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DAS MAGAZIN VON

ÖSTERREICH

0 4 | d e z e m b e r 2 0 1 3 — F e b r u a r 2 0 1 4

Arktisschützer

hinter Gittern

Wir lassen uns nicht einschüchtern

Gifte in der Kleidung

Wie die Textilindustrie unsere Gewässer verschmutzt

Bienen in Gefahr

Der Kampf um das Leben der Bestäuber geht weiter


INHALT

04 Zahlen, News, Kommentar Greenpeace in Aktion

06 Angeklagt: der friedliche Umweltschutz Der Protest

für den Schutz der Arktis und die Freilassung der in

Russland inhaftierten Greenpeace-Aktivisten

12 Für Bienen und Blüten Greenpeace kämpft gegen

giftige Pestizide und für nachhaltige Landwirtschaft

14 Riff in Seenot Einsatz am Great Barrier Reef

16 Tiger im Tank Wenn Palmöl aus der Zapfsäule kommt

17 Hochgiftig Gefährliche Chemikalien in der Kleidung

18 Fehler mit System Warum Waschmaschine und Handy

viel schneller kaputtgehen, als sie sollten

20 Für diesen Planeten Testamentsspenden

21 Sinnvolles tun Aktivist Lorenz Mastalir im Porträt

22 Ihr Beitrag Spenden für unsere Umwelt

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Sini Saarela befindet sich in einer russischen Gefängnis

zelle. Jetzt, während ich dies schreibe. Später, wenn

ich nach Hause gehe. Heute Nacht, morgen und übermorgen.

Seit bald zwei Monaten halten russische

Behörden die finnische Greenpeace-Aktivistin fest.

In einer kalten Zelle – fern von Familie und Freunden.

Warum? Weil sie den Mut hatte, für den Schutz der

Arktis einzutreten – vor Ort, an der Ölplattform eines

Konzerns. Sini ist nur ein Jahr älter als ich und sie

ist meine Heldin des Jahres. Für mich sind Sini und

die anderen der „Arctic 30“ Vorbild, Inspiration und

Sinnbild des Umweltschutzes. In ihrem Namen sage

ich: Danke für Ihre Unterstützung! Nur gemeinsam

können wir die Arktis schützen und die Freilassung

der „Arctic 30“ erwirken.

Mit Ihnen an

unserer Seite

kämpfen wir

für den Schutz

unserer Erde.

Das Greenpeace-Schiff

„Arctic Sunrise“ im Eismeer.

Weder arktische Temperaturen

noch mächtige Konzerne

können unseren Einsatz für

den Umweltschutz aufhalten.

Ihre Unterstützung gibt uns

den Mut und die Kraft, auch

die größten Herausforderungen

zu meistern.

Coverfoto: Dmitri Sharomov/GP; Fotos S.2–3: Georg Mayer/GP; Nick Cobbing/GP

Sonja Hödl

Chefredakteurin ACT

2 3


ZÄHLWERK

AKTIONEN AUS ALLER WELT

K O L U M N E

3

Schiffe bilden die

Flotte von Greenpeace

International:

die „Rainbow Warrior“,

die „Esperanza“ und

die „Arctic Sunrise“.

72,3

Meter mal 14,3 Meter

misst die „Esperanza“.

Sie ist das größte und

schnellste Schiff der

Flotte.

1.478

Tonnen Wasser verdrängt

der Eisbrecher

„Arctic Sunrise“.

23:38

Uhr war es, als am

10. Juli 1989 eine vom

französischen Geheimdienst

platzierte

Bombe am Maschinenraum

der „Rainbow

Warrior I“ detonierte.

100.000

Spenderinnen und

Spender unterstützen

den Bau der „Rainbow

Warrior III“. Das Schiff

ist zu 100 Prozent ökologisch.

1.256

Quadratmeter Segeltuch

sind an zwei

Masten der „Rainbow

Warrior“ gespannt.

Nur bei stürmischem

Seegang wird auf

einen verbrauchsarmen

Dieselmotor umgestellt.

Greenpeace

in Zentral- und

Osteuropa

Bernhard Obermayr,

Programmleiter, über:

Fotos: GP; Brian Caissie/GP

Stoppt die Monsterschiffe

„Supertrawler raus“ steht auf dem Transparent,

mit dem zwei Greenpeace-Aktivisten die Ankerkette

des riesigen Fischdampfers „FV Margiris“ im

Hafen Valparaiso in Chile erklommen haben. Sie

protestieren gegen das Plündern der Fischbestände

unserer Ozeane. Ihre Nachricht: „Nicht hier, nicht

anderswo.“ Die Flotte der globalen Fischereiindustrie

ist zweieinhalbmal zu groß für das Überleben

unserer Fischbestände. Greenpeace kämpft

weltweit gegen die Monsterschiffe. Mit Erfolg: Wir

haben die „Margiris“ schon einmal aus Australien

vertrieben. ●

In Chile protestieren

Greenpeace-Aktivisten

für nachhaltige Fischfangmethoden.

Für saubere Gewässer

Durch stark verschmutztes Wasser nähern sich Greenpeace-Aktivisten

mit Schlauchbooten der illegalen

Mülldeponie am Pier 18 in der philippinischen Hauptstadt

Manila. Mit Leinen blockieren sie den Zugang.

„Diese Mülldeponie ist jetzt geschlossen“ steht auf

ihren Plakaten. „Pier 18 ist ein schmutziges Beispiel

für das Verbrechen an unseren Gewässern“, sagt Vince

Cinches, Greenpeace-Kampaigner in Südostasien. ●

In Kanada kämpft

Greenpeace gegen

die Errichtung neuer

Ölsand-Pipelines.

Greenpeace auf den

Philippinen im Einsatz für

den Schutz des Meeres.

← Kanadische Ölkatastrophe

Für den Abbau von Ölsand werden in Kanada großflächig

Wälder abgeholzt, Lebensräume von Tieren und

Pflanzen zerstört. Mit heißem Wasserdampf wird das

Öl aus dem Erdreich gelöst. Dabei entstehen täglich

rund 500 Millionen Liter giftige Flüssigkeiten, die

sich in künstlichen Giftseen sammeln. Dort verenden

Vögel und andere Tiere, die Chemikalien sickern ins

Grundwasser, vergiften Menschen und Fische. Jetzt

will Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper neue

Leitungen errichten, um Ölsand in Überseemärkte

zu exportieren. Siebenmal mehr Tanker würden dann

durch den Hafen von Vancouver fahren. Greenpeace

hat die Spitze eines Pipeline-Terminals vor Ort erklettert,

um die Expansion zu stoppen. ●

Juraj gegen Mochovce

Wenn mein Handy klingelt und Juraj dran ist,

herrscht meist Aufregung. Juraj ist der wahrscheinlich

ausdauerndste Anti-Atom-Kämpfer

in der Slowakei. Anfang der 90er kam er mit

16 Jahren als Freiwilliger zu Greenpeace. Seit

damals kämpft Juraj gegen die Atommafia in

seinem Land. Heute, als Leiter des Greenpeace-

Büros in Bratislava und Familienvater, noch

immer mit dem gleichen Enthusiasmus wie als

Teenager. Sein Lieblingsgegner: Mochovce.

Als mich Juraj Mitte August anruft, ist es

wirklich aufregend. Wir haben einen langjährigen

Rechtsstreit um Mochovce vor dem

Höchstgericht gewonnen. Auch das ist Greenpeace:

ausgefeilte rechtliche Strategien statt

kreativer Aktionen, Anwälte statt Aktivisten.

Das slowakische Höchstgericht erklärte den

Genehmigungsprozess für den Bau von Mochovce

für illegal. Ein großer Sieg für Greenpeace. In

die Mauer an Illegalität und Korruption, die die

Atomkraftwerke in der Slowakei umgibt, haben

wir eine Bresche geschlagen.

Doch während wir in Österreich bereits feiern

wollen, bremst Juraj: „Die Atomindustrie und

die slowakische Regierung werden sich auch an

ein Höchstgerichtsurteil nicht halten. Es wird

nur deutlich schwieriger für sie, den Weiterbau

zu rechtfertigen.“ Juraj kennt sein Land.

