Auf der Transsib Von Moskau nach Peking - WDR.de

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Auf der Transsib Von Moskau nach Peking - WDR.de

Dienstag, 25. und Mittwoch, 26.Dezember 2007 | 19.15 Uhr | Das Erste

Auf der Transsib

Von Moskau nach Peking


2 | Auf der Transsib

Auf der TranssibVon Moskau nach Peking

oben: Reisende nach Wladiwostok

unten: Marina mit Töchterchen Diana


Auf der Transsib | 3

Inhalt

3 Auf der TranssibVon Moskau nach Peking

4 Interview mit Albrecht Reinhardt

11 Lebenslauf

Das Team

ARD-Team auf dem Baikalsee

Vorwort

Am Ende seiner langen und stationsreichen Journalistenzeit

hat Albrecht Reinhardt für den WDR noch einmal eine große

Reise gemacht: Zehntausend Kilometer ist er mit der

legendären Transsib nach Osten gefahren, über den Ural,

durch die Tundra, den Baikal, entlang zu Wladiwostoks

Goldenem Horn, über den Amur ins Reich der Mitte, bis in

Pekings »Verbotene Stadt«.

Zurückgekehrt ist er mit einer Wundertüte voller Geschichten,

die er in seiner unverwechselbaren Art erzählt: neugierig

und staunend, kenntnisreich und mit leichter Hand, etwas

spöttisch bei den großen Gesten, aber weitherzig und liebevoll

bei den vermeintlich kleinen Dingen, die die Menschen

bewegen.

»Auf der Transsib« ist eine bildmächtige, unterhaltsame

und auch zärtliche Liebeserklärung geworden, der ich eine

große Öffentlichkeit wünsche.

Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur Fernsehen


4 | Auf der Transsib

Wladiwostok: Goldenes Horn und Hafen

Auf der TranssibVon Moskau nach Peking

Die längste Bahn der Welt gehört zu den ganz

großen Eisenbahnlegenden und ist noch heute

eine der wichtigsten Lebensadern der russischen

deration. Und da Russland mit seiner Riesenausdehnung

das größte Land der Welt und

mit seinen elf Zeitzonen ein eigener Kontinent

ist, wird auch die Transsib zu einer »Transkontinentalen«.

Noch hundert Jahre nach ihrem

Bau ist die Reise mit der Transsib ein Abenteuer.

ARD-Korrespondent Albrecht Reinhardt startet

vom Jaroslawer Bahnhof im Herzen Moskaus.

Der erste Teil der Reise führt ihn in sechs Tagen

und sieben Nächten nach Wladiwostok, dicht

an der Grenze zu China. Auf der Strecke überquert

er den Ural und besucht dort die Dörfer

»Europa«, mit 35 Einwohnern ein sterbender Ort,

und »Asien«, eine aufblühende Gemeinde, in

der tausend Menschen leben. Dann geht es nach

Irkutsk, eine Metropole im Land der Morgenröte,

wie Sibirien ins Deutsche übersetzt heißt. Durch

»die große Schlinge« windet sich die Transsib

mühsam auf vereisten Gleisen zum zugefrorenen

Baikalsee hinunter. Im Rhythmus der Schienenstöße

strebt die Bahn dem Amur, Chabarowsk

und schließlich Wladiwostok am goldenen Horn

des Pazifiks entgegen. In China wandelt das

Fernsehteam auf russischen Spuren. Denn die

alte Transsib führte vor dem Ersten Weltkrieg

über Harbin, ehemals ein russischer Eisenbahnknotenpunkt,

nach Dalian, wo russisches Militär

gegen japanische Truppen kämpfte und verlor,

bis Peking.

Reinhardts Reisereportage lässt nicht nur die

endlosen Weiten des fernen Ostens passieren, sie

erzählt auch von den zahllosen Begegnungen am

Wege und berichtet noch einmal von den Abenteuern

des Schienenstrangs – ein Train-Movie als

Bilderreise.


Auf der Transsib | 5

links: Zugchef Wladimir mit Kollegen

Mit Grigorij Pasko vor seinem Gefängnis bei Ussurisk

Die Transsib auf der Amur-Brücke

Interview mit Albrecht Reinhardt

Russische Grenzstation zu China

Sie haben 9000 Kilometer in der transsibirischen

Eisenbahn zurückgelegt. Hatten Sie dieses Thema

schon lange im Auge

Ja. Seit ich vor knapp sechs Jahren als Korrespondent

in Moskau anfing. Ein alter Traum also.

