Wissen ist Macht - Bildung darf kein Privileg sein - Oxfam

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Wissen ist Macht - Bildung darf kein Privileg sein - Oxfam

Oxfamaktuell

Nr. 48 / Heft 04 / 2009

Umfrage in Afghanistan

Armut als Ursache des Krieges

Gewalt im Ost-Kongo

Nothilfe für die Vertriebenen

Wissen ist Macht

Bildung darf kein Privileg sein


2

Schreiben will gelernt sein. Zigberi ist ein Dorf

in einer abgelegenen Gegend von Burkina Faso.

Jahrelang gab es hier weder eine Schule noch einen

Lehrer. Schließlich taten sich die Eltern zusammen

und bauten mit Oxfams Unterstützung eine Schule

für ihre Kinder. Bildung ist in den meisten armen

Ländern keineswegs selbstverständlich – vor allem

nicht für Mädchen. Dabei ist Bildung die Grundlage

dafür, dass man sein Leben verbessern kann.

Seite 6 – 11

Auf der Flucht vor Gewalt

Seit Anfang 2009 wurden im Ost-Kongo

etwa eine Million Menschen vertrieben.

Oxfam leistet Nothilfe.

Seite 4 – 5

© Vera Siber l Oxfam Deutschland © Ami Vitale l Oxfam

Umfrage in Afghanistan

Die Afghanen machen nicht die Taliban,

sondern Armut und Arbeitslosigkeit für

den Krieg verantwortlich.

Seite 12

© Gulbuddin Elham l Oxfam

Titelfoto: Eine Schülerin beim Mathematikunterricht im Dorf Zigberi, Burkina Faso. © Ami Vitale l Oxfam


Inhalt

3

Liebe Leserin, lieber Leser,

Bildung ist eines der wirkungsvollsten und

nachhaltigsten Mittel um Armut zu bekämpfen.

Lesen, Schreiben und Rechnen zu können,

ist Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.

Bei unserer Projektarbeit spielt Bildung fast

immer eine Rolle. Es geht nicht nur darum,

Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, wie

wir das beispielsweise in Mali oder Burundi

tun. Auch für Erwachsene ist Bildung oft ein

Wendepunkt in ihrem Leben. Auf den folgenden

Seiten kommen auch Menschen zu Wort,

die erst als Erwachsene Lesen, Schreiben und

Rechnen gelernt haben. Eindrucksvoll schildern

sie, wie sich dadurch ihr Leben und ihr

Denken verändert haben.

In Benin können besonders Mädchen oft nicht

zur Schule gehen, weil sie arbeiten müssen,

um ihre Familien zu unterstützen. Unsere lokale

Partnerorganisation ASSOVIE hat für dieses

Problem eine ungewöhnliche, aber sehr erfolgreiche

Lösung gefunden: Sie haben die Schulen

einfach an den Arbeitsplatz der Mädchen

verlegt. Wir sind stolz, dieses außerordentlich

erfolgreiche Projekt unterstützen zu können.

Eines der Millenniumsziele der Vereinten

Nationen lautet, bis zum Jahr 2015 sicherzustellen,

dass alle Kinder weltweit zur Schule

gehen können. Im Juni und Juli 2010 findet in

Südafrika die Fußballweltmeisterschaft statt.

Aus diesem Anlass startet die Global Campaign

for Education, der auch Oxfam angehört, die

Kampagne: „1Goal – Bildung für alle!“

Ich wünsche Ihnen/Euch allen ein gutes

Jahr 2010!

Herzlichst

Paul Bendix

Geschäftsführer, Oxfam Deutschland e. V.

© Eckelt l Oxfam Deutschland

Inhalt

Projekte

4 Nothilfe im Ost-Kongo

5 Kurznachrichten

Titelthema: Bildung

6 Ohne Bildung keine Entwicklung

8 Nicht nur für Kinder

9 Frauenbildung rettet Leben

10 1:0 für Bildung gegen Armut

11 Schule auf dem Wochenmarkt

Kampagnen

12 Umfrage in Afghanistan

13 Schluss mit Rüstungsexporten

13 Kurznachrichten

14 FDP im BMZ

15 Klima-Aktionen vor Kopenhagen

Fundraising

16 Trailwalker 2010 im Harz

17 Fünf Fragen an ...

Shops

18 Unentgeltlich, aber nicht umsonst

19 Oxfams One World-Kalender

19 Shop-News

Impressum

20 Was ist Oxfam? / Impressum


4 Projekte

„Eine von Menschen verursachte Katastrophe“

Seit Mitte 2009 leistet Oxfam Deutschland im

Osten der Demokratischen Republik Kongo

Nothilfe. Die Menschen im Nord-Kivu leiden

unter den Folgen einer Militäroffensive der

kongolesischen Armee gegen ruandische

Rebellen. Projekt-Referentin Vera Siber reiste

im Oktober in den Nord-Kivu, um den Erfolg

des Nothilfe-Projektes zu überprüfen. Besonders

beeindruckt hat sie die Gastfreundschaft

der Kongolesen: Trotz der eigenen Not nehmen

sie vertriebene Familien bei sich auf.

Der Nord-Kivu ist ein hügeliges Gebiet mit viel

Wald und grünen Wiesen. Das Land ist sehr fruchtbar

– eigentlich könnte es alle seine Einwohner

ernähren. „Wenn man hier unterwegs ist, und alles

ist ruhig, scheint es ein Paradies zu sein“, berichtet

Vera Siber. Nur hin und wieder sehe man Frauen,

die mit ihren Kindern die Straßen entlang laufen,

schwer beladen mit ihrem gesamten Hab und Gut.

„Da merkt man, dass etwas nicht stimmt.“

Seit Anfang 2009 hat sich die Situation für die

Menschen im Nord-Kivu dramatisch verschlechtert.

Im Januar startete die kongolesische Armee

eine Militäroffensive gegen die ruandischen

Rebellen im Ost-Kongo. Als Folge nahm die Gewalt

gegen die Zivilbevölkerung massiv zu: Dörfer

wurden abgebrannt, Frauen vergewaltigt und die

Einwohner vertrieben. Anfang Oktober wurde

die Zahl der Binnenvertriebenen auf eine Million

geschätzt. „Uns war klar, dass es einen riesigen

Bedarf an Nothilfe gibt“, sagt Siber.

