unternehmen Dezember 2017

suedwest.presse

unternehmen Dezember 2017

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 60 | Dezember 2017 | 3,00 €

4 197821 303000 6 0

Bei ihm machen

Talente Karriere

Klassischer Mittelstand, ungewöhnlicher Lebens lauf,

moderne Ansichten: Unternehmer Gerd Stiefel aus

Neu-Ulm gibt jungen Mitarbeitern Verantwortung.

Effizienz Wie Energiemanager beim Sparen helfen können SEITE 8

Rückblick Prinzipien und Überzeugungen erfolgreicher Unternehmer SEITE 38

Umfrage Was war Ihre größte Herausforderung der vergangenen Jahre? SEITE 54


Überblick

ist einfach.

Weil die Sparkasse individuelle

Lösungen für einen

effizienten Zahlungsverkehr

im In- und Ausland bietet.

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Göppingen


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[editorial]

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, zehn Jahre sind eigentlich kein Jubiläum und auch kein

Grund, sich selbstgerecht auf die Schulter zu klopfen. Dennoch

freut sich das kleine Team von unternehmen [!], dass es ihm gelungen

ist, für eine anspruchsvolle Leserschaft ein regionales Wirtschaftsmagazin

am Markt zu etablieren.

Die schönsten Komplimente sind, wenn Unternehmer uns erzählen,

dass das Magazin bei ihnen auf dem Wohnzimmertisch liegt

oder wenn sie darüber berichten, wie oft sie auf einen Artikel im

Magazin angesprochen worden sind. Manch‘ einer vermutet, man

könnte – wie bei vielen Fachmagazinen – Titelgeschichten für

4000 bis 5000 Euro kaufen. Nein, man kann es nicht.

Ja, unternehmen [!] finanziert sich zum allergrößten Teil durch Anzeigen,

doch das redaktionelle Konzept fußt auf journalistischer

Glaubwürdigkeit und dem Gedanken, unseren Lesern Nutzwert

zu bieten, sie über die regionale Wirtschaft zu informieren und sie

zu unterhalten. In diesem Heft schauen wir auf 60 Ausgaben zurück

und rücken Menschen in den Fokus, die die Wirtschaftsregion

voranbringen. In unserer Umfrage verraten Unternehmer und

Selbstständige, was für sie in den vergangenen zehn Jahren die

größte Herausforderung war und wie sie diese gemeistert haben

(S.54). Ein Kaleidoskop unternehmerischer Grundsätze und Anschauungen

ehemaliger Interviewpartner hat unser freier Mitarbeiter

Stefan Loeffler in unserem Rückblick (S.38) zusammengestellt.

Im Titelinterview (S. 10) zeigt Familienunternehmer Gerd

Stiefel aus Neu-Ulm, wie Mittelständler mit Kreativität und einer

wertorientierten Unternehmenskultur erfolgreich sein können.

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein

3


[inhalt] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

[titelthema]

12 Der Menschenfänger

Normal kann jeder: Der Neu-Ulmer Unternehmer

Gerd Stiefel hat einen höchst ungewöhnlichen

Werdegang und führt seinen Betrieb nach besonderen

Prinzipien. Ein Gespräch über Unternehmenskultur

und Aufstiegsmöglichkeiten für junge Talente.

26

24

08

38

[verantworten]

8 Heißes Eisen, kühler Kopf

Warum es Sinn macht als energieintensiver Betrieb ressourcenschonend zu arbeiten,

beweist die Härterei Technotherm aus Eschenbach.

[machen]

24 Zur Sparsamkeit erzogen

Die Familie Leibinger prägt seit 150 Jahren die Brauerei Gold Ochsen – und umgekehrt.

Firmenchefin Ulrike Freund über die Lust und die Last als Mittelständler gegen die

internationalen Bier-Riesen zu bestehen.

30 Mit Wagemut gegen den kreativen Stillstand

Der lange Aufschwung bremst die Kreativität – oder doch nicht? Dem

Messespezialisten Fey aus Ulm gelingt es, die Ideenvielfalt aufrechtzuerhalten.

50 Ein „Hammer“ fürs Heim

Der Neu-Ulmer Fitnessgerätehersteller und sein weiter Weg von der Skipiste über den

Tennisplatz ins Wohnzimmer.

[spezial]

26 Warum die Übergabe so heikel ist

Was bei der Regelung der Unternehmensnachfolge wichtig ist und wie Stolperfallen

vermieden werden können – zentrale Diskussionsthemen beim Netzwerkabend

unseres Magazins.

38 Sechzig!

Sechzig Ausgaben, sechzig Titelinterviews, mehr als 2800 Seiten: Ein Rückblick auf

Trends, Tatsachen, Tatendrang – und Erfolgsformeln von Machern aus der Region.

[finanzieren]

46 Neue Wege entdecken

Die Signale der Europäischen Zentralbank deuten auf eine Zinswende hin. Die Folge:

Bankkredite werden teurer. Was Mittelständler bei ihren künftigen Finanzierungen

beachten sollten.

4


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[inhalt]

50

52 46

[gründen]

52 Musik aus der Holzbox

Nachhaltig, regional und ein Hingucker für Kinder: Rainer Brang aus Nürtingen

war genervt von Wegwerfspielzeug. Er machte aus der Not eine Tugend, jetzt ist er

Unternehmer und stellt den MP3-Player Hörbert her.

[leben]

54 Nur Mut!

Das Tempo der Veränderung ist hoch, den Wandel zu gestalten oftmals schwierig.

In unserer Umfrage erklären 16 Unternehmer und Selbstständige, wie sie ihre größten

Herausforderungen der vergangenen zehn Jahre gemeistert haben.

[namen & nachrichten]

6 Weg frei fürs Weihnachtsgeschäft

7 Mehr Gehalt für Vorstände und Spezialisten

33 Spende für Schuler-Fonds

36 Mit Pioniergeist auf die Rennstrecke

58 High-Tech-Zentrum für Satelliten

58 Impressum

ZUKUNFT. VERTRAUEN.

Schwörer

Haus ®

PARTNERSCHAFT.

Hier bin ich daheim.

Wir

gratulieren

zum

Jubiläum

Unserem Unternehmen liegt es am

Herzen, dass das eigene Zuhause für

jeden schön, gesund und bezahlbar ist.

Denn ein Haus ist mehr als ein Dach

über dem Kopf. Es ist der Ort, an dem

das Leben spielt. Mit über 40.000 realisierten

Häusern bieten wir als einer der

größten deutschen Fertig haushersteller

den passenden Ort für alle Facetten

des Lebens. Gerne auch Ihnen – unter

anderem dank einer wegweisenden

Architektur, der energiesparenden

Haustechnik und einem unschlagbaren

Finanzierungsangebot.

www.schwoererhaus.de 5


[namen & nachrichten] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Weg frei fürs Weihnachtsgeschäft

Mancher Einzelhändler fühlt

sich derzeit in die Zange genommen.

Der Onlinehandel holt sich

immer größere Stücke vom Umsatzkuchen.

Zudem investieren

viele Städte – dank sprudelnder

Gewerbesteuereinnahmen – in

die Infrastruktur und die Verschönerung

der Innenstädte. Die

Kehrseite: Die Händler leiden –

wie in Ulm – unter den Baustellen.

„Wir haben Frequenzverluste

und auch Umsatzeinbußen“, sagt

City-Manager Henning Krone.

Durch die Großbaustellen am

Bahnhof sei der Zugang zur Innenstadt

erschwert.

Dennoch zeigt sich Krone fürs

Weihnachtsgeschäft zuversichtlich.

Ulm biete gerade im Advent

eine schöne Atmosphäre. Ein extrem

wichtiger Umsatzhelfer sei

das Wetter. Kälte und in den Bergen

Schnee sei eine gute Mischung.

Zudem arbeite die Stadt

ständig daran, den Verkehrsfluss

zu optimieren. So seien unter anderem

– für den Verkehr der vom

Ehinger Tor kommt – die Ampelschaltungen

geändert worden,

damit Kunden das Parkhaus

Deutschhaus gut erreichen. In

der Olgastraße (vom Bahnhof

kommend auf Höhe des Theaters)

gibt es seit kurzem wieder

drei Spuren. Das mache die Anfahrten

zu den Parkhäusern Salzstadel

und Frauenstraße leichter.

Ulm sei ein gefragter Handelsund

Gastronomiestandort. Es sei

fast beängstigend, wie schnell

neue Mieter für freiwerdende Geschäfte

gefunden werden, sagte

Krone mit Blick auf das Modehaus

Honer und die Buchhandlung

Herwig, die schließen.

Nachfolger sind im ersten Fall die

Restaurantkette Vapiano und der

Designmöbelhändler „BoConcept“.

In die Räume von Herwig

wird 2018 die Burger-Kette „Hans

im Glück“ einziehen. Zudem belebt

der französische Sporthändler

Decathlon seit zwei Wochen

das Einkaufszentrum Blautal-

Center [!]

AMB

Weihnachtseinkauf in Ulm: Die Stadt und das Ulmer City Marketing unternehmen

viel, damit Ulm trotz Baustellen gut erreichbar bleibt.

Daimler zieht Pkw-Forscher ab

Schockiert haben die Ulmer Mitarbeiter

auf die Ankündigung ihres

Arbeitgebers reagiert: der

Stuttgarter Autobauer schließt

sein Pkw-Forschungszentrum

und verlagert die rund 250 Stellen

bis zum Jahresende 2018 an

die Standorte Sindelfingen, Untertürkheim

und Immendingen.

In Ulm hatten sich die Forscher

vorwiegend um Themen wie autonomes

Fahren gekümmert sowie

um Maßnahmen, die Reibung

im Motor verringern.

Frank Niebling, der Betriebsratsvorsitzende

des Daimler-Forschungszentrums

in Ulm kritisierte,

dass die Belegschaft von

der Geschäftsleitung in Ulm weder

Fakten noch Daten erhalten

habe, die der Entscheidung zugrundeliegen.

Es gebe lediglich

die Aussage, dass es keine betriebswirtschaftlichen

Gründe

Das Daimler-Pkw-Forschungszentrum war über viele Jahre ein Aushängeschild

für die Ulmer Wissenschaftsstadt und die Kooperation mit der Uni.

gebe. Auf Nachfrage der SÜD-

WEST PRESSE begründete ein

Sprecher des Stuttgarter Konzerns

die Verlagerung mit Effizienzgründen.

In Ulm forschen

derzeit 250 Stammbeschäftigte

sowie etwa 200 Studenten und

Doktoranden. Insgesamt beschäftigt

Daimler bundesweit in

Forschung und Entwicklungsbereichen

19.000 Mitarbeiter. Mit

der geplanten neuen Holding-

Struktur habe die Konzentration

der Forschungsaktivitäten nichts

zu tun. Auch würden den Mitarbeitern

aus Ulm Stellen in Sindelfingen

und Untertürkheim angeboten.

Durch den Wegzug werde

in Ulm Raum für die IT-Software-

Tochter Daimler TSS geschaffen,

die wachsen soll. Vor einigen Monaten

wurde noch über einen

Neubau auf dem Gelände nachgedacht.

[!]

JKL/VT

6


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[namen & nachrichten]

Mehr Gehalt für Vorstände und Spezialisten

Im kommenden Jahr werden die

Gehälter der Fachkräfte in

Deutschland erneut zulegen –

auch im Vergleich zu den europäischen

Nachbarn. Die Steigerung

beträgt im Schnitt rund 3,3 Prozent.

Auch die Vorstandsgehälter

steigen um rund drei Prozent. Im

westeuropäischen Durchschnitt

erhöhen sich die Gehälter um 2,6

Prozent bei einer erwarteten Inflation

von 1,3 bis 1,8 Prozent.

Demzufolge werden Reallohnsteigerungen

für Deutschland

von rund 1,5 Prozent erwartet.

Dies geht aus einer Studie hervor,

die die Personal- und Managementberatung

Kienbaum unter

1550 Unternehmen unterschiedlicher

Branchen und Größen in

36 Ländern erhoben hat. Fachkräfte

profitieren in vielen europäischen

Ländern am stärksten.

Unter Betrachtung der einzelnen

Hierarchieebenen gestaltet sich

die Verteilung der Gehaltserhöhungen

in Westeuropa von Land

zu Land verschieden.

Während Vorstände in Finnland,

Italien oder Portugal mit den vergleichsweise

höchsten Gehaltszuwächsen

rechnen können, profitieren

in Deutschland,

Österreich oder Luxemburg die

Spezialisten und Fachkräfte am

meisten.

In der mittleren Managementebene

sind in Frankreich, Belgien

und den Niederlanden bei Steigerungsraten

zwischen 2,5 und 3,4

Prozent die stärksten Gehaltserhöhungen

zu erwarten. [!] MJ

Foto: © ImageFlow / shutterstock.com

Einer Studie zufolge steigen die Gehälter in Deutschland 2018 um 3 Prozent.

Schmalzl

übernimmt

Der neue Chef der

IHK Stuttgart Johannes

Schmalzl.

Der neue Hauptgeschäftsführer

der Industrie- und Handelskammer

(IHK) Stuttgart heißt Johannes

Schmalzl. Der studierte Jurist

tritt die Nachfolge von Andreas

Richter an, der zwei Jahrzehnte

als Hauptgeschäftsführer die IHK

Region Stuttgart

maßgeblich

geprägt

hat. Schmalzl

kommt vom

Bundesfinanzministerium

und war

dort seit 2016

Ministerialdirektor

und

Leiter der Abteilung

Privatisierungen, Beteiligungen

und Bundesimmobilien.

Der 52-Jährige hat sich das Ziel

gesetzt, möglichst bis Februar

2018 mit allen 100 Mitgliedsunternehmen

der Vollversammlung

zu sprechen. [!] MJ

Celos Solutions und

Dreicad bündeln Kräfte

Celos Solutions wird Teil der

Dreicad GmbH: Zum ersten Oktober

hat das Ulmer IT-Unternehmen

seine Geschäftstätigkeit an

die ebenfalls in Ulm ansässige

Firma übergeben. Celos-Geschäftsführer

Thomas Hoffmann

begründete den Schritt mit einer

gewünschten Bündelung der

Kräfte und Kompetenzen. Die

Dreicad GmbH gilt als Spezialist

für die Digitalisierung von Prozessen.

Sie beschäftigt nach der

Fusion knapp 30 Mitarbeiter an

den Standorten Ulm, Augsburg,

Nürnberg und Berlin. Celos Solutions

war bis Oktober 2017 Teil

der Ulmer Celos Gruppe. [!]AGR

Studie: Teva Ratiopharm

beste Arbeitgebermarke

Mehr als 1.000 Studierende aus

der Region Ulm wurden Mithilfe

der Employer Branding Studie zu

den Top 30 umsatzstärksten Unternehmen

der Region befragt.

Die Studie ist seit 2012 etabliert

und wurde vom Kompetenzentrum

für Wachstums- und Vertriebsstrategien

der Hochschule

Neu-Ulm durchgeführt. Die drei

Kriterien Bekanntheit, Sympathie

und Attraktivität der Unternehmen

waren ausschlaggebend

für die beste Arbeitgebermarke:

Platz eins belegt dieses Jahr Teva

ratiopharm, gefolgt von der Liebherr-Werk

Ehingen GmbH, der

Seeberger GmbH, Liqui Moly

GmbH, Peri GmbH und Gardena

Deutschland GmbH. [!] MJ

Merckle

geehrt

Vor knapp zehn Jahren sorgte die

Merckle-Krise für Schlagzeilen.

Es gab etliche

Experten, die

das Ende des

Firmenverbunds

sahen.

Doch es kam

anders. Die

Intes Akademie

für Familienunternehmen

hat

nun Ludwig

Familienunternehmer

Ludwig

Merckle.

Merckle den Preis „Familienunternehmer

des Jahres“ verliehen.

Die Jury zeichnet damit das „vorbildliche

Verhalten“ des Ulmer

Unternehmers aus, der in einer

ausgesprochen schwierigen Zeit

die Verantwortung für die große

Unternehmensgruppe übernommen.

Ludwig Merckle habe mit

Sachlichkeit und Beharrlichkeit

die Weichen für den Fortbestand

gestellt. [!]

MJ

7


[verantworten] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Heißes Eisen, kühler Kopf

Die Härterei Technotherm in Eschenbach im Landkreis Göppingen beschäftigt seit sechs Jahren einen hauptamtlichen

Energiemanager. Seine Einstellung hat Geschäftsführer Dr. Markus Wingens nie bereut.

Sechs Jahre ist es her, dass Technotherm-

Geschäftsführer Dr. Markus Wingens

mit dem frischgebackenen Universitätsabsolventen

Simon Schild einen Beauftragten

für Energie- und Umweltmanagement

in Vollzeit einstellte. „Als Härterei sind wir ein

energieintensiver Betrieb“, begründet Wingens

diesen Schritt. Da mache es Sinn, ressourcenschonend

zu arbeiten. Aus wirtschaftlichen

Gründen ebenso wie als Qualitätsmerkmal

in der Außendarstellung. Grund genug

für den promovierten Diplom-Ingenieur,

bereits früh einen besonderen Fokus auf Energie-

und Umweltmanagement zu legen.

„Nachhaltigkeit ist einer der Kernwerte in unserer

Unternehmenskultur“, sagt Wingens,

der Technotherm gemeinsam mit seinem Vater

Wilhelm und seinem Bruder Dennis leitet.

Im Mai 2012 erreichte der Betrieb als eines der

ersten Unternehmen überhaupt und als erste

Härterei bundesweit die Zertifizierung nach

DIN EN ISO 50 001, die die erfolgreiche Einführung

eines Energiemanagementssystems

nachweist.

