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uchmedia

buchmedia

magazinDruckerei und Verlag

Kreuzlingen · www.bodan

Die schönen Seiten des Lesens.

HERBST/WINTER 2013

Druckerei und Verlag

Kreuzlingen · www.bodan-ag.ch

Alex

Capus

lässt Helden wider Willen

auferstehen

Schutzgebühr sFr 3,-

Alpleben

Älplerinnen, Alpenküche und

gelebte Schweizer Traditionen

Reicher Literaturherbst

Neue Romane von Franz Hohler, Jens Steiner,

Joël Dicker, Urs Widmer, Peter Stamm …

Sternenhimmel

Grandiose Bilder von der

Schweiz bei Nacht


uchmedia

Editorial

»Ein warmherziges,

kluges und

witziges Buch.«

SonntagSZeitung

Foto: Alicia Savage

Hardcover inkl. eBook

432 Seiten, ISBN 978-3-0369-5675-6

KEIN & ABER

»Die Zeit des britischen

Mandats war noch

nie so sexy und lustig!«

Jedi’ot acharonot (iSrael newS)

Liebe Leserin, lieber Leser

Marianne Sax für die

buchmedia Buchhandlungen

Das Herz wird mir schwer, wenn ich gegen Ende

dieses herrlichen Sommers schon wieder an den

Winter denken muss. Da ist Motivationstraining

angesagt. Im Winter zu lesen, hat nämlich Vorteile:

Das Mückenspray bleibt im Badezimmer-Schrank.

Die Hängematte war ja doch nie so richtig bequem.

Die Sonnenbrille sollte geschont werden.

Wenn ich allerdings das Schaffen der Verlage und Autoren

betrachte, macht mein Herz einen Hüpfer! Die haben sich ja alle

Mühe gegeben, um uns den Winter so angenehm wie möglich zu

machen. Joël Dicker schreibt in seinem Roman „Die Wahrheit über

den Fall Harry Quebert“ genau dies. Aber bis er uns diese Wahrheit

endlich mitteilt, führt er uns so geschickt aufs Glatteis, dass wir über

die ungeheure Liebesgeschichte zwischen Harry und Nola nur noch

staunend den Kopf schütteln.

Peter Stamm lässt seine Protagonistin buchstäblich ihr Gesicht

verlieren. Der Weg zurück ins Leben ist mühsam, birgt aber auch

neue Möglichkeiten. Milena Moser lässt in ihrem neuen Roman

zwei Frauen um die 50 an einem Tiefpunkt ihres Lebens aufeinander

treffen und entwickelt daraus eine ironische Geschichte über die

Nöte bemittelter Zürcherinnen.

Alex Capus hat wieder hervorragend recherchiert und lässt seinen

Fälscher, die Spionin und den Bombenbauer kreuz und quer durchs

Leben und durchs 20. Jahrhundert stolpern, während sich Urs Widmer

auf sich auf die ersten 30 Jahre seines Lebens besinnt – mit dem

bemerkenswerten ersten Satz: „Kein Schriftsteller, der bei Trost ist,

schreibt eine Autobiographie“. Wenn der Schriftsteller allerdings

Urs Widmer heisst, kann er diese Warnung getrost ignorieren.

Präsidentin Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband

Foto: Alon Siga

Hardcover inkl. eBook

ca. 400 Seiten, ISBN 978-3-0369-5681-7

Coverfoto: Marco Grob

Impressum:

Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Buch & Media Marketingverbund GmbH, 1090 Wien, Servitengasse 5/21,

Tel.: +43 1 5129220, E-Mail: office@buchmedia.at. Geschäftsführung: Bernhard Borovansky

Redaktion: Buchkultur, 1150 Wien, Hütteldorfer Straße 26, Tel.: +43 1 7863380-0, E-Mail: redaktion@buchkultur.net;

Chefredaktion: Tobias Hierl, Chef vom Dienst: Hannes Lerchbacher; Redaktion: Lorenz Braun, Simon Eckstein,

Peter Hiess, Konrad Holzer, Nils Jensen, Andreas Kremla, Ditta Rudle, Hannes Vyoral, Anna Zierath;

Redaktion Schweiz: Martin Walker; Gestaltung: reiter ad work; Druck: Berger, Horn;

Anzeigen und Vertrieb: Julia Hinske, Bernhard Borovansky,

Tel.: +43 1 5129220, E-Mail: office@buchmedia.at

Derzeit gilt Anzeigenpreisliste 2013. Über unverlangt eingesandte Beiträge keine Korrespondenz. Namentlich

gezeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Das buchmedia magazin ist ein

Kundenmagazin und enthält auch von Unternehmen finanzierte Beiträge. Alle Preisangaben sind ohne Gewähr.

Offenlegung 2013: Zweck: Informationen zum Thema Buch und Lesen für neugierige Leserinnen und Leser.


21262

ERBARMEN

Jussi

Bestseller

ERBARMEN

THRILLER

21427

Jetzt im Taschenbuch

SCHÄNDUNG

Jussi

SCHÄNDUNG

THRILLER

Bestseller

Jetzt im Taschenbuch

ERLÖSUNG

Jussi

Bestseller

ERLÖSUNG

Thriller

Jussi

Bestseller

VERACHTUNG

Thriller

_

DIE FRAU IM BUNKER

Der erste Fall für Carl Mørck,

Sonderdezernat Q_

_

DIE FASANENTÖTER

Der zweite Fall für Carl Mørck,

Sonderdezernat Q

_

premium

FLASCHENPOST VON P

Der dritte Fall für Carl Mørck,

Sonderdezernat Q

_

_

AKTE 64

Der vierte Fall für Carl Mørck,

Sonderdezernat Q

Ü: Hannes Thiess 432 Seiten

Taschenbuch

sFr 14,90

Ü: Hannes Thiess 464 Seiten

Taschenbuch

sFr 14,90

Ü: Hannes Thiess 592 Seiten

Klappenbroschur

sFr 21,90

Ü: Hannes Thiess 544 Seiten

Hardcover

sFr 27,90

Der neue Adler-Olsen

© Susanne Schleyer

Korruption und Mord

in Kopenhagen.

Ein obdachloser Teenager,

der um sein Leben kämpft.

Der fünfte Fall für Carl Mørck

und das Sonderderzernat Q.

Ü: Hannes Thiess 576 Seiten

Hardcover

sFr 27,90

www.dtv.de

_


www.shotgun-lovesongs.de

Drei Hochzeiten, zwei

Scheidungen, ein Beinschuss

und Lieder von der Liebe

Inhalt

HERBST/WINTER 2013

Fünf Freunde aus einer Kleinstadt im

Norden der USA. Durchs Schicksal

getrennt, lebt in allen die Sehnsucht

nach der vergangenen Nähe. Ein

kraftvoller Roman, der von Liebe,

Heimat und Freundschaft erzählt.

www.tropen.de

Nickolas Butler: Shotgun Lovesongs

Aus dem Amerikanischen von Dorothee Merkel

432 Seiten, geb. mit SU, sFr 27,90

»Keiner schreibt schwärzer

als Carlotto. Ich bin ein

großer Fan!« Josh Bazell

Thriller

Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection

Aus dem Italienischen von Hinrich Schmidt-Henkel

240 Seiten, geb. mit SU, sFr 26,90

Eine Gang aus vier brillanten Verbrechern

macht Marseille unsicher. Ihre Gier nach

Reichtum und Macht ist grenzenlos. Nur

eine durchschaut ihr Spiel: Kommissarin

Bourdet. Carlotto beschreibt die dunkelste

Seite der globalen Finanz krise.

2 Editorial / Impressum

Belletristik

06 Coverstory: Helden wider Willen

Alex Capus und sein neuer Roman

10 Doppelter Boden

Daniel Kehlmann fragt sich, was Kunst ist

12 Bewährte Ermittler – neue Fälle

Krimis mit bekannten und neuen Gesichtern

14 Männerfallen

Krimiautorin Eva Rossmann im Interview

15 Lüge und Wahrheit in Aurora

Joël Dicker hat einen spannenden „amerikanischen“ Thriller geschrieben

16 Strandgutsammler, Beobachter, Musiker

Neue Romane von Bettina Spoerri, Uwe Timm und Arnon Grünberg

18 Versuch, nicht zu schwindeln

Urs Widmer legt seine Autobiographie vor

20 Ein Engel sieht rot

Andreas Eschbachs neuer Thriller kommt ohne fantastische Elemente aus

21 Reise, mit Zwergen

J. R. R. Tolkiens Hobbit erobert die Welt – und Graubünden

22 „Ich vergesse eigentlich nichts.“

Sven Regener versöhnt den Rave mit dem Hippiegeist

23 Eine mutige junge Frau

Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai

24 Kurzbesprechungen Belletristik

30 Bestseller in der Belletristik: die Buchhändler-Tipps

Sachbuch

32 Die Balaganistin

Gastronomin Haya Molcho hat ihr drittes Kochbuch veröffentlicht

34 Alpenküche

Dominque Flammer legt ein Kochbuch vor

35 Rezensionen Kochbuch

36 Praktische Hilfe für alle

Ganzheitlich gesund bleiben mit Traditioneller Chinesischer Medizin

37 Spinnen, filzen, weben, stricken

Bücher rund um Wolle

38 Eine Frau – ein Leben

Erika Pluhar erzählt von Jugend, Ehen und Karrieren

39 Kurzbesprechungen Sachbuch

40 Die grosse Katastrophe

Vor bald 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg

41 Meienberg und die Schweiz

Auch nach 20 Jahren ist der Historiker und Journalist aktuell

42 Faszination Natur

Bildbände zeigen ungewöhnliche Naturphänomene

43 Swissness

Von gelebten Traditionen, Treicheln und Glocken

44 Helvetia by Night

Spektakuläre Bilder einer Schweiz bei Nacht

45 Die Frau hinter der Pelztasse – Meret Oppenheims Briefwechsel

4

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Inhalt

HERBST/WINTER 2013

15 44

56 57

Eine junge Burgherrin

kämpft um ihr Familienerbe.

Der Sohn eines Burgschmieds

träumt von der Freiheit …

Oliver Pötzsch

Die Burg der Könige

Historischer Roman

944 Seiten, gebunden mit SU

ISBN: 978-3-471-35083-6

ca. sFr 27,90

46 Rezensionen Sachbuch

50 Glückskekse mit Tiger

Bernhard Moestl zeigt, wie asiatische Weisheiten unseren Alltag erleichtern

51 Selbstbewusste Frauen und Höhenluft

Bücher übers Bergsteigen

52 Bestseller im Sachbuch: die Buchhändler-Tipps

Fotos: Nachweise auf den entsprechenden Seiten

Kinder- und Jugendbuch

54 Film im Kopf

Kinder als Testleser

56 Boris, der Kater, und Alfons, der Rabe

Erwin Moser ist Zeichner und Autor von grosser Fabulierlust

57 Der Muffin-Club

Katja Alves und ihre Bücher über die süsseste Bande der Welt

58 Kurzbesprechungen Kinder- und Jugendbuch

62 Bestseller im Kinder- und Jugendbuch: die Buchhändler-Tipps

Zum Ausklang

64 Aufgelesen – Literarische Fundstücke und anderes

66 Buch & Wein

Ein unerwartetes Erbe –

und ein großes

Versprechen.

Petra Durst-Benning

Die Champagnerkönigin

Roman

528 Seiten, gebunden mit SU

ISBN: 978-3-471-35058-4

ca. sFr 27,90

5

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COVERSTORY

Helden wider

Willen

Die Lebenswege von drei Personen

könnten sich einmal ganz kurz am

Zürcher Hauptbahnhof gekreuzt

haben. In seinem neuen Roman

führt Alex Capus die Leser von

Zürich aus in die grosse Welt, wo sie

unerwartet Geschichte schreiben.

Von Martin Walker

Ein Mädchen sitzt in der offenen

Tür im hintersten Wagen

des Orient-Express, der an diesem

Novembermorgen 1924 im Zürcher

Hauptbahnhof aus Konstantinopel

kommend einfährt, raucht eine Zigarette

und singt orientalische Lieder

dazu. Ein Junge sitzt in Knickerbockern

auf der Laderampe des Güterbahnhofs

– vielleicht hebt er die Hand,

winkt, lächeln sie sich en passant zu.

Er überlegt, welches Studium er nun

beginnen soll, ob er dem Rat des

Vaters – Maschinenbau an der ETH

– folgen soll. Ein Kunstmaler sitzt in

einem Erste-Klasse-Abteil, die Reise

bringt ihn aus Griechenland über

Triest, Innsbruck, Zürich an den Genfersee,

wo er die Asche seines Vaters

verstreuen will. Drei Leben, die sich in

einem kurzen Moment kreuzen – oder

zumindest gekreuzt haben könnten,

die Leben eines Fälschers, eines Bombenbauers

und einer Spionin. Seit

Alex Capus vor knapp zwanzig Jahren

mit seinen ersten Erzählungen,

1997 dann mit seinem ersten Roman

„Munzingers Pascha“, an die Öffentlichkeit

getreten ist, hat er sich ein

grosses Fanpublikum erschrieben. In

seinem Romanen verbindet er sorgfältig

recherchierte Fakten (auch in

seinem neuen Buch bekommt man

ganz nebenbei viel mit über Archäologie

und Quantenphysik) mit ebenso

sorgfältig ergänzten, imaginierten,

fiktiven Erzählebenen. Mit grossem

Gespür und Einfühlungsvermögen

bringt er uns Personen aus vergangenen

Zeiten näher, erweckt sie wieder

zum Leben. Sein wohl grösster Erfolg

ist der Roman „Léon und Louise“,

viele erinnern sich mit Tränen in den

Augen an diese grossartige Liebesgeschichte

zweier junger Leute, die

der Erste Weltkrieg trennt, die sich

später zufällig in der Metro wieder

treffen. Der 1961 in der Normandie

geborene Alex Capus, lebt heute in

Olten (wo er unter anderem zusammen

mit Pedro Lenz das Restaurant

Foto: Marco Grob

6

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„Flügelrad“ betreibt), ist auch Übersetzer,

zuletzt hat er „Die Verschwörung

der Idioten“ von John Kennedy

Toole ins Deutsche übertragen.

In seinem neuen Roman „Der Fälscher,

die Spionin und der Bombenbauer“

bleibt er seinem Handwerk

treu und setzt wiederum historische

Figuren in den Mittelpunkt. Die Spionin

heisst Laura d’Oriano, ist 1911

geboren, und hat ihre Kindheit in den

Grand Hotels des Vorderen Orients

verbracht. Die Mutter eine Sängerin,

der Vater Pianist, sie tingeln durch

die Welt, bis sie

sich in Marseille

sesshaft machen

– Strumpfband

und Dekolleté

sind auf der Bühne

keine Hilfe

mehr; der Vater

klagt über Leberschmerzen.

Auch Laura will Sängerin

werden, doch die Stimme reicht

dann doch nicht für die ganz grosse

Bühne, für kleinere aber wohl. In

Marseille arbeitet sie in der kleinen

Musikalienhandlung ihrer Eltern und

verliebt sich – ausgerechnet – in den

Schweizer Emil Fraunholz, der nach

Marseille geflohen ist, um dem Militärdienst

in der Schweiz zu entgehen.

Emil will sich, in Anbetracht des sich

einstellenden Nachwuchses, nun mit

seriöser Arbeit Geld verdienen, doch

die Apotheke in Grasse kommt nicht

zum Laufen. Die Krise, man schreibt

das Jahr 1933, wollen sie in Bottighofen,

Kanton Thurgau, aussitzen. Als

Emil Laura im Auftrag seiner Mutter

bittet, ihre Unterwäsche – es sei nun

mal keine hiesige – hinter dem Haus

zum Trocken aufzuhängen, ist dies für

Laura das Zeichen, Mann und Kinder

zu verlassen.

Felix Bloch, der an diesem Novembermorgen

19 Jahre alt ist, beginnt

zwar sein Maschinenbaustudium,

aber es ist die Quantenmechanik und

die Atomphysik, denen sein Interesse

gilt – an der ETH hat Einstein gerade

die allgemeine Relativitätstheorie

niedergeschrieben. Bloch studiert bei

„Es wäre ein Zufall, wenn Emile

Giliéron bei der Ausfahrt aus dem

Zürcher Hauptbahnhof das Mädchen

und den Burschen wahrgenommen

hätte, aber ich wünsche es mir“

Alex Capus

Paul Scherrer und baut in monatelanger

Arbeit im Keller der ETH den

ersten Spektrographen. Nach dem

Studium geht er nach Leipzig, wo

Heisenberg und Debye das Institut

für theoretische Physik neu aufbauen.

Als der Nationalsozialistische Studentenbund

fordert, die Quantenphysik

von den Lehrplänen zu streichen, weil

sie jüdisches Gedankengut verbreite,

merkt auch Bloch die Zeichen der

Zeit und verlässt Deutschland um nie

wieder zurückzukehren. Nach einem

kurzen Aufenthalt in Zürich übersiedelt

er in die Vereinigten Staaten.

Emile Gilliéron,

dessen Asche im

Genfersee verstreut

werden soll,

führt eine aufregende

Karriere

als Kunstmaler,

die ihn vom Villeneuve

über Paris nach Griechenland

bringt, wo er im Auftrag von Heinrich

Schliemann dessen Ausgrabungen

zeichnerisch begleitet – und hie und

da die etwas dürre Faktenlage ganz

im Sinne Schliemanns gekonnt interpretiert

und einleuchtend ergänzt.

Das Talent – sowohl des Zeichnens als

auch des Gespürs dafür, was der Markt

will, auch wenn es „nur“ Repliken sind

– erbt sein Sohn, der ebenfalls Emile

heisst. Nach dem Tod Schliemanns

und einem neuen Gesetz, das den

Export antiker Artefakte und – das traf

Emile senior härter – auch den Verkauf

von Imitaten verbietet, tritt er in

die Dienste von Arthur Evans, der sich

zum Ziel gesetzt hat, den Palast des

Königs von Minos auszugraben. Mit

Hilfe von Giliéron wird der Fund zu

einer Sensation, trotz des Verdachts,

der Restaurator habe seine handwerkliche

Sorgfaltspflicht aus Begeisterung

für Vogue-Covers vernachlässigt.

Emile junior übernimmt, als die Kräfte

des Vaters nachlassen, seine Aufgaben

und Geschäfte. Doch die jungen

Archäologen, die den alten nachfolgen,

sind von einer anderen Qualität

und stehen aufgefrischten Fresken mit

prähistorischen Pariserinnen in Tennisschuhen

in Griechenland kritisch

gegenüber. Auch das Geschäft mit den

kunstvoll künstlich gealterten Replika

läuft immer schlechter und zu allem

Übel entdeckt Howard Carter auch

noch das Grab des Tut Ench Amun,

was die griechische Antike schlagartig

in den Hintergrund treten lässt.

Laura auf der Flucht vor dem allzu

ländlichen Thurgau wird, wie der

Titel des Romans schon andeutet zur

Spionin im Zweiten Weltkrieg. Felix

Bloch geht nach Stanford und wird

später unter Robert Oppenheimer

an dem streng geheimen Programm

zum Bau der Atombombe in Palo

Alto, in der Wüste New Mexicos, mitforschen.

Der Künstler Emile Giliéron

verzweifelt. „Es wäre ein Zufall,

wenn Emile Giliéron bei der Ausfahrt

aus dem Zürcher Hauptbahnhof das

Mädchen und den Burschen wahrgenommen

hätte, aber ich wünsche es

mir“, schreibt Alex Capus. Das ist in

der Tat eine gewagte Ausgangslage,

drei, eigentlich vier Leben, in einem

Buch zu einem Ganzen zu schmieden,

die eigentlich nichts miteinander zu

tun haben. Aber Zeit und Geschichte

bieten soviel Stoff, dass sie als grosse

Klammer mühelos zusammenhalten,

was nichts miteinander zu tun hat.

Ausser, dass das Schicksal einen unverhofft

zum Helden machen kann, dass

man an einem Novembermorgen am

Hauptbahnhof Zürich nicht erahnen

kann, wohin einem das Leben in ein

paar Jahren führen wird. Ein leicht

erzählter Roman voller Tragik und

Romantik.

Alex Capus

Der Fälscher, die Spionin und

der Bombenbauer

Hanser, 272 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-446-24327-9

Auch als E-Book erhältlich. Das Hörbuch

wird gelesen von Ulrich Noethen

7

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We-book too!

E-Books kann man auch in einer Buchhandlung kaufen. Zum Beispiel in der Altstadt Buchhandlung in Bülach,

wo Andrea Frei und Judith Wälchli sich bestens mit digitalen Büchern auskennen.

Von Martin Walker

Frauen in den Vierzigern, das sind

jene, die am meisten E-Books

lesen. „Und das ist genau unsere

Zielgruppe“, sagen Andrea Frei und

Judith Wälchli. Sie sitzen in ihrer

schönen Altstadt Buchhandlung in

Bülach, die eine mit einem gebundenen

Schmöker in der Hand, die

andere mit einem PocketBook, einem

E-Reader, den sie auch im Laden verkaufen.

Während die Kundschaft sich

gemerkt hat, dass Buchhandlungen

jedes lieferbare Buch innert kürzester

Zeit bestellen können, ist noch zu

wenig bekannt, dass stationäre Buchhandlungen

auch E-Books verkaufen.

„Nur weil wir klein sind, bedeutet das

ja nicht, dass wir nicht auch E-Book

können. Im Gegenteil ist es sogar ein

Vorteil, weil man bei uns E-Books

nicht nur zu Hause über die Website

kaufen kann, sondern auch in der

Buchhandlung, dazu erst noch keine

Kreditkarte braucht und von unserer

persönlichen Beratung profitieren

kann.“ Das ist natürlich praktisch,

wenn man sich das Geschenk für die

Tochter, das (digitale) Lesefutter für

den Urlaub und das Gartenhandbuch

für den Mann in einem Gang besorgen

kann.

Beratung kann auch bekommen,

wer sich mit den technischen Finessen

noch nicht ganz sicher ist. Aber,

Andrea Frei (links) und Judith Wälchli

so versichern die Buchhändlerinnen:

„Das ist alles ganz einfach, und wenn

es sein muss, kommen wir auch nach

Hause und richten alles ein.“ In der

Altstadt Buchhandlung in Bülach

sind zwei E-Reader im Angebot: zum

einen das Modell von Sony, zum

anderen das von PocketBook. Andrea

Frei bevorzugt das letztere: „Das

PocketBook hat schönere Hüllen mit

einer praktischen Schlaufe zum Halten,

es gibt ein verständliches Handbuch

– und diverse Spiele sind bereits

installiert, zum Beispiel Sudoku.“

Das wichtigste aber ist immer der

Bildschirm, denn es handelt sie ja um

ein Lesegerät. Da seien beide Reader

gleichwertig, wovon man sich im

Laden selber überzeugen kann. „Spezielle

E-Book-Reader“, sagt Judith

Wälchli, „haben den Vorteil, dass

der Bildschirm nicht spiegelt, wie das

etwa beim iPad der Fall ist. Also Lesevergnügen

pur bei strahlender Sonne

oder nach Sonnenuntergang.“

Die Technik macht Fortschritte und

die zwei Buchhändlerinnen (die noch

von einer Lehrtochter unterstützt

werden) gehen mit. Dabei vergessen

sie aber ihre traditionellen Stärken

nicht: Ausgewähltes Sortiment in

den Bereichen Belletristik (auch auf

englisch), Kinder- und Jugendbuch,

Reisen, Ratgeber, Sachbuch … Die

Buchhandlung an der Untergasse 1

ist auch ein Treffpunkt, nicht nur,

wenn zu den beliebten Lesungen mit

Autorinnen und Autoren geladen

wird. Wer einmal ganz ungestört im

Angebot schmökern will, kann sich

abends in der Buchhandlung einschliessen

lassen – und mit Freundinnen

und bei einem guten Glas

Wein aus der benachbarten Vinothek

Bar‘oc nach Herzenslust durch die

Regale und durch die vom funkelnden

Lüster ins beste Licht gerückten

Auslagen brausen. Und die Altstadt

Buchhandlung unterhält auch einen

eigenen Krimiclub: Wer Mitglied

wird, erhält zehn ausgewählte Krimis

pro Jahr, regelmässige Lesetipps

per Newsletter und einen Gratis-

Eintritt zur „Schlachtplatte“, wie

der jährliche Krimianlass in der Altstadt

Buchhandlung treffend heisst.

Andrea Frei ist eine grosse Krimispezialistin

und sie freut sich, wenn sich

ihre Kundinnen und Kunden über

gemeinsame Leseerlebnisse unterhalten.

„Dabei spielt es keine Rolle,

ob man digital oder analog liest, wir

besorgen was immer gewünscht wird

in jedem lieferbaren Format.“

Fotos: wkr

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Foto: © Bastian Schweitzer / Diogenes Verlag

Foto: © Marco Okhuizen / laif

Foto: Regine Mosimann / © Diogenes Verlag

Cum »Was dit das vendae Geld sed

doch escil aus ideles uns sam macht. et

mi, Besser si quas gesagt: endunt

Was dunt kein arumqui Geld aus te

uns ratus macht.«

Ma aut 224 fuga. Seiten, Ut dolorer Leinenorero-

vidvEqui dundenti sFr 26.90* aut harumque

a volor Auch apis als apis Hörbuch ad ut od

Gendus »Es war dolesequatia der teuerste dendita Blumenstrauß, consed quatuste den mir je

necti ein Mann vendae geschenkt voloria con hat.« con Ein conseque millionenschweres etur mint

ipicae Dahlienbild in nis doluptio von Henri ommoles Fantin-Latour eaquis explam, wird entwendet.

sant as Nicht aut et gerade et hario ein voluptaturia Kavaliersdelikt. porporae Oder

int,

quam doch? cum Der invende dritte Fall bitatur, für ipsamus Allmen velesto International que

optatiunt Inquiries. exerspe rspicime ilibusanis quaecepra

»Leon de Winter

kann erzählen

wie kaum

ein anderer.«

Literaturen, Berlin

512 Seiten, Leinen

sFr 32.90*

Ein junges marokkanisches Fußballteam hält

Amsterdam in Atem. Ein dubioser jüdischer Geschäftsmann

entdeckt plötzlich sein gutes Herz.

Väter und Söhne finden schicksalhaft zueinander,

eine alte Liebesgeschichte flackert wieder auf, und

ein namhafter Filmemacher bekommt einen metaphysischen

Auftrag …

Die Autobiographie

der entscheidenden

frühen Jahre eines

großen Schweizer

Schriftstellers

352 Seiten, Leinen

sFr 32.90*

»Kein Schriftsteller, der bei Trost ist, schreibt

eine Autobiographie«, lautet der erste Satz. Urs

Widmer hat die eigene Warnung in den Wind geschlagen

und ein großartiges Erinnerungsbuch

verfasst. Eine persönliche Geschichte aus den

für die Weltgeschichte so entscheidenden Jahren

1938 – 1968.

Neue Bücher bei Diogenes

Foto: Regine Mosimann / © Diogenes Verlag

Foto: © Melissa Stewart

Foto: © Bernard van Dierendonck * unverbindliche Preisempfehlung

Petros Markaris

schürft in Griechenlands

jüngster

Vergangenheit – und

fördert viel Dreck

zutage

320 Seiten, Leinen

sFr 32.90*

»Bemerkenswert

lustig und empfindsam,

außergewöhnlich

spannend.«

New York Times

336 Seiten, Paperback

sFr 19.90*

Die spannende Saga

einer west-östlichen

Familie nach einer

wahren Geschichte

336 Seiten, Leinen

sFr 32.90*

Griechenland, 2014: Der Staat liegt am Boden, die

Drachme wird wieder eingeführt. Sind die Helden

von einst verantwortlich für die Misere von

heute? Vierzig Jahre nach dem Aufstand gegen

die Militärdiktatur will einer sich holen, was man

sich damals versprach: »Brot, Bildung, Freiheit«.

Und geht dabei über Leichen.

Eric Muller, Computergenie und sympathischer

Aussenseiter, ist durch den Verkauf einer Software

mit gerade einmal achtzehn Jahren reich

geworden und will nun das Einzige, was man mit

Geld nicht kaufen kann: Die Liebe einer Frau. Ein

Tanz auf dem Eis – lässt sich das Leben neu formatieren?

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Eine Prinzessin von Sansibar, die mit einem

Hamburger Kaufmann durchbrennt. Mit dieser

verbotenen Liebe beginnt Ende des 19. Jahrhunderts

die Saga einer west-östlichen Familie zwischen

Europa und der arabischen Welt. Ein historischer

Roman nach der wahren Geschichte von

Emily Ruete.


BELLETRISTIK

Doppelter Boden

Daniel Kehlmann fragt sich in seinem Roman, was denn Kunst sei und wie man dem Schicksal entkommt.

Seine Hauptpersonen sind Schwindler, keine Verwunderung, dass sie Albträume haben.

Von Ditta Rudle

– wie Familie, wie Fatum, wie Fiktion, wie Falschheit oder Fehlschlag? Vielleicht. Wie Fallobst, Frauen, Fessel, Freimut?

F Eher nicht. Ganz sicher aber F, wie Friedland, und davon gibt es vier. Vater Arthur Friedland, Eric und Iwan, die Zwillingssöhne,

und Martin, der Bastard, Sohn aus einer kurzen Beziehung, vier Jahre vor der Geburt der aus einem Ei geschlüpften

Zwillinge. „F“ ist der neue Roman von Daniel Kehlmann. Genau, Kehlmann, dessen Erfolgsroman „Die Vermessung

der Welt“ nahezu in alter Welt gelesen worden ist, den man auch bebildert auf der Kinoleinwand gesehen hat. Kehlmann ist

bekannt, auch wenn er auf der Strasse nicht erkannt wird. Was er von seinem Leben zu erzählen hat, wissen wir. Unwissenden

wird von seinem Verlag (Rowohlt) das Wichtigste in Kürze auf der Website mitgeteilt. Jetzt geht es um das neue Opus, das

ein ganz anderes ist, als der Erfolgsroman (und dennoch zu einem werden kann), weil sich die Menschen, von denen er hier

erzählt, in keinem Lexikon finden und nur in Kehlmanns Kopf existiert haben. Ein geradliniges Märchen hat der fantasievolle

Erzähler nicht zu bieten, eher einen doppel- und dreifachbödigen Roman, ebenso vergnüglich, wie nachdenklich machend.

So wie, Kehlmann uns mit dem Titel narrt, so führt er uns aufs Eis der unterschiedlichen Ebenen dieses neuen Werks, in dem

es von Absonderlichkeiten und Absurditäten nur so wimmelt. Zum Beispiel die Zwillinge. Die Zwillinge sind ein sonderbares

Paar, obwohl sie sich gleichen wie kein Ei dem anderen (und später manchmal selbst nicht wissen, wer sie nun sind), sind ihre

Vorlieben, Gedanken und Lebenspläne gar nicht zwillingshaft. Eric, ein rücksichtsloser Kämpfer, der seine Angst mit Aggression

bekämpft, wird später untreuer Treuhänder sein. Iwan, der früh erkennt, dass er homosexuell ist, will Maler werden, schafft

das auch, doch die Signatur auf den

Bildern stammt von einem anderen,

später wird sie einfach nachgeahmt.

Iwan ist also ein Fälscher. Auch wenn

ihre Namen an die Ritter der Tafelrunde,

Erec und Iwein, erinnern, haben

sie mit diesen tapferen Burschen nichts

gemein. Diese nämlich, sowohl Erec wie Iwein, straucheln, rappeln sich wieder hoch, straucheln

noch einmal, um endlich in den Armen ihrer Geliebten Ruhe und Ruhm zu finden. Die

Friedland-Zwillinge scheitern auf der ganzen Linie, und auch wenn Eric durch Lug und Trug

scheinbar wieder hochkommt, von Ruhm und Ehre wird nichts erzählt. Martin, der Älteste, wird

esssüchtig und kann auch auf Alkohol nicht verzichten, scheint aber ein guter katholischer Hirte

zu sein, der zwar nicht richtig singen kann, zu fett ist, zu viel trinkt und auch nicht an Gott glaubt

und dennoch in Fragen des Glaubens die richtige Antwort weiss: „Es ist ein Mysterium.“ (Schade,

kein F-Wort.) Arthur Friedland, der zu Beginn Romane schreibt, die kein Verlag drucken

will, wird später doch ein bekannter Schriftsteller. Vorerst aber nimmt er seinen Reisepass und das

gesamte Geld vom Familienkonto und verschwindet. Seine Söhne sehen ihn erst wieder, wenn sie

erwachsen sind. Da ist Arthur ein bekannter Schriftsteller, der diese Bekanntheit durch die Selbstmorde

einiger LeserInnen seines zweiten Romans (der erste blieb unbeachtet), „Meine Name

sei Niemand“ erlangt hat. Die Söhne,

alle drei studieren gerade, erhalten

jeder ein Exemplar mit der Post. Iwan

und Martin lesen die Geschichte, Eric,

„ist egal, was er schreibt.“ Die Leserin

erfährt den Inhalt dieses rätselhaften

Buches inmitten der Bekenntnisse von

Martin. Und der Erzähler, wer immer

es ist, der leibhaftige Autor selbst oder

Martin, die Kunstfigur, ist sich selbst

nicht klar ist, was dieses Buch ist: „Ein

zweckfreies Produkt eines spielerischen

Geistes, oder ein böswilliger Angriff

auf die Seele jedes Menschen, der es

liest?“ Wie sich später herausstellen

wird, fassen es die Leser eher als böswilligen

Angriff auf. Dieser nacherzähl-

„An Magie spart

Kehlmann auch in

‚F‘ nicht.“

Foto: Heji Shin

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te Roman im Roman hat verblüffende

Ähnlichkeit mit der Hülle, in der er

steckt. Nicht nur weil der Name der

Hauptperson des ersten Teiles nur aus

einem Buchstaben besteht, F natürlich.

Auch die Hülle, also „F“ von Daniel

Kehlmann, besteht aus drei Teilen wie

das eingeschlossene Buch „Mein Name

sei Niemand“. Diese drei Teile bergen

tagebuchartige Berichte und Erinnerungen

der drei Brüder, ein Vor- und

ein Nachspiel. Im Vorspiel sind die

drei Buben noch Kinder und gehen

mit dem Vater zu einem Hypnotiseur.

Vater und Iwan müssen, gegen ihren

Willen, hintereinander auf die Bühne,

was zur Folge hat, dass Arthur verschwindet

und erfolgreich wird und

Iwan traumatisiert ist, weil er sich blamiert

fühlt. Er konnte tatsächlich seinen

Namen nicht sagen, weil der Hypnotiseur,

der „grosse Lindemann“, es

so wollte. Da half auch nicht, das weder

Vater noch das Kind an die Kraft des

Hypnotisierens glaubten. Jahre später

hat Martin in ganz anderem Zusammenhang,

nämlich zu Kraft und Wirkung

der katholischen Sakramente,

die ultimative Antwort gegeben: „Das

muss ich gar nicht glauben, es stimmt

in jedem Fall.“ So scheint es auch mit

dem Schicksal (F wie Fatum) zu gehen.

Man muss nicht daran glauben, es ereilt

einen in jedem Fall. Es kündigt sich

auch an, kann sich aber bei Zwillingen

auch irren, warnt mit Geisterstimmen

den Falschen. Daraufhin tappt der

Gemeinte, Iwan im konkreten Fall,

unvorbereitet in die aufgestellte Falle.

Natürlich versucht man sich auf die

drei Hauptkapitel samt Vorspiel und

elegischem Nachspiel einen Reim zu

machen, eine Theorie zu entwickeln,

doch bleibt zu vieles allzu rätselhaft.

Wie Marie, die kleine Tochter Erics,

sich bei einem Ausflug mit Grossvater

Arthur im Spiegelkabinett verirrt, verirrt

sich auch die Leserin hoffnungslos,

wenn sie krampfhaft versucht den Ausgang

zu finden.

