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Die Neue Hochschule Heft 4/2015

Zeitschrift des hlb Hochschullehrerbund e.V. Themenschwerpunkt: Europa - Kontinent der Chancen

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Themenschwerpunkt: Europa - Kontinent der Chancen

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DNHE c k h a rd F re y e r Europäische Integration und deutsche FachhochschulenWa l t e r L e a l Das Baltic University Programme: ein Hochschulnetzwerk für die Kooperationmit EU- und Nicht-EU-LändernM a rc o A l t h a u s Sie kennen nur Europas Krise – Eine Reflexion zum ModellstudiengangEuropäisches ManagementJ o a c h i m R i e d l , F r a n k S c h ä f e r, M i c h a e l S e i d e l , B e r n d Wo l f r u m ,S e b a s t i a n Z i p s u n d A n n a - K a t h a r i n a P l e i e r Europäische Potenziale am Beispielder deutsch-tschechischen Zusammenarbeit im Destinationsmarketing und auf Hochschulebenef ü r a n w e n d u n g s b e z o g e n e W i s s e n s c h a f t u n d K u n s tZ 12916 F Postvertriebsstück ❙ Entgelt bezahlt ❙ Wienands PrintMedien GmbH ❙ Linzer Straße 140 ❙ 53604 Bad Honnef ❙ ISSN 0340-448 xDie Neue HochschuleEuropa –Kontinentder ChancenHeft 4 – Jahrgang 2015


Seminartermine2015Fr. 2. OktoberFr. 23. OktoberFr. 23. OktoberFr. 30. OktoberFr. 6. NovemberFr. 27. NovemberFr. 4. DezemberFr. 8. DezemberBewerbung, Berufung und ProfessurSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:30 Uhr bis 17:00 UhrHochschulrechtSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:00 Uhr bis 17:30 UhrBewerbung, Berufung und ProfessurSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:30 Uhr bis 17:00 UhrPrüfungsrecht und Prüfungsverfahrenan HochschulenIsmaning, Commundo Tagungshotel, 10:00 Uhr bis 17:30 UhrBewerbung, Berufung und ProfessurSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:30 Uhr bis 17:00 UhrPrüfungsrecht und Prüfungsverfahrenan HochschulenSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:00 Uhr bis 17:30 UhrBewerbung, Berufung und ProfessurSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:30 Uhr bis 17:00 UhrBewerbung, Berufung und ProfessurSiegburg, Kranz Parkhotel, 10:30 Uhr bis 17:00 UhrProgramm und Anmeldung auf unserer Homepage unterwww.hlb.de/seminareI M P R E S S U MMit Ihrem Smart -phone gelangenSie hier direkt aufunsere Homepage.Herausgeber: Hochschullehrerbund –Bundesvereinigung e. V. hlbVerlag: hlb, Postfach 20 14 48, 53144 BonnTelefon 0228 555256-0, Fax 0228 555256-99E-Mail: hlb@hlb.de, Internet: www.hlb.deChefredakteur: Prof. Dr. Christoph MaasMolkenbuhrstr. 3, 22880 WedelTelefon 04103 14114E-Mail: christoph.maas@haw-hamburg.deRedaktion: Dr. Karla NeschkeTitelbild: Im Konferenzzentrum der Euro -päischen Kommission verbringen Master-Studierende eine Seminarpause.Foto: M. AlthausHerstellung und Versand:Wienands PrintMedien GmbHLinzer Straße 140, 53604 Bad HonnefErscheinung: zweimonatlichJahresabonnements für Nichtmitglieder45,50 Euro (Inland), inkl. Versand60,84 Euro (Ausland), zzgl. VersandProbeabonnement auf AnfrageErfüllungs-, Zahlungsort und Gerichtsstand istBonn.Anzeigenverwaltung:Dr. Karla NeschkeTelefon 0228 555256-0Fax 0228 555256-99E-Mail: hlb@hlb.deVerbandsoffiziell ist die Rubrik „hlb-Aktuell“.Alle mit Namen des Autors/der Autorin versehenenBeiträge entsprechen nicht unbedingtder Auffassung des hlb sowie der Mitgliedsverbände.


EDITORIAL 109Die europäische Einigung hat schon einen weiten Weg bewältigt. Siebesitzt auch heute noch eine hohe Eigendynamik und stellt uns vorspannende Aufgaben.Foto: S. MaasU N D S I E B E W E G T S I C H D O C H !■■■„Meine ersten 200 Kriegsgefangenen“steht über der Seite des Fotoalbums,das ich im Nachlass meines Vatersfand. Die abgebildeten Italienerwaren im 2. Weltkrieg durch denKurswechsel ihrer Regierung von Verbündetenzu Gegnern geworden.Im Vorschulalter versetzte ich meineEltern einmal in Panik, als ich sie beider Ausreise aus den Niederlandenhörbar darauf hinwies, dass sie aufdie Frage des Grenzbeamten eineTüte Tomaten nicht erwähnt hatten.Als es 1984 erlaubt wurde, mit einergrünen Plakette hinter der Windschutzscheibedie deutsch-französischeGrenze ohne Anhalten zu passieren,baute die ZDF-Serie „Ein Fallfür zwei“ prompt als Nervenkitzeleinen derartigen Grenzübertritt ineine Folge ein.Dass diese Episoden heute unvorstellbarsind, zeigt, wie weit das EU-Europa inden letzten Jahrzehnten vorangekommenist. Wenn es gleichwohl gegenwärtigso scheint, als ob die Schwierigkeitenund Fehlschläge die Erfolge über -wögen, wird die Wahrnehmung auchverzerrt durch die historisch einmaligeAmbition des Projekts. Wenn es zueiner engen Zusammenarbeit gleichberechtigterund unabhängiger Nationenkommen soll, bleibt von Zeit zu Zeit einkräftiges Knirschen im Ge bälk nun einmalnicht aus. Im Gegensatz zu allenGroßreichen der Weltgeschichte werdenzudem in der EU der Zentralinstanz nurdie unangenehmen Nachrichten zugeschrieben,während die Mitgliedsstaatenden Glanz der Erfolge auf sich lenken.Tatsächlich ist viel in Bewegung inEuropa, und es lässt sich viel bewegen.Die Autorinnen und Autoren diesesHeftes beschreiben Entwicklungsperspektiven,die sich für die Tätigkeit anHochschulen eröffnen. Eckhard Freyer(Seite 114) stellt die deutschen Fachhochschulenin den Kontext des europäischenBildungsraums. Walter Leal(Seite 118) zeigt auf, wie 200 Hochschulenbeim Baltic University Project durchein gemeinsames thematisches Interessezu intensiver Zusammenarbeit gefundenhaben. In diesem Verständnis endetEuropa auch keinesfalls an den Grenzender EU. Marco Althaus (Seite 122) führtuns mitten in den Reflexionsprozesseines Europa-Studiengangs, der seineBegründung neu formuliert. JoachimRiedl et al. (Seite 126) schließlich erforschendas Zusammenwachsen der bayerisch-tschechischenGrenzregion.Auch die studentische Sicht kommt zurSprache. Die FH Münster (Seite 130)stellt die Erlebnisse eines ihrer Studentenwährend eines Auslandssemesters inAthen vor, während drei afrikanischeStudierende der TFH Bochum (Seite131) Europa vor allem als Ort einerguten Ausbildung mit ausgezeichnetenBerufsperspektiven erleben. Die HTWSaarland (Seite 136) schließlich bietetschon seit 1978 ein gut nachgefragtesdeutsch-französisches Studienprogramm.Für uns an den Hochschulen bedeutetEuropa die Chance auf neue menschlicheBegegnungen, auf fachlichesWachstum und auf eine Weiterentwicklungunserer Rolle für die Gesellschaft.Was wir daraus machen, haben wirselbst in der Hand.Ihr Christoph MaasFür R., dem ich wünsche, dass er zu einem fröhlichen,neugierigen und unternehmungslustigenEuropäer heranwächst.DNH 4 ❘ 2015


110 INHALTFH-Trends109 Editorial:Und sie bewegt sich doch!114118122126AufsätzeEuropäische Integration unddeutsche FachhochschulenEckhard FreyerDas Baltic University Programme:ein Hochschulnetzwerk für die Ko -operation mit EU- und Nicht-EU-LändernWalter LealSie kennen nur Europas Krise – EineReflexion zum ModellstudiengangEuropäisches ManagementMarco AlthausEuropäische Potenziale am Beispielder deutsch-tschechischen Zusammenarbeitim Destinationsmarketingund auf HochschulebeneJoachim Riedl, Michael Seidel, BerndWolfrum, Frank Schäfer, SebastianZips und Anna-Katharina Pleier112112hlb-AktuellFortsetzung ungleicherWettbewerbsbedingungenZögerliche Verbesserungen für Promotionvon FH-Absolventen113 Neues aus der hlb-Geschäftsstelle130131136137FH Münster„Ich wollte mir ein eigenes Bild vonder Lage vor Ort machen“TFH BochumBrücken nach Europa bauen:TFH zeichnet afrikanische Studierendemit Stipendien ausHTW SaarlandDas Deutsch-Französische Hochschulinstitut(DFHI) an der Hochschule fürTechnik und Wirtschaft des SaarlandesBerichteBad Wiesseer Positionspapierzum Thema Gesellschaftliche Bildungsanforderungenund die Kompetenzender Hochschulen für angewandteWissenschaftenBeim Planspiel „Model European Union” (MEU) verhandeln Wildauer Studierende inder Rolle von Ministern und Diplomaten. Die englischsprachigen Simulationen findenmit bis zu 150 Teilnehmern an ausländischen Partnerhochschulen statt, hier an derUniversity of Exeter (Seite 122).Foto: C. UtechtDNH 4 ❘ 2015


INHALT 111U2ImpressumDas Baltic University Project (BUP) bringt Menschen aus vielen europäischen Nationendurch gemeinsame Fragestellungen zusammen – an Land und auf dem Wasser(Seite 118).Foto: Maria Hejn/Baltic University135 Autoren gesucht140Neue Bücher von Kolleginnen undKollegen141NeuberufeneWissenswertesAus Bund und Ländern138Trennscharfe Unterscheidungzwischen Universitäten und Fachhochschulenkaum mehr möglich132133134135136NiedersachsenLand erleichtert Flüchtlingen denZugang zum StudiumNordrhein-WestfalenMinisterin stellt Rahmenkodex fürgute Beschäftigung vorBayernSynergien nutzen – KooperationenstärkenBundStarke Fachhochschulen für starkeRegionenSachsen-Anhalthlb-Landesverband wählt neuenVorstandDie Studierenden des deutsch-französischen Hochschulinstituts in Saarbrücken unternehmendurchaus auch einmal Reisen zu Fußball-Länderspielen (Seite 136).Foto: dfhi-ISFATESDNH 4 ❘ 2015


112 hlb-AKTUELLFortsetzung ungleicher WettbewerbsbedingungenHochschullehrerbund hlb weist auf die Fortsetzung ungleicher Wettbewerbsbedingungenmit der neuen BMBF-Initiative „FH-Impuls“ hinAm 19. Juni 2015 startete die neue Initiativedes Bundesministeriums für Bildungund Forschung (BMBF) „StarkeFachhochschulen – Impuls für die Region(FH-Impuls)“ mit einem Budget vonbis zu 12,5 Millionen Euro pro Jahrüber acht Jahre. Damit sollen vorhandeneregionale Forschungsschwerpunktean Fachhochschulen mit hohem Transferpotenzialgefördert werden, umderen Kooperationen mit regionalenUnternehmen nachhaltig anzukurbeln.Es sollen jedoch nur zehn Hochschulenfür diese Förderung ausgewählt werden.hlb-Präsident Nicolai Müller-Bromleykritisiert, dass die diskriminierendeBehandlung von Forschung an Fachhochschulendurch diese Einschränkungenfortgesetzt wird. Im Kern ist eineFörderung der anwendungsbezogenenForschung an Fachhochschulen zubegrüßen, weil davon sowohl die gefördertenHochschulen als auch die regionaleWirtschaft profitieren.Es bleibt zu hoffen, dass mit diesemgerade in der laufenden Planungsphaseder neuen Exzellenzinitiative gestartetenProgramm die Fachhochschulennicht ruhiggestellt werden sollen. Dieimmer noch vergleichsweise geringenMittel für die Forschung an Fachhochschulenwerden den vorhandenen Forschungskapazitätenin keiner Weisegerecht. Stattdessen müssen Fachhochschulenbei der Fortführung der Exzellenzinitiativeendlich auch zumindestin Forschungsclustern und -verbündenantragsberechtigt sein.Die auch mit dem neuen Programm„FH-Impuls“ perpetuierte ungleicheMittelverteilung zwischen verschiedenenHochschularten führt zu einemunfairen Wettbewerb. Dieser Zustand istvor dem Hintergrund, dass Fachhochschulenlediglich eine andere Ausrichtungihrer Forschung verfolgen, die sichan der Anwendung von Forschungsergebnissenorientiert, nicht haltbar.Zumindest forschungsstarke Verbündevon Fachhochschulen dürfen nicht vonder Exzellenzinitiative ausgeschlossenwerden. Auch das für Fachhochschulentypische anwendungsorientierte Profilist exzellenzfähig.Die Pressemeldung des hlb finden Sieauf der Homepage unter hlb.de/pressemitteilungen/Zögerliche Verbesserungen für Promotionvon FH-AbsolventenEin Überblick über Aktivitäten in den BundesländernNeue Möglichkeiten zur Promotion fürgeeignete Fachhochschulabsolventenfinden zunehmend Eingang in dieHochschulgesetzgebung. Die bishervom Gesetzgeber präferierte kooperativePromotion hat nicht die erhofftenErgebnisse gebracht. Geeignete Absolventenvon FH stießen in vielen Fakultätender Universitäten auf diskriminierendeHürden und Professoren an FHauf eine ablehnende Haltung der Universitätskollegen.Diesen Problemenwill man in Baden-Württemberg mitersten neuen Ansätzen im Hochschulgesetz(HG) beikommen. Seit dem 9. April2014 gilt dort, dass Professorinnen undProfessoren von HAW in gemeinsamenPromotionsverfahren, insbesondere inPromotionskollegs, „die gleichen Rechtewie ihre Kolleginnen und Kollegen derFakultät erhalten sollen“, d. h. im Regelfall„müssen“ (Hochschulgesetz in Ba -den-Württemberg, § 38 Absatz 6 S. 6).Außerdem können „Hochschullehrerinnenund Hochschullehrer [...] in anderenFakultäten der eigenen oder eineranderen Hochschule durch KooptationMitglied werden“ (HG § 22 Absatz 4 S.2). Demnach können auch Professorinnenund Professoren von FH an Fakultätender Universitäten als kooptiertesMitglied aufgenommen werden und soan deren Promotionsrecht partizipieren.Neu ist auch, dass das baden-württembergischeWissenschaftsministeriumeinem Zusammenschluss von Hochschulenfür angewandte Wissenschaften,dessen Zweck die Heranbildung deswissenschaftlichen Nachwuchses unddie Weiterentwicklung der angewandtenWissenschaften ist, nach evalua -tions- und qualitätsgeleiteten Kriteriendas Promotionsrecht befristet und thematischbegrenzt verleihen kann (HG,§ 76 Abs. 2 S. 2).In Hessen hat die Landesregierung imDezember 2014 einen Gesetzentwurfzur Änderung hochschulrechtlicherVorschriften zur Anhörung vorgelegt,der mittlerweile dem Landtag vorliegtund bereits durch den Wissenschaftsausschussberaten wurde. Der Gesetzentwurferöffnet die Möglichkeit zurVerleihung des Promotionsrechts anforschungsstarke Fachrichtungen derFachhochschulen (§ 4 Abs. 3 des He -ssischen HG). Im Entwurf heißt es:DNH 4 ❘ 2015


hlb-AKTUELL 113„Darüber hinaus kann der Hochschulefür angewandte Wissenschaften durchbesonderen Verleihungsakt des Ministeriumsein befristetes und an Bedingungenge knüpftes Promotionsrecht für solcheFachrichtungen zuerkannt werden,in denen sie eine ausreichende Forschungsstärkenachgewiesen hat.“ DerLandesverband sieht diese Entwicklungpositiv und betont, dass FH kein Interessean missglückten Promotionenhaben können und sich der besonderenAufmerksamkeit der Wissenschaftenbewusst sind. Daher könne auf eineBefristung und Bedingungen verzichtetwerden.Die Landesregierung Schleswig-Holsteinhat im Juni 2015 einen Gesetzentwurfzur Änderung des Hochschulgesetzesin den Landtag eingebracht. Danachsoll ein Promotionskolleg Schleswig-Holstein eingeführt werden (§ 54a), andenen Absolventinnen und Absolventender Fachhochschulen im Rahmenvon Forschungsteams promovieren können,die aus mindestens drei Professorinnenoder Professoren von Fachhochschulenund mindestens einer Universitätsprofessorinoder einem Universitätsprofessorbestehen. Professorinnen undProfessoren an Fachhochschulen könnenim Promotionskolleg mitwirken,wenn ihre Forschungsstärke durch eineexterne Begutachtung positiv evaluiertwurde, sie eine Zweitmitgliedschaft aneiner schleswig-holsteinischen Universitäterworben haben oder wenn siezusätzliche wissenschaftliche Leistungenim Rahmen einer Juniorprofessuroder durch eine Habilitation nachweisenkönnen. Zur Qualitätssicherungwerden Betreuung und Begutachtungder Dissertation in verschiedene Händegelegt. Eine Gutachterin oder ein Gutachtermuss aus einer Universität stammen.Flankierend dazu sollen durcheine Angleichung der Vorlesungszeitenan Universitäten und FachhochschulenKooperationen erleichtert und zusätzlicheFreiräume für die Forschung anFachhochschulen geschaffen werden.Außerhalb der Gesetzgebung haben dieUniversitäten und Fachhochschulen inBayern mit dem BayWiss ein gemeinsamesDach gebildet, unter dem auch ko -operative Promotionen durchgeführtwerden sollen. Sowohl was die Aufnahmevon HAW-Absolventen in Promotionenals auch was die Betreuung dieserPromotionsprojekte durch HAW-Professorinnenund -Professoren betrifft, isteine partnerschaftliche Kooperationvorgesehen. Zukünftig werden in denPromotionsausschüssen der Universitätenals auch bei der Begutachtung derArbeiten gleichberechtigt HAW-Professorinnenund -Professoren eingebunden.Auf der Promotionsurkunde wird diekooperierende HAW explizit genannt.Aus Sicht des hlb gibt es unverzichtbareEckpunkte für die Einführung des Promotionsrechtsfür Fachhochschulen:■Die zum 1. Ja nuar 2015 auf der außerordentlichenMitgliederversammlung inWürzburg be schlossene Beitragsanhebungfür die Bundesvereinigung des hlbzeigt erste Ergebnisse. Zum 1. Junikonnte Dr. jur.Christian Fonk alsneuer Rechtsberatergewonnenwerden. Er unterstütztdie Bundesgeschäftsstelleinder BerufungsundRechtsberatung.GleichzeitigChristian Fonkbetreut und koordinierter denRechtsschutz des hlb. Durch diese personelleVerstärkung im Beraterteam kannkünftig der stetig ansteigende Beratungsbedarfunserer Mitglieder und vonInteressenten für eine Professur an einerFachhochschule/HAW noch schnellerbearbeitet und auch in Stoßzeitensichergestellt werden. Vorgesehen istebenfalls eine weitere Verbesserung desInformationsservices zu rechtlichen Fragenfür hlb-Mitglieder und auf derHomepage des hlb.■Die den Doktorgrad vergebende unddas Verfahren bestimmende Hochschulemuss die jeweilige Fachhochschulesein. Nur so kann die wettbewerbswidrigeAbhängigkeit der Fachhochschulevon ihren unmittelbarenKonkurrenten beendet werden.Fachhochschulen und andere Hochschulen,denen das Promotionsrechtverliehen wird, müssen die Erfüllungder qualitativen Voraussetzungen desPromotionsrechts nachweisen. Füralle Hochschulen muss die Einhaltungdieser Voraussetzungen im zeitlichenVerlauf durch ein Qualitätssicherungssystemüberprüft werden.(siehe auch Müller-Bromley, Nicolai: Fachhochschulenbrauchen das Promotionsrecht. In: Analysen &Argumente. Konrad-Adenauer-Stiftung, Ausgabe153, http://www.kas.de/wf/doc/kas_38593-544-1-30.pdf?140825103422)Hubert MückeNeues aus der hlb-GeschäftsstelleSeit dem 1. Juli2015 ist außerdemdie RechtsanwaltsfachangestellteMyriamFroitzheim für dieGeschäftsstelletätig. Sie nimmtTelefonate undAnfragen entgegenund arbeitetMyriam Froitzheimin den BereichenTerminvereinbarung, Mitgliederverwaltungund Dokumentation von Anfragenunserer Mitglieder. Künftig kann nundie Geschäftsstelle dem Wunsch vielerMitglieder nach einer ganztägigen telefonischenErreichbarkeit gerecht werden.Das Sekretariat ist montags bis freitagsganztägig von 08:30 bis 17:00 Uhrtelefonisch erreichbar.Die Namen und Zuständigkeiten allerMitarbeiterinnen und Mitarbeiter derBundesgeschäftsstelle finden Sie auf derHomepage des hlb unter hlb.de/ueberuns/geschaeftsstelle/Fotos: hlb/Barbara FrommannDNH 4 ❘ 2015