Simon Schild ist im Betrieb viel unterwegs

und analysiert mit kühlem Kopf. Denn um

ein wirkungsvolles Energie- und Umweltmanagement

zu etablieren und aufrecht zu erhalten,

gilt es, an vielen Rädchen und Stellschrauben

zu drehen. „Druckluft, Licht und

Heizung machen nur einen geringen Prozentsatz

unseres Energieverbrauchs im Unternehmen

aus“, erklärt er. Den Löwenanteil verschlinge

die aufwändige Anlagentechnik mit

ihren Öfen, in denen Werkzeuge und Waren

aus Stahl bei Temperaturen zwischen 550 und

1200 Grad behandelt werden. Gerade hier

sind Einsparungen allerdings nicht einfach:

„Die Qualität darf niemals leiden.“

AUTOMATISCHE ÜBERWACHUNG

In einem ersten Schritt ermittelte Schild nach

seinem Berufseinstieg daher, was im Unternehmen

wann wie viel Energie verbraucht.

Seither dokumentiert ein Netzwerk aus Sensoren

haargenau, vollautomatisch und rund

um die Uhr, was in Sachen Energie im Betrieb

passiert. „Abweichungen von der Norm erkennen

wir dadurch sofort“, sagt Schild. Die

Beobachtung und Auswertung der erhobenen

Daten ist ebenso Teil seiner Stellenbeschreibung

wie die Ursachenforschung, wenn einzelne

Werte plötzlich ungewöhnlich hochausschlagen.

Schild hat Politik und Fördertöpfe im Blick. Er

weiß, welche Auflagen das Unternehmen in

Sachen Energieverbrauch und Umweltschutz

erfüllen muss, wo Rückerstattungen zu holen

In den Öfen der Härterei herrschen bis zu 1200

Grad.

Fotos: Amrei Groß

8


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

sind und welche Maßnahmen mit Zuschüssen

bedacht werden. Er beobachtet die Energiepreise,

sensibilisiert die Mitarbeiter, führt

Schulungen und Workshops durch. Und er

tüftelt in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung

ständig an neuen Projekten,

um durch die Optimierung von Arbeitsprozessen

und die Modernisierung von Anlagen

den Energieverbrauch von Technotherm zu

verringern. Dazu arbeitet das Eschenbacher

Familienunternehmen unter anderem mit

der Universität Stuttgart und dem Ausschuss

Energie der Industrie- und Handelskammer

der Region Stuttgart zusammen.

POSITIVE ERFAHRUNGEN

„Unser Ziel ist es, den Energieverbrauch pro

Kilogramm gehärtetes Gut konsequent zu

senken“, sagt Geschäftsführer Markus Wingens.

Seit 2012 sei dies dem Unternehmen

Jahr für Jahr gelungen. Jüngstes Projekt

ist eine Umrüstung aller elektrischen Antriebe

auf effizientere Motoren. Als Schild

Seit sechs Jahren ist Simon Schild Beauftragter für Energie- und Umweltmanagement bei Technotherm.

darlegen konnte, dass sich eine entsprechende

Investition in wenigen Jahren amortisiert,

gab die Geschäftsleitung grünes Licht: „Das

machen wir.“ Der Umbau einer ersten Testanlage

sei vielversprechend gewesen, sagt Wingens.

„Dadurch sparen wir jährlich mehrere

hundert Kilowattstunden Strom ein.“ Tendenz

steigend – denn nach den positiven Erfahrungen

sollen bald weitere Anlagen moderne

Motoren erhalten.

Für den Geschäftsführer der Energieagentur

im Landkreis Göppingen, Timm Engelhardt,

sind Energiemanager ein wichtiger Baustein,

um die Betriebskosten eines Unternehmens

zu senken. „Viele Betriebe sind sich gar nicht

bewusst, wo ihnen Energie verloren geht und

wo sie zu viel verbrauchen“, sagt er. Die entsprechenden

Kosten würden einfach an Kunden

weitergegeben; viele schreckten vor Investitionen

in Gebäudesubstanz, Elektrik und

...setzt Energien frei

Technische Gebäudeausrüstung

Kompetenzen im Überblick:

Planung

Kältetechnik

Luft- und Klimatechnik

Energie- und Heizungstechnik

MSR-Technik

Versorgungstechnik

Energiedienstleistung

Servicedienstleistungen

www.gaiser-online.de

Julius Gaiser GmbH & Co. KG

Blaubeurer Str. 86 Steinheimer Str. 57

89077 Ulm 89518 Heidenheim

9


[rubrik] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

ratur aliquam, occus dolorempor sa se quae

milluptatem nonserovid qui sum qui ium

facessit molupta del minimporro blatusc iisqui

duntem que essus eatis es am cuptatati

consenis sus. Tur repeligni im con nobis et

opti qui debis explameni qui qui to et plate

nonseca tiisqua tiorit omnim quid exeri atur,

omnimolorem aut quo dolupta tiatectorit,

ipienescit ut exceat omnia volupta sperum

dolupta cus ande cum reptat fuga. Ferrume

laccatem ulpa voluptat.

Betriebe jeder Größe“, sagt Engelhardt. Ab

wann sich ein unternehmenseigener Energiemanager

rechne, sei dagegen schwer zu sagen.

„Je höher der Energieverbrauch eines Betriebs

ist, desto eher macht das Sinn.“ Auch in dieser

Frage ließen sich Für und Wider aber wunderbar

im Zuge eines KEFF-Checks darlegen.

FAST EIN VIERTEL

Die Regierung von Baden-Württemberg will

bis zum Jahr 2050 die Emission von Kohlenstoffdioxid

im Land um 90 Prozent senken.

ZWISCHENZEILE

Prüfender Blick auf den Energieverbrauch: Firmenchef Markus Wingens (stehend) und Simon Schild. Da der Unternehmenssektor fast ein Viertel

Pidest, ini to officto totatis mi, eatecae labore

der Energie in Baden-Württemberg verbraucht,

nitatinum Maschinenpark del earum zurück. inctium Über die fuga. im Itatiorro Rahmen

mos des landesweiten et as nimus Projekts volore eserspe „Regionale rspellecum Kompetenzstellen

beim Einsparen von Energie. Dazu zeigen Effizienzmoderatoren

den Unternehmen auf sie sind die Firmen im Land ein wichti-

ger Baustein zur Erreichung dieses Ziels. Mit

re nat litiam Netzwerk eium volorum, Energieeffizienz“

occus etur arum

zugeschnittene Non plit officie nimodigent, Einsparpotenziale corehenis sinimos auf – ere, und alit re der ini Förderrichtlinie dolor millabo. Itat „Regionale et et ex eatur Kompetenz-

soluptatur

rero (KEFF) te vellam eingerichtete que reperch Kompetenzstelle icitiis cipistota Energieeffizienz

Sunt enias der dolest Region pa Stuttgart sandiam, unterstützt seriam et

iuntio.

vitius er gemeinsam volupta temporeste mit der Wirtschaftsförderung

sandund icimillest

pedi Region tes Stuttgart, endi voluptur? der IHK Qui Region odipsum Stuttgart qui nonem

und fünf el eos weiteren quatquo Kreisenergieagenturen explaut pa nonempero in

eleniam der Region fuga. kleine Tenditam, und mittlere corporibus Unternehmen etur

das auch gerne vor Ort. Falls Handlungsbedarf

arum besteht, fugit, vermitteln id molore sie sed neutrale quam Beratungsangebote

und exceaque unterstützen lam hil bei ipidunt der Umsetzung

volorro oc-

nimus, ut et

vernam

cus konkreter dolumquatem Maßnahmen. am, volessus Die Durchführung

que pratibero

te des delit, sogenannten si atur mod „KEFF-Checks“ quam, sam ut ist ut esequas landesweit

möglich volorer orundi kostenlos. bere, cus, „Er unt lohnt quo sich occa-

für

volut

stellen Netzwerk Energieeffizienz (KEFF)“

borum setzt sich ini das beris Ministerium molorro blaborum für Umwelt, esequam Klima

ea und eossita Energiewirtschaft turenis rectur? Baden-Württemberg

Itiorrorae non et maxima

für die quuntiunto Steigerung omnime von Energieeffizienz quiam, sandeli asperum

Unternehmen ulluptis ein. resequos „In allen et quianimos Branchen aliqui sind

in

beaque zum Teil con noch nonserunt. erhebliche [!] Energieeffizienzpo-

DER AUTOR

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Solaranlagen lernen schwimmen

Eine schwimmende Fotovoltaikanlage? Der Inhaber eines privat geführten Kieswerks in der

südpfälzischen Verbandsgemeinde Rülzheim ließ sich von der Idee begeistern. Melanie Gimmy von

Erdgas Südwest betreut dieses innovative Pilotprojekt.

Wie kommt man auf die Idee eine Fotovoltaikanlage

auf dem Wasser zu bauen?

Gimmy: Gerade entlang des Rheins gibt es

sehr viele Baggerseen, die künstlich entstanden

sind, weil dort z. B. Kies gefördert wird. Da

wir aktiv auf der Suche nach brachliegenden

Flächen sind, kam uns die Idee, Solarpanels

das Schwimmen beizubringen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Wir betreten hier absolutes Neuland – oder man

könnte auch sagen: Neuwasser. Denn eine Anlage

dieser Art und Größenordnung gibt es bisher

in Deutschland noch nicht. Wir werden auf dem

Baggersee bis zu 10.000 handelsübliche Solarmodule

einbauen. Mit speziellen Schwimmkörpern

aus Kunststoff halten wir sie über Wasser.

Damit sich diese Solarinseln nicht fortbewegen,

verankern wir sie am Boden, geben ihnen aber

Spielraum nach oben und unten. So können sie

sich dem Wasserstand anpassen.

Was ist der Vorteil dieser schwimmenden

Energie-Insel?

Solarmodule arbeiten in einer kühlen Umgebung

effizienter und erzeugen mehr Strom als

bei großer Hitze. Diesen erwünschten Kühlungseffekt

bietet auch das Wasser des Sees.

Mit der schwimmenden Solaranlage werden

wir rund 1.000 Haushalte mit grünem regionalem

Strom versorgen können.

Wie werden Sie bei diesem Projekt die Umwelt

schützen?

Durch eine qualifizierte Umweltbaubegleitung

stellen wir sicher, dass Flora und Fauna ständig

geschützt werden, dafür haben wir viele Maßnahmen

geplant. So wird beispielsweise auch

nur ein Teil des Sees mit Solarpanels bedeckt,

damit genug Sonnenlicht ins Wasser gelangt,

um das Leben darin zu erhalten.

Planen Sie in Zukunft weitere solcher

Aufbau einer schwimmenden Fotovoltaikanlage

in Japan. Die Solarpanels liefert das französische

Unternehmen Ciel & Terre.

Foto: Ciel & Terre

Wasserprojekte?

Ja, wir sind bereits auf der Suche nach weiteren

Seen, die sich dafür eignen. Vielleicht liest

ja ein Seebesitzer diesen Artikel und spricht

uns an – das wäre fantastisch. Denn wir sehen

uns hier als Vorreiter und wollen Ökologie und

Ökonomie sinnvoll miteinander verbinden.

10


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[verantworten]

tenziale vorhanden, die derzeit nicht oder

nicht hinreichend ausgeschöpft werden“,

heißt es auf der Webseite www.keff-bw.de.

Im Rahmen eines öffentlichen Teilnahmewettbewerbs

wurden für jede der zwölf Regionen

Baden-Württembergs Trägerorganisationen

und Konsortien für die Ansiedelung einer

regionalen KEFF gefunden. 32 Trägerorganisationen

betreiben inzwischen die KEFF und

beschäftigen hierzu KEFF-Effizienzmoderatoren

und Projektassistenzen. Sie dienen als unabhängige

und neutrale Ansprechpartner für

die Firmen in der jeweiligen Region und führt

die von Timm Engelhardt empfohlenen

KEFF-Checks durch. Die zwölf regionalen

Kompetenzstellen bilden zusammen mit der

zentralen Koordinierungsstelle bei Umwelttechnik

BW das landesweite Netzwerk Energieeffizienz.

Die Trägerorganisationen der

KEFF werden aktuell aus Mitteln des Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung (EF-

RE) und aus Landesmitteln gefördert. [!]


AMREI GROSS

Gefragter Spezialist für die Industrie

Als Härterei ist Technotherm energieintensiv. Einsparpotenzial bieten vor allem die Anlagen.

Die Härterei Technotherm GmbH & Co.

KG wurde von Wilhelm Wingens gegründet.

Mit vier Mitarbeitern nahm er im November

1988 in Eschenbach bei Göppingen

die Produktion auf. Knapp 30 Jahre

später arbeitet das Familienunternehmen

heute mit mehr als 100 Mitarbeitern in

Eschenbach sowie an einem zweiten

Standort in der Slowakei. Mit den Söhnen

Markus und Dennis ist zwischenzeitlich

die zweite Generation in den Betrieb eingestiegen.

Als gefragter Spezialist in allen

Fragen rund um die Metallveredelung mit

Wärmeverfahren zählt Technotherm Unternehmen

aus dem gesamten Bundesgebiet

und dem europäischen Ausland zu

seinen Kunden – darunter namhafte Automobilhersteller

sowie Werkzeug- und

Maschinenbauer ebenso wie deren Zulieferer.


AGR

ENERGIE VON

UNS

UNS

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biotark business. Unsere Energielösung.

Unabhängig und selbstbestimmt versorgt.

11


12


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[titelthema]

Der

Menschenfänger

Über den Begriff Leitkultur wird in Politik und Gesellschaft trefflich gestritten.

Gerd Stiefel beschäftigt in seinem Zuliefer-Betrieb in Neu-Ulm Menschen aus

13 Nationen. Gemeinsam mit ihnen hat er Regeln formuliert. Ein Gespräch über

Werte, Kreativität, 10 Jahre Arbeit im Ausland und einen Vater-Sohn-Konflikt.

Mal ehrlich: Sind Familienunternehmer wirklich

bessere Arbeitgeber als Konzerne?

Nicht zwangsläufig. Unternehmen jeder Größe können

hervorragende Arbeitgeber sein.

Wie schwer tun sich Mittelständler im Buhlen um

Fachkräfte?

Das ist sehr unterschiedlich und liegt nicht immer am

Unternehmen selbst.

Sondern?

An den Gegebenheiten der Branche. Oft stehen die Arbeitszeiten

im Mittelpunkt. Ein Handwerker hat eben

nicht freitags ab 13 Uhr frei. Unternehmer müssen

dann kreativ sein und sich überlegen, wie sie solche

Umstände versüßen können.

Was verstehen Sie hier unter Kreativität?

In meinem Unternehmen haben Mitarbeiter ab dem 60.

Lebensjahr alle Freitage auf Firmenkosten frei – bis zur

Rente also eine Vier-Tage-Woche. Auch schon vorher ist

es per Tauschverfahren möglich, regelmäßig einen Freitag

pro Monat frei zu bekommen. Darüber freuen sich

die Mitarbeiter sehr. Ein langes Wochenende mit der

Familie ist pure Lebensqualität. Unsere Abteilungen

sind trotzdem besetzt, so entsteht kein Schaden.

Wo kommen Sie Ihren Mitarbeitern noch entgegen?

Bei uns gibt es keine Zeiterfassung. Natürlich kann

nicht jeder kommen und gehen, wann er will. Wir

brauchen einen gewissen Grad an Planungssicherheit.

Mancher will die Kinder morgens in die Schule bringen,

andere möchten nachmittags zum Sport. Deshalb

sprechen wir mit jedem Mitarbeiter. So fühlen sich diese

gehört und arbeiten motivierter.

Viele Familienunternehmen bieten spannende

Jobs, werden aber nicht als attraktive Arbeitgeber

wahrgenommen. Warum?

Ich schätze das ist Teil unserer schwäbischen Mentalität:

Wir stellen unser Licht gerne unter den Scheffel.

Eigentlich ein charmanter Wesenszug. In diesem konkreten

Fall schadet er aber. Wir haben viel nachzuholen

und dürfen ruhig zu dem stehen, was wir können.

Was müssen Familienunternehmer tun, um gute

Arbeitgeber zu sein?

Sie müssen greifbar und sichtbar sein. Dazu benötigen

sie eine Führungsebene, die ihre Werte mitträgt. Zudem

müssen sie Rahmenbedingungen schaffen, die es

den Mitarbeitern ermöglichen, sich wohlzufühlen.

Der Begriff „Werte“ hört sich diffus an. Was meinen

Sie konkret?

Respekt, Transparenz und Gerechtigkeit. Gelingt es

Unternehmern, diese Werte über alle Ebenen zu etablieren,

haben sie gute Karten gegenüber Mitbewerbern.

In Sachen Unternehmenskultur sind Sie einen ungewöhnlichen

Weg gegangen. Was war der Auslöser?

Als ich 2004 nach zehn Jahren im Ausland in die Geschäftsführung

der Fritz Stiefel GmbH eintrat, erkannte

ich, dass wir in Sachen Werteorientierung noch

nicht zeitgemäß aufgestellt waren. Dass dieses Thema

an Bedeutung gewinnen wird, war mir schon damals

klar. Allerdings wurde ich nicht richtig verstanden.

Deshalb haben wir seit 2006 externe Coaches an Bord.

Was meinen Sie mit: Sie wurden nicht verstanden?

Die Firma lief gut. Aber die Unternehmenskultur war

klassisch patriarchisch. Es gab einen Chef, keine Füh-

Zur Person

Mehr als 1000

Schall platten zählt

die Sammlung von

Gerd Stiefel. Der gebür

tige Stuttgarter

(57, verheiratet) hört

von Punk-Klassikern

wie den Sex Pistols

über Rock bis hin zu

Klassik – auch über

digitale Radiosender.

Er liest gerne Biografien,

aktuell die von

Wladimir Putin. Nach

einer Banklehre arbei

tete er acht Jahre

als Geschäftsführer

im väterlichen Betrieb,

bevor er sich

selbstständig machte

und zehn Jahre in Malaysia

und Australien

lebte und arbeitete.

Seit seiner Rückkehr

führt er die Fritz Stiefel

GmbH in Neu Ulm.

Stiefel engagiert sich

stark ehrenamtlich.