Am nächsten Tag gibt es bereits eine juristisch

haarsträubende Begründung für den Weiterbau

– und Jurajs nächsten Termin mit unserer

Anwältin. Die neuerlichen Einsprüche sind

bereits ergangen und die EU-Kommission wurde

genauso informiert wie der Investor, der italienische

Energieriese ENEL.

Seit 1991 versucht die Slowakei, die beiden

Reak toren zu bauen. Juraj ist einer von jenen,

die alles tun, um das zu verhindern. Gerade ich,

der aus einem Land mit einem breiten Konsens

gegen die Atomenergie kommt, kann einen

solchen Einsatz gar nicht genug würdigen. •

Fotos: Steve De Neef/GP; Georg Mayer/GP

4 5


Angeklagt:

der friedliche

Umweltschutz

—Sonja Hödl

Foto: Georg Mayer/GP

Greenpeace will mit einer

friedlichen Aktion auf die Gefahren

von Öl-Bohrungen in der Arktis

aufmerksam machen. Die russischen

Behörden entern das Schiff „Arctic

Sunrise“ und halten die Crew unter

Waffengewalt fest. Den Aktivisten

drohen mehrere Jahre Haft.

Greenpeace-

Aktivisten protestieren

in Wien vor dem

Sitz der Gazprom

Neft Trading GmbH

für den Schutz der

Arktis und die

Freilassung ihrer

inhaftierten

Kollegen.

„Ich bin jetzt seit zwölf Tagen alleine in einer

Zelle.“ Es ist ein karierter Notizzettel mit einer schnell

notierten Nachricht in englischer Sprache. Der Schweizer

Marco Weber hat sie uns über seinen Anwalt aus

dem russischen Gefängnis zukommen lassen. Er

schreibt von langen Tagen in Einzelhaft – ohne Bücher,

ohne Sonnenlicht und vor allem ohne zu wissen,

wie es weitergeht.

Marco Weber ist Greenpeace-Aktivist. Zuhause in der

Schweiz betreibt er eine kleine Tischlerei. Er hält es

für wichtig, für eine bessere Welt einzustehen. Darum

engagiert er sich im Schweizer Bergsteiger-Team bei

Greenpeace. Als für eine wichtige Aktion zum Schutz

der Arktis Kletterer gesucht werden, meldet er sich sofort

freiwillig. Er will den Menschen zuhause zeigen,

was in der Arktis passiert. Wie kann es sein, dass der

friedliche Schweizer Bergsteiger wegen bandenmäßiger

Piraterie angeklagt ist?

6 7


Zwei Aktivisten wollen

an einer Ölplattform

von Gazprom

ein Transparent

anbringen. Die friedliche

Protestaktion

wird von der russischen

Küstenwache

mit vorgehaltenen

Waffen beendet.

Lukas Meus,

Arktis-Kampaigner

bei Greenpeace.

schiffs ‚Rainbow Warrior‘ in Auckland 1985 durch

französische Geheimagenten“, sagt Kumi Naidoo, Geschäftsführer

von Greenpeace International. „Unsere

friedlichen Aktivisten sind im Gefängnis, weil sie die

Rücksichtslosigkeit von Gazprom offenbart haben. Die

russischen Behörden versuchen, jenen Leuten Angst

einzujagen, die sich der Ölindustrie in der Arktis widersetzen.“

Neben 28 Greenpeace-Aktivistinnen und

-Aktivisten aus 18 Ländern sind auch zwei freiberufliche

Journalisten in Murmansk inhaftiert, die sich an

Bord der „Arctic Sunrise“ befanden, um den Protest zu

dokumentieren. „Das Verbrechen, das mir vorgeworfen

wird, heißt Journalismus. Ich werde es weiter machen“,

sagt der russische Fotograf Denis Sinyakov bei einer

der Gerichtsverhandlungen. Seine Inhaftierung macht

klar: Hier ist nicht nur das Recht auf friedlichen Protest

in Gefahr, sondern auch die Pressefreiheit.

Die „Arctic Sunrise“

wird von der russischen

Küstenwache

nach Murmansk

geschleppt.

Unten: Greenpeace-

Aktivist Marco Weber

hinter Gittern.

»Die Ölkonzerne

versuchen

uns einzuschüchtern.

Aber wir

lassen

uns nicht

unterkriegen.«

Es ist früh am Morgen des 18. Septem ber

2013, als Schlauchboote das Greenpeace-Schiff „Arctic

Sunrise“ verlassen und sich der Ölplattform Prirazlomnaya

nähern. Die Bohrinsel des russischen Öl- und

Gaskonzerns Gazprom liegt in den eisigen Gewässern

der russischen Arktis. Ein Ölunfall in dieser außergewöhnlichen

Gegend mit ihren treibenden Eisbergen

und peitschenden Stürmen wäre eine Katastrophe für

die Heimat von Eisbären, Robben und Walen.

Das internationale Greenpeace-Team plant, auf der

Bohrinsel ein Transparent zu befestigen. Marco Weber

und seine finnische Kollegin Sini Saarela beginnen

auf die Plattform zu klettern. Sie wollen die Aufmerksamkeit

der Weltöffentlichkeit auf die enormen

Umweltgefahren richten. Es ist eine Aktion, wie sie

Greenpeace seit über 40 Jahren weltweit durchführt:

Vor Ort. Unabhängig. Gewaltfrei. Doch die Küstenwache,

gerufen von der staatsnahen Gazprom, bedroht die

Aktivisten mit Waffen und Messern. Unter den brutalen

Strahlen von Wasserwerfern seilen sich Marco und Sini

ab, um die Situation zu beruhigen. Doch sofort werden

die beiden festgenommen. Der Rest der Greenpeace-

Crew kehrt zur „Arctic Sunrise“ zurück. Am nächsten

Tag wird sie den größten Schock ihres Lebens erleben.

In internationalem Gewässer seilen sich vermummte

Männer schwer bewaffnet von Hubschraubern auf

das Schiff mit dem Regenbogen ab. Sie bringen alle

an Bord in ihre Gewalt, schleppen das Schiff in den

Hafen von Murmansk. Die Anklage: bandenmäßige

Piraterie. Die Mindeststrafe: zehn Jahre Haft.

„Wir erleben die schwerste Bedrohung des friedlichen

Umweltprotests seit der Versenkung unseres Aktions-

Fotos: Georg Mayer/GP; Denis Sinyakov/GP

Fotos: Dmitri Sharomov/GP; Igor Podgorny/GP

Weltweite Solidarität mit den „Arctic 30“

Weltweit startet eine einzigartige Solidaritätsbewegung.

In vielen Aktionen rund um den Globus gehen

Menschen auf die Straße – für die Freilassung der

„Arctic 30“, wie die 30 mutigen Menschen an Bord

der „Arctic Sunrise“ inzwischen genannt werden. Und

nicht zuletzt weiterhin für den Schutz der Arktis. Der

österreichische Greenpeace-Kampaigner Lukas Meus

macht klar: „Wir haben weiterhin Gazprom im Fokus.

Man darf nicht vergessen: Ölkonzerne sind mächtig.

Die globale Bewegung zum Schutz der Arktis wird immer

größer. Die Konzerne bekommen das zu spüren,

scheinen Angst zu bekommen und gehen einen Schritt

weiter. Sie versuchen ganz massiv, uns einzuschüchtern,

aber wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Überall, wo Gazprom derzeit versucht, mit Sponsoring-Aktivitäten

sein wahres Gesicht zu verschleiern,

ist Greenpeace mit Protesten vor Ort. Sei es bei einem

Champions-League-Fußballspiel in der Schweiz oder

bei einer Segelregatta in Italien.

Als die Wiener Albertina die Ausstellung „Dreaming

Russia. Works from the Gazprombank Collection“ eröffnet,

breiten wir einen schwarzen „Ölteppich“ auf

der prunkvollen Stiege aus. „Gazprom = Art of Arctic

Destruction“ steht auf den Transparenten.

18. September

Greenpeace-Aktivisten

wollen an der Ölplattform

Prirazlomnaya ein

Transparent aufhängen.

Die russische Küstenwache

nimmt zwei von

ihnen fest.

19. September

Russische Behörden seilen

sich von einem Helikopter

auf die „Arctic

Sunrise“ ab, halten die

Crew fest und schleppen

das Greenpeace-Schiff

nach Murmansk.

24. September

Die „Arctic 30“ – acht

Aktivistinnen, 20 Aktivisten

und zwei freiberufliche

Journalisten

– werden in ein Gebäude

des russischen Untersuchungsausschusses

überführt.

