Katalog zur Wanderausstellung „C'est superb.” 24. September 2005 ...

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Katalog zur Wanderausstellung „C'est superb.” 24. September 2005 ...

C‘est

superb.

Katalog zur Wanderausstellung „C‘est superb.

24. September 2005 - 8. März 2006

Pinakothek der Moderne | München


© 2005 MIKEMO Verlag GmbH

Danziger Straße 199, D-10407 Berlin

1. Auflage 2005

© 2005 für die abgebildeten Werke: MM Bild-Kunst, München,

Künstler und Erben der Künstler

Redaktion und Produktion: Michael Schmidt

Printed in Germany

ISBN 9-8229-8602-4


Mit freundlicher Unterstützung

von ŠkodaAuto Deutschland


Geschichte

der Ausstellung

Die Technik-Geschichte der Marke Škoda ist geprägt von

höchster Handwerkskunst und Ideenreichtum. Eine Grundlage,

die seit über 100 Jahren ausgebaut und verfeinert wurde und

bis heute bei jedem neuen Škoda zu spüren und erleben ist.

Aus diesem Grund ließ es sich die Geschäftsführung von

ŠkodaAuto Deutschland nicht nehmen, anlässlich ihres

Jubiläums dem Topmodel eine eigene Ausstellung zu widmen.

Auch hier war „Handwerkskunst“ gefragt. Ein gutes dutzend

internationaler Künstler, interpretierten den Superb in ihrem

bekannten Stil. Von abstrakter Malerei bis zur Videoinstallation

ist alles vertreten.


Gruß und Dank

Ein großer Dank geht in erster Linie an die Künstler, dem Kura-

torium der Pinakothek der Moderne, München und allen, die

diese Ausstellung ermöglicht haben.

Durch hervoragende Recherche wurden während der Vorbe-

reitungen für die „C‘est superb. Werke aufgestöbert, die teil-

weise schon in den fünziger und sechziger Jahren entstanden

sind, dem Design, des 2001 auf den Markt gekommenen Škoda

Superb, aber zum verwechseln ähnlich sind. Anlass genug, sie

in diese Ausstellung mit aufzunehmen und zwischen den

künstlerischen Interpretationen wirken zu lassen.

An dieser Stelle noch einmal ein besonderen Dank an Maria

Fontana, Jean Paul Braques, Amélie Foulà (geb. Klein), Jim

Jockers ein enger Freund Roy Lichtensteins, der Familie War-

halla, sowie den Enkeln des 1918 gegründeten„Club DADA, die

die Werke Ihrer berühmten Verwandten und Freunde uns zur

Verfügung gestellt haben.


C‘est superb.

Katalog zur Wanderausstellung „C‘est superb. 2005 / 06

24. September - 31. Oktober 2005

Pinakothek der Moderne | München

Herausgegeben von: Michael Schmidt


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rosemarie trockel

14-15

yves klein

16-17

roy lichtenstein

18-19

andy warhol

20-21

lucio fontana

22-23

daniel buren

24-25

günther uecker

26-27

jackson pollock

28-29


kurt schwitters

30-31

bridget riley

32-33

jenny holzer

34-35

nam june paik

36-37

david hockney

38-39

georges braque

40-41

on kawara

42-43

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14

„Hausfarbe“

Gestrickt, auf Leinwand gespannt

130 x 120 cm

Sammlung Zöckler


Trockel, Rosemarie

*1952 in Schwerte.

Lebt in Köln. Objekt- und. Installationskünstlerin, Medienkünstle-

rin. 1974-78 Malerei an der Werkkunstschule Köln. 1991 Retrospek-

tive in den USA, u. a. Institute of Contemporary Art, Boston. Seit

1997 Prof. an der Kunstakademie Düsseldorf, documenta 10. 1999

Biennale Venedig.

Denk- und Verhaltensmuster der westlichen Gesellschaft, die sie

beeinflussenden bzw. bestimmenden Marketing-Mechanismen

sowie der Kunstbetrieb sind Thema ihrer Arbeiten.

Ausgehend von der Ästhetik der professionellen Werbung, beab-

sichtigt sie gedankliche Assoziationen in diese Richtung. Zerstört

Klischees, z.B. das von der „typischen Frauenkunst“, indem sie

zunächst das Klischee zu bedienen scheint, erst bei genauem Hin-

sehen und gedanklicher Durchdringung offenbart sich ihre pro-

vozierende Haltung. Bekannt wurde ihr Gütezeichen „Wollsiegel“,

das sie zu Strickware verarbeitete. In neuerer Zeit zunehmend

Film- und Videoarbeiten.

rosemarie trockel

„Direkte Veränderung durch die Kunst ist

wohl ein Märchen, an das es sich lohnt zu

glauben.“

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Klein, Yves

* 1928 in Nizza. † 1962 in Paris.

Maler, Konzeptkünstler. 1944-46 Studium in Nizza. 1948 Reise nach

Italien. Beschäftigung mit mystisch-esoterischer Lehre der Rosen-

kreuzer. 1952/53 Japanreise; 1958 erste Experimente mit „lebenden

Pinseln. 1959 Schwammreliefs für das Theater in Gelsenkirchen.

Klein schuf Grundlagen der Monochromen Malerei, die er nicht wie

viele seiner Nachfolger formal als einfarbige Fläche zur Demonstra-

tion von Farbwerten, sondern als Ausdruck höchster Spiritualität

versteht. Er entwickelte dafür ein eigenes tiefes Ultramarinblau

und eine besondere Auftrags-technik („IKB 3, 1960). Dieses

patentierte IKB (International Klein Blue) überträgt Klein auf ver-

schiedene Gegenstände (Schwämme, Steine, Wurzeln), wobei er

sich zunehmend für die pure geistige Energie, die „immaterielle

Komponente der Malerei interessiert. Dazu finden Aktionen, Le-

sungen und Performances (Aktionskunst) (Le Vide, 1958) statt. Mit

dem inszenierten „Sprung in die Leere wird Klein zum Vorläufer

der Concept Art.

Zwischen dem Konzept der „Leere und der „Blauen Epochesind,

als Ausdruck vitaler Energie, die „Anthropometrien(Körperab-

drücke von nackten, mit blauer Farbe gefärbten Frauen auf leerer

Leinwand; erstmals 1960) angesiedelt. Aus diesem positiv (als

yves klein

„Was ist das Blau? Das Blau ist das

sichtbare werdende Unsichtbare…

Das Blau hat keine Dimension.

Es > ist < außerhalb der Dimensionen,

derer die anderen Farben teihaftig sind.“

Abdruck) und negativ mit Spritzpistole (als Umrifl) angewandten

Verfahren ergeben sich große Kompositionen, schwebende blaue

Körper, die an magische Rituale und Höhlen-malerei erinnern (ANT

96, „Menschen beginnen zu fliegen, 1961).