Er leitet unter anderem

den Club der

In dus trie und ist Vorsitzender

der Regionalversammlung

Neu-Ulm der

IHK Schwaben. AMB

Über 60-Jährige haben in seiner Firma freitags auf Firmenkosten frei: Der Neu-Ulmer Unternehmer Gerd Stiefel (57).

13


[titelthema] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Hat alte Strukturen in seinem

Unternehmen aufgebrochen

und mit den Mitarbeitern eine

Leitkultur erarbeitet:

Firmenchef Gerd Stiefel.

rungsebene, darunter einige sogenannte Capos. Als ich

dieses Modell aufbrechen wollte, waren manche Mitarbeiter

nicht begeistert. Sie hatten plötzlich keinen Zugang

zum Chef mehr und mussten sich an strukturierte

Abläufe halten. Sie fühlten sich zurückgesetzt.

Warum wollten Sie die Struktur aufbrechen?

Mein Ziel war von Beginn an, dass die Firma wächst.

Dabei stößt man zwangsläufig an seine natürlichen

Grenzen. Als Chef kann man nicht mehr alle Belange

anhören und entscheiden. Diesen Engpass wollte ich

vermeiden. Seit wir diese Unternehmenskultur leben,

hat sich die Größe des Unternehmens verdreifacht. Das

Potenzial, welches die Mitarbeiter ohne Flaschenhals

bei der Entscheidungsfindung und mit mehr Eigenverantwortung

freigesetzt haben, war enorm.

Wie haben Sie das gemacht?

Zuerst habe ich es selbst probiert, diesen Prozess auf

den Weg zu bringen. Aber versuchen Sie mal einen Redebeitrag

zu gestalten und gleichzeitig zwischen 15

Mitrednern zu moderieren. Das klappt nicht. Ich habe

daher externe Coaches geholt. Die haben dafür gesorgt,

dass jeder gehört wird und man sich als Chef etwas zurücknimmt.

Wie lautete Ihr Ziel?

Die Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung zu motivieren.

Bis dahin waren sie es nicht gewöhnt, selbst zu

entscheiden. Ich wollte aber, dass sie mit ihrem Einsatz,

ihren Ideen und ihrer Entscheidungskraft das Unternehmen

voranbringen.

Wie lange hat dieser Prozess gedauert?

Das Coaching läuft nach wie vor. Zu Beginn haben wir

den Turbo eingeschaltet mit vier Doppeltagen pro Jahr.

Heute sind wir auf zwei Tage im Halbjahr umgestiegen.

Das reicht, um die Kultur weiter zu pflegen. Vieles passiert

in Eigenregie.

Was haben Sie selbst dadurch gelernt?

Besser zuzuhören, andere Meinungen mehr zu akzeptieren

und mich selbst etwas zurückzunehmen.

Was raten Sie anderen Unternehmern, die so einen

Prozess starten?

Man darf nicht erwarten, dass alles nach dem eigenen

Kopf geht. Man muss seine Grenzen ziehen und darf

sich nicht schmollend ins Eck zurückziehen. Am Ende

haben wir um jedes Wort unserer Leitkultur gekämpft.

Ich bin nicht mit allen Aussagen durchgekommen, die

ich gern gehabt hätte. Das muss man akzeptieren lernen

– und manchmal auch etwas Demut üben. Zwischenzeitlich

werden die ersten Formulierungen auf

Wunsch der Mitarbeiter überarbeitet und an den heutigen

Stand der Gesellschaft angepasst.

Was sind die zentralen Elemente Ihrer Leitkultur?

Wir bekennen uns zu Wahrnehmung, Wertschätzung,

Anerkennung und Respekt. Das wünscht sich ein Chef

genauso wie die Mitarbeiter. Das sollte ja selbstverständlich

sein. Aber im täglichen Leben kommt das

oft zu kurz. An zweiter Stelle steht das Qualitätsdenken.

Und ich habe mich verpflichtet, permanent danach

zu streben, ideale Rahmenbedingungen für die

Mitarbeiter zu schaffen. Des Weiteren ist jegliche Diskriminierung

bezüglich Geschlecht, Jugend oder Alter,

Religion oder Herkunft ein absolutes „no go“. „Ageism“,

also Altersdiskriminierung, ist leider noch nicht als

Problem umfassend erkannt.

Was haben diese Leitsätze mit Ihren Mitarbeitern

gemacht?

14


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

Durch alle Betriebs- und Altersgruppen hinweg hat die

neue Leitkultur manche sehr begeistert. Andere können

nichts damit anfangen. Diese verschiedenen Gruppen

finden Sie in jeder Firma. Das respektieren wir. Mir

sind Leute lieber, die offen zugeben, dass sie damit

nichts anfangen können als solche, die so tun als ob. Es

gab sogar Führungspersonen, die ihre Funktion freiwillig

abgegeben haben, weil sie die neue Kultur nicht in

dem geforderten Umfang mittragen konnten. Trotzdem

sind diese Mitarbeiter noch heute wertvolle Stützen

in meinem Unternehmen.

Sie leiten auch den Club der Industrie Ulm/Neu-

Ulm. Ist es den rund 100 Mitgliedern bewusst, dass

sie sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren

müssen?

Ja. Wer sich entscheidet bei uns oder in ähnlichen Netzwerken

Mitglied zu werden, an den Veranstaltungen

teilnimmt und aus der Anonymität heraustritt, hat den

ersten Schritt bereits getan. Der Club der Industrie bietet

eine Dialogplattform, über die sich Unternehmer

austauschen und voneinander lernen können.

Wie sieht der Club der Industrie genau aus?

Gegründet wurde dieser als Industrievereinigung Neu-

Ulm. Damals haben sich Unternehmer zusammengetan,

um sich nach dem Krieg gegenseitig zu unterstützen.

Während bei der IHK die Unternehmen registriert

sind, sind beim Club der Industrie die Unternehmer

selbst engagiert. Sprich: Führungskräfte können auch

ohne Firma mitmachen. Vor einiger Zeit haben wir beschlossen,

dass nicht nur in der Industrie Tätige eintre-

Sich austauschen und voneinander

lernen: Diese zwei Aspekte

stehen beim Club der

Industrie im Vordergrund,

sagt Gerd Stiefel.

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Beleuchtung: kabellos, dimmbar, energieeffizient.

Eine wahre Innovation – lassen Sie sich inspirieren!

15


[titelthema] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

„Es ist wichtig, jungen Mitarbeitern

den beruflichen Aufstieg

zu ermöglichen“: Firmenchef

Stiefel setzt bewusst

auf Nachwuchsförderung.

ten können, sondern auch industrienahe Dienstleister.

Zudem schreiben wir uns eine werteorientierte Unternehmenskultur

auf die Fahnen als Gegenmodell zur

Gewinnmaximierung.

In Ihrem Unternehmen gehen Sie bei den Themen

voran, auch wenn es um Karrieremöglichkeiten für

junge Mitarbeiter geht.

Ja, das halte ich für eines der größten

Versäumnisse der vergangenen

Jahre. Schauen Sie sich typische

Führungsriegen an. Die bestehen

fast immer aus Menschen, die zehn,

15, 20 Jahre Betriebszugehörigkeit

vorweisen können.

Das ist im Grundsatz nicht falsch,

oder?

Das stimmt, langjährige Mitarbeiter bringen Erfahrung

mit. Trotzdem managt bei uns nun eine junge

Dame die Lieferanten, welche erst vor acht Monaten in

das Unternehmen eingetreten ist und noch deutlich

unter 30 Jahre alt ist. Ein anderer hat bei uns seine Lehre

gemacht und entscheidet mit Ende 20 bei uns am

Aus Respekt

vor meinem

Vater

kündigte ich

schließlich.

großen Tisch mit. Wenn Sie es hinbekommen Nachwuchstalente

zügig in die Führungsmannschaft zu integrieren,

schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

Und die sind?

Einerseits begeistern Sie junge Bewerber, weil diese die

Aufstiegsmöglichkeiten sehen. Andrerseits bringen Sie

mehr Frauen in Führungspositionen.

Sie fordern auch ein, dass Mitarbeiter

ihr Wissen an Kollegen

weitergegeben. Wie klappt das?

Das ist schwierig, weil oft die Zeit

fehlt. Besteht aber das Recht, dass

ich mir Wissen einholen darf,

muss sich der andere Zeit nehmen.

Wir entwickeln hierzu momentan

auch eine App für den internen Gebrauch.

Am Firmensitz in Burlafingen arbeiten Menschen

mit verschiedensten kulturellen Hintergründen.

Wie kam es zu dem Mix?

Momentan sind es 13 unterschiedliche Nationalitäten.

16


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[titelthema]

Darunter auch ein Azubi aus Eritrea. Er war zunächst

als Praktikant da und hat nun die Ausbildung zur Fachkraft

für Lagerlogistik begonnen. Der bunte Mix

kommt mit Sicherheit davon, dass immer weniger

Deutsche in Produktionsbetriebe kommen, da wir oft

noch als Niedriglohnsegment angesehen werden. Ich

denke, dass sich das früher oder später wieder dreht.

Denn die Löhne steigen massiv und die Arbeitsplätze

sind auf Jahrzehnte hinaus sicher.

Prägt die Heterogenität die Unternehmensatmosphäre?

Sie hat es noch nötiger gemacht, durch die neue Leitkultur

klare Regeln aufzustellen. Es sprengt Ihnen den

Laden, wenn Mitarbeiter aus dem Denken ihres Kulturkreises

keine Frau oder jemand jüngeren als Vorgesetzen

akzeptieren. In meinem Unternehmen lautet

die Regel: Es ist mir egal, wo du herkommst. Hier gilt

ein Verhaltenskodex, an dem jeder unabhängig von seiner

Herkunft gemessen wird. Wer diesen nicht akzeptiert,

muss gehen. Ich bin mir sicher, es wäre uns anders

gar nicht gelungen, so viele Mitarbeiter erfolgreich zu

integrieren.

Was tun Sie, um Mitarbeiter zu halten?

Wir bieten berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen

an. Wer nicht bereit ist, in die Mitarbeiter zu investieren,

hat auf Dauer verloren. Vor zehn Jahren war es

noch anders. Da hat man sich als Arbeitgeber gesagt:

Wenn ich den weiterbilde, will der mehr Geld oder

wird abgeworben. Heute müssen wir für die Weiterentwicklung

der Mitarbeiter sorgen, so dass sie gar nicht

auf die Idee kommen zu gehen.

Sie sind im Jahr 1995 ins Ausland gegangen – für

zehn Jahre. Was war der Grund?

Ich wollte schon damals den Weg gehen, den wir 2004

schließlich eingeschlagen haben. Aus diesem Grund

hatte ich einen großen Konflikt mit meinem Senior. Er

hat das Unternehmen gegründet und auch die Kultur

geprägt. Ich habe diese akzeptiert, habe mich aber darin

nicht wiedergefunden und wollte sie daher auch nicht

mittragen. Aus Respekt vor meinem Vater kündigte ich

schließlich und beschloss, etwas anderes zu machen.

Seine Mitarbeiter kommen

aus 13 Ländern. „Das hat es

nötig gemacht, klare Regeln

in Form einer Leitkultur aufzustellen“,

betont Gerd Stiefel.

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17


[titelthema] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Blick in die Produktion in Neu-Ulm: Zu den Spezialgebieten der Fritz Stiefel GmbH gehört auch die Rohrbiegetchnik.

Erfolgreiche Garagenwerkstatt

Vor 55 Jahren hat Gerd Stiefels Vater

Fritz in einer Autogarage in Waiblingen

das Unternehmen gegründet. Er verkaufte

anfangs Schrauben, Schellen, Schmiermittel

und Zubehörteile für LKW-Bremsen.

1968 eröffnete er den Standort in

Neu-Ulm – in einer Garage. Seit 2004 leiten

die Brüder Gerd und Rainer Stiefel

das Familienunternehmen. Sie teilen sich

die Arbeit nach Standorten auf.

Das Unternehmen beliefert 600 Firmenkunden

mit 80.000 unterschiedlichen

Produkten – von Kleinteilen und Komponenten

bis hin zu vormontierten technischen

Systemen. Der größte Umsatzanteil

entfällt auf den Handel. Die Abnehmer

stammen überwiegend aus Fahrzeug- und

Maschinenbau, die „just-in-sequence“

ans Band beliefert werden. Zu den Dienstleistungen

des Mittelständlers gehören

daher auch ausgeklügelte Logistikdienstleistungen.

Spezialgebiete sind zudem

Rohrbiegetechnik und Schlauchtechnologie.

Die Fritz Stiefel GmbH konfektioniert

jährlich 1,2 Millionen Schlauchleitungen

und ist damit einer der größten Anbieter

in Süddeutschland. An ihren Standorten

beschäftigen die Brüder 250 Mitarbeiter,

149 davon in Neu-Ulm. Der Jahresumsatz

beträgt 47 Millionen Euro.

AMB

Warum kein Neuanfang in der Region?

Wenn Du Dich als Sohn eines Unternehmers bewirbst,

lachen die Personaler. Die Selbstständigkeit in Deutschland

wäre mir damals nicht möglich gewesen. Außerdem

war das meine Chance, einmal nicht als Unternehmersohn

gesehen zu werden – der ich trotz externer

Banklehre nun mal war. Die Fremde bot mir die Möglichkeit,

meine Fähigkeiten dort auszutesten, wo mich

niemand kannte.

Und warum Malaysia?

In den 90er Jahren gab es einen Südostasien-Hype.

China war noch

ganz am Anfang. Die Tiger-Staaten

konnten sich aussuchen, wen sie

haben wollten. Viele Länder ließen

nur Unternehmen ins Land, die Arbeitsplätze

in großer Zahl schufen.

Malaysia stand mir offen. Aber

auch dort bekam ich zunächst nur ein Off-Shore-Visum

für die Insel Labuan, die heute ein Geldwäsche-Zentrum

ist. Damals war das noch nicht so. Dieses Visum

berechtigte mich, meine Firma Off-Shore anzumelden

und auf dem Festland zu wohnen und arbeiten.

Die Fremde

bot mir die

Möglichkeit,

mich

auszutesten.

Warum sind Sie nach fünf Jahren nach Australien

weitergezogen?

Nach diesem Zeitraum wäre eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung

möglich gewesen und ich hätte meine

Firma auf dem Festland anmelden können. Allerdings

hätte ich dafür 30 Prozent meiner Geschäftsanteile im

Rahmen der Bumiputra-Regelung an einen Malayen

übertragen und diesem jedes Jahr eine Dividende zahlen

müssen. Also orientierte ich mich

neu. Für Singapur, mein nächstes

Ziel, war ich noch zu klein. Für Australien

nicht.

Gibt es das Unternehmen in

Down under noch?

Ja, das Unternehmen, über das ich

und mein Geschäftspartner Filterelemente

für Hydraulik vertreiben,

floriert. In Australien hätte

ich es durchaus noch länger ausgehalten. Nach zehn

Jahren kam einfach der Knackpunkt, dauerhaft im Ausland

zu bleiben oder nach Deutschland zurückzukehren.

Zu diesem Zeitpunkt wurde in Burlafingen die

Stelle des Standortleiters frei.

18


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[titelthema]

Aber Ihr Vater war 2004 noch im Unternehmen

Ja, aber in unserem zweiten Standort in Waiblingen.

Dort arbeiten mein Senior und mein Bruder bis heute.

Hier in Burlafingen gab es einen angestellten Leiter, der

in Rente gehen wollte. Also sagte ich: Ich mach‘ es gern.

Wie war damals das Verhältnis zu ihrem Vater?

Wir haben an dem Punkt angesetzt, an dem wir zehn

Jahre zuvor auseinander gegangen waren. Keinen Zentimeter

näher beieinander.

War das ein klassischer Generationenkonflikt?

Ja, Meinungsverschiedenheiten treten ja permanent

auf, in der Familie, dem Freundeskreis oder der Firma.

Am meisten habe ich mich in den zehn Jahren darüber

geärgert, dass wir es nicht geschafft, das gelten zu lassen,

was der andere sagt. Dabei hatte mein Vater Recht

und ich auch.

Was war die Konsequenz?

Ich fing bei mir an, arbeitete an der Qualität meiner

Kommunikation. Und mein Vater hat reagiert und sich

ebenfalls verändert. Einer muss eben anfangen – und

an dieser Stelle ist meiner Meinung nach der Jüngere

gefordert. Von da an haben wir ein Bombenverhältnis

zueinander entwickelt.

Welche Rolle hat ihr Bruder gespielt?

Er hatte den Aufruhr von Anfang an nicht verstanden

und hielt sich raus. Ich hatte mit meinem Bruder dasselbe

Thema, wollte mit meinem Dickkopf durch die

Wand. Eine Verhaltensweise, die mir in Asien und Aus-

Der Konflikt mit seinem Vater

hat ihn lange umgetrieben,

bis Gerd Stiefel seine Art der

Kommunikation änderte.

„Heute haben wir ein Bombenverhältnis.“

19


[titelthema] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Mit seinem Bruder Rainer hat

Gerd Stiefel ein Konzept erarbeitet,

wie das Familienunternehmen

die nächsten 30 Jahre

geführt wird.

tralien ausgetrieben wurde. Zurück in Deutschland fiel

mir auf, dass ich wieder genauso war, wie vor meinem

Auslandsaufenthalt. Das durfte nicht sein. Inzwischen

haben wir ein sensationelles Verhältnis zueinander.

Wie gelingt so eine Wende?

Einer muss anfangen sich zu verändern, aus Überzeugung

heraus. Es ist gut, wenn man in solche Situationen

Hilfe von externen Fachleuten in Anspruch

nimmt, und so die Qualität der Unterhaltung verbessert.

Es geht nicht nur darum, wie viel man miteinander

spricht, sondern vorrangig wie man das tut.

Was haben Sie aus dem Konflikt mit ihrem Vater

gelernt?

Dass ich es besser machen möchte, ohne die von ihm

gewählte Unternehmenskultur schlecht zu machen.

