Otto Ertel (aus dem autobiografischen Roman Mau-Mau)

RaoulYannik

Einmal Mau-Mau, immer Mau-Mau. Für die meisten Familien war die Mau-Mau nur eine Durchgangsstation. Wir waren nach mehr als zehn Jahren alter Mau-Mau-Adel, das Pack, das schon immer hier gelebt hatte, und standen in der Hierarchie am untersten Ende. Daran war nicht nur der Alte mit seiner Sauferei und seinen Pöbeleien, sondern hauptsächlich unsere Mutter schuld, die mit ihrem Gekeife und bösartigem Gerede mit allen aus der Nachbarschaft ständig Zoff hatte. Viele Frauen in der Mau-Mau gingen nebenher noch anschaffen, oder hatten einen „Hausfreund“ der mithalf, die Haushaltskasse aufzubessern. Das war toleriert, weil es zum Überleben gehörte, aber unsere Mutter übertraf alle. „Die Schlampe macht sich an unsere Männer ran“, und „die macht ´s auch mit dem Schäferhund von ´nem Nazi, wenn kein Kerl in der Nähe ist“ waren noch die harmlosesten Umschreibungen für den denkbar schlechtesten Ruf in einem tiefrot geprägten Viertel. Raoul Yannik wird betreut von SP.Media GmbH Agentur für Texte und Autoren Heckstraße 32 45239 Essen Kontakt: raoulyannik@raoulyannik.de

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