30. September

Die „Arctic 30“ werden

in Murmansk vor ein

Amtsgericht geführt.

Dieses verhängt über

alle 30 zwei Monate

Untersuchungshaft.

4. Oktober

Nach den Anhörungen

werden die „Arctic 30“

der Piraterie angeklagt.

Darauf gilt eine Strafe

von mindestens zehn,

maximal 15 Jahren Haft.

5. Oktober

Weltweit demonstrieren

Tausende Menschen für

die Arktisschützer. Es ist

der Start von wochenlangen

Protesten gegen

Gazprom.

21. Oktober

Die niederländische

Regierung klagt beim

Internationalen Seegerichtshof

auf Freilassung

der „Arctic Sunrise“-

Besatzung. Russland will

an dem Verfahren nicht

teilnehmen.

23. Oktober

Die russische Behörde

kündigt an, die Anklage

der „Arctic 30“ von

Piraterie auf den ebenso

haltlosen Tatbestand

Rowdytum (Höchststrafe

7 Jahre Haft) zu ändern.

1. November

Die „Arctic 30“ sollen in

ein St. Petersburger Gefängnis

verlegt werden.

Ihre Anträge auf Freilassung

auf Kaution wurden

inzwischen ausnahmslos

abgelehnt.

4. November

Die „Arctic 30“ sind

nun wegen Rowdytums

angeklagt, die Anklage

wegen Piraterie wurde

aber noch nicht fallengelassen.

Mehr lesen Sie

auf: www.greenpeace.at/

arctic30timeline

8 9


»Lasst uns

die Arktis

schützen

und mit ihr

die Chance

für eine

Zukunft

der Menschheit.«

Demonstration

in Wien für die

Freilassung der

Greenpeace-

Aktivisten und den

Schutz der Arktis.

Unterstützung bekommen wir von dem

russischen Künstler Leonid Tishkov. Ein Foto seiner

„Private Moon“-Serie hat die Einladungskarte geziert.

Aus Protest gegen die Ölförderung der Gazprom in

der Arktis und gegen die Verhaftung der Greenpeace-

Aktivisten zieht er seine Teilnahme zurück.

Tishkov ist nicht der einzige Prominente, der an der

Seite der „Arctic 30“ steht. Anfang Oktober protestieren

an rund 135 Orten auf der ganzen Welt Tausende

Menschen für die inhaftierten Arktisschützer. In London

führen der Schauspieler Jude Law und der Sänger

Damon Albarn den Solidaritätstag an. Jude Law

hält ein Foto seines Freundes Frank Hewetson, der als

Logistikkoordinator an Bord der „Arctic Sunrise“ war:

Schauspieler Jude

Law beim Solidaritätstag

in London.

Er demonstriert

mit einem Foto von

Frank Hewetson,

einem der „Arctic

30“ und sein Freund.

„Ich mache mir Sorgen um Frank, weil seine Familie

und er mir am Herzen liegen, aber ich weiß auch, dass

er eine unglaubliche Durchhaltekraft hat.“

Die österreichische Greenpeace-Sprecherin Melanie

Aldrian war mit einigen der inhaftierten Aktivisten für

den Umweltschutz unterwegs. „Iain Rogers aus Großbritannien

war mit mir auf meiner ersten Schiffstour in

Ostafrika an Bord der ,Rainbow Warrior‘. Er ist ein großer

Segel-Fan und ein ganz lieber Kerl. Ich habe noch

einen Pullover zuhause liegen, den er mir damals geschenkt

hat.“ Die emotionale Anspannung ist der jungen

Steirerin anzumerken. Wie alle im Wiener Greenpeace-Büro

ist sie derzeit rund um die Uhr im Einsatz.

Verletzung der Menschenrechte

„Wie die russischen Behörden die ,Arctic 30‘ behandeln,

ist keineswegs gerechtfertigt“, sagt Lukas Meus

und bekommt die Bestätigung von internationalen

Rechtsexperten. Nach Einschätzung von Prof. Dr.

Gerhard Hafner von der Abteilung für Völkerrecht und

Internationale Beziehungen an der Universität Wien

könne „diese Akte nicht als Seeräuberei nach dem Seerechtsübereinkommen

qualifiziert werden“. „Es wird

ersichtlich, dass Russland die Menschenrechte der

Crewmitglieder sowie die Rechte des Flaggenstaates

(Niederlande) und der jeweiligen Heimatstaaten der

Crewmitglieder verletzt hat“, schreibt der Menschenrechtsanwalt

Dr. Stefan Kirchner.

Die „Arctic 30“ befinden sich jetzt seit fast zwei Monaten

in Gefangenschaft. Inzwischen hat die russische

Justiz angekündigt, die Anklage von „Piraterie“ auf

„Rowdytum“ zu ändern. Ein ebenso haltloser Vorwurf,

für den eine mögliche Haftstrafe von bis zu sieben Jahren

droht. Neben dem rechtlichen Beistand ist für die

„Arctic 30“ derzeit daher die moralische Unterstützung

von großer Bedeutung. „Es ist wichtig, dass die Aktivisten

wissen, dass sie nicht alleine sind. Dass Millionen

von Menschen hinter ihnen stehen. Noch nie zuvor war

die Unterstützung jedes Einzelnen so wichtig für uns“,

sagt Meus. Denn jetzt müssen wir mit umso größerem

Einsatz für jenes Ziel kämpfen, das die „Arctic 30“ vor

Augen hatten, als sie nach Russland gereist sind: den

Schutz der Arktis. Jene einzigartige Region rund um

den Nordpol, die nicht nur Heimat der Eisbären, sondern

auch Regulator des weltweiten Klimas ist.

Neben Gazprom streben auch andere Öl-Konzerne wie

Shell und Rosneft nach dem Öl aus der Arktis. Nur als

Foto: John Cobb/GP; Moritz Wustinger/GP

Fotos: Kajsa Sjölander/GP; GP (2)

globale Bewegung können wir uns ihnen in den Weg

stellen. Auch im Namen von Marco Weber, der uns

aus der eisigen russischen Gefängniszelle schreibt:

„Am 18. September bin ich jenes Risiko eingegangen,

das mich hier ins Gefängnis gebracht hat, weil ich

überzeugt bin, dass wir die Kraft haben, eine Veränderung

herbeizuführen. Wir, das ist eine riesige Anzahl

von Menschen auf der ganzen Welt, die mutig und

besorgt genug sind, für eine Zukunft der kommenden

Generationen zu kämpfen. Lasst uns die Arktis

schützen und mit ihr die Chance für eine Zukunft der

Menschheit. Eure Unterstützung und das Wissen,

dass wir das Richtige getan haben, halten mich über

Wasser.“ ●

Oben: Aktion zum

Schutz der Arktis

gegen den Ölkonzern

Shell in Dänemark.

Unten: Bei einem

Champions-League-

Fußballspiel im

August lenkt ein

Greenpeace-Transparent

den Blick von

Millionen Zusehern

auf das schmutzige

Geschäft des Sponsors

Gazprom.

I N T E R V I E W

Urteil: „Eine Aktion

von globaler Bedeutung“

Die österreichische Greenpeace-Aktivistin Jasmin

Karer blockierte Ende September gemeinsam mit

fünf anderen Personen eine Gazprom-Tankstelle

nahe Blagoevgrad in Bulgarien. Zusammen protestierten

sie für den Schutz der Arktis und die

Freilassung der „Arctic 30“.

Jasmin, als du nach Bulgarien aufgebrochen

bist, wusstest du von der Inhaftierung der

„Arctic 30“. Zudem war es erst die zweite

Greenpeace-Aktion in Bulgarien. Was hat dich

dennoch motiviert zu fahren?

Jasmin Karer: Ich finde, man muss alles

tun, um die Arktis zu bewahren. Außerdem kenne

ich einen der in Murmansk inhaftierten Aktivisten

persönlich, Tomasz aus Polen. Das hat mich

zusätzlich motiviert.

Was habt ihr genau gemacht?

Karer: Wir haben uns an die Zapfsäulen der

einzigen Gazprom-Tankstelle Bulgariens gekettet

und ein Transparent auf dem Dach befestigt. So

haben wir jenes Unternehmen erreicht, das mit

seinen Ölbohrplänen die Arktis der Gefahr einer

ökologischen Katastrophe aussetzt.