Angst vor Cholera

Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt (AA) hilft

Oxfam im Nord-Kivu den vertriebenen Familien.

„Viele Menschen sind in die größeren Städte wie

Lubero, Kanyabayonga oder Luofu geflohen“,

erklärt Siber. „Wegen der großen Zahl der Vertriebenen

ist die Wasserversorgung zusammengebrochen.“

Durch verunreinigtes Wasser können

Durchfallerkrankungen übertragen werden. „Die

größte Gefahr ist allerdings immer die Cholera,

die sich rasend schnell verbreiten kann.“ Oxfam

und das AA verteilen deshalb an mindestens

30.000 Vertriebene Haushaltgegenstände wie

Wasserkanister und Geschirr. Außerdem Hygieneartikel

für Frauen sowie Moskitonetze zum Schutz

vor Malaria.

Eine Mitarbeiterin nimmt beim Registrierungsgespräch

die Daten einer Frau auf,

die mit ihrer Familie fliehen musste.

alle Fotos © Vera Siber l Oxfam Deutschland


5

Oxfam versorgt die Vertriebenen

mit Trinkwasser.

+++ Kurznachrichten ++++++++

Kinder können nicht zur Schule gehen

Viele der Vertriebenen kommen in Gastfamilien

unter. „Die Gastfreundschaft der Kongolesen ist

beeindruckend“, sagt Siber. „Trotz der eigenen

Armut nehmen sie andere Familien bei sich auf.“

Es sei zwar nicht so, dass dann eine große Hausgemeinschaft

entstehe, Gast- und Aufnahmefamilie

kochen und essen beispielsweise getrennt,

doch die generelle Hilfsbereitschaft sei da.

Eine große Sorge für die vertriebenen Familien

sei, dass ihre Kinder in der Regel nicht zur

Schule gehen könnten. „Es gibt einfach nicht

genügend Schulen und Lehrkräfte“, erklärt Siber.

Hier wachse eine junge Generation ohne Schulbildung

heran. „Solche Kinder ohne Zukunftsperspektiven

sind meist noch gefährdeter als andere.

Sie könnten beispielsweise als Kindersoldaten

rekrutiert werden.“ Mit diesem Problem könne

man sich aber gegenwärtig noch nicht befassen.

Denn es müsse, so Siber, zunächst das tägliche

Überleben der Menschen gesichert werden.

Text: Veronika Koca

Schulen für arbeitende Mädchen

Der Bau von sechs neuen Bildungszentren

auf Märkten in Cotonou,

Porto-Novo und Abomey-Calavi in

Benin ist fast abgeschlossen.

Bald können hier rund 200 arbeitende

Mädchen ohne Schulbildung Lesen,

Schreiben und Rechnen lernen.

Für die jungen Mädchen ein wichtiger

Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit.

(Seite 11)

Vorbildliche Projektarbeit

Oxfam Deutschland unterstützt in

der Demokratischen Republik Kongo

und in Burundi den Bau von Schulen.

Finanziert wird dies auch vom Bundesministerium

für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ). Im September haben externe

Gutachter die Projekte überprüft.

Das Ergebnis: Die Arbeit unserer

lokalen Partnerorganisationen wurde

für sehr gut befunden!

Frauenrechte

in Südafrika stärken

Diskriminierung, sexualisierte Gewalt

und patriarchalische Machtstrukturen

gehören für viele Frauen in Südafrika

leider zum Alltag. Ein neues, gemeinsames

Programm mehrerer nationaler

Oxfam-Organisationen möchte dagegen

etwas unternehmen. Zusammen

mit lokalen Partnerorganisationen

wollen wir die Position von Frauen in

Gesellschaft und Politik stärken.

Vera Siber (vorne links) beim Besuch von Oxfams Nothilfe-

Projekt im Nord-Kivu. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet

sie in der Entwicklungszusammenarbeit. Die gelernte

Kfz-Meisterin hat mehrere Jahre in Kamerun, Mosambik,

dem Tschad und Mali gearbeitet. Nach einem Master-

Studium der Humanitären Hilfe ist sie seit 2007 bei Oxfam

Deutschland tätig.


6 Titelthema Bildung

Ohne Bildung keine Entwicklung

Wenn sich nicht bald etwas ändert, werden

2015 immer noch über 700 Millionen Erwachsene

Analphabeten sein. Doch die Geberländer

investieren zu wenig in die Bildungssysteme

armer Länder, meint Oxfams Entwicklungsexperte

Tobias Hauschild.

In den Entwicklungsländern insgesamt können

inzwischen 79 Prozent der Erwachsenen lesen,

schreiben und rechnen. Das Problem ist jedoch,

dass es mit der Bildung zu langsam voran geht.

80 Prozent der Analphabeten leben in nur

20 Ländern – mehr als die Hälfte von ihnen in

Bangladesch, China, Indien und Pakistan. Es gibt

Länder, in denen es über 45 Prozent der erwachsenen

Bevölkerung sind.

Nicht jeder darf lernen

Die Chancen auf Bildung sind innerhalb der einzelnen

Länder oft sehr ungleich verteilt. Ob ein Kind

zur Schule gehen kann, hängt vom Einkommen

der Eltern, der Wohngegend, der ethnischen oder

religiösen Zugehörigkeit, der Sprache und nicht

zuletzt vom Geschlecht ab. Die Lösungswege sind

daher entsprechend unterschiedlich.

In Ghana wurde der Zugang zur Schule erleichtert,

indem die Schulgebühren abgeschafft wurden, die

eine große Hürde für in Armut lebende Familien

bedeuten. Zuvor hatte die Regierung die Ausgaben

für Bildung wesentlich erhöht – etwa ein Fünftel

des nationalen Budgets wird inzwischen dafür

eingesetzt. So konnten Schulen gebaut und Lehrer

eingestellt werden. Inzwischen gehen in Ghana

1,2 Millionen Kinder mehr zur Schule.

