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E_1938_Zeitung_Nr.046

E_1938_Zeitung_Nr.046

Bedeutung sein dürfte,

Bedeutung sein dürfte, wenn die seit 1935 herrschende Stagnation im zürcherischen Motorfahrzeugverkehr abgebremst und eine vermehrte Inverkehrsetzung von Automobilen herbeigeführt werden soll. Mit Rücksicht darauf wurde deshalb die Ansetzung der Volksabstimmung über das Initiativbegehren auf den kommenden Herbst proponiert, damit die Neuregelung auf anfangs 1939 in Kraft treten könnte. Es ist nun selbstverständlich, dass das Initiativbegehren eine eingehende Ueberprüfung nötig macht und es dem Kanton daran gelegen ist, über die finanziellen Auswirkungen der im Volksbegehren enthaltenen Steuerund Gebührenänderungen ein klares Bild zu erhalten. Erfreulicherweise haben sich die zürcherischen Behörden schon frühzeitig an diese Arbeit herangemacht und sich die nötigen Unterlagen nicht nur von den anderen Kantonen, sondern auch vom Ausland beschafft. Dabei wird man sich allerdings von diesen letzeren nicht zuviel versprechen dürfen, da die Verhältnisse und Voraussetzungen dort wesentlich andere sind und sich nicht tel quel auf schweizerische Verhältnisse anwenden lassen. Es wäre auch verfehlt, diesen vergleichenden Arbeiten mit anderen Kantonen und dem Ausland allzuviel Zeit zu opfern, ntig ist dagegen, dass sich der Regierungsrat •möglichst bald darüber schlüssig wird, ob er das Initiativbegehren als eine geeignete und für ihn akzeptable Vorlage hält oder nicht und ob er in letzterem Falle einen Gegenentwurf ausarbeiten und dem Kantonsrat vorliegen will. Die Zeit drängt ausserordentlich. Denn die Behandlung des ganzen Fragenkomplexes wird ohnehin viel Zeit in Anspruch nehmen und doch sollte die Volksabstimmung spätestens Ende November vor sich gehen können. Nachdem die Jahre 1935 und 1936 dem Kanton Zürich einen Ausfall von über 400,000 Franken an Motorfahrzeugsteuern und -gebühren gebracht haben, verzeigte nun das Jahr '1937 eine leichte Zunahme um Fr. 95,000. Möge man sich aber durch diesen Lichtschimmer im Kaspar-Escher-Haus nicht täuschen lassen, denn die Zahl der zurückgegebenen Kontrollschilder ist Ende 1937 wieder stark angestiegen, was sich ungünstig auf die diesjährigen Einnahmen an Motorfahrzeugsteuern und -gebühren auswirken dürfte. Auch die Einnahmen des Kantons aus dem Benzinzoll sind in stetem Rückgang begriffen. Eine Aenderung wird nur eintreten, wenn man endlich die finanziellen Fesseln der Motorfahrzeughaltung lockert und so wieder mehr Fahrzeuge in den Verkehr bringt. Möge rnan nicht zu lange zaudern und die Verkehrsgesetzesinitiative raschestens dem Volk zum Entscheid vorlegen. V Zur geplanten Neuverteilung der Ressorts in der bernischen Regierung. Erfreuliche Perspektiven für das Automobil. Die Neuwahlen der bernischen Regierung, wobei als Nachfolger der zurückgetretenen bisherigen Regierungsmitglieder Boesiger und Stauffer die Herren Grimm und Möckli ihren Einzug in die kantonale Exekutive hielten, haben auch die Frage der Departementsverteilung aufgeworfen. Nach einem Vorschlag der Regierung an den Grossen Rat soll nun Herr Seematter, der bis heute die Armendirektion betreute, die Polizeidirektion übernehmen. Im weiteren geht der Antrag dahin, die Amtsverteilung unter den beiden neuen Regierungsräten in dem Sinne vorzunehmen, dass Herr Grimm die Bau- und Eisenbahndirektion zu- Eindrücke