traum zufiel. Selbstverständlich

geht und ging es uns nie darum, ein

“angriffslustigeres” WT oder aggressivere

Kampfkunst zu lehren, was in der Tat eine

viel zu einfache Erklärung gewesen wäre.

Ganz im Gegenteil, es war nicht eine

momentane Inspiration, sondern eine sehr

langsame Entwicklung, die mit dem Aufkeimen

von Zweifeln bezüglich der herkömmlichen

Arbeitsweise begann. Oft werden

gerade beim Lernvorgang diese aufkommende

Zweifel beiseite geschoben, in der beruhigenden

Hoffnung: „Bis zum nächsten Grad

wird man mich schon unterrichten und

danach werde ich schon gelernt haben, wie

man dieses Problem löst. Ganz sicher!“ In

der Tat ist es so, dass viele Fragen im Laufe

des Lernvorganges beantwortet wurden,

aber auch zu viele offen und unbeantwortet

blieben. Irgendwann gelangt man an einen

“Eines der größten

Probleme der

Entwicklung vieler

Kampfsysteme

ist das,

was wir

„technische

Endogamie“

nennen könnten.

Man widmet seine

ganze Zeit der

Verbesserung der

eigenen Technik

gegen Kontrahenten,

die sich genauso wie

wir bewegen”

Punkt, an dem man entweder eigene Antworten

suchen, oder einfach alle Zweifel vergessen

oder ignorieren muss. Logischerweise

versucht man zuerst jene Probleme

mit den herkömmlichen, schon bekannten

Werkzeugen, über die man schon verfügt, zu

lösen. Später merkt man, dass es notwendig

ist auf andere Ressourcen und Werkzeuge

zurückzugreifen und neu zu entwerfen, um

die eigene Arbeit verbessern zu können und

auf diese Weise Lösungen zu finden. Die

neuen Werkzeuge werden „auf den Prüfstand

gestellt„ bevor man sie in die eigene

Arbeit einbauen kann. An diesen Punkt angekommen,

ist der nächste notwendige Schritt,

deine Erfindungen solange immer aufs Neue

nachzuprüfen und zu verbessern, bis sie

ihren Zweck perfekt erfüllen. Beim Feststellen,

dass diese neuen Werkzeuge die bisherigen,

herkömmlichen nicht nur fast komplett

ersetzen, sondern auch ermöglichen, eigene

Fähigkeiten zu erweitern und neue Kompetenzen

zu entdecken, kann es vorkommen,

dass aus dem anfänglichen Versuch, eigene

Antworten auf offene Fragen zu finden, am

Ende ein komplexes Projekt

entsteht. Ein Projekt,

das nicht nur seinen eigene

Identität und Charakter

hat, sondern sich auch

sehr weit vom ursprünglichen

Anfangspunkt

weiterentwickelt hat.

“Ist das, was wir praktizieren,

traditionelles Wing

Tsun?” “Besteht da überhaupt

ein Unterschied?“.

Das sind die beiden Fragen die uns am meisten

gestellt werden. Zuerst müsste definiert

werden, was in Wing Tsun oder in anderen

Kampfkünsten als “traditionell” verstanden

werden soll. Diese Auslegung ist letztendlich

subjektiv und hängt davon ab, wo jeder von

uns die Evolutionsgrenze zum „Neuen“ setzt

und sich so natürlich wiederum unterschiedliche

Perspektiven eröffnen. Was ist dann

“traditionell”? Das, was von Großmeister Yip

Man oder von seinen Vorgängern überliefert

worden ist? Was heute die Schüler von

Leung Ting oder anderer Meistern in China

lehren? Oder etwa das europäische Wing

Tsun? Eins ist völlig klar: Ich selbst kann

nicht das, was ich heute entwickle und lehre,

einfach nur Wing Tsun nennen. Das war der

Grund warum ich beschloss, die EWTO zu

verlassen. Selbstverständlich befinde ich

weiterhin viele Prinzipien und Begriffe, die ich

in all den Jahren erlernte als wichtig, wenn

auch nur noch in Verbindung mit den Strategien,

Taktiken und Techniken, die wir erst in

den letzten Jahren entwickelt haben und von

denen ich hoffe, dass sie sich weiterhin entwickeln

und verändern werden. Ein neuer

Weg, eine Evolution, vorangetrieben nicht

nur alleine durch mich und meiner Vision,

sondern auch durch die Mitarbeit von all den

Teilnehmern, die das nötige Interesse daran

haben, The Wing Revolution wachsen zu

sehen.

