KulturLegi * - Caritas beider Basel

caritas.beider.basel.ch

KulturLegi * - Caritas beider Basel

NR. 2/2010

Nachbarn

KulturLegi *

Dabei sein, auch mit wenig Geld

Wir helfen Menschen.


Inhalt

Editorial 3

Christoph Bossart

Persönlich 10

Antoinette Hunziker-Ebneter,

Unternehmerin aus Zürich.

KulturLegi

Dabei sein, auch mit wenig Geld 4

Caritas-Netz

Einmaleins für Eltern 11

Das Projekt «schulstart+» bringt jungen

Müttern und Vätern mit Migrationshintergrund

das Schweizer Schulsystem näher

und unterstützt sie mit alltagsnahen

Infos bei der Erziehung.

Dank der KulturLegi kann Familie

Hamza-Meier eine Ausstellung im Kunsthaus,

die Badi und die Kunsteisbahn

besuchen. Wir begleiteten sie dabei.

Wirksames Instrument zur 8

sozialen Integration

Bildung, Beziehungen und Prestige

sind genauso wichtig wie finanzielle

Ressourcen. Soziale Integration findet

auf all diesen unterschiedlichen Ebenen

statt.

News aus dem Caritas-Netz 12

Collage 13

Dabei sein mit der KulturLegi.

Kiosk 14

KulturLegi beider Basel

Gedankenstrich 15

Von Bundespräsidentin Doris Leuthard.

2 Caritas Nachbarn 2/10 Titelbild: Urs Siegenthaler


Editorial

Gemeinsam gegen Armut

Liebe Leserin, lieber Leser

Unter diesem Motto stand die diesjährige

Basler Armutskonferenz. Diese Devise

kann auch für die Arbeit der regionalen

Caritas-Stellen in der Schweiz gelten. Ein

solches Caritas-Projekt gegen die Armut

ist die KulturLegi, die wir Ihnen in dieser

Nummer etwas genauer vorstellen.

Möchten Sie wissen, wie ich den Bogen

von der Armutskonferenz zur Kultur-

Legi spanne? Wenn nicht, dann springen

Sie doch zum letzten Abschnitt dieses Editorials

oder direkt auf die Seite 14 des Magazins.

in den Medien und auf dem Basler Claraplatz

vorgestellt. Da kam diese Tagung wie

gerufen.

Warum ich das erwähne? Nun – seit je

beschäftigt sich Caritas mit den Themen

Armut und Ausgrenzung. Zu deren Verminderung

haben die regionalen Caritas-

Stellen und Caritas Schweiz unterschiedlichste

Projekte entwickelt. Viele davon

liessen oder lassen sich in Basel aber nicht

umsetzen, da es keinen Sinn macht, Angebote,

die in unserer Region bereits bestehen,

zu konkurrenzieren. Im Gegenteil –

die Armutskonferenz hat festgestellt, dass

Christoph Bossart

Stellenleiter Caritas beider Basel

«Im ‹Sozialkompass› – dem Lotsen durch die sozialen

Caritas Luzern ist seit

2004 ZEWO-zertifiziert.

L’organisation XY est certifi

par ZEWO depuis 19XX.

Angebote in Basel – sind 685 Institutionen aufgeführt.»

Wenn ja, dann los:

«Gemeinsam gegen Armut» – unter diesem

Motto haben sich am 27. April 2010 im

Foyer des Theaters Basel über 130 Personen

getroffen, um sich als Betroffene und/oder

als Vertreterinnen und Vertreter von Fachstellen

oder der Wirtschaft mit dem Thema

«Armut in Basel» auseinanderzusetzen.

Kurz zuvor – am 24. April 2010 – hatte

Caritas ihre Kampagne «Armut halbieren»

es viele Dienste gibt, die sich zum Teil verzetteln.

Und daher fordert sie, dass im sozialen

Basel die Kräfte zusammengeführt

werden sollen.

Mit der KulturLegi bietet sich nun allenfalls

die Möglichkeit, dass wir – wie

schon beim Caritas-Markt und beim Patenschaftsprojekt

«mit mir» – doch gemeinsam

mit den anderen regionalen Caritas-

Stellen gegen die Armut vorgehen können.

Zwar gibt es mit «colour key» und «Familienpass»

bereits zwei starke Angebote in

der Region Basel. Diese erreichen aber nicht

alle Personen, die andernorts Anspruch auf

die KulturLegi haben.

Mehr zur konkreten Ausgangslage in

der Region Basel und zu den offenen Fragen

sowie zum geplanten weiteren Vorgehen

finden Sie auf Seite 14.

Impressum

«Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Stellen, erscheint zweimal jährlich.

Gesamtauflage: 50000 Ex. Auflage BS: 1 600 Ex.

Redaktion: Christoph Bossart (Caritas beider Basel); Ariel Leuenberger (national)

Gestaltung und Produktion: Daniela Mathis, Urs Odermatt

Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern

Caritas beider Basel ist seit 1992

ZEWO-zertifiziert.

Caritas beider Basel | Lindenberg 20 | 4058 Basel

Tel. 061 691 55 55 | www.caritas-beider-basel.ch

PC 40-4930-9

2/10 Nachbarn Caritas

L’organisation XY est certifiée

3


KulturLegi

Dabei sein,

Begeistert steht Gabor vor einem Werk von Tony Cragg im

Kunsthaus. «Mit so vielen Würfeln spielen, wie toll», strahlt

er und möchte gleich beginnen. Doch hier gilt «berühren verboten»

– umso mehr kann er mit seinen Eltern beim Besuch

der Badi oder der Kunsteisbahn loslegen. Überall vergünstigt

die KulturLegi von Caritas den Eintritt und ermöglicht so

auch Leuten mit knappem Budget die Teilnahme am gesellschaftlichen

Leben.