von der Besichtigungsreise der „Alliance Internationale de Tourisme" auf den Strassen Deutschlands Hatten die eigentlichen, am 28. Mai beendeten Berliner Verhandlungen der Jahrestagung der «Alliance Internationale de Tourisme», über die bereits berichtet wurde, interessante Erörterungen über Fragen des Fremdenverkehrs gebracht, so war die anschliessende, von dem Generalinspektorat für das deutsche Strassenwesen veranstaltete Besichtigungsreise auf den Reichsautobahnen und der Deutschen Alpenstrasse (31. Mai bis 2. Juni) reich an Aufschlüssen über die erstaunlichen Fortschritte des Strassenbaues bei unseren nördlichen Nachbarn. Ohne auf die bekannten Kennzeichen der» Reichsautobahnen hier nochmals zurückzukommen, sei nur erwähnt, dass die Kongressisten u. a. Gelegenheit hatten, eine Neuerung kennenzulernen, die vom Beginn dieser Sommersaison an den Fahrern auf den betreffenden Strecken eine weitere Annehmlichkeit bietet. Es handelt sich um den an den Pfingstfeiertagen eröffneten Reichsautobahn-Reiseruf, der ermöglicht, jeden Autotouristen während seiner Fahrt telephonisch zu erreichen. Die Benachrichtigung erfolgt durch jene Reichsautobahn-Tankstellen, die wir in regelmässigen, durch entsprechende Vorsignale jeweilen angekündigten Abständen längs der Strecke verteilt finden; und zwar geschieht sie in Form eines Voranmeldungs-(V-)Gesprächs seitens des betreffenden Fernamtes der Reichspost. Bei allen Tankstellen sind nun inmitten des Grünstreifens, der die beiden Fahrbahnen der Reichsautobahnen trennt, besonders schwarze Ruftafeln aufgestellt, auf denen, schon von weitem sichtbar, das Signal für den gesuchten Fahrer aufgemalt wird. Bei der Fahrt auf der Reichsautobahn Dresden- Halle wurde bei der Kreuzungsstelle mit derjenigen von Berlin-Nürnberg die bekannte, zur Zeit noch im letzten Ausbau begriffene «Kleeblatt»-Anlage bei Schkeuditz (Leipzig) besichtigt, die in Gestalt von vier Kreisen auch bei Richtungsänderung jede Niveaukreuzung vermeidet. Das weitere, zu Orientierungszwecken in allen Richtungen durchfahrene Kleeblatt bei Hermsdorf brachte die Teilnehmer schliesslich auf die Reichsautobahn Dresden-Weimar, die bis zu ihrem gegenwärtigen, 7 Kilometer gewiesen erhielte, währenddem das Armenwesen Herrn Möckli unterstellt würde. Dass diese Verschiebungen auch die automobilistischen Kreise des Kantons tangieren und dass sie ihnen gegenüber Interesse bekunden, liegt auf der Hand, hängt doch für sie gerade von der Einstellung des Polizei- wie des Baudirektors zu den Problemen des Strassenverkehrs ausserordentlich vieles ab. Nun — die Persönlichkeiten, welche die regierungsrätlichen Propositionen für die Leitung dieser beiden Ressorts vorsehen, bieten uns Gewähr für eine grosszügigere und verständnisvollere Behandlung verkehrspolitischer Fragen, so dass wir kaum fehlzugehen glauben, wenn wir in der bevorstehenden Umbesetzung, von unserem Standpunkt aus betrachtet, einen Gewinn und den Anbruch einer von fortschrittlicherem Willen gekennzeichneten Äera erblicken. Herr Regierungsrat Seematter, der übrigens auch dem Verwaltungsrat der Rundstrecken AG angehört, hat eine Legitimation über seine geistige Beweglichkeit und seinen weiten Blick nicht mehr nötig; von ihm als Polizeidirektor dürfen wir in den Belangen des motorischen Strassenverkehrs eine einsichtigere und zu Entgegenkommen eher bereite Haltung erwarten. Und Herrn Grimm