5. Philosophie der Chemie Teil 1 - Professur für Philosophie

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5. Philosophie der Chemie Teil 1 - Professur für Philosophie

Einführung in die Philosophie

der Naturwissenschaften

3. Philosophie der Chemie


Überblick

1. Geschichte der Chemie

2. Erkenntnisstrategien der Chemie

a) Analyse

b) Synthese

Montag, 13. Mai 13 Professur für Philosophie

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Von Alchemie zu Chemie

Geschichte der Chemie

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Forschung zur Geschichte der Chemie hat ihre eigene

Geschichte:

„Es läßt sich wohl behaupten, daß die Geschichte der Wissenschaften die

Wissenschaft selbst sei. Man kann dasjenige, was man besitzt, nicht rein

erkennen, bis man das, was andere vor uns besessen, zu erkennen weiß.“

Goethe

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1. Geschichte der Chemie / Von Alchemie zu Chemie

(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Die konservative Perspektive

(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Die ideengeschichtliche Perspektive

(3) Chemie als Praxis

Die Perspektive des practical turn

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Vertreter dieser konservativen Perspektive:

George Sarton

Gründer der wissenschaftshistorischen Zeitschrift Isis (1912)

sowie der History of Science Society (1924)

„Die Beiträge der Zeitschrift Isis streben danach die relativistischen Studien zur

Wissenschaftsgeschichte sowohl zu kritisieren, als auch sie zu

vereinheitlichen.“

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„Alchemisten sind Idioten und Betrüger oder, fast noch häufiger,

eine Kombination aus beiden Figuren.“

Sarton

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Kupferstich von 1537 aus: Vergilius Polydorus, Der Dinge Erfindung, Augsburg.

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Niederländische Zeichnung, 1510: Alchemisten in der Bauernküche

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Kupferstich um 1560 nach Pieter Bruegel d. Ä.:

Die Alchemisten

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Ab dem 17ten Jahrhundert finden sich mehr und mehr

abschätzige Bezeichnungen für die Alchemie:

„Was die Alchemisten suchen,

das finden sie nicht,

und was sie haben,

das verlieren sie.“

,„Alchemistische Seuche“

„Pest der Alchemie“

„Schleichendes Gift“

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„Die Pest der Goldsucht hat insbesonderheit nach Paracelsi Zeiten überhand

genommen, da sich das Geschrei von seinen bewundernswürdigen

Geheimnissen ausgebreitet. Denn da haben Bader, Barbierer, Apotheker und

andere …. ihre bisher getriebene Berufsarbeit verlassen, die Chemie einzig und

allein und das mit ungewaschenen Händen ergriffen, und den Stein der

Weisen, eine für alles helfende Arznei, und wer weiß was sonst vortreffliches

davon zu tragen gehofft… Diese unbesonnene und recht wütende Sucht, Gold

zu machen, und viele schlechte Dinge für Geheimnisse und die kräftigsten

Medikamente auszugeben, hat heutzutage noch nicht nachgelassen. “

Juncker, 1749, Vollständige Abhandlung der Chemie Bd. I, S. 45 f.

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„Den Schaden, den solch betrügerischen Scribenten und herumwandernde

Alchemie-Kräntzler verursachen, begehre ich nicht auszusprechen, doch

getraue ich mir wohl zu behaupten, daß von Paracelsi Zeiten her kein Krieg in

unserem verehrten Vaterlande entstanden, welcher demselben so fatal als

dergleichen Leute gewesen.“

Stahl, Zymotechnia fundamentalis oder Allgemeine Grundkenntnisse der

Gärungskunst, 1734, Vorwort.

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„Weil er dann die Leut betrogen,

Und verkaufte Rauch und Dunst.

Wird er nun hinaufgezogen,

und gehenket ohne Gunst,

Mit der Kunst.“

Spruchgedicht auf einen 1574

gehängten Alchemisten

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Woran also mangelte es der Alchemie konkret?