«Der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen

und Ausstellungen ist uns wichtig,

sei es als Familie oder zu zweit», betonen Simone

und Ferenc Hamza Meier. Dank der

KulturLegi werde vieles möglich, trotz bescheidenem

Familieneinkommen. Erzählen

die gelernte Textildesignerin, der frühere

Fotograf und ihr sechsjähriger Gabor, wird

bald klar, dass der Ausweis eine grosse Auswahl

an Freizeitvergnügen weit über «klassische»

Kultur hinaus ermöglicht. «Wir waren

im Zoo – bei allen Tieren», erinnert sich

Gabor. Im Sommer lockte ihn die Badi. Da

bleibt zwar in Zürich das Bad in See und

Limmat gratis. «Mit der KulturLegi können

wir aber auch ab und zu die von Max

Frisch entworfene gleichnamige Badi geniessen.

Es ist die schönste der Stadt», freut

sich Simone Meier. Im Winter locke dann

wieder die Kunsteisbahn.

4 Caritas Nachbarn 2/10


auch mit wenig Geld

«Dank der KulturLegi können wir weiterhin am

kulturellen Leben teilnehmen.»

Fussball, Fitness, Filmvergnügen

Ein Männervergnügen wird der Besuch

eines Heimspiels von GC. Schliesslich

tschuttet Gabor selber und hat jeden Mittwoch

sein Training. Auf die Panini-Bildli

für sein Fussball-WM-Buch gab es keinen

Rabatt. Doch dafür hatte er manchmal

Glück und konnte tauschen. Oder er

fand im Schliessfach des Kunsthauses Zürich

einen vergessenen Zweifränkler und

konnte sich damit weitere Bilder besorgen.

Übrigens, nicht nur die Fankurve für Fussballbegeisterte

öffnet sich zu einem reduzierten

Preis, auch wer zum Beispiel lieber

eine Fussreflexzonenmassage möchte, findet

solche mit Rabatt – oder stellt sein Velo

zum halben Preis in den bewachten Unterstand

beim Bahnhof, wenn statt Fitness

der Weg zur Arbeit angesagt ist. Ebenso

freuen sich Filmfreaks, wenn sie wieder

einmal Filmklassiker wie «Fahrenheit 451»

von François Truffaut vergünstigt zu sehen

bekommen. Die Liste ist lang, und die Ermässigungen

reichen von 30 bis zu 70 Prozent

– und manchmal ist es dank der KulturLegi

auch gratis.

Dem Jüngsten der Familie, dem Ende

2009 geborenen Kornél, ist derweilen

noch wichtiger, dass er zufrieden an seinem

Schoppen nuckeln kann – Kultur inbegriffen.

«Wir haben Musik und den Besuch

von Ausstellungen bereits im Elternhaus

2/10 Nachbarn Caritas

5


KulturLegi

Ob auf die Kunsteisbahn, in die Badi oder ins Kunsthaus, die KulturLegi ermöglicht den

verbilligten Eintritt bei rund 800 Institutionen und Veranstaltungen in der ganzen Schweiz.

kennen gelernt. Manchmal mussten wir

einfach mitgehen», erinnert sich Simone

Meier. Doch so schlimm scheint das nicht

gewesen zu sein, und auch Gabor lässt sich

gerne ins Kunsthaus «entführen» – sogar

als noch Sommer war und draussen dreissig

Grad im Schatten. «Meine Mutter hat lieber

beim Essen gespart, als auf ihr Saisonabonnement

fürs Theater verzichtet. Als Bibliothekarin

in einer Unternehmung brachte

sie zudem unzählige Bücher mit heim», erinnert

sich Ferenc Hamza.

Alle Einnahmen und Ausgaben

offenlegen

Die KulturLegi hat Simone Meier dank ihrer

Schwester kennen gelernt. «Die liest immer

alles, wo etwas vergünstigt erhältlich

ist. Selber wäre ich gar nicht auf das Angebot

von Caritas gestossen. Doch jetzt können

wir viel machen, das sonst nicht möglich

wäre.» Als die Familie das erste Mal

die Unterlagen einreichte, lag ihr frei verfügbares

Einkommen noch leicht über der

Grenze, die zum Bezug der KulturLegi berechtigt.

Dieser wurde erst möglich, als

Sohn Kornél auf die Welt kam und Simone

Meier nach dem Mutterschaftsurlaub keine

«Der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen und Ausstellungen

ist uns wichtig, sei es als Familie oder zu zweit.»

neue Stelle fand. «Wir mussten detailliert

unsere ganzen Einnahmen und Ausgaben

offenlegen», erinnert sie sich. «Aber das ist

auch richtig – und die Leute von Caritas

machen es einem einfach.»

Gerne möchte das Paar die KulturLegi

weiterempfehlen. Doch das sei gar nicht so

einfach, denn: «Erst kürzlich erfuhren wir

von Nachbarn, dass sie ebenfalls in einer

von der Stadt subventionierten Wohnung

leben. In der Schweiz redet halt niemand

gerne über seine Einkommensverhältnisse»,

sagt Ferenc Hamza.

