Views
7 months ago

E_1936_Zeitung_Nr.047

E_1936_Zeitung_Nr.047

Vorschlag einer

Vorschlag einer Kilometersteuer Fortsetzung von Seite 1. davon, dass sie vom technischen Standpunkt obschon auch diese Methode keineswegs aus ein Unding ist — zwei der wichtigsten motorischen Eigenschaften, Drehzahl und Verten) die Ablösung der Hubraumtaxen durch vollkommen ist Da das Postulat Walter (Öldichtungsgrad, bleiben unberücksichtigt — Die A. .*%. im Hdeii dec £esec eine Brennstoffsteuer auch bei uns zur Diskussion' gestellt hat, sei diese Methode einer Die « Automobil-Revue» ist für den Auto- Hundert Millionen, nehmen wir an, werden kann sie nie zur Messung der Strassenbeanspruchung des einzelnen Fahrzeuges benützt kurzen Betrachtung unterzogen. benötigt, davon sollen die Motorfahrzeugbesitzer 70 Prozent = 70 Millionen aufbringen, werden, da ja die ausschlaggebenden Faktoren mobilisten bei weitem das interessanteste Bei der also wesentlich weniger, als aus ihnen herausgepresst wird. Die genannte Deckungsquote werden. ereignisse auf wirtschaftlichem, politischem, Gewicht und Fahrleistung gänzlich ignoriert Fachblatt der Schweiz. Sowohl die Tages- Verbrauchssteuer ist theoretisch, nämlich unter der Voraussetzung, dass der ganze Benzinzoll für die Stras- Benutzungsgebühr betrachtet wird — sie ist triebsmittelkonsum, der direkt von der Mo- Wenn die Steuer ausschliesslich als eine richtet sich der Steuerbetrag nach dem Be- sowie sportlichem Gebiet werden prompt und sachgemäss behandelt sen zur Verfügung steht, längst erreicht und unbedingt auf den bestimmten Zweck festzulegen —, so muss die vom Einzelnen zu entbestritten liegt der Vorteil der Zahlung die- Auch die Berichterstattung über technitorgrösse und der Kilometerzahl abhängt. Un- überschritten, wobei die jährlich immerhin 20 Mill. Fr. abwerfenden Einfuhrzölle auf Fahrzeuge und Zubehörteile nicht einmal auf der Fahrbahnbeanspruchung in Beziehung gesetzt man «spürt > die Belastung weniger als bei bieten immer viel Interessantes. richtende Entschädigung zum Umfang seiner ser Gebühr in kleinen Beträgen beim Tanken, sche Neuerungen sowie neue Konstruktionen Aktivseite eingestellt wurden. Der Beweis ist werden. Die Benützung bildet eine Funktion den St. PS-Ansätzen, welche vor Inbetriebsetzung des Fahrzeuges die Hinterlegung durch die der Unterhaltung dienenden Bei- Glücklich ergänzt wurde Ihr Fachblatt nachstehender Zusammenstellung zu entnehmenmeterleistung. Diese Zusammenhänge lassen einer grösseren, sich oft auf viele hundert von Fahrzeuggewicht und jährlicher Kilo- Franken belaufenden Summe erfordern. Mit Iageiv insbesondere durch das < Automagazin ». E. R. Ausgaben für das Strassenwesen und Einnahmen aus dem Motniahrzeugvtrkehr (In 1000 Fr.) der vorübergehenden Stillegung setzt die Ausg. der Kant. _, . Steuern-}- -. . Steuern-J- -. , ^. , Verbrauchssteuer automatisch aus, während Jahr Kant. f.d. Verkehrs- ? ee 0*- Benzinzoll P ec *' ganzer P 6 **' Benzinzoll ? e^' m /o m m Strassenw steuern '• in mehreren Kantonen die Taxe immer noch Ant. 1 Kant Benzinzoll '» 'o 1925 49.096 11.200 22,8 15.143 30,9 26.821 54,7 15621 319 für das ganze Jahr bezahlt werden muss, 1926 49.357 13.728 27,3 18.148 37 30,406 61 16.678 33,7 gleichgültig, ob das Fahrzeug nur periodisch dass gerade die für die Wirtschaft nützlichsten und unentbehrlichsten Vehikel einen 1927 . 48.947 17.115 35 22.556 46 37.878 77,3 20.762 42,3 oder während der ganzen Zeit im Verkehr 1928 52.721 20.029 38 26.783 50,8 46.046 87,4 26Ö17 49 4 steht. 1929 65.474 23.485 35,8 31.412 48 54.194 82,7 30.710 46,9 verhältnismässig zu grossen Anteil am 1930 75.551 25.785 34,1 34.781 46 60.772 77,0 34.987 46 3 Gegen eine Verbrauchssteuer erheben die Steueraufkommen übernehmen müssten. 