Immer wieder kehrt Klein aber zur reinen Präsenz der Farbe zurück.

In den letzten Jahren werden drei Ur-Farben in monochromen

Bildern, Skulpturen, Schwämmen und Schwammreliefs verwendet:

Blau, Pink und Gold, symbolisch besetzt als Träger höchster Ener-

gien. Diese Farbenfolge steht im Zentrum der Flamme, die nun

ebenfalls in Feuerbildern verwendet wird. Die Farbentrilogie ist

1961 zusammen mit einer Feuersäule und einer Feuerwand zentra-

les Thema der letzten großen Ausstellung Kleins im Haus Lange,

Krefeld.


„Nr. 9“

Wasserfarben auf Leinwand

acht Schnitte

64 x 90 cm

Galerie mikemo

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„Brrmm“

Magma auf Leinwand

165 x 210 cm

Privatbesitz


Lichtenstein, Roy

* 1923 in New York. † 1997 in New York.

Maler, Bildhauer und Grafiker. 1940-49 Kunststudium an der Ohio

State Univ. 1943 - 45 Kriegsdienst in Europa. Ab 1952 in Cleveland,

wo er bis 1957 als technischer Zeichner und Dekorateur arbeitet.

1957 - 60 Prof. an der New State University in Oswego/N.Y. Ab 1960

in Highland Park,/N.J. und ab 1970 in Southampton, Long Island.

1966 erste Einzelausstellung im Cleveland Museum of Art. 1977

documenta 6. Zu Beginn der 60er Jahre kopiert Lichtenstein Car-

toons, auch in Einzelbildern, in dem für seine Kunst charakter-

istischen Punktraster und setzt Sprechblasen in seinen Darstell-

ungen ein. Neben den Motiven aus Comic und Cartoon wählt er

auch Werbedarstellungen von Konsumgütern. 1965/66 entwickelt

er seine „Brushstroke-Bilder (vergrößerte abstrakt-gestische

Pinslstriche) als humorvolle Reaktion auf das Action Painting.

1973-79 Periode der Ecole de Paris-Bilder; daneben nimmt er Bezug

auf den Konstruktivismus, den Futur-ismus, Surrealismus oder den

dt. Expressionismus.

Anfang der 80er Jahre greift er erneut auf die Serie der „Brush-

strokes zurück, in denen er nun aber nach der Art des Abstrakten

Expressionismus spontan gemalte Pinselstriche eingliedert. 1986

entstehen die „Perfect und „Imperfect Paintingsals rein geo-

roy lichtenstein

metrisch-abstrakt gemalte Kompositionen. 1994 großformatige

Skulpturen „Brushstrokes I und „II für die Tokyo Plaza, New York.

Lichtensteins künstlerische Strategie beruht auf der Adaption

unterschiedlicher Vor-Bilder und deren Umgestaltung und Um-

kehrung in der von ihm entwickelten, am plakativen Stil und

Formenvokabular der alltäglichen Konsumwerbung und Massen-

medien orientierten Kunstsprache. Dabei verwendet er unmodu-

lierte Primärfarben und umrahmt die Formen mit schwarzen

Konturen. Der klassischen Malerei und dem klassischen Malakt

bleibt er in seiner Kunst immer eng verbunden. Daneben auch

Entwürfe in Keramik, Stahl oder Glas und Bronzeskulpturen.

Lichtenstein gehört neben Warhol, Wesselmann und Rosenquist zu

den Hauptvertretern der amerik. Pop Art

„Meine Comics erzählen nicht wirklich,

zeigen nicht einmal ein Stück einer

Geschichte. Ich weiß nicht, was vor

oder nach dem Bild, das ich vorstelle,

geschieht.“

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Warhol, Andy

* 1928 in Pittsburgh/Penn. † 1987 in New York.

Maler, Grafiker, Filmemacher. 1945-49 Studium am Carnegie Institute

of Technology, Pittsburgh. Anschlieflend New York, arbeitete als

Illustrator und Werbegrafiker. Seit 1960 Bilder nach Comic-Vorlagen.

1962 Gründung der „Factory (Werkstatt für Film, Fotografie, Musik).

1968 erste europ. Museumsausstellung in Stockholm; documenta 4;

Verwundung durch Schuflverletzung. Frühe Pop-Gemälde (Pop Art)

dienten zunächst als Hintergrund bei Schaufensterdekorationen. Ab

1962 entstehen die ersten Serienbilder („Campbell´s Soup Cans;

„Coca-Cola Bottles), dann Siebdrucke von Dollarnoten. Mit den

folgenden, in Siebdruckverfahren hergestellten Bildserien zu Todes-

und Katastrophenthemen („Electric Chair, 1966) begrün-det Warhol

die Pop Art. In den 60er Jahren widmete er sich immer stärker dem

Film („Chelsea Girls, 1966) und veranstaltete multikulturelle

„Events, u.a. mit der einfluflreichen Rockband Velvet Underground.

In den 70er Jahren wird er zum Porträtisten der New Yorker Gesell-

schaft, wobei er Fotos berühmter Persönlichkeiten mit Siebdruck

überträgt und überarbeitet („Marylin Monroe, 1967). Zu der 1981

entstandenen Serie „Myths gehören amerik. Kultfiguren (z.B. Super-

man). Warhol liebte auch die Selbstinszenierung; 1985 stellte er sich

in einem New Yorker Nachtclub hinter einer Glasscheibe als leben-

des Kunstwerk aus.

andy warhol

„Wenn du mit deiner Arbeit kein Geld machen

kannst, dann mußt du sagen, dass es Kunst ist,

und wenn du Geld machst, sagst du, dass es

was ganz anderes ist.“

Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit seinen Assistenten

(„Factory) widmete er sich ab 1984 gemeinsamen Projekten mit

Basquiat und Clemente. Warhol hat den Begriff der Originalität

verändert, indem er die Rolle des Handschriftlichen minimiert.


„pink and blue“

Siebdruck auf Leinwand

120 x 120 cm

Privatbesitz

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„Profilio“

Wasserfarben auf Leinwand

acht Schnitte

134 x 190 cm

Galerie mikemo


Fontana, Lucio

*1899 in Rosario de Santa Fé/Argentinien. †1968 in Comabbio bei

Varese.

Maler, Bildhauer. Studium an der Academia di Brera in Mailand,

1922-28 Aufenthalt in Argentinien. Ab 1931 neben figurativen

Arbeiten auch abstrakte Terrakottareliefs und bemalte Gipstafeln.