kennen wir als den Mann, der sich nicht mit Halbheiten zufrieden gibt. Ob wir uns täuschen, wenn wir uns der Hoffnung hingeben, er werde die Uebernahme des Steuers der Baudirektion mit einem sichtbaren Kurswechsel verbinden? Wohl kaum. Deshalb scheint uns auch die Hoffnung auf die Ausarbeitung eines umfassenden Strassenbauprogrammes begründet, ebenso wie die Aussicht darauf, dass mit den grossen, bisher in den Schubladen schlummernden Projekten für die Erstellung von Entlastungsstrassen für die Zufahrt nach Bern endlich ernst gemacht werde. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. JTTNT 1938 — vom Mittelpunkt der Stadt Jena entfernten Endpunkt bei Lobeda besichtigt wurde, wobei auch der 250 m langen und 76 m hohen Teufelstalbrücke mit ihrer Bogenstützweite von 138 m ein besonderer Besuch galt, wie bei Jena der dortigen, noch im Bau befindlichen siebenbogigen Ueberbrückung der Saale. Beim Imbies in der nahen Baustellenküche begrüsste der Generalinspektor für das deutsche Strassenwesen, Dr. Todt, die Gäste persönlich mit einer Ansprache, in der er ü. a. darauf hinweisen konnte, dass sich in Deutschland seit 1932 der Ausländerbesuch um mehr als 30 Prozent gesteigert habe und dass dort in diesem Jahr eine Million ausländischer Autotouristen erwartet werde. Auf der Weiterfahrt nach Nürnberg interessierte vor allem die Schönheit der Entwicklung der teilweise gestaffelten Fahrbahnen jener Strecke in der gewellten und bewaldeten Landschaft der Schleizer Seenplatte und des Durchbruchs durch den Frankenwald und das Fichtelgebirge in das Tal von Bayreuth. Den Höhepunkt der Reise aber bildete die Befahrung der Reichsautobahn München-Salzburg, die, abgesehen von ihren landschaftlichen Reizen, vor allem durch einzelne ihrer zahlreichen Kunstbauten, sowie durch einige vorbildliche Anschlussstellen in Form der sogenannten «Trompetenlösung» interessierte. Bei derjenigen von Siegsdorf wurde die Autobahn verlassen und bei Inzell der Anschluss an die dort schon ausgebaute Deutsche Alpensirasse genommen, die, in 8 m Breite, durch den maleriechen Engpass von Mauthäusl zur Ramsau und nach Berchtesgaden führt, von wo, über Bad Reichenhall, der Endpunkt der gemeinsamen Reise, Salzburg, erreicht wurde. Schon regt es sich in jener Gegend für den Bau der neuen Reichsautobahn von der früheren Landesgrenze an nach Wien. Mit diesem Ausblick in die Zukunft fand die Reihe der Eindrücke einer einheitlich, zielbewusst und kräftig geführten Strassenbaupolitik ihren Abschluss. H. B. TOURBSTIK Das verbilligte französische Benzin und die Schweizer Automobilisten. Wie hier bereits mitgeteilt, haben die französischen Behörden beschlossen, den zu vorübergehendem Aufenthalt in Frankreich einreisenden ausländischen Autotouristen auch in diesem Jahr den Vorteil verbilligten Benzins zu verschaffen. Es werden Benzinbons abgegeben, und zwar für 20 Liter pro Aufenthaltstag (bei einem Maximalbezug von 600 Liter), die eine Reduktion des Benzinpreises um 60 französische Centimes pro Liter Benzin gewähren; allerdings ist der Bezug des verbilligten Benzins an die Voraussetzung einer mindestens sechstägigen Aufenthaltsdauer geknüpft. Die Benzinbons können in Heften von je 5 Stück bei einer Reihe französischer Grenz- und Inlandzollbureaus bezogen werden. Für die Schweizerautomobilisten kommen hiefür der Schweizergrenze entlang folgende nächstgelegene Zollämter in