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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> | 3,00 €<br />

Per Bus in<br />

die Zukunft<br />

Hartmut Schick ist Daimler-Bus-Chef. Der Manager<br />

über digitale Helfer, neue Mobilitätskonzepte für<br />

Großstädte und die Vorzüge von Neu-Ulm.<br />

4 197821 303000 5 3<br />

Markenschutz Wie sich Firmen vor Plagiatoren schützen können SEITE 30<br />

Abschied Ex-Landrat Heinz Seiffert und die Kunst des Loslassens SEITE 34<br />

Umfrage Führungskräfte verraten ihre Eigenarten SEITE 54


FACHKRÄFTETAG<br />

ULM & NEU-ULM<br />

15.10.<strong>2016</strong><br />

10–16 Uhr<br />

ratiopharm arena, Neu-Ulm<br />

fachkräftetag.de<br />

EINTRITT<br />

FREI!<br />

WIR SIND DABEI:<br />

Architects Engineers<br />

mediaservice ulm<br />

neue pressegesellschaft


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[inhalt]<br />

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,<br />

Alexander Bögelein,<br />

Redaktionsleiter<br />

<strong>unternehmen</strong> [!]<br />

alternative Antriebe, selbstständig fahrende<br />

Fahrzeuge und mehr Car-Sharing: So stellen<br />

sich viele die Mobilität von übermorgen vor.<br />

Auch Daimler-Bus-Chef Hartmut Schick<br />

ersinnt neue Konzepte und berichtet im<br />

Titel interview von interessanten Lösungen<br />

(Seite 10), um den Verkehrskollaps in Metropolen<br />

zu verhindern. Eine solche ist Ulm<br />

nicht. Doch auch hier dürfte es am 12. <strong>Oktober</strong><br />

zu einer Mobilitätsdiskussion im Stadtrat<br />

kommen. Dann geht es darum, ob die<br />

Verkehrsführung am Bahnhof von vier auf<br />

zwei Spuren verringert wird und ob dadurch<br />

der Baustellen-Stau zum Dauerzustand<br />

wird (S. 4). Ansonsten ist im Herbst<br />

<strong>2016</strong> fast alles wie gehabt. Die Konjunktur<br />

läuft. Firmen wie Celos (S. 40) und IDS<br />

(S. 50) sind erfolgreich. Der Bau boomt und<br />

damit auch innovative Lösungen (S. 6). Das<br />

alles ist Stoff für interessante Geschichten.<br />

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.<br />

Ihr Alexander Bögelein<br />

[spezial]<br />

6 Quadratisch, praktisch, schnell<br />

Bauen mit Raum modulen: flexibel und<br />

nun auch dauerhaft<br />

[titelthema]<br />

10 Vorfahrt für den Bus der Zukunft<br />

Hartmut Schick im Gespräch<br />

[finanzieren]<br />

22 Keine Angst vor Brexit & Co.<br />

Einfache Regeln zur Geldanlage<br />

[machen]<br />

28 Alles zurück auf Ford Schwabengarage<br />

Ulm/Neu-Ulm wird zum „Ford Store“<br />

40 Schützen und pflegen IT-Spezialist<br />

Celos profitiert vom Trend zur Auslagerung<br />

42 „Da ist Paulaner dran“ Nething-<br />

Gruppe aus Neu-Ulm baut Paulaner<br />

44 Zwischen Glamour und Kleinstadt<br />

Visagistin Katja Kienhöfer vermisst nichts<br />

50 Bei Anruf Hilfe Mittelständler IDS traut<br />

sich, die Hände schmutzig zu machen<br />

[gründen]<br />

46 Natürlich selbstständig G-Nature-<br />

Chef Tobias Gölz mag es bunt<br />

[verantworten]<br />

30 Wie ein Ei dem anderen<br />

Tipps zum Schutz Ihrer Marke<br />

[spezial]<br />

34 Die Kunst des Loslassens Landrat<br />

Heinz Seiffert beendet seine Karriere<br />

[führen]<br />

48 Fit für den Wandel Hochschule Neu-<br />

Ulm unterstützt kleine Firmen bei der<br />

Weiterbildung<br />

[leben]<br />

54 Frische Luft vom Chef Umfrage unter<br />

Führungskräften zu ihren Büroticks<br />

[namen & nachrichten]<br />

4 Ulm kämpft gegen den Stau<br />

5 Rentschler mit Biotechnologie<br />

erfolgreich<br />

20 Hochhaus-Ellipse für<br />

750 Schuler-Ingenieure<br />

58 Auftragsboom im Metallbau<br />

58 Impressum<br />

30 06<br />

22 50<br />

54<br />

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Ulm kämpft gegen den Stau<br />

Baulärm begrüßt Schüler, Pendler<br />

und Gäste der Stadt Ulm, die<br />

morgens aus demBahnhof strömen.<br />

Gleich gegenüber entsteht<br />

ein neues Stadtquartier mit Läden,<br />

Büros und Wohnungen: die<br />

Sedelhöfe. Der Hamburger Investor<br />

DC will das 200-Millionen-<br />

Euro-Projekt bis Ende 2019 fertigstellen.<br />

Zwei Jahre später sollen<br />

die Züge fahrplanmäßig auf der<br />

Neubaustrecke Wendlingen-Ulm<br />

fahren. Hinzu kommt der Bau der<br />

zweiten Straßenbahnlinie, die<br />

Umgestaltung des Bahnhofsplatzes<br />

samt Bau eines neuen Parkhauses,<br />

die Neugestaltung des<br />

Busbahnhofes und etliches mehr.<br />

Die Stadtverwaltung gibt sich<br />

mit ihrem Staumanagement die<br />

größte Mühe, dass der Verkehr<br />

weiter fließt. „Doch die Belastungen<br />

sind leider für viele deutlich<br />

spürbar“, sagt Baubürgermeister<br />

Tim von Winning. Die Maßnahmen<br />

würden zum einen voneinander<br />

abhängen, zum anderenseien<br />

sie aufgrund von<br />

Einfahrt in die Stadt von der B28 und B311. Vor dem Bahnhof wird es einspurig.<br />

Förderbedingungen des Bundes<br />

nicht verschiebbar. Von Winning<br />

hofft, dass sich die Verkehrslage<br />

nach einer Eingewöhnungsphase<br />

entspannen wird.<br />

Bei manchem Autofahrer freilich<br />

liegen während der Rushhour<br />

jetzt schon die Nerven blank,<br />

weil sie im Stau stehen. Helfen<br />

soll laut von Winning ein „internetbasierter<br />

Baustellenmelder“,<br />

zusätzlich wird die Stadt stark<br />

frequentierte Orte mit Webcams<br />

beobachten, um Verbesserungsstrategien<br />

zu entwickeln. Auf die<br />

Informationen dieser beiden Systeme<br />

haben auch Autofahrer Zugriff.<br />

Mit Blick auf die Kunden<br />

aus dem Umland für den Handel<br />

sagt von Winning: „Grundsätzlich<br />

glaube ich, dass die Erreichbarkeit<br />

der Ulmer Innenstadt an<br />

normalen Samstagen durch die<br />

Baustellen nicht relevant eingeschränkt<br />

ist. Ein bisschen Gelassenheit<br />

kann aber sicher nicht<br />

schaden“. [!]<br />

AMB<br />

Qualität für den Weltraum<br />

Tausende Satelliten kreisen im<br />

All. Manche in 200 bis 800 Kilometern<br />

Höhe, Fernsehsatelliten<br />

in bis zu 42.000 Kilometern. Damit<br />

deren Signale auf der Erde<br />

ankommen, benötigt man Wanderfeldröhren.<br />

Produktqualität<br />

und Robustheit spielen eine<br />

überragende Rolle. Die meisten<br />

dieser High-Tech-Geräte, die die<br />

Signale verstärken, stellt der französische<br />

Technologiekonzern<br />

Thales her. In Ulm befindet sich<br />

der Geschäftsbereich Electron<br />

Devices. In den Standort, der seit<br />

mehr als 40 Jahren besteht, hat<br />

Thales nun 27 Millionen Euro investiert.<br />

Entstanden sind nach<br />

gut zweijähriger Bauphase rund<br />

14.000 Quadratmeter an neuen<br />

beziehungsweise baulich veränderten<br />

Flächen für Produktion,<br />

Labore und Verwaltung.<br />

„Mit der Modernisierung steigern<br />

wir unsere Effizienz, reduzieren<br />

unsere Energiekosten und schaffen<br />

die Voraussetzungen für eine<br />

Steigerung der Produktionskapazität“,<br />

sagte Dr. Christoph Hoppe,<br />

Vorsitzender der Geschäftsführung<br />

von Thales Deutschland.<br />

Ein optimaler Produktionsfluss<br />

Ein Blick in die neue Produktion der Wanderfeldröhren bei Thales in Ulm.<br />

sei in der alten Halle nicht mehr<br />

möglich gewesen, ergänzte Horst<br />

Strauß, Vizepräsident von Thales<br />

Deutschland und als Geschäftsführer<br />

für den Standort Ulm verantwortlich.<br />

Der Neubau – man<br />

habe sich bewusst gegen einen<br />

Standort auf der grünen Wiese<br />

entschieden – sei ein klares und<br />

langfristiges Bekenntnis zum<br />

Standort Ulm.<br />

Der Thales-Konzern ist spezialisiert<br />

auf auf Luft- und Raumfahrt,<br />

Verteidigung und Transport. Zuletzt<br />

erzielte er mit 62.000 Mitarbeitern<br />

einen Jahresumsatz von<br />

14 Milliarden Euro. Der Standort<br />

Ulm mit 500 Mitarbeitern ist der<br />

drittgrößte von Thales in<br />

Deutschland. [!]<br />

CMY<br />

4


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Rentschler mit Biotechnologie erfolgreich<br />

Der Biotechnologie-Spezialist<br />

Rentschler in Laupheim wächst<br />

stürmisch. Das Unternehmen,<br />

das für namhafte Pharmakonzerne<br />

Medikamente produziert, hat<br />

24 Millionen Euro investiert und<br />

seine Produktionskapazität mehr<br />

als verdoppelt. In der neuen Anlage<br />

mit einer Gesamtkapazität<br />

von zwei mal 3.000 Litern stellt<br />

das Unternehmen Wirkstoffe mit<br />

gentechnisch veränderten Zellen<br />

her, zum einen für die Krebstherapie,<br />

zum anderen für entzündungshemmende<br />

Medikamente.<br />

Rentschler hatte erst im vergangenen<br />

Jahr einen Bioreaktor mit<br />

2000 Liter Fassungsvermögen in<br />

Betrieb genommen. Doch das Geschäft<br />

des Laupheimer Unternehmens<br />

boomt. „Die neue Anlage<br />

ist ein wichtiger Meilenstein in<br />

der langjährigen Erfolgsgeschichte<br />

von Rentschler. Ein Umsatzanstieg<br />

von mehr als 30 Prozent<br />

in den vergangenen zwei<br />

Jahren hat diese Investition abgesichert.<br />

Produktionsaufträge für<br />

die neue Anlage liegen bereits<br />

vor und reichen bis in das Jahr<br />

2018“, sagt Frank Mathias, Geschäftsführer<br />

der Rentschler Biotechnologie<br />

GmbH. Derzeit beschäftigt<br />

das Unternehmen 650<br />

Mitarbeiter. Bis zum Jahr 2018<br />

will Rentschler 200 Mitarbeiter<br />

einstellen, vor allem Naturwissenschaftler<br />

und Laboranten.<br />

Den Umsatz nannte Mathias<br />

nicht. Dieser dürfte <strong>2016</strong> die<br />

Schwelle von 100 Millionen Euro<br />

überschreiten. [!]<br />

AMB<br />

Mit dieser Chromatographiesäule trennt Rentschler den produzierten Wirkstoff<br />

von anderen Substanzen.<br />

Gratis-Angebot hilft bei<br />

der Firmen-Übergabe<br />

Der demographische Wandel<br />

macht die Unternehmensnachfolge<br />

schwieriger. Denn die Zahl<br />

junger, möglicher Kaufinteressierten<br />

sinkt. Außerdem steigen<br />

die Einkommen der Arbeitnehmer.<br />

Im Gebiet der Handwerkskammer<br />

Ulm,<br />

also zwischen<br />

Jagst und Bodensee<br />

gibt es<br />

18.000 Betriebe,<br />

bis zum<br />

Jahr 2020<br />

Jens de Buhr, Chef<br />

der Deutschen Unternehmerbörse.<br />

steht in mehr<br />

als 2000 die<br />

Nachfolge an.<br />

Nach einer<br />

Studie des Instituts<br />

für angewandte Wirtschaftsforschung<br />

(IAW) in Tübingen<br />

betrifft dies in der Region<br />

der IHK Ulm jährlich 774 umsatzsteuerpflichtige<br />

Firmen. Allerdings<br />

seien nur 172 mit 1500<br />

Mitarbeitern übernahmewürdig.<br />

Als übernahmewürdig gilt eine<br />

Firma mit einem Jahresgewinn<br />

von 54.000 Euro. Denn der Gewinn<br />

muss für den Erwerber<br />

oberhalb möglicher andererer –<br />

also auch nicht-selbstständiger<br />

Einkünfte – liegen.<br />

Eine Online-Plattform für Betriebsinhaber<br />

und Nachfolgeinteressierte<br />

ist www.nexxt-change.<br />

org. Die Möglichkeit sich kennenzulernen,<br />

bietet aber auch<br />

die Deutsche Unternehmerbörse,<br />

die seit 2011 online ist, sagt deren<br />

Chef Jens de Buhr. Dort sind 580<br />

Firmen und 19.400 Kaufinteressenten<br />

registriert. Für Leser von<br />

„<strong>unternehmen</strong> [!]“ und der SÜD-<br />

WEST PRESSE hat de Buhr ein<br />

Gratis-Angebot: Unter dem Link<br />

www.dub.de/suedwestpresse/<br />

können sie drei Monate kostenlos<br />

inserieren. Danach läuft das<br />

Sonderpaket automatisch aus.<br />

Der Link ist bis Ende Juli 2017<br />

freigeschaltet. [!] KER/KÖ<br />

Aus Fritz & Macziol<br />

wird Axians IT Solutions<br />

Multimedia-Bus<br />

zur Image-Werbung<br />

Eines der namhaftesten Ulmer<br />

Unternehmen wird umbenannt.<br />

Das Ulmer Systemhaus Fritz &<br />

Macziol (800 Mitarbeiter), das<br />

2014 vom französischen Vinci-<br />

Konzern übernommen worden<br />

war, heißt künftig Axians IT Solutions<br />

und ist Teil der Vinci-<br />

Energies-Tochter Axians. Die Ulmer<br />

steuern mehr als die Hälfte<br />

des Axian-Umsatzes von 600 Millionen<br />

Euro bei. Nach dem Weggang<br />

von Co-Firmengründer Heribert<br />

Fritz Ende 2015 und seines<br />

Nachfolgers Oliver Schallhorn<br />

im Juni, führt nun der Chef von<br />

Vinci Energies, Reinhard Schlemmer,<br />

die Geschäfte. [!] KÖ<br />

Auf der Suche nach Auszubildenden<br />

schickt Baden-Württembergs<br />

Hotel- und Gastrobranche einen<br />

multimedial ausgebauten Werbebus<br />

ins Rennen. Der Bus ist Teil<br />

des Nachwuchsprojekts „Wir<br />

Gastfreunde“. Von den 2,14 Millionen<br />

Euro Kosten übernimmt<br />

das Land 1,35 Millionen Euro.<br />

Der Bus soll bis April 2019 Schulen<br />

anfahren. Die Branche leidet<br />

unter Nachwuchsmangel, etwa<br />

die Hälfte der jungen Leute bricht<br />

die Lehre ab. Hintergrund sind<br />

unter anderem unattraktive Arbeitszeiten<br />

und die vergleichsweise<br />

schlechte Bezahlung. Die<br />

Branche beschäftigt 240.000 Mitarbeiter<br />

im Südwesten, davon<br />

sind 6250 Azubis. [!] AMB<br />

5


[spezial] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Ulms bekanntestes Raummodul: die McDonald‘s-Filiale mitten in der Fußgängerzone.<br />

Quadratisch, praktisch, schnell<br />

Ob als Fastfood-Restaurant, Schule, Laden, Büro oder als Wohnung: Der Markt für Raummodule wächst stark.<br />

Immer häufiger gibt es sie als dauerhafte Lösung. Ihre Vorteile sind kurze Bauzeiten und hohe Flexibilität.<br />

Hans-Peter Bochtler steht hinter seiner<br />

langgezogenen Ladentheke. Die Vitrinen<br />

und Regale gegenüber an der Fensterseite<br />

seines Ladens sind gefüllt mit Stempeln,<br />

Gravuren, Pokalen und Schildern. Auf<br />

rund 15 Quadratmetern Fläche lässt sich so<br />

einiges unterbringen. Denn Bochtler steht in<br />

seinem Provisorium in der Ulmer Innenstadt,<br />

einem Container. Für ihn und seine Ehefrau<br />

Annerose Baur-Bochtler war früh klar: Während<br />

der Abbruch- und Neubauzeit ihres<br />

Wohn- und Geschäftshauses im Hafenbad ziehen<br />

sie mit ihrer Firma Ernst Häfele in ein<br />

Containergebäude, und zwar direkt neben der<br />

Baustelle. „Es wären sogar Immobilien in unmittelbarer<br />

Nähe frei gewesen“, erzählt Hans-<br />

Peter Bochtler. Doch deren Vermieter seien<br />

nicht begeistert gewesen, einen Mietvertrag<br />

für zwei Jahre zu schließen. „Auch finanziell<br />

wäre das eine ganz andere Nummer gewesen,<br />

Räume anzumieten und für unsere Zwecke<br />

herzurichten“, sagt Bochtler.<br />

Drei Container beherbergen nun das Geschäft.<br />

Einer steht quer zur Straße, mit Ladentür,<br />

zwei Schaufenstern und Oberlicht, zwei<br />

weitere sind längs dahinter. In einem ist das<br />

Büro untergebracht, im anderen ein Teil der<br />

Produktion und des Lagers. „Den Rest, den wir<br />

früher im Haus hatten – da war ja eine sehr<br />

große Werkstatt – haben wir ausgelagert.<br />

Selbst die Ladenfläche<br />

ist nur ein<br />

Drittel oder ein<br />

Viertel dessen, was<br />

sie vorher war“, beschreibt<br />

der<br />

61-Jährige die Situation.<br />

Doch es gab gute<br />

Gründe, warum<br />

sie sich auf dieses<br />

Provisorium eingelassen<br />

haben.<br />

Verbandschef<br />

Günther Jösch.<br />

Denn das Ehepaar hat zuvor seine Kunden<br />

gefragt, ob sie ihnen auch an einem anderen<br />

6


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

Standort die Treue halten würden. Das Ergebnis:<br />

„Wir hätten zu viel Kundenfrequenz verloren“,<br />

sagt Bochtler. „Die Kunden wollen die<br />

Erreichbarkeit am alten Standort, ansonsten<br />

muss man Abstriche machen.“<br />

Die gebe es eh schon aufgrund der Vielzahl<br />

der Baustellen in der gesamten Stadt. „Aber<br />

wir wissen ja, dass es nur eine vorübergehende<br />

Situation ist, da nimmt man die Einschränkungen<br />

für diese Zeit in Kauf“, sagt der Flexograf<br />

und Handwerksmeister. Er würde sich<br />

auf jeden Fall wieder für die Container-Lösung<br />

entscheiden. Denn verlorene Kunden nach<br />

dem Neubau wieder zurück gewinnen zu<br />

müssen, das sei ihm zu riskant.<br />

PLUSPUNKT FLEXIBILITÄT<br />

Von Fällen, wie dem des Ehepaars Bochtler,<br />

profitiert die Container- und Raummodul-<br />

Branche. „Derzeit sind rund rund zwei Millionen<br />

Quadratmeter Bürofläche in Container-<br />

Gebäuden vermietet“, sagt Günter Jösch,<br />

Geschäftsführer des Bundesverbands Bausystem.<br />

Die Spanne reiche „vom Container für<br />

eine zwei- bis dreitägige Veranstaltung bis<br />

zum Interimsgebäude.<br />

Der große Vorteil dieser Module gegenüber<br />

dem konventionellen Bauen ist, „dass es viel<br />

schneller geht“, sagt Jösch. Da man bis zu 60<br />

Prozent der Bauzeit einsparen könne, müsse<br />

man nicht so lange vorfinanzieren. „Weil<br />

beim modularen Bauen die Teile industriell<br />

vorgefertigt sind, hat man auch die Gewissheit,<br />

dass die Qualität sehr gut ist.“ Zudem<br />

seien die Bauherren flexibel, sie könnten die<br />

Gebäude erweitern und auch zurückbauen.<br />

„Mietsysteme sind von außen nicht unbedingt<br />

schön“, gibt Jösch zu. „Aber wenn solche<br />

Container eine Woche lang als Eventbüro bei<br />

Raum für Projekte<br />

Kitas_Kantinen_Büros_Schulen_Banken<br />

Heime_Unterkünfte_Verwaltungsgebäude<br />

CHS Container Handel - Niederlassung Memmingerberg<br />

Telefon: 08331 - 49 05 385<br />

CHS Container Handel GmbH ist ein Unternehmen der CHS Container Group. www.chs-container.de<br />

7


[spezial] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

dule in der Vergangenheit hatten, seien mittlerweile<br />

vernünftig gelöst.<br />

Zufrieden mit der Unterbringung in Raumcontainern<br />

zeigt sich Ralf Schabel, Direktor<br />

des Illertal-Gymnasiums Vöhringen (IGV),<br />

auch wenn er froh ist, dass diese Zeit nun zu<br />

Ende ist. „Es war etwas beengt, aber man<br />

konnte gut leben.“ Während der Um- und Anbauzeit<br />

am IGV waren nicht nur Klassenzimmer<br />

in Containern untergebracht, sondern<br />

auch Sekretariat, Verwaltung und Lehrerzimmer.<br />

„Wir hatten anfangs etwas Akkustikprobleme“,<br />

sagt Schabel. Doch die lösten sich<br />

buchstäblich auf, nachdem Deckenmodule<br />

angebracht worden waren.<br />

Für ihn erstaunlich war, wie schnell das Containergebäude<br />

aufgebaut war, in rund eineinhalb<br />

Tagen stand der Rohbau, auch die Ausstattung<br />

mit Boden, Heizung, Strom, Internet<br />

und allem, was dazu gehört, sei schnell gegangen.<br />

Er könne anderen Schulchefs, die vor einer<br />

großen Baumaßnahme stehen, nur empfehlen:<br />

„Zieht komplett in so ein Containerdorf<br />

und lasst die Schule den Bauleuten.“ So wäre<br />

man weg von Schmutz, Lärm und anderen<br />

Einschränkungen. Mittlerweile sind die Containergebäude<br />

vom IGV abgenabelt und gehen<br />

„in die Zweitverwertung“, wie Schabel<br />

sagt, unter anderem zur Realschule Neu-Ulm.<br />

Hans-Peter Bochtler in seinem Laden im Container: Er will für seine Kunden erreichbar bleiben.<br />