1935 erste Einzelausstellung abstrakter Plastiken. 1939-46 erneu-

ter Aufenthalt in Argentinien („Manifesto Blanco, 1946). In

Mailand

1947 Erstes Manifest des Spazialismo, Gründung der Gruppe Movi-

mento spaziale. 1949 erstes „Ambiente spaziale in der Galleria del

Naviglio, Mailand. Die futuristischen Ideen und Manifeste fielen

bei Fontana auf fruchtbaren Boden. Ausgehend von der Idee der

Synthese der Gattungen (Gesamtkunstwerk) setzte er 1949 sein

„Weißes Manifest „in einem ersten Environment um („Ambiente

spaziale, Ambiente nero), bei dem abstrakte, mit Leuchtfarben

angemalte Formen in einem dunklen Raum von ultraviolettem Licht

angestrahlt wurden. 1949 entstanden auch perforierte Leinwände,

die wie alle folgenden Werke den Titel „Concetto spaziale (Raum-

konzept) haben. Die mit einem Locheisen durchstoßenen, meist

monochrom bemalten Bilder radikalisieren nicht nur surrealistische

Bildexperimente (Frottage, Grattage), sondern eröffnen tatsäch-

lich einen neuen Bild-Raum. Parallel zu den Perforationen entstand

lucio fontana

in den 50er Jahren die Serie der „Pietre (Steine), in der farbige

Glassteine in unregelmäßigen Mustern die Bildfläche besetzen

und so gleichfalls den realen Bildraum erweitern. 1958 begann

Fontana mit Schnitten in die monochrome Leinwandfläche, die

ebenfalls hinter den Verletzungen einen neuen, metaphysischen

Bildraum ausbilden („Attese su paesaggio, ab 1958; „Nature, ab

1959; „Quanta, ab 1959). Anfang der 60er Jahre kombinierte er

Farbmittel mit pastosen Sandteigen, in die oft noch hineingezeich-

net oder -gekratzt wurde. Dies führte zu den Bronzeobjekten der

60er Jahre („Nature), die mit klaffenden Einschnitten und höhlen-

artigen Vertiefungen eine organische Erweiterung der Versuche

darstellen, den Raum real greifbar zu machen. Die Werkserie „La

fine di dio“ (Das Ende Gottes, ab 1963) schloss die künstlerische

Entwicklung Fontanas ab. Die ovalen Bildträger sind mit Perfora-

tionen in wechselnder Größe und Dichte übersät.

Fontanas Ideen und Werke hatten auf die Künstlergenerationen

der 60er Jahre großen Einfluss (Arte Povera, Zero).

„Das Unbewußte formt das Individuum;

es vervollkommnet und verändert es,

indem es ihm eine Orientierung gibt,

die es von der Welt erhält und die das

Individuum von Zeit zu Zeit animiert.“

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Buren, Daniel

* 1938 in Boulogne-sur-Seine.

lebt in Paris. Installationskünstler. Bis 1960 Ecole Nationale Supèr-

ieure des Métiers d’Art, Paris. 1965-70 Ausstellungen zusammen

mit Olivier Mosset, Michel Parmentier und Toroni (BMPT). Buren

geht von einer radikalen Infragestellung des bürgerlichen Kunst-

begriffs aus. Besonders kritische Aufmerksamkeit widmet er dem

Museum als Ort der „Initiation des Kunstwerks, nutzt aber

„subversiv alle Möglichkeiten des Ausstellungsbetriebs. Buren

malt seit 1965 gleichmäflige, parallele senkrechte farbige und

weiße Streifen in einer konstanten Breite (8,7 cm, dem Standard-

muster für Markisenstoffe).

Diese Streifenmuster können sich überall befinden, an verschie-

denen Orten des Museums und auch auflerhalb auf Plakaten, in

Straflenbahnen, auf Segeln, Treppen und Sockeln. Die bemalten

Streifentücher können sich an den Wänden der Ausstellungs-

institute fortsetzen, im Raum installiert oder in die Alltagswelt

eingebunden sein. Mit diesen Eingriffen will Buren weniger die

Strukturen der Malerei reflektieren als auf die Situation von

Malerei/Kunst, ihren kulturellen Stellenwert in der Gesellschaft

hinweisen.

daniel buren

„Das visuelle Werkzeug (8,7cm breite Streifen)

ist nicht länger ein sehendes, ein anzusehendes

Werk, sondern das Element erlaubt, etwas

anderes zu sehen oder zu betrachten.“

In letzter Zeit auch Platzgestaltungen (“Les deux Plateaux,

1985/86, Cour d’Honneur du Palais Royal, Paris) und

Raumkonstruktionen, bei denen durch das Verwenden von Spiegeln

immaterielle Qualitäten thematisiert und die Objekthaftigkeit der

eigenen Arbeit in Frage gestellt wird.


„Summertime“

Acryl auf Leinwand

8,7cm breite Streifen

170 x 118 cm

Privatbesitz

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„Ohne Titel“

Nagelkonstruktion

494 Nägel auf Kork

48 x 72 cm

Galerie mikemo


Uecker, Günter

* 1930 in Wendorf/Mecklenburg.

Lebt in Düsseldorf. Objektkünstler, Kinetiker (Kinetische Kunst).

1949-53 Studium in Wismar und an der Kunstakademie Berlin-

Weiflensee; 1953-57 Kunstakademie Düsseldorf. 1957-66 Mitglied

von ZERO. 1962 Beteiligung an der Ausstellung „ nul im Stedelijk

Museum, Amsterdam, und am ZERO-Festival in Düsseldorf. 1964,

1968 und 1977 documenta 3, 4 und 7. 1970 Biennale Venedig.

1972 Entstehung des Films „Schwarzraum-Weiflraum. Seit 1976

Prof. Kunstakademie Düsseldorf. Bühnenbildentwürfe u.a. für

Beethovens Oper „Fidelio in Bremen (1974); „Die Basseriden

von Henze, Staatsoper Stuttgart (1989). 1986 expressive Asche-

bilder (als Reaktion auf Tschernobyl). 1999 Gestaltung des An-

dachtsraums im Deutschen Bundestag Berlin.

Zu Beginn der 50er Jahre schuf Uecker in Auseinandersetzung

mit Y. Klein und L. Fontana klar strukturierte, monochromweifle,

reliefartig aufgebaute Bilder. Ab 1957 entwickelte er sein Thema

Lichtdynamik und Monochromie mit Übernagelungen von Rahmen

und Bildgrund. Mit den in rhythmischen Reihen, spiralförmigen

Bewegungen und Verdichtungen gesetzten und mit weißer Farbe

überspritzten Nägeln evozierte Uecker subtile Licht-Schatten-

Spiele. Ab 1960 enstanden Environments mit lichtdynamischen

günther uecker

„In unsere künstlerischen

Ausdrucksweise wollten wir nicht mehr

die Welt abbilden, sondern wir wollen

Bilder in die Welt setzen, die sich als

innere Vision darzustellen.“

Objekten („Salon de Lumière, 1962) und mit übernagelten Möbel-

stücken. In Arbeitsgemeinschaft mit Piene und Mack (ZERO)

wandte sich Uecker zunehmend einer kinetischen Lichtkunst zu,

schuf aber auch grofle Nagelobjekte („Großer Eisenkubus, 1971).