Betracht: Nizza, Marseille, Lyon, Dijon und Nancy Ein Blick auf die Karte zeigt nun, dass es sich hiebei um teilweise weit von der Grenze entfernte Orte handelt und dass der schweizerische Fahrer eine beträchtliche Strecke auf französischem Boden zurücklegen müsste, ohne die Vergünstigung des verbilligten Benzins überhaupt in Anspruch nehmen zu können. Der Wunsch erscheint 'daher nicht unberechtigt, die schweizerischen Automobilistenverbände möchten ohne Verzug bei den französischen Zollbehörden in dem Sinne vorstellig werden, dass diese Benzinbons ausser bei den bereits vorgesehenen Zollämtern noch in nachstehenden Städten bezogen werden können: Chamonix, Annecy, Evian, Besancon, Beifort und Mulhouse, sofern man es nicht vorzieht, alle wichtigern Einreisezollämter hiemit zu beauftragen, wie dies in Italien der Fall ist. Ohne diese Erweiterung bleibt die französische Massnahme zu einem grossen Teil ohne den beabsichtigten Erfolg, da die Verbilligung in diesem Falle oft nur für die Rückreise in Betracht kommt, was aber wohl kaum Zweck der TJebung war. Während für englische Automobilisten durch Abgabe der Benzinbons in Calais, Boulo-gne, Dieppe. Le Havre. Rouen, Cherbourg und Saint-iMalo weitgehend gesorgt ist, hat man die schweizerischen Automobilisten wie die deutschen wnd italienischen sehr stiefmütterlich behandelt. V Enit-Bureau in Tirano. Arn 5. Juni hat das •Enit-Bureau in Tirano (Veltlin) eeino Funktionen wieder aufgenommen. Es bleibt den ganzen Sommer über geöffnet. Das Kind auf der Strasse Schluss von Sette 1. Ein Kapitel für sfch, das beklemmend wie ein Alpdruck auf dem Mann am Volant lastet, bildet das Velofahren. Und währenddem das Automobilgesetz sonst, wohl aus referendumspolitischen Gründen, auch nur die Spur einer Vorschrift meidet, welche darauf ausginge, spielende Kinder von der Strasse fernzuhalten — hier, beim Radfahren wird diese Regel durchbrochen. Freilich nicht eben so resolut, wie es der Zweck einer solchen Bestimmung verlangte und nur soweit, als man im selben Atemzug wieder eine Ausnahme von der Ausnahme statuiert. Aber immerhin — « Kindern unter dem schulpflichtigen Alter ist es untersagt, verkehrsreiche Strassen mit dem Fahrrad zu befahren», heisst es in der Vollziehungsverordnung, womit sie zu erkennen gibt, dass auch der Gesetzgeber in dieser Betätigungsart des Spieltriebs eine besondere Gefährdung des Kindes sowohl als auch der Verkehrssicherheit irrt allgemeinen erblickt. Wirkt der nicht näher präzisierte Begriff der verkehrsreichen Strasse auch als Schönheitsfehler, so wohnt dagegen der Einschränkung dieses Verbots auf die noch nicht schulpflichtigen « Jahrgänge» doch ihre Berechtigung inne : der velofahrenden Schuljugend kann und darf man ohne weiteres ein gesteigertes Mass an Umsicht und Einordnungswillen in den Verkehr zumuten. Nicht immer belohnt sie zwar dieses Vertrauen in ihre Denk- und Urteilsfähigkeit mit korrektem Verhalten, denn Velozirkus auf der Strasse, hemmungslose Raserei, flegelhaftes Durchzwängen durchs Verkehrsgewühl und was dergleichen Sünden noch mehr sind, davon kann sie anscheinend schwer nur lassen, ebensowenig wie von andern, nicht minder riskanten Unarten. Anhängen an Fahrzeuge, Balgereien auf der Strasse, Radfahren zu dritt und viert nebeneinander zählen noch immer zu den «volkstümlichen » Belustigungen. Unermüdliche Belehrung und Warnung, zuhause und in der