Peiner Wirtschaftsspiegel rtschaftsspiegel Wi - Wirtschafts- und ...

wito.gmbh.de

Peiner Wirtschaftsspiegel rtschaftsspiegel Wi - Wirtschafts- und ...

Peiner Wirtschaftsspiegel

Aus dem Inhalt

Seite 5

Stahlerzeugung

Die alten Rauchzeichen

über Peine sind längst

verflogen:

Ein moderner Elektroofen

sorgt für globale

Spitzenproduktion

Seite 20

Wirtschaftsförderung

Gemeinde Hohenhameln

schuf

im Gewerbegebiet

Ackerköpfe rund

550 Arbeitsplätze

Seite 25

EU-Förderung

Europa-Büro der

Wito GmbH berät bei

Investitionszuschüssen

aus den Fördertöpfen

Wirtschaftsmagazin für den Landkreis Peine

Ausgabe 02 ; 2003

Wirtschaftsspiegel


Inhalt Impressum Ausgabe 02 ; 2003

Impressum

Inhalt

Seite 3

Aktuelles

Nachrichten aus der

Peiner Wirtschaft

Seite 4

Titelgeschichte

Stählerne Vielfalt:

Leben von und

mit dem Stahl

Seite 8

Schrott als Wertstoff

Vor dem Ofen sind sie

alle gleich: Entsorgte

Waschmaschinen und

Fahrräder zurück im

Stahlkreislauf

Firmenportrait

Seite 10

Firmenportrait

Werkzeuge, soweit

das Auge reicht:

Möllring bietet den

fachgerechten

Griff zum richtigen

Drahtstift

Peiner WirtschaftsspiegelWirtschaftsmagazin für den Landkreis Peine

Seite 11

Metallbau

Kunstvoller Blickfang

schützt auch vor

ungebetenen Gästen

Seite 13

Schreibsti(e)l

Mit hochglanzpolierter

Stahlfeder gleitet

der Pelikan weltweit

durch die Klassenzimmer

Seite 15

Stahlbearbeitung

Verzinkung verhilft

tristem Stahl zu strahlendem

Aussehen:

Schönheitsverlust durch

Rost ausgeschlossen

Seite 17

Aus Stahl wird Kunst

Trägerprofile bieten

vielseitige Verwendungsmöglichkeiten

Seite 18

Arbeitsmarkt

Jugendliche auf der

Suche nach einem

Ausbildungsplatz:

Vom „Kostenfaktor

Lehrling“ zum qualifizierten

Fachpersonal

Seite 19

Serie

Handel braucht Mut zu

neuen Wegen

Seite 27

Ratgeber

Wege aus der

Arbeitslosigkeit:

Ich AG oder

Überbrückungsgeld?

Wer die Wahl hat, hat

auch die Qual

Seite 29

Unternehmensförderung

Proquali coacht

kleine und mittlere

Unternehmen: Durch

soziale Kompetenz zum

wirtschaftlichen Erfolg

Seite 30

Bankentipps

Niedriges Zinsniveau

bietet Unternehmern

erhebliche Ersparnismöglichkeiten

Seite 31

Veranstaltungen

Peiner Kunststoff Tag

liefert Informationen

rund um die Alt-Auto-

Verordnung: Wohin mit

dem alten Wagen?

Seite 32

Freizeittipps

Flugförderungsgemeinschaft

Peine:

Neben der Pilotenausbildung

ermöglicht

der Verein den Kurztrip

auf die Ferieninsel zum

Selbstkostenpreis

Seite 34

Kult(ur)stätten

Hummers Kultursalon

hat sich zum internationalen

Treffpunkt

klassischer Musik

entwickelt

Impressum

Herausgeber

Wirtschafts- und

Tourismusfördergesellschaft

Landkreis Peine mbH

in Kooperation mit der

Peiner Allgemeinen Zeitung

GmbH & Co., KG

Redaktion

Redaktionsbüro „mho”

Melanie Hoffmann, Peine

Franz Westing (verantwortlich)

Anzeigenverkaufsleitung

Heike Kirbach

Hans-Georg Wolf

(verantwortlich)

Layout

Melanie Wegener

Grafische Grundkonzeption

www.agentur-spezial.de

Druck

Niedersachsen Druck

Bähr GmbH

Auflage

5.000 Exemplare

Anschrift

Werderstraße 49, 31224 Peine

Telefon 0 51 71 / 406-121

wirtschaftsspiegel@paz-online.de


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Aus der Wirtschaft

Hirche zu Gast bei Wito

Angesichts der Geburtstagsfeier der Wirtschafts-

und Tourismusfördergesellschaft

des Landkreises Peine (wito GmbH) gab

inmitten der Vielzahl von Repräsentanten

aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung

auch der niedersächsische Minister für

Arbeit, Wirtschaft und Verkehr, Walter

Hirche, sein Gastspiel. Allerdings lieferte

der FDP-Mann in seinem Referat zum

Thema Wirtschaftsförderung wenig

Grund zu Optimismus, denn finanziell

zeichne sich hier ein drastischer Sparkurs

ab: Durch den EU-Beitritt osteuropäischer

Staaten werde die staatliche

Förderung für den Westen immer

weiter abnehmen, so dass sich auch die

Kreise auf neue Entwicklungen einstellen

müssten. Erforderlich sei vor allem

der Blick über den eigenen Tellerrand

hinweg und die Bildung von Regionen,

um in Brüssel überhaupt wahrgenommen

zu werden.

Wito vermittelt Personal

zum Nulltarif

Die Wirtschafts- und Tourismusförderungsgesellschaft

Landkreis Peine mbH

(wito GmbH) hat ihre Servicepalette um

den Bereich Personalvermittlung erweitert.

„In Zusammenarbeit mit Plan-

Consult, einem bundesweit agierenden

Unternehmen im Bereich des Personalmanagements,

können wir Firmen,

Dienstleistern, Behörden und Verbänden

im Landkreis Peine ab sofort eine

kostenfreie Vermittlung neuer Mitarbeiter

anbieten“, sagt Geschäftsführer Gunter

Eckhardt. Als offizieller Kooperationspartner

im Trennungs-Management eines

großen deutschen Unternehmens stellt

PlanConsult aus den Reihen dieses

Konzerns qualifizierte, leistungsfähige

Mitarbeiter nahezu aller Berufssparten

zur Verfügung. Kosten entstehen dem

neuen Arbeitgeber dabei nicht, da das

Unternehmen sämtliche Vermittlungsgebühren

im Rahmen seines Trennungs-

Managements trägt. Das Leistungsspektrum,

das PlanConsult bei diesem

Projekt im Kreis Peine anbietet, ist

umfassend: Auf der Grundlage eines

individuellen Anforderungsprofils – erstellt

vom personalsuchenden Betrieb – übernimmt

die Personalvermittlung die

Recherche nach geeigneten neuen Mitarbeitern

und garantiert mit einem

detaillierten Profilabgleich einschließlich

entsprechender Interviews eine optimale

Vorauswahl, bevor es zu einem ersten

Kontaktgespräch zwischen den Bewerbern

und dem Unternehmen kommt.

„So können wir in Gemeinschaftsarbeit

und ohne Berechnung der dafür sonst

üblichen Vermittlungsgebühren allen

Betrieben mit Personalbedarf zeit- und

kostenintensive Arbeiten von der aufwendigen

Recherche bis hin zum ersten

Kontakttermin komplett abnehmen“,

betont Peter Blumenthal von Plan-

Consult.

„Die Brücke“ will neue Wege in

die Arbeitswelt schaffen

„Die Überspannung des Abgrunds

zwischen Industrie und Arbeitsmarkt“

hat sich die Peiner Filiale der SKZ ToP

gGmbH gemeinsam mit der Unternehmensberatung

Otto Effert als Ziel

gesetzt. So sollen in ihrem Projekt

„Die Brücke“ insbesondere Fachkräfte

für die Kunststoffindustrie bedarfsgerecht

qualifiziert werden, denn anhand

des gemeldeten Fachkräfte-Bedarfs der

Partnerunternehmen entwickelt

„Die Brücke“ die entsprechende

Qualifizierung und generiert in einem

zweiten Schritt entsprechendes Personal

auf dem Arbeitsmarkt, das mit

Unterstützung erfahrener Ausbilder und

Zertifizierer zu Fachkräften der Kunststoffbranche

ausgebildet wird. Bereits

während der Qualifizierungsphase

besteht Kontakt zu dem Auftrag gebenden

Partnerunternehmen und die

Arbeitskräfte stellen während einer

integrierten Praxisphase ihr persönliches

Leistungsvermögen direkt vor Ort unter

Beweis. „Mit dieser Beziehungsebene

zum nachfragenden Arbeitgeber wird der

Weg über die Brücke für jeden künftigen

Mitarbeiter auch begehbar“, betont

Brigitte Utecht von der SKZ ToP.

Schließlich sei die Qualifizierung der

Mitarbeiter individuell auf den jeweiligen

Partnerbetrieb zugeschnitten.

3

Aktuelles

Die Weiterbildungen werden wissenschaftlich

und sozialpädagogisch begleitet.

Weitere Informationen:

SKZ ToP gGmbH Zweigstelle Peine,

Woltorfer Strasse 77 UPP 2 Halle G,

31224 Peine. Tel.: 05171 48935.

Ansprechpartner: Brigitte Utecht.

Corovin GmbH: Konzern heißt

jetzt BBA Fiberweb

Als Teil einer internationalen Strategie

hat die BBA Gruppe London ihren Konzern

BBA Nonwovens in BBA Fiberweb

umbenannt. Global davon betroffen sind

insgesamt 29 Niederlassungen, darunter

auch der Geschäftsstandort Peine der

Corovin GmbH, die ihren bisherigen

Namen auch weiterhin beibehält.

Dennoch: „Weltweit vereint der Namenswechsel

alle Niederlassungen unter dem

einheitlichen Namen BBA Fiberweb,

wodurch die Vielfalt und Stärke unseres

Unternehmens besser erkennbar und

wettbewerbsfähiger wird“, erläuterte Dr.

Norman Nichols, Geschäftsführer der

Corovin GmbH, drittgrößtes Unternehmen

in dem Industriezweig.

Im Rahmen einer großen Re-Organisation

wurde das Unternehmen, das spezielle

Produkte, wie Haus- und Dachummantelungen,

Bestandteile für medizinische

Bekleidung und Bandagen, Windeln,

Filter und andere Produkte herstellt,

strategisch in regionale und globale

Bereiche unterteilt, um zielgerichteter

und effizienter und noch besser auf die

Kundenwünsche eingehen zu können.

„In Konkurrenzkämpfen regional und

weltweit ist es wichtig, dass die Kunden

uns als einheitliches, starkes und innovatives

Unternehmen erkennen“, sagte

Ross McMillan, Chief Executive Officer.

Mit Verkaufszahlen in Höhe von

850 Millionen US-Dollar im vergangenen

Jahr wurde die BBA Fiberweb drittgrößtes

technisches Produktionsunternehmen

der Welt. Dem Hauptsitz in Nashville,

Tennessee, USA, gehören Niederlassungen

in 15 Ländern an.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Titelgeschichte

Ein Leben von und mit

dem Stahl: Arbeit, Kunst und Alltag

Mehr als 1300 Beschäftigte arbeiten im Peiner Stahlwerk.

Stahlträger, die Peine weltbekannt machten.

4

Die neue Stahlbrücke mit „Durchblick“.

Kalt, farblos, trist und unbeweglich...

Nur einige Begriffe aus dem Wortfundus,

der die Materie Stahl beschreiben könnte.

Dass dieses Material aber als ständiger

Begleiter im täglichen Leben gilt, ist

kaum jemandem wirklich bewusst. Dabei

begegnen wir ihm in veredelter Form oft

schon kurz nach dem Aufwachen das

erste Mal: Badezimmer-Utensilien vom

Zahnputzbecher bis hin zum Mülleimer

aus Edelstahl gelten heute als chic, der

Kaffee aus dem Becher im glänzenden

oder auch matten Design hält sich darin

besonders heiß und das Blumengeflecht

auf dem Wohnzimmertisch wird in der

Edelstahlvase zum kleinen Kunstobjekt.

Weiter geht’s auf dem Fahrrad, im Auto

oder per Bahn, vorbei an Stahlbrücken

und durch stählerne Tore zum Arbeitsplatz,

an dem der Füllhalter mit Stahlfeder

bereit liegt.

Vielseitige Verwendung

Darüber hinaus hat sich Edelstahl auch

in der Schmuckbranche längst seinen

Namen gemacht, denn in der Optik dem

Platin ähnlich und für empfindliche, zu

Allergien neigende Menschen durchaus

geeignet, droht es in manchen Bereichen

dem Silber fast den Rang abzulaufen.

„Es fordert heraus zum Drehen und

Fräsen, zu klaren Formen mit Ecken und

Kanten“, schwärmen Goldschmiede, die

eigentlich mit dem runden „Verfeinern“

von Schmuckstücken betraut sind.

Des weiteren wird Edelstahl in Form von

Nadeln in der Modebranche zum

Hauptbestandteil, dient in der Medizin

als Grundmaterial für Spritzen und

chirurgische Instrumente und sorgt im

Freizeitbereich für ein turbulentes

Durcheinander in der Körpermitte, wenn

Abenteuerlustige zum Beispiel in der

Achterbahn ihre Runden und Loopings

drehen und eine tonnenschwere Stahlkonstruktion

die sichere Ankunft am Ziel

garantiert. Somit wird Stahl ein zuverlässiger

und nicht zu ersetzender Bestandteil

unseres Alltags.

Innovativer Industriezweig

Dahinter steckt ein innovativer, zukunftsorientierter

Industriezweig, der mit

hohen Qualitätsstandards und bedeutenden

Produkten ungezählte Arbeitsplätze

schafft und sichert. – So auch in Peine,

denn nicht umsonst wird der Ort

zwischen Hannover und Braunschweig

als Stahlstadt in die Historie eingehen.

„Diese Stadt lebt vom Stahl“, heißt es

immer wieder auf öffentlichen Veranstaltungen

und auch bei den mehr als 1300

Stahlwerkern. Nicht zu vergessen die

Schrotthändler, Spediteure, Stahl- und

Metallbauer sowie zahlreiche andere

Handwerkszweige und der Handel, die

durch und mit dem Verarbeiten dieses

Materials ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Vom Schrott zur Kunst: Breuste-Skulpturen.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

E-Stahlwerk: Sauberer

Weg vom Schrott zum Stahl

Funken sprühen bei der Bearbeitung der Cellformträger in der Peiner Produktion.

Benebelnde Staubwolken, schmierigen

Ruß und übelriechenden Qualm, die

tristen Rauchzeichen der alten Montanindustrie,

die Peine als traditionelle

Stahlstadt auszeichneten, sucht man bei

den High-Tech-Öfen der heutigen

Stahlkocher vergeblich. Anstatt Eisenerz

und Koks landet in den Schmelzbehältern

mittlerweile tonnenweise Schrott,

der im sauberen und modernen Elektrolichtbogenofen

seine „Wiedergeburt“

erlebt.

Damit hielt in Peine 1996 nach Thomas-,

Siemens-Martin-, Rotor- und Oxygen-

Stahlwerk die fünfte Industrie-Generation

Einzug und der Sprung an die Weltspitze

gelang.