Die Weite des Landes ist beeindruckend. Im

Winter die endlosen Schneefelder, nur unterbrochen

von zugefrorenen Flüssen und Strömen.

Und wenn man sich in den gleichförmigen Rhythmus

der Transsib eingeschaukelt hat, glaubt

man fast, die Zeit stehe still.

Wie lange und wann waren Sie für den Film

unterwegs

Wir haben über sechs Wochen in Russland und

China gedreht. Den russischen Teil im Winter

2oo6/7 und den chinesischen Teil im Juni dieses

Jahres. Manchmal mussten wir mit drei Kameraleuten

gleichzeitig arbeiten, um den Zug und

die Landschaft aus den verschieden Perspektiven

Chinesische Geschäftsleute


6 | Auf der Transsib

Grigorij Pasko, russischer Marinejournalist und Ex-Häftling

Mit Irina, Eisenbahnerin und Afghanistanveteranin

in den Kasten zu bekommen. Denn wir konnten

dem Zugführer ja nicht sagen: »Halt, stopp und

noch mal zurück. Wir müssen jetzt erst die

Kamera umsetzen.«

Die Transsib am Baikalufer

In Ihrem Film begegnen Sie Menschen mit ganz

unterschiedlichen Biografien. Repräsentieren sie

das heutige Russland

Ihre Sorgen, Geschäfte, Hoffnungen und Geschichten

spiegeln Facetten des Lebens im

heutigen Russland. Wir haben sie nicht unter

dem Gesichtspunkt der Repräsentanz ausgesucht.

Es sind viele Zufallsbegegnungen dabei.

Das macht ja den Reiz der Reise aus und alle

sind »echte« Russen. Da ist der mitreisende

Ingenieur, der in Sibirien einen neuen Job sucht,

die junge Schaffnerin, die hofft, einen tollen

Mann kennen zu lernen, der sie heiratet oder

das kleine Mädchen, das mit seiner Mutter nach

Wladiwostok reist und unterwegs auf einem

Bahnhof seinen Vater trifft, der hier als Offizier

dient. 2o Minuten haben Vater und Tochter Zeit.

Helden des Dampfrosses


Auf der Transsib | 7

Die legendäre Transsib

Dann winkt die Kleine noch einmal aus dem

abfahrenden Zug dem Vater zu. Ade.

Im ersten Teil Ihres Films auf der Fahrt von

Moskau nach Wladiwostok begleitet Sie der ehemalige

Marinejournalist Grigorij Pasko. 2000

wurde er wegen »Landesverrats« als »Staatsfeind«

zu drei Jahren Haft verurteilt und steht dem

heutigen Putin-Russland sehr kritisch gegenüber.

Warum gerade Pasko

Weil Grigorij Pasko ein faszinierendes Schicksal

hat und weil er als Marinejournalist lange in

Wladiwostok, dem Zielort im ersten Teil der

Reportage, gelebt hat. Pasko hatte in den 90er

Jahren Umweltverbrechen der Kriegsmarine

aufgedeckt. Die hatte radioaktives Material

illegal ins Meer gekippt. Seitdem war Pasko

geächtet. Später wurde er wegen Spionage

ins Gefängnis geworfen. Die Anklage war frei

erfunden, aber Pasko sollte büßen. Darüber hat

er mehrere Bücher geschrieben, die auch ins

Deutsche übersetzt wurden. Heute lebt er in

Moskau und ich fand es eine gute Idee, ihn auf

dieser Reise »in seine eigene Vergangenheit«

zu beobachten.

Wie waren dabei die Bedingungen für die

Dreharbeiten

Ganz gut. Unser Zugführer Wladimir und seine

Kolleginnen waren reizend und halfen, wo es ging

und manchmal auch da noch, wo es eigentlich

nicht mehr ging. Wir konnten uns Tag und Nacht

im Zug frei bewegen. Außerdem hatten wir

großes Glück mit dem Wetter. In China hatten

wir immer eine Begleiterin dabei und in den

Zügen eine kleine Bewachungsbrigade, bestehend

aus uniformierten Polizisten, adretten Kellnerinnen

und Bahnbeamten in blütenweißen

Hemden. Wenn wir in den Speisewagen gebeten

wurden, fanden wir gleich einen Platz. Denn

außer uns war da sonderbarerweise keiner.