• Keine adäquate Theorie der Elemente (4-Elemente-Lehre des Empedokles:

Feuer, Wasser, Erde und Luft)

• Keine Trennung primärer und sekundärer Eigenschaften

• Keine ausreichende Kontrolle über Hitze (z.B. keine konzentrierte

konstante Hitze wie die eines Bunsenbrenners; stattdessen Kohle, Holz

und Pferdemist)

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

• Unreinheit der verwendeten Stoffe (führte bei gleichen

Bedingungen zu unterschiedlichen, widersprüchlichen

Ergebnissen)

• Keine Trennung von Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt

(Bezug auf Natur als ein Du und nicht als ein Es)

-> Verfolgung falscher Ziele (Erschaffung des Steins der Weisen,

welcher Unsterblichkeit, unermesslichen Reichtum, etc.

garantiert

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„Hat es doch thatsächlich etwas Befremdendes, die chemischen Ideen auf ein

Thier oder eine Pflanze anzuwenden, wie aus dem Beispiel der Analyse der

Citrone hervorgeht.“

Berthelot, Die chemische Synthese, 1877, 10

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Überwindung der „schlechten“ Alchemie:

Robert Boyle (1626-1691)

• Berief sich auf Wissenschaftsideal Francis Bacons:

Aufwertung des Experiments

• Trennung von Erkenntnissubjekt und -objekt

• Verwerfung der 4-Elemente-Lehre

• Erforschung der nicht-weiter teilbaren Stoffe (Elemente) als wissenschaftliche Aufgabe der

Chemie

• Begründer des Begriffs:

Chemische Analyse

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„Diejenigen, die sich mit Chemie befaßten, wurden bisher nur von engen

praktischen Gesichtspunkten geleitet, und ihr Wirken entbehrte höherer

Richtlinien. Sie betrachteten die Metallverwandlung als ihre Aufgabe. Ich

versuche, anderen Prinzipien zu folgen und diese Wissenschaft nicht als

gewöhnlicher Alchemist, sondern als Philosoph zu betreiben. Ich habe hier

die Grundlinien einer chemischen Philosophie dargelegt, die ich mit

weiteren Versuchen und Beobachtungen noch erweitern zu können hoffe.

Würden doch die Menschen das Fortschreiten der echten Wissenschaft

mehr am Herzen tragen als ihre egoistischen Interessen, so wäre es leicht zu

beweisen, daß sie der Welt bessere Dienste täten, wenn sie alle ihre Kräfte

zum Experimentieren und zur Sammlung von Beobachtungen anspannten,

als wenn sie ohne experimentelle Grundlage Theorien aufstellen.“

Boyle, 1725

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„So sehr sich auch die Chemiker auf die Erfahrung zu berufen und so

zuversichtlich sie auch die verschiedenen Substanzen, die durch das Feuer

von einem gemischten Körper erhalten werden, als einen genügenden

Beweis anzuführen pflegen, daß sie die Elemente sind, aus denen er besteht,

so sind doch viele dieser verschiedenen Substanzen von elementarer

Einfachheit weit entfernt und können immer noch als gemischte Körper

angesehen werden …“

Boyle, Der skeptische Chemiker, 57, 1661

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

„Den Chemikern stand es anfangs frei, die Stoffe, die sich bei ihren Analysen

ergaben, Schwefel oder Quecksilber oder Gas oder Blas oder was ihnen sonst

gefiel, zu nennen. Wenn sie aber einmal gesagt haben, daß Schwefel zum

Beispiel ein primärer und einfacher, entzündlicher, riechender usw. Körper

ist, dann kann ich an ihren Worten zweifeln…

Auch muß ich denken, daß sie mit Worten spielen, wenn sie lehren, daß

Gold und Silber und einige andere Stoffe reich an einem unverbrennbaren

Schwefel sind, was ein ebenso zutreffender Ausdruck ist, wie eine Nacht voll

Sonnenschein oder flüssiges Eis.“

Boyle, Der skeptische Chemiker, 57, 1661

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(1) Alchemie als die schlechtere Chemie

Zusammenfassung Teil (1)

Die Alchemie erscheint aus der konservativen

wissenschaftshistorischen Perspektive als eine schlechtere

Form der modernen Chemie, welche durch wissenschaftlichen

Fortschritt überwunden werden musste. Zwischen Alchemie

und Chemie gibt es keine Gemeinsamkeiten. Eine der

wichtigsten und zentralsten Figuren in der Überwindung der

Alchemie war Robert Boyle, der Begründer der chemischen

Analyse.