einer Veranstaltung stehen, dann später woanders,<br />

dann liege der Fokus mehr auf der Innenausstattung;<br />

auf dem, was wirklich benötigt<br />

werde: Außen strapazierfähig, innen eine<br />

vernünftige Beplankung, Elektroanschluss,<br />

Heizung, Duschen, W-Lan oder anderes mehr.<br />

Probleme der Bauphysik, wie Schallschutz,<br />

Lärmschutz, Wärmeisolierung oder Brandschutz,<br />

die Containerbauten oder Raummo-<br />

MEHR NUTZFLÄCHE<br />

Neben solchen Standardlösungen wächst<br />

auch der Markt für individuelle Raummodul-<br />

Konzepte. Solche individuell erstellten Bauten<br />

können eine Fassade bekommen, so dass<br />

sie sich nicht von konventionellen Gebäuden<br />

unterscheiden, erläutert Jösch. Diese stehen<br />

25, 30 Jahre und länger. Preislich würden sich<br />

solche Module kaum von herkömmlichen<br />

Häusern unterscheiden. Aber wegen der kürzeren<br />

Bauzeit könne man diese Gebäude<br />

schneller vermieten – und wegen der dünnerer<br />

Wänden verfügten sie über eine größere<br />

Nutzfläche. Die Innenausstattung sei bei beiden<br />

Systemen gleich. Vor allem immer mehr<br />

größere Investoren wie Wohnbaugesellschaften<br />

oder auch die öffentliche Hand zeigten<br />

BÜROS, WOHNUNTERKÜNFTE,<br />

SCHULEN, KINDERGÄRTEN<br />

Cramo Adapteo – Modulare Raumlösungen<br />

aus Holz und Stahl<br />

ROOM FOR GREAT DAYS<br />

Mehr erfahren unter: www.cramoadapteo.de<br />

8


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

Interesse am modularen Bauen. Ein weiterer<br />

Vorteil: Man plant einmal das Konzept, setzt<br />

es an mehreren Standorten um und senkt so<br />

Kosten.<br />

FASTFOOD IM QUADER<br />

Die in Ulm wohl bekannteste und wegen ihrer<br />

Platzierung zumindest in der Bevölkerung<br />

umstrittenste Modulbau-Lösung für ein Bauprojekt<br />

steht als grauer, zweistöckiger Quader<br />

mitten in der Fußgängerzone in der Bahnhofstraße:<br />

Das Schnellimbiss-Restaurant dort<br />

hätte eigentlich schon in diesem Herbst wieder<br />

zurückgebaut werden sollen und in das<br />

Großprojekt Sedelhöfe einziehen sollen.<br />

Doch dessen Bau geht jetzt erst richtig los. Daher<br />

müssen Mitarbeiter, Unternehmen und<br />

die Ulmer mit der Übergangslösung noch einige<br />

Jahre zurechtkommen. „Es ist alles ein<br />

bisschen enger als normal, aber von den Arbeitsabläufen<br />

funktioniert es“, sagt Gerhard<br />

Schmid, Chef von McDonald’s Ulm. „Wir sind<br />

halt mit den Sitzplätzen eingeschränkt.“<br />

Auch zu den Toiletten geht es nicht ganz so<br />

einfach wie sonst in einem Restaurant üblich:<br />

Der Weg führt außen ums Gebäude herum<br />

und eine Stahltreppe hoch. Oben muss man<br />

50 Cent bereithalten für den Eintritt, geschuldet<br />

dem öffentlichen Zugang. Dafür gibt es<br />

einen im Restaurant einlösbaren Bon im gleichen<br />

Wert.<br />

In Ulm sei man relativ schnell zu dem Entschluss<br />

gekommen, dort in Modulbauweise<br />

Ersatz für das während der Bauphase wegfallen<br />

de Restaurant in Bahnhofsnähe zu schaffen,<br />

sagt Alfonso Sanchez. Im Regionalen Service<br />

Center der Fast-Foodkette in München betreut<br />

er solche Projekte. Der US-Konzern betreibt<br />

seine Restaurants nicht nur in herkömmlichen<br />

Gebäuden, sondern auch in Modul-Leichtbauweise<br />

oder in Containern. Die Lösung für Ulm<br />

sei die einfachste Variante gewesen. Entsprechende<br />

Pläne habe es bereits gegeben. Ob der<br />

Bau allerdings genauso ausge führt worden wäre,<br />

wenn man von vornherein gewusst hätte,<br />

dass sich das Sedelhöfe-Projekt dermaßen verzögert,<br />

hält er für frag lich, eventuell hätte man<br />

dann doch auf die stabileren Container zurück<br />

gegriffen. Schließlich müsse unter anderem<br />

der Untergrund eine sehr schwere Küche tragen.<br />

Das sei nun nicht die optimale Lösung,<br />

aber immer noch gut genug als Übergangslösung.<br />

[!] <br />

WERNER GALLBRONNER<br />

Im Trockenbau<br />

vorproduziert<br />

Container, Raumzellen, Raummodule,<br />

modulares Bauen, vorgefertigte Raumsysteme<br />

und Modulbauweise – alle<br />

diese Begriffe stehen für industriell<br />

und dennoch häufig individuell hergestellte<br />

Raumeinheiten. Die Basis bilden<br />

zumeist selbsttragende kubische<br />

Stahlrahmenkonstruktionen, die in Fertigungswerken<br />

im Trockenbauverfahren<br />

hergestellt werden und vor Ort zu<br />

beliebig großen Gebäuden kombiniert<br />

werden können. <br />

GAL<br />

Bauen mit Modulen<br />

Flexibel. Schnell. Hochwertig.<br />

www.eberhardt.eu<br />

Flexible Raumsysteme<br />

9


10


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Vorfahrt für den<br />

Bus der Zukunft<br />

Die Mannschaft von Daimler-Bus-Chef Hartmut Schick ersinnt komplett neue<br />

Mobilitätskonzepte. In ihren Nahverkehrssystemen weiß jeder Bus, wo der<br />

andere steckt. Die High-Tech im Innern macht die Fahrt obendrein sicherer,<br />

geschmeidig – und die Fahrzeuge zu rollenden Hochleistungsrechnern.<br />

Sie haben den Busführerschein. Was fasziniert Sie<br />

am Busfahren?<br />

Man fährt auf der Landstraße mit Tempo 80 Kilometer,<br />

es ist sehr komfortabel. Durch die großen Spiegel kann<br />

ich meine Position auf der Straße genau einschätzen.<br />

Spannend ist, dass man sehr weit vorne sitzt. Das heißt,<br />

du lenkst im Kreisverkehr erst, wenn du mitten drin<br />

bist. Busfahren macht mir Spaß. Gleichzeitig ist es mir<br />

wichtig, ein Gefühl für die Produkte zu bekommen.<br />

Wann sind Sie zum letzten Mal Bus gefahren?<br />

Im März. Da habe ich meine Mutter im Schwarzwald<br />

abgeholt. Wir sind weiter ins Murgtal. Lustig war es, als<br />

wir auf einem Busrastplatz angehalten haben. Nebenan<br />

kamen 60 Leute aus dem Bus, während ich nur mit<br />

meiner Mutter aussteige.<br />

Auch bei den Bussen geht der Trend zum autonomen<br />

Fahren. Sie haben kürzlich in Amsterdam ihren<br />

„Future Bus“ mit dem „City Pilot“ vorgestellt …<br />

Der Future Bus mit dem „City Pilot“ ist ein teilautonomer<br />

Bus. Das heißt, der Fahrer muss am Steuer sitzen<br />

und jederzeit bereit sein, einzugreifen. Bis wir damit in<br />

Serie gehen, werden mindestens fünf Jahre vergehen.<br />

Daimler beschäftigt sich schon seit längerem mit<br />

dem Thema teilautonomes Fahren.<br />

Das stimmt. Schon vor drei Jahren gab es die Fahrt der<br />

S-Klasse von Mannheim nach Pforzheim, angelehnt an<br />

Berta Benz‘ erste Fahrt. Vor zwei Jahren haben wir einen<br />

autonomen Truck, den Future Bus 2025 mit „Highway<br />

Pilot“-System, vorgestellt. In den USA testen wir seit<br />

dem vergangenen Jahr mit dem Freightliner Inspiration<br />

Truck den ersten autonom fahrenden Lkw weltweit<br />

mit Straßenzulassung. Seit <strong>Oktober</strong> 2015 testen wir<br />

den Actros mit „Highway Pilot“ auch auf öffentlichen<br />

Straßen.<br />

Welchen Ansatz gibt es da in der Bussparte?<br />

Wir setzen auf eine Anwendung, die möglichst schnell<br />

zum Einsatz kommen kann. Im Stadtbus haben wir uns<br />

jedoch für ein BRT-System entschieden, also ein Bus-<br />

Rapid-Transit-System. Bei diesem ist eine Spur für den<br />

Bus reserviert.<br />

Was kann der teilautonome Bus besser als ein herkömmlicher?<br />

Unser Fahrzeug hält auf 20 Zentimeter exakt die Spur.<br />

Möglich wird das durch verschiedene Systeme wie<br />

Fernradar, Nahradar, GPS und 3D-Kameras. Außerdem<br />

fährt der City Pilot für autonomes Fahren Haltestellen<br />

exakt an. Dadurch wird der Busfahrer entlastet und<br />

kann sich darauf konzentrieren, das Umfeld zu beobachten.<br />

Das Fahrzeug ist mit 14 Kameras ausgestattet,<br />

die die Umgebung erfassen und so beispielsweise erkennen,<br />

wenn sich ein Kind auf die Fahrbahn bewegt.<br />

Vor Hindernissen bremst der Bus selbstständig ab. Dennoch<br />

wird die nächsten zehn, zwanzig Jahre immer ein<br />

Fahrer mit von der Partie sein.<br />

Was bringen all diese neuen Technologien?<br />

Vor allem mehr Sicherheit, aber die Busfahrten werden<br />

zudem effizienter. Beispielsweise kommuniziert das<br />

Fahrzeug mit Ampeln, reduziert die Geschwindigkeit<br />

oder beschleunigt entsprechend sanft, nutzt grüne<br />

Wellen und verbraucht weniger Kraftstoff. Auch der<br />

Komfort für Fahrgäste ist größer.<br />

Funktioniert so ein Konzept auch im Ausland? Dort<br />

spielen Ampeln oft eine untergeordnete Rolle …<br />

Zur Person<br />

Hartmut Schick ist<br />

seit 2009 Vorsitzender<br />

der Geschäftsführung<br />

der Evobus<br />

GmbH und verantwortet<br />

das weltweite<br />

Busgeschäft des<br />

Daimler-Konzerns.<br />

Nach dem Studium<br />

des Maschinenbaus<br />

stieg er 1986 in der<br />

Zentralen Forschung<br />

ein. Er bewies sich<br />

auf einer Vielzahl von<br />

Positionen, baute unter<br />

anderem 1997 das<br />

Mercedes-Benz Werk<br />

in Juiz de Fora/Brasilien<br />

auf. Schick ist<br />

verheiratet und hat<br />

zwei Kinder (26 und<br />

27 Jahre). Er entspannt<br />

sich beim<br />

Joggen, drei Mal die<br />

Woche läuft er zehn<br />

Kilometer. Am Wochenende<br />

kauft er ein<br />

und kocht für die Familie.<br />

Dazu steht er<br />

samstagnachmittags<br />

in der Küche, nebenher<br />

läuft die Fußball-<br />

Bundesliga, vor allem<br />

die Spiele des FC<br />

Bayern München.<br />

Spaß am Busfahren: Hartmut Schick ist seit 2009 Evobus-Chef und leitet das weltweite Daimler-Busgeschäft.<br />

11


[titelthema] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Genau. Es können deutlich mehr Fahrgäste transportiert<br />

werden und die Fahrpläne sind verlässlicher.<br />

Wie unterstützen Sie die Einführung solcher Systeme?<br />

Wir haben ein eigenes Team für Verkehrsplanung, die<br />

auf Städte zugeht. Das Team analysiert Verkehrswege,<br />

beleuchtet Fahrpläne und schlägt vor auf welchen Strecken<br />

sich eine freigeräumte Busspur lohnen würde.<br />

Wo gibt es solche Beispiele in der Nähe?<br />

Straßburg ist eine historische, zugebaute Stadt. Trotzdem<br />

hat man es dort geschafft, eine Strecke frei zu räumen,<br />

auf der Busse verkehren. Natürlich sind auch<br />

Mischformen möglich. Dass wir beispielsweise von<br />

Neu-Ulm nach Ulm nicht dauerhaft eine komplette<br />

Spur für Busse freiräumen, ist klar. Aber auf Teilstrecken<br />

wäre das denkbar. Geht es an die konkrete Städteplanung<br />

übergeben wir das Zepter natürlich an die<br />

Städte. Wir wollen mit dieser Service-Leistung zum<br />

Nachdenken anregen. Bestenfalls, um dort später ein<br />

solches System einzuführen. Auch in Ludwigsburg<br />

sind wir im Gespräch.<br />

Wie schnell lässt sich so ein System umsetzen?<br />

Innerhalb von drei bis vier Jahren, je nach Größe des<br />

Projekts. Bei einer U-Bahn dauert das mindestens zehn<br />

Jahre.<br />

Busspuren freigeben für Elektro-Autos,<br />

um deren Absatz<br />

anzukurbeln? Nein danke!<br />

Das würde die Vorteile von so<br />

genannten Bus-Rapid-Transit-Systemen<br />

zunichte machen,<br />

sagt Hartmut Schick.<br />

Zuerst einmal muss der politische Wille zum Aufbau<br />

eines BRT-Systems vorhanden sein. Brasilien ist da mit<br />

gutem Beispiel vorangegangen. In neun von zwölf<br />

Städten, in denen die Fußball-WM ausgetragen wurde,<br />

gibt es bereits BRT-Systeme. In Rio ist die gesamte Stadt<br />

durchzogen. Menschen, die zuvor über anderthalb<br />

Stunden zur Arbeit gebraucht haben, schaffen es heute<br />

in weniger als 60 Minuten. Wenn der Wille da ist und<br />

die Verkehrsinfrastruktur angepasst wird, funktioniert<br />

solch ein BRT-System.<br />

Was halten Sie davon, dass Politiker als Kaufanreiz<br />

für E-Autos Busspuren freigeben wollen?<br />

Das ist nicht sinnvoll und behindert die Busse. Diese<br />

halten an oder bremsen scharf ab – wie im normalen<br />

Verkehr. Unter solchen Umständen enge Taktzeiten<br />

einzuhalten, ist unmöglich. An Haltestellen in Istanbul<br />

etwa fährt morgens alle 20 Sekunden ein Bus ab.<br />

750.000 Passagiere werden dort täglich vom Flughafen<br />

in die Stadt transportiert. Würden dort Autos auf den<br />

Busspuren mitfahren, wäre das nicht machbar.<br />

Und was kostet es?<br />

Für Bangkok hat ein unabhängiges Planungsinstitut<br />

errechnet, man könne für gleiche Kosten entweder 426<br />

Kilometer BRT-Linie oder sieben Kilometer U-Bahn<br />

bauen. Auch im Betrieb ist BRT deutlich günstiger. Im<br />

Jahr 2025 wird es 37 Städte mit mehr als 10 Millionen<br />

Einwohnern geben. Experten erwarten zudem, dass im<br />

Jahr 2050 Megastädte existieren werden, die heute<br />

noch nicht einmal im Bau sind. Das ist eine riesige<br />

Chance. Denn bei der Planung dieser Städte, können<br />

wir BRT-Systeme von Anfang an berücksichtigen.<br />

Wann kommt das teilautonome Fahren in den Reisebussen<br />

an?<br />

Schon heute nutzen viele Kunden und Fahrer einen<br />

Bremsassistenten, der auf Hindernisse reagiert. Ebenso<br />

warnt der Bus mittels Sitzimpuls beim Verlassen der<br />

Spur. Viele Unfälle passieren, weil Fahrzeuge aus der<br />

Spur geraten. Dafür gibt es viele Gründe, angefangen<br />

bei übermüdeten Fahrern. Was wir heute schon haben,<br />

sind Assistenten, die den Abstand und die Geschwindigkeit<br />

halten. Ziel aller kleinen Helfer ist es, den Fahrer<br />

zu entlasten. Mit dem bei den Daimler Lkws angesprochenen<br />

„Highway Pilot“ wird in unseren Bussen<br />

dann auch aktives Spurhalten möglich.<br />

Das klingt nach einem riesigen Effizienzpotenzial<br />

für Bus<strong>unternehmen</strong>.<br />

Im Mai gab es einen tödlichen Unfall mit einem<br />

Tesla-Auto. Besteht die Gefahr, dass die Konzentra-<br />

12


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

tion bei Fahrern in teilautonomen Fahrzeugen<br />

sinkt?<br />

Wir müssen die Fahrer schulen, ihnen klar machen,<br />

dass sie trotz technischer Hilfen für das Fahrzeug verantwortlich<br />

sind. Ich kann nicht für die Konkurrenz<br />

sprechen, wir entwickeln das sehr sorgfältig. Bevor wir<br />

damit in Serie gehen, müssen aber auch gesetzliche<br />

Rahmenbedingungen feststehen. Meiner Meinung<br />

nach wird es im öffentlichen Nah- und Fernverkehr<br />

auch zukünftig Fahrer geben.<br />

An welchen Stellen ist die Technologie noch nicht<br />

ausgereift?<br />

Die benötigte Rechenleistung in teilautonomen Bussen<br />

ist enorm. Kameras, Radar- und GPS-Systeme produzieren<br />

jede Menge Daten. Außerdem vergleicht der<br />

Bus Bilder vergangener Fahrten mit aktuellen Gegebenheiten.<br />

Eine neue Baustelle wird sofort an das System<br />

gemeldet, sodass der nächste Bus Bescheid weiß.<br />

Für diese Rechenleistung sind leistungsstarke Computer<br />

nötig. Deren Leistung und Analysefähigkeit gilt es<br />

zu verbessern, um auf die komplexen Situationen im<br />

Straßenverkehr richtig zu reagieren.<br />

Erfreulich: Das Geschäft mit<br />

Reisebussen läuft gut. Für die<br />

Ulmer Traditionsmarke Setra<br />

dürfte <strong>2016</strong> das beste Jahr ihrer<br />

Geschichte werden.<br />

WAS ZÄHLT SIND<br />

KOMFORT,<br />

BEWEGLICHKEIT<br />

UND SIE.<br />

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Was haben Sie auf der IAA präsentiert?<br />

Neben dem „City Pilot“ war das zweite große Thema<br />

unsere Reisebusmarke Setra. <strong>2016</strong> wird wahrscheinlich<br />

das beste Jahr in der Markenhistorie werden. Im<br />

Reisebussegment laufen die Modellreihen Comfort-<br />

Class und Top-Class sehr gut. Außerdem haben wir eiwww.usm.com<br />

13


[titelthema] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Modellreihe Top-Class<br />

deckt das Luxussegment ab.<br />

Jetzt gibt es einen Bus mit nur<br />

zwei Stuhlreihen. „Ähnlich<br />

der Business-Class im Flugzeug“,<br />

sagt Hartmut Schick.<br />

nen neuen Überlandbus mit Niedrigflurboden. Menschen<br />

mit körperlichen Einschränkungen können<br />

auch auf dem Land vorne ebenerdig einsteigen. Die<br />

Nachfrage nach dem Low-Entry-Modell ist sehr gut, gerade<br />

in Deutschland. In der Top-Class haben wir unsere<br />

eins plus eins Bestuhlung vorgestellt.<br />

Wie sieht das aus?<br />

Ein Bus mit nur zwei Sitzreihen. Ähnlich der Business-<br />

Class im Flugzeug. Fahrgäste können die Sitze zur Seite<br />

drehen oder den Blick durch das Panoramadach<br />

genießen. Zwei Kunden<br />

haben diesen Bus schon gekauft.<br />

Wie wichtig ist das Thema alternative<br />

Antriebe?<br />

Das Interesse an alternativen Antrieben<br />

steigt spürbar. Unser neuer<br />

Gasbus stößt zehn Prozent weniger<br />

CO 2<br />

aus als sein Vorgänger. In Augsburg<br />

laufen diese Gasbusse fast CO 2<br />

neutral, weil Biogas<br />

getankt wird. Trotzdem sind wir sicher, dass Dieselbusse<br />

die nächsten 15 Jahre weiter nachgefragt werden.<br />

Wie sieht hier die Entwicklung aus?<br />

Die großen Motoren für die Reisebusse oder Gelenkzüge<br />

konnten wir nochmals verbessern. Mit der Einführung<br />

der saubersten Abgasnorm Euro 6 haben wir über<br />

8,5 Prozent Kraftstoff eingespart. Mit Veränderungen<br />

an Einspritzdruck und Einspritzdüsen sparen wir zukünftig<br />

nochmal 2,5 Prozent Kraftstoff ein. Wir bleiben<br />

Luxusbus<br />

mit zwei<br />

Sitzreihen<br />

und großem<br />

Panorama<br />

an dem Thema dran, auch im Hinblick auf neue Gesetze<br />

aus Brüssel. Unser Erfolg bei Setra- und Mercedes-<br />

Reisebussen rührt nicht zuletzt daher, dass wir mit<br />

Abstand die beste CO 2<br />

-Bilanz liefern. Für den Betreiber<br />

ist das bares Geld.<br />

Welche Technologien sind noch relevant?<br />

In der Euro-5-Welt hatten wir bereits einen Hybridbus,<br />

sowie die dritte Generation Brennstoffzellen-Busse.<br />

Schnell hat sich herausgestellt, dass Hybridbusse mit<br />

spezifischen Batterien nicht wirtschaftlich<br />

betrieben werde können.<br />

Daher haben wir entschieden,<br />

keine Prototypen mehr zu bauen,<br />

sondern einen Serien-Elektrobus<br />

zu entwickeln. Dieser wird 2018<br />

auf den Markt kommen.<br />

Worauf kommt es an, damit sich<br />

Elektrobusse durchsetzen?<br />

Auf die technische Ausstattung<br />

des Busses und die Wirtschaftlichkeit. Unser Ziel ist es,<br />

die Kosten im gesamten Lebenszyklus auf das Niveau<br />

der Diesel-Fahrzeuge zu bringen. Der Anschaffungspreis<br />

wird höher sein, dafür fällt mangels Getriebe und<br />

Motor ein geringerer Wartungsaufwand an. Damit die<br />

Gesamtkosten über zehn, zwölf Jahre in der Größenordnung<br />

der Diesel-Fahrzeuge bleiben, kaufen wir mit<br />

den Pkw-Kollegen von Daimler Batterien ein.<br />

Was verändert sich durch die E-Mobilität im Stadtbusverkehr?<br />

14


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Die Tanks der heutigen Dieselbusse sind eigentlich zu<br />

groß. Der Sprit reicht für zwei Tage und der Bus schleppt<br />

viel Gewicht mit. Bei Elektrobussen hingegen müssen<br />

wir im Vorfeld alles genau analysieren. Wie lang ist die<br />

Strecke, wie viele Fahrgäste sind zu erwarten? Auf dieser<br />

Grundlage empfehlen wir eine Lade-Infrastruktur.<br />

Die Frage ist: Sollen die Busse nur im Depot geladen<br />

werden oder soll es Ladekapazitäten auf der Strecke<br />

geben. Wir glauben, dass sich die Batteriekapazitäten<br />

von 2020 bis 2025 verdreifachen werden. Heute kommt<br />

ein Elektrobus selbst unter ungünstigsten Bedingungen<br />

– also im eiskalten Winter oder im heißen Sommer<br />

– 100 Kilometern weit. Bis zum Jahr 2025 kann die<br />

Reichweite auf bis zu 300 Kilometer steigen.<br />

Was bedeutet das für Verkehrsbetriebe?<br />

Stellt ein Verkehrsbetrieb seine Flotte von 200 Fahrzeugen<br />

um, kann er in der ersten Generation 20 Prozent<br />

der Strecken mit Depotladung abdecken. Nun die ganze<br />

Stadt mit Ladestationen zu übersäen, wäre nicht<br />

sinnvoll. Wenn Kunden ihre Flotten sukzessive umstellen,<br />

kommen später Batterien mit hoher Kapazität,<br />

die Ladestationen ersetzen. Unser Ansatz ist heute ein<br />

anderer. Wir sprechen mit Kunden über das Gesamtsystem.<br />

Daher wird es immer wichtiger, alle Fahrzeuge<br />

zu vernetzen. Dadurch wissen wir genau, in welchem<br />

Einsatzspektrum sich welches Fahrzeug bewegt.<br />

Wie sehen Sie den Standort Neu-Ulm?<br />

Ich spreche hier immer gern von einer Manufaktur.<br />

Wir haben die traditionsreiche Marke Setra ganz oben<br />

positioniert. Mercedes-Benz ist der klassische Stadtbus<br />

im kommerziellen Betrieb. Setra definiert die Spitze<br />

des Premium-Busbaus. Um dieses Niveau auch künftig<br />

zu halten, brauchen wir erstklassig ausgebildete Mitarbeiter.<br />

Und das nicht nur in der Entwicklung, Produktion<br />

und im Vertrieb, sondern auch im Bereich Kundensonderwünsche.<br />

Wie viele solcher Sonderwünsche gibt es?<br />

Pro Bus sind das bis zu 150. Da müssen Entwicklung,<br />

Einkauf, Logistik, Vertrieb und Produktion Hand in<br />

Hand arbeiten. Deshalb ist es auch sinnvoll, alles an<br />

einem Standort zu behalten. Wenn wir 10 Sonderbusse<br />

für einen Kunden bauen, helfen die kurzen Wege hier<br />

in Neu-Ulm.<br />

Wie lange dauert es vom ersten Kundengespräch<br />

zum fertigen Bus?<br />

Die Beratung dauert mehrere Tage, der gesamte Vorgang<br />

zwei bis drei Monate. In unserem Designcenter<br />

können Kunden Stoffe aussuchen oder Sitzkonfigurationen<br />

ausprobieren. Die Kollegen vom Maybach-Kundencenter<br />

in Sindelfingen hatten sich dieses Konzept<br />

bei uns abgeschaut.<br />

Im Elektro-Zeitalter wird es<br />

wichtig fürVerkehrsbetriebe,<br />

die Fahrzeuge zu vernetzen:<br />

„Wir sprechen mit unseren<br />

Kunden über Gesamtsysteme“,<br />

sagt Hartmut Schick.<br />

15


[titelthema] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Hartmut Schick zeigt seinen Führerschein. Er darf alles fahren, im „Future Bus“ (rechts) saß er aber noch nicht am Steuer.<br />