Mehr Geld für den Staat

Bei Bildung geht es nicht nur darum, dass sich der

Einzelne persönlich weiterentwickelt. Berufliche

Aus- und Fortbildung ist eine ganz entscheidende

Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung

eines Landes. Wenn besser Gebildete höhere

Einkommen erzielen, steigen auch die Steuereinnahmen

des Staates.

Bildung ist eine wirksame Maßnahme im Kampf

gegen den Hunger. Die Zahlen belegen, dass

Unterernährung in dem Maße abnimmt, in dem

die Menschen lesen und schreiben können.

Beispiele aus Südasien und aus Afrika südlich der

Sahara zeigen, dass Kleinbauern nach abgeschlossener

Grundschulbildung ihre Höfe deutlich besser

bewirtschaften als vorher. Daher ist es eine der

dringlichsten Aufgaben der armen Länder, in

Bildung zu investieren – ohne die Unterstützung

der reichen Länder ist dies jedoch unmöglich.

Text: Tobias Hauschild

© Tom Pietrasik l Oxfam

Die Lehrerin Asha Nishad mit einer Schülerin aus der

Gemeinschaft Shanti Busti in der indischen Stadt Lakhnau.

Die etwa 210 Familien der Gemeinschaft verdienen sich ihren

Lebensunterhalt durch Müllsammeln. Auch die Kinder müssen

mitarbeiten. Ursprünglich stammen die Familien aus der Provinz

Assam, weshalb sich ihre Sprache, Kultur und Religion von der

Mehrheitsbevölkerung unterscheidet. Sie erleben deshalb vielfach

Diskriminierung. In der von Oxfam geförderten Schule wird

den Kindern auch beigebracht, wie sie sich vor Krankheiten

schützen können.


7


„Als ich jung war, durften die meisten

Mädchen nicht zur Schule gehen. Sie sollten

im Haushalt helfen, Wasser holen und

auf ihre Geschwister aufpassen. Ich hatte

Glück, denn mein Vater hatte verstanden,

wie wichtig Bildung ist. Allerdings war die

nächste Mädchenschule weit entfernt –

jeden Tag musste ich 15 Kilometer laufen,

um dort hinzukommen. Heute arbeite ich

als Sozialarbeiterin und versuche Eltern

davon zu überzeugen, dass sie ihre Kinder

zur Schule schicken.“

Manena Walet, Mali


© Ami Vitale l Oxfam


8 Titelthema Bildung

Nicht nur Kinder wollen lernen

Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ist

Bildung die Chance auf eine bessere Zukunft.

Lesen, schreiben und rechnen zu können, ist

eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes

Leben. Bildung spielt darum bei fast

allen unseren Projekten eine wichtige Rolle.

„Als Kind habe ich genau eine Woche die Grundschule

besucht. Ich habe mich immer dafür

geschämt, nicht lesen, schreiben und rechnen

zu können. Dank Oxfam habe ich es inzwischen

gelernt und das hat alles verändert! Wenn ich

jetzt auf den Markt gehe, um Tiere zu verkaufen

oder zu kaufen, kann ich viel besser verhandeln.

Ich werde nicht mehr übers Ohr gehauen.

Vor allem hat sich jedoch meine Art zu Denken

verändert – ich kann meine Meinung klar ausdrücken

und bin viel selbstbewusster geworden.

Ich weiß, dass ich meine Probleme lösen kann,

dass ich immer einen Ausweg finden werde.“

„Oumar Ag Watanofane, Mali

© Ami Vitale l Oxfam


Kinder haben oft schon deshalb nicht die Möglichkeit

zur Schule zu gehen, weil es in ihrer

Gegend entweder gar keine gibt oder Unterricht

nur in baufälligen Baracken stattfindet. In Mali

und Burundi* unterstützen wir daher den Bau von

Grundschulen. In der Demokratischen Republik

Kongo* hat unsere Partnerorganisation in einer

entlegenen Region eine weiterführende Fachschule

errichtet. Diesen Sommer hat dort das

erste Mädchen ihr Abitur bestanden!

In einigen Gegenden Pakistans sind Frauen

vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Unsere

Partnerorganisation Saibaan errichtet darum mit

unserer Hilfe Dorfgemeinschaftshäuser. Diese

sind von allen akzeptierte Treffpunkte für Frauen

und Mädchen, an denen sie sich austauschen,

an Alphabetisierungskursen teilnehmen oder ein

Kunsthandwerk erlernen können. Viele erhalten

hier erstmals Beratung zu sexueller und reproduktiver

Gesundheit.

Für Erwachsene bedeutet eine Ausbildung häufig

auch Befreiung. In Simbabwe unterstützen wir

ehemalige Prostituierte, die sich zu Pflegerinnen

für Aidskranke ausbilden lassen. Dies ermöglicht

den Frauen einen immensen sozialen Aufstieg:

Als Prostituierte wurden sie von der Gesellschaft

verachtet und diskriminiert, als Pflegerinnen sind

sie in ihren Gemeinschaften gefragte Expertinnen.

Text: Reinhild Schumacher

* gefördert durch Mittel des Bundesministeriums für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)


9

Frauenbildung rettet Leben

Zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind Frauen. In den letzen Jahren

sind zwar in den meisten armen Ländern die Einschulungsraten für Mädchen

gestiegen. Laut UNESCO gehen jedoch 75 Millionen Kinder nicht zur Schule,

und davon sind mehr als die Hälfte Mädchen.

Geringere Kindersterblichkeit

Es lohnt sich für Entwicklungsländer, in die

Bildung von Frauen und Mädchen zu investieren.

Die Oxfam-Studie From Closed Books to Open

Doors zeigt, dass Kindersterblichkeit eng mit der

Bildung der Mütter zusammenhängt: Bei gebildeten

Müttern ist sie um die Hälfte geringer.

Frauen, die zur Schule gehen, heiraten zudem

später und sind entsprechend älter, wenn sie

Kinder bekommen. Insgesamt haben sie weniger

Kinder. Entsprechend geringer ist auch die

Müttersterblichkeit.