114 FREYEREuropäische Integration unddeutsche FachhochschulenProf. Dr. Eckhard FreyerHochschule MerseburgEberhard-Leibnitz-Str. 206217 Merseburgeckhard.freyer@hs-merseburg.deEckhard FreyerDer europäische Einigungsprozess isthistorisch angesichts Gefahren, Rückschrittenund Scheiterns neben ökonomisch-technischenFortschritten besondersim akademischen Bereich überJahrhunderte entscheidend befördertworden. Aufgrund der aktuellen Euro-Krise und Sorgen um den Grexit 1 reichenderzeit die Urteile vom „Kontinentin der Krise“ bis „Kontinent derverpassten Chancen“. Doch die monetäreIntegration ist nur ein Teil der KonstruktionEuropas. Die ErfolgsgeschichteEuropa erhielt 2012 den Friedensnobelpreisfür den Beitrag der EuropäischenUnion, seit sechs Dekaden für Friedenund Aussöhnung zu sorgen.Im Einigungsprozess hatte der europäischeHochschulsektor keinen hohenpolitischen Stellenwert. Jedoch erfordernzukünftige Herausforderungenbereits heute europäische Hochschulsystemlösungenfür Probleme, die die Einzelstaatenalleine nicht lösen können.Adäquate Bildungsstrukturen könnteneinen erfolgreichen demografischenWandel der 500 Millionen Europäerund ihren Zusammenhalt in relevantenZukunftsfeldern fördern:■ Gesundheit, demografischer Wandelund Wohlergehen,■ Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit,Land- und Forstwirtschaft, maritimeForschung,■ sichere, saubere und effiziente Energie,■ intelligenter, umweltfreundlicherund integrierter Verkehr,■ Klimaschutz, Umwelt, Ressourceneffizienzund Rohstoffe,■ Europa: integrative, innovative undreflektierende Gesellschaften,■ sichere Gesellschaften – Schutz derFreiheit und Sicherheit Europas undseiner Bürger,■ Ausweitung der Beteiligung für kohäsionspolitischeZiele,■ „Wissenschaft in der Gesellschaft”zur Steigerung der Akzeptanz vonWissenschaft,■ Maßnahmen der Gemeinsamen ForschungsstelleJoint Research Centre(JRC),■ Europäisches Innovations- und Technologieinstitut(Akademische Bildung,Forschung).Europäische Hochschul-Historie undIdentitätBolognas Universität, die älteste Euro -pas, erhielt 1158 von Kaiser FriedrichBarbarossa durch das berühmte Scholarenprivileg(authentica habita) einehohe Autonomie. Allgemein ist „DieUniversität … eine, ja die europäischeInstitution par excellence: Als Gemeinschaftvon Lehrenden und Lernenden,ausgestattet mit besonderen Rechtender Selbstverwaltung, der Festlegungund Ausführung von Studienplänenund Forschungszielen sowie der Verleihungöffentlich anerkannter akademischerGrade ist sie eine Schöpfung deseuropäischen Mittelalters. Keine andereeuropäische Institution hat wie die Universitätmit ihren überlieferten Strukturenund ihren wissenschaftlichen Leistungenin der ganzen Welt universaleGeltung erlangt. Die Titel der mittelalterlichenUniversität, wie Bakkalaureat,Lizenziat, Magistergrad, Doktorat, werdenin den unterschiedlichsten politischenund ideologischen Systemenanerkannt.“ 2 Basierend auf Latein alsLingua franca war die Wissenschaftfächerübergreifend im Mittelalter internationalerals heute. Ab 1970 erfolgtein Deutschland eine Bildungsexpansionen,um den Anschluss an internationaleEntwicklungen zu halten. 3 DieseDNH 4 ❘ 2015


EUROPÄISCHE INTEGRATION UND DEUTSCHE FACHHOCHSCHULEN 115Der europäische Einigungsprozess wird entscheidend befördert durch die Hochschulen.Entwicklung brachte lange Studiendauernund hohe Abbrecherquoten. Daherwurde 1976 im Hochschulrahmengesetz(HRG) für alle Hochschulen neben derVorbereitung auf berufliche Tätigkeitendie Entwicklung der Wissenschaftendurch Forschung, Lehre, Studium undWeiterbildung sowie die soziale Förderungder Studierenden als Aufgabenfixiert.Bologna-Prozess und EuropäischeHochschulintegrationAufgrund der Defizite der europäischenHochschulsysteme galt es, einen einheitlicheneuropäischen, internationalwettbewerbsfähigeren Hochschulraumzu schaffen. Das Lissaboner Abkommenvon 1997, in dem der Europarat unddie UNESCO ein Übereinkommen „überdie Anerkennung von Qualifikationenim Hochschulbereich“ in Europa be -schlossen, stellte die Grundlage für dennachfolgenden Reformprozess im Hochschulwesendar. Die Ziele des 1999 eingeführtenBolognaprozesses umfassenmehr internationale Mobilität, mehrPraxisrelevanz und bessere Lehre.Bolog na forderte die Universität als„wahre Zentren der Kultur, Wissenschaftund Forschung“, als „autonomeEinrichtungen“, „die Kultur vermittelsForschung und Lehre schaffen, entfalten,hinterfragen und weiterreichen“(Magna Charta Universitatum, 1988 4 ).Am 19. Juni 1999 haben 30 europäischeStaaten in der italienischen Universitätsstadtdie sogenannte Bologna-Erklärungunterzeichnet. Sie legten damitden Grundstein für einen EuropäischenHochschulraum, der inzwischen 47 Mitgliedstaatenumfasst. Die EuropäischeStudienreform hat in ganz Europa zuweitreichenden Veränderungen dernationalen Hochschulsysteme geführt. 5In Großbritannien wurden die ehemaligenPolytechnics schon 1992 in dasuniversitäre System aufgenommen.Doch diese hochschulpolitische Entwicklungwill man in Deutschlandnicht nachvollziehen. Vielmehr empfiehltder Wissenschaftsrat eine weitereDifferenzierung der Hochschulen unddass beide Hochschultypen mit ihremjeweiligen Profil erhalten bleiben. Einehochschulpolitische Aufwertung derFachhochschulen erfolgte neben demErfolg der Fachhochschulen bei derAusbildung von in der Wirtschaft nachgefragtenAbsolventen auch aufgrunddes geringen finanziellen Aufwandes.Die Ausbildungskosten pro Absolventliegen deutlich unter jenen an Universitätenaufgrund der geringeren Ausstat-tung und der geringeren Bezahlung derHochschullehrerinnen und Hochschullehreran Fachhochschulen als an Universitäten.Basierend auf Gottfried WilhelmLeibniz‘ (1646–1716) Leitsatz„Theoria cum praxi“ für wechselseitigeBefruchtung und durch die Praxisorientierungist die Bologna-Reform in deutschenFachhochschulen besser als invielen Universitäten umgesetzt worden.Dazu hat die „Employability“, ein integralerTeil des FH-Studiums, im Zugedes Bologna-Prozesses an Bedeutunggewonnen. Angesichts des starkenAnstiegs der Studierendenzahlen bliebenBetreuungsrelationen durch höheresLehrdeputat der FH-Professuren unddie zusätzlichen Mittel aus dem Hochschulpaktannähernd stabil. Doch fürdie Lehrenden bedeutet die Bachelor-Master-Struktur vor allem BürokratieBeispiel für Europäische Integration und deutsche Fachhochschulen: Prof. Dr. Eckhard Freyer nutzt die ErasmusTeaching-Mobility des EU-Life-Long-Learning-Programme (LLP) in Antwerpen, 14.–17. Oktober 2014,Karel de Groote-Partnerhochschule, http://www.kdg.be/Foto: privatDNH 4 ❘ 2015


116 FREYERund Prüfungsbetreuung statt Wissenschaft,Forschung und akademischeFreiheit. Die Bolognareform hat europäischenStudierende den Weg ins Auslanderleichtert: Laut Bundesregierungstudieren knapp 140.000 Deutsche anausländischen Hochschulen – fast dreimalmehr als zu Beginn der Bolognareform.Deutsche Studenten sind im Vergleichder absoluten Zahlen weltweitam mobilsten, heißt es im Bericht zurUmsetzung des Bologna-Prozesses fürdie Jahre 2012 bis 2015.Aktuelle Bildungsbiografien brauchendifferenzierte Wege, um zu einem akademischenAbschluss zu gelangen. Daserfordert europäische Hochschulen, diesich auf andere Ziele als auf Spitzenforschungspezialisieren, vielmehr auchauf lebenslanges Lernen oder auf dieFörderung von Schulabgängerinnenund Schulabgängern aus bildungsfernenFamilien.Hochschulen müssen heute auch Beiträgezur wirtschaftlichen Entwicklungleisten, dazu in ihrer Region Innovationfördern und einer unternehmerischenGründerkultur den Boden bereiten. Esgilt, europäische Citizenship für gesellschaftlicheund menschliche Entwicklungender Studierenden zu fördernund ihr Bewusstsein für gemeinsameWerte und Zugehörigkeit neben demfachlichen Studium auch mit außeruniversitärenAktivitäten. Auf europäischerEbene wurde ein Referenzrahmen anSchlüsselkompetenzen als Maßgabe dereuropäischen Bildungspolitik entwickelt.Die Menschen in einer Wissensgesellschaftbenötigen für ihre persönlicheEntfaltung sowie den sozialen Zusammenhaltund ihre Beschäftigungsfähigkeitmuttersprachliche, fremdsprachlicheund mathematische Kompetenzsowie grundlegende naturwissenschaftlich-technischeKompetenz, Computerkompetenz,Lernkompetenz, sozialeKompetenz und Bürgerkompetenz,Eigeninitiative und unternehmerischeKompetenz sowie Kulturbewusstseinund kulturelle Ausdrucksfähigkeit (vgl.Europäische Kommission 2007).Digitalisierung der HochschulenDie zunehmende Digitalisierung erfordert,die Studierenden bestmöglich imHörsaal oder in sozialen Netzwerken zufördern. Als Anerkennungs- und Transfersystemehaben European CommunityCourse Credit Transfer System (ECTS)sowie „Diploma Supplement“ die Integrationin Europa beschleunigt. DasEuropass-Rahmenkonzept besteht ausfünf Dokumenten, die den BürgernEuropas helfen sollen, ihre Qualifikationenund Kompetenzen transparent undvergleichbar auch über Ländergrenzenhinweg darzustellen. Ziel ist es, dieMobilität zum Lernen und Arbeiteninnerhalb der Europäischen Union zuvereinfachen und zu fördern. Durch dieVerbesserung der transnationalen Informationenzur Erleichterung der akademischenAnerkennung, verbunden miteinem Bedeutungswandel der Fremdsprachenund Interkulturalität, wurdenkompatiblere Studienstrukturen und-abschlüsse geschaffen. Die Lernprozesseverändern sich grundlegend durchdie Digitalisierung und durch Innovationenin der Lehre.Auch die Bedeutung der virtuellenMobilität für den tertiären Bildungssektor,Initiative E-Learning der EuropäischenKommission, Transnationale virtuelleMobilität an deutschen Hochschulenund das Thema Open Accesssind wichtige wissenschaftspolitischeThemen. Derzeit befindet sich die Zu -sammenarbeit zwischen Wissenschaftlernund Verlagen in einem grundsätzlichenWandel. Hochschulbibliothekendürfen Bücher digitalisieren und sie indigitaler Form zur Verfügung stellen,entschied der Bundesgerichtshof. DieDigitalisierung von Bibliotheksbeständenetc. und die Zukunft des wissenschaftlichenPublizierens sowie dieZukunft des wissenschaftlichen Kommunikationssystemssind zukunftsweisendfür die Entwicklungen und Wechselwirkungenvon Digitalisierung undÖkonomisierung des Wissenschaftssystems.Bedingt durch einander überlagerndeEntwicklungsprozesse wie Digitalisierung,Ökonomisierung, steigendeReflexivität sowie Medialisierung unterliegtdas wissenschaftliche Kommunikationssystemeiner erheblichen Veränderungsdynamik.Dabei zählt nicht mehrnur das Lesen, sondern auch die Auswertungvon Texten. Es gibt Entwicklungender Verknüpfung zwischenPublikationen mit Forschungsdaten, umeinerseits eine stärkere Nachvollziehbarkeitder Forschungsergebnisse undandererseits auch eine Nachnutzbarkeitder Daten herzustellen. Dadurch eröffnensich den europäischen Hochschulenneue Horizonte sowie Lern- undLehrformen wie MOOC. 6Perspektiven der europäischenHochschulbildungIm europäischen Hochschulbereichvollzieht sich gegenwärtig eine Welleder Expansion, die weit über bisherigeWachstumsprozesse hinausgeht. AlsAusbildungsauftrag der Hochschulenkommen neue Einrichtungen deslebens langen Lernens hinzu, z. B. dasberufsbegleitende Studium. Der Be -schluss der Qualifizierungsinitiative fürDeutschland von Bund und Ländernvon 2008 gilt als bildungspolitischerKonsens, die Studienanfängerquote mitdem Ziel von 40 Prozent der Alterskohortezu erhöhen. Auch der Anteil ausländischerStudierender in Deutschlandhat sich seit 1996 verdoppelt: LautOECD-Statistik studieren nur in denUSA und Großbritannien mehr Gaststudenten.Dabei ist die akademischeZukunft der Europäischen Union gestaltenswert.Weder gibt es eine Zielperspektivenoch Klarheit über die Grenzender EU. Nach Artikel 49 des EU-Vertragesist die Union für alle europäischenStaaten offen. Basierend auf derHistorie erfordert die Idee der europäischenEinigung in der heutigen Zeit,lebenswerte Hochschulräume für dieZukunft Europas zu schaffen.DNH 4 ❘ 2015


EUROPÄISCHE INTEGRATION UND DEUTSCHE FACHHOCHSCHULEN 117Das EU-Förderprogramm Horizont 2020mit 77 Milliarden Euro ist im Januar2014 angelaufen und auf sieben Jahreangelegt. Dieses Programm für Forschung,Entwicklung und Innovationhat drei Säulen:■ „Exzellente Wissenschaft”: die europäischeForschung stärken.■ „Industrielle Führungsrolle”: Europasoll für industrielle Investitionen undForschung attraktiver werden.■ „Gesellschaftliche Herausforderungen“:demografischer Wandel oderKlimawandel.Horizont 2020 bündelt die bisherigenFörderprogramme der EU und fördertProjekte von der Grundlagenforschungbis zur Markteinführung. Es ist deutlichstärker auf die praktische Anwendungder Forschungsergebnisse ausgerichtet.Daher sind Universitäten und Fachhochschulengleichermaßen angesprochen.Deutschland ist beim Abrufenvon EU-Fördergeldern Spitze. Dabeiunterhalten deutsche Unis eigene Bürosin Brüssel, um Mittel der EU-Forschungspolitikeinzuwerben. 7Europäische IntegrationsperspektivenDas Europäische Parlament errichtet inBrüssel das Haus der europäischen Ge -schichte, in dem sich die Besucher überdie Geschichte Europas informierenund kritisch mit Gegenwartsfragen auseinandersetzenkönnen. Mitte der1990er-Jahre wollte man diese historischeDarstellung Europas mit Karl demGroßen beginnen lassen. Durch denProtest der Griechen, die GeschichteEuropas im alten Athen beginnenzu lassen, konzentriert man sich nunauf das 20. Jahrhundert. Die europäischeEinigungsgeschichte beginnt inihrer ganzen Komplexität mit der Urkatastrophedes Ersten Weltkriegs sowiedes selbstzerstörerischen Zweiten Weltkrieges.Die in den 1920er-Jahren vergeblicheIdee von einem einigen Europagilt es angesichts aktueller Herausforderungenbesonders heute in den deutschenund europäischen Hochschulenzu fördern. 8 ■LiteraturBologna-Erklärung (1999): Der Europäische Hochschulraum– Gemeinsame Erklärung der EuropäischenBildungsminister, 19. Juni 1999, Bo -logna. https://www.bmbf.de/pubRD/bologna_deu.pdf vom 30.06.2015.Bundesregierung: Bericht der Bundesregierung überdie Umsetzung des Bologna-Prozesses 2012–2015 in Deutschland, Berlin 2015.European Commission: http://ec.europa.eu/priorities/economic-monetary-union/index_en.htmEuropean Commission: http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/h2020-sections,http://europa.eu/about-eu/basic-information/eu-nobel/index_de.htm, Aktualisierungsdatum:30.06.2015Freyer, Eckhard: European Financial Integration,Transformation in CEE and Accession of Cyprus,Nicosia 1998, S. 67 ff., EU Economic and PoliticalCohesion after Enlargement. In: EU-Enlargement,Papacosma/Theophanous, Nicosia 2004.S. 57 ff. Aspekte der Eurokrise; Universität Tallin/Tartu,Estland, 26.–30.06.2014;http://www.kas.de/estland/de/events/59734International Society for Comparative EconomicStudies (ISCES): Dimensions of Change inEurope/Universität Göttingen/HS Merseburg,6-2011. http://gfa.hof.uni-frankfurt.de/arno/cfp-arno10.pdfISCES: Digitale Revolution 2015: Finding Europe.https://re-publica.de/session/co-creating-europeEuropa braucht im Wissenschaftsjahr 2015kreative Menschen, um die Zukunft zu ge -stalten.ISCES: Zukunft der akademischen Mobilität inEuropa, um Hindernisse bei der Mobilität vonStudierenden und Lehrenden zu überwinden.http://europa.eu/youth/eyw: Erasmus-Statistiken.Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeitim Deutschen AkademischenAustauschdienst (DAAD). eu.daad.de,erasmus@daad.de1 Bereits 1949 schreibt Jacques Rueffs Vision:„L’Europe se fera par la monnaie ou ne se ferapas“: Zitat nach: Wagener, Hans-Jürgen; Eger,Thomas; Fritz, Heiko: Europäische Integration.Recht und Ökonomie. Geschichte und Politik,München 2006, S. 511. Deutsche Übersetzungnach SVR (2010), S. 89: Europa wird durch dieWährung gelingen oder es wird überhauptnicht gelingen. Vgl. European Commission:http://ec. europa.eu/priorities/economic-monetary-union/index_en.htm,Aktualisierungsdatum:30.06.2015 und Bundeszentrale für PolitischeBildung: Aus Politik und Zeitgeschichte(APuZ 43/2010): Europa und der Euro.2 Rüegg, Walter: Vorwort. Die Universität alseuropäische Institution. In: Rüegg, Walter(Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa.Bd. I, München 1993, S. 13 f.3 Vgl. u. a. Georg Picht: Die deutsche Bildungskatastrophe,Olten 1964.4 Die „Magna Charta Universitatum” soll grundlegendePrinzipien im universitären Leben festlegen,um die Idee der Hochschule zu schützen.Als fundamentale Grundsätze gelten dabeiUnabhängigkeit, akademische Freiheit undintensives Zusammenspiel von Forschung undLehre. Geschichtlich begründet wird versucht,die Basisanforderungen für eine zukünftigeUniversitätsentwicklung zu formulieren. http://www.magna-charta.org/library/userfiles/file/mc5 http://www.bmbf.de/de/3336.php6 Massive Open Online Course: kostenlose On -line kurse auf Universitätsniveau für große Teilnehmerzahlen.Sie kombinieren traditionelleFormen der Wissensvermittlung wie Videos,Lesematerial und Problemstellungen mit Foren,in denen Lehrende und Lernende miteinanderkommunizieren und Gemeinschaften bilden.Bsp.: http://www.tum.de/studium/weiterbildung/oeffentlichkeit/moocs/7 Als Beispiel ist die Science-with-and-for-Society-Ausschreibung 2015 seit April 2015 gestartet;GARRI.10.2015 – European Ethics and ResearchIntegrity Network, http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/Aktualisierungsdatum:30.06.2015.8 http://www.europarl.europa.eu/visiting/de/visits/historyhouse.html und http://ec.europa.eu/education/news/2015/0512-bologna-process_en.htm,Aktualisierungsdatum: 30.06.2015.DNH 4 ❘ 2015


