slavisches seminar der universität tübingen lehrveranstaltungen und ...

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slavisches seminar der universität tübingen lehrveranstaltungen und ...

SLAVISCHES SEMINAR

DER

UNIVERSIT€T T†BINGEN

LEHRVERANSTALTUNGEN

UND

KOMMENTARE

F†R DAS SS 2002


Slavisches Seminar

der Universität Tübingen

Wilhelmstr. 50

72074 Tübingen

Tel.: 0 70 71/29-7 84 92

29-7 29 82

29-7 67 33

29-7 50 27

Fax: 0 70 71/29-59 24

e-mail: slavistik@uni-tuebingen.de

Sekretariat: Michaela Fischer, M.A. ☎ 29-7 84 92

Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-12, Di 14.30-17.00, Zi 528

Studienberatung: Matthias Jacob, M.A.: Do 11.00-12.30, Zi 535, ☎ 29-7 84 97

Direktor: o. Prof. Dr. Tilman Berger

Sprechstunde: Di 9-11, Zi 536, ☎ 29-7 67 33

Stellvertretender Direktor: o. Prof. Dr. Rolf-Dieter Kluge

Sprechstunde: Di 15.30-17.00, Zi 529, ☎ 29-7 29 82

Sprechstunden:

em. o. Prof. Dr. Ilse Kunert nach Vereinbarung Zi 532

em. o. Prof. Dr. Dr. Ludolf Müller nach Vereinbarung Zi 527

Prof. Dr. Jochen Raecke Di 11-12.30 Zi 531 ☎ 29-7 50 27

Dr. Tanja Anstatt (beurlaubt) Zi 539 ☎ 29-7 84 98

PD Dr. phil.habil. Sigrun Bielfeldt nach Vereinbarung Zi 539 ☎ 29-7 84 98

Bernhard Brehmer Mi 16-17 Zi 532 ☎ 29-7 84 95

Dr. Alfred Gall nach Vereinbarung Zi 334 ☎ 29-7 61 07

Dr. Ekaterina Koudrjavtseva Mi 13-15 Zi 530 ☎ 29-7 84 94

Oskar Obracaj, M.A. Do 14-15 Zi 527 ☎ 29-7 84 93

Dr. phil. WiesΩaw Rzon´ca Di 15-16 Zi 526 ☎ 29-7 84 99

Annette Werberger, M.A. Di 15-16 Zi 534 ☎ 29-7 43 14

Dr. Heide Willich-Lederbogen (beurlaubt) Zi 535 ☎ 29-7 84 97

Prof. Dr. Dietrich Wörn nach Vereinbarung Zi 532 ☎ 29-7 84 95


Zu allen slavischen Sprachen, die am Slavischen Seminar studiert werden können

(Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Tschechisch, Serbisch/Kroatisch/Bosnisch,

Slowenisch), werden Sprachkurse angeboten, die keine Vorkenntnisse erfordern.

Wenn Sie über Vorkenntnisse verfügen oder Muttersprachler sind, haben

Sie die Möglichkeit, Ihre Kenntnisse in Einstufungsprüfungen (den sog. Äquivalenzklausuren)

nachzuweisen, und müssen dann gegebenenfalls keine Sprachkurse

besuchen oder können auf einer höheren Stufe einsteigen. Für die Äquivalenzklausuren

sind die Lektoren bzw. Lehrbeauftragten zuständig, die Termine

werden in der Regel per Aushang bekanntgegeben. Die für die Magisterstudiengänge

„Westslavische Philologie“ und „Südslavische Philologie“ erforderlichen

Russischkenntnisse können in dem Sprachkurs „Russisch für West- und

Südslavisten“ erworben werden, der in regelmäßigen Abständen angeboten

wird.

☛ OrientierungsprŸfung:

Ab Wintersemester 2000/2001 müssen alle Studierenden nach dem zweiten Semester

eine „Orientierungsprüfung“ (OP) ablegen. Die OP kann in zwei Hauptfächern

oder im Hauptfach und einem Nebenfach mit je einer Prüfungsleistung

oder im ersten Hauptfach mit zwei Prüfungsleistungen abgelegt werden. Eine

Prüfungsleistung im Sinne der Orientierungsprüfung ist ein qualifizierender,

prüfungsrelevanter Schein.

Die Prüfung kann einmal im darauffolgenden Semester wiederholt werden.

Wer die Prüfung nicht spätestens bis zum Ende des dritten Semesters erfolgreich

abgelegt hat, verliert den Prüfungsanspruch, es sei denn, die Fristüberschreitung

ist vom Studierenden nicht zu vertreten.

Diese Bestimmung gilt nur für Studierende, die ihr Studium im WS 2000/2001

oder später aufgenommen haben.

☛ Credit points:

Dieses Vorlesungsverzeichnis enthält zum ersten Mal die von der Neuphilologischen

Fakultät im WS 2001/2002 eingeführten „Credit points“. Sie sind vorerst

nur für ausländische Austauschstudenten (z.B. im Rahmen des Erasmus-Programms)

bestimmt, in Zukunft auch für die Studierenden neuer B.A.- und

M.A.-Studiengänge.

3


Hinweis:

Die im folgenden aufgeführten Lehrveranstaltungen wenden sich an Studierende

mit unterschiedlichen Voraussetzungen und in verschiedenen Semestern. Die

empfohlene Semesterzahl wird wie folgt ausgedrückt:

→ f.a.S. für alle Semester

→ A für Anfänger

→ 1 für das 1. Semester

→ 1-4 für das 1. bis 4. Semester

→ +Z nach abgelegter Zwischenprüfung

→ E für Examenskandidaten

Vorlesungen

Russische Literatur vom 16.-18. Jahrhundert:

2 st., Di, Fr 12-13→ f.a.S. ÜR 027 Kluge

4 Credits

A.P. Cµechov:

1 st., Do 12-13 → f.a.S. ÜR 036 Kluge

2 Credits

Vorlesung mit Übung:

P.P. Njegosˇ:

2 st., Fr 10-12 ÜR 426 Kluge

4 Credits

Einführung in die slavische Onomastik:

2 st., Do 9-11 → f.a.S. ÜR 426 Berger

4 Credits

Istrien – Beispiel slavischer Plurikulturalität:

2 st., Mi 16-18 → f.a.S. ÜR 426 Raecke

4 Credits

4


Proseminare

Altkirchenslavisch:

4 st., Mo, Mi 14-16 → 1 ÜR 426 Raecke

10 Credits

PS I: Einführung in die Literaturwissenschaft für

Russisten und Slavisten. Theoretischer Grundkurs:

2 st., Do 16-18 → 2 ÜR 426 Jacob

8 Credits

PS II: Das russische Drama am Beispiel von

Gogol’s „Revizor“ und Ostrovskijs „Groza“:

2 st., Mo 16-18 → 3 ÜR 011 Willich-

8 Credits Lederbogen

PS II: Russisch-jüdische Literatur

des 20. Jahrhunderts: Babel’, Grossmann...

2 st., Do 14-16 → 3 ÜR 426 Werberger

8 Credits

PS I: Einführung in die Sprachwissenschaft für

Russisten und Slavisten. Theoretischer Grundkurs:

2 st., Mo 16-18 → 2 ÜR 426 Brehmer

8 Credits

PS II: Einführung in die Syntax für Ost- und

Westslavisten:

2 st., n.V. → 3 ÜR Meyer

8 Credits

PS II: Die Liebesdichtung der polnischen

Aufklärung:

2 st., Di 13-15 → 3 ÜR 526 Rzon´ca

8 Credits

5


SeminarŸbung

Philologische Einführung in das Ukrainische:

2 st., Mi 14-16 ÜR 011 Brehmer

8 Credits

Übung

Literatur und Film slavischer Länder:

2 st., Mi 16-18 ÜR 011 Cehak,

8 Credits Jacob,

Werberger

Seminare

Cµechovs Dramen im Kontext des europäischen

Dramas um die Jahrhundertwende:

2 st., Di 9.30-11 → +Z ÜR 426 Kluge

10 Credits

Infinitiv-, Partizipial- und Gerundialkonstruktionen

im Russischen:

2 st., Di 16-18 → +Z ÜR 426 Berger

10 Credits

Dialektologie bosnisch – kroatisch – serbisch:

2 st., Di 14-16 → +Z ÜR 426 Raecke

10 Credits

Kultur und Schrifttum der orthodoxen Südslaven

im Mittelalter:

2 st., Do 14-16 → +Z ÜR 011 Wörn

10 Credits

Nikolaj Gogol’: Erzählungen:

2 st., Do 16-18 → +Z ÜR 011 Wörn

10 Credits

6


Pusˇkin und die Antike:

4 st., Di 14-18, 14täglich → +Z ÜR 011 Bielfeldt

10 Credits

Witold Gombrowicz: Die Dramen und

ihre Kontexte:

2 st., Mo 14-16 → +Z ÜR 011 Gall

10 Credits

Kolloquien

Kolloquium für Examenskandidaten

und Doktoranden:

2 st., Di 18-20, 14täglich → E ÜR 426 Kluge

Kolloquium für Examenskandidaten

und Doktoranden:

1 st., Mi 18-20, 14täglich → E ÜR 426 Berger

Praktische SprachŸbungen

Grundkurse Russisch

Russisch I:

8 st., Mo, Di, Mi, Do 9-11 → 1 ÜR 028 Koudrjavtseva

12 Credits

Russisch II:

6 st., Mo, Di, Do 9-11 → 2 ÜR 034 Obracaj

10 Credits

Russisch III:

6 st., Mo, Di, Do 11-13 → 3 ÜR 034 Obracaj

10 Credits

Russisch IV:

4 st., Mo, Do 11-13 → 4 ÜR 426 Koudrjavtseva

8 Credits

7


Oberkurse Russisch

Russische Filmkunst der Gegenwart. Film als Text:

2 st., Di 11-13 → +Z ÜR 426 Koudrjavtseva

6 Credits

Grundlagen der russischen Grammatik

(für Muttersprachler):

2 st., Mi 11-13 → +Z ÜR 426 Koudrjavtseva

6 Credits

Deutsch-russische Übersetzungsklausuren

für Examenskandidaten:

2 st., Mi 9-11 → E ÜR 034 Obracaj

6 Credits

Andere Sprachen

Polnisch

Polnisch II:

4 st., Mo, Do 11-13 → 2 ÜR 526 Rzon´ca

8 Credits

Polnisch IV:

4 st., Mo, Do 13-15 → 4 ÜR 526 Rzon´ca

8 Credits

Deutsch-polnische Übersetzungsübungen

für Fortgeschrittene:

2 st., Mi 11-13 → +Z ÜR 526 Rzon´ca

6 Credits

Konversation:

2 st., Mi 13-15 → +Z ÜR 526 Rzon´ca

6 Credits

8


Tschechisch

Tschechisch II:

2 st., Fr 9-11 → 2 ÜR 034 Lenertová

6 Credits

Tschechisch IV:

2 st., Fr 11-13 → 4 ÜR 034 Lenertová

6 Credits

Lektüre/Konversation:

2 st., Fr 14-16 → 4 ÜR 011 Lenertová

6 Credits

Serbisch/Kroatisch

Serbisch/Kroatisch I:

2 st., Mi 11-13 → 1 ÜR 028 Golubovic´

6 Credits

Serbisch/Kroatisch III:

2 st., Mi 9-11 → 3 ÜR 426 Golubovic´

6 Credits

Oberkurs: Stilistik

2 st., Mi 14-16 → +Z ÜR 136 Golubovic´

6 Credits

Slowenisch

Slowenisch II:

4 st., Di, Do 16-18 → 2 ÜR 137 Sµtumberger

8 Credits

Slowenisch IV:

2 st., Di 9-11 → 4 ÜR 137 Sµtumberger

6 Credits

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Prof. Dr. Rolf-Dieter KLUGE

Vorlesung: Russische Literatur vom 16.-18. Jahrhundert: 2 st., Di,

Fr 12-13, ÜR 027

Diese Vorlesung, die einem selten behandelten und noch relativ wenig erforschten

Zeitraum der russischen Literatur- und Geistesgeschichte gewidmet ist, setzt

einerseits die Darstellung der Geschichte des altostslavischen Schrifttums der

Kiever Rus’ vom vergangenen Wintersemester 2001/02 fort, ist aber als selbständige

Lehrveranstaltung konzipiert, so daß sie auch von Interessenten gehört

werden kann, die den Vorlesungskurs des vorangegangenen Semesters nicht besucht

haben. Deshalb wird mit einem allgemeinen Überblick über die Grundfragen

des altostslavischen mittelalterlichen Schrifttums byzantinischer Provenienz

eingeleitet, ihr folgt eine Besprechung der erzählenden Dichtungen in der

zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (u.a. Afanasij Nikitins Reisebericht über

Persien und Indien; die Erzählung von Petr und Fevronija u.a.), der geistesgeschichtlichen

Situation der sog. Smuta (des Interregnums nach Boris Godunov),

der Kirchenreform mit ihren Folgen des Raskol und der Sekten, der ersten

westlichen Einflüsse, die zur Einrichtung von Akademien und der Entstehung

eines frühbarocken Theaters führen. Einem Überblick über die Literatursprache

im 17. Jahrhundert wird die Diskussion der Probleme einer russischen

syllabischen Versdichtung (nach polnischem Muster) sowie der damit zusammenhängenden

Barockkultur in Rußland folgen, woran sich die Besprechung

solcher literarischer Persönlichkeiten wie Simeon Polockij, Avvakum, Juraj

Krizˇanic´, Grigorij Kotosˇichin u.a. anschließt. Mit der Behandlung weltlicher

Erzählliteratur („Savva Grudcyn“, „Frol Skobeev“ u.a.) und der Entwicklung

einer klassizistischen Literatur nach westlichem Vorbild im Zusammenhang mit

den Reformen Peters des Großen wird der Vorlesungszyklus abgeschlossen.

Literaturhinweise (Auswahl): A. ANGYAL: Slavische Barockwelt. Leipzig 1961;

D. TSCHIZĚWSKIJ: Vergleichende Geschichte der slavischen Literaturen. Bd. 1.

Berlin 1968; D. TSCHIZĚWSKIJ: Slavische Barockliteratur I. München 1970;

D.S. LICHACĚV: Razvitie russkoj literatury X-XVII vekov. Leningrad 1973;

A.M. PANCĚNKO: Russkaja stichotvornaja kul’tura XVII veka. Leningrad 1973;

N.K. GUDZIJ: Geschichte der russischen Literatur. 11.-17. Jahrhundert. Halle

(Saale) 1959; P. LEWIN: WykΩady poetyki w uczelniach rosyjskich XVIII w.

(1722-1774) a tradycje polskie. WrocΩaw 1972; Russkaja sillabicˇeskaja poezija

XVII-XVIII vekov. Leningrad 1970; A.N. ROBINSON: Bor’ba idej v russkoj

literature XVII veka. Moskva 1974; Rannjaja russkaja dramaturgija. P’esy

sˇkol’nych teatrov Moskvy. Moskva 1974; Slavjanskoe barokko. Istorikokul’turnye

problemy e˙pochi. Moskva 1979; Istorija russkoj literatury XVII-

10


XVIII vekov. Moskva 1969; XVII vek v mirovom literaturnom razvitii. Moskva

1969; G.A. GUKOVSKIJ: Russkaja literatura XVIII veka. Moskva 1939; K.

DORNACHER: Geschichte der russischen Literatur des 18. Jahrhunderts. Berlin

(O) 1964; M.P. ALEKSEEV: Javlenie gumanizma v literature i publicistike drevnej

Rusi (16-17 vv.) Moskva 1958; A. STENDER-PETERSEN: Geschichte der russischen

Literatur. Bd. 1. München 1957; R. LAUER: Renaissance und Barock

bei den Slaven. In: Neues Handbuch der Literaturwissenschaft. Hrsgg. v. Klaus

von SEE. Bd. 10. Frankfurt am Main 1972, S. 202-215; D. ZµUKOV, L. PUSˇKA-

REV: Russkie pisateli XVII veka. Moskva 1972; D. TSCHIZĚWSKIJ: Russische

Geistesgeschichte I-II. Reinbek bei Hamburg 1959-61; D.S. LICHATSCHOW:

Der Mensch in der altrussischen Literatur. Dresden 1975; R. LAUER: Geschichte

der russischen Literatur. München 2000.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Vorlesung: A.P. Cµechov: 1 st., Do 12-13, ÜR 036

Kaum ein Autor des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist in unserer Zeit so aktuell

geblieben wie Anton Pavlovicˇ Cµechov (1860-1904). An der Wende von Tradition

und Moderne angesiedelt, bereitet sein Werk die Kurzgeschichte des 20.

Jahrhunderts vor, weist auf die differenzierten Erzählverfahren der heutigen

Prosadichtungen voraus und enthält bereits Verfahren des „offenen“ modernen

Dramas wie auch des „epischen“ und „absurden“ Theaters. Der Vorlesungszyklus

will die Entstehung von Cµechovs literarischem Werk zusammen mit seiner

Biographie im Kontext der zeit- und literaturgeschichtlichen Entwicklungen

darstellen. Exemplarische Einzelinterpretationen – zunächst der Erzählungen,

danach der Dramen – werden das konkrete Material für eine kritische Würdigung

der Dichtungen Cµechovs liefern und die Frage zu beantworten versuchen,

was uns Cµechov heute noch zu sagen hat.

Bibliographie (Auswahl): Peter URBAN: Cµechov-Chronik. Daten zu Leben und

Werk. Zürich 1981; Elsbeth WOLFHEIM: Anton Cµechov in Selbstzeugnissen

und Bilddokumenten. (rowohlt bibliographien 307). Reinbek bei Hamburg

1982; Karla HIELSCHER: Tschechow. (Artemis Einführungen). München und

Zürich 1987; Rolf-Dieter KLUGE (Hrsg.): Anton P. Cµechov. Werk und

Wirkung. (Opera slavica NF 18). Wiesbaden 1990 (2 Bände); A.P. CµUDAKOV:

Poe˙tika Cµechova. Moskva 1971; V.B. Kataev: Proza Cµechova. Moskva 1979;

Z.S. PAPERNYJ: Strelka iskusstva. Moskva 1986; E∆.A. POLOCKAJA: Puti

Cµechovskich geroev. Moskva 1983; M.P. GROMOV: Kniga o Cµechove. Moskva

1989; Robert Louis JACKSON (ed.): Chekhov. A Collection of Critical Essays.

11


(Englewood Cliffs) New Jersey 1967; V.B. KATAEV: Literaturnye svjazi

Cµechova. Moskva 1989. Rolf-Dieter KLUGE: Anton P. Cµechov. Eine Einführung

in Leben und Werk. Darmstadt 1996; V.B. KATAEV. R.-D. Kluge (red.):

Cµechov i Germanija. Moskva 1996; V.B. KATAEV. R.-D. KLUGE. R. NOHEJL

(red.): Anton P. Cµechov. Philosophie und Religion in Leben und Werk. München

1997; Donald RAYFIELD: Anton Chekhov. A Life. New York 1998;

Gerhard BAUER: Lichtstrahl aus Scherben. Cµechov. Frankfurt am Main und

Basel 2000.

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

Vorlesung mit Übung: P.P. Njegosˇ: 2 st., Fr 10-12, ÜR 426

Fürstbischof Petar II. Petrovicˇ Njegosˇ (1813-1851) hat nicht nur als politischer

und geistlicher Souverän Montenegro zur Zeit des allmählichen Niedergangs

des Osmanischen Reiches in das Bewußtsein Europas gehoben, sondern war –

besonders mit seinem Epos „Gorski vijenac“ (Der Bergkranz, 1846/47) – zugleich

einer der bedeutendsten Dichter serbischer Sprache im 19. Jahrhundert.

Die Lehrveranstaltung, die Vorlesungen mit Übungen an Textausschnitten

kombiniert, soll mit der Person des Autors, dem historisch-kulturellen Hintergrund

und dem literarischen Werk P.P. Njegosˇ’ bekanntmachen.

Nach Rücksprache mit dem Dozenten kann in dieser Lehrveranstaltung ein

Proseminarschein (Vorlage einer selbständigen Textinterpretation) oder ein

Seminarschein (Vorlage eines Referats) im Fach Südslavische Philologie

erworben werden.

Ein Themenplan wird bis zu Semesterbeginn an der Anschlagtafel meines

Dienstzimmers 529 ausgehängt.

Literaturhinweise: P.P. NJEGOSˇ: Der Bergkranz. Einleitung, Übersetzung und

Kommentar von A. SCHMAUS. München 1963; G. GESEMANN: Heroische

Lebensform. Prag 1943; M. DJILAS: Legenda o Njegosˇu. 21968; I. SEKULIC´:

Njegosˇu. Knjiga duboke odanosti. Beograd 21961; V. DJURIC´: Njegosˇeva

poetika. Beograd 1964; Lj. DURKOVIC´-JAKSǏC´: Njegosˇ i Lovc´en. Beograd.

Podgorica 1971; Petar II Petrovic´ Njegosˇ. Licˇnost, djelo i vrijeme. Podgorica

1995.

Beginn: Freitag, 19. April 2002

12


Seminar: Cµechovs Dramen im Kontext des europäischen Dramas um die

Jahrhundertwende: 2 st., Di 9.30-11, ÜR 426

Im Seminar soll zunächst die Eigenart der dramatischen Dichtungen A.P. Cµechovs

innerhalb der Geschichte des (russischen) Dramas seit der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts sowie im Kontext des (russischen) Dramas an der Wende

vom 19. zum 20. Jahrhundert diskutiert werden. Abschließend wird versucht,

die Modernität und ungebrochene Wirkung des Cµechovschen Theaters bis heute

zu erklären (eventuell auch an Hand von herausragenden Inszenierungen). Bei

Interesse der Teilnehmer kann ein Schwerpunkt auf die internationale Wirkung

und Rezeption der Bühnenwerke Cµechovs gelegt werden.

Ein Themenplan wird rechtzeitig am Anschlagbrett meines Dienstzimmers bekanntgegeben.

Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit oder Klausur (im Sinne der neuen

Magisterprüfungsordnung).