Marktführer<br />

in Westeuropa<br />

Die Evobus GmbH (Stuttgart) ist die<br />

größte europäische Tochtergesellschaft<br />

der Daimler AG. Sie bildet den zentralen<br />

Teil der Sparte Daimler Buses mit den<br />

Marken Mercedes-Benz und Setra (früher<br />

Kässbohrer). Daimler Buses steigerte<br />

im ersten Halbjahr den Umsatz um 2 Prozent<br />

auf 2 Milliarden Euro. Das Ergebnis<br />

vor Steuern und Zinsen kletterte um 40<br />

Prozent auf 127 Millionen Euro. Der Absatz<br />

von Bussen und Fahrgestellen sank<br />

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um<br />

10 Prozent auf 11.776 Einheiten. Während<br />

das so genannte Komplettbusgeschäft in<br />

Westeuropa gut läuft, belastet Daimler<br />

Buses der schrumpfende Markt in Lateinund<br />

Südamerika. Dort sowie für die Märkte<br />

in Afrika und Asien stellt Daimler Fahrgestelle<br />

her. Die Aufbauten übernehmen<br />

lokale Anbieter. Auch der Markt in der<br />

Türkei schwächelt. Die Arbeit im dortigen<br />

Werk laufe trotz der politischen Situation<br />

normal, sagt Evobus-Chef Hartmut<br />

Schick. Drei Viertel der Produktion in der<br />

Türkei gehen in den Export nach Westeuropa.<br />

Dort ist Daimler Buses Marktführer.<br />

Nach Mitarbeitern größter Standort ist<br />

Neu-Ulm (3700). Hier sind das Kompetenz<br />

center Lackierung, das Entwicklungszentrum<br />

für Hochbodenfahrzeuge und<br />

das Designcenter für alle Baureihen. In<br />

Neu-Ulm werden überwiegend Reise- und<br />

Überlandbusse hergestellt. Derzeit ist der<br />

Standort voll ausgelastet. <strong>2016</strong> werden<br />

hier 2600 Einheiten gefertigt, 100 mehr<br />

als 2015. Das Werk Mannheim (3500 Mitarbeiter)<br />

ist Kompetenzcenter für Rohbau<br />

und Entwicklungszentrum für Niederflurfahrzeuge.<br />

Insgesamt beschäftigt<br />

Daimler Buses 17.600 Mitarbeiter. AMB<br />

Wie verändert sich diese Beratung?<br />

Wir haben ständig neue Ideen: Zukünftig sollen Kunden<br />

eine Brille aufsetzen können, sich virtuell durch<br />

den Bus bewegen und zum Beispiel verschiedene Sitzfarben<br />

testen. Gerade Reisebuskunden, oft sind das die<br />

Firmenchefs, wollen anfassen, sehen, spüren. Manche<br />

kommen zum Abholen ihres neuen Busses mit der gesamten<br />

Mannschaft und Gästen an. Der Bus wird zur<br />

Übergabe verhüllt, das zelebrieren wir mit den Kunden.<br />

Beispielweise darf das Enkelkind des Chefs die<br />

Plane abziehen.<br />

Sie sagten es gibt pro Bus bis zu 150 Sonderwünsche.<br />

Wie kann so etwas aussehen?<br />

Das fängt beim Außendesign an. Solche Lackierungen<br />

können bis zu mehreren 10.000 Euro kosten. Wir haben<br />

zudem eine hohe Kompetenz in punkto Folienbeklebung<br />

und Brush-Technologie. Im Innenraum gibt es<br />

unterschiedlichste Sitzkonfigurationen. Angefangen<br />

beim Sitzabstand über das Material bis hin zur Verstellbarkeit.<br />

Natürlich auch Aggregate, Elektrikumfänge<br />

und Verkleidungen. Wir sind übrigens der einzige Bushersteller<br />

mit eigener Sitzfertigung. Wir können sogar<br />

von uns behaupten, der größte Bussitzhersteller in Europa<br />

zu sein.<br />

Welche Wünsche bestehen sonst noch?<br />

Busunternehmer wollen oft bestimmen, wie ihr Fahrer-Arbeitsplatz<br />

aussieht. Aber es ist alles personalisierbar,<br />

egal ob Gepäckablage oder Kühlschränke. Bordküchen<br />

sind ebenfalls ein großer Posten. Jede Küche wird<br />

von unseren Schreinern sonderangefertigt.<br />

Was für Entwicklungen erwarten Sie?<br />

Kunden haben viele Ideen, das belebt unser Geschäft.<br />

Ich erwarte, dass es künftig in vielen Bussen Wlan geben<br />

wird, zudem bessere Sicherheitstechnologien. Diese<br />

werden von den Kunden nachgefragt. Sie locken<br />

Fahrgäste mit moderner Sicherheitstechnik.<br />

Stichwort Sicherheit: Bisher waren Beckengurte<br />

der Standard. Wird sich das ändern?<br />

Viele Kunden bestellen die serienmäßigen Zweipunktgurte,<br />

die bei einem Überschlag die höchstmögliche<br />

16


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Sicherheit gewährleisten. In einigen Märkten sind allerdings<br />

Dreipunktgurte vorgeschrieben, beispielsweise<br />

in Skandinavien. Insgesamt fahren Busse heute zwar<br />

weniger schnell, trotzdem ist ein Dreipunktgurt durchaus<br />

empfehlenswert.<br />

Was kostet so ein Reisebus?<br />

Preise geben wir ungern heraus. Das Spektrum ist riesig.<br />

Beginnend beim Tourismo, der in der Türkei gebaut<br />

wird und von dem wir vergangenes Jahr 2000 Einheiten<br />

verkauft haben. Bis hin zum Top-Class Doppelstock-Bus.<br />

Was für Kosten kommen während des Lebenszyklus<br />

dazu?<br />

Die Hälfte der Lebenszykluskosten sind Fahrerkosten.<br />

Daher ist es wesentlich, ob sie eine Fahrt mit einem<br />

oder zwei Fahrern machen können. Die Anschaffungskosten<br />

machen rund 20 Prozent aus. Der Rest verteilt<br />

sich auf Kraftstoff, Wartung, Versicherung etc. Meist<br />

fährt ein Bus etwa 20 Jahre in unterschiedlichen Anwendungen.<br />

Fernbusse allerdings haben nach drei Jahren<br />

schon eine Million Kilometer auf dem Buckel. Ein<br />

solches Exemplar wird in seinem zweiten Leben bei<br />

einem Betreiber eingesetzt, der kürzere Fahrten macht.<br />

Im Büro in Neu-Ulm: Hartmut<br />

Schick im Gespräch mit<br />

Karen Emler, Ressortleiterin<br />

Wirtschaft der SÜDWEST<br />

PRESSE, und Alexander Bögelein,<br />

dem Redaktionsleiter<br />

„<strong>unternehmen</strong>[!]“.<br />

PERSONALBERATUNG<br />

ENTWICKLUNGSPARTNER<br />

RECRUITINGAGENTUR<br />

Wir unterstützen Sie<br />

bei der Suche nach Führungspersönlichkeiten,<br />

die Ihr Unternehmen zum Erfolg führen<br />

im gesamten Prozess von der Abstimmung<br />

des Positionsprofils bis zum erfolgreichen<br />

Abschluss<br />

Wir freuen uns auf Sie.<br />

Ihre eleven personalberatung<br />

Sie betreiben auch einen Gebrauchtfahrzeuge-<br />

Handel. Wer kauft gebrauchte Busse?<br />

Früher hatten wir in jedem Land einen gesonderten<br />

Gebrauchtwagen-Handel. Heute gibt es eine Plattform<br />

für ganz Europa. Meist kaufen Kunden, die schnell einen<br />

Bus benötigen. Oder es sind Betreiber, die Fahrzeuge<br />

nur für Wochenendfahrten benötigen und dafür<br />

keine große Investition tätigen wollen. Vor dem Wiederverkauf<br />

warten wir die Fahrzeuge altersgerecht.<br />

eleven personalberatung<br />

Weinhof 14<br />

89073 Ulm<br />

tel: +49 731 140 224 0<br />

info@eleven-personalberatung.de<br />

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17


[titelthema] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Produktion in Neu-Ulm<br />

gleicht einer Manufaktur.<br />

„Wir sind der einzige Hersteller,<br />

der noch in Deutschland<br />

fertigt“, hebt der Daimler-<br />

Bus-Chef hervor.<br />

Sie haben Ihre Zentrale von Kirchheim/Teck nach<br />

Neu-Ulm verlegt. Was war der Grund?<br />

Über die Jahre haben sich alle wesentlichen Zentralfunktionen<br />

in Neu-Ulm oder Mannheim angesiedelt.<br />

Weil wir zusätzliche Büroräume in Neu-Ulm und<br />

Mannheim hatten, haben wir uns entschieden, diese zu<br />

nutzen, anstatt woanders weiterhin Flächen anzumieten.<br />

Am Ende mussten nur noch 90 Mitarbeiter umziehen<br />

– nach Neu-Ulm und nach Mannheim.<br />

Die IG Metall hatte Sorge, dass<br />

Mannheim nun gegenüber Neu-<br />

Ulm benachteiligt wird.<br />

Das Argument, dass einer, der in<br />

Neu-Ulm sitzt, gegen Mannheim<br />

ist, oder der in Mannheim sitzt, gegen<br />

Neu-Ulm ist, hat sich nach 20<br />

Jahren EvoBus entkräftet. Wir sind<br />

ein Team, eine Evobus.<br />

Was schätzen Sie am Standort<br />

Neu-Ulm und welche Perspektiven gibt es?<br />

Wir haben die Marke Setra stets gepflegt und werden<br />

das künftig weiter tun. Deshalb investieren wir in den<br />

Standort. Momentan bauen wir die Montage um und<br />

werden dadurch deutlich effizienter. Wir wechseln von<br />

einer Zwei-Linien-Fertigung auf die Ein-Linien-Fertigung.<br />

Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand. Denn<br />

wir wollen auch in Zukunft in Neu-Ulm Busse bauen.<br />

Wir<br />

investieren in<br />

die Montage<br />

in Neu-Ulm<br />

viel Geld<br />

Inzwischen sind wir der einzige Hersteller, der noch in<br />

Deutschland fertigt.<br />

Wie sieht es beim Personal aus?<br />

Wir werden weiterhin junge Leute einstellen und weiterbilden.<br />

Denn Qualifizierung ist das A und O. Vor<br />

dem Hintergrund der Digitalisierung, der alternativen<br />

Antriebe, des autonomen Fahrens und der vernetzten<br />

Busse ergeben sich neue Anforderungsprofile, die wir<br />

in unserer Ausbildung berücksichtigen müssen. Ich<br />

denke es ist wichtig, gerade in guten<br />

Jahren, also jetzt, darüber<br />

nachzudenken, wie es weitergehen<br />

soll und wie der nächste Effizienzsprung<br />

aussehen könnte.<br />

Sie waren früher Kommunikationschef<br />

bei Daimler. Wie hilft<br />

Ihnen diese Erfahrung in Ihrem<br />

jetzigen Job als Bus-Chef?<br />

Die Kommunikation war hochspannend<br />

für mich. Ich habe gelernt, andere Seiten zu<br />

verstehen und zu schätzen. Rückblickend habe ich damals<br />

viel für meinen heutigen Job gelernt, sowohl<br />

durch die externe als auch durch die interne Kommunikation.<br />

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?<br />

Ich habe mir damals viele Gedanken gemacht, wie wir<br />

18


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Online ausgesucht<br />

Im Geschäft abgeholt<br />

Mehr<br />

Umsatz.<br />

Jetzt.<br />

für unsere Mitarbeiter glaubwürdig kommunizieren<br />

können. Deshalb sind eine enge Zusammenarbeit und<br />

ein Umgang auf Augenhöhe wichtig. Gleichzeitig weiß<br />

ich inzwischen, wie ich klar und einfach formuliere.<br />

Auch ein Kommunikationsthema und ebenso wichtig<br />

ist meiner Meinung nach Mitbestimmung. Denn wenn<br />

wir im Aufsichtsrat etwas mit Zustimmung beschließen,<br />

gehen wir geschlossen in eine Richtung. Mit einer<br />

sauberen Basis und einem klaren Verständnis, welche<br />

Strategie wir verfolgen – die Geschäftsführung und die<br />

Arbeitnehmervertreter.<br />

Die Stimmung zwischen Betriebsrat und Vorstand<br />

scheint bei Daimler nach außen meist positiv zu<br />

sein.<br />

Es gibt öfters sehr unterschiedliche Meinungen. Es ist<br />

wichtig und notwendig, das transparent auszudiskutieren.<br />

Und natürlich muss jede Seite auch kompromissbereit<br />

sein. Aber wenn wir eine Linie festlegen,<br />

gehen wir zusammen. Das ist das Schöne bei Daimler.<br />

Wie reisen Sie denn am liebsten?<br />

Ich bin beruflich so viel im Flugzeug unterwegs, so dass<br />

ich im Urlaub keinen Flieger sehen will. Meine Frau<br />

und ich hatten vor kurzem unseren 30-jährigen Hochzeitstag.<br />

Daher sind wir unsere damalige Hochzeitsreise<br />

nachgefahren. Dieses Mal ohne Zelt und ohne VW-<br />

Golf – und auch nicht mit dem Bus, sondern mit einem<br />

sehr schönen Mercedes-Cabrio.<br />

Früher war Hartmut Schick<br />

Kommunikationschef des<br />

Konzerns. „Ich weiß inzwischen,<br />

wie ich klar und einfach<br />

formuliere.“<br />

DAS INTERVIEW FÜHRTEN<br />

KAREN EMLER,<br />

LEITERIN DER WIRT-<br />

SCHAFTSREDAKTION<br />

DER SÜDWEST PRESSE,<br />

UND ALEXANDER BÖGELEIN,<br />

REDAKTIONSLEITER<br />

UNTERNEHMEN [!]<br />

DOKUMENTATION:<br />

RONJA GYSIN<br />

FOTOS:<br />

MATTHIAS KESSLER,<br />

VOLKMAR KÖNNEKE<br />

(TITELBILD + AUFMACHER)<br />

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19


[namen & nachrichten] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Kleemann<br />

erweitert<br />

im Stauferpark<br />

Das Göppinger Unternehmen<br />

Kleemann expandiert im Stauferpark.<br />

Der Mittelständler<br />

kauft den dortigen Messeplatz,<br />

die Werfthalle und weitere Flächen<br />

in einer Größe von insgesamt<br />

5,5 Hektar. Geschätzter<br />

Kaufpreis: rund 3,3 Millionen<br />

Euro. Zudem will Kleemann das<br />

benachbarte Gelände des Sonnenschirmherstellers<br />

Lambert<br />

erwerben. Der Hintergrund:<br />

Kleemann baut mobile Brechund<br />

Siebanlagen für die Naturstein-<br />

und Recyclingindustrie<br />

und wächst stark. Das Unternehmen<br />

gehört zur Wirtgen-<br />

Gruppe (Windhagen/Rheinland<br />

Pfalz) und beschäftigt in Göppingen<br />

500 Mitarbeiter.<br />

Vaude baut neue<br />

Fertigungshalle<br />

am Stammsitz<br />

Der Outdoor- und Wintersport-<br />

Ausrüster Vaude aus Tettnang-<br />

Obereisenbach (Bodenseekreis)<br />

investiert in eine neue Produktionshalle<br />

am Stammsitz zwei<br />

Millionen Euro. Bis Mitte Dezember<br />

sollen die Bauarbeiten<br />

abgeschlossen sein, im Januar<br />

soll die Produktion starten. Die<br />

2000 Quadratmeter große Halle<br />

ist komplett aus Vorarlberger<br />

Weißtanne gefertigt. Das Familien<strong>unternehmen</strong><br />

Vaude gehört<br />

in Sachen Nachhaltigkeit zu<br />

den Pionieren in der Wirtschaft.<br />

Sein Jahresumsatz wird auf 100<br />

Millionen Euro geschätzt.<br />

ZF beteiligt<br />

sich an<br />

Software-Firma<br />

Hochhaus-Ellipse für<br />

750 Schuler-Ingenieure<br />

Das Ingenieurs- und Technologiezentrum<br />

des Göppinger Pressenbauers<br />

Schuler nimmt Gestalt<br />

an. Die Bauarbeiten für den<br />

rund 54 Meter Turm liegen im<br />

Zeitplan. Vorstandschef Stefan<br />

Klebert sieht in dem „Schuler<br />

Innovation Tower“ einen Meilenstein.<br />

Das Gebäude ist mit 40<br />

Millionen Euro die größte Einzelinvestition<br />

in der 176-jährigen<br />

Firmengeschichte. Das neue<br />

Engineering- und Technologie-<br />

Center wird auf zwölf Geschossen<br />

Platz für 750 Beschäftigte<br />

bieten, die im kommenden Jahr<br />

einziehen werden. Schuler ist<br />

Weltmarktführer in der Umformtechnik<br />

und erzielte zuletzt<br />

mit weltweit 6800 Mitarbeitern<br />

einen Jahresumsatz von<br />

1,2 Milliarden Euro. JOA<br />

Die ZF Friedrichshafen AG hat<br />

40 Prozent der Anteile der Softwarefirma<br />

Double Slash erworben.<br />

Das Unternehmen ist ebenfalls<br />

in Friedrichshafen ansässig<br />

und beschäftigt 100 Mitarbeiter.<br />

Mit der Beteiligung will ZF das<br />

Produktdaten-Management<br />

und die digitalen Prozesse im<br />

Konzern voranbringen. „Mit<br />

Double Slash haben wir einen<br />

überaus erfahrenen Partner im<br />

Bereich Fahrzeugvernetzung<br />

gewonnen. Durch die Zusammenarbeit<br />

versprechen wir uns<br />

spannende neue Lösungen“,<br />

sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende<br />

Stefan Sommer.<br />

Ulmer Kanzlei<br />

Horn feiert<br />

Jubiläum<br />

Die Unternehmensberatung<br />

Horn gehört mit knapp 70 Mitarbeitern<br />

zu den großen Kanzleien<br />

in Ulm und feiert ihr<br />

50-jähriges Bestehen. Das Team<br />

betreut mehr als 700 mittelständische<br />

Kunden. Die Gründerfamilie<br />

Horn ist schon vor Jahren<br />

als Gesellschafter ausgeschieden,<br />

deren Anteile übernahm<br />

Ulrich Zürn. Er leitet heute mit<br />

seiner Tochter sowie den Geschäftsführern<br />

Herbert Volz<br />

und Herbert Bader die Kanzlei.<br />

Bosch-Rexroth<br />

streicht 120<br />

Stellen weniger<br />

Der Personalabbau im Elchinger<br />

Bosch-Rexroth-Werk fällt<br />

geringer aus als geplant. Statt<br />

610 Stellen fallen nun 490 weg.<br />

Davon sind 335 Arbeitsplätze<br />

bereits abgebaut. Betriebsrat<br />

und Werksleitung hatten sich<br />

darauf geeinigt, dass weniger<br />

Baugruppen in das türkische<br />

Schwesterwerk Bursa verlagert<br />

werden. Betroffen von den Sparplänen<br />

ist der Bereich mobile<br />

Anwendungen, in dem Bauteile<br />

für Bagger, Gabelstapler und<br />

Traktoren hergestellt werden.<br />

Derzeit sind in dem Werk im<br />

Kreis Neu-Ulm rund 2140 Arbeitnehmer<br />

beschäftigt. [!]<br />

20


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22<br />

Ein bequemes, sicheres Kapitalpolster<br />

– wer wollte das nicht? Viele<br />

Anleger fürchten an Aktien, dass ihre<br />

Geldanlage an Wert verlieren<br />

kann. Doch dieses Risiko besteht<br />

auch bei Gold und Bundesanleihen.


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[finanzieren]<br />

Keine Angst vor Brexit & Co.<br />

Immer neue Krisen erschüttern die Finanzmärkte. Viele Anleger sind daher verunsichert. Sie flüchten in sichere<br />

Zinspapiere und verzichten dafür auf Ertragschancen. Höchste Zeit, die Vermögensanlagen neu zu ordnen. Mit<br />

ein paar einfachen Regeln lassen sich Anlagerisiken in den Griff bekommen.<br />

An den Finanzmärkten steigt die Spannung in den kommenden<br />

Wochen. Denn die anstehende Präsidentschaftswahl in<br />

den USA rückt zunehmend in den Fokus von Börsianern und<br />

Anlegern. Sie fragen sich ob Hillary Clinton am 8. November<br />

als erste Frau in das höchste Amt der USA gewählt oder ob es Donald<br />

Trump vielleicht doch noch schafft, sie abzufangen? Wie werden am<br />

Tag danach die Börsen auf den neuen Mann oder die neue Frau im Weißen<br />

Haus reagieren? Nicht noch einmal möchten die Investoren auf<br />

dem falschen Fuß erwischt werden wie nach dem EU-Referendum in<br />

Großbritannien im vergangenen Juni. Kaum jemand hatte damals damit<br />

gerechnet, dass die Mehrheit der Briten wirklich den Brexit wagen<br />

würde. Entsprechend heftig fiel in der Woche danach die Reaktion auf<br />

das Ergebnis an den weltweiten Aktienmärkten aus.<br />

Die Risiken und Belastungsfaktoren für die Finanzmärkte werden, so<br />

scheint es, nicht weniger. Viele Anleger agieren daher ausgesprochen<br />

vorsichtig. Sie versuchen sich gegen Risiken abzusichern, indem sie<br />

„sichere Häfen“ in ihrem Portfolio übergewichten – Gold zum Beispiel<br />

oder sichere Staatsanleihen. Doch der Preis, den sie dafür zahlen ist<br />

hoch. Gold etwa wirft keine laufenden Erträge ab und bei Bundesanleihen<br />

muss der Anleger selbst bei zehnjähriger Laufzeit Minuszinsen<br />

hinnehmen. Tages- und Festgeldkonten von Banken sind eine positive<br />

Alternative. Doch auch hier liegt die Rendite wenn überhaupt in vielen<br />

Fällen nur hauchdünn über der Nulllinie.<br />

ZINSEN GIBT‘S DERZEIT NUR MIT RISIKEN<br />

„Wer kein Risiko eingehen will, zahlt als Anleger zur Zeit drauf“, weiß<br />

Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen<br />

an der Universität Hohenheim. Er warnt vor<br />

vermeintlich sicheren Anlagen, die häufig aus dem Ausland angeboten<br />

werden: „Wenn Sie tatsächlich Zinsen verdienen, heißt das, dass<br />

Sie – offenbar verdeckte – Risiken eingegangen sind, auch wenn Ihnen<br />

der Anbieter versucht, etwas anderes zu suggerieren.“<br />

Viele Anleger schreckt gerade bei Aktien die Tatsache, dass die Kurse<br />

schwanken und ihre Anlage an Wert verlieren kann. Doch genau dieses<br />

Risiko besteht auch bei Gold und sicheren Anleihen. Zwar hat der<br />

Goldkurs im laufenden Jahr von vielen Experten unerwartet mehr als<br />

ein Viertel an Wert gewonnen. Doch auf Sicht von fünf Jahren fällt die<br />

Bilanz Anfang September mit einem Minus von fast 30 Prozent ernüchternd<br />

aus. Beim gelben Edelmetall gehen Anleger aus dem Euroraum<br />

zudem ein Währungsrisiko ein, denn der Preis wird traditionell<br />

in Dollar festgesetzt.<br />

Ebenfalls ein häufig unterschätztes Risiko gehen Anleger zurzeit auch<br />

bei Bundesanleihen ein. „Wenn die Europäische Zentralbank in absehbarer<br />

Zeit ihre Geldpolitik ändert und die Zinsen steigen, fallen Langläufer<br />

von heute 100 schnell auf 80 oder 70 Prozent ihres Nennwerts“,<br />

rechnet Georg Thilenius, Geschäftsführer der Dr. Thilenius Management<br />

GmbH in Stuttgart, vor. Dieses Zinsänderungsrisiko haben viele<br />

Anleger kaum auf dem Schirm. Häufig werden<br />

ihnen grundsätzliche Gefahren in der<br />

Geldanlage erst dann bewusst, wenn es zu<br />

einer Krisensituation kommt – also dann,<br />

wenn es oft schon zu spät ist. Bis zur Finanzkrise<br />

hatte sich kaum jemand Gedanken<br />

darüber gemacht, dass auch ein zuverlässiger<br />

und solventer Vertragspartner wie<br />

etwa eine Bank über Nacht zahlungsunfähig<br />

werden kann. „Daher ist es eine Überlegung,<br />

nicht nur eine, sondern mehrere Banken<br />

zu nutzen und sich genau anzuschauen,<br />

welche Institute das sind“, rät Burghof.<br />

Hans-Peter Burghof,<br />

Universität Hohenheim.<br />

KURSANSTIEG TROTZ POLITISCHER KRISEN<br />

Auf der anderen Seite sollten gerade vorsichtige Anleger andere Risiken<br />

nicht überbewerten und darüber ihre Chancen vergessen. „Drehen<br />

Sie doch mal die Uhr 50 oder 60 Jahre zurück. Wie sah Deutschland<br />

in dieser Zeit aus? Das Land war zweigeteilt, politische Aufstände<br />

etwa in Ungarn wurden niedergeschlagen, die Mauer wurde errichtet<br />

und das Verhältnis zwischen den beiden Supermächten Russland und<br />

den USA war angespannt“, sagt Anlageexperte Thilenius. „Dennoch<br />

war die Phase zwischen 1950 und 1960 die beste an der Aktienbörse<br />

nach dem Krieg.“<br />

Auch Richard Dittrich, Leiter der Kundenbetreuung an der Börse Stuttgart,<br />

rät Anlegern dazu, auch in turbulenten Phasen Ruhe zu bewahren<br />

und besonnen zu reagieren: „Als die deutschen Aktienmärkte am<br />

Montag nach der Brexit-Entscheidung eröffnet haben, fiel der Dax zunächst<br />

auf rund 9.200 Punkte. Mitte August stand er aber bereits wieder<br />

bei mehr als 10.700 Punkten. Langfristig gehen Anleger das größte<br />

Risiko ein, wenn sie ihr Geld auf dem Sparbuch liegen lassen, anstatt<br />

es zu investieren.“ Oder aber investiert zu lassen. Egal, ob zum Beispiel<br />

der Krieg des Iran gegen den Irak in den 1990er Jahren, die Ölkrise<br />

Anfang der 1970er Jahre oder die Finanzkrise im Jahr 2008 – stets<br />

rauschten die Aktienkurse bei diesen Ereignissen rasant in den Keller<br />

– um dann spätestens nach zwei oder drei Jahren wieder auf dem Niveau<br />

zu sein, von dem aus sie gefallen sind.<br />

Risiken zu kennen, einzuschätzen und damit umzugehen ist eines der<br />

Kernelemente der Geldanlage. „Selbstverständlich sollte jeder Inves-<br />

23


[finanzieren] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

tor die aktuellen Ereignisse verfolgen und im Auge behalten. Aber im<br />

Kern geht es darum, die Relevanz für die Börsenentwicklung zu analysieren<br />

und einzuordnen zu können“, sagt Vermögensverwalter Thilenius.<br />

Die entscheidende Frage lautet: Welches politische oder wirtschaftliche<br />

Ereignis weltweit hat Auswirkungen auf mein Depot?<br />

Beispiel Brexit: Nach Einschätzung vieler Experten wird der Ausstieg<br />

Großbritanniens sowohl die eigene als<br />

auch die europäische Exportindustrie belasten.<br />

Dennoch haben einige britische Unternehmen<br />

seit dem Votum an Wert gewonnen,<br />

weil sie richtig positioniert sind:<br />

Sie exportieren viele ihrer Produkte, die<br />

Kosten fallen aber im englischen Pfund an,<br />

dessen Wechselkurs gesunken ist. Das beschert<br />

ihnen Kostenvorteile. Der Einstieg<br />

in solche Aktien lohnt sich aus diesem<br />

Vermögensverwalter<br />

Georg Thilenius.<br />

Blickwinkel.<br />

Aber wie sieht nun ein strukturierter Anlageprozess<br />

aus und wie lassen sich Risiken<br />

systematisch managen? Diese Regeln helfen<br />

zum Einstieg in eine systematische Vermögensanlage:<br />

Hausaufgaben erledigen<br />

Im ersten Schritt gilt es, entweder für sich oder mit Hilfe eines Beraters<br />

Anlageziele und -präferenzen zu definieren. Dazu gehören vor allem<br />

die Punkte Risikotoleranz und die Risikotragfähigkeit. „Risikotoleranz<br />

beschreibt, wie der Anleger Risiko wahrnimmt und bei welchem<br />

Risiko er sich mit seiner Anlage noch wohlfühlt“, erläutert Arne Sand,<br />

Geschäftsführer der unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft<br />