118 LEALDas Baltic University Programme:ein Hochschulnetzwerkfür die Kooperation mitEU- und Nicht-EU-LändernProf. Dr. Walter LealForschungs- und Transferzentrum„Applications ofLife Sciences“Hochschule für Ange -wandte WissenschaftenHamburgFakultät Life SciencesUlmenliet 2021033 HamburgE-Mail: walter.leal@hawhamburg.deWalter LealEs gilt als allgemein anerkannt, dassHochschuleinrichtungen im Allgemeinenund Universitäten im Besondereneine zentrale Rolle bei der Umsetzungder Prinzipien und dem Erreichen derZiele einer nachhaltigen Entwicklungspielen können und sollten. Dafür gibtes drei Hauptgründe:1. Sie leisten einen einzigartigen Beitragzur Ausbildung von Fachleuten undEntscheidungsträgern und formenGenerationen von Fachleuten.2. Sie handeln als wichtige Forschungszentrenund befinden sich daher fürdie Durchführung von GrundlagenundAktionsforschung in einer einzigartigenPosition, wodurch eineVerbesserung der Art und Weise, wieNachhaltigkeit wahrgenommen undausgeübt wird, erreicht werden kann.3. Sie generieren und verbreiten neueErkenntnisse und Einsichten für verschiedeneInteressengruppen in derGesellschaft.Beim Baltic University Programme(BUP) handelt es sich um ein Netzwerk,das versucht, die Zusammenarbeit imBereich der nachhaltigen Entwicklungzwischen Hochschulen zu fördern. ImJahr 1999 hat das BUP seine Tätigkeitals Plattform für Zusammenarbeit zwischenden Universitäten, ihren Mitarbeiternund Studierenden aufgenommen,wobei der Schwerpunkt auf einernachhaltigen Entwicklung im Ostseeraumlag. Gegenwärtig zählt das BUPim gesamten Ostseeraum 232 Mitgliederin Dänemark, Deutschland, Estland,Lettland, Litauen, Polen, Schweden, Slowakeiund der Tschechische Republiksowie Russland, Weißrussland und derUkraine. Das Sekretariat für Koordinierungder Baltischen Universität befindetsich im Zentrum für nachhaltige Entwicklungin Uppsala, Fachbereich Geowissenschaftender Universität Uppsala.Das BUP erfüllt seine Aufgaben aufunterschiedliche Weise: durch die Organisationvon Konferenzen und Kursenfür Lehrende und Studierende sowiedurch die Entwicklung neuer Kursmaterialienund gemeinsamer Projekte. Mitdiesen Tätigkeiten ist es als Leuchtturmprojektim Rahmen der EU-Strategie fürden Ostseeraum gut aufgestellt, bei derBUP die Aufgabe der Verbesserung derZusammenarbeit zwischen den Hochschuleinrichtungenin der Region zugewiesenwurde.Das BUP hat bisher Lehrmaterialien fürzahlreiche Kurse ausgearbeitet, u. a.:Umwelt im Ostseeraum, Ein nachhaltigerOstseeraum, Englisch für Umweltwissenschaften,Umweltmanagementund Umweltwissenschaften, NachhaltigeWasserwirtschaft, Ökosystemgesundheitund Nachhaltige Landwirtschaft.Neue Kursmaterialien im Bereich NachhaltigeEntwicklung stehen nun auchonline zur Verfügung (http://www.balticuniv.uu.se/sustainabledevelopmentcourse).Bei den Kursen handelt es sich umBachelor- und Masterstudiengängesowie um spezialisierte Kurse für Fachleuteund Lehrende. Die Aufgabe desBaltic University Programmes bestehtDNH 4 ❘ 2015


BALTIC UNIVERSITY PROGRAMME 119Im BUP-Netzwerk arbeiten über 200 Hochschulen aus dem Ostseeraum und darüber hinaus zusammen. Sieentwickeln gemeinsame Lehrmaterialien und führen Kurse für Lehrende und Studierende durch. Die Ko -operation stellt damit ein Leuchtturmprojekt der EU-Ostseestrategie dar.darin, eine reichhaltige Lernumgebungmit Büchern, Filmen, Internetseitenund Konferenzen zu schaffen, um dieEntwicklung der Region zu fördern. DieKurse werden von jeder Universität indem Netzwerk separat durchgeführt.Während die Kursmaterialien über dasProgramm erstellt und verteilt werden,melden sich die Studierenden für dieKurse an ihrer Heimatuniversität an.Somit können Credit Points (CPs) er -worben werden.Die Studierendengruppen in dem Netzwerkwerden durch Studierendenkonferenzen,Summer Camps und das Internetverbunden. Zudem organisiert BUPjedes Jahr Fortbildungskurse für Hochschullehrerinnenund Hochschullehrer,um einen guten Wissensstand aufrechtzuerhaltenund neuen Dozenten eineEinführung in BUPs Materialien undKurse zu bieten. Im Jahr 2013 studiertenin den BUP-Kursen 8.193 Studierendein insgesamt 282 Kursgruppen an153 Universitäten in der gesamten Ostseeregion.Ca. 265 Hochschullehrer halfenbei der Bereitstellung dieser Kurse.Die Lehrmaterialien der Baltischen Universitätwerden in Übereinstimmungmit den allgemeinen Kursbeschreibungenan den Universitäten verwendet,teilweise jedoch auch als Module undergänzende Materialien für bestehendeKurse. Die Zentren der Baltischen Universitätin jedem Land erheben statistischeAngaben über die Universitäten indem Netzwerk von den Lehrenden. Inden vergangenen drei Jahren lag dieTeilnehmerzahl der Kurse der BaltischenUniversität bei durchschnittlich 8.600Studierenden.Zudem nahmen viele Studierende anStudierendenkonferenzen und Kursenfür SAIL (Nachhaltigkeit angewendetauf Internationales Lernen) und SWM(Nachhaltige Wasserwirtschaft) teil.Abschließend ist festzuhalten, dass dasBaltic University Programme schätzungsweise100 Doktoranden pro Jahrbetreut. Diese langfristige Zusammenarbeitsowie die geografisch weit verbreiteteund zahlenmäßig große Mitgliedschafthaben sich zu einer soliden Basisentwickelt, die Möglichkeiten für eineweitere Zusammenarbeit sowie für neueTätigkeiten und Projekte bietet. ImJahr 2013 wurden zwei neue Kurse eingeführt:ein Doktorandenkurs und einPhD Award.Die Studierenden sind dazu eingeladen,an Summer Camps, Segeltörns undanderen von den teilnehmenden Universitätenund dem Sekretariat des BalticUniversity Programmes organisiertenVeranstaltungen teilzunehmen. Zur Förderungder internationalen Verständigungund Demokratieentwicklung werdenregelmäßig Studierendenkonferenzenorganisiert. Seit dem Jahr 2008 hatdas BUP sowohl im Frühjahr als auchim Herbst zahlreiche Studierendenkonferenzendurchgeführt. Eine dieser Konferenzenist der BUP-Sommerkurs, derregelmäßig im September von der HAWHamburg und der Hochschule Zittau-Görlitz organisiert wird und an demjeweils ca. 40 Studierende aus demgesamten Ostseeraum teilnehmen.Bislang erzielte FortschritteBei den im Rahmen des BUP-Netzwerksgeführten Gesprächen werden u. a. zahlreicheStandpunkte ausgetauscht sowieintensive Verhandlungen geführt. DieBUP-Mitgliedsuniversitäten vertretenhäufig die gleiche Position und nutzendie Möglichkeiten, ein erneuertes politischesEngagement bezüglich nachhaltigerEntwicklung auf allen Ebenensicherzustellen.Nomen est omen: Beim Kurs SAIL – Sustainability Applied to International Learning 2014 ging es an Borddes Segelschiffs „Frederyk Chopin” aufs Wasser.Foto: Anne Ala-Pöllänen/Baltic UniversityZu diesem Zweck hat das BUP verschiedeneBeiträge zur EU-OstseestrategieDNH 4 ❘ 2015


120 LEALvorgelegt, in denen das Konzept einergrünen Wirtschaft betont und ein Planmit genauen Zielen, Absichten undMaßnahmen für den Ostseeraum vorgeschlagenwird. Der Plan für eine grüneWirtschaft umfasst beispielsweise Bereichewie nachhaltige Energie, Wasser,nachhaltige Bodenbewirtschaftung undÖkosysteme, Ozeane und Ressourceneffizienz,insbesondere Abfall, Lebensmittel,Ernährung, nachhaltige Landwirtschaft,Fischerei, Forstwirtschaft, nachhaltigeStadtentwicklung und Chemikaliensowie die Bereiche der nachhaltigenVerwaltung und Wiederherstellungvon natürlichen Ressourcen. Der Planumfasst zudem übergreifende Themenwie Kapazitätsaufbau.Ein weiterer Beitrag des BUP besteht inder Betonung des Verbesserungsbedarfsim Bereich der internationalen Zusammenarbeitund eines effektiveren institutionellenRahmens auf internationalerEbene bezüglich nachhaltiger Entwicklung,einschließlich einer stärkerenVerbindung zwischen den Universitätenin der Region.Ein Hauptprodukt des BUP sind dieangebotenen Fortbildungskurse. ImRahmen des BUP werden verschiedeneMasterstudiengänge durchgeführt, dieanerkennen, dass die Verringerung derArmut, die Änderung von nicht nachhaltigenund die Förderung von nachhaltigenKonsumgewohnheiten undProduktionsverfahren sowie der Schutzund das Verwalten des Bestands annatürlichen Ressourcen für die wirtschaftlicheund soziale Entwicklungübergeordnete Ziele und wesentlicheVoraussetzungen für eine nachhaltigeEntwicklung darstellen. Sie bekräftigenzudem die Notwendigkeit, durch dieFörderung eines nachhaltigen, integrativenund ausgewogenen Wirtschaftswachstumsdie Schaffung besserer Möglichkeitenfür alle, die Reduzierung vonUngleichheiten, die Verbesserung desgrundlegenden Lebensstandards, dieFörderung einer ausgewogenen sozialenEntwicklung und Eingliederung einenachhaltige Entwicklung zu erreichen.Zudem wird in den BUP-Kursen häufigdie Notwendigkeit der Förderung einerintegrierten und nachhaltigen Bewirt-schaftung natürlicher Ressourcen undder Ökosysteme wiederholt, die unteranderem eine wirtschaftliche, sozialeund menschliche Entwicklung unterstützt,während die Erhaltung des Ökosystemssowie die Regeneration, Wiederherstellungund Belastbarkeit angesichtsneu entstehender Herausforderungenvereinfacht werden.Vor Kurzem hat die in Visby im Jahr2014 abgehaltene Rektorenkonferenzden Weg für eine engere Zusammenarbeitzwischen den BUP-Mitgliederngeebnet und die Bedeutung der Zusammenarbeitbei EU-Projekten betont.Künftige EntwicklungenDas BUP wird in den kommenden Jahrenfünf Prioritätsgebiete verfolgen:Gebiet 1 – BeschäftigungDie wirtschaftliche Rezession hatsowohl die Quantität als auch die Qualitätder Arbeitsplätze beeinträchtigt.Für die 190 Millionen Arbeitslosen undfür mehr als 500 Millionen Arbeitssuchendein den nächsten zehn Jahrensind die Arbeitsmärkte von wesentlicherBedeutung, nicht nur für die Erzeugungund Generierung von Wohlstand, sonderngleichermaßen für dessen Verteilung.Wirtschaftliches Handeln und dieSozialpolitik zur Schaffung von Arbeitsplätzensind für den sozialen Zusammenhaltund die soziale Stabilität wichtig.Zudem ist es von wesentlicherBedeutung, dass die Arbeit auf dieAnforderungen der natürlichen Umweltausgerichtet ist. Bei „grünen Arbeitsplätzen“handelt es sich um Stellen inder Landwirtschaft, der Industrie, imDienstleistungsbereich und der Verwaltung,die einen Beitrag zur Erhaltungund Wiederherstellung der Qualität derUmwelt leisten.Gebiet 2 – EnergieBei fast allen großen Herausforderungenund Möglichkeiten, denen die Weltheute gegenübersteht, spielt Energieeine wichtige Rolle. Sei es für Arbeitsplätze,Sicherheit, Klimawandel, dieLebensmittelproduktion oder steigendeEinkommen – der Zugang zu Energie iststets von zentraler Bedeutung. NachhaltigeEnergiequellen sind notwendig fürdie Stärkung der Volkswirtschaften, denSchutz der Ökosysteme und die Schaffungvon Gerechtigkeit. Im Rahmen desBUP wird eine Strategie verfolgt, mit derZugang zu modernen Energiedienstleistungen,Effizienzverbesserung und einestärkere Nutzung von erneuerbarenEnergiequellen sichergestellt wird.Gebiet 3 – StädteDie Städte bilden ein Zentrum fürIdeen, Handel, Kultur, Wissenschaft,Produktivität, soziale Entwicklung undvieles mehr. Sie bieten den Menschenim besten Fall Möglichkeiten für Fortschrittauf sozialer und wirtschaftlicherEbene. Es bestehen jedoch viele Herausforderungenbezüglich der Erhaltungder Städte, sodass die Schaffung vonArbeitsplätzen und Wohlstand fortgesetztwird und gleichzeitig Land undRessourcen nicht belastet werden. Zuden gemeinsamen Herausforderungender Städte gehören Überlastung, fehlendeMittel zur Bereitstellung der grundlegendenLeistungen, ein Mangel anangemessenen Wohnungen sowie dieVerschlechterung der Infrastruktur. Esbestehen verschiedene Möglichkeitenzur Überwindung der Herausforderungen,denen die Städte gegenüberstehenund die es ihnen ermöglichen, weiterhinzu gedeihen und zu wachsen, währenddie Ressourcennutzung verbessertDNH 4 ❘ 2015


BALTIC UNIVERSITY PROGRAMME 121wird und die Verschmutzung undArmut reduziert werden.Gebiet 4 – LebensmittelEs wird Zeit, dass wir überdenken, wiewir unsere Lebensmittel anbauen, teilenund konsumieren. Wenn wir dies richtigmachen, können die Landwirtschaft,die Forstwirtschaft und die Fischereinahrhafte Lebensmittel für alle bereitstellenund angemessene Einkommengenerieren, während eine am Menschenorientierte Entwicklung des ländlichenRaums unterstützt und die Umweltgeschützt wird. Gegenwärtig verschlechternsich die Qualität unserer Böden,des Süßwassers, der Ozeane, der Wälderund die Biodiversität jedoch rasant.Durch den Klimawandel werden dieRessourcen, von denen wir abhängigsind, noch stärker belastet. Der SektorLebensmittel und Landwirtschaft bietetwichtige Lösungen für die Entwicklungund spielt eine zentrale Rolle bei derReduzierung von Hunger und Armut.Gebiet 5 – WasserSauberes, zugängliches Wasser ist füralle ein wesentlicher Teil der Welt, inder wir leben möchten. Es steht ausreichendfrisches Wasser auf dem Planetenzur Verfügung, um diesen Traum zu verwirklichen.Aufgrund der schlechtenwirtschaftlichen Lage oder schlechterInfrastruktur sterben jährlich Millionenvon Menschen, meistens Kinder, anKrankheiten im Zusammenhang mitunzureichender Wasserversorgung,unzureichenden sanitären Einrichtungenund Hygieneverhältnissen. Wasserknappheit,schlechte Wasserqualitätund unzureichende sanitäre Einrichtungenhaben negative Auswirkungen aufdie Lebensmittelsicherheit, die Wahlmöglichkeitenbezüglich der Existenzgrundlageund die Bildungschancen fürarme Familien in der ganzen Welt.Das Ziel des BUP besteht darin, dass dieUniversitäten eindeutige und zielgerichtetepraktische Maßnahmen zur Realisierungeiner nachhaltigen Entwicklungergreifen, insbesondere bezüglich deroben genannten fünf Prioritätsgebiete,die auf den vielen Erfolgsbeispielen derletzten 20 Jahre beruhen. Zu den Fakten,von denen die Erörterungen beimBUP geleitet wurden, gehörten:1. Heute leben sieben Milliarden Menschenauf der Erde – bis zum Jahr2050 werden es neun Milliardensein.2. Jeder Fünfte, also 1,4 MilliardenMenschen, lebt gegenwärtig von 1,25Dollar oder weniger pro Tag.3. Weltweit haben 1,5 Milliarden Menschenkeinen Zugang zu elektrischemStrom.4. 2,5 Milliarden Menschen habenkeine Toilette.5. Fast 800 Millionen Menschen müssentäglich hungern.6. Treibhausgasemissionen steigen weiterhinund mehr als ein Drittel allerbekannten Arten könnte aussterben,wenn sich der Klimawandel ungebremstfortsetzt.Neben den Projekten werden die BUP-Initiativen von verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen,Seminaren, Ausstellungen,Sommerkursen und Messenbegleitet, die von einer Vielzahl vonPartnern organisiert werden. In den folgendenBereichen werden künftig Fortschritteerwartet:■ stärkere Ausrichtung auf die Umsetzungmit einem Schwerpunkt auf derIntegration der nachhaltigen Entwicklungin Universitätsprogramme,■ Schwerpunkt auf sozialen Fragen,insbesondere Reduzierung der Armut,■ stärkere Berücksichtigung von Themenbezüglich erneuerbarer Energienund Energieeffizienz und■ Schwerpunkt auf der Entwicklungvon Kompetenzen, Fähigkeiten undKenntnissen, die für den Aufbaueiner nachhaltigeren Gesellschafterforderlich sind.Schließlich werden die Hochschulen,die im BUP-Mitglieder sind, sich dafüreinsetzen, Studierende im ganzen Ostseeraumzu ermutigen, sich für einenachhaltige Entwicklung und nochaktiver an lokalen, nationalen und globalenProzessen zu beteiligen. ■Auch Tagungen für Studierende finden im Rahmen des Baltic University Projects statt, wie hier 2014 inRogow, Polen.Foto: Krzysztof Ciesielski/Baltic UniversityDNH 4 ❘ 2015