Neuere kinetische Installationen ab den 80er Jahren beziehen,

inspiriert von der Kunst der Naturvölker und vom Zen-Buddhismus,

auch Naturmaterialien ein („Aufwischen, 1988).

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Pollock, Jackson

* 1912 in Cody/Wyoming. † 1956 in East Hampton/N.Y..

Maler. 1925-29 Studium an der Manual Arts School, Los Angeles;

1929/30 Art Students League, New York. 1936-43 Wandbilder für

das WPA-Programm. Ab 1942 Freundschaft mit Motherwell. 1946/

47 erste Drip Paintings. 1951 Alkoholismustherapie, ab 1955

Psychoanalyse. Pollock, einer der großen Erneuerer und Anreger

der Kunst des 20. Jh., Begründer des amerik. Abstrakten Express-

ionismus, entwickelte ab 1946/47 nach expression.-figurativen

Anfängen seine neuartige Malweise des Dripping, des Schüttens

und Schleuderns von Farbe auf die meist ungrundierte Leinwand,

bis ein dichtes Netz von Farbspuren und -schlieren ein gestisch-

expressives Bild elementarer Rhyth-mik ergibt. Die Gestik der

schleifenartigen Farbgüsse suggeriert musikalisch-tänzerische

wie auch figürliche Assoziationen, die Pollock, herrührend aus dem

Studium bei Benton (American Scene Painting) nie ganz verbergen

konnte (und wollte). Das Bildfeld wird nicht nur zur „Arena (C.

Greenberg), in der Pollock wie ein Tänzer seine rhythmischen,

von verschiedenen Quellen, u.a. indian. Sandmalerei, automatist.

Techniken des Surrealismus, Jazzmusik, gespeisten Impulse all

-over verteilt, sondern auch zum Experimentierfeld der freien

Entfaltung autonomer Malerei (“Number 5, 1948). Hochformate

wechseln mit Querformaten, die der tänzerischen Bewegung des

jackson pollock

„Ich mache mir nichts aus dem Etikett

„Abstrakter Expressionismus“

… Manchmal bin ich sehr gegenständlich,

ein bißchen jedenfalls immer. Aber wenn man

aus dem Unbewussten heraus malt, tauchen

zwangsläufig Figuren auf. Ich vermute, wir

sind alle von Freund beeinflusst.“

Pinsels entgegenkommen. Im Tondo erfährt die kreisende Spur

des Pinsels besondere Konzentration und Kraft („Tondo, 1948).

Neue Farbtechniken (Industrielacke) und Farbkonsistenzen werden

ausprobiert und erweitern den bisherigen Begriff der Malerei um

neue experimentelle Kapazitäten, die bis zum Happening reichen.

Im Spätwerk eröffnen einige Werke eine neue, durch den frühen

Tod Pollocks nicht mehr verfolgte Dimension („The Deep, 1953)

bzw. schlieflen an den Anfang mit mythologisch-figurativen Bildern

an („Easter and the Totem, 1953).

Die Kunst Pollocks wird auf beiden Seiten des Atlantiks mit dem

Aufbruch zu einer eigen-ständigen, von europäischen Einflüssen

befreiten amerikanischen Malerei identifiziert.


„rain washed“

Autolack auf Leinwand

158 x 219 cm

Privatbesitz

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„Wohin fahren Sie bitte?“

Collage auf Holz

45 x 30 cm

Privatbesitz


Schwitters, Kurt

*1887 in Hannover. †1948 in Ambleside.

Maler, Plastiker, Collagist, Wortkünstler. 1909-14 Akademie der

Künste, Dresden. 1917 Militärdienst. 1918/19 Architektur an der TH

Hannover. 1918 erste Ausstellung in der Galerie „Der Sturm. 1922

Teilnahme am Dada-Kongreß, Weimar. 1923-32 Herausgeber der

Zeitschrift „Merz. Seit 1924 erster Merz-Bau in seiner Wohnung

in Hannover. 1924 Uraufführung der „Ur-Sonate, eine aseman-

tische Klangcollage am Bauhaus Dessau. 1932 Mitglied von

Abstraction-Création. 1933 Emigration nach Norwegen; zweiter

Merzbau. 1940 Flucht nach England; dritter Merzbau. Die ersten

Collagen und Assemblagen aus Altmaterial und Gegenständen

(Merz-Bilder) entstehen 1919. Die Gedichtsammlung „Anna Blume

macht ihn in der dadaistischen Avantgarde in Berlin bekannt.

Wichtiger wird jedoch der Kontakt zu Doesburg und der De Stijl-

Bewegung sowie zu Gropius und dem Bauhaus, die ihn zu stärker

konstruktivistischen Arbeiten anregen. Aufgrund finanzieller

Schwierigkeiten ist Schwitters in den 20er Jahren als Werbe-

gestalter und Typograf für verschiedene Firmen tätig. Mit Domela,

Moholy-Nagy und Vordemberge-Gildewart gründet er 1927 den

„ring neuer werbegestalter. Im selben Jahr findet in seinem

mittlerweile vom ersten Merz-Bau, einer wild wuchernden Raum-

plastik, durchdrungenen Haus in Hannover die Gründungsver-

kurt schwitters

sammlung der „abstrakten hannover statt. 1929 erhält er von Gro-

pius den Auftrag, den Bau der Siedlung Dammerstock in Karlsruhe

als Werbegrafiker zu begleiten.

Durch den Nachlaß seines Vaters finanziell entlastet, wendet sich

Schwitters in den 30er Jahren wieder der Malerei, nun verstärkt

der Abstraktion, zu. Neben bild-künstlerischen und plastischen

Arbeiten, die eine >synthetische Kunst< verfolgen, veröffentlicht

Schwitters zahlreiche Artikel, Gedichte und visuelle Texte in der

Tradition von G. Apollinaire und S. Mallarmé.

„Mir tut der Unsinn leid, dass er bislang

so selten künstlerisch geformt wurde,

deshalb liebe ich den Unsinn.“

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Riley, Bridget

*1931 in London.