1931 89.982 29.313 32,6 39.545 44 69.246 80 39.934 441 Besitzer von Nutzfahrzeugen und unsere Diese Bedenken sind namentlich durch die 1932 93.390 29.816 31,9 42.117 45 75.245 80 44.820 48,1 nationale Motorlastwagenindustrie teilweise 1933 94.566 30.058 32,8 41.979 44,5 73.743 78 42.685 45,2 Befürchtungen genährt worden, die Umwandlung der Pauschaltaxen in die Brennstoff- berechtigt Einwände. Sie weisen darauf hin, Ergänzend ist zu erwähnen, dass 1935 bei eine als Triebstoffabgabe ausgebildete Verbrauchssteuer, wie sie in einigen Nachbar- ihrem relativ hohen Benzinverbrauch über mehrere Rappen, verteuern. Sofern jedoch dass Camions und Gesellschaftswagen mit abgabe müsste den Benzinpreis weiter um einem auf 55 Millionen gesteigerten Benzinzollertrag und ca. 30 Millionen Steuereingängen staaten bereits besteht, gerechter erscheinen, Gebühr belastet werden. Man hebt hervor, der Grundsatz durchdringt, wonach die Motorfahrzeugsteuern lediglich die Mittel einer aus dem Motorverkehr 85 Millionen Fr. gezogen wurden, die hingereicht hätten, um die prozentualen Kostendeckung bereitstellen Auslagen mit mindestens 85—90 Prozent zu auch aus dem Grunde wiederholt, um auch müssen, so könnte die Ablösung der kantonalen Taxen schon mit einem sehr geringen decken! die auswärtigen Fahrer dazu zu erziehen, das Warnsignal im Stadtverkehr nur im Notfall zu benützen und auf den übrigen Stras- Benzinzollaufschlag vorgenommen werden. Nehmen ist seliger denn geben, sagt sich Zürich im Zeichen der Verkehrssicherheit. der Bund. Die Polizeibehörden der Limmatstadt wollen senverkehr vermehrte Rücksicht zu nehmen. (Schluss folgt.) nicht auf den letztjährigen Lorbeeren der ersten Zürcher Verkehrswoche, die sich so Aus der Tabelle gehen einige bemerkenswerte Dinge hervor. Da fällt auf, dass die Sumtive mit den wichtigeren Verkehrsregeln und, In den Kinos laufen verschiedene Diaposi- günstig in der Bewegung der Unfallkurve men der von den Kantonen, die ja die ganze um i der ganzen Aktion zu noch stärkerem Schweizerische Rundschau ausgewirkt hat, ausruhen. Die 1935 durchgeführten Massnahmen, die besonders auch Strassenlast zu tragen haben, restlos zweckgebundenen Jahressteuern seit 1931 um 30 nur auf eine Woche, sondern auf den ganzen Erfolg zu verhelfen, ist deren Dauer nicht im Zeichen der Lärmbekämpfung standen, Mill. Fr. herum oszillieren und offenbar bei Monat Juni ausgedehnt worden. General Motors Biel. Aus zuverlässiger werden diesen Monat wiederholt. Bereits einem Optimum angelangt sind. Sie ermögli-! Das Vorgehen der stadtzürcherisehen Polizeibehörden verdient die besondere Anerkenral Motors Suisse S.A. in Biel folgendes : Quelle erfahren wir in Verbindung mit Gene- schmücken wieder die Bänder mit der Aufschrift : «In Zürich wird selten gehupt, da- chen übrigens nur zu einem Drittel die Kostendeckung, können aber deshalb nicht abgebaut nung aller pflichtbewussten Fahrer. Nur durch Die Bieter Montage begann letzten Februar für vorsichtig gefahren» die Einfallstrassen werden, weil sie vorläufig die Haupteinnahmequelle der Stände bilden. Wichtiger ist indessen alljährliche, planmässige Wiederholung dieser und wichtigeren Verkehrsplätze. Auch die mit etwa zwei Monaten Verspätung, da Gebäude und Einrichtungen nicht zur festge- Schriftplakate fehlen an den öffentlichen Anschlagstellen nicht. Die Fussgängerübergärige Unfallverhütungsaktion wird es, wie ja das der Umstand, dass der Benzinzoll, eine rein englische Beispiel deutlich gezeigt hat, möglich sein, die Verkehrsdisziplin mit dauernder lich fiel die Inbetriebsetzung in die Monate setzten Zeit vollendet werden konnten. Zeit- fiskalische Massnahme, weit ergiebiger ist. Seit sind zur bessern Kenntlichmachung mit gelber Farbe neu markiert und die Polizeimann- seiner Einführung, Verdoppelung und seit der Wirkung zu