Nachzuerzählen sind die fünf Abschnitte

– Der grosse Lindemann. Das Leben

der Heiligen, Familie, Von der Schönheit.

Und schliesslich und endlich: Jahreszeiten

– schon gar nicht, das würde

ihnen jeglichen Charme und womöglich

auch die Geheimnisse nehmen. Die

Themen aber, die Kehlmann anschlägt

und diskutieren lässt, klingen schon

in seinem ersten Roman („Beerholms

Vorstellung“, Deuticke 1997) an. Dieser

Beerholm ist zwar kein Hypnotiseur,

doch er füllt als Magier ebenso die

Säle und scheitert am Ende an seinem

Irrsinn. Er heisst mit Vornamen übrigens

Arthur. An Magie spart Kehlmann

auch in „F“ nicht. Die Wirrungen und

Irrungen der kleinen Marie im Spiegelkabinett

sind noch die harmlosesten,

Martin meint dem Teufel begegnet zu

sein, Eric wird von Stimmen geplagt

und leidet unter Wachträumen, die

ihm als Alb auf der Brust liegen und

Iwan? Iwan löst sich am Höhepunkt

seiner Fälscherkarriere als Opfer einer

spontan geübten guten Tat einfach auf.

Die Frage bleibt unbeantwortet, Iwan

verschwunden. Eric lässt ihn bald für

tot erklären. Ausgerechnet Iwan, der

Maler werden wollte, Unsterblichkeit

erstrebte und bald erfahren musste,

dass er nur Mittelmass erreichen würde.

So hat er dann seinem Gönner und

Geliebten, dem unbekannten Maler

Heinrich Eulenböck, für eine Zeitlang

zur Unsterblichkeit verholfen und sich

selbst zu einem ansehnlichen Kapital.

Eric wird es nach Iwans Auflösung

verwalten. Die Frage, ob perfektes Fälschen,

Heucheln, Betrügen auch eine

Kunst ist, muss die Leserin selbst beantworten.

Daniel Kehlmann

F

Rowohlt, 384 S.

ca. sFr. 32.90

ISBN 978-3-498-03544-0

Auch als E-Book erhältlich

Eine nahezu magische Geschichte von der

Unerbittlichkeit des Schicksals und den

Punkten, an denen das Leben einen Haken

schlägt.

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Frédéric ist Mitte dreissig

und hat alles, was er braucht.

Nur keine Familie. Denn seit

sein Vater einst in der Weihnachtszeit

ohne ein Wort verschwand,

will er keine Nähe

mehr zulassen. Eines Wintertages

erreicht ihn die Nachricht

einer Erbschaft: eine

Schatzkarte mit Aussicht auf

ein impressionistisches Meisterwerk,

die ein offenbar

Fremder ihm hinterlassen

hat. Doch die Hinweise, auf

die er bei seiner Suche stösst,

lassen ahnen, dass der Schatz,

dem er auf der Spur ist, seine

eigene Vergangenheit ist ...

Caroline Vermalle

Und wenn es die Chance

deines Lebens ist?

Roman, 288 Seiten, gebunden

Lübbe Ehrenwirth

ISBN: 978-3-431-03884-2

ca. CHF 17,90

Bewährte Ermittler – neue Fälle

Den erfahrenen Ermittlern gehen die Fälle nicht aus. Neue Krimis mit

bekannten Gesichtern und neue Entdeckungen.

Vor fünf Jahren begann Georg

Haderer mit seinen Büchern über

Major Schäfer und wurde von Mal zu

Mal besser. Schäfer ist kein einfacher

Charakter und leidet unter Angststörungen

und Depressionen. Jetzt

steckt er in der Provinz. Kann Major

Schäfer endlich seinen Frieden finden?

Die Voraussetzungen sind gut: Aufs

Land versetzt macht er Dienst nach

Vorschrift, geniesst laue Sommerabende

am Lagerfeuer. Gestört wird

die Ruhe nur durch ein deutsches

Filmteam, das ausgerechnet in Schäfers

Revier eine Krimiserie drehen

will. Kurz darauf kommt eine Schülerin

unter rätselhaften Umständen zu

Tode. Und schon spielt Schäfer die

Hauptrolle in einem bösen Fall, zu

dessen Aufklärung ihm ausgerechnet

ein Drehbuchautor

mit ausufernder Fantasie

verhelfen will.

Kuriose Provinzdelikte,

eiskalte Verbrecher

und jede Menge

Verdächtige treffen

sich zwischen Wald

und Wirtshaus und

jagen einem filmreifen

Showdown

entgegen.

Jeder für sich ist

allein erfolgreich,

jetzt haben sich

Massimo Carlotto,

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Von Simon Eckstein

Gianrico Carofiglio und Giancarlo

De Cataldo zusammengetan und

erzählen Geschichten vom Kokain.

Massimo Carlottos Inspektor Campagna

ist unterwegs in einem Padua

der kleinen Dealer, Fabrikarbeiter und

afrikanischen Immigranten. Er heftet

sich im Alleingang an die Fersen

eines weitverzweigten, von der bulgarischen

Mafia kontrollierten Drogenrings.

Gianrico Carofiglio gelingt

eine intime Nahaufnahme des Vernichtungspotenzials

des weissen Gifts.

Giancarlo De Cataldo flicht in seiner

Geschichte ein komplexes Machtgefüge,

das von der kolumbianischen

Kokaplantage bis in die oberen Etagen

der Mailänder Hochfinanz führt,

wo unverdächtige Anwälte die Gelder

der Mafia weisswaschen.

Drei der erfolgreichsten italienischen Krimiautoren

erzählen Geschichten vom Kokain.

Massimo Carlotto, Gianrico Carofiglio, Giancarlo

De Cataldo

Kokain

Crime Stories

Übers. v. Karin Fleischanderl

Folio, 180 S., ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-85256-628-3

Auch als E-Book erhältlich

In seinem fünften Roman um Major Schäfer

treibt Georg Haderer ein so spannendes wie

satirisches Spiel mit Fakten und Fiktion.

Georg Haderer

Es wird Tote geben

Haymon, 328 S., ca. sFr. 28.50

Auch als E-Book erhältlich

Foto: Fotolia


Zürcher Unterwelt

Nach dem monumentalen Roman

„Die Ruhelosen“ gönnt sich Michèle

Minelli eine kleine Pause mit einem

Krimi, der in die – wortwörtliche –

Unterwelt Zürichs führt. Zuerst muss

aber Kommissar Leandro Scheu sich an

das neue Büro und an Kollegin Imogen

gewöhnen. Er ist keiner, der gerne

umzieht – obwohl er ein Jenischer ist,

aber ein „Betonjenischer“, also einer,

der nicht mehr fährt. Kaum einigermassen

installiert, bekommt er auch

schon Besuch von einer schönen, auch

mysteriösen Lettin, die auf der Suche

nach ihrer vor vielen Jahren verschwundenen

Mutter ist. Scheu möchte plötzlich

gar nicht mehr so scheu sein. Aber

ein neuer Fall drängt sich dazwischen:

In der Kanalisation wurde eine weibliche

Leiche gefunden, Tötungsdelikt,

eingeschlagener Hinterkopf, keinerlei

Hinweise auf die Identität. Die ersten

Ermittlungen führen natürlich auch

zum Klärwerk, wo Scheu auf die ihm

seltsam erscheinende

Familie

Egle trifft –

Vater und zwei

Söhne, die alle

noch zusammen

wohnen

und bei der Abteilung Entsorgung +

Recycling arbeiten.

Die Ermittlungen führen Scheu tief in

die unterirdischen Kanäle, aber auch an

die Goldküste und ins noble Hotel St.

Gotthard. Minelli hat ein Gespür für

spannende Plots und trifft die Zürcher

Mentalität ausgezeichnet. Und sie hat

mit Leandro Scheu einen Kommissar

geschaffen, den man noch öfter bei seinen

Fällen begleiten möchte.

Michèle Minelli

Wassergrab

Aufbau, 256 S.,

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-351-03543-3

Lassen

Sie sich

verstören

Foto: wkr, APV/Martina Basista

Babyglück

und -raub

Gerade eben hat

Meier mit Hilfe

der Sozialarbeiterin

Ruth Haldimann

einen Fall gelöst –

und nun wird sie an

ihrem Arbeitsplatz

im Amtshaus ermordet. Dabei hat Meier

doch anderes im Kopf: Die Geburt

seines ersten Kindes steht kurz bevor

und seine Freundin Zita Schnyder

bereitet sich gewissenhaft bei „Mam-

Yoga“ auf die Geburt vor. Wie noch

zahlreiche andere Frauen auch. Gabriela

Kasperski schildert die Schwangeren

und die Kurse mit unverholener Freude

an der Sache. Genauso eindrücklich,

zeigt sie aber auch die Nöte und Sorgen

jener auf, die auf natürlichen Weg

nicht zum Kindersegen kommen und

sich gegen viel Geld bei kriminellen

Kinderhändlern ein Baby kaufen.

Als nach einem Gewitter die lokale

Geburtsabteilung im Spital kurzfristig

überlastet ist, weil alle Frauen zusammen

gebären, passiert es: Baby Maude

verschwindet. Geschickt verknüpft Kasperski

die verschiedenen Stränge und

auch Meier findet zusammen mit seiner

Freundin die fatalen Verbindungen.

Das verschwundene Baby und der

Mord an Ruth Haldimann haben einen

Zusammenhang. Die Skrupellosigkeit

und Geldgier überraschen sogar einen

so erfahrenen Fahnder wie Meier.

Gabriela Kasperski

Besondere Umstände

Ein Schnyder-Meier-Krimi

Appenzeller Verlag, 550 S.

ca. sFr. 44.–

ISBN 978-3-85882-661-9

In Val McDermids neuem

Roman Der Verrat muss die

Schriftstellerin Stephanie

Harker am Flughafen von Chicago

hilflos mit ansehen, wie

ihr fünfjähriger Adoptivsohn

Jimmy von einem

Unbekannten entführt wird.

Als sie, ausser sich vor

Verzweiflung, aus der

Sicherheitsschleuse ausbricht,

wird sie für eine Attentäterin

gehalten und von der

Security überwältigt. Erst die

FBI-Agentin Vivian McKuras

glaubt ihr. Doch da ist der

Entführer mit dem kleinen

Jungen schon längst

verschwunden …

Val McDermid

Der Verrat

512 Seiten, Hardcover mit SU

ISBN: 978-3-426-19969-5

CHF 28,90 (unverbindl. Preisempfehlung)

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Federleicht und

intelligent über

eine einzigartige

Frau und ein

Jahrhundert

des Aufbruchs.

Nach ihrem Weltbestseller Eat,

Pray, Love meldet sich Elizabeth

Gilbert mit einem großen Roman

zurück. Das Wesen der Dinge und

der Liebe erzählt die Geschichte

von Alma Whittaker, einer Frau,

die sich den Pflanzen verschrieb,

die Naturgesetze erforschte und

versuchte, das Wesen der Liebe zu

ergründen.

Elizabeth Gilbert

Das Wesen der Dinge und der Liebe

750 Seiten. Gebunden mit

Schutzumschlag und Lesebändchen

ISBN: 978-3-8270-1156-5

ca. CHF 32,90

INTERVIEW

Männerfallen

Mit dem Kampf der Geschlechter hat es

Mira Valensky in ihrem neuen Fall zu tun.

Von Nils Jensen

In „Männerfallen“ geht es um

Schuld und Unschuld, um Sex

und Gewalt, um Vermutungen und

Fakten, die zwar als Beweise genügen,

jedoch nichts über die Ursache

eines Verbrechens erzählen. Buchmedia

traf Eva Rossmann.

BM: „Männerfallen“ – der mittlerweile

15. Fall mit Mira und ihrer

toughen Freundin Vesna. Geht

Ihnen der Stoff nie aus?

Eva Rossmann: Wenn man mit

offenen Augen durchs Leben geht,

ergibt sich laufend neuer Stoff! Ich

habe viel mehr das Problem, dass ich

entscheiden muss, was ich schreibe

und was nicht … Momentan nähere

ich mich gerade der EU-Finanzkrise

an, die ich eigentlich für eine Vertrauenskrise

halte, könnte allerdings

auch viel mit Zypern, gutem Wetter

und Theaterdonner zu tun haben …

BM: Diesmal ein Thema, das allzuoft

unter den Teppich gekehrt

wird – und leider immer noch ein

„Aufreger“ ist. Haben sich denn die

Zeiten noch nicht geändert?

Rossmann: Naja. Wie sich Frauen

und Männer zueinander verhalten,

muss immer wieder neu ausgemacht

werden. Klar ist, dass es genug Männer

gibt, die sich da vor Veränderungen

fürchten – weil sie Angst

haben, schlechter dazustehen. Und

das Geraunze, dass es eigentlich die

Männer sind, die inzwischen diskriminiert

sind, gibt’s laufend. So

wie es ja auch schick geworden ist,

wieder Machos zu fordern. Ich hab

mich dem mit einigem Augenzwinkern

angenähert. Weil es ist ja auch

nicht so, dass die Frauen automatisch

die unterdrückten oder gar die guten

sind. Und dann hab ich gleich auch

noch die offenbar vorhandene Gier

nach seltsamem Sex in seltsamen

Büchern mit hineingenommen …

BM: Ein weiteres Thema im neuen

Roman, etwas versteckt aber doch:

Mira ist 50 geworden. Und das in

einer vor „Jugendwahn und Fitcorrectness“

irre gewordenen Gesellschaft.

Wie geht es der Autorin Rossmann

dabei?

Rossmann: Ha! Ich bin jetzt 51

und mir geht es blendend. Ich fühle

mich nicht jünger oder älter als

irgendwann. Und ich liebe es, in der

Früh im Weinviertel zwischen den

Rebzeilen und den Ölpumpen zu

joggen. Das hält mich ohne Stress

fit. Ausserdem: Miss World wäre ich

auch mit 18 nie geworden, also was

soll’s?

BM: Wie ist es eigentlich mit Reaktionen

von LeserInnenseite, was die

eingestreuten Rezeptanleitungen

betrifft – schreiben Ihnen manche,

um genauere Angaben zu bekommen?

Arbeiten Sie gar schon an

einem neuen Koch-Buch?

Rossmann: Ja klar, es gibt immer

wieder welche, die die Rezepte

genau wissen wollen.

Deswegen hab ich die vom aktuellen

Buch jetzt auch immer auf

meiner Homepage. Ich arbeite tatsächlich

an einem neuen Kochbuch.

Gemeinsam mit Manfred Buchinger

mache ich „NO STRESS – Karibisch

kochen“. Quasi als Chance, sich

lässiges karibisches Feeling und die

dazu passende Küche heimzuholen.

Eva Rossmann

Männerfallen

Folio, 288 S., ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-85256-629-0

Auch als E-Book

Ein Mira-Valensky-Krimi über Manipulation,

Sex und Rollenbilder.

Foto: Daniela Zedda

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Lüge und Wahrheit in Aurora

Der Westschweiz Joël Dicker ist noch keine dreissig Jahre alt und hat einen fulminanten Roman geschrieben. „Die

Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ist spannend, im besten Sinne amerikanisch und weltweit ein Erfolg.

Von Martin Walker

Foto: Jeremy Spierer

Die Geschichte dieses Buches

könnte selber ein Roman sein.

Da kommt ein junger Westschweizer

Autor mit seinem zweiten Roman –

und hat einen Erfolg in Frankreich wie

kaum jemand zuvor. Er hat mit „Die

Wahrheit über den Fall Harry Quebert“

zahlreiche, renommierte Preise

gewonnen, war unter den letzten sechs

Autoren, die für den Prix Goncourt

nominiert waren, die Kritik überschlug

sich vor Lob und Freude. Die Übersetzungsrechte

sind mittlerweile in über

dreissig Länder verkauft.

Joël Dicker, geboren am 16. Juni 1985

in Genf, ist der Sohn einer Buchhändlerin

und eines Lehrers. Nach der Schule

leistet sich Joël Dicker einen Aufenthalt

an einer Pariser Schauspielschule,

kehrt nach Genf zurück und studiert

Jurisprudenz. Mit zwanzig veröffentlicht

er seine erste Novelle, „Le Tigre“

(„Der Tiger“), die ihn ermutigt, sich an

einen Roman zu wagen. „Les derniers

jours de nos pères“

(„Die letzten Tage

unserer Väter“)

erhält 2010 den

Prix des écrivains genevois, worauf ihm

der legendäre Verleger der Editions de

L‘Age d‘Homme, Vladimir Dimitrjevic,

ein Angebot unterbreitet. Das Buch

erscheint 2012 und spielt im Zweiten

Weltkrieg, handelt von geheimen britischen

Verbänden und der Résistance

und hat durchaus Erfolg. In der Zwischenzeit,

in etwas mehr als zwei Jahren,

hat Joël Dicker an seinem zweiten

Roman geschrieben. Wobei er sagt,

dass es sich bei „Die Wahrheit über

den Fall Harry Quebert“ weniger um

ein Buch gehandelt habe, sondern um

ein Projekt. „Alles ist aus dem Wunsch

geboren, eine richtige Geschichte zu

schreiben; aus dem Wunsch, die Leser

zu entführen, sie aus ihrem Alltag zu

reissen.“ Das ist ihm gelungen. „Die

Wahrheit über den Fall Harry Que-

„Das Schwierigste an einem Roman

ist nicht mal das Schreiben. Es ist das

Abschiednehmen von den Personen.“

bert“ lässt einen von der ersten Seite

nicht mehr los.

Joël Dicker entpuppt sich als raffinierter

Autor, der schon auf der ersten Seite

klar macht, dass dieses Buch kein Spaziergang

wird: Am 30. August 1975

verschwindet im Städtchen Aurora im

Bundesstaat New Hampshire die fünfzehnjährige

Nola Kellergan spurlos. Der

junge Autor Marcus Goldman sucht

dreissig Jahre später, unter Schreibblockade

leidend, Hilfe bei seinem ehemaligen

Professor Harry Quebert in

Aurora. Da wird die Leiche, bzw. das

Skelett Nola Kellergans gefunden – in

Queberts Garten

vergraben, bei ihr

findet man auch

das Manuskript

von Queberts erfolgreichstem Roman,

in dem es um eine „unmögliche Liebe“

geht. Es ist natürlich die (geheime) Liebe

zwischen Harry und Nola.

Goldman will nicht glauben, dass Quebert

sie umgebracht hat und beginnt zu

recherchieren, unter anderem mit Hilfe

des zu Beginn etwas grantigen Sergeant

Gahalowood. Joël Dicker versteht es

meisterhaft, die Atmosphäre in Aurora

einzufangen, etwa die Sehnsüchte

der schönen Bedienung im Diner, die

Träume, die verloren gehen, weil sie

letztlich einer engen, kleinbürgerlichen

Existenz Platz machen. Dicker kennt

die Szenerie aus eigener Erfahrung; er

hat an der Ostküste als Kind seine Sommerferien

verbracht: Sein Gross vater

ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts

aus Russland nach Genf emigriert, ein

anderer Teil der Familie

aber nach Amerika, wo

man sich zum Urlaub in

Maine getroffen hat.

Goldman macht sich

mit seinen Recherchen

im kleinstädtischen Mief

nicht beliebt. Er wühlt in

Geschichten, deren Wunden

nicht alle verheilt sind. Wie sich

herausstellt, war Nola keineswegs nur

das brave Mädchen. Ihre eigene Familiengeschichte,

der Vater ist Prediger,

weist dunkle Flecken auf. Dann entdeckt

Goldman im Haus eines reichen

Unternehmers ein Aktbild von Nola.

Und selbst die Polizei scheint verwickelt

zu sein. Parallel zu seinen Recherchen

schreibt Goldman ein Buch darüber,

auf das sein Verleger dringendst

wartet. Der Roman müsse erscheinen

bevor der Wahlkampf – es ist 2008 und

Obama tritt zur Wahl an – die Medien

beherrsche.

Die über siebenhundert Seiten des

Roman liest man auch deshalb so

atemlos, weil es Dicker immer wieder

schafft, dem Fall Harry Quebert neue

Verläufe abzuringen, vermeintliche

Wahrheiten entpuppen sich als Lügen

und umgekehrt. Bis zum Schluss halten

die Ermittlungen auch Marcus Goldman

in Atem.

„Das Schwierigste an einem Roman

ist nicht mal das Schreiben. Es ist das

Abschiednehmen von den Personen“,

sagt Joël Dicker. Und es geht dem

Leser ähnlich.

Joël Dicker

Die Wahrheit über den

Fall Harry Quebert

Piper, 732 S.

ca. sFr. 32.90

ISBN 978-3-492-05600-7

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magazin 21 (3/13)


Partitur des Lebens

Leah, die Tante, die Musikerin, die

weitgereiste, ist gestorben. Anna

Weiss reist zur Beerdigung nach

London, kommt im Flugzeug mit

einem Mann ins Gespräch, das

noch Folgen haben wird. In London

trifft Anna auch ihren Vater,

Schriftsteller, mit seiner aktuellen

jungen Freundin. Und sie erhält

vor allem die frühen Tagebücher

ihrer Tante ausgehändigt. Was folgt

ist eine Spurensuche

in die

Vergangenheit

dieser jüdischen

Familie, die

Fussabdrücke auf

der ganzen Welt

hinterlassen hat

– zwangsläufig,

es ist die Zeit der

Nazis, von Krieg, Verfolgung und

Flucht. Die Tante war eine kluge,

starke Frau, und eine grossartige

Musikerin. In der Liebe allerdings

hatte sie eine weniger glückliche

Hand. Bettina Spoerri verknüpft

geschickt Ausschnitte aus den

Tagebüchern mit Beschreibungen

von alten Fotografien, auf denen

Leah und die ihren zu sehen sind.

Parallel zu Leahs Lebensgeschichte

entwickelt Bettina Spoerri auch die

von Anna – schwierige Familienverhältnisse,

verknorzte Beziehung zu

ihrem Bruder – und die der Zufallsbekanntschaft

aus dem Flugzeug.

Denn Peter ist in London, um sich

nach vielen Jahren mit seinem alten

Freund Robert zu treffen. Anna

lernt auch ihn kennen, verliebt

sich in ihn, wird aber auch in eine

düstere Geschichte hineingezogen,

die die beiden Männer verbindet.

Ein vielstimmiges Panorama,

intelligent gestaltet und sprachlich

überzeugend.

Bettina Spoerri

Konzert für die

Unerschrockenen

Braumüller, 462 S.

ca. sFr. 32.90

ISBN 978-3-99200-096-8

Der Erfinder wird

zum Beobachter

Die Schreibstube wurde ihm zu eng, deshalb ging Arnon

Grünberg auf Reisen. Als Reporter besuchte er

Menschen im Alltag und Soldaten im Krieg.

Von Ditta Rudle

Der niederländische Autor Arnon

Grünberg, geboren 1971, ist vor

allem durch seine Romane bekannt.

Dass er auch Reportagen aus Kriegsund

Krisengebieten, Erlebnisberichte

aus dem Alltag der Menschen und

ihrer Berufe geschrieben hat, ist weniger

bekannt. Auch wenn einige seiner

Berichte in deutschen Zeitungen

erschienen sind. In einem von Ilija Trojanow

herausgegebenen Band sind nun

einige von Grünbergs Beobachtungen

zusammengefasst und die Leserin lernt

den Autor als Journalisten kennen.

Einen Arnon Grünberg, der seinen

Sarkasmus im Zaum hält, mehr Fragen

stellt, als Antworten gibt und sich mit

der Realität und dem Unbekannten

vertraut macht.

Zwar hat Grünberg schon kurz nach

Erscheinen seines ersten Romans, „Der

blaue Montag“, in den Niederlanden

begonnen, für eine Zeitschrift Kolumnen

und Beiträge für Zeitungen zu

schreiben, doch erzählte er da hauptsächlich

von seiner „kleinen Welt“, von

Lesungen, literarischen Festivals, wie

die Welt draussen aussieht, die Welt seiner

Leserinnen und Leser, hatte er nicht

erforscht. Nach zehn Jahren wollte er

das nachholen, unter Menschen gehen,

die „Furcht des Romanautors, sich auf

das Niveau des Journalismus herabzubegeben

oder durch zu ausgiebige

Recherche literarisch verbrämte Soziologie

zu betreiben“, wollte er ablegen

und sich der „schmutzigen, unberechenbaren

Realität“ stellen.

Seine erste Reportage schrieb er ausgerechnet

aus Afghanistan. Im Juli 2006

machte er sich mit einer Einheit der

niederländischen Truppen auf den Weg

ins Kriegsgebiet. Dem ersten Versuch

folgten weitere journalistische Projekte.

Ilija Trojanow hat 20 dieser Reportagen

aus aller Welt ausgewählt und mit

einer Einleitung versehen. Im Gespräch

mit Grünberg erfährt man, warum er

die Plage auf sich nahm, Krisenherde zu

besuchen und scheinbar auf Brautschau

in die Ukraine zu reisen, als „Zimmerjunge“

mit einem Handtuch den

Boden aufzuwischen oder nach einem

bürokratischen Hürdenlauf Guantánamo

Bay zu besuchen.

Es gibt auch Arnon als „Couchsurfer“,

als Kellner in Schweizer Zügen oder als

angeblicher Investor im Kosovo. Ein

nur scheinbar harmloses Maskenspiel.

Aber es ist amüsant zu lesen, wie er sich

mit einem Freund nach Montenegro

aufmacht, um aus einem Kloster einen

„Wunderbalsam“ zu importieren.

In allen seinen Reportagen hütet sich

der Autor, vor Urteilen und Pauschalierungen,

kommentiert nicht, sondern

beobachtet, bleibt quasi cool aber neugierig.

Arnon Grünberg

Couchsurfen und andere

Schlachten

Hg. v. Ilija Trojanow

Diogenes, 384 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-257-06870-2

Ein Romanautor verzichtet auf Fantasie

und Sarkasmus und wird zum kühlen

Beobachter. 20 Reportagen aus vielen

Welten.

Foto:

Foto:

wkr

Regine Mosimann / Diogenes Verlag

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Strandgutsammler

Abstürzen und Wiederaufraffen, Begehren und Lieben. All das macht

Uwe Timm zum Gegenstand eines reifen Alterswerks.

Von Konrad Holzer

Plötzlich ist alles

anders.

Aber ist anders

auch gut?

Foto: Inge Zimmermann

Eschenbach

ist abgestürzt.

Alles, was

er hatte, ist weg.

Jetzt ist er Inselwart,

Vogelwart

auf der Insel

Scharhörn, einer

kleinen unbewohnten

Inseln im hamburgischen

Wattenmeer. Eschenbach ist der

Held in „Vogelweide“, dem neuesten

Roman von Uwe Timm. Der, Jahrgang

1940, machte immer wieder die

Politik zum Thema seiner Geschichten

(„Heisser Sommer“), verlor dabei

aber nie das Sinnliche aus den Augen.

Der Roman „Die Entdeckung der

Currywurst“ war ein grosser Erfolg

und wurde auch verfilmt. Dort trifft

der Erzähler auf Lena Brückner und

beobachtet sie dabei, wie sie Marzipantorte

isst und bemerkt eine „dem

Willen entzogene Lust, ein den Körper

verwandelndes Geniessen.“ Lena

Brückner leitete in den letzten Jahren

des zweiten Weltkriegs eine Kantine

und sie ist diejenige, die durch Zufall

darauf kommt, wie gut Ketchup vermischt

mit Currypulver schmeckt:

„Das schmeckt, dass sie lachen musste,

scharf, aber nicht nur scharf, etwas

Fruchtigfeuchtscharfes …“ In „Johannisnacht“

macht er die Kartoffel zum

Mittelpunkt des Buches.

Und jetzt Eschenbach, der untertags

herumgeht, Strandgut sammelt, Vögel

beobachtet und alles aufschreibt.

Das sind die intensivsten Szenen in

dem Buch, wenn sich der Autor auf

die Natur konzentriert, auf die seltsame

landschaftliche Situation dieses

Eilands. Aber er scheut sich auch nicht

vor Sinnlichkeit und dem Kulinarischen.

Dem Eschenbach sagt nämlich

eine kluge Frau, dass Erzählen, Lieben

und Kochen ein erstaunlich fester

so zialer Klebstoff wären. Als Anna,

die Liebe seines Lebens, den Einsamen

auf seiner Insel besucht, brät er

Schollen in Butter.

„Er mochte

ihr Kauen,

eine eigentümlich

langsame,

rhythmische,

synkopisch,

unterbrochene

Bewegung, die

so gar nichts Gieriges, aber doch etwas

zurückhaltend Geniessendes hatte.“

Eschenbach, ein studierter Theologe,

will die Abbildungen von Jonas und

dem Walfisch zum Thema einer Arbeit

machen. Zu der er während seiner

Tätigkeit als erfolgreicher Informatiker

natürlich nicht kam. Weil ihn in der

Vor-Inselzeit neben dem Beruf auch

eine Liebesgeschichte beanspruchte.

Konkurs und Ende der Liebe lässt

Timm nahezu gleichzeitig über seinen

Helden hereinbrechen. Der aber

reagiert so abgeklärt, wie sich das eben

ein 70-jähriger ausdenkt. Timm ist ein

aufmerksamer Beobachter von Zuständen

und ein Sammler von Themen. Er

baut diese Fundstücke in seine Dialoge

ein und gibt einem so Stoff zum

Weiterdenken. Und sowieso mit dem

Thema Eschenbachs anderer Arbeit,

in der es um das Begehren geht, in der

er sich fragt, was denn das ist, was den

Wunsch weckt, wo der Unterschied

zwischen Liebe und Begehren liege.

Das zieht er durch und baut es aus

und weiss, dass das Paradox-Schöne

am Begehren ist, das es aufhört, wenn

es an sein Ziel kommt.

Uwe Timm

Vogelweide

Kiepenheuer & Witsch, 336 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-462-04571-0

Auch als E-Book erhältlich

Schön, komisch und klug erzählt Uwe Timm

von der Macht des Begehrens, von den

geheimnisvollen Spielregeln des Lebens und

von der Kunst des Abschieds.

»Das Geld muss weg, das wird

sonst schlecht«, sagt Paula, die

eine Erbschaft gemacht hat, und

lädt ihre Freundinnen Almuth

und Lilo zu einem Urlaub in die

Schweiz ein – denn wo kann man

sein Geld besser verprassen? Gesagt,

getan, Almuth kocht ihrem

Gatten Günter für eine Woche sein

Essen vor, packt die Wanderschuhe

ein, und es kann losgehen! Doch

angekommen im Hotel, will sich

die erhoffte Fröhlichkeit bei den

drei Damen nicht so recht einstellen.

Paula liegt erfolglos auf der

Lauer nach einem Urlaubsfl irt,

Lilo ist sowieso bekümmert, weil

frisch verwitwet, und Almuth findet

es merkwürdig, Günter nicht

an ihrer Seite zu haben. Als sie

aber am dritten Abend einen netten

Mann kennenlernt, der genauso

für Fussball brennt wie sie und

auch noch Jens Lehmann heißt, ist

alles plötzlich ganz anders ...

Tanja Kokoska

Almuth spielt auswärts

400 Seiten, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-86612-352-6

ca. SFr 21,90

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BELLETRISTIK

Versuch,

nicht zu

schwindeln

Mit „Reise an den Rand des Universums“ legt Urs Widmer seine Autobiographie

vor – ein Blick auf das Erinnerte seiner ersten dreissig Lebensjahre.

Urs Widmer hat immer schon

sein Leben zum Thema seiner

Bücher gemacht, etwa in seinen

Romanen „Im Kongo“, „Die Forschungsreise“

oder „Das enge Land“.

„In diesen Romanen“, sagt Urs Widmer

im Gespräch, „stecken viel mehr

Dinge, die mit meinem wirklichen

Leben zu tun haben, als man auf

den ersten Leseblick meint.“ Er habe

damit einen Stollen nach dem andern

seines Erinnerns,

seiner Kindheit

ausgebaggert,

sagt er. „Auf die

verschiedensten

Weisen, mit verschiedensten

Metamorphisierungen ist daraus

Literatur geworden.“ Und als alle

diese Stollen freigelegt waren, habe

er nichts mehr als die sogenannt

nackten Tatsachen gehabt: „Also

das korrekt Erinnerte, das, was ich

treu und redlich glaube, von meinen

frühern Jahren zu wissen und nichts

dazu zu tun dürfen und müssen. Die

richtigen Namen. Etwas, was ich bis

anhin just nicht tun wollte. Aber bald

merkte ich, dass mich das – wie eine

Flucht nach vorn – reizte.“

Dabei schreibt Urs Widmer ganz zu

Beginn: „Kein Schriftsteller, der bei

Trost ist, schreibt eine Autobiographie.

Denn eine Autobiographie ist

das letzte Buch. Hinter der Autobiographie

ist nichts. Alles Material

verbraucht. Kein Erinnerungsrätsel

mehr.“ Wobei das mit der Erinnerung

so eine Sache ist. Urs Widmer:

„Das Schreiben ging relativ leicht.

Ich merkte mit dem ersten Wort, dass

Von Martin Walker

„Ich war ein miserabler

Schriftsteller, der als einziger

wusste, dass er eigentlich ein

Schriftsteller sein möchte, dass aber

das, was er tat, nichts taugte.“

es so anders als bisher auch nicht war.

Mein Vater heisst halt jetzt plötzlich

Walter und meine Mutter Anita, und

meine Freundinnen heissen so wie sie

heissen. Aber ich erfinde trotzdem.

Man kann gar nicht anders – auch

wenn man versucht, ganz genau zu

sein – als irgendwelche Sinnlücken zu

füllen. So dass auch beim strengsten

Versuch, nicht zu schwindeln, durch

die Form und die Art des Erzählens

– etwas Romanhaftes

entsteht.“

Und so liest sich auch

die Autobiographie,

leicht, und mit dem

Urs Widmer eigenen

Humor, der

auch schmerzhafte Sachen erträglich

erscheinen lässt. Aber er gönnt

den Leserinnen und Lesern „nur“

Einblick in seine ersten dreissig Jahre.

„Ich habe sie in drei Teile, in

drei Dekaden eingeteilt, weil ich

das Gefühl hatte, mein Leben sei so

strukturiert gewesen. Von 1938 bis

1948, von 1948 bis 1958 und dann

bis 1968, wo ich endlich – so etwas

wie ein erwachsener Mann mit einer

richtigen Frau in einer ganz andern

Stadt, nämlich Frankfurt am Main –

ein erstes Buch schreibe. Damit hört

es auf, es hört mit diesem ersten Buch

auf. May, meine Frau, die das liest,

und ich bibbere.“ Warum, Herr Widmer,

hören Sie dort auf, man hätte

gerne weitergelesen? „Weil ich dann

in Teufels Küche komme. Ich will

keinen Menschen, mir nah oder fern

verletzen. Kommt Zeit, kommt Rat.

Vielleicht mit 80.“ Nun sind diese

drei Dekaden natürlich interessante

Zeitabschnitte. Und Urs Widmer versteht

es – in einer Art Vorwort zu den

Dekaden – die jeweiligen Eckpunkte

festzumachen, auf die prägendsten

Ereignisse auf innen- und weltpolitischer

Ebene hinzuwiesen und zu

kommentieren. Widmer studiert –

Deutsch, Französisch, Geschichte –,

wird später Lektor beim Walter Verlag,

den er, als dem Verlagsleiter Otto

F. Walter gekündigt wird, ebenfalls

verlässt und Lektor im Suhrkamp Verlag

wird – den er zusammen mit vielen

anderen ebenfalls verlassen wird.