Schulstube, methodische Verkehrserziehung, wenn möglich verbunden mit « Anschauungsunterricht am lebenden Objekt», will sagen auf der Strasse selbst, verkörpern das einzige Gegenmittel, um dem Kind die Augen für jene spezifischen Gefahrenmomente zu öffnen, womit gerade es bei Verstössen gegen das zu rechnen hat, was ihm Eltern und Lehrer beigebracht. Sind wir auch in dieser Beziehung während der letzten Jahre um ein gut Stück vorangekommen, so dringt uns aus den Unfallmeldungen der Press© und aus den Zahlen der Statistik dennoch die stete Ermahnung entgegen, es damit nicht genug sein zu lassen. Für eine Napfstrasse. In Willisau hielt das Initiativkomitee für den Bau einer Napfstrasse am 28 Mai eine Sitzung ab, die von allen interessierten Gemeinden des Luzerner Hinterlandes, sowie des Entlebuches beschickt war. Ingenieur Kaufmann (Luzern) orientierte dabei in einem Referat über das von ihm entworfene Projekt, das ebenso wie die Anträge auf Fortsetzung der Arbeiten in bezug auf die Finanzierung einmütige Zustimmung fand. der nächsten Sekunde wurde sie freundlicher und erkundigte sich, wie lange er hier bleiben würde. «Ich kann mit Hubert zurückfahren», sagte sie. «Wunderbar! Wir reisen morgen früh zusammen ab.» Sie schlug die Augen auf. «Liebling», flüsterte sie, «bist du glücklich ? » «Sehr», sagte Hubert. «Ich Jiab einen Stoss Abrechnungen und Berichte mit, die ich auf dem Schiff durcharbeiten muss.» «Sie will nach Shanghai hinunter», sagte Victoria. «Bei dieser Hitze. She's driving me crazy!» «Damit Daddy nicht aHein ist», sagte Florence. «Und ich?» fragte Victoria. «Ich kann natürlich allein sein? You dont care for me at all! It's beastly. Geh nur nach Shanghai.» «Du hast hier so viele Freundinnen, und Bridge, und Daddy hockt ganz allein da unten. Sei kein Narr, Victoria.» «Hörst du, wie sie mit ihrer Mutter spricht?» sagte Victoria zu Hubert. «Ja», sagte Hubert. Florence schwieg. Sie riss ein Blatt von einem Strauch ab und zerpflückte es langsam. Als Hubert sich verabschiedete, sagte sie: «Ich geh ein Stück mit dir.» « Warum willst du eigentlich nach Shanghai ? Sehen, was Harry Knotz macht ?» « Natürlich ! » sagte sie. « Und ausserdem geht mir Victoria auf die Nerven. Glaubst du, dass ich den ganzen Sommer bei meiner Mutter Kinderfrau spielen werde ? » Sie ging neben ihm die steinernen Stufen hinunter, mit gleichmässigen Schritten, ihre runden Knie waren braunverbrannt von der Sonne. Sie sah in den Shorts kleiner aus als in Röcken. «Ich freue mich, dass du da bist», sagte sie Ṡie ging neben ihm her und blickte ihn immer wieder an. « Was ist ? » fragte Hubert. «Nichts. » Sie zuckte die Achseln und pfiff. Als sie unten bei der Strasse waren, meinte sie : « Also es bleibt bei morgen früh ? Wenn ich gegen acht mit dem Tragstuhl bei euch vorbeikomm, das ist am praktischesten. Was?» « Aber Victoria hat ja noch gar nichts erlaubt. » «Ach was, Victoria! » sagte sie. Sie lachte ihn an und hörte plötzlich auf zu lachen. «Ich mach mir gar nichts aus dem jungen Knotz», sagte sie langsam. «Ich liebe dich nämlich ! » Hubert wurde rot. « Das ist doch Unsinn !» sagte er. Florence stand da und blickte ihn an. Sie schwieg. « Dich kann man gut anlügen ! » sagte sie nach einer Weile. « Du glaubst einem alles, was ? Hubert, wenn du schwörst, dass du es niemandem erzählst, vertrau ich dir ein Geheimnis an! » Er kannte sich überhaupt nicht mehr