Schott und Sand in Stuttgart. Der Verwalter greift dabei auf einen<br />

fundierten Fragebogen zurück. Es gibt aber auch Hilfen im Internet<br />

(siehe Infokasten).<br />

Das Ganze klingt komplizierter, als es ist. „Überlegen Sie sich, welchen<br />

Verlust Sie bereit sind zu akzeptieren“, empfiehlt Börsenexperte Dittrich.<br />

„Wenn Sie beispielweise 1.000 Euro investieren wollen, müssen<br />

sie sich darüber im Klaren sein, wie viel Sie davon am Ende der Anlagedauer<br />

auf jeden Fall zurückerhalten wollen. 800 Euro? 10 Euro?<br />

1.000 Euro?“ Nach dieser Antwort richtet sich die Wahl der Anlageklasse.<br />

„Wenn Sie sich ständig mit den Verlusten in Ihrem Depot beschäftigen<br />

und nachts nicht mehr ruhig schlafen können, sind wahrscheinlich<br />

risikoärmere Produkte eher für Sie geeignet. Allerdings: Je<br />

risikobereiter Sie sind, desto größer ist auch Ihre Chance auf eine höhere<br />

Rendite!“, sagt Dittrich.<br />

Anlagedauer planen<br />

Mindestens ebenso wichtig wie die persönliche Risikoneigung ist der<br />

Zeithorizont des Anlegers. „Risiko wird häufig betrachtet auf Basis der<br />

kurzfristigen Kursschwankungen“, erläutert Uni-Professor Burghof.<br />

„Bei dieser Sichtweise kommen Anleihen sehr gut weg, Aktien relativ<br />

schlecht. Aber das ist ein Fehler: Wenn Sie Geld für 30 Jahre in Aktien<br />

anlegen, ist deren Risiko relativ gering.“ Das heißt: Wer über die eigene<br />

Risikopräferenz nachdenkt, muss im Grunde genommen darüber<br />

nachdenken, wie lang er sein Geld investieren will und ob er bereit<br />

und finanziell dazu in der Lage ist, während dieser Zeit darauf zu verzichten.<br />

„Grundsätzlich sollte nur Geldvermögen investiert werden,<br />

dass nicht kurz- oder mittelfristig benötigt wird.“<br />

Risikopuffer einbauen<br />

Nicht immer laufen die Kapitalmärkte in die gewünschte Richtung<br />

und die vergangenen Jahre und Monaten haben gezeigt, dass unerwartet<br />

auftretende Krisen an den Märkten für eine Kursdelle sorgen können,<br />

die es gilt zu überbrücken. „Das Vermögen, das ein privater Investor<br />

an Geld für seinen Lebensunterhalt in drei Jahren benötigt, sollte<br />

er in bar vorhalten“, lautet daher die Krisenempfehlung von Vermögensexperte<br />

Thilenius. „So kann er Kursschwankungen aussitzen und<br />

davon ausgehen, dass nach dieser Zeit die Kurse<br />

höher stehen als beim Einstieg.“<br />

Klumpenrisiken vermeiden<br />

Generell gilt das Motto: „Nie alle<br />

Eier in einen Korb legen“, sondern<br />

das Portfolio breit streuen.<br />

Das senkt über alle Kategorien<br />

hinweg das<br />

Anlagerisiko und verhindert<br />

so genannte „Klumpenrisiken“.<br />

„Der klassische<br />

Fall eines<br />

Klumpenrisikos in Stuttgart<br />

ist: Ein Anleger hat<br />

Daimler-Aktien in seinem<br />

Depot, besitzt eine vermietete<br />

Wohnung im Großraum<br />

Stuttgart, hat seinen<br />

eigenen Wohnsitz dort und<br />

arbeitet auch noch bei Daimler“,<br />

erklärt Vermögensverwalter<br />

Sand. „Jedes einzelne<br />

Investment ist möglicherweise<br />

eine gute Idee, aber sollte bei<br />

Daimler etwas „verrutschen“, dann<br />

sinken die Aktien im Wert, der Mieter<br />

kann eventuell die Miete für seine Wohnung<br />

nicht mehr bezahlen, die eigene Immobilie<br />

Wie viel Risiko darf es denn sein?<br />

Wie viel Risiko soll es ein – mit dieser Frage wissen viele Anleger<br />

nicht richtig umzugehen. Ein Risikosimulator, den Martin<br />

Weber, Professor und Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre<br />

und Finanzwirtschaft, insbesondere<br />

Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim und sein<br />

Team entwickelt haben, hilft dabei. Das für Berater und private<br />

Anleger kostenlose Onlinetool unter www.behavioral-finance.de,<br />

Menüpunkt „Risikotool“ erlaubt die bessere Einschätzung<br />

von Risiken am Aktienmarkt. Es zeigt dem Nutzer<br />

unter anderem für einen gegeben Anlagezeitraum, wie wahrscheinlich<br />

auf Basis historischer Daten des Deutschen Aktienindex<br />

(Dax) der Anlageerfolg seines Aktieninvestments ausfällt,<br />

mit welcher Summe er im besten Fall rechnen kann und<br />

welcher Verlust im schlimmsten Fall entsteht. So bekommt er<br />

ein „Gefühl“ dafür, was ihn erwartet. <br />

LU<br />

24


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[finanzieren] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

sinkt im Wert und der Job bei Daimler ist gegebenenfalls auch gefährdet.“<br />

Eine breite Streuung des Depots über viele Branchen, Regionen<br />

und Anlageklassen hinweg, verhindert das. „Mit der Diversifikation<br />

kann der Anleger Risiken vernichten, für die er am Kapitalmarkt keine<br />

Prämie bekommt“, sagt Finanzexperte Burghof. Allerdings: Diversifikation<br />

verursacht Kosten – zum Beispiel weil bestimmte Märkte<br />

wenig liquide sind und der Zugang teuer ist, weil hohe Transaktionskosten<br />

entstehen.<br />

Richard Dittrich,<br />

Börse Stuttgart<br />

Seiner Strategie treu bleiben<br />

„Ein erfolgreicher Unternehmer ist gut damit<br />

beraten, die Prinzipien seines Geschäfts<br />

auch auf seine Vermögensanlage zu<br />

übertragen – aber dabei zu diversifizieren“,<br />

fast Thilenius das Rezept einer soliden Vermögensanlage<br />

zusammen. Allerdings spielen<br />

dabei Psychologie und Emotionen eine<br />

wichtige Rolle. Allzu oft bringen sie den<br />

Anleger vom ursprünglich eingeschlagenen<br />

Weg ab. „Insgesamt sollte sich jeder<br />

Anleger möglichst konkrete Ausstiegsgrenzen<br />

setzen. Dann gilt es, sich auch diszipliniert<br />

daran zu halten“, sagt Börsenexperte Dittrich.<br />

Liquide bleiben<br />

Oberstes Gebot bei der Vermögensanlage ist es, immer ausreichend<br />

liquide zu bleiben, betonen die Finanzexperten. Liquide Anlagen<br />

kann der Anleger im schlimmsten Fall jederzeit verkaufen, auch wenn<br />

bis dahin die Kurse gesunken sind. Aber er kann zumindest verkaufen.<br />

Anleger sollten sich zumindest darüber bewusst sein, dass sie ein großes<br />

Risiko eingehen, wenn sie in illiquide Anlagen investieren.<br />

Dazu gehören zum Beispiel Ackerland, aber auch Immobilien.<br />

„Die Preise für die meisten Objekte werden Anleger,<br />

die jetzt kaufen, nie mehr wiedersehen,<br />

wenn die Zinsen steigen“, warnt Thilenius.<br />

„Dann sind sie über Jahrzehnte hinweg<br />

in dieser Anlage gebunden.“<br />

Auf Substanz setzen<br />

Risiken lassen sich vor allem am Aktienmarkt vermeiden, wenn der<br />

Anleger langfristig – am besten länger als fünf Jahre – in nachgewiesenermaßen<br />

schwankungsarme Titel investiert – Unternehmen aus den<br />

großen Industrieländern, die in der Vergangenheit über Jahre hinweg<br />

stabil steigende Gewinne erwirtschaftet haben, auf der richtigen Seite<br />

der wirtschaftlichen Entwicklung sind und einfache, verständliche<br />

Produkte anbieten. „Dazu gehören zum Beispiel Pharmahersteller, die<br />

vom demografischen Wandel in den Industrieländern profitieren“,<br />

sagt Thilenius. Wenn es der Anleger schafft, solche Unternehmen mit<br />

einem nachhaltigen, stabilen Gewinnwachstum in seinem Portfolio<br />

zu versammeln, kann er die meisten Anlagerisiken als peripher behandeln.“<br />

Daher sollten Konzerne aus zyklischen Branchen wie Automobil-<br />

oder Maschinenbau und „Modebranchen“ wie etwa die Solarindustrie<br />

eher gemieden werden. Ein qualifizierter und unabhängiger<br />

Berater ist in diesem Zusammenhang oft eine wertvolle Hilfe.<br />

Risikomanagement betreiben<br />

Das größte Risiko bei der laufenden Anlage ist, dass ein Investment<br />

nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft im Wert fällt. „Demgegenüber<br />

sind lediglich vorübergehende Kursverluste das zweitgrößte<br />

Risiko, sofern diese dazu führen, dass eine Anlage nach einem großen<br />

Kursverlust verkauft werden muss, weil die Risikotoleranz oder -tragfähigkeit<br />

des Anlegers überfordert wurde“, sagt Vermögensexperte<br />

Sand. Im konkreten Einzelfall ist die Unterscheidung schwierig und<br />

sie verlangt vom Anleger einen Spagat. Sogenannte Stop-Loss-Order<br />

helfen dabei. Mit ihnen definiert er eine Kursmarke, unterhalb derer<br />

bestimmte Papiere automatisch verkauft werden,<br />

wenn der aktuelle Kurs diesen Wert unterschreitet.<br />

Dann besteht allerdings die Schwierigkeit, wieder<br />

den richtigen Einstiegszeitpunkt<br />

zu<br />

finden, um nicht<br />

den steigenden Kursen<br />

hinterherzulaufen.<br />

[!]<br />

THOMAS LUTHER<br />

Die Geldanlage breit streuen und<br />

auf ausreichend Liquidität achten.<br />

Manch einer hält das für Binsenweisheiten,<br />

doch viele Anleger<br />

missachten diese Grundregeln.<br />

26


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verkaufen<br />

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[machen] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Andreas Dobbert in der Schwabengarage in Neu-Ulm. Dort gibt es das komplette Ford-Programm zu sehen: 18-Pkw- und 5 Nutzfahrzeuglinien.<br />

Alles zurück auf Ford<br />

Gegen den Trend wendet sich die Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm von der Mehrmarkenstrategie ab. Mit dem<br />

rund 250.000 Euro teuren Umbau ist der Standort nun einer von bundesweit derzeit 33 „Ford stores“ .<br />

Eine Rolle rückwärts bei der Markenführung<br />

macht die Schwabengarage GmbH<br />

in Ulm/Neu-Ulm: Das Unternehmen hat<br />

das Autohaus für 250.000 Euro umgebaut und<br />

konzentriert sich wieder ausschließlich auf<br />

die Ford-Markenwelt. Damit ist der Standort<br />

einer von bundesweit derzeit 33 so genannten<br />

„Ford Stores“, deren Zahl bis auf 90 wachsen<br />

soll. Sie sollen als Leuchttürme der Marke dienen,<br />

die Ford-Modelle in einem attraktiven<br />

Umfeld präsentieren und so den Besuch beim<br />

Händler wieder attraktiver machen.<br />

„Von Hyundai und Mazda haben wir uns komplett<br />

gelöst“, sagt Regionalleiter Andreas Dobbert.<br />

Anfangs hat er einen Umsatzrückgang<br />

von bis zu 20 Prozent befürchtet. Die Nachfrage<br />

nach Ford-Modellen sei aber so gut, dass er<br />

mittlerweile davon ausgehe, dass der Umsatz<br />

in diesem Jahr sogar über dem vom Vorjahr<br />

liegt. „Das ist ein Riesenerfolg und es zeigt,<br />

dass die Entscheidung zur Markenexklusivität<br />

für den Standort Ulm/Neu-Ulm der richtige<br />

Weg ist“, sagt Dobbert. Dieser Schritt ist<br />

bemerkenswert, weil es im Autohandel in den<br />

vergangenen Jahren einen starken Trend zur<br />

Mehrmarkenstrategie gab. Als einer der großen<br />

Vorteile dieser Strategie sehen Experten,<br />

dass Autohäuser eine bessere Auslastung ihrer<br />

Kapazitäten erreichen.<br />

MUSTANG & CO.<br />

Dobbert ist aber überzeugt, dass Ford mit den<br />

5 Nutzfahrzeug- und 18 Pkw-Linien – vom Ka<br />

über Fiesta, Focus, Mondeo, S-Max, Galaxy bis<br />

hin zum neuen SUV Edge – „jeden Kundenwunsch<br />

erfüllen kann“. Durch die Umwandlung<br />

zum „Ford Store“ hat der Standort Ulm/<br />

Neu-Ulm auch die Bezugsrechte für den legendären<br />

Mustang und die so genannten<br />

„Vignale“-Modelle. Mit dieser Ausstattungsvariante<br />

richtet sich Ford an Kunden „mit sehr<br />

hohem Premiumanspruch“. Der Schritt zur<br />

Markenexklusivität veringere auch die Komplexität.<br />

Das betrifft Vorführwagen, Marketing,<br />

Schulungen für Verkäufer und Mechatroniker.<br />

Vor allem aber sei eine bessere<br />

Betreuung der Kunden möglich, erläutert Dobbert.<br />

„Schön ist, dass die Mitarbeiter bei der<br />

Neuausrichtung voll mitziehen.“<br />

Die Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm gehört<br />

zur Schwabengarage Stuttgart, die ein Teil der<br />

Emil Frey Gruppe Deutschland und in vier<br />

Regionen aufgeteilt ist. Zur Region Ulm/Neu-<br />

Ulm gehören die Filialen in Biberach, Heidenheim<br />

und Geislingen. Von den 100 Beschäftigten<br />

arbeitet etwa die Hälfte in Neu-Ulm.<br />

Die Schwabengarage Region Ulm/Neu-Ulm<br />

arbeitet im Neuwagengeschäft mit 25 so genannten<br />

Ford-Agenturen) zusammen, die Regionalleiter<br />

Dobbert als Partner bezeichnet.<br />

Insgesamt wird das Unternehmen in diesem<br />

Jahr rund 2500 Ford-Neuwagen und 1300 Gebrauchtwagen<br />

verkaufen. Rund 800 Neuwagen<br />

werden dabei über die 25 Ford-Agenturen<br />

abgesetzt, die von Memmingen über Aalen<br />

bis zum Filstal vertreten sind. [!] AMB<br />

28


Wir arbeiten für<br />

Marktführer.<br />

Und Unternehmen,<br />

die dies werden<br />

wollen.<br />

Die le ROUX Gruppe ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit hohem<br />

Anspruch an Kommunikation, Design und Produktion. Mit der le ROUX Druckerei,<br />

der le ROUX Agentur und der le ROUX Digital bündeln wir auf 4.500 m 2<br />

80 Experten aus Produktion, Markenstrategie, Kreation und IT unter einem Dach.<br />

Unsere mehr als 600 überwiegend mittelständischen Kunden honorieren<br />

die Kompetenz der einzelnen Bereiche und den ganzheitlichen Ansatz der Gruppe<br />

mit jährlich über 8.000 Aufträgen.<br />

Druckerei · Agentur · Digital<br />

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29


[rubrik] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Foto: Aktion Plagiarius e.V.<br />

Schau genau: Der Kinder-Eierbecher „McEgg“ der WMF AG (links) und sein kopiertes Gegenstück, das von einer Firma aus Dubai vertrieben wurde.<br />

Wie ein Ei dem anderen<br />

Gute Ideen werden gerne kopiert. Plagiatoren sparen sich Zeit und Geld bei Produktentwicklung und Marketing. Für<br />

Innovatoren ist das mehr als ärgerlich. Was Unternehmer und Gründer zum Thema Markenschutz wissen sollten.<br />

Manuel Fink hat schon bittere Erfahrungen<br />

gemacht. Für die Druckerei<br />

seiner Mutter in Merklingen hatten<br />

er und sein Vater ein Konzept für ein digitales<br />

redaktionelles System ausgearbeitet. Das Konzept<br />

wurde für eine Ausschreibung einer<br />

Kommune entwickelt. Was er und sein Vater<br />

nicht wussten: Bei der Präsentation ihres Konzeptes<br />

war die Konkurrenz anwesend. Es dauerte<br />

nicht lange, und die anwesenden Firmen,<br />

zum Teil sehr große Druckereien und Verlage,<br />

hatten die Idee selbst umgesetzt. „Seit diesem<br />

Zeitpunkt weiß ich, dass es wichtig ist zu<br />

überlegen, wann man über eine Idee redet“,<br />

erzählt der 27-Jährige. „Und dass es wichtig ist,<br />

darüber nachzudenken, wie Produkte wirksam<br />

geschützt werden können.“<br />

Die Wirtschaft lebt davon, dass Unternehmen<br />

an neuen Produkten arbeiten und die alten<br />

verbessern. Manchmal ist eine Idee so gut,<br />

dass sie von der Konkurrenz kopiert wird. Für<br />

denjenigen, der kopiert wird, ist das mehr als<br />

unerfreulich. Die Konkurrenz spart sich das<br />

Geld für die Entwicklung, für das Design und<br />

manchmal sogar für den Namen des Produktes.<br />

Doch wie kann man sich schützen?<br />

TRAU, SCHAU, WEM!<br />

„Es würde manchmal helfen, wenn nicht jedem<br />

erzählt wird, was man vorhat. Manche<br />

Gründer sind hier etwas naiv“, sagt Ulrike Hudelmaier,<br />

Geschäftsführerin des Gründer- und<br />

Techno lo gie zentrums der R egion Ulm/Neu-<br />

Ulm (TFU). Ein Grund sind unter anderem die<br />

vielen Pitches, mit denen gerade junge Unternehmen<br />

ihre Ideen vor Investoren und potenziellen<br />

Partnern vorstellen. „Auf der einen<br />

Seite sind die Pitches wichtig um Erfahrungen<br />

zu sammeln.<br />

Auf der anderen<br />

Seite muss man<br />

eben überlegen:<br />

Wem will ich was<br />

erzählen“, sagt Hudelmaier.<br />

Denn es<br />

ist gut möglich,<br />

dass aus einem<br />

möglichen Investor<br />

schnell ein zukünftiger<br />

Wettbewerber<br />

wird, der<br />

Jungunternehmer<br />

Manuel Fink.<br />

mit derselben Idee auf den Markt drängt.<br />

„Auf der einen Seite wird der Wettbewerb<br />

schärfer und internationaler“, erklärt Karl<br />

Schick von der IHK Ulm das Phänomen des<br />

Ideenklaus. „Auf der anderen Seite gehen Unternehmen<br />

transparenter mit ihren Produk-<br />

30


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[verantworten]<br />

Karl Schick<br />

IHK Ulm<br />

ten um.“ Sie stellen<br />

ihre Produkte<br />

mit Bildern und<br />

Beschreibungen<br />

im Internet vor.<br />

Kunden wünschen<br />

sich diese<br />

Transparenz,<br />

schließlich hilft<br />

sie dabei, Alleinstellungsmerkmale<br />

zu verdeutlichen.<br />

Das aber<br />

macht Plagiatoren die Arbeit leichter: Sie können<br />

sich schnell einen Überblick verschaffen,<br />

welche Produkte sich für ein Imitat eignen.<br />

LEBENSGEFÄHRLICHE KOPIEN<br />

Jedes Jahr verleiht die Aktion Plagiarius e.V.<br />

einen Preis für besonders dreiste Plagiate und<br />

Fälschungen. Sprecherin Christine Lacroix<br />

hat schon einiges gesehen, doch hin und wieder<br />

ist auch sie noch verblüfft. So zum Beispiel<br />

wenn die lustigen Eierbecher von WMF<br />

schon zum zweiten Mal von einem ausländischer<br />

Hersteller abgekupfert und auf den<br />

Markt gebracht werden. Die Geislinger hatten<br />

vom fröhlichen Handwerker-Eierbecher für<br />

Kinder mit aufklappbarem Helm und Löffel<br />

in der Hand damals schon mehr als eine<br />

Million Exemplare verkauft. Solch ein Erfolg<br />

lockt Produktpiraten an.<br />

Manche Kopien sind ärgerlich, andere lebensgefährlich:<br />

Etwa Autofelgen, die<br />

schon bei kurzer Belastung brechen,<br />

oder Motorsägen, denen ein Handschutz<br />

fehlt. Der Vertrieb dieser Plagiate<br />

erfolgt oft über das Internet.<br />

Hier lassen sich Verbraucher<br />

oftmals täuschen. Sie freuen sich<br />

über niedrige Preise – ohne zu hinterfragen,<br />

ob es sich um ein Original<br />

oder eine Fälschung handelt.<br />

Ein Großteil der Plagiate kommt<br />

aus China. Doch dort nimmt der<br />

Druck auf die Plagiatoren zu.<br />

Schließlich ist das Land auf dem Weg<br />

sich von seinem Image als Werkbank der<br />

Welt zu befreien. Es strebt in vielen Technologien<br />

die Marktführerschaft an –<br />

und geht gegen gesetzeswidrige<br />

Der Negativpreis „Plagiarius“:<br />

Die goldene Nase symbolisiert<br />

die hohen Gewinne,<br />

die Plagiatoren einstreichen.<br />

Kopien vor. In Europa hingegen nimmt die<br />

Aktion Plagiarius eine sinkende Hemmschwelle<br />

wahr. „Einerseits regt man sich über<br />

chinesische Plagiate auf. Andererseits werden<br />

diese nach Europa importiert und gewinnbringend<br />

verkauft. So manche europäische<br />

und deutsche Firmen stellen selbst plumpe<br />

1:1-Kopien her und geben diese als eigene<br />

Leistung aus“, erzählt Christine Lacroix.<br />

SCHUTZ NUR AUF ANTRAG<br />

Oft ist das sogar erlaubt. „Produkte, für die<br />

kein Schutzrecht angemeldet wird, sind<br />

grundsätzlich einmal nicht geschützt“, sagt<br />

Prof. Alexander Bulling, Patentanwalt und<br />

Honorarprofessor für Gewerblichen Rechtsschutz<br />

an der Universität Stuttgart. Dies sei<br />

auch so vom Gesetzgeber gewollt. „Es soll für<br />

alle möglich sein, von technischen Innovationen<br />

zu profitieren – und sie im Fall der Fälle<br />

sogar nachzubauen“, sagt Buling. Es sei denn,<br />

es wurden Schutzrechte angemeldet.<br />

Von diesem Prinzip gibt es nur wenige Ausnahmen.<br />

Ein automatischer Schutz für ein<br />

Design entsteht etwa bei einer Erstveröffentlichung<br />

des Designs in der EU. Ein weiterer<br />

Schutz kann über das Wettbewerbsrecht entstehen.<br />

Aber nur dann, wenn das nachgeahmte<br />

Produkt eine wettbewerbliche Eigenart<br />

aufweist. Je besonderer und je bekannter<br />

ein Produkt ist, desto eher<br />

kommt ein wettbewerbsrechtlicher<br />

Schutz in Frage. Wer sicher<br />

gehen will, muss Schutzrechte<br />

anmelden. Dafür gibt es verschiedene<br />

Möglichkeiten: Designschutz,<br />

Gebrauchsmuster,<br />

Patent und Marke.<br />

Mit Gebrauchsmustern und Patenten<br />

werden technische Aspekte<br />

eines Produktes geschützt. Dafür<br />

muss das Produkt insbesondere<br />

neu sein und eine erfinderische<br />

Tätigkeit aufweisen. Bei einem<br />

Patent werden diese Voraussetzungen<br />

vom Patentamt geprüft.<br />

Und erst, wenn das Urteil<br />

positiv ausfällt, wird ein<br />

Patent erteilt. Ein Gebrauchsmuster<br />

hingegen kann sofort<br />

eingetragen werden. Geprüft<br />

wird erst, wenn das<br />

Schutzrecht genutzt<br />

wird und<br />

zum Beispiel wegen<br />

eines Plagiats<br />

WIR<br />

GESTALTEN<br />

MIT<br />

mediaservice ulm<br />

Frauenstraße 77<br />

89073 Ulm<br />

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31


[verantworten] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

gegen einen Wettbewerber<br />

geklagt<br />

wird. Wenn es um<br />

das äußere Erscheinungsbild<br />

geht, kann ein Design<br />

eingetragen<br />

werden, also das<br />

frühere Geschmacksmuster.<br />

Ulrike Hudelmaier von<br />

der TFU Ulm/Neu-Ulm.<br />

Das Design muss<br />

zum Zeitpunkt der<br />

Anmeldung neu<br />

sein. Vor dem Anmeldetag darf also kein identisches<br />

oder nur in unwesentlichen Merkmalen<br />

abweichendes Design veröffentlicht, ausgestellt<br />

oder sonst auf den Markt gebracht<br />

worden sein. Außerdem muss das Design eine<br />

Eigenart aufweisen. Wie beim Gebrauchsmuster<br />

wird auch der Designschutz erst dann<br />

geprüft, wenn es zu einer Streitigkeit kommt.<br />

Hier gibt es Informationen und Ratschläge<br />

Dreist, dreister, China: Küchenhelfer von Tupperware (Frankfurt), Spielzeug-Schaufelbagger von<br />