Der Exodus ist als Lektorenrevolte

in die Geschichte eingegangen. Es ist

ein entscheidender Moment, denn er

beschliesst, von nun an Schriftsteller

zu sein. Urs Widmer: „Ich schrieb

immer schon, nur schlecht, zeigte es

also niemanden. Ich war ein miserabler

Schriftsteller, der als einziger

wusste, dass er eigentlich ein Schriftsteller

sein möchte, dass aber das,

was er tat, nichts taugte.“ Und wie,

Herr Widmer, merkt man, dass das

was geschrieben hat, nun plötzlich

taugte? „Es war einfach eine Evidenz.

Ich wusste das. Als ich den ‚Alois’

unter etwas bizarren Umständen –

ich hatte noch keine Wohnung und

hockte im Speicher oben – begann,

war mir nicht klar, dass ich dabei war,

ein Buch zu schreiben. Ich habe einfach

geschrieben, weiter, weiter, weiter,

bis ich durch war.“

Urs Widmer

Reise an den Rand

des Universums

Diogenes, 336 S.

ca. sFr. 32.90

ISBN 978-3-257-06868-9

Auch als E-Book erhältlich

Foto: wkr

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Alex Capus

Milena Moser

Von drei Helden wider Willen erzählt Alex Capus’ neuer Roman:

Ein Jüngling träumt vom Weltfrieden und wird zum Bombenbauer.

Ein Mädchen will Sängerin werden und endet als Spionin. Ein

Kunststudent geht nach Troja und wird zum größten Fälscher aller

Zeiten. Nur einmal können die drei einander begegnet sein und

doch bleiben ihre Wege auf eigentümliche Weise verbunden …

288 Seiten. Gebunden. 27,90 sFr*

Auch als -Book. www.alexcapus.de

Zwei Frauen in der Mitte ihres Lebens, beide in der Krise.

Nevada ist krank und lernt gerade damit umzugehen, da wird

sie von der großen Liebe erwischt. Erika dagegen erträgt den

Luxus nicht mehr und bricht mit allem, was ihr Leben ausmacht.

Mit Witz, Verve und voller Zuneigung lockt Moser ihre

Figuren durch existentielle Höhen und Tiefen.

320 Seiten. Gebunden. 27,90 sFr*. Auch als -Book

Rüdiger Safranski

Jostein Gaarder

Das Goethe-Buch für unsere Zeit: Rüdiger Safranski nähert sich

dem letzten Universalgenie aus den primären Quellen – Werke,

Briefe, Tagebücher, Aufzeichnungen von Zeitgenossen. So wird

Goethe ungewohnt lebendig: Safranskis souverän geschriebenes

Buch macht uns zu Zeitgenossen dieses Menschen und schildert

eindringlich, wie Goethe sich zu Goethe gemacht hat.

Ca. 752 Seiten mit Register. Leinen, Fadenheftung, Lesebändchen

37,90 sFr*. Auch als -Book

Wie es im Jahre 2084 auf der Erde aussieht, wenn wir so

weitermachen wie bisher – das erlebt die 16-jährige Nora in ihren

Träumen. Was wir heute tun müssen, damit das nicht eintrifft –

dafür engagiert sie sich. 20 Jahre nach Sofies Welt stellt Jostein

Gaarder eine der drängendsten Fragen unserer Zeit:

Können wir unsere Umwelt und das Klima retten?

Ü.: Gabriele Haefs. Im Anhang Adressen zu den Themen Klima,

Umwelt, Artenschutz. 192 Seiten. Gebunden. 21,90 sFr*. Auch als -Book

* unverbindliche Preisempfehlung des Verlags

www.hanser-literaturverlage.de

www.nagel-kimche.ch


Ein Engel sieht rot

Während Batman als dunkler Rächer durch die Nächte gleitet und die

Verbrecher stets am Leben lässt, räumt eine strahlende Engelsgestalt in einer

deutschen Grossstadt ebenso endgültig wie tödlich auf – weil der Staat seine

Bürger nicht mehr schützen kann. Andreas Eschbachs neuer Thriller

„Todesengel“ ist durchaus kontrovers.

Von Peter Hiess

PROMOTION

In den letzten Jahren gab es einige

Fälle sinnloser Gewalt: Jugendliche

prügeln und treten aus purer Lust an

der Grausamkeit andere Menschen

halb- oder ganz tot. Diesen Umstand

nimmt Andreas Eschbach zum Ausgangspunkt

für seinen neuen Thriller.

Als ein Rentner in „Todesengel“ Zivilcourage

beweisen will, wird er von zwei

Halbwüchsigen zusammengeschlagen.

Doch bevor sie ihn umbringen

können, taucht eine weiss leuchtende

Gestalt – wie ein Engel – auf, zieht zwei

Revolver und erledigt die Täter durch

gezielte Kopfschüsse. Binnen weniger

Tage ereignet sich eine ganze Reihe

weiterer solcher „Selbstjustiz“-Fälle.

Andreas Eschbach kommt in seinem

Roman ganz ohne die fantastischen

Elemente aus, die ihn berühmt

gemacht haben. „Es geht darin um

Gewalt, um die Fälle brutaler Gewalt

in der Öffentlichkeit, von denen wir

immer wieder und, so hat man den

Eindruck, immer häufiger lesen, und

davon, wie die Justiz damit umgeht“,

sagt er im Interview. „Gewachsen ist

die Idee sozusagen auf einem Kompost

aus vielen Zeitungsmeldungen

und aus eigenen Erinnerungen an

Ängste, an bedrohliche Situationen,

an Momente, in denen man sich

jemanden gewünscht hat, der einen

beschützt.“

Der neue Beschützer erzeugt in

„Todes engel“ naturgemäss Kontroversen:

Das Volk auf der Strasse ist

mehrheitlich auf seiner Seite, obwohl

es auch andere Stimmen gibt. Und auf

Dauer bekommt sogar auch das strahlende

Bild des Engels erste Kratzer und

Schatten – wie, das wird hier äusserst

gekonnt erzählt.

Andreas Eschbach

Todesengel

Bastei Lübbe, 592 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-7857-2481-1

Auch als E-Book erhältlich

Foto: Olivier Favre

Ein Skandal erschüttert das Städtchen Aurora an der Ostküste

der USA: Dreiunddreißig Jahre nachdem die ebenso schöne wie

geheimnisumwitterte Nola dort spurlos verschwand, taucht

sie wieder auf. Als Skelett im Garten ihres einstigen Geliebten.

Der berühmte, zurückgezogen lebende Schriftsteller

Harry Quebert steht plötzlich unter dem

dringen-

Mordverdacht.

Dieser preisgekrönte Roman liest sich wie

ein raffinierter Krimi und ist doch viel

mehr! Ein atemberaubendes Lesevergnügen.

In Frankreich stand er über Monate

hinweg auf Platz 1 der Bestsellerliste.

Joël Dicker

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

736 Seiten. Gebunden. ISBN: 978-3-492-05600-7

ca. SFr 32,90

Niemand kannte ihn.

Und dann schrieb er das

erfolgreichste Buch

des Jahres …


Fotos: Szenenfoto aus „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“/2013 Warner Bros Entertainment Inc.

– Greisinger Museum

Reise, mit Zwergen

Aus einer Geschichte, die ein Englischprofessor einst seinen Kindern erzählte,

wurde ein Welterfolg, der seit Jahren auch Kinobesuchern die Weihnachtszeit

verschönert. Der Original-„Hobbit“ ist trotzdem nicht zu übertreffen.

Fantasy ist eines der beliebtesten

und bestverkauften Genres der

Verlagsbranche, hat sich auch auf

dem Film- und Computerspiel-Markt

durchgesetzt und gilt keineswegs mehr

als ehrenrührig. Romantische Blutsauger,

britische Zauberlehrlinge

und sogar Zombie-

Detektive erobern regelmässig

die Bestseller listen

– und das alles haben wir

einem kleinen Kerl mit

behaarten Füssen und

einem Hang zur Gemütlichkeit

zu verdanken, der

erstmals in einem Kinderbuch

aus den Dreissigerjahren

auftauchte.

John Ronald Reuel Tolkien (1892–

1973), Philologe und Oxford-Universitätsprofessor,

hatte die Geschichte um

Bilbo Beutlin eigentlich für seine Kinder

geschrieben; 1937 erschien sie auch

im Verlag George Allen & Unwin –

und wurde unter dem Titel „Der Hobbit

oder Hin und zurück“ zum Welterfolg.

Die Mittelerde-Mythologie, die

Tolkien schon lange durch den Kopf

ging, führte dazu, dass er später die

berühmten „Herr der Ringe“-Romane

und das unvollendete „Silmarillion“

über die Vorgeschichte zu den Hobbit-

Abenteuern schrieb.

Tolkiens Fantasy-Epos, das die Hippie-

Bewegung in den späten Sechzigern

als „Kult“ wiederentdeckte, zählt heute

zu den Standardwerken der High-

Fantasy-Literatur und hat zahlreiche

Nachahmer gefunden. Wer sich fragt,

wie Regisseur Peter Jackson aus dem

schmalen Büchlein um den Hobbit

eine überlange Filmtrilogie „adaptie-

Von Peter Hiess

ren“ konnte, sollte das Original lesen –

das bei Klett-Cotta in allerlei Varianten,

Luxusausgaben und filmbezogenen

Begleitbänden (u. a. Rätselbüchern für

Kinder) vorliegt; die wichtigsten Titel

finden Sie weiter unten.

„Fantasy ist eskapistisch, eine Flucht vor der

Realität – und genau das ist das Wunderbare

daran. Wenn ein Soldat vom Feind gefangengenommen

wird, betrachten wir es dann nicht

als seine Pflicht, zu entfliehen? … Wenn wir die

Freiheit von Geist und Seele schätzen, wenn wir

Vorkämpfer für die Freiheit sind, müssen wir einfach

fliehen und so viele Menschen wie möglich

auf unsere Flucht mitnehmen!“

J. R. R. Tolkien

Gehen Sie also auf die Flucht – möge

Gandalf Sie begleiten!

Jude Fisher

Der Hobbit: Smaugs Einöde

Das offizielle Begleitbuch

Übers. v. Joachim Körber

Klett-Cotta, 80 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-608-96044-0

Erscheint im November

J. R. R. Tolkien

Der Hobbit

Das Original zum Film

Übers. v. Wolfgang Krege

Klett-Cotta, 328 S.

ca. sFr. 21.90

ISBN 978-3-608-93977-4

Das ungekürzte Original in einer preiswerten

Ausgabe. Enthält die vollständige Übersetzung

mit allen 16 Liedern, das Vorwort über Runen

und die Originalkarten.

Exklusivmaterial zu Figuren, Schauplätzen und

Schauspielern. Mehr als 100 Fotografien.

Das Geschenkbuch zum Film.

Mittelerde in Jenins

Es hat seine Tore geöffnet das Greisinger

Museum, wobei diese Tore

ganz besondere sind, man tritt ein

durch eine Hobbithöhle – und muss

auch in bisschen den Kopf einziehen

deswegen. In Jenins entsteht ein

Museum, das die Greisinger Mittelerde

Collection beherbergen wird.

Bernd Greisingers private Sammlung

zum Thema Mittelerde ist die

weltweit grösste

und bedeutendste

ihrer Art.

In der Bibliothek

gibt es seltene

Ausgaben der

Tolkien-Bücher

zu bewundern,

die Greisinger seit

2005 sammelt,

darunter auch

eine von Tolkien

signierte Erstausgabe

von „Lord of the Rings“. Die

Bibliothek ist ein wertvolles Archiv.

Zudem werden rund 600 Gemälde

von über 100 Künstlern zu sehen

sein. Hinzu kommen Objekte und

Figuren – ein Balrog, ein sieben

Meter hoher Baumbart –, die das

zum grossen Teil unterirdisch angelegte

Museum bevölkern. Im Kinosaal

hängt ein lebensgrosser Smaug

von der Decke …

Bernd Greisinger, ehemaliger Vermögensverwalter,

hat sich vorgenommen,

auch persönlich Gruppen

durch das neue Museum zu führen.

Für Tolkien-Fans natürlich ein Muss

und ein Erlebnis der besonderen Art.

Mehr zum Museum findet man im

Internet unter www.gmec.ch sowie

auf Facebook (https://www.facebook.com/GreisingerMuseum).

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Fotos: Mark Krohn

Eine mutige junge Frau

Malala Yousafzai ist erst 16 Jahre alt, doch bereits weltweit bekannt als

Kinderrechtsaktivistin und jüngste Friedensnobelpreis-Kandidatin. Sie wurde

mit dem Internationalen Friedenspreis für Kinder ausgezeichnet und legt nun

ihre Autobiografie vor. Von Lorenz Braun

Es ist sicher merkwürdig, schon mit

16 Jahren eine Autobiografie zu

verfassen, doch Malala Yousafzai hat

einiges zu erzählen. Am 9. Oktober

2013, dem Jahrestag des Attentats,

erscheint weltweit ihre Geschichte. Das

Jahr zuvor wurde Malala von einem

Taliban in den Kopf geschossen. Sie

überlebte schwerverletzt, wurde mehrere

Male operiert und schliesslich nach

England ausgeflogen, wo sie heute mit

ihren El tern und Brüdern lebt und seit

dem Frühjahr wieder die Schule be -

sucht.

In ihrer Autobiografie schildert sie ihr

Leben und das ihrer Familie in einer

streng hierarchisch geordneten Stammesgesellschaft.

Sie war ein normales

Mädchen, hörte die Lieder von Justin

Bieber und las die „Twilight“-Bücher.

Das Besondere an ihr war, dass sie

gern zur Schule ging und lernte und

sich für den Unterricht von Mädchen

engagier te. Es war nämlich schwierig

für Mädchen, in die Schule zu gehen,

unterrichtet zu werden, da sich nach

einem grossen Erdbeben islamistische

Taliban in dem Tal festgesetzt hatten.

Anfangs halfen sie und unterstützten

die Menschen, die ihre Häuser verloren

hatten. Dann gab es regelmässige

Radiosendungen in der Früh und am

Abend, in denen der „UKW-Mullah“

zu einem islamischen Leben aufrief.

Und es war eine sehr rigide Auslegung

des Islam. Man sollte keine Musik

mehr hören, nicht mehr fernsehen, die

Männer sollten sich nicht mehr rasieren

und die Frauen nicht mehr allein auf

den Markt gehen. Eine weitere Schi-

kane war, die Schulen für Mädchen zu

schliessen. Dagegen sträubte sich Malalas

Vater, der Direktor einer eigenen

Schule, der Malala stets nach Kräften

förderte. Doch die Taliban setzten die

Daumenschraube an, Fernseher wurden

eingesammelt und am Stadtplatz

verbrannt. Nicht allen Menschen ging

das gegen den Strich, viele fanden diese

Massnahmen durchaus richtig. Doch

Malala opponierte auch im Kleinen. Als

Malalas Mutter ihre Tochter anwies, ihr

Gesicht zu verhüllen, da man sie sonst

ansehen würde, antwortete sie, „dann

sehe ich eben zurück“. Mit der Zeit

wurde der Druck der Taliban immer

stärker, bis die Regierung in Islamabad

Truppen in das Tal sandte, um die Islamisten

zu vertreiben. Auf den ersten

Blick gelang das auch, doch die Taliban

gingen in den Untergrund und verübten

Anschläge, um ihre Forderungen

doch durchzusetzen. Da Malala sich in

Vorträgen immer für Bildung einsetzte

und dafür auch landesweit bekannt

wurde, fiel sie den Taliban auf. Zudem

schrieb sie für die BBC einen vielbeachteten

Blog über ihr Leben unter Islamisten.

Trotz des Attentats hat Malala ihren

Kampf nicht aufgegeben, sondern eine

Stiftung gegründet mit dem Ziel, Bildungsmassnahmen

zu unterstützen.

An ihrem 16. Geburtstag hielt sie eine

international beachtete Rede vor der

UN-Jugendversammlung und überreichte

Ban Ki-moon eine Petition, in

der sie die Generalversammlung der

Vereinten Nationen auffordert, das

selbst gesetzte Ziel, bis 2015 jedem

Kind den Zugang zur Bildung zu er -

möglichen, dringend umzusetzen.

Malala Yousafzai,

Christina Lamb

Ich bin Malala

Übers. v. Elisabeth Liebl,

Sabine Längsfeld,

Margarete Längsfeld

Droemer, 365 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-426-27629-7

Auch als E-Book erhältlich

Beinah schillerndes

Leben

Herman Koch versteht es, spannende

Geschichten zu erzählen.

„Angerichtet“ war 2009 einer der

meistverkauften Romane europaweit

und steht aktuell in den Top

Ten der New York

Times-Bestsellerliste.

Auch mit „Sommerhaus“

war er erfolgreich.

Mit „Odessa

Star“ begann Kochs

lockere Folge von

Romanen über

leicht psychotische

Männer mit einer tiefen Frustration

über ihr bürgerliches Leben. Dieses

Mal führt er uns in die Unterwelt

Amsterdams. Fred Moorman

ist Ende 40 und träumt von einem

schwarzen Jeep Cherokee und einem

neuen Freundeskreis. Er steckt in der

Midlife Crisis, sein Leben ödet ihn

an. Heute stehen tilgungsfreie Darlehen

und CruiseControl im Mittelpunkt.

Auch für seinen Sohn ist

er längst kein Held mehr und seine

Frau denkt laut darüber nach, was

wäre, wenn er plötzlich tot umfiele.

Da trifft Fred zufällig Max G. wieder,

einen Schulkameraden vom

Gymnasium, der Fred durch sein

aggressives, brutales Auftreten, seine

schönen Frauen, seinen Bodyguard

und seine Autos beeindruckt.

Max G. hat scheinbar alles, was Fred

nicht hat: Mumm, Durchsetzungsvermögen,

ein schillerndes Leben.

Fred sucht Max’ Nähe und scheut

sich auch nicht davor, ihn und seine

kriminellen Freunde einzuspannen,

als es darum geht, eine unliebsame

Nachbarin aus dem Weg zu räumen.

Doch dann wird Max G. erschossen

und die ungleiche Freundschaft der

beiden erscheint in einem ganz neuen

Licht.

Herman Koch

Odessa Star

Übers. v. Christiane Kuby

Kiepenheuer & Witsch, 320 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-462-04559-8

Auch als E-Book erhältlich

PROMOTION

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BELLETRISTIK

Zum Einlesen

Grundsatzpapier

Verzweifelt, unsicher, am Ende?

Keine Angst, mit Sibylle Berg wird

das Leben wieder lebenswert, klar

und einleuchtend. In dieser ultimativen

Überlebensfibel für verstörte

Zeitgenossen gibt die

Autorin kluge, scharfe,

liebenswürdige und

witzige Antworten

auf so drängende Fragen

wie „Verblödet

die Jugend immer

mehr?“, „Sind Männer

in irgendeiner Weise

liebenswert?“, „Wenn

die Welt untergeht,

gilt das auch für die

Schweiz?“ oder „Warum machen

Ferien oft unglücklich?“. Also Fragen

der Weltverbesserung, zu Liebe,

Sex und ähnlichem („Muss das alles

wirklich sein?“) oder der guten Vorsätze.

Dabei wirft Sibylle Berg einen

analytischen Blick auf die Gesellschaft,

ihre Ungereimtheiten und

Dummheiten. „Folgen Sie mir und

haben Sie keine Angst“, empfiehlt

Berg. Die vertrauensvolle Leserschaft

wird merken, dass man nur

auf sich selbst hören muss, um die

Welt besser verstehen zu können.

Diese ist schliesslich nur so kompliziert,

wie ihre Bewohner selbst. Und

wer nicht hören will, kann ja immer

noch lesen. „Jedem steht es frei, zu

leben wie er will“, schreibt Sibylle

Berg. Das muss einem ja auch mal

jemand sagen. Zum Glück tut es

Sibylle Berg.

Sibylle Berg

Wie halte ich das nur

alles aus?

Fragen Sie Frau Sibylle

Hanser, 160 S.

ca. sFr. 21.90

ISBN 978-3-446-24322-4

Auch als E-Book erhältlich

Geheimnisvolle

Identität

Auf dem Weg nach Stromboli ist Isabelle

angenehm überrascht, als ihr

ein älterer Herr hilft, den Koffer zum

Perron hoch zu tragen. Auf Gleis 4

fährt der Zug zum Flughafen. Oben

angekommen – stirbt der Mann. Er

trägt keinen Ausweis auf sich, seine

Mappe nimmt Isabelle gedankenverloren

mit, das Flugzeug ist längst

gestartet. Sie bleibt zu Hause. Plötzlich

klingelt ein Handy in der Mappe,

jemand will Marcel sprechen, lässt

ihm ausrichten, dass er sich auf dem

Friedhof nicht blicken lassen soll.

Die Witwe aus Kanada sagt, Marcel,

nein, ihr Mann heisse Martin.

Isabelle, ihre Tochter und die Witwe

– drei starke Frauen – nehmen

Witterung auf und entdecken so die

Geschichte von Martin bzw. eben

Marcel, der als junger Mann, als Verdingkind,

nach Kanada ausgewan-

Erika hat

genug von

ihrem Mann,

von belanglosen

Dinnerparties

am

Zürichberg.

Es muss etwas

passieren: Sie

nimmt sich

eine Wohnung in Seebach – und findet

dort das wahre Leben. Schluss

mit Pillen und Alkohol, Schluss mit

der Verlogenheit. Sie lernt Nevada

kennen, die mit Multipler Sklerose

kämpft – und schwierigen Mädchen

aus dem Rollstuhl heraus Yogastunden

gibt. Nevada, die sich in Dante

verliebt, der Krebs hat. Dante, der

Comicscripts schreibt, zu denen

Erika die Illustrationen liefert. Sie

schüttelt in der neuen Umgebung

den Balast ihre Vergangenheit ab

Erika findet sich

dert ist. Die Suche in Ämtern, das

Stochern in Familiengeheimnissen

führt zum Erfolg, auch wenn Martin

deswegen nicht wieder lebendig

wird. Franz Hohler hat ein feines

Gespür für Tempo und Spannung

und zeichnet die Porträts der Hauptpersonen

mit viel Gefühl.

Franz Hohler

Gleis 4

Luchterhand, 224 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-630-87420-3

Auch als E-Book erhältlich

und entdeckt ihre alten Vorlieben

und Fähigkeiten. Auch Suleika findet

Freundinnen in Seebach. Als

sie nach einem Zusammenbruch im

Spital untersucht wird, entdeckt man

Knochenbrüche, die sich niemand

erklären kann …

Moser gelingt es, geschickt Schicksale

unterschiedlichster und teils

schräger Menschen zu verweben.

Ein unterhaltsamer und witziger

Roman, der trotz ernster Passagen

den Humor nie verliert und einen

hoffnungsfroh in die Zukunft blicken

lässt.

Milena Moser

Das wahre Leben

Nagel & Kimche, 320 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-312-00576-5

Auch als E-Book erhältlich

Fotos: Christian Altorfer, Katharina Luetscher (2)

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VIII XIII

Fotos: Daniel Rihs, wkr, Ayse Yavas

Aufgeblättert

Carambole ist ein Brettspiel, dem Billard

verwandt. In Jens Steiners zweiten

Roman heissen die Spielsteine Fred,

Manu und Igor – und es dauert noch

zwei Wochen, bis für die drei Jungs die

Schulferien beginnen. Sowohl beim

einen wie beim

anderen Carambole

reicht ein

Anstoss, um das

soziale Gefüge in

diesem kleinen

Dorf in Schwung

zu bringen – bis

zur Explosion.

Steiner führt sein

spitzes Queue, seinen zeigenden Finger

zielgenau. Mit Genuss blättert er Runde

um Runde die verschiedenen Facetten

des Zusammenlebens auf, entdeckt

Lebengeschichten und -lügen, Liebesgeschichten

und -tragödien. Er wech-

Emmentaler Tango

selt virtuos Erzählstimmen und Perspektiven

und lässt so das Bild zu einem

Ganzen werden. Dabei wachsen einem

die Figuren ans Herz, weil Steiner sie

mit einer Neugier auf das Menschsein

betrachtet, die nur jemand entwickeln

kann, der Menschen mag. „Wir sind,

was weiss ich, wir sind, ach Gott. Ganz

gewöhnliche Menschen. Wir wollen

nur ein bisschen zufrieden sein. Mehr

nicht.“ Aber es ist so eine Sache mit

dem Zufriedensein.

Pedro Lenz

I bi meh aus eine

Die bemerkenswerte Geschichte

eines Emmentaler Siedlers

Cosmos Verlag

Jens Steiner

Carambole

Ein Roman in zwölf

Runden»

Dörlemann, 288 S.

ca. sFr. 27.–

ISBN 978-3-908777-92-2

In Buenos Aires im Café Tortoni sitzen

1931 der „Herr Korreschpondänt“

und lässt sich vom über fünfzigjährigen

August

Wingeier aus

Trubschachen

seine

Lebensgeschichte

erzählen.

Sein Vater,

Peter Wingeier,

plündert im Emmental die Mündelkasse

und flieht nach Argentinien,

lässt Kinder und Frau zurück, kauft

auf dem Weg falsche Papiere – der

echte Dr. Theophil Romang aus Langnau

verstirbt auf der Überfahrt – und

gründet ein Dorf: Romang. Das trotz

oder vielleicht auch dank der Quacksalbereien

von Dr. Romang prosperiert,

bis er seine Kinder nachkommen lässt.

Beim Erben allerdings legen die argentinischen

Behörden ein paar Steine

in den Weg – Vater und Sohn haben

unterschiedliche Namen. Aber ein

Besuch auf dem Amt in Trubschachen

bringt die Sache in Ordnung. Auch

wenn erst die alte Schuld getilgt werden

muss.

Das Dorf existiert, die Geschichte ist

wahr und Lenz lässt sie auf wunderbare

Art und Weise lebendig werden. Passend

zur Lektüre sollte man natürlich

Tango hören.

Pedro Lenz

I bi meh aus eine

Die bemerkenswerte

Geschichte eines Emmentaler

Siedlers

Cosmos Verlag, 96 S.

ca. sFr. 25.–

ISBN 978-3-305-00465-2

Verdientes Paradies

Boris Vian, der Altmeister des Absurden

und Surrealen hätte seine Freude

an dem Roman von Marie-Jeanne

Urech. In vier Teilen entwickelt sie

eine fantastische Welt, bevölkert

von skurrilen

Figuren. Da ist

etwa Doktor

Aarberg, der

eine Epidemie

zu bekämpfen

hat (noch mehr

aber mit dem 18. Loch am Golfplatz

kämpft, wo ihm immer der Golfball

abhanden kommt) und seine Kinder

sucht, die (im Alter von fünf

und sieben!) weggegangen sind. Da

sind die Zwillinge Brillantine und

Ludivina, die sich einen Job teilen

und mittels eines grossen Spiegels

das Sonnenlicht zurück in die Stadt

bringen wollen. Da gibt es Fräulein

Kayserling, in deren Wohnung

unverhofft Ingenieur Graber aus

einen Loch auftaucht. Fräulein Kayserling

verliebt sich augenblicklich in

Graber. Sie haben alle ihre Macken

und Tugenden, leben in einer undefinierbar

kontrollierten Welt, haben

aber ihre Persönlichkeit in naiver

Weise nicht verloren – neigen jedoch

dazu, verloren zu gehen. Dann gibt

es noch Grosse Yvonne und Kleine

Yvonne, die eine Familienpension

führen, die im Laufe der Jahre von

einer Autobahn eingekesselt wurde

und von der Aussenwelt abgeschnitten

ist. Wer hier alles zu Gast ist, sei

nicht verraten. Nur soviel: Es ist das

Paradies.

Marie-Jeanne Urech

Requisiten

für das Paradies

Roman

fleurs

de benbil

Marie-Jeanne Urech

Requisiten für das

Paradies

Bilgerverlag, 390 S.

ca. sFr. 33.–

ISBN 978-3-03762-038-0

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BELLETRISTIK

Zum Einlesen

Aufruhr

Friedhöfe waren im Mittelalter lebendiger

und lärmender Tummelplatz

des sozialen Lebens. Dort trafen sich

Gauner, Prostituierte und Strassenkinder.

In der Neuzeit nahm man

es mit der Hygiene

ein wenig ernster und

die Friedhöfe wanderten

an den Stadtrand.

Diesen Wandel

nimmt Andrew Miller

als Vorlage für seinen

Roman. Es ist eine

turbulente Geschichte

vom Vorabend der

Revolution und den

widerstreitenden Kräften des Alten

und des Neuen. Frankreich, Ende

des 18. Jahrhunderts: Im Schloss von

Versailles wird dem Ingenieur Jean-

Baptiste Baratte von höchster Stelle

ein Auftrag erteilt. Er soll den Friedhof

der Unschuldigen demolieren,

der, mitten in Paris gelegen, Hunderttausende

von Toten beherbergt

und dessen Ausdünstungen die Stadt

langsam vergiften, so dass der Wein

in den Kellern zu Essig wird, Fleisch

binnen Minuten verfault. Aber es soll

unauffällig geschehen. Doch ohne

Widerstand geht es nicht ab, es werden

ja nicht nur Gräber umgesiedelt

sondern auch Menschen vertrieben.

Der ehrgeizige Ingenieur hat Schuldgefühle.

Er will dennoch nicht von

seinem Projekt abweichen, obwohl

er persönlich angegriffen wird. Die

Atmosphäre wird zunehmend aggressiver.

Andrew Miller

Friedhof der

Unschuldigen

Übers. v. Nikolaus Stingl

Zsolnay, 384 S.

ca. sFr. 29.90

ISBN 978-3-552-05644-2

Auch als E-Book erhältlich

Christof Kessler ist Spezialist

für Hirnerkrankungen

und Professor für

Neurologie. Für „Wahn“

hat er Schicksale aus seiner

Praxis zu erschütternden,

anrührenden

und auch komischen

Erzählungen verwoben.

Er präsentiert uns Miniaturdramen

von existentieller

Wucht.

Da geht es etwa um einen

der sich von der Mafia

bedroht fühlt, denn er

weiss zuviel. Einer der

Anwälte hockt abends

auf seinem Schrank.

Manchmal ist ihm klar,

dass das alles Einbildung

ist. Aber es bedarf nur

eines dummen Zufalls

– und er bricht auf zum

Offen gelegt

Paul Auster erzählt

die Geschichte seines

Lebens aus der

Warte des Körpers.

Auster spricht aus,

was seine Hand,

seine Füsse, seine Glieder im Verlauf

eines langen Lebens getan haben.

Es ist ein mutiges weil sehr offenes

Buch, dabei ohne jede Larmoyanz.

Er bereut nichts, er be obachtet. So

lässt er seine Liebesbeziehungen

Revue passieren: viele zunächst, und

dann – dreissig Jahre lang – nur noch

die eine, grosse Liebe! Die Kinder,

die Abtreibungen, die Krankheiten.

Er spricht über Begegnungen mit

dem Tod: ein Sturz als Junge, eine

Herzattacke, ein Autounfall.

Über die Körperlichkeit

auch, die Empfindlichkeit

jenes physischen

Systems, das uns am

Daneben gerückt

Leben erhält und über das wir so

wenig nachdenken, solange es funktioniert.

Winterjournal ist eine Art

Autobiografie, aber keine konventionelle,

sondern höchste literarische

Kunst: voll philosophischer Betrachtungen,

poetischer

Impres-

Paul Auster

Winterjournal

Übers. v. Werner Schmitz

sionen intimer Rowohlt, 256 S.

ca. sFr. 28.50

Einsichten.

ISBN 978-3-498-00087-5

Auch als E-Book erhältlich

furiosen, völlig vergeblichen

Rachefeldzug.

Oder es geht um die

Gefahren des Flirtens,

denn dabei sollte man

sich an Regeln halten.

Was aber, wenn sie an

der seltenen Krankheit

leidet, Gesichter nicht

wiedererkennen zu

können. Und er die vermeintliche

Zurückweisung

nicht erträgt, als sie

ihn später nicht erkennt?

Und sich das nicht

gefallen lassen will?

Christof Kessler

Wahn

Stories

Eichborn, 207 S.

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-8479-0551-6

Auch als E-Book erhältlich

PROMOTION

Fotos: Fotolia, Abbie Trayler-Smith, Beowulf Sheehan, Missbehavior

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Fotos: Special Collections-University of Arkansas Libraries, Tatjana Bilger , Gaby Gerster

Wieder entdeckt

Bis zu seiner Wiederentdeckung

2006 in den USA war „Stoner“

von John Williams (1922–1994)

einer der grossen

vergessenen

Romane der

Weltliteratur.

Als der vergriffene

Roman neu

aufgelegt wurde

konnten schnell

40.000 Exemplare

verkauft

werden und es

sind zahlreiche

Übersetzungen

entstanden.

Erzählt wird das

Leben eines Mannes, der, als Sohn

armer Farmer geboren, schliesslich

seine Leidenschaft für Literatur

entdeckt und Professor wird – es ist

die Geschichte eines bescheidenen

Lebens, das wenig Spuren hinter-

Nicola Karlsson setzt in

ihrem literarischen Debüt

auf eine packende Fallstudie.

Es geht um das

Psychogramm einer jungen

Frau in Berlin. Tessa

ist schön und begehrenswert

und könnte glücklich

sein. Doch sie ist getrieben

von einer manischen

Sehnsucht nach Liebe,

Zuwendung, Bestätigung.

Wenn ihr Freund Nick nur

endlich ihre Bedürftigkeit

erkennen würde,

anstatt sich immer

mehr zurückzuziehen.

Da kommt ein

Glas Wodka gerade

recht. Es hat für sie

so eine angenehm

kühlende, betäubende

Wirkung,

Tabuthema

liess. Ein Roman über die Freundschaft,

die Ehe, ein Campus-Roman,

ein Gesellschaftsroman, schliesslich

ein Roman über die Arbeit. Über die

harte, erbarmungslose Arbeit auf den

Farmen; über die Arbeit, die einem

eine zerstörerische Ehe aufbürdet,

über die Mühe, in einem vergifteten

Haushalt mit geduldiger Einfühlung

eine Tochter grosszuziehen und an

der Universität oft teilnahmslosen

Studenten die Literatur nahebringen

zu wollen.

„Stoner“ ist kein Liebesroman, aber

doch und vor allem ein Roman über

die Liebe: über die Liebe zur Poesie,

zur Literatur, und auch über die

romantische Liebe.

vor allem in Kombination

mit den Beruhigungstabletten.

Sie kompensiert

die eine Sucht mit

der anderen und bleibt

dennoch Mitglied einer

hedonistischen, egozentrischen

Gesellschaft.

Tessa weiss, dass sie aufhören

sollte, und meint,

dass sie jederzeit aufhören

könnte. Aber da

befindet sie sich längst in

einer Abwärtsspirale. Sie

erkennt erst wenige Meter über dem

Abgrund, dass nur Ehrlichkeit zu sich

selbst zur Rettung führt. Tessa ist eine

Romanfigur, aber sie ist authentisch

und wird zu Diskussionen

anregen.

Manche werden

sich gewiss in ihr

wiederfinden.

John Williams

Stoner

Übers. v. Bernhard Robben

dtv, 352 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-423-28015-0

Auch als E-Book erhältlich

Nicola Karlsson

Tessa

Graf, 304 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-86220-046-7

Gefühlswelten

Die Nacht ins neue Jahr wird zur Katastrophe.

Gillian, die erfolgreiche Fernsehmoderatorin,

und Matthias, der weniger

erfolgreiche Journalist, bauen auf dem

Weg nach Hause einen Unfall. Matthias

stirbt, Gillian wird mehrere Gesichtsoperationen

benötigen. Dem Unfall voraus

ging ein Streit. Matthias hat einen Film

gefunden, entwickeln lassen und knallt

Gillian die Abzüge hin: Aktbilder von

ihr. Die Fotos sind das eigentlich harmlose

Ergebnis einer Bekanntschaft mit

dem Künstler Hubert. Es entwickelt sich

ein Flirt ohne weitere Folgen.