Die Grundstrategie des Wing Tsun auf

einen Angriff zu reagieren besteht darin, mit

einer offensiven Abwehr zu reagieren, welche

darauf zielt, die zentrale Linie durch ständige

Gegenangriffe zu verteidigen. Diese Strategie

funktioniert sehr gut, wenn der Angriff

aus einer relativ langen Distanz gestartet

wird und wenn der Gegner, diese Strategie

nicht kennt, und sie deshalb nicht erwartet.

Probleme entstehen erst dann, wenn der

Kampf innerhalb einer kurzen oder mittleren

Entfernung startet, und besonders kritisch

wird es, wenn der Gegner „deinen Kampfstil

kennt oder erkennt“, d. h. wenn er über deine

Strategie informiert ist und sie geradezu

erwartet. Antizipiert sich mein Gegner, indem

er rechtzeitig aus meiner geraden Angriffslinie

heraustritt, und ich deshalb nicht durch

meine Vorgehensweise das Ziel erreiche,

sind die Chancen, meinen Angriff wieder aufzubauen,

aufgrund der geringen Mobilität

meines Angriffs und Stellung, eher gering.

Was im anderen Fall geschieht, kann man als

einen wahren “Zusammenstoß zweier Züge”

bezeichnen: Entweder überwältige ich den

Kontrahenten, d. h. ich durchstoße seine

Stellung, weil ich einfach stärker bin, oder ich

Reportage


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Reportage

weiche zurück, falls ich es nicht bin. In The

Wing Revolution verteidigen wir auch die

zentrale Linie mit einem Gegenangriff, aber

außerdem schützen wir auch unsere Flanken,

welche der Feind mit seinen Angriffen zu

durchbrechen versucht. Dieses Vorgehen

nennen wir unsere „Grenzen“ oder „Verteidigungslinien“

schützen. Es ermöglicht uns

nach dem ersten Kontakt so zu reagieren,

dass der gegnerische Angriff unseren Körper

oder unser Gesicht nicht erreicht. Nachfolgend

fahren wir mit ständigen, miteinander

verketteten Angriffen fort,

welche die Achse des Gegners

durchdringen sollen, sofern es

uns die richtige Entfernung

zum Gegner erlaubt. Im

Falle dass diese Distanz

nicht gegeben ist, zielen wir

mit jenen verketteten Angriffen

auf die Grenzen des Gegners. Diese

Gegenangriffe kombinieren wir mit diagonaler

Schrittarbeit bei denen wir das Körpergewicht

flexibel verlegen oder neutral halten

können, und so dem Gegner kein ruhiges

Ziel bieten. Diese Strategie erleichtert unsere

Gegenangriffe und verbessert unsere

Anpassungsfähigkeit auf seine Bewegungen.

Beschriebene Mobilität, Bewegungsund

Gegenangriffsabfolgen sind genauso

wirksam, wenn es sich um bewaffnete

Konfrontationen handelt, d. h. Kämpfe

mit oder gegen Waffen. Bei Auseinandersetzungen

mit Waffen können wir

natürlich nicht zuerst das Durchdringen

der Achse des Gegners mit unserem

Angriff als Ziel haben. Das primäre Ziel

unserer ständigen sich wiederholenden

Gegenangriffe sollte die Entwaffnung

des Kontrahenten sein und dazu

sollten wir wieder mehr auf seine

Grenzen achten. Wir sehen also, das

im Gegensatz zu dem, wie es im Wing

Tsun und Escrima geschah (zwei

unterschiedliche Systeme, die manchmal

widersprüchliche Strategien für

dasselbe Problem anboten), in The

Wing Revolution der Kampf mit bloßen

Händen mit und gegen Waffen

sich den spezifischen Notwendigkeiten

des Gefechts anpasst.