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Vertreter dieser ideengeschichtlichen Perspektive:

Alexandre Koyré

Epochenbegriff:

Wissenschaftliche Ideen müssen aus ihrer eigenen Zeit heraus begriffen

werden und nicht im Vergleich zur Gegenwart

Doch noch wichtiger als konkrete wissenschaftliche Ideen sind:

Transwissenschaftliche, philosophische und metaphysische Ideen, welche

den Zeitgeist und das Denken der jeweiligen Epoche bestimmen

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

«Wir wissen heute, dass der kritische Geist in der Renaissance

einen selten schwachen Stand hatte; da gibt es kaum eine

vergleichbare Epoche. Finsterer Aberglaube herrschte…»

Koyré

Doch die Renaissance war auch eine Zeit „voller Neugier, Leben

und Leidenschaft“.

Koyré

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Francis Bacon, Novum Organum, 1620

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Koyrés These:

Alchemie schuf geistiges Klima, welches die wissenschaftliche Revolution

überhaupt erst ermöglichte.

„Die Evolution wissenschaftlicher Ideen war nie eine Abfolge voneinander

unabhängiger Gedanken, sondern, ganz im Gegenteil, sie war immer eng

verbunden mit den zugrundeliegenden transwissenschaftlichen,

metaphysischen und philosophischen Ideen.“

Koyré

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Wie konnte die Alchemie

die wissenschaftliche Revolution vorbereiten?

-> Verwerfung der mittelalterlichen Ontologie: alles ist möglich

-> Mensch wird als Schöpfer neuer Stofflichkeiten

innerhalb der Natur denkbar

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

„Es gehört zu den eigentümlichsten Merkmalen jener Zeit, dass dem Denken

jeder Begriff des Unmöglichen fehlte. Alles ist möglich.“

Koyré

„Alles ist möglich: so, meine ich, lässt sich die Mentalität der Renaissance auf

den Begriff bringen.“

Koyré

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Aus: Splendor Solis, alchemistisches Traktat, 16tes

Jahrhundert

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„Ich will aber, daß du ebenso handelst wie die Natur, besser

noch, daß deine Vorstellung immer gemäß der Natur sei. Sieh

zu, daß dein Wirken gemäß der Natur sei, von der die

metallischen Körper im Schoße der Erde erneuert werden. Das

stelle dir vor Augen in wirklicher, nicht in unwirklicher

Vorstellung.“

Rosarium Philosophorum, 1550

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Die Alchemie ermöglichte es als erste, den Menschen selbst

als Schöpfer neuer Stoffe zu denken.

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„Die Chemie besitzt eine schöpferische Kraft in einem noch höheren Grade,

als die übrigen Wissenschaften, weil sie tiefer in das Wesen der Naturkörper

eindringt und bis zu den Elementen derselben fortschreitet. Sie schafft nicht

nur Erscheinungen, sondern sie ist auch imstande, das, was wie zerstört hat,

wieder herzustellen, sie ist auch imstande, eine Menge künstlicher Körper

hervorzubringen...

So brauchen wir uns nicht damit begnügen, in Gedanken die materiellen

Umwandlungen zu durchlaufen, welche sich ehemals vollzogen haben und

sich täglich in der unorganischen und der organischen Welt vollziehen, wir

brauchen uns nicht damit begnügen, ihre flüchtigen Spuren durch directe

Beobachtung der gegenwärtigen Erscheinungen und Existenzen zu

verfolgen, sondern wir können uns, ohne den Kreis berechtigter Hoffnungen

zu verlassen, uns die Aufgabe stellen, die allgemeinen Typen aller möglichen

Substanzen zu begreifen und zu realisiren.“

Berthelot, Die chemische Synthese, 1877, Leipzig, 294-295

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(2) Alchemie als Vorbereiterin der modernen Chemie

Zusammenfassung Teil (2)

Der eigentliche Verdienst der Alchemie besteht aus

ideengeschichtlicher Perspektive nicht darin, wahres Wissen

produziert zu haben, sondern darin, den Menschen als Schöpfer

neuer Stofflichkeiten denkbar zu machen (chem. Synthese). Die

Alchemie war der erste Versuch, die bisher bestehende Chemie

aus einem Zustand der reinen Praxis zu befreien, um sie der

Reflexion freizugeben und trug darüberhinaus dazu bei, ein

geistiges Klima zu schaffen, welches die wissenschaftliche

Revolution ermöglichte.

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(3) Chemie als Praxis

Perspektive des practical turn

Vertreter:

Karin Knorr Cetina, Ian Hacking,

H.-J. Rheinberger, Bruno Latour, Paul Feyerabend, Thomas Kuhn,

Andrew Pickering

-> Die materielle Kultur der Wissenschaften und ihre gesellschaftliche

Einbettung stehen im Zentrum

und weniger die Theorien, Ideen und Individuen.