Gillian hat sich in ein Hotel in den Bergen

zurückgezogen, wo sie für das biedere

Unterhaltungsprogramm zuständig

ist. Zufällig bestreitet Hubert in dem

Dorf eine Ausstellung. Nur ist er künstlerisch

ausgebrannt, getrennt von seiner

Frau und seinem Sohn. Die Begegnung

mit Gillian weckt Gefühle für einander.

Auch dieser kurze Sommer der Liebe

wird keinen Bestand haben. Was einem

Happyend gleichkommt.

Peter Stamm seziert präzise die Gefühlswelten

seiner Protagonisten. Sorgfältig

steigert er die Eindringlichkeit der

Entwicklung bis nah an

die Schmerzgrenze. Ein

grosser neuer Roman.

Peter Stamm

Nacht ist der Tag

S.Fischer, 252 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-10-075134-8

Auch als E-Book erhältlich

PROMOTION

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BELLETRISTIK

Zum Einlesen

PROMOTION

Poetisch

und rau

Eine kraftvolle

Geschichte

über zwei junge

Mädchen

und über Verlust

und Sehnsucht:

Nini

und Jameelah

leben in derselben Siedlung. Sie sind

unzertrennlich und mit ihren vierzehn

Jahren eigentlich erwachsen. Deshalb

kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die

sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen,

wenn sie ganz cool ausgehen,

um für das Projekt Entjungferung

zu üben. Sie mischen Milch, Mariacron

und Maracujasaft auf der Schultoilette.

Sie nennen das Tigermilch

und streifen durch den Sommer, der

ihr letzter gemeinsamer sein könnte.

Die Freundinnen lassen sich treiben,

hängen mit Nico ab. Nico, der Nini

ein Gefühl von Zuhause gibt. Sie

machen Bahnpartys und gehen mit

Amir ins Schwimmbad. Amir, den sie

beschützen wie einen kleinen Bruder.

Und dessen grosser Bruder Tarik im

Dauerstreit mit seiner Schwester liegt,

weil diese sich in einen Serben verliebt

hat. Nini und Jameelah erschaffen sich

eine Welt mit eigenen Gesetzen, sie

überziehen den Staub der Strasse mit

Glamour, die Innigkeit ihrer Freundschaft

ist Familienersatz. Sie halten

sich für unverwundbar, solange sie

zusammen sind. Doch dann werden

sie ungewollt Zeuge,

wie der Konflikt in

Amirs Familie eskaliert.

Und alles droht

zu zerbrechen.

Stefanie de Velasco

Tigermilch

Kiepenheuer & Witsch, 288 S.

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-462-04573-4

Auch als E-Book erhältlich

Umwerfend

eigensinnig

Utina, Florida: Ihre glanzvollen

Zeiten hat die Kleinstadt

hinter sich, und niemand

passt besser in das

Bild des Verfalls als die

Familie Bravo. Vater Dean

hat sich aus dem Staub

gemacht, und so ist es an

dem Sohn Frank, sich um

die Familie zu kümmern.

Frank träumt von den Bergen, doch

viel weiter als bis zu den Grenzen Utinas

hat er es noch nicht geschafft. Wie

auch, wenn er ständig zwischen Mutter

Arla und Schwester Sofia – beide

ein Ausbund an Sturheit – vermitteln

muss. Dass er heimlich in seine Schwägerin

verliebt ist, macht die Sache auch

nicht besser.Keiner der Bravos ahnt,

dass sich ihr Leben bald fundamental

ändern wird: Finanzinvestoren haben

ein Auge auf ihr Grundstück geworfen.

Wolf Wondratschek gelingt es, die

Protagonisten vor unseren Augen

lebendig werden zu lassen. Sie

alle haben eine Geschichte, die an

irgendeiner Stelle mit der eines anderen

zu tun hat, und der oder die kann

ein Friseur, Boxer, Kneipier, Schaffner,

Standesbeamter oder eine Prostituierte

sein. So entsteht auf bewe-

Der Reihe nach

Klug und präzise, ironisch und zugleich

warmherzig erzählt Laura Lee Smith

die Geschichte der ebenso schrulligen

wie liebenswerten Bravos.

Laura Lee Smith

Palmherzen

Übers. v. Eva Kemper

DuMont, 512 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-8321-9711-7

Auch als E-Book erhältlich

gende Weise und fern jeder Ideo logie

das Bild einer Menschheit, in der

niemand für sich ist, sondern alle auf

geheimnisvolle Weise mit allen verbunden

sind. Der Roman liest sich wie

eine verspielte Kettenerzählung. Es

ist ein bestimmter Typus Mann, der

hier auftaucht – vom Leben gezeichnet,

desillusioniert, aber grundsätzlich

vital. Und dann gibt es die selbst

bestimmten Frauen, die auch allein an

der Bar stehen können. Es geht meist

um vergangene Siege oder Niederlagen.

Meist schon lange vorbei, doch

in der Erinnerung noch sehr lebendig.

Wolf Wondratschek

Mittwoch

Jung und Jung, 244 S.

ca. sFr. 31.50

ISBN 978-3-99027-041-7

Auch als E-Book erhältlich

PROMOTION

Fotos: Fotolia, Joachim Gern, privat, Lilo Rinkens

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Verbunden

Saba ist elf, als sie wegen der Islamischen

Revolution gezwungen wird,

mit ihrer Familie Teheran zu verlassen.

Kurz darauf verschwinden ihre Mutter

und ihre Zwillingsschwester Mahtab

spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn

im Dorf behaupten, Mahtab sei

ertrunken und die Mutter festgenommen

worden. Doch Saba glaubt an

eine ganz andere Geschichte: Immer

wieder erzählt sie Episoden aus dem

Leben, das die beiden Vermissten

inzwischen in den USA führen. Als

Saba erwachsen wird, muss sie sich der

Frage stellen: Was ist Wahrheit und

was ist Lüge? Ein berührendes Debüt

über Freundschaft, Treue und die

Macht des Geschichtenerzählens.

Dina Nayeri

Ein Teelöffel Land und

Meer

Übers. v. Ulrike Wasel und

Klaus Timmermann

Mare, 528 S.

ca. sFr. 31.50

ISBN 978-3-86648-013-1

Auch als E-Book erhältlich

Schrullig und vertraut

Der Dichter mit dem Schlapphut,

der Lehrer mit dem gelben Fahrrad,

der Künstler in der pikanten Pose –

die Figuren in diesen Erzählungen

mögen auf den ersten Blick verschroben

wirken. Dabei sind sie vertrauter

als einem lieb ist: Sie trauern

Chancen nach, sind unglücklich in

ihren Berufen, sprechen von Treue

und wandern von einem Bett ins

andere, geben sich kühl und erfahren,

im nächsten Moment innig

und schmachtend. Temporeich und

direkt sind Bauers Geschichten, und

oft von einer bestechenden Komik.

Sie sprechen an, was wir alle kennen:

Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und

Verlust.

Christoph W. Bauer

In einer Bar unter dem

Meer

Erzählungen

Haymon, 220 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-7099-7088-1

Auch als E-Book erhältlich

Einfach lyrisch

Bekannt ist Till Lindemann vor allem

als Sänger (und Texter) der Band

„Rammstein“. Weniger bekannt

ist, dass er seit über 20 Jahren Lyrik

schreibt – Gedichte, von denen zwar

einige zu Songs geworden sind, die

aber ihr ganz eigenes Leben haben.

Sie sind manchmal kühl, dann wieder

voller Gefühlsinnigkeit. Die Motive

umkreisen die Abgründe der Existenz,

den Hunger des Begehrens,

den Körper, den Schmerz, die Lust,

die Komik und Tragik der Kommunikation,

die Einsamkeit und Gewalt.

Herausgegeben wird der Band

von Alexander Gorkow, Matthias

Matthies hat eine Reihe von Schwarzweiss-Zeichnungen

beigesteuert.

Till Lindemann

In stillen Nächten

Gedichte

Kiepenheuer & Witsch, 160 S.

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-462-04524-6

Auch als E-Book erhältlich

Tröstliche Lügen

Meg wird von ihrer Mutter Nell

genannt, weil sie als Baby nach

Pimpernellen roch. Gezeugt wurde

sie unter einem Kirschbaum,

dessen reife Früchte auf ihre Eltern

herabregneten. So jedenfalls erzählt

es Valerie, ihre Mutter. Nell bringen

die absurden und fantastischen

Geschichten ihrer Mutter zur Weissglut.

Statt offen zu reden, kocht

Valerie. Als sie schwer erkrankt und

ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, zieht

Nell zu ihr. Ein letztes Mal versucht

sie, ihrer Mutter die Wahrheit über

ihre Kindheit zu entlocken. Doch

was sie entdeckt, hat gar nichts mit

Valeries charmanten Geschichten zu

tun.

Maria Goodin

Valerie kocht

Übers. v. Martina Tichy

Kindler, 352 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-463-40635-0

Auch als E-Book erhältlich

Mut zur Veränderung

Auf der Suche nach einem verschwundenen

Freund löst eine

Buchhändlerin versehentlich eine

Revolution aus. Sie stürzt ein ganzes

Land in eine Krise, in der es auf einmal

um alles geht: Leben, Tod, Wasser,

Demokratie und vor allem um

die Liebe. Wasser weckt das Interesse

von gewissenlosen Energiekonzernen,

die mehr aus dessen Kraft

ziehen wollen. Der letzte Puzzlestein

zur uneingeschränkten Macht

fehlt allerdings. Und in dessen Besitz

gerät Margarete Messner. Sie wird

zu einer unfreiwilligen Heldin. Sie

verliert alles, aber sie gibt nicht auf.

Fabian Eder

Aufstand

Braumüller, 200 S.

ca. sFr. 27.50

ISBN 978-3-99200-100-2

Tödliche Wahrheiten

Durch eine „Notlüge“ gefährdet

Christian Selikowsky das Leben seiner

Liebsten. Seither verfolgen ihn

brutale Albträume. Der junge Architekt

beschliesst, sich zu ändern. Als

er sich mit seinem Vater versöhnen

möchte, findet er ihn tot am Schreibtisch.

Angeblich Herzinfarkt. Kurz

zuvor hatte der alte Herr Besuch von

einer chinesischen Dame. Was wollte

sie? Seine Nachforschungen führen

ihn nach China, wo er Wahrheiten

über den Vater, die Beziehung zu

seiner Verlobten, seiner Familie und

sich selbst entdeckt, die er niemals

erwartet hätte. Wie viel Wahrheit

erträgt der Mensch?

Gerhard J. Rekel

Die chinesische Dame

Ein Roman über Lügen, die

verletzen, und Wahrheiten,

die töten.

Styria Premium, 240 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-222-13413-5

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»Hilf mir«

Worum geht es?

Frühling 1941, Oscar Verschuur, holländischer

Diplomat in Bern, gerät in ein existentielles Dilemma:

Von seiner Tochter in Berlin erhält er eine vertrauliche

Information mit grosser Brisanz geflüstert: Hitlers

geplanter Überfall auf Russland.

Soll er die Alliierten warnen oder riskieren, dass seine

Tochter an die Gestapo ausgeliefert wird – aus Vaterliebe

schweigen oder sich Schuld aufladen?

Deliah kann es kaum fassen,

als sie diese Nachricht in ihrem

Lieblingsbuch findet. Offensichtlich

hat Oliver, der umwerfend

gut aussehende Prinz der

Geschichte, die Bitte speziell für

sie hinterlassen. Und tatsächlich:

Schnell stellen die beiden

fest, dass sie über die Grenzen

der Buchseiten hinweg miteinander

sprechen können. Doch

das reicht ihnen schon bald nicht

mehr aus. Oliver ist schon lange

genervt von seinem Märchen,

das er immer wieder durchspielen

muss, sobald ein Leser das

Buch aufschlägt. Und er findet

Gefallen an Deliah, die so anders

ist als die langweilige Prinzessin

Seraphima, die er sonst immer

küssen muss …

Ursula Bieri

Wolf Buchhandlung,

Küsnacht

Warum ist dieses Buch gut?

Die nüchterne Sprache gefällt, der Stoff ist spannend,

leicht zu lesen und dennoch anspruchsvoll.

Die Figuren, die mit sich selber ringen,

überzeugen. Eine tolle Lektüre!

Otto de Kat

Eine Tochter in Berlin

Schöffling & Co., 197 S.

ca. Fr. 29.–

ISBN 978-3-89561-530-6

Worum geht es?

Um es mit den Worten von Tom Hanks zu

sagen: It’s simply a novel about a guy who

goes to college and becomes a teacher.

Warum ist dieses Buch gut?

So unspektakulär diese Inhaltsangabe klingt,

dieses Buch ist eine literarische Wucht. Es

besitzt alle Ingredienzien, die Weltliteratur

braucht: Schmerz, Konflikte, Zweifel

und natürlich Liebe, verpackt in einen einzigartigen,

unaufgeregten aber ungemein

packenden Stil.

Wem würde ich es schenken?

Diese Wiederentdeckung werde ich allen

möglichen Leuten empfehlen und selber

verschenken.

Wem würde ich es schenken?

Historisch Interessierten, die auch gerne

eine Liebesgeschichte lesen – meinen

Töchtern – und überhaupt: fast Allen!

STONER

JOHN WILLIAMS

JOHN WILLIAMS

STONER

ROMAN

Jodi Picoult

Mein Herz zwischen den Zeilen

286 Seiten, gebunden, ab 12 Jahren

Boje Verlag

ISBN: 978-3-414-82365-6

ca. CHF 21,90

Marvin Müller

Buchhandlung

Untertor, Sursee

_

John Willimas

Stoner

dtv, 320 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-423-28015-0

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Belletristik

LESETIPPS AUS

IHRER BUCHHANDLUNG

Iris Lüscher

Buch & Kunst Nievergelt,

Zürich

Worum geht es?

Das erste Mal begegnen sich Max und

Mecha auf einem Ozeandampfer. Max

ist Eintänzer in der ersten Klasse, Mecha

ist eine Schönheit, verheiratet mit einem

berühmten Komponisten. In Buenos

Aires angekommen führt Max das Paar

durch die zwielichtigen Tangobars seiner

Geburtsstadt. Doch in dieser Nacht geraten

die Dinge ausser Kontrolle und für

Max und Mecha beginnt das Abenteuer

ihres Lebens: die grosse Liebe. Jahre später

treffen sie sich zufällig wieder auf der Promenade

von Nizza, zwischen entrücktem

Glamour und den Wirren des Krieges.

Warum ist dieses Buch gut?

Amouröse Verwicklungen, die Geschichte

des Tangos, Spionage und ein Schachtournier,

machen diesen Roman zu einem

dichten, sehr spannenden und vielseitigen

Buch.

Wem würde ich es schenken?

Wer gerne eine spannende, abenteuerliche

Liebesgeschichte mit historischem Hintergrund

liest, wird dieses Buch verschlingen.

Worum geht es?

Nach monatelanger Planung brechen

André und Louise zu einer

mehrtägigen Tour in die Schweizer

Alpen auf. Doch die Wanderung

steht von Beginn an unter

einem ungünstigen Stern:

Parallel zum aufkommenden

Unwetter verfinstert sich die

anfangs harmonisch erscheinende

Beziehung der jungen Leute und

zerbricht.

Warum ist dieses Buch gut?

So überzeugt das Buch auf zwei

Ebenen: als Abenteuerroman und

feinfühliges Psychogramm der

Protagonisten.

Wem würde ich es schenken?

Ein ideales Geschenk für den

Pfadfinderkollegen aus der

Jugendzeit oder die Freundin

und geübte Leserin, die nach der

Geschichte hinter der Geschichte

sucht.

Claudia Meyer

Zum Bücherparadies,

Zürich

Arturo Pérez-Reverte

Dreimal im Leben

Insel, 525 S.

ca. sFr. 33.90

ISBN 978-3-458-17580-3

Roman Graf

Niedergang

Knaus-Verlag, 208 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-8135-0566-5

ESHKOL NEVO

NEU

LAND

ROMAN

_

Eshkol Nevo

Neuland

Eine Geschichte von Liebe

und Aufbruch

DTV, 640 S.

ca. sFr. 34.90

ISBN 978-3-423-28022-8

Worum geht es?

Der israelische Autor erzählt von Drori, einem Geschichtslehrer, der

seinen verschollenen Vater in Südamerika sucht. Unterwegs trifft er

auf Inbar, eine junge Journalistin aus Tel Aviv. Nach dem Tod ihres

Bruders versucht sie ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Beide führen auch ihre schwierigen Familienverhältnisse im Gepäck

und reisen zusammen weiter.

Warum ist dieses Buch gut?

Ein hinreissend geschriebener Roman, der durch verschiedene Länder

und durch verschiedene Lebens- und Liebesgeschichten führt.

Wem würde ich es schenken?

Für Leserinnen die einen aktuellen Roman mit psychologischem

Hintergrund suchen.

Judith Wälchli

Altstadt Buchhandlung,

Bülach

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Kunst kompakt in ei nem

beeindruckenden Prachtband:

die 500 wichtigsten Künstler

vom Mittel alter bis zur Neuzeit

DAS KUNSTBUCH

592 Seiten, Hardcover mit

Schutzumschlag, Format 25 × 29 cm

SFr. 66,90

ISBN 978-3-944297-05-7

www.edel.com

Die Bibel der italienischen

Küche vollständig überarbeitet

und in edler Ausstattung neu

aufgelegt

DER SILBERLÖFFEL

1500 Seiten, Hardcover

in Lederoptik, Format 18 × 27 cm

SFr. 56,90

ISBN 978-3-8419-0118-7

www.edel.com

Die Balaganistin

Die Gastronomin Haya Molcho hat ihr drittes Kochbuch

veröffentlicht. Was der Titel „Balagan!“ bedeutet und

worum es beim Kochen geht, erzählte sie Ditta Rudle,

munter plaudernd im eigenen Lokal am Naschmarkt.

Pure Lebenslust, Freude am Dasein,

an der Familie, am Kochen, dem

Erfinden von Rezepten und auch am

Essen. Haya Molcho ist eine Frau zum

Mögen. Frisch wie eine Blume, trotz

der Sommerhitze weht sie, ganz in

Weiss, über den Naschmarkt, begrüsst

ihre Crew im familieneigenen Lokal,

dem Neni, bevor sie sich mit einem

Cappuccino im „Extrazimmer“, das

als gemütliche kleine Bibliothek eingerichtet

ist, niederlässt, das Telefon

abschaltet und sich ganz der fragenden

Besucherin widmet. Was Haya Molcho

tut, tut sie ganz. Halbe Sachen liegen

ihr nicht. So bestätigen

auch ihre Fans, und die

sind kaum noch zu zählen,

dass nicht nur das

Essen im „Neni“ und

auf dem sommerlichen

Tel Aviv Beach am

Donaukanal mundet, sondern auch die

von ihr veröffentlichten Rezepte leicht

nachzukochen sind.

Was aber bedeutet „Balagan“, der Titel

des neuesten Kochbuches? Es ist übrigens

das dritte, nach „Lust auf fremde

Küche“ und „Nenis Feuerküche“.

„Balagan, das ist ein sympathisches

Chaos. Ich bin eine Balaganistin, aber

ich habe immer Ordnung in meinem

Chaos.“ Erinnert mich irgendwie an

das Wort „Ballawatsch /Pallawatsch“.

Haya Molcho, obwohl schon mehr als

30 Jahre in Wien lebend, hat das Wort

noch nie gehört, doch wir einigen uns

schnell, dass die Begriffe zusammenhängen

und irgendwie wohl aus dem

Jiddischen kommen. Sprachwissenschaftler

bitte weghören.

Wie kam denn dieses sympathische

Chaos zustande? „In Marokko. Da

habe ich ganz in der Nähe von Marrakesch

eine Freundin besucht und

meine Familie war auch mit, Freunde

kamen dazu und auch jemand vom

Verlag, der gern ein

„Ich bin eine

Balaganistin, aber ich

habe immer Ordnung in

meinem Chaos.“

neues Buch von mir

wollte. Wir waren

20 Leute und haben

gemeinsam gekocht

und gegessen und

auch viel gelacht. Ich

habe auf der Basis der marokkanischen

Küche neue Rezepte erfunden. Ich liebe

nämlich das marokkanische Nationalgericht,

das Tajine.“ Haya Molcho

ist keine Puristin: „Ich koche ganz

eklektisch, das heisst ausgehend von der

orientalischen Küche, wandle ich die

Rezepte ab, je nachdem was auf dem

Markt angeboten wird und der Saison

entspricht. Im Winter würde ich nie

Fotos: Aus „Balagan“/Südwest Verlag

32

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Erdbeeren essen und

im Sommer koche ich

keine schweren Speisen.

Das würde doch

nicht passen.“

In den Jahren als

sie ihren Mann,

dem Pantomimen

und Körpersprache-

Experten Samy Molcho

auf seinen Tourneen begleitete,

hat sie die Küchen der ganzen Welt

inspiziert und kennengelernt. „Das

Beste habe ich mir herausgesucht und

daraus meine eigenen Gerichte entwickelt.

Eklektisch heisst ja, das alle Stile

zusammengemischt werden. So ist

meine Küche. Eine Weltküche.“ Inzwischen

ist die „Neni“-Küche nicht nur

in Wien berühmt und überaus beliebt,

sondern auch in Berlin. Die Hotelkette

„25hours“ hat das Konzept gekauft.

„Wir haben lange überlegt. Aber die

passen zu uns. Unsere eklektische

Küche passt auch nach Zürich.“ So

wie sie ihre Köche spezifisch angelernt

hat und genau kontrolliert, werden die

wunderbar blauen

Augen der quirligen

Unternehmerin ein

halbes Jahr lang

auf dem Berliner

Lokal ruhen und

auch späterhin wird

die Unternehmerin

nicht nur vertrauen,

sondern auch nachprüfen:

„Das Konzept darf nicht verwässert

werden. Ich kann sehr streng

sein“, sagt sie und ich glaube ihr, auch

wenn sie dabei ein strahlendes Lächeln

zeigt. Immerhin ist sie Mutter von vier

(erwachsenen) Söhnen.

der kochbuchklassiker

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• 1700 Rezepte mit Original-

Illustrationen

• Essays von Max Küng,

Elisabeth Joris,

Walter Leimgruber,

Christian Seiler,

Stefan Zweifel

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Das Fülscher Kochbuch

Kommentierte Neuauflage

840 Seiten, 50 farbige und

schwarzweisse Abbildungen, gebunden,

mit Schutzumschlag, 16 × 21 cm

CHF 79.–

ISBN 978-3-03919-300-4

Kochen, lachen, geniessen mit

der Familie und Freunden in

Marokko. Neue Rezepte aus der

Weltküche von Wiens berühmter

Gastronomin.

Haya Molcho

Balagan!

Rezepte aus der

orientalischen Küche

Südwest, 192 S.,

ca. sFr. 35.50

ISBN 978-3-517-08920-1

Haya Molcho, als Tochter rumänischer Einwanderer

1955 in Israel geboren. Als sie neun

Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach

Bremen, weil der Vater als Pionier der Zahnimplantologie

nach Bremen berufen wurde.

1978 hat sie, nach einem Psychologiestudium,

den Pantomimen und Körpersprachespezialisten

Samy Molcho geheiratet. Die

Molchos haben vier erwachsene Söhne und

leben in Wien. Als Lieblingsspeisen nennt sie

alle nationalen bodenständigen Gerichte. In

Wien ist das der Tafelspitz.

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hier + jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte

Postfach, ch-5405 Baden, Tel. +41 56 470 03 00

Bestellungen per E-Mail: order@hierundjetzt.ch

www.hierundjetzt.ch


SACHBUCH

Trüffelschwein

der Alpenküche

Dominik Flammer setzt mit seinen

Büchern Standards. Jetzt folgt der

zweite Band des kulinarischen Erbes

der Alpen – das Kochbuch.

Von Martin Walker

Dominik Flammer ist gerade von

einem Ausflug in den Thurgau

zurück und schwärmt von einem

Bauern, den er gefunden hat, der in

einem alten Holzofen viele verschiedene

Sorten Birnen trocknet. Flammer

ist hin und weg. Wie immer, wenn er

irgendwo ein Produkt entdeckt, das

sich durch Originalität und Qualität

auszeichnet, oder einen Produzenten,

der mit Hingabe und Können diese

Lebensmittel herstellt. Und es dazu

gute Geschichten zu erzählen gibt.

Etwa die vom Molkenkaramell aus

dem Bregenzerwald, von Süsswassersardinen

aus dem Comersee oder

dem Leindotteröl aus Niederbayern.

„Es ist überall soviel vorhanden, das

man nicht kennt“, schwärmt Flammer,

dessen Suchinstinkt schon in jungen

Jahren geweckt wurde – auf der Jagd

nach Trüffeln. Allein in der Schweiz,

weiss Flammer, gibt es 24 verschiedene

Felchenarten. Es ist auch diese riesige

Genressource der Alpen, die ihn fasziniert,

und die – alle künstlichen Grenzen

ignorierend – Einfluss bis nach

Schweden ausübt. Flammers Buch

über Schweizer Käse war ein wahrer

Bestseller. Mit „Das kulinarische Erbe

der Alpen“ hat Flammer letztes Jahr

wiederum Massstäbe, wenn nicht gar

einen Trend gesetzt. Dabei, sagt Flammer,

handle er eigentlich nur egoistisch,

er habe einfach selber Freude an

den Produkten. Und damit ist er nicht

allein. Seine Recherchen sind nicht nur

als Buch erschienen, sondern auch als

mehrteilige Fernsehserie (die auch als

DVD erhältlich ist).

Nun also folgt der zweite

Streich. Während auf dem

Cover des ersten Bandes ein

herziges Lämmlein zu sehen

war, ist es beim zweiten Band

wieder ein Lamm, allerdings

eines, das gerade aus dem

Ofen kommt.

In zehn Kapiteln interpretieren

zehn Starköche – unter

anderem Andreas Caminada,

Michael Sicher, Bernhard

Feichter, Jeremias Riezler,

Freddy Christandl, Judith

Baumann, Ulli Mair und

Martin Real – überlieferte

Rezepte und Produkte auf

eine neue, moderne Art und

Weise. Dabei achtet Dominik

Flammer immer darauf, dass

alle Rezepte nachkochbar sind

und liefert auch Bezugsquellen

für die nicht alltäglichen

Produkte. Flammer ergänzt

die Rezepte durch Erzäh-

lungen über die Entwicklungen der

Kochtraditionen und mit einem Verzeichnis

der wichtigsten Kochbücher

der alpinen Ernährungs- und Kulinarikgeschichte.

Für Dominik Flammer ist ganz klar,

dass die Terroir-Küche auch deshalb

soviel Anklang findet, weil diese traditionellen

Gerichte und Geschmäcker

Erinnerungen an die eigene Kindheit

wecken. Einer seiner Höhepunkte war

etwa die Siedwurst mit Käsehörnli oder

Grossmutters Johannisbeerkuchen.

Dominik Flammer/Sylvan Müller

Das kulinarische Erbe der

Alpen

Das Kochbuch

AT Verlag, 250 S.

ca. sFr. 78.–

ISBN 978-3-03800-746-3

Dominik Flammer/Sylvan Müller

Das kulinarische Erbe der

Alpen

AT Verlag, 268 S.

ca. sFr. 98.–

ISBN 978-3-03800-735-7

Dominik Flammer

Schweizer Käse

Ursprünge, traditionelle Sorten

und neue Kreationen

AT Verlag, 344 S.

ca. sFr. 98.–

ISBN 978-3-03800-474-5

PROMOTION

Foto: Fotolia, wkr

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www.wunderlich-verlag.de

Eine

Angelegenheit

des Herzens

Auf den Spuren

eines alten

Familiengeheimnisses.

Zurück dorthin,

wo alles begann.

Aus dem Englischen von

Mechthild Sandberg-Ciletti

512 Seiten | Gebunden

sFr. 28,50 (UVP)

Auch als

E-Book

erhältlich

© Getty Images/Ingolf Pompe/Howard Kinsnorth

Autor, Werk Titel Erscheinungsdatum Format, r/l Farbanpassung

Willig, Ashford Park buchmedia Magazin Oktober 2013 71 x 297 mm ISOcoated_v2 300%

ALPHABETA

ALPHABETA

Praktische Hilfe für alle

Ganzheitlich gesund bleiben und mit sanften Mitteln Alltagsbeschwerden in

den Griff bekommen – die Traditionelle Chinesische Medizin macht es

möglich. Die renommierte TCM-Expertin Gertrude Kubiena hat die

richtigen Mittel parat.

Nuss-Tee sorgt für einen schönen

Teint, eine Pfirsich-Maske

für samtige Haut, schwarze Pflaumen

helfen bei Reiseübelkeit, Aprikosenkerne

lindern Heiserkeit, eine

Spinat-Reis-Suppe hilft bei Verdauungsbeschwerden.

Die Traditionelle

Chinesische Medizin ist in Europa

topaktuell und hat sich seit Jahrhunderten

bewährt – und sie geht

durch den Magen. Essen und Trinken

gehört zu den wesentlichen

Dingen des Lebens und wird in

China noch höher bewertet als bei

uns. Das Buch von Gertrude Kubiena

macht Appetit – auf chinesische

Rezepte und Rezepturen und auf

die TCM. Sie ist in der TCM wie

nur wenige Europäerinnen zuhause

und hat ihr Wissen durch zahlreiche

Aufenthalte aus China mitgebracht.

Die renommierte TCM-Expertin

gibt Tipps, welche Nahrungsmittel

für jeden und jede individuell

geeignet oder ungeeignet sind, liefert

dazu einfache Kochrezepte und

auch die wichtigsten Formeln für

„echte“ Medikamente aus der chinesischen

Medizin. Vieles lässt sich

in der Küche selbst zubereiten:

Von einem praktischen

Trank gegen den „Kater“

über einfache Erkältungsrezepte

bis zum Sonnenschutz.

Bei einer Verkühlung

hilft etwa Ingwer-Tee. Und

wenn man bereits fiebert

hilft ein Drei-Blumen-Tee

aus Blüten von Chrysanthemen,

Geissblatt und Jasmin.

ALPHABETA GMBH, Hammerbrookstrasse 93, 20097 Hamburg

ALPHABETA GMBH, Hammerbrookstrasse 93, 20097 Hamburg

Alphabeta_Adressaufkleber.indd 1 15.09.2008 12:47:10 Uhr

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Diese Blütenmischung wirkt gegen

„Wind-Hitze“ und kühlt dementsprechend.

Ein längeres Kapitel ist

den Haaren gewidmet, sind sie doch

ein Symbol für Vitalität und gutes

Aussehen. Eine Linsensuppe ist ideal

bei Haarausfall und Schuppen. Früh

ergrautem Haar rückt man mit Knöterich-Föhrennadel-Tee

zu Leibe.

Es gibt freilich viele weitere Rezepte

und Rezepturen sowie Gerichte für

jeden Tag. Probieren Sie sie aus

und Sie werden sehen: Was Ihrer

Gesundheit zuträglich ist, kann auch

gut schmecken.

Ernährung nach chinesischer Medizin

ist ein weites Feld, ein reicher

Erfahrungsschatz und eine Fülle an

Behandlungsmöglichkeiten. Dieses

Buch erhebt keineswegs Anspruch

auf Vollkommenheit. Vielmehr soll

es Appetit machen, auch auf weitere

Bücher. Es ist bewusst klein und

übersichtlich gehalten, um eine erste

Orientierung zu bieten. Ein kleines

Küchenlexikon, eine Arzneipflanzen-Liste

sowie Angaben zu Rezepten

und Rezepturen runden den

Band ab.

Gertrude Kubiena

Die Kraft chinesischer

Hausmittel

Gesund und vital durch das Jahr

Maudrich, 192 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-85175-988-4

Informativ, unterhaltsam und einfach umsetzbar im

modernen westlichen Alltag, etwa für Erkältung, Durchfall

oder Sonnenallergien.

Foto: Aus „Die Kraft chinesischer Hausmittel“/Maudrich Verlag


Foto: Aus „Natürlich Wolle“/Bross-Burkhardt/BLV

Spinnen, filzen,

weben, stricken

Alles beginnt mit dem Schaf. Es muss geschoren werden, seinen natürlich

gewachsenen Mantel hergeben, um die Zweibeiner zu wärmen. Das macht

ihm nichts, der Mantel wächst wieder nach und die Menschen können aus

dem lockigen Fell immer wieder Stoffe filzen oder weben, Fäden spinnen und

diese dann verstricken. Zu Pullover, Mützen, Fäustlingen, zu bunten Decken,

Röcken, Westen.

Schon in vorchristlichen Jahrhunderten

wussten die Bewohner

Europas, wie wertvoll und praktisch

das Schafvlies ist. „Wer sich mit

Wolle beschäftigt, muss auch über

Schafrassen Bescheid wissen. Die

Wollqualität, also deren Feinheit

und Ausspinnfähigkeit sowie andere

Eigenschaften hängen wesentlich

von der Schafrasse ab.“ Die Agrarwissenschaftlerin

und Buchautorin

Brunhilde Bross-Burkhardt sagt das

und sie muss es wissen,

hat sie doch ein wunderbares

Buch über Wolle

geschrieben und mit vielen

schönen Bildern versehen.

Schritt für Schritt

erklärt sie, was zu tun ist,

wenn man sich vom Schaf

verwöhnen lassen will.

Natürlich wird in diesem

Behaglichkeit und Wärme

ausstrahlenden wolligen

Band auch gestrickt,

aber das bedarf wohl keiner

näheren Erläuterung.

Ausser einer abschliessenden

Anmerkung:

Stricken war ursprünglich

Männersache.

Wer es ein wenig leichter

haben will, kauft sich

geeignete Wolle und

strickt einen Vorrat an

Weihnachtsgeschenken:

Mützen, Fäustlinge oder

Handschuhe. „Mützen

und Handschuhe von

Welt“ zeigt Modelle von

Von Ditta Rudle

Designerinnen, die durch Muster

aus aller Welt bestechen. Und wenn

man dann so richtig Lust auf kreative

Handarbeit bekommen hat, braucht

man auch die nötigen Behälter für

Nadeln und Faden. Sylvie Blondeau

macht in „Mein Atelier Couture“

Vorschläge für genähte Taschen,

Etuis und Hüllen, in die das alte

Handarbeitskörbchen klassisch oder

modisch ersetzen.

Brunhilde Bross-Burkhard weiss alles,

was es über Wolle und ihre Verarbeitung

zu sagen gib. Sie erzählt, gibt Tipps und

praktische Anleitungen, weckt Neugier

und Freude am Umgang mit Wolle.

Brunhilde Bross-Burkhardt

Natürlich Wolle!

Färben | Spinnen | Weben | Filzen |

Stricken

blv, 160 S., ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-8354-1181-4

Neue Fäustlinge für den Winterspaziergang,

reine fesche Mütze als Weihnachtsgeschenk:

34 Modelle, inspiriert aus allen

Kulturen, laden in diesem Bildband zum

Nacharbeiten ein.

Mützen & Handschuhe von Welt

Landwirtschaftsverlag, 164 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-7843-5228-2

Aus 30 Vorschlägen können Sie wählen,

um ein privates Nähstübchen herzustellen.

Bunt gemustert, im Vintage-Stil,

oder wie es die Briten zur Tea-Time lieben.

Während Sie die eigenen Nähkünste

verbessern entstehen praktische Hüllen

für Näh- und Strickzeug.

Sylvie Blondeau

Mein Atelier Couture

Landwirtschaftsverlag, 128 S.

ca. sFr. 21.90

ISBN 978-3-7843-5270-1

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buchmedia

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» Ich bin

zweiundachtzig

und ich fühle

mich innerlich

gesünder und

jünger als mit

vierzig.«

Ihre

persönlichen

Lebensgeheimnisse!