8 | Auf der Transsib

Auf dem Weg nach Peking

Gab es schwierige Situationen

Ärgerliche. So durften wir in Russland lange nicht

aus der Lok drehen. Einmal war unser Kameramann

schon drin, der Zug fuhr an, da sagte der

Lokführer mitfahren und gucken kannst Du, aber

drehen auf keinen Fall. Ein anderes Beispiel:

Wochenlang verhandelten wir mit dem Geheimdienst

über Aufnahmen aus dem Hubschrauber,

Mails gingen hin und her. Welche Strecke Was

davon aber auf keinen Fall Tunnel, Brücken, alles

strategisch und geheim. Schließlich kam aus

Moskau grünes Licht, aber der Hubschrauber

blieb dennoch am Boden. Nun machte der

Sicherheitsdienst der Bahn nicht mit. Das alles

ist zeitaufwendig und teuer.

In China hatten wir die Drehgenehmigung für

einen russischen Soldatenfriedhof. Als wir dort

ankamen, ließ man uns aber nicht hinein. Auch

das sei strategisches Gelände, weil ein Hafen der

Kriegsmarine, das ehemalige Port Arthur, ganz in

der Nähe sei. Wir kamen als Touristen verkleidet

mit einer kleinen Kamera wieder. Das klappte

dann.

in Pekings verbotener Stadt


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Soviel Personal für ein kleines ARD-Team

Platz des Himmlischen Friedens

Das chinesische Harbin, ehemaliger russ. Eisenbahnstützpunkt

Im zweiten Teil Ihres Films betrachten Sie China durch

die »russische Brille«. Was macht für Sie den größten

Unterschied zwischen den beiden Ländern aus

Das Tempo. Auf Moskaus Straßen rasen die Autos,

in China rast das Leben. Auf den unendlich vielen

Baustellen, in den Fabriken, auf den Märkten.

Natürlich ist das nur ein erster Eindruck und durch

meine Drehreise bin ich nicht plötzlich ein Chinaexperte.

Aber das Land entwickelt sich mit einer

unglaublichen Geschwindigkeit, immer dicht

am Abgrund. Umweltkatastrophen, Menschenrechtsverletzungen,

Sklavenarbeit. Abstürze sind

sozusagen vorprogrammiert. China überrollt

alles in diesem Jahrhundert. Und die Russen, die

wir in China getroffen haben, die dort arbeiten

und leben, sind wohl von dieser »chinesischen

Mischung« sehr angezogen.

Welche Bedeutung hat für Sie Musik im Film

Sie soll die Filmdramaturgie unterstützen, Spannung

schaffen, eigene Akzente setzen und auf

keinen Fall einlullen. Bloß kein Mainstream. Romy

Herzberg und Christina Fuchs ist es wieder

einmal perfekt gelungen, das was hinter Bildern

und Text liegt, intelligent zu betonen.

Mit diesem Film verabschieden Sie sich vom WDR.

Können Sie ein paar Stationen oder Momente

nennen, die Sie geprägt haben

Erst mal 3 Ms. Moskau, Mogadischu, Monrovia.

An allen drei Orten habe ich als Korrespondent

gearbeitet. In Afrika musste ich über Bürgerkriege

berichten. Wir arbeiteten in Mogadischu

mit einem jungen Somalier zusammen. Er heißt

Ahmed und war damals, 1993, 23 Jahre alt.

Ahmed war Übersetzer, kundiger Führer und

auch Beschützer. Als die Amerikaner drei Nächte

Mogadischu bombardierten, ging Ahmed morgens

immer allein los. Er prüfte, ob wir ungefährdet

die Zerstörungen der Nacht drehen konnten.

Denn die Bevölkerung, die die Bombenangriffe

überlebt hatte, war gegenüber weißen

Journalisten natürlich nicht immer freundlich

eingestellt. Erst wenn Ahmed sagte, dass keine

Gefahr drohte, fuhren wir los. Einen Monat

später, ebenfalls nach einem Bombardement,

missachteten Agentur-Kollegen solche

Warnungen oder hatten von ihren örtlichen

Mitarbeitern gar keine erhalten. Sie trafen auf

eine aufgebrachte Menge und wurden an Ort

und Stelle umgebracht. Korrespondenten und


10 | Auf der Transsib

Bauboom in Harbin

Ruhepause in der verbotenen Stadt

Sophienkathedrale, russ. Relikt in China

Die chinesische Mauer

Berichterstatter sind eben nichts ohne ihre örtlichen

Kollegen. Meine Zeit in Russland war

ambivalenter. Metropole Moskau und Dschungel.