In rasanter Geschwindigkeit werden bei

der Peiner Träger GmbH, einem Tochterunternehmen

der Salzgitter AG, rund eine

Million Tonnen Stahl pro Jahr erzeugt, die

auf den beiden Walzstraßen zur breiten

Produktpalette des traditionellen Profilstahls

verarbeitet werden. Ob in Brücken-

, Haus-, Hotel- oder Stadionbau – in

ungezählten Gebäuden finden die Trägerprofile

aus Peine ihre Verwendung.

Wobei den so genannten Breitflanschträgern

– auch Peiner Träger genannt –

besondere Bedeutung zukommt, denn die

1914 in der Stahlstadt hervorgebrachte

Erfindung machte den Namen weltweit

bekannt.

Flüssiges Roheisen gelangte

auf Schienen ans Ziel

Dabei hatten die Gründer der Ilseder

Hütte im Jahre 1858 wohl kaum an derartige

Erfolge gedacht, als sie mit dem

Ilseder Hochofenwerk die erste Anlage

zur Roheisenerzeugung in Südost-Niedersachsen

errichteten.

Als Absatzziele galten vor allem die

Stahlerzeuger an Rhein und Ruhr, bevor

man sich 1872 aus wirtschaftlichen

Gründen dazu entschloss, das Unternehmen

Peiner Walzwerk ins Leben zu rufen.

Ab jetzt gelangte das flüssige Roheisen in

riesigen Transportpfannen auf dem Schienenweg

vom Ilseder Hochofen direkt in

das Thomasstahlwerk, das unter großen

Schadstoffausstößen und ohrenbetäubendem

Lärm Rohstahl für die späteren

Walzprodukte hervorbrachte.

Mit Millioneninvestition der

Umweltbelastung entgegen

Doch die Zeiten von Hochofen und

Konverter als klassische „Verfahrensroute“

auf dem Weg zur Stahlerzeugung sind

mit dem Elektroofen vorbei und damit

auch die großen Umweltbelastungen.

„Den entscheidenden Ausschlag zum

Wechsel vom Blas- zum Elektrostahlwerk

gab aber vor allem die hohe Anforderung

5

Titelgeschichte

an die Staubemissionen“, erläutert

Geschäftsführer Ulrich Eggers. Waren in

alten Werken zu früheren Zeiten noch

75 mg pro Kubikmeter Abluft erlaubt,

sank der Wert später auf 50 mg, bevor

1995 die technische Anweisung lediglich

noch 20 mg für Elektrostahlwerke zuließ.

„Für Peine galten wegen der geographischen

Lage inmitten des Stadtgebietes

sogar nur 10 mg“, sagt Eggers.

Werte, die – regelmäßig vom Gewerbeaufsichtsamt

Braunschweig geprüft – mit

dem herkömmlichen Verfahren nie hätten

erreicht werden können. Also stellten sich

die Peiner mit erheblichen Investitionen

in mehrfacher Millionenhöhe auf Neuentwicklungen

ein.

Lichtbögen zwingen Stahl zum Schmelzen

Jetzt landen pro Arbeitstag zwischen

3500 und 4000 Tonnen Schrott – 110

Tonnen sind es pro Einzelprozess – im

Schmelzgefäß, in dem ein gezündeter

Lichtbogen das Alteisen zu Flüssigstahl

werden lässt.

Die dabei freigesetzte Energie ist enorm:

Mit einer Stromstärke von annähernd

140 000 Ampere erzeugen hier Graphitelektroden

– die Herzstücke der Lichtbogenöfen

– eine Gluthitze von rund

6000 Grad Celsius, die den Stahlschrott

förmlich zur Schmelze zwingen.

Das stellt sogar Naturgewalten in den

Geschäftsführer Ulrich Eggers


Ihre Einkäufe müssen Sie selber tragen.

Wir tragen ja schon das ganze Zentrum.

Unsere Stahlkonstruktionen halten, was sie versprechen.

Die Zukunft wird gebaut. Mit uns.

www.salzgitter-ag.de


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Schatten, denn ein Blitz kann

während eines Gewitters für den

Bruchteil einer Sekunde eine Stromstärke

von lediglich 100 000 Ampere

erzeugen. Nicht zu unterschätzen ist

der Aufwand dabei: Für den Ofenbetrieb

wird eine Leistung von 100

Megawatt benötigt, was dem Verbrauch

von etwa 30 000 Einfamilienhäusern

entspricht.

Legierung je nach Verwendungszweck

Der in dem E-Ofen entstandene Flüssigstahl

fließt durch ein Abstichloch in

die Gießpfannne, wird im Pfannenofen

mit verschiedenen Zusatzelementen,

wie Mangan, Selicium, Kohlenstoff

und Vanadium legiert und im

Anschluss auf einer der vorhandenen

zwei Stranggießanlagen zu Vorblöcken

oder Beam-Blanks (Vormaterial für die

Walzwerke) vergossen. Die Zusatzstoffe

seien in diesem Vorgang notwendig,

um dem Stahl die für seinen späteren

Einsatz nötigen Festigkeits- und

Zähigkeitseigenschaften zu verschaffen,

erläutert Eggers. So gebe es

keinen Universalstahl, sondern unterschiedlichste

Legierungen für die

späteren Verwendungszwecke. Das

Material für den Automobilbau, das im

Schwesterwerk in Salzgitter produziert

wird, bleibe dadurch zum Beispiel

wesentlich kaltverformbarer als der in

Peine hergestellte Profilstahl für den

Beton- und Stahlbau, der tonnenschweren

Belastungen standhalten muss.

Zwei Walzstraßen zur Profilerstellung

Dafür stehen in Peine zwei Walzstraßen

bereit: Die unteren Profilabmessungen

von 80 bis 450 Millimetern Höhe und

260 Millimetern Breite werden auf der

Universalmittelstraße und die oberen

Maße bis zu einer Steghöhe von 1100

Millimetern auf der Schweren Trägerstraße

gewalzt. Die Verarbeitungsschritte

sind allerdings auf beiden Anlagen

ähnlich. Das im Stahlwerk hergestellte

Vormaterial wird im sogenannten

Hubbalkenofen auf die erforderliche Temperatur

erwärmt, bevor der eigentliche

Walzvorgang in mehreren Schritten und

verschiedenen Walzgerüsten erfolgt. Nach

der Abkühlung und dem Richtvorgang

werden die ausgewalzten Profile schließlich

kommissioniert, gestapelt und für die

Auslieferung an die Kunden verladen.

Auslieferung in aller Herren Länder

Wohin werden die Peiner Träger geliefert?

„In aller Herren Länder, wenn es sich

lohnt“, sagt Eggers, selbst in die USA,

nach Kanada und sogar nach Japan und

China. In Hongkong zum Beispiel waren

die Peiner beim Hafen- und Flughafenbau

entscheidend beteiligt, bedeutend

aber auch auf der EXPO in Lissabon oder

beim Bau des Weltmeisterschaftsstadions

Mehr als 1300 Mitarbeiter beschäftigt die Peiner Trägergesellschaft in Stahl- und Walzwerk.

in Paris. In Deutschland sind der Peiner

Bahnhof, Hannovers Messegelände, der

Potsdamer Platz und das herausragende

Sony-Center in Berlin Beispiele für die

vielseitige Verwendung.

So wurde an die größte Baustelle Europas

in der Bundeshauptstadt sogar eine eigene

Bahnlinie direkt auf das Gelände

gelegt, um den Stahl zuverlässig direkt

an den Standort zu liefern. Schließlich

Zur Historie

7

Titelgeschichte

verankern an der einst mit verkehrsreichsten

Straßenkreuzung Europas rund

20 000 Tonnen Breitflanschträger aus

Peiner die hohen Bauwerke im Untergrund

und sicherten zudem den Bau des

neuen Bahnhofs.

Insgesamt produzierten die rund 1300

Beschäftigten des Unternehmens allein

im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen

Tonnen Trägerprofile.

1858 Gründung der Ilseder Hütte

1872/73 Gründung und Betriebsbeginn des Peiner Walzwerks

1881 Verschmelzung von Ilsede und Peine; Bau des Thomasstahlwerks

1900 Bau des Siemens-Martin-Stahlwerks

1914 Der Peiner „Breitflanschträger“ wird zum Patent angemeldet

1961/62 Umfassende Modernisierungsmaßnahmen

1970 Fusion Stahlwerke Peine-Salzgitter AG aus Hüttenwerk Salzgitter und

Ilseder Hütte

1983 Stillegung des Hochofenwerks in Ilsede

1989 Die Preussag AG übernimmt die Salzgitter AG

1992 Aus der Stahlwerke Peine-Salzgitter AG wird die Preussag Stahl AG

1996 Inbetriebnahme des Elektro-Stahlwerks

1998 Preussag Stahl AG wird Salzgitter AG - Stahl und Technologie

1999 Produktion der 10millionsten Tonne auf der Universalmittelträgerstraße

(Umit)

2000 Feier: 25 Jahre Umit

2001 Umsetzung der neuen Konzernstruktur (Gründung der Peiner Träger

GmbH)


Titelgeschichte

Ob alte Fahrräder, ausgesonderte Fässer,

Fahrzeugantennen oder zerbeulte

Autotüren – tonnenweise sammelt sich

8

weltweit Schrott. Dennoch zählen die

aus dem persönlichen Gebrauch ihrer

ehemaligen Besitzer entsorgten

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Zurück im Kreislauf:

Vor dem Ofen sind sie alle gleich

Berge von Aluminiumschrott kurz vor der „Landung“ im Lichtbogenofen des Elektrostahlwerks (Hintergrund).

Einzelteile noch lange nicht zum „alten

Eisen“, sondern werden in der Stahlindustrie

zum hochbegehrten Rohstoff.

So zeigt sich auch beim Peiner

Elektrostahlwerk, dass die Stahlerzeugung

neben der Ressourcenschonung

einen erheblichen Beitrag zur Recyclingwirtschaft

leistet: Die Erzeugung des

Materials auf Schrottbasis erfolgt in nur

einem einzigen Verfahrensschritt und

führt darüber hinaus das Alteisen

wieder in erheblichen Mengen in den

Produktionskreislauf zurück.

Nach Ablauf der „Lebenszeit“

zurück in den Kochtopf

Da allein in einem Umkreis von 100

Kilometern um Peine jährlich rund zwei

Millionen Tonnen Schrott anfallen und

die Erschmelzung im Werk pro Tag 3500

bis 4000 Tonnen verschlingen, wird hier

ein weiterer Wirtschaftszweig entscheidend

angekurbelt, betont Ulrich Eggers,

technischer Geschäftsführer der Peiner

Träger GmbH.

Stahl kann dank seiner mechanischen

Eigenschaften ohne Qualitätsverlust

beliebig oft in den Materialkreislauf

zurückgeführt werden – anders als

Papier, Kunststoff oder Glas, bei deren

Wiederverwertung immer ein Qualitäts-


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

verlust auftritt. So landen nach Ablauf

ihrer „Lebenszeit“ Pkw-Karossen

genauso in dem „Kochtopf“ wie alte

Brückenpfeiler, das Innenleben einer

Spülmaschine oder auch des Küchenherdes.

Immerhin: Rund 3 Millionen

Autos und 4,5 Millionen Haushaltsgeräte

zerlegt die deutsche Recyclingwirtschaft

jedes Jahr sortenrein in ihre Bestandteile.

Magneten trennen die Spreu vom Weizen

Während Blechdosen sofort im Ofen

landen, kommen große Teile wie Brücken

oder Überreste aus Haus- oder Fabrikabrissen

erst einmal unters Messer.

Riesige Scheren mit Druckkraft von

mehreren tausend Tonnen zerteilen

dann selbst Eisenbahnwaggons in

handliche Portionen.

Um inmitten der riesigen Berge von

Schrott die Spreu vom Weizen zu

trennen und die richtigen Materialien zu

sortieren, schwingen überdimensionale

Magnete an Kränen über die Alteisenmassen

und ziehen den wertvollen

Rohstoff „magisch“ an.

Wiedererkennungswert gleich Null

Manche Teile werden auch einfach so

lange gerüttelt, bis der ihnen anhaftende

Fremdstoff abfällt und der Schrott reif

fürs Einschmelzen ist.

Nach dem Durchlauf der Presse, die das

benötigte Material in die verwertbare

Form bringt, ist der ursprüngliche

Wiedererkennungswert gleich Null, denn:

Vor dem Ofen sind sie letztlich alle

gleich. Heraus kommen Stahlträger in

unterschiedlichsten Größen und Formen,

die sich irgendwann in ihrem „Lebenszyklus“

– vielleicht sogar an gleicher Stelle –

wegen des hohen Recyclingwertes wieder

für den Neueinstieg unter das Messer

begeben werden.

Schrottlogistik hat hohen Stellenwert

Bei den großen Mengen, die auf dem

Weg zum Peiner Träger benötigt werden,

hat die Schrottlogistik einen hohen

Stellenwert im Unternehmen: Ohne langfristige

Zwischenlagerung gelangt

Altmaterial vor allem auf dem Schienenweg

just-in-time in die Schrotthalle des

Elektrostahlwerks.

Die für eine Schmelze notwendigen

110 Tonnen Schrott werden mit dem

Magnetkran in zwei „Körbe“ verladen,

in einer zeitlichen Abfolge zum Ofen

transportiert und schließlich ins

Schmelzgefäß entleert.

Reststoffe werden weiterverarbeitet

Recycling heißt es aber auch bei den

anfallenden Reststoffen aus der Stahlherstellung,

denn Filterstaub und

Schlacke gelangen aus Peine in die

Wiederverwendung: Pro Tonne Stahl

entstehen rund 120 Kilogramm

Schlacke, die per Bahn in Mahlanlagen

transportiert und dort zerkleinert werden,

bevor sie vom Schotter bis zum Split als

Straßenbaumaterial ihre Wiederverwendung

finden. Der Filterstaub wird in

Zurückgewinnungsanlagen aufgearbeitet,

um das enthaltene Zink (17 bis 24

Prozent) für die Verzinkung von Stahlteilen

und -konstruktionen auszusondern.

9

Titelgeschichte

Ganze Waggonladungen Schrott landen im E-Ofen.

Die Schlacke findet sich später im Straßenbau wieder.

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Titelgeschichte

10

Ein Blick durch die Regale des Fachgeschäfts

für Eisen- und Haushaltswaren

Möllring an der Stederdorfer Straße zeigt,

dass kaum ein Bereich des Alltags

existiert, in dem Stahl keine Rolle spielt:

Angefangen bei der Edelstahltasse oder

Kaffee- und Espressomaschinen über

Briefkästen, Mausefallen oder Türschlösser

bis hin zu Werkzeugen, Rasenmähern

oder Kettensägen – überall ist Stahl im

Einsatz. Faszination erweckt hier vor

allem die scheinbar grenzenlose Auswahl

an unterschiedlichen Schrauben, Nägeln

sowie Muttern, Kabelklemmen oder

Wäschehaken. Dabei mag so manchem

Laien die Ratlosigkeit ins Gesicht

geschrieben sein, wenn bei der Heimwerkerei

und den letzten Reihen der Vertäfelung

plötzlich die notwendigen Utensilien

zur Befestigung ausgehen und der Gang

ins Fachgeschäft unabdingbar ist. Hat der

Hobby-Handwerker nicht zufällig ein letztes

Stück der Drahtstifte oder Krampen in

der Tasche oder die genaue Bezeichnung

notiert, dürfte die richtige Wahl hier bei

rund 500 Sorten wohl schwer fallen.