160 Seiten mit 32 s/w-Fotos

ISBN 978-3-485-01423-6

29,90 CHF (UVP)

nymphenburger

www.nymphenburger-verlag.de


Wie Staaten

sterben

Eine Frau – Ein Leben

Erika Pluhar erzählt von ihrer Jugend, ihren Ehen und ihrer dreifachen

Karriere als Schauspielerin, Sängerin und Buchautorin.

Nicht direkt, aber unverblümt.

Ca. 900 Seiten, geb. mit SU

sFR 53,90

ISBN 978-3-8062-2758-1

»Ein gewaltiger literarischer

Erfolg, leidenschaftlich und

lebendig geschrieben –

Geschichtsschreibung par

excellence!«

The Times

»... ein Buch, das jeder Leser,

der sich für das moderne Europa

interessiert, am Ende ungern

aus der Hand legen wird«

The Guardian

www.theiss.de

Ein Journalist, genannt „Herr

Redakteur“, bittet eine alte Dame

um ein Interview. Er möchte über die

Schauspielerin, Sängerin Buchautorin,

genannt „die Frau“, eine Serie für

seine Zeitung schrieben. Anfangs eher

misstrauisch und ablehnend, findet die

Frau, von der Leserin schnell als die

Autorin selbst, Erika Pluhar, erkannt,

Freude am Erzählen und Sympathie

für den Herrn Redakteur. Der trinkt

auch tapfer bei jedem Interview den

allmählich erkaltenden Tee. Und weil

die Frau die anfängliche Distanziertheit

fallen gelassen hat und „mittlerweile

redet wie ein Buch“, soll auch ein Buch

daraus werden. Der Herr Redakteur ist

mehr als einverstanden.

Die Frau erzählt, schweift ab, sodass

sie der Interviewer zurückholen muss

zu den Themen, die ihn interessieren.

Männer zum Beispiel. Ihre Ehen. Die

beide nicht gerade glücklich genannt

werden können. Aber auch von ihren

Verhältnissen zu und mit anderen

Männern. Sie berichtet von ihren wilden

Jahren, wird immer offener und

zeigt sich wie sie ist. Auch welchen

Schutzmantel sie sich umgelegt hat,

um sich vor der Neugier der Paparazzi,

vor Sensationsgier und Indiskretion

zu schützen. Die Methode ist einfach:

Authentisch bleiben, nichts verbergen,

dann muss niemand durch Schlüssellöcher

spähen. Doch, wie’s da drin aussieht,

geht niemanden etwas an.

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Von Ditta Rudle

Wenn sich die Frau an Menschen erinnert,

die sie gemocht hat, die ihr geholfen

haben, dann nennt sie auch Namen.

Die sie gequält, betrogen und verlassen

haben, bekommen keine Namen, sie

bleiben in ihrem Gespräch anonym.

Natürlich erzählt sie auch von ihrer

gesanglichen Karriere, von ihren Erfolgen

als Autorin und Filmemacherin.

Doch geht es dieser Frau, die Erika

Pluhar ist, nicht um die äusseren

Erfolge, sondern um ihre Gedanken

und Gefühle. An den grössten Schmerz

kann sie nur kurz rühren. 1999 verstarb

ihre Tochter Anna mit nur 37

Jahren. Erika Pluhar nimmt deren

Adoptivsohn, Ignaz, bei sich auf und

adoptiert den aus Afrika stammenden

15 jährigen Buben. Aber auch davon

will die Frau nicht allzu viel erzählen.

So hält es die Frau, wie die Vorfahren

ihres Enkelsohnes, der sagte: „Die

reden nicht über den Tod. Die Menschen

dort reden übers Leben, das ist

ihnen viel wichtiger.“ So hält es auch

die öffentliche Frau.

Erika Pluhar

Die öffentliche Frau

Ein autobiografischer

Roman

Residenz, 288 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-7017-1618-0

Auch als E-Book erhältlich

Erika Pluhar erzählt ihr Leben einem Journalisten,

anfangs zögernd, später immer offener

und vertrauensvollen. Blicke durchs Schlüsselloch

gewährt sie nicht.

Foto: Lukas Beck/RV


Familiär

Wie geht man damit um, wenn die

eigenen Kinder ganz anders sind als

man selbst, was bedeutet das für sie

und ihre Familien? Der Psychiater

Andrew Solomon schrieb ein eindrucksvolles

Buch über das Elternsein,

die Kraft der Liebe, aber auch

darüber, was unsere Identität ausmacht.

Er hat mit über 300 Familien

gesprochen, deren Kinder aussergewöhnlich

oder hochbegabt sind, die

am Down-Syndrom oder an Schizophrenie

leiden, Autisten, taub oder

kleinwüchsig sind. Ihre Geschichten

sind einzigartig, doch ihre Erfahrungen

des „Andersseins“ sind universell.

Tarnen und Täuschen

Nachttiere erbringen unglaubliche

Sinnesleistungen. Sie sind geheimnisvoll,

wir hören sie manchmal und

sehen sie nie. In unserer nächsten

Nähe ertönen die Rufe der Eulen

und Käuze, gehen die Füchse auf

die Pirsch und streifen Siebenschläfer

und Haselmäuse durch unsere

Gärten. Welche Eigenschaften befähigen

diese Geschöpfe der Dunkelheit

dazu, ein Leben ohne Licht zu

führen, zu jagen, sich zu tarnen, sich

zu paaren und Junge aufzuziehen?

Dietmar Nill schuf faszinierende

Fotos der Nachtgeschöpfe. Der Biologe

Bernhard Ziegler sorgte für den

spannenden Text.

Alles Buchbar auf www.tyrolia.at

Packend, authentisch

und inspirierend!

Andrew Solomon

Weit vom Stamm

Wenn Kinder ganz anders

als ihre Eltern sind

Übers. v. H. Dedekind, A. Gittinger,

E. Heinemann, U. Held

S. Fischer, 1200 S.

ca. sFr. 45.90

ISBN 978-3-10-070411-5

Auch als E-Book erhältlich

Farbenprächtig

Seit über 3000 Jahren ist das Mittelmeer

eines der grossen Zentren

unserer Zivilisation. Der Historiker

David Abulafia erzählt dessen

Geschichte: von der Errichtung der

ersten geheimnisvollen Tempel auf

Malta bis zum heutigen Massentourismus.

Farbig lässt er die grossen

Hafenstädte – Alexandria, Triest,

Konstantinopel, Marseille – auferstehen.

Wir erfahren von der Entstehung

und Zerstörung ganzer Reiche,

von Irrfahrten, Schrecken, Kriegen

und Tragödien – und wir lernen die

kulturelle, religiöse und sprachliche

Vielfalt entlang der Küsten kennen.

Dietmar Nill, Bernhard

Ziegler

Tiere der Nacht

Kosmos, 160 S.

ca. sFr. 40.90

ISBN 978-3-440-13726-0

Unglaublich

Tom Reiss erzählt die unglaubliche,

aber wahre Geschichte eines ehemaligen

Sklaven, der als erster Farbiger

eine westliche Armee befehligte, und

damit die Geschichte des Vaters von

Alexandre Dumas. Er stammte aus

Saint-Domingue, wurde in Frankreich

erzogen und machte eine glänzende

Karriere in der Armee, zuletzt

als General unter Napoleon. Er wurde

schon zu Lebzeiten eine Legende

und Inspiration für die Romane

seines Sohnes. Tom Reiss recherchierte

fünf Jahre lang an den Originalschauplätzen

und erhielt für seine

Biografie den Pulitzer Preis.

Caroline Fink / Karin Steinbach

Erste am Seil

Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen

in den Bergen ihren eigenen Weg gehen

Von den ersten Alpinistinnen im 19. Jahrhundert

über Höhenbergsteigerinnen aus aller Welt bis

zu den international bekannten Athletinnen des

Klettersports: Dieses Buch zeichnet in spannenden

Porträts und Exkursen zur Alpingeschichte

ein umfassendes und lebendiges Bild des

Frauenbergsteigens – von den Anfängen bis

heute. Und erzählt vor allem eines: inspirierende

Geschichten voller Leidenschaft und Lebensfreude.

48 farb. und 89 sw. Fotos, geb. m. SU

ISBN 978-3-7022-3252-8

304 Seiten, SFr 40.10

David Abulafia

Das Mittelmeer

Eine Biographie

Übers. v. Michael Bischoff

S. Fischer, 960 S.

ca. sFr. 45.90

ISBN 978-3-10-000904-3

Auch als E-Book erhältlich

Tom Reiss

Der schwarze General

Übers. v. Thomas Pfeiffer

und Karin Schuler

dtv, 544 S.

ca. sFr. 34.90

ISBN 978-3-423-28017-4

Auch als E-Book erhältlich

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DAS

TRAGISCHE

IDOL

DER FORMEL1.

Die grosse Katastrophe

Vor bald 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg und veränderte die Welt

nachhaltig. Aus diesem Anlass erscheinen eine Reihe von Büchern.

Wir stellen die wichtigen vor.

* unverb. Preisempfehlung

Erhältlich im Buch- und Fachhandel

oder unter www.delius-klasing.de

sFr 40,90* • ISBN 978-3-7688-3685-2

© Alexander Reitter - Fotolia.com

Kein Ereignis der letzten 2000 Jahre

veränderte den europäischen

Kontinent so nachhaltig und radikal

wie der Erste Weltkrieg. In einem

bis dahin für unmöglich gehaltenen

Gemetzel – dem ersten industrialisierten

Krieg – starben Millionen Menschen,

gingen jahrhundertealte Kaiserreiche

unter, darunter auch die Habsburgermonarchie.

Der Erste Weltkrieg

bedeutet nicht nur aus militärischer

Sicht einen Einschnitt in die Weltgeschichte:

Er markiert vielmehr einen

Epochenbruch und ist mit kulturellen,

sozialen und politischen Umwälzungen

verbunden, die es bislang

noch nicht gegeben hat. Der moderne

Maschinenkrieg erreicht neue Dimensionen,

seinen Anforderungen unterwirft

sich die gesamte Gesellschaft.

Zur Mobilisierung aller Kräfte werden

die sozialen Grenzen aufgehoben und

der Einsatz des gesamten Kollektivs

in den beteiligten Staaten gefordert.

Hans Magenschab beschreibt zum

einen die Vorgeschichte dieses „Grossen

Krieges“, stellt Fragen nach der

Verantwortlichkeit österreichischer

Politiker für diese „Urkatastrophe

des 20. Jahrhunderts“ (George F.

Kennan), erzählt aber in zahlreichen

bis dato grösstenteils unveröffentlichten

Bildern auch die Geschichte

dieses weltumfassenden Waffengangs

aus österreichischer Perspektive. Die

Ostfront mit Galizien und den Karpaten

findet dabei ebenso Berücksichtigung

wie die Alpenfront im Süden

der Monarchie. Das Leben der Soldaten

hinter der Front wird dargestellt,

aber auch der mörderische Kampf an

den vordersten Linien. Literarische

Texte zeitgenössischer Autoren geben

einen ausgezeichneten Einblick in das

Lebensgefühl und die Ansichten jener

Zeit. Propagandapostkarten und zahlreiche

Übersichtspläne vervollständigen

den wegweisenden Band.

Auch der Historiker Ernst Piper hat

sich intensiv mit den kulturgeschichtlichen

Aspekten des Ersten Weltkriegs

befasst und entfaltet ein grosses geistiges

Panorama dieser Zeit.

Piper beschreibt die geistige Mobilmachung

der Nationen, die Entwicklung

des totalen Krieges, die Spaltung

der Arbeiterbewegung, die Not

der jüdischen Minderheiten und das

unheilvolle Fortwirken des Krieges

in Deutschland nach der Niederlage

von 1918. Eindringlich zeigt er, wie

sich das Kriegsgeschehen in Debatten,

Literatur und Bildmedien spiegelt. Er

stellt die politischen, geistigen und

künstlerischen Akteure als Seismografen

der tiefgreifenden Veränderungen

vor, die Welt erschütterten.

So entsteht eine neue, eindringliche

Fotos: Aus „Der grosse Krieg“/Tyrolia Verlag (2)

Tel. 0521/55 9933

40

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Hans Magenschab

Der Grosse Krieg

Österreich im Ersten Weltkrieg

1914-1918

Der Weg in den Untergang – Die

Katastrophe im Osten – Der Krieg im

Gebirge – Das Ende der Monarchie

Tyrolia, 288 S.

ca. sFr. 53.90

ISBN 978-3-7022-3299-3

Politik-, Gesellschafts- und Militärgeschichte werden

gleichermassen berücksichtigt und durch zahlreiche unveröffentlichte

und beeindruckende Aufnahmen illustriert.

Erzählung des Ersten Weltkriegs, die

aus der Flut der einschlägigen Literatur

herausragt.

Eine Besonderheit ist eine Briefsammlung,

die von Frank Schumann

herausgegeben wurde. Vor einigen

Jahren wurden am Dachboden viele

Feldpostbriefe gefunden, die von

Vätern und Söhnen an die Mütter und

Frauen zuhause geschrieben wurden.

Darin zeigt sich sehr direkt der Alltag

dieser Jahre. Durch diese Bände lässt

sich ermessen welchen Wandel durch

diesen Krieg die Gesellschaft erleben

musste.

Ernst Piper

Nacht über Europa

Kulturgeschichte des Ersten

W eltkriegs

Propyläen, 460 S.

ca. sFr. 36.90

ISBN 978-3-549-07373-5

Auch als E-Book erhältlich

Der Historiker Ernst Piper hat sich intensiv mit den kulturgeschichtlichen

Aspekten des Ersten Weltkriegs befasst und

entfaltet ein grosses geistiges Panorama dieser Zeit.

Frank Schumann (Hg.)

„Was tun wir hier?

Soldatenpost und Heimatbriefe aus

zwei Weltkriegen“

Verlag Neues Leben, 272 S.

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-355-01816-6

Auch als E-Book erhältlich

Foto: Roland Gretler

Er hat die

Reportage

neu erfunden,

war aber auch

ein unbändiger

Dichter. Er hat

den Finger auf

wunde Stellen

gelegt, wo andere lieber weggeschaut

hätten – Niklaus Meienberg ist auch

zwanzig Jahre nach seinem Freitod ein

Monument des Journalismus.

Ein Klassiker ist Meienbergs Recherche

über den Landesverräter Ernst S.,

der im Gegensatz zu hochrangigen

Schweizer Offizieren, die sich den Nazis

andienten, seine im Grunde harmlosen

Geschäfte mit dem Tod bezahlen musste.

Meienberg wurde bei der Arbeit an

diesem Buch von amtlichen Stellen

massiv behindert. Wie Meienberg sich

mit „illegalen, aber legitimen“ Mitteln

dennoch die nötigen Informationen

verschaffte, schildert der Autor in einem

zweiten Teil. Zusammen mit Richard

Dindo hat Meienberg auch einen Film

Meienberg und die Schweiz

Vor zwanzig Jahren starb der streitbare Historiker und Journalist Niklaus Meienberg.

Nicht zuletzt mit seinen Arbeiten zur Schweiz im Zweiten Weltkrieg hat er sich einen Namen gemacht.

Von Martin Walker

realisiert mit zahlreichen Interviews mit

Zeitzeugen.

Ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“

nannte der Schweizer Gesandte

in Berlin, Frölicher, den Attentatsversuch

auf Hitler, den der Schweizer

Maurice Bavaud am 9. November

1938 verübte. Das Attentat missglückte,

auch ein zweiter und dritter

Versuch misslangen. Auf der Rückreise

wird Bavaud verhaftet und in einem

geheimen Prozess zum Tode verurteilt.

Die offizielle Schweiz hat Bavaud, der

am 14. Mail 1941 enthauptet wurde,

im Stich gelassen. Die Rehabilitation

folgte erst später. Auch die Geschichte

von Maurice Bavaud wurde filmisch

aufgegriffen.

Noch mehr über Meienberg gibt es in

der Ausstellung „Warum Meienberg.

Journalist, Historiker, Dichter & Zeitgenosse“

zu entdecken, die vom 26.

November 2013 bis 15. Januar 2014 in

Luzern zu sehen ist.

Niklaus Meienberg

Die Erschiessung des

Landes verräters Ernst S.

Limmat Verlag, 150 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-85791-719-6

Richard Dindo/Niklaus Meienberg

Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.

Limmat Verlag, DVD, 99 Minuten,

ca. sFr. 32.–

ISBN 978-3-85791-720-2

Niklaus Meienberg

Es ist kalt in Brandenburg

Ein Hitler-Attentat

Limmat Verlag, 180 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-85791-721-9

Villi Hermann/Niklaus Meienberg/Hans Stürm

Es ist kalt in Brandenburg

(Hitler töten)

Limmat Verlag, DVD, 140 Minuten., ca. sFr. 32.–

ISBN 978-3-85791-722-6

Tobias Wyss

Der Meienberg

Limmat Verlag, DVD, 84 Minuten,

ca. sFr. 32.–

ISBN 978-3-85791-723-3

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SACHBUCH

Faszination

Natur

In atemberaubenden Bildern zeigen zwei grosse Bildbände ungewöhnliche Naturphänomene.

Vulkanausbrüche faszinieren die

Menschen seit je. Selbst heute,

in unserer technisch hochgerüsteten

Zeit, können Menschen einer Eruption

wenig entgegensetzen. Man ist

heute lediglich manchmal früher ge -

warnt – auch dank wissenschaftlicher

Expeditionen, die versuchen, Vulkanen

ihre Geheimnisse zu entlocken.

NATIONAL GEOGRAPHIC-Fotograf

Carsten Peter wagt es wie kein

Zweiter, in die glühenden Augen

der Erde zu blicken. Er war dabei, als

2001 der Ätna ausbrach und Blöcke,

so gross wie Autos, 800 Meter in die

Luft schleuderte. Er zeltete im aktiven

Krater des Nyiragongo im Kongo, wo

ihm, ausgestattet mit einem Hitzeschutzanzug,

spektakuläre Bilder gelangen.

In der Antarktis begleitete er eine

biologische Expedition auf der Suche

nach Bakterien aus dem Erdinneren.

Das Buch ist in seiner Vielfältigkeit einmalig.

Mit spektakulären Aufnahmen grossartiger

Naturfotografen führt der Band

„Meisterwerke der Natur“ durch die

Tiefen der Ozeane, die Weiten der

Wüsten bis in das bunte Treiben im

Urwald. Geologische Erscheinungen

werden erklärt und mit Ereignissen bis

in die jüngste Geschichte verknüpft.

Daraus entstand eine faszinierende

Erkundungstour in Bildern durch die

verschiedenen Landschaften unseres

Planeten.

Die Natur hat bemerkenswert vielfältige

Umweltmilieus hervorgebracht. Von

Von Lorenz Braun

kalten Polen bis zu heissen Wüsten,

von dünner Luft auf den Berggipfeln

bis zu lebensfeindlichem Druck in

den Tiefseegräben finden sich gewaltige

Kontraste. Selbst in Gebieten mit

extremen Bedingungen gibt es Leben

– der Ngorongoro-Krater in Tansania

etwa, ein einzigartiges Tier-Reservat,

entstand durch das Zerbersten eines

riesigen Vulkanberges. Noch offensichtlicher

ist dieser Einfluss im Great

Barrier Reef, einem gänzlich von winzigen

Lebewesen erschaffenen architektonischen

Wunder, oder im Regenwald

mit seiner enormen Artenvielfalt.

Grundlegend für das Leben auf

der Erde ist vor allem ein Element:

Es ist kein anderer Planet

bekannt, auf dem es Wasser in

flüssiger Form gibt; doch die

Erde wird davon überflutet –

71 Prozent ihrer Oberfläche

sind vom Meer bedeckt. Die

Erde liegt in der habitablen

Zone, das heisst, sie befindet

sich in adäquater Entfernung

zur Sonne mit genau passender

Dichte der Atmosphäre, die

ein gemässigtes Klima, Wasser

in flüssiger Form und damit

Leben ermöglicht.

Viele unserer reichsten Ökosys -

teme sind bereits geschädigt

oder zerstört. Bäume, die in

Jahrtausenden gewachsen

sind, werden binnen Minuten

zu Kleinholz verarbeitet; in

Nigeria und Vietnam ist über

die Hälfte der Primärwälder

zerstört. Übrig sind nur einige vom

Menschen weitgehend unberührte

Waldgebiete an entlegenen Stellen.

Wenn wir sie nicht zerstören, könnten

sie unsere wichtigsten Verbündeten

im Kampf gegen den Klimawandel

werden. Viele von uns möchten diese

faszinierenden Orte unseres Planeten

mit eigenen Augen gesehen haben,

anderen ist das nicht so wichtig. Es

genügt ihnen zu wissen, dass es solche

Schauplätze gibt, an denen die Spuren

des Menschen von der Natur einfach

getilgt und ausgelöscht werden.

Abi Burns

Meisterwerke der Natur

Spektakuläre Landschaften

unserer Erde

Bruckmann, 272 S.

ca. sFr. 66.90

ISBN 978-3-7654-8001-0

Mit spektakulären Aufnahmen grossartiger

Naturfotografen führt dieser Band

durch die Tiefen der Ozeane bis zu den

höchsten Bergen und erklärt dazu unsere

Ökosysteme und deren Besonderheiten.

Carsten Peter

Vulkane

Expeditionen zu den gefährlichsten

Kratern der Welt

National Geographic, 224 S.

ca. sFr. 53.90

ISBN 978-3-86690-363-0

Vulkane – vom Kongo über Sizilien bis zur

Antarktis – werden in einzigartigen Bildern

und Berichten vorgestellt.

Foto: Aus „Vulkane. Expeditionen zu den gefährlichsten Kratern der Welt“/National Geographic

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Swissness,

Der Hype um die

Swissness ist schon

wieder am Abklingen, Zeit

also, sich mit den wirklichen

Traditionen der

Schweiz zu beschäftigen.

Kurt Haberstich ist ihnen

durch die ganze Schweiz

gefolgt: Vom Alpsegen über

urschweizerische Sportarten

und traditionelles Handwerk bis zu den

Volksbräuchen im Jahreslauf. Martin

Hauzenberger hat sich die „klingende

Schweiz“ vorgenommen.

Klar, dass man im „Alpenland Schweiz“

mit den Bräuchen auf der Alp beginnt,

mit dem Alpaufzug, natürlich, dem

Alpsegen bis zum Chästeilet. Klar,

dass der Sport nicht fehlen darf, und

zum Sport zählt Haberstich auch das

Fahnenschwingen und das Geisslechlöpfe

(mit 100 Dezibel etwa gleich

laut wie ein Presslufthammer). Ausführlich

behandelt werden die Sparten

Schwingen und Hornussen, das sich

übrigens vom Wortstamm „Hornen“

Typisch Schweiz

Gelebte tradition

aber richtig

ableitet und den „hornenden“ Nuoss

bezeichnet. Vielen unbekannt dürfte

das Platzgen sein. Von überraschender

Vielfalt sind die Volksbräuche. An

Neujahr geht es in Kandersteg schon

mit den Pelzmartige los. Der Chalandamarz

in Graubünden ist vielen

vom „Schellenursli“ bekannt. Was eine

schöne Gelegenheit bietet auf ein weiteres

Buch hinzuweisen, das sich ganz

den Glocken und Treicheln widmet.

Claude Quartier begibt sich auf eine

Entdeckungsreise von Kuh- bis zu Kirchenglocken

quer durch alle Regionen

der Schweiz. Die Glocken meint er,

seien zu Symbolen helvetischer Tradition

geworden. Sammler und

Museen haben ihre schönsten

Stücke zur Verfügung

gestellt. Zudem geht Quartier

auch der Rolle der Glocken

in Kunst, Erzählungen oder

Sprichwörtern nach.

Kurt Haberstich

Claude Quartier

Glocken und Treicheln

Tradition, Handwerk,

Kultur

AT Verlag, 160 S.

ca. sFr. 39.90

978-3-03800-668-8

Kurt Haberstich

Typisch Schweiz

Gelebte Tradition

Faro, 250 S.

ca. sFr. 34.90

ISBN 978-3-03781-063-7

Foto: AT Verlag aus dem Buch „Glocken und Treicheln“ – Casio

Versierter Sprachkünstler

Das EX-word EW-G6500CP ist ein handliches Sprachtalent. Im

kompakten Format ist eine umfangreiche Bibliothek an Wörterbüchern

überall und jederzeit griffbereit.

Ob auf geschäftlichen oder privaten

Reisen, ob Lehrer, Dolmetscher,

in der Schule oder im Studium,

für den täglichen Einsatz ist

das EX-word EW-G6500CP bestens

geeignet. Für Deutsch, Englisch,

Französisch, Spanisch oder Latein

bietet es eine Bibliothek von 21 Wörterbüchern

von Verlagen wie PONS,

Le Robert, OXFORD und Duden.

Dabei bleibt es mit einem Gewicht

von 255 Gramm sehr handlich und

braucht nur wenig Platz. Unbekannte

Wörter finden sich schneller als in

einem herkömmlichen Print-Wörterbuch.

Per Tastendruck können

Flexionen, Sprichwörter, Synonyme

und Kollokationen geprüft werden.

Neben der blossen Übersetzung liefert

das elektronische Wörterbuch

Beispiele für die Verwendung und

den Kontext einzelner Begriffe. Mit

der Favoritenfunktion können

Lehrer für den Unterricht passende

Vokabellisten vorbereiten.

Über Ohrhörer bzw. den

integrierten Lautsprecher lassen

sich Aussprache und Betonung

von Wörtern in der Fremdsprache

anhören.

Welche Vorteile bietet der

handliche und kompakte Übersetzer

gegenüber einem Smartphone

oder einem Tablet? Da

wäre zum ersten die einfache

Bedienung – ein umständliches

Setup ist nicht nötig, alle

Buchinhalte sind in elektronischen

Wörterbüchern fertig

vorinstalliert – einfach Batterien

einlegen und direkt nachschlagen.

Man braucht also nur

aufzuklappen und kann sofort

beginnen.

EX-word

EW-G6500CP

von CASIO

ISBN 978-3-19-299587-3

ca. sFr. 369,90

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Bilddiagonale: 126 mm

Displayauflösung: 528 x 320 Pixel

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Aluminium-Cover

Tastatur:

deutsche Tastaturbelegung (QWERTZ)

Energieversorgung: 2 x AA (kompatibel mit NiMH-Akkus)

Betriebsdauer: ca. 130 Std.

Natürliche

Stimmwiedergabe:

100.000 englische und

13.000 französische Wörter

Sprachausgabe per

TTS (Text-to-Speech): Deutsch, Englisch, Französisch,

Spanisch, Italienisch

PC-Anschluss: USB-Kabel (im Lieferumfang)

Speichererweiterung: microSD-Karte (optional)

Vorinstalliert:

21 bekannte Nachschlagewerke. Auch

fachspezifische Themen wie z. B. Wirtschaft,

Informatik, Recht und Naturwissenschaft

sind enthalten.

43

buchmedia

magazin 21 (3/13)


SACHBUCH

So hat man die Schweiz noch nie

gesehen. Alessandro Della Bella

fotografiert nachts und macht so

Dinge sichtbar, die sonst verborgen

bleiben. Er sei schon immer von

der Nacht fasziniert gewesen, sagt

der Fotograf. «Alles begann in einer

mondlosen Nacht am kalten, klaren

Prätschsee. Wie sieht es aus, wenn

man ein paar Dutzend kurze Belichtungen

der Sterne wie ein Daumenkino

aneinanderreiht? Dieses Spiel

Helvetia by Night

mit der Zeit hat mich sofort in seinen

Bann gezogen, ‚Helvetia by Night‘

war geboren.» Dabei kann es schon

einmal vorkommen, dass die Akkus

streiken oder die gesamte Ausrüstung

vereist, wie ihm das bei –25 Grad auf

dem Titlis geschehen ist und Eisblumen

auf dem Objektiv gewachsen

sind. Alessandro Della Bella hat

sich an die widrigen Wetterlagen

gewöhnt, mag sogar die unberechenbaren

Nächte am liebsten.

In einer guten Nacht entstehen heute

rund 5000 Fotos, jede Einstellung

besteht aus 200 bis 800 Aufnahmen.

«Die Fotos in diesem Buch geben

kurze Einblicke in ein sich stetig wandelndes

Bild», sagt Allessandor Della

Bella. «Sie sind Momente des untergehenden

Leermondes, des brodelnden

Nebelmeeres, der funkelnden

Milchstrasse. Sie sind der Augenblick

der Sternschnuppe und des Blitzeinschlages.»

1 2

3 4

5

Alessandro Della Bella

Helvetia by Night

NZZ Libro, 192 S.

ca. sFr. 78.–

ISBN 978-3-03823-850-8

1 Der Pilatus, Luzern und Stansstad, aufgenommen vom Stanserhorn, 25. Juli 2012; 2 Die Milchstrasse über dem Stanserhorn, 26. Juli 2012; 3 Rheintal mit Blick

auf den Bodensee, zwischen St. Margrethen und Bregenz, aufgenommen vom Hohen Kasten, 25. Juni 2011; 4 Aufgehender Mond hinter dem Säntis, aufgenommen

von Schönau, 22. Juni 2012; 5 .Morgendämmerung über dem Rheintal und dem Alpstein mit dem Sämtisersee, aufgenommen vom Hohen Kasten, 26. Juni

2011.

Foto: © by Alessandro Della Bella, aus: Alessandro Della Bella, Helvetia by Night © 2013 Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich.

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Die Frau hinter der

Pelztasse

Meret Oppenheim gehört zu den bekanntesten Künstlerinnen

der Schweiz. Ein umfangreicher Band erschliesst nun ihre

private Korrespondenz und gewährt einen persönlichen Einblick

in Meret Oppenheims Leben und Schaffen

Von Martin Walker

Fotos: Aus „Worte nicht in in giftige Buchstaben einwickeln“/Scheidgger & Spiess

Wer kennt sie nicht, die Pelztasse,

die Meret Oppenheim 1936

ans Museum of Modern Art in New

York verkaufen konnte. 1000 Francs

war der Preis, der Check aus Amerika

war auf 50 Dollar ausgestellt, das

waren ca. 250 Schweizer Franken. Drei

Werke der Schweizer Künstlerin wurden

im MoMa ausgestellt im Rahmen

einer Ausstellung zum Surrealismus.

Es sei keine „offizielle Manifestation

des Surrealismus“, schreibt der damalige

Direktor an Meret Oppenheim,

die Ausstellung protokolliere vielmehr

das Fantastische und Fabelhafte

in der Kunst der Vergangenheit und

der Gegenwart. Meret Oppenheim,

geboren am 6. Oktober 1913 war Teil

davon.

Zwei Blätter aus den Aufzeichnungen:

Erinnerung an den „Salon des Surindépendants“

1933 in Paris, wo Meret Oppenheim

ersten Mal ausstellte, zusammen mit Dali,

Ernst, Hugo, Magritte, Mirò, Ray oder Tanguy.

Nun liegt ein umfangreiches

und von Lisa Wenger und

Martina Corgnati sorgfältig

editiertes Konvolut an

Briefen von und an Meret

Oppenheim als Buch vor.

Auf ausdrücklichen Wunsch

Oppenheims durften sie frühestens

zwanzig Jahr nach

ihrem Tod, 1985, veröffentlicht

werden. Der Band ist

in drei Teile gegliedert: Die

Briefe an die Familie und

ihren Ehemann, wo insbesondere

die Entwicklung

der Vater-Tochter-Beziehung

höchst interessante

Einblicke ermöglicht. Erst

spät konnte er die künstlerischen

Aktivitäten seiner

Tochter akzeptieren und

wertschätzen. Im dritten Teil sind die

Briefe an Freunde, Kunstschaffende

und Intellektuelle wiedergegeben, sie

sind aufschlussreich, was Oppenheims

Beziehungsgeflecht in der internationalen

Kunstszene betrifft, ermöglichen

aber auch neue Einblicke in ihre Schaffensweise.

Nicht zuletzt wird durch die

Briefe an und von Marcel Duchamp

erstmals klar, wie eng ihre Beziehung

tatsächlich gewesen ist, die auf Wunsch

von Oppenheim geheim gehalten wurde.

Der zweite Teil des grossformatigen,

schön gestalteten Buches bildet die

faksimilierte Wiedergabe von Meret

Oppenheims Album „Von der Kindheit

bis 1943“, das hier erstmals

zugänglich gemacht wird. Das Heft

wurde von ihr 1958 zusammengestellt.

Es ist ein Lebensrückblick, unvollständig,

mit Fotos, von denen sie auch

einige wieder entfernt hat, (Kinder-)

Zeichnungen, Dokumenten und

Hans Richter über den „Haushalt“ von Meret Oppenheims Familie:

„Von aussen sieht das Haus aus wie zwölf Dienstboten und

innen herrscht der integrale Anarchismus.“

Platzhaltern für Verschwundenes und

Abhandengekommenes.

„Worte nicht in giftige Buchstaben einwickeln“

lautet der Titel der Brief- und

Dokumentensammlung. Man müsse

aufpassen, schrieb Meret Oppenheim,

dass man die Wörter nicht in giftige

Buchstaben einwickle, weil sie sonst

durchsichtig werden. Durchsichtig

wird Meret Oppenheim anhand dieses

Bandes nicht, aber er gewährt uns

wertvolle Einblicke in ein spannendes

Künstlerinnenleben.

Meret Oppenheim –

Worte nicht in giftige

Buchstaben einwickeln

Das autobiografische

Album „Von der Kindheit

bis 1943“ und unveröffentlichte

Briefwechsel. Herausgegeben

von Lisa Wenger

und Martina Corgnati

Scheidegger & Spiess, 453 S.

ca. sFr. 79.–

ISBN 978-3-85881-375-6

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magazin 21 (3/13)


Zum Einlesen

Erfrischend

Erstmals erzählt Christine Nöstlinger

über sich – jedoch nicht über

den grantigen Gurkenkönig oder

den Franz, der aussieht wie ein Mädchen.

Hier geht es um ihr eigenes

Leben: Wie sie als Kind den Krieg

im Bombenkeller überlebt. Wie sie

ihre erste Beichte mit einer Lüge

beginnt. Wie sie über einen Tretroller

die wahre Natur des Menschen

kennenlernt. Wie sie im Tanzkurs

den geliehenen BH verliert und sich

als Kunststudentin in Herrenrunden

behauptet. Die grosse Kinderbuchautorin,

Journalistin, Lyrikerin und

Schriftstellerin erzählt von Ehen,

Töchtern und Affären. Von ihren

Erfolgen, von wütenden Lehrerattacken

und aberwitzigen Political-

Correctness-Sheriffs. Und auch

davon, ob es erstrebenswert ist, in

Würde zu altern.

Christine Nöstlinger

Glück ist was für

Augenblicke

Erinnerungen

Aufgezeichnet von Doris

Priesching

Residenz, 300 S.

ca. sFr. 31.50

ISBN 978-3-7017-3303-3

Schweizer Film(politik)

Die Schweiz, man glaubt es kaum,

ist die grösste europäische Filmnation,

geht man von der Anzahl produzierter

Filme pro Einwohner aus.

Zeit also, das Dreieck Staat, Film

und Publikum genauer unter die

Lupe zu nehmen und die Entwicklung

der Schweizer Filmpolitik aufzuzeichnen.

Ein erster Publikumserfolg (jeder

dritte Schweizer soll den Film gesehen

haben) war „Füsilier Wipf“

1938 – der Film begann damals eine

Aufgabe in der ideologischen Landesverteidigung

zu erfüllen. 1960

hatten die Kinobesucherzahlen in

der Schweiz mit 40 Millionen Eintritten

den Höchststand erreicht, es

folgte eine lange Talfahrt. 1963, mit

dem Inkrafttreten des Filmgesetzes,

mischte der Staat kräftiger mit in

Orchidee von Zürich

Sie war eine Erscheinung, eine Ikone,

Muse unzähliger Künstler – und Prostituierte.