Bruder (Fürth) und Hochdruckreiniger von Kärcher (Winnenden). All diese Produkte wurden von<br />

Plagiatoren aus Fernost täuschend echt nachgebaut. Die Originale stehen links.<br />

Foto:s Aktion Plagiarius e.V.<br />

NUR TERRITORIALE RECHTE<br />

Neben diesen beiden Bereichen steht der Markenschutz:<br />

Hier geht es vor allem um den Namen.<br />

Doch auch Logos und Verbindungen<br />

von Name und Logo können geschützt werden.<br />

„Bei allen Schutzrechten handelt es sich<br />

um territoriale Rechte“, erklärt Bulling. „Wer<br />

seine Produkte auch in China schützen will,<br />

muss dies auch in China vor der zuständigen<br />

Behörde anmelden.“ In Europa gibt es zumindest<br />

bei Marken und Design eine Erleichterung:<br />

Beim europäischen Patentamt EUIPO<br />

können eine Unionsmarke und ein Gemeinschaftsdesign<br />

angemeldet werden. Dann erstreckt<br />

sich der Schutz auf alle Länder der EU.<br />

Ob Designschutz, Marke, Patent oder Gebrauchsmuster:<br />

Wer sich darauf berufen<br />

kann, hat die Möglichkeit, gegen Kopien mit<br />

Unterlassungsklagen und Schadensersatzforderungen<br />

vorzugehen. Man muss sich aber im<br />

Klaren sein: Entsprechende Gerichtsprozesse<br />

dauern Jahre und verursachen hohe Kosten.<br />

Selbst wenn ein Patent erteilt wurde, ist das<br />

kein hundertprozentiger Schutz. Denn Patente<br />

können aberkannt werden.<br />

Ein großer Fehler ist zu große Offenheit. Wer<br />

seine Ideen schon präsentiert hat, bevor das<br />

Patent angemeldet wurde, vielleicht schon<br />

mit ersten Produkten auf Messen aufgetreten<br />

ist, dem kann schnell auch die Neuartigkeit<br />

seiner Erfindung abgesprochen werden. Sogar<br />

dann, wenn das Patent ursprünglich erteilt<br />

wurde. Es braucht nur ein Wettbewerber ent<br />

sprechende Belege vorzuweisen. Dann ist das<br />

Es ist sinnvoll, sich vor der Eintragung<br />

eines Schutzrechts zuerst darüber zu informieren,<br />

ob vielleicht ein anderer schon<br />

schneller war, und ein Patent, eine Marke<br />

oder ein Design eingetragen hat. Über<br />

diese Datenbanken und Internetseiten<br />

kann man sich sich einen ersten Überblick<br />

verschaffen:<br />

Deutsches Patent- und Markenamt<br />

(DPMA) in München<br />

Internet: https://register.dpma.de<br />

Europäisches Patentamt EUIPO<br />

Patent, in das womöglich viel Geld investiert<br />

wurde, hinfällig.<br />

„Es muss gut abgewogen werden, was einem<br />

ein Patent bringt. Die damit verbundenen<br />

Rechte müssen ja auch ausgeübt werden“, sagt<br />

Ulrike Hudelmaier vom TFU. „Auf der anderen<br />

Seite kann es aber auch sein, dass ein Produkt<br />

gerade wegen eines Patentes für einen<br />

Investor interessant wird.“ Für einen solchen<br />

Investor könnten die Summen, die es braucht,<br />

um entsprechenden Prozesse zu führen, um<br />

Schutzrechte durchzusetzen, ein Klacks sein.<br />

Internet: https://euipo.europa.eu/<br />

World Intellectual Property Organization;<br />

Internet: http://www.wipo.int/portal/en/index.html<br />

TMView (Daten von EUIPO, WIPO und<br />

nationalen Behörden),<br />

Internet: https://www.tmdn.org<br />

Informationszentrum Patente<br />

http://www.patente-stuttgart.de/<br />

PIZNet – Netzwerk der Deutschen<br />

Patentinformationszentren<br />

http://www.piznet.de/<br />

INNOVATION ALS GEGENMITTEL<br />

Manuel Fink hat inzwischen Medienwirtschaft<br />

studiert und nach seinem Master zwei<br />

Jahre bei einem Anbieter für digitale Werbelösungen<br />

gearbeitet. Jetzt baut er für die Druckerei<br />

einen strategischen Onlinevertrieb auf<br />

und tüftelt nebenbei an einem eigenen Startup.<br />

Demnächst hat er ein Gespräch mit einem<br />

möglichen Kooperationspartner. „Über<br />

Produktideen rede ich nur noch, wenn es einen<br />

Geheimhaltungsvertrag gibt“, sagt Fink.<br />

Zum Thema Schutzrechte hat er sich inzwischen<br />

gut informiert. Die digitalen Geschäftsideen<br />

die er hat, können kaum durch Patente<br />

geschützt werden. „Dann muss man einfach<br />

schneller sein als der Markt.“ Eine Marke einzutragen<br />

hingegen sei mit etwas weniger als<br />

300 Euro Gebühr sehr kostengünstig und<br />

schnell machbar. „Dann braucht man aber die<br />

Kriegskasse, um den Schutz durchzusetzen.“<br />

Inzwischen hat Fink einen neuen Ansatz für<br />

das System, dass er und sein Vater damals vorstellten.<br />

„Wir werden das ganze etwas digitaler<br />

anpacken“, sagt Manuel Fink. Er ist sich sicher,<br />

dass eine skalierbare Geschäftsidee,<br />

Kundenzugang und ein schneller Marktzugang<br />

häufig über den Erfolg von Ideen entscheiden.<br />

Sein Mittel gegen Kopierer lautet:<br />

Innovation. [!] <br />

HENNING ZANDER<br />

32


Anzeige<br />

Dr. Michael Roos, Dr. Swen Hentrich, Ralf Rötter<br />

Foto: Judith Wagner, Düsseldorf<br />

Marken als wertvolles Werkzeug<br />

für die Unternehmensführung<br />

Der Erwerb und die Verteidigung von Markenrechten helfen bei der Sicherung des Marktzuganges<br />

Markenpiraten und die in den Medien zuweilen<br />

erfolgende Berichterstattung über Maßnahmen<br />

des Zolls im Kampf gegen den Import<br />

nachgeahmter Waren geben einen sehr<br />

anschaulichen Hinweis auf die überragende<br />

Bedeutung von Marken und den mit diesen<br />

verbundenen Werten, die die Markenpiraten<br />

zu erbeuten trachten.<br />

Rechtliche Bedeutung und kaufmännische<br />

Wirkung<br />

Rechtlich dienen Marken dazu, die Waren<br />

und Dienstleistungen eines Unternehmens<br />

von denen anderer Unternehmen zu unterscheiden.<br />

Dieser Herkunftshinweis dient dazu,<br />

die Kaufentscheidungen der Kunden gezielt<br />

zu beeinflussen, da mit der Marke in der<br />

Regel ein bestimmtes Image transportiert<br />

und ein Versprechen über die gleichbleibende<br />

Qualität abgegeben wird. Erst die Marke<br />

wandelt ein beliebiges Produkt oder eine<br />

Dienstleistung zu einem Markenartikel mit<br />

gesteigertem Wert und Ansehen.<br />

Gefährdungen erkennen<br />

Ohne eine eigene Marke ist ein Unternehmen<br />

dabei weitgehend schutzlos. Ein Wettbewerber<br />

könnte ein ähnliches oder sogar identi-<br />

Dr. Alexa Freifrau von Ketteler<br />

Foto: rothkegel designstudio, Ulm<br />

sches Zeichen für vergleichbare Produkte<br />

oder Dienstleistungen nutzen und so mittels<br />

eines Plagiats an den Investitionen des Zeichennutzers<br />

partizipieren. Und wenn der<br />

Nachahmer sein Zeichen als Marke eintragen<br />

lässt, droht sogar, dass der Nachahmer dem<br />

eigentlichen Schöpfer die weitere Benutzung<br />

untersagt. Weiterbenutzungsrechte bestehen<br />

nämlich nicht.<br />

Gefährdungen vermeiden<br />

Die eigene Rechtsposition lässt sich durch<br />

den Erwerb eingetragener Marken sichern.<br />

Die in diesem Zusammenhang auftretenden<br />

Fragen mit der Berücksichtigung absoluter<br />

Schutzhindernisse, der Recherche nach älteren<br />

Zeichenrechten Dritter, bei der Festlegung<br />

der sachlichen und regionalen Reichweite<br />

erfordert kompetente Beratung, die<br />

auch die Pflege und Verwaltung existierender<br />

Marken einschließt.<br />

Den Mandanten der Hentrich Patentanwälte<br />

PartG mbB steht dafür mit den drei Patentanwälten<br />

Dr. Swen Hentrich , Ralf Rötter und<br />

Dr. Michael Roos, unterstützt durch Frau Dr.<br />

Alexa Freifrau von Ketteler, ein hochqualifiziertes<br />

Team zur Verfügung, für die das Markenrecht<br />

einen der Schwerpunkte ihrer beruflichen<br />

Tätigkeit bildet.<br />

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33


[spezial] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Kunst des Loslassens<br />

Gemeinsam nach Lösungen suchen – so hat Ex-Landrat Heinz Seiffert Jahrzehnte lang erfolgreich Politik gemacht.<br />

Jetzt ist der 64-jährige CDU-Politiker im Ruhestand. Seinen Abschied hat er sorgfältig geplant.<br />

Mit einer Portion Wehmut hat sich<br />

Landrat Heinz Seiffert in den Ruhestand<br />

verabschiedet. Den hatte er<br />

von langer Hand geplant. Ein ganzes Bündel<br />

an privaten und beruflichen Kriterien hatte er<br />

dabei berücksichtigt. Mehr Zeit für Familie<br />

und Ehefrau Edelgard wollte er haben, im<br />

Landratsamt habe er mit Heiner Scheffold „einen<br />

fähigen Nachfolger“, sagt der 64-Jährige<br />

im Gespräch mit <strong>unternehmen</strong>[!]. „Außerdem<br />

lassen meine Kräfte langsam nach, das spüre<br />

ich genau. Und bevor es andere spüren, ist es<br />

besser zu gehen.“<br />

Mehr als elf Jahre war er Landrat des Alb-Donau-Kreises,<br />

zuvor elf Jahre direkt gewählter<br />

Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis<br />

Ulm/Ehingen. Seit fast 50 Jahren engagiert<br />

sich der CDU-Mann in der Politik. „Ich bleibe<br />

ein politischer Mensch“, betont er. Doch politische<br />

Ämter und Funktionen strebe er nicht<br />

mehr an: „Warum soll ich einem Jungen und<br />

Aktiven in einem Gremium oder beim Parteitag<br />

den Platz wegnehmen? Ich werde mich<br />

auch mit allen ungefragten Ratschlägen zurückhalten<br />

und die Rednerpulte so gut es geht<br />

meiden.“<br />

Zum Ende seiner Amtszeit hatten Seiffert und<br />

sein Team im Landratsamt noch einmal eine<br />

Herkulesaufgabe zu bewältigen: die Unterbringung<br />

der Menschen, die vor Krieg und<br />

Zerstörung aus ihren Heimatländern geflohen<br />

waren – und das unter hohem Zeitdruck.<br />

Das Ausmaß der Arbeit hatte niemand abschätzen<br />

können. Landratsamt, Kommunen<br />

und Ehrenamtliche waren stark gefordert. Vor<br />

allem: Es gab keine „Blaupause“ für diese Herausforderung,<br />

die überraschend über das<br />

Landratsamt hereinbrach. Gelöst hat er sie,<br />

wie so viele Problemstellungen in seiner elfjährigen<br />

Amtszeit als Landrat des Alb-Donau-<br />

Kreises: im kollegialen Miteinander und an<br />

der Sache orientiert.<br />

Ex-Landrat Heinz Seiffert: „Ich werde mich mit<br />

allen ungefragten Ratschlägen zurückhalten.“<br />

34


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

KOLLEGIALES MITEINANDER<br />

Auch zu Beginn, im Jahr 2005, erwartete ihn<br />

eine Mammutaufgabe: die große Verwaltungsreform.<br />

„Die zentrale Aufgabe des Landrats<br />

bestand darin, ehemalige Landesbehörden<br />

einzugliedern. Die sind nicht ganz<br />

freiwillig zu uns gekommen, und es gab vielfach<br />

große Bedenken. Die mussten wir ernst<br />

nehmen und zerstreuen“, erinnert er sich.<br />

Doch Seiffert entwickelte Lösungen, zerstreute<br />

die Sorgen. Die Neuordnung brachte nach<br />

seinen Worten viele Vorteile. Bei Projekten<br />

und Verfahren sitzen seither alle zuständigen<br />

Stellen an einem Tisch. Das habe die Verfahren<br />

gestrafft, die Arbeit der Behörde effizienter<br />

gemacht.<br />

Heinz Seiffert lockert die Krawatte: Sein Abschied war lange geplant, leicht gefallen ist er ihm nicht.<br />

AUFTRAG ALS DIENSTLEISTER<br />

Mit der großen Verwaltungsreform waren jedoch<br />

auch schmerzhafte Einschnitte verbunden.<br />

20 Prozent der Stellen mussten innerhalb<br />

von sieben Jahren eingespart werden. Dabei<br />

war ihm nach seinen Worten „ein gutes Miteinander<br />

im Haus trotz mancher Härten durch<br />

die Verwaltungsreform“ stets eine Herzensangelegenheit.<br />

Gleichzeitig habe er immer das<br />

Gefühl gehabt, von den Mitarbeitern des<br />

Landratsamtes und den Mitgliedern des Kreistags<br />

getragen werden.<br />

Großen Wert legte er darauf, dass sich das<br />

Landratsamt als Dienstleister versteht und Ermessensspielräume<br />

im Sinne der Bürger<br />

nutzt. „Ich habe den Mitarbeitern immer gesagt:<br />

„Die Kunden, die zu uns kommen, haben<br />

uns schon bezahlt. Mir ist wichtig, dass sie gut<br />

behandelt werden.“ Diesen Auftrag als Dienstleister<br />

habe das Landratsamt angenommen.<br />

Zu den großen Themen in seiner Amtszeit gehörten<br />

die Schulen. 23,2 Millionen Euro investierte<br />

der Landkreis in die Bildungslandschaft.<br />

Alle Beruflichen Schulen im<br />

Alb-Donau-Kreis verfügen über berufliche<br />

Gymnasien. „Unsere Schülerzahlen steigen<br />

entgegen dem Trend“, sagt Seiffert und begründet<br />

das mit dem „attraktiven Angebot“.<br />

Wie bei der Bildung war es Seiffert auch in Sachen<br />

Gesundheitsversorgung, Pflege, Straßenverkehr<br />

und Nahverkehr wichtig, dass alle<br />

Regionen im Alb-Donau-Kreis sich gut entwickeln.<br />

„In den vergangenen 40 Jahren haben<br />

wir es geschafft, die Investitionen so zu verteilen,<br />

dass kein Teil des Landkreises sich abgehängt<br />

fühlt“, betont er. Angesichts der Ausbreitung<br />

und der Form des politischen<br />

Gebildes ist das nicht selbstverständlich: Der<br />

Landkreis reicht von Balzheim im Süden bis<br />

hinter Amstetten im Norden, von Munderkin-<br />

Thermische Systeme für die<br />

Elektronik- und Photovoltaikindustrie<br />

THERMAL SYSTEMS<br />

Herzlichen Dank<br />

für die langjährige Zusammenarbeit<br />

Ruhestand ist kein<br />

Stillstand, sondern die<br />

Möglichkeit neue Ideen<br />

zu verwirklichen.<br />

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35


[spezial] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Lieber Heinz Seiffert,<br />

ab jetzt gilt: Setzen Sie<br />

Ihre Energien frei, auch<br />

im Ruhestand!<br />

Julius Gaiser GmbH & Co. KG<br />

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Wir danken Herrn Landrat Seiffert<br />

für seine engangierte Arbeit im<br />

Alb-Donau-Kreis und wünschen Ihm<br />

auf seinem weiteren Lebensweg<br />

alles Gute!<br />

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Stationen eines bewegten Lebens, von oben: Heinz Seiffert im Jahr 2002 im<br />

Wahlkampf mit Wolfgang Schäuble. 1986 verliert er denkbar knapp die<br />

OB-Wahl- in Ehingen. In der Fasnet 2006 begrüßt er in Ehingen Narren-<br />

gen im Westen bis nach Langenau im Osten, oder wie es in dem von<br />

Seiffert initiierten Kreismarsch heißt: von der Alb zur Donau. Kein<br />

anderer Landkreis in Baden-Württemberg hat mehr Kommunen. In<br />

55 Gemeinden und Städten leben 192.000 Menschen. „Die Altkreise<br />

Ulm und Ehingen sind nahtlos zusammengewachsen“ sagt Seiffert.<br />

Für ihn, so betont Seiffert, sei es wichtig gewesen, „den Zusammenhalt<br />

der kommunalen Familie zu stärken und zu pflegen.“ Auch hier<br />

spielt das Thema Finanzen eine Rolle. Als der Diplom-Verwaltungswirt<br />

2005 sein Bundestagsmandat aufgab und an die Spitze des Landkreises<br />

wechselte, lag der Kreisumlagesatz bei 29,3 Prozent. Seiffert<br />

hielt sein Versprechen, die Umlage so niedrig wie möglich zu halten.<br />

Mit aktuell 28 Prozent gehört der Alb-Donau-Kreis zu den Landkreisen<br />

im Südwesten, die den Kommunen am wenigsten tief in die Taschen<br />

greifen. Dennoch tätigte er in den vergangenen elf Jahren 201,5<br />

36


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

Den Fortschritt erleben.<br />

BURGMAIER<br />

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Burgmaier ist einer der international führenden Hersteller<br />

von einbaufertigen, hochpräzisen Dreh- und Frästeilen.<br />

büttel Erich Brosch. Rechte Seite von oben: Mit dem Rad durchs Lautertal,<br />

mit der Jungen Union 1998 im Bundestagswahlkampf und mit Kindern<br />

im Jahr 2007 beim Schmücken eines frisch gepflanzten Birnbaumes.<br />

Lieber Heinz Seiffert,<br />

wir danken für Ihr<br />

Engagement und sind<br />

sicher, dass Ihre<br />

kreative Schaffenskraft<br />

auch im Ruhestand<br />

nicht nachlässt.<br />

Millionen Euro an Investitionen. Rechnet man die Tochtergesellschaften<br />

hinzu, sind es 274 Millionen Euro.<br />

Eine weitere Zahl zeigt, wie gut der Landkreis mit Seiffert an der Spitze<br />

wirtschaftete: Die Schulden verringerten sich von 53,5 Millionen<br />

Euro (2005) auf 9 Millionen Euro (<strong>2016</strong>). „Wir haben die Gunst der<br />

guten wirtschaftlichen Entwicklung genutzt“, gibt sich Seiffert bescheiden.<br />

Auch die hohen Ausschüttungen der Oberschwäbischen<br />

Elektrizitätswerke – zwischen 2005 und 2015 waren das 102 Millionen<br />

Euro – seien ein wichtiger Grund für die solide Finanzlage des<br />

Landkreises, erläutert der gebürtige Münsinger.<br />

Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) forderte<br />

Seiffert freilich mehr als ihm lieb war. Der Zusammenschluss<br />

von neun Landkreisen hält einen Anteil von 46,75 Prozent am Energieversorger<br />

ENBW. Zusammen mit dem zweiten Großaktionär, dem<br />

BURGMAIER Technologies GmbH + Co KG<br />

Hauptstraße 100 – 106 · 89604 Allmendingen<br />

Telefon 0 73 91 / 50 07 -0 · www.burgmaier.com<br />

37


[spezial] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Land Baden-Württemberg, bestimmt die<br />

OEW die Geschicke des Karlsruher Energieriesen,<br />

dem drittgrößten Stromkonzern<br />

Deutschlands. Von 2012 bis 1. Mai dieses Jahres<br />

war Seiffert Verbandschef, die fünf Jahre<br />

zuvor Stellvertreter. Er übernahm den Verband<br />

ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe<br />

im japanischen Fukushima in einer extrem<br />

schwierigen Zeit für den ENBW-Konzern.<br />

EXTREM GEFORDERT<br />

Durch die Energiewende der Bundesregierung<br />

war der ehemalige Atom- und Kohlekonzern<br />

in erhebliche Turbulenzen geraten. Statt<br />

sprudelnde Millionengewinne gab es Verluste,<br />

Stellenabbau, den Rückbau von Atomkraftwerken,<br />

den Ausbau der Erneuerbaren Energien.<br />

Als OEW-Verbandschef war Seiffert<br />

extrem gefordert. Mindestens zwei Tage pro<br />

Woche beschäftigte er sich nach seinen Worten<br />

mit OEW-Themen. Gleichzeitig stellte er<br />

die OEW auf eine breitere Basis. So kaufte sich<br />

diese in die ENBW Onshore-Portfolio ein, die<br />

Konzentriert dirigiert Landrat Heinz Seiffert beim Kreismusikfest 2007 den Gesamtchor.<br />

deutschlandweit 18 Windparks betreibt. Seit<br />

Anfang des Monats befindet sich Seiffert im<br />

Ruhestand. Nach aufreibenden Jahren in der<br />

Politik genießt er nun die freie Zeit. Seine Ehefrau<br />

Edelgard und er haben sich E-Bikes gekauft<br />

und schon rund 1000 Kilometer zurückgelegt.<br />

„Das ist eine völlig neue Rad-Qualität“,<br />

schwärmt Seiffert und freut sich auf viele<br />

Touren. [!]<br />

<br />

ALEXANDER BÖGELEIN<br />

Grosse Schritte<br />

hinterlassen Spuren !<br />

- DANKE für ihr engagement -<br />

TRIES GmbH + Co. KG Hydraulik-Elemente<br />

Ehingen Röntgenstraße 10 D-89584 Ehingen<br />

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38


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

„Das holen Sie nie auf“<br />

„Kollegial und fair“<br />

Wolfgang Schäuble,<br />

Bundesfinanzminister<br />

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister<br />

und langjähriger Kollege Seifferts in der<br />

CDU-Fraktion schreibt zur Verabschiedung:<br />

„Mit Heinz Seiffert habe ich gute Jahre<br />

der Zusammenarbeit im Deutschen Bundestag<br />

gehabt. Er hat dort nicht nur<br />

engagiert die Interessen seines Wahlkreises<br />

vertreten, sondern sich auch als Finanzpolitiker<br />

einen guten Namen gemacht. Uns<br />

verbindet aber noch mehr als die Finanzpolitik:<br />

Wir haben am gleichen Tag Geburtstag<br />

– am 18. September. Natürlich ist Heinz<br />

Seiffert jünger als ich. „Die zehn Jahre holen<br />

Sie nie auf“, habe ich ihm immer gesagt. Und jetzt geht der junge<br />

Heinz Seiffert in den Ruhestand. Das hat er sich verdient. Dafür wünsche<br />

ich ihm alles Gute, viel Glück und Gesundheit!“<br />

Ivo Gönner, ehemaliger<br />

Ulmer Oberbürgermeister<br />

Ulms ehemaliger Oberbürgermeister Ivo<br />

Gönner und Heinz Seiffert hatten in ihrer<br />

aktiven Zeit einige Gemeinsamkeiten. Als<br />

Sie Anfang der 90er Jahre mit einer Delegation<br />

in Hamburg und Bremen Müllverbrennungsanlagen<br />

besichtigten, stellten<br />

sie fest, dass sie auch die Flugangst teilen.<br />

Seiffert habe sich immer an der Frage orientiert:<br />

„Kriegen wir für Ulm und die Region<br />

etwas Gutes hin“, sagt Gönner. „Es gab immer<br />

einen guten Gleichklang.“ Auch die<br />

Verwaltungsreform „haben wir gut über<br />

die Bühne gebracht – ganz ohne Eifersüchteleien“.<br />

In der schwierigen Zeit nach der Wirtschaftskrise 2008/2009,<br />

in der sich große Banken von der Unternehmensfinanzierung zurückgezogen<br />

haben, hätten beide im Verwaltungsrat der Sparkasse Ulm an<br />

einem Strang gezogen, um mittelständische Firmen zu stärken und zu<br />

retten. Im Rückblick sagt SPD-Mann Gönner über den CDU-Mann Seiffert:<br />

„Das war ein sehr kollegiales und faires Verhältnis. Ich habe sehr<br />

gut mit ihm zusammengearbeitet.“<br />

Verbundenheit<br />

ist einfach.<br />

Nichts ist so stark wie die<br />

Verbundenheit engagierter<br />

Partner, die sich mit aller<br />

Kraft für eine lebenswerte<br />

und aussichtsreiche Zukunft<br />

unserer Region einsetzen.<br />

Wenn’s um Geld geht<br />

sparkasse-ulm.de<br />

39


[rubrik] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Celos-Mitarbeiterin Dorothee Ott baut im Montageraum, der vor elektrostatischen Entladungen geschützt ist, einen zusätzlichen Speicher in einen Server ein.<br />