Werkzeugstahl als Grundstoff

Sicher haben die kleinen und spitzen

Einzelteilchen eines gemeinsam, nämlich

den hochwertigen Werkzeugstahl als

Grundstoff, in Größe, Länge und Anspruch

unterscheiden sie sich entscheidend, wie

Geschäftsinhaber Joachim Jenssen auch

mit Blick auf die mehr als 200 Sorten

Schrauben betont. Ob für den Schlosseinbau,

die Montage von Maschinen oder für

Holzarbeiten – jedes Material erfordert die

richtige Schraube, die sich alle in Spitze,

Härte und auch Gewinde unterscheiden

und bei falscher Anwendung das

gewünschte Ergebnis kläglich scheitern

lassen. Denn: Welcher Hobby- Handwerker

kennt das nicht, wenn der Schraubendreher

nicht auf den Schraubenkopf

passen will und stattdessen quietschend

über die Oberfläche kratzt? Ein umfassen-

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Werkzeug aus Stahl

soweit das Auge reicht

Joachim Jenssen setzt auf gute Beratung.

1. Sie wünschen sich Seminare, die

Mehr-Wert für Ihr Unternehmen schaffen?

2. Sie wünschen sich mehr als „nur“ kompetente Beratung

und Unterstützung in Sachen „Personalentwicklung“?

3. Sie wünschen sich Preise, die bezahlbar sind?

des Sortiment an stählernen Werkzeugen

ist dann auch hier gefragt, wenn Schlüsselschraube,

Bits oder – als neueste

Erscheinung – die Torxschraube in Holz,

Beton oder anderen Materialien

„versenkt“ werden sollen. Sowie die

verschiedenen Industriezweige und auch

Fachbereiche bei diesen Entwicklungen in

den vergangenen Jahren rasant voranschreiten,

ist auch auf Seiten des

Verkaufs kontinuierliche Fort- und Weiterbildung

gefragt. Schließlich lasse sich bei

den Kunden nicht grundsätzlich voraussetzen,

dass sie über entsprechendes

Fachwissen hinsichtlich der Werkzeugkunde

verfügen und ihre Wünsche konkret

und treffend äußern. „Dabei sind unser

Wissen und entsprechende Tipps gefragt“,

sagt Jenssen. So kennt der Geschäftsinhaber,

der den Fachhandel, den sein

Urgroßvater Ferdinand Möllring 1866

gegründet hatte, 1957 übernahm, seine

Produkte aus dem Effeff, weiß über

Vorteile und Tücken von Werkzeugen,

Haushaltsgeräten bis hin zu Rasenmähern,

Hochdruckreinigern und Pumpen

genauestens Bescheid und gibt diese

Informationen auch ehrlich an seine

Kunden weiter, wie er betont. „Nicht

umsonst betreibe ich schließlich einen

Fachhandel“, verleiht er seinen Aussagen

Nachdruck.

... Ihr Erfolg ist unser Ziel

Diese drei Wünsche seien Ihnen gewährt.

Zum Realisieren Ihrer Wünsche, greifen Sie bitte zum Telefonhörer

und wählen bitte die folgende Nummer: 05172/98 66 373.

Ihr Anruf ist uns willkommen.

Herzlichst,

Jutta Schubert, Diplom Pädagogin, NLP Master Practitioner, Personalberaterin

jschubert@kvhs-peine.de

Personal- & Organisationsentwicklung l Beratung l Coaching l Trainings

ProQuali wurde von der EU als innovatives und förderungswürdiges

Projekt für PE- und OE-Prozessse ausgewählt.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Stählerner Blickfang

schützt vor ungebetenen Gästen

Ob schmiedeeiserne Produkte, wie kunstund

phantasievoll gestaltete Geländer,

Zäune oder Eingangstore und Überdachungen

sowie komplette Arbeitstische,

Regale und Konstruktionen für die industrielle

Produktion – in der Werkstatt Ralf

Isensees herrscht Hochbetrieb. Tagtäglich

wirbeln hier neben fünf Gesellen und drei

Teilzeitkräften zwei Auszubildende unter

der Leitung des Metallbaumeisters, um

aus tristen, kalten Stahlprofilen und

Gestängen wirkungsvolle Werke zu

fertigen, die nicht nur der individuellen

Gestaltung des persönlichen Umfeldes

ihrer Auftraggeber beitragen, sondern

auch einen hohen Nutzwert haben, denn:

Kaum ein Material stellt eine vergleichbar

hohe Belastbarkeit und Strapazierfähigkeit

unter Beweis wie der Stahl. Nicht

umsonst hat sich das Material auch beim

Schutz vor ungebetenen Gästen auf dem

eigenen Grund und Boden durchgesetzt.

Um die Werke aber zum verschönernden

Blickfang an Haus und Garten zu

machen, ist Kreativität gefragt. So ist es

bei Isensee mit der einfachen Aneinanderreihung

von „Gitterstäben“ nicht

getan. Stattdessen entstehen hier

schwungvoll gestaltete Rundbögen aus in

sich gedrehten Vierkantstäben, die mit

den unterschiedlichsten Ornamenten und

mit Speerspitzen ähnelnden Abschlüssen

versehen zu kleinen Kunstwerken werden.

Doch damit nicht genug, entdeckte auch

Isensees Ehefrau Marina ihre Begeisterung

für den Metallbau und erweiterte

das Leistungsangebot um Kleinmöbel,

verschiedene Wohn- und Gartenaccessoires

sowie Kerzenleuchter und andere

dekorative Metallgegenstände – Ideen,

Design und Produktion aus einer Hand.

Zudem machen die Rentnerväter der

Eheleute den Betrieb zum Familienunternehmen,

wenn sie in ihrer Freizeit als

„Seniorenchefs“ Hilfestellungen leisten.

Bescheidener Start vor zehn Jahren

Dabei hatte Ralf Isensee vor zehn Jahren

bescheiden angefangen: In einer angemieteten

Scheune in Eddesse fertigte der

Metallbaumeister Schmiedeeisenarbeiten

ausschließlich für Privatkunden. Seine

handwerkliche Qualifikation, der Ideenreichtum

und die Qualität seiner Werke

sprachen sich schnell herum, so dass der

Unternehmer bald Firmenkunden und

Auftraggeber aus der Industrie zu seinem

Kundenkreis zählte und das Arbeitsaufkommen

die Einstellung zusätzlicher

Mitarbeiter erforderte. 1999 erfolgte der

Umzug der Firma an die Gausstraße im

Peiner Gewerbegebiet-Ost, in dem das

Unternehmerpaar ein geeignetes Firmen-

11

Titelgeschichte

gebäude erwarb. Hier bildete der Meister

zum einen Lehrlinge zu Metallbauern

aus, drückte aber auch selbst noch

einmal die Schulbank: Im Jahr 2000

absolvierte er die Prüfung zum

Schweißfachmann und erweiterte mit

dem Kauf zusätzlicher Maschinen sein

Leistungsspektrum, sodass damit auch

die spezielle Blechbearbeitung möglich

wurde. Doch an Arbeit noch nicht genug,

engagiert er sich zudem in der Metallinnung,

in der er das Amt des Lehrlingswartes

übernahm. Seitdem ist er an den

Prüfungsabnahmen beteiligt und auch in

die Lehrgangsplanung involviert, während

in der Werkstatt in Absprache und

Planung mit den Kunden weiter die

kreativen Kunstwerke entstehen.

Schmiedeeiserne Kunst als Blickfang.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Pelikan: Mit glänzender

Stahlfeder weltweit vertreten

Millionenfach halten ihn Schülerinnen

und Schüler weltweit tagtäglich in der

Hand – den altbewährten Füllfederhalter

der Marke Pelikan, der mit Tintenpatronen

gefüllt bei der Schönschrift helfen

und Farbe aufs Papier bringen soll.

Welch filigranen einzelnen Arbeitsschritte

allerdings allein hinter der Herstellung

der hochglänzenden Metallspitzen im

Vöhrumer Werk stecken, bevor der erste

galante Federstrich auf die Schreibunterlage

gelangt, ist kaum jemandem bewusst.

So muss die Stahlfeder später fest in

ihrer Kunststoffhalterung sitzen, gleichzeitig

schwingend beim Schreiben sein,

darf nicht auf dem Papier kratzen,

während der Tintenaustritt garantiert

bleibt und der Pelikan mit dem kleinen

Küken an seiner Seite als Wahrzeichen

des Konzerns eindrucksvoll in der Mitte

der Feder zu sehen ist.

Diamantbällchen sichern

Gleit- und Schreibverhalten

Es ist nur ein wenige Zentimeter langes

und knapp einen halben Millimeter

dickes Stück hochlegierter Werkzeugstahl,

das trist bei Produktionsstart

vorliegt und zuvor von einer dicken Rolle

Stahlband geschnitten wurde.

Begleitet von zischendem Druckluftgeräusch

wandern die Einzelteile

schließlich über ein kleines Transportband

in eine Walze, die sie auf eine

Stärke von nur noch 0,2 Millimeter

bringt, bevor sie in einer Stanze ihre

konische Form, die später die Feder

wird, sowie das Firmenlogo erhalten.

Es folgt das Anschweißen eines winzigen

Korns, das für ein reibungsloses Schreibund

Gleitverhalten auf dem Papier auf

kleinen Diamantbällchen profiliert wird.

„Dabei sind im Bereich Stahlfedern fünf

verschiedene Federbreiten für den feinen

bis breiten Strich möglich“, erläutert

Werksleiter Otto Bahlo. Goldfedern stellt

das Unternehmen sogar in acht bis zehn

unterschiedlichen Stärken her.

Feder wird auf Hochglanz poliert

„Schreibfähig ist die Feder aber auch

nach diesen Arbeitsgängen noch nicht“,

betont Bahlo mit Blick auf die kleine

Stahlspitze, die weiter über schmale

Transportbänder von Insel zu Insel, wie

die Arbeitsplätze bei den „Pelikanen“

heißen, rutscht. Ein winziger Schlitz –

mit der diamantbeschichteten Trennscheibe

geschnitten – sichert nach

Entgraten, Oberflächenbearbeitung und

entsprechendem Zusammenfügen die

Kapillarwirkung auf die Tinte, die das

einstige Stahlteilchen nun „schreibfertig“

macht. Abschließend auf Hochglanz

poliert gelangt es in seine

Kunststoffhalterung und schließlich auf

den Schreibtischen der Besitzer.

Zu Schulbeginn herrscht Hochkonjunktur

Zweieinhalb bis drei Millionen Federn

verlassen jährlich die Hallen an der

Pelikanstraße, in denen mehr als 300

Mitarbeiter neben den Stahlfedern auch

Malkästen und zahlreiche andere

Schulutensilien, wie Tintenpatronen,

Wachsmalstifte und Radiergummis, produzieren.

Dabei laufen rund zwei Drittel

der Produkte im ersten Halbjahr vom

Band, denn: „Zum Schulbeginn herrscht

Hochkonjunktur und unsere Lieferungen

erfolgen just in time“, sagt Bahlo.

Dank Jahresarbeitszeitkonten und damit

verbundener flexibler Arbeitszeiten laufen

die Bänder dann für zwei Schichten

an sieben Tagen die Woche, bevor es ab

August wieder ruhiger wird im Werk und

die Mitarbeiter ihre angesammelten

Arbeitsstunden abbauen.

Im 19. Jahrhundert beginnt die

Firmengeschichte

Der Chemiker Carl Hornemann hatte

wohl kaum an einen derartigen wirtschaftlichen

Erfolg gedacht, als er 1838

begann, Künstlerfarben und Malutensilien

zu produzieren. Bis dahin hatte sie sein

Vater teuer aus Frankreich und England

importiert, um sie in einem kleinen

Geschäft in der Altstadt Hannovers zu

verkaufen.

Als 1863 Günther Wagner als Produktions-Chef

in die Farben- und Tintenfabrikation

„Carl Hornemann” eintritt

und die Firma schließlich übernimmt,

bedient er sich seines eigenen Familienwappens

und lässt den Pelikan als eines

der ersten Warenzeichen Deutschlands

registrieren. Nach Vöhrum gelangte das

Firmenwappen 1973, als nach einem

mehr als hundert Jahre währenden und

kontinuierlichen Ausbau der Sortimentsvielfalt

das Werk an der Podbielskistraße

in Hannover nicht mehr erweitert werden

konnte und die gesamte Schreibgeräteproduktion

in den Kreis Peine verlagert

wurde. Mittlerweile dreht das geflügelte

Tier mit Geburtsort Hannover durch den

fortwährenden Expansionskurs sowie

unternehmerische Höhen und Tiefen

weltweit seine Runden.

Dennoch kann sich das Unternehmen

nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit

ausruhen, denn starke Konkurrenz

am Markt, Dumpingpreise und Innova-

13

Pelikan-Werksleiter Otto Bahlo

Titelgeschichte

tionsdruck zwingen auch in Vöhrum zu

Flexibilität: Kontinuierliche Modernisierung

der Produktionsanlagen, ständige

Leistungskontrolle und umfangreichere

Automatisierungen bei der Herstellung

der gesamten Schreib-, Mal- und Büroprodukte

sind hier die Zeichen der

Zukunft.

Zahlreiche Arbeitsschritte führen bei Pelikan zur

spitzen Feder.


Titelgeschichte

14

Bei der Federfertigung ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Die Pelikan Chronik

1832 Der Chemiker Carl Hornemanngründet

in Hannover eine Farben- und

Tintenfabrik, deren offizielles „Geburtsdatum“

auf das Jahr 1838 festgelegt

wird.

1842 Für den Ausbau seiner Fabrik

erwirbt Hornemann ein erstes Grundstück

in Hannover-Hainholz, nachdem er

zuvor in Groß-Munzel, mehr als 30

Kilometer vor den Toren Hannovers,

produziert hatte.

1863 Günther Wagner wird als Chemiker

und Werksleiter eingestellt und übernimmt

acht Jahre später das gesamte

Unternehmen.

1878 meldet er den Pelikan aus seinem

Familienwappen als erstes Warenzeichen

Industriegebiet „Ackerköpfe“ in Mehrum

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512.000 m 2 ,

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am Mittellandkanal

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inkl. Erschließung

in Deutschland an. Zudem wird in diesem

Jahr eine Fabrik in Eger gebaut, die

später in Wien ihren Sitz haben wird.

1881 Die Produktionsräume werden

erweitert und 39 Mitarbeiter beschäftigt.

Darüber hinaus wird für die Kundenbesuche

in Österreich, Russland, Italien und

dem Orient Fritz Beindorff eingestellt.

1895 Firmenübernahme durch Beindorff,

der mittlerweile die älteste Tochter

Wagners geheiratet hat. Gleichzeitig wird

das Lieferprogramm um verschiedene

Bürobedarfsartikel erweitert und damit

auch die Produktionsfläche.

1906 Pelikan bezieht neue Büro- und

Produktionsräume an der Podbielskistraße

in Hannover. Der damalige Neubau

steht heute unter Denkmalschutz.

1913 Pelikan feiert 75jähriges Jubiläum

und verdoppelt seine Produktionsfläche.

1938 Rund 3700 Arbeiter und Angestellte

feiern in Fabriken in Hannover,

Wien, Danzig, Mailand, Barcelona, Bukarest,

Sofia, Warschau, Budapest, Zagreb,

Buenos Aires, Rio de Janeiro und Santiago

de Chile das hundertjährige Jubiläum.