122 ALTHAUSSie kennen nur Europas Krise –Eine Reflexion zum ModellstudiengangEuropäischesManagementProf. Dr. Marco AlthausProfessor für Sozialwissenschaften(SchwerpunktEuropa- und Wirtschaftspolitik)Fachbereich Wirtschaft,Informatik und RechtTechnische HochschuleWildauHochschulring 115745 Wildaumarco.althaus@th-wildau.deMarco AlthausEs gab schon bessere Zeiten, um jungenBetriebswirten Lust auf eine Zukunft als„Europäische Manager“ zu machen –mit einem selbstbewussten großen Ewie im Studiengang „EuropäischesManagement“ an der TH Wildau beiBerlin. In Bachelor und Master lehre ichdort seit neun Jahren Europapolitik undEU-Wirtschaftspolitik – den Großteildieser Jahre als Krisen-Erklärer.Die meisten der heute Studierendenhaben ein Grundvertrauen in die Routineder Europäischen Union. Sie war jaimmer schon da, ihr ganzes Leben lang,mit Vorteilen und Vorschriften. Dochda ist auch Grundskepsis. Denn „GenerationY“ kennt ja nur Krise. Dengesamten Wirtschaftsraum hat sie nieim gemeinsamen Boom erlebt. Die Studierendensahen stets nur, wie Arbeitsmärkte,Wohlstand und soziale Sicherheitauseinanderlaufen. Sie wissen,Deutschland lebt zurzeit auf der Sonnenseite.Aber sie kennen auch die grassierendeArbeits- und Perspektivlosigkeitunter Gleichaltrigen in der „verlorenenGeneration“ der PIIGS-Krisenländer.Europas ökonomische Konvergenz haltensie für ein Märchen. Zerrissenheit,nicht Zusammenwachsen ist für siewirtschaftliche EU-Wirklichkeit. Undder politische Normalzustand derUnion, der besteht für sie aus Zank,Zweifeln und Irrfahrten ohne Ziel.Für europaorientierte Studiengänge istetwas Wichtiges weggebrochen: die traditionelleNarrative der „Ever CloserUnion“. Das war eine glaubhafte Vorwärtsvisionauch für Wildauer Studierende:Sie koppelte persönliche Zuversichtauf die Karriere als „EuropäischerManager“ mit positiver Haltung zumehr Integration. Die Story hatte strategischeRelevanz für alle Europastudienangebote.Nun drohen Inspiration undLegitimation von der Kette zu springen.Wo Kraft war, tritt man ins Leere. „Eu -ropa ist wie ein Fahrrad, hält man esan, fällt es um“: Jacques Delors’ Diktumgehörte einst in jeden Hörsaal. Wer sichweiter auf den wackligen, ausgefranstenSattel der Fahrradtheorie setzt, riskiertböse Stürze oder wenigstens stumpfeBlicke. Dass die EU immer weiter ir -gendwohin vorwärtsfahren muss, findenimmer weniger Studierende schlüssig.Nicht einmal eingefleischte Europafanstun das.Europafans gibt es allerdings auf demdeutschen Campus immer seltener. Lautdem 12. Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriumsstimmten2013 nur 35 Prozent der Uni- und FH-Studenten dem Politikziel „politischeund wirtschaftliche IntegrationEuropas“ eindeutig zu. 2004 lag derWert noch bei 48 Prozent. 1 Der nächsteSurvey 2016 wird zeigen, ob sich dasMeinungsklima wieder aufhellt.Als Europa noch eine Erfolgsstory warDer Kontrast zur Vergangenheit ist riesig,auch für die TH Wildau. Im Herbst2003 stiegen die ersten 29 Bachelor-Studierendenins „Europäische Management“(EM) ein. Die Mensa akzeptierteneuerdings Euros. Der Binnenmarkt feiertedie erste Dekade. Ein Kontinentalkonvententhüllte das Grand Designeiner EU-Verfassung. Bei Semesterbeginnwar die EU 50 Minuten östlichvon Wildau zu Ende; etwas späterDNH 4 ❘ 2015


SIE KENNEN NUR EUROPAS KRISE 123Zeitgeist und Umfeld für Europa-Studiengänge haben sich massiv verändert. Sie brauchen schärfere Profileund müssen ihren Studierenden mehr Mut machen.konnte man sieben Stunden lang weiterostwärts fahren und blieb doch in derUnion. Zehn Flaggen und 75 MillionenNeubürger traten ihr bei, Fernsehgalasgab es und Feuerwerk an den Grenzen.Der Konvoi schloss sich auch der kühnenLissabon-Strategie an: „wettbewerbsfähigsterund dynamischster wissensgestützterWirtschaftsraum derWelt“ wollte die EU werden. Bis 2010!Deutschland wand sich damals in Agonie:Rekordarbeitslosigkeit, Rezession,Reformstau. Jahrelang war die Wirtschaftim EU-Vergleich extrem schwachgewachsen, die Pro-Kopf-Leistung sankunter den EU15-Schnitt. Die Staatsfinanzenbarsten. Der große Defizitsünderder Eurozone bat die Aufseher umMilde. Dass irgendwer vom Standort Dlernen könnte, schien absurd. Nein,Berlin ließ Experten ausschwärmen, umfür die „Agenda 2010“ Reformrezepte inganz Europa zu besorgen. Europa warLösung, nicht Problem. „Kontinent derChancen“, daran setzte man Ausrufe-,keine Fragezeichen. Europa hießEmployability. Wer Wirtschaft „europäisch“studierte, lief im Zeitgeist. Europa-Studiengänge aller Art schossen wiePilze aus dem Boden. Fachhochschulenhatten europäische Verwaltungs-, Kultur-oder Sozialwirte im Sinn, häufigerhingegen bodenständige Betriebswirtefür den expandierenden Binnenmarkt.Global ambitionierte Hochschulensahen ihre Absolventen mit Säcken vollerEuros unter Europas stolzer Handelsflaggean alle fernen Küsten segeln.Europäisches Management – einungeklärtes LeitbildMit Europas Vielfachkrisen kehren alteFragen für Lehre und Studium zurück,die sich schon immer stellten, aber früherleicht wegwischen ließen. Dazugehört die Kernfrage, welchen Sinn eindurch Abschlussgrade veredeltes LehrundLerngebiet „Europäisches Management“(EM) hat und wieso es mehr istals eine blaugolden vermarktete Ge -schmacksrichtung des „InternationalenManagements“. Argumente dagegensind scharf wie Rasierklingen: Die Wirtschaftswelttickt klar global. Europawird schrumpfen, stagnieren und selbstim USA-Tandem kein Spiel- und Regelmachermehr sein. Immer lauer wirdseine Strahlkraft auf Asien, Afrika undLateinamerika. Ein ins Euro-Koordinatensystemgepferchtes Curriculum marginalisiertsich selbst. Es macht sichjener Nabelschau schuldig, die sichEuropas Wirtschaft nicht mehr leistenkann. Arbeitgeber können solche Absolventennicht wollen. Solche Kritik kannnur kontern, wer eine robuste Haltungzu Europas Stärken, Chancen und Krisenresilienzhat; und wer explizit sagt,was „Europäisches Management“ und„Europäische Manager“ ausmacht. Dasist auch für uns gar nicht so einfach.Der Studiengang basierte stets aufSowohl-als-auch, vor allem im Bachelor:Zehn Nationalitäten auf dem Fahnentreppchen: Wildauer Master-Studierende im Foyer des Brüsseler Plenargebäudes des Europäischen ParlamentsFoto: P. ManderscheidDNH 4 ❘ 2015


124 ALTHAUSEr sollte kaum Abstriche am ordentlichendeutschen Betriebswirt machen,aber für das Ausland vorbereiten, woimmer das liegt. Es war eine pragmatischeHaltung, zumal ultrakonsequentesDurcheuropäisieren für einige Fächerschlicht keinen Sinn ergibt.Generalistische Studiengänge bleibenbei Ausbildungs- und Berufszielen oftwolkig. Da sind wir keine Ausnahme.Studienordnung, Akkreditierungspapiereund Werbung sprechen davon,Kenntnisse „mit europäischem undinternationalem Bezug“ und „gemeinsameeuropäische Rahmenbedingungen“zu vermitteln. Was „EuropäischesManagement“ genau ist, wird nirgendwoexplizit gesagt. Das muss sich eineStudentin aus dem Curriculum zusammenreimen:kaufmännische Grundlagenmal mit, mal ohne internationaleKomponenten, ein Sortiment von„Europakompetenzen“ aus Recht undPolitik, Interkulturelles, Sprachen, möglichstviele Kurse auf Englisch. Imstrammen Lehrplankorsett werden sogut es geht Auslandspflichtpraktika,Auslandssemester, Studienfahrten undPlanspiele eingeschoben. Live-Erfahrungim Ausland zahlt viel aufs Qualifikationskontoein, ebenso der Umgangmit Kommilitonen, die aus dem Auslandzu uns kommen. Unsere Hörsälesind in wenigen Jahren deutlich multinationalergeworden. Der Anteil derGäste aus der EU ist oft kleiner als derder Reisepässe ohne den Sternenkreis.Das verstärkt eher die globale Perspektive(und vermeidet die Nabelschau).Wie europäisch Module tatsächlich ausfallen,ist nicht nur eine Frage vorfixierterInhalte, sondern auch der Lehrpraxisund des Personals. Das bunte Kollegiumaus Betriebs- und Volkswirten,Mathematikern, Informatikern, Juristen,Geisteswissenschaftlern sowie Sprachlehrernkann nur nach dem EU-Motto„In Vielfalt geeint“ vorgehen. Die Ver-antwortung für die Europaidee des Studiumstragen alle gemeinsam, aber sieliegt auf manchen Schultern stärker alsauf anderen.„Europäisches Management“ ist als Studiengangwirtschaftswissenschaftlichgeprägt. Aber aus der Wirtschaftsforschungergeben sich nicht automatischFachrezepte, wie man das ThemaEuropa in der Lehre gut abzirkelt. Dasmag überraschen, ist die EU doch primäreine Wirtschaftszone. Ökonomikund Europa ist tatsächlich eine schwierigeEhe. „Mögen der gemeinsameMarkt und die Wirtschafts- und Währungsunionauch die folgenreichstenElemente des Integrationsprojekts sein,sie haben in der Wissenschaft der Ökonomieim Vergleich zu Politik- undRechtswissenschaft die geringsten Spurenhinterlassen“, so Beichelt et al.(2013). 2 Das hat mit Theoriegebäudenzu tun, kurz: Für Politologen und Juristenist die EU einzigartig, für Ökonomennur ein Anwendungsfall internationalerWirtschaftsbeziehungen, eineregionale Untergattung zwischenstaatlichgeregelter Marktverflechtung.Ähnlich zäh fließt es aus der Managementlehre.Es ist lange her, dass „europäischesManagement“ wirklich envogue war: vor und um 1993, als derBinnenmarkt an den Start rollte. Europäisierungwar ein größeres Wort alsGlobalisierung. Man feilte an der Konvergenznationaler Managementansätzezu einem neuen europäischen Ansatz,den Unternehmen strategisch als neueAlternative denken sollten. 3 Personalerskizzierten Kompetenzprofile, Rekrutierungspraxisund Personalentwicklungfür „Euro-Manager“. Mitte der Neunzigerwaren diese jedoch bereits „ausgestorbenwie die Dinosaurier“ – Unternehmenwollten nun „globale Manager“.4 Der Hype war also nach zehn Jahrenausgeglüht. Bis heute stammt diewe sentliche akademische Literatur zu„europäischem Management“ aus denfrühen 1990ern. Völlig veraltet ist sienicht. So betonten etwa Bloom et al.(1994) und Calori et al. (1995) den Um -gang mit kultureller Vielfalt, die Orientierungan sozialer Marktwirtschaft, anMitbestimmung, Mitarbeiterbeteiligungund dem Dialog mit Gewerkschaften –dies unterscheide Europäer klar vonAmerikanern und Japanern. 5 Über einJahrzehnt später klingt das bei Pudelkound Harzing (2007) ähnlich. Als eurotypischsehen sie ausbalancierte, moderate,partnerschaftsorientierte Managementansätzesowie einen großen Pluralismusan. 6 Dieselbe Richtung schlägtKaplan (2014) ein. Für ihn ist EM ein„cross-cultural, societal managementapproach based on interdisciplinaryprinciples“. Europas Wesenszug seimaximale kulturelle Vielfalt bei minimalergeografischer Verteilung, daraufantworte der Ansatz. Er erfasse zudemdie hohe Bedeutung des Sozialstaates,die Mitverantwortung der Wirtschaftfür soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeitsowie die Verzahnung vonöffentlichem und privatem Sektor. 7 Dassind sehr politische Aussagen.Die politische Dimension„Europäisches Management“ hat eineunbestreitbare politische Dimension.Das muss sich in der Ausbildung widerspiegeln.Dabei geht es nicht nur umGrundkenntnisse, wie „Brüssel“ funktioniert.Es geht um Kompetenzen, dasaktuelle Geschehen sowie soziopolitischeEinflüsse auf die Wirtschaft beurteilenund selbst Einfluss nehmen zukönnen (etwa über Verbände und Kommunikationsstrategien).Streitfähigkeitgehört dazu. Denn von Unternehmenwird klare Haltung verlangt: zu Russland-Sanktionen,zu Chlorhühnchenund Investorenschutz bei TTIP, zuDNH 4 ❘ 2015


SIE KENNEN NUR EUROPAS KRISE 125Stromkosten im Klimaschutz, zu Sozialstandardsimportierter Billigmode, zumDatenklau im Internet, zur Frauenquotean den Firmenspitzen.Im Wildauer EM-Curriculum ist diepolitische Komponente klar verankert.Ein Selbstläufer studentischer Motivationist sie nicht. Denn der Studiengangzieht keineswegs überdurchschnittlichan Europapolitik Interessierte oder Vorgebildetean, nur weil das „europäisch“im Namen steht. Zwar steigert Interessean anderen Ländern die Aufmerksamkeitfür internationale Themen, damitauch für Politik. Aber Wirtschaftsstudierendeschwimmen im Mainstream derStudentenschaft, und deren Politikinteresseist bundesweit auf einem historischenTiefpunkt, an Fachhochschulennoch tiefer als an Universitäten, wie der12. Studierendensurvey (2013) zeigt.2004 empfand ein Viertel der FH-StudierendenPolitik als unwichtig, 2013sogar ein Drittel. Der Anteil jener, diePolitik für sehr wichtig halten, sank von28 auf 18 Prozent. 2004 stuften 38 Prozentihr Politikinteresse als sehr starkein; 2013 taten dies noch 25 Prozent.Der Anteil völlig Desinteressierter stiegvon 18 auf 29 Prozent. Was Europapolitikund die europäische Einigungangeht, waren nur noch 20 Prozent derFH-Studierenden stark interessiert – einMinus von neun Punkten. 8zu erobern, in Europa liegt. Aber siewerden für ihr Europa härter kämpfenmüssen. Angela Merkel mahnt gelegentlich:„Wir schaffen mit diesen siebenbis acht Prozent der Weltbevölkerungnoch etwa rund 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktsder Welt, wir habenaber auch rund 50 Prozent der Sozialausgabender Welt.“ 9In Amerika und Asien gilt Europa vielenbereits als putziges, überwiegend vonGreisen bewohntes Historien-Disneylandsowie als stagnierender Restabsatzmarktfür Weltprodukte. Europa, das seiein am eurasischen Kontinent hängenderZipfel, der mal zeitweise wichtigwar, aber seine Zukunft verprasste.Ganz Europa ist ein Griechenland –so sehen es die Zyniker in der Welt.Irgendjemand wird dafür sorgen müssen,dass die Zyniker nicht recht be -halten.Irgendjemand wird Europas Märkte undMaschinen leistungsfähig halten undimmer wieder neu erfinden müssen.Das ist die Aufgabe für die Studierendenvon heute, die „Europäischen Manager“von morgen. In ihrer Ausbildung müssensie ein klares Qualifikationsprofil,aber auch europäisches Selbstbewusstseinund Souveränität gewinnen. VomZeitgeist allein werden sie dieses Basiskapitalnicht mehr beziehen. ■LiteraturBeichelt, Timm et al.: Was heißt und zu welchemEnde studiert man Europastudien? In: Beichelt,Timm et al.: Europa-Studien. Eine Einführung.Wiesbaden: Springer 2013, S. 9–32.Bloom, Helen et al.: Euromanagement: a new stylefor the global marketplace. London: KoganPage 1994; Calori, Ronald et al.: ManagementEuropean style. In: The Academy of ManagementExecutive Bd. 9, Nr. 3 (1995), S. 61–73.Kaplan, Andreas: European management and Europeanbusiness schools: insights from the historyof business schools. In: European ManagementJournal Nr. 32 (2014), S. 529–534.Mendenhall, Mark E.; Stahl, Günter K.: The rise anddemise of the „Euromanager“. In: Scholz,Christian; Zentes, Joachim: Strategic management:a European approach. Wiesbaden: Gabler,S. 305-320.Pudelko, Markus; Harzing, Anne-Will: How Europeanis management in Europe? An analysis ofpast, present and future management practicesin Europe. European Journal of InternationalManagement Bd. 1 Nr. 3, (2007), S. 206–224.Ramm, Michael et al.: Studiensituation und studentischeOrientierungen. 12. Studierendensurveyan Universitäten und Fachhochschulen – Langfassung.Bundesministerium für Bildung undForschung, 2014.http://www.bmbf.de/pub/12._Studierendensurvey_Langfassung_bf.pdfAktualisierungsdatum:30.06.2015.Steltzner, Holger: Die Quelle der Schulden. FrankfurterAllgemeine Zeitung (13.10.2012).www.faz.net/aktuell/wirtschaft/sozialausgabendie-quelle-der-schulden-11923880.htmlAktualisierungsdatum:30.06.2015.Thurley, Keith; Wirdenius, Hans: Will managementbecome „European“? – Strategic choice fororganizations. In: European Management JournalBd. 9 Nr. 2 (1991), S. 127–134.Wider die ZynikerEs ist wichtiger denn je, angehendenKaufleuten und Managern zu vermitteln,dass ihre beste Chance, die Welt1 Ramm, S. 425.2 Beichelt, S. 15.3 Thurley/Wirdenius, S. 4.4 Mendenhall/Stahl, S. 306.5 Bloom et al. und Calori et al.6 Pudelko/Harzing, S. 221.7 Kaplan, S. 532.8 Ramm, S. 412–415.9 SteltznerDNH 4 ❘ 2015


126 RIEDL/SCHÄFER/SEIDEL/WOLFRUM/ZIPS/PLEIERJoachim RiedlEuropäische Potenziale amBeispiel der deutsch-tschechischenZusammenarbeit imDestinationsmarketing undauf HochschulebeneProf. Dr. Joachim Riedl,Leiter des StudiengangsMarketing Management,Hochschule Hof,joachim.riedl@hofuniversity.deFrank SchäferIm Hochschulsektor besteht eine engeund erfolgreiche Zusammenarbeit zwischenBayerischen und TschechischenHochschulen. Im Destinationsmarketing,im Regionenimage und in derwirtschaftlichen Zusammenarbeit gibtes noch viele Verbesserungsmöglichkeiten,wie aktuelle Studien belegen.Der Fall des „eisernen Vorhangs“ unddie samtene Revolution in der tschechischenRepublik liegen mittlerweileein Vierteljahrhundert zurück. Die aktuellendeutsch-tschechischen Beziehungensind damit ein Indikator für dieÜberwindung einer schwierigen Historie,für den Erfolg der von der europäischenUnion geförderten Integrationsmaßnahmender Regionen und nichtProf. Dr. Frank Schäfer,Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen,OstbayerischeTechnische HochschuleAmberg-Weiden,f.schaefer@haw-aw.deBernd WolfrumProf. Dr. Michael Seidel,Studiendekan FakultätWirtschaftswissenschaften,Hochschule Hof,michael.seidel@hofuniversity.deProf. Dr. Bernd Wolfrum,Betriebswirtschaftslehreund Marketingmanagement,Ostbayerische TechnischeHochschule Regensburg,bernd.wolfrum@oth-regensburg.deDr. Sebastian Zips, MBA,MA, Leiter Research,AccessMM, Weidenberg,dr.zips@accessmm.deAnna-Katharina Pleier,MBA, Projektleiterin Onlineund Usability, AccessMM,Weidenberg,a.pleier@accessmm.deMichael SeidelSebastian ZipsAnna-Katharina PleierAbb. 1: Karte des Ziel3-Gebiets und des Gebiets der durchgeführten ErhebungDNH 4 ❘ 2015