Freie Wahl mit der KulturLegi

Schade, wenn jemand deshalb nichts von

einer für die Teilnahme am sozialen Leben

wichtigen Einrichtung hört. «Viele unserer

Freunde verdienen mehr», vermutet Simone

Meier. Dank der KulturLegi könne sie dennoch

auch einmal mit ihnen ins Kino. «Zu

zweit mit meinem Mann ist es aber noch

schöner.» Da setzen dann jedoch die Kosten

für das Hüten von Kornél Grenzen.

Umso wichtiger ist darum der Vorteil,

dank der KulturLegi frei den Tag für den

Besuch eines Matchs, einer Ausstellung

oder einer anderen Veranstaltung wählen

zu können. «Jeden Mittwoch ist der

Besuch der Sammlung des Kunsthauses

gratis», erinnert Björn Quellenberg, Sprecher

des Kunsthauses. Doch da hat Gabor

6 Caritas Nachbarn 2/10


sein Training und die Familie müsste verzichten.

Dabei war es Vater Hamza ein besonderes

Anliegen, seinem Sohn die teils

riesigen Fotos von Thomas Struth zu zeigen

und so etwas von seiner Begeisterung

fürs Fotografieren weiterzugeben. «‹Gratis›

umfasst auch den Teil der Spezialausstellungen,

der in den Sammlungsräumen

stattfindet», unterstreicht Quellenberg.

«So geben wir der Bevölkerung etwas zurück,

die mit ihren Steuergeldern knapp die

Hälfte der Kosten des Kunsthauses deckt.»

Gratiseintritt an bestimmten Wochentagen

oder am Sonntag kennen auch andere Kulturinstitutionen.

Doppelter Nutzen

174 Besucherinnen und Besucher von

Wechselausstellungen und 49 der allgemeinen

Sammlung zückten 2009 im Kunsthaus

Zürich die KulturLegi. Dieses Jahr wurden

diese Zahlen schon im ersten Halbjahr

übertroffen. «Wie bei der gesamten Bevölkerung

fand die temporär als Gast im

Kunsthaus gezeigte Sammlung Bührle auch

bei dieser Zielgruppe grossen Anklang»,

begründet Quellenberg. Zurzeit sind in

der ganzen Schweiz über 11 000 KulturLegis

in Umlauf. Die kleine Karte hilft Menschen

mit schmalem Budget, in wichtigen

Bereichen ihres Lebens bei den Leuten bleiben

zu können. Die Anbieter gewinnen damit

begeisterte Kundinnen und Kunden,

ohne dass gleich ihre Kapazitäten überlastet

würden.

«Ein Besuch im Schauspielhaus bleibt

auch mit der KulturLegi ein kostspieliges

Vergnügen», sagt Hamza. «Zum Glück

habe ich mit meiner Mutter in Budapest

schon alle gängigen Opern und Schauspiele

gesehen.» So kann er für diese Besuche getrost

auf bessere Zeiten warten. Einig ist

sich das Paar auch, dass es beim Programm

für die Kinder keine Abstriche geben sollte.

«Es gäbe so vieles, das wir gerne noch machen

würden» – doch diese nicht zu erfüllenden

Wünsche kennen wir alle. Auf den

vergünstigt erhältlichen «Tages-Anzeiger»

verzichten die beiden: «Wir lesen zu wenig

regelmässig Zeitung und kaufen nur einzelne

Ausgaben.» Dankbar erinnert sich Simone

Meier an Orte, wo sie die KulturLegi

zückte, ohne sicher zu sein, ob sie akzeptiert

würde. «Doch wie für AHV-Berechtigte,

Studierende oder Soldaten gab es die

Ermässigung – im sonst teuren Pflaster Zürich

eine grosse Freude und Entlastung.»

www.kulturlegi.ch

Gabor geniesst es, gemeinsam mit seiner Familie spannende Ausflüge zu unternehmen.

Ohne KulturLegi wären diese nicht möglich.

Kommentar

Heinz Altorfer,

Leiter Soziales,

Direktion Kultur

und Soziales,

Migros-Genossenschafts-Bund

KulturLegi – kein Rabattkärtli

Niemand wird bestreiten, dass Kultur,

Weiterbildung und ein aktiver Lebensstil

für alle Menschen wichtig sind

– auch für armutsbetroffene. Die liberale

Gesellschaft überlässt die Initiative

dazu allerdings weitgehend dem Individuum.

Selbstverantwortliches Handeln

setzt jedoch persönliche Kompetenzen

und die Integration in sozialen

Netzwerken voraus. Armutsbetroffene

sind dabei besonders gefordert. Die KulturLegi

setzt daher am richtigen Punkt

an: Sie bietet über eine rein materielle

Vergünstigung hinaus Anreize zur Stärkung

von Selbstkompetenz und zur Teilhabe

am gesellschaftlichen Leben. Sie

ist kein Rabattkärtli, sondern ein Ausweis

für praktizierte Selbstverantwortung

unter materiell erschwerten Bedingungen.

Das macht sie so überzeugend,

auch als Partner für das Migros-Kulturprozent.

Dieses ist seit Gottlieb Duttweiler

geprägt von der Leitidee, interessierten

Menschen Zugang zu kulturellen

Leistungen, zur Weiterbildung und zum

gesellschaftlichen Leben zu verschaffen.