1973 Das Werk an der Podbielskistraße

in Hannover ist zu klein geworden und

Pelikan verlagert seine Schreibgeräteproduktion

nach Vöhrum. Hier werden

noch heute die Schreib-, Mal- und

Büroprodukte produziert.

1978 Umwandlung der GmbH in eine

AG. Die Aktien liegen allein bei der

Familie Beindorff mit 46 Anteilseignern.

Das Produktions- und Lieferprogramm ist

erheblich erweitert worden und über

Tochter- und Beteiligungsfirmen werden

Bürodrucker, Overheadprojektoren,

Datenträger, technische Zeichengeräte

sowie Kosmetik-Produkte verkauft.

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

1982 Die exzessive Ausdehnung des

Sortiments bis hin zur Übernahme des

Hamburger Kopiergeräteherstellers

Lumoprint führen zu Insolvenz und

Vergleich. Die Aktien werden im Verhältnis

10:1 herabgesetzt und 1984 von der

Condorpart AG Zug/Schweiz übernommen.

1986 Die bisher zentral von Hannover

aus geführte Firma wird in einzelne

Gesellschaften aufgeteilt und zum Teil

verkauft. Die operative Führung erfolgt

durch die Pelikan Holding AG/Ch, die

1986 an die Börse geht.

1995 Das gesamte Programm der

schriftbildenden Produkte, Farb- und

Kassettenbänder, Inkjet und Patronen

oder Toner wird 1994 unter einer eigenständigen

Vertriebssparte „Pelikan

Hardcopy“ zusammengefasst und im

selben Jahr an die amerikanische Firma

„Nucote“ verkauft.

1996 Hooi Keat Loo aus Malaysia

übernimmt mit seiner Firma Goodace

SDN BHD die Aktienmehrheit der Pelikan

Holding.

2000 Für einen Großteil des deutschen

Facheinzel- und Großhandels übernimmt

Pelikan von Pelikan Hardcopy den

Vertrieb von Druckerzubehör und ist

damit wieder in den Kompetenzfeldern

Schule, hochwertige Schreibgeräte und

Büro in Deutschland tätig.

2003 Am 17. März bezieht Pelikan ein

neues Bürogebäude an der Werfstraße

am Mittellandkanal in Hannover. Fast

zeitgleich, 125 Jahre nach Anmeldung

der Pelikan-Bildmarke als Warenzeichen

wird das „Wappen“ überarbeitet und

erscheint lediglich noch mit einem

Küken an seiner Seite.

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Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Trister Stahl in neuem

Outfit: Hochglanz nach Tauchbad

Die Verzinkerei Peine siedelte sich 1996 im Mehrumer Gewerbegebiet Ackerköpfe an.

Ob als imposantes Designerstück, beim

Haus- oder Hotelbau, in verschiedenen

Brückenkonstruktionen, Skisprungschanzen,

als Balkonbrüstung oder auch als

Gartenzaun sowie Eingangstor: Robuste

Stahlkonstruktionen finden mittlerweile

in den unterschiedlichsten Bereichen

ihre Anwendung. Damit die meist aufwendig

und schick gestalteten Produkte

jedoch nicht binnen kürzester Zeit der

15

unschönen kupferfarbigen Veränderung,

sprich der Korrosion, zum Opfer fallen,

können sie in ihrer komplett fertiggestellten

Form verzinkt werden. Das Ergebnis

sind strahlend-helle, hochglänzende und

langfristig vor Rost geschützte Stahlprodukte,

wie sie zum Beispiel die Verzinkerei

Peine, die sich 1996 im Mehrumer

Gewerbegebiet Ackerköpfe niederließ,

präsentiert.

Feuerverzinkung als Fachgebiet

Titelgeschichte

Als eines von insgesamt sechs Unternehmen

der Siegener Verzinkerei Holding

GmbH in Deutschland (in Tschechien,

der Slowakei und den Niederlanden

betreibt das Unternehmen weitere

Verzinkungsanlagen) hat sich der Betrieb

auf dem rund 30 000 Quadratmeter

umfassenden Gelände in der Gemeinde

Hohenhameln auf das gesamte Spektrum

des hochwertigen Korrosionsschutzes von

der Feuerverzinkung bis hin zur zusätzlichen

Duplex-Beschichtung spezialisiert.

Bei der Feuerverzinkung handelt es sich

um ein Tauchverfahren, bei dem das zu

bearbeitende Material in verschiedene

Bäder – gefüllt mit unterschiedlichen

Medien – getaucht und schließlich in

einem letzten Schritt mit Zink überzogen

wird. Dazu werden die einzelnen Stahl


Titelgeschichte

16

In verschiedenen Tauchbädern wird der Stahl auf Hochglanz gebracht.

teile in Mehrum nach der Anlieferung

und Eingangsprüfung von den Mitarbeitern

zunächst zu Chargen möglichst

ähnlicher Bauteile zusammengestellt,

damit ein wirtschaftliches Vorgehen

gewährleistet ist.

Stahl wandert durch verschiedene Bäder

Angefangen bei der Entfettung des

Stahls beinhaltet das gesamte Verfahren

dann neben dem Spül- auch ein Beizbad,

bevor es durch erneutes Spülen in

ein Flussmittelbad getaucht und anschließend

im Trockenofen zum Verzinken

vorbereitet wird. Beim Eintauchen in die

flüssige Zinkschmelze reagieren Stahl

und Zink miteinander und bilden an der

Stahloberfläche eine Legierung, die

beide Materialien unlösbar miteinander

verbindet. Entscheidender Vorteil dabei:

Durch eine gleichmäßig dichte, metallische

Zinkschicht, die sich sowohl an

Ecken, Kanten und in Hohlräumen, als

auch im Inneren und Äußeren von

Hohlprofilen verteilt, wird ein Schutzsystem

aufgebaut, das über Jahrzehnte

vor Korrosion schützt und den Stahl

damit besonders widerstandsfähig gegen

äußere Einflüsse macht.

Zusätzlicher Schutz durch Farbschicht

Entdeckt wurde dieses Verfahren schon

1741 von dem französischen Chemiker

Malouin, dem es allerdings an einem

bedeutenden Verfahrensschritt fehlte,

um den entsprechenden wirtschaftlichen

Nutzen zu erreichen: Die kostengünstige

Reinigung der Stahloberfläche war nicht

möglich. Erst als sich der französische

Ingenieur Sorel 1837 das Beizen in

einer verdünnten Mineralsäure zum

Entfernen von Rost und Zunder auf

Stahlteilen patentieren ließ, war der

Grundstein für die technische und damit

auch wirtschaftliche Nutzung des

Feuerverzinkens gelegt. In Mehrum

stehen dafür riesige Kessel mit einem

Ausmaß von sieben Metern Länge, fast

zwei Metern Breite und rund drei Metern

Tiefe zur Verfügung, so dass hier Stahlteile

von bis zu 18 Metern Länge und

rund 1,70 Breite nach DIN EN ISO

1461 bearbeitet werden können.

Allerdings ist es allein mit diesem

Verfahren bei der Verzinkerei Peine noch

nicht getan, denn zusätzlich empfiehlt

das Unternehmen in verschiedenen

Anwendungsbereichen des Stahls die

sogenannte Duplex-Beschichtung, „eine

farbbetonende beziehungsweise farbgebende

Pulverbeschichtungen auf verzinkten

Oberflächen“, wie Verkaufsleiter

Bernhard Störmer beschreibt.

Breit gefächertes Angebot

Vorteil dabei ist neben dem gestalterischen

Element vor allem der noch weiter

erhöhte Korrosionsschutz, denn:

Zum einen ist der Zinküberzug vor

Einflüssen der Witterung geschützt,

da ihn die Farbschicht abdeckt, zum

anderen profitiert die Farbschicht vom

Zinküberzug darunter, da Kratzer,

Schrammen und Beschädigungen, die

bei Farbbeschichtungen häufig der

Ausgangspunkt des Rostbefalls bilden,

keinen Schaden anrichten. „Der Zinküberzug

mit seiner hohen Widerstands-

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

fähigkeit übernimmt an diesen Schadstellen

den Schutz“, so Störmer. Somit

sei das Duplex-System aus Zinküberzug

und Farbbeschichtung wirksamer als die

Summe beider Einzelsysteme. Als ganz

besondere „Spezialität“ hebt die Verzinkerei

Peine aber auch das Verfahren der

Hoch-Temperatur-Verzinkung (HTV) des

Schwesterunternehmens Siegener

Verzinkerei GmbH hervor.

Dieser Korrosionsschutz besitze insofern

eine Schlüsselfunktion, da in einem

mehrjährigen Forschungsprogramm die

HTV-Verzinkung hier zu einer prozesssicheren

Technik mit Großserientauglichkeit

herangereift sei. „Eine echte

Pionierleistung“, sagt der Geschäftsführer,

Diplom-Ingenieur Karl-Rüdiger Zahn,

stolz. So würden in dieser Anlage heute

Teile und Konstruktionen mit einer

hervorragenden Passgenauigkeit, einstellbaren

Schichtdicken und einer

hohen Abriebfestigkeit – sowohl für den

Automotive-Bereich als auch für den

Anlagenbau – verzinkt.

Umfangreicher Kundenstamm

In Mehrum zählt die 24-köpfige Mannschaft,

die einen Jahresumsatz von rund

3 Millionen Euro erwirtschaftet, Schlossereien

genauso zu ihrem Kundenstamm

wie Stahlbauer, Stahlhändler und auch

Serienteilhersteller. Darüber hinaus

ließen sich hier aber auch Privatkunden

immer wieder einzelne Teile wie

Blumenkästen, Pflanzgitter oder auch

verschiedene Schutzgitter mit dem

Zinküberzug verschönern, betont Störmer.

Zu ihrem „Rundum-Dienstleistungsangebot“

zählen die Mehrumer aber

auch den Einsatz ihres sogenannten

„Expressfahrzeugs“, mit dem die zu verzinkenden

Teile beim Kunden abgeholt

und binnen 24 Stunden komplett bearbeitet

zurück ans Ziel gebracht werden.

Darüber hinaus verfüge das Unternehmen

über die enge Zusammenarbeit mit

einer benachbarten Spedition über alle

gängigen Fahrzeuggrößen, so dass auch

ganze Stahlkonstruktionen an die Orte

geliefert würden, an denen der Auftraggeber

sie benötigt: „Ins Werk, zum

Endkunden oder auch auf die Baustelle“,

stellt Betriebsleiter Norbert Fleischmann

heraus.

Betriebsleiter Norbert Fleischman.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Aus Stahl wird Kunst:

Brücke leuchtet hell bei Nacht

Das Peiner Jahrhundertbauwerk Stahlwerksbrücke glänzt auch bei Nacht in strahlendem Blau.

Stahl und Kunst – ein Gegensatz, der

unüberwindbar scheint? Weit gefehlt,

denn dank seiner hohen Belastbarkeit

und weitreichender Bearbeitungsmöglichkeiten

hat er sich in der Architektur

längst seinen sichtbaren Platz verschafft

und muss sich nicht mehr hinter dicken

Betonmauern verstecken. Im Bereich

Hotel- oder Hausbau oder auch bei der

Errichtung öffentlicher Gebäude hat er

so manchem Objekt bereits zum Ruf

eines kleinen „Baukunstwerks“ verholfen.

Nicht umsonst lockt zum Beispiel

der 1996 neu errichtete Peiner Bahnhof

mit eigenem Nahverkehrsterminal wegen

seiner modernen und kreativen Stahlbauweise,

die das Walzprodukt ganz offen

präsentiert, immer wieder neugierige

Besucher an und gilt als städtebaulicher

Akzent in der Kreisstadt. Bestätigungen

dafür lieferten Preise und Auszeichnungen,

wie der „Silberne Schienennagel“

des Fahrgastverbandes Pro Bahn für ein

„städtebauliches und verkehrspolitisches

Aushängeschild der Stadt“ sowie die

Aufnahme in die Schriftreihe „Stahl und

Form“ des Stahlinformationszentrums

Düsseldorf als „Vorzeigeobjekt und herausragendes

Beispiel für die Verwendung

von Stahlprodukten“. Darüber hinaus

zeichnete das Bundesministerium für

Verkehr, Bau und Wohnungswesen den

Bahnhof im Rahmen ihres Forschungsprojektes

„Vom Reißbrett aufs Gleisbett

– Städtebauliche Chancen und Risiken

bei der Entwicklung von Bahnflächen“

als „Best Practices“ aus.

Peiner Jahrhundertbauwerk

Für Furore sorgt aber auch das jüngst

eingeweihte Projekt: Die Stahlwerkbrücke

zwischen Woltorfer und Braunschweiger

Straße. Direkt vor den Toren des Produzenten

und Lieferanten der stählernen

Trägerprofile wuchs das Jahrhundertbauwerk

mit dem geschwungenen Bogen und

den dreieckigen Durchbrechungen Stück

für Stück zu einer fast 160 Meter langen

Verbindungsspange über das Schienennetz

von Bahn und Trägergesellschaft.

Fernab der herkömmlichen Brückenarchitektur,

die den „Durchblick“ ins Freie

meist durch schlicht nebeneinander

angeordneten Stäbe und Profile gewährt.

So strahlt der Koloss jetzt nicht nur

tagsüber als Glanzstück des Peiner

Straßenverkehrsnetzes im Sonnenlicht,

sondern bildet auch bei Nacht durch

entsprechende blaue Beleuchtung einen

faszinierenden Blickpunkt.

Relikte aus Stahlproduktion

Alles andere als glänzend präsentieren

sich die Stahlskulpturen des Hannoveraner

Bildhauers Hans-Jürgen Breuste

seit 1992 auf dem Kreishausgelände:

Bewusst von Rost überzogen stellen sie

hier – aus Relikten des Peiner Walzwerks

zusammengefügt – als Vierergruppe

unter dem Namen „Polumo“ (Wolke) den

früheren „braunen Dunst“, der aus den

Schornsteinen der Werke quoll, dar. Von

den einen als geniale Kunstwerke mit

17

direktem Bezug zu ihrem Standort in der

Stahlstadt umschwärmt, wurden sie von

den anderen als „Schrottkunst“

verschrien und wahrten sich aber dennoch

ihren Platz im Herzen der Stadt.

Y-Schwelle als Denkmal

Titelgeschichte

Alte Erinnerungsstücke aus der Peiner

Stahlindustrie der längst vergangenen

Zeit wanderten aber auch weit über die

Stadt- und Landesgrenzen hinaus. So

ziert beispielsweise heute eine Y-Schwelle

den Bahnhof Königsberg als Denkmal

für den europäischen Lückenschluss, der

dank Peiner Produktion und der Zusammenarbeit

von deutscher Industrie und

russischer Bahn 1993 ermöglicht

wurden. Hier sicherten auf den Peiner

Y-Schwellen verlegte Schmalspurschienen

mit europäischer Normalspurweite

nach 50jähriger Unterbrechung wieder

die Einfahrt der Züge in den ehemaligen

ostpreußischen Hauptbahnhof.

Mit Ketten gebündelt und frisch verzinkt wird trister

Stahl zum geschmackvollen Kunstwerk.

Der Triumphbogen aus der Vierergruppe der Breuste-

Skulpturen auf dem Landkreis-Gelände.


Arbeitsmarkt

18

Rund 100 000 Ausbildungsplätze fehlen

deutschlandweit, in der Politik wird über

Ausbildungsabgaben für Betriebe

diskutiert, und für die Jugendlichen stellt

sich die berufliche Zukunft oft perspektivlos

dar. Grund genug auch für Ämter

und Behörden, nach Lösungen zu

suchen.