verbessern. Dass damit die Unfallstatistik wesentlich verbessert werden Da teilweise mit nicht eingearbeitetem Per- des saisonmässigen Hochbetriebes. jüngsten Erhöhung nahm die Eidgenossenschaft aus der Triebstoffbelastung netto, d. h. schaften sind angewiesen, im Monat Juni in Zürich auf eine disziplinierte Abwicklung des kann, haben die Zürcher 1935er Resultate sonal begonnen werden musste, konnten die nach Abzug der kantonalen Anteile, über 300 Strassenverkehrs zu dringen und ein spezielles Augenmerk auf die Radfahrer und hoch in vermehrtem Masse auf die Schule den, dass man temporär zusätzliche Leute deutlich gezeigt. Werden die Anstrengungen Lieferungen nur dadurch sichergestellt wer- Millionen Franken ein! Für die 30 Mill. Hubraumtaxen erhalten die Steuerzahler wenigstens eine Gegenleistung in Form verbesserter Fussgänger sowie auf die Automobilisten zu ausgedehnt, so dürfte der Schlusserfolg auch einstellte. richten. Die ganze Aktion wurde speziell für die Zukunft gesichert sein. V Strassen, dagegen kassiert der Bund einen Die vollzogene Einarbeitung fiel aber bereits mit der im Hinblick auf die Produk- um gut 50 Prozent grösseren Betrag ein, ohne dafür eine dem Steuerzweck konforme Gegenleistung zu bieten. Solange aber der Benzin- zusammen. Es war also selbstverständlich, tionseffordernisse absteigenden Saisonkurve zoll als reines Fiskalobjekt behandelt wird, senbauversuche Iß Millionen Dollars bereitgestellt. Leute wieder entlassen werden mussten. dass die etwa 50 temporär eingestellten bleibt in der Strassenrechnung der grosse Passivsaldo zum Schaden der Kantone und Heute indessen beläuft sich die Belegschaft der Bürger bestehen. Angesichts des beispiellosen Tributs, den die Motorfahrzeughalter In Dänemark ist ein Patent erteilt worgestellte. Der Absatz hat sich daurchaus ge- •stischer Zucker als Brennstoff. immer noch auf, über 300 Arbeiter und An- zugunsten der Eidgenossenschaft zollen, sind Bau von Baumwollstrassen in Amerika. den, dessen Gegenstand der Zusatz von mäss den Erwartungen entwickelt ja es sie zur Forderung, dass nur zweckgebundene Der von dem Departement of Agriculture Zucker zu Brennstoffen bildet, worin der wird sogar in Kürze mit der Montage zusätzlicher Modelle begonnen, was zur Be- Steuern erhoben werden, vollauf berechtigt in den Vereinigten Staaten geplante Bau von Zucker kolloidal aufgeschwemmt wird. Versuchsstrassen aus Baumwolle soll demnächst durchgeführt werdfn. Bereits Anfang stoff soll sich insbesondere für alle Arten Der auf diese Weise gewonnene Brennständigkeit der Beschäftigung beitragen wird. Nun stellt sich das Problem des gerechtesten und praktischsten Juni soll der Bau eines ersten Teils von 565 Was nun die Lohnverhältnisse anbetrifft, von Dieselmotoren eignen. Meilen in verschiedenen Südstaaten begonnen so liegt der Durchschnittslohn bei der General Motors Suisse S.A. in Biel erheblich über Steuerverfahrens. werden. Als Strassendecke dienen Baumwollmatten mit einer dicken Oberschicht geölten dem durchschnittlichen Verdienst aller er- Treibstoff aus Baumwollsamen. Die bei uns eingebürgerte sog. deutsche Ein chinesischer Wissenschafter hat ein Steuerformel, die 200 ccm Hubraum einem Kohlenteers. Ausser zum Neubau von Strassen sollen die Baumwollmatten auch zur Aus- Handlanger der schweizerischen Maschinenwachsenen Berufsarbeiter, Hilfsarbeiter und Verfahren erfunden, nach dem man aus Steuer-PS gleichsetzt, war anfänglich wohl Baumwollsamen einen neuen Motortriebstoff als eine Art Vermögenssteuer eingeführt und besserung von Strassen verwendet werden. und Metallindustrien. und ein gutes Motorschmieröl herstellen behielt diesen Charakter bei. Ganz abgesehen Insgesamt hat die Regierung für diese Stras- kann. dergefunden, als wisse er wieder, wo er sich befand, als