Ein reiches Angebot von wirksamer

Qualität und Innovation ist der stärks te

Anreiz dazu. Die aktive Einladung zur

Partizipation an diesen Angeboten ein

weiterer. Das Migros-Kulturprozent freut

sich auf die Menschen mit KulturLegi,

die sich den Zugang zu den Bildungsangeboten

der Klubschulen Migros und zu

den kulturellen Aktivitäten verschaffen

wollen.

www.migros-kulturprozent.ch

www.klubschule.ch

Text: Urs Walter; Fotos: Urs Siegenthaler

2/10 Nachbarn Caritas

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Hintergrund: KulturLegi

Ein wirksames Instrument zur

sozialen Integration

Arm sein ist mehr als nur wenig Geld haben. Für Armutsbetroffene sind Bildung, Beziehungen

und Prestige genauso wichtig wie die finanziellen Ressourcen. Soziale Integration findet

auf all diesen unterschiedlichen Ebenen statt – dank der KulturLegi.

Betrachten wir alltägliche Ereignisse und

zwischenmenschliche Begegnungen für

einmal als Spiel. Gemäss dem Soziologen

Pierre Bourdieu verfügen wir Menschen

über unterschiedliche Fähigkeiten und

Möglichkeiten. Diese setzen wir je nach

Situation ein und passen sie gegebenenfalls

an. Neben dem ökonomischen Kapital

(Einkommen und Vermögen) stehen

uns soziales Kapital (Beziehungen), symbolisches

Kapital (Prestige) und kulturelles

Kapital zur Verfügung. Letzteres meint vor

allem die Bildung, die vorwiegend im Rah-

men der Familie weitergegeben oder ermöglicht

wird. Soziale Ungleichheit und

der Auf- und Abstieg entstehen gemäss

Bourdieu aus einem Zusammenspiel dieser

verschiedenen Ressourcen. So kann zum

Beispiel eine Investition in die Bildung zu

einem Vorrücken auf dem Feld des ökonomischen

Kapitals verhelfen. Oder der Verlust

von wichtigen Beziehungen hat zur

Folge, dass man beim symbolischen und

ökonomischen Kapital ein paar Felder zurückgeworfen

wird.

Wer nicht mithalten kann, fällt raus

Das Leben ist aber kein Spiel: Armutsbetroffene

Personen in der Schweiz verfügen

nicht nur über weniger finanzielle Mittel,

sondern auch über eingeschränkte Handlungs-

und Teilnahmemöglichkeiten. Sie

sind oft von Teilbereichen unserer Gesellschaft

ausgeschlossen. Die soziale Integration

oder eben der Erhalt und Aufbau von

sozialem, symbolischem und kulturellem

Kapital sind somit zentrale Funktionen in

der Armutsprävention und -bekämpfung.

8

Caritas Nachbarn 2/10


Solidarische

Angebotspartner

Im Zentrum steht dabei die Bildung.

Wer da nicht mithalten kann, fällt rasch

aus dem System heraus. Fast genauso wichtig

sind soziale Beziehungen, die man aufbaut

und pflegt, indem man zum Beispiel

bei kulturellen oder sportlichen Aktivitäten

mitmacht. Nur wer sich auf den unterschiedlichen

Ebenen aktiv beteiligen kann,

ist und bleibt integriert.

Armut vermeiden

Von der KulturLegi profitieren die von

Armut am meisten betroffenen Gruppen:

Kinder und Jugendliche, Einelternfamilien,

Personen ohne Ausbildung oder mit

Migrationshintergrund. Die vergünstigten

Bildungsangebote erleichtern die Weiterbildung.

Die ermässigten Eintritte in Kulturinstitutionen

ermöglichen der ganzen

Familie den Erwerb von Bildung im weitesten

Sinne. Vergünstigte Sportmöglichkeiten

tragen zur Gesundheitsförderung

bei – was gerade bei Armutsbetroffenen

wegen des höheren Krankheitsrisikos von

zentraler Bedeutung ist. Kurz: Die Kultur-

Legi hilft, soziale Isolation und Vereinsamung

zu vermeiden.

In der Schweiz ist etwa jede zehnte Person

arm. Ohne Betagte und Kleinkinder,

die nur bedingt eingerechnet werden können,

könnten also rund 600 000 Personen

die KulturLegi beziehen und nutzen. Denn

sie kann für all diese Menschen eine Unterstützung

leisten. Die KulturLegi hat damit

ein hohes Potenzial, Armut zu vermeiden

und Wege aus der Armut zu erleichtern.

Chancengleichheit auf allen Ebenen

Die Armutsstrategie des Bundesrates, die

im März 2010 veröffentlicht wurde, zeigt,

dass Armutsprävention breit angegangen

werden muss, damit etwas erreicht werden

kann. Diesen Ansatz verfolgt Caritas schon

seit langem. Wollen wir keine Zweiklassengesellschaft,

ist es wichtig, Chancengleichheit

auf den verschiedensten Ebenen herzustellen.

Nicht nur die Integration in den

Arbeitsmarkt, sondern eben auch die sozialen

Aspekte müssen gewichtet werden. Die

KulturLegi leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Die KulturLegi ermöglicht es über 11 000 Nutzerinnen und

Nutzern, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

KulturLegi vorhanden

Einführung im nächsten Jahr

Bereits 1996 lancierte die IG Sozialhilfe in

Zürich die Idee, mit einer KulturLegi Personen

mit begrenzten finanziellen Mitteln

den Zugang zu Kultur-, Bildungs- und

Sportanlässen zu ermöglichen. Diese Idee

wurde von Caritas in verschiedenen Kantonen

weiterentwickelt: Heute hat die KulturLegi

über 11 000 Nutzerinnen und Nutzer

in der ganzen Schweiz. Erhältlich ist

sie bisher in Freiburg und Region, in Chur,

im Kanton Bern und im Kanton Zürich sowie

in den Zentralschweizer Kantonen Luzern,

Nidwalden, Obwalden, Uri, Schwyz

und Zug. Mehr als 800 Angebotspartner

aus den Bereichen Sport, Bildung und Kultur

zeigen sich solidarisch und gewähren

Links und Publikationen

Einführung in PLanung

keine KulturLegi

für Inhaberinnen und Inhaber der Kultur-

Legi grosszügige Rabatte.