Das sicherste Verhütungsmittel

Gebildete Mädchen sind aufgeklärter und können

daher selbstbewusster über ihr Sexualleben

bestimmen. Sie setzen beispielsweise durch,

dass ihre Partner Kondome benutzen. Überhaupt

verbessert Bildung den gesellschaftlichen Status

der Frauen und Mädchen.

© Ami Vitale l Oxfam


„Endlich lesen können – wenn ich einkaufen gehe,

muss ich nicht mehr andere fragen, was auf der

Verpackung steht. Ich wohne weit weg von meinen

Eltern und Geschwistern. Wenn ich erst richtig

schreiben kann, werde ich ihnen Briefe schicken.

Dann kann ich ihnen von meinem Sohn erzählen

und, dass ich sie nicht vergessen habe, sondern


sie vermisse und jeden Tag an sie denken muss.“

Makata Walett Magalla, Burkina Faso

Je höher die Schulbildung, desto stärker kann eine

Frau ihr Leben eigenständig gestalten und die sie

betreffenden Entscheidungen ihrer Familie beeinflussen.

Wer einen Beruf erlernt hat, findet leichter

Arbeit und verfügt über eigenes Einkommen.

Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für die

Teilhabe an politischen Entscheidungen. Gebildete

Frauen setzen meist alles daran, ihre Kinder zur

Schule zu schicken.

Text: Sandra Dworack

Die Oxfam-Studie From Closed Books to Open

Doors finden Sie hier:

www.oxfam.de/download/open_doors.pdf


10

Titelthema Bildung

1:0

für Bildung gegen Armut

Im Sommer 2010 findet in Südafrika die Fußballweltmeisterschaft

statt. Passend dazu hat die

Global Campaign for Education (GCE), der auch

Oxfam angehört, die Kampagne: „1Goal – Bildung

für alle!“ gestartet. „Wir wollen die Staats- und

Regierungschefs daran erinnern, mehr Geld in

die Förderung von Bildung in armen Ländern zu

investieren“, sagt Oxfams Kampagnenleiter Jörn

Kalinski. „Sie haben versprochen, bis 2015 jedem

Kind eine gute Schulbildung zu ermöglichen.

Die internationale Politik unternimmt bisher zu

wenig, um dieses Ziel zu erreichen.“

© Global Campaign for Education

Die FIFA, Fußballstars wie Thierry Henry (Foto)

und Anthony Baffoe sowie Königin Rania von

Jordanien unterstützen die GCE-Kampagne.

„Bis zum Ende der Fußballweltmeisterschaft

wollen wir 30 Millionen Stimmen für das Ziel

Bildung für alle sammeln“, erklärt Kalinski. Vor

dem UN-Millenniumsgipfel im September 2010

sollen die Staats- und Regierungschefs nochmals

den öffentlichen Druck spüren. Fußballfans und

alle, die sich engagieren möchten, sollten daher

die Online-Petition unterschreiben.

Text: Fiona Uellendahl

Die Petition finden Sie hier:

www.bildungskampagne.org


„Während des Bürgerkrieges in Liberia

wurden viele Kinder gezwungen zu kämpfen.

Dadurch haben sie ihre Unbeschwertheit

verloren. Auch meine Schüler haben

schreckliche Dinge erlebt und als ihre

Lehrerin trage ich ihre Probleme mit. Es ist

nicht leicht, sie zu unterrichten. In einer

von Oxfam geförderten Weiterbildung

habe ich gelernt, geduldig mit ihnen zu

sein, keinen Druck auszuüben und sie zu


ermutigen.”

Mary N. Kartee, Liberia

© Aubrey Wade | Oxfam GB


11

Schule auf dem

Wochenmarkt

Ein Drittel der Menschen in Benin sind

Analphabeten. Anstatt zur Schule zu gehen,

müssen insbesondere Mädchen oft arbeiten,

um ihre Familien finanziell zu unterstützen.

Viele von ihnen schuften jeden Tag auf dem

Wochenmarkt. „Wenn die Mädchen nicht zur

Schule kommen können, muss die Schule eben

zu den Mädchen kommen“, dachte sich Oxfams

Partnerorganisation ASSOVIE und richtete auf

mehreren Märkten Unterrichtsräume ein.

Wenn alle Kinder in Benin eine Grundschule

besuchen sollen, bräuchte es mehr als 24.000

zusätzliche Lehrkräfte. Doch damit allein wäre

den meisten Mädchen und Jungen noch nicht

geholfen. „Viele müssen ihre Familien bereits früh

unterstützen – sogar Sechsjährige arbeiten oft

schon den ganzen Tag“, sagt Oxfams Leiterin des

Projektbereichs, Nicole Schenda. „Besonders

betroffen sind die Mädchen.“

Keine Zeit fürs Lernen

Auf den Wochenmärkten der größeren Städte

arbeiten viele Mädchen hart, um ihre Eltern und

Geschwister über Wasser zu halten. Für einen

regulären Schulbesuch bleibt da keine Zeit.

Um diesen Mädchen eine Chance auf Bildung

zu geben, geht Oxfams Partnerorganisation

ASSOVIE ( Association Vinavo et Environnement )

einen ungewöhnlichen Weg: Sie haben Lehre-

rinnen und Lehrer ausgebildet und auf 14 Märkten

in der Großstadt Cotonou Schulräume errichtet.

Vier Stunden in der Woche werden die Mädchen

hier unterrichtet.

Voraussetzung ist die Erlaubnis der Arbeitgeber.

„Es ist sehr viel Überzeugungsarbeit nötig, damit

die Marktfrauen den Mädchen die Zeit für den

Unterricht freigeben“, erklärt Schenda. Das

Projekt ist so erfolgreich, dass es auch auf andere

Märkte ausgeweitet werden soll: Insgesamt

450 Mädchen in Cotonou und der Hauptstadt

Porto-Novo sollen die Möglichkeit bekommen,

Lesen und Schreiben zu lernen.

Text: Julia Jahnz

Oxfam Deutschland unterstützt das Schulprojekt

in Benin seit Juli 2009. Mehr Infos finden Sie hier:

www.oxfam.de/spenden_benin

Fotos auf dieser Seite: © ASSOVIE

In Cotonou hat Oxfams Partnerorganisation ASSOVIE auf 14 Wochenmärkten

Schulräume für arbeitende Kinder eingerichtet. Das Projekt

ist so erfolgreich, dass es ausgeweitet werden soll.