Literaturhinweise (Auswahl): S.D. BALUCHATYJ: Problemy dramaticˇeskogo

analiza. Cµechov. Leningrad 1927 (formalistischer Ansatz); V. ERMILOV: Dramaturgija

Cµechova. Moskva 21954 (sowjetmarxistischer Ansatz); D. MAGAR-

SHAK: Chekhov the Dramatist. London 21980 (formalistisch, fußt auf Baluchatyj);

G. BERDNIKOV: Cµechov-dramaturg. Moskva 31981 (marxistisch auf

breitem soziohistorischen Hintergrund); F. HÜBNER: Die Personendarstellung in

den Dramen A.P. Cµechovs. Kiel 1970 (philologisch; textimmanent); H.

SCHMID: Strukturalistische Dramentheorie. Semantische Analyse von Cµechovs

„Ivanov“ und „Der Kirschgarten“. Kronenberg/Taunus 1973; Siegfried MEL-

CHINGER: Tschechow. Velber bei Hannover 1974 (Cµechovs Theater als „wissenschaftliches

Experiment“ gegen die Stanislavskij-Tradition); Peter SZONDI:

Theorie des modernen Dramas. Frankfurt/Main 21959 (komparatistischer

Ansatz: die Modernität Cµechovs im europäischen Kontext); Bodo ZELINSKY

(Hrsg.): Das russische Drama. Düsseldorf 1986 (Einzelinterpretationen dreier

Dramen Cµechovs); Richard PEACE: Chekhov. A Study of the Four Major Plays.

Yale University Press. New Haven 1983 (geistes- und literarhistorischer Ansatz);

E∆. POLOCKAJA: O poe˙tike Cµechova. Moskva 2000 (strukturalistisch); B.

ZINGERMAN: Teatr Cµechova i ego mirovoe znacˇenie. Moskva 1998 (komparatistisch).

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

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Kolloquium für Examenskandidaten und Doktoranden: 2 st., Di 18-20,

14täglich, ÜR 426

(Persönliche Voranmeldung erforderlich, verbindlich für alle Kandidaten, die

an einem von mir vergebenen Thema für eine wissenschaftliche Examensarbeit,

Dissertation oder Habilitation arbeiten oder die Abschlußprüfung im Hauptfach

bei mir ablegen wollen.)

Erörterung von Dissertationsentwürfen sowie im Entstehen befindlicher Examensarbeiten,

Diskussion ausgewählter Neuerscheinungen aus den Forschungsgebieten

der Teilnehmer, Beratung in der individuellen Stoffauswahl für Prüfungsschwerpunkte,

Besprechung von Prüfungsthemen.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Prof. Dr. Tilman BERGER

Vorlesung: Einführung in die slavische Onomastik: 2 st., Do 9-11, ÜR 426

Die Namenkunde bzw. Onomastik gehört üblicherweise nicht zum Kanon des

Slavistikstudiums im engeren Sinne. Dies liegt u.a. daran, dass sich diese Teildisziplin

im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr stark ausdifferenziert hat und eine

Vielzahl von Publikationen hervorgebracht hat, aber auch daran dass eine ernsthafte

Beschäftigung mit onomastischen Fragen gute Kenntnisse aus verschiedenen

Nachbarbereichen erfordert. Auf der anderen Seite werden Slavisten oft

mit Fragen über die Etymologie von (angeblich oder wirklich) slavischen Familiennamen

(seltener auch von Ortsnamen) konfrontiert, sodass das Studium

vielleicht doch darauf vorbereiten sollte, wie und mit welchen Hilfsmitteln man

entsprechende Fragen klären kann.

In der Vorlesung werden wir uns zunächst mit der generellen Problematik der

Semantik und Pragmatik von Eigennamen und mit einer Klassifikation der

wichtigsten Typen von Namen beschäftigen. Anschließend sollen der Reihe

nach Personennamen (Vor- und Familiennamen) und Ortsnamen behandelt

werden, und zwar sowohl hinsichtlich der wichtigsten Benennungs- und Wortbildungsverfahren

als auch in ihrer historischen Entwicklung. Schwerpunkte

werden dabei einerseits auf dem Russischen liegen, andererseits auf den westslavischen

Dialekten, die ehemals in Ostdeutschland und Nordostbayern gesprochen

wurden und zahlreiche Spuren im Namenssystem hinterlassen haben.

14


In geringerem Umfang sollen daneben auch polnische und tschechische Namen

behandelt werden.

In der Vorlesung kann kein Schein erworben werden. Ausländische Studierende

können jedoch eine mündliche Prüfung ablegen, sofern sie diese für die Anerkennung

der Veranstaltung benötigen.

Teilnahmevoraussetzungen: für Hörer aller Semester

Lektürehinweise: EICHLER, E. et al. (Hrsg.): Namenforschung – Name studies –

Les noms propres. Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Berlin/New

York 1995. – KRÜGER, A.-D.: Namenforschung In: H. JACHNOW (Hrsg.):

Handbuch der sprachwissenschaftlichen Russistik und ihrer Grenzdisziplinen,

Wiesbaden 1999, 367–385.

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

Seminar: Infinitiv-, Partizipial- und Gerundialkonstruktioen im Russischen:

2 st., Di 16-18, ÜR 426

Komplexere sprachliche Sachverhalte können im Russischen wie in anderen

Sprachen nicht nur durch (parataktische oder hypotaktische) Satzgefüge, sondern

auch durch verschiedene „komprimierende“ Verfahren, bei denen ein Satz

in einen anderen eingebettet wird, bezeichnet werden. Charakteristisch für das

Russische insgesamt sind dabei Infinitivkonstruktionen, die Standardsprache

bedient sich ferner zahlreicher Partizipalkonstruktionen und verwendet auch

Gerundien, die in der russischen Tradition als Adverbialpartizipien (bzw. deepriçastiä)

bezeichnet werden. Zu erwähnen ist schließlich auch das Verfahren

der Nominalisierung.

In dem Seminar wollen wir uns im Detail mit Infinitiv-, Partizipial- und Gerundialkonstruktionen

und den zu ihrer Beschreibung angewandten Verfahren

beschäftigen, die Nominalisierungen bleiben ausgespart, weil ihnen eine Veranstaltung

im Sommersemester 2001 gewidmet war. Dabei werden wir zunächst

verschiedene Ansätze zur Beschreibung solcher Konstruktionen besprechen, die

in der Literatur vorgeschlagen werden, sowohl sog. traditionelle als auch dependenzgrammatische

und generative Ansätze, anschließend werden alle drei

Teilbereiche der Reihe nach behandelt.

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Obwohl es sich hier um eine russistische Veranstaltung handelt, kann bei Bedarf

auch ein polonistischer Schein erworben werden. Ich bitte nur darum, den

Bedarf so rechtzeitig anzumelden, dass er bei der Planung noch berücksichtigt

werden kann.

Teilnahmevoraussetzungen: Zwischenprüfung in Ostslavistik bzw. Russisch (sowie

gegebenenfalls Westslavistik)

Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit (eine Liste von Referatsthemen wird bis

Ende Februar ausgehängt) oder Klausur (im Sinne der neuen Magisterprüfungsordnung).

Anregungen zur vorbereitenden Lektüre: Leider wird die Thematik in den deskriptiven

Grammatiken und in Einführungen nur kurz und auf verschiedene

Kapitel verstreut behandelt. Ich empfehle, zur Vorbereitung zunächst die wenigen

Erwähnungen in dem Buch „Russisch im Spiegel des Deutschen“ (Hrsg.

von W. Gladrow, Leipzig 1989) zu lesen (auf den Seiten 107 sowie 117–118)

und anschließend die entsprechenden Passagen in einer der russischen Akademiegrammatiken

zu suchen und zu rezipieren. In der Veranstaltung selbst wird

natürlich eine Literaturliste mit der relevanten Spezialliteratur zur Verfügung

gestellt.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Kolloquium für Examenskandidaten: 1 st., Mi 18-20, 14täglich, ÜR 426

Dieses Kolloquium ist für alle diejenigen gedacht, die in den nächsten Semestern

bei mir die Magister- oder Staatsexamensprüfung abzulegen gedenken. In

der Veranstaltung sollen einerseits im Entstehen begriffene Abschlussarbeiten

referiert und gemeinsam besprochen werden, andererseits soll auch eine Vorbereitung

auf die mündliche Prüfung erfolgen (Beratung für die Auswahl von

Prüfungsthemen, Techniken der Vorbereitung, Durchspielen von Prüfungen

usw.).

Vorbesprechung: Mittwoch, 17. April 2002

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Prof. Dr. Jochen RAECKE

Vorlesung: Istrien: 2 st., Mi 16-18, ÜR 426

Die Vorlesung Ÿber Istrien ist unmittelbar auf die Exkursion auf diese Halbinsel

bezogen, d.h. sie dient ebenso ihrer Vorbereitung wie ihrer wissenschaftlichen

Begleitung. Was das Inhaltliche angeht, so wird es in der Veranstaltung

darum gehen, diesen Teil Mitteleuropas, der gleichzeitig das Tor zur

Balkanhalbinsel und nach Italien bildet, in eben dieser všlker- und kulturverbindenden

Funktion Ÿber die Zeiten hinweg aufzuzeigen. Istrien erweist sich

dabei als ein Paradigma mšglicher PlurikulturalitŠt im entstehenden Europa.

Seit frŸhesten Zeiten sind sich hier Kulturen auf engstem Raum begegnet, sind

miteinander verflochten, sind auch zum Teil verschmolzen. Es finden sich hier

ršmisch-romanische, germanische und slawische Elemente in einer sonst in

Europa nicht gelungenen Symbiose, und diese verschiedenen Elemente sichtbar

werden zu lassen als Mšglichkeit eines sich gegenseitig bereichernden Kulturkontaktes

ist das Ziel sowohl der Vorlesung als auch der Exkursion.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Proseminar: Altkirchenslawisch: 4 st., Mo, Mi 14-16, ÜR 426

In diesem Proseminar werden sowohl die innersprachlichen Aspekte dieser Šltesten

Ÿberlieferten slawischen Schriftsprache behandelt, als auch die au§ersprachlichen,

d.h. kulturhistorischen und geistesgeschichtlichen. Von den innersprachlichen

Aspekten des Altkirchenslawischen werden vor allem seine

Lautgestalt und die Formenbildung behandelt, wobei das Ziel ist, bei allen

Teilnehmenden zugleich einen vertieften Einblick in die Besonderheiten und

Gemeinsamkeiten aller slawischen Sprachen bezŸglich ihrer phonetisch-materiellen

und morphologisch-inhaltlichen Gestalt (gegenŸber anderen indoeuropŠischen

Sprachen) zu vermitteln. Ein weiteres Ziel der Veranstaltung soll dann

die FŠhigkeit sein, Texte dieser Sprache zu lesen und in bezug auf die genannten

Aspekte zu interpretieren. Dabei wird Grundlage das "Handbuch der altbulgarischen

(altkirchenslavischen) Sprache" von A. Leskien sein.

Was die au§ersprachlichen Aspekte des Altkirchenslawischen angeht, so liegen

sie zwischen der Frage nach der Ethnogenese der Slawen und der Bedeutung,

die diese Šlteste und erste slawische Schriftsprache fŸr die Entstehung, Entwicklung

und Ausgestaltung der verschiedenen slawischen Einzel-Schriftspra-

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chen gehabt hat und z.T. noch heute hat. Schlagwortartig lie§e sich die kulturund

geistesgeschichtliche Bedeutung des Altkirchenslawischen als Schritt von

der OralitŠt zur LiteralitŠt bezeichnen, da mit dem allmŠhlichen Ein- und

†bertritt der Slawen in die Welt des mittelalterlichen Christentums wesentlich

mehr verbunden war, als die "einfache" †bernahme des christlichen Glaubens.