Die KulturLegi ist ein persönlicher,

nicht übertragbarer Ausweis. Berechtigt

sind alle Personen, die am oder unter dem

Existenzminimum leben und zum Beispiel

Sozialhilfe, Zusatzleistungen oder individuelle

Krankenkassenprämienverbilligung

beziehen. Gegen Vorweisen der KulturLegi

erhalten sie Vergünstigungen bis zu 70 Prozent.

Die KulturLegi ist ab Ausstellungsdatum

ein Jahr gültig. Eine Verlängerung für

das erste Familienmitglied kostet 20 Franken,

für das zweite 10 Franken, ab dem dritten

ist sie gratis.

Informationen

über Standorte, Berechtigungskriterien, Bezugsmöglichkeiten und Angebote der KulturLegi finden

Sie unter www.kulturlegi.ch.

Zum Begriff der sozialen Integration:

Rahel Strohmeier, Carlo Knöpfel: Was heisst soziale Integration? Öffentliche Sozialhilfe

zwischen Anspruch und Realität, Caritas Schweiz, Luzern 2005.

Pierre Bourdieu: Ökonomisches Kapital – Kulturelles Kapital – Soziales Kapital. In: Reinhard

Kreckel: Soziale Ungleichheiten, Göttingen 1983, S. 183–198.

Texte: Bettina Zeugin, Irène Barmettler; Grafik: Martin Blaser

2/10 Nachbarn Caritas

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Persönlich

Antoinette

Hunziker-Ebneter

ist Geschäftsführerin und Gründungspartnerin

der Forma Futura Invest AG,

einer unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft

mit Fokus auf

Anlagen, die eine nachhaltige Lebensqualität

fördern. Zuvor war sie in verschiedenen

Finanzinstituten tätig,

unter anderem als Vorsitzende der

Schweizer Börse.

«Mit unseren Ressourcen

verantwortungsbewusst umgehen»

Was würden Ihre Nachbarn über Sie

sagen? Ich habe meine Nachbarin direkt

gefragt und sie meinte, ich sei offen, liebenswürdig

und habe keinen Gesellschaftsdünkel,

da ich den Kontakt mit Menschen

unterschiedlicher Herkunft suche und

schätze. Das stimmt wohl.

Wann sind Sie glücklich? Wenn ich

zum Glück meines Sohnes, meines Lebenspartners,

meiner Mitarbeitenden und Geschäftspartner

beitragen kann. Und wenn

ich mir gesetzte Ziele erreichen kann, die

einen Beitrag für eine bessere Lebensqualität

leisten.

Wie haben Sie das letzte Mal jemandem

geholfen? Neulich mit einer Einzahlung

für die notleidenden Menschen in

Pakistan. Es tut mir weh, diese Bilder zu

sehen, und ich danke dem Herrgott, dass

wir es hier so gut haben. Das sollten wir zu

schätzen wissen.

Warum braucht es Caritas? Caritas hilft

unbürokratisch und effizient im Ausland,

aber auch im Inland. Das finde ich wichtig,

denn wir haben auch in der Schweiz

immer mehr Familien, die in der aktuellen

wirtschaftlichen Lage in eine Notsituation

rutschen, und hier kann Caritas Unterstützung

leisten.

Wofür lohnt es sich, zu streiten? Für

ein funktionierendes, friedliches Zusammenleben

aller Menschen im Einklang mit

der Natur.

Was stimmt Sie zuversichtlich? Dass

immer mehr Menschen mit unseren Ressourcen,

auch den finanziellen, verantwortungsbewusst

umgehen wollen. Hier einen

kleinen Beitrag leisten zu können, ist für

mich eine Lebensaufgabe.

Eine für Sie bedeutende Person in

Ihrem Umfeld? Die Zürcher Unternehmerin

Rosmarie Michel, die «Mikrofinanz»

erfunden hat, noch vor dem Nobelpreisträger

Muhammad Yunus, und sich seit

vielen Jahren für die Gleichberechtigung

einsetzt. Sie hat als Erste im Rahmen von

«Women’s World Banking» Mikrokredite

an Frauen vergeben, die ein Geschäft aufbauen

wollten. Somit werden die Frauen unabhängiger

und bezahlen mit dem selbstverdienten

Geld den Unterhalt der Familie

und die Ausbildung der Kinder. Rosmarie

Michel hat ihre Lebensaufgabe gefunden

und setzt sie konsequent um, basierend auf

ihren Werten. Das versuche ich auch.

Woher stammen Ihre Werte? Von

meinem Elternhaus. Ich habe mich mit 45

entschieden, diese Werte noch viel konsequenter

zu leben, beruflich und privat,

und habe darum «Forma Futura Invest»

gegründet zusammen mit Partnern, welche

die gleiche Wertebasis haben.

Welche Sünde begehen Sie mit

Freude? Zu viele Süssigkeiten essen.