12 Kampagnen

© Gulbuddin Elham l Oxfam

„Wir wünschen uns nichts mehr als Frieden“

Seit 30 Jahren herrscht in Afghanistan fast ununterbrochen Krieg. Ein Ende der Gewalt ist nicht

in Sicht. Wie erleben die Menschen in Afghanistan den Krieg, welche Ursachen sehen sie dafür,

und wie könnte er ihrer Meinung nach beendet werden? Oxfam hat eine landesweite Befragung

durchgeführt und überraschende Antworten erhalten: Die Meisten machen nicht die Taliban,

sondern Armut und Arbeitslosigkeit für den Krieg verantwortlich.

In Afghanistan lebt knapp die Hälfte der Bevölkerung

unterhalb der Armutsgrenze. Vor allem

auf dem Land gibt es kaum Arbeit. Anfang 2009

befragte Oxfam gemeinsam mit seinen lokalen

Partnerorganisationen 704 Afghaninnen und

Afghanen.* Man wollte wissen, was die Betroffenen

selbst für die Ursachen des Krieges halten

und was helfen könnte, die Gewalt endlich zu

beenden.

Armut ist die Ursache des Krieges

„70 Prozent der Befragten erklären, dass die

miserable wirtschaftliche Lage ihres Landes sowie

Armut und Perspektivlosigkeit das größte Hindernis

für einen Frieden ist“, sagt Oxfams Afghanistan-Experte

Robert Lindner. Die schwache

afghanische Regierung und die grassierende

Korruption sind nach Meinung der Meisten die

zweitwichtigsten Gründe für die Gewalt. Erst

an dritter Stelle werden die Taliban genannt.

„Die Menschen in Afghanistan wollen, dass die

wahren Ursachen des Krieges beseitigt werden“,

erklärt Lindner. Die Internationale Staatengemeinschaft

habe sich viel zu lange auf militärische

Lösungen konzentriert.

Hilfe besser koordinieren

Die Hilfe müsse außerdem die wirklich Bedürftigen

erreichen. „Die Afghanen wollen selbst an der Auswahl

von Entwicklungsvorhaben beteiligt werden“,

sagt Lindner. „Wichtig ist es, endlich gemeinsam mit

der afghanischen Regierung die Korruption wirkungsvoll

zu bekämpfen.“

„Wir Afghanen haben zu viel Gewalt und Krieg erlebt“,

erklärt ein Mann aus der Nähe von Kunduz. „Wir

wünschen uns nichts mehr als Frieden, damit wir

unsere Kinder großziehen und endlich ein normales

Leben führen können.“

Text: Adréana Peitsch

Die Ergebnisse der Umfrage sind in der Oxfam-Studie

The Cost of War zusammengefasst:

www.oxfam.de/download/cost_of_war.pdf

© Oxfam

© Oxfam

Bild oben:

Kinder spielen in den Ruinen des Ali Abad-Krankenhauses

in Kabul Verstecken.

linkes Bild:

Interview für die Oxfam-Studie The Cost of War.

Landesweit wurden 704 Personen befragt.

* Die Befragten wurden möglichst repräsentativ ausgewählt.


13

+++ Kurznachrichten ++++++++

© Geoff Sayer l Oxfam

Schluss mit unverantwortlichen

Rüstungsexporten

Jedes Jahr werden weltweit hunderttausende Menschen

durch Handfeuerwaffen, Granaten und anderes Kriegsgerät

verletzt oder getötet. Die Internationale Gemeinschaft

konnte sich jedoch bislang nicht einigen, wie

Rüstungsexporte in Krisengebiete oder Unrechtsstaaten

verhindert werden können. Jetzt scheint Bewegung in

die UN-Verhandlungen zu kommen.

Seit der Wahl von US-Präsident Barak Obama weht ein frischer

Wind in der internationalen Abrüstungspolitik: Nicht nur die

Verbreitung von Nuklearwaffen sondern auch von konventionellen

Waffen soll weltweit eingedämmt werden. Ende Oktober

stimmten 153 Staaten im UN-Abrüstungsausschuss dafür,

ab 2010 über ein Abkommen zur Kontrolle des Waffenhandels

zu verhandeln. 2012, so die optimistische Planung, soll der

Vertragstext unterschriftsreif vorliegen.

Alle müssen sich einig sein

Ein Wermutstropfen bleibt jedoch. Die USA haben ihre Zustimmung

an die Bedingung geknüpft, dass im Konsens verhandelt

wird. Das bedeutet: Jeder Staat kann durch sein Veto das

geplante Abkommen verhindern oder inhaltlich abschwächen.

2006 sprach sich erstmals eine große Staatenmehrheit bei

der UN dafür aus, weltweite Rüstungstransfers zu regulieren.

Bisher scheiterte dies jedoch vor allem am Widerstand der

USA. Oxfam setzt sich gemeinsam mit amnesty international

und anderen Nichtregierungsorganisationen seit 2003 für ein

Waffenhandelsabkommen ein.

Text: Robert Lindner

Dürre in Ostafrika

Wegen anhaltender Trockenheit

erleidet Ostafrika derzeit eine der

schlimmsten humanitären Katastrophen

seit mehr als zehn Jahren.

„Etwa 23 Millionen Menschen sind

akut von Hunger bedroht“, sagt

Markus Nitschke, Oxfams Berater zu

humanitären Krisen. Besonders stark

betroffen sind Äthiopien, Eritrea,

Somalia, Kenia und der Süd-Sudan.

„In den letzten Jahren hat es in großen

Teilen Ostafrikas kaum geregnet“,

erklärt Nitschke. „Weitere Faktoren,

wie steigende Nahrungsmittelpreise

und gewaltsame Konflikte, haben die

Lage noch verschärft.“ Oxfams Hilfe

erreicht derzeit mehr als 750.000

Menschen. Schwerpunkte sind dabei

Trinkwasserversorgung und Hygienemaßnahmen.