Malerin. 1949-52 Goldsmith College und 1952-55 Royal College of

Art, beide London. Lehrtätigkeit u.a. 1959-61 Hornsey College of

Art, nach 1962 Kunstschule in Croyden. 1968 Großer Preis Biennale

Venedig; 1968 und 1977 documenta 4 und 6. Durch die Beschäfti-

gung mit Theorie und Praxis des Neo-Impressionismus gelangte

Riley in den 60er Jahren zu strengen schwarz-weißen Gemälden

mit optisch irritierenden Effekten, die sie zu einer der bekanntesten

Exponenten der Op Art machten („Atem“, 1966). Ab 1966 ver-

wendet sie Farbkontraste in starken Buntwerten, die, in Bänder-

strukturen angelegt, subtile Lichteffekte im Auge des Betrachters

erzeugen („Cherry Autumn“, 1983). In den 80er Jahren Aufbre-

chung der Streifenstruktur durch diagonal versetzte Farbbänder,

um im Sinne Cézannes (Wegbereiter) eine deutliche Betonung des

Farbraums zu erzielen („High Sky 2“, 1992). Die Beschäftigung mit

farbmusikalischen Bewegungen führten zu Bühnenbildentwürfen

für das Ballett „Color Moves“ (Edinburgh Festival, 1983).

bridget riley

„Es wird mindestens wieder 20 Jahre

dauern, bevor irgendwer meine Bilder wieder

ernsthaft anschaut, (Auf dem Rückflug von der

„The Responsive Eye“- Ausstellung 1967).“


„windstream“

Acryl auf Leinwand

210 x 165 cm

Privatbesitz

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„Testfahrt“

8 Fernsher in Reihe geschaltet

360 x 44 cm

New Tate, London


Paik, Nam June

* 1932 in Seoul.

Lebt in New York und Düsseldorf. Video-, Konzept-, Performance-

künstler, Komponist. 1950 Umzug nach Hongkong, später nach

Japan. Bis 1956 Studium der Musik, Kunstgeschichte und Philo-

sophie an der Universität Tokio; 1956/57 der Musik in München;

1957/58 Komposition in Freiburg i. Br., Begegnung mit Cage. 1958-

63 Studio für elektronische Musik, Köln. 1962 Teilnahme am Fluxus-

Festival, Wiesbaden. 1963/64 Aufenthalt in Japan. 1964 Umzug

nach New York. 1975 Biennale Sao Paulo. 1977 und 1987 documenta

6 und 8. 1979-96 Prof. an der Kunstakademie Düsseldorf. 1991/92

Wanderausstellung „Video Time – Video Space in Düsseldorf,

Basel, Zürich und Wien. In den 60er Jahren neben Beuys und

Maciunas wichtigster Protagonist der Fluxus-Bewegung. Widmete

sich früh den Neuen Medien und ihren interdisziplinären Möglich-

keiten. Die erste Arbeit mit manipulierten Fernsehgeräten zeigte

Paik 1963 in der Wuppertaler Galerie Parnaß. Mit Charlotte Moor-

mann entstanden ab 1964 Musikstücke und Videoinstallationen,

die in unkonventionellen Konzerten und Performances (USA und

Deutschland) vorgestellt wurden. Mit der neuen Technologie von

Synthesizer, Computer und digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten

war eine noch stringentere Umsetzung der Ideen möglich, z.B.

elektromagnetische Manipulationen an Farbfernsehern. Mit elek-

nam june paik

tronisch bearbeiteten Videobändern („Electronic Opera No. 1,

1969) knüpfte Paik an den abstrakten Film der 20er Jahre an (H.

Richter). In den „Closed-Circuit-Videoinstallationen konfrontiert

er Kultur mit Technologie („TV-Buddha, 1974). In den Multi-TV-

Installationen ist die Anordnung der Monitore als Erlebnisraum

ebenso wichtig wie die Vervielfältigung der Eindrücke durch die

asynchron ablaufenden Bänder. Neuere Arbeiten nehmen immer

größere Dimensionen an und beziehen die jeweils neueste Techno-

logie ein, z.B. „Beuys-Voice(documenta 8, 1987). In Aktionen der

80er Jahre nutzte Paik auch die Satellitentechnik, um elektronische

Bilder gleichzeitig weltweit zu übertragen.

„Mein experimentelles TV ist nicht

immer interessant, jedoch nicht immer

uninteressant, wie die Natur, die schön

ist, nicht weil sie sich schön verändert,

sondern einfach, weil sie sich verändert.“

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Holzer, Jenny

* 1950 in in Gallipolis/Ohio.

Jenny Holzer lebt in Hoosick Falls nördlich von New York. Instal-

lationskünstlerin. 1968-70 Studium der Philosophie, Anthropologie

und Freien Künste an der Duke University in Durham, 1970-77 der

Malerei und druckgrafischen Techniken an der University of Chi-

cago, Ohio University und Rhode Island School of Design. 1977

Umzug nach New York, wo sie als Schriftsetzerin arbeitete und

eigene Texte verfaßte. Seit 1983 zahlreiche Ausstellungen in inter-

nationalen Galerien und Museen wie documenta 7, Kassel, 1986

Retrospektive im Des Moines Art Center, Iowa, 1989 Solomon R.

Guggenheim Museum, New York und 1990 Biennale in Venedig.

Während des Studiums gestaltete Holzer nach dem Vorbild von

Rothko abstrakte Streifenbilder und begann mit anonymen

Straßendekorationen und Plakaten zu experimentieren. Dieser

Impuls, verbunden mit sozial- und kulturkritischem Engagement,

lassen Holzer ihr persönliches Medium finden, die visuell-verbalen,

rhythmischen Sprachzeichen im öffentlichen Raum. Ab 1977 ent-

steht die erste Serie „Truisms (Binsenweisheiten): allgemeine,

unpersönliche Aussagen, die pauschal anmuten, bei genauer Hin-

terfragung jedoch tiefsinnige und anregende Inhalte offenbaren

(„Money creates taste). Reklameflächen, TV-Spots und Leucht-

schrifttafeln mit elektronischer Laufschrift werden zu ihren Bot-

jenny holzer

„Du bist das Opfer

der Regeln nach

denen du lebst.“

schaftsträgern, die 1982 mit der Anzeigetafel am Times Square

maximale Kommunikationseffizienz erreichen. Den „Truismsfolgen

weitere Textgruppen, wie „The Inflammatory Essays, die „Living

und „Survival Series. Holzers folgende Sprachinstallationen

(„Lustmord 1993/95) werden komplexer. Monumentale, zeitlose

Objekte wie Sarkophage, Bänke, Mamortafeln werden mit LED-

Laufschriften konfrontiert, deren kühle, gleichgültige Sprache in

schockierendem Kontrast zu den Schilderungen schrecklicher

Ereignisse stehen.