Anders gesagt, in jeder Phase des

Kampfes wählen wir die gleiche,

der Situation angemessenen

Strategie und Taktik, ohne „den

Chip wechseln zu müssen“.

Eines der größten Probleme

der Entwicklung vieler Kampfsysteme

ist das, was wir

„technische Endogamie“ nennen

könnten. Man widmet

seine ganze Zeit der Verbes-

serung der eigenen Technik gegen Kontrahenten,

die sich genauso wie wir bewegen.

Natürlich können wir damit unsere Antworten

und Reaktionen gegenüber bestimmten

Angriffen verbessern. Diese Arbeitsweise

jedoch vergisst und ignoriert oft viele andere

Gefahren. Mit der Zeit schleichen sich Trainingsgewohnheiten

und Übungsmetoden

ein, welche unsere Betrachtungsweise über

den Kampf, nur auf gewohnte technische,

strategische und taktische Denkansätze

begrenzt. So kommt es vor, dass sich letztendlich

die Trainingseinheiten nur um SV

Situationen und Szenarien drehen, die nur

dazu ausgedacht wurden, um folgerichtig

diejenigen Antworten zu geben, die man zu

lehren versucht. Gerade das geschieht in

(sportlichen oder realistischen) Kämpfen zwischen

annähernd gleichen Gegnern, in

Übungen mit Sparring, lat sao, poon sao (chi

sao) usw. In The Wing Revolution versucht

man dagegen gerade im Training das

Bewusstsein für alle mögliche Gefahren während

des Kampfes zu schulen, denn man

muss zuerst in der Lage sein sie wahrzunehmen,

um sie zu vermeiden oder überwinden

zu können. Aus diesem Grund werden die

Kursteilnehmer im sicheren Umfeld des

Unterrichts und entsprechend ihrer körperlichen

Verfassung an der Entdeckung und

Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten

beteiligt, um im Kampf bestehen zu können.

Der Schüler wird so gefördert, das seine

Eigenständigkeit, richtige Entscheidungen zu

treffen sich ständig verbessert, und das bei

immer komplexeren Problemen. Es handelt

sich um einen echten Unterschied zu dem

obengenannten herkömmlichen Denkansatz.

Unser Ziel ist es nicht, immer wieder ein

neues Programm oder eine neue „technische

Choreografie“ zu lehren, sondern diejenigen

Fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern,

die es uns ermöglichen, in jeder Phase

eines Kampfes angemessen reagieren zu

können. In The Wing Revolution behandeln

die Trainingseinheiten am Anfang, Kompetenzen

und Fähigkeiten der Teilnehmer durch

Übungen zu schulen. Sie beinhalten folgende

Aspekte: Angriffs- und Reaktionsfähigkeit;

Fortbewegung des Körpers und der

Beine; Selbstwahrnehmung; Bodenkampf

und Waffenkampf. Die Teilnehmer werden

auf diese Weise allmählich fließender in ihren

Bewegungen. Ihre Mobilität und Reaktionsfähigkeit

verbessern sich, wobei sie auch lernen,

wie sie sich an unterschiedliche Situationen

optimal anpassen können. Während

ihrem späteren Lernprozess werden die

Schüler auch andere Aspekte wie z.B. die

dynamische Verankerung ihrer Position, Vermittlung

von Schlagkraft, Beherrschung der

eigenen Kraft, Ausnutzung von muskulärem

Zusammenspiel, Schulung des Gleichge-

“In The Wing

Revolution

verteidigen wir auch

die zentrale Linie mit

einem Gegenangriff,

aber außerdem

schützen wir auch

unsere Flanken,

welche der Feind mit

seinen Angriffen zu

durchbrechen

versucht.

