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Taxi Times München - Januar 2019

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ELEKTRO-TAXIS

ELEKTRO-TAXIS ELEKTRO-TAXIS Der Tesla Model S vom TCO ist das älteste aller aktuellen Münchner Elektro-Taxis. Gregor Beiner zeigt die Kostenkurven fossiler und elektromobiler Antriebe. ERFAHRUNGEN MIT UMWELTFREUNDLICHEN ANTRIEBEN Auf der Fachmesse eMove konnten zwei Münchner Unternehmer ausführlich über ihre Erfahrungen mit Hybrid- und Elektro-Taxis berichten. Ihr Fazit fiel durchweg positiv aus – nicht nur in finanzieller Hinsicht. München steht vor einer Mobilitätswende. Sie ist politisch gewollt und eng verknüpft mit einem Wandel in der automobilen Antriebsart. Die Stadt fordert und fördert den Umstieg auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Auch beim Münchner Taxigewerbe. Das bedeutet, dass batteriebetriebene Fahrzeuge bei einer Branche im Einsatz sind, die bezüglich Reichweite, Abnutzung und Raumvolumen die höchsten Ansprüche hat. Und die bei allem Pioniergeist und umweltpolitischem Idealismus E- und Hybridfahrzeuge zuallererst unter dem Aspekt einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit anbieten will. Ob sich das alles vereinen lässt, wurde auf der Fachmesse eMove während eines E-Taxi-Forums in den Riemer Messehallen erörtert. Moderiert von Taxi Times-Herausgeber Jürgen Hartmann, berichten die beiden Taxiunternehmer Peter Köhl und Gregor Beiner von ihren Hybrid- und Elektroerfahrungen. Beide sind in diesem Bereich seit Jahren Vorreiter. Peter Köhl betreibt seit fünf Jahren eine komplett dieselfreie Taxiflotte. 21 MIO. HYBRID-KILOMETER Köhl ist als Geschäftsführer vom Taxi Center Ostbahnhof (TCO) seit 34 Jahren in der Branche tätig. Sein Betrieb hat 52 Taxis und fährt seit fünf Jahren dieselfrei. Seine To yotas vom Typ Prius haben insgesamt 21 Millionen Hybrid-Kilometer zurückgelegt und ein Tesla Model S 330.000 Elektro- Kilometer. Gregor Beiner (33) zählt zu den Geschäftsführern des Münchner Taxi Zentrums (MTZ). Sie betreiben 82 Taxis – davon ebenfalls fast alle mit Hybrid – und seit einigen Monaten auch zehn elektrische Jaguar I-PACE mit eigener Schnelllade-Infrastruktur (siehe auch S. 20). Köhl führt seinen Betrieb als umwelttaximuenchen.de. Im Vergleich zu diesel betriebenen Taxis stoßen die Hybrid-Fahrzeuge nur mehr die Hälfte CO2 aus, das Elektro-Taxi weist hier sogar eine Nullbilanz vor, rechnete der Unternehmer auf der eMove den rund 50 anwesenden Zuhörern vor. Noch erfreulicher fällt die FOTOS: Taxi Times wirtschaftliche Bilanz aus: Die Hybrid-Taxis vom TCO verbrauchen im Schnitt 5,75 Liter E10-Benzin, damit kosten bei einem Literpreis von 1,25 Euro 100 Kilometer 7,19 Euro. Dieseltaxis verbrauchen im Schnitt 7,5 Liter. Obwohl der Literpreis zehn Cent günstiger ist, kosten hier 100 Kilometer 8,63 Euro. Das Taxiunternehmen spart so pro 100 Kilometern 1,44 Euro, was bei einer Laufleistung von 300.000 Kilometern pro Hybrid-Taxi 4.320 Euro ausmacht. Noch drastischer zeigt sich die Kluft beim Elektro-Taxi. Eine kWh-Einheit Strom kostet 25 Cent, der Verbrauch liegt bei 20 kWh. Damit kosten 100 Kilometer fünf Euro. Rechnet man bei einem fossilen Taxi einen Durchschnittsverbrauch von sieben Litern bei 1,50 Euro pro Liter, kosten 100 Kilometer mehr als das Doppelte (10,50 Euro). Das E-Taxi bei TCO, das mittlerweile bereits 330.000 Kilometer gefahren ist, hat so Treibstoffkosten in Höhe von 16.500 Euro eingespart. KAUM BREMSVERSCHLEISS Eine betriebswirtschaftlich „grüne“ Bilanz kann das TCO auch bei der Wartung aufweisen. Weder die Hybrid-Variante (Toyota Prius+) noch das Elektro-Taxi benötigen nach 225.000 gefahrenen Kilometern neue Bremsen. So spart man sich im Vergleich zum früheren Dieselmodell abermals fast 3.000 Euro pro Fahrzeug. Geringere Wartungskosten und Kfz-Steuer erhöhen den Wert um weitere 637 Euro. „Nach 21 Millionen gefahrenen Kilometern mussten keine Anlasser, Lichtmaschinen, Getriebe, Injektoren, Trag- oder Spurstangengelenke, Achsen, Umlenkrollen, Spannhebel, Keilriemen, AGR-Systeme etc. getauscht bzw. repariert werden“, bilanziert Köhl für seine Gesamtflotte. „Mastercard würde das mit ,unbezahlbar‘ beschreiben.