Was sich ereignete, war eine Akkulturation, die mit dem †bergang von einer

oralen Gesellschaft zu einer literalen Gesellschaft einherging, d.h. dem Wechsel

von einer Gesellschaft mit ausschlie§lich mŸndlicher Tradition zu einer Gesellschaft,

die in wesentlichen Lebensbereichen durch das Vorhandensein einer

Alphabetschrift geprŠgt ist. Da die Slawen mit dem Altkirchenslawischen bereits

zu Beginn ihrer Geschichte viel mehr als nur eine Missionssprache erhalten,

nŠmlich zugleich eine Kult- und Kultursprache, geht es in diesem Proseminar

auch um die Darstellung jener Probleme und Prozesse, die im Zusammenhang

mit Schaffung, der Ausformung und Entwicklung dieser ersten lingua

christiana slavica, d.h. der slawischen Schrift-, Kult- und Kultursprache

des Mittelalters stehen.

Insofern, als in diesem Proseminar einerseits das Slawische an den slawischen

Einzelsprachen hinsichtlich Lautgestalt und Formenbildung aufgezeigt werden

soll und andererseits die AnfŠnge und die Herkunft der Slawen und ihrer

(nicht nur Schrift-) Kultur behandelt werden, ist es zugleich eine Art PropŠdeutikum

in das Studium der slawischen Sprachen, mittelalterlichen Literaturen

und Kulturen und wird deshalb fŸr das erste Semester empfohlen.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Seminar: Dialektologie bosnisch – kroatisch – serbisch: 2 st., Di 14-16, ÜR

426

Was sich heute als das Verbreitungsgebiet der drei verschiedenen Standardsprachen

Bosnisch, Kroatisch und Serbisch präsentiert, ist in einer anderen

Wirklichkeit ein einziges sprachliches Kontinuum, wo es zwischen denjenigen

Sprachzonen, die aufgrund bestimmter sprachlicher Merkmale oder Besonderheiten

als eigene Dialekte ausgegegliedert oder gegeneinander abgegrenzt werden,

eigentlich keine wirklichen Grenzen in der Hinsicht gibt, daß die Sprecher

das Gefühl hätten, sie sprächen tatsächlich verschieden. Daß die sog. naiven

Sprecher immer schon gewußt haben, daß in jedem Dorf irgendwie anders gesprochen

wird, bedeutet nicht, daß man sich mit denen im anderen Dorf eigentlich

nicht in der gleichen Sprache verständigen könnte. Was also als einzelne

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Dialekte abgegrenzt wird, ist zum Teil linguistisch ziemlich fragwürdig, es

geht in der Veranstaltung aber darum, dasjenige, was in der Dialektogie des

BKS normalerweise gemacht wird, zunächst einmal aufzuarbeiten und zur

Kenntnis zu nehmen. Am Ende soll dann die kritische Frage stehen, was mit

Dialektologie im Laufe der Geschichte letztlich alles getrieben wurde, und wo

die tiefgreifenden Probleme dieser sprachwissesnchaftlichen Disziplin liegen.

Gerade das BKS-Gebiet bietet hier umfassendes und bemerkenswertes Anschauungsmaterial.

Bedingungen für einen Schein sind regelmäßige Teilnahme, Mitarbeit und eine

Hausarbeit, die nach Möglichkeit auf einem Referat basieren sollte oder eine

Klausur (im Sinne der neuen Magisterprüfungsordnung).

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Prof. Dr. Dietrich WÖRN

Seminar: Kultur und Schrifttum der orthodoxen Südslaven im Mittelalter:

2 st., Do 14-16, ÜR 011

In diesem Seminar soll ein Überblick über die kulturelle und literarische Entwicklung

der Südslaven, insbesondere der Bulgaren und Serben, vom 9. bis

zum 15. Jh. erarbeitet werden. Zu Beginn wird die Tätigkeit der Slavenlehrer

Konstantin/Kyrill und Method in „Großmähren“ und ihre Bedeutung für die

weitere sprachlich-literarisch-kulturelle Entwicklung der Südslaven behandelt.

Dann folgen Überblicke über die Schriftkultur im 1. bulgarischen Reich (9.-11.

Jh.), im 2. bulgarischen Reich und in Serbien (Ende 12. Jh. bis in die ersten

Jahrzehnte der osmanischen Herrschaft). Zur Vertiefung sollen kurze ausgewählte

Texte vorgestellt und besprochen werden. Auf deutsche Übersetzungen

als Hilfsmittel für das leichtere Verständnis dieser Texte werde ich im Seminar

hinweisen.

Erforderlich für die Teilnahme sind Grundkenntnis des Altkirchenslavischen.

Als Eigenleistung für einen qualifizierten Schein wird die Übernahme eines

Referats mit Paper zu einem Autor oder zu einem Teilaspekt der Seminarthematik

oder eine Klausur (im Sinne der neuen Magisterprüfungsordnung) verlangt.

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Literaturhinweise:

GRIVEC, F.: Konstantin und Method: Lehrer der Slaven. Wiesbaden 1960;

PODSKALSKY, G.: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und

Serbien (865-1459). München 2000 (grundlegend); BOGDANOVIC´, D.: Istorija

stare srpske knjizˇevnosti. Beograd 1980.

(In der slavistischen Fachbibliothek stehen Anthologien und Textausgaben sowie

weitere Literaturgeschichten, dazu Bücher über die allgemeine Kultur- und

Kunstgeschichte der Südslaven im Mittelalter).

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

Seminar: Nikolaj Gogol’: Erzählungen: 2 st., Do 16-18, ÜR 011

In diesem Seminar soll in das Erzählwerk Gogol’s eingeführt werden. Im Zentrum

stehen die genaue Lektüre sowie die sprachlich-stilistische, erzähltechnische

und inhaltliche Analyse der Erzählungen „Strasˇnaja mest‘“, „Nevskij

prospekt“ und „Sµinel’“. Daneben sollen in kürzeren Überblicken auch die restlichen

Erzählungen Gogol’s und die Zyklisierung der Erzählungen in den

„Vecˇera na chutore bliz Dikan’ki“, „Mirgorod“ und den sog. „Peterburgskie

povesti“ behandelt werden.

Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die gründliche vorherige

Lektüre der drei genannten Erzählungen sowie die Bereitschaft, ein Referat mit

Paper oder eine Hausarbeit über eine der anderen Erzählungen bzw. über einen

thematischen oder narratologischen Teilaspekt der Erzählungen Gogol’s auszuarbeiten

oder eine Klausur (im Sinne der neuen Magisterprüfungsordnung) zu

schreiben. Die Anmeldung zum Seminar ist erwünscht.

Literaturhinweise:

SETSCHKAREFF, V.: N.V. Gogol. Leben und Schaffen. Berlin 1953; Nikolai W.

Gogol mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von R.-D. KEIL.

Reinbek bei Hamburg 1985 (= rm 342); GIPPIUS, V.: Gogol’; ZEN’KOVSKIj,

V.: N.V. Gogol’. SPb. 1994 (bzw. andere Ausgaben); MANN, Ju.: Poe˙tika

Gogolja. M. 1996 (und andere Ausgaben).

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

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PD Dr. Sigrun BIELFELDT

Seminar: Pusˇkin und die Antike: 4 st., Di 14-18, 14täglich, ÜR 011

Das Thema meint keinesfalls ein konservatorisches Unternehmen. Jede Moderne,

wie immer man ihre Spielart bestimmen will, mißt sich an der Antike, sei

es, daß moderne Vernunft meint, die antiken Erfahrungsweisen längst übertroffen

zu haben, sei es, daß sie diese – etwa im (postmodernen) Enthusiasmus

für das Prärationale – allererst einzuholen gedenkt. In der „Sattelzeit“ um 1880

wurde diese zwiespältige Konstellation modernen Bewußtseins formuliert.

Wenn wir fragen, wie sich diese Problematik im russischen Kulturkreis darstellt,

so leisten wir damit einen Beitrag zur Revision der Betrachtungsweisen

russischer Geistesgeschichte. Materialgrundlage für die Untersuchungen wird

die Lyrik Pusˇkins sein. Themenvorschläge sind etwa: Welche antiken Mythen

werden in Pusˇkins Lyrik behandelt und was ist ihre Funktion? Was bedeutet für

die Ästhetik Pusˇkins eine „Mythologie der Skulptur“ (Jakobson)? Welche Anschauung

des Klassischen stand Pusˇkin überhaupt zur Verfügung (der Park von

Carskoe Selo etwa)? Wie steht Pusˇkin zur russischen Homerübersetzung (Streit

um den Hexameter in den Sprachgesellschaften)? Erlebt Pusˇkin sein südliches

Exil auch als antike Kulturlandschaft? Man kann auch fragen, ob in den zeitgenössischen

russischen Zeitschriften die Frage nach dem Verhältnis von Altem

und Neuerem diskutiert wird; im Zusammenhang damit läßt sich auch eine Revision

der Schriften von Peter Szondi und Hans Robert Jauß unternehmen.

Literaturempfehlung: Wolfgang BUSCH: Horaz in Rußland. 1964; Roman JA-

KOBSON: Pushkin and his sculptural myth (socha v symbolice Pusˇkinoveˇ).

1975; A.A. FORMOZOV: Pusˇkin i drevnosti. 1979; Monika GREELEAF: Pushkin

and romantic fashion. 1994; T.M. MAL’CǓKOVA: Anticˇnye i christianskie motivy

v tvorcˇestve Pusˇkina, 1996; Georgij S. KNABE: Russkaja anticˇnost’. 1999;

Peter SZONDI: Poetik und Geschichtsphilosophie; Hans Robert JAUSS: Literaturgeschichte

als Provokation.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

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Dr. Alfred GALL

Seminar: Witold Gombrowicz: Die Dramen und ihre Kontexte: 2 st., Mo

14-16, ÜR 011

Witold Gombrowicz (1904-1969) hat in der literaturwissenschaftlichen Forschung

vor allem mit den Prosatexten Beachtung gefunden. Im Seminar soll

das Augenmerk auf die Dramen gerichtet werden, d.h. auf „I_w_o_n_a_,_

_k_s_i_e˛z˙n_i_c_z_k_a_ _B_u_r_g_u_n_d_a“, „Sπl_u_b_“,_

„O_p_e_r_e_t_k_a_“,_ „_H_i_s_t_o_r_i_a_“ _(_F_r_a_g_m_e_n_t_)_._

_D_a_s_ _m_o_d_e_r_n_e_ _T_h_e_a_t_e_r_ _r_e_f_l_e_k_t_i_e_r_t_

_s_e_i_n_e_ _e_i_g_e_n_e_n_

_G_e_s_t_a_l_t_u_n_g_s_mög_l_i_c_h_k_e_i_t_e_n_._ _D_i_e_

_T_h_e_m_a_t_i_s_i_e_r_u_n_g_ _d_e_r_ _d_r_a_m_a_t_i_s_c_h_e_n_

_F_o_r_m_ _i_m_ Stück_ _s_e_l_b_e_r_ _i_s_t_ _e_i_n_

_w_e_s_e_n_t_l_i_c_h_e_s_ _E_l_e_m_e_n_t_ _b_e_i_ _G_o_m_b_r_o-

_w_i_c_z_ _u_n_d_ _w_i_r_d_ _im Vergleich mit ähnlichen Ansätzen der

polnischen und gesamteuropäischen Dramatik auf seine Spezifik hin untersucht.