Dieses Vorgehen

nennen wir unsere

„Grenzen“ oder

„Verteidigungslinien“

schützen”

wichts sowie die Arm-Bein-Koordinierung,

verbessern. Selbstverständlich werden beim

„erfahren„ dieser Trainingsstufen andere

wichtige Aspekte wie z.B. wohltuende Verbesserung

der sportlichen Kondition und das

Erlernen der Prinzipien und Werte des Systems

nicht vergessen. Unser Anliegen ist,

dass jedes Individuum entsprechend seinen

Umständen, durch das Training das „Beste

aus sich selbst“ herausholen kann. Das

Wichtigste für The Wing Revolution sind die

Menschen. So erschufen wir eine neue Institution,

die nicht nur das persönliche und

berufliche Wachstum ihrer Mitglieder sucht,

sondern sich auch wahrlich in ihren Dienst

stellt. Ein neues Denken, das sich sehr von

der althergebrachten Traditionen unterscheidet.

Es war für uns notwendig, unter Unabhängigkeit

an der ständigen Verbesserung

unsere eigenen Ideen arbeiten zu können.

Die ständige Weiterbildung der Teilnehmer,

aller Ausbilder und auch der Organisationsverantwortlichen

wird in der neuen Institution

absolute Priorität haben. Daraus resultiert ein

Organisationsschema das durch seine Struktur

den obengenannten Zielen dient.

The Wing Revolution als Institution kann

also nicht nur auf einen neuen Denkansatz

als Kampfsport reduziert werden. Deren

Struktur und Ziele unterliegen derselben

Seriösität und Leidenschaft mit der wir unserer

Arbeit nachgehen. Ich möchte diese

Worte dazu nutzen um den Lesern auf den

neuen Weg hinzuweisen, den von nun an

viele von uns gemeinsam gehen werden. Es

scheint mir die richtige Gelegenheit zu sein,

deutlich und in aller Bescheidenheit zu

sagen, dass ICH nicht die Institution bin. Ich

bin nur ein Teil ihrer Entwicklung. Mein ganzes

Können werde ich in den Dienst des

gemeinsamen Projektes stellen. Alle beruflichen

Trainer die ich kenne, zeichnen sich

durch ihre hohen Grad an Professionalität,

Lernbegierde und ständiger Suche nach Verbesserung

aus. Es hat sich immer bestätigt,

dass die Arbeit innerhalb einer motivierten

und qualifizierten Mitarbeitergruppe das

Beste ist, um diesen neuen Weg zu gehen

und meine Kenntnisse mitzuteilen, anstatt

mich als alleinigen Vertreter der Idee darzustellen.

Mein Wunsch war und ist nur, über

eine Infrastruktur zu verfügen, die es jedem

der lernen möchte ermöglicht, sich zu verbessern

und weiterzuentwickeln. Meine

eigene Verbesserungsfähigkeit hängt in

erster Linie von den Kompetenzen der Leute

ab die mich umgeben.

Gerade dieses Bestreben nach Professionalität,

führte uns zu der Frage, wie wir die

Selbstständigkeit derer bewahren könnten,

die unserer Institution beitreten möchten.

Das Lehren eines Systems reduziert sich oft

auf die Vermittlung einer Reihe von technischen

Ressourcen, die nach dem Mechanismus

„Anreiz-Antwort“ beigebracht werden.

Damit will Ich sagen, dass im Gegensatz

dazu unser neues revolutionäres Lernund

Ausbildungssystem darauf gerichtet ist,

den Teilnehmern Freiheit zu verleihen, um

Entscheidungen treffen zu können. Die

Schüler werden dazu ermuntert, diese eigenen

Entscheidungen zu treffen, so dass sie in

Zukunft Lerninhalte selber mitgestalten können.

Genauso habe ich auch in aller Bescheidenheit

angefangen.