Intensivere Berufsberatungen, enge

Kooperationen mit Berufsschulen und

Handwerksbetrieben und Berufsfindungsveranstaltungen

bilden auch beim Arbeitsamt

in Peine Basis für die Vermeidung

langfristiger Arbeitslosigkeit bereits im

jugendlichen Alter.

Vom „Kostenfaktor“

zum qualifizierten Fachpersonal

Horst Gabriel hält nichts von Zwangsmitteln.

Anzahl der jungen Arbeitslosen gesunken

Ein erfolgversprechender Weg, denn im

Vorjahresvergleich sank die Zahl der

Schulabgänger, die im Anschluss ohne

Job waren oder sind, auf 22 Ausbildungsplatzsuchende

im Alter von 16 bis 25

Jahren. Gleichzeitig aber sind dem Arbeitsamt

38 unbesetzte Stellen gemeldet.

Doch nicht immer lassen sich die Vorstellungen

der Jugendlichen und die der

potenziellen Arbeitgeber auf einen Nenner

bringen, sagt Horst Gabriel, Leiter des

Arbeitsamtes Peine. Leider seien sich

manche Jugendliche nach dem Schulabschluss

nicht im Klaren, welche Berufslaufbahn

sie einschlagen möchten. Ob es

an flankierenden Maßnahmen fehle oder

die nicht ausreichende soziale Qualifikation

ausschlaggebend für die Orientierungslosigkeit

ist, sei fraglich. Tatsache ist aber,

dass zahlreiche Institutionen bei der

Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz

Unterstützung bieten. Hinzu kommen

Berufsvorbereitungsjahre an den

Berufsschulen oder auch Grundbildungslehrgänge,

die das Arbeitsamt anbietet.

Verstärkte Unterstützung bieten auch die

Berufsberater: In Gesprächen stellen sie

mit den Jugendlichen Fähigkeiten und

Neigungen heraus und geben Hinweise

auf ausgeschriebene Stellen. Vorausset-

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

zung: Die Schulabgänger müssen Eigeninitiative

ergreifen Praktika absolvieren

und auch in Internet nach dem richtigen

Ausbildungsplatz Ausschau halten. Ein

Problem sieht der Arbeitsamtsleiter auch

bei den Betrieben, die zunehmend von

der Ausbildung Abstand nehmen. Schließlich

würden Prognosen aussagen, dass in

fünf bis sechs Jahren viele Facharbeiter in

den Unternehmen fehlen. Doch woher sollen

die Arbeitskräfte kommen, wenn sie in

jungen Jahren gar nicht die Möglichkeit

erhalten, den beruflichen Weg zu gehen,

gibt er zu bedenken. Fakt ist, dass der

Bereich Ausbildung in den Betrieben oft

nur unter dem Gesichtspunkt „Kostenfaktor“

angesehen wird, der langfristige Nutzen

aber unbeachtet bleibt. Schließlich

lasse sich auf lange Sicht mit dem Fehlen

entsprechenden Personals kein Geld mehr

verdienen, denn noch spiele der Mensch

im „Apparat Wirtschaft“ eine entscheidende

Rolle. Von Zwangsmitteln, die den

Betrieben seitens der Politik auferlegt

würden, hält Gabriel nichts: „Mit jeder

neuen Regelung entwickelt sich offensichtlich

auch ein Wettkampf, die

entsprechenden Lücken im System zu

nutzen.“ Viel wichtiger sei die Erkenntnis

der Unternehmer, die heutigen Jugendlichen

später als qualifizierte Arbeitskräfte

dringend gebrauchen zu können.

Unternehmen Sie etwas in Ihrem Leben

Gründen Sie Ihr eigenes

Unternehmen. Natürlich

ist das leichter gesagt als

getan. Damit der Schritt

in die Selbständigkeit für

Sie aber nicht so schwer

wird, stehen wir Ihnen

gern von Anfang an zur

Seite: mit einer umfassenden

Beratung und einem

soliden Finanzplan.

Unser

Firmenkunden-

Betreuungsteam

(v.l.n.r.):

Olaf Klages,

Janine D. Scholz,

Klaus Bewersdorff,

Karl-Wilhelm Kücke,

Mathias Walkling


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Kaufmannsgilde: „Handel

braucht Mut zu neuen Wegen“

Gildemeister Ludwig Knolle

Mehr als 350 Jahre Tradition liegen

hinter ihr, und doch hat sich an den

Aufgaben der Kaufmannsgilde zu Peine

von 1652 nichts geändert: Die Vertretung

der Interessen der Kaufleute, um

mit der Politik und anderen Interessenvertretungen

die Handelslandschaft in

Peine positiv zu verändern. „Das Tätigkeitsfeld

hat sich dabei allerdings

vergrößert“, sagt Gildemeister Ludwig

Knolle.

Heute sind Überlegungen wie Ladenöffnungszeiten,

Stadtmarketing oder auch

Leerstände der Geschäfte in der Fußgängerzone

Themen für den Vorstand.

„Schandfleck“ City-Center

Dabei werde gerade der Geschäftsleerstand

überbewertet. Zum einen rangiere

Peine auf der Vergleichsskala zu anderen

Städten auf den hinteren Plätzen, zum

anderen sei man hier stets um eine

rasche Nachfolge oder Zwischenlösungen

bemüht. Als viel größeres Problem

bezeichnet Knolle den „Schandfleck

City-Center“: Die Geschäftsreihe sei vor

rund 30 Jahren in einem Baustil errichtet

worden, der heute nicht mehr tragbar

sei. Fade, unansehnliche Flachdachbauten,

die in der Gesamtansicht ein tristes

Bild darstellten und nicht zu einer Shoppingtour

einluden. Eine überdachte

„Meile“ mit geschmackvollen „Ruheplätzen“

und kleinen Shops würde die

Ideallösung darstellen. Da aber die Kaufmannsgilde

in Absprache mit dem WIR

und der Peine-Marketing über keine

Handlungsmöglichkeiten verfüge, bleibe

nur die Hoffnung, dass die Kölner Betreiber-Gesellschaft

Fundus ein Einsehen

habe, dass nur drastische Veränderungen

zu einer Attraktivitätssteigerung führen.

19

Serie

Schließlich sei es Ziel, den Kunden

„direkt vor der Haustür“ ein ansprechendes

Einkaufs-Angebot zu präsentieren,

denn nur so könne verhindert werden,

dass die Peiner in andere Städte abwanderten.

Auch einheitliche Ladenöffnungszeiten

bieten nach Meinung

Knolles nicht die Universallösung.

Als Mittelzentrum mit vielen inhabergeführten

Geschäften existiere in Peine

eine Regelung mit Kernöffnungszeiten,

aber keine Gemeinschaftslösung.

Die Einheitlichkeit wünscht sich der

Vorsitzende in anderen Bereichen: Der

geschlossene Auftritt der Kaufleute – wie

in einer Shopping-Mall, die verschiedene

Serviceleistungen anbieten, aber auch

in Anspruch nehmen könnten – wäre

wünschenswert.

Dazu zählt der Kaufmann auch den

gemeinsamen Marketingauftritt, denn

die Auswirkungen einer ansprechenden

Ladengestaltung habe Christian Klotz,

Vorsitzender des Gewerbevereins und der

Werbegemeinschaft Bad Reichenhall, in

einem Vortrag vor der Kaufmannsgilde

deutlich gemacht: Offene, helle und

damit einladende Geschäfte machten die

Innenstadt zu einem Eldorado für

Einkäufe. „Wir müssen einfach Mut

haben, neue und ungewöhnliche Wege

zu gehen“, so Knolle.


Wirtschaftsförderung 20

Die Zeiten erwiesen sich alles andere als

rosig, als das Thema Wirtschaftsförderung

in der Gemeinde Hohenhameln

1989 von größter Bedeutung wurde:

Eine kontinuierlich steigende Arbeits-

losenquote und hohe Auspendlerzahlen

Richtung Hildesheim, Hannover und

Braunschweig nahmen beunruhigende

Ausmaße an. Die Zahl örtlicher Firmen

erwies sich alles andere als ausreichend,

um den Einwohnern attraktive Arbeitsplätze

vor Ort bieten zu können. So war

seitens der Verwaltung Einsatz gefragt

und Rolf Kreye, damaliger Wirtschaftsförderer

und heutiger Bürgermeister,

erinnert sich genau an die mehrstündigen

Sitzungen, in denen Ideen für die

Arbeitsplatzbeschaffung gesucht wurden.

Das Ergebnis: Direkt dem Mittellandkanal

angeschlossen, sollte in der Ortschaft

Mehrum ein Industriegarten für Umwelttechnologie

entwickelt werden, der verschiedenen

Recycling-Firmen genauso

Platz bieten sollte wie der Boden- und

Schrottaufbereitung.

Konventionelle Wirtschaftsfelder

Allerdings scheiterte das Projekt letztlich

an fehlenden politischen Vorgaben für

den Recycling-Markt und die Gemeinde

schwenkte auf konventionelle Wirschaftsfelder

um: So haben sich in den vergangenen

zwölf Jahren seit der Erschließung

des rund 510 000 Quadratmeter umfassenden

Industriegebietes „Ackerköpfe“

mehr als 20 Firmen der unterschiedlich-

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

„Ackerköpfe“ sichert

mehr als 550 Arbeitsplätze vor Ort

Wirtschaftsförderer Bernd Bothmer

sten Branchen in Hohenhameln-Mehrum

angesiedelt: Angefangen bei Abbau von

Industrieanlagen, An- und Verkauf von

Pkw und Lkw sowie einem Asphalt- und

Frischbetonwerk reicht das Spektrum bis

in die Blech- und Metallverarbeitung,

Telekommunikation und Spedition. Auch

den Handel mit Roh- und Nebenprodukten,

eine Transportgesellschaft für Konzertveranstaltungs-Equipment

und den

Modell-, Formen und Werkzeugbau verzeichnen

die Hohenhamelner in ihrem

Industriegebiet.

Anzahl der Arbeitslosen gesunken

Stolz ist die Verwaltung aber vor allem

auf die auf diesem Wege neu geschaffenen

Arbeitsplätze: Mit allein mehr als

550 Stellen bei 23 Unternehmen im

Industriegebet „Ackerköpfe“ stiegen die

Beschäftigtenzahlen in Hohenhameln

nach Auskunft des Arbeitsamtes in den

vergangenen zwölf Jahren seit

Erschließung von 1408 auf 2019. Darüber

hinaus verbuchte die Gemeinde im

Juni dieses Jahres mit 339 Arbeitslosen

den niedrigsten Stand seit 1996 und

liegt auch im Vergleich zu den Gemeinden

Lahstedt, Wendeburg, Lengede,

Ilsede, Edemissen und Vechelde an

letzter Stelle der Arbeitslosenstatistik.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Einwohnerzahl stieg auf rund 10 000

Dieser wirtschaftliche Erfolg spiegele

sich natürlich auch im alltäglichen

Leben wider, wie Wirtschaftsförderer

Bernd Bothmer erläutert.

Die Einwohnerzahl sei um 1000 auf

rund 10 000 gestiegen, die Finanzkraft

der Bevölkerung habe zugenommen,

Bauland zähle wieder zum

begehrenswerten Gut und auch der

Handel biete heute ein erheblich

breiter gefächertes Angebot als vor

der Erschließung des Industriegebietes.„Eine

logische Folgerung“, so

Bothmer. Schließlich würden sich

auch großen Handelsketten nur dort

attraktive Standorte bieten, an denen

die Kaufkraft der Einwohner gesichert

sei.

Ständiger Kontakt zur Wirtschaft vor Ort

Allerdings sei die erfolgreiche Entwicklung

der Gemeinde längst kein

Grund, im Bereich Wirtschaftsförderung

nun die Hände in den Schoß zu

legen, so Bothmer. Zum einen stehe

noch immer eine Ansiedlungsfläche

von rund 170 000 Quadratmeter im

Industriegebiet „Ackerköpfe“ zur Verfügung

und soll erfolgreich vermarktet

werden, zum anderen zähle die Betreuung

der ansässigen Gewerbetreibenden

zu einem Schwerpunkt der Hohenhamelner

Wirtschaftsförderung. Darüber hinaus

werden in alljährlichen Wirtschaftsgesprächen

und auch bei den monatlichen

Wirtschaftsstammtischen der Werbegemeinschaft

„Kauf hier“ angehende

Problemfelder umgehend aufgedeckt und

beseitigt. „Unser Ziel ist es, die wirtschaftliche

Entwicklung unserer Gemeinde

weiterhin positiv voran zu treiben, um

auch externen Unternehmen einen

attraktiven Standort zu bieten“, betont

Bothmer. Dabei dienten neben günstigen

Grundstückspreisen von rund 18 Euro

pro Quadratmeter (voll erschlossen)

21

Wirtschaftsförderung

Das Mehrumer Gewerbegebiet „Ackerköpfe“ aus der Luft: Mehr als 20 Unternehmen schafften sich hier ihren Standort.

Niedersachsen Druck

110/4

genauso zu den positiven Standortfaktoren

wie der Zuschnitt der Flächen „nach

Wunsch“. Auf Größen von 1500 bis

60 000 Quadratmetern finden Unternehmen

hier ihren Platz im Zentrum des

niedersächsischen Industrieraums

Hannover-Hildesheim-Braunschweig-

Salzgitter und Wolfsburg.


Wirtschaftsförderung 22

Industriegebiet verfügt über direkten Anschluss an den

Mittellandkanal.

Optimale Transportmöglichkeiten

Darüber hinaus bietet eine umfassende

Infrastruktur optimale Transportbedingungen:

Neben dem direkten Anschluss

des Industriegebietes an den Mittellandkanal

mit eigener Hafenbetriebsgesellschaft

und Güterumschlagsmöglichkeit

liegt der Autobahnanschluss Hämelerwald

zur A2 nur fünf Kilometer weit

entfernt. Auch die Bundesbahn-Hauptstrecke

Berlin-Hannover-Ruhrgebiet mit

ihrem Bahnhof Hämelerwald ist nach nur

vier Kilometern zu erreichen. „Umfangreiche

Möglichkeiten, die in den Ansiedlungsvorhaben

der Unternehmen den

positiven Ausschlag geben können“, so

Bothmer.

Betriebe profitieren von EU-Zuschüssen

Wobei auch die unterschiedlichen

Fördermöglichkeiten nicht außer Acht zu

lassen seien, wie der Wirtschaftsförderer

betont.

So zählt die Gemeinde zum Förderbereich

der Gemeinschaftsaufgabe

(GA) „Verbesserung der regionalen

Wirtschaftsstruktur“, so dass die Errichtung

und Erweiterung von Betrieben in

zahlreichen Fällen mit einem Fördersatz

von bis zu 15 Prozent bezuschusst

werden.

Zusätzlich befinden sich die Ortschaften

Mehrum, Stedum und Equord in dem

sogenannten Ziel-2-Fördergebiet der

Europäischen Union und genießen

somit noch bis zum Ende 2005 den

Vorzug bei der Bearbeitung und Förderanträgen

und die Möglichkeit auf

verschiedene Zuschüsse, die je nach

Einzelfall gemeinsam mit der

Wirtschaftsförderung diskutiert und

beantragt werden können.

