Spektakuläre Kriminalfälle - Kripo.at

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HISTORIESpektakuläreKriminalfälleIm Rahmen der Ausstellung “Geschichte des Grauen Hauses” befasstensich zwei Vorträge mit dem Themenkreis: “Spektakuläre Kriminalfälle”.Am 4. September 2012 durfte ich im Großen Schwurgerichtssaal voretwa 250 Besuchern sprechen.Es war ein beeindruckendes Gefühl einmalan der Richterbank auf dem Stuhl desVorsitzenden sitzen zu dürfen. Als Polizistwurde man ja fallweise als Zeuge geladenund stand dann vor dem Richtertisch, umStellung zu nehmen. Der Große Schwurgerichtssaalim Grauen Haus beeindrucktallein schon durch seine Dimensionen.Ich berichtete über die Geschichte desSicherheitsbüros und meine beruflicheZeit als letzter Vorstand dieser Einrichtung.Einen ganz entscheidenden Beitragzur inhaltlichen Gestaltung der Arbeit vonPolizei- und Justiz lieferte der Grazer KriminologeUniv. Prof. Dr. Hans Groß. DDr.Christian Bachhiesl schrieb in seinemBuch „Der Fall Josef Streck“: „In Graz hattesich neben dem Strafrecht eine weitereWissenschaft etablieren können, die sichmit dem Verbrechen und den Verbrechernauseinandersetzte: die Kriminologie.Nach lange Jahre währenden Ringen umdie Erhöhung der Kriminologie zu einer eigenständigenWissenschaft war es HansGroß (1847-1915), dem nachmals für seineVerdienste als „Vater der Kriminologie“betitelten Juristen und zähen Bekämpferaller nur denkbaren Formen des Verbrechens,gelungen, ein eigenes Institut fürKriminologie an der Grazer Universität zuetablieren und diesen Forschungsbereichvon seinem Status als bloße Hilfswissenschaftdes Strafrechts zu befreien. HansGroß leitete das Institut für Kriminologiebis zu seinem Tode im Jahr 1915. Mit seinem„Handbuch für Untersuchungsrichter,Polizeibeamte, Gendarmen …“, Graz1894, schuf er Standards der Tätigkeit vonJustiz und Polizei, die bis heute Gültigkeithaben.Die sieben Goldenen „W“Die sieben Goldenen „W“ der Fragetechnikbilden die unverzichtbare Grundregeljedes Verhörs (Was, Wann, Wo, Wie, Womitgeschah von Wem und Warum).Auf diesen theoretischen und praktischenGrundlagen der Grazer Schule der Kriminalistikschuf die Wiener Schule der Kriminalistikim Zusammenwirken mit derWiener Schule der Gerichtsmedizin einewesentliche Qualitätsverbesserung derkriminalistischen Arbeit. Da in der Gründerzeitder Zuzug nach Wien sehr starkanstieg, verschlechterten sich die sozialenLebensbedingungen der Menschenund auch die Kriminalität nahm zu. DieserNährboden für Gewaltdelikte führte zueiner Verbesserung der Kriminaltechnik,einer engen Kooperation mit der WienerGerichtsmedizin und zu einer Blüte derDer KlimtsaalPräsident und Gastgeber Mag. Forsthuberwar sichtlich beeindruckt28