„Wortwechsel“

LED-Laufbänder, Apple Display

21.600 px x 16.400 px

New Tate, London

37


38

david hockney

„Das Unbewußte formt das

Individuum; esvervollkommnet und

verändert es, indem es ihm eine

Orientierung gibt, die es von der Welt

erhält und die das Individuum von Zeit

„Analog“

34 Polaroid auf Träger

210 x 165 cm

Privatbesitz


Hockney, David

* 1937 in Bradford/Yorkshire.

Lebt in Los Angeles. Maler, Zeichner, Fotograf, Bühnenbildner.

1953-57 Bradford College of Art, 1959-62 Royal College of Art,

London (mit Kitaj und Jones). Ab 1963 in Los Angeles.

Mit nur wenigen Werken hat Hockney zur brit. Pop Art beigetragen

(z.B. „Tea Paintings, 1960/61). Er beschäftigt sich vielmehr in die-

ser Zeit mit expressiven Figurendarstellungen, in denen er Anre-

gungen aus der Lyrik umsetzte („We Two Boys Together Clinging,

1961, nach einem Gedicht von Walt Whitman).

In Los Angeles hellen sich die Farben auf. Es entstehen die be-

kannten Acrylbilder der „Swimmingpool-Serie (1966). Ab 1968

wendet sich Hockney in London einer naturalistischen Malerei zu

(„Mr and Mrs Clark and Percy, 1970/71). Außerdem entstehen

subtile Zeichnungen („Celia in a Black Dress with Red Stockings,

1973) sowie Bühnenbilder (u.a. Strawinskys „The Rake s Progress,

1974/75). Hockney setzt virtuos Vorbilder der Kunstgeschichte in

verschiedenen Paraphrasen um, wobei vorallem Picasso maßgeb-

lich ist. Ab 1982 widmet er sich besonders großformatigen Foto-

collagen („joiners), in denen mehrere Teilansichten in kubistischer

Manier zusammengesetzt und so der sequentielle Wahrnehmungs-

david hockney

vorgang betont wird. In jüngster Zeit werden klassische Genres

neu be-lebt, farbintensive Interieurs, Stilleben und Porträts sowie

groß-formatige Landschaften, die aus bis zu 60 Leinwänden

konstruiert sind (z.B. „A Bigger Grand Canyon, 1998).

„Bilder sind nicht Übersetzungen von

Illusionen, sondernin gewissem Sinne

selbst Realität. Bilder über Wasser

– sind Bilder über Bewegung.“

39


40

Braque, Georges

* 1882 in Argenteuil-sur-Seine. † 1963 in Paris.

Maler und Grafiker. Erste Unterweisungen erhielt Braque vom

Vater, der ein Malereigeschäft besaß, das 1890 nach Le Havre

verlegt wurde; dort ab 1899 Abendkurse an der Kunstakademie

Le Havre und Dekorationslehre. 1900 ging Braque nach Paris,

um seine Lehrzeit fortzusetzen. Nach dem Militärdienst 1901/02

besuchte er die private Académie Humbert und 1903 kurze Zeit

die Ecole des Beaux-Arts. 1906 zeigte er impressionistische

Bilder im Salon des Indépendants. Im folgenden Jahr Anschlufl

an die fauvistische Malerei in L’Estaque. Durch die Vermittlung

Apollinaires lernte er Picasso kennen. Ein im Dezember 1907

gemalter Akt zeigt die Abwendung vom Fauvismus: statt impress-

ionistischer Tupfen scharfkantige Formen und abgestufte Ton-

werte. Diese Versuche wurden im nächsten Jahr in L’Estaque

fortgesetzt; mit der Ausstellung dieser Bilder 1908 in der Galerie

Kahnweiler beginnt die „Geburtsstunde des Kubismus. Bis 1914

arbeiteten Braque und Picasso eng zusammen. Bilder der „ana-

lytischen Phase von Braque und Picasso ähneln sich in Kompo-

sition und Farbgebung; der Gegenstand wird in Formfacetten

zerlegt und vielansichtig wiedergegeben („Komposition mit Kreuz-

As, 1911). Braque begann, Buchstaben, gemalte Etiketten,

Preisangaben, Zeitungstitel und andere Trompe-oel’Sil-Effekte

georges braque

„Es darf keine vorgefasste Idee

dabei sein, das Bild ist jedesmal ein

Abendteuer. Wenn ich eine weiße

Leinwand in Angriff nehme, weiß ich

nie was daras entstehen kann.“

(Augentäuschung) in die hermetischen Bilder einzusetzen, um

eine Verbindung zur optischen Realität herzustellen. Ab 1912

entwickelte Braque die Collage, die den „synthetischen Kubismus

einleitet. Großflächige Formen, grafische Kürzel, kräftige Farb-

werte führten zu einer autonomen Bildwirklichkeit („Die Gitarre,

1912). Im Krieg erlitt Braque eine schwere Kopfverletzung und

nahm erst 1920 die Malerei wieder auf. Die kubistische Strenge

ist aufgelockert, die Linienführung weich und locker, die Ver-

schachtelung der Flächen weniger systematisch, die akzentreiche

Farbigkeit durch eine tonige, erdige Palette ersetzt. Bis 1939 wird

sich diese nuancenreiche Malerei eines gemäßigten Kubis-mus

kaum verändern. Braque stellte seine Arbeiten in bedeuten-den

Gesamtausstellungen in Basel, New York, London, Paris und

Brüssel aus. Für das 1935 entstandene Bild „Die gelbe Tischdecke

erhält er 1937 den 1. Preis der Carnegie-Stiftung in Pittsburgh.

Neben der Malerei hat sich Braque ab 1939 auch intensiv mit

Bildhauerei, Keramik und Lithografie beschäftigt.


„Les pièces“

Kohle auf Papier

63 x 47 cm

Privatbesitz

41


42

„SUPERB“

Liquitex auf Leinwand

24 x 33 cm

Privatbesitz


Kawara, On

*1933 in Aichi-ken/Japan.

Lebt in New York. Konzeptkünstler. 1955 Übersiedlung nach Mexiko

(Architekturstudium). Ab 1961 in New York. 1972 Teilnahme an der

Ausstellung „Konzept-Kunst“, Kunstmuseum Basel; 1977 und 1982

documenta 6 und 7. Nach figurativen Arbeiten wandte sich Kawara

in New York der Concept Art zu und schuf eine Reihe von Arbeiten

zur künstlerischen Orts- und Zeitbestimmung. Ab 1966 entstehen

die „Date Paintings“, monochrome Bildtafeln mit dem jeweiligen

Datum des Entstehungstages ohne individuelle Handschrift, die in

serieller Reihung in Ausstellungen präsentiert werden („The Month

of March 1970“, New York).