Ihr wurdet verhaftet und am nächsten Tag

einer Richterin vorgeführt. Wie lautete

das Urteil?

Karer: Die Richterin hat uns freigesprochen.

Sie meinte, dass unsere Aktion für den Schutz

der Arktis von globaler Bedeutung und gut für die

Gesellschaft war.

10 11


»Das Massensterben

ist unsere Schuld«

Für Bienen

und Blüten

Der Ökologe Wolfgang Weisser

im Gespräch über Biodiversität,

Artenvielfalt und die Bedrohung

unserer Bienen.

Fotos: Teresa Novotny/GP; Georg Mayer/GP

—Bernhard Madlener

Österreich hat drei für Bienen

schädliche Pestizide teilweise

verboten. Ein kleiner Sieg der

Umweltbewegung – doch das allein

rettet die Bienen noch nicht.

Das Lebensministerium wird zum Bienenstock:

30 Aktivistinnen und Aktivisten verhängen die Portale

mit riesigen Bienenwaben. In gelb-schwarzen

Kostümen halten sie Schilder, andere erklimmen die

Fassade, entrollen ein Banner. Sie fordern vor zahlreichen

Schaulustigen und TV-Kameras: „Minister

Berlakovich: Endlich handeln – Bienengifte stoppen.“

Pestizide lassen Bienen sterben

Es ist Frühjahr 2013. Greenpeace thematisiert internationale

Studien, die den Tod von immer mehr

Bienen in Europa belegen. Im Fokus stehen spezielle

Verbindungen, die für Bienen tödlich sind: So genannte

Neonicotinoide schädigen einen Bienenstock schon ab

dem Larvenstadium. Nikolaus Berlakovich (ÖVP),

Minister u. a. für Umwelt und Landwirtschaft, kommt

unter Druck. In Brüssel stimmt die EU über das Verbot

von bienenschädlichen Pestiziden ab. Greenpeace

fordert ein Verbot von sieben Pestiziden. Dafür soll

Berlakovich auf EU-Ebene kämpfen. Doch es scheint,

als stelle der Minister die Erträge konventioneller

landwirtschaftlicher Betriebe und nicht zuletzt die guten

Kontakte zum Bauernbund über den Artenschutz.

Er ignoriert, dass mit dem Bienensterben eine fatale

Entwicklung des Ökosystems einhergeht. So deutet

Dagmar Urban, Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft

und Gentechnik, „dass Österreich im März gegen

das Verbot gestimmt hat“.

Bei einer Aktion vor

dem Lebensministerium

verlangen Greenpeace-

Aktivisten in Bienen-

Kostümen das Verbot

gefährlicher Pestizide.

Dagmar Urban,

Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin.

Kampf gegen mächtige Produzenten

„Gibt es weniger Bienen für die Bestäubung, ist auch die

pflanzliche Vielfalt bedroht“, sagt Urban. „ Berlakovich

hat das einfach ausgeblendet.“ Das Lebensministerium

in einen Bienenstock zu verwandeln, war nur eine der

Greenpeace-Aktionen für Bienen und Blüten. Eine

Kampagne mit großem Erfolg: Der Nationalrat beschloss

ein stärkeres, sogar über die EU-weiten Verbote

hinausgehendes Teilverbot der gefährlichen Pestizide.

Ob die Verbote halten oder gar verschärft werden, ist

offen. Urban erzählt von Klagen der Pestizid-Produzenten

Syngenta und Bayer: „Die machen in Brüssel

Druck auf Politiker und deren Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter.“ Durch juristische Schlupflöcher wollen

sie ihre Gifte wieder auf die Felder bringen. Greenpeace

wird alles daran setzen, dies zu verhindern.

Ausweg: biologische Landwirtschaft

Doch Pestizidverbote alleine reichen nicht aus, um die

Bienen langfristig zu retten. Dafür ist ein Umdenken

in der Landwirtschaft notwendig. „Biologische Land-

wirtschaft ist Bienenschutz“, sagt die Greenpeace-Expertin.

Damit meint sie unter anderem eine Abkehr

von Monokulturen: „Wir müssen uns wieder auf eine

natürliche Fruchtfolge besinnen.“ Unterschiedliche,

nacheinander blühende Pflanzen sollen zusammen

angebaut werden, anstatt beispielsweise hektarweise

nur Mais. „Denn wenn ein Gebiet nur wenige Wochen

blüht, wird der Lebensraum für Bienen und andere

Bestäuber zusätzlich eingeschränkt.“ ●

Bienenschutz

Wolfgang W. Weisser

lehrt am Department

für Ökologie

und Ökosystemmanagement

der

TU München. Er

ist maßgeblich am

„Jena Grasland

Bio-Diversitätsexperiment“

beteiligt.

Die Langzeitstudie

untersucht, was mit

einem Ökosystem

passiert, wenn es

Arten verliert.

www.the-jenaexperiment.de

Auf der Greenpeace-

Website zum Thema

Bienen erfahren Sie

mehr über aktuelle

Entwicklungen und

Möglichkeiten, selbst

für den Bienenschutz

aktiv zu werden.

www.bienenschutz.at

Was versteht man unter Biodiversität,

und warum ist sie wichtig?

Wolfgang Weisser: Der Begriff Biodiversität

steht für die Vielfalt pflanzlicher und tierischer Arten,

die in landwirtschaftlichen Systemen durch die Auswahl

von Menschenhand oft reduziert ist. Wie wichtig

die Artenvielfalt ist, lässt sich am Beispiel Gänseblümchen

gut erklären: Es wächst stets inmitten weiterer

Arten. Sobald es allein auf einer Wiese überleben soll,

wird es anfällig für einen Rostpilz. Dieser wird sonst

von anderen Arten in Schach gehalten.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus

Ihrem Experiment?

Weisser: Es geht nicht nur um Wechselwirkungen

zwischen Pflanzen, sondern auch mit Tieren und

Kleinlebewesen. Wenn wir Monokulturen etablieren,

lassen sich etwa spezielle Mikroorganismen sowie

Fadenwürmer und Pilze nieder. Das beeinflusst die Beschaffenheit

des Bodens und andere Arten – Pflanzen

gehen ein, Tiere sterben oder wandern ab.

Liegt das Artensterben nur am Menschen?

Weisser: Das Massensterben von Tieren und Pflanzen

ist klar unsere Schuld. Ich meine nicht Wölfe und

Bären, die durch Jagd ausgerottet wurden, sondern Arten,

die unseren Einfluss auf die Natur nicht überleben.

Etwa, weil wir Ökosysteme mit Dünger umwandeln

und natürliche Habitate durch Straßen zerschneiden.

Kann man das „reparieren“?

Weisser: Es ist besser, dort, wo es Vielfalt gibt,

zu investieren, als dort, wo sie verloren ging. Es gibt

Wiesen in Polen, deren Arten in Deutschland bedroht

oder ausgestorben sind. Sie hier wieder anzusiedeln,

ist aufwendig, teuer und absolut nicht sicher.

Ist das Bienensterben noch zu stoppen?

Weisser: Ja. Die Bienen sind stark angeschlagen,

aber nicht ausgerottet. Sie kämpfen an vielen Fronten:

gegen die eingeschleppte Varroa-Milbe und Mikroorganismen,

gegen ein sinkendes Blütenangebot durch

Monokulturen sowie gegen Pestizide, die vor allem die

Arbeitsbienen schädigen. ●

Fotos: TU München; Fred Dott/GP

12 13


Riff in Seenot

—Elisabeth Schepe

Australiens Kohleindustrie soll ausgebaut

werden, und das ausgerechnet

entlang des UNESCO- Weltnaturerbes

Great Barrier Reef. Greenpeace

protestiert auf hoher See.

Die Schlauchboote verlassen die „Rainbow Warrior“

und preschen neben dem riesigen Kohlefrachter über

das Wasser. Der Kapitän des Greenpeace-Segelschiffs

gibt den Funkspruch an die „MV Meister“ durch:

„Hier spricht der Kapitän der ,Rainbow Warrior‘.