habe er wieder einen Halt. Dann übermannte mich wieder die Wut. Alles Unrecht, alle Demütigungen, alles, was ich und andere durch ihn erlitten, die Ungeheuerlichkeit, die allein in der Existenz dieses Mannes lag, stand in blendender Helle vor mir. Blind, wahnsinnig, sprang ich von neuem auf ihn los und stiess ihm das Messer in die Schulter. Mir war sofort klar, dass es nichts als eine Fleischwunde war — ich hatte den Stahl in seinem Schulterblatt knirschen hören — und ich hob nochmals das Messer, um ein Ende zu machen. Aber Maud hatte meinen ersten Stoss gesehen und schrie : « Nicht! Bitte nicht! » Ich Hess einen Augenblick den Arm sinken — nur einen Augenblick. Dann erhob ich das Messer wieder, und es wäre sicher aus gewesen mit Wolf Larsen, wäre sie nicht dazwischengetreten. Ihre Arme umschlangen mich, ihr Haar berührte mein Gesicht. Mein Puls flog, und meine Wut wuchs mit seinen Schlägen. Sie blickte mir mutig in die Augen. « Um meinetwillen !» flehte sie. «Um Ihretwillen will ich ihn töten ! > rief ich und versuchte, meinen Arm freizumachen, ohne sie zu verletzen. « Still ! » sagte sie und legte mir die Hand sanft auf die Lippen. Ich hätte sie küssen können, wenn ich es nur gewagt hätte, denn inmitten meiner Wut wirkte ihre Berührung so süss, so unsagbar süss. tBitte, bitte», flehte sie, und sie entwaffnete mich mit diesen Worten, wie sie mich — das habe ich später erfahren — stets mit ihnen entwaffnen wird. Ich trat zurück und steckte das Messer in die Scheide. Ich blickte auf Wolf Larsen. Er presste die Linke immer noch gegen die Stirn und bedeckte seine Augen. Sein Kopf war gebeugt. Er schien plötzlich gelähmt zu sein. Sein Körper brach in den Hüften zusammen, seine mächtigen Schultern sackten nach vorn. « Van Weyden !» rief er heiser und mit einem Klang von Angst in der Stimme. « Van Weyden », wo sind Sie ? » Ich blickte Maud an. Sie sagte nichts, nickte riur. < Hier», antwortete ich und trat zu ihm, « Was ist mit Ihnen ?» « Helfen Sie mir auf einen Stuhl», sagte er mit derselben furchtsamen Slimme. «Ich bin ein kranker Mann, ein sehr kranker Mann, Hump», sagte er, als meine stützenden Arme ihn losliessen und er auf den Stuhl sank. Sein Kopf fiel vornüber auf den Tisch und wurde in seinen Händen begraben. Ab und zu schwankte er wie vor Schmerz hin und her. Als er einmal aufblickte, sah ich den Schweiss in schweren Tropfen unter den Haarwurzeln auf seiner Stirn stehen. < Ich bin ein kranker Mann, ein sehr kranker Mann », wiederholte er immer wieder. < Was ist Ihnen denn ? » fragte ich, indem AUTOMOBTL-WEVUE 1936 — ich ihm meine Hand auf die Schulter legte. « Kann ich etwas für Sie tun ? > Als ich ihn aber in die Koje gebracht hatte, vergrub er wieder sein Gesicht in den Händen, bedeckte die Augen, und, als ich mich zum Gehen wandte, hörte ich ihn murmeln : «Ich bin ein kranker Mann, ein sehr kranker Mann. » Als ich herauskam, sah Maud mich fragend an. Ich schüttelte den Kopf und sagte: « Es ist ihm etwas zugestossen. Was, weiss ich nicht. Er ist hilflos und furchtsam — sicher das erstemal in seinem Leben. Es muss geschehen sein, noch ehe er den Messerstich erhielt, denn der hat ihn nur ganz oberflächlich getroffen. Sie müssen doch gesehen haben, was es war.» Sie schüttelte den Kopf. « Ich habe nichts gesehen. Es ist mir genau so rätselhaft. Er Hess mich plötzlich los und taumelte. Aber was tun wir ? Was soll ich tun ? » « Warten Sie, bitte, bis ich wiederkomme », antwortete ich kurz. Ich ging an Deck. Louis stand am Rade. «Du kannst nach vorn gehen und dich hinlegen», sagte ich und nahm selbst das Ruder. Er gehorchte ohne Zögern, und ich befand mich allein an Deck der ,Ghost\ So leise wie möglich geite ich die Toppsegel auf, fierte Aussenklüver und Stagsegel, holte den Klüver nach Backbord