Eines Tages war sie einfach

da, in der Schoffelgasse im Zürcher

Niederdorf, Anfang zwanzig, gross,

schön, blond. Irene kannte alle und

alle wollten Irene kennen, sie hat Mode

vorgeführt, wurde von zahlreichen

Künstlern porträtiert, sang und spielte

in Filmen mit, gibt aber die Strasse,

das „Stehen“ nicht auf. Irene wurde

zur Vorzeigefigur, galt als Edelprostider

Filmindustrie – mit zum Teil

bizarren Ansichten wie „Der Spielfilm,

das ist Brigitte Bardot; so was

wollen wir nicht.“ Aufwärts ging es

wieder mit dem „neuen“ Schweizer

Film, mit Filmen wie „Die Schweizermacher“,

„Höhenfeuer“ oder

„Les Petites Fugues“. Olivier Moeschler

zeigt die Entwicklungen nachvollziehbar

und genau auf, auch in

der Absicht zur Anerkennung der

freien Filmkunst und des kulturpolitischen

Engagements der öffentlichen

Hand beizutragen.

Olivier Moeschler

Der Schweizer Film

Kulturpolitik im Wandel:

der Staat, die Filmschaffenden,

das Publikum

Schüren Verlag, 140 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-89472-861-8

tuierte: Verruchtheit kann kleidsam

sein, schreibt Wottreng. Irene selber

aber kommt immer weniger mit ihrem

Leben zu Rande.

Willi Wottreng zeichnet nicht nur das

Leben der in Mollis geborenen Irene

Staub bis zur ihrem tödlichen Motorradunfall

in Thailand nach, sondern er

nützt die Gelegenheit, eine Kunst- und

Sittengeschichte der Siebziger- und

Achtzigerjahre zu präsentieren, an die

man sich teils mit Freude, teils auch mit

leichtem Gruseln erinnert.

Willi Wottreng

Lady Shiva

Aufbruch in Highheels

Elster Verlag, 300 S.

ca. sFr. 39.80

ISBN 978-3-906065-05-2

Fotos: Fotolia, Paul Schirnhofer, Polaroid aus Privatbesitz aus dem Buch «Lady Shiva», Elster Verlag

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Foto: Charly Rappo

Intelligent lesen und leben

Drei neue Essays zu aktuellen Themen von geistreichen AutorInnen laden

ein zum lustvollen und hilfreichen Philosophieren und bieten Lebenshilfe im

besten Sinne.

Zeitungsartikel werden immer kürzer,

Meinungsäusserungen müssen

knapp, knackig und zugespitzt sein.

Es bleibt kaum mehr Zeit und Raum,

um Gedankengänge ausführlich herzuleiten

und darzustellen. Kein &

Aber schafft mit seiner Essay-Reihe

Abhilfe. Mit Miriam Meckel und Brida

von Castelberg äussern sich zwei

Autorinnen, die für ihre pointierte

Meinung bekannt sind. Genauso wie

Regisseur Milo Rau für engagiertes

Theater bekannt ist.

Brida von Castelberg war 19 Jahre

lang Chefärztin der Frauenklinik am

Zürcher Stadtspital Triemli. Sie hat

die Entwicklungen im Gesundheitswesen

immer kritisch begutachtet

und sich nicht gescheut, auf Tendenzen

hinzuweisen, die ihrer Meinung

nach in die falsche Richtung

gingen. In ihrem Essay „Diagnose

einer Beziehung“ nimmt sie nun das

Verhältnis zwischen Arzt und Patient

unter die Lupe. Wie Arzt und

Patient miteinander umgehen, ist

entscheidend für den Heilungsprozess.

Aber das Verhältnis,

meint Brida von Castel berg, ist

ein asymmetrisches, sowohl Arzt

als auch Patient sind geprägt von

Verhaltensmustern, doch es ist

Aufgabe des Arztes, das Verhalten

und die Aussagen des Patienten

richtig zu deuten. Anhand

konkreter Beispiele analysiert

sie, was in Klinik, Praxis und

Wartezimmer ab geht und wirft

auch ein kritisches Auge auf die

Gesundheitspolitik.

Der Skandal um die amerikanische

NSA hat deutlich gemacht,

wie anfällig moderne Kommuni-

Von Martin Walker

kation sein kann und private Informationen

längst nicht mehr nur privat

sind. Die bekannte Professorin

für Kommunikationsmanagement,

Miriam Meckel, zeigt in ihrem Essay

„Wir verschwinden“ auf, wie die

Digitalisierung eine fortwährende

Entmaterialisierung unseres Lebens

bewirkt und wir unsere Individualität

zunehmend verlieren. Sie meint,

dass wir die unsichtbaren Veränderungen

verstehen und für uns wieder

sichtbar machen müssen, damit wir

die Freiheit der eigenen Entscheidung

erhalten können

„Was tun?“, fragt Milo Rau und

nimmt sich mit provokativen Thesen

der Postmoderne an. Rau fordert

einen kämpferischen „linken“

Humanismus jenseits von Gutmenschentum.

Ein Aufruf zu utopischem

Handeln und Denken, mit dem man

sich lustvoll auseinandersetzen kann.

Brida von Castelberg

Diagnose einer Beziehung

Über Patienten und deren Ärzte

Kein & Aber, 64 S.

ca. sFr. 9.90

ISBN 978-3-0369-9248-8

Auch als E-Book erhältlich

Miriam Meckel

Wir verschwinden

Der Mensch im digitalen Zeitalter

Kein & Aber, 64 S.

ca. sFr. 9.90

ISBN 978-3-0369-9247-1

Auch als E-Book erhältlich

Milo Rau

Was tun?

Kritik der Postmodernen Vernunft

Kein & Aber, 64 S.

ca. sFr. 9.90

ISBN 978-3-0369-9249-5

Auch als E-Book erhältlich

Alle drei Essays erscheinen im Oktober

Sprachlicher Röstigraben

José Ribeaud hat einen „fast schon

verzweifelten“ Appell zur Rettung

der Nationalsprachen verfasst. Man

versteht sich nicht mehr, die Kommunikation

über den Röstigraben

versiegt – oder

wird auf Englisch

abgehalten.

Schweizerdeutsch

ist

immer mehr im

Vormarsch und

Hochdeutsch,

das auch die

Miteidgenossen

in der Romandie

oder dem

Tessin verstehen

könnten,

wird von den Deutschschweizern

zunehmend gemieden. Es besteht

Handlungsbedarf! Warum und wieso

erläutert und beleuchtet Ribeaud

mit anschaulichen Beispielen, persönlichen

Erfahrungen und Gesprächen.

Den Vorschlag etwa, Englisch

in den Rang einer Teil-Nationalsprache

zu erheben, hält er nicht nur für

abwegig und ungerecht, sondern

vielmehr für unlogisch und kontraproduktiv,

etwa für die Integration

der hier lebenden Ausländer und für

den Nutzen, den diese ausländischen

Gäste aus der helvetischen Vielsprachigkeit

ziehen können.

Ein inspirierender Essay zu Sprache

und Vielsprachigkeit, der einen auch

dazu anregt über sein eigenes Verhalten

zu sinnieren.

José Ribeaud

Vier Sprachen, ein Zerfall

Wie die Schweiz ihren wichtigsten

Vorteil verspielt

Nagel & Kimche, S.

ca. sFr. 23.90

ISBN 978-3-312-00580-2

47

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magazin 21 (3/13)


heinz-peter röhr Die kunst, sich wertzuschätzen

DEN SelbStwert

StArKen

heinz-peter röhr

Die kunst, sich

wertzuschätzen

Heinz-Peter Röhr

Die Kunst, sich

wertzuschätzen

Angst und Depression

überwinden – Selbstsicherheit

gewinnen

200 Seiten

Paperback, 14 × 22 cm

sfr 24,50 (uvp)

ISBN 978-3-8436-0391-1

Angst und Depression

überwinden

Selbstsicherheit gewinnen

09.07.13 16:06

Heinz­Peter Röhr zeigt, wie

seine neue Methode der

Selbstwertanalyse ermöglicht,

die Ursache psychischer

Probleme zu erkennen und zu

beseitigen. Ein Buch, das hilft,

Selbstliebe zu entwickeln und

zu einem gelingenden Leben

zu finden.

entScheiDungSfRuSt

?

lukas niederberger

„Das geht

nicht!“ – diesen

Satz bekam

Claudia Rutt

oft zu hören.

Sie unterstützte

Peter

Harf dabei,

der das Schicksal

seiner Frau

zum Anlass nahm, die erste Knochenmarkspenderdatei

ins Leben zu

rufen. Mechtild Harf war an Leukämie

erkrankt und brauchte eine Stammzelltransplantation.

Da in Deutschland zu

dieser Zeit, wir sind im Jahr 1991, nur

3000 Spender registriert waren, und

die Suche über ausländische Dateien

zeitintensiv und wenig erfolgversprechend

gewesen wäre, wurde eine private

Initiative gegründet, um einen pas-

Zum Einlesen

Professionell hilfreich

senden Spender zu finden. Aus dieser

Initiative entstand die gemeinnützige

Organisation DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei.

Die beeindruckende Geschichte der

DKMS kann als Vorbild für zeitgemässes

soziales Unternehmertum dienen.

Mit über 3,5 Mio. registrierten

Stammzellspendern ist die DKMS

Deutsche Knochenmarkspenderdatei

heute die weltweit grösste Spenderdatei.

Claudia Rutt, Gordon

Müller-Eschenbach

Alle gegen einen

Unser Kampf gegen den

Krebs

Murmann, 220 S.

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-86774-288-7

lukas niederberger am liebsten beides

am liebsten

beides

Wie man gute entscheidungen trifft

Lukas Niederberger

Am liebsten beides

Wie man gute

Entscheidungen trifft

208 Seiten

Paperback, 14 × 22 cm

sfr 21,90 (uvp)

ISBN 978-3-8436-0416-1

11.07.13 17:36

Lukas Niederberger zeigt,

wie Entscheidungsprozesse

gelingen können. Er erläutert

neurologische und psychologische

Zusammenhänge,

vermittelt nützliche Werkzeuge

und bietet Unterstützung,

das eigene Ent ­

schei dungsverhalten besser

kennenzulernen. Damit die

Wahl zur Möglichkeit wird,

das eigene Leben bewusst

und selbstbestimmt in die

Hand zu nehmen.

----------------------------------------------------

bestellungen@verlagsgruppe-patmos.de

www.patmos.de

Entweltlicht

Papst Benedikt XVI.

mit hermelinbesetzter

Mozzetta oder mit

kostbarer Mitra – Papst

Franziskus in schlichter

weisser Soutane mit

Blechkreuz. Auf den

ersten Blick scheint kein

grösserer Gegensatz

denkbar zu sein. Doch

in Wirklichkeit verbindet

die beiden Männer

viel mehr als sie trennt.

Es ist nicht nur die echte

persönliche Bescheidenheit

und Demut, es ist

vor allem ein brisantes

Programm, das Benedikt

XVI. seiner deutschen Heimat ins

Stammbuch geschrieben hat und das

Papst Franziskus sofort nach seinem

Amtsantritt mit liebenswürdiger Hartnäckigkeit

umsetzt: Entweltlichung.

Manfred Lütz

Paul Josef Cordes

Was bedeutet dieser geheimnisvolle

Begriff wirklich?

Ist eine machtvolle Kirche noch die Kirche

Jesu Christi und seines Stellvertreters

Franziskus auf Erden und wie arm

darf eine arme Kirche werden, damit

sie noch eine Kirche für die Armen sein

kann? „Entweltlichung“ ist Benedikts

Vermächtnis und Franziskus‘ Auftrag.

Kardinal Paul Josef Cordes erläutert

Entweltlichung als spirituelles Programm

für jeden einzelnen. Er hat

dafür eindrucksvolle Zeugen wie etwa

Simone Weil, Mutter Teresa und

Charles de Foucauld.

Paul Josef Cordes,

Manfred Lütz

Benedikts Vermächtnis

und Franziskus’

Auftrag

Herder, 160 S.

ca. sFr. 21.90

ISBN 978-3-451-21977-1

Fotos: DKMS, G. Daniels, privat

48

buchmedia

magazin 21 (3/13)


Brasilien wird in den nächsten

Monaten verstärkt im Zentrum

der Aufmerksamkeit stehen – Brasilien

ist Gastland an der Frankfurter Buchmesse,

die Fussball-WM wird nächs tes

Jahr in Brasilien stattfinden. Die politischen

und sozialen Unruhen der letzten

Monate haben deutlich vor Augen

geführt, welches Potenzial in dem riesigen

Land steckt, aber auch welche

Gefahren und Schönheiten. Brasilien

scheint im Umbruch.

Wer mehr über Brasilien wissen und

vor allem verstehen will, ist mit Ruedi

Leuthold ausgezeichnet bedient. Journalist

Leuthold kennt das Land seit

1978 und lebt seit fünf Jahren in Rio de

Janeiro. In kurzen Essays bringt er Land

und Leute näher, nimmt einen mit

Einführung in Brasilien

Ruedi Leuthold porträtiert Brasilien in Gesprächen und Begegnungen. Eine ausgezeichnete Einführung in ein Land,

das in den nächsten Monaten im Fokus der Aufmerksamkeit stehen wird.

Von Martin Walker

auf eine Reise von

Nord nach Süd, in

die Gegenden am

Amazonas und in

die Städte. Dabei

zeigt Leuthold ein

gutes Gespür für

die Brasilianer, für

ihre Sorgen und

Nöte, er ist ein genauer Beobachter

und Zuhörer. Und er verfügt über ein

breites Spektrum: Gesellschaft, Wirtschaft,

Natur, Politik, Kultur, Geschichte

flicht er in die Gespräche und Begegnungen

ein und gestaltet so ein äusserst

lebendiges Porträt des Landes.

Dabei entdeckt Leuthold auch immer

wieder Spuren von Schweizer Auswanderern,

etwa des Forschers Emilio

Goeldi mit Appenzeller

Wurzeln, der

die Amazonasforschung

systematisiert

hat, oder die

Geschichte der

1857 gegründeten

schweizerischen

Wohltätigkeitsgesellschaft,

wo im Schweizerhaus zum

1. August Aargauer Rüeblitorte aufgetischt

wird.

Ruedi Leuthold

Brasilien

Der Traum vom Aufstieg

Nagel & Kimche, 208 S.,

ca. sFr. 25.90

ISBN 978-3-312-00579-6

PROMOTION

Fotos: Sven Creutzmann, DuMont Buchverlag

Geiseln der Taliban

Die Geschichte hat Schlagzeilen

gemacht in der Schweiz. Am 1. Juli

2011 werden Daniela Widmer und

David Och von einem bewaffneten

Kommando in Belutschistan aus dem

Campingbus gezerrt und verschleppt.

Achteinhalb Monate lang werden sie

in Nord-Waziristan gefangen gehalten.

Monate, in denen in der Schweiz

eine heftige Debatte geführt wurde,

ob und wie die offizielle Schweiz den

Geiseln, beides Polizisten, helfen solle.

„Niemand von den Menschen, die

über uns urteilten, wussten, was wir

erlebt hatten, kannten die Wahrheit

über unser Reiseroute, unsere Vorkehrungen,

die Zustände in Waziristan,

über unsere Haftbedingungen

und über unsere Flucht.“ Nun brechen

Widmer und Och, die die Rechnung

der Eidgenossenschaft über

20000 Franken für die Bemühungen

des EDA mit gemeinnütziger Arbeit

ab arbeiten, das Schweigen und erzählen

aus erster Hand „ihre“ Wahrheit.

Es ist ein bewegender, packend

geschriebener Report. Die langen

Märsche in den ersten Tagen, die

Übergabe – oder der Verkauf? – an

eine andere Gruppe, die ständige

Angst, die Ungewissheit und Drohungen,

die traditionelle Gastfreundschaft,

die auch Geiseln geschuldet

wird.

„Die Monate verstrichen, eine unend-

liche zähe Masse einander gleichender

Tage, ohne Sinn, ohne Freude, ohne

menschliche Anteilnahme“, steht an

einer Stelle in dem Buch. Am Leben

bleiben, haben sich die beiden immer

und immer wieder gesagt. Ein schwer

sich vorzustellender Kraftakt. Schliesslich

wagen sie am 15. März 2012 die

Flucht, die sie vorher minutiös planen,

die aber fast noch schiefgeht – bis sie

erschöpft Zuflucht in einem Fort der

pakistanischen Armee finden. Ein

Kapitel widmen die Daniela Widmer

und David Och auch ihrem „Leben

danach“. Eines, das nie mehr dasselbe

sein wird wie vor der Reise.

Daniela Widmer /

David Och

Und morgen seid ihr tot

259 Tage als Geiseln der

Taliban

DuMont, 320 S.

sFr. 28.50

ISBN 978-3-8321-9722-3

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Benjamin Best

Der gekaufte Fußball

Manipulierte Spiele und betrogene Fans

240 Seiten, Gebunden

sFr. 28.50 ISBN 978-3-86774-266-5

Eine weltweite Wettmafia korrumpiert

den Sport, auch in Österreich.

Vor allem den Fußball. Hier werden

beim Wetten Millionen umgesetzt.

Die ehrliche Wette auf den

Lieblingsverein im Wettbüro von

nebenan wird zum Spielball globalen

Betrugs.

www.murmann-verlag.de

Hamid Rahimi, Mariam Noori

Die Geschichte eines Kämpfers

Biografie

320 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen

sFr. 28.50 ISBN 978-3-95510-024-7

Vor fünf Jahren saß er in Hamburg

im Gefängnis. Heute ist er in Afghanistan

ein Volksheld, und in den

USA spricht er mit den Sicherheitsbeauftragten

des Präsidenten. Wir

erzählen seine Geschichte.

www.osburg-verlag.de

Glückskekse mit Tiger

Bernhard Moestl war bei den Shaolin-Mönchen, das sind jene mit der

genialen Kampfkunst. Diese versucht er uns nun für die kleinen und grossen

Herausforderungen des Alltags beizubringen.

Der Tiger gilt als Sinnbild für Kraft

und effiziente Zielerreichung.

Auch „Der Weg des Tigers“ verfolgt

ein klares Ziel: Leserinnen und Leser

sollen etwas für die eigene Lebensführung

lernen. Aber der Autor erhebt

keinen Anspruch auf Patentrezepte in

seinem Buch: „(…) da ich Ihnen recht

wenig über sich selbst erzählen kann,

habe ich es als Arbeitsbuch gestaltet.“

Man lege sich also ein kleines Heft

zurecht, um in diesem die Übungen

des Autors zu bearbeiten, der den Leser

Dinge fragt wie: „Was lügen Sie sich

lieber schön als es zu verändern?“ Derlei

taugt fraglos zum Selbstcoaching.

Unverkennbar spricht hier ein Trainer.

An Moestls Büchern hängt ein kleines

Imperium: Ein Dutzend Trainer und

Referenten schulen Manager und

ambitionierte Selbstmanager, ihre Kräfte

mit Hilfe buddhistischer Techniken

aufs Wesentliche zu richten. Das geistige

Fundament dieser wirtschaftlichen

Arbeit bilden Moestls mehrfachen Exegesen

der Shaolin-Schule unter Titeln

wie „Die 13 Siegel der Macht“ (2011)

oder „Shaolin – Du musst nicht kämpfen,

um zu siegen!“ (2008).

Moestl hat Mut zu ungewöhnlichen

Gedanken. Wo liegt beispielsweise

der Unterschied zwischen einem Ziel

und einer Erwartung– warum freuen

wir uns bei ersterem wenn wir’s erreichen

und sind bei letzterer bloss enttäuscht,

wenn nicht? Auch die vielen

locker erzählten Zen-Geschichten enthalten

kleine Augenöffner – etwa jene

vom Meister, der in die Teetasse des

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Von Andreas Kremla

gelehrten Gastes weiter und weiter einschenkt,

obwohl sie schon längst übergelaufen

ist, um ihn dann zu fragen:

„Wie kann ich Ihnen Zen zeigen, bevor

Sie Ihre Tasse geleert haben?“

Als Zeichen echter Meisterschaft gilt

Mühelosigkeit. Bei manchen Passagen

kennt der Weg des Tigers allerdings

keine Hürden: „Lassen Sie gewesen

sein was war, öffnen Sie Ihren Geist für

die Zukunft und lassen Sie Ihre Laterne

den Weg beleuchten, der vor Ihnen

liegt.“

Zu neuen Höhen, zu einem freieren

Leben – wie ein Tiger eben. So wird

manchmal analytisches Wissen der

westlichen Welt mit östlichen Weisheiten

verknüpft. Sprüche wie „Alle

Kraft kommt allein von innen“ leuchten

hier farbig hervorgehoben aus einer

oft raffinierten Textur von Eigenerfahrungen,

Zen-Anekdoten und -Weisheiten

hervor. Und manche hier gefundenen

Gedanken

denken sich wie

von selbst weiter.

Sie erfüllen

so den Anspruch

des Buches: das

Leben des Lesers

zu verändern.

Bernhard Moestl

Der Weg des Tigers

Erkenne und nutze deine

innere Kraft

Knaur, 224 S.

ca. sFr. 24.50

ISBN 978-3-426-65531-3

Erscheint im November!

Auch als E-Book erhältlich

Fotos: Fotolia, Heidi Mischinger


Selbstbewusste Frauen

Als Gerlinde Kaltenbrunner im

August 2011 den Gipfel des K2

erreicht und damit als erste Frau

alle 14 Achttausender ohne Zuhilfenahme

von künstlichem Sauerstoff

bestiegen hat, macht sie weit

über Österreich hinaus Schlagzeilen.

Das war nicht immer so: In

den Anfangsjahren des Alpinismus

war es für Bergsteigerinnen schwierig,

sich überhaupt an das Seil eines

Bergführers binden zu dürfen. Von

den ersten Alpenpionierinnen im 19.

Jahrhundert über die Höhenbergsteigerinnen

aus aller Welt bis zu

den Spitzenkletterinnen von heute

dokumentiert „Erste am Seil“ die

Leistungen selbstbewusster Frauen

in Fels und Eis. Und erzählt darüber

hinaus vor allem eines: Geschichten

selbstbestimmten Lebens, voller

Lebensfreude, Leidenschaft und

Inspiration. Caroline Fink und Karin

Steinbach porträtierten 26 Frauen

aus dem Alpenraum, Europa und

Übersee, die inspirierende Pionierleistungen

am Berg erbracht haben.

Caroline Fink, Karin Steinbach

Tarnutzer

Erste am Seil

Pionierinnen in Fels und Eis

Tyrolia 304 S.

ca. sFr. 40.10

ISBN 978-3-7022-3252-8

Von

Balzritualen

und

Revierkämpfen

Fotos: B. T. Batsford London 1953/Aus „Erste am Seil“/Tyrolia Verlag; Aus „Herausforderung 8000er“/Tyrolia Verlag

Der reich bebilderte Band dokumentiert

die bergsteigerischen Highlights

und Entwicklungen an allen 14 Achttausendern

im ersten Jahrzehnt des

21. Jahrhunderts. Darüber hinaus

liefert das Buch überraschende neue

Einblicke in die Geschichte früherer

Besteigungen und zeigt, dass heute

an den Achttausendern zwei Welten

nebeneinander existieren: Während

einige der höchsten Berge der Welt

inzwischen auch für Normalbergsteiger

erreichbar sind und das Bergsteigen

unter der Kommerzialisierung

leidet, findet eine Handvoll Alpinisten

Höhenluft

an ihnen noch immer Raum für Pionierleistungen

im absoluten Grenzbereich.

Das neue Standardwerk zu den

höchsten Gipfeln der Welt bietet eine

Gesamtgeschichte aller Achttausender

im Überblick und die wahren Hintergründe

der Erstbesteigungen.

Richard Sale, Eberhard

Jurgalski, George Rodway

Herausforderung 8000er

Die höchsten Berge der

Welt im 21. Jahrhundert –

Menschen, Mythen,

Meilensteine

Tyrolia, 256 S.

ca. sFr. 53.90

ISBN 978-3-7022-3294-8

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Niemand kommt Tieren in freier

Wildbahn näher als Andreas

Kieling – und wird dabei Zeuge

spektakulärer, oft kurioser Fortpflanzungsrituale.

Er berichtet von

Patchworkfamilien und von notorischen

Fremdgängern; welche

Tiere beim Sex die Luft anhalten

und wo die Männchen gleich

danach das Zeitliche segnen. Ob

Hasen zu Recht als unersättlich

gelten, während Pandabären

echte Sexmuffel sind.

Andreas Kieling

Maikäfer können am längsten

304 Seiten mit 24 Seiten

Farbbildteil und einer Karte

ISBN: 978-3-89029-418-6

ca. CHF 32,90


Das wunderbarste

Weihnachtsbuch

aller Zeiten

Worum geht es?

51 Lieder und eine Mitsing-CD. Die Liedtexte

sind in der originalen Schrift und in lateinischen

Buchstaben abgedruckt, die Lieder wechseln sich

ab mit entzückenden Bildern schlafender Babys.

Warum ist dieses Buch gut?

Das Kindlein soll schlafen, die Eltern singen ein

Lied – das ist bei allen Menschen das Gleiche. Das

Buch ist ein schöner Anlass, sich auf die Gemeinsamkeiten

zwischen den Völkern zu besinnen.

Die kreativste Zeit des res beginnt, in der man in be-

Jahsinnlichen

Stunden nicht nur

Weihnachtsgeschenke für die

Lieben selbst machen, sondern

auch die Wohnung mit

individuellen Schmuckstücken

dekorieren kann. In dieser

Jahreszeit trifft man sich oft

zu gemütlichen Runden mit

Freunden, bei denen eine

weihnachtliche Tischdekoration

nicht fehlen darf. Und auch

die selbst gestaltete Weihnachtskarte

lässt so manches

Herz höher schlagen. Unsere

schönsten Bastelideen rund

um die Weihnachtszeit haben

wir für Sie in unserem

goldenen Kreativbuch zu

Weihnachten zusammengetragen.

Über 500 Geschenkideen,

Baumschmuck, Verpackungsideeen,

Tischschmuck

und vieles mehr finden Sie in

diesem Buch.

Das goldene Kreativbuch

zu Weihnachten

Über 250 weihnachtliche Bastelideen

352 Seiten, Hardcover in Goldoptik

TOPP 5855

ISBN 978-3-7724-5855-2

SFr 28,90 (unverbindl. Preisempfehlung)

Marianne Sax

Bücherladen, Frauenfeld

Worum geht es?

Wer die Zahlen kennt, besitzt die Macht. Das

wussten schon die ägyptischen Gelehrten oder

Archimedes, der mit Mathe einen Krieg gewann.

Und die Geheimdienste verschlüsseln mit

mathematischen Methoden. Der Autor versteht

es meisterhaft, den scheinbar trockenen Themenkreis

Zahlen und Rechnen spannend und

leichtfüssig zu behandeln und Zusammenhänge

mit Astronomie und Geschichte herzustellen.

Warum ist dieses Buch gut?

Ein leicht verständliches und schön gestaltetes

Buch, das sich auch als nicht alltägliches

Geschenk eignet.

Wem würde ich es schenken?

Diese Wiegenlieder soll man Eltern schenken, die

ihre Kinder in den Schlaf singen, anstatt mit Konserven-Sound

beschallen wollen.

Reijo Kekkonen (Hrsg.)

Wiegenlieder aus aller Welt

Reclam/Carus, 128 S., mit 28 Farbfotografien

und CD

ca. sFr. 35.50

ISBN 978-3-15-010921-2

Rudolf Taschner

Die Zahl, die aus der Kälte kam

Wenn Mathematik zum Abenteuer wird

Hanser, 244 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-446-43683-1

Jörg Duss

Hirschmatt Buchhandlung,

Luzern

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Sachbuch

LESETIPPS AUS

IHRER BUCHHANDLUNG

Die Nudelnonnen:

Cornelia Schweizer und

Heidi Häusler (im Bild)

Buchhandlung am

Hottingerplatz, Zürich

Worum geht es?

HABEMUS PASTA führt uns in Versuchung

mit göttlichen Pasta-Gerichten. Die

Rezeptnamen der Nudelbibel sprechen für

sich: „Mea Pulpa“, „Corpus Delicatessi“,

„Knobi et Orbi“ und viele mehr. Das Ganze

ist gewürzt mit opulenten Fotos, frechen

Illustrationen und hintergründigen Texten

zur Geschichte der Nudel und den vielen

verfressenen Päpsten. NUDELUJA!

Warum ist dieses Buch gut?

Entstanden ist es nicht in den Gärten des

Vatikans, sondern in der Küche der Johann-

Lafer-Kochschule vom Leiter Manuel Weyer.

Wem würde ich es schenken?

Dieses Buch ist das ideale Geschenk für alle,

die für himmlische Pasta niederknien, die,

die italienische Küche lieben und die, die

allem widerstehen können, nur dieser sinnlichen

Versuchung nicht.

AMEN.

Esther Schuler

Baeschlin Bücher,

Glarus

Worum geht es?

Nun liegt das Kochbuch zum Bestseller „Das

kulinarische Erbe der Alpen“ vor. Jetzt gilt es

auszuprobieren, was der Alpenraum an Köstlichkeiten

zu bieten hat.

Warum ist dieses Buch gut?

Ein sehr vielseitiges Kochbuch, mit exquisiten

Fotos.

Wem würde ich es schenken?

Ein tolles Geschenk, sicher

auch für Männer, die ihre

Kochkünste gerne an speziellen

Gerichten erproben.

Rainer Schillings, Manuel Weyer, Ansgar Pudenz

HABEMUS PASTA

Die Nudelbibel

99pages Verlag, 108 S.

ca. sFr. 38.50

ISBN 978-3-942518-88-8

Dominik Flammer, Sylvan Müller

Das kulinarische Erbe der Alpen

Das Kochbuch

AT Verlag, 250 S.

ca. sFr. 78.–

ISBN: 978-3-03800-746-3

Barbara Piatti

Es lächelt der See

Literarische Wanderungen

in der Zentralschweiz

Rotpunktverlag, 448 S., Farbfotos

und Serviceteil

ca. sFr. 45.–

ISBN 978-3-85869-533-8

Worum geht es?

Es macht Freude, mit Barbara Piatti und den ausgewählten

bekannten und unbekannteren Schriftstellern durch die teils rauhe,

teils liebliche Landschaft zwischen Vierwaldstättersee und

Gotthard zu reisen.

Warum ist dieses Buch gut?

14 literarische Spuren führen in Bergtäler, zu Wasserfällen, auf

Alpwiesen, über Pässe und zu Seeufern und überraschen uns Leserinnen

und Leser mit vielen animierenden Wanderempfehlungen.

Wem würde ich es schenken?

Das wunderbare an diesem Wanderführer: Es ermöglichst beides,

Wandern und Wundern! Also: Wanderern und Wunderern.

Martin von Matt

Bücher von Matt, Stans

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KINDERBUCH

Film im Kopf

Eine äusserst leseaffine junge Jury haben wir diesmal zusammengetrommelt: Drei Mädchen und zwei Buben im

Alter von elf Jahren. Sie bekamen vier Bücher zu lesen. Hier ein Situationsbericht von der Jurysitzung.

Zum besseren Verständnis, wie

professionell und präzise die

fünf Jurorinnen und Juroren an die

Sache herangingen, sei gesagt: Die

Bücher, die sie zum Testlesen bekamen,

waren beileibe nicht ihre einzige

Lektüre. Sie lesen weit mehr,

sind richtige Vielleser. Was sich

schliesslich in der Beurteilungsrunde

von grossem Vorteil erwies.

Nun, um den Gesamteindruck vorwegzunehmen:

Eindeutiger Testsieger

ist „Letzten Montag habe ich

das Böse besiegt“ von Antje Herden.

Bereits der Vorläuferband „Letzten

Donnerstag habe ich die Welt

gerettet“ bekam hymnische Kritiken.

So hiess es darüber: „Ein herrlicher

Mix aus fantastischer Geschichte und

witzigem Gruselabenteuer.“ (Leipziger

Lesekompass 2012) Jetzt lässt

Autorin Herden ihr munteres Trio,

bestehend aus Sandro, der Prinzessin

und Kurt, bis nach Surinam reisen.

Die drei wollen Kurts Mutter

besuchen, eine Wissenschaftlerin,

die dort an Ausgrabungen beteiligt

ist. Und die bemerkt, dass dabei so

Von Nils Jensen

manches nicht stimmt. Was zu einer

irren Berg- und Talfahrt führt. Bis

die Mutter aus den unheimlichen

Fängen eines gruseligen Machtmenschen

befreit ist, folgt ein abenteuerliches

Horror-Erlebnis dem

nächsten. Alles mit einem Touch

des Realen und des Übersinnlichen.

Ein Juror meinte dazu, er würde

jedesmal beim Lesen einen „Film

im Kopf“ erleben, er könne sich die

Handlung und die Protagonisten

gut vorstellen – er wollte gar nicht

aufhören zu lesen. Was seine Mittester

gerne bestätigten. Es sei so

spannend, fanden sie, dass man ganz

enttäuscht sei, wenn man beim Ende

anlangt. Ein klassischer Page-Turner

also. Der bereits mit seiner Covergestaltung

die Sehgewohnheiten

und Erwartungshaltung der jungen

Leserschaft passgenau trifft.

Am nächsten kommt dem absoluten

Testsieger ein Buch, das etwas

aus der Reihe schlägt. Denn es

kommt ganz ohne Grusel, Action

und Zauber aus. Wenn man davon

absieht, dass die Protagonisten ein

Bub namens Emil und ein Herr

namens Mietling sind. Denn der ist

in Wahrheit ein menschlich gekleideter

Pelikan. Was nur der Junge

sieht, die Erwachsenen blicken da

im wahrsten Sinn des Wortes „nicht

durch“. Das Buch sei, meinte eine

junge Testerin, „etwas magisch“.

Auch wenn der Schluss des Romans

nicht so gefallen hat (zu lang, meinten

die TesterInnen), so ist das Werk

von Leena Krohn, einer der bekanntesten

Schriftstellerinnen ihrer Heimat

Finnland, in seiner Gesamtheit

gut angekommen. Da werden die

grossen Fragen des Lebens – der

Tod, Gott, Heimweh etc. – in abgeklärter

Weise und ohne laute Töne

behandelt. Dass dies auch Erwachsenen

zusagt, bestätigte eine Jurorin:

Deren Grossmutter habe das Buch

ausserordentlich gefallen.

Wie unsere Jurorinnen und Juroren

an Bücher herangehen, das weist

sie als wahre Leseratten mit Erfahrung

aus: Sie schauen sich einmal

das Cover an, lesen dann den Text

auf der Rückseite, beginnen mit der

Fotos: buchmedia

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ersten Seite zu lesen. Gefällt es, dann

wird entweder weitergelesen oder es

wird für einen späteren guten Lesemoment

zurückgelegt. Ansonsten –

weg damit.

Nun zum „Labyrinth der Geheimnisse“:

Mit dem Auftaktband von

Matthias von Bornstädt zu seiner

neuen Reihe (bislang sind vier Bände

herausgekommen), „Achterbahn

ins Abenteuer“, konnte unsere

gestrenge Jury zwar was anfangen.

Doch insgesamt war ihnen das Buch

einfach zu kurz. Es sei was für Jüngere,

meinten sie, „eher für Anfänger“,

wie einer der Vielleser urteilte.

Und: Sie machten sich nichts aus

dem Rätsel, das den Inhalt begleitet.

Das würde nur beim Lesen stören,

meinten sie einhellig. Sie haben also

lieber den oben erwähnten „Film im

Kopf“ als ein Buch mit Rätsel, das

ihnen ausserdem als „viel zu leicht“

vorkam.

Abgeschlagen auf dem letzten Platz

landete „Allein unter Superhelden“.