Sechs Greenpeace-Aktivisten sind im Begriff, an Bord

zu kommen. Das ist ein friedlicher Protest.“ Eine Leiter

wird über die Reling gespannt und der Erste zieht

sich am Rand des Schiffes nach oben. „End the age

of coal“, „Beendet das Zeitalter der Kohle“, steht auf

dem gelben Transparent, das am Bug des Frachters im

Wind flattert.

48 Stunden lang besetzten die sechs Aktivisten im

April das Kohleschiff „MV Meister“. Der Protest am

Wasser ist auch Melanie Aldrians Spezialgebiet: 2012

war die Steirerin vor Westafrika und im Indischen

Ozean auf Greenpeace-Schiffen unterwegs, um auf

Über fischung und illegale Fischerei aufmerksam zu

machen. Im australischen Queensland geht es um

Kohle, den größten CO 2

-Verursacher und das schwarze

Gold von Down Under. Bis zu acht neue Kohlehäfen

sind entlang des Great Barrier Reefs geplant, um noch

mehr des wertvollen Rohstoffs zu exportieren.

Wenn die australische Politik nicht einlenkt und alle

geplanten neuen Häfen und Terminals gebaut werden,

würden laut Aldrian rund 11.000 Schiffe jährlich das

Gebiet des Riffs kreuzen. Dieser geplante „Wasser-

Highway“ und das Unterwasserbaggern, um diesen zu

bauen, bedrohen ein einzigartiges Ökosystem – den

Lebensraum von seltenen Meeresschildkröten, Seekühen

und Stupsfinnendelfinen, eine Art, die es nur

in Australien gibt. „Dieses Korallenriff ist die größte

von Lebewesen geschaffene Struktur auf unserem

Planeten“, sagt Aldrian. „Hier geht es nicht nur um

Schönheit, hier geht es um Leben.“ ●

Das einzigartige

Ökosystem des

Great Barrier Reefs

ist bedroht. Bald

könnten Tausende

Riesenfrachter es

durchpflügen.

Im Einsatz für den

Schutz des Riffs:

Die „Rainbow Warrior“

nähert sich der „MV

Meister“, bevor Aktivisten

den Kohlefrachter

friedlich besetzen.

Fotos: Darren Jew/GP; James Alcock/GP

14 15


Tiger im Tank

—Anton Zeller

Wetterfest

und hochgiftig

Fotos: Jonas Gratzer/GP; Hanna Schwarz

Wie hängen Sumatra-Tiger und

heimische Tankstellen zusammen?

Das unheilvolle Bindeglied ist Palmöl.

Palmöl ist das weltweit meistverwendete Pflanzenöl.

Die größten Produzenten sind Indonesien und Malaysia.

Knapp 40 der insgesamt über 50 Millionen produzierten

Tonnen Palmöl werden jährlich exportiert.

Mehr als fünf Millionen Tonnen landen in den Staaten

der EU, neben Indien und China mittlerweile einer der

größten Abnehmer. Den Großteil des Palmölbedarfs

verbrauchen die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie.

Immer öfter landet Palmöl aber auch im Tank.

Automotoren verbrennen heute nicht mehr nur fossile

Brennstoffe. Seit 2005 werden in Österreich „biogene

Treibstoffe“ dem fossilen Diesel beigemengt. EU-weit

ist eine Beimischungsquote von 5,75 Prozent vorgeschrieben.

Ziel ist es, die CO 2

-Emissionen aus dem

Straßenverkehr zu reduzieren. Österreich produziert

mehr als die Hälfte des benötigten Agrodiesels selbst.

Der biogene Anteil der heimischen Produktion enthält

zwei Drittel pflanzliche Frischöle (Rapsöl, Sojaöl), rund

22 Prozent Altspeisefette und elf Prozent Tierfette.

Analysen fördern Alarmierendes zu Tage

„Im September haben wir in Österreich Dieselproben

auf den biogenen Anteil testen lassen. Die Ergebnisse

sind skandalös. In einer Probe wurden sogar 60 Prozent

Palmöl im Agroanteil gefunden“, erklärt Jasmin

Karer, die für das internationale Greenpeace-Waldprojekt

recherchiert. Die erhöhte Nachfrage nach Öl aus

pflanzlichem Ursprung schadet den tropischen Wäldern

massiv. Wenn die Gesamtnachfrage nach Pflanzenöl

durch den Agrospritbedarf steigt, kommt es zu

Verschiebungen am Markt. Wird Rapsöl in Österreich

vermehrt für Agrodiesel verwendet, wird die entstehende

Lücke z. B. mit Palmöl gefüllt. Zudem ist Palmöl ein

attraktiver Ersatz für das teurere Raps- und Sojaöl.

Für Karer ist klar: „Die gängige Praxis der Agrotreibstoff-Beimischung

ist alles andere als klimaneutral. Indonesien

und Malaysia holzen wertvollen Regenwald

ab und errichten riesige Ölpalmen-Plantagen, damit

wir unsere Beimischungsquoten erfüllen können.“ Die

Palmöl-Konzerne zerstören die Lebensräume der indigenen

Bevölkerung und vieler Tier- und Pflanzenarten.

Ölpalmen-Plantagen

nehmen dem Sumatra-Tiger

den Lebensraum.

Jasmin Karer,

Waldsprecherin bei

Greenpeace.

Vor allem dem Sumatra-Tiger, der nur in Indonesien

vorkommt, droht der Tod. Weltweit leben nur mehr

etwa 400 seiner Art in freier Wildbahn.

Greenpeace fordert eine klare Stellungnahme der Ölkonzerne

zu den Inhaltsstoffen des beigemengten Agrodiesels

und einen Herkunftsnachweis dieser Bestandteile“,

sagt Karer. Frisches Palmöl sollte überhaupt

nicht mehr beigemischt werden dürfen. Dazu brauche

es aber rigide Kontrollen der Spritzusammensetzung,

die in der Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums

liegen. „Solange nicht hundertprozentig geklärt

ist, dass dafür kein zusätzlicher Regenwald abgeholzt

wird, darf der Agrospritanteil keinesfalls weiter erhöht

werden“, hält die Greenpeace-Sprecherin fest. ●

—Elisabeth Schepe

Gefährliche Chemikalien

in Kleidung sind vor allem in der

Outdoor-Branche eine traurige

Regel ohne Ausnahme.

Der Herbst ist da, und damit seine Begleiterscheinung:

das schlechte Wetter. Nass, kalt und windig

bedeutet Hochsaison für Outdoor-Kleidung. Vor dem

Einkauf sollte allerdings nachgedacht werden. Denn

eine Regenjacke weist nicht nur Wasser ab, sondern

verschmutzt es auch mit viel Chemie – und damit unseren

gesamten Nahrungskreislauf.

Greenpeace deckt auf

2011 startete Greenpeace die internationale Detox-

Kampagne. Sie fing nicht bei Outdoor-, sondern bei

Sport-Bekleidung an: Die Produktion von Markenriesen

wie Adidas oder Nike wurde untersucht, dabei

konnten gefährliche Chemikalien wie NPE (Nonylphenolethoxylate)

im Labor nachgewiesen werden. Innerhalb

der EU ist die Verwendung nahezu verboten, aber

NPE-hältige Textilien dürfen aus anderen Ländern importiert

werden. Einmal in die chinesischen Flüsse nahe

der Fabriken gespült, werden sie in der Natur kaum abgebaut

und verteilen sich so über den gesamten Erdball.

NPE können sich im Körpergewebe und in der Nahrungskette

anreichern, sorgen durch ihre östrogenartige

Wirkung für eine Verweiblichung von Fischen. Kommt

die Kleidung in unsere westlichen Haushalte, gelangen

NPE durch das Waschen in der Maschine auch in unser

Wasser, weil selbst Kläranlagen sie nicht vollständig

aus dem Abwasser entfernen können.

„Weg mit der schmutzigen Wäsche!“, fordern seither

Aktivisten. So auch Claudia Sprinz, Greenpeace-Konsumentensprecherin.