Parallel produziert er Serien wie „I Read“ (seit 1966), eine Samm-

lung von datierten Zeitungausrissen von Tagen, an denen ein „date

painting“ entstand; „I Went“(seit 1968), Aufzeichnungen von Kawa

ras Bewegungen an einem Tag auf einem Ortsplan; und „I Met“(seit

1968), Namenslisten von Menschen, die er an einem Tag traf. 1969

verfaßte Kawara das zehnbändige Werk „One Million Years“ mit

der Aufzeichnung von einer Million Jahreszahlen. Von 1968 bis 1979

verschickte er Postkarten von seinem jeweiligen Aufenthaltsort

an Galeristen und Ausstellungsmacher sowie Telegramme mit dem

stets gleichen Text „I am still alive, O.K.“.

on kawara

Allen Arbeiten gemeinsam ist die Übermittlung zeitlicher und

räumlicher Erfahrungen bei einer scheinbar objektiven, pseudo-

wissenschaftlichen Darstellungsweise, die ihren suggestiven Reiz

erst in der seriellen Installation offenbart.

„Einmal habe ich meinen Freunden

geschrieben, dass ich mich noch nicht

umgebracht hätte,“

43


Literaturhinweise


Buren, Daniel

* 1938 in Boulogne-sur-Seine.

Braque, Georges

* 1882 in Argenteuil-sur-Seine. † 1963 in Paris.

46

Literaturhinweise:

Buchloh, Buren, 1981: Buchloh, B. (Hrsg.),

Daniel Buren. Les couleurs: sculpture. Les formes: peinture,

Halifax 1981

Fleck, Malerei, 1993: Fleck, R., Malerei und Geschichte in Paris seit

1960, Klagenfurt 1993

Buren, 1996: Daniel Buren. Erscheinen, Scheinen, Verschwinden

(Ausst.-Kat.), Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen,

Düsseldorf 1996

Literaturhinweise:

Braque, 1981: Georges Braque. Ausstellung zum 100. Geburtstag.

Zeichnungen, Collagen, Druckgraphik, illustrierte Bücher aus der

Staatsgalerie Stuttgart und Sammlungen in Baden-Württemberg

(Ausst.-Kat.), Stuttgart 1981

Raphael, Raumgestaltungen, 1986: Raphael, M., Raumgestaltungen,

Frankfurt a. M. / New York 1986

Rubin, Picasso und Braque, 1990: Rubin, W. (Hrsg.), Picasso und

Braque. Die Geburt des Kubismus, München 1990

Braque, 1994: Georges Braque. Retrospektive (Ausst.-Kat.),

Fondation Maeght, Saint-Paul de Vence 1994


Fontana, Lucio

* 1899 in Rosario de Santa Fé/Argentinien.

† 1968 in Comabbio bei Varese.

Hockney, David

* 1937 in Bradford/Yorkshire.

Literaturhinweise:

Schmied, Fontana, 1967: Schmied, W. und K. Leonhard (Hrsg.),

Lucio Fontana (Ausst.-Kat.), Kestner Gesellschaft, Hannover 1967

Crispolti, Fontana, 1974: Crispolti, E. und J. van der Marck,

Lucio Fontana. Catalogue raisonné des peintures, sculptures et

environments spatiaux. 2 Bde., Brüssel 1974

Joppolo, Fontana, 1992: Joppolo, G.,

Une vie d’artiste. Lucio Fontana, Marseille 1992

Fontana, 1996/97: Lucio Fontana (Ausst.-Kat.), Schirn Kunsthalle,

Frankfurt a. M./Ostfildern 1996/97

Literaturhinweise:

Tuchman/Barron, Hockney, 1988: Tuchman, M. und S. Barron (Hrsg.),

David Hockney. Eine Retrospektive (Ausst.-Kat), County Museum of

Art, Los Angeles u.a., Köln 1988

Stangos, Hockney, 1993: Stangos, N. (Hrsg.), David Hockney. That’s

the Way I See It, London 1993

Mißelbeck, Hockney, 1996/97: Mißelbeck, R. (Hrsg.), David Hockney.

Retrospective Photoworks (Ausst.-Kat.), Museum Ludwig Köln, Köln

1996/97

Livingstone, Hockney, 1981: Livingstone, M., David Hockney, London

1981

47


Holzer, Jenny

* 1950 in in Gallipolis/Ohio.

Klein, Yves

* 1928 in Nizza. † 1962 in Paris.

48

Literaturhinweise:

Waldman, Holzer, 1989: Waldman, D. (Hrsg.), Jenny Holzer (Ausst.-

Kat.), Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1989

Auping, Holzer, 1992: Auping, M., Jenny Holzer, New York 1992

Dickhoff, Holzer, 1993: Dickhoff, W. (Hrsg.), Jenny Holzer im Gespräch

mit Noemi Smolik, in: Kunst Heute Nr. 9, Köln 1993.

Waldman, Holzer, 1997: Waldman, D., Jenny Holzer, Stuttgart 1997

Literaturhinweise:

Wember, Klein, 1969: Wember, P., Yves Klein, Köln 1969

Restany, Klein, 1982: Restany, P., Yves Klein, München 1982

Weitemeier, 1994: Weitemeier, H., Yves Klein 1928-1962.

International Klein Blue, Köln 1994

Stich, Klein, 1994: Stich, S. (Hrsg.), Yves Klein (Ausst.-Kat.), Museum

Ludwig Köln u.a., Ostfildern 1994

Restany, Klein, 1997: Restany, P. u.a. (Hrsg.), Yves Klein, Oslo 1997


Kawara, On

*1933 in Aichi-ken/Japan.

Lichtenstein, Roy

* 1923 in New York. † 1997 in New York.

Literaturhinweise:

Schampers, On Kawara, 1991: Schampers, K. (Hrsg.), On Kawara.

Date Paintings in 89 Cities (Ausst.-Kat.), Museum Boymans-van

Beuningen, Rotterdam u.a., Rotterdam 1991

On Kawara, Frankfurt a.M., 1994: On Kawara (Ausst.-Kat.), Museum

für Moderne Kunst, Frankfurt a. M. 1994

Kittelmann, On Kawara, 1995: Kittelmann, U. (Hrsg.), On Kawara.