und legte das Großsegel hart an den Wind. Dann ging ich zu Maud hinunter. Zum Zeichen des Schweigens legte ich den Finger auf die Lippen und trat in Wolf Larsens Raum. Er befand sich noch in demselben Zustand, wie ich ihn verlassen hatte, und bewegte den Kopf — fast schlangenartig — hin und her. « Kann ich etwas für Sie tun ? > fragte ich. Er gab zuerst keine Antwort; als ich aber meine Frage wiederholte, sagte er: c Nein, nein, es ist gut. Lassen Sie mich allein bis morgen früh.» Als ich mich aber zum Gehen wandte, bemerkte ich, dass sein Kopf die schaukelnde Bewegung wieder aufgenommen hatte. Maud wartete geduldig auf mich, und mit einem freudigen Gefühl bemerkte ich die königliche Haltung ihres frei erhobenen Kopfes und ihre schönen ruhigen Augen. Ruhig und zuversichtlich waren sie wie ihr Gemüt. « Wollen Sie sich mir für eine Seereise von etwa 600 Meilen anvertrauen ? » fragte ich. « Sie wollen —? > sagte sie, . und ich wusste, dass sie meine Absicht erraten hatte. < Ja, eben das», antwortete ich. «Uns bleibt keine Wahl als das offene Boot. > < Um meinetwillen, meinen Sie ? » sagte sie. « Sie selbst sind doch gewiss hier ebenso sicher wie bisher.» (Fortsetzung folgt)

¥° DIENSTAG, 9. JUNI 193b AUTOMOBIL-REVUb Sportnachrichten Nuvolari siegt in Barcelona Ist der Mantuaner im Wiederkommen? Spannendes Duell zwisohen ihm und Caracciola, der den zweiten Platz belegt. — Ueber 100,000 Zuschauer. Wer auf Grund des Ausganges der letztjährigen Rennsaison sowie der Ergebnisse der bisherigen Mammutveranstaltungen (Grosse Preise von Monaco, Tripolis und Tunis) etwa glaubte, annehmen zu müssen, dass es für den Rest der Gültigkeitsdauer der internationalen Grand-Prix-Formel bei deutschen Siegen bleiben würde, der hatte die Rechnung entschieden ohne den Wirt — im vorliegenden Falle ohne die Scuderia Ferrari — gemacht Noch im letzten Vorbericht über den Grossen Preis von Penya-Rhin, der am vergangenen Sonntag auf der 3,790 km langen Rundstrecke im Montjuich-Park bei Barcelona zur Durchführung gelangte, wiesen wir darauf hin, dass das Ende der Schlacht diesmal keineswegs zu prophezeien sei, um so mehr, als es sich in Barcelona um eine Piste handle, welche von den Grand-Prix-Strecken in Monte Carlo, Tripolis und Tunis vollkommen verschieden ist. Jedenfalls wäre es nicht nur unvorsichtig, sondern auch unklug gewesen aus gewissermassen traditionellen Gründen entweder Mercedes-Benz oder dann Auto- Union auch für Penya-Rhin wieder den Sieg vorauszusagen. Haben wir doch im vorjährigen Grossen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring ein Musterbeispiel dafür, dass es... erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Die Würfel sind gefallen, das Ueberraschende ist eingetroffen: Die italienische Industrie hat, nachdem sie in letzter Zeit einmal nach dem andern von rabenschwarzem Pech verfolgt war, im VII. Grossen Preis von Penya-Rhin auf einer ausserordentlich heimtückischen Rennstrecke einen grossartigen und wohlverdienten Sieg davongetragen, einen Sieg, der sowohl der italienischen Rennwagenindustrie als auch der Scuderia Ferrari und nicht zuletzt dem unbezähmbaren, wieder neu auferstandenen Tazio Nuvolari, dem Altmeister des italienischen Automobilrennsports, wohl zu gönnen ist Dem neuen Alfa Romeo-12-Zylinder-Modell, das schon letzten Herbst anlässlich des Grossen Preises»von Italien auf der Monza- Bahn zu seinem Jungfern-Grand-Prix hätte starten sollen, sind damit die ersten Lorbeeren zugefallen. Durch dieses überraschende Resultat eröffnen sich namentlich im Hinblick auf das in- ^rnationale Eifelrennen, an welchem die Scueria Ferrari mit ihren Alfa Romeos ebenfalls in den Kampf ziehen wird, äusserst interessante Perspektiven, da es sich auch bei dieser Piste nicht um ein ausgesprochenes