Der Zeitgeist hat sich einfach verändert. Im Gründungsjahr

1962 mussten Frauen beispielsweise oft damit

zufrieden sein, Kaffee zu kochen oder einfachere

Tätigkeiten zu verrichten. Karriere war den Männern

vorbehalten. Heute sagt die selbstbewusste Praktikantin:

Dahinten ist der Vollautomat.

Sie haben keine Kinder. Haben Sie mit ihrem Vater

und Bruder das Thema Nachfolge besprochen?

Mein Bruder hat zwei Söhne, die beide noch nicht volljährig

sind. Momentan weiß jedoch noch niemand, in

welche Richtung die zwei gehen möchten. Deshalb haben

wir die Jungs erstmal außen vor gelassen. Trotzdem

wissen wir bereits, wie die nächsten 30 Jahre aussehen

könnten.

Wie sind Sie das angegangen?

Wir haben mit Steuerfach- und Erbanwälten ein Konzept

erarbeitet. Damit keiner von der Erbschaftssteuer

erschlagen wird. Wir sind uns vollkommen einig über

die weitere Vorgehensweise und den Geist, in dem das

Unternehmen weitergeführt werden soll. Die richtigen

Leute dafür haben wir bereits in der Firma. Ein guter

Fremdgeschäftsführer ist unserer Meinung nach besser

als ein schlechter Eigengeschäftsführer. Außerdem besteht

die Möglichkeit, eine Stiftung zu gründen oder

einen Familienbeirat einzusetzen.

Beschäftigen Sie sich mit Mitte 50 mit der Frage, wie

lange Sie noch die Verantwortung tragen wollen?

Intensiv. Für mich gibt es – neben der Gesundheit – nur

zwei Grenzen, die deutlich zeigen, dass es Zeit für den

Rückzug ist. Erstens: Wenn meine Beharrungskompetenz

größer ist als meine Entwicklungskompetenz. Frei

nach dem Motto: So habe ich mir das gewünscht und so

soll es bleiben. Oder zweitens: Wenn ich Veränderung

zwar will, diese aber nicht mehr verstehe. Sei es Digitalisierung,

Globalisierung oder sonst etwas.

Ihr Unternehmen stellt Schlauchleitungen her, verfügt

über eine Rohrbiegetechnik und hat einen

Handel für Hydraulik- und Pneumatikkomponenten.

Es gibt Produkte, die eine größere Anziehungskraft

auf Fachkräfte besitzen. Ist es egal, was ein

Unternehmen herstellt?

Ich denke schon. Die Leute haben zwei Ideen, wenn sie

auf der Suche nach einem Job sind. Einmal: Wohin fühle

ich mich gezogen – also in den kaufmännischen,

technischen oder sozialen Bereich. Als zweites schauen

sich potenzielle Bewerber an, in welchen Prozessen

Produkte durchs Unternehmen geschleust werden.

Sind diese gut, macht die Firma Spaß. Menschen tun

gut daran, sich nicht nur einen Job, sondern auch einen

Chef auszusuchen. Für Unternehmen wird es in Zu-

20


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21


[titelthema] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Im Gespräch mit Alexander

Bögelein, Redaktionsleiter des

Magazins unternehmen[!]

verrät Gerd Stiefel auch seine

emotionalsten Momente seiner

Unternehmerkarriere.

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

MARC HÖRGER

kunft nicht mehr so wichtig sein was sie machen sondern

wie sie es machen.

Wie stark geraten Sie als Zulieferer des Fahrzeugund

Maschinenbaus unter Druck und wie behaupten

Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Wir sind leider mit standardisierten Produkten unterwegs.

Die können Sie sowohl regional als auch global

fast baugleich kaufen. Erkennbar

werden wir letztlich durch die innovativen

Dienstleistungen, die

unser Produkt begleiten. Letztlich

kauft der Kunde ein Gesamtkonzept

– unser Geschäftsmodell.

Wenn wir damit die meisten seiner

Bedürfnisse befriedigen, kauft er

bei uns – selbst wenn wir etwas teurer

sind.

Da sind Zuhören und Offenheit gefragt.

Genau. Wir brauchen kritische Kunden, die sich freuen,

wenn wir von uns aus auf sie zukommen und sagen:

Wir könnten dir Geld sparen. Aber das wichtigste ist,

sich niemals auf einem gut laufenden Geschäft auszuruhen.

Vielmehr müssen wir uns permanent überlegen,

wie wir eine tolle Sache noch besser machen können.

Man muss sich selbst abschaffen, damit man nicht

abgeschafft wird.

Man muss

sich selbst

abschaffen.

sonst tut es

ein anderer.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die

Fritz Stiefel GmbH?

Kontinuierlich das Geschäftsmodell so umzumodeln

und proaktiv mit neuen Ideen auf Kunden zuzugehen,

auf die sie selbst nicht gekommen wären. Und die sie

toll finden.

Wo kommt diese Innovationskraft her?

Die kann jeder haben. Wir müssen

über den Branchentellerrand schauen.

Das Produkt ist oft irrelevant. So

wie man früher im Supermarkt die

Regale bestückt hat, liefern wir heute

Hydraulik-Komponenten. Für

Innovation braucht man neugierige

Mitarbeiter, kritische Kunden,

und einen offenen Chef.

Was waren die emotionalsten

Momente in Ihrer Unternehmerkarriere?

Die paar Mal, in denen mein Senior mir gesagt hat, dass

er toll findet, was ich mache. Außerdem, wenn Mitarbeiter

sich greifbar bei mir bedankt haben – beides Raritäten

in unserer Region und doch warten wir alle darauf.

Letztes Jahr im Dezember hat die gesamte

Belegschaft für mich gesammelt und auf dem Gutschein

unterschrieben. Das sind unglaubliche Momente,

die mich emotional berühren.

22


PERSONAL für die Region

KUNDEN-KONTAKT-MANAGEMENT für das Online-Geschäft

ÜBERSETZUNGEN für die Kommunikation weltweit

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Drei Dienstleistungen – eine Philosophie. Anne Schmieder

hat sich in 30 Jahren sowohl mit ihrem Personalservice

als auch als Sprachdienstleister einen erstklassigen

Ruf erarbeitet. Inzwischen konzentriert sie sich auf den

Personal- und Projektbereich, während Sohn Florian die

Geschicke im Geschäftsfeld Übersetzungen und Sprachmanagement

in die Hand nimmt. Trotz zweier Geschäftsführer

folgen beide Unternehmen einer Maxime: „Dienst

und Leistung wird bei uns zusammengeschrieben“, sagt

Schmieder.

Was 1986 mit einer Schreibmaschine im Keller begann,

ist zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb mit neuester

IT-Technik und mehr als 160 fest angestellten Mitarbeitern

gewachsen. Heute sind die Schmieder GmbH

und die Schmieder Übersetzungen GmbH einer der bekanntesten

Personalvermittler Oberschwabens und eines

der wichtigsten Sprachdienstleistungsunternehmen in

Deutschland. „Wir legen großen Wert auf dauerhafte und

persönliche Kundenbeziehungen“, so die Unternehmensgründerin.

Das Kundennetzwerk des Familienunternehmens

umfasst mehr als 500 Unternehmen in der Dreiländerregion

Deutschland-Österreich-Schweiz.

Gute Leute in gute Firmen

In der Vermittlung von kaufmännischen Fachkräften liegt

das Kerngeschäft der Personaldienstleistungen. Zu den

rund 1.000 Bewerbern jährlich zählen aber auch viele

Techniker, Ingenieure und Führungskräfte. Arbeitnehmerüberlassungen

und Werkverträge werden hier ebenfalls

erfolgreich gestaltet.

Die Datenflut in die richtigen Bahnen lenken

Im Jahr 2014 gründete Anne Schmieder das Kunden-

Kontakt-Center. Über 2.000 Kunden-E-Mails gehen hier

am Tag ein und werden von sehr engagierten und flexiblen

Teilzeitkräften bearbeitet. Besonders Unternehmen im

Online-Marketing-Geschäft kann Schmieder so entlasten.

Reaktionszeiten werden verkürzt und Kundenanfragen in

die richtigen Bahnen gelenkt.

Den richtigen Ton treffen

Unter der Geschäftsleitung Florian Schmieders erfolgte

eine Neuausrichtung des Übersetzungsbüros zu einem

Sprachdienstleister, der deutschlandweit erfolgreich tätig

ist. Zum Portfolio gehört u.a. der Einsatz von Translation-

Memory-Systemen für ein kosteneffizientes und prozessoptimiertes

internationales Sprachmanagement.

Firmengründerin Anne Schmieder und

Sohn Florian Schmieder teilen sich die Geschäftsführung

der drei Unternehmensbereiche.

[ W W W . S C H M I E D E R G M B H . D E ]

Schussenstraße 14 I 88273 Fronreute-Staig I Telefon 07502 9449-0 I schmieder@schmiedergmbh.de

23


Die Brauerei Gold Ochsen ist fester Bestandteil der Ulmer Wirtschaft. Unsere Bilder zeigen den Stammsitz am Veitsbrunnenweg, das frühere Brauereigebäude

in der Herdbruckerstraße, Braumeister Stephan Verdi (links) beim Festabend und die Abfüllanlage von „Ulms flüssigem Gold“.

Zur Sparsamkeit erzogen

In der Geschichte von Gold Ochsen gibt es viele Höhen und Tiefen, sagt Firmenchefin Ulrike Freund, geborene

Leibinger. Seit 150 Jahren besitzt ihre Familie die Brauerei. Einblicke in die Herausforderungen einer Unternehmerin.

Für einen Moment legt Gold-Ochsen-Chefin

Ulrike Freund den Kopf zu Seite und

überlegt: „Der emotionalste Moment in

meiner Zeit als Unternehmerin war die Taufe

unseres Heißluftballons auf den Namen meines

verstorbenen Vaters August Leibinger.

Das war eine Hommage an meinen Vater, der

es recht gemacht hat“, sagt Freund. Ihr Vater

war es auch, der sie 1985 in die Firma holte.

„Ich hatte nicht vorgehabt, in die Brauerei einzusteigen“,

erzählt Freund. Die gelernte Bankkauffrau

arbeitete damals in München und

studierte nebenbei an der Verwaltungs- und

Wirtschaftsakademie. Sie brach ihre Zelte

dort schließlich ab und kehrte ins heimische

Ulm zurück. „Meine Geschwister hatten zuvor

den Betrieb mit umgetrieben, sich aber

dann andere Aufgaben gesucht.“ Freund arbeitete

zunächst in der Personalabteilung,

später in Einkauf und Buchhaltung. 1988 erhielt

sie Prokura. Seit 26 Jahren ist sie Geschäftsführerin

und führt das 420 Jahre alte

Unternehmen, das die Familie Leibinger vor

genau 150 Jahren für 130.000 Gulden erworben

hat.

IM HAIFISCHBECKEN

Freund führt die Brauerei in der fünften Familiengeneration

und lässt auch keinen Zweifel

daran, dass sie alles dafür tun will, dass das

Unternehmen in Familienhand bleibt. „Ich

habe in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit

und Kraft ins Unternehmen gesteckt und werde

die Entwicklung noch ein bisschen begleiten.“

Selbst kinderlos setzt sie auf die nachfolgende

Generation ihrer drei Geschwister: „Da

tut sich in den nächsten fünf Jahren etwas.“

Keinen Hehl macht Ulrike Freund daraus, wie

herausfordernd die Aufgabe an der Spitze der

mittelständischen Brauerei ist. „Jeden Tag

wird das Haifischbecken neu eröffnet: Man

muss sich zur Wehr setzen und versuchen, die

täglichen Probleme zu lösen.“ Geschlechtsspezifische

Hürden müsse sie heute aber

kaum mehr überwinden.

Doch die Rahmenbedingungen sind herausfordernd.

Der Bierdurst der Deutschen ist seit

Jahren rückläufig, der deutsche Markt und

24


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[machen]

viele ehemals

selbstständige

Brauereien sind in

den Händen internationaler

Konzerne.

Doch das berge

auch Chancen,

sich abzugrenzen.

„Gold Ochsen versteht

sich als

Gold-Ochsen-Chefin Dienstleister. Wir

Ulrike Freund.

wollen einen tollen

Job machen

und unsere Kunden zufriedenstellen“, betont

Freund. Und auch sie selbst mache ihren Job

gerne – trotz Nöten und Sorgen.

Früh kamen Freund und ihre drei Geschwister

mit der Brauerei in Kontakt, die Thema am

Esstisch der Familie war. „Da ging es auch darum,

ob man sich Investitionen leisten kann.

Es gab immer wieder Höhen und Tiefen“, erinnert

sich Freund. Nicht nur sie selbst, auch das

Unternehmen sei zur Sparsamkeit erzogen

worden. Zu den einschneidenden Erlebnissen

zählt sie: das Ausscheiden ihrer drei Geschwister

aus dem Familienbetrieb, den Tod ihres

Vaters, „der noch mit 90 Jahren kluge Entscheidungen

traf“ und den Brand der Gärtürme

im Jahr 2003. Der war ausgebrochen, weil

eine Fremdfirma bei Dachdeckerarbeiten

nicht aufgepasst hatte.

Ein gravierender Einschnitt war ganz aktuell

die Kündigung der Konzession der Pepsi-Abfüllung

nach 50 Jahren. Gold Ochsen sattelte

19 Sorten Bier, 34 Sorten Alkoholfreies

Gold Ochsen setzt seit 2017 auf Afri-Cola und Spezialitäten – wie das Martin-Luther-Bier.

Die Brauerei Gold Ochsen wurde im

Jahr 1597 erstmals urkundlich erwähnt

und ist eines der ältesten Unternehmen

Ulms. Sie gehört zu den 20 größten familiengeführten

Brauereien in Deutschland.

Den jetzigen Standort im Veitsbrunnenweg

mit eigener Quelle bezog Gold Ochsen

im Jahr 1897. Das Unternehmen beschäftigt

200 Mitarbeiter. Der jährliche

Ausstoß beträgt rund 523.000 Hektoliter

um auf Afri-Cola und Bluna; investierte in die

Umstellung von Flaschen, Gläsern, Werbung

und Ausrüstung mehr als sechs Millionen Euro.

Die neuen Marken laufen laut Freund gut

an, doch was sich 50 Jahre entwickelt hat,

Bier und alkoholfreie Getränke, die in erster

Linie in einem Umkreis von 100 Kilometern

um Ulm an Handel und Gastronomie

vertrieben werden. Das Gebiet reicht

von Aalen bis zum Bodensee und sogar

bis in die Rhein-Ebene. Das Unternehmen

stellt 19 Sorten Bier und 34 Sorten alkoholfreie

Getränke her. In der Region Ulm

gehört Gold Ochsen zu den großen Sponsoren

für Sport und Kultur.

AMB

„können Sie nicht so schnell ersetzen“. Dennoch

ist sie auch nach dem tiefen Einschnitt

zuversichtlich. Der Bierausst0ß von Gold-

Ochsen steige entgegen des Markttrends um 2

Prozent. [!]

ALEXANDER BÖGELEIN

„Wir bringen die Themen von

Unternehmerfamilien auf den Tisch.“

Wir unterstützen und beraten Unternehmerfamilien zu

jedem Zeitpunkt dabei, den Generationswechsel gut und

dauerhaft zu meistern.

Buck & Hirmer GbR | Coaching, Beratung und Mediation für Unternehmerfamilien

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25


Initiator und Geburtshelfer des Wirtschaftsmagazins:

Thomas Brackvogel, der Geschäftsführer

der Neuen Pressegesellschaft. Er freut sich, dass

unternehmen [!] so viele Multiplikatoren zwischen

Göppingen und dem Bodensee erreicht. Notar

Christian Winkler zeigte in seinem Vortrag auf,

welche Tragödien hinter juristischen Begriffen

wie dem Pflichtteilsanspruch stecken können.


Fotos: Matthias Kessler

26


unternehmen [!] Ausgabe XY 60 | Monat Dezember JJJJ 2017

[spezial] [rubrik]

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Warum facessit molupta del minimporro die blatusc Übergabe

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nonseca tiisqua tiorit omnim quid exeri atur,

omnimolorem aut quo dolupta tiatectorit,

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Thema

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ist

omnia

für

volupta

Familienunternehmer

sperum

so wichtig, wie die Nachfolge.

dolupta gut zu regeln. cus ande Aus cum diesem reptat fuga. Grund Ferrume hat unternehmen [!] anlässlich seines

laccatem zehnjährigen ulpa voluptat. Bestehens diesem Thema einen Netzwerkabend gewidmet.

ZWISCHENZEILE

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nitatinum del earum inctium fuga. Itatiorro

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nat litiam [!], das eium Wirtschaftsmagazin volorum, occus etur der

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vor vitius allem volupta Familienunternehmer temporeste sandund im icimillest Blick:

Wie pedi gelingt tes endi es, voluptur? das Unternehmen Qui odipsum gut qui an nonem

el eos Generation quatquo zu explaut übergeben? pa nonempero

Unter die-

die

nächste

sem eleniam Titel bekamen fuga. Tenditam, die Gäste zahlreiche corporibus Tipps, etur

Von Göppingen über

Ulm bis zum Bodensee

Das Wirtschaftsmagazin unternehmen

[!] ging im November 2007 an den

Start – nach nur drei Wochen Konzeptions-

und Produktionsphase. Es war

damit das erste entsprechende Angebot

zwischen Ulm und dem Bodensee.