aus. Ihr voller Mund zitterte. Durch die Baumblätter fiel die Sonne auf ihre Stirn. «Ich will keine Geheimnisse wissen.» « Doch. Natürlich ! Schwör, sag : cross my heart, I want to die. » « Nein. > « Ich hab einen Liebhaber», sagte sie. « Das ist auch gelogen. > «Er hat früher einmal mit deiner Mrs. Ericson eine Geschichte gehabt. Wer nicht, was ? Uebrigens ist sie seit acht Tagen hier oben. Freust du dich ? » Er Hess sie auf der Strasse stehen. Als er sich nach einer Weile umdrehte, hatte sie sich noch nicht vom Platz gerührt, sie stand da und sah ihm nach. Er ging weiter, atemlos vor Wut. Es war zehn als er wieder daheim war. Aber Cary kam erst um halb elf. Im Flugzeug und in der langen Nacht im Hospital hatte er sich ausgedacht, wie er am Morgen in ihr Zimmer treten würde. Er hatte sich vorgestellt, dass sie noch schlief oder dass sie schon wach war. Jedesmal aber hatte er sie noch im Bett gesehen, zwischen den weissen Kissen, die schönen Arme und die braunen Schultern entblösst. Jetzt kam sie über den Kiesweg, in Khakihosen, das Gesicht von einem grossen chinesischen Strohhut beschattet. « Cary ! » rief Hubert. Sie lachte und bebte, als sie ihm in die Arme fiel. Aber trotzdem, — nein, kein trotzdem. Doch. Etwas war anders. Was war anders ? Nichts. Alles wie sonst. Nein. Vielleicht war es diese Müdigkeit in ihrer Stimme. Aber er hatte sich geirrt, denn nach ein paar Stunden schien sie ihm wieder vertraut und unverändert. Draussen glühte die Nachmittagssonne, aber in der kleinen Halle war es kühl und in dem grün-goldenen Dämmerlicht schimmerte Carys Haar. Bis morgen früh waren es noch immer achtzehn Stunden. Er sah ihr zu, wie sie durch die Halle ging, sie holte eine Streichholzschachtel vom Kamin, sie sass eine Sekunde auf dem schmalen Holzhocker neben der Tür, sie stand wieder auf und suchte etwas am Schreibtisch. (Fortsetzung folgt.)

N C 46 — DIENSTAG, 7. JUNI 1938 AUTOMOBIL-REVUE Prekäre Lage Im Internationalen Rennsport Die diesjährige Rennsaison, welche als erste unter dem Regime der neuen Qrand- Prix-Formöl steht, versprach eine sportliche Renaissance, eine Wiederbelebung auf internationalem Gebiet insofern, als man auf Grund der vorliegenden authentischen Meldungen in guten Treuen glaubte annehmen zu dürfen, dass den deutschen Fabriken, die im Laufe der Gültigkeitsdauer der Maximalgewichtsformel zu einer ungefährdeten Vormachtstellung im Rennsport gelangt waren, in den Konstruktionen englischer, französischer und italienischer, ja sogar amerikanischer Provenienz nach vielen Jahren erstmals wieder gefürohtete Konkurrenten erwachsen würden. Mit riesiger Spannung sah man dem Ausgang des Grossen Preises von Tripolis, dem schnellsten Rennen der Welt entgegen das im Zeichen eines Dreiländerkampfes stand, worin die ßoliden von Mercedes-Benz fast von Anfang an einwandfrei dominierten und mit eindrucksvoller Ueberlegenheit im Gesamtklassement die ersten 3 Plätze belegten. Obwohl Rennleiter Neubauer seinen Piloten offenbar die Weisung erteilt hatte, vom Start weg gerade so viel Dampf zu geben, um die Konkurrenz im Zügel zu halten (wurden doch die ersten Runden mit 3 :40 gefahren gegen 3 :26 und 3 :30 im Training), vertrugen die Alfa, Maserati und Delahaye dieses Tempo auf die Dauer nicht und schieden am laufenden Band vom Kampfplatz : Trossi und Varzi (Maserati) wegen Hinterachsbruch bezw. Getriebedefekts, Farina und