“ „Wer erinnert sich nicht an das hohe Ziel der Bundeskanzlerin, die im Jahr 2013 davon sprach, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf der Straße sein sollen?“ Mit dieser fast schon ketzerischen Frage begann Gregor Beiner seinen Vortrag und skizzierte anschließend die Realität: Nur knapp 54.000 Elektro-Fahrzeuge seien laut einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Deutschland angemeldet. Das entspricht 0,35 Prozent aller Kfz. Ähnlich sieht die Relation im Taxigewerbe aus. 53.000 Taxis fahren in Deutschland und geschätzt weniger als 100 davon rein batteriebetrieben (0,17 Prozent). In München sind es immerhin fast ein halbes Prozent, denn dort fahren mittlerweile 16 von 3.400 Taxis mit ausschließlichem Elektromotor (Stand Oktober 2018). Er selbst trägt mit zehn Elektro-Taxis den Löwenanteil. Beiner appelliert an die umwelt politische Verantwortung eines Taxi betreibers. Die Fahrleistungen des gesamten Taxi gewerbes liegen bei 2,89 Milliarden Kilometern, das entspricht 72.200 Erdumrundungen. In seiner Heimatstadt München entspreche das einer 5.250-maligen Weltumrundung durch das Taxigewerbe. Auch für das eigene Unternehmen hat der Jungunternehmer Zahlen parat: Die 82 Taxis des MTZ würden von insgesamt 280 Mitarbeitern 6,15 Millionen Kilometer pro Jahr bewegt werden. Jeder Fahrgast sei im Schnitt acht Kilometer unterwegs. Da sei es wichtig, dass man möglichst umweltschonend fahre. Sein Unternehmen konnte durch den schon vor Jahren vollzogenen Wechsel von Diesel auf Hybrid – phasenweise auch Erdgasfahrzeuge und jetzt auf Elektrotaxis – den CO2- Ausstoss innerhalb der letzten zehn Jahre um 60 Prozent reduzieren. Die Kurve soll nun noch weiter nach unten zeigen. Beiner verlässt sich dabei auf ein Versprechen von Dr. Wolfgang Ziebart, dem Design-Vater des Jaguar I-Pace: „Schon ab ca. 40.000 Kilometern erreicht der I-PACE eine positive CO2- Gesamtbilanz gegenüber herkömmlichen Verbrennern.“ 100.000 E-TAXI-KILOMETER Beiner führte beim eMove-Forum vor den interessiert lauschenden Zuhörern einen Faktencheck seiner Jaguar-Flotte durch. In rund zwei Monaten hätten die zehn Taxis bereits eine Fahrleistung von 100.000 Kilometern erzielt, sie seien im Zwei-Schicht- Betrieb rund 20 Stunden im Einsatz. Zwischen den Schichten sei ein zweistündiges Zeitfenster zum Aufladen eingeplant. Dies erfolge auf dem Betriebsgelände, wo man fünf DC-Schnellladestationen mit 50 kW aufgebaut hat und 100 Prozent Ökostrom verwende. Die Reichweite der Jaguars betrage 400 Kilometer, berichtet Beiner, wobei dieser Wert in den bisherigen Schichten selten ausgeschöpft wurde. Die Fahrer seien am einheitlichen weißen Hemd mit Logo zu erkennen und allesamt auf die Technik geschult. Zur wirtschaftlichen Rentabilität verwies Beiner auf seinen Vorredner Peter Köhl, der am Beispiel eines Tesla von massiven Einsparungen bei den Betriebskosten im Vergleich zu fossilen Fahrzeugen gesprochen hatte. Speziell in München mache sich darüber hinaus auch noch die vom ADAC angestoßene E-Taxi-Förderung der Stadt bemerkbar. Über drei Jahre bekommt jeder Münchner Taxiunternehmer, der ein ausschließlich elek trisch betriebenes, neu angeschafftes E-Taxi einsetzt, für jeden damit zurückgelegten Besetztkilometer 20 Cent erstattet. Bis zu maximal 40 Prozent der Nettoanschaffungskosten kann sich so jeder Unternehmer von der Stadt zurückerstatten lassen. Ohne diese Förderung sei ein Umstieg zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich noch nicht darstellbar gewesen, gibt Beiner zu, verweist in diesem Zusammenhang allerdings auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2016. Demnach werden die Systemkosten für eine Hochvoltbatterie von Jahr zu Jahr fallen, während die konventionellen Kosten für den Antriebsstrang bei fossilen Fahrzeugen nach und nach steigen. 2025 sollen sich McKinsey zufolge beide Kurven treffen. Ab dann weist das Elektrofahrzeug die bessere Kostenbilanz auf. jh 22 JANUAR / 2019 TAXI TAXI JANUAR/ 2019 23

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