10

Caritas Nachbarn 2/10

Bild: zvg


Caritas-Netz

«schulstart+»: Einmaleins für Eltern

Das Caritas-Projekt «schulstart+» bringt jungen Müttern und Vätern mit Migrationshintergrund

das Schweizer Schulsystem näher und unterstützt sie mit alltagsnahen Infos bei der

Erziehung und Förderung ihrer Kleinkinder. Ein Integrationsprojekt mit Langzeitwirkung.

tur – so, wie es die Eltern aus ihrer eigenen

Kindheit oft gut kennen – viel mehr profitieren

können. Nicht alle Schweizer Gepflogenheiten

sind nachahmenswert.

Auch in der Schweiz erfolgreich in die Schulzeit zu starten ist für Migrantenfamilien besonders wichtig.

Ein Znüni? Nein, das kennt man in Eritrea

nicht. Das Zvieri hingegen gibt’s auch

im ostafrikanischen Vielvölkerstaat: meistens

ein Stück Brot und eine Tasse Tee. Die

Frauenrunde – eritreische Mütter, die eritreische

Übersetzerin, die schweizerische

Kursleiterin – lacht belustigt. Immer wieder

finden sich Berührungspunkte zwischen

dem Alltag in der Schweiz und dem

Leben in Eritrea, und immer wieder finden

sich Unterschiede. Wie Himmel und Erde

sei das manchmal, sagt eine der Mütter auf

Tigrinya, eine der Sprachen Eritreas. Wie

Tag und Nacht, übersetzt die Dolmetscherin.

Allseitiges Kopfnicken.

Ein Elternbildungsprojekt

Unterschiede benennen, Gemeinsamkeiten

erkennen, Ressourcen stärken, Wissenslücken

füllen, Wege aufzeigen, Fragen

beantworten – um all das geht es in den

zwischen vier und acht Nachmittage dauernden

Kursen des Caritas-Projekts «schulstart+»,

das sich an Migrationsfamilien mit

Kleinkindern wendet. «schulstart+» ist ein

Elternbildungs- und Frühförderungsprojekt;

die drei im Zentrum stehenden Themenbereiche

Familie, Freizeit/Gesellschaft

und Schule decken ein breites Spektrum

von Fragen ab, die sich jungen, mit der

Schweiz noch nicht vertrauten Eltern stellen

können. Ziel ist eine gute Vorbereitung

auf den Kindergarten und die Schule – Kinder

aus Migrationsfamilien sollen dieselben

Chancen haben wie ihre einheimischen Kameraden.

Alltagsnahe Wissensvermittlung

In den Kursen von «schulstart+» geht es

zum Teil um grosse Dinge wie die Struktur

des Schulwesens, aber oft stehen ganz

praktische Fragen im Zentrum. Zu wissen,

dass das Kind ein Znüni in den Kindergarten

mitnehmen soll und welche Nahrungsmittel

in die Znünitasche gehören und welche

nicht, ist wichtig. Genauso wichtig wie

etwa das Wissen, dass der hierzulande verbreitete,

ausgedehnte Fernsehkonsum nicht

erstrebenswert ist für Kinder, sondern dass

diese vom Herumtollen in der freien Na-

Das Beispiel Aargau

Das Caritas-Projekt «schulstart+» gibt es

bis jetzt in vier Kantonen: Freiburg, Graubünden,

Zürich und Aargau. Im Aargau

läuft es seit Anfang 2009; finanziell unterstützt

wird es durch Swisslos Kanton Aargau,

das Migrationsamt, die Fachstelle

Integration und Beratung Kanton Aargau,

das Bundesamt für Migration (BFM)

und Schulen oder Integrationsorganisationen

vor Ort. Bis jetzt sind Kurse mit albanischen,

türkischen, tamilischen und eritreischen

Eltern realisiert worden. Für die

mit der Durchführung von «schulstart+»

betrauten Mitarbeiterinnen Karin Knobel

und Rebekka Wieland ist klar, dass das Verteilen

von Flyern allein nicht ausreicht, um

Mütter und Väter zu einer Kursteilnahme

zu motivieren. Es braucht den persönlichen

Kontakt – Telefonate, Mundpropaganda –,

damit sich Eltern auf das Projekt einlassen.

Karin Knobel und Rebekka Wieland

ziehen eine positive Bilanz der ersten anderthalb

Jahre. Eine der schönsten Rückmeldungen

gab es von einer Schulleitung:

Eine eritreische Familie habe sich noch vor

Schuleintritt des Kindes im Schulhaus gemeldet

und den Kontakt zum Team gesucht.

Karin Knobel: «Mit ‹schulstart+› wollen wir

Eltern unter anderem ermutigen, sich aktiv

mit Kindergarten und Schule auseinanderzusetzen.

Feedbacks dieser Art zeigen uns,

dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Text: Ursula Binggeli; Bild: Jiri Vurma 2/10 Nachbarn Caritas 11


Caritas-Netz

«Meine Einstellung zum Tod hat

sich geändert»

Caritas bildet Menschen aus, die Schwerkranke und Sterbende

in der letzten Lebensphase begleiten. Wir sprachen

mit Diana Cadruvi, die einen Kurs in Illanz besucht hat.

«Caritas-Markt –

gesund!»

In der reichen Schweiz

haben nicht alle Menschen

gleiche Chancen auf ein

gesundes und langes Leben.

Gerade im Bereich «Ernährung

und Bewegung» zeigt

sich: Armut macht krank.

«Nachbarn»: Sie begleiten Menschen

in sehr intimen Momenten. Was beschäftigt

Sie dabei?