Siena (Alfa Romeo) durch Unfall und Biondetti (Alfa Romeo) durch Reifenschaden, während Dreyfus auf dem kompressorlosen Delahaye die horrende Geschwindigkeit seiner erdrückenden deutschen Gegnerschaft nicht mithalten konnte. Mit einem solchen technischen Vorsprung der Rennwagenkonstruktionen von Mercedes-Benz auf die italienische und französische Konkurrrenz hatte man wohl nirgends gerechnet. Die Italiener brachten trotz vierwöchiger Pause bis zum internationalen Eifelrennen nicht den Mut auf, in der Eifel zu starten. Alfa- Corse erklärte Forfait und gab darüber hinaus zur allgemeinen Kenntnis, dass der Mailänder Rennstall einstweilen auf jede sportliche Aktivität im Rahmen der neuen internationalen Rennformel verzichte und möglicherweise den diesjährigen Formelveranstaltungen überhaupt fernbleiben werde, um in aller Ruhe die an seinen drei Rennnwagentypen in Tripolis aufgetretenen Kinderkrankheiten zu beheben und... den Rückstand auf Mercedes- Benz aufzuholen ... Nachdem schliesslich auch die Auto-Union wie Maserati und Talbot den Beschluss gefasst hatten, ihre Meldung für das Eifelrennen vom 12. Juni zu widerrufen, da war dieser Veranstaltung der Todesstoss versetzt, so dass der Obersten Nationalen Sportbehörde für die deutsche Kraftfahrt nichts anderes mehr übrig blieb, als den 10-Runden-Kampf auf dem Nürburg-Ring mangels Beteiligung abzusagen. Als nächstes Formelrennen figuriert im internationalen Sportkalender unterm 19. Juni der 2. Grosser Preis von Ungarn, um den es bis heute auffallend ruhig geblieben ist, von einer Ausschreibung noch keine Spur. Und täuschen nicht alle Anzeichen, so ist anzunehmen, dass der Grand Prix im Budapester Stadtwäldchen ebenfalls wegen mangelnder Beteiligung — und nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen — aus Akt und Traktanden fällt. Gerade rosig erscheinen die Aussichten auch für den am 3. Juli in Reims stattfindenden Grosser Preis von Frankreich nicht, der als erste «grande epreuve» .der Saison steigen sollte. Bis zum 31. März, dem Nennschluss für dieses Rennen, hatten, wie erinnerlich, 9 Fah- Friken insgesamt 22 Meldungen eingereicht, nämlich Delahaye 3, Delage 1, Talbot 4, Sefac 1, Mercedes-Benz 2, Auto-Union 3, Alfa-Gorse 3, Maserati 2 und ERA 3. Die Angelegenheit sieht indessen heute für den französischen A. C. alles andere wie vielverheissend aus: als absolut sicherer Starter kann heute allein die Untertürkheimer Firma bezeichnet werden! Delahaye als die aussichtsreichste französische Konstruktion steht mit dem Automobilklub von Frankreich sozusagen auf Kriegsfuss (von wegen Verteilung der Million des Rennwagenfonds) und hat für das Rennen in Reims forfait erklärt. Alfa-Gorse ist (Gründe siehe oben!) kaum am Start zu erwarten und die Teilnahme Maseratis ebenfalls unbestimmt. ERA verlangte bekanntlich ein — nicht unbeträchtliches — Startgeld, dessen Bezahlung der A.C.F konsequenterweise ablehnt, indem er auch den übrigen Konkurrenten keine Startprämien bezahlt. Endlich muss die Frage nach dem Start sowohl der Auto-Union als auch Talbots und Delages völlig offen bleiben, denn keine dieser Fabriken ist vorläufig über die Epoche der Versuchsfahrten hinausgelangt (Talbots Kompressor-Rennwagen wartet sogar noch auf Fortigstellung) und mit dem Einsatz von SEFAC wird wohl kaum jemand ernstlich rechnen. Alles in allem also keine erfreuliche Perspektive; jedenfalls ist damit