Welternährungsgipfel bringt

keine Lösungen

Mitte November fand in Rom der Welternährungsgipfel

statt. Die UN-Staaten

diskutierten, wie man den weltweiten

Hunger bekämpfen kann. Gegenwärtig

hungern eine Milliarde Menschen.

Anerkanntes Ziel ist es, diese Zahl bis

2015 zu halbieren.

„Wie dies erreicht werden soll, wurde

nicht erklärt – es bleibt wieder einmal

bei bloßen Absichtserklärungen“,

sagt Oxfams Agrarexpertin Marita

Wiggerthale. „Aus unserer Sicht

müssten vor allem nachhaltige Anbaumethoden

gefördert werden, um die

Kleinbauern zu unterstützen.“ Einziger

Lichtblick sei der neu gegründete

UN-Welternährungsausschuss, der

die verschiedenen Anstrengungen

zur Hungerbekämpfung koordinieren

und überprüfen soll.

Wir sind nicht bewaffnet! Kennzeichnung an einem Oxfam-Fahrzeug in Uganda.


14 Kampagnen

© Eckelt l Oxfam Deutschland

Dr. Jörn Kalinski

leitet die Lobby- und Kampagnenarbeit

von Oxfam Deutschland.

Er arbeitet seit 1994 für Oxfam.

Armut bekämpfen oder

die deutsche Wirtschaft stärken?

Im Wahlkampf hat die FDP gefordert, das Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

abzuschaffen und die Entwicklungshilfe zu kürzen.

Nun stellt sie sogar den Entwicklungsminister, Dirk Niebel.

Das verspricht nichts Gutes – oder doch?

Ein Kommentar von Oxfams Kampagnenleiter Jörn Kalinski.

Eine der ersten Ankündigungen des frisch

gebackenen Entwicklungsministers Dirk Niebel

war, dass die Entwicklungszusammenarbeit mit

China und Indien eingestellt werde. In klima- und

menschenrechtspolitischer Hinsicht ist dies ein

Rückschritt. Denn die Hilfe für Indien und China

hat Impulse für den Ausbau von Demokratie,

Rechtsstaatlichkeit und Umweltschutz geliefert.

Zudem werden neue Aufträge und Anschlussgeschäfte

für deutsche Firmen ausbleiben, die

sich aus dem Engagement zur Energie-Effizienzsteigerung

ergeben könnten.

Mehr Hilfe für Afghanistan

Es gibt aber auch gute Nachrichten aus dem BMZ:

Die Entwicklungshilfe für Afghanistan soll endlich

gesteigert werden, was Oxfam bereits seit Langem

fordert. Laut Koalitionsvertrag sollen bei der

globalen Armutsbekämpfung vor allem Bildung,

Gesundheitsfürsorge und landwirtschaftliche

Entwicklung gefördert werden. Gute Regierungsführung

und starke Zivilgesellschaften in den

armen Ländern sind weitere zentrale Ziele. Außerdem

will sich die neue Regierung für ein internationales

Insolvenzverfahren für Entwicklungsländer

mit hoher Schuldenlast einsetzen.

Große Sorge bereitet allerdings die folgende

Ankündigung: In Zukunft sollen die Interessen

der deutschen Wirtschaft, insbesondere die

des Mittelstandes, bei entwicklungspolitischen

Entscheidungen „angemessen“ berücksichtigt

werden. Wichtig sei in erster Linie die Sicherung

des Standortes Deutschland. Da fragt man sich,

was eigentlich die Aufgabe des Entwicklungsministeriums

ist: Die weltweite Armut bekämpfen

oder die deutsche Wirtschaft fördern?


15

Aktionen vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen

© Mike Auerbach l Oxfam Deutschland

© Andy Aitchison l Oxfam

© Tineke Dhaese l Oxfam

Minizelte in Berlin, Brüssel und London

Laut Oxfam werden bis 2015 etwa 375 Millionen

Menschen von Trockenheit, Unwettern oder Überschwemmungen

betroffen sein. Immer mehr sind

gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Der Künstler

Herman Josef Hack ließ darum in mehreren europäischen

Städten seine schuhkartongroßen Minizelte aufbauen.

Gemeinsam mit Oxfam erinnerte er die EU-Staaten daran,

mehr für den Klimaschutz zu tun.

Kellnern für das Klima

Oxfams Big Heads servieren die Speisekarte für

Kopenhagen. Es liegt an den Staats- und Regierungschefs,

ob Ende des Jahres ein Weltklimaabkommen

zustande kommt.

© Oxfam

Ein Koffer für Röttgen

© Mike Auerbach l Oxfam Deutschland

Oxfam und die Klimapiraten haben Umweltminister

Norbert Röttgen (links) den Koffer für

Kopenhagen gepackt. Darin ist unter anderem

ein 40-Prozent-Symbol zur Erinnerung, dass

die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020

um 40 Prozent reduzieren müssen.

Henrike Wegner von den Klimapiraten, Jörn

Kalinski und Michael Dettbarn von Oxfam

(v.l.n.r.)


16

Fundraising

© Morris McLennan l Oxfam Australia

Blindtext

© Rüdiger Litzba l Oxfam Deutschland

Oxfam Trailwalker

2008 in Sydney

Das deutsche Oxfam Team beim Trailwalker 2008 in Belgien:

Dirk Horn, Antje Welp, Angela Schlicht , Uli Anders (v.l.n.r.)

100 Kilometer für eine gute Sache

Vier Personen wandern 100 Kilometer in

30 Stunden, und das durch die schönsten Landschaften

unserer Erde. Der Oxfam Trailwalker

ist die aufregendste Nonstop-Wanderung der

Welt und die einzige, bei der man sich gleichzeitig

für etwas Gutes einsetzt.

Der erste Oxfam Trailwalker fand vor 28 Jahren

in Hongkong statt. Inzwischen wird er jedes Jahr

in zwölf Ländern veranstaltet. 2010 endlich auch

in Deutschland: Am 11. und 12. September werden

zahlreiche begeisterte Viererteams durch das

wunderschöne Harzer Mittelgebirge wandern.

Start und Ziel liegen im idyllischen Osterode.

Die 100 Kilometer lange Strecke ist gut ausgeschildert,

es gibt in regelmäßigen Abständen

Versorgungsstationen mit Essen und Trinken,

medizinischer Betreuung und viel guter Laune.

