Hermann Baisch 12.7.1846 Dresden – 18.5.1894 Karlsruhe Auf der ...

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Hermann Baisch 12.7.1846 Dresden – 18.5.1894 Karlsruhe Auf der ...

Hermann Baisch

12.7.1846 Dresden 18.5.1894 Karlsruhe

Auf der Alm, 1893, Öl / Leinwand, 101 x 73 cm

Bez.: u. r. : Hermann Baisch / 1893

Vita

Sohn und Schüler des Lithographen Wilhelm Heinrich Gottlieb Baisch

Unterricht an der Stuttgarter Kunstschule

1868 Reise nach Paris

1869-81 Wohnsitz in München; zeitweise Unterricht bei Adolf Lier

seit 1873 Studienreisen nach Holland

1881-94 Professor an der Akademie in Karlsruhe

1886 Mitglied der Berliner Akademie

1888 Ehrenmitglied der Berliner und Münchner Akademie

Hermann Baisch zählte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten

Freilichtmalern in Deutschland. Der Parisaufenthalt des gebürtigen Dresdners im Jahr

1868 und sein Studium bei Lier in München hatten sein starkes Interesse an

wechselnden Licht- und Lufterscheinungen geweckt. Gezielt bediente er sich der

„Macht des Lichtes“, um einfachsten Bildgegenständen Bedeutung zu verleihen.

Bevorzugtes Bildmotiv blieb in seinem gesamten Oeuvre das Tierstück, das er ab 1881

auch in der neu gegründeten Tiermalerei-Klasse an der Karlsruher Akademie lehrte.

Das hochformatige Gemälde Auf der Alm gibt eine Kuhherde wieder, die sich in einer

schroffen, Hochalpenlandschaft behauptet. Gleißendes Tageslicht fällt auf eine

Almhütte im Bildmittelgrund, die von den kraftvollen Rindern durch einen Lattenzaun

abgegrenzt ist. Am Horizont sind schneebedeckte Berggipfel zu erkennen. Die

Farbigkeit, die sich primär aus Braun- und Grüntönen aufbaut, wirkt unterkühlt und trägt

zu einem starren, monumentalen Bildcharakter bei. Im Gegensatz zu der Unbewegtheit

und Monumentalität der Szene steht die zügige Malweise, deren sich der Künstler ab

den 1880er Jahren bediente.

1


Tina Blau

15.11.1845 Wien 31.10.1916 Wien

Apriltag im Prater, 1889, Öl / Leinwand, 75,4 x 94,8 cm

Bez.: u. r. T. Blau [Nachname unterstrichen] / Wien Prater April 1889

Vita

1859-65 Zeichenunterricht bei den Landschaftsmalern Antal Hanély und August

Schaeffer in Wien

1866 Unterricht in der Malschule des Porträtmalers Joseph Matthäus Aigner;

Einfluß des Landschaftsmalers Julius E. Mařák

1869-1873 Schülerin des Historienmalers Wilhelm Lindenschmit d.J. in München.

Nachhaltig beeinflusst von der Landschaftsmalerei Eduard Schleichs d.Ä.

und Adolf Liers

1873/74 Aufenthalt in der Malerkolonie in Szolnok/Ungarn; dort Einfluss August v.

Pettenkofens

1874 Rückkehr nach Wien, wo sie das Atelier mit dem Landschaftsmaler Emil

Jakob Schindler teilt

1883 Heirat mit dem Maler Heinrich Lang

1884 Hochzeitsreise durch Griechenland, die Türkei und den Vorderen Orient

anschließend Rückkehr nach München

1889-93 Leiterin des Landschafts- und Stillebenkurses an der Damenakademie des

Münchner Künstlerinnenvereins

1890 Erste Einzelausstellung im Münchner Kunstverein, die anschließend

in mehreren Städten Deutschlands gezeigt wird

1898-1915 Rückkehr nach Wien; Lehrerin an der von ihr mitbegründeten

„Kunstschule für Frauen und Mädchen“

Tina Blau zählt neben Jacob Emil Schindler und Eugen Jettel zu den bedeutendsten

Impressionisten Österreichs. Die Wienerin hatte 1869-73 bei Wilhelm Lindenschmidt d.