Hohenhameln dicht dran:

Standort im Zentrum des

niedersächsischen Industriezentrums

A 2 Abfahrt Hämelerwald

A 7 Abfahrt Hildesheim-Drispenstedt

B 494 Hildesheim-Peine

B 65 Peine-Hannover

L 413 Hämelerwald-Hoheneggelsen

Unternehmen:

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Hohenhameln in Zahlen:

Größe und Bevölkerung

Fläche in km: 70

Bevölkerung pro km: ca. 144

Bevölkerung insgesamt: 10 091

Anzahl der Betriebe:

davon

546

Handel: 139

Industrie: 27

Handwerk: 123

Dienstleistung: 257

Entfernungen:

Hildesheim: 15 km

Peine: 15 km

Hannover: 28 km

Braunschweig: 35 km

Salzgitter: 40 km

Wolfsburg: 52 km

Beschäftigung:

Insgesamt in Personen: 3657

Privathaushalte

Insgesamt: 3051


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Hohenhameln: „Hier lässt

es sich gut leben und arbeiten!“

Neben dem Gewerbegebiet „Ackerköpfe“

in der Hohenhamelner Ortschaft Mehrum

erschloss die Gemeinde in Hohenhameln

ein zweites Gebiet „Pfingstanger“, das

den Einwohnern vor allem als Nahversorgungszentrum

„direkt vor der Haustür“

dient: Hier siedelten sich neben den

Verbrauchermärkten Minimal und Aldi

bereits ein Gartencenter und sechs

kleinere Shops an.

Darüber hinaus erreichen die Einwohner

auf der rund 100 000 Quadratmeter

großen Fläche auch Autohaus, Pflanzengroßhandel,

Kfz-Werkstatt sowie

Versicherungsunternehmen. Außerdem

befindet sich hier die Servicestation für

die Windkraftanlagen, verschiedene

Handwerksbetriebe und ein Landmaschinenhandel.

„Grund genug für die

Einwohner der Gemeinde, keine

kilometerweiten Strecken mehr in die

nächstgrößeren Zentren, wie Hildesheim,

Hannover oder auch Braunschweig anzutreten“,

sagt Wirtschaftsförderer Bernd

Bothmer.

Attraktiver Wohnstandort

Schließlich sei bei der Ansiedlung von

Unternehmen nicht nur daran zu denken,

neue Arbeitsplätze zu schaffen oder

vor Ort zu sichern, sondern auch eine

umfassende Infrastruktur zu bieten.

Neben einem ausreichend ausgebauten

Straßennetz, den gut erreichbaren

Bahnanschlüssen und einer Vielzahl von

Einkaufsmöglichkeiten zählt der Wirtschaftsförderer

dazu auch ein modernes

Schul-, Sport- und Kulturzentrum, die

Mehrzweck-, Sport- und Schwimmhalle

sowie Bücherei und Heimatstube. Des

weiteren verfügt die Gemeinde über

Das zweite Gewerbegebiet als Nahversorgungszentrum „direkt vor der Haustür“.

Container

23

Wirtschaftsförderung

Grundschulen in Hohenhameln und

Clauen, Kindergärten in Hohenhameln,

Clauen, Bierbergen und Equord einen

Spielkreis in Stedum sowie eine weitere

Sporthalle in Mehrum. – „Ein Gesamtangebot

an Einrichtungen, die Hohenhameln

zu einer Gemeinde machen, in

der es sich nicht nur zu arbeiten,

sondern auch zu leben lohnt“, wie

Bothmer betont.

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Kompetenz für Entsorgung und Recycling

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Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Europa-Büro: Melitta Arz

führt durch den Förder-Dschungel

Undurchschaubarkeit von Verfahren und

Prozessen, mangelnde Transparenz,

lebensfremde Eurokraten-Entscheidungen,

undurchschaubarer Förderdschungel

– so wird Brüsseler Politik häufig empfunden.

Folge: Die Skepsis darüber, dass in

Brüssel Politik gemacht und

Entscheidungen getroffen werden, die

keine Relevanz für das tägliche Leben

haben. Dabei ist die Realität eine andere,

denn es existieren kaum noch Bereiche,

auf die europäische Politik keinen

Einfluss nimmt.

Daraus resultieren gerade für Unternehmen

große Chancen, denn es gibt eine

Vielzahl von Förderprogrammen, die

entscheidende finanzielle Unterstützung

oder Hilfestellung bieten können.

Diese Vielzahl von Möglichkeiten auch

den Unternehmen zu vermitteln und

über europäische Politik aufzuklären,

hat sich das Europa-Büro der wito gmbh

auf die Fahnen geschrieben. Hier kämpft

sich Melitta Arz tagtäglich über die

Internet-Seiten, durch Unmengen von

Schriftenreigen, Gesetzesentwürfen und

-vorschlägen sowie -änderungen, um stets

auf dem neuesten Stand zu sein und

dieses Wissen auch weiterzugeben. Ob

in regelmäßigen Newslettern für Ämter,

Behörden und für Unternehmen, bei

persönlichen Anfragen oder auch bei Vorträgen

beweist die frühere EU-Referentin

ihr strukturierendes Wesen im Wust der

EU-Reglements.

Differenzierte Voraussetzungen

„...gefördert mit Mitteln der Europäischen

Union“ – Kaum jemand hat diesen

Halbsatz nicht schon auf öffentlichen

Hinweistafeln oder auch in Berichterstattungen

gelesen. Aufmerksame Leser und

Beobachter stoßen dabei auch immer

wieder auf die Vielfalt der sogenannten

„EU-Projekte“.

Doch ist denn alles erdenklich Mögliche

förderfähig? Und haben letztendlich

Unternehmen, die bisher noch keine

EU-Förderung in Anspruch genommen

haben, nicht aufgepasst? „All dies sind

sicherlich Trugschlüsse, denn jedes

Projekt, das tatsächlich auch mit

EU-Mitteln gefördert wird, muss sehr

detaillierte und differenzierte Voraussetzungen

erfüllen“, so Arz.

Vielseitige Förderpalette zur richtigen Zeit

So dürfe hinter der EU-Förderung keinesfalls

ein „Gießkannenprinzip“ vermutet

werden; Zielsetzung sei vielmehr die

finanzielle Unterstützung herausragender

Projekte zum Beispiel im Bereich der

Die Wito-Mitarbeiterin Melitta Arz führt Unternehmer durch die Europa- und Förderpolitik.

Wirtschaft. Ob es für die Schaffung neuer

Arbeitsplätze ist, zur Unterstützung von

Unternehmen bei neuen und außergewöhnlichen

Vorhaben oder für die

moderne Art der Mitarbeiterführung – die

mögliche Förderpalette ist vielseitig. Allerdings

kann auch das beste Vorhaben nicht

unterstützt werden, wenn es aktuell an

geeigneten Förderprogrammen fehlt oder

festgelegte Antragsfristen bereits abgelaufen

sind. So muss jedes Projekt sowohl

zur Unternehmerseite als auch nach den

EU-Förderrichtlinien gründlich überprüft

werden, denn in jedem Einzelfall sollten

Projektnutzen, Antragsaufwand, angestrebte

Fördersumme und vermutete

Förderchancen berücksichtigt werden,

empfiehlt Arz.

„Transnationalität“ als Schlagwort

Auch die einzelnen Förderprogramme der

EU sind hinsichtlich ihrer Inhalte, ihrer

Abwicklung, der finanziellen Ausstattung

und der Voraussetzungen äußerst unterschiedlich.

Grob unterschieden werden

kann zwischen den Strukturfondsprogrammen,

in die auch die Ziel-2-Förderung für

Regionen im strukturellen Wandel fällt

(Landkreis Peine bis 1999) und den

übrigen Programmen der einzelnen

25

EU-Förderung

Generaldirektionen der Europäischen

Kommission. Die Bandbreite ist enorm,

das Angebot reicht von Forschungsprogrammen

über Umwelt-, Bildungs- und

Kulturprogramme bis hin zu verschiedensten

„Spezialprogrammen“. „Die genaue

Anzahl der gesamten Förderangebote

können selbst Kenner nicht genau nennen“,

so Arz. Eines aber beinhalteten die

meisten Förderprogramme gemeinsam:

„Sie fordern eine europäische Dimension

ein“. So sollen die gesamten Projekte

nicht nur vor Ort ihre Wirkung zeigen,

sondern durch geeignete Maßnahmen

auch anderen Menschen und Einrichtungen

in Europa zugute kommen, denn:

Ziel der EU sei es, mit der Förderung von

Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch

die Verbreitung innovativer Ideen und

Praktiken über Ländergrenzen hinweg

voranzutreiben.

Diese in zahlreichen EU-Programmen

geforderte Transnationalität sei aus

europäischer Sicht absolut plausibel und

sollte von Projektträgern auch als Chance

gesehen werden, so Arz.

So hätten Erfahrungen gezeigt, dass

Projektträger im Nachhinein die entstandenen

Kontakte und gewonnenen Erfahrungen

häufig als wertvoller empfunden

hätten als die eingeworbenen Mittel.


EU-Förderung

26

Das Angebot an Fördermöglichkeiten ist

fast unzählbar, doch im Mittelpunkt der

Investitionszuschüsse im Landkreis Peine

stehen kleine und mittlere Unternehmen

von 49 bis 249 Beschäftigten als sogenannte

KMU. Dabei gelten sowohl die

Firmengröße als auch die Lage des potenziellen

Investitionsortes als Förderkriterien.

„Mit Bezug auf den künftigen Investitionsort

können prinzipiell zwei Förderachsen

in Betracht gezogen werden“, sagt

Volker Kolloch von der Wito GmbH. Zum

einen die Ziel-2-Förderung der EU „zur

Handwerk wird bei

EU-Zuschuss generell bevorzugt

Volker Kolloch

sozialen und wirtschaftlichen Anpassung

von Regionen mit wirtschaftlichen Nachteilen“

und zum anderen die Gemeinschaftsaufgabe

(GA) des Bundes und

Landes Niedersachsen „zur Verbesserung

der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

EU-Zuschuss je nach Einzelfall

Während die GA-Förderung bereits seit

2000 Unternehmen aus dem ganzen

Landkreis einschließt, beschränkt sich

die Ziel-2-Förderung auf die Gemeinden

Ilsede, Lahstedt, Lengede und drei Ortsteile

Hohenhamelns. Von der Stadt Peine

zählen 11 Ortsteile zum Übergangsgebiet

der Ziel-2-Förderung, die noch bis

zum Ende 2005 gültig ist. Solange gibt

es für Existenzgründer und auch

langjährig bestehende Unternehmen

Zuschussmöglichkeiten. Grundsätzlich

gelten nach den genannten Fördermöglichkeiten

Unternehmen als „zuschusswürdig“,

die vor allem Güter herstellen

oder Leistungen erbringen, die auf einer

Positivliste definiert sind. Demnach wird

zwischen 34 verschiedenen Produktionsund

16 Servicebereichen unterschieden,

wobei die handwerkliche Ausrichtung

eines Betriebes als „grundsätzlich förderfähig“

eingestuft wird. Ansonsten gilt

die (über-)regionale Bedeutung der Firma

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

als entscheidendes Merkmal für die einzelbetriebliche

Förderung. Von Zuschüssen

ausgeschlossen werden Land- und

Forstwirtschaft sowie Fischerei, soweit

die Produkte hier nicht verarbeitet oder

vermarktet werden, Bergbau, Abbau von

Sand, Kies, Ton und Steinen. Darüber

hinaus gehören Krankenhäuser, Kliniken

und Sanatorien, sowie das Transportund

Lagergewerbe und auch der Einzelhandel

auf die Ausschlussliste. Neben

Angaben zum Investor, zur Investition,

zum Ort, zur Mehrbeschäftigung, die

mindestens 15 Prozent betragen muss,

sowie zum Investitions- und Finanzierungsplan

sind bei der Antragstellung

Besonderheiten zu beachten:

– Der Investor darf mit seinem Vorhaben

noch nicht begonnen, also keine Bestellungen

oder Käufe getätigt oder Verträge

unterzeichnet haben

– Je nach Größe der Firma können maximal

15 Prozent der zuwendungsfähigen

Kosten, zum Beispiel Grundstück,

Betriebsstätte oder Einrichtung, bezuschusst

werden, sofern mindestens ein

Viertel der Finanzierungssumme nicht

subventioniert ist.

– Nicht anerkannt werden zum

Straßenverkehr zugelassene Fahrzeuge.

– Die Preise dürfen die gesetzliche

Mehrwertsteuer nicht beinhalten.

Lengede… alles spricht für diesen Standort

Kein Wunder, dass im Unternehmerpark Lengede die

Hälfte der Flächen schon vergeben ist. Denn hier stimmen

nicht nur die Konditionen, sondern auch alle anderen

Standortfaktoren: die logistische Anbindung,

das wirtschaftliche Umfeld, das Arbeitskräfte-

Potential, die Förderungsmöglichkeiten, der Full-

Service durch die Gemeinde

u.s.w. Hier aus Platzgründen

nur einige der

vielen Argumente,

die für den Unternehmerpark

Lengede

sprechen:

• Top-Konditionen

Minimale Einstiegskosten

und geringe

laufende Belastungen

und vielfältige

Förderprogramme.

• Top Anbindung

Bahn, Autobahnanschluss,internationaler

Flughafen

Hannover ca. eine

3/4 Stunde entfernt.

• Top-Umfeld

Zulieferbetriebe,

potentielle neue Großkunden,

bedeutende

Forschungseinrichtungen

und Institutionen.

• Top-Baulichkeiten

Optional Errichtung

und Vermietung von

Hallen durch die

Gemeinde.

Der Full-Service der

Gemeinde Lengede

reicht bis zur Anbahnung

von Kontakten im

In- und Ausland. Dieser

Service überzeugt immer

nehr Unternehmer

– zögern Sie also bitte

nicht zu lange mit der

Anforderung einer

Standortbroschüre.

Gemeinde Lengede

Vallstedter Weg 1

38268 Lengede

Kontakt:

Bürgermeister

Hans-Hermann Baas

oder Amtsleiter

Ralf Werner

Tel. 0 53 44/89 10

Fax 0 53 44/89 20


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Überbrückungsgeld bleibt

eine Alternative zur Ich AG

Die einst von der Hartz-Komission vorgeschlagene

„Ich AG“ hat für Furore

gesorgt, denn ein zusätzliches Förderprogramm

soll Arbeitslosen den Weg in die

Selbstständigkeit erleichtern. 55 nutzten

diesen Weg bisher in Peine.

Ein vereinfachtes Reglement, die längerfristige

finanzielle Unterstützung und

das sichere Aufgefangensein in dem

sozialen Netz von gesetzlicher Rentenund

Kranken- sowie Pflegeversicherung

bieten auf den ersten Blick den entscheidenden

Anstoß auf dem Weg aus

der drohenden Langzeitarbeitslosigkeit.

Dabei hat auch die Neuregelung ihre

Tücken und das herkömmliche Überbrückungsgeld

bleibt nach wie vor eine

Alternative. So haben Arbeitssuchende

auf dem Weg in die Selbstständigkeit die

Qual der Wahl. Als Faustregel hat sich

aber ergeben, dass der Existenzgründerzuschuss

für die Ich-AG vor allem für die

günstig ist, die vom Arbeitsamt nur

geringe Zahlungen erhalten.