Geschwindigkeitscircuit handelt Noch äst natürlich nicht der Moment zu unumschränktem Jubilieren. Die zukünftigen Rennen — wie gesagt vielleicht schon der kommende Sonntag — werden den Beweis erbringen müssen, dass der Sieg in Penya- Rhin nicht nur ein Aufflackern im italienischen Rennsport bedeutet. Auf alle Fälle hat die Mailänder Firma bewiesen, dass mit ihr in den internationalen Kämpfen nach wie vor ernsthaft gerechnet werden muss und dass auf Ueberraschungen fortwährend zu zählen ist. Das vorgestrige Rennen hat eine äusserst angenehme Abwechslung gebracht Begann doch die Saison mit den ständigen Siegen der deutschen Konstruktionen beinahe monoton zu werden. Man kann vielleicht sagen, dass Deutschland in Barcelona etwas handicapiert war. Einmal durch das Fernbleiben von Varzi und Stuck bei Auto-Union, sowie von Fagioli bei Mercedes-Benz. Indessen haben die übrigen Fahrer, vor allem Caracciola, wie üblich ganz hervorragende Leistungen gezeigt. In prächtiger Form befand sich auch Farina, der sich vor den beiden Auto-Union-Wagen auf den dritten Platz zu klassieren vermochte. Aber auch die auf eigene Rechnung fahrenden Piloten, vorab Sommer unti Villapadierna, haben sich im mörderischen Kampfe äusserst tapfer geschlagen. Auf Einzelheiten wird in der Freitagausgabe zurückzukommen sein, -f- Das Rennen beginnt Eine halbe Stunde vor dem Start, welcher auf 16 Uhr festgesetzt war, paradierten die Konkurrenten vor den zahlreichen hohen Persönlichkeiten, die auf der Ehrentribüne Platz genommen hatten, und stellten sich alsdann hinter der Startlinie auf. Mit Bedauern vernahm die über 100,000 Zuschauer umfassende Menschenmenge durch den Lautsprecher, dass Varzi am Start verhindert sei. Von Tunis herrührende Nachwehen (bekannt-, lieh leistete er sich dort im 200-km-Tempo einen riesigen Salto) veranlassten seinen Arzt, ihm die Teilnahme am ausserordentlich aufregenden Grossen Preis von Penya- Rhin zu untersagen. An seine Stelle trat der Auto-Union-Ersatzfahrer von Delhis. Beim Appell fehlte einzig Raph, auf Maserati, so dass sich insgesamt 11 Piloten in den Kampf begaben, nämlich : Rosemeyer und von Delius auf Auto-Union; Caracciola und Chiron auf Mercedes-Benz; Nuvolari, Farina und Brivio auf Alfa Romeo; Wimille auf Bugatti; Sommer und Villapadierna auf Alfa Romeo als Ein/elfahrer und Etancelin auf dem Achtzylinder-Maserati. Pünktlich setzte sich die krachende Meute in Bewegung, um schon nach 2' 6" die Tribüne zum erstenmal zu passieren. An der Spitze lag Chiron vor Caracciola und Nuvolari, welcher seinerseits von Rosemeyer, Brivio, Farina und Wimille gefolgt wurde. Schon in der nächsten Runde wiesen die drei Ersten gegenüber der Nachhut einen Vorsprung von ungefähr 100 m auf. Das Feld hatte sich* schon sehr in die Länge gezogen. Eine weitere Verschiebung ergab sich in der dritten Runde, wo Caracciola und Nuvolari gemeinsan in Führung lagen, während Chiron bereits etwas zurückgefallen war. In der gleichen Reihenfolge passierten die Fahrer auch nach der vierten Runde, hingegen begab es sich kurz darauf, dass Nuvolari die Rolle des Leaders übernahm und sich nach kurzer Zeit 30 m von Caracciola distanzierte. Dies war das Zeichen für den Beginn eines ausserordentlich spannenden Duells zwischen dem Spitzenfahrer der Scuderia Ferrari und dem sieggewohnten Piloten der Untertürkheimer Werke. Nach der 6. Runde fuhr Rosemeyer zu einem kurzen Halt bei den Boxen r A. G. von Fr. 400.— bis Fr. 2000.