Schützen und pflegen<br />

Die Digitalisierung verändert die Anforderungen an die IT in Unternehmen. Viele Firmen suchen sich Hilfe von außen<br />

und lagern Aufgaben aus. Das Ulmer Systemhaus Celos Computer profitiert davon.<br />

Locky ist ein kleiner Kerl, doch er ist alles<br />

andere als ein putziger Zeitgenosse. Vielmehr<br />

verbreitet er in Unternehmen und<br />

Institutionen Angst und Schrecken. Denn Locky<br />

ist einer der Verschlüsselungstrojaner, die<br />

derzeit im virtuellen Raum ihr Unwesen treiben.<br />

Kriminelle versuchen mit seiner Hilfe<br />

via Cyberangriff Geld zu erpressen. Allein im<br />

ersten Halbjahr <strong>2016</strong> hat er Tausende von<br />

Computern verschlüsselt.<br />

Thomas Hoffmann, Geschäftsführender Inhaber<br />

des Ulmer Systemhauses Celos Computer,<br />

ist derzeit viel unterwegs, um Kunden über<br />

die Fallensteller im Internet aufzuklären. Öffnen<br />

Mitarbeiter einen Mail-Anhang, in dem<br />

sich Locky versteckt, lassen sich erst wenige,<br />

schließlich immer mehr Dateien nicht mehr<br />

öffnen. Damit nicht genug: Bald schon kann<br />

das moderne trojanische Pferd im gesamten<br />

angeschlossenen Netzwerk aktiv werden –<br />

und dann taucht auf einem der Bildschirme<br />

eine Lösegeldforderung auf: Kein Geld, kein<br />

Freigabeschlüssel. Doch dieser ist freilich<br />

auch bei einer Zahlung nie garantiert.<br />

Hoffmann kennt die Tricks, wie sich Kriminelle<br />

Zugang zu den Netzen erschleichen. Etwa<br />

den, Sticks als Köder auszulegen und mit<br />

der Neugierde der Finder zu kalkulieren.<br />

Denn der Aufbau und die Pflege solcher IT-<br />

Infrastrukturen sind die Kernkompetenz seiner<br />

Firma, die er 1990 als Ein-Mann-Start-up<br />

gegründet hat, damals mit dem Elan des frisch<br />

gekürten „Dipl.-Ing“.<br />

Firmenchef<br />

Thomas Hoffmann.<br />

VIELE ZEIT TROTZ STUDIUMS<br />

Schon während des Studiums hatte er parallel<br />

mit dem Programmieren begonnen, sein Fach,<br />

die Automatisierungstechnik, hatte mit dem,<br />

was er heute tut, so gut wie nichts zu tun. „Studieren<br />

hat eher mein Allgemeinwissen beflügelt“,<br />

erzählt Hoffmann. Es ließ ihm noch genügend<br />

Raum, erste Kunden mit Hardware zu<br />

beliefern. Galt es diese miteinander zu vernetzen,<br />

sei dies quasi als Dreingabe erfolgt, möglich<br />

durch die „damals<br />

noch guten<br />

Margen“.<br />

Heute macht der<br />

Handel mit Hardware<br />

nach Hoffmanns<br />

Angaben<br />

noch 40 Prozent<br />

des Umsatzkuchens<br />

aus. 60 Prozent<br />

aber erziele<br />

Celos mittlerweile<br />

mit Dienstleistungen,<br />

darunter auch die Beratung: „IT ist sehr<br />

komplex und umfangreich geworden.“ Seit<br />

2006 sei es immer mehr üblich geworden, die<br />

Leistungen an fixe vertragliche Abmachungen<br />

zu koppeln: Die Kunden lagern damit zunehmend<br />

Aufgaben an Celos aus, die bislang<br />

ein firmeninterner Systemadministrator erfüllt<br />

hat, darunter die Pflege des IT-Systems<br />

oder das Aufspielen von Updates – und natür-<br />

40


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[machen]<br />

lich der Schutz vor Hacker-Angriffen. „Durch<br />

einen solchen Vertrag erhalten Firmen eine<br />

planbare IT, eine Erreichbarkeit von zwölf<br />

oder sogar 24 Stunden mit eingeschlossen<br />

und ebenso eine Klausel, bis wann ein etwaiger<br />

Fehler behoben sein muss.“<br />

DIE GROSSEN MACHEN DRUCK<br />

Die rasante Entwicklung des IT-Bereichs spiegelt<br />

sich stark in der Firmenentwicklung und<br />

der Auffächerung in Tätigkeits- und Geschäftsfelder<br />

wider. Unter dem Dach der Celos<br />

Computer GmbH als Holding befinden sich<br />

mittlerweile fünf Gesellschaften. In der 2013<br />

ins Leben gerufenen Celos Solutions GmbH<br />

sind die Bereiche PDM und CAD gebündelt.<br />

Über die Novacur GmbH steht Celos in Verbindung<br />

mit 80 weiteren Systemhäusern. Der<br />

Zusammenschluss ermöglicht die deutschlandweite<br />

Betreuung von überregionalen<br />

Kunden. C-entron Software bündelt alles, was<br />

mit ERP-Programmen und damit mit Geschäftsprozessen<br />

zu tun hat. Business C-Voice<br />

kümmert sich um das Thema Telefonie.<br />

Die Celos Computer GmbH zählt sich zum<br />

oberen Zehntel der größten Systemhäuser in<br />

Deutschland. Und wiegt sich den Worten ihres<br />

Inhabers zufolge dennoch nicht in Sicherheit.<br />

„Es gibt unbestritten einen Zwang zu<br />

Wachstum in unserer Branche“, erklärt Thomas<br />

Hoffmann. Obwohl er in der Händlerhierarchie<br />

weit oben steht – als „Microsoft Gold<br />

Partner und als „HP preferred Partner Gold“ –<br />

gehe eben von diesen „großen Playern“ ein<br />

zunehmender Druck aus. Diese seien deutlich<br />

bestrebt, ihr Händlernetz möglichst zu verkleinern.<br />

Wer den Status als Premium-Partner<br />

verliert, erhält auch geringere Rabatte.<br />

100 Mitarbeiter in Ulm und Augsburg<br />

Die Teamleiter Konstantin Hermann (li.) und Philipp Wittmann sind 2 der 100 Mitarbeiter.<br />

Computertechnik Hoffmann hieß das<br />

Start-up, mit dem Thomas Hoffmann<br />

1990 den Schritt in die Selbständigkeit<br />

wagte. Der Firmensitz ist mehrfach gewandert,<br />

bis er im Ulmer Donautal seinen<br />

jetzigen Ankerplatz gefunden hat. Zur<br />

Stetigkeit der heutigen Celos Computer<br />

GmbH, die in Augsburg einen zweiten<br />

Standort unterhält, zählt der stramme<br />

Vor diesem Hintergrund setzt sich Hoffmann<br />

ambitionierte Ziele. Der Jahresumsatz von<br />

derzeit 18 Millionen Euro soll bis zum Jahr<br />

2020 schon auf 25 Millionen klettern. Er will<br />

dies durch organisches Wachstum schaffen.<br />

Das Thema Fachkräftemangel, das viele IT-<br />

Unternehmen plagt, ist für Celos kein Thema.<br />

„Wir kriegen genügend Personal“, sagt Hoffmann.<br />

Zum einen profitiere das Unternehmen<br />

vom zunehmenden Outsourcing-Trend<br />

Wachstumskurs, der sich auch in der auf<br />

heute rund 100 Mitarbeiter zählenden<br />

Belegschaft widerspiegelt.<br />

Eine Vorstellung über die Geschäftstätigkeit<br />

vermittelt eine weitere Zahl: „Wir haben<br />

in den vergangenen drei Jahren mit<br />

1450 Firmen Geschäfte gemacht“,<br />

informiert der geschäftsführende Alleingesellschafter.<br />

<br />

TV<br />

in IT-Abteilungen. Zum andern sind in der<br />

Gruppe derzeit rund 20 Azubis an Bord. Drittens<br />

erwarte man von Bewerbern nicht unbedingt<br />

einen geradlinigen beruflichen Weg, da<br />

dürfe es auch Brüche geben. Und Studienabbrecher<br />

würden nicht mit ablehnender<br />

Skepsis empfangen, sondern mit hohen Erwartungen.<br />

„Sie sehen uns als ihre zweite<br />

Chance. Das ist doch gut für uns.“ [!]<br />

<br />

THOMAS VOGEL<br />

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.<br />

Mehr über die Faszination der bulthaup Küche<br />

erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.<br />

www.gruener-bulthaup.de<br />

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Tel. 0731 92 70 59 30<br />

41


[machen] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Das „K10“ gehört mit 28 Metern zu den drei höchsten Gebäuden der Paulaner-Stadt in München-Langwied. Es beherbergt die Gär- und Lagertanks.<br />

„Da ist Paulaner dran“<br />

Technisch und planerisch anspruchsvoll war der Bau des neuen Standorts von Paulaner in München-Langwied. Gebäude<br />

und Brauanlagen wurden gleichzeitig erstellt. Gemanagt hat das Großprojekt die Nething-Gruppe aus Neu-Ulm.<br />

Es war Münchens größte Baustelle und<br />

ein Prestigeobjekt. 300 Millionen Euro<br />

hat sich die Paulaner Brauerei GmbH<br />

und Co. KG ihren Umzug nach Langwied kosten<br />

lassen. Bis dahin hatte Paulaner 380 Jahre<br />

lang Bier am Nockherberg gebraut, doch dort<br />

war es zu eng geworden. Am neuen Standort<br />

ist auf 15 Hektar eine kleine Stadt entstanden.<br />

13 Gebäude, bis zu 20 Meter hoch, mit 83.000<br />

Quadratmetern Nutzfläche. Zeitweise waren<br />

bis zu 700 Mitarbeiter von mehr als 70 Firmen<br />

im Einsatz, sie verbauten 3000 Betonfertigteile,<br />

4000 Tonnen Edelstahl, 25 Kilometer Stahlrohre<br />

und mehr als 2 Mio. Fliesen. Das alles<br />

managte die Neu-Ulmer Nething-Gruppe. Ende<br />

2011 klingelte das Telefon: „Da ist Paulaner<br />

für Sie dran“, erinnert sich Axel Nething. Am<br />

anderen Ende war Paulaner-Geschäftsführer<br />

Stefan Lustig, der das Architekturbüro zu einem<br />

Wettbewerb einlud.<br />

REIBUNGSLOS UND PÜNKTLICH<br />

Eine Brauerei hatte Nething bis dahin nicht<br />

gebaut, doch die Neu-Ulmer bekamen den Zuschlag.<br />

„Unsere Fähigkeit ist es, die Anforderungen<br />

und die Fachdisziplinen am Bau zu<br />

vernetzen. Für die Fachdisziplinen suchen wir<br />

uns die Experten, die jeweils am geeignetsten<br />

sind“, erläutert Nething. Bei der Generalplanung<br />

gehe es vor allem darum, Produkt, Auftraggeber<br />

und dessen Prozesse zu verstehen.<br />

„Nur so lassen sich Abläufe gut gestalten und<br />

eine optimale Baulösung schaffen.“ Das Paulaner-Projekt<br />

war auch aufgrund des Zeitdrucks<br />

herausfordernd.<br />

Die Gebäude und<br />

die Anlagentechnik<br />

wurden gleichzeitig<br />

gebaut. Dennoch<br />

verlief der<br />

Bau von Europas<br />

modernster Brauerei<br />

fast reibungslos,<br />

sagte Paulaner-<br />

Geschäftsführer Firmenchef<br />

Lustig. Nun geht es Axel Nething.<br />

nur noch um Restarbeiten.<br />

Und Braumeister Christian Dahncke<br />

ist vor allem stolz darauf, „dass unsere Biere<br />

vom neuen Standort genauso gut schmecken<br />

wie vom Nockherberg.“ [!] AMB<br />

42


Anzeige<br />

Wenn Produkte zu Software werden …<br />

Herr Rath, Industrie 4.0 ist in aller Munde, nur<br />

wenige wissen aber genau, was das bedeutet.<br />

Die Hightech-Strategie „Industrie 4.0“ hat zum<br />

Ziel, den gesamten Produktionsprozess mit<br />

modernster Infomations- und Kommunikationstechnologie<br />

kosten- und erfolgsoptimal zu<br />

verzahnen. In Zeiten von volatilen Märkten und<br />

hybriden Organisationsformen rate ich jedem<br />

Entscheider, sich intensiv mit den Chancen der<br />

industriellen Revolution auseinander zu setzen.<br />

Wer zu den Gewinnern oder Verlierern des aktuell<br />

beschleunigten digitalen Transformationsprozesses<br />

zählt, hängt stark von dieser Leistungsbereitschaft<br />

der Unternehmen ab.<br />

Das Ganze hat ja nicht nur Auswirkungen<br />

auf unsere globale Wettbewerbsfähigkeit<br />

sondern auch auf den Arbeitsalltag eines<br />

jeden Einzelnen?<br />

Meines Erachtens führt ein Verharren in der Arbeits-<br />

und Organisationskultur des 20. Jahrhunderts<br />

in einer globalen und digitalen Arbeitswelt<br />

nicht zum Erfolg. Viele Entscheider<br />

sind sich dessen bewusst und haben bereits<br />

Projekte für einen Kulturwandel in den Unternehmen<br />

gestartet. Der Arbeitsalltag des 21.<br />

Jahrhundert muss menschlicher, demütiger,<br />

authentischer und reflektierter sein. Doch: Augenhöhe<br />

statt „der Ober sticht den Unter“,<br />

grenzenlose Zusammenarbeit statt Silodenken<br />

macht klar, dass die Gestaltung der zukünftigen<br />

Arbeitswelt kein Selbstläufer sein wird.<br />

Unternehmen müssen also nicht nur in<br />

technischen Abläufen umdenken?<br />

Nun, die digitale Transformation wird ohne die<br />

Einbeziehung des Menschen nicht gelingen!<br />

Die Unternehmen können die Chancen der<br />

Transformation nur dann nutzen, wenn die Mitarbeiter<br />

im wahrsten Sinne des Wortes an diesem<br />

Strang mitziehen. Etliche Berufsbilder<br />

werden sich grundlegend verändern. Der Umgang<br />

mit neuen Technologien muss vermittelt<br />

werden und die Kommunikationsfähigkeit für<br />

eine Arbeit in einem Agilen Team muss gestärkt<br />

werden. Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmen<br />

hängt somit in Zukunft entscheidend<br />

vom Faktor Mensch ab und kann in eine Transformation<br />

der gesamten Unternehmenskultur<br />

münden.<br />

Was leisten Sie mit Ihrem Unternehmen artiso<br />

entsprechend dieser umfassenden Anforderungen?<br />

Mit unserer Aus- & Weiterbildungsstrategie<br />

wollen wir umfänglich handwerkliche und soziale<br />

Kompetenzen ausbilden. Für eine gelingende<br />

Interaktion in interdisziplinären Teams ist z.<br />

B. eine ausgeprägte soziale Intelligenz unablässlich.<br />

Einzel- und Teamcoaching durch einen<br />

Kommunikationsexperten gehören deshalb<br />

ebenso zu unserem Alltag wie regelmäßige Codereviews<br />

zur Ausprägung der Entwicklerfähigkeiten.<br />

Sie sind Teil der Expertenrunde bei der Veranstaltungsreihe<br />

„Allzu menschlich“, bei der<br />

die Frage im Raum<br />

steht, was wir tun,<br />

wenn Maschinen<br />

unsere Jobs machen.<br />

Was erwartet<br />

die Gäste?<br />

Spannende neue<br />

Sichtweisen zum<br />

Menschen als Gestalter<br />

der Zukunft<br />

und Einblicke in Innovationen<br />

und Orführer<br />

artiso solutions<br />

Volker Rath, Geschäftsganisationsmethodiken<br />

zur Verbesserung von Wertschöpfung.<br />

Wenn Dank HoloLens Produkte zu Software<br />

werden, liefert dies sicherlich genügend Stoff<br />

für anregende Gespräche. Wir sind mit unserem<br />

artiso Innovations-Labor vor Ort dabei und<br />

präsentieren unsere Neuigkeiten live.<br />

Stichwort HoloLens – was kann das Gerät<br />

und was kommt auf uns zu?<br />

Die HoloLens erlaubt es, die reale Welt mit Informationen<br />

und Interaktionsmöglichkeiten zu<br />

erweitern bzw. sogar zu verschmelzen. In Ihre<br />

natürliche Umgebung werden damit hilfreiche<br />

Informationen eingeblendet. Wichtige Bestandteile<br />

Ihrer Arbeitswelt können in 3D direkt<br />

erlebbar und greifbar gemacht werden. Nach<br />

den immer verfügbaren Informationen durch<br />

Smartphones und Tablets ist das der nächste<br />

Schritt, um den Zugang zu Informationen und<br />

Services intuitiv zu gestalten.<br />

ALLZU MENSCHLICH?<br />

WIE DIE 4. INDUSTRIELLE<br />

REVOLUTION UNSER<br />

LEBEN VERÄNDERT…<br />

>> Was arbeiten wir, wenn Maschinen unseren Job<br />

machen? Ein visionärer Nachmittag für Entscheider<br />

und Interessierte, der Ihren Blick auf Chancen, Wege<br />

und Grenzen der Automatisierung schärft.<br />

Infos und Anmeldung: www.allzu-menschlich.de<br />

Keyspeaker und Expertenrunde<br />

Prof. Dr. phil.<br />

Klaus-Jürgen Grün<br />

GOETHE Universität<br />

Frankfurt a. M.<br />

Christian Binder<br />

Technical Director MTC<br />

Microsoft Deutschland<br />

Thomas Fischer<br />

Personalexperte<br />

thomasFISCHERconsulting<br />

Achim Nestle<br />

Vorstandsassistent<br />

UZIN UTZ AG<br />

Di., 18.10.<strong>2016</strong>,<br />

15.30 Uhr<br />

in der Sparkasse Ulm,<br />

Neue Mitte. Eintritt frei.<br />

„Wie verbringt der<br />

Mensch in Zukunft seinen<br />

Alltag – was wird<br />

unsere neue Rolle in<br />

der Arbeitswelt? Oder<br />

müssen wir uns grundlegend<br />

neu erfinden?“<br />

„Wie kann die<br />

Old Economy von<br />

Tech-Firmen und<br />

Schlüsselinnovationen<br />

profitieren?“<br />

Affiliation:<br />

Wenn´s um Geld geht<br />

Martin Sommer<br />

Technische Schule<br />

Heidenheim<br />

Volker Rath<br />

Geschäftsführer<br />

artiso solutions GmbH<br />

Gastgeber:<br />

www.allzu-menschlich.de<br />

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43


[rubrik] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Katja Kienhöfer in ihrem „Studio 54“ in Göppingen. Der Kontrast zu ihrem früheren Leben im Jetset könnte kaum größer sein. <br />

Fotos: Giacinto Carlucci<br />

Zwischen Glamour und Kleinstadt<br />

Sie genoss viele Jahre das Leben in den Mode-Metropolen, bevor sie sich in ihrer Heimat Göppingen niederließ: die<br />

Visagistin Katja Kienhöfer. Sie ist erfolgreich und zufrieden mit ihrem Familienleben abseits der großen Glitzerwelt.<br />

Heute Paris, morgen Mailand, übermorgen<br />

New York. Vier Kontinente in vier<br />

Wochen. Immer Zeitdruck, häufig Jetlag,<br />

oft müde, ständig unter Strom. „Ich habe<br />

doppelt so schnell gelebt“, sagt Katja Kienhöfer,<br />

lächelt und lehnt sich entspannt zurück.<br />

In ihrem kleinen Büro, ganz hinten im „Studio<br />

54“, erzählt die erfolgreiche Geschäftsfrau<br />

von ihrer Zeit in der großen, weiten Modewelt.<br />

Mit Begeisterung, aber ohne Wehmut.<br />

Sie scheint angekommen, zufrieden und<br />

glücklich zu sein. „Ich vermisse nichts“, betont<br />

die Visagistin, die im Jahr 2002 die Parfümerie<br />

mit Kosmetikstudio in ihrer Heimatstadt<br />

Göppingen eröffnet hat.<br />

NEUE LOOKS MIT VERSACE<br />

Viele spannende Jahre lagen damals hinter<br />

ihr, in denen sie permanent auf Achse war,<br />

Models für Foto-Shootings und Modenschauen<br />

schminkte, mit den Großen der Kosmetikindustrie,<br />

zum Beispiel Versace, neue Looks<br />

kreierte oder Menschen beim Fernsehen aufhübschte.<br />

300 Tage im Jahr Glamour- und<br />

Glitzerwelt, auf Du und Du mit den Promis –<br />

und dann zurück in die Provinz? Vermisst<br />

man da wirklich gar nichts? „Ich habe viele<br />

Promis erlebt, das fehlt natürlich in Göppingen.<br />

Aber die Leute hier sind begeisterungsfähiger.<br />

Prominente werden jeden Tag geschminkt<br />

und sind daher viel kritischer“,<br />

schildert Katja Kienhöfer ihre Erfahrungen.<br />

Zudem habe sie es angestrengt, sich jeden Tag<br />

44


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[machen]<br />

Bereits im Alter von 12 verging kein Tag ohne Make-Up und Styling, erzählt Katja Kienhöfer.<br />

auf neue Menschen unterschiedlicher Kulturen<br />

einstellen zu müssen. Sie möchte die Zeit<br />

nicht missen, aber irgendwann sei der Punkt<br />

gekommen, an dem sie der oberflächlichen<br />

Jetset-Welt entfliehen wollte. Als sie einmal<br />

so müde war, dass sie in Las Vegas beinahe den<br />

Flieger verpasst hätte – schlafend an einem<br />

lärmenden Spielautomaten – habe der Entschluss<br />

festgestanden. „Ich hatte sogar Angst<br />

davor, den Absprung nicht zu schaffen, weil<br />

mich vieles Normale gelangweilt hat“, blickt<br />

die verheiratete Mutter zweier Söhne zurück.<br />

Heute gibt es jede Menge Normalität in ihrem<br />

Alltag. Wenn die 42-Jährige ungeschminkt<br />

mit ihrem Hund spazieren geht, ihre Kinder<br />

auf dem Fußballplatz anfeuert oder mit ihnen<br />

Hausaufgaben macht, fühlt sie sich genau am<br />

richtigen Platz. „Aber es ist ja auch nicht so,<br />

dass ich gar nichts mehr mache“, schränkt sie<br />

ein. Hin und wieder ist sie auf der Fashion<br />

Week in Berlin. „Die Models werden immer<br />

jünger und dünner“, erzählt sie von den aktuellen<br />

Laufsteg-Schönheiten, während sie im<br />

Behandlungszimmer ihres Göppinger Kosmetikstudios<br />

eine Kundin mit Permanent-Make-<br />

Up zurechtmacht. Katja Kienhöfer hat bei ihren<br />

Ausflügen in die Glitzer- und Glamourwelt<br />

volles Programm, genießt diesen Trubel aber:<br />

„Ich hole mir neue Inspiration und bekomme<br />

neue Trends mit.“ Neben Modenschauen wird<br />

sie auch für Katalog-Shootings weiterhin gebucht<br />

– „die Kontakte zur Kosmetikindustrie,<br />

zu Fotografen und zum Fernsehen habe ich<br />

bis heute gehalten“. Sie bezeichnet sich als „sicherheitsdenkenden<br />

Menschen“ und habe<br />

sich als Geschäftsfrau nie auf nur ein Standbein<br />

gestützt.<br />

Doch von nichts kommt nichts. Katja Kienhöfer<br />

ist eine Macherin und kein Mensch, der<br />

darauf wartet, dass etwas passiert. „Ich bin privat<br />

immer an den Hotspots, zum Beispiel in<br />

Kitzbühel, St. Tropez oder Cannes.“ Auch auf<br />

Ibiza war sie kürzlich, dorthin will sie künftig<br />

öfter reisen: „Da bin ich gerade dabei, Kontakte<br />

aufzubauen.“ Einfach nur faul am Strand zu<br />

liegen, ist gar nicht ihr Ding: „Ohne Arbeit ist<br />

es ja langweilig.“ Und so kommt es nicht selten<br />

vor, dass sie bei sengender Hitze Adligen<br />

am Pool die Wimpern klebt, während die Familie<br />

„urlaubt“.<br />

FASZINIERT VON HOCHGLANZ<br />

Irgendwie scheint bei dieser Frau alles zu<br />

Gold zu werden, was sie anpackt. Gibt es ein<br />

Erfolgsrezept? Wie setzt man sich durch in<br />

diesem harten, schnelllebigen Geschäft? Katja<br />

Kienhöfer hat eine einfache Antwort: „Die Erfahrung<br />

nimmt einem keiner – weder die<br />

fachliche noch die persönliche. Die Visagistin<br />

weiß, was sie kann und was sie will. Zielstrebig<br />

hat die 42-Jährige ihre Karriere verfolgt.<br />

Bereits mit zwölf sei kein Tag ohne Make-Up<br />

und Styling vergangen, blickt die Inhaberin<br />

des Beauty-Salons zurück. Ihr Taschengeld investierte<br />

sie in Hochglanz-Magazine, um die<br />

Modewelt zu studieren. So verfolgte sie den<br />

Lebenswandel der Supermodels der 1980er-<br />

Jahre. Nach dem Realschul-Abschluss machte<br />

sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau<br />

und sattelte die Visagisten-, Maskenbildner-<br />

und Kosmetikschule drauf.<br />

EIN BISSCHEN WEHMUT<br />

Die glitzernde Modewelt ist heute nur noch<br />

ein kleiner Teil ihres Lebens. Katja Kienhöfer<br />

lässt es jetzt ruhiger angehen. „Ich wollte alles<br />

machen, bevor ich Kinder habe“, sagt sie. Das<br />

ist ihr gelungen – allerdings mit einem Nachteil.<br />

„Es gibt nicht mehr so viele Träume“,<br />

meint sie fast wehmütig. „In der Visagisten-<br />

Szene habe ich alles erreicht, was ich erreichen<br />

wollte.“ Den Internet-Handel ihrer Firma<br />

will sie wiederbeleben, fällt ihr ein. Und<br />

sich fortbilden, aber eher in Richtung Marketing<br />

und Betriebswirtschaft.<br />

Außerdem schreibt Katja Kienhöfer gerade<br />

ein Buch über die Rolle der Frauen von heute,<br />

wie es ist, Geschäftsfrau, Mutter und Ehefrau<br />

zu sein. Auf jeden Fall ist sie stolz darauf, einen<br />

Hauch des Glamours und der bunten Farben<br />

der Modewelt nach Göppingen gebracht<br />

zu haben. [!] SUSANN SCHÖNFELDER<br />

45


[gründen] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Natürlich selbstständig<br />