Das sei einfach nicht lustig, ja kindisch.

Wobei eine Jurorin dazu festhielt,

sie habe manchen Witz gar

nicht richtig verstanden. Die ganze

Geschichte lockte zwar mit dem

Cover („Sieht nach Comic aus“),

hielt aber nicht, was das Titelbild

versprach.

Eine kleine Bemerkung zum Schluss:

Auf unsere Frage, wie sie denn

Bücher läsen, gedruckt oder am

Lesegerät, wurden wir aufgeklärt:

Zwar habe man ein Lesegerät, aber

ein Buch in der Hand zu halten und

zu schmökern und auf- und zuzuklappen,

das sei einfach nicht ersetzbar.

Platz 1

Das zweite Abenteuer der drei

Hauptfiguren: Kurt, die Prinzessin,

Sandro. Nach dem Erfolg mit „Letzten

Donnerstag habe ich die Welt

gerettet“ also eine Rettung vor dem

Bösen. Mit allem, was dazugehört zu

einem spannenden Buch. Das Böse

ist übrigens nicht hierzulande zu finden,

sondern im fernen Surinam, wo

Kurts Mutter als Archäologin angeblich

alte Schätze heben soll. Doch

der Besuch der Drei in den Sommerferien

entwickelt sich ganz anders als

gedacht. Ein echter Page-Turner,

von unserer jungen Jury eindeutig

zum Testsieger erklärt.

Antje Herden

Letzten Montag habe

ich das Böse besiegt

Ill. v. Eva Schöffmann-

Davidov

Tulipan, 220 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-86429-153-1

Platz 3

Bislang sind vier Bände dieser Reihe

erschienen, die „Achterbahn ins

Abenteuer“ ist das Auftaktbuch.

Drei Freunde – Karoline, Philipp,

Jago – in einer Kleinstadt, ein unterirdisches

Geheimnis und viel Action:

Diese Mischung hat den TestleserIn -

nen gefallen, aber: Es war ihnen allen

zu kurz. Weshalb sie befanden, das

Buch wäre was „für Jüngere, die

nicht sooo viel lesen wollen“.

Matthias von Bornstädt

Labyrinth der Geheimnisse:

Achterbahn ins

Abenteuer

Ill. v. Silvia Christoph

Ravensburger, 140 S.

ca. sFr. 8.90

ISBN 978-3-473-40501-5

Auch als E-Book erhältlich

Platz 2

Leena Krohn zählt zu den bedeutendsten

finnischen Autorinnen der

Gegenwart. „Emil und der Pelikanmann“

ist ein philosophisch anmutendes

Buch über die Freundschaft

des Jungen Emil mit dem seltsamen

Herrn Mietling. Ein Spiegel, den uns

die Autorin vorhält: Wer bin ich, wer

ist der andere, kann man das verstehen?

Kein leichtes Abenteuerbuch,

sondern eine Besinnung mit heiteren

Elementen. Wurde einstimmig auf

Platz 2 gereiht.

Leena Krohn

Emil und der

Pelikanmann

Ill. v. Sabine Wilharm

Übers. v. Elina Kritzokat

Fischer KJB, 203 S.

ca. sFr. 19.50

ISBN 978-3-596-85492-9

Auch als E-Book erhältlich

Platz 4

Ein flotter Roman über den Sohn

einer Superheldenfamilie, der leider

gar nichts Ausserordentliches an

sich hat. Weshalb er auf eine Superheldenschule

geschickt wird. Was

dort passiert, ist selbst für Superhelden

beinahe zuviel … Interessanterweise

von der jungen Jury auf

den letzten Platz gesetzt. Ihr war

die Handlung zu sehr in die Länge

gezogen und „nicht so lustig“.

Heiko Wolz

Allein unter

Superhelden

Ill. v. Anke Kuhl

dtv junior, 157 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-423-76071-3

Auch als E-Book erhältlich

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KINDERBUCH

Boris, der Kater, und

Alfons, der Rabe

Er ist ein hochbepriesener Zeichner und ein Autor von grosser

Fabulierlust: Erwin Moser. Davon kann man sich mit Vergnügen

überzeugen – die Erlebnisse des Katers Boris sind

wieder nachzulesen und nachzuschauen. Und die Geschichte

um den Raben Alfons ist ein gelungener fantastischer Roman

für Jung und Alt. Von Anna Zierath

oris, der Kater, schwimmt in

„Beinem Fässchen auf dem Fluss.

Wo kommt er her? Niemand weiss

das.“ – So fängt die Geschichte an. Die

Geschichte des Katers Boris und seiner

Erlebnisse. Diese sind allesamt so skurril

und so normal, wie der Alltag sich

eben darstellt. Andererseits muss man

nur ein wenig den Blickwinkel ändern,

schon taucht man in die nächste Ebene

ein. Entdeckt den Hintersinn, den Witz

– mit diesem seltsamen Kater in seiner

seltsamen Welt.

NordSüd-Verleger Herwig Bitsche

hat eine kleine Geschichte dazu: 64

Geschichten von Boris, dem Kater,

die noch nie als Buch veröffentlicht

worden sind, wurden ihm von Erwin

Moser angeboten. Sie sind vor Zeiten

in einer Schülerzeitung erschienen und

Moser hatte sich schon immer Gedanken

gemacht, sie einmal als Bücher zu

veröffentlichen. „Und nun stand ich

vor diesem Schatz und kam mir vor wie

der Held in einer von Erwin Mosers

Geschichten“, so der Verleger.

Also, Boris ist kein Unglücksrabe,

ob wohl manches Erlebnis desaströs

endet, etwa: „Die Geschichte vom

Dampfschlittentraktor ist pure Ironie“,

meint dazu

der Autor.

Dafür ist die

„Geschichte

von den

Weihnachtskeksen

eine

meiner

Lieblingsgeschichten“,

betont er.

Da bäckt

Boris aufwendig

herrliche

Kekse,

um sie sei-

nem Freund Bruno Bär zu schenken.

Auf dem Weg wird Boris von einem

Schneesturm überrascht, hat die Orientierung

verloren, hockt sich müde

in eine Schneewächte – und isst all

die Kekse auf. Dazu Moser lapidar:

„Er frisst die Kekse, weil er glaubt, im

Schneesturm umzukommen.“

Oder die Geschichte mit den Briefmarken:

Boris bekommt zum Abschied von

Freund Bruno Bär ein Paket geschenkt.

„Erst zuhause öffnen“, sagt Bruno.

Aber der fürwitzige Boris hat anderes

im Sinn. Als ihm das Paket zu schwer

wird, schaut er doch hinein und findet

einen Haufen Briefmarken. Und da

ein ziemlicher Wintersturm geht, bläst

der die Marken davon. Boris wiederum

macht das für ihn Beste daraus:

Zuerst freut er sich, dass es

Briefmarken schneit, und dann

hockt er sich in die leere Schachtel

und nutzt sie als Schlitten.

Mit dem heimlichen Gedanken,

dass „Briefmarkensammeln

ohnehin langweilig“ sei.

„Boris ist ein grosser Optimist.“ So

sieht Erwin Moser seine Figur. „Er

macht aus jeder Situation das

Beste; manchmal gelingt ihm

auch das nicht – wie im richtigen

Leben.“

Kein Unglücksrabe also, sondern

einer, der durchs Leben

geht; und was ihm dabei widerfährt,

ergibt dann eine Ge -

schichte mit Pfiff.

Eine „märchenhafte Geschichte

in 23 Kapiteln von einem Raben,

der ein Mensch war, und einem

Zauberer, der ein Rabe war“

legt uns Moser in seinem eben

erschienenen Buch „Der Rabe

Alfons“ vor. Die fantastische

Geschichte um einen Zauberer und

einen müden Raben, die mithilfe von

Zauberpflaumen ihre Identität wechseln:

Der Rabe wird zum Menschen,

der Zauberer zum Vogel. Welch unerwartete

Erlebnisse sie auf der Suche

nach der Rückverwandlung haben, das

ist wohl nicht nur Stoff für neugierige

Leseratten.

Wer fantastische Literatur mag, kommt

mit dieser Geschichte gewiss auf seine

Kosten. Überbordende Einfälle, alles

schlüssig und kompakt, niemals kindisch.

Hat ein bisschen was von einer

Allegorie, gleichzeitig leicht, lesenswert

und spannend. Ja, man darf es ruhig

sagen: wird auch vielen Erwachsenen

gefallen! Empfehlung zum Entdecken

und Wiederentdecken eines philosophischen

(Kinder-)Buchkünstlers.

Erwin Moser

Boris der Kater –

Das Badewannenauto

NordSüd, 64 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-314-10192-2

Boris, der Kater, taucht auf, findet

schnell Freunde und ein Häuschen. Als

seine Badewanne leckt, bringt er sie

zur Reparatur – mit überraschendem

Ergebnis.

Erwin Moser

Boris der Kater – Die Krähen

NordSüd, 64 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-314-10195-3

Boris hat Mitleid mit den frierenden

Krähen im frostkalten Winter. Und hilft

ihnen. Resultat: Die Krähen wissen sich

zu revanchieren. Geschichten, alltäglich

und besonders zugleich.

Erwin Moser

Der Rabe Alfons

Beltz & Gelberg, 200 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-407-82037-2

Fantastische Geschichte um einen Zauberer

und einen Raben, die mithilfe von

Zauberpflaumen ihre Identität wechseln:

Der Rabe wird zum Menschen, der Zauberer

zum Vogel.

Fotos: Erwin Moser/NordSüd Verlag

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magazin 21 (3/13)


Der Muffin-Club

Lin, Tamtam, Miranda und Lulu heissen die Mitglieder des Muffin-Clubs –

sie bilden die süsseste Bande der Welt und sind kcs: klug, clever und schlau.

Wir haben die Autorin Katja Alves getroffen und herausgefunden, dass sie

selber gar keine Muffins backen kann.

Von Martin Walker

Welchem der vier Mädchen ähneln

Sie selber am meisten?

Katja Alves: Was die positiven

Eigenschaften angeht, ähnle ich

natürlich allen Vier, also kcs. Nein,

ich schreibe eigentlich keine autobiografischen

Kinderbücher. Meine

Kindergeschichten setzen sich aus

ein bisschen Erfahrung, Beobachtungen

und viel Fantasie zusammen.

Aus diesen Zutaten rühre ich den

unwiderstehlichen Teig, aus dem

dann die Abenteuer des Muffin-

Clubs gebacken werden.

Waren Sie auch Mitglied einer

Mädchenbande?

Als Kind hatte ich keine Zeit für

Banden. Ich musste schrecklich viel

lesen. Sogar während den Mathestunden.

Am Muffin-Club hat mich

gereizt, vier so unterschiedliche

Figuren zusammenzubringen. Die

scheue Lin, die allergisch auf Geigen

ist, aber trotzdem Geige spielen

muss; Tamtam, die unbedingt

Zirkus-Artistin werden möchte,

Miranda, die sich für Mode interessiert,

ausser für Ballett-Mode, Lulu,

das Rechen-Talent, für die immer

alles sehr logisch sein muss. Jeder der

Bände ist aus der Sicht eines anderen

Mädchens geschrieben. Das ist perfekt,

um all den Schabernack unterzubringen,

der mir während dem

Schreiben in den Sinn kommt.

Wann haben Sie das letzte Mal

Muffins gebacken?

Ich muss zugeben, ich esse Muffins

lieber, als dass ich sie selber backe.

Für Kostproben bin ich aber jeder

Zeit offen.

Der Muffin-Club wird gegründet,

nachdem die Idee von Lulu, einen

nachwachsenden Kuchen zu backen

nicht ganz funktioniert hat. Kaum

haben sie die vier gefunden, gilt

es auch schon ein erstes Rätsel zu

lösen. Wer hat wohl die Ketchup-

Flasche unter das Kissen von Musiklehrer

Trovatore gelegt?

Katja Alves

Der Muffin-Club

Die süsseste Bande

der Welt

Arena, 100 S.

ca. sFr. 13.50

ISBN 978-3-401-70129-5

Auch als Hörbuch

erhältlich

Das zweite Abenteuer des

Muffin-Clubs, in dem die

Mädchen auf eine harte Probe

gestellt werden, nicht nur

bezüglich Ballettmode. Die

Härte sind aber Mirandas

Cousins Pino und Paulchen.

Zusammen meistern die cleveren

Mädchen auch die Jungs.

Katja Alves

Der Muffin-Club

Vier Freundinnen

wirbeln los

Arena, 100 S.

ca. sFr. 13.50

ISBN 978-3-401-70130-1

Auch als Hörbuch

erhältlich

PROMOTION

Fotos: Anita Affentranger

Grüffelo von Hohler

Seit der Grüffelo 1999 das Licht der

Welt erblickte, hat er sie erobert im

Hand- bzw. Pfotenumdrehen. Denn

ein so liebenswertes Geschöpf – muss

man einfach gern haben. Dabei ist der

Grüffelo nur eine Erfindung der kleinen

Maus, damit sie von Fuchs, Eule

oder Schlange nicht gefressen wird.

Endlich gibt es das Kinderbuch auch

in einer schweizerdeutschen Fassung,

von niemand geringerem übersetzt als

von Franz Hohler. Und das tönt dann

so: «Der Grüffelo? Wär cheibs isch

denn das?» «Du kennsch der Grüffelo

nid? Jo was! Är het furchbari Hauer

und furchbari Chlaue und furchbari

Zähn und cha jede verhaue.» Und isst

ganz gerne Fuchsebrate, Üüleflügel

und Schlangepüree. Die Maus ist froh,

dass alle Angst vor ihrem imaginären

Freund hat – bis sie ihn leibhaftig trifft:

«Oh, do chunnt ja mit Lieblingsässe:

Müüsesandwich – ha’s scho fasch vergässe.»

Aber die clevere Maus schafft es

natürlich, sogar Grüffelo in die Flucht

zu schlagen. Ihr Lieblingsessen? «I ha

sehr gärn schnätzleti Grüffeloschnure.»

Axel Scheffler/Julia Donaldson

Der Grüffelo

Schwizerdütsch vum Franz

Hohler

Beltz & Gelberg, 28 S.

ca. sFr. 18.60

ISBN 978-3-407-79550-2

Ab 4 Jahren

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Wissen für kleine Profis

Nacht für Nacht quälen Allie

Albträume, seitdem ihre Freundin

Jo ermordet wurde. Sie weiß,

dass jeder, der ihr nahesteht,

das nächste Opfer werden kann.

Deshalb wehrt sie Sylvains

Annäherungsversuche ab und

verbirgt ihren Schmerz darüber,

dass Carter sich von ihr abwendet.

Allies Befürchtungen bestätigen

sich, als ihre Großmutter das

Geheimnis um die Night School

enthüllt. Ihr wird klar, dass es

nur eine Lösung gibt, wenn sie

überleben und ihre Freunde

schützen will: Sie muss der

Wahrheit auf den Grund gehen

und die gefährlichen Machtkämpfe

beenden.

C. J. Daugherty

Night School

Denn Wahrheit musst du suchen

416 Seiten, gebunden, ab 14 Jahren

Oetinger

ISBN: 978-3-7891-3329-9

ca. CHF 27,50

Die Sachbuchreihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ gibt es

ab sofort auch für Kinder ab 8 Jahren.

Um Kindern das Buch als Vermittler

von Wissen schmackhaft

zu machen, braucht es schon ein überzeugendes

Konzept, um neben anderen

Medien bestehen zu können.

Seit 15 Jahren erscheinen bei Ravensburger

die Bände der „Wieso? Weshalb?

Warum?“-Reihe für Kinder zwischen

4 und 7 Jahren. Von den 60 bislang

erschienen Titel wurden bereits

rund 20 Millionen Exemplare verkauft.

Die Autoren sowie Illustratoren

überlegen genau welche Fragen Kinder

zu einem bestimmten Thema stellen

könnten und wie die Antworten

am verständlichsten zu formulieren

sind. Da die Aufbereitung den jungen

Leserinnen und Lesern offensichtlich

gefällt und auch von Seiten der

Eltern eine Erweiterung für ältere

Kinder gewünscht wurde, startet in

diesem Herbst die Reihe „Wieso?

Weshalb? Warum?“ Profiwissen für

Wissbegierige ab 8 Jahren.

Die ersten 4 Bände von unterschiedlichen

Experten verfasst,

behandeln die Themengebiete

„Unsere Erde“, „Autos“, „Pferde“

und „Altes Ägypten“. Auf jeder

Doppelseite wird eine Frage

gestellt, die Kinder interessieren

könnte. Abwechslungsreich

illustriert und mit kurz gehaltenen

Erklärungen werden diese

anschliessend beantwortet. Zum Beispiel

werden verschiedene Ideen vorgestellt,

wie die Autos der Zukunft

aussehen könnten – vom sportlichen,

düsengetriebenen Unterwasser- bis

zum platzsparenden Stangenauto, in

Seifenblasenoptik für uneingeschränkte

Sicht. Im „Pferde“-Band wird

unter anderem erklärt, warum Pferde

so schnell laufen können, was oder

auch wieviel sie essen sollen. Die spiralgebundenen

Bücher haben jeweils

56 Seiten und einzelne Ausklappelementen.

Eine erfolgversprechende

Erweiterung der beliebten Reihe.

Sabine Lipan

Autos

„Wieso? Weshalb? Warum?“

Profiwissen

Ill. v. Tobias Pahlke

Ravensburger, 56 S.

ca. sFr. 24.90

ISBN 978-3-473-32717-1

Ab 8 Jahren

Andrea Schwendemann

Pferde

„Wieso? Weshalb? Warum?“

Profiwissen

Ill. v. Maria Mähler

Ravensburger, 56 S.

ca. sFr. 24.90

ISBN 978-3-473-32719-5

Ab 8 Jahren

Fotos: Aus „Autos. Wieso? Weshalb? Warum? Profiwissen“/Ravensburger Verlag

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KINDERBUCH

Schräge Familie

Aber nach dem Mittagessen will Lena doch wieder die

Gespensterbande gründen. Deshalb sucht sie Lino.

Und als sie ihn findet, bleibt ihr vor Schreck die Spucke weg.

Lino sitzt mit Pia-Marie in ihrem Geheimversteck!

Die beiden bemerken Lena nicht.

„Entweder ich bin der Boss – oder wir gründen keine

Gespensterbande“, hört Lena Lino sagen. Und dann hört

sie Pia-Marie mit ihrer Piepsi-Miepsi-Stimme sagen:

„Naa gut. Dann bist du eben der Boss.“

Lena ist so wütend, dass sie glaubt, sie platzt.

Fotos: Joelle Tourlonias/Aus „Lena und die spukigen Gruselinos“/Arena Verlag; Ravensburger; Axel Scheffler/Aus

„Familie Grunz hat Ärger“/Beltz&Gelberg

Geisterstunde

Eine entzückende Geschichte über

Freundschaft, Streit und Versöhnung

erzählt Isabel Abedi, Autorin

von zahlreichen vielgelesenen Kinder-

und Jugendbüchern, in „Lena

und die spukigen Gruselinos“. Lena

ist ganz aufgeregt. Endlich ist es

soweit – am Abend steigt das Nachtfest

und alle Kinder übernachten im

Kindergarten. Auch ihr Freund Lino

ist dabei. Mit ihm möchte Lena eine

Geisterbande gründen um spätnachts

die anderen Kinder zu erschrecken.

Aber Lino meint, als Junge müsse er

der Bandenboss sein. Das lässt sich

Der amerikanische

Kinderund

Jugendbuchautor

Morton Rhue

verwandelt brisante,

gesellschaftlich

relevante

Themen in

spannenden Lesestoff. Sein bislang

grösster Erfolg war der Roman „Die

Welle“, der mit Jürgen Vogel als

Lehrer Rainer Wenger in Deutschland

auch verfilmt wurde. In seinem

neuesten Buch „No Place, No

Home“ erzählt Morton Rhue vom

Schrecken der Armut. Der Erzähler

Dan ist ein beliebter Baseballstar seiner

Highschool mit einer hübschen

Freundin und einem früher einmal

unbeschwerten Leben. Überschattet

wird dieses aber immer mehr von

der finanziell prekären Lage seiner

Eltern. Schliesslich sehen sie sich

Lena nicht gefallen und nachdem sie

sieht, wie Lino sich ausgerechnet in

ihrem Geheimversteck mit Pia-Marie

verbündet, holt sie sich Niklas als

Verbündeten. Aber als die Geisterstunde

näher rückt, muss sich Lena

doch eingestehen, dass Freunde

nicht so einfach auszutauschen sind.

Im Abseits

Isabel Abedi

Lena und die spukigen

Gruselinos

Ill. v. Joelle Tourlonias

Arena, 36 S.

ca. sFr. 19.50

ISBN 978-3-401-70114-1

Ab 4 Jahren

gezwungen das Haus zu verkaufen

und zu Dans Onkel zu ziehen. Es

kommt aber noch schlimmer. Da sie

sich im Haus des Onkels nicht besonders

willkommen fühlen, ziehen die

drei in ein Zeltlager für Obdachlose,

„Dignityville“ genannt. Morton

Rhue schildert aus Dans Sicht wie er

seinen „gesellschaftlichen Abstieg“

erlebt, die Scham seinen Freunden

gegenüber, und wie es ihm trotz

aller Entbehrungen gelingt, seine

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

nicht aufzugeben.

Morton Rhue

No place, no home

Übers. v. Katarina

Ganslandt

Ravensburger, 288 S.

ca. sFr. 24.90

ISBN 978-3-473-40100-0

Ab 14 Jahren

Familien erscheinen einem ja oftmals

ein wenig seltsam, die eigene

von innen, andere von aussen

betrachtet. Bei Familie Grunz ist

das nicht anders. Auf den ersten

Blick ist klar, dass diese Familie

aussergewöhnlich ist, um es wohlwollend

zu formulieren. Herr und

Frau Grunz sehen das zwar nicht

so, ihr Sohnemann fragt sich hingegen

sehr wohl, ob das wirklich

seine leiblichen Eltern sind. Und

tatsächlich hat ihn Herr Grunz

eines Tages von einer fremden

Wäscheleine gepflückt und seiner

Frau geschenkt. Die hat ihre alten

Kleider daraufhin blau gefärbt,

damit der Junge etwas zum Anziehen

hat, und danach das blaue Tintenwasser

ihrem Mann als Suppe

serviert. Nichts Ungewöhnliches

in dieser Familie, wie man schon

auf den ersten Seiten merkt. Die

kuriosen Situationen nehmen kein

Ende, vor allem als Sohnemann sich

in den Schuhputz-„Jungen“ Mimi

verliebt und mit einer Schatzkarte

nach einem Elefanten sucht. Damit

fängt der Ärger so richtig an. Axel

Scheffler hat Philip Ardaghs, von

Harry Rowohlt fabelhaft übersetzte,

skurril-heitere Familiengeschichte

mit grossem Witz illustriert.

An einer Fortsetzung wird

gearbeitet.

Philip Ardagh

Familie Grunz hat Ärger

Ill. v. Axel Scheffler

Übers. v. Harry Rowohlt

Beltz & Gelberg, 240 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-407-82032-7

Ab 8 Jahren

PROMOTION

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Faszinierende

Schweizer Geschichte

WAS IST WAS interaktiv

208 Seiten, gebunden, CHF 29.–

ISBN 978-3-7272-1361-8

«Sechshundert gegen zehntausend!

Lasst es euch auf der

Zunge zergehen, denn morgen

werden wir kämpfen.»

Winter 1478. Die Eidgenossen

verteidigen ihre Heimat gegen das

Herzogtum Mailand. «Winterhelden»

ist nicht nur die Geschichte

einer Schlacht, sondern auch die

von zwei Reisläufern, die den Auftrag

erhalten haben, zwei flüchtige

Mörder zu suchen.

Nach dem Globus „Abenteuer Erde“

wurden bereits vier Bände der

„WAS IST WAS Junior“-Reihe

für den TING-Stift adaptiert.

Begonnen wurde mit „Erlebe

die Natur!“ und „Im Einsatz!

Polizei & Feuerwehr“.

Neu ist der Band „Entdecke

die Welt“, der neben den

gewohnt informativen Bildund

Textelementen viele Tonbeiträge

bereithält. So wird

durch Tippen auf über 400 Punkte etwa

Originalmusik von Flamenco bis Dudelsack

vorgespielt, es gibt Tierstimmen zu

hören, die Namen von Ländern oder

Flüssen werden vorgelesen und viele

zum Teil fremdsprachige Gespräche vermitteln

ein lebendiges Bild der Weltbevölkerung.

Ebenfalls neu ist „Unterwegs mit grossen

Fahrzeugen!“. Da wird mit Baggern

und Zügen gefahren, in Flugzeugen

geflogen und vieles mehr. Stets mit dem

dazugehörigen Sound im Ohr.

Im neuen Gewand

Heike Herrmann u. a.

WAS IST WAS Junior TING

Entdecke die Welt!

Tessloff, 26 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-7886-2013-4

Ab 5 Jahren

Stefanie Steinhorst u. a.

WAS IST WAS Junior TING

Unterwegs mit grossen

Fahrzeugen!

Tessloff, 26 S.

ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-7886-2014-1

Ab 5 Jahren

Christine Paxmann

WAS IST WAS –

Mode

Tessloff, 48 S.

ca. sFr. 14.90

ISBN 978-3-7886-2068-4

Ab 8 Jahren

304 Seiten, gebunden, CHF 68.–

ISBN 978-3-7272-1155-3

Rund 250 Burgen und Schlösser

aus der ganzen Schweiz wurden

für diesen schönen Bildband gezeichnet,

fotografiert und dokumentiert.

Seit mehr als 50 Jahre entführen die Bände der WAS IST

WAS-Reihe Kinder in faszinierende Welten. Um den veränderten

Lesegewohnheiten gerecht zu werden und Kinder

weiterhin zu motivieren, die Welt zu erkunden, hat

der Tessloff Verlag die beliebte Reihe einer Neugestaltung

unterzogen. Von der Umschlaggestaltung bis zur Navigation

im Innenteil wird nun auf noch klarere Farbgebung

gesetzt. Die Textbeiträge sind kurz gehalten und altersgerecht

aufbereitet, während die grossformatigen Bilder die

Neugierde wecken. Neben Fotos gibt es spannende Querschnitte

von Gebäuden, 3-D-Abbildungen und anschauliche

Grafiken. Für Auflockerung sorgen unterhaltsame

Fakten, Cartoons und fiktive Interviews.

Manfred Baur

WAS IST WAS –

Geheimnis Tiefsee

Tessloff, 48 S.

ca. sFr. 14.90

ISBN 978-3-7886-2070-7

Ab 8 Jahren

Fotos: Tessloff Verlag

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Tierische Rekorde

Welche sind die stärksten, die furchteinflössendsten,

die aussergewöhnlichsten

Vertreter des Tierreichs? Als

Antwort auf diese Frage versammelt

das Kindersachbuch „Supertiere“ 100

der grössten, schnellsten und gefährlichsten

Tiere der Welt in 4 Kapiteln.

Das erste befasst sich mit dem Körperbau.

Da wird etwa erklärt welches

Tier seine Augen unabhängig voneinander

bewegen kann, oder wessen

Zunge länger als der Körper ist. Das

zweite Kapitel befasst sich mit Tieren,

die über besonderen Fähigkeiten ver-

Vom Träumen

fügen. Zum Beispiel

der Helmbasilisk, auch

Jesus-Echse genannt,

weil er nämlich bis zu

20 Meter übers Wasser

sprinten kann bevor er

untergeht. In den letzten

beiden Kapiteln

geht es um Ausserordentliches

im Familienleben

und stark ausgeprägte

oder gar fehlende

Sinne. Die

Tiere werden

jeweils auf einer

Doppelseite mit

Steckbrief, wichtigen

Zahlen, wie

Lebenserwartung,

Geschwindigkeit

oder

Gewicht und vor Supertiere

allem anschaulichen

Fotos und Dorling Kindersley, 256 S.

Die 100 grössten, schnellsten,

gefährlichsten Tiere der Welt

3-D-Grafiken ca. sFr. 28.50

ISBN 978-3-8310-2410-0

vorgestellt. Ab 8 Jahren

Trends, Events und

Tipps für das

kreative Jahr 2014.

Mit Kalendarium und

Ideen rund ums

Jahr!

• Das Kreativjahrbuch für

2014 versteht sich als

Begleiter für kreative

Köpfe durch das Jahr.

• Das Jahrbuch enthält

ein Kalendarium, das

wichtige Fest- und Feiertage,

Veranstaltungen

und Termine nennt und

Platz für eigene

Eintragungen bietet.

Fotos: Dorling Kindersley Verlag; Aus Dallas Clayton „Das Super Buch“/2013 Diogenes

Verlag AG, Zürich

Während des Erwachsenwerdens geht

eine besondere Fähigkeit nach und

nach verloren: Die Kunst, fantastisch

zu träumen. Zwar sind Träume auch

im fortgeschrittenen Alter nicht immer

ganz logisch und mitunter werden

die Regeln der Physik immer noch

umgangen, die grenzenlose Fantasie

vergangener Kindheitsträume wird

jedoch nicht mehr erreicht. Um seinen

Sohn Audio immer daran zu

erinnern wie wichtig Träumen

ist, hat Dallas Clayton

„Das Super Buch“ geschrieben

und gezeichnet. Auf 64

Seiten entfacht er eine kunterbunte

Liebeserklärung

an die kindliche Fantasie. Ob Bonbon-Fabrik,

Einhörner mit Raketenantrieb

oder rockende Pavianen – alles

sei besser als so „erwachsene“ Träume

wie Autos, Designermöbel und Silberbesteck.

Der Überraschungserfolg aus

Amerika ist eine charmante Liebeserklärung

an die grossen Träume, die

manchmal unsere Welt tatsächlich verändern

können.

Dallas Clayton

Das Super Buch!

Übers. v. Anna Cramer-Klett

Diogenes, 64 S.

ca. sFr. 19.90

ISBN 978-3-257-01157-9

Ab 4 Jahren

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• Das Kalendarium wird

ergänzt durch Kreativseiten,

die – passend

zu jedem Monat – eine

Fülle an Ideen, Inspirationen,

Anregungen und

Wissenswertem bereit

halten, frei nach dem

Motto:

Lebe lieber kreativ!

Kornelia Milan

Mein kreatives Jahr

2014

Ideen, Tipps und

Wissenswertes für kluge Köpfe

160 Seiten, Flexocover

TOPP 5843

ISBN 978-3-7724-5843-9

SFr 19,50 (unverbindl. Preisempfehlung)


Mit zwei fiesen Geschwistern

– Venus und Adonis – und

einem miesepetrigen Vater

lebt Egbert auf der öden Insel

Dreckswetter, wo er auf der

Stinkfruchtplantage aushelfen

muss. Dass der Vater eines

Tages alle Kinder einfach so

auf die sonnige Nachbarinsel

Morgenröte einlädt, kann

eigentlich nicht wahr sein!

Doch vor lauter Marmeladenkuchen

und Krocketspielen

mit der umwerfenden

Millicent hat Egbert kaum

Zeit, sich darüber zu wundern.

Dann verschwindet seine

Familie bei einem Ballonunfall,

und auch ihm trachtet man

nach dem Leben. Hat das alles

mit dem legendären Schatz

des Hutmatozal zu tun?

Geoff Rodkey

Die Legenden der Blauen Meere

Band 1:

Dreckswetter und Morgenröte.

368 Seiten, gebunden, ab 12 Jahre

Carlsen

ISBN: 978-3-551-55641-7

CHF 22,90 (unverbindliche Preisempfehlung)

Beatrice Giger

Bücherlandquart, Landquart

Anke Weber

Regenbogenasche

Ueberreuter, 256 S.

ca. sFr. 18.90

ISBN 978-3-7641-7005-9

Ab 12 Jahren

Worum geht es?

Eigentlich heisst er Benedito da Silva, der Junge

mit der Nummer 10. Aber alle nennen ihn einfach

Bené. Fussball ist Bené das Grösste, Bälle

begleiten ihn überallhin. Er spielt damit, er träumt

davon. Aber Benés Familie lebt auch von den Bällen,

denn sie nähen jeden Tag vier oder fünf Stück

davon.

Warum ist dieses Buch gut?

Das Bilderbuch ist mit ausdrucksstarken Bildern in

Collagentechnik illustriert und interessant für Kinder

und Erwachsene, die wissen möchten, wie der

Alltag von Kindern in Brasilien aussieht.

Wem würde ich es schenken?

Allen Kindern – oder gibt es welche, die nicht

gern mit Bällen spielen?!

Worum geht es?

Rhina, Halbwaise, will den letzten Wunsch

ihres Vaters erfüllen und seine Asche nach

Namibia bringen. Ihr Klassenkamerad Kevin,

auch Uncas genannt, soll ihr dabei helfen.

Wie also kommen die beiden mittelosen

Teenager nach Afrika, dies mit der Erlaubnis

der Erwachsenen und dazu noch mit einem

Geheimnis im Gepäck? Das Jugendprojekt

Cultur Namibia bringt die Beiden schliesslich

ans Ziel. Auf den Spuren von Rhinas Vater

kommen sich auch Uncas und Rhina näher.

Warum ist dieses Buch gut?

Die ungewöhnliche Geschichte, sowie die

Zielstrebigkeit der beiden Jugendlichen

gefiel mir sehr.

Wem würde ich es schenken?

Für alle LeserInnen, die das Besondere

mögen.

Elsbeth Anderegg Marty

SPIEL- UND LÄSELADE,

Lachen

Eymard Toledo Bené, schneller als das schnellste Huhn

Eymard Toledo Bené,

schneller als das

schnellste Huhn

Eymard Toledo

Bené, schneller als

schnellste Huhn

Baobab, 32 S.

ca. sFr. 25.–

ISBN 978-3-905804-51-5

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Kinderbuch

LESETIPPS AUS

IHRER BUCHHANDLUNG

Joe Fuchs

Buchhandlung Benziger,

Einsiedeln

Worum geht es?

„Grosser Bär, wann ist endlich Weihnachten?“

– „Bald!„ – „Wann ist

bald?“ – „Jetzt ist bald?“ Der kleine

Bär kann vor Aufregung nicht mehr

still sitzen. Der grosse Bär ist aber

ganz froh Dass noch nicht sooo bald

Weihnacht ist, denn es gibt noch viel

zu tun. Geschenke verpacken, Guetzli

backen und Purzelbäume schlagen im

verschneiten Winterwald … Und dann

steht Weihnachten vor der Tür.

Warum ist dieses Buch gut?

Die warmherzige Geschichte nimmt

die kindliche Wahrnehmung von Weihnachten

mit und die bezaubernden

Illustrationen gefallen Klein und Gross.

Worum geht es?

Herr und Frau Grunz sind griesgrämig,

grunzend blöd und so

stinkig, dass man sie bereits zehn

Meter gegen den Wind riecht.

Ganz anders ihr ziemlich schlauer

Sohnemann: Er ist hilfsbereit,

mitfühlend und höflich mit seinen

Mitmenschen, so dass er sich

selbst bald fragt: Sind das wirklich

meine Eltern?

Warum ist dieses Buch gut?

Dieses haarsträubende Abenteuer

einer Elternsuche bietet Witz,

Spass, Nonsens, irre Wendungen

und einen Schuss Anarchie, wie es

Kinder lieben.

Martina Tonidandel

Schuler Bücher, Chur

Wem würde ich es schenken?

Empfohlen wird das Bilderbuch allen

Müttern und Vätern, Göttis und

Gotten, Onkels und Tanten und allen

Kindern, die sehnlichst auf den Heiligen

Abend warten.

Wem würde ich es schenken?