Seit Mai 2016 gibt es das Magazin auch

in der Region Göppingen, die Auflage

stieg damit auf 18.000 Exemplare. Der

Großteil der Leser sind Unternehmer,

Führungskräfte und Selbstständige.

zum einen vom Neu-Ulmer Notar Christian ma Unternehmensnachfolge halte ich für

Winkler, Non plit officie zum nimodigent, anderen corehenis von den sinimos Münchner ere, alit re extrem ini dolor wichtig. millabo. Man Itat et muss et ex sich eatur als soluptatur Unternehmer

rechtzeitig Gedanken machen und auch

Coaches und Mediatoren Nicola Buck und

arum Ferdinand fugit, Hirmer, id molore die sed Unternehmerfamilien

quam nimus, ut et borum rechtzeitig ini beris loslassen. molorro Heute blaborum gab es jede esequam Menge

vernam beim Generationswechsel exceaque lam hil ipidunt begleiten. volorro occus

Stefan dolumquatem Salzmann, Chef am, volessus der gleichnamigen que pratibero rexima

Wie sehr quuntiunto die drei omnime Experten quiam, den Nerv sandeli der An-

as-

ea Impulse“, eossita turenis sagte Salzmann. rectur? Itiorrorae non et ma-

te gionalen delit, si Optiker-Kette, atur mod quam, gehörte sam ut zu ut den esequas Gästen,

die volorer sich eifrig orundi Notizen bere, machten: cus, unt quo „Das occa-

The-

beaque angeregten con nonserunt. Gespräche [!] im Anschluss DER AUTOR an

perum wesenden ulluptis getroffen resequos hatten, et quianimos zeigten auch aliqui die

volut die

Wie Unternehmer für eine erfolgreiche

Nachfolge sorgen

Die einen wollen ihr Unternehmen an jüngere Nachfolger übergeben, die anderen möchten eine

Firma übernehmen. Und doch kommen beide oft nicht zusammen. Woran liegt das?

Anzeige

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an

dem ein Unternehmer aus der Firma ausscheiden

will oder muss. Wie bereitet man

diesen Übergang am besten vor? Und was

hält Existenzgründer davon ab, in Ihre Firma

zu investieren?

Für Unternehmer ist es nicht leicht, den richtigen

Zeitpunkt zu finden, um aus der Firma auszuscheiden.

Doch irgendwann kann oder will

man nicht mehr. Wer dann unter Zeitdruck handelt,

findet möglicherweise nicht den richtigen

Nachfolger. Das schadet der Firma und der

Belegschaft. Sinnvoll ist es darum, sich so früh

wie möglich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Experten raten dazu, mindestens drei

Jahre einzuplanen. Die Sparkassenberater helfen

Ihnen weiter, aber auch die Industrie- und

Handelskammer (IHK) ist eine Anlaufstelle.

Der Dachverband der Industrie- und Handelskammern

ging in seinem Unternehmensnachfolgereport

vor einiger Zeit der Frage nach, wo

Sparkasse Ulm.

Foto: Martin Duckek

die größten Hemmnisse liegen. Ein Problem ist

die Finanzierung: Nachwuchsunternehmen

benötigen im Regelfall einen hohen Kredit,

wenn sie eine Firma übernehmen wollen. Sie

haben jedoch häufig nur geringe Sicherheiten.

Ein weiteres Hindernis sei die Erbschaftsteuer.

Die Diskussion darum verunsichert den Mittelstand.

Ein weiteres Problem bei Unternehmensübergaben:

Nicht jede kann von langer Hand geplant

werden. Denn auch Unternehmer können

einen Unfall haben oder plötzlich krank werden.

Für diesen Fall ist es wichtig, dass der Unternehmer

einen Vertreter bestimmt hat, dass

sein Wissen in der Firma zentral gespeichert ist

und dass es Vollmachten für den Notfall gibt.

Haben Sie Fragen zum Thema? Ihr Sparkassenberater

hilft Ihnen weiter: 0731 101-0

Kontakt

Sparkasse Ulm

Hans-und-Sophie-

Scholl-Platz 2

89073 Ulm

0731 101-0

27


[spezial] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

2

1

Unternehmerfamilien, in denen sich die Familienmitglieder

in noch mehr Rollen auf

verschiedenen Ebenen begegneten, sei das

erst recht möglich. „Unternehmerfamilien

sind besonders, daraus entwickelt sich Konfliktpotenzial,

doch man kann aktiv dagegen

etwas tun“, sagt Buck. Streit sei in Familienunternehmen

der größte Wertvernichter.

3

4

Vorträge. Nicola Buck und Ferdinand Hirmer

hatten die Zuhörer sensibilisiert, was in der

Kommunikation in Unternehmerfamilien

schief laufen kann. Sie ernteten häufig Zustimmung

durch Kopfnicken, weil sich die

Zuhörer in den geschilderten Situationen wiedererkannten.

„Konflikte kommen in jeder

Familie vor“, betonten Buck und Hirmer. In

DIE TÜCKEN BEIM ZUGEWINN

Auch der Neu-Ulmer Notar Christian Winkler

sensibilisierte die Zuhörer und räumte in einem

spannenden wie unterhaltsamen Vortrag

mit manchen irrtümlichen Einschätzungen

auf. „Eine gute Unternehmensnachfolge

ist eine der größten unternehmerischen Herausforderungen.“

Ein häufig unterschätzter

Störfaktor sei der Pflichtteilsanspruch. Anspruchsberechtigt

seien Kinder und der Ehegatte,

Enkelkinder, wenn Vater bzw. Mutter

nicht mehr lebten, und Eltern, wenn der Unternehmer

oder die Unternehmerin keine

Kinder habe. Geschwister hätten dagegen keinen

Anspruch.

Ebenfalls sei vielen nicht bewusst, dass der

Zugewinnsausgleich auch bestehe, wenn die

Ehe durch den Tod eines Partners ende. Daher

müsse dieser in Bezug auf die Firma im

Ehevertrag im Falle der Beendigung der Ehe

durch Scheidung und Tod ausgeschlossen

werden. Ansonsten sei der Fortbestand des

Unternehmens unter Umständen massiv

gefährdet.

Wer den Pflichtteil zu Lebzeiten durch

Geld-Schenkungen verringern wolle, müsse

vorab deren Anrechnung auf den Pflichtteil

schriftlich mit dem Beschenkten vereinbaren,

erläuterte Winkler. Die beste

Variante ist aus seiner Sicht, weichende Erben

für den Pflichtteilsverzicht zu entschädigen,

wobei er eine Schenkung von Privatvermögen

als Gegenleistung für die eleganteste Lö-

28


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[spezial]

6

5

sung hält. Weil dies aber nicht immer möglich

sei, komme eine Beteiligung als

Gesellschafter am Unternehmen oder eine

Beteiligung am Gewinn, zum Beispiel über

eine stille Gesellschaft, in Betracht. Winkler

ließ keinen Zweifel daran, wie komplex das

Thema Unternehmensnachfolge sei. Umso

wichtiger sei es, sich frühzeitig damit zu beschäftigen.

[!] ALEXANDER BÖGELEIN

Bild 1: Karin Welz von der Personalberatung Eleven mit Volker Schurr (re.) und Robert Zell von QMS.

Bild 2: Claudia und Uwe Wiedenmann vom gleichnamigen Hersteller von Gartengeräten in Rammingen.

Bild 3: Sportfachhändler und Vorsitzender des Vereins Ulmer City Marketing Mike Klamser mit

Sohn Tim. Bild 4: SWP-Verlagsleiter Andreas Simmet (li.) im Gespräch mit Rechtsanwalt Armin

Weidt, der auch dem Vorstand des Marketing-Clubs Ulm angehört, und SWP-Chefredakteur Ulrich Becker.

Bild 5: Vergnügliche Pause vor dem Beginn der Veranstaltung: (von links) die Coaches Ferdinand

Hirmer und Nicola Buck, Redaktionsleiter Alexander Bögelein, Notar Chrstian Winkler sowie der Organisator

des Abends und Teamleiter der SWP-Sonderpublikationen: Tobias Lehmann. Bild 6: Charmanter

Service vom Caterer Fleur de Cuisine.

Fotos: Matthias Kessler

29


Jürgen Fey ist Co-Geschäftsführer der Firma Fey

Messe & Objektdesign GmbH & Co. KG. Gemeinsam

mit seinem Bruder Horst leitet er die Ulmer

Ideenschmiede.

Foto: Marc Hörger

30


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[machen]

Mit Wagemut gegen

den kreativen Stillstand

Mit Farbe, Form und innovativen Konzepten setzt das Unternehmen Fey aus

Ulm seine Kunden auf Messen in Szene. Der lang anhaltende Aufschwung der

Wirtschaft wird zur Bremse für Ideen, sagt Geschäftsführer Jürgen Fey.

Jürgen Fey ist Experte in Sachen Messeauftritte

und hat schon viele Trends

kommen und gehen sehen. Meist kam

der Wandel eher schleichend daher. Als er vor

33 Jahren damit begann, sich beruflich mit

dem Messebau zu beschäftigen, gaben die

Kunden eine Losung aus, die sich vielfach

ziemlich nach „quadratisch, praktisch, gut“

anhörte. Viele von ihnen, in überwiegender

Zahl Mittelständler, zeigten sich noch zufrieden,

wenn ihre Produkte auf ordentliche Weise

präsentiert wurden. Auf das Drumherum

kam es weniger an.

Dann stiegen die Ansprüche. Auch Mittelständler

entdeckten vermehrt den Stellenwert

von Markenbildung, die Notwendigkeit

einer firmenspezifischen Corporate Identity

und welche Bedeutung die Inszenierung ihrer

Firma auf einer Messe hat.

WIE TICKT EINE FIRMA?

Fey musste sich nun stärker damit beschäftigen,

„wie eine Firma tickt, vor allem natürlich

ihr Chef“, um eine adäquate Lösung zu finden.

Damit rückt die Präsentation der Produkte ein

Stück weit nach hinten. Stattdessen bekommt

die Kommunikation darüber einen höheren

Stellenwert und speziell die Vermittlung des

Images, dem sich die Firma verschrieben hat.

Die Aufgaben sind anspruchsvoller geworden,

vor allem dann, wenn die Produkte selbst

wenig spektakulär sind und sich über die Jahre

mitunter kaum verändert haben. Was also

tun, wenn sich in der Jetzt-Zeit Angebote und

Leistungen kaum wandeln? „Sich als ein bereits

nach Übermorgen blickender Hersteller

zu erkennen geben.“ Soll ein Messestand solche

Signale aussenden, gibt es vor allem eine

Voraussetzung: Der Auftraggeber müsse mitziehen

und er dürfte besagte Signale nicht als

zu vernachlässigende Größe betrachten. Dieser

Fall ist so etwas wie die Lieblingskonstellation

Feys. „Man muss das Vertrauen seiner

Kunden gewinnen“, lautet sein Credo. Schon

weil es sein eigener Ehrgeiz gebietet, immer

wieder Neuland zu betreten. „Dazu braucht es

natürlich Kunden, die bereit sind, ein kalkuliertes

Risiko einzugehen.“

Der Ulmer Unterehmer fühlt sich den Kreativen

zugehörig. Denn die Verwaltung des Immergleichen

bedeute auch für ihn ganz persönlich

Stillstand. Heute, nach annähernd

zehn Jahren ungebrochenen wirtschaftlichen

Aufschwungs in Deutschland, vermisst er in

der Wirtschaft mitunter den Wagemut von

damals. Selbst die Marketing-Leute seien risikoscheuer

geworden. Warum dem so ist? „Machen

Sie mal jemandem klar, dass er etwas

ändern soll, wenn er mit dem Bisherigen gerade

großen Erfolg hat.“

An Warnungen fehlt es derzeit nicht. Andauernder

Erfolg mache träge. Auch Fey äußert

sein Unbehagen. Vielleicht einige Jahre könne

das so noch gut gehen. Das Nachdenken

über das Übermorgen mit Kunden erfordere

von ihm derzeit eine höhere Überzeugungskraft,

räumt der Messespezialist unumwunden

ein. Emotion müsse ein Stand ermitteln,

sich aber eines auftrumpfenden Gehabes entsagen.

Erzeuge er lediglich ein gleichförmiges

Rauschen, überzeuge er ebenso wenig wie

wenn er den Betrachter mit Botschaften zudröhne

– Fey kennt die Fallstricke alle.

MESSE ALS FINGERABDRUCK

Gemäß seinem Ideal hinterlässt ein guter

Messeauftritt den Fingerabdruck eines Unternehmens.

Um eine nachhaltige Wirkung zu

erzielen, sind laut Feys Philosophie zwei Voraussetzungen

zu erfüllen. Ein Stand müsse

möglichst markant sein, um lange im Gedächtnis

der Besucher haften zu bleiben. Und

31


[machen] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Ein Hingucker: Der von der Firma Fey entwickelte Messestand für den Werkzeughersteller Groz-Beckert aus Albstadt.

ein Stand sei „Büro und Kommunikationsplattform“

gleichermaßen. Alle müssten sich

darin und damit wohl fühlen, die Kunden

ebenso wie diejenigen, die ihn betreuen. Ob

ein Stand Langweile verströme oder die Dynamik

eines Unternehmens unterstreicht, hat

Fey zufolge eben unmittelbare Auswirkungen

auf die Motivation des Teams auf den Messen.

ALLEN UNKENRUFEN ZUM TROTZ

Gute Zeiten, schlechte Zeiten? Bei der Fey

Messe & Objektdesign GmbH & Co. KG in

Ulm sind gerade völlig normale Zeiten. Entgegen

so manchen Unkenrufen seien Messeauftritte

trotz fortschreitender Digitalisierung

noch längst nicht überholt. Die Gespräche

„face-to-face“ und der direkte optische und

haptische Eindruck seien eben durch keinen

noch so guten Internet-Auftritt zu ersetzen,

zumal wenn es um die Eroberung neuer Märkte

im Ausland gehe. „Wenn Sie in China was

verkaufen wollen, dann müssen Sie das schon

dort leibhaftig vorzeigen“, sagt Fey.

1984 ist er bei dem ein Jahr zuvor von seinem

Bruder Horst und einem kleinen Team gegründeten

Unternehmen dazu gestoßen, seit

dem Jahr 2006 teilen sich die beiden Brüder

die Geschäftsführung.

Fey Messe & Objektdesign bespielt mehrere

Geschäftsbereiche, neben dem Messebau

auch den Ladenbau, die Einrichtung von Objekten

und den Handel mit hochwertigen Designer-Möbeln.

Am Firmensitz in Jungingen

sind alle unter einem Dach: Architekten, Designer,

Projektleiter, Schreiner und Metaller

sowie Lageristen. Auf 8.000 Quadratmetern

sind Messestände im Rohzustand ebenso eingelagert

wie das Zubehör, vom Teppich bis zur

Einsatz bei 160

Fachmessen jährlich

Die Fey Messe & Objektdesign GmbH

& Co. KG beschäftigt am Firmensitz in

Ulm-Jungingen 40 Mitarbeiter. Diese

erwirtschaften einen Jahresumsatz im

niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Dazu kommen noch rund 120

Auftragnehmer, auf die im Bedarfsfall

beim Auf- und Abbau vor Ort zurückgegriffen

werden kann. In Ländern wie Indien,

China, Brasilien und den USA

kann Fey auf die Unterstützung seiner

Partner vor Ort zählen.

THV

Kaffeetasse. Die Vermietung stellt den größten

Geschäftsbereich der Firma dar. [!]


THOMAS VOGEL

32


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[namen & nachrichten]

Mayser schafft

es bis

ins Finale

Ravensburg

investiert am

Firmensitz

Einen Achtungserfolg hat das

Ulmer Unternehmen Mayser

beim „Großen Preis des Mittelstands“

erreicht. Der Spezialist

für Sicherheitsetchnik wurde

mit vier weiteren weiteren Betrieben

als Finalist für Baden-

Württemberg nominiert. Die

Jury bewertet neben der Gesamtentwicklung,

der Schaffung

und Sicherung von Arbeitsplätzen

auch die Themen

Modernisierung, Innovation

und das Engagement in der Region.

Besonders erwähnenswert

fand sie den schrittweisen Umbau

des Betriebs von der reinen

Hutmacherei zum Spezialisten

für Sicherheits- und Schaumstofftechnik.

Mit rund 800 Mitarbeitern

an fünf Standorten erwirtschaftete

Mayser im Jahr

2016 einen Umsatz von rund 76

Millionen Euro.

Teva baut in

Ulm an der

Biotech-Zukunft

Die israelische Ratiopharm-

Mutter Teva ist wegen der Übernahme

des Generika-Geschäfts

des Konkurrenten Actavis hoch

verschuldet, der Aktienkurs ist

im Keller. Derweil baut die Teva

Spende für Schuler-Fonds

Der Fonds des Pressenbauers Schuler ist 50 Jahre alt. Robert

Schuler-Voith, Sohn des Fonds-Gründers, hatte bereits 2013 das

Stiftungskapital um 1 Million Euro aufgestockt. Zum 50. Bestehen

spendeten er und die Schuler AG jeweils 250.000 Euro.

Unser Biild zeigt (von li.): Schuler-Chef Stefan Klebert, Robert

Voith-Schuler sowie den Stiftungsvorstand Norbert Broger.

Deutschland GmbH in Ulm an

der Zukunft. Die Grundsteinlegung

der 500 Millionen Euro

teuren Biotech-Anlage bezeichnet

Teva-Deutschlandchef

Christoph Stoller als Anfang eines

neues Kapitels. „Das ist mit

die größte Teva-Investition“,

sagte Biotech-Chef Hermann

Allgaier. Mehr als die Hälfte der

Investitionssumme sei für das

Innenleben des Gebäudes mit

Bioreaktoren und Reinräumen

veranschlagt. Der Bau soll bis

2019 fertig sein, 2020 soll die

Wirkstoffproduktion starten.

Der Kinderbuch- und Spieleverlag

Ravensburger will weiter an

seinem Stammsitz investieren.

Die Ausgaben dafür sollten in

den nächsten Jahren relativ

hoch gehalten werden, sagt Vorstandschef

Clemens Maier, ohne

Zahlen zu nennen: „Wir sind

bereit zu investieren – auch zu

Lasten des Ergebnisses.“ 2016

waren 22 Millionen Euro vor allem

in den Ausbau der beiden

Produktionsstandorte am

Stammsitz und und im tschechischen

Policka geflossen.

Exodus auf Raten

bei Alno in

Pfullendorf

Mit dem insolventen Küchenbauer

Alno geht es rapide bergab.