— auch ohne Bürgschaft, mit monatlichen Rückzahlungen innert 2 Jahren. AUTOS, Personenwagen und Lastwagen zu sehr interessanten Bedingungen. (Alle Kosten, inkl. Versicherungsprämien, sind in die Monatsraten eingeschlossen. Keine Nebenspesen) MASCHINEN aller Art; MO3ELN. vor. Desgleichen tat sodann Brivio, der indessen auf die « Weiterreise > verzichten musste; gleich erging es übrigens auch Wimille und Etancelin. Farina drehte immer mächtiger auf und schob sich ganz bedenklich nahe an Chiron heran, der alles versuchte, den Angriff des offenbar wieder ganz in seinem Element lebenden Italieners abzuwehren. In der 23. Runde vermochte Nuvolari mit 1' 59" einen neuen Rundenrekord aufzustellen, nachdem er schon vorher regelmässig 2' bis 2'2" für die 3 km 790 lange Strecke benötigt hatte. Man erkannte bald die endgültigen Siegesabsdchten Nuvolaris. Das Rennen wurde immer schneller. Die Folge davon war, dass bereits in der 28. Runde die bestehende Rundenbestzeit aufs Neue weichen musste. Nuvolari kreiste in 1' 58 1 = 115,646 km/St., ein Stundenmittel, das bei der Beschaffenheit der Montjuich-Strassenpiste geradezu als phänomenal anzusprechen ist. Auf diese Wetee war es ihm möglich, pro Runde ca. 1—2 Sekunden gegenüber Caracciola zu gewinnen. Kurz vor Halbzeit in der 39. Runde, hielt Nuvolari vor seiner Boxe, um Brennstoff nachfüllen zu lassen und einen Pneu zu wechseln, was ihm 40 Sekunden kostete. Diese Gelegenheit benützte Caracciola, um das Kommando an sieh zu reissen, so dass die Zwischenbilanz um die 40. Runde lautet: 1. Caracciola 1.28'40"; 2. Nuvolari 1.29'1O"; 3. Farina 2/4 Runden zurück; 4. von Delius; 5. Sommer; 6. Villapadierna; 7. Rosemeyer. Farina lieferte ein bestechend regelmässiges Rennen. Caracciola setzte nunmehr alle Hebel in Bewegung, um eich die Führung auf immer sichern zu können. Sein Tempo nahm ständig zu; absolvierte er doch mehrere Runden hintereinander in exakt 2 Minuten. Indessen wusste man wohl dass auch Caracciola einen Boxenhalt zu c Mostnachfüllungszwecken > nicht werde umgehen können. Richtig. In der 52. Runde ereilte ihn das gleiche Schicksal wie Nuvolari. Zwar ging die Sache bei Caratsch noch schneller vor sich, wechselte er doch nicht nur einen Pneu, sondern legte gleich zwei neue Reifen auf. Die verlorene Zeit betrug immerhin 40 Sekunden, so dass es Nuvolari möglich war, sich inzwischen wieder als Leader in den Vordergrund zu echieben. Nuvolaris Vorsprung betrug bald wieder 40 Sekunden, so dass er sich's in der 58. Runde nochmals erlauben konnte, an die Boxe zu fahren und einen weitern Pneu zu ersetzen. Für dieses Manöver brauchte er genau 30 Sekunden, so dass er mit rund 20. Sekunden Distanz auf cRudi» wieder von dannen sauste. Was nun einsetzte, das war ein tolles Kämpfen der beiden Piloten um den ersten Platz. Bei jeder Vorbeifahrt an den Boxen war festzustellen, dass Nuvolari eifrig gestikulierte und seinen Mechanikern Zeichen gab, wobei er konstant auf den Benzintank hindeutete. Offenbar ging dessen Inhalt infolge eines Defektes in der Zuleitung zur Neige. Doch war auch das Rennen selbst bald zu Ende. Immerhin inszenierte Caracciola, der von den • Schwierigkeiten Nuvolaris durch die interes- Die KREDIT-BANK Blanko-Kredite gewährt Kr6dit6 zur Anschaffung von: Waren-Belehnungskredite gegen Einlagerung der Waren. Prompte Erledigung Bei Anfragen Rückporto beilegen. ZÜRICH, Börsenstr. 21 Teieph. 70030 GENF, 10, Rue Petitot Teieph. 44268 sante Zeichensprache Oberingenieur Neubauers verständigt worden war, einen neuen Ansturm. Es gelang ihm auch, Runde um Runde etwas Zeit zu gewinnen. Nuvolari aber gab Polen noch nicht verloren. Bei Beginn der Schlussrunde hatte er auf «Rudi» noch 9 Sekunden Vorsprung. Noch konnte er von dieser Zeitreserve zehren und so schoss er denn mit einem geringen Abstand als verdienter Sieger durch das Ziel, umbraust und Timjubelt von. einem bis auf äusserste enthusiasmierten, mit den Taschentüchern winkenden Publikum, einem Publikum, wie man es auf diese Art eben nur im Südlande findet Caracciola, der als Favorit gestartet war, beendigte den heissen Kampf auf dem Ehrenplatz. D Schlussklassement 1. Nuvolari Tazio auf Alfa Romeo 12 Zyl., 80 Runden In 2 Std. 43' 7" = 111,546 km/St. 2. Caracciola R. auf Mercedes-Benz, 80 Runden In 2 Std. 43' 10". 