Zum Beispiel Teilzeitbeschäftigte, die

zuvor auch nur über ein geringes

Einkommen verfügten. Darüber hinaus

spielt die erwartete Geschäftsentwicklung

eine entscheidende Rolle: Während

das Überbrückungsgeld in Höhe des

zuvor gezahlten Arbeitslosengeldes über

sechs Monate gezahlt wird, besteht beim

Existenzgründerzuschusses ein möglicher

Zahlungs-Zeitraum von bis zu drei

Jahren. Dabei erhält der Unternehmer

mit der Möglichkeit, sein Geschäft nach

und nach auszubauen, 600 Euro monatlich

im ersten Jahr, 360 im zweiten und

240 Euro im dritten. Die Mitgliedschaft

in den gesetzlichen Renten- und Sozialversicherungen

ist währenddessen verpflichtend,

während der Unternehmer

mit Überbrückungsgeld selbst für seine

Absicherung verantwortlich zeichnet.

Teil der Zuschüsse in soziale Absicherung

Für Ich-AG-Gründer bedeutet das im

Einzelnen, dass sie monatlich 230 Euro

in die Rentenkasse zahlen, während der

Beitrag für die Krankenkasse mindestens

167 Euro und für die Pflegeversicherung

rund 20 Euro beträgt.

Summa summarum zahlt der Unternehmer

mindestens 417 Euro an Versicherungsbeiträgen.

Der mit Überbrückungsgeld

Geförderte würde je nach Einkommen

monatlich mindestens 500 Euro,

höchstens aber 733 Euro zahlen. Allerdings

ist dabei zu beachten, dass sein

monatliches „Einkommen“ vom Arbeitsamt

zum einen höher angesiedelt ist

und zum anderen keinen Einschränkungen

beim Jahresverdienst unterliegt.

27

Ratgeber

Sollten die Einkünfte bei der Ich-AG in

der Jahresübersicht nämlich 25 000

Euro übersteigen, entfällt für die

kommenden Jahre der Zuschuss.

Intensive Vorbereitung ist unabdingbar

Somit zeigt sich, dass die Entscheidung

für die eine oder die andere Fördervariante

zum Rechenexempel wird und von

den jeweiligen Rahmenbedingungen des

künftigen Unternehmers abhängt.

Vor allem geht es dabei um eine unternehmerische

Entscheidung, die wegen

ihrer weitreichenden Konsequenzen

bereits im Vorfeld der Gründung zu treffen

ist. „Das bedarf intensiver Vorbereitungen“,

wie Horst Gabriel, Leiter des

Arbeitsamtes Peine betont. Verschiedene

Trainingsmaßnahmen durch Bildungsträger

oder auch Existenzgründerseminare

können dabei Hilfestellungen leisten,

denn: Ein ausgefeiltes Unternehmenskonzept,

der sogenannte Business-Plan,

ist bei der Existenzgründung unabdingbar

– auch wenn er bei der Ich-AG im

Gegensatz zur Bewilligung des Überbrückungsgeldes

nicht zwingend verlangt

wird. Schließlich beinhalte er auch die

detailiierte „Kostenmanagement“, das

ein vorzeitiges Scheitern durch Überschuldung

durchaus verhindern kann.

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Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Proquali „coacht“

Unternehmen zum Wirtschaftserfolg

Projektleiterin Jutta Schubert

Mit einfachen Seminaren zur Fort- oder

Weiterbildung von Mitarbeitern ist es bei

dem Projekt „Pro-Quali“ der Volkshochschule

Peine nicht getan.

Leiterin Jutta Schubert entwickelt

gemeinsam mit ihrem dreiköpfiges Team

ganze Konzepte für kleine und mittlere

Unternehmen, deren Inhaber sich und

ihre Mitarbeiter und damit das ganze

Unternehmen wirtschaftlich entscheidend

voranbringen wollen.

Schwerpunkt dabei: Systematische

Personalentwicklung. Angefangen bei

Firmenberatung und Coaching reicht das

umfassende Angebot, das aus dem

Europäischen Sozialfond gefördert wird,

dabei über Rhetorik- und Kommunikationsseminare,

Motivationstraining,

PC-Kurse bis hin zu gemeinsamer Teamarbeit

und -entwicklung, denn: „Zusammenkunft

ist ein Anfang, Zusammenhalt

ist ein Fortschritt. Zusammenarbeit ist

der Erfolg.“ – Diesen Leitsatz Henry

Fords hat sich auch Schubert zu eigen

gemacht.

Gutes Betriebsklima

für wirtschaftlichen Erfolg

So sei in den verschiedenen Unternehmen

immer wieder zu erkennen, dass ein

Mitarbeiter dem anderen fast missmutig

auf die Finger sehe, bei Fehlern oft nach

anderen Schuldigen gesucht werde und

das Konkurrenzverhalten untereinander

enorm sei. „Welche Energien, die eigentlich

positiv zum Wohlwollen aller Mitarbeiter

genutzt werden könnten, dabei

verschwendet werden, bleibt oft unbedacht“,

sagt Schubert. Dabei sei doch

gerade ein gesundes Betriebsklima und

Zufriedenheit am Arbeitsplatz enorm

wichtig, um ergebnisorientiert tätig

werden zu können und den Job langfristig

zu erhalten.

Weltmeister in Kleinigkeiten

Bei ihrem aktiven Zusammenspiel mit

Mitarbeitern und auch Chefs greift die

Diplom-Pädagogin gern auf Rollenspiele

zurück, denn gerade dabei würden oft

verdeckte Stärken und Schwächen

aufgezeigt: Versteckte Kritik am Chef,

Stolz auf die eigene Fähigkeit, Ängste

vor neuen Tätigkeiten oder auch Unzufriedenheit

mit dem aktuellen Arbeitsbereich.

Es folgt der Erfahrungs- und Meinungsaustausch

zwischen allen Beteiligten,

Probleme werden diskutiert und die Mitarbeiter

sowie der Vorgesetzte oder auch

Geschäftsinhaber kommunizieren miteinander

und übereinander. „Die Mannschaft

wird nach und nach zum Team

und projiziert dieses Bild auch nach

außen, sprich auf den Kunden“,

so Schubert. Denn auch er sollte nach

Meinung der Trainerin in das zufriedene

Zusammenspiel mit einbezogen werden.

Wir müssen Weltmeister in Kleinigkeiten

werden“, lautet dabei der Appell.

Angefangen beim freundlichen Gruß,

über die Frage, wie, wann und wo die

Reparatur zum Beispiel am besten

durchgeführt werden kann bis hin zum

offenen Lächeln und einer freundlichen

Proquali bietet einen Full-Service auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen.

29

Unternehmensförderung

Verabschiedung ließen sich mit geringem

Aufwand größte Erfolge erzielen.

Schließlich sei es unumstritten, dass

jeder Kunde bei Bedarf lieber erneut den

freundlichen Kundenservice zu Rate

ziehe, als den „murrigen Herrn, dem

schon die Begrüßung zuviel ist“.

Ergebnisorientierter Entwicklungsprozess

Natürlich seien diese Ergebnisse nicht

von einem Tag auf den anderen zu erzielen,

sondern beinhalteten langfristige

Entwicklungsprozesse innerhalb der

Unternehmen, doch genau darauf ziele

das Projekt, das im Juni 2002 gestartet

wurde und noch bis Mai 2004 gefördert

wird, auch ab. Der Erfolg zeigt sich dabei

an den großen Teilnehmerzahlen: Rund

50 Unternehmen und mehr als 250

Mitarbeiter waren mittlerweile regelmäßig

bei Proquali zu Gast. Wobei hier

die unterschiedlichsten Branchen angesprochen

sind, denn jedes Konzept

werde individuell nach ausführlichen

Vorbereitungsgesprächen auf den jeweiligen

Betrieb zugeschnitten. Schließlich

handele es sich in jedem Unternehmen

auch um andere Problemstellungen oder

Ziele, die erreicht werden sollen. So

waren in der Vergangenheit neben dem

produzierenden Gewerbe auch der Handel,

Dienstleistungsunternehmen sowie

verschiedene Handwerksbetriebe aus den

Bereichen Tischlerei, Sanitär und auch

Stahlbau an dem Projekt beteiligt.


Bankentipps

30

Das Zinsniveau im Euro-Raum befindet

sich bereits seit geraumer Zeit trotz

leichter Steigerung auf einem historischen

Tiefstand.

Daran wird sich offensichtlich auch in

absehbarer Zeit nichts ändern, denn

nachdem die Europäische Zentralbank

(EZB) in ihrer ersten Sitzung nach der

Sommerpause die Leitzinsen unverändert

ließ, will sie auch weiterhin an ihrem

obersten Ziel, der Preisstabilität, festhalten

und sieht derzeit keinen Handlungsbedarf

für Zinsveränderungen.

Das bietet neben den Privatkunden vor

allem mittelständischen Unternehmen

umfangreiche Möglichkeiten, sowohl

kurz- als auch langfristige Kreditverpflichtungen

zu optimieren, wie Michael

Schmotz, Leiter der Peiner Commerzbank-Filiale

sagt. Das Ergebnis könne

sich ganz erheblich auf die Geschäftszahlen

auswirken.

Optimierung von Umlauf- und

Anlagevermögen

Zu unterscheiden ist bei den Krediten,

die auf Ersparnismöglichkeiten überprüft

werden sollten, zwischen der Finanzierung

des Umlaufvermögens, zu denen

zum Beispiel das Warenlager und ausstehende

Forderungen gezählt werden, und

Investitionsgütern, wie Grundstücken,

Gebäuden, Maschinen und ähnlichen

Anlagen. Während die kurzfristigen

Umlaufvermögensfinanzierungen in der

Regel durch Kontokorrentkredite – ähnlich

dem Dispositionskredit für Privatkunden

– beglichen werden, gelten für

langfristige Investitionsgüterfinanzierungen

des Anlagevermögens auch längerfristige

Kredite mit Festzinsvereinbarungen.

Vereinbarung fester Zinsobergrenzen

Somit gelte auch für die Suche nach

entsprechenden Optimierungsmöglichkeiten

eine differenzierte Herangehensweise:

So stellt nach Aussage des Filialleiters

für die herkömmliche Umlaufvermögensfinanzierung

durch den Kontokorrentkredit

beispielsweise die kurzfristige

Festsatzkredite mit Zinsbindungsfristen

von 15 Tagen bis zu 360 Tagen eine

Alternative dar. In dem aktuellem Zinsumfeld

würde es sich für solche Kredite

anbieten, feste Zinsobergrenzen – auch

als CAP bekannt – für Laufzeiten

zwischen drei und fünf Jahren zu vereinbaren.

Damit ist es möglich, den für die

Finanzierung zugrunde liegenden Geldmarktzins,

genannt Euribor, dahingehend

zu sichern, dass bei einer Steigerung

dieses Zinses ab einer bestimmten

Obergrenze für den Kreditnehmer das

Zinsänderungsrisiko begrenzt ist.

Zielgerichtete individuelle Lösungen

Allerdings sei die Vereinbarung der

genannten Obergrenze nur eine von zahlreichen

Möglichkeiten, sich im kurzfristigen

Zinsumfeld Sicherheit für die

Zukunft zu verschaffen, wie auch Werner

Bothe, Commerzbank-Firmenkundenbetreuer

für die Region Peine, betont.

Dennoch müsste natürlich im Einzelfall

mit jedem Kreditnehmer über weitere

individuelle und auf persönliche

Ansprüche und Bedürfnisse ausgerichtete

Lösungen gesprochen werden.

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

Niedriges Zinsniveau:

Festsatzkredit statt Kontokorrent

Filialleiter Michael Schmotz.

Vorzeitige Rückzahlung möglich

Beim aufmerksamen Blick in die Bücher können Mittelständler so manchen Euro sparen.

Dies gelte auch im Bereich der Finanzierung

von langfristigen Investitionsgütern,

denn: „Manche Kredite können während

der Zinsbindung schon vorzeitig zurückgezahlt

werden“, sagt Bothe.

So kann es beispielsweise bei einem

hohen Nominalzins in Beziehung zur

Restlaufzeit des Kredites unter Umständen

günstiger sein, ihn durch andere

Finanzierungsform der Hausbank zu

ersetzen.

Sollte ein vorzeitiger Ausstieg aufgrund

vertraglicher Vereinbarungen allerdings

nicht möglich sein, könne der Unternehmer

mit dem sinnvollen Einsatz von

Derivaten eine erhebliche Kostenersparnis

erzielen.

Der – auch nachträgliche – Einsatz von

Derivaten beinhaltet ein hohes Maß an

Flexibilität, da bestehende Kreditverhältnisse

nicht angetastet werden.

So kann der Unternehmer heute vom

niedrigen Zinsniveau profitieren und

auch den Zinssatz bereits laufender

Darlehen sofort und für die Zukunft

reduzieren, ohne bestehende Kreditverhältnisse

auflösen zu müssen. Das heißt:

Eine Vorfälligkeitsentschädigung entfällt.

Globaldarlehen bieten günstige Konditionen

Als weitere Möglichkeit der Kreditoptimierung

bietet die Commerzbank als

eines der ersten Häuser in Deutschland

gemeinsam mit der Kreditanstalt für

Wiederaufbau sogenannte Globaldarlehen

an. Diese haben Laufzeiten

zwischen 3 und 7 Jahren und sind

konditionell etwas günstiger als der

aktuelle Kapitalmarkt.


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

6. Peiner Kunststoff Tag:

Wohin mit dem alten Wagen?

Zwei Jahre ist es her, dass die Bundesregierung

den Gesetzesentwurf zur Entsorgung

von Altfahrzeugen verabschiedete,

mit der die EU-Richtlinie über Altfahrzeuge

in nationales Recht umgesetzt wird.

Ziel dabei ist es, alte Kraftfahrzeuge

umweltgerecht zu entsorgen. So sollen ab

2006 mindestens 85 Prozent des durchschnittlichen

Gewichts eines Altfahrzeugs

verwertet und mindestens 80 Prozent wiederverwendet,

ab 2015 mindestens 95

Prozent verwertet und 85 Prozent

wiederverwendet werden. Doch was heißt

das im Einzelnen? Welche Teile müssen

wiederverwertet, welche endgültig

entsorgt werden? Welche Auswirkungen

haben die geplanten und bereits umgesetzten

Verordnungen auf die Automobilund

Zulieferindustrie sowie andere Kunststoffproduzenten?

Welche Aufgaben

stehen dabei den Pkw-Besitzern bevor?

Fragen über Fragen, denen sich die

Peiner Kunststoff Initiative (PKI) beim

„6. Peiner Kunststoff Tag“ am Donnerstag,

27. November, widmen will. So

werden im Peiner Forum kompetente

Fachleute aus Politik und Wirtschaft ab

9 Uhr Orientierungshilfen geben, interessante

Details erläutern und weitreichende

Einblicke in aktuelle Projekte zum Thema

liefern. Entsorgung aus unterschiedlicher

Sicht Dr. Heinz-Ulrich Bertram vom

niedersächsischen Umweltministerium

referiert über „Die Umsetzung der Richtlinie

über Altfahrzeuge aus Sicht des

Niedersächsischen Umweltministeriums“,

bevor Peter Arp vom Automobil-Zulieferer

Faurecia über „Anforderungen und

Perspektiven für einen globalen Zulieferer“

berichtet. „Post-Shredder-Technologie

– Entwicklung und Umsetzung eines

kostenoptimalen Verfahrens zur Verwertung

von Shredderrestfraktionen“, heißt

der Vortrag Klaus Schoppes von Volkswagen.