Die Bio-Branche boomt, „Green Living“-Ratgeber sind auch bei technologieverwöhnten Menschen angesagt.<br />

G-Nature-Gründer Tobias Gölz stillt mit seinen Farben Sehnsüchte und bringt Mutter Erde ins Zuhause seiner Kunden.<br />

FIRMENKAUF SCHEITERT<br />

Am 14.12.2012 gründet Gölz die AG. Aber der<br />

Firmenkauf scheitert. „Meine Selbstständigkeit<br />

wieder an den Nagel hängen, kam trotzdem<br />

nicht in Frage“, erzählt der Netzwerker.<br />

Sein Ehrgeiz ist geweckt. Doch die Banken<br />

sind skeptisch. Nach langem hin und her bekommt<br />

Gölz nur einen kleinen Kredit, für den<br />

er persönlich bürgen muss. Also investiert der<br />

gelernte Kaufmann eigene Rücklagen. Sein<br />

Motto: „Entweder ich glaube an eine Idee oder<br />

nicht.“ Er rekrutiert ehemalige Mitarbeiter –<br />

darunter Kaufmänner, ein Chemieingenieur<br />

und Anwendungstechniker – und tüftelt mit<br />

ihnen an Farbformulierungen. „Hochwertige<br />

Naturfarben, aus nachwachsenden Rohstoffen,<br />

ohne störende Gerüche“, beschreibt der<br />

Gründer sein Konzept. Doch die Baumarkt-<br />

Ketten haben wenig Interesse. Zu jung, zu unerfahren.<br />

Das fünfköpfige Team aus Süßen<br />

spezialisiert sich schließlich auf Handwerk<br />

und Industrie. „Ein Bereich, in dem Service<br />

und Qualität im Fokus stehen.“<br />

Gründer Tobias Gölz mit einem Teil seiner Mitarbeiter in Russland.<br />

Tobias Gölz mag es natürlich. Vor allem<br />

Zuhause. „Wir verbringen viel Zeit in<br />

unseren Wohnungen. Schadstoffe in<br />

diesem Umfeld sind fatal“, erklärt der 37-Jährige.<br />

Mit seinem Unternehmen G Nature (Süßen/Kreis<br />

Göppingen) stellt er deshalb Naturfarben<br />

her, die Giftiges aus Wohnräumen<br />

verbannen.<br />

Zum ersten Mal kommt Gölz als kaufmännischer<br />

Azubi mit seiner Lieblingsbranche in<br />

Kontakt. In einem mittelständischen Betrieb<br />

lernt der Jugendliche viel über das Geschäft<br />

mit der Natürlichkeit – und findet Gefallen<br />

daran. Er bleibt, studiert BWL an der Abendschule<br />

und wird Prokurist. Als der Inhaber<br />

ihm nach 10 Jahren anbietet, die Firma zu<br />

kaufen, zögert Gölz nicht. „Die Selbstständigkeit<br />

schien der nächste logische Schritt zu<br />

sein“, erklärt er. Um genug Kapital zur Übernahme<br />

aufzubringen, will der Jungunternehmer<br />

eine Aktiengesellschaft gründen. Startkapital<br />

100.000 Euro.<br />

PERFEKTE SYMBIOSE<br />

Der große Durchbruch gelingt den Schwaben,<br />

als sie sich mit Biopin verbrüdern. Das<br />

28-Mann starke Unternehmen stellt Naturfarben<br />

für den Heimgebrauch her. G Nature ergänzt<br />

das Sortiment im Bereich professionelle<br />

Fertigung. Die perfekte Symbiose entsteht.<br />

Rund 13 Monate nach Gründung betritt G Nature<br />

den Markt. Erste Abnehmer findet das<br />

Start-up auf Industriemessen. Darunter Parkettleger,<br />

Schreiner und Maler.<br />

„Die Anforderungen an Industriefarben sind<br />

hoch“, erklärt Gölz. Anders als ein Heimwerker<br />

akzeptiere kein Küchenhersteller mehrtägige<br />

Trockenzeiten. „Nach spätestens sechs<br />

Stunden muss das Werkstück bereit für die<br />

Weiterverarbeitung oder den Packprozess<br />

sein.“ Naturfarben müssen dem Experten zufolge<br />

genauso hart, schlagfest und temperaturbeständig<br />

sein, wie konventionelle Anstriche.<br />

Auflagen und Trends verändern sich<br />

ständig. Gölz: „Up-to-Date bleiben, ist überlebenswichtig.“<br />

Als Teil der Biopin-Gruppe<br />

stellt G Nature das mit einer eigenen Abteilung<br />

für Forschung und Entwicklung sicher.<br />

Der Konkurrenz, so erläutert Gölz, habe sein<br />

Unternemen vor allem eines voraus: Selbst<br />

hergestellte Bindemittel und somit die volle<br />

46


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[gründen]<br />

Kontrolle über die Inhaltsstoffe der Farben,<br />

Harze und Öle. Das kommt auch bei den Kunden<br />

an. Innerhalb eines Jahres verzehnfacht<br />

sich der Umsatz des Jung<strong>unternehmen</strong>s. In<br />

diesem Jahr erwartet Gölz einen Umsatz von<br />

500.000 Euro. 80 Prozent davon erzielt G Nature<br />

im Ausland. Denn: „In Deutschland wird<br />

zu wenig Holz verbaut“, erklärt Gölz.<br />

In Russland oder China hingegen, stößt der<br />

Farbspezialist auf rege Nachfrage. Seit neun<br />

Monaten betreibt G Nature sogar ein eigenes<br />

Büro mit sieben Mitarbeitern in Moskau.<br />

„ Made in Germany steht auch im Ausland für<br />

Qualität“, freut sich Gölz. Nächstes Jahr will<br />

die Naturmarke die arabischen Länder erobern.<br />

Das erste Projekt, ein Universitätsbau<br />

in Dubai, steht bereits.<br />

WIDERSACHER SUCHEN FEHLER<br />

Rückschläge haben Gölz und sein Team trotzdem<br />

erlebt. „Die rechtliche Situation habe ich<br />

unterschätzt“, gibt der Unternehmer zu. Es<br />

dauert nicht lange bis Abmahnungen und<br />

Klagen ins Haus flattern. Denn die Newcomer<br />

sind vielen Konkurrenten ein Dorn im Auge.<br />

„Einmal wurde mir eine Formulierung auf<br />

meinem Xing-Profil angekreidet“, schmunzelt<br />

der Hobbygärtner. Seiner Meinung nach<br />

suchen Widersacher geradezu nach Fehlern,<br />

„um uns direkt tot zu machen“. Fünf Prozesse<br />

hat G Nature bisher ausgefochten. „Aus heutiger<br />

Sicht würde ich von Anfang an in Rechtshilfe<br />

investieren“, erzählt er. Auf der anderen<br />

Seite gehöre Fehler zur Entwicklung eines<br />

Unternehmens dazu: „Wie langweilig wäre<br />

meine Geschichte, ohne den ein oder anderen<br />

Stolperstein“, findet der 37-Jährige.<br />

Allerdings müssen nicht jedem dieselben<br />

Missgeschicke passieren. Deshalb unterstützt<br />

Gölz neue Gründer und empfiehlt allen Business-Startern<br />

sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.<br />

Entsprechende Gruppierungen gibt es<br />

dem Profi zufolge in jeder größeren Stadt. „Es<br />

geht nicht darum, sich allein durchzuschlagen.<br />

Schlau ist, wer aus den Fehlern anderer<br />

lernt.“ Gleichzeitig schonen Gründertreffen<br />

Was sind Naturfarben<br />

eigentlich?<br />

Als Naturfarben gelten Farben, Lacke<br />

und Öle, die aus natürlichen, nachwachsenden<br />

Rohstoffen, möglichst<br />

ohne Mineralölzusatz, produziert werden.<br />

Hersteller deklarieren freiwillig<br />

alle Inhaltsstoffe und garantieren, dass<br />

die Farben ungiftig sind. Das Produkt<br />

ist ökologisch abbaubar und fügt sich<br />

in natürliche Kreisläufe ein. Besonders<br />

beliebt sind Naturfarben bei der Oberflächenbehandlung<br />

von Holz. Die enthaltenen,<br />

natürlichen Harze und Öle<br />

dringen tiefer ein, als synthetisch erzeugte<br />

Kunstharze. Sie sind somit besser<br />

im Untergrund verankert und platzen<br />

weniger schnell ab. <br />

GYS<br />

das Marketing-Budget, denn „dort werden neben<br />

Freundschaften auch Geschäftsbeziehungen<br />

geknüpft.“ [!] <br />

RONJA GYSIN<br />

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ist einfach.<br />

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man für Investitionen einen<br />

Finanzpartner hat, der Ideen von<br />

Anfang an unterstützt.<br />

„Die Kreissparkasse Biberach versteht am Besten meine Bedürfnisse und<br />

bot deshalb das optimale strategische Finanzierungskonzept.“<br />

Marcus Ruoff aus Riedlingen, Erfinder der Nachtwaechter Schlafweste.<br />

Bekannt aus der erfolgreichen TV Sendung<br />

„Die Höhle der Löwen“ bei VOX.


[führen] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Fit für den Wandel<br />

Viele Mittelständler tun sich schwer, ihre Mitarbeiter auf den wachsenden Druck zur Veränderung vorzubereiten. Die<br />

Hochschule Neu-Ulm hat daher für kleine Firmen spezielle Angebote zur Weiterbildung entwickelt.<br />

kürzt sich immer mehr. Vor einigen Jahren<br />

hat eine kaufmännische Ausbildung oder ein<br />

Studium einen Berufstätigen 30 Jahre getragen.<br />

Dies ist heute nicht mehr so und das Absolvieren<br />

von drei Studiengängen wird bald<br />

keine Seltenheit mehr sein“, sagt die 54-Jährige,<br />

die den Bereich Strategische Leitung Weiterbildung<br />

an der Hochschule für angewandte<br />

Wissenschaften Neu-Ulm (HNU) verantwortet.<br />

Ihre Einschätzung: „Die Berufe werden<br />

zunehmend akademisiert und ein Bachelor-<br />

Abschluss wird immer häufiger zur Voraussetzung<br />

für eine Einstellung.“<br />

Für Schafmeister ist diese Entwicklung kein<br />

Grund zu verzagen, weder für Studierende,<br />

Berufsanfänger, Führungskräfte oder Geschäftsführer:<br />

„Die Digitalisierung verändert<br />

die Arbeitswelt, ja sogar unsere Gesellschaft.<br />

Und dagegen hilft nur lernen, lernen, lernen,<br />

und zwar lebenslang.“ Aus diesem Grund hat<br />

das Zentrum für Weiterbildung (ZfW) an der<br />

HNU sein Angebot grundlegend erneuert. Das<br />

soll Unternehmen in der Region dabei helfen,<br />

den permanenten Wandel zu managen.<br />

Sylvia Schafmeister, Professorin an der Hochschule Neu-Ulm, sieht sich Partner des Mittelstands.<br />

Das Veränderungstempo in der Wirtschaft<br />

hat sich in den vergangenen Jahren<br />

rasant beschleunigt. Demenstprechend<br />

wachsen die Anforderungen an<br />

Unternehmer und Führungskräfte, diesen<br />

permanenten Wandel zu gestalten. Doch diese<br />

Entwicklung bereitet Sylvia Schafmeister,<br />

Professorin an der Hochschule Neu-Ulm, keine<br />

Angst. „Die Halbwertzeit des Wissens ver-<br />

EXTERNE TRAINEEPROGRAMME<br />

Neben den bewährten und klassischen MBA-<br />

Studiengängen wie „Betriebswirtschaft für<br />

Ingenieure und andere nicht-wirtschaftliche<br />

Be rufe“, „Führung und Management im Gesund<br />

heitswesen“ und „IT-Strategie und Gover<br />

nance“ steht nun auch das modular aufgebaute<br />

Führungsnachwuchsprogramm „Führungskompetenzen,<br />

Soft Skills und Coaching<br />

für Trainees“ auf dem Lehrplan. Dieses beginnt<br />

mit einer individuellen Standortbestimmung<br />

der Nachwuchskräfte. „Wir begleiten<br />

und betreuen über ein Jahr die Lernfortschritte<br />

und reflektieren die Ergebnisse.“<br />

Eine weitere neue Säule auf dem Neu-Ulmer<br />

Campus bilden die sogenannten Up-to-date-<br />

Seminare, ein- bis zweitägige Schulungen, bei<br />

denen Fach- und Führungskräften aktuelles<br />

Fachwissen aus den Bereichen Management,<br />

IT, Industrie 4.0 und dem Gesundheitswesen<br />

vermittelt wird. So wird von kommendem<br />

Jahr an für Mittelständler unter anderem das<br />

Seminar „Risikomanagement im Zeitalter<br />

von Industrie 4.0“ angeboten. „Ein wichtiger<br />

Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie<br />

ist es, dass auf diese Seminare modular aufgebaut<br />

und das Wissen bei Bedarf weiter vertieft<br />

werden kann“, sagt Schafmeister. Zum Beispiel<br />

mit dem Zertifikat „Strategisches IT-Ma-<br />

48


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[führen]<br />

nagement“. Dieser achtmonatige Kurs richtet<br />

sich an Nachwuchsführungskräfte, orientiert<br />

sich an den Bedürfnissen von Vollzeitbeschäftigten<br />

und wird daher in berufsbegleitender<br />

Form angeboten.<br />

Der Auftrag ist für Sylvia Schafmeister und ihr<br />

Team klar: „Wir verstehen uns als Weiterbildungspartner<br />

für kleine und mittelgroße Betriebe<br />

in der Region, die von unseren Bildungsprogrammen,<br />

die wir mitunter auch als<br />

maßgeschneiderte Inhouse-Seminare anbieten,<br />

nachhaltig profitieren und so Talente binden<br />

können.“<br />

PARTNER FÜR DEN MITTELSTAND<br />

Für Schafmeister ist es wichtig, dass neben der<br />

Theorie die Praxis nicht zu kurz kommt. Das<br />

gehört für sie zu einem nachhaltigen Ansatz.<br />

„Wir bieten mit unserem Fachwissen die Basis<br />

für eine gewinnbringende Geschäftspolitik<br />

und überzeugen die Unternehmer davon, wie<br />

wichtig spezialisiertes Fachpersonal für den<br />

dauerhaften Erfolg eines Betriebes ist.“ Nach<br />

ihrer Einschätzung genügt es nicht, dass die<br />

Angestellten ihre Kenntnisse von Zeit zu Zeit<br />

nur auffrischen. „Es ist enorm wichtig, dass sie<br />

das Erlernte auch selbst anwenden und in den<br />

Betrieb hineintragen können.“ Aus diesem<br />

Grund sind im Zentrum für Weiterbildung<br />

auch nur Professoren mit praktischen Management-Erfahrungen<br />

im Team sowie „reine<br />

Praktiker“, sprich Lehrbeauftrage aus verschiedenen<br />

Bereichen der Wirtschaft.<br />

Schafmeister und ihr Team bereiten den Boden<br />

für eine effiziente Fortbildung, der notwendige<br />

Impuls muss jedoch aus dem Betrieb<br />

herauskommen: „Die Unternehmer müssen<br />

selbst dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter<br />

regelmäßig weiterbilden können, um geistig<br />

rege zu bleiben und nicht in festgefahrenen<br />

Strukturen zu verharren. Erst wenn ein Unternehmen<br />

zu einer lernenden Organisation<br />

wird, kann es auch wettbewerbsfähig bleiben.“<br />

Und dann muss man sich auch keine<br />

Sorgen über die Zukunft machen. [!]<br />

<br />

STEFAN LOEFFLER<br />

3800 junge Leute<br />

in 16 Studiengängen<br />

An der Hochschule für angewandte<br />

Wissenschaften Neu-Ulm studieren<br />

3800 junge Menschen. Sie werden von<br />

65 Professorinnen und Professoren an<br />

den Fakultäten Wirtschaftswissenschaften,<br />

Informationsmanagement<br />

und Gesundheitsmanagement in 16<br />

Bachelor- und Masterstudiengängen<br />

praxisnah auf Managementtätigkeiten<br />

vorbereitet. Die HNU sieht auch die berufsbegleitende<br />

Weiterbildung als wichtige<br />

Aufgabe ihres Bildungsauftrages.<br />

Diese Aktivitäten wurden im Jahr 2000<br />

im Zentrum für Weiterbildung (ZfW) gebündelt<br />

und ausgebaut. Durch die zunehmende<br />

Digitalisierung und den steigenden<br />

Ansprüchen an die Flexibilität<br />

von Weiterbildungsangeboten befindet<br />

sich das ZfW im Wandel, sieht sich jedoch<br />

nicht als Konkurrenz zu den Industrie-<br />

und Handelskammern. LOE<br />

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49


Mit Hochdruckwasserstrahlen (500 bar) entfettet dieser IDS-Mitarbeiter ein Maschinengehäuse.<br />

Bei Anruf Hilfe<br />

Der Mittelständler IDS tritt da in Aktion, wo andere sich zurückziehen, Aufgaben fremdvergeben oder er zum Retter in<br />

der Not wird. Der Industriedienstleister aus Unteressendorf wächst stark – vor allem aufgrund seiner Flexibilität.<br />

Die Heinzelmännchen existieren! Nicht<br />

real, das weiß jedes Kind. Zumindest<br />

aber in der schönen Sage, die in Köln<br />

ihren Ursprung hat. Die Hausgeister verrichten<br />

darin nachts, wenn die Bürger schlafen,<br />

deren Arbeit. Putzen das Haus, räumen auf,<br />

schaffen Ordnung. Leider sind sie dabei einmal<br />

beobachtet worden, worauf sie für immer<br />

verschwanden. So geht die Heinzelmännchen-Sage<br />

in aller Kürze.<br />

In Oberschwaben gibt es die moderne Variante<br />

der Heinzelmännchen. Diese sind in Firmen<br />

und großen Industriebetrieben im Raum<br />

Ulm und Oberschwaben aktiv. Sie erscheinen<br />

dort ebenfalls bevorzugt nach Dienstschluss<br />

und Arbeitsende. Dann reinigen sie Maschinen,<br />

putzen und dampfstrahlen im Industriemaßstab,<br />

verlegen in den Produktionshallen<br />

neue Böden, tauschen defekte Regale aus oder<br />

ziehen auch schon mal eine komplette Vorstandsetage<br />

um.<br />

MIT REINIGUNG GESTARTET<br />

Mit diesem Ansatz ist aus der erst 1998 gegründeten<br />

Firma IDS („Industriedienstleistung<br />

Süd“) mit Sitz in Unteressendorf bei Biberach<br />

ein stattliches Unternehmen<br />

geworden, mit derzeit 850 Mitarbeitern und<br />

einem breit gefächerten Angebot, zu dem<br />

mittlerweile auch die Auftragsproduktion gehört.<br />

Begonnen aber hat Firmengründer Jürgen<br />

Maunz mit klassischen „Facility“-Dienstleistungen<br />

mit Schwerpunkt Reinigung.<br />

Die Wünsche der Kunden veränderten das<br />

Aufgabenspektrum von IDS. Das begann, als<br />

Unternehmen sich für Aushilfen interessierten,<br />

um eigene Auftragsspitzen besser abfedern<br />

zu können. Vor diesem Hintergrund<br />

wurde das Portfolio der Industrie-Dienstleistung<br />

um die Arbeitnehmerüberlassung erweitert.<br />

Tätig ist sie ausschließlich für den eigenen<br />

Kundenstamm von IDS.<br />

50


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[machen]<br />

Die „IDS Outsourcing GmbH“ wiederum geht<br />

zurück auf den Voith-Konzern, einen großen<br />

Kunden, der sich von einer konzerneigenen<br />

Lackieranlage trennen, diese aber keineswegs<br />

stilllegen, sondern weiterhin nutzen wollte.<br />

Die Unteressendorfer haben sie daraufhin<br />

mietweise übernommen und in Ravensburg<br />

damit einen Standort eröffnet. „Dann haben<br />

wir zusätzliche Auslastung gesucht“, erzählt<br />

Geschäftsführer Markus Winter. Der Diplomkaufmann<br />

ist vor drei Jahren zu 50 Prozent bei<br />

IDS eingestiegen. Er führt gemeinsam mit Jürgen<br />

Maunz das Unternehmen. Auch die Erledigung<br />

einer kompletten Versandlogistik fällt<br />

in diesen Geschäftsbereich. Oder die Übernahme<br />

der Fahrzeugtaktung beim Liebherr-<br />

Werk in Ehingen.<br />

13 ROBOTERZELLEN<br />

Schließlich kam vor sechs Jahren die IDS Casting<br />

Service GmbH dazu, wobei man sich hier<br />

nicht in der schillernden Welt der Models und<br />

der Casting-Shows bewegt, sondern in der etwas<br />

weniger glitzernden Sphäre des Leichtmetallbereichs.<br />

„Casting“, klärt Maunz auf,<br />

„ist ein Gewerk in der Aluminium-Bearbeitung“.<br />

Wieder war es ein guter Kunde – Handtmann<br />

in Biberach –, der hier Bedarf hatte. Es<br />

geht um die Nachbearbeitung von Gussteilen,<br />

neuerdings auch solche aus Magnesium, wie<br />

sie die Automobilindustrie in ihren Oberklasse-Karossen<br />

verbaut. Am nun dritten Standort<br />

Oggelsbeuren (Kreis Biberach) sind mittlerweile<br />

40 Mitarbeiter beschäftigt und 13 Roboterzellen<br />

im Einsatz. Mit rund 1,5 Millionen<br />

Euro beziffern die Geschäftsführer das jährliche<br />

Investitionsvolumen.<br />

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete IDS einen<br />

Umsatz von 17 Millionen Euro, in diesem<br />

Jahr soll bereits die 20-Millionen-Marke geknackt<br />

werden. Den Erfolg begründen Maunz<br />

und Winter mit Zuverlässigkeit, Flexibilität<br />

und Qualität, vor allem aber damit für ihre<br />

Kunden da zu sein. Wie die beiden das verstehen,<br />

zeigt ein Vorfall Ende Juni. Infolge von<br />

Lieber auf eigene Rechnung<br />

Leiten gemeinsam den Dienstleister IDS: Jürgen Maunz (links) und Markus Winter.<br />