J. an der Münchner Akademie studiert und sich nachhaltig von den Werken Eduard

Schleichs d.Ä. und Adolf Liers beeindruckt gezeigt. Von 1874-79 stand sie im intensiven

Austausch mit ihrem Lehrer und Atelierkollegen Jacob Emil Schindler. 1879 unternahm

sie eine Romreise. Die hellen, klaren, satten Farben, die sie 1879 an den italienischen

Fresken fasziniert hatten, wandelten ihre Palette. i Lichtdurchflutete Landschaften, vor

allem des Wiener Praters, in dem sie seit 1877 ein Atelier führte, ii wurden zu ihrem

bevorzugten Thema. Ihr Hauptwerk Frühling im Prater, das noch 1882 im Wiener

Künstlerhaus wegen seiner befremdenden Helligkeit abgelehnt worden war, erhielt im

Jahr darauf die „Mention honorable“ des Pariser Salons. iii

1889 entstand das Gemälde Apriltag im Prater. Blau, die seit 1884 zusammen mit ihrem

Gatten Heinrich Lang in München lebte, malte es wohl auf einem ihrer zahlreichen

2


Kurzbesuche in der österreichischen Hauptstadt. Überliefert ist, dass sie vor Ort in der

Natur arbeitete, indem sie „ihre Bilder und Malutensilien, nebst einem riesigen

Regenschirm auf einem eigens von ihr konstruierten sonderbaren Wagerl selbst von

einem Malplätzchen zum anderen“ schob. iv

Die Landschaft fasst Blau als ein Gefüge verschiedener farbiger Elemente auf, die in

sich selbständig sind. v Einzelne staffageartige Figuren finden sich unter großen, alten

Bäumen, deren Schatten ein scharfkantiges Muster auf die Erde zeichnen. Frisches

Gras und austreibende Äste zeigen das Frühjahr an, das die Malerin als Übergangszeit

besonders schätzte. vi

3


Carl Ebert

13.10.1821 Stuttgart 1.3.1885 München

Landschaft, um 1870, Öl / Leinwand, 58,2 x 72,6 cm

Bez.: u. r. : C. Ebert.

Vita

ca. 1835-45 Unterricht an der Stuttgarter Kunstschule bei Gottlob Friedrich

Steinkopf und Johann Friedrich Dieterich

1842 erster Aufenthalt in München; Reise ins Gebirge zusammen mit Carl

Rottmann

ab 1848 Wohnsitz in München

1851 Reise zur Weltausstellung nach Paris zusammen mit Christian

Morgenstern, Eduard Schleich d.Ä. und Carl Spitzweg

1853 Aufenthalt auf der Fraueninsel im Chiemsee

1858 Reise nach Rom zusammen mit Lenbach und den Brüdern Piloty

1864 Aufenthalt in Meran und Eberfing

1866 u. 70 Reisen nach Holland; letztere zusammen mit Dietrich Langko

1867 Aufenthalt in Polling; Reise zur Weltausstellung nach Paris

1881 Verleihung des Ritterkreuzes der 2. Klasse des Württembergischen

Kronenordens

Das Thema Ernte beschäftigte Carl Ebert während seiner gesamten Schaffenszeit.

Schon aus dem Jahr 1846 ist eine Bleistiftzeichnung mit dem Titel Ernte bekannt, die

sich aber noch primär dem Figurenstudium widmete. vii In den 1860er Jahren liegt das

Hauptgewicht auf der Landschaftsdarstellung, in die die Figuren eingebunden werden.

Erntelandschaften vom Starnberger See, mit denen die Landschaft der Pfalzgalerie

verwandt ist, treten verstärkt in den Jahren 1868-70 auf.

Das Gemälde der Benzinosammlung gewinnt seinen besonderen Reiz durch seine

differenzierte Malweise. Sie wird von der linken unteren Bildecke, an der die

Untermalung sichtbar ist, nach rechts oben immer detailreicher. Auf einem grob

angelegten Getreidefeld im Vordergrund, das von altmeisterlich ausgeführten hohen

Bäumen hinterfangen wird, sieht man Schnitter und Garbenbinderinnen arbeiten. Ein

Hohlweg, auf dem eine Bäuerin geht, führt in die Bildtiefe zu einem Gehöft. Dahinter