D.h. konkret: Gefässe, Laboratorien, Stoffe, Methoden und Verfahren,

ökonomischer und gesellschaftlicher Kontext

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(3) Chemie als Praxis

§ Chemie vor allem als praktische Tätigkeit / untergeordnete

Rolle der Theorie

§ Entdeckungen durch praktische Tätigkeiten möglich und nicht

nur durch „wahre“ Theorien

§ Erfindung des Laboratoriums durch die Alchemie

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(3) Chemie als Praxis

„Nicht verzweifeln soll also der Sohn der Lehre; denn wenn er sie sucht, so

wird er sie finden, und zwar nicht durch bloßes Erforschen der Lehre,

sondern durch Erforschen der Natur aus eigenem Antrieb. Wer nämlich für

sich mit gutem Fleiß sucht, wird das Wissen finden; wer es aber durch

bloßes Nachforschen in Büchern sucht, wird es nicht finden.

Rosarium Philosophorum, 1550, S. 142

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(3) Chemie als Praxis

„Seine Darstellung war klar und seine Sprache leicht, und jeder Punkt, den er

berührte, wurde in einzigartiger Weise behandelt. Natürlich wurde kein

Buch benutzt oder angeführt...

Wenn ein Praktikant ihn wegen irgendeiner Stelle in irgendeinem

Handbuche befragte, die er nicht verstehen konnte, pflegte er lachend zu

sagen, daß das meiste, was in Büchern sich geschrieben findet, Unsinn sei.“

Ein Schüler über Robert Bunsen

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Kupferstich um 1570: Goldmacher

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(3) Chemie als Praxis

«…und betrachtet er die Werke der Alchymisten und Magier von innen, so wird er

vielleicht schwanken ob sie nicht belacht oder beweint zu werden verdienen. Der

Alchymist hat ein unverwüstliches Hoffen; gelingt ihm etwas nicht, so ist nur sein

Irrthum daran Schuld; er überlegt bei sich, dass er die Ausdrücke der Kunst oder der

Autoren nicht recht verstanden; er passt auf die Überlieferungen und das Geflüster

von Ohrenzeugen; er meint, dass er in den schwierigen Punkten und Theilen seines

Verfahrens etwas versehen habe; er widerholt deshalb die Versuche ohne Ende, und

geräth er bei diesen Versuchen zufällig auf etwas, was wegen seiner Neuheit nicht

zu verachten ist, so weidet er an solchen Ergebnissen seine Seele, rühmt und preist

dies übermässig und vertröstet wegen des Übrigen auf Hoffnungen. Dennoch kann

man nicht leugnen, dass die Alchymisten Manches entdeckt und die Menschheit mit

vielen Erfindungen beschenkt haben. Aber die Fabel von jenem Greise passt gut auf

sie, welcher seinen Söhnen einen, angeblich in seinem Weinberge vergrabenen

Schatz vermachte von dem er nur die Stelle nicht zu wissen vorgab. So gruben die

Söhne fleissig in dem Weinberg und fanden zwar keinen Schatz, aber die Weinlese

wurde durch diese Bearbeitung reicher.»

Francis Bacon, 1620

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(3) Chemie als Praxis

Entdeckungen und Verfahren der Alchemie:

Zinnchlorid (Andreas Libavius)

Rubinglas (Andreas Libavius)

Phosphor (Johan Kunckel von Löwenstern)

Europäisches Porzellan (Johann Friedrich Böttger)

Salmiak- und Zinnoberherstellung (von Geber)

Europäisches Schießpulver (Berthold Schwarz)

Destillationsapparat (Maria Prophetissa)

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(3) Chemie als Praxis

Antoine Lavoisiers (1743-97) Experimenten zur Transmutation des Wassers

im alchemistischen Gefäss des Pelikans

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(3) Chemie als Praxis

Zusammenfassung Teil (3)

Trotz „falscher“ alchemistischer Theorien und Ideen war es der

Alchemie durch ihre Praktiken möglich, wahres Wissen zu

produzieren, so dass zahlreiche bis heute verwendete Stoffe

und Verfahren entdeckt wurden (Destillation). Darüber hinaus

erfand die Alchemie das Laboratorium als zentralen Ort der

nicht nur chemischen Wissensproduktion. Alchemie und

Chemie erscheinen aus der Perspektive des practical turns bis

heute als eng miteinander verbundene Tätigkeiten.

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