Nie vergessen werde ich Tschetschenien, politische

Morde und die Geiselnahmen in Moskau

und Beslan. Moskau war aber auch Machtpolitik.

Wiedererstarken Russlands und Kampf um

Macht und Geld. Mit allen Mitteln nicht zuletzt

durch eine willfährige Justiz, wie wir im Fall

von Chodorkowski gesehen haben. Nun sitzt er

im Knast, der ehemals reichste Russe. Weil er

es wagte sich mit Putin und der Kremlfraktion

anzulegen. Darüber kommt man schon ins

Grübeln. Genauso wichtig sind für mich aber

auch die vielen Erfahrungen, die ich im WDR

gemacht habe.

Ein offenes, liberales Klima, intelligente und

kämpferische Kolleginnen und Kollegen, kurz

eine Berufsumgebung, die ich liebe und in der

ich gut gedeihen konnte. Das ganze eingebettet

in (trotz des nahen Erzbischofs) rheinische

Toleranz. Ich glaube, so eine »Anstalt« findet man

in Deutschland nicht noch einmal. Aber man

muss auch immer wieder selbst etwas dafür tun,

damit diese Tradition fortwirkt und nicht

verkümmert. Das ist die Erfahrung aus meinem

vierten M. Es heißt Monitor und dauerte bei

mir fünf Jahre.


Auf der Transsib | 11

ARD-Korrrespondent Albrecht Reinhardt

Drehpause in Wladiwostok

Sendetermine: Dienstag, 25. Dezember 2007, Mittwoch, 26. Dezember 2007, jeweils um 19.15 Uhr, Das Erste

Lebenslauf

Albrecht Reinhardt wurde am 4. Oktober 1944 in Oberoderwitz/Oberlausitz

geboren. Nach dem Studium der Geschichte

und Politikwissenschaft in Köln und Bonn volontierte

er 1973 beim Westdeutschen Rundfunk in Köln.

Zwischen 1978 und 1982 arbeitete er im Bonner Fernsehstudio

der ARD als innenpolitischer Korrespondent. Darauf folgten

fünf spannende Jahre in der Redaktion des zeitkritischen

ARD-Magazins »Monitor«.

Seit 1989 arbeitete Albrecht Reinhardt als Reporter und

Reisekorrespondent regelmäßig im Ausland. Ein Schwerpunkt

war die Sowjetunion und Russland. 1992 wechselte er in das

Afrika-Studio in Nairobi, dessen Leitung er übernahm.

Seit August 1994 bis zum August 1997 leitete er drei Jahre

lang die Abteilung Zeitgeschehen Aktuell beim WDR. 1997

übernahm er die Leitung der Programmgruppe Ausland

Fernsehen und war auch gleichzeitig stellvertretender Chefredakteur.

Von 2002 bis 2007 berichtete er als Korrespondent aus Russland

und den GUS-Staaten und leitete das ARD-Fernsehstudio

Moskau.

Das Team

Transsib 1

Autor: Albrecht Reinhardt

Producer: Igor Butz

Kamera: Fjodor Simmul und Sergej Sergejew

Ton: Weniamin Sacharow und Michail Falin

Schnitt: Kristine Koßmann

Musik: Christina Fuchs und Romy Herzberg

Grafik: Wieslaw Prus

Produktion: Uwe Phenn

Redaktion: Heribert Blondiau

Sekretariat: Olga Winogradowa und Anne Tyderle

Transsib 2

Autor: Albrecht Reinhardt

Producer: Michail Djegtarow

Kamera: Marek Klodnicki und Fjodor Simmul

Ton: Alexander Soldatow

Schnitt: Petia Kalev

Musik: Christina Fuchs und Romy Herzberg

Grafik: Wieslaw Prus

Produktion: Uwe Phenn

Redaktion: Heribert Blondiau

Sekretariat: Olga Winogradowa und Anne Tyderle


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Impressum

Westdeutscher Rundfunk Köln

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50667 Köln

Postanschrift 50600 Köln

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Interview und redaktionelle Mitarbeit

Caroline Gysler

Gestaltung und Produktion

WDR GMG printdesign, Köln 2007

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Fotos

WDR/Michail Degtjarew, Fjodor Simmul,

Igor Butz

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