Sie sieht einen wichtigen ersten

Schritt darin, dass bislang 16 internationale Mode-

marken zugesagt haben, bis 2020 auf die Freisetzung

gefährlicher Chemie zu verzichten. Die Ersatzstoffe

müssen laut Sprinz nicht zwangsläufig teurer sein,

aber die Überprüfung kostet. „Ein ,sauberes‘ T-Shirt

sollte jedoch ohnehin mehr als fünf Euro wert sein“,

sagt Sprinz. Ihr Tipp: „Bewusst einkaufen und den

Kleiderschrank durchforsten. Alte Sachen können bei

Tauschpartys weitergegeben werden.“

Schädliche Kleidung

Gerade „Kleidung für draußen“ ist leider gar nicht im

Einklang mit der Umwelt. Bei einem Test im letzten

Jahr schnitten Produkte der österreichischen Marken

Northland und Seven Summits ähnlich schlecht ab

wie ihre internationalen Mitbewerber. „Per- und polyfluorierte

Chemikalien sorgen dafür, dass Jacken winddicht,

atmungsaktiv und wasserdicht sind“, sagt Sprinz.

„Sie haben jedoch ähnliche Wirkungen wie NPE. Sind

solche Stoffe einmal im Körper, können sie die Leber

beeinträchtigen und das Hormonsystem stören.“ Auch

im Nabelschnurblut und in der Muttermilch seien diese

Chemikalien schon gefunden worden.

Als Alternativen gibt es bereits Membrane aus Polyester

oder Polyurethan. Für die Beschichtung eignen sich

Wachse, Paraffine, Polyurethane, Dendrimere oder Silikone.

Damit sollte der Bedarf der Mehrheit der Käufer

erfüllt sein, meint Sprinz: „Für einen Spaziergang

im Wald brauche ich nicht dasselbe Material wie Expeditionsbergsteiger

in Nepal. Die Jacken schauen ja

cool und sportlich aus, aber im Park würde in vielen

Fällen auch ein Regenschirm seine Dienste tun.“ ●

Einmal im Wasser,

verteilen sich gefähr liche

Chemikalien aus der

Kleidung über den gesamten

Erdball, schaden

Mensch und Natur.

Die 2012 in Deutschland,

Österreich und der

Schweiz getesteten

Hersteller von Outdoor-

Kleidung werden auch

heuer wieder untersucht.

Der Bericht wird auf

www.greenpeace.at

veröffentlicht.

Foto: Wu Di/GP; Illustration: nikolae/shutterstock.com

16 17


Illustration: Beton—Gruppe für Gestaltung

Fehler mit System

—Werner Sturmberger

Handys, Fernseher oder

Waschmaschinen gehen viel zu

schnell kaputt und lassen sich

nur schwer reparieren.

Muss das wirklich sein?

Im Mai 1940 standen in den USA Frauen für das

Trendprodukt der Saison Schlange. Das Objekt der

Begierde: Nylonstrümpfe der Firma DuPont. Durchsichtig,

hauchzart und reißfest – die Strümpfe wurden

binnen kürzester Zeit zum Renner. Frei von Laufmaschen,

lösten sie bei ihren Trägerinnen Verzückung

aus, bei DuPont hingegen Panik. Weil die Strümpfe

sehr haltbar waren, brach der Umsatz des Unternehmens

schlagartig ein, als der Markt gesättigt war.

So sollten die Chemiker der Firma künftig nur noch

Strümpfe entwickeln, die weniger lang hielten.

Produkte mit kurzer Lebensspanne

Dass Produkte entworfen werden, um planvoll kaputt

zu gehen, ist in einer wachstumsbasierten Wirtschaft

üblich. Denn Wirtschaftswachstum kann es nur geben,

wenn Absatzmärkte ungesättigt bleiben. Das geschieht,

wenn Produkte ihren Zweck nicht auf Dauer

erfüllen.

Für das eingebaute Ablaufdatum in Produkten gibt es

einen eigenen Begriff: „geplante Obsoleszenz“. Sepp

Eisenriegler, Leiter des Reparatur- und Service-Zentrums

R.U.S.Z, hat dazu ein aktuelles Beispiel: „Bei

Flachbildfernsehern platzen oft schon nach ein paar

Jahren die Kondensatoren auf. Bessere Kondensatoren

würden nur ein paar Cent mehr kosten. Damit ließe

sich die Lebensspanne eines Geräts von drei auf bis zu

zehn Jahre und mehr verlängern.“

Das macht natürlich für die Hersteller dieser Geräte

keinen Sinn. Sie verdienen ihr Geld mit dem Verkauf

neuer Produkte. Reparaturen rechnen sich für die Produzenten

nicht. Die Leitlinien unseres Wirtschaftssystems

und nicht das Geschick von Ingenieuren bestimmen

die Haltbarkeit unserer Produkte. Möglichst

kurze Nutzungszyklen sollen uns dazu bringen, stän-

dig neue Geräte zu kaufen und so unsere Wirtschaft

in Gang zu halten. Andere Wirtschaftssysteme geben

andere Leitlinien vor: In der ehemaligen DDR war für

Waschmaschinen und Kühlschränke eine gesetzliche

Lebensdauer von 25 Jahren verordnet.

Umweltzerstörung durch Abfall

Geplante Obsoleszenz ist Ausdruck des Profitstrebens

unserer Wirtschaft. Sie beschleunigt natürlich auch

den Materialverbrauch. Neue Geräte brauchen in der

Produktion vor allem Energie und Rohstoffe – und

landen bald auf dem Müll. Das hat enorme soziale

und ökologische Folgen. Nur merken wir am wenigsten

davon. Den Schaden von diesem Wirtschaften haben

vor allem Menschen in den Ländern des Südens

und den Schwellenländern. Ihnen bleiben von den

kurzen Produktzyklen Umweltzerstörung durch Rohstoffgewinnung

und Abfall. Oft sind es Kinder, die auf

ghanaischen, indischen oder pakistanischen Müllbergen

durch Abbrennen von Kabeln und Extrahieren von

Edelmetallen aus Halbleiterplatten in Säurebädern

Bunt- und Edelmetall gewinnen. Der entstehende

Rauch ist hochgiftig, Säuren versickern im Boden und

erreichen über die Nahrungskette die Menschen

Langlebige Waschmaschinen rechnen sich

Es besteht die Möglichkeit, geplante Obsoleszenz zu

umgehen. „Als Konsument kann man qualitativ hochwertige

Produkte kaufen, die reparierbar sind“, erklärt

Eisenriegler. „Die Reparatur von hochwertigen Geräten

ist auch wesentlich günstiger als die von billigen.“

Daher lohnt sich der Kauf etwa einer teuren und reparierbaren

Waschmaschine längerfristig. „Nur Reiche

Ob Smartphone, Fernseher,

Waschmaschine, Drucker

oder Laptop – es ist immer das

Gleiche: Ein Verschleißteil geht

kaputt. Das ist beabsichtigt

und soll uns motivieren, gleich

wieder einkaufen zu gehen.

waschen billig“, sagt Eisenriegler und meint damit,

dass eine teure, langlebige Waschmaschine insgesamt

günstiger ist als eine Reihe von kurzlebigen. Außerdem

verschlingt die Reparatur von Geräten deutlich weniger

Ressourcen und Energie als die Herstellung eines neuen

Geräts. Freilich sind hochpreisige Produkte nicht

immer auch qualitativ hochwertig. Teure Smartphones

werden kaum älter als drei Jahre. Bei den Strümpfen von

DuPont seinerzeit handelte es sich um eine Produktrevolution.

Heute hingegen stehen Konsumenten

Schlange, um Geräte zu kaufen, die einfach nur ein

bisschen moderner sind. Kurze Produktzyklen kurbeln

den Absatz ebenso an wie technische Neuerungen: Daher

werden etwa bei Smartphones Verschleißteile wie

Akkus fix eingebaut. Ein Wechsel des Teils ist oft teurer

und komplizierter als eine Neuanschaffung.

Um gegen geplante Obsoleszenz vorzugehen, braucht

es neben bewussten Konsumentenentscheidungen

auch politische Initiativen und neue Nutzungsmodelle.

„Statt eines Smartphones könnte man doch auch

eine komplette Dienstleistung anbieten“, meint Claudia

Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace.

„Ein Handy könnte, so wie früher das Festnetztelefon,

vom Betreiber zur Verfügung gestellt werden.“ Eisenriegler

kann sich so etwas auch bei Waschmaschinen

vorstellen. Der Effekt wäre in beiden Fällen derselbe:

Hersteller würden ihre Produkte nicht verkaufen, sondern

vermieten. Damit wäre ein Anreiz für langlebigere

Geräte geschaffen.