Zentral sind daneben auch folgende Aspekte: die Suche nach Authentizität

(Gombrowicz’ Konzept der „Form“), Motivationsstrukturen der Dramen, die

Funktion der Sprache, die Auflösung der Kategorien „Verantwortung“ und

„Subjektivität“, die Wirklichkeit als Wille und Wahn. Diese Problemstellungen

können nur unter Berücksichtigung des polnischen und des gesamteuropäischen

Kontexts ertragreich unt_e_r_s_u_c_h_t_ _w_e_r_d_e_n_._ _D_a_b_e_i_

_d_i_e_n_e_n_ _A_u_t_o_r_e_n_ _w_i_e_ _Z_y_g_m_u_n_t_

_K_r_a_s_i_n´s_k_i_,_ _S_t_a_n_i_sΩa_w_ _W_y_s_p_i_a_n´s_k_i_ _o_d_e_r_

_S_t_a_n_i_s_Ωa_w_ _I_._ _W_i_t_k_i_e_w_i_c_z_ _[_W_i_t_k_a_c_y_]_

_m_i_t_ _a_u_s_g_e_w_ä_h_l_t_e_n_ _T_e_x_t_e_n_ _a_l_s_

_V_e_r_g_l_e_i_c_h_s_f_o_l_i_e_ für _d_i_e_ _A_n_a_l_y_s_e_._

_D_i_e_s_e_ _P_e_r_s_p_e_k_t_i_v_e_ _w_i_r_d_ _e_r_g_ä_n_z_t_

_d_u_r_c_h_ _d_e_n_ _A_u_s_b_l_i_c_k_ _a_u_f_ _P_h_ä_n_o_m_e_n_e_

_d_e_r_ _g_e_s_a_m_teuropäischen Literatur (u.a. mit Texten von Autoren

wie Alfred Jarry, Karl Kraus, Luigi Pirandello, Jean-Paul Sartre, Jean Genet,

Friedrich Dürrenmatt).

Mit diesem Zugang sollen im Seminar die Verfahrensordnungen der Dramen

Gombrowicz’ in ihrer spezifischen ästhetischen Dimension erfaßt werden.

Scheinvergabe: Mündliches Referat und schriftliche Hausarbeit. Nach Absprache

mit dem Seminarleiter kann ein Haupt- oder Proseminarschein erworben

werden.

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Teilnahmevoraussetzung: Zwischenprüfung in einem slavistischen Studienfach

Hinweis: Ein Themenplan wird im März am Anschlagbrett des Büros (Zi 334)

ausgehängt. Interessierte sind gebeten, sich vor Beginn des Seminars beim

Seminarleiter zu melden.

Literatur zur Einf¸ührung: Franc¸ois BONDY, Constantin JELENSKI: Witold Gombrowicz.

Dramatiker des Welttheaters. München 1978. HARRESS, Birgit: Die

Dialektik der Form: das mimetische Prinzip Witold Gombrowiczs. Heidelberger

Publikationen zur Slavistik. B, Literaturwissenschaftliche Reihe; Bd. 17.

Frankfurt/M. 2000. KUNSTM_A_N_N_,_ _H_e_i_n_r_i_c_h_:_

_M_o_d_e_r_n_e_ _p_o_l_n_i_s_c_h_e_ _D_r_a_m_a_t_i_k_._ _Köln_-

_G_r_a_z_ _1_9_6_5_._ _P_O_P_I_E_L_,_ _J_a_c_e_k_ _(_r_e_d_._):

_D_r_a_m_a_t_ _i_ _t_e_a_t_r_ _d_w_u_d_z_i_e_s_t_o_l_e_c_i_a_

_m_i_e˛d_z_y_w_o_j_e_n_n_e_g_o_._ _W_r_o_c_Ωa_w_ _1_9_9_2_._

_S_A_L_G_A_S_,_ _J_e_a_n_-_P_i_e_r_r_e:_ _W_i_t_o_l_d_

_G_o_m_b_r_o_w_i_c_z_ _o_u_ _l’a_t_h_e´_i_s_m_e_ _g_e´_ne´r_a_l_i_s_e´_._

_L_e_s_ _c_o_n_t_e_m_p_o_r_a_i_n_s_,_ _2_3_._ _P_a_r_i_s_ _2_0_0_0_._

_E_w_a_ _P∫O_N_O_W_S_K_A_ _Z_I_A_R_E_K_ _(_e_d_._)_:

_G_o_m_b_r_o_w_i_c_z’s_ _g_r_i_m_a_c_e_s__:_ m_o_d_e_r_n_i_s_m_,_

_g_e_n_d_e_r_,_ _n_a_t_i_o_n_a_l_i_t_y_._ _A_l_b_a_n_y_ _1_9_9_8_._

_W_i_t_o_l_d_ _G_O_M_B_R_O_W_I_C_Z:_ _D_z_i_e_Ωa_ _z_e_b_r_a_n_e_._

_T_._ _1_ _f_f_._ _P_a_r_y_z˙ _1_9_6_9_ _f_f_._

Beginn: Montag, 15. April 2002

Matthias JACOB, M.A.

Proseminar I: Einführung in die Literaturwissenschaft für Russisten und

Slavisten. Theoretischer Grundkurs: 2 st., Do 16-18, ÜR 426

Lernziel: Das Proseminar wendet sich an Studienanfänger und dient der Einübung

methodischer und theoretischer literaturwissenschaftlicher Grundkenntnisse,

wie sie zur selbständigen Arbeit im thematischen Proseminar (PS II) und

im Hauptseminar erforderlich sind.

Teilnahmevoraussetzung: Russischkenntnisse (Grundkenntnisse im Polnischen

und/oder Serbokroatischen sind vorteilhaft, jedoch nicht Bedingung.)

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Teilnahmebedingungen: Aktive Mitarbeit, Anfertigung von Sitzungsprotokollen,

Lösung von Hausaufgaben.

Das Proseminar wird mit einer Klausur abgeschlossen.

Ein Themenplan wird an der Anschlagtafel meines Dienstzimmers ausgehängt.

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

Dr. Heide WILLICH-LEDERBOGEN

Proseminar II: Einführung in die Interpretation des Dramas. Gogol’:

„Revizor“ (1836); A.N. Ostrovskij: „Groza“ (1859): 2 st., Mo 16-18, ÜR

011

Anknüpfend an eine kurze theoretische Behandlung der Grundgattung des Dramatischen

im einführenden literaturwissenschaftlichen Proseminar wird dieses

weiterführende Proseminar ausführlich die Definition der Gattungen Tragödie

und Komödie diskutieren. Anschließend soll an zwei ausgewählten Beispielen

aus der russischen Literatur (der Komödie „Revizor“ von N. Gogol’ und der

Tragödie „Groza“ von A. Ostrovskij) in die Praxis der Interpretation des Dramas

eingeführt werden (formale und inhaltliche Analyse und Interpretation).

Unter Berücksichtigung der Entwicklung des russischen Dramas soll der Versuch

einer literarhistorischen Einordnung der beiden behandelten Werke unternommen

werden.

Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Besuch von Proseminar I (Einführung

in die Literaturwissenschaft...)

Teilnahmebedingungen: Aktive Mitarbeit, Übernahme eines Referats. (Zum

Erwerb eines Proseminarscheins muß das Referat nach erfolgtem mündlichen

Vortrag schriftlich ausgearbeitet werden.)

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Als Textgrundlage werden die russischen Originaltexte von N. Gogol’: „Revizor“

und A. Ostrovskij: „Groza“ verwendet; sie sind in unterschiedlichen mehrbändigen

Gogol’- und Ostrovskij-Werkausgaben in der Fakultätsbibliothek vorhanden.

Übersetzungen der zu behandelnden Werke dürfen als Hilfsmittel herangezogen

werden, ersetzen aber nicht die gründliche Lektüre der Originaltexte!

Einführende Literatur: R. LAUER: Geschichte der russischen Literatur. Von

1700 bis zur Gegenwart. München 2000, S. 227-243; S. 302-306; A. STENDER-

PETERSEN: Geschichte der russischen Literatur. 31978, 2. Teil, S. 164-184; S.

302-316; M. SLONIM: Russian Theater from the Empire to the Soviets. New

York 1961; A. ANIKST: Teorija dramy v Rossii ot Pusˇkina do Cµechova. Moskva

1972; B. ZELINSKY (Hrsg.): Das russische Drama. Düsseldorf 1986 (darin

gute Einleitung zum russischen Drama allgemein S. 9-32 und Beitrag über N.

Gogol’: Der Revisor S. 69-87); H.-J. GERIGK: Zwei Notizen zum „Revisor“.

In: Russian Literature 4, 1976, Nr. 2, S. 167-174; Ju. MANN: Nikolaj Gogol’.

Zµizn’ i tvorcˇestvo. Moskva 1988 (zu „Revizor“: S. 140-179); I.L. VISŇEVSKA-

JA: Cµto esˇcˇe skryto v „Revizore“. In: Gogol’ i ego komedii. Moskva 1976, S.

123-163; Ju.V. LEBEDEV: O narodnosti Grozy, ,russkoj tragedii‘ A.N. Ostrovskogo.

In: Russkaja literatura 1981, 1, S. 14-31; M. LOBANOV: Ostrovskij.

Moskva 21989 (darin Kap. „Groza“, S. 124-149); R.A. PEACE: A.N. Ostrovsky’s

The Thunderstorm: The Dramatization of Conceptual Ambivalence. In:

The Modern Language Review 84, 1989, 1, S. 99-110.

Ein Themenplan mit Referatliste liegt ab Mitte März im Sekretariat aus (Zi

528).

Rechtzeitige Anmeldung ist erforderlich.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Annette WERBERGER, M.A.

Proseminar II: Russisch-jüdische Literatur des 20. Jahrhunderts: Babel’,

Grossmann...: 2 st., Do 14-16, ÜR 426

Die Literatur des osteuropäischen Judentums erschien in Rußland in mehreren

Sprachen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kann man von einer russisch-jüdischen

Literatur sprechen, auch wenn der Begriff zurecht nicht unumstritten ist.