KOOPERATION BAYERN-BÖHMEN 127Im Hochschulsektor besteht eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen bayerischen und tschechischenHochschulen. Im Destinationsmarketing, im Regionenimage und in der wirtschaftlichen Zusammenarbeitgibt es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten, wie aktuelle Studien belegen.zuletzt ein Beispiel für die in Europa liegendenPotenziale.Die Hochschule Hof und die UniversitätPilsen haben, unterstützt durch dieOTH Regensburg und die OTH Weiden,den Besucherverkehr zwischen Westböhmenund Nordbayern seit 2012 inmehreren Projekten untersucht. DieStudien wurden gefördert durch dasZiel3-Programm der EU. In Summe wurdenallein seit 2013 über 2.500 Privatpersonenin Deutschland und Tschechienbefragt, wobei teilstandardisierteFace-to-Face-Interviews und Telefoninterviewszum Einsatz kamen.Betrachtet man die empirischen Ergebnisse,zeigen sich große Disparitäten.Bürger aus Westböhmen besuchenNordostbayern im Durchschnitt 23 Malpro Jahr, während in entgegengesetzterRichtung gerade einmal 2,5 solcheBesuche pro Jahr stattfinden. Gleichzeitigwird die zukünftige Besuchstendenzin beiden Ländern mehrheitlich als„konstant“ eingestuft. Man kann somitfesthalten, dass der Glaube an den Nutzengrenzüberschreitender Besuche beiPrivatpersonen Westböhmens weit ausgeprägterist als bei den Nordbayern.Das mag damit zusammenhängen, dasssich auf deutscher Seite jahrzehntelangbezüglich Urlaub und Sightseeing eineOrientierung nach Westen und Südenherausgebildet hat. Auch bezüglich desEinkaufens scheinen die Deutschenweniger an die Vorteile des Nachbarlandszu glauben. Unglücklicherweisehat sich im unmittelbaren GrenzbereichWestböhmens ein Saum von Asia-Märkten,Billigläden und Halbweltangebotenangesiedelt, der das Image des Nachbarlandesebenso schädigt wie die in derPresse ubiquitären Berichte über Grenzkriminalität,Drogenhandel etc. Dieallzu vereinfachende und oft einseitigeBerichterstattung schreckt dabei geradesolche Besucher ab, die ein überdurchschnittlichesAnspruchsniveau habenund höhere Kaufkraft aufweisen, währendSchnäppchenjäger und Billigtourismusangezogen werden.Um solche Befunde zu untermauern,wurden die Besuchermotive detaillierterhoben und mittels multivariater Statistikverdichtet. Wie Abbildung 2 zeigt,lassen sich bei nordbayerischen Besuchernvier Hauptmotive für eine Fahrtnach Westböhmen identifizieren, wobeidie Reihenfolge noch nichts über die Be -deutung dieser Benefit-Faktoren aussagt.Tatsächlich korreliert beispielsweise dasMotiv Einkaufen leicht positiv mit derFahrthäufigkeit ins Nachbarland,(r = ,107, a = 0,002), die anderen Motivejedoch nicht. Das Alter korreliertpositiv mit Reisen zum Zwecke vonUrlaub und Kultur (r = ,236, a = 0,000),jedoch negativ mit dem Einkaufen(r = -,207, a = 0,000). Solche Befundelegen es nahe, verschiedene Besuchertypenzu unterscheiden. Clusteranalytischlassen sich fünf unterschiedliche Typennordbayerischer Besucher in Westböhmenidentifizieren. Dabei stellt manfest, dass zum Beispiel der Typ des „Einkäufers“etwa 19 Prozent der Bevölkerungentspricht; er hat leichtes Interessean Urlaub und Kultur im Nachbarlandsowie an beruflichen und familiärbedingten Fahrten dorthin. Währendsein Hauptinteresse am (billigen) Einkaufenliegt, interessiert er sich überhauptnicht für Sportveranstaltungenund sportliche Betätigung im Nachbarland(vgl. Abb. 3).Beschreibt man diese Besuchertypen,wie in der Marktsegmentierung üblich,in soziodemografischen, psychografischenund verhaltensbezogenen Aspekten,zeigt sich ein tatsächlich diskriminierendesMuster. So machen z. B. dieSportbegeisterten ca. zehn Prozent derBesucher aus, sie sind eher jünger undzeigen eine durchschnittliche Ausgabebereitschaftvon 538 Euro pro Personund Jahr. Sie interessieren sich fürsportliche Betätigung verschiedener Artwie Golf, Wandern, Radfahren, Kletternetc. Auf Schnäppchen und Billigartikelzielen sie nicht ab, sind jedoch ausgabebereitfür Sportartikel und Sportevents.Die Urlaubs- und Kulturaffinen sindüberwiegend eine Zielgruppe 50 Plusund besichtigen vorwiegend Bäder undSehenswürdigkeiten wie Innenstädte,Burgen und Kirchen, aber auch kulturelleEreignisse wie Opernaufführungen.Sie bleiben oft zwei oder drei Tage undbesichtigen meist Tschechiens bekannteAbb. 2: Benefit-Faktoren für den Besuch in Westböhmen(Ladungsmatrix der Hauptkomponentenanalyse, Varimax-Rotation, Ladungen unter 0,3 sind unterdrückt)DNH 4 ❘ 2015


128 RIEDL/SEIDEL/WOLFRUM/SCHÄFER/ZIPS/PLEIERErläuterung: Einstufungauf Basis von Cluster-Analysen (Single-Linkageund Ward). Zu Vorgehensweiseund konkretemZahlenmaterial vgl.die angegebenen Quellen.F1Urlaub und KulturF2EinkaufenF3Arbeit und FamilieF4SportTyp 1Die Sportbegeisterten(10 %)LeichtesInteresseLeichtesInteresseLeichtesDesinteresseHaupt -interesseAbb. 3: Fünf Typen nordbayerischer Besucher in Westböhmen und ihr Interesse an den vier Benefit-FaktorenStädte wie Prag, Pilsen oder Budweis.Ihre durchschnittlichen Ausgaben proJahr und Person belaufen sich auf 361Euro. Für diese Zielgruppe ließen sichtouristische Kombinationsangeboteanbieten, wie etwa „Auf Goethes Spurenim Bäderdreieck. Ein Wellness Kurzurlaubmit Kulturprogramm“.Solche Unterschiede verschiedenerBesuchertypen geben vielfältige Ansatzpunktefür ein zielgerichtetes Destinationsmarketing.Wie nicht anders zuerwarten, stellen sich die Motive undVerhaltensweisen der westböhmischenBesucher gegenüber Nordbayern ganzanders dar. Hier sind im Wesentlichennur drei Besuchertypen zu unterscheiden,nämlich „Schnäppchenjäger“,„qualitätsbewusste Käufer“ und „ausgabebereiteVielbesucher“. Hinsichtlichder grenzüberschreitenden Kaufkraftwanderungergeben sich auf Basis einerBevölkerungshochrechnung beachtlicheSummen. So tragen die nordbayerischenBesucher allein für Einkaufen,Tanken und Gastronomiebesuche proJahr ca. 690 Millionen Euro nach Westböhmen.Die dortigen Betriebe reagierendarauf mit spezifischen Angeboten.Die Deutschkenntnisse in Gastronomieund Handel sind durchwegs gut, deutscheBesucher sind geschätzte Kunden.Umgekehrt präsentiert sich die Situationanders. Von Ausnahmen wie Weidenabgesehen, sind viele Städte Nordbayernsauf Besucher aus Westböhmenschlecht eingestellt. Es fehlt nicht nuran allgemeinen Sprachkenntnissen,Typ 2Die UrlaubsundKultur -affinen(20 %)Haupt -interesseGroßesDesinteresseMittleresDesinteresseLeichtesDesinteresseTyp 3DieEinkäufer(19 %)LeichtesInteresseHaupt -interesseLeichtesInteresseGroßesDesinteresseTyp 4Die Zweck -besucher(12 %)Durchschnittl.InteresseMittleresDesinteresseHaupt -interesseLeichtesInteresseTyp 5Die Des -interessierten(39 %)GroßesDesinteresseLeichtesDesinteresseMittleresDesinteresseLeichtesDesinteressesondern auch an kundenspezifischenAngeboten und tschechischen Ausschilderungen.25 Jahre nach der Grenzöffnunghaben sich viele deutsche Handelsbetriebeauf die Besucher aus Tschechiennoch viel zu wenig eingerichtet,obwohl alleine die Westböhmen jährlichca. 520 Millionen Euro an Kaufkraftnach Nordostbayern tragen. De factokönnte dies noch mehr sein, wenn manden Bedürfnissen dieser Besucher aktiverentgegenkommen würde und ihnenvermitteln würde, dass sie nicht die„armen Nachbarn“, sondern geschätzteKunden sind. Ein leicht herablassendesVerhalten der Händler und Gastronomengegenüber tschechischen Besuchernist es denn auch, was in offenenFragen von diesen gelegentlich moniertwird.Noch größere ungenutzte Potenzialesind zu konstatieren, wenn man dieEinschätzungen von Regionfremden inBetracht zieht. In einem aktuellen Forschungsprojektwurde hierzu die Einschätzungder nordostbayerisch-westböhmischen„Ziel3-Region“ durch Menschenim Westen von Baden-Württembergund Rheinland-Pfalz untersucht.Diese Vergleichsregion hat mit demElsass und Lothringen auf französischerSeite ein attraktives Pendant, wodurchsowohl geografisch-topografisch alsauch historisch gewisse Parallelen zumnordbayerisch-westböhmischen Raumbestehen. Aufgrund der geografischenEntfernung verwundert es nicht, dassdie Badener das Elsass viel häufigerbesuchen als Nordbayern und Westböhmen,dass sie dort mehr Geld ausgebenetc. Wohl aber ist es ein Alarmsignal,wie wenig die dortigen Befragten übereine Region wissen, die in östlicherRichtung im Durchschnitt gerade einmal350 km entfernt liegt. Während dasGesamturteil der Badener und Pfälzerzur eigenen Heimatregion auf einerAttraktivitätsskala von null bis hundertbei 81 liegt, wird Nordbayern und Westböhmenzusammenfassend gerade einmalein Wert von knapp 62 zugebilligt.Noch gravierender ist die Einschätzungder Arbeitsangebote (40), der Einkaufsmöglichkeiten(42) etc. Offene Fragendecken auf, dass Nordostbayern undWestböhmen gemeinsam (!) als Gegend„weit im Osten“, „unterentwickelt“ und„deindustrialisiert“ gesehen wird. Mehrals „grüne Wiese, Wald und Mittelgebirge“fällt vielen Befragten aus Badendazu nicht ein. Dies ist ein ernüchternderBefund für viele Jahre kostenintensiverIntegrationsbemühungen der europäischenUnion, die sich im Ziel3-Programmbis dato viel zu sehr auf diedirekte Zusammenarbeit von lokalenInstitutionen und zu wenig auf überregionaleRaumwirksamkeit konzentrierthat. Das Ziel dieser Integrationsbemühungenkann nicht darin liegen, dassder Raum beiderseits der deutsch-tschechischenGrenze von außerhalb lebendenMenschen gleichermaßen schlechtbeurteilt wird.Mindestens ebenso irritierend sind dieseBefunde hinsichtlich der bisherigenLeistungen der im Destinationsmarketingarbeitenden öffentlichen und halböffentlichenInstitutionen. Hier mangeltes unter einer Vielzahl an Playernoffensichtlich an Koordination undabgestimmtem Handeln, um auch überregionalWirkung zu erzielen. Undschließlich muss auch für die Nordostbayerischeund Westböhmische Industrieals Alarmsignal gelten, wie unattraktivihre Standorte außerhalb derRegion eingeschätzt werden. Die europäischeMobilität von Arbeitskräften istoffensichtlich noch stark entwicklungsfähig,wenn sich eine überwiegendeMehrheit von Befragten nicht im Entferntestenvorstellen kann, einenArbeitsplatz und Wohnort in einemDNH 4 ❘ 2015


KOOPERATION BAYERN-BÖHMEN 129anderen Gebiet zu nehmen, das geografischdurchaus im Zentrum der europäischenUnion liegt.Genutzte Chancen der europäischenIntegration zeigen sich demgegenüberim Hochschulbereich. So gibt es zwischenden Hochschulen in Westböhmenund Nord- sowie Ostbayern zahlreicheBeispiele für eine intensive undfruchtbare Zusammenarbeit. RegerErfahrungsaustausch beginnt schon aufder Ebene von Studierenden, über Austauschprogrammeund den Wechsel fürAufbaustudiengänge nach dem Erststudiumim Heimatland. Dass die ersteAbsolventin des MasterstudiengangsMarketing-Management an der HochschuleHof im Jahr 2008 eine bereitspromovierte Absolventin der UniversitätPilsen war, ist dabei nur eine Randnotiz,die aber etwas über die gegenseitigeAttraktivität der Studienangeboteverrät. Beinahe jährliche wissenschaftlicheFachtagungen mit Teilnehmern,Referenten und Moderatoren aus beidenLändern gehören ebenso zum gemeinsamenAktivitätenspektrum wie Forschungsprojekteund mehrsprachigePublikationen. Exemplarisch ist auchdie im Frühjahr 2015 durchgeführteviertägige Exkursion mit Teilnehmernder Hochschulen Hof und Weiden, Pilsenund Eger. Dabei wurden wichtigepositiv wie verbesserungswürdig eingestufteZiele beiderseits der Grenzebesucht. In Fachgesprächen mit verantwortlichenExperten des TourismusundDestinationsmarketings, mit Unternehmern,Stadtplanern, Wirtschaftsreferentenund Bürgermeistern wurdenChancen, Risiken und Potenziale derRegion erörtert. Zusammenfassende Diskussionenam Abend jedes Exkursionstagesbrachten zu Tage, dass die realenErlebnisse vielfach in starkem Kontrastmit vorgefertigten Meinungen über diegemeinsame Region stehen. Auf deutscherSeite zeigte man sich vom Nachbarlandund vom fachlichen Niveau dertschechischen Exkursionsteilnehmerangetan. Die persönliche Kenntnis dertschechischen Wissenschaftler und Studentenliefert ein gänzlich anderes Bild,als es die in der Presse zu findendenBerichte über die Vorgänge im Grenzgebietdes Nachbarlands hervorrufen. Diehistorischen Orte im böhmischenBäderdreieck wurden als attraktive Ausflugszielewahrgenommen und ein Studienaufenthaltin Tschechien als eine„attraktive Option“ bewertet. TschechischeStudierende räumten ein, dasssie Deutschland eher aus dem Fokusverloren hätten und sich weiter nachWesten, wie nach England, Spanienoder USA, orientiert hätten. Durch dieExkursion sei Deutschland auch als Studienortwieder interessant geworden.Zusammenfassend lässt sich sagen, dassder Hochschulsektor aufgrund der vielgestaltigenKontakte und der konti -nuierlichen Projektkooperation eineLead-Funktion für andere Wirtschaftszweigeeinnimmt. Die grenzüberschreitendeZusammenarbeit wird von allenbeteiligten Hochschulen auch institutionellnach Kräften gefördert, weiteregemeinsame Projekte haben das Stadiumkonkreter Planungen angenommen.Dabei geht es um mehr als empirischeForschung. Ziel ist es, aus dem wissenschaftlichenSektor heraus konkrete Im -pulse für eine Intensivierung der wirtschaftlichenZusammenarbeit zwischenBayern und Tschechien zu geben. ■Abb. 4: Beurteilung wesentlicher Besuchsargumente gegenüber Westböhmen – Nordbayern, Gesamturteilund Vergleich mit der Region Baden – Pfalz – Elsass-Lothringen seitens dort lebender Privatpersonen 2015,(n= 395, Skala von 0 = vollkommen unattraktiv bis 100 = höchst attraktiv)LiteraturCimler, P., Eggers, B., Hommerová, D., Lochmüller,M., Riedl, J.: Der grenzüberschreitende BesucherverkehrNordostbayern – Westböhmen,Weidenberg 2014 (kostenloser Download unterhttp://www.accessmm.de/Publikationen.html).Riedl, J. (Hrsg.): Empirische Daten für das Destina -tionsmarketing, mit Beiträgen von Doc. Ing.Petr Cimler, CSc., Barbara Eggers, MBA, Ing.Dita Hommerová. Ph.D., MBA, Dipl.-Kfm. MartinLochmüller, Dr. Joachim Riedl, Dr. FrankSchäfer, Ing. Petr Štumpf, Dr. Bernd Wolfrum,Dr. Sebastian Zips, MBA, Weidenberg 2014.Riedl, J. (Hrsg): Der Imagevergleich von Regionenals Basis für das Destinationsmarketing, Chemnitz2015 (im Druck).Seidel, M.: Regional Marketing and Regionalmanagement as Bottom-up-based Approachesto Manage Successful Development of RuralRegions, in: GeoNova, Revista do Departamentode Geografia e Planeamento Regional, specialIssue, 2010, S. 79–92.DNH 4 ❘ 2015


130 FH-TRENDSFH Münster„Ich wollte mir ein eigenes Bildvon der Lage vor Ort machen“FH-Student Benjamin Lohmannberichtet über sein Auslandssemesterin AthenMünster, 3. Juli 2015. Anfang Februarhat Benjamin Lohmann sich für einAuslandssemester auf den Weg nachAthen gemacht. „Die politische undwirtschaftliche Situation hat mich ge -reizt – ich wollte mir ein eigenes Bildvon der Lage vor Ort machen”, erinnerter sich. Vom Fachbereich Wirtschaft derFH Münster ging es an die Athens Universityof Economics and Business. Nunsind alle Klausuren geschrieben und derStudent verbringt seine letzten Tage inGriechenland. Wie alle anderen blicktauch er gespannt dem Referendum amkommenden Sonntag entgegen. Zeit,um Bilanz zu ziehen: Wie lebt es sichals deutscher BWL-Student in der griechischenHauptstadt?„Mein bisheriger Alltag hier war wesentlichentspannter und problemloser, alsich es im Vorfeld erwartet hatte”, be -richtet Lohmann. Er habe sich immersicher gefühlt und frei in der Stadt be -wegt. Dabei sei er auf viel Freundlichkeitund Hilfsbereitschaft gestoßen. Sei -ne Herkunft hat er trotzdem nicht im -mer preisgegeben, denn in Ausnahmefällenendeten die Gespräche dannweniger angenehm. „Wenn die Leuteerkannt haben, dass ich aus dem Auslandkomme, wollten sie immer mit mirüber die aktuelle wirtschaftspolitischeLage sprechen und meine Sicht der Din -ge erfahren”, erzählt der Student. Dassdie Bevölkerung gespaltener Ansichtüber die Zukunft des Landes ist, sei beidiesen Gesprächen ganz deutlich ge -worden.hatte fast ausschließlich mit griechi -schen Studierenden Kontakt, die selbstschon ein Erasmussemester in Europaverbracht haben, und viele planen ihreberufliche Zukunft im Ausland.” DieEinstellung der jungen Menschen habeihn beeindruckt, berichtet der angehendeBetriebswirt: „Sie sorgen sich zwarum ihre Zukunft, sind dabei aber außerordentlichpositiv eingestellt und versuchen,sich durch viel Engagement fürden Arbeitsmarkt attraktiv zu machen.”Die nächste Interessentin für ein Auslandssemesterin Athen steht schon inden Startlöchern. „Sie beobachtet dieEntwicklung in Griechenland sehrgenau und hofft, dass sie ihr Auslandssemesterwie geplant im September startenkann”, sagt Nick Langer, der dieStudierenden am Fachbereich Wirtschaftder FH Münster bei der Planungdes Auslandsaufenthaltes unterstützt.Egal wie die Abstimmung am Sonntagausfällt und was danach passiert – BenjaminLohmann ist dabei und kommtmit vielen Eindrücken und Erfahrungenim Gepäck zurück nach Münster.FH MünsterEher einheitlich war die Meinung dergriechischen Kommilitonen: „Die großeMehrheit der Studierenden hier ist fürEuropa und den Euro, obwohl natürlichauch für sie völlig unklar ist, wie dieZukunft aussieht”, so Lohmann. „IchNatürlich durfte neben dem Studium auch das Sightseeing nicht zu kurzkommen: Benjamin Lohmann vor dem Parthenon auf der Akropolis inAthen.Foto: FH Münster/PressestelleDNH 4 ❘ 2015