HISTORIEWiener Schule der Kriminalistik. Die WienerPolizei erlangte ein derart hohes Niveau,dass sie anfangs des 19. Jahrhundertals die „weltbeste Polizei“ anerkanntwurde. Dr. Hans Schober, Präsident derPolizei in Wien, konnte auf Grund dieserRahmenbedingungen die Gründung derInterpol in Wien im Jahre 1923 verwirklichen.An Hand historisch relevanter Kriminalfälleschilderte ich einige Details derArbeitsweise der Kriminalpolizei:Der Mord an dem Mannequin Ilona Faber,die am 15. April 1958 beim Russendenkmaltot aufgefunden wurde, erregte beider Wiener Bevölkerung große Aufmerksamkeit.Ein verdächtiger Strotter, JohannGassner, damals dreißig Jahre alt, auf denetliche Indizien passten wie: einschlägigeVorstrafen, Bewegungsprofil, gefundeneFußabdruckspuren, Samenflecken inseiner Unterhose, auffälliger Biss in dieBrust des Opfers, der auf seine Täterschaftschließen ließ, reichten aber nichtaus das Geschworenengericht von seinerSchuld zu überzeugen. Gassner wurdevon der Mordanklage freigesprochen. ImJahr 2002 fand dieser Fall seine späteKlärung. Ein Hinweis einer Frau, die ihrenverstorbenen Gatten der Ermordung IlonaFabers bezichtigte, da dieser die Tat amSterbebett gestanden hätte, konnte durchneue Ermittlungen und moderne wissenschaftlicheMethoden widerlegt werden.Gleichzeitig wurde Johann Gassner dieTäterschaft zweifelsfrei nachgewiesen.Das Computersimulationsverfahren desSchweizer Gerichtsmediziners Bruschweiler,der in Zusammenarbeit mit demGerichtsmediziner Manfred HochmeisterFür ein volles Haus sorgten die zahlreichen Besucherdas Sicherheitsbüro unterstützte, erbrachteFall wurde „geklärt“, die Saliera wurdeeinen schlüssigen Beweis.An Hand weiterer spektakulärer Kriminalfällewie: Opernmord 1963, Herrschaftder Wiener Unterwelt 1976-1978, RAF-Terrorismus in Österreich 1976 und 1977,Frauen- bzw. Kindermorde in Favoriten1988 bis 1990, Causa Lainz der mörderischenKrankenschwestern 1989 bis1990, Formen der internationalen Kriminalität,„Russenmafia" 1996, italienischeRaubmörder 1998 und italienische Bankräuber1998 wurden die Methoden der Kriminalpolizeibei Nachforschungen, Ermittlungenund Einvernahmen anschaulichdargestellt. Als letztes Fallbeispiel brachtedem Kunsthistorischen Museum 2006 zurückerstattet.Wie aber der Diebstahl tatsächlicherfolgte, blieb im Dunklen.Die abschließende Diskussion zu PolizeiundStrafprozessreform führte zu der Frage,welche Anforderung an Staatsanwaltschaften,Gericht und Polizei zukünftiggestellt werden. Der Hausherr und GastgeberMag. Friedrich Forsthuber, Präsidentdes Landesgerichtes für StrafsachenWien, sprach die neuen Rollenbilder unddas Selbstverständnis von Justiz und Polizeian. Eine gute Zusammenarbeit zwischenJustiz und Polizei wird aber immerder Schlüssel zum Erfolg bleiben.ich den Diebstahl der Saliera vom 11. Mai2003 im Kunsthistorischen Museum. Der• M a x i m i l i a n E d e l b a c h e rDie dunkle Seite von WienDer Sutton Verlag ermöglicht es die spektakulären Kriminalfälle meiner Zeit als aktiver Polizist, späterdann als Special Investigator der AVUS GROUP, veröffentlichen zu können. Zwei Ausstellungen,die in Wien in den Jahren 2012 und 2013 veranstaltet werden, sind Motiv für dieses Buch. Die Ausstellung„Die Geschichte des Grauen Hauses und der österreichischen Strafgerichtsbarkeit“ findetvom 14. Juni bis 10. November 2012 im Landesgericht für Strafsachen Wien stattf. Die zweite Ausstellungbeschäftigt sich mit dem Thema „Glückspiel“. Diese Ausstellung wird vom Oktober 2012 bisMärz 2013 im Museum der Stadt Wien gezeigt werden.Interessenten an diesem Buch wenden sich bitte an unsere Redaktion bzw. das Sekretariat der VKÖ- siehe Impressum29

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