So manch einer möge denken, dass das

alles nur schöne Worte sind. Das ist jedoch

keinen falls so. Obwohl der Aufbau der Organisation

schon in aufwendigem Rahmen

betrieben wurde, (Verwaltung, Forschung

und Entwicklung, Werbung, Äußere Beziehungen...),

hat die Aus- und Weiterbildung

der Schüler und der künftigen Ausbilder bei

uns einen besonderen Stellenwert. Wir

haben dafür gesorgt, das den Beitrittsinteressierten

alle Förder- und Aufstiegsmöglichkeiten

angeboten werden können, damit sie

nicht irgendwann das Gefühl haben, in eine

„Sackgasse“ geraten zu sein, ein Gefühl, das

ich in meiner Karriere selbst manchmal hatte.

Es musste also ein Lernsystem her, das den

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Reportage

“Gerade dieses Bestreben nach

Professionalität, führte uns zu

der Frage, wie wir die

Selbstständigkeit derer bewahren

könnten, die unserer Institution

beitreten möchten.

Das Lehren eines Systems

reduziert sich oft auf die

Vermittlung einer Reihe von

technischen Ressourcen, die nach

dem Mechanismus

„Anreiz-Antwort“

beigebracht werden”

Lernenden zum Mittelpunkt

seines Lernprozesses

macht. Außerdem sollte es

ein System sein, welches

gewisse Qualitätsstandards

erfüllt, die wir uns

für unsere Institution er

wünschen. So entschieden

wir uns für das

Modell des Europäischen

Qualifikationsrahmens (auf

Englisch “European Qualifikation

Framework” [E.Q.F.]).

Die Haupteigenschaft des Europäischen

Qualifikationsrahmens

besteht darin, besonders auf die

Ergebnisse jeder Art von Lernprozessen

zu achten. Gerade dieser Punkt ist

von äußerster Wichtigkeit, da er bedeutet,

dass der Aufstieg innerhalb des Systems

von nun davon abhängen wird, was

der Teilhaber leisten kann bzw. in der Lage

ist umzusetzen. In diesem Sinne werden im

Europäische Qualifikationsrahmen drei Maßstäbe

verwendet: 1. Theoretische und/oder angewendete

Kenntnisse, 2. intellektuellen und/oder

praktischen Fertigkeiten und 3. Kompetenzen (im Hinblick

auf Selbstständigkeit). Die Entwicklung dieser Variablen

verteilt sich über acht Stufen. Wir verwenden also

den Europäischen Qualifikationsrahmen dazu, um Kenntnisse,

Fertigkeiten und die Kompetenzen bewerten zu können,

welche notwendig sind, um ein jeweiliges Niveau (Stufe)

zu erreichen. Die besagten Stufen sind wiederum in Module

unterteilt . Auf diese Weise kann eine Person, die das Niveau

2 in The Wing Revolution erreicht hat, ihre Fähigkeiten mit

jedem anderen Schüler anderer Disziplinen vergleichen, die

auch dieses Niveau im Qualifikationsrahmen erreicht hat. Der

Europäische Qualifikationsrahmen wird übrigens ab dem Jahr

2012 der Standard in Europa sein. Es ist also möglich und

wünschenswert, dass die technischen Aspekte des Systems

sich diesem Standard anpassen. Diese Art der Bewertung

verbessert unsere Wachstums- und Innovationsmöglichkeiten

und steht für den flexiblen Geist unserer Bewegung.

Zurzeit beinhaltet das Ausbildungsprogramm vier Module

zur Analyse des Systems, die komplementär zur Ausbildung

der Schüler in The Wing Revolution angeboten werden. Ab

einer bestimmten Stufe ist es jedoch obligatorisch, diese

Analysemodule zu absolvieren, da nur dadurch

gewährleistet ist, dass der Teilnehmer den

Kompetenzen, welche im Europäischen

Qualifikationsrahmen vorgegeben

sind, entspricht. Die Ausbildungsabteilung

unserer Organisation

überprüft ständig, über welche

Kenntnisse ein professioneller

Repräsentant der The Wing

Revolution verfügen muss. Diesbezüglich

wird es natürlich auch

Übergangslösungen für berufliche

Trainer geben, die unserer

Institution beitreten möchten und

schon jetzt Unterricht erteilen. Zurzeit

arbeiten wir intensiv, um den in

der Praxis schon bewährten Trainern,

eine Übergangsausbildung

anbieten zu können, welche ihre

Erfahrung ergänzt.