Beschäftigte das Pfullendorfer

Unternehmen 2015 noch

2100 Küchenbauer, so waren es

im September dieses Jahres

noch 1300, einen Monat später

waren es 600. Vor kurzem stellte

Insolvenzverwalter Martin

Hörmann 400 Mitarbeiter frei,

Damit verbleiben 170 Mitarbeiter.

Die sollen Hörmann bei Investorengesprächen

unterstützen

oder „insolvenzspezifische

Aufgaben“ übernehmen. [!]

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33


Sonderveröffentlichung

Maßgeschneidert mit echten Einblicken

Die Nachwuchskräfte von morgen informieren sich völlig anders über freie Ausbildungsplätze als noch vor

einigen Jahren, sagt Bernd Pötter von der SÜDWEST PRESSE. Ein neues Angebot setzt genau hier an.

Bundesweit 548.000 Bewerber auf 550.000

gemeldete Berufsausbildungsstellen. Die aktuelle

Statistik der Bundesagentur für Arbeit

zeigt es deutlich: Vorbei sind die Zeiten, in

denen auf einen Ausbildungsplatz quasi

selbstverständlich eine Vielzahl an geeigneten

Bewerbungen einging. „Das Blatt hat sich

gewendet“, bestätigt Online Marketing-Experte

Bernd Pötter von der SÜDWEST PRES-

SE-Tochter NPG digital. „Heute müssen sich

die Unternehmen zunehmend bei den Auszubildenden

bewerben.“ Mit ein paar Flyern und

einem Plakat im Schaufenster in Kombination

mit einer Stellenanzeige wie noch vor einigen

Jahren ist es dabei nicht mehr getan. „Die

Ausbildungsplatzsuche verlagert sich zunehmend

ins Netz“, sagt Pötter. Für Betriebe, die

das erkennen, bietet das World Wide Web eine

große Palette an Möglichkeiten, junge

Menschen anzusprechen. Mit ihrem neuen

Azubi-Portal „Next Step“ liefert die SÜD-

WEST PRESSE den Unternehmern im Südwesten

ab sofort ein umfassendes Angebot

mit maßgeschneiderten und zielgruppenorientierten

Lösungen. Herzstück der Seite sind

die durch die NPG digital professionell produzierten

Videos, die Firmen und Ausbildungsstellen

hautnah vorstellen – am Beispiel aktueller

Auszubildender, die zeigen und

erzählen, worauf es in ihrem Job ankommt.

WERBUNG AUF ALLEN KANÄLEN

Mit diesen „echten Einblicken in den Azubi-

Alltag“ will Pötter den Schülern ein genaues

Bild davon vermitteln, was sie im jeweiligen

Unternehmen erwartet. Auf Wunsch sind zusätzlich

Anzeigen auf swp.de sowie Werbekampagnen

auf den Facebook- und Instagram-Auftritten

der SÜDWEST PRESSE

buchbar. Eine Anzeige in der Zeitung rundet

die Stellenausschreibung ab. „Wir bieten unseren

Kunden ein Komplett-Paket mit Rundum-Service,

das Schüler und Eltern – die bei

der Ausbildungsplatzsuche nicht zu unterschätzen

sind – gleichermaßen erreicht“,

sagt Katharina Blank. Mit einer zielgruppengenauen

Ansprache auf allen Kanälen könnten

sich Firmen als attraktive Arbeitgeber

präsentieren und Auszubildende finden, die

wirklich zu ihnen passen: „Wer über Next

Step kommt, ist bestens darüber informiert,

was ihn im Betrieb erwartet“. Dabei lohne

sich die Investition nicht nur für die „Großen“:

„Gerade kleine Betriebe müssen für Schüler

sichtbarer werden“, meint Pötter.

FÜR DIE EIGENE REGION

Eine Aussage, die Lena Stapp nur unterstreichen

kann. Die 22-Jährige aus dem Odenwald-Kreis

absolviert derzeit eine Ausbildung

zur Medienkauffrau und Assistentin für Medienwirtschaft

bei der SÜDWEST PRESSE Media

Service GmbH. Ihren Ausbildungsplatz in

Ulm hat sie online gefunden, musste dafür

allerdings von Hessen nach Baden-Württemberg

umziehen. „Vielleicht hätte es auch in

meiner Region einen tollen Betrieb gegeben,

der eine Ausbildung anbietet, die zu mir

passt“, sagt sie. Über Google-Suchen und Recherchen

auf bundesweiten Portalen habe

sie jedoch nichts Entsprechendes entdecken

können. Ein regionales Azubiportal findet sie

Das Azubi-Portal „Next Step“ zeigt auf einen

Blick, was es in der Region gibt.

34


Sonderveröffentlichung

deshalb gut: „So

sehe ich, was es

konkret in meiner

Region gibt.“ Auch

Stellen und Berufsfelder,

die man

selbst noch gar

nicht auf dem

Schirm habe.

Stapps Azubi-Kollegin

Lea Rose-

Online-Marketing-

Experte Bernd Pötter nauer aus Göppingen

sieht das

ebenso. „Mit einem regionalen Portal hat

man sofort einen guten Überblick.“ Ihren eigenen

Ausbildungsplatz hat sie nach ausgiebiger

Recherche auf bundesweiten Online-

Portalen am Ende „ganz klassisch“ gefunden:

über eine gedruckte Zeitungsanzeige.

Im Sommer 2018 soll Next Step offiziell starten.

In vier Paketen bietet das Ausbildungsportal

den Unternehmern im Südwesten aber

schon jetzt maßgeschneiderte Lösungen für

den eigenen Betrieb: Je nach Buchung werden

bis zu vier Ausbildungsstellen in eigens

produzierten Videos vorgestellt.

MEHRERE FIRMEN IM BOOT

Um einen reibungslosen Produktionsablauf

zu gewährleisten, findet ein Vorgespräch

statt; der Dreh selbst dauert rund zwei Stunden

pro Video. Die Präsentation und Vermarktung

der Inhalte auf swp.de, Facebook,

Instagram und in der Tageszeitung kann optional

dazu gebucht werden. Bereits heute sind

mehrere Firmen aus dem Südwesten vertreten.

In den kommenden Wochen und Monaten

liegt der Fokus der NPG digital darauf, das

Portal bekannt zu machen. „Durch das

Presse haus im Hintergrund haben wir die

Möglichkeit, Next Step intensiv zu bewerben“,

sagt Bernd Pötter. Mit 13 Tageszeitungen

deckt die SÜDWEST PRESSE rund ein

Drittel der Fläche Baden-Württembergs ab;

über swp.de erreicht sie zusätzlich rund 1,5

Millionen Menschen.

Warum Werbung

wichtig ist

„Keine geeigneten Bewerbungen“. In

etwa 70 Prozent der Fälle war dies in

den vergangenen drei Jahren der

Grund dafür, dass Ausbildungsplätze

nicht besetzt werden konnten. Für

rund ein Viertel der ausgeschriebenen

Azubi-Stellen gingen gar keine Bewerbungen

ein. Das zeigt eine Umfrage

des Deutschen Industrie- und Handelskammertags

DIHK unter 10.561 befragten

Unternehmern aus dem Bundesgebiet.

Dabei waren Mehrfachnennungen

möglich. Fast ein Drittel der befragten

Firmen konnte im laufenden Jahr nicht

alle freien Ausbildungsplätze besetzen.

In rund einem Fünftel der Fälle traten

die Bewerber ihre Stelle nicht an. In 17

Prozent lösten die Auszubildenden den

Vertrag nach Beginn der Ausbildung

auf, in 13 Prozent zogen die Betriebe

die Reißleine.

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Das ausbildungsportal

mit professionellen und authentischen

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[aus den hochschulen] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Zeppelin-Uni

startet

Gründerzentrum

Vier lokale Start-ups ziehen ins

neue Gründerzentrum der Zeppelin

Universität (ZU) in Friedrichshafen

ein – darunter auch

das zweiköpfige Tirensa-Team.

Mit dem „Pioneer Port“ sollen

zukünftig die vielfältigen Aktivitäten

der ZU in Forschung,

Lehre und Praxis auf dem Gebiet

der Unternehmensgründung

gebündelt werden. Tirensa

bringt seit knapp einem Jahr

auf seiner Plattform Anbieter

und Käufer von Kompletträdern,

Reifen oder Felgen zusammen.

Mithilfe des Gründerzentrums

will das Studententeam

das Konzept nun weiterentwickeln.

Kontakt: Rainer Böhme,

rainer.boehme@zu.de

Handbuch für

Kongressmanager

herausgegeben

Jahrzehntelang kam Fachwissen

über Kongress-, Tagungsund

Konferenzmanagement

nur aus der Praxis. Heute ist es

eine wissenschaftliche Disziplin:

Claus Bühnert und Stefan

Luppold von der DHBW Ravensburg

geben in ihrem neuen

„Praxishandbuch Kongress-, Tagungs-

und Konferenzmanagement“

auf 800 Seiten Tipps anhand

von Praxisbeispielen. Als

Grundlagenwerk soll das Buch

helfen, Erfolge zu sichern und

aus Fehlern zu lernen.

Recherchenetz

gewinnt

Medienpreis

Zum achten Mal hat die HfWU

Nürtingen-Geislingen im November

den Medienpreis des

Studiengangs Energie- und Ressourcenmanagement

verliehen.

Mit Pioniergeist auf die Rennstrecke

Das Team der Hochschule Ravensburg-Weingarten

hat sich für die kommende Saison ein

hohes Ziel gesetzt: Die Studenten wollen 2018

mit zwei Fahrzeugen am internationalen Konstrukteurswettbewerb

Formula Student Germany

am Hockenheimring teilnehmen. Einer der

Mit der Ausschreibung will die

Hochschule Medien, Öffentlichkeit

und Unternehmen für

nachhaltiges Wirtschaften und

nachhaltigen Konsum sensibilisieren.

Einer der Preise ging an

Correctiv, das erste gemeinnützige

Recherchezentrum im

deutschsprachigen Raum. Der

Journalistenverbund recherchiert

zu Themen, die sonst wenig

Beachtung finden.

Viele Manager

wollen Qualität

nicht verbessern

Zwei Drittel der Manager in

deutschen Unternehmen haben

weder das notwendige Knowhow

noch den Willen, um die

Produkt- und Prozessqualität

ihres Unternehmens voranzutreiben.

Zu diesem Ergebnis

kommt die aktuelle Studie

„Qualitätsbewusstsein als Wettbewerbsfaktor“

der Hochschule

Esslingen. Die Hälfte der befragten

Führungskräfte gibt demnach

an, dass es in ihren Unternehmen

kein einheitliches

Verständnis von Qualität gibt.

An der Studie nahmen mehr als

200 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen

unterschiedlicher

Größe teil.

Kontakt: Dietmar Vahs,

Dietmar.Vahs@hs-esslingen.de

Bestnote für

Campus

Göppingen

Der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen

der Hochschule

Esslingen hat beim jüngst veröffentlichten

CHE-Ranking

sehr gute Ergebnisse erzielt: In

vier Kategorien verleihen Studierende

dem in Göppingen angesiedelten

Studiengang Bestnoten:

Beim Lehrangebot, der

Rennwagen soll vollständig autonom fahren.

Eine Unterstützung durch GPS-Daten ist dabei

nicht erlaubt, das Auto muss seine Umgebung

selbstständig erkennen.

Kontakt: Christoph Oldenkotte,

christoph.oldenkotte@hs-weingarten.de

Ausstattung, der internationalen

Ausrichtung und dem Kontakt

zur Berufspraxis. Das CHE-

Ranking umfasst mehr als 300

deutsche Hochschulen und

Universitäten.

Weiterbildungen

der HS Kempten

stark nachgefragt

Der Bedarf an qualifizierten

Mitarbeitern mit Spezialwissen

steigt. Entsprechend gut ist die

Auslastung der berufsbegleitenden

Zertifikatskurse der Hochschule

Kempten: Zwei von drei

Kursen starteten im Oktober

mit maximaler Teilnehmerzahl.

Die Hochschule bietet Business

Coaching, Technik für Betriebswirte

und Sozialmanagement

in Wochenendblöcken an.

Mehr unter http://www.hochschule-kempten.de/weiterbildung.

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36


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In unserem Netzwerk befi nden sich mehr als 250 Partner aus den unterschiedlichsten Branchen

der Region Ulm/Neu-Ulm. Zahlreiche Partner-Netzwerkveranstaltungen bieten die Möglichkeit,

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[spezial] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Sechzig!

unternehmen [!] feiert Geburtstag. In 60 Ausgaben haben wir über Trends, Tatsachen und Tatendrang berichtet.

Stets im Mittelpunkt: die Menschen, die der Region und damit auch unserem Magazin ein Gesicht verleihen.

Ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, der viel über die Denkweise von Unternehmern verrät.

Die Kunsthalle Weishaupt eröffnete im November 2017. In der ersten

Ausgabe von unternehmen [!] berichtete Siegfried Weishaupt auch über

seine Sammelleidenschaft.

Foto: Christoph Seeberger

38


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[spezial]

Mit dem Titel „Glück ist, etwas Neues zu entdecken“ ging das

Wirtschaftsmagazin unternehmen [!] am 30. November

2007 nach nur drei Wochen Konzeptions- und Produktionsphase

mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren an

den Start. Das Zitat stammt von Siegfried Weishaupt. Mit dem Unternehmer

führten der damalige Chefredakteur der Südwest Presse,

Hansjörg Wiedenhaus, und der damalige Leiter des SWP-Wirtschaftsressorts,

Siegfried Bauer, das erste Titelgespräch. Weishaupt antwortete

auf die Frage „Wann empfinden Sie Glück“ mit den Worten: „Geschäftlich

bedeutet es für mich, wenn die getroffenen Entscheidungen

sich als richtig erwiesen, wenn sich das Unternehmen erfolgreich

entwickelt. Bei der Kunst kommt vielleicht ein anderer Aspekt dazu:

Wenn man etwas Neues entdeckt.“ Der Geschäftsführer der Max Weishaupt

GmbH (Schwendi/Kreis Biberach), einem führenden Heiz- und

Energietechnik-Spezialisten, muss es wissen, schließlich kann der leidenschaftliche

Sammler in diesem Jahr mit seiner Kunsthalle in Ulms

Neuer Mitte ebenfalls zehnjähriges Jubiläum feiern.

WAS UNTERNEHMER GLÜCKLICH MACHT

Die Leserinnen und Leser erwartete jedoch in der Tat viel Neues. Denn

unternehmen[!], das sich auf Portraits von bekannten und weniger bekannten

Unternehmern und Firmen spezialisiert hat, betrachtete sich

von Anfang an als Spiegelbild der regionalen Wirtschaftsregion. Dokumentiert

wurden und werden die Entwicklungen und jeweiligen

Trends der unterschiedlichen Branchen auch

durch die über 60 Titelinterviews.

Mit

brachialer

Gewalt

geht nichts.

Erinnert sei deshalb an dieser Stelle auch an den

2013 verstorbenen Erwin Hymer. Der legendäre

Gründer und Chef des Caravan- und Reisemobilherstellers

in Bad Waldsee verriet in der zweiten

Ausgabe das Geheimnis seines Erfolgs: „Sie brauchen

nur die richtigen Leute und das richtige Produkt,

dann ist alles klar. Mit brachialer Gewalt geht Erwin Hymer

da gar nichts, man muss auch bei ganz schwierigen

Situationen und notwendigen harten Maßnahmen

einen Konsens finden.“

So sieht das auch Dr. H. Werner Utz. Von jenen Ulmer Unternehmen,

die in den 90er-Jahren an die Börse gegangen sind, erscheint die Uzin

Utz AG heute noch als einziges auf dem Kurszettel. Der Firmenchef

Unternehmer mit Kunstsinn: Siegfried Weishaupt.

bereute 2008 im Titelgespräch den Börsengang nicht: „Mir war klar:

Wenn wir an die Börse gehen, dann ist das kein Spiel für ein paar Jahre.

Wenn, dann machen wir es richtig.“ Utz machte im Gespräch deutlich,

wie man gegen fast übermächtige Wettbewerber nicht nur bestehen,

sondern wachsen kann: „Vor allem durch Spezialisierung.

Die anderen stellen nur Produkte her, wir

wollen aber anwendungstechnische Systemlösungen

für unsere Kunden erarbeiten. Zwischenzeitlich

haben wir eine sehr große Bekanntheit als absoluter

Spezialist für das Thema Boden erreicht.

Wenn man so eine Positionierung aufgebaut hat,

bedeutet das trotz unserer schnelllebigen Zeit einige

Jahre Vorsprung am Markt.“

MIT VOLLER WUCHT GETROFFEN

Gut, wer solch ein Polster vorweisen konnte, denn 2007 und damit etwa

zeitgleich zum Startschuss des Magazins zog die Finanz- und Wirtschaftskrise

mit voller Wucht durchs Land und traf vor allem Automobilhersteller,

deren Zulieferer und Händler. Im Gespräch mit

w Baugrunduntersuchung

w Boden und Grundwasser

w Geothermische Nutzung

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39


[spezial] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Die Schlecker-Pleite bescherte dem Neu-Ulmer Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (im Bild mit Meike Schlecker) 50.000 Mediennennungen.

unternehmen [!] gab Insolvenzverwalter Michael Pluta im Juni 2009

eine Einschätzung zu den Folgen ab: „Die Zahl der Arbeitslosen könnte

durchaus um zwei Millionen steigen. Das ist aber nichts Neues, wir

erleben immer wieder solche Zyklen von sieben bis zehn Jahren. Nach

jedem Auf kommt wieder ein Ab. Neu an der jetzigen Krise ist aber,

dass sie weltweit gleichzeitig ausgebrochen ist.“

STREIT IN DER FAMILIE IST EIN SARGNAGEL

Auf die Frage, was denn die Kardinalfehler seien, die zur Insolvenz führen,

antwortete der Rechtsanwalt: „Streit in der Firma beziehungsweise

in den Eigentümerfamilien ist sicher ein Sargnagel. Nehmen wir das

Beispiel Märklin, da waren 23 Familienmitglieder aus drei Familiensträngen.