zu rechnen, dass im glücklichsten Falle 10—12 Boliden an Start sein werden. Auch die Organisation des Grossen Preises von Italien in Monza marschiert einstweilen noch ganz im Dunkel, wie wir der italienischen Fachpresse entnehmen. Der letztjährige Gran Premio musste nach Livorno verlegt werden, weil sich die oberitalienische Rennbahn für die hohen Geschwindigkeiten der Grand-Prix-Wagen von Mercedes-Benz und Auto-Union nicht mehr eignete. Für die Ausbesserung der Piste und sonstige bauliche Aenderungen (Tribünen etc.) hat die italienische Sportkommission in Verbindung mit den Behörden von Mailand und Monza umfangreiche Projekte ausgearbeitet. Bis heute seien aber keine konkreten Vorschläge bekannt geworden; die mittlere Tribüne harrt des Umbaus, ein Teil der Bahn der Erneuerung des Oberflächenbelages usw und noch wurde in Monza nicht der Schatten eines Arbeiter® gesichtet. Wie man sieht, präsentiert sich die Situation im internationalen Automobilrennsport — für den Augenblick wenigstens — ziemlich prekär; es ist sehr zu hoffen, dass die kommenden Wochen die wünschenswerte Klarheit bringen werden. IN DER SCHWEIZ Bergrennen Develier—Les Rangiers verschoben. Wie wir erfahren, hat die Sportkommission der Sektion Les Rangiers des AGS in einer am letzten Sametag abgehaltenen Sitzung beschlossen, die ursprünglich auf den 10. Juli angesetzte Bergprüfungsfahrt Develier-Les Rangiere auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. — Die Veranstaltung ist bekanntlich im internationalen Sportkalender nicht eingetragen. Da nun aber das Publikum von jeher gewohnt war, an diesem Rennen international bekannte Asse um die Siegeßtrophäe kämpfen zu sehen, wäre heuer in dieser Hinsicht ziemlich sicher mit einem Misserfolg zu rechnen. — Die genannte ACS-Sektion wird am 26. Juni nächsthin eine Ausfahrt in die Ostschweiz veranstalten und dem an diesem Tage stattfindenden Bergrennen Rheineck - Walzenhausen - Lachen beiwohnen. Je nach dem Eingang der Nennungen und dem sportlichen Erfolg dieses Anlasses wird die Sektion Les Rangiers die Durchführung ihres Rennens für den Monat September in Aussicht nehmen, wobei als provisorisches Datum der 4. September bezeichnet wurde. Überlegenheit s / 4 sämtlicher m der Welt laufenden Motoren sind mit CHAMPION-ZÜNDKERZEN ausgerüstet. Ihr Sillimanit-Isolator — dem besten bisher bekannten Isoliermaterial — das nur von CHAMPION verwend. wird, besitzt höchste elektrische und mechanische | Widerstandskraft, entsprechd. den Ansprüchen der modernen Motoren-Technik. Hü BELGIEN Warum keine Unterstützung der Rennbahn von Montlhery aus dem Rennwagenfonds ? Der «Grand Prix des Frontferes» Vor etwas mehr als Jahresfrist hatten wir wiederholt Gelegenheit, ,an dieser Stelle auf die pre- welcher am vergangenen Sonntag anm 13. mal zur Durchführung gelangte, wurde zu einer Beute des käre finanzielle Lage der Montlhery-Rennbahn hinzuweisen. Seit Bestehen dieser Monumentalanlage Bugatti-Fahrers Trintignant, der mit einer halben Minute Vorsprung auf den Sieger im Grossen brachten deren Verwalter kaum die Einahmen herein, um den Unterhalt der Bahn- und Strassen- Preis von Antwerpen vom 22. Mai (Mazaud auf Delahaye) durchs Ziel ging. In der Kategorie bis Rund'strecken sichern zu könen, wis seinen Grund 2 Liter fuhr BMW einen Doppelsieg nach Hause, nicht zuletzt darin hat, als Montlhery zu weit von wobei der Zürcher Hans G ü