öffnet sich der Blick auf den Horizont. viii

Carl Ebert, der an der Stuttgarter Kunstschule ausgebildet worden war, konzentrierte

sich ab 1846 ganz auf die Landschaftsmalerei und ländliche Sujets. ix Konsequent setzte

er sich mit der Freilichtmalerei auseinander und verarbeitete französische Einflüsse, die

er seit seiner ersten Paris-Reise 1851 interessiert aufnahm. Ein Nekrolog auf den 1885

verstorbenen Maler in der Leipziger Illustrirten Zeitung rühmt, dass er „sein redlich Teil

an der Entwicklung der jetzt so glänzenden Stellung der süddeutschen Kunststadt

(München) mitgearbeitet hat und daß er unter den wenigen, denen früher schon

koloristische Bestrebungen vorschwebten, sicherlich einer der Pioniere war ... .“ x

4


Adolf Heinrich Lier

21.5.1826 Herrnhut bei Dresden 30.9.1882 Wahren bei Brixen

Abend im Walde, 1881, Öl / Leinwand, 40 x 65,9 cm

signiert unten rechts: ALier. [A und L ligiert]

Vita

1844 Architekturstudium an der Bauschule in Dresden

1846/47 Unterricht bei Gottfried Semper

1847 Reise nach Venedig

1848 tätig am Bau des heutigen Museums der Kulturen in Basel

1849 Unterricht bei Richard Zimmermann und Johann Baptist Berdellé; danach

Konzentration auf die Landschaftsmalerei an der Münchner Akademie

1861 Reise nach Paris

1864 Aufenthalt in Paris; Kontakt zu den Mitgliedern der „Schule von Barbizon“

1864/65 Aufenthalt in Isle-Adam zusammen mit Dupré; danach Reise nach

England

1868 Ernennung zum Ehrenmitglied der Kunstakademie in Dresden

1869-73 Leitung einer Schule für Landschaftsmalerei in München

1873 Reise nach Holland

1876 Teilnahme an der Pariser Weltausstellung

1881 Ernennung zum Königlichen Professor der Münchner Akademie

Adolf Lier zählt zu den bedeutendsten Vertreter der Münchner Landschaftsmalerei.

Beeinflusst durch die „Schule von Barbizon“, mit deren Werken er sich bei seinem

Frankreichaufenthalten intensiv auseinandergesetzt hatte, „veränderte Lier die

realistische Stimmungslandschaft [in Deutschland] zu einem Naturlyrismus zur

Paysage intime“. xi Schriftlich hielt er fest: „... überall, wo ich ging und stand, gingen mir

die Meisterwerke der großen französischen Landschafter Dupré, Daubigny, Corot und

Rousseau nach. Sie drängten sich mir mit ihrer wunderbaren Einfachheit immer wieder

von neuem auf und es wurde mit klar, daß die wirkliche Poesie der Landschaftsmalerei

in der schönen, einfachen Natur selber liege und nie durch künstliche Mittel

herbeigezaubert werden kann.“ xii

Das Gemälde Abend im Walde, das zum Spätwerk Liers zählt, gibt eine Naturstimmung

im Freisinger Moor wieder. xiii In maltechnischer Hinsicht sind verschiedene

Arbeitsphasen deutlich zu unterscheiden: Über braune, dünn aufgetragene

Pinsestriche, die die Grundierung an einigen Stellen durchscheinen lassen, setzt Lier in

der Vegetationszone ein flockiges, dunkles Grün, das sich immer mehr verdichtet und

nur vom pastosen Abendrot gesteigert wird.

5


Baumgruppen stehen silhouettenhaft, vor dem hellen, rötlich verfärbten Himmel, der

sich in einem sumpfigen Weiher spiegelt. Am Ufer haben sich drei Rehe versammelt,

die in die Natur eingebunden sind. Dies entspricht Liers Tendenz, immer mehr auf

Staffage zu verzichten, um Einheitlichkeit zu erreichen. Er löste sich damit bereits ab

den späten 1850er Jahren von seinem Lehrer Richard Zimmermann. Liers Mutter

bemerkte 1859 anlässlich einer Ausstellung in Dresden: „für das Publikum war zu wenig

darauf“ xiv . Dennoch wurden Liers Bilder sehr geschätzt. Über Schule die für

Lanschaftsmalerei, die der Künstler von 1869-73 führte, wirkten sie stilbildend.