FH-TRENDS 131TFH BochumBrücken nach Europa bauen:TFH zeichnet afrikanische Studierendemit Stipendien ausIhre Geschichten und Biografien unterscheidensich, doch in ihren Zielen sindsich Hammou Idrissi und seine afrikanischenKommilitonen einig: Sie wollenin Europa ihren Studienabschluss ma -chen und sich so eine bessere Zukunftaufbauen. An der Technischen Fachhochschule(TFH) Georg Agricola findensie hierfür beste Voraussetzungen.Jetzt erhielten die vier Gaststudierendenaus Kamerun, Gabun und Marokkojeweils ein Studienabschluss-Stipendiumin Höhe von 500 Euro von der Hochschule,mit dem ihre guten Leistungengewürdigt wurden. Der Verfahrenstechnik-StudentAbdellah Droussi wurdezusätzlich für sein soziales Engagementgeehrt – er unterstützt inzwischen selbstFlüchtlinge bei ihren ersten Schrittenim fremden Land. Die Stipendien des„kombinierten Stipendien- und Betreuungsprogramm“(STIBET) werden ausMitteln des Deutschen AkademischenAustauschdiensts (DAAD) finanziertund jährlich von der TFH vergeben.Mathe ist das Lieblingsfach von AbdellahDroussi, aber auch Physik und Chemieliegen ihm. Der gebürtige Marokkanerstudiert Verfahrenstechnik an derTFH und ist damit bestens gerüstet, spätereinen sicheren, gut bezahlten Job inder Industrie zu finden. Die Situation inAfrika betrachten er und seine Studienkollegentrotzdem mit Sorge – nochwährend der Stipendienvergabe tauschtensich die engagierten Studierendenmit TFH-Präsident Prof. Dr. JürgenKretschmann intensiv über Politik, dasBildungssystem und den Flüchtlingsstromnach Europa aus. Zwischen Vorlesungund Seminaren engagiert sich Ab -del lah Droussi hier noch privat: Zurzeitbetreut er syrische Flüchtlinge, be gleitetsie zu Behörden oder zum Arzt undbeteiligt sich an Hilfsgütersammlungen.„Die Professoren und Dozenten habenimmer Zeit für Fragen und sind sehrhilfsbereit.“ Das erleichtere den Einstiegerheblich, sagt auch Claudine JoséeNdom‘a Dicka aus Kamerun: „Gleich imersten Semester musste ich Referate aufDeutsch halten. Das war eine Herausforderung,aber es hat mir auch sehr ge -holfen, die Sprache und die Inhalteschneller zu verstehen.“ Die Studentinder technischen BWL will auch ihrenMaster in Deutschland machen undmöglichst in der Logistik-Branche arbeiten.„Die Aussichten dafür sind sehrgut, denn unsere ausländischen Studierendenbringen einen entscheidendenVorteil mit“, sagt TFH- Präsident Prof.Dr. Jürgen Kretschmann. „Die Firmenrichten sich immer stärker internationalaus. Ingenieurinnen und Ingenieuresowie Wirtschaftswissenschaftler mitvielen Sprachkenntnissen sind deshalbsehr gefragt.“Doch auch eine Rückkehr in ihre Heimatländerkönnen sich alle ausgezeichnetenJungakademiker vorstellen: „Dasist unsere Chance, vor Ort etwas zubewegen“, sagt Hammou Idrissi. InMarokko hatte er sein Studium frühabgebrochen. „Alle Vorlesungen fandenausschließlich auf Französisch statt,dabei hatte ich bis zum Abitur Unterrichtauf Arabisch.“ Da konnte er auchgleich Deutsch lernen, beschloss HammouIdrissi. Er belegte schon zu HauseSprachkurse und schrieb sich an derTFH im Studiengang Technische BWLein – jetzt steht er kurz vor seinemBachelor-Abschluss.Auch der angehende VerfahrenstechnikingenieurGerry Donald Alandji möchtein seiner Heimat Gabun die Fühlernach einem Job ausstrecken: „Direktnach dem Abschluss ist es eher schwierig,seine Karriere in Afrika zu starten.Deshalb möchte ich vorher noch etwasBerufserfahrung in Deutschland undEuropa sammeln, um meine Chancenzu steigern.“ Die vielen praxisnahenErfahrungen, die die vier Studierendenan der TFH gemacht haben, sollenkünftig noch mehr junge Ausländer andie Bochumer Hochschule locken: „Siesind unsere besten Werbeträger“, sagtPräsident Prof. Kretschmann. „Schreibenund mailen Sie Ihren Freunden!Erzählen Sie zu Hause von der gutenAusbildung an der TFH und dass einStudium in Deutschland nichts Unmöglichesist. Wir freuen uns, wenn nochmehr Studierende aus fremden Ländernzu uns kommen und unsere Hochschulebereichern.“TFH BochumAn der kleinen TFH gefalle ihm besondersdie familiäre Atmosphäre, sagtAbdellah Droussi.Freuen sich über ausgezeichnete Zukunftsperspektiven (v. l. n. r.): Abdellah Droussi, Claudine Josée Ndom‘aDicka, Gerry Donald Alandji, Hammou Idrissi und TFH-Präsident Prof. Dr. Jürgen Kretschmann. Foto: TFHDNH 4 ❘ 2015


132 AUS BUND UND LÄNDERNNiedersachsenLand erleichtertFlüchtlingen den Zu -gang zum StudiumWissenschaftsministerium und Hochschulenstellen UnterstützungsprojektevorViele Menschen suchen auf der Fluchtvor Krieg und Vertreibung Schutz inDeutschland. Nicht wenige Flüchtlingeverfügen über gute Bildungsqualifikationenund -potenziale. Das NiedersächsischeMinisterium für Wissenschaft undKultur (MWK) hat sich daher zum Zielgesetzt, diesen Menschen bei der Orientierungzu helfen und sie aktiv bei derAufnahme eines Studiums zu unterstützen.„Wir möchten Flüchtlingen, die persönlichein schweres Schicksal erleiden,Perspektiven aufzeigen. Es ist im Interesseder ganzen Gesellschaft, wenn wirdas Potenzial dieser Menschen nichtbrachliegen lassen und ihnen dabei helfen,Bildungschancen zu ergreifen”, sagtdie Niedersächsische Ministerin für Wissenschaftund Kultur, Gabriele Heinen-Kljaji . „Damit erleichtern wir es Flüchtlingen,rasch bei uns Fuß zu fassen, undgeben gleichzeitig einen Anreiz, umzukünftige Fachkräfte in Niedersachsenzu halten.”Damit Flüchtlinge ihre bereits in derHeimat begonnenen Bildungswege fortsetzenkönnen, hat das MWK gemeinsammit den Hochschulen ein Paket ausvier Bausteinen geschnürt.Der Hochschulzugang wird erleichtertFlüchtlingen, die ihre Zeugnisse fluchtbedingtnicht vorlegen können, wirdkünftig ein schneller Zugang zum Studiumin zulassungsfreien Studiengängenermöglicht. Voraussetzung ist, dass sieausreichende Deutschkenntnisse nachweisenund einen Aufnahmetest amStudienkolleg überdurchschnittlich gutbestehen. Zusätzlich starten ab dem 1.Juli 2015 fünf Pilotprojekte zur Sprachvermittlungin den Regionen Hannover,Göttingen, Lüneburg, Oldenburg undOsnabrück. Diese kostenfreien Kursestehen allen Flüchtlingen ab dem 18.Lebensjahr offen, die studieren möchten,aber noch nicht über ausreichendeSprachkenntnisse verfügen und/odernoch keine Hochschulzulassung haben.Das MWK fördert diese Projekte, dieauch Beratung zu Bildungsangebotenbeinhalten, mit 350.000 Euro.Studierende unterstützen Flüchtlingebeim SpracherwerbLehramtsstudierende, die bereits Kompetenzenzur Vermittlung von Deutschals Fremd- oder Zweitsprache erworbenhaben, können jungen Flüchtlingen imZuge ihres Betriebs- und SozialpraktikumsDeutschunterricht erteilen. Siesollen in Erstaufnahmeeinrichtungenund Einrichtungen der Erwachsenenbildungunterrichten und werden von denHochschulen vermittelt. Für diese Koordinationsaufgabenstellt das MWK denlehrerbildenden Hochschulen 2015 insgesamtbis zu 400.000 Euro als Soforthilfezur Verfügung.Stipendienprogramm wird für leistungsstarkeFlüchtlinge geöffnetBesonders begabte Flüchtlinge, dieunter schwierigen Lebensbedingungenstudieren, können Hilfe aus dem NiedersächsischenStipendienprogrammbekommen.Hochschulen engagieren sich fürIntegrationAuch die Hochschulen haben ihre aktiveUnterstützung bei der Integrationvon Flüchtlingen zugesagt. Mit einerVielzahl von Angeboten und Maßnahmen,die die Aufnahme, Integrationund letztlich auch den Studienerfolgdieser besonderen Zielgruppe fördern,engagieren sich alle Standorte. „Die niedersächsischenHochschulen sind sichihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortungbewusst und wollen konsequentdazu beitragen, die Bildungschancenvon Menschen aus Einwanderungsfamilienweiterzuentwickeln, umihre Integration zu fördern”, so der Vorsitzendeder LandeshochschulkonferenzNiedersachsen (LHK), Professor Wolfgang-UweFriedrich.Die Hochschulen in Niedersachsenunterstützen studieninteressierte Flüchtlingebei ihren Fragen zur Aufnahmeeines Studiums, zur Weiterführungeines in ihrem Heimatland begonnenenStudiums oder zur wissenschaftlichenWeiterqualifizierung. An allen Hochschulensind Ansprechpartnerinnenund Ansprechpartner benannt(http://www.studieren-in-niedersachsen.de/fluechtlinge.htm).Durch Angebote wie Gasthörer-, PatenundMentoringprogramme, Schnupperstudien,spezielle Studienangebote undLehrveranstaltungen, Schreibwerkstätten,Konferenzen, Aktions- und Blockwochensowie Campus- und Sommerfesteebnen die Hochschulen den studieninteressiertenFlüchtlingen den Wegauf den Campus.Auf der Internetseite des MWK findenSie weitere Hintergrundinformationensowie eine systematische Darstellungdes erleichterten Hochschulzugangsund ein Handout, das Multiplikatorenin Kommunen, Einrichtungen derErwachsenenbildung, dem Flüchtlingsratund Aufnahmeeinrichtungen inDeutsch und Englisch an die Handgegeben wird.MWK NiedersachsenDNH 4 ❘ 2015


AUS BUND UND LÄNDERN 133Nordrhein-WestfalenMinisterin stellt Rahmenkodexfür guteBeschäftigung vorEin neuer Rahmenkodex „Gute Arbeit“wird erhebliche Verbesserungen derBeschäftigungsbedingungen für dasHochschulpersonal in Nordrhein-Westfalenauslösen. Das Ministerium für In -novation, Wissenschaft und Forschunghat mit Vertreterinnen und Vertreternder Arbeitgeber (Hochschulen) und derArbeitnehmer (Landespersonalräte) erstmalseinen gemeinsamen bindendenKodex entwickelt und der Öffentlichkeitvorgestellt. Dem Faktor „GuteArbeit“ kommt im nationalen und globalenWettbewerb von Wissenschaftund Forschung entscheidende undimmer größere Bedeutung zu – darinwaren sich alle Seiten einig.Wissenschaftsministerin Svenja Schulzesagte: „Dass wir diese so eminent wichtigeMaßnahme nun gemeinsam aufden Weg bringen, macht mich sehrstolz. Wissenschaft und Forschung sindentscheidende Schlüssel für die Gestaltungder Zukunft unserer Gesellschaft.Diesem Anspruch müssen selbstverständlichauch die Arbeitsbedingungender Beschäftigten gerecht werden. Ichdanke deshalb sowohl Arbeitgebern alsauch Arbeitnehmern für ihren unbedingtenKooperationswillen.“Mit dem zum 1. Oktober 2014 in Kraftgetretenen Hochschulzukunftsgesetzwaren die Voraussetzungen geschaffenworden, dass sich alle Seiten auf diesewichtige hochschulische Aufgabe verständigen.Die künftigen Fortschrittefür die Beschäftigten liegen vor allem infünf Bereichen:■ Abbau der befristeten Beschäftigungdes wissenschaftlichen Personals,■ Verbesserungen für das unterstützendePersonal,■ familiengerechter Umgang mit Teilzeitbeschäftigung,■ Etablierung und Ausbau gesundheitsfördernderArbeitsbedingungen,■ landesweiter Hochschul-Arbeitsmarkterleichtert Stellenwechsel.Der Rahmenkodex ist eine vertraglicheVereinbarung, die von Vertreterinnenund Vertretern der genannten Vertragsparteienausgehandelt wurde und vonden Leitungen jeder Hochschule imWeiteren unterzeichnet werden soll. Anden einzelnen Hochschulen soll dieserRahmen passend zu den jeweiligen örtlichenBesonderheiten ausgefüllt werden.Eine Kommission mit Mitgliedern ausHochschule, Personalräten und Ministeriumbegleitet die Umsetzung und Fortentwicklungdes Rahmenkodex undmacht zum Beispiel weitere Verbesserungsvorschläge.Einige wesentliche Erläuterungen zuden Inhalten des neuen Rahmenkodex:1. Abbau befristeter Beschäftigung deswissenschaftlichen Personals:In der Qualifizierungsphase ist einGroßteil des wissenschaftlichen Personalsbefristet beschäftigt, oft kürzer,als für die Dauer des Qualifizierungsvorhabensangemessen. Künftigwerden grundsätzlich keine Verträgemit Laufzeiten von unter einem Jahrgeschlossen. An die Stelle von oftmehreren kurzzeitigen Verträgen tretenwenige mit längeren Laufzeiten.2. Verbesserungen für das unterstützendePersonal:Hier sind vor allem studentische undwissenschaftliche Hilfskräftegemeint. Diese Personalgruppe wirdihrer Qualifikation entsprechend eingesetztund möglichst nicht mit Aufgabenbetraut, die grundsätzlich demunbefristet beschäftigten Hochschulpersonalobliegen.3. Familiengerechter Umgang mit Teilzeitbeschäftigung:Geeignete Maßnahmen stellensicher, dass Beschäftigte in Teilzeitnicht benachteiligt werden: zum Beispieldurch Konzepte zur Qualifizierungoder auch bei der Rückkehrnach einer Familienphase.4. Etablierung/Ausbau gesundheitsfördernderArbeitsbedingungen:Dies betrifft Bereiche wie Führung,Unternehmenskultur, Betriebsklima,soziale Kompetenz, Arbeitsbedingungenund Gesundheitsverhalten. Dazugehören ein effektiver Arbeits- undGesundheitsschutz, etwa durchgesunde Kantinenkost oder Rückenschulungskurse,ebenso wie flexibleArbeitszeiten und die Schulung vonFührungskräften zu diesem Thema.5. NRW-weiter Hochschul-Arbeitsmarkterleichtert Stellenwechsel:Der Wechsel zu einer anderen Hochschuleoder zu einem anderen Arbeitgeberkonnte Nachteile mit sich bringenin puncto Bezahlung oder miteiner erneuten Probezeit verbundensein. Ein solcher Wechsel kann auspersönlichen und privaten Gründenoder auch aus Karriere-Gründenwünschenswert und sinnvoll sein.Hier sind die beschriebenen Nachteilezu vermeiden. Ausschreibungensind allen Beschäftigten in einemlandesweiten Hochschul-Stellenmarktzugänglich.MIWF NRWDNH 4 ❘ 2015


134 AUS BUND UND LÄNDERNBayernSynergien nutzen –KooperationenstärkenBayerisches Wissenschaftsforum Bay-WISS – ein zukunftsweisendes Modellzur Stärkung der Zusammenarbeit zwischenUniversitäten und HAW„Ausgangspunkt für die gemeinsamenAnstrengungen der Hochschulverbündezur Konzeptionierung eines BayerischenWissenschaftsforums – BayWISS war dieAufforderung von Staatsminister Dr.Spaen le an die Hochschulverbünde, Vorschlägezu Weiterentwicklung der Promotionzu erarbeiten”, erinnert sichProf. Dr. Walter Schober, Präsident derTechnischen Hochschule Ingolstadt THI.„Was wir aber nun mit dem BayWISSerreicht haben, reicht weit über diesesursprüngliche Ziel hinaus. Es ist gelungen,die hochschulartübergreifende Zu -sammenarbeit zwischen Universitätenund HAWs in einem Strukturmodell zuorganisieren und damit die Stärken derbeiden Hochschultypen zu bündeln, oh -ne die jeweilige Profilbildung und funktionaleDifferenzierung der Hochschulartenzu schwächen. Durch den kontinuierlichenAustausch unter den Hochschulenin Forschung, Lehre und Weiterbildungentsteht ein großer Mehrwertfür den Wissenschaftsstandort Bayern.“Fachforum Verbundpromotion undEckpunkte für Promotionen in BayernDas BayWISS sieht in der hochschulübergreifendenFörderung hochqualifizierterPromovierender eine wichtigeZielsetzung. Folglich wird sich das ersteFachforum unter dem Dach von Bay-WISS dem drängenden Thema der Weiterentwicklungder Promotion widmen.Seit Einführung der kooperativen Promotionund mit dem Ausbau deranwendungsorientierten Forschung hatsich die Zahl der Promovierenden anHAWs jährlich gesteigert und beläuftsich derzeit bayernweit auf etwa 500.„Die für den Promotionsprozess notwendigeZusammenarbeit zwischenUniversitäten und HAWs zeigt bislangein sehr mannigfaltiges Bild. Sie funktioniertan einzelnen Stellen und in einzelnenDisziplinen sehr gut, an anderenweniger“, resümiert Prof. Dr. WalterSchober. „Im Fachforum Verbundpromotionwerden nun verlässliche, strukturierteund barrierefreie Wege zur Promotionfür HAW-Absolventen aufgezeichnetund gangbar gemacht. Damittreten feste Strukturen an die Stelle vonindividuellen und oftmals auf persönlichenBeziehungen fußenden Kooperationen.“„Diese neue Qualität der Zusammenarbeitzwischen den Hochschulen“, fügtProf. Dr. Wolfgang Baier, Präsident derOTH Regensburg, hinzu, „gilt abernicht nur für jene Promotionsprojekte,die in einem neu gegründeten Verbundkollegentstehen. Die Art und Weise derZusammenarbeit von bayerischen Universitätenund HAWs im Bereich derPromotionen wird sich zukünftig entlangvon insgesamt 14 Eckpunkten aufeinem grundlegend neuen Niveaubewegen.“Feste Strukturen und aktiveMitverantwortung„Die besondere Bedeutung dieser Eckpunkte“,erklärt Prof. Dr. Michael Pötzl,Präsident der Hochschule Coburg, „istdie Ausgestaltung dieser partnerschaftlichenKooperation, und zwar sowohl wasdie Aufnahme von HAW-Absolventen inPromotionen als auch was die Be treu -ung dieser Promotionsprojekte durchHAW-Professorinnen und -Professorenbetrifft. Zukünftig werden in den Promotionsausschüssender Universitätenund auch bei der Begutachtung der Ar -beiten gleichberechtigt HAW-Professorinnenund -Professoren eingebunden.Und auf der Promotionsurkunde ist diekooperierende HAW explizit genannt.”Das Modell der Verbundpromotionstellt inhaltlich und strukturell einedeutliche Weiterentwicklung derbekannten kooperativen Promotionskollegsdar. Damit sei, fasst Prof. Dr.Michael Braun, Vorsitzender von HochschuleBayern und Präsident der TechnischenHochschule Nürnberg dieseerfreuliche Entwicklung zusammen, einwichtiger und in den Augen vielerHAW-Professorinnen und -Professorenlängst überfälliger Schritt getan, um dieForschungstätigkeiten und die Nachwuchsförderungim Bereich der anwendungsorientiertenForschung und Entwicklungan den HAWs zu würdigen.Nun gelte es, das erarbeitete Konzeptrasch mit Leben zu füllen und die neueQualität der Zusammenarbeit vonHochschulen im Bereich der Verbundpromotionenumzusetzen.Dr. Wolfgang Zeitler (StMBW), Prof. Dr. Wolfgang Baier (Präsident OTH Regenburg), Prof. Dr. Sabine Döring-Manteuffel (Präsidentin Universität Augsburg), Prof. Dr. Walter Schober (Präsident TH Ingolstadt) undBarbara Lüddeke (StMBW) Foto: Hochschule Bayern e. V.Hochschule Bayern e. V.DNH 4 ❘ 2015