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Joseph Brodsky schreibt so zum Beispiel in einem Brief anläßlich der Ausstellung

„Russian Jewish Artists“ (New York, 1996): „There is something very

wrong about addressing – not to mention stressing – an artist’s ethnic identity.“

Dieser Kritik eingedenk sollen in diesem Proseminar russischsprachige Texte

jüdischer Autoren im Mittelpunkt stehen. Hierzu werden wir zunächst einige

Texte lesen, in denen Schriftsteller ihre Situation innerhalb der russischen Literatur

selbst reflektieren (I. Babel’ (1894-1940), L. Lunc (1901-1924)) und

wenden uns danach. Erzählungen und Gedichten zu, die sich spezifisch jüdischen

Problemen und Sichtweisen im Kontext der russischen Kultur und Literatur

widmen. Die Wirkung jüdischer Erzähl- und Schrifttraditionen, die Frage

der Identität oder Alterität, besondere sprachliche Markierungen, bestimmte

Motive u.a. sollen an ausgewählten Texten untersucht werden. Neben den oben

erwähnten Autoren können in Absprache mit den Teilnehmern ganz unterschiedliche,

berühmte oder auch fast vergessene Schriftsteller gelesen werden:

z.B. O. Rabinovicˇ (1817-1869), S. Frug (1860-1916), A. Sobol’ (1888-1926),

O. Mandel’sˇtam (1891-1938) V. Grossman (1905-64), I. Metter (1909-1996),

A. Rybakov (1911-1998), D. Rubina (1953) u.a.

Für sehr verstreute oder schwer auffindbare Texte wird ein Reader erstellt. Für

weitere Informationen und Literaturhinweise bitte die Anschläge an Zimmer

534 beachten.

Zur Einführung:

V. LVOV-ROGACHEVSKY: A History of Russian Jewish Literature. Ed. and

transl. by A. LEVIN. Ann Arbor 1979. Heiko HAUMANN: Geschichte der Ostjuden.

München 1990. Menora. Evrejskie motivy v russkoj poe˙zii. Moskva 1993.

A. STONE-NAKHIMOVSKY: Russian-Jewish Literature and Identity. Baltimore

and London 1992. E. SICHER: Jews in Russian Literature after the October Revolution.

Cambridge 1995. P. KOSTA, H. MEYER und N. DRUBEK-MEYER:

Juden und Judentum in Literatur und Film des slavischen Sprachraums. Wiesbaden

1999. Rodnoj golos. Stranicy russko-evrejskoj litertury konca XIX – nacˇala

XX v. Sostavitel’ Sµ. MARKISˇ. Kiev 2001.

Beginn: Donnerstag, 18. April 2002

Meta CEHAK, M.A., Matthias JACOB, M.A., Annette WERBERGER, M.A.

†bung: Literatur und Film slavischer LŠnder: 2 st., Mi 16-18, †R 011

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Audiovisuelle Medien wie Kino und Fernsehen haben der Literatur seit langem

ihre gesellschaftliche Bedeutung streitig gemacht. In ihren Ausdrucksmöglichkeiten

weisen Literatur und Film jedoch große Affinitäten auf, weshalb medienwissenschaftliche

Aspekte von der Literaturwissenschaft vermehrt aufgegriffen

werden. In dieser Übung wird anhand von Kino- und Spielfilmen unterschiedlicher

slavischer Länder nach Äquivalenzen, Konvergenzen, aber auch

Differenzen von Literatur und Film gefragt: Was ist die Besonderheit der

„Sprache des Films“? Gibt es eine spezifische Poetik des Films im Unterschied

zu der von literarischen Texten? Hierbei werden uns auch die Texte slavischer

Literatur- und Filmtheoretiker (Eisenstein, E∆jchenbaum, Tynjanov...) beschäftigen.

Des weiteren soll das Zusammenspiel visueller, auditiver und narrativer

Elemente im Film (Bild, Wort, Geräusch und Musik) untersucht werden und

die Möglichkeiten und Grenzen filmischer Umsetzung von Literatur diskutiert

werden. Schließlich gilt es zu überprüfen, inwiefern literaturwissenschaftliche

Methoden für die Filmanalyse relevant sind.

Literaturhinweise zur eigenen Vorbereitung:

Franz-Joseph ALBERSMEIER (Hrsg.): Texte zur Theorie des Films. Stuttgart

1998; W. BEILENHOFF (Hrsg.): Poetik des Films. Deutsche Erstausgabe der

filmtheoretischen Texte der russischen Formalisten. MŸnchen 1974; Boris

EICHENBAUM: Literatur und Film. In: Eichenbaum: AufsŠtze zur Theorie und

Geschichte der Literatur. Frankfurt a. M. 1965, S. 71.; Sergej EISENSTEIN:

Schriften. Hg. von H.-J. Schlegel. MŸnchen 1973-83. 4 Bde.; Christine ENGEL

(Hg.): Geschichte des sowjetischen und russischen Films. Stuttgart, Weimar

1999; Knut HICKETHIER: Film- und Fernsehanalyse. 2. Ÿberarbeitete Auflage.

Stuttgart; Weimar 1996; Matthias HURST: ErzŠhlsituationen in Literatur und

Film: ein Modell zur vergleichenden Analyse von literarischen Texten und

filmischen Adaptionen. TŸbingen 1996; P.P. PASOLINI: Ketzererfahrungen.

Schriften zu Sprache, Literatur und Film. Dt. †bers. MŸnchen und Wien

1979. Monika REIF: Film und Text: zum Problem von Wahrnehmung und

Vorstellung in Film und Literatur. TŸbingen 1984.

Ein Themenplan wird rechtzeitig am Schwarzen Brett des Zimmers 534 ausgehŠngt.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

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Bernhard BREHMER

Proseminar I: Einführung in die Sprachwissenschaft für Russisten und

Slavisten. Theoretischer Grundkurs: 2 st., Mo 16-18, ÜR 426

In diesem Proseminar sollen die Teilnehmer mit den grundlegenden Fragestellungen

der Sprachwissenschaft vertraut gemacht und so die Grundlage für

den Besuch thematischer linguistischer Seminare und Vorlesungen geschaffen

werden. Diese Veranstaltung ist deshalb für Studierende mit Hauptfach Slavistik

obligatorischer Bestandteil des Grundstudiums, für Nebenfächler empfiehlt

sich der Besuch vor der Teilnahme am geforderten sprachwissenschaftlichen

Hauptseminar.

Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Sprachwissenschaft werden

im ersten Teil des Proseminars die Zeichentheorie und die Methoden des

linguistischen Strukturalismus im Mittelpunkt stehen, die dann in einem

weiteren Schritt auf die Teilgebiete der Sprachwissenschaft (Phonologie, Morphologie,

Syntax und Semantik) angewandt werden sollen. Beispiele aus den

modernen slavischen Sprachen werden zur Illustration der dabei erzielten Ergebnisse

dienen. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden wir uns einen Überblick

über ausgewählte neuere Bereiche der Sprachwissenschaft (Pragmatik,

Textlinguistik, Soziolinguistik u.ä.) verschaffen.

Daneben wird auch eine Einführung in die Benutzung der wichtigsten Hilfsmittel

(terminologische Wˆrterbücher, Spezialbibliografien etc.) erfolgen. In der

Abschlussklausur sollten die Teilnehmer dann in der Lage sein, die im Seminar

besprochenen Methoden und Ansätze selbständig auf Beispiele aus den slavischen

Sprachen anzuwenden.

Teilnahmevoraussetzungen: Grundkenntnisse einer slavischen Sprache

Scheinvergabe: regelmäßige Teilnahme, Stundenprotokoll, Klausur am Semesterende

Einführende Literatur: LEHFELDT, W. ( 21996): Einführung in die Sprachwissenschaft

für Slavisten. München; LEHMANN, V. (1981): Sprachwissenschaftliche

Grundbegriffe für Russisten, München; LINKE, A., NUSSBAUMER, M.,

PORTMANN, P. ( 21994): Studienbuch Linguistik, Tübingen.

Beginn: Montag, 15. April 2002

28


Seminarübung: Philologische Einführung in das Ukrainische: 2 st., Mi

14-16, ÜR 011

Gegenstand dieses Seminars wird es sein, einen Überblick über die wichtigsten

phonetischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Besonderheiten

des Ukrainischen im Vergleich mit dem Russischen zu geben. Es handelt

sich bei dieser Veranstaltung demnach nicht um einen Sprachkurs im engeren

Sinne, sondern sie soll dazu dienen, die in der Magisterprüfungsordnung für

Studierende des Studiengangs Ostslavische Philologie (Hauptfach) geforderten

Ukrainischkenntnisse zu vermitteln. Die Teilnehmer sollten am Ende des Kurses

in der Lage sein, moderne ukrainische Texte eigenständig lesen und mit den

entsprechenden Hilfsmitteln ins Deutsche übersetzen zu können.

Während der Behandlung ihrer lautlichen, grammatischen und lexikalischen

Struktur werden wir immer wieder einen Blick auf die historische Entwicklung

der ukrainischen Standardsprache werfen und uns insbesondere auch mit dem

Einfluss der Kontakte des Ukrainischen mit anderen Sprachen beschäftigen.

Eigene Sitzungen werden den Dialekten des Ukrainischen sowie der aktuellen

soziolinguistischen Situation in der Ukraine gewidmet sein.

Der sprachpraktische Teil der Veranstaltung wird im Wesentlichen in der gemeinsamen

Lektüre und Übersetzung ukrainischer wissenschaftlicher, publizistischer

und literarischer Texte bestehen.

Scheinvergabe: Klausur am Semesterende

Einführende Literatur: AMIR-BABENKO, S. (1999): Lehrbuch der ukrainischen

Sprache. Hamburg; DANYLENKO, A./VAKULENKO, S.(1995): Ukrainian. München;

RUDNYCÍKYJ, J.B. ( 51992): Lehrbuch der ukrainischen Sprache. Wiesbaden;

SCHWEIER, U. ( 21998): Ukrainisch. In: REHDER, P. (Hrsg.): Einführung

in die slavischen Sprachen. Darmstadt, 94-109; SHEVELOV, G.Y. (1966): Die

ukrainische Schriftsprache 1798 bis 1965. Ihre Entwicklung unter dem Einfluss

der Dialekte. Wiesbaden; SHEVELOV, G.Y. (1993): Ukrainian. In: COMRIE,

B./CORBETT, G.G. (eds.): The Slavonic languages. London/New York, 947-

998.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

29


Roland MEYER, M.A.

PS II: Einführung in die Syntax für Ost- und Westslavisten: 2 st., n.V.

Syntax untersucht die Möglichkeiten der Kombination von Wörtern zu größeren

grammatischen Einheiten bis hin zum Satz. Dabei geht es vor allem um

Fragen der inneren Strukturierung solcher Einheiten und ihrer relativen Abfolge.

In beiderlei Hinsicht gibt es interessante Unterschiede zwischen slavischen

Sprachen und dem Deutschen, vor allem aber auch innerhalb der Slavia. Wir

werden uns in dieser Veranstaltung mit einigen wichtigen syntaktischen Problemen

des Russischen, Polnischen und Tschechischen (evtl. auch des Obersorbischen)

befassen, wie z.B. Kasuszuweisung, Kongruenzregeln, Passiv, Infinitivkonstruktionen,

Satzstruktur, Wortstellung, Syntax der Umgangssprache. Nach

einer Einführung in syntaktische Grundbegriffe und in die Terminologie der

Referenzgrammatiken soll das Kennenlernen und Analysieren ausgewählter

Phänomene im Mittelpunkt stehen. Zielgruppe der Veranstaltung sind vor allem

(aber nicht nur) Studierende der West- oder Ostslavistik, aktive Kenntnisse in

mindestens einer der genannten Sprachen werden vorausgesetzt. Die Veranstaltung

ist zunächst als Kompaktseminar von 8. bis 12. April 2002 geplant, kann

aber auf Mehrheitswunsch auch wöchentlich im Sommersemester abgehalten

werden. Eine organisatorische Vorbesprechung findet am Mittwoch, den 13.

