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Berner Kulturagenda 2017 N° 6

Berner Kulturagenda 2017 N°

DO 16. – MI 22.2.2017 6 / www.bka.ch Seite 3 Die provokative österreichische Autorin und Satirikerin Stefanie Sargnagel liest im Tojo Theater Reitschule Kaya Yanar tritt in Bern und Thun auf Pegelstand, Kolumne von Sibylle Heiniger Seiten 4 bis 11 Agenda, Ausstellungen und Kino Seite 12 Der Amadeus Chor gibt ein Konzert mit dem Berner Kammerorchester In der Kunsthalle ist die Ausstellung «The Living Wedge» von Michael Krebber zu sehen Jonas Lüscher liest im Zentrum Paul Klee aus «Kraft» Severin Koller Musik für die einsame Insel? Die Jazzwerkstatt feiert Jubiläum: Seit zehn Jahren spürt das Festival junge Jazzmusikerinnen und -musiker auf, die sich nicht um Genres kümmern. An der Jubiläumsausgabe ist auch das österreichische Turbotrio Interzone zu hören. 3 Maja Hürst Kulturtipps von Cosima Grand Wörter sind Rhythmus und Soundtrack, aber der Körper sagt manchmal mehr als Worte. Die Walliser Tänzerin und Soziolinguistin Cosima Grand untersucht in der Dampfzentrale Bern mit ihrem Stück «CTRL-V (LP)» (Do., 16. und Sa., 18.2., 19.30 Uhr) die Beziehung von Wort und Geste, Sprache und Körper, Intellekt und Emotion. Machen Sie den ersten Satz: Worte zerfallen mir im Mund wie modrige Pilze. Und was soll der letzte sein? Hips don’t lie. Wohin gehen Sie diese Woche und wozu? 1. Freunde aus der Romandie schwärmen schon länger vom wunderbaren Film «Ma vie de Courgette» (CineMovie, Bern. 14.15 und 18.30 Uhr). Endlich ist er auch in den Deutschschweizer Kinos zu sehen. 2. An die Lesung von Stefanie Sargnagel ins Tojo Theater Reitschule (So., 19.2., 19 Uhr). Ich habe schon viel über sie gelesen, noch nie etwas von ihr. Das ändert sich nun. 3. Ein Tipp von meinem Dramaturgen Oliver Roth: «OMG! Göldin und Bit-Tuner im Rössli (Do., 16.2., 21 Uhr). Die machen noch Liveauftritte? Da geh ich so was von hin!!!» Und ich wohl mit. Vom Mörtel Europas Auf dem Podium «Berner Reden» im Stadttheater Bern denkt «der grosse Reisende der europäischen Literatur», Cees Nooteboom, über westliche Werte in der Krise nach. Simone Sasse Was hält uns zusammen? Antworten gibt Cees Nooteboom. In den Gassen von Tanger in den 60er-Jahren, als er den Ruf eines Muezzins hörte, sei ihm das erste Mal klar geworden, «wie sehr meine Welt nur ein Teil der Welt ist». Das Reisen und kulturelle Selbst- respektive Fremdwahrnehmungen sind zentrale Themen des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom. Der 83-jährige «grosse Reisende der europäischen Literatur» («Die Zeit») ist Gesprächsgast bei Konzert Theater Bern. In der Reihe «Berner Reden» diskutiert der Literaturkritiker Philipp Tingler mit Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur über Fragen von «Gefühl und Gesellschaft». Mit Nooteboom nimmt er den «westlichen Wertepluralismus in der Krise» unter die Lupe. Geschichtsbewusst Werte seien der «geistig-emotionale Mörtel des europäischen Hauses»: das, was uns zusammenhalte. So definiert es der deutsche Philosoph Peter Prange in seinem Sammelband «Werte – von Plato bis Pop» (2006). Europäische Werte seien zum Beispiel Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Im Vorwort der Neuauflage zehn Jahre später warnt Prange: «Europaskeptiker haben Konjunktur.» Die europäische Idee sei gefährdet durch Uneinigkeit und Krisen (Stichworte IS, Pegida oder Schuldenkrise). Umso mehr solle sich Europa auf seine gemeinsamen Werte besinnen. Dafür plädiert im gleichen Buch zwar auch Nooteboom. Geschichtsbewusst erinnert er indes daran, dass unserer Zivilisation auch koloniale und totalitäre Systeme entsprungen sind. Céline Graf Stadttheater Bern. Mo., 20.2., 18 Uhr www.konzerttheaterbern.ch Wahnsinnig wütend Schwere Beats, donnernde Bässe und zorniger Rap: Die neue Platte «Schiiwerfer» von Göldin & Bit-Tuner hat es in sich. Die St. Galler sind im Rössli zu hören. «Me fühlt sech sicher i dene Chreise, bi ois im Quartier het jede sini eiget Polizeistreife», so Göldin im Titelstück «Schiiwerfer». Die Songs des neuen Albums, deren Beats an düsteren Dubstep erinnern und von Bit-Tuner (Marcel Gschwend) produziert wurden, handeln vom auszehrenden Kapitalismus im Überwachungsstaat. Die Aggressivität und Härte in den Texten des «WoZ»-Journalisten und Rappers Daniel Ryser alias Göldin aus St. Gallen wird aufgelockert durch eine beträchtliche Portion Galgenhumor. So heisst es etwa in der Coverversion des Songs «Ghost Town» der Ska- Band The Specials: «Stell dir vor, es isch es Spezialagebot und keine goht hii (...) und dini Tochter heisst Heineken.» Um in dem beschriebenen kapitalistischen und repressiven System nicht durchzudrehen, bleibe bis zur nächsten Revolte, so Göldin in «Unter Null», nur noch Drogenkonsum, Verdruss und Wahnsinn – oder das Konzert von Göldin & Bit-Tuner im Rössli zu besuchen, um ausgelassen dem Unmut zu frönen. Lula Pergoletti Rössli in der Reitschule, Bern Do., 16.2., 21 Uhr www.souslepont-roessli.ch