Lifestyle. Business. Allgäu. Alpenraum.
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wd | Herbst 2019

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WD PORTRAIT Vom Kauf

WD PORTRAIT Vom Kauf einer alten Ape zum Mittelständler Die Geschichte eines Allgäuer Kaffee-Pioniers Wenn die Teilnehmer einer Barista-Schulung einem von Stories über einen Allgäuer erzählen, der auf der Suche nach dem Ursprung seiner Kaffeebohnen stundenlang auf Pritschenwägen durch die ländlichsten Regionen Guatemalas oder Costa Ricas fährt und vor Ort noch Entwicklungsarbeit in Form von Sachleistungen tätigt, ist für mich klar: das ist der Stoff für ein wd Portrait. Die Rede ist von Birgitt und Norbert Sailer, Inhaber von Basoni in Waltenhofen. Norbert empfängt mich in seinen Räumlichkeiten in der Ottostraße. Selbstverständlich stimme ich dem angebotenen Espresso zu. Als treuer Kunde ihres Caffè Roma in der Kemptener Innenstadt weiß ich wie viele Allgäuer und wiederkehrende Touristen schließlich die Qualität des „Endproduktes“ im Hause Basoni zu schätzen. Aber darum geht es heute nur als Nebeneffekt. Interessant ist die Geschichte des Unternehmens – für diese bin ich heute gekommen und sie beginnt mit einer Ape. Richtig gelesen: das allseits bekannte dreirädrige Rollermobil des italienischen Herstellers Piaggio gab den Ausschlag für das gesamte Unternehmen, welches Norbert Sailer heute gemeinsam mit seiner Frau Birgitt erfolgreich führt. Aber der Reihe nach. Früher war Sailer Verkaufsleiter für digitale Schnelldrucksysteme. Erfolgreich, versteht sich. Er war verantwortlich für 150 Verkäufer. Negativer Nebeneffekt: 100.000 Kilometer pro Jahr im Auto. Damals fuhr Norbert Sailer in der Freizeit jährlich mindestens ein Mal mit seinem besten Freund mit dem Motorrad nach Italien. Anfangs noch auf Umwegen über die schönsten Alpenpässe, später den direkten Weg, noch später per Cabrio statt Motorrad. „Wir sind eben immer bequemer geworden“, fasst es der Allgäuer zusammen. Auf einer solchen Tour fanden die zwei Freunde in Südtirol eine alte Ape. Sie kauften das Schmuckstück mit dem Hintergrund, es Norberts Bruder zu dessen Hochzeit zu schenken. Das Problem dabei: der Bruder heiratete schließlich doch noch nicht und so war die Frage, was mit der Ape nun geschehen sollte. Die Lösung: „Wir wollten sie zur privaten Caffèbar für Grillabende und Partys umbauen. Der Umbau bei einem Wohnmobilhändler vor Ort hat aber solche Ausmaße angenommen, dass wir am Ende bei einer Summe von 30.000 Mark angekommen waren. Das war zuhause nur schwer zu argumentieren“, erzählt Sailer mit einem Schmunzeln. Der Wohnmobilhändler hatte ein Jubiläumsevent geplant und schlug den beiden Ape-Caffèbar-Neubesitzern vor, dort doch Kaffee auszuschenken, um die Umbaukosten wieder etwas reinholen zu können. Das war im Jahr 1999. Das Ergebnis: „Wir waren daraufhin für ein Jahr komplett ausgebucht und sind mit unserer Kaffeebar zu Firmenjubiläen und privaten Feiern getingelt“, erzählt Sailer von den Anfängen, welche durch einen 16-Quadratmeter-Stand auf der Allgäuer Festwoche einen weiteren Schritt nach vorne machten. Ab diesem Zeitpunkt wuchs das kleine Unternehmen – sichtbar auch an der Standgröße auf der Allgäuer Traditionsmesse - stets. Im vierten Jahr baute man dort nämlich auf 320 Quadratmetern eine italienische Piazza. 2006 verließ Sailers Freund das Unternehmen. Er selbst hatte sich nebenher ständig weitergebildet. Über 40 Kaffeeschulungen besuchte Sailer bis heute. Ein Erfahrungsschatz, der in der Region sicherlich einmalig ist. Im Jahr 2007 kam dann ein Kemptener Geschäftsmann auf den Kaffee-Pionier zu. „Er meinte, dass in seiner Nähe eine kleine Ladenfläche frei werde. Daraufhin wurde in kürzester Zeit das Caffè Roma aus der Taufe gehoben. Das gab dem Unternehmen Basoni erstens einen neuen Geschäftszweig – den Gastronomiebetrieb – und gleichzeitig die Möglichkeit, Caffè-Schulungen in den Gastro-Räumlichkeiten abzuhalten. „Die erste Schulung im Caffè Roma dauerte bis nachts um halb zwei. Wir dachten einfach, wir müssten alles, was wir wissen, preisgeben“, erinnert sich Sailer. 29