Absteckung leicht gemacht

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Absteckung leicht gemacht

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Baustellenpraxis

Mit dem Leica Builder wurden die ersten

Baumstandorte des „Klimahains 99“ der

Stadt Nürnberg für unseren Praxistest abgesteckt.

| Fotos: E. Bauer

Absteckung

leicht gemacht

Der Leica Builder – eine kompakte Totalstation - überzeugte bei der

exakten Absteckung der Baumstandorte für den „Klimahain 99“ im

Volkspark Nürnberg.

Von Erwin Bauer,

Hollern-Twielenfleth

Wer Bäume pflanzt, muss wissen wohin. Soll

eine Symbolpflanzung noch dazu einer bestimmten

Geometrie folgen, trifft das in besonderem

Maße zu. Gemeinsam mit Dipl.-Ing.

Walter Brisken, zuständig für die Grünplanung

beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR)

der Stadt Nürnberg, hatten wir für die Initialpflanzung

des ersten Klimahains in Deutschland

die Form der „99“ gewählt. So viele Bäume

wären derzeit (noch) nötig, um einen Bundesbürger

in Sachen CO2-Emissionen auf natürliche

Weise „klimaneutral“ zu schalten.

Absteckung von 23 Baumstandorten

Der Termin für die Anlieferung der Großbäume

mit immerhin rund 40 cm Stammumfang durch

Praxistest

Ausgabe 12 | 10

bi GaLaBau 12 | 10

Dank der Horizontierungshilfe und des Laserlots

lässt sich die kompakte Totalstation sehr schnell

aufstellen.

Kai Laukel dirigiert seinen Kollegen ans Ziel, dabei wird er durch Pfeil- und Entfernungsangaben unterstützt.


i GaLaBau 12 | 10 Baustellenpraxis 17

Mit Fernrohr und Rotlaser wird ein bereits bestehender Baum als ein Fixpunkt für die „Bauachse“ fokussiert.

Danach wird ein zweiter Baum aufgenommen, die Bezugslinie steht.

die Baumschule Lappen rückte immer näher.

Schließlich sollte der erste Abschnitt des Hains

noch vor der Eröffnung der GaLaBau-Fachmesse

gepflanzt sein. Da keine Kostenstelle

für die Absteckung der Bäume beim zuständigen

Amt vorgesehen war, musste ein Sponsor

gefunden werden. Ich erinnerte mich: Im

vergangenen Jahr hatte ich auf dem DATAflor-

Unternehmertag in Karlsruhe Kai Laukel von

der Firma Leica Geosystems kennen gelernt. Er

hatte auf der Tagung den im GaLaBau erfolgreich

eingeführten Builder, eine kompakte und

„bezahlbare“ Totalstation, gezeigt. Als ich ihm

unser Problem schilderte, war der Regionalleiter

des Vermessungsspezialisten spontan bereit,

das Projekt mit der Absteckung der vorgesehenen

Baumstandorte zu unterstützen.

Als Vertreter der „schreibenden Zunft“ sollte

ich gleichzeitig die Gelegenheit bekommen,

die dafür eingesetzte Totalstation von Leica

selbst einmal in der Praxis kennen zu lernen.

Das nahm ich zum Anlass, mir die Technik für

unseren Praxistest einmal näher anzusehen.

Gut vorbereitet, besser abgesteckt

Anhand des digitalisierten Pflanzplans konnte

sich Kai Laukel ein Bild von der Absteckung

machen. Es mussten 23 Punkte in dem Park

an der Bayernstraße nach einem strengen geometrischen

Muster abgesteckt werden. Ohne

Höhen und Versätze eigentlich eine dankbare

Aufgabe. Kai Laukel wusste aber aus Erfahrung:

„Je besser man sich auf ein solches Pro-

jekt theoretisch im Büro vorbereitet, desto einfacher

gestaltet sich dann die praktische Absteckung

vor Ort.“ Beim eingesetzten Builder

500, dem „Flaggschiff“ der Serie, besteht die

Möglichkeit, alle Punkte z.B. per DXF-Datei in

das Gerät zu laden und die Absteckung durchzuführen,

ohne eine einzige Zahl eingeben zu

müssen. In unserem Fall mit exakt 8 m voneinander

entfernten Rasterpunkten für die „99“

bot sich deren manuelle Eingabe an der Tastatur

des Gerätes an. Wir trafen uns zwei Tage

vor Messebeginn früh morgens auf der für den

„Klimahain 99“ vorgesehenen Grünanlage im

Volkspark Dutzendteich. Kai Laukel und Holger

Fritz vom Nürnberger Leica-Partner Kovacs

und Mangold ließen sich von der nasskalten

Witterung nicht abschrecken. Gerade unter

diesen erschwerten Bedingungen konnte die

Leica-Technik zeigen, was in ihr steckt. Im Nu

war der Builder dank Laserlot und Horizontierungshilfe

inmitten des Geländes aufgestellt

und justiert. Auch in unserem Fall galt: Jede

Absteckung beginnt mit der Erfassung zweier

vorgegebener Fixpunkte. In unserem Beispiel

dienten dafür zwei vorhandene Bäume in dem

Park an der frequentierten Bayernstraße unweit

der Kongresshalle. Die Linie, welche die

beiden Bäume miteinander verbindet, bildet

die so genannte Bauachse. Alle weiteren zu

ermittelnden Punkte werden dann anschließend

auf diese „Nulllinie“ bezogen. Mit Hilfe

der elektronischen Laserdistanzmessung und

der integrierten Winkelmessung kann die kompakte

Totalstation auch Höhen aufmessen und

Die Punkte des Pflanzplans in Form einer „99“ wurden

vor Ort an der Tastatur der Totalstation eingegeben.

abstecken. Doch das konnte bei unserem Projekt

– wie die zahlreichen anderen Möglichkeiten

des Builders – vernachlässigt werden.