Exkursionen liefern Einblick in die

Praxis „Darüber hinaus soll der Peiner

Kunststoff Tag als Forum für den

Erfahrungsaustausch dienen und die

unternehmensübergreifende Kommunikation

unterstützen“, erläutert Gunter

Eckardt von der Wirtschafts- und Tourismusfördergesellschaft

des Landkreises

Peine (wito gmbH) als Initiator der Veranstaltung.

Außerdem wird das Tagesprogramm

durch Exkursionen in das Technikum

der Fachhochschule Wolfsburg, zum

Automobilzulieferer Faurecia in Peine und

zur FIT-Umwelttechnik GmbH mit einer

Automobil-Pilotdemontage in Wolfsburg

abgerundet. Infos: www.peiner-kunststoffinitiative.de.

Ansprechpartner: Gunter

Eckhardt, Wirtschafts- und Tourismusfördergesellschaft

Landkreis Peine mbH,

Telefon 0 51 72/ 9 86 65 03

31

Wer ist die PKI?

Veranstaltungen

Die Peiner Kunststoff Initiative (PKI) ist ein

Zusammenschluss von kunststoffverarbeitenden

Betrieben im Landkreis Peine und

des Süddeutschen Kunststoffzentrums

(Zweigstelle Peine) mit der Wirtschafts- und

Tourismusfördergesellschaft des Landkreises

Peine mbh (Wito) sowie dem Institut für

Recycling der Fachhochschule Braunschweig

- Wolfenbüttel mit Sitz in Wolfsburg.

Ziele ihrer Arbeit sind zum einen der Erfahrungsaustausch

der Partner untereinander,

zum anderen das gemeinsame Engagement

für den Wirtschaftsstandort Landkreis Peine,

dem Zentrum für Kunststoffverarbeitung

in Norddeutschland. Darüber hinaus soll die

Zusammenarbeit zwischen Forschung und

Technik und auch Produktion weiter intensiviert

und ausgebaut werden, denn im Laufe

der Jahre fanden bereits einige Ingenieur -

Absolventen der FH Braunschweig/Wolfenbüttel

Arbeitsplätze in Peiner Unternehmen.

Um die Ziele auch über die regionalen Grenzen

hinaus bekannt zu machen und weitreichende

Zusammenarbeit zu erzielen, veranstaltet

die PKI im zweijährigen Rhythmus

den Peiner Kunststoff Tag, der sich mittlerweile

als Fachveranstaltung im Norddeutschen

Raum etabliert hat.


Freizeittipps

32

Dass über den Wolken die Freiheit wohl

grenzenlos ist, besang schon der Liedermacher

Reinhard Mey. Eindeutig bestätigen

können das auch die rund 220

Mitglieder bei der Flugförderungsgemein-

Im Sichtflug zum

Kurztrip auf die Lieblingsinsel

Start und Ziel für die Piloten der Flugförderungsgemeinschaft Peine: Der Eddesser Flugplatz.

schaft Peine, die den Flugplatz in

Edemissen – Eddesse fast als ihr Zuhause

bezeichnen. Tagtäglich rauschen hier bei

klarer Sicht die Maschinen über die Startund

Landebahn, drehen hoch in der Luft

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

ihre Runden über der Region oder

schlummern bei schlechtem Wetter in der

großen Halle inmitten des dicht bewachsenen

Umfeldes der riesigen Anlage.

„Obwohl den Besitzer der Instrumentenflugberechtigung

(IFR) auch ein dichtes

Wolkenfeld und Regen nicht von seinem

Hobby abhalten“, wie Vorstandsmitglied

Roland Sturm betont.

Flugsport erfordert großes Maß an Respekt

Der Weg zum ersten selbstständigen Start

als Hobby- oder Privatpilot führt allerdings

über ein Ausbildungspaket aus Theorie

und Praxis, das einen Zeitraum von durchschnittlich

sechs Monaten umfasst. Voraussetzungen:

Der angehende Flieger

muss das 18. Lebensjahr vollendet

haben, nach einer Bestätigung eines

Facharztes gesund und körperlich fit sein,

neugierig genug, um sich mit den Gesetzen

der Aeronautik vertraut zu machen,

und ein polizeiliches Führungszeugnis

vorlegen. Darüber hinaus ist ein Auszug

aus dem Flensburger Verkehrsregister

erforderlich, denn die Rowdys der Straßen

müssten sich nicht auch noch zu Überfliegern

in der Luft entwickeln, so Sturm.

Hier sei schließlich ein noch größeres Verantwortungsbewusstsein

gefragt, um Mitmenschen

nicht unnötig in Gefahr zu


Peiner Wirtschaftsspiegel ;

bringen. Allerdings zeige sich in der täglichen

Flugpraxis ohnehin immer wieder,

dass dem Piloten am „Steuer“ eines Flugzeuges

ein gehöriges Maß an Respekt

offensichtlich naturgegeben sei. Höchste

Konzentration, eine detailliert vorbereitete

Flugplanung und vor allem die Gewissheit,

nach dem Start eben keinen Boden

mehr unter den Füßen zu haben,

„schließen risikobehaftete Experimente in

der Luft einfach aus“, so Sturm.

Sichtflug mit „Bodenkontakt“

Allerdings lernten die Absolventen all dies

bereits in den ersten Stunden ihrer theoretischen

Ausbildung. Derzeit drücken bei

der Flugförderungsgemeinschaft 15 „Pilotenanwärter“

unterschiedlichen Alters die

Schulbank, um mit der sogenannten

„Private Pilot Licence A“ ihre Runden –

zunächst noch unter den Wolken – in der

Luft drehen zu dürfen, denn: Mit dem

Erwerb der ersten Fluglizenz ist den Hobbyfliegern

zunächst ausschließlich der

Sichtflug erlaubt, bei dem sichergestellt

sein muss, dass ein klarer Blick zum

Boden gegeben ist. Dies wäre nach dem

Durchbrechen eines Wolkenfeldes nicht

mehr der Fall, denn dabei erfordere die

behinderte Sicht den Instrumentenflug,

der erst in den Folgeausbildungen gelehrt

wird, wie Sturm betont.

Praktische Übungen sind das A und O

Ein umfangreiches Angebot für die verschiedenen

Lizenzen vom Privat- und

Hobbypiloten über den Hubschrauberflug

bis hin zur „Commercial Pilot Lilence

(CPL), die auch zum Überwachungs- und

Bannerflug sowie zum Absetzen von Fallschirmspringern

berechtigt, sichern bei

der FFG 15 aktive Lehrer mit entsprechenden

eigenen Lizenzen. Neben den

theoretischen Unterrichtsstunden garantieren

sie den Schülern in sechs Maschinen,

über die der Verein verfügt, auch

umfassende Praxiserfahrungen, denn das

kontinuierliche Üben des theoretisch

Erlernten sei wie auch in vielen anderen

Bereichen das A und O auf dem Weg zum

selbstständigen Flugspaß. Allerdings

kommen auch Fliegerfreunde, die sich

nicht allein ans Steuer der Cessnas setzen

möchten, bei der FFG voll auf ihre

Kosten: So zählen Rundflüge über der

Region, der Start zu einem Geschäftstermin,

der durch die Lüfte besser und

schneller zu erreichen ist oder auch der

Kurzausflug auf eine der deutschen Ferieninseln

zum Angebot der FFG. Entscheidender

Vorteil dabei: Als eingetragener

Verein dürfen die Mitglieder bei ihren

„Dienstleistungen“ keine Gewinne erzielen,

sondern fliegen die Interessenten

zum Selbstkostenpreis an ihre gewünschten

Ziele. „Das gilt auch für unsere

Pilotenausbildung“, betont Sturm im

Vergleich zu kommerziellen Flugschulen.

Hier betätigten sich die Lehrer, die sich

zum Großteil aus Berufspiloten bei

verschiedenen Luftfahrtgesellschaften

zusammensetzten, ehrenamtlich, so dass

an die Mitglieder erhebliche Vergünstigungen

weitergegeben werden können und

der Flugschein nicht zur Auszeichnung

ausschließlich der „gehobenen Gesellschaft“

werde, so Sturm schmunzelnd.

Hier zahlten die angehenden Privatpiloten

rund 5000 bis 6000 Euro für die gesamte

Ausbildung.

33

Freizeittipps

Der Verein verfügt über sechs Maschinen, in denen die

angehenden Piloten Praxiserfahrungen sammeln können.

FFG-Schriftführer Roland Sturm.

Ich liebe das Dorfleben. Hier geht es ruhiger zu als in der großen Stadt. Wenn mir nach Lautstärke ist, kann ich immer noch

dorthin fahren, wo es laut ist, hier im Dorf ist es jedenfalls nicht laut, deshalb fühle ich mich so wohl. Wobei ich nicht sagen

möchte, dass hier keine fortschrittlichen Menschen wohnen mit modernen Küchenmaschinen und Kenntnissen in Online-

Banking. Ich mag die Übersichtlichkeit. Es gibt eine Tankstelle, eine Lottoannahmestelle, eine große Kreuzung, höchstens

zwei. Rolltreppen gibt es hier kaum. Rolltreppen gibt es in Städten. In Ausnahmefällen kommt in größeren Dörfern, die

darauf aus sind, irgendwann kleine Städte zu werden, eine Rolltreppe im Supermarkt vor. Aber mehrgeschossige Supermärkte

sind auf dem Land sehr selten. Zum Glück, denn dann würden dort mehr Menschen einkaufen, mehr Menschen leben.

Und dann wäre es nicht mehr so ruhig. Am Ende unserer Schulzeit sagten viele, sie müssten hier weg. Es sei alles zu eng,

nicht offen. Sie wollten hinausziehen aus dem Dorf in die Welt, in große Städte zum Beispiel, die ihnen eine Menge riesengroßer

Kreuzungen bieten, manche nahmen sich sogar vor, ins Ausland zu gehen. Sie dachten, viele große Kreuzungen

bedeuten viele großartige Möglichkeiten. Auch so kann man sein Glück finden. Manchmal sitze ich an unserem kleinen Fluss.

Dann freue ich mich. Es ist schön in unserer Gemeinde.


Kult(ur)stätten

34

Eigentlich war es zunächst ein langgehegter

Wunschtraum, den sich Gerhard

Hummer in dem kleinen Örtchen

Soßmar erfüllte, nämlich jungen Künstlern

ein Podium zu schaffen, auf dem sie

sich im privaten Rahmen Aufführungspraxis

erwerben können. Mittlerweile

aber hat sich das liebevoll restaurierte

und komplett umgebaute Fachwerkhaus

mit separatem „Konzertsaal“ an der

Bierberger Straße 5 zum kleinen

Geheimtipp für Freunde hochkarätiger

klassischer Musik gemausert: Die Rede

ist von „Hummers Kultursalon“, der in

diesem Jahr Zehnjähriges feierte.

Weltweite Künstlerkontakte sichern Angebot

Dabei erinnert sich der gebürtige Hamburger

und Lehrer für Englisch, Latein

und Musik noch genau an die ersten

Tage, die er in Soßmar vor seinem späteren

Besitz verbrachte: Das Haus war

völlig heruntergekommen, bedurfte

umfangreicher Sanierungs- und Umbaumaßnahmen,

die vom Fundament bis zur

Dachspitze reichten und doch versprach

es nach Aussage Hummers von Anfang

an ein wahres Schmuckstück zu werden.

Mit Hilfe der Arbeitskraft von Freunden

und hohen Investitionen brachte er das

Haus auf Vordermann und schaffte im

Obergeschoss, direkt unter dem Dach

eine Fläche, die seinem damaligen

Schulchor zunächst als Übungsraum

diente. Die Anfänge waren gemacht und

schnell folgten dank verschiedener

Kontakte zur klassischen Musikszene in

Hannover zahlreiche Aufführungen

verschiedener Künstler. Hinzu kam das

soziale Engagement Hummers, das ihn

oft nach Russland und in andere Länder

verschlug, mit dortigen Musikern in

Verbindung brachte und so einen immer

weiter reichenden Kreis von später in

Soßmar musizierenden Gästen aufbauen

ließ. So blickt der Lehrer und Leiter

verschiedener Chöre mittlerweile auf

eine lange Riege von Flötisten, Geigern,

Pianisten und auch Gitaristen aus

Asien, Südafrika, Südamerika sowie Russland

und anderen Ländern zurück, die

alle unter seinem Dach gastierten.

Jubiläumskonzerte begeisterten

Beispiele für die hervorragenden Kontakte

Hummers lieferten erst die jüngsten

Jubiläumskonzerte: So präsentierten die

„Woronescher Solisten“, die kurz zuvor

Peiner Wirtschaftsspiegel ;

In Hummer’s Kultursalon

ist stets Musik unter’m Dach

Gerhard Hummer bringt Kultur ins Dorf.

Zahlreiche Musiker aus aller Welt brachten im Kultursalon

schon Musik unters Dach.

beim Rheingau-Festival einen sensationellen

Erfolg gefeiert hatten, in Soßmar

mit zwei Akkordeons, einem Kontrabass

und einem Piano unterhaltsame Lebensfreude

pur, bevor der Pianist Andrei

Ivanovitch „Bilder einer Ausstellung“ von

Mussorgsky und Werke von Tschaikowsky

und Grieg spielte.

Wie weitreichend dessen musikalischen

Talente sind, zeigt das Mitwirken Ivanovitchs

an einer russisch-kanadischen

Koproduktion über den Pianisten Glen

Gould und ein Gastspiel mit dem

2. Klavierkonzert von Rachmaninoff in

England im kommenden Jahr“, hebt

Hummer in seinem Rückblick über die

Konzerte in seinen eigenen vier Wänden

stolz hervor.

Über 4000 Besucher in privaten Räumen

Dass mit den Gastspielen verbunden im

Laufe der Jahre auch mehr als 4000

Besucher sein privates Reich „durchwanderten“,

stört den Hausbesitzer

wenig. Ganz im Gegenteil: Der Wohnbereich

der Familie Hummer steht in

den Konzertpausen für Plauderrunden

offen, bei schönem Wetter werden die

Getränke an einer Bar unter freiem

Himmel serviert und die Weitläufigkeit

des idyllischen Gartens habe schon so

mancher Gast für einen kleinen Rundgang

genutzt. Darüber hinaus bieten die

Hummers ihren Musikern „selbstverständlich“

eine Übernachtungsmöglichkeit

in den eigens dafür hergerichteten

Gästezimmern und in dem Speisesaal

habe schon so manches „Künstlersuppenessen“

bis in den frühen Morgen

angedauert. „Ein Highlight der Besuche“,

schwärmt der Lehrer, der gleichzeitig

auf den Brunch „am Morgen danach“

aufmerksam macht.

Das Paar liebt die Geselligkeit, das

Gespräch unter Freunden, zu denen

zahlreiche Musiker mittlerweile geworden

sind, sowie die professionelle Musik in

privatem Ambiente.

Persönliche Kontakte sind Hummers Gewinn

An ein finanzielles „Zubrot“ sei dabei

keinesfalls zu denken, beantwortet

Hummer lachend die entsprechende

Frage, denn für den Flug oder die Fahrt

der Musiker nach Deutschland greift der

Mann in den eigenen Geldbeutel und die

Einnahmen aus den Eintrittsgeldern der

durchschnittlich 40 bis 60 Besucher

gehen zu 100 Prozent in die Künstlerhand.

„Mein Gewinn sind die persönlichen

Kontakte“, sagt Hummer voller

Begeisterung.


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