So funktioniert die Teilnahme: Tun Sie sich mit

drei Freund/innen, Bekannten oder Kolleg/innen

zusammen. Jedes Team muss mindestens

2.000 Euro Spenden für Oxfam einwerben – im

Freundeskreis, bei Nachbarn oder am Arbeitsplatz.

Weltweit wurden so bereits mehr als 30 Millionen

Euro gesammelt! Beim Trailwalker 2010 in

Deutschland setzen wir die Spenden für unsere

Bildungsprojekte ein.

Mehr Infos finden Sie ab Januar 2010 unter:

www.oxfamtrailwalker.de

Anmelden können Sie sich ab sofort. Schicken Sie

eine E-Mail an Antje Welp: awelp@oxfam.de oder

rufen Sie an: (030) 45 30 69 46

Ungewöhnlich spendabel

„Es ist toll, auf was für Ideen unsere Spender

kommen“, sagt Oxfams Fundraiserin Johanna

Schäfer. Beispielsweise Klaus Völkel: Der 45-

jährige Energieberater informiert, wie Hausbesitzer

sparen können. „Es gibt viele bauliche

Veränderungen, mit denen man Geldbeutel und

Umwelt schonen kann“, erklärt Völkel. Das Geld,

das er für seine Beratung erhält, spendet er zum

Teil an Oxfam. 2009 kamen so bereits über

700 Euro zusammen. Ganz herzlichen Dank!


5 Fragen an...

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5 Fragen an...

Auf dieser Seite stellen sich Oxfams Mitarbeiter und Botschafter

den Fragen von Journalisten. Dieses Mal:

Foto Silvia Liebrich © Andreas Monka; Foto Antje Welp © Eckelt l Oxfam Deutschland

Silvia Liebrich

ist Wirtschaftsredakteurin bei

der Süddeutschen Zeitung.

Der Konkurrenzkampf unter den

Hilfsorganisationen ist in den vergangenen

Jahren härter geworden. Woran liegt das?

Antje Welp

ist Leiterin des Bereichs

Marketing & Kommunikation

bei Oxfam Deutschland.

Erstens sind – insbesondere nach dem Tsunami

2004 – viele kleinere Hilfsorganisationen entstanden,

die mit den etablierten um Spenden und

Aufmerksamkeit konkurrieren. Zweitens hat sich

die Spendenwerbung in den letzten zehn Jahren

professionalisiert und die Konkurrenz ist entsprechend

härter geworden.

Wie hat sich das Spendenaufkommen

von Oxfam in den vergangenen Jahren

in Deutschland entwickelt?

Welchen Einfluss hat dieser Wettbewerb

auf die Kampagnen von Oxfam?

Mit welchen anderen Organisationen

arbeitet Oxfam eng zusammen?

Was unternehmen die Helfer, um sich

untereinander besser abzustimmen?

Mit rund 40 Prozent Spendenzuwachs jährlich

steigern wir uns stärker als die Konkurrenz. Doch

mit etwa einer Million Euro Spendeneinnahmen

sind wir ein Zwerg unter den deutschen Hilfsorganisationen.

Noch! In den letzten vier Jahren

hat sich unsere Bekanntheit mehr als verdreifacht.

Wenig – die Inhalte unserer Arbeit orientieren

sich in erster Linie an den gemeinsam festgelegten

Prioritäten unseres Oxfam International-Verbundes.

Mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen

(NRO) in Deutschland, mit unseren lokalen Partnerorganisationen

in armen Ländern und natürlich mit

den 13 anderen Oxfam-Organisationen.

Die wichtigsten Abstimmungen finden vor Ort

statt, meist koordiniert durch lokale NRO oder

staatliche Stellen. Wenn Nothilfe geleistet wird,

übernimmt das UN-Büro die Koordinierung. Wir

achten darauf, dass es keine unnötigen Überschneidungen

mit anderen Hilfsorganisationen gibt.


18 Shops

„Unentgeltlich, aber nicht umsonst“

Im Jahr 2009 haben die Oxfam Shops ihren Umsatz erneut deutlich gesteigert. Das Geheimnis

dieses Erfolges ist nicht zuletzt das Engagement der inzwischen über 2.000 ehrenamtlichen

Mitarbeiter/innen. Doch die Shops bringen nicht nur Geld, sie machen uns auch bekannter:

Jeder Vierte kennt Oxfam durch die Shops.

„Wir arbeiten unentgeltlich, aber sicher nicht

umsonst“, sagt Sonja Graubner aus dem

Frankfurter Buchshop und bringt damit ihre

Motivation, sich bei Oxfam zu engagieren, auf

den Punkt. Der Blick auf die Jahresbilanz 2009

bestätigt, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen

keineswegs vergebens ist. „Die Shops haben

1,8 Millionen Euro für Oxfams Kampagnen- und

Projektarbeit erwirtschaftet“, weiß Geschäftsführerin

Christel Kaestner. „Damit sind die Shops

weiterhin die wichtigste Finanzquelle für Oxfams

Arbeit.“

Die Shops machen Oxfam bekannter

Drei neue Geschäfte wurden 2009 eröffnet:

München, Dortmund und Göttingen. „Auch fürs

nächste Jahr planen wir drei Neueröffnungen“,

sagt Kaestner. Im Gespräch seien Düsseldorf

und Karlsruhe. Mehr als 2.000 ehrenamtliche

Mitarbeiter/innen gibt es mittlerweile in den

bundesweit 34 Shops. „Das steigert auch die

Bekanntheit von Oxfam in Deutschland“, erklärt

Kaestner. „Im Moment beträgt diese mehr als

zehn Prozent, wobei uns jeder Vierte durch die

Shops kennt.“

Für die neuen Shops wurde ein modernes

Beleuchtungs- und Farbkonzept entwickelt.