AUS BUND UND LÄNDERN 135BundStarke Fachhochschulenfür starkeRegionenInitiative für Forschung an FachhochschulengestartetWanka: „Neuer Schwung für Entwicklungder Wirtschaft und Fachkräfteausbildung”Das Bundesministerium für Bildungund Forschung (BMBF) startet die neueInitiative „Starke Fachhochschulen –Impuls für die Region” (FH-Impuls). Zielist es, regionale Forschungs- und Innovationspartnerschaftenvon Fachhochschulenmit der Wirtschaft strategischzu fördern. Dafür stellt das BMBF insgesamtrund 100 Millionen Euro für dieFörderdauer von bis zu acht Jahrenbereit. Die neue Initiative ist Teil desProgramms „Forschung an Fachhochschulen”.Bundesforschungsministerin JohannaWanka sagte bei der Vorstellung vonFH-Impuls: „Wir haben die neue Initiativeentwickelt, weil wir die positivenEffekte von forschungsstarken Fachhochschulenerweitern wollen. Fachhochschulen,die bei der Forschung mitden Unternehmen vor Ort intensivkooperieren, tragen erheblich zu einerguten wirtschaftlichen Entwicklung derganzen Region bei. Die Innovationskraftwird erhöht, Forschungsergebnissefinden leichter den Weg in die Anwendungund die Ausbildung von Fachkräftenerhält neue Impulse.” Mit FH-Impuls soll ein systematisch und längerfristigangelegter Ausbau der angewandtenForschung insbesondere mitkleinen und mittleren Unternehmen(KMU) in der Region vorangetriebenwerden. „Die WettbewerbsfähigkeitDeutschlands und unsere weltweit anerkannteFachkräfteausbildung spiegelnsich im exzellenten Ruf von ‘Made inGermany‘. Wir arbeiten daran, dass diesauch in Zukunft so bleibt. Unsere Initiativebringt neuen Schwung für die Entwicklungder Wirtschaft und Ausbildungvon Fachkräften”, sagte Wanka.Der Sprecher der Fachhochschulen inder Hochschulrektorenkonferenz,Micha Teuscher, sagte: „Fachhochschulenbilden Fachkräfte und Nachwuchswissenschaftlerpraxisnah aus, sie forschenanwendungsorientiert in Kooperationmit Unternehmen und Einrichtungenin der Region. Durch ihre Forschungund Entwicklung neuer undverbesserter Produkte und Dienstleistungenstärken sie auch die Wettbewerbsfähigkeitihrer Partner.”FH-Impuls startet in diesem Monat. Ineinem wettbewerblichen Verfahren sollenbis zum Sommer 2016 die bestenzehn Konzepte von Fachhochschulenfür strategische Forschungs- und Innovationspartnerschaftenermittelt werden.Die Partnerschaften sollen aufeinem an der Fachhochschule bereitsvorhandenen Forschungsschwerpunktmit hohem Transfer- und Umsetzungspotenzialaufbauen und sich auch amBedarf der Unternehmen orientieren,die mit der Fachhochschule im Rahmenvon Forschungs- und Entwicklungsprojektenlängerfristig kooperieren wollen.Zum Aufbau einer nachhaltigen Perspektiveder Partnerschaften ist einefinanzielle Beteiligung der Wirtschaftbei Forschungsprojekten vorgesehen.Gleichzeitig ermöglicht die Partnerschaft,dass einzelne an der Kooperationbeteiligte KMU bei Bedarf Unterstützungfür Forschung und Entwicklungerhalten können.AUTOREN GESUCHT!Micha Teuscher zeigte sich überzeugtdavon, dass sich die Fachhochschulenangesichts der zunehmenden Vielfalt inder deutschen Hochschullandschaftauch im Forschungsbereich künftignoch deutlicher positionieren müssen.„Ich begrüße daher ,FH-Impuls‘ als einewichtige Maßnahme, die Wettbewerbsfähigkeitder Fachhochschulen im Wissenschaftssystemweiter zu stärken undzugleich deren Sichtbarkeit in Wirtschaftund Gesellschaft zu erhöhen.”Das an Fachhochschulen gerichtete undjetzt mit der Initiative FH-Impuls erweiterteProgramm „Forschung an Fachhochschulen”ist in der deutschen Förderlandschafteinzigartig. Seit 2006wurde das Programm bedarfsorientiertweiterentwickelt und finanziell von10,5 Millionen Euro im Jahr 2005 aufrund 46 Millionen Euro in diesem Jahrausgebaut. 125 Fachhochschulen realisiertenfast 1.400 Forschungsvorhabenmit einer Programmförderung von insgesamtrund 286 Millionen Euro.FH-Impuls ist Teil der neuen Hightech-Strategie, mit der die Bundesregierungaus Ideen Innovationen macht und Verbindungenzwischen Wissenschaft undWirtschaft, Forschung und Gesellschaftknüpft. So werden Zukunftschancenund die Arbeitsplätze von morgengeschaffen.Weitere Information finden Sie unter:http://www.bmbf.de/de/864.phpBMBF5/2015Citizen Science –Wissenschaft mitten in der Gesellschaft6/2015Demokratische HochschuleHochschule in der DemokratieSchicken Sie uns Ihre Beiträge, Informationen und Meinungen!Kontaktadresse: Prof. Dr. Christoph Maas · christoph.maas@haw-hamburg.deRedaktionsschluss für die Ausgabe 5/2015 ist der 31. August 2015Redaktionsschluss für die Ausgabe 6/2015 ist der 30. Oktober 2015DNH 4 ❘ 2015


136 AUS BUND UND LÄNDERN/FH-TRENDSSachsen-Anhalthlb-Landesverbandwählt neuen VorstandBei der Vorstandswahl anlässlich derletzten Landesdelegiertenversammlungwurden der Vorsitzende, Erwin J. G.Albers von der Hochschule Magdeburg-Stendal, sowie der Schatzmeister, EckhardFreyer von der Hochschule Merseburg,wiedergewählt. Als neues Vorstandsmitgliedtrat Peter Löbbecke (FHPolizei Sachsen-Anhalt) als Stellvertreterdes Vorsitzenden hinzu. Bei der Bundesdelegiertenversammlungdes hlb am29./30. Mai 2015 wurden die drei Delegiertenstimmendes LandesverbandesSachsen-Anhalt bereits durch den neugewählten Vorstand vertreten.Der neue Vorstand hat sich u. a. eineVerstärkung der Präsenz des hlb imLand, die Schärfung der Position zumBolognaprozess und Promotionsrechtsowie eine erneute Intensivierung derÖffentlichkeitsarbeit und der Mitgliederwerbungvorgenommen. Dazu sollunter anderem eine Begrüßung neuberufener Kolleginnen und Kollegen inSachsen-Anhalt durch den Landesverbandorganisiert werden. Außerdem willder Vorstand noch mehr als bisher dieOrtsgruppen an den Hochschulen besuchen.FH-Trends: HTW SaarlandDas Deutsch-Französische Hochschulinstitut(DFHI) an der Hochschulefür Technik und Wirtschaftdes SaarlandesDie Hochschule für Technik und Wirtschaftdes Saarlandes (htw saar) hat aufgrundihrer geographischen Nähe zuFrankreich und der besonderen ge -schichtlichen Verbundenheit mit demNachbarland bereits früh und konsequentdie Einrichtung grenzüberschreitenderStudiengänge vorangetrieben.Bereits 1978 entstand zwischen derdamaligen Fachhochschule des Saarlandesund der Universität Metz die erstedeutsch-französische Hochschulkooperationmit Doppelabschlüssen auf Basiseines Staatsvertrags zwischen beidenLändern. Das Studienangebot umfasstezu Beginn ein Aufbaustudium in denFächern Betriebswirtschaft, Maschinenbauund Elektrotechnik.Von Anfang an wurde das Studienangebotunter dem Dach einer gemeinsamgetragenen Struktur, dem Deutsch-FranzösischenHochschulinstitut DFHI (französisch:ISFATES, Institut SupérieurFranco-Allemand de Techniques, d’Économieet de Sciences), zusammengefasst.Dieses zeichnet sich u. a. durcheigene Sekretariate in beiden Ländernsowie paritätisch besetzte Instituts- undStu diengangsleitungen aus. Im Laufeder Jahre folgte eine schrittweise Konso-lidierung durch weitere binationale Elemente:Gemeinsame Zulassungs- undPrüfungskommissionen, die Gründungeines Fördervereins sowie die Bildungeines Studierenden- und eines Aluminivereinsstärkten die Vernetzung undIdentitätsbildung.Das DFHI hat es geschafft, in 35 Jahrendie Balance zwischen den teilweiseasynchronen Entwicklungen in den beidenLändern zu halten. Im Fächerspektrumkamen Informatik, Bauingenieurwesenund Logistik hinzu, 1999 wurdeeine vierjährige Studienstruktur eingerichtet,2005 der gemeinsame Bachelorbzw.Master-Abschluss der beiden Partnerhochschulenin allen Studiengängeneingeführt. Mit der Universität Luxemburgals weitere Partnerhochschule entstandder trinationale StudiengangEuropäisches Baumanagement.Inzwischen ist das DFHI mit über 2500Doppeldiplomierten die größte deutschfranzösischeHochschulkooperation.Der Erfolg des Instituts ist auch einErfolg seiner Absolventen, die nicht nurauf dem „deutsch-französischen Heimatmarkt“hervorragende Berufsaussichtengenießen. Dies liegt insbesonderean den fachübergreifenden, profilbildendenElementen des Studienangebots:Gemischt-nationale Studierendengruppenan wechselnden Studienorten,eng abgestimmte Curricula zusammenmit den fremdsprachlich-interkulturellenInhalten sowie dem Projektstudiumund der Praxisphase im Partnerland bildenden idealen Rahmen für einenaußerordentlichen persönlichen Reifeprozess.Trotz des Mehraufwands durchOrtswechsel und Prüfungen in derFremdsprache weisen die DFHI-Studiengängeeine überdurchschnittlich hoheStudienabschlussquote auf.DFHI – htw saarEckhard Freyer (Schatzmeister), Erwin J. G. Albers (Vorsitzender), Peter Löbbecke(1. Stellvertreter) (v. l.)Foto: privatKontakt:dfhi@htwsaar.dewww.dfhi-isfates.euDNH 4 ❘ 2015


BERICHTE 137Bad Wiesseer Positionspapier zum Thema Gesellschaftliche Bildungs anforderungen und dieKompetenzen der Hochschulen für angewandte Wissenschaftenverabschiedet von der Mitgliedergruppe der Fachhochschulen in der HRK am 19. Juni 2015Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) sind wesentliche Akteure des gesellschaftlichenWandels. Wir gestalten mit unseren Kompetenzen zukunftsfähige Bildung und Wissenschaft im Hochschulsystem. Wir entwickelnunsere Angebote in Studium und Lehre, Weiterbildung, Forschung und Transfer innerhalb dieses Veränderungsprozessesweiter. Damit bieten wir ein großes Potenzial für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung. Dies eröffnet eine auf die Bildungsanforderungenausgerichtete Differenzierung und Profilierung der einzelnen Hochschule.BildungsauftragDurch ihre Kompetenzen ermöglichen die HAWs die Erfüllung des Bildungsauftrags.Die Gesellschaft braucht Persönlichkeiten, die handlungsorientierte fachwissenschaftliche und überfachliche Kompetenzen vereinigen.Die Doppelqualifikationen unserer Professorinnen und Professoren in Wissenschaft und Praxis bilden hierfür eine guteGrundlage. Unsere Absolventinnen und Absolventen zeichnen sich durch Lust an Gestaltung und Wahrnehmung von Verantwortungfür die Gesellschaft aus. Durch intensive Betreuung, wechselnde Lernorte und Praxisbezug fördern wir Persönlichkeitsentwicklungund Ganzheitlichkeit in Studium, Lehre und Forschung. Studium und Lehre finden in einem interdisziplinärenKontext statt. Dies bietet das Potential, sich flexibel an sich ändernde Anforderungen anzupassen. In einer Hochschule derZukunft interagieren Studierende und Lehrende der verschiedenen Studiengänge und Fachdisziplinen noch stärker miteinander.Dies sollte künftig obligatorischer Bestandteil eines Studiums sein.ForschungsprofileDurch ihre Kompetenzen in der anwendungsorientierten Forschung stärken die HAWs die Innovationskraft und die Zukunftsfähigkeitder Gesellschaft.Das Studium an HAWs befähigt zur selbstständigen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden. Dies wird auchaußerhalb des Wissenschaftssystems benötigt. Durch die Verbindung von Wissenschaft und Praxis initiieren und gestalten wirdie notwendigen Transformationsprozesse in der Gesellschaft mit. An den HAWs hat die Lehre deshalb immer einen Forschungsbezug.Eine besondere Stärke ergibt sich aus der Präsenz in den Regionen. Die Promotion an HAWs schärft das anwendungsbezogeneForschungsprofil. Wir sind den wissenschaftlichen Qualitätsstandards für Promotionsverfahren verpflichtet.DiversityDurch ihre Kompetenzen erschließen und entwickeln die HAWs die Potentiale von Vielfalt und Diversität für die Gesellschaft.Ein diskriminierungsfreier Zugang zu Studium und Beschäftigung gehört zum Selbstverständnis der HAWs und wird weiterentwickelt.Die HAWs schätzen eine vielfältige Zusammensetzung der hier studierenden und arbeitenden Menschen mit ihren Verschiedenartigkeiten.Wir profitieren von ihren unterschiedlichen Sichtweisen und Fähigkeiten. Unsere Studierenden lernen im„Labor Hochschule”, mit Diversität und den notwendigen Regeln umzugehen. Wir erweitern kontinuierlich unsere Kompetenzen,die Vielfalt unserer Studierenden organisatorisch, inhaltlich und didaktisch zu berücksichtigen und als Chance zu nutzen.Im Zuge der Profilbildung und unter Berücksichtigung regionaler oder fachlicher Besonderheiten entwickeln HAWs besondereUnterstützungsangebote für Studierende mit spezifischen Diversitätsmerkmalen.ArbeitsmarktMit ihren Kompetenzen stellen sich die HAWs den regionalen und globalen Anforderungen der Arbeitswelt, die zunehmendmiteinander verknüpft sind.Unsere Absolventinnen und Absolventen aus dem In- und Ausland bereichern die Gesellschaft und leisten einen Beitrag zurProsperität der Volkswirtschaft. Wir können die damit verbundenen Anforderungen der zunehmenden Heterogenität der Studierendenbesonders gut bewältigen. Dabei unterstützen uns unsere intensiven Verbindungen zur Arbeitswelt und unsereErfahrungen bei der erfolgreichen Umsetzung der Bologna-Reform. Gleiches gilt für den stark wachsenden Weiterbildungsbedarfauf dem globalen und regionalen Arbeitsmarkt. Wir sehen dabei die Notwendigkeit des Ausbaus der Kooperationen mitausländischen Partnerhochschulen.Die Beschreibung dieser Kompetenzen der HAWs ist ein aktueller Statusbericht eines fortgesetzten Arbeits- und Profilierungsprozessesin den Hochschulen.DNH 4 ❘ 2015


138 WISSENSWERTESTrennscharfe Unterscheidung zwischen Universitäten undFachhochschulen kaum mehr möglichDer erste Senat des Bundesverfassungsgerichtshat in einem Beschluss vom12. Mai 2015 (Az. 1 BvR 1501/13, 1 BvR1682/13) den Verfassungsbeschwerdenvon drei Professoren und zwei Fakultätender ehemaligen BrandenburgischenTechnischen Universität (BTU) Cottbusgegen das Brandenburger Gesetz zurWeiterentwicklung der HochschulregionLausitz vom 11. Februar 2013 teilweisestattgegeben. Durch dieses Gesetzwurde die BTU Cottbus mit der FachhochschuleLausitz zur BrandenburgischenTechnischen Universität Cottbus-Senftenberg fusioniert. Es sieht dieübergangsweise Leitung der Hochschulebis zur Ernennung des Gründungspräsidentendurch einen staatlichen Beauftragtenund eine gleichrangige Besetzungdes Gründungssenats sowohl vonLehrenden der BTU Cottbus als auchder Fachhochschule Lausitz vor, ob -gleich die BTU Cottbus eine größereAnzahl von Lehrenden aufwies.Zu letzterem Aspekt darf darauf hingewiesenwerden, dass das BVerfG diegleichrangige Besetzung für rechtskonformhält, nicht zuletzt deswegen, weil„eine trennscharfe Unterscheidung zwischenUniversitäten und Fachhochschulenheute schwer möglich“ sei. Die Lehrendenan Fachhochschulen seien ebensofür wissenschaftsrelevante Entscheidungenverantwortlich und von ihnenbetroffen wie die Lehrenden an Universitäten,und auch aus der höheren zeitlichenBelastung durch Lehrveranstaltungenkönnten keine Folgerungengegen die ebenfalls wissenschaftlicheFunktion der Lehrenden an Fachhochschulenab geleitet werden. Damit seidie Auffassung einer kategorialen Trennungzwischen Fachhochschulen undUniversitäten „überkommen“ und nichtmehr bin dend. Auf diesen wichtigenAspekt wird an späterer Stelle erneuteingegangen.Grundrechte der Fakultäten nichtdurch Fusion verletztDas BVerfG entschied, dass das Grundrechtder Wissenschaftsfreiheit keineindividuellen Beteiligungsrechte derHochschulen, Fakultäten oder einzelnerWissenschaftler beim Zustandekommeneines Gesetzes über die Fusion zweierHochschulen über die „normalen“ Be -teiligungsrechte (etwa: Stellungnahmen)hinaus begründe. Insofern seiendie Belange der Fakultäten ausreichenddurch das in der Verfassung festgelegteGesetzgebungsverfahren gewahrt. DieGrundrechte der Fakultäten würdenauch deswegen nicht verletzt, weil sichaus der Wissenschaftsfreiheit kein Rechtauf den Fortbestand einer konkretenwissenschaftlichen Einrichtung ergebe.Vielmehr verpflichte die Wissenschaftsfreiheitden Staat nur, überhaupt fürfunktionsfähige Institutionen eines freienHochschul- und Wissenschaftsbetriebszu sorgen. Deswegen konnte derGesetzgeber sich autonom dafür entscheiden,eine Fusion von einer Universitätund einer Fachhochschule durchzuführen.Verletzung der WissenschaftsfreiheitAllerdings sei, so das BVerfG, dasGrund recht der Wissenschaftsfreiheitder klagenden Professoren verletzt, weilhier ein staatlicher Gründungsbeauftragtereingesetzt wurde, dessen Befugnisseim Wesentlichen durch das Wissenschaftsministeriumvorgegeben wurden.Denn eine staatlich eingesetzteHochschulleitung stehe regelmäßig imWiderspruch zu wissenschaftlicherEigenverantwortung und universitärerAutonomie. Gerade bei einer solchenFusion hätte ohne Not auf bereits konstituierteLeistungs- und Selbstverwaltungsorganezurückgegriffen werdenkönnen. Diese hätte der Gesetzgeber –ohne Eingriff von außen durch einenstaatlicherseits installierten Gründungsbeauftragten– verpflichten können, diezur Umsetzung seiner Vorgaben erforderlichenSchritte in einem bestimmtenZeitraum zu unternehmen.Die Einsetzung eines Gründungsbeauftragtenkomme nur dann in Betracht,wenn ansonsten die Zusammenführungder Hochschulen ernsthaft und nachweisbargefährdet sei. Auch in diesemFall dürfe er nur für eine zeitlich engbegrenzte Dauer eingesetzt werden.Entscheidend ist die Dauer der staatlicheingesetzten LeitungDie staatliche Einsetzung eines Leitungsorgansim Zuge einer Fusion zweierHochschulen genüge den Anforderungendes Grundgesetzes an eine wissenschaftsadäquateOrganisation umsoweniger, so das Gericht, je länger dieseLeitung zeitweise ganz ohne ein universitäresSelbstverwaltungsorgan tätig undohne dass diese Phase zeitlich auf daserforderliche Maß begrenzt sei. Geradein einer fusionsbedingten Übergangsphasemüssten die Lehrenden durchihre Vertretung in Hochschulorganensich und ihre fachliche Kompetenz indie Organisation der Hochschule miteinbringenkönnen. In dem zu entscheidendenFall fehlte aber jede Möglichkeitzur Mitwirkung bei der Bestellungund Abberufung der Übergangs -leitung.DNH 4 ❘ 2015