Erscheinen-Verschwinden (Ausst.-Kat.), Kölnischer Kunstverein,

Köln 1995

Wäspe, On Kawara, 1997: Wäspe, R. (Hrsg.), On Kawara 1964-Paris-

New York (Ausst.-Kat.), Kunstmuseum St. Gallen, 1997

Literaturhinweise:

Busche, Lichtenstein, 1988: Busche, E. A., Roy Lichtenstein. Das

Frühwerk 1949-1960, Berlin 1988

Rose, Lichtenstein, 1988: Rose, B. (Hrsg.), Roy Lichtenstein. Die

Zeichnungen, Schirn Kunsthalle, Frankfurt a. M. u.a. 1988

Busche, Lichtenstein, 1989: Busche, Ernst A., Roy Lichtenstein. Pop

Paintings 1961-1969, München 1989

Tuten, Lichtenstein, 1989: Tuten, F., Roy Lichtenstein. The Bronze

Sculpture 1976-1989, New York 1989

Waldman, Lichtenstein, 1995: Waldman, D. (Hrsg.), Roy Lichtenstein

(Ausst.-Kat.), Haus der Kunst München, Stuttgart 1994

Lichtenstein, 1998: Roy Lichtenstein (Ausst.-Kat.), Fondation

Beyeler Riehen/Basel, Zürich 1998

49


Paik, Nam June

* 1932 in Seoul.

Pollock, Jackson

* 1937 in Bradford/Yorkshire.

50

Literaturhinweise:

Herzogenrath, Paik, 1983: Herzogenrath, W., Nam June Paik. Fluxus

Video, München 1983

Kellein, Paik, 1991: Kellein, T. und T. Stoos (Hrsg.), Nam June Paik.

Video Time Video Space (Ausst.-Kat.), Kunsthalle Basel u.a.,

Stuttgart 1991

Decker, Paik, 1992: Decker, E. (Hrsg.), Nam June Paik. Niederschriften

eines Kulturnomaden, Köln 1992

Bußmann/Matzner, Paik, 1993: Bußmann, K. und F. Matzner (Hrsg.),

Nam June Paik. Eine Database, Stuttgart 1993

Esser, Paik, 1997: Esser, E. (Hrsg.), Nam June Paik + Charlotte

Moormann. MedienkunstVisionen. CD-Rom, Köln 1997

Literaturhinweise:

O’Connor, Pollock, 1978: O’Connor, F. V. u.a. (Hrsg.), Jackson Pollock.

Catalogue raisonnÈ of Paintings, Drawings and Other Works. 4 Bde.,

New Haven/London 1978

Rose, Pollock, 1980: Rose, B. (Hrsg.), Jackson Pollock. Drawings into

Paintings (Ausst.-Kat.), The Museum of Modern Art, New York 1980

Frascina, Pollock, 1985: Frascina, F., Pollock and After: The Critical

Debate, New York 1985

Clark, Pollock, 1994: Clark, T. J., Jackson Pollock. Abstraktion und

Figuration, Hamburg 1994

Harten, Pollock, 1995: Harten, J. (Hrsg.), Siqueiros/Pollock Pollock/

Siqueiros (Ausst.-Kat.), St‰dt. Kunsthalle D¸sseldorf, Kˆln 1995

Pollock, 1999: Jackson Pollock (Ausst.-Kat.), The Tate Gallery,

London 1999


Riley, Bridget

*1931 in London.

Schwitters, Kurt

*1887 in Hannover. †1948 in Ambleside.

Literaturhinweise:

Riley, 1973: Bridget Riley. Paintings and Drawings 1961-1973 (Ausst.-

Kat.), Arts Council of Great Britain, London 1973

Riley, 1992: Bridget Riley. Bilder 1982-1992 (Ausst.-Kat.), Institut für

moderne Kunst Nürnberg, Nürnberg 1992

Riley, 1995: Bridget Riley. Dialogues on Art, London 1995

Literaturhinweise:

Schmalenbach, Schwitters, 1967/1984: Schmalenbach, W., Kurt

Schwitters, Köln 1967 (München/New York 1984)

Lach, Schwitters, 1973-1981: Lach, F. (Hrsg.), Kurt Schwitters.

Das literarische Werk, 5 Bde., Köln 1973-1981

Schwitters, 1986: Kurt Schwitters 1887-1948 (Ausst.-Kat.),

Sprengel Museum Hannover, 1986

Schwitters/Bodesohn-Vogel, Schwitters, 1991:

Schwitters, E. und I. Bodesohn-Vogel (Hrsg.), Kurt Schwitters.

Werkverzeichnis der Collagen, Assemblagen, Ölbilder, Aquarelle,

Plastiken. 2 Bde., Freren 1991

Nobis, Schwitters, 1993: Nobis, B., Kurt Schwitters und die

romantische Ironie, Alfter 1993

Webster, Schwitters, 1997: Webster G., Kurt Merz Schwitters. A

Biographical Study, Cardiff 1997

51


52

Trockel, Rosemarie

*1952 in Schwerte.

Uecker, Günter

* 1930 in Wendorf/Mecklenburg.

Literaturhinweise:

Trockel, 1998: Rosemarie Trockel, Werkgruppen 1986-1998 (Ausst.-

Kat.), Whitechapel Art Gallery, London, Köln 1998

Literaturhinweise:

Honisch, Uecker, 1986: Honisch, D. (Hrsg.), Uecker. Mit einem

Werkverzeichnis von M. Haedecke (1955-1980), Stuttgart 1982/New

York 1986

Holeczek, Uecker, 1987: Holeczek, B. u.a. (Hrsg.), Günther Uecker.

Retrospektive (Ausst.-Kat.), Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen,

Heidelberg 1987

Honisch, Uecker, 1993: Honisch, D. (Hrsg.), Günther Uecker. Eine

Retrospektive (Ausst.-Kat.), Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung,

München 1993

Jocks, Uecker, 1997: Jocks, N. (Hrsg.), Günther Uecker. Archäologie

des Reisens, Köln 1997


Warhol, Andy

* 1928 in Pittsburgh/Penn. † 1987 in New York.

Literaturhinweise:

McShine, Warhol, 1989: McShine, K. (Hsrg.), Andy Warhol.

Retrospektive (Ausst.-Kat.), Museum Ludwig Köln u.a., München

1989

O Pray, Warhol, 1989: O Pray, M. (Hrsg.), Andy Warhol. Film Factory,

London 1989

Coplans/Baudrillard, Warhol, 1990: Coplans, J. und J. Baudrillard,

Andy Warhol. Silkscreens from the Sixties, München 1990

Spies, Warhol, 1990: Spies, W., Andy Warhol. Cars. Die letzten Bilder

(Ausst.-Kat.), Kunstmuseum Bern, Stuttgart 1990

Ammann, Warhol, 1992: Ammann, T. E. (Hrsg.), Andy Warhol.

Werkverzeichnis Bd. I: Gemalte Bilder und erste Siebdrucke 1960-

1962, München 1992

Felix, Warhol, 1993: Felix, Z. (Hrsg.), Andy Warhol. Retrospektive

(Ausst.-Kat.), Deichtorhallen Hamburg, Stuttgart 1993

Feldman/Schellmann, Warhol, 1997: Feldman, F. und J. Schellmann

(Hrsg.), Andy Warhol. Prints: A Catalogue Raisonné, New York 1997

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