Politische Initiativen sind gefragt

Eisenriegler und Sprinz fordern darüber hinaus politische

Initiativen. Es müssen Anreize für die Herstellung

langlebigerer Produkte geschaffen werden. Dies könnte

etwa durch die Kennzeichnung der Haltbarkeitsdauer

geschehen. Um die Nutzungsdauer zu erhöhen, müssen

die Geräte leichter zu reparieren und aufzurüsten

sein. Und wenn ein Gerät sich nicht mehr reparieren

lässt, sollen zumindest seine Bestandteile wiederverwertet

werden können. „Hersteller sollten ihre Geräte

zurücknehmen müssen“, sagt Claudia Sprinz. „Wenn

Produkte so gestaltet werden, dass sie möglichst lange

verwendet werden können, und so designt sind, dass

sie den Herstellern als Ausgangsbasis für neue Geräte

dienen, profitiert nicht nur die Umwelt, sondern

ersparen sich auch die Unternehmen durch die Rückgewinnung

der Rohstoffe viel Geld. Zudem kann nur

so sichergestellt werden, dass auch künftige Generationen

noch genügend Ressourcen vorfinden.“ ●

Kaufen für

die Müllhalde

Im Dokumentarfilm „Kaufen

für die Müllhalde“ („The Light

Bulb Conspiracy“, 2010) erzählt

die Regisseurin Cosima

Dannoritzer die Geschichte

der geplanten Obsoleszenz:

ihre Anfänge in den 1920er

Jahren mit der Beschränkung

der Lebensdauer von

Glühbirnen über ihre Blütezeit

im Nachkriegswirtschaftsaufschwung

bis zur Gegenwart,

wo ein kleiner Chip im Inneren

eines Druckers nach einer

festgelegten Zahl von Druckaufträgen

das gesamte Gerät

lahmlegt.

Das Buch zum Film

„Kaufen für die Müllhalde.

Das Prinzip der geplanten

Obsoleszenz“ von Jürgen Reuß

und Cosima Dannoritzer,

orange-press 2013.

„Produkte sollten so gestaltet

werden, dass sie lange verwendet

werden können und

den Herstellern als Ausgangsbasis

für neue Geräte dienen.“

Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin

bei Greenpeace.

Fotos: orange-press GmbH; Kurt Prinz/GP

18 19


Für diesen

Planeten

—Matthias Köb

Lorenz Mastalir

nimmt an Greenpeace-

Aktionen in ganz

Europa teil – aus

Überzeugung:

„Es liegt an uns,

Phänomene wie den

Klimawandel nicht

einfach hinzunehmen.“

danke

an unsere spender

und spenderinnen

Fotos: Bente Stachowske/GP; Max Seiler/GP; Dan Taylor Media

Wir können uns der Bewahrung der

Umwelt auch über die eigene Zeit

hinaus widmen: durch ein Testament.

Bei Greenpeace stehen dabei

die Wünsche der Spenderinnen

und Spender im Mittelpunkt.

Sie sieht aus wie ein nostalgischer Traditionssegler,

tatsächlich aber ist sie ein hochmodernes Schiff.

Die „Beluga II“ gehört Greenpeace Deutschland. Sie

kann ihre Masten einklappen, um Brücken zu passieren,

und ein Labor oder ein Kommunikationszentrum

an Bord nehmen. Doch nicht nur deshalb ist

sie etwas Besonderes: An Bord der „Beluga II“ befindet

sich eine Gedenktafel mit einer Widmung für

Ilse Vormann. Der Düsseldorferin ist zu verdanken,

dass das Schiff überhaupt gebaut werden konnte: Sie

vermachte einen Teil ihres beachtlichen Vermögens

testamentarisch Greenpeace.

„Dafür vertraue ich mein Geld Greenpeace an“

Auch die Österreicherin Ilse Standhartinger hat Greenpeace

in ihrem Testament bedacht: „Menschen, die

sich für große Ziele einsetzen, haben meine volle Bewunderung“,

erklärt sie. „Mit meinem Beitrag möchte

ich der Natur etwas zurückgeben und der Zerstörung

der Umwelt entgegenwirken. Dafür vertraue ich mein

Geld am liebsten Greenpeace an.“

In Österreich machen Testamentsspenden derzeit

noch einen kleinen Anteil aller Spenden aus. Dabei

variieren die Anzahl und die Spendenhöhe von Jahr zu

Jahr stark – doch immer mehr Menschen entscheiden

sich für diese Art der Spende.

Nach den Vorstellungen der Spender

Bei Greenpeace kümmert sich Petra Taylor um solche

testamentarischen Angelegenheiten. „Das Allerwichtigste

ist für uns, dass die besonderen Interessen der

Spenderinnen und Spender gewahrt werden. Wenn

jemandem etwa Eisbären besonders wichtig sind,

werden wir die Spende für unsere Arktis-Kampagne

einsetzen“, sagt sie. Dazu erhalten sie von ihr volle

Unterstützung. Für die wichtigsten rechtlichen Fragen

gibt es einen kostenlosen Ratgeber. „Viele Menschen

wissen gar nicht, dass man im Testament auch Umweltschutzorganisationen

berücksichtigen kann.“

Wertvolle Unterstützung für den Umweltschutz

Greenpeace bietet seit 16 Jahren mit dem Programm

„Legate“ die Möglichkeit, die Arbeit für Umwelt und

Tiere testamentarisch zu unterstützen. Eine Testamentsspende

kann den entscheidenden Unterschied

für den Erfolg einer Kampagne machen. Die Arbeit für

den Umweltschutz wird immer komplexer und vielfältiger

– und um unabhängig zu bleiben, nimmt Greenpeace

ausschließlich Spenden von Privatpersonen an.

Da helfen Testamentsspenden enorm. ●

Die „Beluga II“ verdankt

Greenpeace

einer großzügigen

Testamentsspende.

Eine Gedenktafel an

Bord erinnert an

Ilse Vormann.

Wenn Sie mehr über eine

Erbschaftsspende erfahren

oder unseren Ratgeber zum

Thema „Testament und

Nachlass“ bestellen möchten,

steht Ihnen Petra Taylor jederzeit

gerne für ein vertrauliches

Gespräch zur Verfügung.

T: 01/545 45 80-85

petra.taylor@greenpeace.at

»Irgendetwas

muss man doch

machen!«

—Elly Kiss

Lorenz Mastalir studiert Biologie

und engagiert sich ehrenamtlich bei

Greenpeace. Sein Motto: Wir können

konkrete Veränderungen bewirken.

„Vor rund 15 Jahren wurde ein Greenpeace-Film im

Fernsehen gesendet, in dem man sah, wie ein uralter,

riesiger Baum umgesägt wird. Schon damals habe

ich gemerkt, dass mich das etwas angeht“, erzählt

Lorenz Mastalir. Mit 20 nahm er an seinem ersten

Greenpeace-Treffen teil und wusste gleich, dass er hier

richtig ist. Mittlerweile gehört der heute 25-Jährige

zur Gruppe jener Aktivisten, die in ganz Europa an

Greenpeace-Aktionen teilnehmen.

Die meisten Kinder reagieren auf Bilder von Umweltzerstörung

besorgt, glaubt Lorenz, „die Betroffenheit

legt sich erst mit den Jahren“. Er selbst hat sie nie

verloren – aus diesem Grund hat er sich auch für ein

Biologie-Studium entschieden. Er wollte mehr „über

die Natur und ihre Bewohner wissen und sie schützen“.

Biologie bedeutet für ihn Landschaft, Vögel, Wiesen,

Wälder und alles, was lebt – „und davon wissen die

jungen Menschen heute fast gar nichts mehr“.

Bei Greenpeace kann Lorenz seine Werte in Taten umsetzen.

In den letzten Jahren hat er an unterschiedlichsten

Projekten mitgearbeitet, ist für Aktionen ins

Ausland gefahren oder hat für die von Greenpeace verlegten

Einkaufsführer recherchiert. Darüber hinaus hat

er gute Freunde gefunden, die sein Leben bereichern.

Einkaufen, ein politisches Statement

Gerade die Arbeit an den Einkaufsführern findet

Lorenz Mastalir besonders wichtig: „Die meisten nehmen

ja nur bei einer Wahl Einfluss auf Politik und Gesellschaft.