Hochwasser standen Produktionshallen bei<br />

den Firmen Handtmann und Liebherr in Biberach<br />

unter Wasser. Am Freitagabend um 22<br />

Uhr rückten 50 Mitarbeiter aus, arbeiteten bis<br />

um 3 Uhr nachts und auch das gesamte Wochenende:<br />

Putzen, aufräumen, in Gang setzen.<br />

So verhinderten die IDS-MItarbeiter einen<br />

Produktionsausfall in beiden Firmen.<br />

30 FLÜCHTLINGE BESCHÄFTIGT<br />

Aufgrund der Angebotspalette beschäftigt IDS<br />

viele Mitarbeiter zu Niedriglöhnen. Hinzu<br />

kommt, dass es sich bei rund 500 der 850 Mitarbeiter<br />

um geringfügig Beschäftigte handelt.<br />

Erst hatte Jürgen Maunz keine Lust<br />

mehr gehabt auf abhängige Beschäftigung.<br />

1998 wagte der Maschinenbaumeister<br />

aus Biberach den Sprung in die<br />

Selbständigkeit. Im Jahr 2000 waren<br />

schon 90 Mitarbeiter an Bord, 2005 waren<br />

es 335, 2014 553 und <strong>2016</strong> sind es<br />

nun 850. Vor drei Jahren stieg dann Markus<br />

Winter ein, inzwischen die IDS Holding<br />

GmbH, unter deren Dach alle operativ<br />

tätigen Gesellschaften gebündelt sind.<br />

Winter, der 50 Prozent der Anteile hält,<br />

ist Diplomkaufmann. Er stammt aus Ravensburg<br />

und war ebenfalls genervt vom<br />

Angestelltendasein.<br />

www.id-s.de <br />

TV<br />

Um Leute etwa, die sich neben ihrem Hauptjob<br />

noch etwas dazu verdienten wollen oder<br />

müssen. Auch etwa 30 Flüchtlinge zählen derzeit<br />

zur Belegschaft, acht Nationen sind darunter<br />

vertreten. Vor allem die Helferkreise stellten<br />

die Erstkontakte her, „unsere Brücke“.<br />

„Wir haben grundsätzlich gute Erfahrungen<br />

mit Flüchtlingen gemacht“, sagt Jürgen Maunz<br />

und präzisiert: „Mit 90 Prozent sind wir sehr<br />

zufrieden.“ Gleichzeitig macht er unmissverständlich<br />

klar, dass IDS auf die Einhaltung von<br />

schwäbischen Tugenden pocht, auf Pünktlichkeit<br />

und Zuverlässigkeit etwa. „Da sind wir<br />

sehr konsequent.“ [!] THOMAS VOGEL<br />

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Sonderveröffentlichung<br />

Günstig und zuverlässig<br />

Mehr als 600 Kunden betreut Südwest Mail und wächst stark. Der Postdienstleister aus Ulm ist ein<br />

Tochter<strong>unternehmen</strong> des Medienhauses SÜDWEST PRESSE und setzt auf Service für den Mittelstand.<br />

Werner Schwarzendorfer bringt die Entscheidung<br />

Landkreis Kliniken Heidenheim gGmbH<br />

auf einen kurzen Nenner: „Für uns war der<br />

Preisvorteil entscheidend. Und auch der Service<br />

ist besser als bei der Deutschen Post“,<br />

sagt der Teamleiter, der in den Kliniken für die<br />

Poststelle und das Zentralarchiv verantwortlich<br />

ist. Bis zu 500 Briefe täglich verschicken die<br />

Kliniken. „Ein großer Vorteil für uns ist zudem,<br />

dass Südwest Mail unsere Briefe auch frankiert.<br />

Wir bräuchten dafür zusätzliches Personal“,<br />

sagt Schwarzendorfer. Die Reklamationen<br />

bewegten sich im Promillebereich – und wenn<br />

es mal eine gäbe, kümmere sich Südwest Mail<br />

umgehend darum. Sabine Wachsmann freuen<br />

solche Einschätzungen. „Wir wollen für jeden<br />

Kunden die für ihn absolut zufriedenstellende<br />

Lösung anbieten“, sagt die Leiterin Verkauf und<br />

Marketing von Südwest Mail, einer 100-prozentigen<br />

Tochtergesellschaft des Medienhauses<br />

SÜDWEST PRESSE.<br />

Guter Service als Basis<br />

Die Vorteile der Zusammenarbeit mit Südwest<br />

Mail sind nach ihren Worten vielfältig. „Uns ist<br />

gute Beratung und der Service wichtig“, betont<br />

sie. „Unser Außendienst fährt zu jedem Kunden,<br />

der ein Gespräch vor Ort möchte, unabhängig<br />

von der<br />

Größe seines Sendungsaufkommens.“<br />

So können<br />

beispielsweise kleine<br />

Firmen ihre Post<br />

für 2,70 Euro am<br />

Tag abholen lassen<br />

oder ab der ersten<br />

Sendung unsere<br />

Briefkästen nutzen.<br />

Bereits ab 50 leitet den Verkauf.<br />

Sabine Wachsmann<br />

Sendungen ist der<br />

Abholservice kostenlos. „Wir verstehen uns als<br />

Fullservice-Dienstleister und sind nicht nur für<br />

die regionale Post zuständig. Unsere Fahrer<br />

übernehmen alle Sendungen, von Tagespost<br />

über Infopost bis hin zu Einschreiben oder Paketen.<br />

Wir sortieren und verarbeiten alles –<br />

auch internationale Post“, beschreibt Wachsmann<br />

die umfassende Dienstleistung. Dazu<br />

gehören beispielsweise auch Druck, Kuvertierung<br />

sowie Frankierung der Briefe. Der Abholservice<br />

für jeden Kunden ist eines der Unterscheidungsmerkmale<br />

zum großen Wettbewerber,<br />

der Deutschen Post. Interessant sei<br />

beispielsweise für Einzelhändler, dass Südwest<br />

Mail bereits ab 250 Briefen Infopost bundesweit<br />

verschickt (im Fachjargon heißt dies mittlerweile<br />

Dialogpost). „Jeder Neukunde hat im<br />

Moment die Möglichkeit, sich kostenlos von<br />

unserer Leistung zu überzeugen.“ Beim Verteilen<br />

der Sendungen arbeitet Südwest Mail mit<br />

den Brieftöchtern anderer Zeitungsverlage zusammen,<br />

ferner mit der Deutschen Post, bei<br />

internationalen Briefzustellungen auch mit<br />

Spring Global Mail, einer Tochter der niederländischen<br />

Post sowie bei Paketen mit DPD.<br />

Bis zu 100.000 Briefe und Sendungen verarbeitet Südwest Mail täglich. <br />

Fotos: Marc Hörger<br />

Deutlicher Kostenvorteil<br />

Neben dem besseren Service, gerade für kleinere<br />

Unternehmen, sind auch die Portopreise<br />

für Geschäftskunden sehr günstig und darüber<br />

hinaus vorsteuerabzugsfähig. 59 Cent stehen<br />

70 Cent der Deutschen Post AG gegenüber.<br />

Und der Bonner Konzern erwägt weitere Erhöhungen.<br />

In der Saison verarbeitet Südwest Mail<br />

bis zu 100.000 Sendungen täglich. In acht von<br />

zehn Fällen stecken die Austräger der<br />

52


Sonderveröffentlichung<br />

SÜDWEST PRESSE frühmorgendlich die Briefe<br />

mitsamt der Zeitung in die Briefkästen, alle übrigen<br />

Sendungen werden im Laufe des Tages<br />

zugestellt. „Wir wollen auch weiterhin kräftig<br />

wachsen“, sagt Wachsmann mit Blick auf die<br />

positive Entwicklung des Unternehmens.<br />

Die greift so richtig seit der Neuausrichtung<br />

von Südwest Mail. Seit dem Jahr 2014 verantwortet<br />

Uwe Groß das Briefgeschäft der Neuen<br />

Pressegesellschaft GmbH, die auch die SÜD-<br />

WEST PRESSE herausgibt. So wurden Prozesse<br />

optimiert, in neue Technik sowie in Schulungen<br />

aller Mitarbeiter investiert.<br />

In der Folge ist die Zustellqualität deutlich gestiegen,<br />

was unter anderem durch Qualitätsmessungen<br />

unabhängiger Institute belegt<br />

wird. Südwest Mail konnte in den beiden vergangenen<br />

Jahren zahlreiche neue Kunden gewinnen.<br />

Am bisherigen Standort im Ulmer Donautal<br />

stößt man nunmehr aber an seine Kapazitätsgrenzen.<br />

Daher zieht das Unternehmen<br />

im kommenden Jahr nach Langenau um und<br />

setzt so seinen Expansionskurs fort.<br />

Regelmäßige Qualitätsüberwachung<br />

Gegründet worden ist die Südwest Mail<br />

Brief + Service GmbH im Jahr 2005.<br />

Seit her hat die Tochtergesellschaft des<br />

Me dienhauses der Südwest Presse ihren<br />

Kun denkreis stetig erweitert. Derzeit vertrauen<br />

600 Geschäftskunden Südwest<br />

Mail, wenn es darum geht, Briefe und Pakete<br />

abzuholen und zuzustellen. In den Regionen<br />

Ulm, Alb-Donau-Kreis, Göp pingen,<br />

Geislingen und Heidenheim sind 1200<br />

Zusteller in der Logistik unterwegs, um die<br />

Sendungen zuverlässig am nächsten Tag<br />

zuzustellen. Ein Netz mit 80 Briefkästen<br />

und 40 Ver kaufs stellen bietet auch Kleinkunden<br />

und Privatpersonen die Möglichkeit,<br />

den Service bundesweit zu nutzen.<br />

Südwest Mail lässt seine Qualität regelmäßig<br />

prüfen. Das Qualitäts management<br />

erfolgt auf Grundlage der Zertifizierung<br />

DIN EN ISO 9001. Die Laufzeitmessungen<br />

übernimmt ein unabhängiges Institut nach<br />

den Vorgaben der DIN EN 13850.<br />

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Übernahme aller Sendungen<br />

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53


Oh mein Gott! So leicht lassen sich die von uns befragten Führungskräfte nicht aus der Ruhe bringen. Das Verhalten ihrer Mitarbeiter lässt sie nicht verzweifeln.<br />

Frische Luft vom Chef<br />

Sie wollten Fußballer, Musiker, Pilot oder Lehrerin werden. Doch statt auf einer Bühne zu stehen oder in die Luft<br />

zu gehen, sitzen sie heute im Büro. Fünf Führungskräfte verrieten Stefan Loeffler in unserer Umfrage ihre<br />

Eigenarten und wie sie mit Mitarbeitern umgehen.<br />

Steffen Maurer wäre gerne<br />

Musiker geworden. Heute leitet<br />

er sein Unternehmen, die Maurer<br />

Veranstaltungstechnik<br />

GmbH in Blaustein, mit Leib<br />

und Seele. Denn seinen<br />

Arbeitsplatz würde der 37-jährige<br />

Familienvater für kein Geld<br />

der Welt tauschen wollen.<br />

1) Nach dem Frühstück und wie es sich gehört,<br />

mit einem freundlichen „Guten<br />

Morgen!“ an alle Mitarbeiter.<br />

2) Die sind alle zusammen echt klasse<br />

und das, was mich auch nur ansatzweise<br />

verzweifeln lässt, klären<br />

wir dann direkt durch unsere offene Kommunikation.<br />

3) Das müssen die Anderen beurteilen, aber ich bin eigentlich<br />

sehr umgänglich, weil ich immer ein offenes Ohr habe.<br />

4) Theoretisch erst mal den Grill vorglühen und praktisch mit<br />

einem Lächeln.<br />

5) Musiker und nachdem ich sehr schnell gemerkt habe, wo meine<br />

Grenzen sind, wollte ich gleich Veranstaltungstechniker werden.<br />

6) Mit niemandem und für kein Geld der Welt.<br />

Grafik: © flinstone123 / Fotolia.com Grafik: © studiostoks / Fotolia.com<br />

54


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong><br />

[leben]<br />

1) Wann und wie beginnt Ihr Arbeitstag im Büro?<br />

2) Welches Verhalten von Mitarbeitern lässt Sie<br />

verzweifeln?<br />

3) Welche Ihrer Verhaltensweisen bringt andere in<br />

„Rage“?<br />

4) Wie bereiten Sie sich an einem vollgepackten<br />

Arbeitstag auf ein wichtiges Gespräch vor?<br />

5) Was wollten Sie als Kind werden?<br />

6) Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag den<br />

Arbeitsplatz tauschen?<br />

Früher wollte er Pilot werden.<br />

Heute ist der 54-jährige<br />

Oliver Wenzler<br />

bei der Commerzbank AG an<br />

den Standorten Ulm, Friedrichshafen<br />

und Singen verantwortlich<br />

für das Firmenkundengeschäft<br />

– und sehr<br />

zufrieden damit.<br />

1) Wenn ich der Erste bin, wird erst mal gelüftet, damit es sich für<br />

die Kollegen und Kolleginnen morgendlich frisch anfühlt.<br />

Anschließend setze ich die Prioritäten für den<br />

Tag und checke die Mails. Wenn dann die Kollegen<br />

ins Büro kommen, wird die Begrüßung<br />

genutzt, um offene Themen aufzunehmen.<br />

2) Es gibt keine schlechten Mitarbeiter, es gibt<br />

nur schlechtes Management. Mein Rezept<br />

gegen Verzweiflung: passende Prozesse,<br />

Coaching, direktes Feedback sowie Konsequenz<br />

und Geduld. Grund zum Verzweifeln<br />

gibt es da höchstens, wenn in der Mittagspause<br />

niemand Lust zum Kickern hat.<br />

3) Wenn ich eine neue Idee habe, sich alle darauf<br />

einstellen und ich dann kurz darauf eine<br />

„noch bessere“ Idee habe.<br />

4) Die inhaltliche Vorbereitung auf ein wichtiges<br />

Gespräch muss einen Tag vorher abgeschlossen sein.<br />

5) Ich wollte Pilot werden. Jetzt bin ich sehr zufrieden mit meinem<br />

Beruf, die Mischung aus Vertrieb, Führung und Entwicklung kreativer<br />

Lösungen passt zu mir.<br />

6) Teamführung, Wettbewerb und Geschwindigkeit sind meine Themen.<br />

Am liebsten würde ich deshalb tauschen mit Jimmy Spithill,<br />

dem Skipper vom Oracle Team USA. Einmal erleben, wie er sein<br />

Team motiviert und mit einem America‘s Cup Tragflügel Katamaran<br />

segeln – das wäre für mich ein Traum.<br />

Grafik: © studiostoks /<br />

Fotolia.com<br />

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55


[leben] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Grafik: © studiostoks /<br />

Fotolia.com<br />

Sabine Gauß hat keinen Grund<br />

am Verhalten Ihrer Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter zu verzweifeln.<br />

Die 54-jährige<br />

Diplom- Verwaltungswirtin<br />

(FH) leitet bei der Stadt Ulm<br />

den Bereich Zentrale Dienste.<br />

Daniel Zimmermann würde<br />

gerne einmal mit einem hochrangigen<br />

Politiker den Arbeitsplatz<br />

tauschen. Der 44-jährige<br />

verheiratete Familienvater ist<br />

seit 2015 Geschäftsführer Personal<br />

und Finanzen bei der<br />

August Mink KG in Göppingen.<br />

1) Ich komme gegen acht Uhr ins Büro, begrüße meine Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter und starte mit dem Durchschauen meiner E-<br />

Mails oder der Postmappe und bereite mich auf Termine und Gespräche<br />

vor – ein eher unspektakulärer Ablauf.<br />

2) Ich habe keinen Grund am Verhalten meiner Mitarbeiterinnen und<br />

Mitarbeiter zu „verzweifeln“. Meine Tür steht allen stets offen und ich<br />

schätze Ehrlichkeit und Offenheit, Transparenz von oben nach unten<br />

und umgekehrt. Was ich, wenn ich insbesondere an frühere Jahre zurückdenke,<br />

in schlechter Erinnerung habe, ist, wenn ich Fehler zwei<br />

oder drei Mal vorgelegt bekomme bzw. wenn im dritten Dokument<br />

die verbesserten Fehler vom ersten wieder enthalten waren.<br />

3) Hin und wieder neige ich zur Ungeduld. Meine direkten Mitarbeiterinnen<br />

wissen auch, dass ich schon mal laut denke.<br />

4) In der Regel bereite ich mich zumindest einen, eher noch zwei Tage<br />

vorher auf ein wichtiges Gespräch vor, weil dann noch vertiefende<br />

Recherchen, Überlegungen, Rücksprachen möglich sind.<br />

5) Englisch-und Sportlehrerin.<br />

6) Ich bin mit meinem Arbeitsplatz sehr zufrieden.<br />

1) Schon sehr früh um 6.15 Uhr mit dem zweiten Kaffee, da die Produktion<br />

um 6:40 Uhr beginnt und ich als Ansprechpartner für Personalangelegenheiten<br />

greifbar sein sollte. Bis zum offiziellen Büroarbeitsbeginn<br />

um 7.30 Uhr kann ich aber meist noch ungestört arbeiten.<br />

2) Wenn trotz getroffener Absprachen unzuverlässig und ungenau gearbeitet<br />

wird. Dies führt zu vielen und unnötigen Rückfragen und<br />

nervt eigentlich alle.<br />

3) Man sagt es mir zwar selten, aber ich denke, mit einer gewissen<br />

Übergenauigkeit meinerseits haben manche so ihre Probleme.<br />

4) Ich versuche, vor wichtigen Terminen ein paar freie Minuten einzuplanen,<br />

schließe die sonst immer offen stehende Bürotür und prüfe<br />

nochmals die vorbereiteten Unterlagen und Informationen.<br />

5) Ich glaube Fußballer. Aber ich bin mit Mink groß geworden, habe<br />

samstags an der Schreibmaschine geübt und später als Schüler häufig<br />

in den Ferien gearbeitet – und eigentlich war schon immer klar,<br />

dass ich hier mal arbeiten werde.<br />

6) Mit einem hochrangigen Politiker. Nur um einmal<br />

im Detail zu sehen, was sich hinter<br />

den Kulissen tatsächlich abspielt und<br />

welche Machtspielchen dort ablaufen.<br />

Grafik: © Alexander<br />

Pokusay / Fotolia.com<br />

Michael Keller ist seit 2003 bei<br />

der Nething Generalplaner<br />

GmbH und seit 2014 geschäftsführender<br />

Gesellschafter. Der<br />

43-Jährige legt sehr großen<br />

Wert auf Vertrauen und Hilfsbereitschaft<br />

in der Belegschaft.<br />

1) Mein Arbeitstag beginnt um ca. um 8.00 Uhr mit einer Tasse Kaffee<br />

und der Tagespost.<br />

2) Wir legen in unserem Büro großen Wert auf Vertrauen, Hilfsbereitschaft<br />

und fordern das Mitdenken aller Mitarbeiter. Meine Akzeptanz<br />

bei einem Verhalten gegen diese Grundsätze ist sehr begrenzt.<br />

3) Das müssen Sie meine Kollegen<br />

fragen.<br />

4) Es hängt sehr stark von dem<br />

Inhalt des Gesprächs ab.<br />

Ich versuche immer,<br />

speziell bei personellen<br />

Themen, ein Zeitfenster<br />

und einen entsprechenden<br />

Rahmen zu schaffen. Als Geschäftsführer<br />

sehe ich meine Aufgabe<br />

darin, speziell in schwierigen Momenten Zeit für unsere Mitarbeiter<br />

und Kunden zu haben.<br />

5) Mein Vater war Polizist und ich habe gesehen, welche Verantwortung<br />

und welche Opfer dies bedeutet. Davor habe ich großen Respekt. Ich<br />

habe mich entschieden, einen anderen Weg zu gehen.<br />

Ich glaube, dass die kreative Ader bei mir früh erkennbar war, sich<br />

aber noch nicht in einem konkreten Berufswunsch ausgedrückt hat.<br />

6) Ich bin ganz zufrieden.<br />

56


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und (schlüsselfreies VO (EG) 692/2008 Starten in der inkl. jeweils Ford Key geltenden Free-System) Fassung):<br />

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Ford Mondeo Vignale: 5,2 (innerorts), 4,1 (außerorts), 4,5<br />

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Dieselmotor 132 kW (180 PS) (Start-Stopp-System).<br />

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und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):<br />

Ford Mustang: 10,1 (innerorts), 6,8 (außerorts), 8,0<br />

(kombiniert); CO 2<br />

-Emissionen: 179 g/km (kombiniert).<br />

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />

Schwabengarage GmbH<br />

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0<br />

www.schwabengarage-ulm.de<br />

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />

1<br />

Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mustang Fastback 2,3-l-EcoBoost-<br />

Benzinmotor 233 kW (317 PS).<br />

57


[namen & nachrichten] Ausgabe 53 | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Tanja Riemann<br />

vergrößert<br />

Teamschostek<br />

Die neue Geschäftsführerin der<br />

Neu-Ulmer Werbeagentur<br />

Teamschostek,<br />

Tanja<br />

Riemann<br />

(37), hat das<br />

Team zum 1.<br />

<strong>Oktober</strong> von<br />

neun auf elf<br />

Führt die Agentur<br />

Teamschostek:<br />

Tanja Riemann.<br />

Mitarbeiter<br />

vergrößert.<br />

Ziel sei es,<br />

die Expertise<br />

in den Bereichen<br />

Digital und Social Media<br />

auszubauen. Riemann verantwortete<br />

jahrelang in führenden<br />

Positionen den Auftritt großer<br />

Marken wie Pampers, Tempo,<br />

Pantene und Olaz. Zum 1. Juli<br />

hatte sie Teamschostek von<br />

Britta Benz übernommen, die<br />

nach 23 Jahren aus privaten<br />

Gründen ihre Agentur abgegeben<br />

hatte.<br />

IT-Sicherheit:<br />

Kurzseminare für<br />

den Mittelstand<br />

Auftragsboom im Metallbau<br />

Aufgrund der guten Auftragslage erweitert die<br />

Rehm BlechTec GmbH aus Blaubeuren-Seißen<br />

ihre Fertigung am Stammsitz fast um das Doppelte.<br />

Für die neue Produktionshalle und die<br />

Ausstattung, zu der ein Laser-Zentrum und eine<br />

Feinplasmaschneidanlage gehören, gibt der<br />

Die IHK Ulm will mit einer Veranstaltungsreihe<br />

zum Thema<br />

„Herausforderung IT-Sicherheit<br />

und Datenschutz“ im <strong>Oktober</strong><br />

Mittelständler für drohende Gefahren<br />

sensibilisieren. Zum<br />

Auftakt am Donnerstag, 13. <strong>Oktober</strong>,<br />

14 bis 17 Uhr, werden unter<br />

anderem verschiedene Angriffsmethoden<br />

live gezeigt. In<br />

den darauffolgenden Tagen bietet<br />

die IHK Ulm Kurzseminare<br />

für Einzelhändler und Maschinenbauer<br />

an. Nähere Infos unter:<br />

www.ulm.ihk24.de<br />

Datenbank<br />

gibt Überblick<br />

über Gründer<br />

Investoren soll künftig die Suche<br />

nach Start-ups im Südwesten<br />

erleichtert werden. Die Initiative<br />

Start-up Stuttgart e.V.<br />

bietet eine entsprechende Datenbank.<br />

Bei einem vergleichbaren<br />

Projekt in Hamburg, das<br />

2014 gestartet wurde, sind nun<br />

550 Firmen registriert. In Baden-Württemberg<br />

sind es zum<br />

Start 20 junge Firmen.<br />

Versicherer<br />

zahlen<br />

am besten<br />

Führungskräfte mit kaufmännischem<br />

Hintergrund verdienen<br />

in der Versicherungsbranche<br />

Anlagenbauer rund 5 Mio. Euro aus. Die ehemalige<br />

Schlosserei beschäftigt 65 Mitarbeiter.<br />

Sie ist Teil der Rehm-Gruppe (Blaubeuren),<br />

tritt aber als eigenständige Firma auf und erwirtschaftet<br />

40 Prozent ihres Umsatzes außerhalb<br />

der Gruppe.<br />

am meisten. Ihr durchschnittliches<br />

Jahresgehalt beträgt dort<br />

173.000 Euro. Das geht aus einer<br />

Studie der Personal- und<br />

Managementberatung Kienbaum<br />

hervor. In der Pharmaindustrie<br />

seien es im Schnitt<br />

155.000 Euro. Auch eine größere<br />

Berufserfahrung zahle sich<br />

aus: Ein Leiter im Finanz- und<br />

Rechnungswesen erhalte mit<br />

bis zu drei Jahren Berufserfahrung<br />

durchschnittlich 68.000<br />

Euro jährlich. Mitarbeiter in<br />

gleicher Position mit mehr als<br />

20 Jahren Erfahrung verdienen<br />

im Schnitt 150.000 Euro. [!]<br />

[impressum]<br />

Verlag/Herausgeber<br />

Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG<br />

Frauenstraße 77, 89073 Ulm<br />

Geschäftsführer:<br />

Thomas Brackvogel<br />

Redaktion<br />

Alexander Bögelein (verantw.)<br />

a.boegelein@swp.de<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Anzeigen<br />

Dr. Thomas Baumann<br />

(verantwortlich)<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Gestaltung<br />

Alen Pahic (Art Director)<br />

Bozena Demski (Bild)<br />

Fotos Volkmar Könneke (Titel +<br />

Aufmacher), Matthias Kessler<br />

(Titelinterview + weitere),<br />

Giacinto Carlucci, Werkfotos,<br />

Getty Images, PR, Archiv<br />

Druck<br />

Druck- und Verlagsgesellschaft<br />

Bietigheim mbH<br />

Kronenbergstraße 10<br />

74321 Bietigheim-Bissingen<br />

Objektleitung<br />

Tobias Lehmann<br />

Telefon 0731 156-515<br />

t.lehmann@swp.de<br />

Mediaberatung<br />

Christine Blum<br />

Telefon 0731 156-356<br />

E-Mail c.blum@swp.de<br />

Vertriebsservice<br />

<strong>unternehmen</strong>.vertrieb@swp.de<br />

Auflage: 18 000 Exemplare<br />

Nächste Ausgabe<br />

2. Dezember <strong>2016</strong><br />

Die Themen<br />

Messen, Kongresse, Events<br />

Logistik<br />

Rechtsanwälte<br />

Altersvorsorge<br />

für Selbständige<br />

u. v. m.<br />

Anzeigenschluss<br />

9. November <strong>2016</strong><br />

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58


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Von-Liebig-Straße 10 · 89231 Neu-Ulm<br />

Tel.: 07 31/ 70 0-0 · www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de

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