Oxfams Projekt- und Kampagnenarbeit ist durch

große Fotos und Informationstexte noch besser

sichtbar. „Unsere Kunden sollen sofort wissen,

dass sie bei uns für den guten Zweck einkaufen!“

„Wir können mit dem ausklingenden Jahr sehr

zufrieden sein“, sagt Kaestner. „Ich möchte mich

darum bei allen unseren Shop-Mitarbeiterinnen

und -Mitarbeitern ganz herzlich für die engagierte

und hervorragende Arbeit bedanken und wünsche

allen ein gutes Jahr 2010!“

Text: Veronika Koca

Fotos: links, Mitte © Nikolai Wolff | www.fotoetage.de; rechts © Oxfam Deutschland

Beim fünften Geburtstag des Bremer Oxfam Shops gab es Livemusik,

und Christel Kaestner bedankte sich beim Shop-Team.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Helma Geiger,

Waltraud Schwintzer und Ursula Schindler beim

zehnten Geburtstag des Shops in Darmstadt.


19

+++ Shop-News +++++++++++++

Warm verpackt

Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit

veranstalteten mehrere Oxfam Shops

Mantel- und Jackenverkaufstage.

Neben Leipzig, Nürnberg und

Wiesbaden gab es auch im Kasseler

Oxfam Shop die richtige Ausrüstung

für den Winter. Vielleicht trug gerade

das regnerisch-kalte Wetter dazu bei,

dass es einen Rekordumsatz gab.

NEU IN DEN SHOPS:

OxfamUnverpackt

Oxfams One World-Kalender

mit zwölf eindrucksvollen Fotos

und Hintergrundinformationen.

Den Kalender (56 x 28 cm)

können Sie bei uns bestellen.

Schreiben einfach eine E-Mail an

kalender-bestellung@oxfam.de

und wir schicken Ihnen den

Kalender für 18,20 € nach Hause.

Außerdem ist er in allen Oxfam

Shops erhältlich.

Seit Kurzem kann man die Geschenke von

OxfamUnverpackt nicht nur online, sondern

auch in einigen unserer Shops kaufen.

Mit unseren Geschenken setzt man sich gegen

Armut und Ungerechtigkeit auf der Welt ein.

Und Freundin, Opa oder Tante erleben eine

tolle Überraschung.

Ungeliebte Geschenke

Für Vati gab’s zu Weihnachten Socken

im Elch-Design, Mutti bekam ein Buch,

das sie bereits im Regal stehen hat.

Anstatt diese Geschenke im Schrank

zu vergraben, sollte man sie lieber

den Oxfam Shops spenden. Das sorgt

Zuhause für Platz, und nebenbei tut

man auch noch etwas Gutes.

Gut besucht

Großer Andrang herrschte am

11. November 2009 bei der Eröffnung

des bundesweit 33. Oxfam Shops in

Dortmund. Neben Geschäftsführerin

Christel Kaestner und Oxfams

Kampagnenleiter Jörn Kalinski waren

auch Mitarbeiter/innen anderer Shops

angereist, um das neue Team zu

begrüßen. Unterstützung gab es

von der Band Die Toten Hosen:

Sie hatten Einzelstücke und Fehldrucke

aus ihrem Merchandising-Sortiment

gespendet, die am Eröffnungstag

verkauft wurden.

NEU

Wir schicken natürlich keine Hühner nach Afrika

oder Asien! Sondern wir setzen das Geld z. B.

in Projekten zur Existenzsicherung ein, etwa für

Kauf und Aufzucht von Hühnern.

Da lachen ja die Hühner! Das Huhn ist eins von

acht neuen Geschenken: oxfamunverpackt.de

Taschen aus Krawatten

Auch 2009 haben viele kreative

Köpfe auf originelle Weise zum Erfolg

der Shops beigetragen. „Edeltraud

Jahnke aus dem Nürnberger Shop

näht beispielsweise aus alten

Krawatten Handtaschen“, berichtet

Dirk Horn, Leiter des Frankfurter

Oxfam-Büros. „Die Taschen finden

reißenden Absatz und haben bereits

mehr als 2.500 Euro eingebracht!“


Schon mal

eine Ziege

verschenkt?

OxfamUnverpackt

macht´s möglich!

Geh einfach auf

www.OxfamUnverpackt.de

Jetzt mit

8 neuen

Geschenken

Was ist Oxfam?

Oxfam Deutschland ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation,

die sich für eine gerechte Welt ohne Armut einsetzt.

Sind Menschen durch Naturkatastrophen oder kriegerische Konflikte

bedroht, leistet Oxfam Nothilfe. Wir stellen Trinkwasser und

Notunterkünfte bereit und führen Hygienemaßnahmen und Gesundheitsberatung

durch. Über Entwicklungsprojekte unterstützen wir

Menschen, damit sie zur Schule gehen, Zugang zu Gesundheitsfürsorge

erhalten, eine eigene Existenz aufbauen und sich selbst aus der Armut

befreien können. Im Rahmen unserer Kampagnenarbeit mobilisieren

wir die Öffentlichkeit und drängen Entscheidungsträger in Politik und

Wirtschaft zu verantwortlichem Handeln.

Die wichtigste Finanzquelle für diese Arbeit sind die Erträge der

34 deutschen Oxfam Shops. Dort verkaufen mehr als 2.000 ehrenamtliche

Mitarbeiter/innen gespendete Secondhand-Waren.

Oxfam Deutschland ist Mitglied von Oxfam International, dem

Verbund von 14 eigenständigen, nationalen Oxfam-Organisationen,

die mit einer Stimme sprechen.

Impressum

Oxfam aktuell erscheint vierteljährlich

Herausgeber

Oxfam Deutschland e. V.

Greifswalder Str. 33 a

10405 Berlin

Tel (030) 42 85 06 - 21

Fax (030) 42 85 06 - 22

Verantwortlich: Paul Bendix

Redaktion: Veronika Koca

Gestaltung: Jule Kienecker

Druck: H. Heenemann

gedruckt auf ResaOffset aus 100% Altpapier

Spendenkonto 80 90 500

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 370 205 00

Mehr über Oxfam unter:

www.oxfam.de

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu einem unserer Artikel? Schreiben Sie uns

an: oxfamaktuell@oxfam.de // Wenn Sie Oxfam aktuell in Zukunft nicht mehr

erhalten möchten, schicken Sie uns bitte eine kurze Nachricht.

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