Diana Cadruvi: Bis jetzt habe ich nur

schöne Erlebnisse gehabt. Das tönt vielleicht

etwas komisch. Aber die Menschen,

die ich begleite, sind oft schwer krank und

wünschen sich nichts anderes, als zuhause

im Kreise ihrer Liebsten sterben zu können.

Sie gehen gerne und strahlen eine tiefe

Ruhe aus. Zum Beispiel der alte Mann, der

schon tagelang nichts mehr zu sich genommen

hatte und mich noch um einen letzten

Kafi-Schnaps bat. Er genoss ein paar Löffel

davon. Am nächsten Tag ist er gestorben.

Das nimmt einen natürlich mit, man

muss sich abgrenzen können. Aber meine

Einstellung zum Tod hat sich geändert: Die

Angst ist weg.

Warum haben Sie den Grundkurs

«Begleitung in der letzten Lebensphase»

besucht?

Ich arbeite für die Spitex und komme

dabei oft mit Menschen in Kontakt, die im

Der Grundkurs «Sterben und Trauern» lehrt den Umgang mit dem Tod.

Sterben liegen. Ihre Angehörigen kommen

jeweils mit vielen Fragen auf mich zu. Ich

wollte lernen, diesen Fragen professionell zu

begegnen. Die Beispiele der anderen Kursteilnehmenden

und die Erfahrung der Leiterin

haben mir dabei geholfen.

Welche Fragen beschäftigen die Angehörigen,

wenn jemand im Sterben

liegt?

Oft habe ich das Gefühl, dass die Sterbenden

spüren, wann es so weit ist. Sie essen

und trinken nicht mehr. Die Angehörigen

wollen dann wissen, wie lange es noch geht.

Oder wie sie nun die Medikamente weiterhin

verabreichen können. Manche Fragen

können beantwortet werden, andere nicht.

Ich versuche, für die Angehörigen ein offenes

Ohr zu haben und sie da zu unterstützen,

wo es mir möglich ist.

Über ein Drittel der Erwachsenen und ein

Viertel der Kinder und Jugendlichen in der

Schweiz sind übergewichtig – Personen mit

tiefer Schulbildung rund dreimal so häufig

wie Personen mit einem Hochschulabschluss.

Denn bei knappem Budget fehlt oft

das Geld für gesundes Essen: Nahrungsmittel

mit hohem Fett- und Zuckergehalt

sind billiger als Obst und Gemüse.

Mit dem Projekt «Caritas-Markt – gesund!»

leistet Caritas in Zusammenarbeit

mit Gesundheitsförderung Schweiz einen

innovativen Beitrag zur gesundheitlichen

Chancengleichheit. In den Caritas-Märkten

können Armutsbetroffene frisches Obst

und Gemüse besonders günstig kaufen. Zusätzlich

bietet der Caritas-Markt Informationen

und preisgünstige Produkte an, um

gesunde Ernährung und Bewegung im Alltag

zu verankern. Das mehrjährige Projekt

wird wissenschaftlich begleitet durch die

Universität Bern.

www.caritas-markt.ch

www.gesundheitsfoerderung.ch

12 Caritas Nachbarn 2/10 Texte: Ariel Leuenberger, Adrian Wismann; Bilder: Urs Siegenthaler, Andreas Schwaiger; Collage rechts: Martin Blaser


Schmales Budget, volles Programm

dank der KulturLegi

Collage: Martin Blaser

1/10 Nachbarn Caritas

19


Kiosk

KulturLegi beider Basel

Was sind «colour key» und «Familienpass»

Seit Ende der 1990er-Jahre beschäftigt

sich Caritas beider Basel einmal

mehr, einmal weniger intensiv mit der

Frage einer Kulturlegi für die Region.

Massgebend für diese «Wellenbewegungen»

sind Aktivitäten auf dem

politischen Parkett wie auch verschiedene

Initiativen im Umfeld.

So ist erstmals 2001 die Kulturlegi

Thema im Grossen Rat des Kantons

Basel-Stadt. 2005 und 2009 folgen

weitere Ausführungen des Regierungsrates.

Der nächste Bericht ist

für 2011 geplant.

2003 wird im Landrat des Kantons

Basel-Landschaft die Überweisung

des Postulats «Einführung einer ‹Kulturlegi›»

abgelehnt.

Für Jugendliche zwischen 15 und 25

Jahren besteht seit 1990 der «colour

key». 2004 wird der «Familienpass»

aus der Taufe gehoben.

Zwei Jahre später beschliessen die

regionalen Caritas-Stellen und Caritas

Schweiz, die Kulturlegi möglichst

in allen Kantonen der Schweiz

zu lancieren. Dazu wird eine gemeinsame

Geschäftsstelle eingerichtet,

die sich unter anderem um nationale

Angebote bemüht. Daraus entsteht

2010 die Zusammenarbeit mit dem

Migros-Kulturprozent.

Ebenfalls 2010 gibt die Christoph-

Merian-Stiftung den Armutsbericht

Basel-Stadt heraus. Darin lautet die

26. von 43 Handlungsempfehlungen:

«‹Kulturlegi› für alle Armutsbetroffenen

prüfen». So sollen Kultur- und

Freizeitangebote nicht nur für einkommensschwache

Familien und Jugendliche,

sondern auch für andere

Armutsbetroffene zu reduzierten

Preisen zugänglich sein.