The Wing Revolution kann nicht nur

auf das Gebiet einer Kampfportart

begrenzt werden. Es sind zurzeit mehrere

Arbeitsgebiete in Vorbereitung, damit in der

Zukunft jede Person, unabhängig von Alter,

Geschlecht oder körperlicher Kondition, bei

uns Freude und Erfüllung finden kann. Unter den

Produkten, welche sich jetzt in Vorbereitung befinden,

kann ich im Moment folgende nennen:

The Wing Revolution: Das Herzstück unserer Institution.

Hier geht es darum, den Teilnehmern die beste

Ausbildung zu vermitteln, damit sie in allen denkbaren

Gewaltszenarien bestehen können.

WingKids: Eine spezifische Ausbildung für

Kinder und Jugendliche, die darauf

abzielt, diese in ihrer Entwicklung zu

unterstützen. Hauptthemen dieser

Ausbildung sind die Beherrschung

des Körpers, die Wahrnehmung

von Zeit und Raum sowie die Vermittlung

der Grundfertigkeiten

der körperlichen Auseinandersetzung

und der Werte des Systems.

Es geht darum, das Selbstbewusstsein

und die Selbstständigkeit

der Kinder

durch die Arbeit mit

S e l b s t v e r t e i d i -

gungstechniken

zu stärken.

WingWomen: Die interessierten Frauen können in diesen Kursen

lernen, wie sie sich in potentiell gefährlichen Situationen wehren

können. In diesen Lehrgängen geht es nicht nur darum zu erlernen,

wie man sich körperlich verteidigt, sondern auch darum,

sich als Frau sicher zu fühlen, um das Leben in vollen Zügen zu

genießen.

WingFit: Diese Kurse bieten den Teilnehmern mehr

als Fitness und Rhythmus. Sie sind in der Tat

eine Herausforderung und ein Vergnügen für

alle, die das angenehme Gefühl genießen

möchten, gesund zu werden und zu

bleiben.

WingWellness: In diesen

Kursen werden

die

Grundbe-

wegungen des Kampfsystemes umorientiert und in der Weise verwendet,

dass die Teilnehmer damit geistiges und körperliches Wohlsein

erlangen. Unsere persönliche Sicherheit hängt in hohem Maße

von unserem persönlichen Wohlbefinden ab.

WingSafe: Spezifische Kurse für Personen die in öffentlichen oder

privaten Sicherheitsdiensten beschäftigt sind. In diesen Lehrgängen

geht es für die Teilnehmer darum zu erlernen, wie sie selbstsicher

und wirkungsvoll Gefahrensituationen, mit denen häufig Polizei,

Militär und andere Sicherheitssektoren konfrontiert werden, meistern

können.

Abschließend möchte ich hervorheben und darum bitten,

dass alle, die Interesse daran hätten, in unserem großen

Projekt der „The Wing Revolution“ mitzuwirken, uns

Zweifel oder Fragen mitteilen sollen. Wir werden uns

darum bemühen, jene Zweifel und Fragen zu klären,

da wir stets darum bemüht sind eine institutionelle

Transparenz als Grundsatz zu

bewahren. Wir laden Euch ein, unsere

offizielle Webseite aufzusuchen, um

dort Vorschläge oder Fragen für uns

im entsprechenden Briefkasten zu

hinterlassen. Denn Ihr solltet

einen wichtigen Bestandteil

und Kern unserer Institution

sein.

Hiermit verabschiede ich

mich vorerst von Euch und

möchte ich mich bei allen

bedanken, die uns schon

jetzt ihre Unterstützung gegeben

haben und weiterhin

geben werden. Deren waren es

nicht wenige! Außerdem möchte ich

Euch versichern, dass ich sehr große

Kraft und Antrieb aus Eurem Zuspruch und

eurem Interesse an unserer Arbeit bei The Wing

Revolution schöpfe. Gemeinsam werden wir

das große Projekt vorantreiben!

Víctor Gutiérrez Silván

The Wing Revolution

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