WISSENSWERTES 139Ausgestaltung der Wissenschaftsfreiheitdarf nicht dem Ministerium überlassenwerdenIm Ergebnis könne aber die Frage, obdie Einsetzung des Gründungsbeauftragtenden verfassungsrechtlichenAnforderungen genüge, offen bleiben,weil der entscheidende Fehler darinliege, dass dem Gründungsbeauftragtenseine konkreten wissenschaftsrelevantenBefugnisse gerade von einem Ministeriumzugeteilt worden seien. Insofernist auf den Unterschied von Parlamentsgesetzund exekutivem Recht hinzuweisen,den das BVerfG hier voraussetzt.Ein Parlamentsgesetz wird von denjeweiligen Gesetzgebungsorganen, hierdes Landtags des Landes Brandenburg,in einem bestimmten in der Verfassungniedergelegten Verfahren beschlossenund hat eine bestimmte Form. SolcheGesetze werden vom Parlament ineinem Gesetzgebungsverfahren be -schlossen und im Gesetzblatt bekanntgemacht und erfahren daher die höchstedemokratische Legitimierungsstufe.Wesentliche Regelungen sind aber nachallgemeinen Grundsätzen in einer solchenGesetzesform zu erlassen, nichtaber in der Form untergesetzlichenRechts. Dieses zeichnet sich dadurchaus, dass es von der Verwaltung ohneweitere demokratische Legitimationerlassen wird und grundsätzlich keinembestimmten Aufstellungsprozedereunterliegt.Darauf stützt sich das Gericht, wenn esmoniert, dass der Gesetzgeber bei derEinsetzung des Gründungsbeauftragtennicht selbst alle wesentlichen Regelungenzur Ausgestaltung der Wissenschaftsfreiheitselbst in einem förmlichenGesetz getroffen habe.Zusammensetzung des Gründungs -senats nicht zu beanstandenDemgegenüber hat das Gericht dieZusammensetzung des Gründungssenats,in dem Lehrende der BTU Cottbusund der Fachhochschule Lausitz gleichrangigvertreten sind, als mit der Wissenschaftsfreiheitvereinbar erachtet.Die Wissenschaftsfreiheit werde nichtdadurch verletzt, dass die Lehrendender BTU Cottbus trotz ihrer größerenAnzahl mit ebenso vielen Personen inden zentralen Selbstverwaltungsorganenvertreten seien wie die Lehrenden derehemaligen Fachhochschule Lausitz.Das Gericht sah die Unterschiede beimLehrdeputat als nicht so schwerwiegendan, dass sie eine Ungleichbehandlungrechtfertigten könnten. Es sei eine starkeVeränderung der Hochschullandschafteingetreten, mit der Folge, dasspraktisch keine trennscharfe Unterscheidungmehr zwischen Universitätenund Fachhochschulen bestehe und derGesetzgeber sich nicht mehr an dieüberkommene Trennung zwischen denHochschultypen halten müsse.Bei einer gemeinsamen Wahl hättedemgegenüber die Gefahr bestanden,dass überwiegend Professorinnen undProfessoren der BTU Cottbus gewähltworden wären. Vor diesem Hintergrundund angesichts der Tatsache, dass dieGarantie der Wissenschaftsfreiheit fürProfessoren an Fachhochschulen ebensowie für Universitätsprofessoren gelte, seies legitim gewesen, dass der Gesetzgeberbeide im Gründungssenat und imerweiterten Gründungssenat gleichstark repräsentiert sehen wolle. Anderenfallshätte die universitäre Forschungund Lehre von vornherein ein Übergewichtgegenüber der anwendungsbezogenenForschung und Lehre der FachhochschuleLausitz gewinnen können.AusblickNeben der vom BVerfG ausdrücklichhervorgehobenen Kongruenz der Hochschultypenist die Entscheidung desBVerfG vor allem deswegen interessant,weil das Gericht für den Fall einer Fu -sion und mit Blick auf staatliche Regelungseingriffedie Grenzlinie zwischenuniversitärer Autonomie und dem, wasder Staat in eigener Einschätzung unddurch Parlamentsgesetz – und nurdurch dieses – regeln darf, noch einmalscharf nachgezogen hat. Der Staat darfdanach den Rahmen, aber keine derEigenverantwortung und Autonomieder Hochschulen widersprechenden Tatsachenschaffen. Bei künftigen Fusionenist klar, dass ganz bestimmte Voraussetzungen(siehe oben, etwa: Gefährdungder Fusion) vorliegen müssen, damit„von außen“ eingegriffen werden kann.Weiterhin wird mit der Entscheidung(erneut) klargestellt, dass es am Landesgesetzgeberselbst ist, in einer solchenSituation die wesentlichen Regelungenaufzustellen und er die Verantwortungerst recht nicht auf seine Ministerienabwälzen kann. Letztlich stellt die Entscheidungdamit einen weiteren Mo -saikstein in dem Gesamtbild der Reichweiteder Wissenschaftsfreiheit imSpannungsfeld zu staatlichen Regelungseingriffenvon außen dar.Praktische – nachträgliche – Auswirkungender Entscheidung der BVerfG aufdie fusionierte BTU Cottbus-Senftenbergdürften nicht anzunehmen sein. MitBedacht hat das Gericht die Installierungdes Gründungsbeauftragten geradenicht als „nichtig“ verworfen, sondernlediglich festgestellt, dass dessen staatlicheEinsetzung mit dem Grundgesetz„unvereinbar“ ist. Was wie Wortklaubereiklingt, ist jedoch ein entscheidenderUnterschied: Während bei „Nichtigkeit“rechtlich nachträglich die Situation herbeigeführtwird, als ob ein Rechtsakt niein der Welt gewesen wäre (mit der Fol -ge, dass der Gründungsakt hätte wiederholtwerden müssen), hat das BVerfG indiesem Fall lediglich die Feststellunggetroffen, dass die staatliche Einsetzungdes Beauftragten nicht mit dem Grundgesetzvereinbar war. Das Gericht hathier also gerade keine nachträglicheund unmittelbare Rechtsfolge, die denGründungsakt der neuen Hochschulegefährden könnte, herbeigeführt.Christian FonkDNH 4 ❘ 2015


140 NEUE BÜCHER VON KOLLEGINNEN UND KOLLEGENNeue BüchervonKolleginnenund KollegenTechnik/Informatik/NaturwissenschaftenMasterkurs Parallele und VerteilteSystemeG. Bengel (HS Mannheim), C. Baun(Frankfurt University of AppliedSciences), M. Kunze, K.-U. Stucky2., erweiterte AuflageSpringer Vieweg 2015Einführung in LabVIEWW. Georgi (HS Ravensburg-Weingarten),P. Hohl6., erweiterte AuflageHanser Verlag 2015Metal Nanopowders: Production,Characterization, and EnergeticApplicationsHrsg. von A. Gromov, U. Teipel(TH Nürnberg)Wiley – VCH Verlag 2014Elektrische AntriebstechnikR. Hagl (HS Rosenheim)2., aktualisierte AuflageHanser Verlag 2015Werkstoffprüfung: Ermittlung derEigenschaften metallischerWerkstoffeB. Heine (HTW Aalen)3., aktualisierte AuflageHanser Verlag 2015Einführung in die Automatisierungstechnik:Automatisierungssysteme,Komponenten, Projektierung undPlanungT. Heimbold (HTWK Leipzig)Hanser Verlag 2014Taschenbuch der MechatronikHrsg. von E. Hering, H. Steinhart(HTW Aalen)2., überarbeitete AuflageHanser Verlag 2015Taschenbuch DatenbankenHrsg. von T. Kudraß (HTWK Leipzig)2. AuflageHanser Verlag 2015Wiley-Schnellkurs AnalysisC. Maas (HAW Hamburg)Wiley-VCH Verlag 2015Betriebswirtschaft/Wirtschaft/RechtBenchmark strategischer Einkauf:Reifegradanalyse für Unternehmenund Marktstudie 2014M. Bergmann (Rheinische FH Köln),G. Heß (TH Nürnberg)Institut für Beschaffungsstrategie Heß,2014Risikomanagement in Kredit -institutenEine Darstellung für Praktiker mit Fallbeispielzum LiquiditätsrisikoH.-C. Brauweiler (HS Zwickau)Springer Verlag 2015PersonalwirtschaftR. Dincher (HdBA Mannheim)Bd. 3 – Forschungsstelle f. Betriebs -führung u. Personalmanagement4., vollst. überarb. AuflageNeuhofen 2014Übungsbuch Beschaffung, Produktionund LogistikAufgaben, Lösungen und Implementierungin ExcelM. Gutiérrez (HS Neu-Ulm),H.-U. Küpper, C. Hofmann5. Auflage 2015Verlag Vahlen 2015Entscheidungsorientierte Kosten- undLeistungsrechnungG. Preißler (TH Nürnberg), P. R. PreißlerDe Gruyter Verlag Oldenbourg 2014Anleitung zur Anfertigung von Praktikums-,Seminar- und Diplomarbeitensowie Bachelor- und MasterarbeitenG. A. Scheld (FH Jena)8. AuflageFachbibliothek Verlag: Büren 2015MikroökonomikEine anwendungsorientierte Ein -führungB. Sturm, C. Vogt (HS Bochum)Kohlhammer Verlag 2014Operatives ControllingM. Wördenweber (FH Bielefeld)2. AuflageFachbibliothek Verlag: Büren 2015Soziale ArbeitErlebnispädagogik: 30 Meilensteineaus 20 JahrenHrsg. von J. Fengler, M. Jagenlauf,W. Michl (TH Nürnberg)Ziel Verlag 2014Leseförderung in öffentlichen BibliothekenK. Keller-Loibl (HTWK Leipzig),S. BrandtDe Gruyter Verlag 2014Woher kommen künftig die Frei -willigen? Engagementplanung alsZukunfts aufgabe für Kommunen undVerbändeD. Rosenkranz (TH Nürnberg),E. Görtel, B. LimbeckJuventa Verlag 2014Gesundes Führen mit Erkenntnissender GlücksforschungK. H. Ruckriegel (TH Nürnberg),G. Niklewski, A. HauptHaufe Verlag 2014SonstigesSupervision in der BeobachtungForschungs- und praxisbezogenePerspektivenBd. 22, 1. Auflage 2015Hrsg. von J. Baur, P. Berker, M. Nemann(KatHO NRW)Verlag Barbara Budrich 2015Soziale Medien im polizeilichen AlltagEine Momentaufnahme der Einstellungenvon Polizeibeamten in Sachsen-AnhaltP. S. Bayerl, P. Löbbecke (FH PolizeiSachsen-Anhalt)Aschersleben 2015Kooperative BildungslandschaftenNetzwerke(n) im und mit SystemHrsg. von S. G. Huber1. Auflage 2014Carl Link Verlag 2014Sexualmord in BayernOpfer – Tatverlauf – TäterS. Litzcke (HS Hannover), A. Horn,D. SchinkeVerlag für Polizeiwissenschaft 2015DNH 4 ❘ 2015


NEUBERUFENENeuberufeneBaden-WürttembergProf. Dr. Andreas Eckhardt,Personalmanagement, GermanGraduate School ofManagement und Law (GGS)Prof. Dr. rer. medic. KatharinaDressel, Logopädie, SRH HSGera/Karlsruhe, StuttgartProf. Dr. Andreas Klasen, InternationalBusiness, InternationalManagement, EmergingMarkets, Qualitative Verfahren,HS OffenburgProf. Dr. jur. Christopher A.Schmidt, Familienrecht, Kinder-und Jugendrecht,HS EsslingenProf. Dr. Peter Michael Schuetterle,Betriebswirtschaftslehre,insbes. Energiehandel, neueGeschäftsmodelle, Netze undEnergierecht, HS BiberachProf. Dr.-Ing. Ralf Voß, Konstruktionund Mechanik,HS UlmBayernProf. Dr. Matthias Dorfner,Systems Engineering, Wirtschaftsinformatik,HS LandshutProf. Dr. André Dürr, Stahlbau,Baustatik und Nachhaltigkeitim Bauingenieurwesen,HS MünchenProf. Dr. Alexander Hallwachs,Medizinische Grundlagen undInnere Medizin, HS FreseniusMünchenProf. Dr.-Ing. Rainer Holmer,Elektrotechnik, insbes. energieeffizienteElektronik,OTH RegensburgProf. Dr. Katharina Hutter,Marketing, HS FreseniusMünchenProf. Dr. phil. Peter Jandok,Deutsch als Fremdsprache,Länder- und Kulturstudien desdeutschsprachigen Raums,HS MünchenProf. Dr. Daniel Jobst, Informatik,insbes. verteilte Systemeund Programmierung,OTH RegensburgProf. Dr. Gerhard Joos, Geoinformatik,Geoinformationssysteme,HS MünchenProf. Dr. rer. nat. Carsten Kern,Informatik, insbes. SoftwareEngineering, OTH RegensburgProf. Dr.-Ing. Björn Kniesner,Luft-/Raumfahrtantriebe undThermofluidmechanik,HS MünchenProf. Dr.-Ing. Stephan Lorenz,Konstruktion, HS MünchenProf. Dr.-Ing. Robert Meier-Staude, RessourcenschonendeKonstruktion und Entwicklung,HS MünchenProf. Dr. Ingo Rollwagen,General Management, HS FreseniusMünchenProf. Dr. Nina Sarubin, KlinischePsychologie, HS FreseniusMünchenProf. Dr. Lars Schiemann, Tragwerksplanungund konstruktivesEntwerfen, HS MünchenProf. Dr. Markus Stoffel,Gesundheitsökonomie,HS Fresenius MünchenProf. Dr. rer. nat. ChristianSchwarzbauer, Medizintechnikund Medizininformatik,HS MünchenProf. Dr. Carsten Voelkmann,Statistik und Ingenieurmathematik,HS MünchenBerlinProf. Dr. rer. nat. UlrichRüdel, Konservierung undRestaurierung, insbes.moderne Medien,HTW BerlinBrandenburgProf. Dr.-Ing. Thomas Götze,Antriebstechnik, FH BrandenburgProf. Dr. phil. Cornelia Hoffmann,Bildung in der Kindheit,FH PotsdamBremenProf. Dr. Axel Schäfer, Physiotherapie,insbes. QuantitativeMethoden, EvidenzbasiertePraxis, KlinischeUrteilsbildung, HS BremenProf. Dr. Ralf Schlemminger,Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,insbes. Controlling undRechnungswesen, HS BremenHamburgProf. Dr. Gabriela Rieck,Marketing, HS FreseniusHamburgProf. Dr. Ingo Zobel, Forschungsmethodenund AllgemeinePsychologie,HS Fresenius HamburgHessenProf. Dr. Julia Bernstein,Diskriminierung und Inklusionin der Einwanderungsgesellschaft,Frankfurt Univer -sity of Applied SciencesProf. Dr. Kirsten Bodusch-Bechstein,Medizinische Grundlagenund Chirurgie, HS FreseniusFrankfurtProf. Dr. Armin Bohnhoff,Logistik und Handel,HS Fresenius IdsteinProf. Dr. Hans-Hermann Dirksen,Medizinrecht und Gesundheitswirtschaftsrecht,HS Fresenius Frankfurt


NEUBERUFENENeuberufeneProf. Dr.-Ing. Ludwig Dorn,Luftfahrttechnik, HS Rhein-MainProf. Dr. Michael Kahsnitz,Maschinenelemente und Konstruktionslehre,THM FriedbergProf. Dr. Stefan Lechner, Energiewirtschaftund Energiesysteme,THM GießenProf. Dr. Harald Möbus, Eventmanagementund Technik,THM GießenProf. Dr.-Ing. Andreas Pe nirschke,Hoch- und Höchst fre quenz -technik, THM FriedbergProf. Dr.-Ing. Ulrich Thiele,Technische Redaktion undMultimediale Dokumentation,THM GießenProf. Dr.-Ing. Falk Schönherr,Siedlungswasserwirtschaft,HS RheinMainProf. Dr. Sebastian Vogt,Medienproduktion undMedientechnik, THM FriedbergProf. Dr. Oliver Voß, AllgemeineBetriebswirtschaftslehre, insbes.externes Rechnungswesen,Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung,THM GießenMecklenburg-VorpommernProf. Dr. Eike Stefan Dobers,Pflanzenbau, HS NeubrandenburgProf. Dr. rer. pol. ThomasMayrhofer, Volkswirtschaftslehre,FH StralsundProf. Dr. rer. pol. Holger Türr,Betriebswirtschaftslehre, insbes.Rechnungswesen und Controlling,FH StralsundProf. Dr. Andrea DanielaSchwanzer, Psychosoziale Beratungin betrieblichen Kontexten,Ostfalia HSNordrhein-WestfalenProf. Dr. rer. pol. NatalieBartholomäus, Betriebswirtschaftslehre,insbes. Personalmanagementund Organisation,FH BielefeldProf. Dr. Annette Bernloehr,Hebammenwissenschaft, HS fürGesundheit, BochumProf. Dr. Tim Fischer, Marketing,HS Fresenius DüsseldorfProf. Dr. Matthias Freund, Fi -nanzmathematik, Optimierungund Statistik, HS NiederrheinProf. Dr.-Ing. Henrik Juhr, Fertigungstechnik,insbes. Zerspanungund Werkstofftechnik,HS Ostwestfalen-LippeProf. Dr. rer. san. Claudia Klümper,Ökotrophologie undmoderne Umwelt- und Lebensmitteltechnologie,HS Hamm-LippstadtProf. Dr. Ralf Lautenschläger,Fleischtechnologie, HS Ostwestfalen-LippeProf. Daniel Materna, Mathematikund Grundlagen der Bauinformatik,HS Ostwestfalen-LippeProf. Dr. techn. Felix Meckmann,Bauökonomie, HS RuhrWestProf. Dr. rer. nat. Nilima Prakash,Biodiversität, Genetikund Molekularbiologie,HS Hamm-LippstadtProf. Dr. Eleonore Soei-Winkels,Wirtschaftspsychologie,FOM HS DüsseldorfProf. Dr.-Ing. Henriette Strotmann,Baubetrieb, Auslandsbau,Soziale Kompetenzen,FH MünsterProf. Anja Vormann, AudiovisuelleMedien, HS DüsseldorfProf. Dr. Verena Wölkhammer,Kommunikation und Führung,HS Fresenius DüsseldorfSaarlandProf. Dr. Klaus Berberich,Datenbanken, Informationssystemeund Grundlagender Informatik, HTW desSaarlandesSachsenProf. Dr. rer. nat. habil.Jochen Merker, Analysisund Optimierung,HTWK LeipzigSachsen-AnhaltProf. Dr. phil. ClaudiaDreke, Sozialpädagogik undsoziologische Grundlagenin den Kindheitswissenschaften,HS Magdeburg-StendalSchleswig-HolsteinProf. Dr. Thilo Kleickmann,Pädagogik, FH KielThüringenProf. Dr. Thorsten Möller,Methodisches Handeln undsoziale Diagnostik,FH ErfurtNiedersachsenProf. Dr.-Ing. Frank Schmitt,Darstellende Geometrie undComputer Aided Design, JadeHS Wilhelmshafen/Oldenburg/ElsflethPlatz für Adressaufkleber

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