«Der ‹colour key› ist die Vergünstigungsund

Freizeitkarte für Jugendliche und

junge Erwachsene im Dreiland. Wenn

du zwischen 15 und 25 Jahre alt bist und

30 Franken bzw. 20 Euro investierst, kannst auch du als User von den rund 200 Vergünstigungen

und über 50 Gratis-Angeboten vom ‹colour key› profitieren.

Den Ausweis für zwei Jahre gibts sogar für 50 Franken oder für 35 Euro.» Aktuell

sind rund 10 000 Karten im Umlauf. (Zitat Webseite www.colour-key.ch)

«Mit dem ‹Familienpass› Region Basel haben

Sie rund 100 Vergünstigungen oder kostenlose

Angebote für die ganze Familie im Sack.

Und es werden laufend mehr.

Für nur 30 Franken profitieren Sie von tollen

Vorteilen in den Bereichen Sport, Kultur

und Unterhaltung, Ausflüge, Ferien, Kurse und

Weiterbildung, Messen und Ausstellungen,

Shopping und Soziales.

Darüber hinaus liefert Ihnen der ‹Familienpass› die neusten Informationen und

wertvolle Tipps rund ums Thema Familie.

Für Familien mit kleinem Portemonnaie gibt es den ‹FamilienpassPlus›. Er enthält

zusätzliche attraktive Angebote.» Aktuell sind rund 9000 Karten im Umlauf, davon

rund 1500 «FamilienpassPlus». (Zitat Webseite www.familienpass.ch)

Und nun die «KulturLegi beider Basel»?

Mit «colour key» und «Familienpass» können Kinder und junge Erwachsene bis

zum Alter von 25 Jahren von günstigen Angeboten profitieren – unabhängig davon,

ob sie armutsbetroffen sind. Solange das jüngste Kind noch nicht 15 Jahre alt ist,

sind auch die Eltern eingeschlossen. Danach und für alleinstehende Personen über

25 fehlt ein Angebot. Hier ist der Bedarf für eine KulturLegi gegeben.

Dabei stellen sich aber verschiedene Fragen:

• Die KulturLegi erwartet, dass ihre Partnerinnen und Partner in der Regel einen Rabatt

von mindestens 30 Prozent auf das Regelangebot gewähren, ohne dass sie dafür

eine Abgeltung erhalten. «Colour key» und «Familienpass» beginnen bei 5 Prozent

und ihre Partnerinnen und Partner werden teilweise entschädigt. Lassen sich mit

diesen Vorgaben genügend und wichtige Partnerinnen und Partner finden?

• «Colour key» und «Familienpass» werden von namhaften Organisationen getragen.

Sind diese und/oder andere bereit, bei der KulturLegi mitzumachen?

• Wie arbeiten «colour key» und «Familienpass» zusammen? Wie würde eine KulturLegi

aufgenommen?

Am 30. August 2010 hat der Vorstand von Caritas beider Basel beschlossen, in

einem Vorprojekt diese und weitere Fragen klären zu lassen. Danach soll entschieden

werden, ob und wie eine KulturLegi beider Basel umgesetzt werden kann. Minimalziel

wäre dabei, dass auch armutsbetroffene Personen aus der Region Basel

die heute schon bestehenden nationalen Angebote wie jene der Migros-Clubschulen

und Zeitungsabonnemente nutzen könnten.

14

Caritas Nachbarn 2/10


Gedankenstrich

Doris Leuthard

Menschen brauchen Perspektiven

Armut stigmatisiert und grenzt aus; Armut kann

Individuen, Familien und damit letztlich die Gesellschaft

schwer beeinträchtigen: Deshalb sind

wir verpflichtet, alles daran zu setzen, damit auch

in einem reichen Land wie der Schweiz alle Menschen

ein ihren Fähigkeiten, ihren Möglichkeiten

und ihrem Einsatz entsprechendes Auskommen

finden. Wir alle müssen uns – und zwar nicht nur

im «Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut

und sozialer Ausgrenzung» – darum bemühen,

dass durch eine gute Grund- und Ausbildung

der Weg für ein würdiges Leben eröffnet wird.

Menschen brauchen Perspektiven und Orientierung.

Die spontane Spende und der freiwillige Dienst

sind zwar ganz wichtig, aber sie reichen nicht aus.

Wir müssen den Menschen vor allem die Fähigkeit

und die Mittel geben, aus eigener Kraft Armut

zu vermeiden oder sie selber zu überwinden.

Die Grundlage dafür sind Bildung und Arbeit. Mit

seiner Strategie zur Armutsbekämpfung will der

Bundesrat darum die Chancengleichheit im Bildungsbereich

fördern, die Massnahmen zur Reintegration

in den Arbeitsmarkt verbessern und

die Familienarmut bekämpfen.

«Die Stärke des Volkes misst sich am Wohle

der Schwachen», so steht es in unserer Verfassung.

Das soll unsere Leitschnur im Kampf gegen die

Armut sein.

Doris Leuthard, Bundespräsidentin

Ende März 2010 hat der Bundesrat

einen Armutsbericht präsentiert.

Damit bekennt er sich zu seiner Aufgabe,

Armut und soziale Ausgrenzung

zu bekämpfen.

Zu finden ist der Bericht unter

www.news.admin.ch/message/index.

html?lang=de&msg-id=32457

Anlässlich des «Europäischen Jahrs

zur Bekämpfung von Armut und

sozialer Ausgrenzung 2010» hat

Caritas die Kampagne «Armut

halbieren» gestartet:

www.armut-halbieren.ch

Bild: zvg 2/10 Nachbarn Caritas 15


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