Februar 2002 um 13.00 Uhr vor Raum 538 statt; bei evtl. Rückfragen wenden

Sie sich bitte per E-mail an die Adresse roland.meyer@uni-tuebingen.de.

Dr. Ekaterina KOUDRJAVTSEVA

Russisch I: 8 st., Mo, Di, Mi, Do 9-11, ÜR 028

Dieser Sprachkurs ist für Anfänger gedacht. Hauptthemen sind: Rechtschreibung,

Phonetik und ein allgemeiner Überblick über die Morphologie. Natürlich

kann man nicht erwarten, daß die Studierenden nach dem ersten Semester die

Sprache von Pasternak und Dostoevskij beherrschen, aber – nichts ist unmöglich.

Die Deutschen sagen „Übung macht den Meister“, in Rußland klingt das

so: „Navyk mastera stavit.“

30


Lehrbuch: H. SPRAUL/V.D. GORJANSKIJ: Integriertes Lehrbuch der russischen

Sprache. Hamburg 1997.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Russisch IV: 4 st., Mo, Do 11-13, ÜR 426

Qtot semestrovyj kurs – çetvertyj i poslednij v rädu seminarov, znakomäwix

s osnovami fonetiki, orfografii, morfologii i sintaksisa

sovremennogo russkogo literaturnogo äzyka. Krome izuçeniä priçastij

i deepriçastij, u vas budet vozmoΩnost´ povtorit´ material I-III

semestrov i – v nebol´‚om obßeme – izuçit´ osnovy sintaksisa (prostoe

i sloΩnoe predloΩenie, ix tipy; odnosostavnye predloΩeniä i

t.d.). Krome togo, raz v nedelü provoditsä zanätie po çteniü publistiçeskix

i xudoΩestvennyx tekstov na russkom äzyke. Predusmotreny

takΩe upraΩneniä, pozvoläüwie ras‚irit´ slovarnyj zapas.

Zanätiä rassçitany na 6 çasov v nedelü. Uçebniki budut pedloΩeny

na pervyx zanätiäx.

Dlä poluçeniä zaçeta neobxodimo regulärnoe posewenie zanätij v

teçenie semestra i vypolnenie tekuwix samostoätel´nyx i itogovoj

kontrol´noj rabot.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Russische Filmkunst der Gegenwart. Film als Text: 2 st., Di 11-13, ÜR 426

V ramkax kursa predpolagaetsä rassmotret´ istoriü kino Rossii, kak

istoriü vsego gosudarstva v celom; a kaΩdyj iz fil´mov – kak vexu v

stanovlenii samosoznaniä ne tol´ko reΩissera i scenarista, no i zritelä.

My postaraemsä otvetit´ na voprosy o sootno‚eniä teatra, literatuy

i kino; proçitaem publikacii na dannuü temu 1920-x – 2000

godov v russkoj sovetskoj i qmigrantskoj presse. Nam predstoit zatronut´

vopros ob qlitarnosti i massovosti kinoiskusstva, o roli liçnosti

v istorii sinematografa.

31


Osnovnye temy kursa: kino o revolücii i graΩdanskoj vojne; istina

i loΩ´ o carskoj sem´e; Lenine i Staline v sovetskom kinematografe;

qkranizaciä kak Ωanr; komediä i byt Rossii konca 20-go veka; serialy

na rossijskom teleekrane; molodeΩ´ glazami pokolenij 40-x i

70-x; fil´m o vojne vçera i segodnä (1940-e i 2000 gg.) i dr.

Kurs budet postroen na dokladax studentov po zaranee dannoj tematike

(literatura budet predloΩena prepodavatelem); na obsuΩdenii prosmotrennyx

kino- i telefil´mov na russkom äzyke.

Kurs rassçitan na studentov, xoro‚o vladeüwix russkim äzykom.

Dlä poluçeniä ocenki po dannomu kursu neobxodimo budet ili napisat´

soçinenie na temu odnogo iz seminarov, ili pis´menno peredat´

kratkoe soderΩanie odnogo iz posmotrennyx fil´mov s ukazaniem

dejstvuüwix lic i osnovnoj tematiki.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Grundlagen der russischen Grammatik (für Muttersprachler): 2 st., Mi

11-13, ÜR 426

Kurs rassçitan na nositelej russkogo äzyka kak rodnogo, no v nem mogut

prinät´ uçastie i nemeckie studenty, svobodno vladeüwie russkim

i nuΩdaüwiesä v uglublenii svoix znanij i äzykovoj praktike.

Nami budut rassmotreny voprosy russkoj grammatiki, orfografii

i punktuacii, stilistiki i frazeologii; proçitany teksty na

äzyke (xudoΩestvennaä literatura i publicistika).

Dlä poluçeniä zaçeta neobxodimo posewenie zanätij i vypolnenie

vnutrisemestrovyx i itogovoj kontrol´nyx rabot.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Oskar OBRACAJ, M.A.

Russisch II: 6 st., Mo, Di, Do 9-11, ÜR 034

32


In diesem Kurs sollen den Teilnehmern in intensiver Arbeit die Grundlagen des

Russischen vermittelt werden, die sie für die Fortsetzung des wissenschaftlichen

Studiums benötigen.

Dem Unterricht wird das Lehrbuch von H. SPRAUL/V.D. GORJANSKIJ: Integriertes

Lehrbuch der russischen Sprache. Hamburg [1997] zugrundegelegt.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Russisch III: 6 st., Mo, Di, Do 11-13, ÜR 034

Den Schwerpunkt des Kurses bildet das Verb. Dabei werden wir zunächst einmal

versuchen, den Zugang zum praktischen Gebrauch des Verbs durch die Beschäftigung

mit leichteren russischen Originaltexten zu gewinnen. Parallel dazu

wird es auch darum gehen müssen, den Formen- und Kategorienbestand des

Verbs zumindest – soweit bereits bekannt – zu wiederholen, zumeist jedoch –

etwa beim Aspektgebrauch oder bei Aktionsarten und Verben der Fortbewegung

– auf eine sichere theoretische Grundlage zu stellen.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Deutsch-russische Übersetzungsklausuren für Examenskandidaten: 2 st.,

Mi 9-11, ÜR 034

Dieser Kurs versteht sich nicht so sehr als ein Crash-Kurs für Kandidaten, die

bereits im Herbst ihr Examen ablegen wollen/müssen. Längerfristig angelegt,

verfolgt er vielmehr das Ziel, in die Prüfungsvorbereitung als solche einzuführen:

Durch die Anfertigung schriftlicher Übersetzungen unterschiedlicher Texte

sollen die früher erworbenen Fertigkeiten aktiviert und einschlägige Übersetzungstechniken

eingeübt werden. Die so geschaffene möglichst große Basis für

den einschlägigen Teil der Klausur kann die wünschenswerte Sicherheit bei der

Beschäftigung mit Texten vermitteln, wie sie üblicherweise in der Prüfung zur

Übersetzung vorgelegt werden.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Dr. WiesΩaw RZONĆA

33


Proseminar II: Die Liebesdichtung der polnischen Aufklärung: 2 st., Di

13-15, ÜR 526

Dieses Seminar schließt an die Vorlesung, die im Wintersemester 2001/02

gehalten wurde, an. Ziel ist die Analyse und Interpretation repräsentativer Liebesgedichte

der polnischen Aufklärung. An ihnen läßt sich der Stilwandel von

Klassizismus über Rokoko und Sentimentalismus zur frühen Romantik gut

verfolgen. Nach Pastoralen (Schäferdichtung) von F. Karpin´ski und F. Kniaz˙nin,

beides Dichter aus den damaligen polnischen Ostgebieten (Ukraine), wird

die Lyrik des zentralen Vertreters des polnischen Rokoko, J. Szyman´ski, interpretiert.

Erotischer Literatur (S. Trembecki in der lyrik, J. Potocki in seiner

berühmten „Handschrift von Saragossa“ [Original französisch]) steht eine religiöse

Verklärung der Liebe gegenüber J. Woronicz, K. Beniawska), die auf romantische

Liebesdichtung verweist.

Schließlich soll abschließend auch dem Thema der Liebe in der zeitgenössischen

Sittenkomödie (Czartoryski, Bohomolec, Zablocki) und im ersten polnischen

sentimentalen Roman der Maria von Württemberg (Maria Wirtembergska:

Malwina, czyli domys´lnosć´ serca – Malwina oder die Ahnung des Herzens)

Aufmerksamkeit gewidmet werden, womit auch ein Aspekt schwäbisch-polnischer

Kultukontakte angesprochen werden kann.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

Sprachkurse

Der Grundkurs der polnischen Sprache dauert vier Semester. Jeweils im Wintersemester

werden die Kurse Polnisch I und Polnisch III und im Sommersemester

die Kurse Polnisch II und Polnisch IV angeboten.

Polnisch II: 4 st., Mo, Do 11-13, ÜR 526

Unterrichtsmaterial: „Mo´wimy po polsku I. Lehrbuch der polnischen Sprache“

von J. KOTYCZKA, M. NAGAJOWA, K. MARTEN, Volk und Wissen Verlag, Berlin

1998 (es ist in der Osianderschen Buchhandlung zu erhalten bzw. zu bestellen);

als Hilfslehrbuch verwenden wir auch: „Uczymy sie˛ polskiego I!“ von B.

BARTNICKA, M. JURKOWSKI u.a., Warszawa 1984.

Beginn: Montag, 15. April 2002

34


Polnisch IV: 4 st., Mo, Do 13-15, ÜR 526

Unterrichtsmaterial: „Mo´wimy po polsku II. Lehrbuch der polnischen Sprache“

von J. KOTYCZKA, M. NAGAJOWA, K. MARTEN, Volk und Wissen Verlag, Berlin

1990; als Hilfslehrbuch verwenden wir auch: „Gdybym znaΩ dobrze je˛zyk

polski“ von M. GO∫KOWSKI, M. KIERMUT u.a., Wydawnictwo Uniwersytetu

Warszawskiego, Warszawa 1991; „Gramatyka je˛zyka polskiego dla cudzoziemco´w“

von B. BARTNICKA, H. SATKIEWICZ, Wiedza Powszechna, Warszawa

1990. Es werden Ihnen auch die Übungen mit dem VIDEO-KURS „Uczymi sie˛

polskiego!“ angeboten.