In Wahrheit ist aber jede Kaufentscheidung

ein politisches Statement. Wofür gebe ich Geld aus

– lieber für Umweltzerstörung und Sklavenarbeit oder

für einen nachhaltigen Lebensstil? Wem die Politik

beim Einkaufen nicht genug ist, der kann sich auch in

Vereinen politisch engagieren. Aber irgendetwas muss

man doch machen, irgendwelche moralischen Vorstellungen

muss man doch versuchen umzusetzen!“

Das Thema Ernährung liegt ihm am Herzen. Daher

war Lorenz auch bei einer Aktion gegen den Anbau

genetisch veränderter Pflanzen in Norditalien dabei.

Dort hatten die örtlichen Behörden den illegalen Anbau

von genmanipuliertem Mais einfach ignoriert. Lorenz

fuhr mit 60 weiteren Aktivisten auf das Maisfeld.

Sie hüllten die Blüten in Säcke und schnitten sie ab.

Damit wurde die Ausbreitung des Saatguts verhindert.

Bei seinem Engagement für Greenpeace erlebt Lorenz

Mastalir, dass konkrete Veränderungen möglich sind.

„Schlussendlich liegt es auch an uns, selbst Phänomene

wie den Klimawandel nicht einfach hinzunehmen.“●

Leo Haidweger,

Unternehmer.

„Verglichen mit meiner

Steuerleistung ist meine

monatliche Spende an

Greenpeace nur ein geringer

Betrag. Doch er bewegt

mehr als alles, was ich

an den Staat abliefere,

und ist damit mein

bestes Investment.“

Marlene Binggeli,

Biophysikerin,

Klangtherapeutin.

„Ich bin zornig, was der

Erde angetan wird. Ich

wollte, ich könnte aktiv

bei euch mitarbeiten. Geht

nicht für einen überwutzelten

Teenager wie mich: Ich

bin 88! Trotzdem bin ich

dabei: mit Geld, Adrenalin

und guten Gedanken.“

Martin Walser,

E-Commerce-Manager.

„Warum ich heute für

Greenpeace spende? Eure

Anti-Shell-Aktion beim

Formel-1-Rennen in Belgien

war einfach nur großartig.

Macht weiter so!“

Fotos: Georg Mayer/GP; Privat (3)

20 21


Weltweit in Aktion

Ob in der Hitze des indonesischen

Regenwalds oder in der eisigen

Kälte Alaskas – dank Ihrer Spende ist

Greenpeace überall dort im Einsatz,

wo die Umwelt unsere Hilfe braucht.

Greenpeace akzeptiert als einzige weltweit aktive

Nichtregierungsorganisation (NGO) nur Spenden

von Privatpersonen. Denn: Wer Geld von Konzernen

nimmt, kann diese nicht bekämpfen, wenn sie Umweltverbrechen

begehen. Wer sich von Regierungen

finanzieren lässt, tut sich schwer, sie zu kritisieren.

Dank Ihrer Unterstützung stellen wir uns auch den

größten Konzernen und den mächtigsten Regierungen

in den Weg, wenn sie für schnelle Profite die Zukunft

der Erde aufs Spiel setzen. Doch der weltweite Kampf

gegen Umweltverbrechen ist nicht billig:

30 Euro kostet der Druck von 30 Plakaten mit den

Porträts der „Arctic 30“ für den Protest zum Schutz

der Arktis und für die Freilassung der Inhaftierten.

55 Euro finanzieren einen Medienrechts-Workshop für

einen Aktivisten, damit wir den Umweltschutz professionell

an die Öffentlichkeit bringen können.

Die Heimat des

Sumatra-Elefanten

ist von illegalen

Abholzungen

bedroht. Mit Ihrer

Hilfe kämpfen wir

um den Erhalt seines

Lebensraums.

Foto: Ardiles Rante/GP

420 Euro ermöglichen den Kauf einer Kletterbasisausrüstung

inklusive Klettergurt, Helm, 20 Meter Statikseil,

zehn Karabinern, Bandschlingen, Petzlstopp und

Steigklemme.

20.000 Euro brauchen wir für eines der Greenpeace-

Schlauchboote, wie sie beim friedlichen Protest zum

Schutz der Arktis im Einsatz sind.

Wir bitten Sie heute von ganzem Herzen: Unterstützen

Sie unsere Aktionen weiterhin mit Ihrer Spende.

Egal, wie viel Sie geben können – jeder Beitrag wird

dringend gebraucht. Danke, dass Sie an unserer Seite

für die Umwelt kämpfen! ●

Spendenkonto: Erste Bank – IBAN: AT24 20111

82221219800, BIC: GIBAATWWXXX

Impressum

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: Greenpeace in Zentral- und Osteuropa, Fernkorngasse 10, 1100 Wien; Tel. 01/545 45 80, www.greenpeace.at Spendenkonto: Erste Bank: 822 212 198 00, BLZ: 20111, www.greenpeace.at/spenden Chefredakteurin: Sonja Hödl Bildredaktion:

Georg Mayer E-Mail: act@greenpeace.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m. b. H., Bereich Corporate Publishing, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: 01/536 60-0, E: magazine@falter.at Grafik: Beton — Gruppe für Gestaltung. Druck: Niederösterreichisches Pressehaus Offenlegung:

Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.greenpeace.at ständig abrufbar. ZVR 961128260 ACT erscheint viermal jährlich auf 100-%-Recyclingpapier. Ab einer Jahresspende von € 40 wird Ihnen ACT gratis zugesandt. Die nächste Ausgabe erscheint im März 2014.

22 23


Alfred Dorfer

Kabarettist,

Schauspieler

Clara Luzia

Musikerin

Gregor Bloéb

Schauspieler

Josef Hader

Kabarettist,

Schauspieler

Andrea

Händler

Kabarettistin,

Schauspielerin

Dirk Stermann

Moderator,

Kabarettist,

Autor

Andrea

Johanides

Geschäftsführerin

WWF

Österreich

Florian

Scheuba

Kabarettist

„Friedlicher Protest gegen Umweltzerstörung

ist kein Verbrechen!“

Unsere Solidarität gilt den 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Freelancern,

die sich gewaltfrei für den Schutz der Arktis eingesetzt haben!

Maria

Köstlinger

Schauspielerin

Mirjam Unger

Moderatorin,

Regisseurin,

Fotografin

Roland

Düringer

Kabarettist,

Schauspieler

Sandra Cervik

Schauspielerin

Hannes

Reichelt

Profi-Skirennläufer

Ursula Strauss

Schauspielerin

Marianne

Nentwich

Schauspielerin

Naked Lunch

Musiker

Rudi Roubinek

Schauspieler,

Autor

Thomas

Maurer

Kabarettist

Heinz Patzelt

Generalsekretär

Amnesty

International

Manuel Feller

Profi-Skirennläufer

Maschek

Kabarett-Trio

Peter Turrini

Autor

Rupert

Henning

Autor und

Schauspieler

Angelika

Kirchschlager

Opernsängerin

Gerald Votava

Schauspieler,

Musiker

Hilde Dalik

Schauspielerin

Manuel Rubey

Sänger,

Schauspieler,

Kabarettist

Reinhard

Uhrig

Geschäftsführer

Global2000

Robert

Palfrader

Schauspieler,

Kabarettist

Ruth

Brauer-Kvam

Schauspielerin

Alle prominenten österreichischen Unterstützerinnen

und Unterstützer sowie die Gelegenheit,

die eigene Solidarität zu bekunden, unter:

greenpeace.at/solidaritaet-arctic30

F o t o s v o n l i n k s n a c h r e c h t s : H u b e r t M i c a n ; M a n f r e d B a u m a n n ; D a v i d P r o k o p W W F ; N i k o l a u s K a r l i n s k y ; S a r a h H a a s ; G e r a l d v o n F o r i s ; P r i v a t ; P r i v a t ; T h e a t e r a . d . J o s e f s t a d t ; Ö S V ;

Laurent Ziegler; Theater a. d. Josefstadt; Simone Fröhlich; Ingo Pertramer; ÖSV; Alexander Gotter; Privat; Theater a. d. Josefstadt; Andrea Maria Dusl; Stephan Doleschal;

Eva Schimmer/Global2000; Pamela Russmann; Ingo Pertramer; Ingo Pertramer; Jeff Mangione; Standlaufbild; Arnold Pöschl; Theater a. d. Josefstadt; Theater a. d. Josefstadt; Lukas Beck

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