6


Karl Millner

25.3.1825 Mindelheim 19.5.1895 München

Der Hechtsee bei Oberaudorf, 1867, Öl / Leinwand, 89 x 128,4 cm

signiert und datiert unten rechts: fc. Carl Millner. 1867.

Vita

1851 Malunterricht in München

1852 Reise nach Innsbruck

1853 Reise nach Niederbayern. Kontakt zum Kreis um Eduard Schleich d.Ä.

1853/54 Wohnsitz bei dem Vedutenmaler Wilhelm Gail in München

1856 Reise in die Schweiz, in die Lombardei und nach Sardinien

1857 Reisen nach Tirol und Berlin

1858 fester Wohnsitz in München. Unterricht bei Julius Lange in München

Hochgebirgslandschaften waren das Spezialgebiet Carl Millners, dem sich der Künstler

seit Beginn der 1850er Jahre verstärkt zugewandt hatte.

Das Gemälde Hechtsee bei Oberaudorf stellt den österreichischen, bei Kufstein

gelegenen See vor dem Panorama des Kaisergebirges mit dem schneebedeckten

„Wilden Kaiser“ dar. Durch das glühende Abendrot erstrahlt die Felsformation in

heroischer Schönheit und wirft ihr Licht, gespiegelt im Wasser, bis in den verschatteten

Vordergrund. Staffagefiguren, wie Fischer in einem Boot und eine Hirtin, die eine Kuh

und eine Ziege einen schmalen Weg entlangtreibt, nehmen sich in der majestätischen

Umwelt klein und unbedeutend aus.

Sowohl die Motivwahl als auch die Farbgestaltung des Gemäldes erinnern an Werke

des bedeutenden klassizistischen Landschaftsmalers Carl Rottmann. Der Lehrer Julius

Langes hatte bereits in den späten 1820er Jahren Gebirgsseen in einer gesteigerten

Lichtsituation wiedergegeben so auch den Hintersee mit dem „Hohen Göll“ im

Berchtesgadener Land, den Millner um 1850 ebenfalls als Bildthema wählte. xv In der

detailreichen Bildauffassung mit Staffagefiguren stehen die Arbeiten Millners allerdings

den heroischen Landschaften Joseph Anton Kochs näher.

7


Johann Nepomuk Ott

14.1.1804 München 28.2.1870 München

Ansicht der Bucht von Neapel, 1831, Öl / Leinwand. 56,3 x 75,7cm

Bez. u. l.: J.N.Ott 1831.

Vita

1818-24 Unterricht in Historienmalerei, dann in Landschaftsmalerei bei Wilhelm

Kobell an der Akademie in München

Studienreisen durch Bayern und Tirol

1832/33 Reise nach Italien mit Unterstützung des Bayerischen Königs

Das Gemälde Ansicht der Bucht von Neapel ist in das Jahr 1831 datiert. Es beweist,

dass sich der ausgebildete Landschaftsmaler Johann Nepomuk Ott schon vor seiner

großen Italienreise im Jahr 1832/33, mit der italienischen Küste künstlerisch

auseinandergesetzt hatte. xvi Italienische Landschaften waren zu dieser Zeit in München

- nicht zuletzt durch den Italienzyklus der Hofgartenarkaden, den Carl Rottmann im

Auftrag des bayerischen Königs 1830-33 ausgeführt hatte - ein aktuelles, gefragtes

Bildthema.

Ott zeigt sich insbesondere in der feierlichen, ruhigen Abendstimmung von Rottmann

beeinflußt. Das warme, orangefarbene Licht der untergehenden Sonne gleitet über die

Bucht von Neapel und wirft lange Schatten. Der Betrachter blickt von erhöhtem

Standpunkt aus über einige bäuerliche Staffagefiguren in mediterraner Vegetation

hinweg auf die Stadt, die sich an den Fuß eines Hügels schmiegt. In der Ferne ragt der

markante Vesuv auf, aus dessen Krater eine leichte Rauchwolke aufsteigt. Die

klassische Bildkompostion mit dem Festland links und dem sich weit öffnenden Meer

rechts, zeigt eine Verwandtschaft zu Rottmanns Gemälde Blick über Genua, das bereits

1826 entstanden war. xvii

In den 1850er Jahren malte Ott eine zweite Fassung der Ansicht der Bucht von Neapel.