Allen, die gerne vorlesen – oder

sich vorlesen lassen …

Jane Chapman

Noch sooo lange bis Weihnachten

Kerle Verlag, 32 S.

ca. sFr. 19.50

ISBN 978-3-451-71211-1

Ab 3 Jahren

Phillipp Ardagh, Axel Scheffler,

Harry Rowohlt

Familie Grunz hat Ärger

Julius Beltz, 236 S.

ca. sFr. 18.60

ISBN 978-3-407-82032-7

Ab 9 Jahren

Marianne Efinger

Lisa und die Brombeerprinzessin

Arena, 176 S.

ca. sFr. 21.50

ISBN 978-3-401-06821-3

Ab 8 Jahren

Worum geht es?

Lisa möchte am liebsten bei der mutigen Löwenbande ihrer Schwester mitmachen,

doch diese findet, dass Lisa noch zu klein ist. Dabei würde sie doch

jede Mutprobe im gefährlichen Garten des Nachbars bestehen. Als in die alte

Brombeervilla eine kuriose indische Familie zieht, findet Lisa nicht nur eine

Freundin, sondern entdeckt auch eine neue Kultur. Mit ihrer neuen Freundin

Parvati erlebt Lisa viele Abenteuer und lernt, dass dies viel wichtiger ist,

als zu irgendeiner Bande zu gehören.

Warum ist dieses Buch gut?

Ein wunderbares Lesebuch für Mädchen ab 9 Jahren. Die Sprache ist sehr

herzlich und die verschiedenen Charaktere wachsen einem gleich ans Herz.

Eine perfekte Ergänzung zum Text bieten die liebevoll gezeichneten Illustrationen.

Wem würde ich es schenken?

Ein perfektes Buch für alle mutigen Prinzessinnen.

Anaïs Müller

Buch & Kunst Nievergelt,

Zürich

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Aufgelesen

Kompakt

Mit vier Wissensdosen kann Brockhaus aufwarten.

Jede dieser handlichen Dosen ist einem Thema

gewidmet, nämlich dem Sport, Krimi & Verbrechen,

der Musik, und eine führt uns rund um die

Welt. 100 Karten mit Fragen sind in einer Dose

enthalten, sie bieten die Grundlage für ein ungewöhnliches

Quiz. Es sind auch Fragen darunter

zu skurrilen Bräuchen, besonderen Begebenheiten

überraschenden Gemeinsamkeiten, spektakulären

Rekorden, etc. Bei den Fragen aus allen Bereichen

der Musik geht es sowohl um Hits aus Vergangenheit

und Gegenwart als auch um ernste Musik.

Sportlich

Sicher ein ideales Geschenk für Fussballfreunde

jeglichen Alters und

Geschlechts. Erstmals

in einem Buch wird die

Geschichte von 1000 Fussballtrikots

aus aller Welt

erzählt. Warum tragen Italiener

blaue Trikots? Wofür

stehen die elf Muster auf

dem Kragen Südafrikas?

Das FC Barcelona Trikot von 1903

Ein Buch voller Anekdoten

und historischem Fachwissen

über die internationalen Fussballtrikots mit

guten Abbildungen. Präsentiert werden historische

und aktuelle Trikots der berühmtesten Fussballteams

aus 150 Ländern in einem Buch.

Gold

BI_978-3-629-11009-1_s001-048.indd 12 14.01.13 10:51

... du mich verstehst,

auch wenn ich einmal

nicht so einfach bin.

Du nimmst mich an,

auch wenn ich Eigenheiten zeige

und Ecken und Kanten habe.

Wissen gut dosiert –

Musik

Brockhaus, 100 Karten

ca. sFr. 15.90

ISBN 978-3-577-00335-3

1000 Fussballtrikots

Edel, 208 S.

ca. sFr. 21.90

ISBN 978-3-8419-0227-6

Wertvolle Gedanken

Überraschend

Zum 90. Geburtstag von

Vicco von Bülow, besser

bekannt als Loriot, gibt es

eine Ausstellung und es

erscheinen zwei Bücher.

Zum einen ein farbiger

Prachtband mit Zeichnungen

aus dem Nachlass

des beliebten Humoristen,

zum anderen ein

Buch, das den vielseitigen

Künstler erstmals als

Horst Buchholz zu Gast bei Loriot

Fotografen zeigt. Loriot

fotografierte seine Besucher in stets gleichbleibender

Kulisse und abwechslungsreicher Inszenierung: Freunde,

Verwandte, Mitstreiter und Künstlerkollegen posierten

für Vicco von Bülow neben einer Säule und vor einem

Vorhang.

Über

die Jahre entstand

eine umfangreiche

Fotogalerie. Loriots

Gästebuch ist persönliches

Dokument,

amüsantes

Gesellschaftspanorama,

kleine Chronik

wechselnder

Kleidermoden und

nicht zuletzt die

Gelegenheit, den

grossen Humoristen

als Fotografen zu entdecken.

Guten Freunden bringt man gern eine Kleinigkeit mit. Besonders

eignet sich dazu ein Büchlein mit sinnigen Gedanken. Zusammen

lachen und weinen, träumen und stark sein, alt werden und jung

bleiben, immer für einander da sein, ob nah oder fern – gute Freunde

sind einfach unbezahlbar! Sie sind ein wertvoller, ein kostbarer Fund

und mit allem Geld der Welt nicht aufzuwiegen. Man möchte ihnen

immer wieder aufs Neue sagen: Du bist einfach Gold wert. Dieses

Büchlein enthält wunderschöne Illustrationen und ist eingebunden

in Goldfolie! Getextet und gestaltet von Georg Lehmacher, der schon

eine ganze Reihe ansprechender Bücher verfasst hat.

Loriot

Spätlese

Hrsg. Susanne von Bülow,

Peter Geyer, OA Krimmel

Diogenes, 384 S.

ca. sFr. 55.90

ISBN 978-3-257-02121-9

Loriot

Gästebuch

Hrsg. Susanne von Bülow,

Peter Geyer, OA Krimmel

Diogenes, 176 S.

ca. sFr. 37.90

ISBN 978-3-257-02122-6

Die „Spätlese“ versammelt Schätze aus dem Nachlass, die

bislang unbekannt waren: frühe Bildergeschichten, Zeichnungen

für Freunde und Bekannte, nie gesehene Möpse

und die überraschenden „Nachtschattengewächse“, die

Loriot in den schlaflosen Stunden seiner letzten Lebensjahre

schuf .

Georg

Lehmacher

Du bist Gold wert

Pattloch, 48 S.

ca. sFr. 9.50

ISBN 978-3-629-11009-

Fotos: Aus „1000 Fussballtrikots“/Edel Books; Aus Loriots „Gästebuch“ © 2013 Diogenes

Verlag AG, Zürich; Aus „Du bist Gold wert“/Pattloch Verlag

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Illustration: Nikolaus Heidelbach

Fotos: Aus „Moderne Poesie in der Schweiz“/Limmat Verlag; Aus „Leonce und Lena“/

NordSüd Verlag; Aus „Verhalten bei Weltuntergang“/Nagel & Kimche Verlag

Weltuntergang,

so geil!

Das Ende führt

zum Anfang, aus

dem Nichts entsteht

Neues. Deshalb

fängt dieses Buch

auch mit Seite 156

an und geht gegen

Null: Weltuntergang.

Nun ist Florian

Werner gewitzt

und weiss sehr wohl,

dass der Weltuntergang

nicht das Ende

aller Tage bedeutet,

die Paginierung geht bis –9! (Und

von diesen witzigen Gadgets finden

sich noch viele in dem Buch!) Man

möchte ja, bevor die Welt untergeht,

vielleicht noch ein, zwei Dinge erledigen.

Dabei hilft dieses Buch auch,

Poetische Schweiz

Anfang eines Gedichtes (1938, 189 (9). Kleisterfarbe auf Papier

auf Karton, 48,3 cm x 62,8 cm, Zentrum Paul Klee, Bern.

Roger Perret beschäftigt sich seit Jahren

intensiv mit der Poesie in der Schweiz.

Zuletzt hat er Schweizer Lyrik im Originalton

zugänglich gemacht (Doppel-

CD im Christoph Merian Verlag),

nun folgt die umfassende Anthologie

„Moderne Poesie in der Schweiz“. Perret

berücksichtigt über 500 Texte von

mehr als 200 Autorinnen und Autoren

aus allen Regionen. Dabei wird

nämlich die Zeichen zu erkennen.

Dass Weltuntergänge unzuverlässig

sind, sieht man an der Liste

von lauter letzten Tagen. Das mit

Abstand nützlichste Kapitel heisst

„Aramäisch für Anfänger“ – man

wird es brauchen, wenn Christus,

wie in der Johannes-Offenbarung

verheissen, hoch zu Ross mit

blutgetränktem Gewand auf die

Erde zurückkommt. Man lernt

hilfreiche Sätze wie „Habe ich

Sie nicht schon einmal gesehen?“

oder „Sie sehen Frank Zappa ähnlich.“

und „Auf Wiedersehen“.

Florian Werner

Verhalten bei

Weltuntergang

Mit Bildern von Nikolaus

Heidelbach

Nagel & Kimche, 156 S.

ca. sFr. 27.90

ISBN 978-3-312-00581-9

bei Übersetzungen immer auch der

Originaltext mitgeliefert. Interessant

ist, dass auch Schrift- und Wortbilder

von literarisch tätigen bildenden

Künstlern oder Vertretern der Art

Brut berücksichtigt werden. Man

denke etwa an Paul Klee oder Adolf

Wölfli. Zudem hat sich Roger Perret

die grosse Mühe gemacht, die Gedichte

aufeinander Bezug nehmend zu ordnen.

Dem Gedicht von Hermann

Hesse „Louis Soutter“ etwa folgt ein

Gedicht von Soutter selber, dem wiederum

ein weiteres folgt, das auch

auf Soutter Bezug nimmt. So wird

die Lektüre rund und führt einen von

einem Text zum nächsten durch die

poetische Schweiz.

Moderne

Poesie

in der

Schweiz

Eine Anthologie

von Roger Perret

Migros-Kulturprozent

Limmat Verlag

Roger Perret (Hrsg.)

Moderne Poesie in der

Schweiz

Eine Anthologie

Limmat Verlag, ca. 600 S.

ca. sFr. 48.–

ISBN 978-3-85791-726-4

„O Zufall!

O Vorsehung“

Illustration: Lisbeth Zwerger

Zum hundertsten Geburtstag von

Georg Büchner legt Jürg Amann, der

kürzlich verstorben ist, eine Bearbeitung

des Lustspiels „Leonce und Lena“

vor – kongenial illustriert von Lisbeth

Zwerger. Der gelangweilte Prinz Leonce

aus dem Reich „Popo“ soll Prinzessin

Lena aus dem Reich „Pipi“ heiraten.

Klassische Zwangsheirat, der sich

die beiden durch Flucht zu entziehen

suchen, sich treffen – und natürlich

ineinander verlieben. Der verzweifelte

Hofstaat, in Unkenntnis der neuesten

Entwicklungen, muss den Schein

waren und ist noch so froh, dass man

die Hochzeit mit zwei Automaten fingieren

kann – als die sich Leonce und

Lena verkleidet haben: „O Zufall! O

Vorsehung!“ Und Leonce sagt: „Ei,

Lena, ich glaube, das war die Flucht

ins Paradies.“ Der gerührte König

Peter legt darauf die Regierung in die

Hände seines Sohnes, um sogleich

ungestört zu denken anzufangen …

Es ist ein Wagnis, das Verkürzen und

Zuspitzen von Texten, Amann aber

beweist, und nicht zum ersten Mal,

dass das auch Vorteile hat. Büchners

Stück, eine nur dürftig versteckte Kritik

an den Herrschern, ist auch heute

noch aktuell. Georg Büchner

Leonce und Lena

Ein Lustspiel

Mit Bildern von Lisbeth

Zwerger. Textfassung von

Jürg Amann

NordSüd, 64 S.

ca. sFr. 22.90

ISBN 978-0-7358-4141-3

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Buch+Wein

Drei Buchempfehlungen und die dazupassenden Weine. Gelesen und verkostet

von Tobias Hierl und Rosmarie Gfeller

Unglücksglück

Man kann darüber streiten, ob „Inszenierung“,

das neueste Werk von Mar tin

Walser, ein Roman ist oder ein Bühnenstück.

Die Personen sprechen so, als

ob sie sich auf einer Bühne befänden.

Augus tus Baum ist ein Regisseur, der –

während er Tschechows „Möwe“ inszeniert

– einen Schwächeanfall erleidet und

ins Sanatorium muss. Dort erliegt ihm

Ute-Maria Wiese, die Nachtschwester.

Seine Frau merkt das natürlich sofort.

Walser verbreitet mit ironischen Dialogen

Heiterkeit, und wie er das Ende dieses

Stückes schreibt, das macht ihm so

bald keiner nach.

Dazu passt „Tres Matas Crianza“: Reiche

Duftfülle reifer schwarzer Früchte.

Er schmeichelt mit Ausbaunoten wie

Karamell, Leder und Zigarrenkiste. Ein

einnehmend vollmundiger Wein – ob

es den im Sanatorium zu geniessen gibt,

darf bezweifelt werden. Aber vielleicht

macht die Nachtschwester ja mal eine

Ausnahme.

Unternehmungslustig

Der Zufall führt Dori und Inbar zusammen,

zwei Menschen, die, verstrickt in

ihre jeweilige Geschichte, nach Aufrichtigkeit

und Freiheit suchen. Dori ist auf

der Suche nach seinem Vater, dessen

Spur sich in Südamerika verlor. Das war

für ihn ein nicht unwillkommener Anlass,

eine Reise zu beginnen und Frau und

Kind zu Hause in Tel Aviv zurückzulassen.

Auch Inbar, eine junge, ehrgeizige

Radiomoderatorin, setzt sich ab: Nach

dem misslungenen Versuch, mit ihrer

Mutter in Berlin ins Reine zu kommen,

bucht sie ihr Rückflugticket kurzerhand

nach Peru um. Jetzt beginnt für beide

eine Reise gemeinsam, die auch nach der

Rückkehr nach Israel nicht endet. Sensibel

folgt Eshkol Nevo dem Weg der beiden.

Hier sollte der Wein kräftig und stabil,

doch auch beschwingt sein, wie etwa

dieser Spätburgunder aus Rheinhessen,

der einiges intensiver ist, als dass es seine

Farbe vermuten lässt. Er bereichert

Momente in guter Gesellschaft.

Vielschichtig

Ein geistreiches Vexierspiel, ein grosser

Lesespass und die Entdeckung des fulminanten

neuen Erzählers Kristopher Jansma.

Mit einem Augenzwinkern nimmt

uns der Ich-Erzähler mit auf eine Reise

um die Welt, die in seiner Kindheit in der

Provinzstadt Raleigh beginnt und ihn

über New York City nach Dubai, Ghana,

Sri Lanka, Island, Luxemburg und

wieder zurück führt. Mit von der Partie:

der beste Freund und Alter Ego des

Erzählers, der sehr talentierte, aber von

Selbstzweifeln geplagte Schriftsteller Julian

McGann.

„Die Flecken des Leoparden“ ist ein

geistreicher, selbstironischer Roman, bei

dem es um nichts weniger geht als um

Kunst und Vergänglichkeit, Identität

und Selbstfindung. Hier passt Chardonnay

aus Wien, ein sehr trinkanimierender

Wein: am Gaumen stoffig, zartes Karamell,

rund, harmonisch und elegant.

Martin Walser

Die Inszenierung

Rowohlt, 160 S.

ca. sFr. 27.50

ISBN 978-3-498-07384-8

Auch als E-Book erhältlich

Eshkol Nevo

Neuland

Übers. v. Anne Birkenhauer

dtv, 640 S.

ca. sFr. 34.90

ISBN 978-3-423-28022-8

Auch als E-Book erhältlich

Kristopher Jansma

Die Flecken des

Leoparden oder Wer

kann schon aus seiner Haut

Übers. v. Andreas Heckmann

Graf, 320 S.

ca. sFr. 28.90

ISBN 978-3-86220-028-3

Auch als E-Book erhältlich

Tres Matas Crianza

2010

14 Vol%

sFr. 22.–

Spätburgunder

2009

13.5 Vol%

sFr. 26.–

Chardonnay Select

2010

13 Vol%

sFr. 27.–

Ribera del Duero DO,

Vega de Yuso, SL

südhang am markt ag

im Viadukt 48

8005 Zürich

Tel 044 262 48 48

www.suedhang.com

Rheinhessen,

Weingut Bäder

südhang am markt ag

im Viadukt 48

8005 Zürich

Tel 044 262 48 48

www.suedhang.com

Wiener Wein,

Wienlinger

südhang am markt ag

im Viadukt 48

8005 Zürich

Tel 044 262 48 48

www.suedhang.com

Foto: Imagesource

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Frauen auf der Alp

Einen Sommer auf der Alp –immer mehr Frauen erfüllen sich diesen

Wunsch. 13 Älplerinnen erzählen, wie sie Alpsommer erleben.

Frauen auf der Alp

Von Martin Walker

B

Einen Sommer auf der Alp –immer mehr Frauen erfüllen sich diesen

ereits zum elften Mal ist Anne Wunsch. zur 13 Dressurreiterin, Älplerinnen erzählen, von der wie Wursterin sie Alpsommer werde erleben. ich Teil dieses Gefüge und habe

Krüger einen Sommer lang auf der bis zur Krankenschwester.

Von Martin Walker

das Gefühl, gleichzeitig Himmel, Wiese

und Kuhglocke zu sein“, sagt etwa

Alp, auf Bder Muttner Alp oberhalb von Die Erzählungen und Bilder von den

ereits zum elften Mal ist Anne zur Dressurreiterin, von der Wursterin werde ich Teil dieses Gefüge und habe

Thusis. Mit

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ein und paar Kuhglocke Monate zu in sein“, einem sagt buddhis-

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zwei Kinder Thusis. sowie: Mit ihr 39 auf Kühe, 21261 Meter Stier, über Maria Alpen Müller werden (Landwirtin, alle ergänzt Störköchin, mit je einem tischen Maria Kloster Müller, die zu meditieren. auch in Nepal Schön, war,

3 Hühner, Meer 7 leben Schweine, auch ihr 2 Mann Lämmer, und ihre Shiatsu-Therapeutin, Rezept und Ausflugstipps. Glasmalerin, Wer etwa Sen-znin)

auf Maria die Müller Bussalp (Landwirtin, will, kann Störköchin, dies mit den tischen Kühen, Kloster wenn zu die meditieren. Saison zu Schön, Ende

sagt um sie, ein sei paar aber Monate auch in der einem Abschied buddhis-

von

2 Hasen, zwei 1 Kinder Hund. sowie: Nur schon 39 Kühe, diese 1 Stier,

Aufzählung 3 Hühner, lässt erahnen, 7 Schweine, mit romantischem

2 Älplerdasein Hasen, 1 Hund. hat das Nur nichts schon zu diese mit dem nin) Faulhorn auf die Bussalp als Höhepunkt will, kann kom-

dies mit mal den unter Kühen, die Dusche wenn die zu Saison kommen.“ zu Ende

2 Lämmer, einer Shiatsu-Therapeutin, schönen Panoramawanderung

Glasmalerin, Sen-

geht. sagt „Und sie, sei ich aber bin auch einfach der Abschied froh, wieder von

tun, aber Aufzählung viel mit harter lässt Knochenarbeit.

erahnen, mit romantischem

Patagonien, Älplerdasein wo Anne hat Krüger das nichts zu Rezept mit für dem „Kratzets“. Faulhorn als Ein Höhepunkt „Seelenwär-

kom-

mal unter die Dusche zu kommen.“

binieren. einer Maria schönen Müller Panoramawanderung

verrät dazu das geht. „Und ich bin einfach froh, wieder

Auch in

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Knochenarbeit.

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binieren.

sei das Gericht

Maria Müller

aus Brotwürfeln,

verrät dazu das

Daniela Schwegler

Auch in Patagonien, wo Anne Krüger Rezept für „Kratzets“. Ein „Seelenwärmer“

sei das Gericht aus Brotwürfeln,

Älplerinnen Daniela Schwegler im Porträt

haben; das Pendeln zwischen zwei Zucker, Ei, Rahm und Zimt. Es sind

Traum Alp

und ihr Mann auch noch einen Hof

Welten, sagt sie, mache sie demütig ungewöhnliche Frauen, die Da niela

haben; das Pendeln zwischen zwei Zucker, Ei, Rahm und Zimt. Es sind

Mit Traum 150 Farbfotos Alp von

Zur Alp fährt man sommers. Was zur Schwegler porträtiert, interessante

Vanessa Älplerinnen Püntener im Porträt

Welten, sagt sie, mache sie demütig ungewöhnliche Frauen, die Da niela

Rotpunktverlag, Mit 150 Farbfotos 200 von S.

Folge hat, Zur dass Alp fährt die Älplerinnen man sommers. auch Was zur Menschen, Schwegler die auf porträtiert, der Alp auch interessante auf sich

ca. Vanessa sFr. 39.50 Püntener

weitere Berufe Rotpunktverlag, 200 S.

Folge hat, haben dass – von die Älplerinnen Clown bis auch selbst Menschen, zurückgeworfen die auf der werden. Alp auch „Hier

ISBN 978-3-85869-557-4

auf sich

ca. sFr. 39.50

weitere Berufe haben – von Clown bis selbst zurückgeworfen werden. „Hier

ISBN 978-3-85869-557-4

Foto: Das Fülscher-Kochbuch (Verlag Hier & Jetzt)

Foto: Das Fülscher-Kochbuch (Verlag Hier & Jetzt)

Wiedergeburt eines Klassikers

Wiedergeburt eines Klassikers

Hollywood-Salat, H

Riz Colonial, wegzulassen oder eine Creme weniger

Nasi Goreng

ollywood-Salat,

… Wer

Riz

erinnert

Colonial,

zu süssen.“

wegzulassen

Ein

oder

ausführlicher

eine Creme

Beitrag

weniger

Nasi Goreng … Wer erinnert zu süssen.“ Ein ausführlicher Beitrag

sich nicht an ein paar der rund 1700 über Elisabeth Fülscher, die zeitlebens

sich nicht an ein paar der rund 1700 über Elisabeth Fülscher, die zeitlebens

Rezepte aus dem Fülscher-Kochbuch. als „Fräulein Fülscher“ angesprochen

Rezepte aus dem Fülscher-Kochbuch. als „Fräulein Fülscher“ angesprochen

Nun ist

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die Ausgabe

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von 1966

von

(die

1966

8.

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werden

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wollte,

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verrät

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mehr

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und letztmals und letztmals überarbeitetarbeitete

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burgerin, burgerin, die die in in ihrer ihrer

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einer einer faksimilierten faksimilierten

Kochschule Kochschule in Zürich in Zürich

Ausgabe Ausgabe endlich endlich wieder

lieferbar. der lieferbar. Eine Eine

die Kunst die Kunst des des Kochens

Reise in Reise die Vergan-

in die Vergan-

eingeführt

hat. hat.

wie-

unzählige unzählige Frauen Frauen in in

genheit, genheit, aber aber das das

Kluge Kluge Betrachtungen,

Fülscher-Kochbuch Fülscher-Kochbuch

etwa etwa zu zu „Fleisch „Fleisch im im

hat auch

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heute

auch

noch

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Fülscher“

Fülscher“

von

von

Andreas

Heller, zur Ver-

Andreas

Heller, zur Ver-

seinen Platz in jeder

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Küche verdient. Nicht

änderung des Weinangebots

von Philipp

Küche verdient. Nicht

änderung des Weinangebots

von Philipp

zuletzt deshalb, weil

zuletzt deshalb, weil

man im Fülscher-

Schwander oder zur

man im

Kochbuch

Fülscher-

Rezepte

Schwander

Editionsoder

und

zur

Entwicklungsgeschichte

und Ent-

Kochbuch entdecken Rezepte kann,

Editionsentdecken

die aus kann, der Küche

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des Fülscher-Kochbuchs,

zu Koch- des und Fülscher-Koch-

Esskultur werden

die aus verschwunden der Küche sind. Oder, wie die

verschwunden Herausgeber sind. im Oder, Vorwort wie schreiben: die buchs, dem zu Rezeptteil Koch- und beigesellt. Esskultur Das werden hilft den

Herausgeber „Die Rezepte im Vorwort eignen schreiben: sich für alle, die dem Rezeptteil heutigen Lesern beigesellt. auch Das bei hilft der Verortung

Lesern von Küche auch und bei Kultur. der Veror-

Wenn

den

„Die Rezepte es wagen, eignen eine sich Kochzeit für alle, entgegen die den heutigen

es wagen, Empfehlungen eine Kochzeit von entgegen Frau Fülscher den zu tung man von an Küche das Fülscher-Kochbuch und Kultur. Wenn denkt,

Empfehlungen verkürzen, von die Frau Speckwürfeli Fülscher zu einfach man an denkt das man Fülscher-Kochbuch automatisch auch denkt, an die

verkürzen, die Speckwürfeli einfach denkt man automatisch auch an die

Fotografien der Gerichte,

die

Fotografien

von Hans

der

Finsler

Gerichte,

und

die von Hans Finsler und

Berhard Moosbrugger

Berhard Moosbrugger

stammen; Max Küng steuert

stammen; Max Küng steuert

einen

einen

schönen

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Essay

Essay

zu

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einen akkurat gedeckten

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Gerichte

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Gerichte

zeigen:

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„ein

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Get-

Together von Suppen und

Together von Suppen und

kalten Vorspeisen, von

kalten Vorspeisen, von

Fischgerichten“. Guten

Fischgerichten“. Guten

Appetit!

Appetit!

Susanne Vögeli/Max

Rigendinger (Hrsg.)

Susanne Vögeli/Max

Rigendinger

Das Fülscher-Kochbuch

(Hrsg.)

Hier & Jetzt, 832 S.

Das ca. sFr. Fülscher-Kochbuch

79.–

Hier ISBN & 978-3-03919-300-4

Jetzt, 832 S.

ca. sFr. 79.–

ISBN 978-3-03919-300-4

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buchmedia

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Unterwegs

Abbildungen: Penguin Group (USA) und Betsie Van der Meer/Getty Images

ISBN 978-3-10-032910-3, 448 Seiten, gebunden, ca. sFr. 28,90 (UVP)

Was kann

Geschwister trennen?

Nichts auf der Welt.

Mit viel Musik und originellen Charakteren

entführt uns Sven Regener

in seinem jüngsten Roman in die

1990er-Jahre. Von Simon Eckstein

Ein neues Kapitel von Frank Lehmann

hat Sven Regener mit seinem jüngsten

Buch nicht aufgeschlagen. Wie er schon

vor Jahren in einem Interview erklärte:

„Wie es wohl wäre, einen Roman zu

schreiben, in dem Lehmanns Freund

Karl Schmidt die Hauptrolle spielt?

Frank Lehmann würde dann als Randfigur

durch die Kulissen geistern.“

Und so ist es – eine Zeitreise beginnt,

am Start: eine Handvoll ziemlich verrückter

Techno-Freaks. Und am Steuer:

Karl Schmidt, der beste Freund von

Frank Lehmann. Als der, Opfer eines

depressiven Nervenzusammenbruchs

am Tag der Maueröffnung, nach Jahren

der Versenkung von alten Kumpels

zufällig in Hamburg als Bewohner

einer drogentherapeuti schen Einrichtung

wiedergefunden wird, ist das der

Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit:

Die alten Freunde, mittlerweile

zu Ruhm und Reichtum gelangt,

wollen mit ihrem Platten label auf einer

Tour durch Deutschland den Rave der

1990er-Jahre mit dem Hippiegeist der

1960er versöhnen und brauchen dazu

einen, der immer nüchtern bleiben

muss. Das kommt Karl Schmidt gerade

recht, denn der hat keine Lust mehr,

sich in einer Parallelwelt aus Drogen-

WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen

Wochenendausflügen

zu verschanzen. Und so beginnt eine

Reise durch eine Zeit im Umbruch,

unternommen von einer Handvoll

Techno-Freaks. Bekannt geworden

ist Sven Regener zunächst durch die

Band „Element of Crime“, später mit

seiner Herr-Lehmann-Trilogie, von

der über zwei Millionen Bände verkauft

wurden.

Sven Regener

Magical Mystery

oder: Die Rückkehr des

Karl Schmidt

Galiani, 420 S.

ca. sFr. 32.90

ISBN 978-3-86971-073-0

„Ich vergesse

eigentlich nichts.“

BM: Nun kommen die 1990er-Jahre

dran. Natürlich haben Sie Erinnerungen,

aber wie arbeiten Sie mit

denen?

Sven Regener: Ich vergesse eigentlich

nichts. Das kommt mir zugute.

Tatsächlich kann ich nur solche

Geschichten schreiben, die schon

eine Weile zurückliegen. Ich muss die

Gegenwart immer erst sacken lassen.

BM: Fragen nach dem dokumentarischen

Wahrheitsgehalt Ihrer Texte

empfinden Sie als Kränkung?

Regener: Es geht vielmehr um das

Erfinden, etwas Neues schaffen, das

aber trotzdem nachvollziehbar realistisch

ist. Fast als könnte man es erlebt

haben – oder haben wollen.

BM: Sie sind künstlerisch sehr vielseitig.

Hält sich beim Schreiben die Lust an

Liedern und Büchern die Waage oder

schlägt das Pendel auch mal aus?

Regener: Musik macht man immer.

Ein Buch schreibt man nur, wenn man

eine gute Idee dafür hat. Und wenn

man fertig ist, ist es vorbei. Das ist bei

Musik nicht so. Insofern ist Musik si -

cher hartnäckiger. Aber wenn man

eine gute Idee für ein Buch hat, dann

schreibt man eben ein Buch. Keine

schwere Entscheidung.

BM: Schreiben Sie an einem Buch

durch oder sind es eher Etappen, die

Sie zurücklegen, mit längeren Pausen

dazwischen?

Regener: Ich schreibe kapitelweise

und von vorne nach hinten, ohne

Sprünge zu machen. Es kann immer

mal vorkommen, dass man für das je -

weils nächste Kapitel längere Zeit

nachdenken und pausieren muss. Das

ist besonders am Anfang eines Buches

der Fall.

Foto: Charlotte Goltermann

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buchmedia

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Unsere Lese-Tipps

für Weihnachten:

Barbara

Grüneisen

Friedhof der Unschuldigen von Andrew Miller

Im Jahre 1785 erhält der junge ehrgeizige Ingenieur

Jean Baptiste Baratte im Schloss Versailles vom

zuständigen Minister den Auftrag, den alten «Friedhof

der Unschuldigen» auszuheben und aufzulösen.

Der Friedhof befindet sich mitten in der Stadt Paris

und beherbergt hunderttausende von Toten. Seine

Ausdünstungen und üblen Gerüche drohen, die umliegenden

Quartiere und ihre Menschen langsam zu

vergiften. Er heuert ein Trupp Bergleute aus Flandern

an, welche froh sind, den engen Minenschächten

entfliehen zu können.

Die Geschichte spielt sich ab in einer Zeit voller Umbrüche

kurz vor der Französischen Revolution.

Ein gut geschriebener und sehr interessanter historischer

Roman.

ISBN: 978-3-552-05644-2 Preis: Fr. 29.90

Edith

Oertig

Gesichter von Andreas Schäfer

Auf der Rückreise aus den Sommerferien auf einer

griechischen Insel sieht der Neurolog Gabor Lorenz,

wie sich ein junger Mann in Patras auf der Fähre in

einen Lastwagen schmuggelt. Dieses Bild lässt ihn

nicht mehr los. Am späten Abend sucht er auf dem

Unterdeck diesen Lastwagen und wirft eine Tüte

mit Lebensmittel hinein, worin sich allerdings auch

Postkarten mit seiner Berliner Adresse befinden.

Kaum eine Woche zu Hause trifft die erste Karte, mit

Poststempel Modena, ein, kurz darauf die zweite, in

München aufgegeben. Da weiss Lorenz, der Flüchtling

ist auf dem Weg zu ihm.

Eine diffuse Angst beschleicht ihn. Als eines Tages

auch noch seine 14-jährige Tochter verschwindet,

läuft das gesamte Familienleben aus dem Ruder…

ISBN: 978-3-8321-9664-6 Preis: Fr. 28.90

Camille

Nchakga

Jage zwei Tiger von Helene Hegemann

Cécile ist 17, reich, isst zu wenig und hasst ihre

Eltern. Mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll versucht sie,

im Internat über die fehlende Zuneigung der Eltern

hinweg zukommen, bis sie sich dafür entscheidet, der

Welt von Cocktailpartys und Louis-Vuitton-Taschen

ganz den Rücken zu kehren. Nach einem Autounfall,

bei dem seine Mutter stirbt, muss der elfjährige Kai

zu seinem Vater ziehen. Kai merkt schnell, dass er

sich nun auf nichts und niemanden verlassen kann

und schon gar nicht auf seinen Vater; bis er auf Cécile

trifft, die ihn auf eine überraschende Reise nimmt.

Die junge Autorin Helene Hegemann erzählt in ihrem

neuen Roman von Jugendlichen, die zwar über jedes

erdenkbare Luxusgut verfügen können, aber doch das

Wichtigste nicht bekommen: Liebe.

ISBN: 978-3-446-24367-5 Preis: Fr. 27.90

Rahel

Geyer

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst von Shani Boianjiu

Die drei Freundinnen Yael, Avishag und Lea leben in

einem kleinen Dorf in Israel. Es scheint als seien sie

ganz normale Mädchen in ihrem Alter, sie interessieren

sich für Jungs, Sex, Partys und Freiheit. Doch

sie sind im letzten Schuljahr, bevor sie, wie alle anderen

18-jährigen Mädchen in Israel, pflichtmässig ins

Militär müssen. Als die Mädchen schliesslich rekrutiert

werden, ist ihre gesamte Kindheit und Jugend

vorbei. Sie müssen lernen mit der Gewalt, der Unter-

drückung und vor allem mit der Einsamkeit umzugehen.

Alle drei verarbeiten die schrecklichen Eindrücke

auf ihre eigene Art und Weise. Doch nach

der Zeit in der Armee ist nichts mehr wie bisher.

Das Debüt der jungen Israelin Shani Bojanjiu schockiert,

ist brutal und lebensnah, aber sie schafft es

jedoch immer wieder, dem Leser ein Lächeln ins

Gesicht zu zaubern.

ISBN: 978-3-462-04558-1 Preis: Fr. 28.00

Martina

Herzog

Und morgen seid ihr tot von Daniela Widmer, David Och

Daniela und ihr Verlobter David wollten gemeinsam

eine Reise entlang der Seidenstrasse machen. Einen

Monat sollten sie unterwegs sein, damit sie rechtzeitig

zum Nationalfeiertag in der Schweiz zurück

sind. Aber leider werden sie den 1. August im Jahre

2011 nicht in ihrem Heimatland feiern können. Damit

die Reise überhaupt möglich war, wurde das Paar

zum Schutz von einem Polizeiauto begleitet. Als das

Auto der Polizei eine Panne hatte, mussten die Reisenden

eine kurze Strecke bis zum nächsten Kontrollpunkt

ohne Begleitschutz fahren. Dort würden sie

durch andere Polizisten abgelöst. Doch so weit wird

es nicht kommen, denn auf einer Toilettenpause

werden die zwei von fünf Männern in einen Jeep

gezwungen und über fünfhundert Kilometer in den

Norden von Pakistan verschleppt.

Ein sehr spannendes und gut geschriebenes Buch,

auf einer wahren Geschichte basierend.

ISBN: 978-3-832-19722-3 Preis: Fr. 28.50

Öffnungszeiten

Montag

13.30–18.30 Uhr

Dienstag bis Freitag Samstag

9.00–18.30 Uhr 8.30–16.00 Uhr

durchgehend geöffnet durchgehend geöffnet

Bodan AG

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CH-8280 Kreuzlingen

T +41(0)71672 1112

F +41(0)71672 73 91

buchhandlung@bodan-ag.ch

www.bodan-ag.ch


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