3. Farina auf Alfa Romeo, 4 Rundtn zurück. 4. von Delius auf Auto-Union. 5 Runden zurück. 5. Rosemeyer auf Auto-Union, 5 Runden zurück. 6. Chiron auf Mercedes-Benz. 5 Runden zurück. 7. Sommer auf Alfa Romeo, 6 Runden zurück. 8. Villapadierna auf Alfa Romeo, 6 Runden zurück. Schnellste Runde: Nuvolari in V 58" = 115,546 km/St Mays siegt Im Shelsley-Walsh-Bergrennen. Das internationale Bergrennen von Shelsley Walsh, das kürzeste Bergrennen der Welt, endete mit einem Ueberraschungssieg der Kleinwagen gegen die grossen Klassen, da erstere die Chance hatten, bei gutem Wetter und trockener Strasse zu fahren. Der in der Mitte des ersten Teils des Rennens einsetzende Regenguss machte die Strasse so nass und rutschig, dass keine schnelleren Zeiten mehr gefahren werden konnten. Dadurch kam der Favorit des Rennens, Hans Stuck, auf Auto-Union, um seine Siegenschancen und musste sich mit einem Klassensieg begnügen. Die beste Zeit des Tages, aber unter seinem eigenen Rekord, fuhr Mays, auf 154 Liter ERA, in 41%. Sekunden. Besondere Beachtung fand der neue Klassenrekord Bäumers auf 750 cem Austin, der nur eine Sekunde hinter Mays blieb und zweitbeste Tageszeit fuhr. Resultate: Klasse 1100 cem: L Bäumer (Austin) in 42,6" (Klaesenrekord). Klasse 1500 cem: L Mays (E.R.A.) in 41,6" (beste Tageszeit). Klasse über 5000 cem: 1. Stuck (Auto-Union) in 45,2", 24-Stundenrennen von Le Mans verschoben ... oder gar abgeblasen ? Der letzte Woche in Frankreich ausgebrochene Streik hat seine unmittelbaren Auswirkungen auch auf die sportlichen Grossveranstaltungen. So sieht sich der AC de l'Ouest im letzten Moment gezwungen, das von ihm vorbereitete 24-Stundenrennen von Le Mans für Sportwagen, welches am nächsten Sonntag hätte zum Austrag kommen sollen, zu. verschieben. Diese Verschiebung wird damit begründet, dass sowohl die Firma Talbot als auch'Delahaye eine ganze Anzahl Nennungen abgegeben haben. Da die beiden Fabriken ebenfalls von der Streikbewegung ergriffen wurden, sehen sie sich ausserstande, die Wagen auf das Wochenende bereitzustellen. In der gleichen Lage befindet sich'auch die französische Standard-Oil-Gesellschaft, welche erklärte, dass sie eine Garantie für die Brennstofflieferung nicht übernehmen könne. Während obige Meldung lediglich von einer Verschiebung des Rennens — allerdings auf unbestimmte Zeit — zu berichten weiss, sind auch Gerüchte über eine definitive Absage der Veranstaltung im Umlauf. Ob diese auf Richtigkeit beruhen, war bei Redaktion§- schluss noch nicht zu erfahren. -y. Grosser Preis von Frankreich für Sportwagen. Es scheint nunmehr festzustehen, dass die drei Alfa-Romeo-Wagen, welche für die Teilnahme am Grossen Preis von Frankreich angemeldet wurden, von Tadini. Severi und Cortese gesteuert werden. lu (•»«»»# £n a«» Sdive Kommt der IM. Grosse Preis der Schweiz? Die Sektion Bern des ACS beruft eine ausserordentliche Generalversammlung ein. (h) Der endgültige Beschluss über die Abhaltung oder Nichtabhaltung des III. Grossen Preises der Schweiz für Automobile wird iner ausserordentlichen Generalversammlung zur Abstimmung unterbreitet werden. Diese findet Donnerstag den 18. Juni, 17 Uhr, im Hotel Schweizerhof statt. Vorgängig der Hauptversammlung besammelt sich der Sektionsvorstand, um zu den Anträgen des geschäftsleitenden Ausschusses über die jüngsten Verhandlungen mit der Rundstrecken- A.G. und dem Gemeinderat der Stadt Bern Stellung zu nehmen. Der Ausschuss wird, da alle strittigen Punkte in einer für die Sektion Bern wünschbaren Weise geordnet werden konnten, Antrag auf Durchführung des III. Grossen Preises der Schweiz für Automobile stellen.