Die hatten sich nicht so gut vertragen

und deshalb auch drei Geschäftsführer bestellt,

Man darf

sich nicht

so wichtig

nehmen.

damit jedes Interessenlager gleichermaßen vertreten

war. Das führte zu einem Stellvertreterkrieg in

der Geschäftsführung.“ Dazu kam es bei der Ehinger

Drogeriemarkt-Kette Schlecker nicht. Dennoch

rutschte das Unternehmen in die Pleite. Tausende

von Arbeitsplätzen gingen verloren. Insolvenzverwalter

Arndt Geiwitz übernahm den Fall und wurde

dadurch über Nacht in ganz Deutschland bekannt.

Im Gespräch mit unternehmen [!] schilderte

er, wann er das Ausmaß der Krise bei Schlecker erahnt habe: „Nachdem

wir uns intensiv mit der Branche auseinandergesetzt hatten, war

nach etwa zwei Wochen klar, dass es mit Schleckers Geschäftsmodell

in dieser Form nichts mehr wird. Es wäre besser gewesen, nach dem

Arndt Geiwitz

Vorbild des japanischen Mischkonzerns 7-Eleven auf Lebensmittelnahversorgung

zu setzen und den Nahversorger vor Ort mit Öffnungszeiten

ähnlich wie Tankstellen zu schaffen.“

Welche Erfahrungen und welche Lehren zog er aus dem Fall Schlecker

für sich ganz persönlich? Arndt Geiwitz: „Sie werden erstaunt sein: Ich

nehme überwiegend Positives mit. Allen voran bin ich von den betroffenen

Mitarbeitern bei Schlecker immer sehr fair und oftmals sogar

sehr herzlich behandelt worden, obwohl ich der Verkünder der

schlechten Nachrichten war. Auch habe ich den Umgang mit den Medien

mit über 50.000 Mediennennungen gelernt und bin nicht enttäuscht

worden. Schließlich musste ich befürchten, bei einer Schließung

wochenlang medial angegriffen zu werden, was nicht passiert

ist. Und ich habe gelernt, die Erwartungen an die

Politik nicht zu hoch zu setzen. Alleine schon deshalb,

weil EU-rechtlich Unterstützungen nur in

den seltensten Fällen überhaupt möglich sind.“

Doch der Insolvenzverwalter kümmert sich auch

um weniger große Fälle: „Man darf sich nicht so

wichtig nehmen. Ich mache auch kleine Verbraucherinsolvenzen,

also auch einen kleinen Selbstständigen

mit einem Lkw oder einem Imbiss. Sie

können nicht nur 100-Millionen-Projekte machen.

Die großen spannenden Fälle, die kleinen oftmals

„mühsamen“ Fälle, das multidisziplinäre Beraten in vielen Branchen,

die Dienstleistungsphilosophie und das unternehmerische Denken:

Das alles gehört bei uns dazu. Jeder in unserer Kanzlei macht auch

kleine Sachen. Weil das wichtig ist und den Charakter bildet.“

40


Ford Lease Gewerbe-Offensive

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007 und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Mondeo: 4,3 (innerorts), 3,5 (außerorts), 3,8 (kombiniert); CO 2 -Emissionen: 99 g/km (kombiniert).

Ford S-MAX: 5,6 (innerorts), 4,6 (außerorts), 5,0 (kombiniert); CO 2 -Emissionen: 129 g/km (kombiniert).

Schwabengarage GmbH, Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (07 31) 1 62-0

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1

Ford Lease ist ein Produkt der ALD AutoLeasing D GmbH, Nedderfeld 95, 22529 Hamburg. Angebot gilt bei Vertragsabschluss bis 31.12.2017 und nur für Gewerbekunden (ausgeschlossen sind Großkunden mit Ford

Rahmenabkommen sowie gewerbliche Sonderabnehmer wie z.B. Taxi, Fahrschulen, Behörden). 2 Das Technik-Service-Paket enthält Wartungs- und Inspektionsarbeiten sowie anfallende Verschleißreparaturen in vereinbartem

Umfang und die Kosten für HU/AU. Die HU wird von einer amtlich anerkannten Prüforganisation (z. B. TÜV, DEKRA, KÜS, GTÜ) durchgeführt. Details und Ausschlüsse zu allen Services entnehmen Sie bitte

unserer ausführlichen Produktbeschreibung. Nur erhältlich im Rahmen eines Ford Lease Vertrags. 3 Leasingrate auf Basis eines Kaufpreises von € 27,310.93 netto (€ 32.500,01 brutto), inkl. € 755,46 netto (€ 899,00

brutto) Überführungskosten. 4 Gilt für einen Ford Mondeo Turnier Business Edition 1,5-l-TDCi-Dieselmotor ECOnetic 88 kW (120 PS) (Start-Stopp-System), € 259,- netto (€ 308,21 brutto) monatliche Leasingrate,

€ 0,- netto (€ 0,00 brutto) Leasing-Sonderzahlung, bei 36 Monaten Laufzeit und 45.000 km Gesamtlaufleistung. 5 Leasingrate auf Basis eines Kaufpreises von € 28.949,58 netto (€ 34.450,00 brutto), inkl. € 755,46

netto (€ 899,00 brutto) Überführungskosten. 6 Gilt für einen Ford S-MAX Business Edition 2,0-l-TDCi-Dieselmotor 88 kW (120 PS) (Start-Stopp-System), € 269,- netto (€ 320,11 brutto) monatliche Leasingrate, € 0

netto (€ 0,00 brutto) Leasing-Sonderzahlung, bei 36 Monaten Laufzeit und 45.000 km Gesamtlaufleistung.

41


[spezial] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Galt bereits zu seinen

Lebzeiten als Unternehmerlegende

und Pionier

der Fahrzeugbranche:

Erwin Hymer.

Den beweist auch Antje von Dewitz.

Die Tochter des Firmengründers

ist Geschäftsführerin des Outdoor-Spezialisten

Vaude in Tettnang

und eine von wenigen Frauen in Deutschland,

die ein Unternehmen leiten. Im Gespräch mit unternehmen

[!] sagte sie: „Die Frauenquote bei Vaude liegt

schon seit längerem bei über 60 Prozent. Extern habe ich

natürlich vor allem mit Männern zu tun. Ich habe da aber eher

das Gefühl, dass ich als Mutter von vier Kindern ein Exot bin,

der mit Neugier betrachtet wird. Ich passe in keine Schublade.

Ich bin eher der Teamspieler, weil ich auch darauf angewiesen

bin. Als ich ins Unternehmen gekommen bin, habe ich 420 Fachkräfte

vorgefunden, die alle jeweils in ihren Fachgebieten stärker

sind als ich.“

GEFAHR DURCH ÜBERNAHMEN

Im März 2013 sprach unternehmen [!] mit Manfred Oster.

Auch für den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Ulm gehörte

eine geregelte Unternehmensnachfolge zum unbedingten

Erfolg einer Firma: „Ein großes Thema ist die Zukunft von

Familienunternehmen, also des privaten Mittelstands. Wir haben

einen prächtigen Mittelstand. Die Industrie lebt davon, dass

im Mittelstand Lösungen gefunden werden, die sie fast modulartig

in ihre Produkte einbaut. Dieses Zusammenspiel funktioniert

sehr gut, sofern nicht Billigpreispolitik dominiert. Eine Gefahr ist

zudem, dass zu viele Mittelständler von Konzernen übernommen

werden oder in falsche Hände von Finanzinvestoren kommen – wo-

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[spezial]

Antje von Dewitz setzt als Geschäftsführerin von Vaude auf Frauenpower. Beim Outdoor-Spezialisten beträgt die Frauenquote schon seit längerem 60 Prozent.

Manfred Oster sprach im März 2013 über die Zukunft der Familienunternehmen und den florierenden Mittelstand.

bei man sagen muss, dass es auch verantwortungsbewusste „Übernehmer“

gibt. Aber leider muss man auch zu oft zusehen, wie Firmen nach

solchen Prozessen fast ausbluten.“

Niedrigzinsen und Kostendruck belasten auch das Bankenwesen.

Ralph Blankenberg, Chef der Volksbank Ulm-Biberach eG philosophierte

im Mai 2015 über die Zukunft seiner Branche: „Im Bankenwesen

– wie im Übrigen auch in anderen Branchen – auf Trends einzugehen,

ist mit hohen Investitionen verbunden. Wenn Sie ein

Vertriebssystem oder ein Filialnetz auf bestimmte Aktivitäten umrüsten,

kostet das sehr viel Geld. Die Investition in unser neues Beratungszentrum

am Stammsitz hier in der Ulmer Olgastraße betrug drei Millionen

Euro. Aber das ist nur eine von fast 50 Filialen. Als Bank müssen

Sie gut überlegen, auf welche Trends Sie setzen.“

ÄLTERE MENSCHEN NICHT BESTRAFEN

Dennoch sei der Abbau von Filialen in der Kreditwirtschaft ein großes

Thema: „Das stimmt. Das anhaltend niedrige Zinsniveau hat den Kostendruck

stark erhöht. Ich habe Verständnis dafür, wenn Wettbewerber

heute darauf reagieren und Filialen schließen. Wir müssen das

glücklicherweise noch nicht. Wie das allerdings in drei, vier, fünf oder

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43


[spezial] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Ralph Blankenberg (links), Chef der Volksbank Ulm-Biberach, erläuterte 2015, wie die Niedrigzinsen das Geschäftsmodell des Instituts belasten. Manfred Gebauer

aus Göppingen, einer der umsatzstärksten Edeka-Einzelhändler im Südwesten, verriet 2016 die Gründe für seinen Erfolg.

zehn Jahren ist, kann ich heute nicht sagen. Das Schwierige ist doch:

In ländlichen Strukturen haben Sie vor allem ältere Menschen, die auf

Filialen angewiesen sind. Die können Sie nicht bestrafen, nur weil sie

nicht mehr so mobil sind. Gleichzeitig haben Sie technikaffine Kunden,

die ihre Bankgeschäfte gerne übers Internet

machen wollen und auch nicht mehr bereit sind,

für ein Filialnetz zu bezahlen. Die Frage ist: Sind

Bankkunden generell bereit, dafür auch zu bezahlen?

Wir versuchen als regionale Bank natürlich,

möglichst allen Kunden gerecht zu werden. Das ist

herausfordernd, weil die Bandbreite der Bedürfnisse

groß ist.“

Der Handel

bietet

durchaus

Vorteile.

Manfred Gebauer

ERFOLG MIT WOHLFÜHLFAKTOR

Dies gilt in gewisser Weise auch für den Blätterwald.

Aus diesem Grund erscheint unternehmen [!] – rechtzeitig zur

50. Ausgabe im Mai 2016 – nun mit mehr als 18.000 Exemplaren und

aufgrund der großen Zustimmung zusätzlich zu den Verbreitungsgebieten

Ulm, Neu-Ulm, Alb-Donau, Biberach, Ravensburg, Oberschwaben,

Allgäu und Bodensee nun auch im Großraum Göppingen. Hier

haben Susanne Schönfelder-Kuhn, Wirtschaftsredakteurin bei der

Neuen Württembergischen Zeitung, die zum Verbund der SÜDWEST

Presse gehört, und Alexander Bögelein, der Redaktionsleiter des Magazins,

Manfred Gebauer als den umsatzstärksten Edeka-Einzelhändler

im Südwesten getroffen und nach seiner Philosophie befragt. „Die

Kunden müssen in dem Markt alles in einer guten Qualität bekommen;

keiner soll noch ein anderes Geschäft brauchen. Sie müssen gut

bedient werden, sprich: zufrieden aus dem Markt

gehen“, sagte Gebauer, der seit Jahren mit Erzeugern

der Region kooperiert, ein ausgeklügeltes

Qualitätskonzept entwickelt hat und vor allem darauf

setzt, dass sich Kunden in seinen Märkten

wohlfühlen. Auf die Frage, wie man als Lebensmittelhändler

an gute Mitarbeiter komme, antwortete

er: „Früher hatten wir bei den Auszubildenden eine

tolle Auswahl, das hat abgenommen. Wir versuchen,

unseren Fachkräftenachwuchs selbst zu ziehen.

Leider schrecken die Arbeitszeiten im Handel

viele ab. Aber der Einzelhandel bietet auch viele Vorteile: Die Branche

wird immer gebraucht und die Arbeitsplätze sind relativ sicher. Natürlich

wird sich in 20 Jahren einiges verändert haben. Vermutlich gibt es

mehr Kassen, an denen der Kunde seine Produkte scannt und bezahlt.“

Dieses Zitat spricht Bände. Doch wird es nur die vehement fortschreitende

Digitalisierung sein, die die Unternehmen in unserer Region in

Zukunft prägen wird? Viele Fragen sind offen. Viele neue Geschichten

wollen erzählt werden. Das werden wir tun. [!] STEFAN LOEFFLER

44


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[rubrik]

Alles was

fährt, läuft

besser mit

LIQUI MOLY.

Wir gratulieren

ganz herzlich zum Jubiläum!

Made in Germany seit 1957

45


[finanzieren] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Neue Wege entdecken

Die Europäische Zentralbank steht vor einem Schwenk in ihrer Zinspolitik. Das dürfte klassische Bankkredite für

Unternehmen teurer machen. Zeit für Mittelständler nachzudenken, wie sie Investitionen günstig finanzieren.

Grafik: © Crosssun / shutterstock.com

Torsten Rieckmann ist es gewohnt in

langen Zyklen zu denken. Der Chef des

Hamburger Bauunternehmens Senectus

arbeitet üblicherweise über Jahre hinweg

an der Entwicklung und der Umsetzung seiner

Objekte. Ein langfristiges Finanzierungskonzept

ist dabei für ihn wesentliche Basis für

den Erfolg. Rieckmann hat daher bei seinem

aktuellen Projekt, einem Studentenheim im

Bauvolumen von 37 Millionen Euro, vor wenigen

Wochen mit der HSH Nordbank eine

zehnjährige Anschlussfinanzierung vereinbart.

„Weil ich Zinssteigerungen erwarte“, begründet

Rieckmann seine Entscheidung. Der

Folgekredit per Termin ist zwar teurer, als

wenn das Darlehen sofort ausgezahlt würde.

Dafür hat er auf der Finanzierungseite Planungs-

und Kostensicherheit.

Mit seinen Bedenken in Sachen Zinsentwicklung

ist der Bauunternehmer nicht allein.

Beim Blick auf die Finanzplanung für das anstehende

Jahr werden sich viele Mittelständler

mit der Frage beschäftigen,

welche Richtung die Zinsen 2018

einschlagen werden. Die

Zeit der billigen Kredite,

so viel dürfte allerdings

feststehen, ist

vorbei. Denn die Europäische Zentralbank

(EZB) gerät immer mehr in Zugzwang ihre

ultra-lockere Geldpolitik zu beenden, nachdem

die US-Notenbank Fed bereits mehrfach

in diesem Jahr ihre Leitzinsen angehoben hat

und die Konjunktur nicht nur jenseits des Atlantiks,

sondern auch in Euroland zunehmend

in Fahrt kommt. Dass die EZB die

Zinszügel anziehen wird, gilt vor diesem Hintergrund

als unausweichlich. Die Frage

ist nur, wann und in welcher Höhe sie

den ersten Zinsschritt wagt. Finanzexperten

gehen davon aus, dass dies bei unverändert

guter Konjunkturentwicklung bereits

Viele Mittelständler halten Ausschau und fragen

sich: Wann kommt die Zinswende?

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hen. „Jeder Firmenchef sollte sein Finanzierungs-Orchester

noch einmal einer Prüfung

unterziehen“, sagt Sander. Grundlage dafür ist

der in den kommenden zwölf bis 18 Monate

zu erwartende Finanzierungsbedarf. Die Fraunternehmen

[!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

in den ersten Monaten des kommenden Jahres

der Fall sein könnte. Dann werden die Geschäftsbanken

die Kreditzinsen anheben.

Experten raten Firmen, sich die günstigen Kreditzinsen festschreiben zu lassen.

Grafik: Getty Images

KONDITIONEN SICHERN

Für Unternehmer gibt es allerdings keinen

Grund deswegen übereilt zu handeln. Stattdessen

raten Experten zu Besonnenheit. Ein

erster Zinsanstieg werde moderat ausfallen,

ist sich Michael Euchner von der Prüfungsund

Beratungsgesellschaft Ebner Stolz sicher.

Doch auch er empfiehlt: „Wer künftig über

seine Hausbank finanzieren kann und will,

sollte sich die noch günstigen Konditionen

möglichst langfristig sichern“.

Das sieht auch Joachim Rupp, Finanzierungsexperte

bei der IHK Ulm, so „Das geht zum

Beispiel über Forward-Darlehen oder Zinsderivate.”

Dabei kann es nicht schaden, auch die

Angebote anderer Institute einzuholen, meint

Carl-Dietrich Sander, Leiter der Fachgruppe

Finanzierung-Rating im Bundesverband „Die

KMU-Berater“: „Wer bisher mit nur einer kreditgebenden

Hausbank zusammengearbeitet

hat, sollte jetzt die Geschäftsbeziehung zu einem

zweiten Institut aufbauen, um sich unabhängiger

zu machen.“ Zudem empfiehlt er,

das Thema Finanzierung strategisch anzuge-

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47


[finanzieren] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

ge dabei ist: Welche

Instrumente müssen

angepasst werden

und welche sind möglicherweise auszutauschen?

„Wichtig dabei ist, sich nicht nur

den klassischen Bankkredit anzusehen, sondern

auch Optionen wie Leasing, Factoring,

Eigenkapital und Finanzierungen über das

Internet, also Schwarmgelder, zu sondieren“,

sagt Sander.