Sie entspricht dem Bild der Benzinosammlung im Format. Abweichend sind nur wenige

Details und die vom Abendlicht hervorgerufene Stimmung. xviii

8


Johann Heinrich Roos

1631 1685

Italienische Landschaft 1685

In der Nähe von Otterberg geboren, um 1640 Übersiedelung nach Amsterdam

1647 Lehre bei Guilliam Dujardin, Historienmaler,

Cornelis de Bie, Landschaftsmaler und Barend Graat, Porträtist.

1651 Rückkehr nach Deutschland

1654 Landgraf Ernst von Hessen

1658/59 Übersiedelung nach Heidelberg

1664 Hofmaler des Kurfürsten Carl Ludwig von der Pfalz

1667 Übersiedelung nach Frankfurt/Main

9


Johann Wilhelm Schirmer

5.9.1807 Jülich 11.9.1863 Karlsruhe

Park-Studie, 1849, Öl / Papier / Pappe, 68,5 x 51,4 cm

rückseitig datiert und bezeichnet unten rechts [mit Bleistift]: Kassel 1849

Vita

1825 Studium an der Akademie in Düsseldorf

1827 Gründung des „Landschaftlichen Komponiervereins“ zusammen mit Carl

Friedrich Lessing

1831 Leiter der neu gegründeten Klasse für Landschaftsmalerei an der

Akademie in Düsseldorf

1836 Reise in die Normandie zusammen mit Wilhelm v. Schadow und Felix

Mendelssohn-Bartholdy

1839 Ernennung zum Professor der Düsseldorfer Akademie

1839-40 Reise nach Italien

1854 im Auftrag des Prinzregenten und späteren Großherzogs Friedrich I. von

Baden Aufbau einer Kunstschule in Karlsruhe

1855 Ernennung zum Direktor der Kunstschule; Verleihung des Ritterkreuzes

des Ordens vom Zähringer Löwen

Der Baum ist das zentrale Motiv in der Landschaftsmalerei von Schirmer. In der

Parkstudie, die 1849 in Kassel entstand, akzentuierte er den Gegensatz von flachem,

kurz geschnittenem Rasen im Vordergrund und steil aufragenden hohen Bäumen

dahinter. Diese nehmen zwei Viertel der Bildhöhe in Anspruch und versperren durch ihr

kleinteiliges, mit raschen Pinselstrichen ausgeführtes, dichtes Laub den Blick in die

Raumtiefe. Aus dem Vordergrund führt ein Weg direkt auf den Wald zu, der dann in

eine Parallele zur Baumreihe einbiegt.

Schirmer verstand es, „das gleichsam atmende Leben der Natur“ einzufangen, wie es

ein stadtmüder Mensch erlebt. 1 Das Grün der Blätter, auf denen sich das Sonnenlicht

bricht, bietet dem Auge Erholung. Die Bäume spenden kühlenden Schatten. Im

Gegensatz zu seinen großformatigen Kompositionen klassischen Zuschnitts, die den

Einfluss von Claude Lorrain und Nicolas Poussin zeigen, wählte Schirmer für seine

zahlreichen, vor Ort entstandenen Studien häufig einen eng gefassten

Landschaftsausschnitt, der ohne Staffage auskommt.

In der Kunstgeschichte gilt Johann Wilhelm Schirmer als Vermittler zwischen Romantik

und Naturalismus. Großen Einfluss erlangte er als erster Direktor der 1854 neu

gegründeten Karlsruher Akademie. Aufgrund seines Engagements wurde hier schon

früh besonderer Wert auf die Landschaftsmalerei gelegt.

1 Börsch-Supan 1988, S. 425.

10


Josef Wenglein

5.10.1845 München 18.1.1919 Bad Tölz

Landschaft, um 1890, Öl / Holz, 19,7 x 25,2 cm

Bez. u. r.: [eingeritzt]: J.Wenglein

Vita

1866-70 Unterricht bei Johann Gottfried Steffan an der Akademie in München

1870-73 Unterricht in der Münchner Malschule von Adolf Heinrich Lier

1883 Ernennung zum Professor der Münchner Akademie

1886 Ehrenmitglied der Münchner Akademie

Josef Wenglein zählt Ende des 19. Jahrhunderts zu den bedeutenden Vertretern der

Münchner Landschaftsmalerei. Ausgebildet wurde er sowohl an der Münchner

Akademie bei Johann Gottfried Steffan als auch in der Malschule von Adolf Lier.