Beginn: Montag, 15. April 2002

Deutsch-polnische Übersetzungsübungen für Fortgeschrittene: 2 st., Mi 11-

13, ÜR 526

Unser Übungsmaterial werden kurze Texte aus verschiedenen Kulturbereichen

bilden – von Presseanzeigen bis zu bekannten literarischen Texten, nicht nur

des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Übersetzungsübungen werden vor allem in

schriftlicher Form angefertigt. Die übersetzten Fragmente werden wir dann

kommentieren: berücksichtigen werden wir Probleme der Syntax, Stilistik und

Phraseologie. Im Kurs werden Übersetzungsübungen deutsch – polnisch vorgeschlagen.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Polnische Konversation: 2 st., Mi 13-15, ÜR 526

In diesem Kurs werden wir die Vervollkommnung der praktischen Verständigungsfertigkeit

zum Ziel haben. Schwerpunkte: Lexik und Phraseologie der

polnischen Sprache der 90er Jahre. Das Sprachübungsniveau wird der Sprachleistungsfähigkeit

der Kursteilnehmer angemessen.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

35


Denisa LENERTOVÁ

Tschechisch II: 2 st., Fr 9-11, ÜR 034

Dieser Kurs setzt die in Tschechisch I erarbeiteten grammatischen Grundlagen

fort. Im Vordergrund sollen Übungen zu schwierigen Deklinationsmustern

sowie zur Verbmorphologie (Präteritum, Konditional, Imperativ, Reflexiva,

Bewegungsverben) stehen. Zusätzlich soll die Lektüre kürzerer Texte sowie die

Erarbeitung von Wortfeldern eine Anwendung der grammatischen Kenntnisse

in der Konversation ermöglichen.

Beginn: Freitag, 19. April 2002

Tschechisch IV: 2 st., Fr 11-13, ÜR 034

Dieser Fortgeschrittenen-Kurs beschäftigt sich neben der systematischen Wiederholung

einzelner wichtiger Punkte zur Grammatik in erster Linie mit Wortfeldern

und Konversationsthemen. Darüber hinaus soll das Verständnis von geschriebenen

und gesprochenen Texten weiter vertieft werden.

Beginn: Freitag, 19. April 2002

Lektüre/Konversation: 2 st., Fr 14-16, ÜR 011

In diesem Kurs für fortgeschrittene Studierende werden kurze Texte verschiedener

Genres gelesen (Texte nach Absprache) und Konversationsthemen unter

Aufarbeitung einiger grammatischer Problemfälle behandelt. Dabei soll das

aktive und passive Vokabular ausgebaut und die Ausdrucksfähigkeit der TeilnehmerInnen

verbessert werden. Wir arbeiten mit stilistisch anspruchsvolleren

Lesetexten, üben aber auch das Hörverständnis der Umgangssprache (obecna´

cˇesˇtina). _D_e_r_ _E_r_w_e_r_b_ _e_i_n_e_s_ _S_c_h_e_i_n_e_s_ _i_s_t_

_f_a_k_u_l_t_a_t_i_v_._

Beginn: Freitag, 19. April 2002

Biljana GOLUBOVIC´

Kroatisch/Serbisch I: 2 st., Mi 11-13, ÜR 028

36


Für diesen Kurs werden keine Vorkenntnisse erwartet. Der Anfängerkurs wird

Sie mit den grundlegenden Konjugationen, Deklinationen und üblichen

Redewendungen vertraut machen, um einfache Konversation führen zu können.

Am Ende des Semesters kann ein Schein durch Klausur erworben weden.

Literatur: Bozˇo CπoRIC´: Serbisch für Ausländer. Beograd 1998; Stjepan DRILO:

Kroatisch I, Lehrbuch für Anfänger. Heidelberg 1994; MRAZOVIC´/VUKADI-

NOVIC´: Gramatika srpskog jezika za strance. beograd 1990; BARIC´: Prirucˇna

gramatika hrvatskog knjizˇevnog jezika. Zagreb 1979.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Serbisch/Kroatisch III: 2 st., Mi 9-11, ÜR 028

Im Kurs III, der die im Kurs II erarbeiteten grammatischen Grundlagen fortsetzt,

werden die Deklination (Substantive, Adjektive, Pronomina, Zahlen) und

Komparation (Adjektive, Adverbien) vollständig ausgearbeitet. Zudem wird

auf imperfektive und perfektive Formen der Verben besonderes Gewicht sowie

auf die entsprechende Tempus- und Partizipbildung gelegt. Außerdem soll im

Kurs der Wortschatz erweitert werden.

Ein Schein kann am Ende des Semesters durch Teilnahme an einer Klausur

erworben werden.

Literatur: Bozˇo CπORIC´: Serbisch für Ausländer. Beograd 1998, Stjepan DRILO:

Kroatisch II. Heidelberg 1996; MRAZOVIC´/VUKADINOVIC´: Gramatika srpskog

jezika za strance, Beograd. 1990; BARIC´: Prirucˇna gramatika hrvatskoga

knjizˇevnog jezika. Zagreb 1979.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Oberkurs: Stilistik: 2 st., Mo 14-16, ÜR 136

Wir werden in diesem Kurs folgende Themen bearbeiten:

− Serbische und kroatische Stilistik;

− Der Einfluß der Russistik in der serbokroatischen Stilistik;

− Stilanalyse (allgemeine Prinzipien);

37


− Makrostilistik: Funktionalstile (Stil der Presse und Publizistik, Literaturstil...);

Gruppenstile (Berufsgruppen, Sozialgruppen); Individualstil (Briefe,

Tagebücher...);

− Mikrostilistik: Satzstilistik;

− Lexikalische Stilmittel (Synonyme, Homonyme, Polysemie...);

− Bildlichkeit im Text (Tropen).

Im praktischen Teil werden wir verschiedene Texte analysieren und selbst Texte

verfassen.

Der Kurs endet mit einer Klausur.

Literatur: Radoje SIMIC´: Stilistika srpskog jezika I. Beograd 2000; Bernhard

SOWINSKI: Stilistik. Stuttgart: Metzler 1999.

Beginn: Mittwoch, 17. April 2002

Sasˇka SµTUMBERGER

Slowenisch II: 4 st., Di, Do 16-18, ÜR 137

Für den Kurs Slowenisch I werden keine Vorkentnisse vorausgesetzt.

Es wird Lesen, Schreiben und Sprechen gelernt. Sie werden Personen, Gegenstände

und Tätigkeiten benennen und beschreiben, das monologische und dialogische

Sprechen üben und die Grundlagen der slowenischen Sprache erlernen.

Bei der Grammatik behandeln wir die Deklination der Adjektive, Substantive

und Personalpronomina (Singular, Dual, Plural; Nominativ, Genitiv, Akkusativ),

sowie die Konjugation des Verb_u_m_s_ _(_P_r_ä_s_e_n_s_,_

_P_r_ät_e_r_i_t_u_m_,_ _F_u_t_u_r_)_._ _

_U_m_ _ein_e_n_ _S_c_h_e_i_n_ _z_u_ _e_r_w_e_r_b_e_n_,_ _s_o_l_l_e_n_

_S_i_e_ _r_e_g_e_l_m_ä_ß_i_g_ _a_m_ _K_u_r_s_ _t_e_i_l_n_e_h_m_e_n_

_u_n_d_ _d_i_e_ _K_l_a_u_s_u_r_ _s_c_h_r_e_i_b_e_n_._ _

_L_i_t_e_r_a_t_u_r_:_ _A_n_d_r_e_j_a_ _MARKOVICˇ: _S_l_o_v_e_n_s_k_a_

_b_e_s_e_d_a_ _v_ zˇi_v_o_._ _L_j_u_b_l_j_a_n_a_ _1_9_9_8_._ E_l_i_z_a_b_e_t_a_

_M_._ _JENKO: G_r_a_m_m_a_t_i_k_ _d_e_r_

_s_l_o_w_e_n_i_s_c_h_e_n_ _S_p_r_a_c_h_e_. Klagenfurt 2000.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

38


Slowenisch IV: 2 st., Di 9-11, ÜR 137

Dieser Kurs ist die Fortsetzung von Slowenisch II aus dem Sommersemester.

Im Kurs werden wir uns mit grammatischen Themen befassen, die in den Anfängerkursen

nicht behandelt worden sind. Wir behandeln Besonderheiten der

Deklinationen, Wortfolge, Aspekt, Pronomina, Präpositionen und Konjunktionen.

Außerdem soll im Kurs der Wortschatz erweitert werden. Wir werden Zeitungsartikel

lesen, Radionachrichten hören und kürzere literarische Texte behandeln.

Um einen Schein zu erwerben_,_ _s_o_l_l_e_n_ _S_i_e_

_r_e_g_e_l_mä_fl_i_g_ _a_m_ _K_u_r_s_ _t_e_i_l_n_e_h_m_e_n_ _u_n_d_

_d_i_e_ _K_l_a_u_s_u_r_ _s_c_h_r_e_i_b_e_n_._

_L_i_t_e_r_a_t_u_r_:_ _A_n_d_r_e_j_a_ _MARKOVICˇ: Ucˇimo se slovensˇcˇino

II. _L_j_u_b_l_j_a_n_a_ _1_9_9_5_._ _E_l_i_z_a_b_e_t_a_ _M_._ _JENKO:

G_r_a_m_m_a_t_i_k_ _d_e_r_ _s_l_o_w_e_n_i_s_c_h_e_n_

_S_p_r_a_c_h_e_. Klagenfurt 2000; _M_o_j_c_a_ _SCHLAMBERGER_

_BREZAR_:_ _U_cˇi_m_o_ _s_e_ _s_l_o_v_e_n_sˇcˇi_n_o_ _I_I_I_._

_L_j_u_b_l_j_a_n_a_ _1_9_9_6_._ _E_l_i_z_a_b_e_t_a_ _M_._ _J_ENKO_:_

_G_r_a_m_m_a_t_i_k_ _d_e_r_ _s_l_o_w_e_n_i_s_c_h_e_n_ Sprache.

Klagenfurt 2000.

Beginn: Dienstag, 16. April 2002

39


40

Informationen zum Studium der Slavischen Philologien in Tübingen

Am Slavischen Seminar der Universität Tübingen kann das Studium mit der

Magisterprüfung, dem Staatsexamen in Russisch und dem Diplom in Volkswirtschaft

mit Schwerpunkt Regionalstudien (Osteuropa) abgeschlossen werden:

1) Die Magisterstudiengänge orientieren sich an den drei großen slavischen

Sprachgruppen:

Ostslavische Philologie: Schwerpunkt Russisch mit Ukrainisch oder Weißrussisch.

Westslavische Philologie: Schwerpunkt Polnisch mit Tschechisch.

Südslavische Philologie: Schwerpunkt Serbisch/Kroatisch mit Slowenisch.

Die slavistischen Magisterstudiengänge können als Haupt- oder als Nebenfach

studiert werden, jedoch ist eine Verbindung aller slavistischen Studiengänge

nicht zulässig.

2) Russisch für das Lehramt an Gymnasien (Staatsexamen) kann als

Haupt- oder Beifach studiert werden. Russisch als Hauptfach für das

Staatsexamen ist in Baden-Württemberg nur möglich in Verbindung mit

zwei weiteren Hauptfächern.

3) Internationale Volkswirtschaftslehre: Dieser Studiengang besteht aus

der Kombination des Studiums der Volkswirtschaftslehre mit dem Studium

der Sprache, Literatur und Landeskunde der gewählten osteuropäischen

Region. Im Bereich Osteuropa kann der Studiengang mit Russisch

oder Polnisch absolviert werden.

Der Nachweis des Magister- oder Staatsexamens ist Voraussetzung für die Zulassung

zum Promotionsstudium.

Für die Magisterstudiengänge im Hauptfach und für die Promotion ist der

Nachweis des Kleinen Latinums erforderlich. Er kann nachträglich erbracht

werden. Dies bewirkt im Magisterstudiengang einen Aufschub der Zwischenprüfungsfrist

bis zu einem Semester.

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