Wenige Anläufe bis zum Zielpunkt

Entgegen meiner früheren Vermutung, waren

für die eigentliche Absteckung der Baumstandorte

erstaunlich wenige Schritte notwendig. Es

hieß nur die Rasterpunkte mit der Tastatur im

Gerät einzugeben und dabei ein wenig Kopfrechnen

einzusetzen und den Absteckplan im

Verhältnis zur Bauachse richtig zu interpretieren.

Das gleichbleibende Rastermaß von 8 m

erleichterte dabei die Punkteingabe. Danach

zeigte der Builder sofort die Richtung des Zielpunktes

mit Pfeilen und Entfernungsangaben

an. So konnte der „Mann mit dem Prisma“, in

unserem Fall Holger Fritz, durch Handzeichen

und Zuruf relativ einfach zum Ziel dirigiert

werden. Immer wenn er diesen aus Sicht des

„Mannes an der Station“ erreicht hatte, wurde

das Flachprisma mit dem Rotlaser anvisiert

und die Erst-Messung ausgelöst. Sofort konnte

auf dem Builder abgelesen werden, wie weit

der gemessene Punkt noch vom Zielpunkt entfernt

ist. So wurde das Ganze mit jeweils neuer

Feinjustierung fortgesetzt, bis letztlich der jeweilige

Punkt exakt ermittelt war. Nach wenigen

Durchläufen hatte ich das Prozedere verstanden

und konnte selbst die ersten Punkte

mit dem Builder erfassen. Toll war das Gefühl,

wenn ein Baumstandort millimetergenau in

wenigen Schritten im Zusammenspiel von La-


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Baustellenpraxis

Wenn der Rotlaser das Flachprisma getroffen hat, kann die Messung mit dem Builder gestartet werden, das

geht ruckzuck.

serstrahl und Prisma millimetergenau eingemessen

werden konnte. Es machte Spaß, das

akkustische Signal zu vernehmen, wenn eine

Messung abgeschlossen war. Der drehbare

Kopf des Tachymeters mit dem Zielrohr für den

roten Laserpunkt fand meist bereits nach drei

Anläufen das Ziel. So ließen sich die 23 benötigten

Baumstandorte in kurzer Zeit und mit

einer erstaunlichen Genauigkeit im einstelligen

Millimeterbereich ermitteln. Nun hieß es

nur noch an der jeweiligen Stelle einen Holzpflock

mit einem Vorschlaghammer einzuschlagen

und die Pflanzung der „Klimabäume“

durch die Opitz Großbaumverpflanzung konnte

beginnen.

Intuitive Bedienung einer Totalstation

Mit dem Builder 500 sind im Laserdistanzmessbereich

bis 250 m Genauigkeiten von 1,5 mm

auf 100 m möglich. Selbst reflektorlos kann mit

der Totalstation noch in 80 m Entfernung – je

nach Lichtverhältnissen – auf- und eingemessen

werden. In unserem Fall konnten die 23

Baumstandorte in etwas mehr als einer Stunde

Arbeitszeit abgesteckt werden, und das trotz

des nasskalten Wetters mit teilweise eingeschränkter

Sicht durch das Okular. Hervorzuheben

ist, dass die Bedienung des Builders auch

für einen Laien in relativ kurzer Zeit nachvollziehbar

ist. Mit etwas Unterstützung der Pro-

23 Baumstandorte wurden mit dem Leica Builder für den Klimahain 99 in etwas mehr als einer Stunde Arbeitszeit

exakt abgesteckt.

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Millimetergenau werden die Baumstandorte erfasst,

dann muss nur noch der Pflock eingeschlagen werden,

die Pflanzung kann beginnen.

fis konnte ich die Rasterpunkte aus dem vorher

vorbereiteten Absteckplan an der Tastatur

eingeben. Alles in allem gestaltete sich die Absteckung

wesentlich einfacher und intuitiver,

als vorher angenommen. Natürlich handelte

es sich bei unserem Beispiel um ein einfache

Punktabsteckung ohne Höhen. Das Leistungsspektrum

des Builders ist natürlich um ein Vielfaches

größer. So lassen sich dank des USB-

Anschlusses selbst komplexe Absteckpläne

mit allen Punktnummern und Höhenangaben

einlesen oder aufgemessene Punkte auslesen

und weiterverarbeiten. Die Bandbreite der

Möglichkeiten der kompakten Totalstation ist

enorm, wie das ausführliche Tutorial des Builders

zeigt. Dank einstellbarer Funktionen wie

Absteckung, Aufmaß oder Fläche reduziert das

Gerät die notwendigen Arbeitsschritte jedoch

auf ein Minimum. Natürlich ist auch bei der Absteckung

noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Jeder, der sich ein solches High-tech

Gerät anschafft, muss sich mit dem Thema eingehend

auseinandersetzen, bevor er produktiv

damit arbeiten kann. Ein „Hexenwerk“, nur

von Vermessern anwendbar, ist die Technik

aber längst nicht mehr. Wir können den interessierten

Landschaftsbauern nur empfehlen,

sich den Leica Builder einmal näher vorführen

zu lassen. www.leica-geosystems.de

Ergebnis des Praxistests

Baustellengerechte und intuitiv bedienbare

Einsteiger-Totalstation. (5 von 5) ❚

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