Kontakte zu Eduard Schleich d.Ä. entwickelten sich vor allem über dessen Sohn Eduard

Schleich d.J., der ein Schüler von Wenglein wurde.

Die um 1890 entstandene Landschaft, zeigt vor allem den Einfluss von Eduard Schleich

d.Ä. Im Gegensatz zum Malstil von Hermann Baisch, der ein Schulkollege Wengleins im

Atelier von Lier war, wird auf dem Gemälde die „Kratztechnik“ eingesetzt. Vor allem

zahlreiche Gräser der ausschnitthaft wiedergegebenen Moorlandschaft sind in die

Malschicht eingetieft. Die rauhe Oberflächenstruktur der aus der Nähe betrachteten,

kahlen Birke und auch einige Büsche werden durch pastos gesetzte Farbe

wiedergegeben, während im Himmel und Hintergrund, kurze breite Pinselstriche einzeln

nebeneinandergesetzt sind. Die Stimmung des Gemäldes entspricht einem trüben,

wolkenverhangenen Tag im Spätherbst. Grautöne, zu denen etwas Braun tritt,

bestimmen den Eindruck.

i Vgl. Natter 1996, S. 167.

ii Natter 1996, S. 57.

iii Natter 1996, S. 167.

iv Jechl, Isa: Es war in Wien. Manuskript. o.O., o.J. Zitiert nach Natter 1996, S. 174.

v Vgl. Natter 1996, S. 55.

vi Vgl. Natter 1996, S. 56.

vii Staatsgalerie Stuttgart, Inv.Nr. 4084.

viii Das Gemälde ist aufgrund gleichlautender Masse und Signatur eventuell mit der Landschaft identisch,

die 1885 aus dem Nachlass des Künstlers versteigert wurde (Ebert 1885, S. 4, Nr. 57).

ix Bühler 1971, S. 16.

x Nekrolog in Leipziger Illustrirte Zeitung, Nr. 220, 16.1.1886, zitiert nach Bühler 1971, S. 45.

xi

Wichmann 1996, S. 73.

xii

Zitiert nach Mennacher 1928, S. 14.

xiii

Im Werkverzeichnis unter dem Titel Abend am Waldteich (Mennacher 1928, S. 130, Nr. 537).

xiv

Brief der Mutter Adolf Liers vom 23.11.1859. Zitiert nach Mennacher 1928, S. 8.

xv

Vgl. Boetticher, Bd. 1,1, 1898, S. 60, Nr. 1.

xvi

Bericht KV, 1871, S. 53.

xvii

Carl Rottmann, Blick über Genua, 1826. Kurpfälzisches Museum Heidelberg, Öl/L, 52,7 x 78,3 cm.

xviii

Kunstauktionen Hugo Ruef, München 30.6.1999. Aufruf-Nr. 1147 der 482. Auktion.

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Weiter Bilder in der Ausstellung

19. Jahrhundert

Heinrich Bürkel 1802 1869

Winterlandschaft mit rastenden Jägern, 1851, Öl/Leinwand

Heinrich Jakob Fried 1802 1870

Blick auf die Madenburg, 1831, Öl/Leinwand

Johann Christian von Mannlich 1741 1822

Kirche am See, 1821, Öl/Leinwand

20. Jahrhundert

Lovis Corinth 1858 1925

Walchsee bei Mondschein, 1920, Öl/Leinwand

Hans Purrmann 1880 1966

Bodenseelandschaft mit badenden Jungen, 1922/23, Öl/Leinwand

Max Slevogt 1868 1932

Verschneiter Waldweg am Trifels mit Schlitten, 1917, Öl/Leinwand

Max Slevogt 1868 1932

Winterlandschaft bei Neukastel, 1927, Öl/Leinwand

Expressionismus

Ernst Ludwig Kirchner 1880 1938

Frühlingslandschaft, 1909, Öl/Leinwand

Erich Heckel 1883 1970

Nordküste der Flensburger Außenförde, 1914, Öl/Leinwand

Max Pechstein 1881 1955

Am Jadebusen, 1910, Öl/Leinwand

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