KNACKPUNKT BONITÄT

In dieses Horn stößt auch Simon Schach:

„Aus unserer Sicht muss eine möglicherweise

eintretende Kurswende der EZB und die Verteuerung

von Firmenkrediten keinen mittelständischen

Unternehmer nervös machen –

vorausgesetzt, er verfügt über ausreichend

Bonität, um auch bankenunabhängige Instrumente

für die Finanzierung nutzen zu können“,

sagt der Vorstandsvorsitzende BFM Bundesverband

Factoring für den Mittelstand.

Doch genau das Thema Bonität wird für das

Wette auf die Zukunft

Grafik: © shockfactor.de / shutterstock.com

In die Glaskugel zu blicken, ist eine Möglichkeit, Forward-Darlehen sind eine andere.

Viele Banken bieten vor allem bei der

Immobilienfinanzierung sogenannte Forward-Darlehen

an. Faktisch ist das ein

Kredit, der heute zu festen Zinskonditionen

abgeschlossen, aber erst in ein paar

Monaten oder gar Jahren ausgezahlt

wird. Für jeden Monat bis zur Auszahlung

des Darlehens wird für gewöhnlich ein

Zinsaufschlag fällig – zum Beispiel

0,1 Prozent pro Monat. Die Frage, ob sich

ein Forward-Darlehen für einen Unternehmer

rechnet, wird damit zum Rechenexempel.

Je pessimistischer die Zinserwartung

des Unternehmens und je näher

der Auszahlungstermin an der Gegenwart

liegt, desto sinnvoller kann der Einsatz

einer solchen Kreditvariante sein. Im Einzelfall

sollte das allerdings genau durchkalkuliert

werden. Die Faustregel lautet:

Liegt die Differenz zu den aktuellen Konditionen

höher als ein halbes Prozent,

lohnt das teure Forward-Darlehen kaum,

wenn die Mittel innerhalb der kommenden

zwölf Monate benötigt werden. TLU

eine oder andere mittelständische Unternehmen

zur Stolperfalle, wenn es um die Aufnahme

neuer Mittel geht. Tatsächlich profitiert

nicht jede Firma, die in den vergangenen Monaten

einen Kreditantrag gestellt hat, von

dem derzeit immer noch niedrigen Zinsniveau.

Das gilt vor allem für Betriebe mit nicht

so solider Bilanz. Lässt das Zahlenwerk zu

wünschen übrig, sind ein Zinszuschlag und

Auflagen zu erwarten.

Dazu passt, dass nur 18 Prozent der jüngst von

der TU Darmstadt und dem Kreditmarktplatz

Creditshelf befragten mittelständischen Industriebetriebe

angeben, dass sich ihre Finanzierungsmöglichkeiten

über Bankdarlehen in

den vergangenen Jahren spürbar verbessert

haben. Für die Studie waren 100 Finanzentscheider

aus dem Mittelstand befragt worden.

Dieses Dilemma dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit

verschärfen, wenn die Kreditkonditionen

marktbreit nach oben gehen. „Insbesondere

kleinere Firmen kommen immer noch

nicht problemlos bei Banken an Fremdkapital“,

klagt Dirk Schiereck, Professor an der TU

Darmstadt. Diese Betriebe suchen ihm zufolge

nach Alternativen. „Die Offenheit für einen

Finanzierungs-Mix ist gewachsen. Wir haben

in einer repräsentativen Studie herausgefunden:

Jeder zweite Entscheider, genau 48 Prozent,

meint, dass zu einer ausgewogenen Finanzierung

neben Eigen- und Fremdkapital

auch Beteiligungen, Factoring und Leasing

gehören“, bemerkt auch BMF-Chef Schach.

OFFEN FÜR ALTERNATIVEN

Ein mögliches Finanzierungsinstrument, das

bei Zinssteigerungen zunehmend in den Fokus

rückt ist Leasing. Für Mittelständler ist

der Mietkauf eine Möglichkeit, ihre Liquidität

zu sichern und gleichzeitig den unternehmerischen

Spielraum zu erweitern – bei größeren

Sprunginvestitionen etwa über eine Saleand-Lease-Back-Transaktion.

Dazu verkauft

das betroffene Unternehmen einen Vermögensgegenstand

aus der Bilanz und least ihn

sofort wieder zurück. Geeignet dafür sind vor

allem langfristige

Anlagegüter wie

Maschinen und Gebäude.

Sollten die

Marktzinsen um

einen halben oder

gar ganzen Punkt

nach oben gehen,

macht sich das in

der Ausgestaltung

der Leasingkonditionen

nur wenig bemerkbar.

Der Leasing-Unternehmen.

Horst Fittler, Verband dt.

Grund: Bei der Kalkulation

der Leasingraten spielen auch andere

Komponenten eine Rolle als nur die aktuellen

Zinssätze – etwa Servicedienstleistungen

rund um den Leasinggegenstand. „Viele Firmen

wollen eine komplette Dienstleistung

aus Finanzierung, Wartung, Service, technischem

Kundendienst und bei Bedarf weiteren

Service-Bestandteilen – und dafür eine Rate

zahlen, die alles abdeckt“, weiß Horst Fittler,

Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes

Deutscher Leasing-Unternehmen. Eine flexible

Finanzierung per Leasing kommt Unternehmen

auch bei ihren technologischen Investitionen

entgegen. „Gerade bei digitalen

Investitionsgütern wollen viele Unternehmen

gar nicht unbedingt Eigentümer werden,

sondern sich die Möglichkeit offenhalten, an

der technischen Entwicklung zu partizipieren

und ihre Anlagen immer auf dem neues-

48


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[finanzieren]

Markus Klintworth,

VR Leasing Gruppe.

ten Stand halten“,

sagt Markus Klintworth,

Generalbevollmächtigter

bei

der VR Leasing

Gruppe.

Zunehmend beliebt

wird bei Mittelständlern

auch

das Factoring, also

der Verkauf von

Forderungen an einen

speziellen Finanzdienstleister.

Dies geht aus Zahlen hervor,

die der Deutsche Factoring Verband vor

wenigen Wochen veröffentlicht hat. Demzufolge

ist die Zahl der Betriebe, die Factoring

nutzen, im laufenden Jahr um zehn Prozent

gestiegen. „Factoring rückt gerade beim Finanzierungsmix

mittelständischer Unternehmen

immer stärker in den Fokus“, beobachtet

Joachim Secker, Vorstandschef der Targo

Commercial Finance. Zu den größten Vorteilen

von Factoring gehört, dass sich Firmen

damit schnelle Liquidität verschaffen und

sich vor Zahlungsausfällen schützen können.

Denn das wirtschaftliche Risiko der Forderungsrealisierung

wird auf die Factor-Gesellschaft

übertragen.

Schließlich rücken auch bankenunabhängige

Geldgeber wie Family Offices und Private-

Equitygesellschaften ins Blickfeld. Bei ihnen

muss es nicht immer eine Eigenkapital-basierte

Finanzierung sein. Viele dieser Geldgeber

verhandeln auch über Schuldscheindarlehen

oder Mezzanine-Kapital wie beispielsweise

eine stille Beteiligung.

GUT GEFÜLLTE KASSEN

Die Sätze für diese Art der Finanzmittel liegen

erfahrungsgemäß höher als bei Banken. Dafür

reden diese Geldgeber dem Unternehmer nur

selten ins Tagesgeschäft rein. In Sachen Sicherheiten

sind sie wegen der geringeren Regulierung

flexibler als klassische Geldhäuser. „Die

Kassen der Private-Equity-Gesellschaften sind

gut gefüllt“, sagt Finanzierungsexperte

Colmar Dick. Die Zeiten

für Mittelständler

sich einen Finanzinvestor

an Bord zu holen,

sind gut. [!]

THOMAS LUTHER

Grafik: © Crosssun / shutterstock.com

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ist einfach.

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Weil Sparkassen der Finanzierungspartner

Nr. 1 des Mittelstands sind.

„EVO hilft Wohnungs- und Hausbesitzern, ihren Strom auf dem Dach selbst

zu erzeugen, diesen in Energiespeichern zu „puffern“ und ihre Wohnräume

dann mittels einer Elektroheizung zu wärmen. Mit der Unterstützung der

Kreissparkasse Biberach konnte sich EVO zum Innovationsführer in der

Wärmewende in Europa entwickeln.“

Markus J. Schmidt

Geschäftsführer der EVO Elektroheizung

GmbH & Co. KG aus Mietingen

49


Markus Hammer, Roland Mayer und Bora Alaybeyoglu (von links) strampeln im Neu-Ulmer Verkaufsraum um die Wette.

Fotos: Marc Hörger

Ein „Hammer“ fürs Heim

Markus Hammer und Roland Mayer beliefern mit ihrem Unternehmen Hammer Sport AG die Gesundheits-Junkies,

die am liebsten möglichst schnell fit sein möchten, mit Home-Fitnessgeräten.

Die Gebrauchsanleitung lesen oder sich

das Gerät von einem der Verkäufer erklären

lassen? Roland Mayer kommt

dem zuvor, nimmt selbst Platz und demonstriert,

wie das funktioniert – das „high intensity

training für alle Muskelgruppen“ am „Finnlo

Maximum by Hammer Cardio Strider“. Anglizismen

liegen im Trend. Und der Trend ist ein

Freund in der Welt der Fitness, die auf solche

reagiert oder besser noch selbst welche kreiert.

Dazu kommt, dass die Hammer Sport AG, der

Fitnessgerätehersteller mit Sitz in Neu-Ulm, in

über 50 Ländern mit ihren Produkten und Marken

vertreten ist. Da gerät der Marken-Sprech

leicht einmal zum verbalen Drahtseilakt. Nahezu

600 verschiedene Artikel umfasst das Sortiment,

erläutert Mayer, der zusammen mit

Markus Hammer aus der Gründerfamilie die

Geschäfte führt. Dazu gehören Utensilien für

Box- und Kampfsport sowie die weltbekannten

Bälle von Mikasa, wofür Hammer seit 1982 den

Generalvertrieb für Deutschland innehat.

1989 ALS WENDEJAHR

Der entsprechende Vertrag mit dem japanischen

Hersteller und Olympia-Ausrüster hatte

einst wesentlich dazu beigetragen, dass der

50


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[machen]

Neustart des Familienunternehmens gelang.

Damals waren gerade mal vier Mitarbeiter an

Bord, heute sind es rund 150. 1984 kam der Vertrieb

von Fitness-Geräten eines US-Herstellers

hinzu. 1989 war dann auch für Hammer ein

Wendejahr. Man trat erstmals mit Fitnessgeräten

unter der Marke „Hammer“ für den Hausgebrauch

an. 1999 erfolgte die Umwandlung

in eine AG, womit eine Kapitalerhöhung einherging.

So war man in der Lage, 2005 eine

weitere Marke auf dem Fitnessgeräte-Markt

einzuführen – „Finnlo“. Letztere deckt seither

das Premium-Segment ab, einzelne Geräte erreichen

auch mal die 9.000-Euro-Schwelle

und sind sogar für den semiprofessionellen

Einsatz geeignet, erläutert Mayer. Geräte der

Marke „Hammer“ hingegen sind im mittelpreisigen

Marktsegment positioniert und dienen

als Angebote für den Einstieg. „Beide Bereiche

wachsen“, so der Geschäftsführer. Sie

seien die mit Abstand bedeutendsten für das

Unternehmen. Ihr Anteil am Gesamtumsatz,

der mit 30 Millionen Euro ausgewiesen ist,

liege bei 80 Prozent. Die Produktion erfolge

ausschließlich im Ausland und meist bei langjährigen

Partnern. Die Entwicklung aber erfolge

in Teilen durch eigene Mitarbeiter. Bei

Bedarf würden Aufgaben auch extern vergeben.

Der Vertrieb werde ausschließlich in Eigenregie

erledigt.

Von der Skipiste über den Tennisplatz ins Wohnzimmer

Es braucht nicht immer ein Studio, um zu trainieren, mit dem „Hammer“ geht das auch daheim.

Das Unternehmen Hammer Sport AG

hat sich im Verlauf seiner Geschichte

gleich mehrfach neu erfunden. Um 1900

erweiterte der Gründer Heinrich Hammer

das Leistungsspektrum seiner Kundensägerei

in Erbach um die Produktion von

Leiterwagen und Rodelschlitten. Zwischen

1950 und 1960 wurden Faltboote

gefertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg

wurde die Firma deutschlandweit bekannt

als Hersteller von Tennisschlägern

und Skiern der Marke Erbacher. Sportler

gewannen auf Erbacher-Skiern Weltmeistertitel

und Olympia-Gold. Die Kehrseite

des Geschäfts war die extreme Abhängigkeit

vom Wetter. Ende der 1970er Jahre

erfolgte der Verkauf an den Sportartikelhersteller

Dunlop. 1982 dann der Neuanfang

unter dem Namen „Hammer Sport“

durch Günter und Christa Hammer. Die

AG, unter deren Dach sich der heute

zweitgrößte Home-Fitnessgerätehersteller

in Deutschland befindet, ist bis heute

zu 100 Prozent im Familienbesitz. THV

EIGENE VERTRIEBSWEGE

Bei den Vertriebskanälen befindet sich die Firma

seit längerem im Umbruch. Erst wurde die

einst starke Abhängigkeit von Versand- und

Warenhäusern reduziert. Mittlerweile verringere

man diese ebenfalls vom Sportfachhandel,

auf den nach Mayers Angaben noch etwas

mehr als die Hälfte des Umsatzes entfalle. Dies

stellt eine Reaktion dar: Man habe sich damit

konfrontiert gesehen, dass die Sportartikelhändler

zunehmend die Verkaufsflächen für

sperrige Fitnessgeräte reduzieren. Mit spürbaren

Folgen: „Die Nachfrage im Fachhandel erfolgte

nicht mehr im gewünschten Maß.“

Wiederum zog Hammer die Konsequenzen.

So werde nun schon fast die Hälfte des Umsatzes

über eigene Vertriebswege erzielt – Tendenz

steigend. In elf deutschen Städten und

zwei in der Schweiz betreibt Hammer eigene

Ladengeschäfte. 2012 kam der Online-Shop

www.hammer.de dazu und komplettiert seitdem

die Multi-Channel-Strategie. Für die beiden

jüngsten Vertriebskanäle kann Mayer ein

ganzes Bündel an Begründungen nennen. Die

Beratungsintensivität vieler der Geräte spräche

klar für eigene Läden mit kompetentem

Verkaufspersonal. Ihre Zahl solle daher in den

kommenden Jahren weiter erhöht werden.

Der Online-Shop wiederum wirke sich positiv

auf die Markenbekanntheit aus. Der Gesundheitstrend

liefert dabei den Orientierungspunkt.

Hammer möchte nicht nur die passenden

Geräte dazu beisteuern, sondern gleich

noch die passenden Informationen wie etwa

Trainingspläne und Ernährungsberatung.

Den Kunden bei seinen Fitness-Zielen zu unterstützen

und ihn dauerhaft zu begleiten, so

lautet das Credo. Facebook ist ein sehr wichtiger

Kommunikationskanal. Der Trend im

Trend lautet: „Die Leute wollen die Kompetenz

erhalten, schnell fit zu werden“, erklärt

Mayer. [!]

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[gründen] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Musik aus der Holzbox

Familienvater Rainer Brang war schlicht genervt – vom Wegwerfspielzeug seines Sohns. Also baute er einen nach hal tigen

MP3-Player für sein Kind. Der kam im Bekanntenkreis so gut an, dass der Nürtinger die Firma Winzki gründete.

Acht Jahre ist die Geburtsstunde des ersten

Hörberts her. Damals sucht Rainer

Brang einen kindertauglichen MP3-

Player für seinen Sohn, findet aber nur billige

Plastikmodelle. So zimmert der Softwareentwickler

eine kinderschuhkartongroße Holzbox,

fräst Löcher für Lautsprecher und Knöpfe

hinein und schraubt das Ganze mit einem

Griff und einer Platine zusammen. Zur Geschäftsidee

wird der Hörbert, als immer mehr

Freunde und Verwandte Gefallen am Player

im Retro-Look finden.

Der Tüftler fängt an, kleine Stückzahlen zu

fertigen. Schnell verdoppeln sich die Bestellungen.

2011 geht Brang aufs Ganze. Er nimmt

50.000 Euro aus eigener Tasche, gründet das

Unternehmen Winzki GmbH & Co. KG und

produziert den Musikspieler in Serie.

EIN-PRODUKT-STRATEGIE

Von Anfang an setzt Brang auf eine Ein-

Produkt-Strategie. „Wer zu viele Pferde

ins Rennen schickt, verzettelt sich“,

meint er. Das Motto: „Finde die richtigen

Kunden für dein Produkt, nicht

umgekehrt.“ In Brangs Fall sind das vor allem

junge Familien, die Wert auf Natürlichkeit

legen. Das Konzept geht auf. Bisher wurden

12 000 Hörberts in elf Länder verkauft. 17 Mitarbeiter

setzen auf 650 Quadratmetern jeden

Player in Handarbeit zusammen. Das Unternehmen

hat sich Nachhaltigkeit auf die Flagge

geschrieben. Statt aus Kunststoff besteht

das Gehäuse aus Buche, Pappel und Birke. Natürlich

aus regenerativer Forstwirtschaft. Der

Unternehmenssitz in Frickenhausen bei Nürtingen

liegt strategisch günstig: „Im Süden

sitzen die Lieferanten, die unsere speziellen

Wünsche mit Herzblut umsetzen“, sagt Brang.

Drei Viertel der Bauteile kommen aus

Deutschland, viele aus Baden-Württemberg

und Bayern. „Gibt’s Probleme,

sparen wir

uns langwieriges

Hin- und Herschicken“,

erklärt der

41-Jährige. Stattdessen

sucht Brang

den persönlichen

Kontakt. Tüftelt

beispielsweise einen

halben Tag

mit dem Lieferanten

an der richtigen

Form des Laut-

Firmenchef Winzki

Rainer Brang,

stärke-Dreh-

knopfs. Die bunten Tasten findet er bei einem

Automobilzulieferer in Dänemark. Nur den

Lautsprecher fertigt Visaton in Asien.

Der Hörbert ist mit einem Verkaufspreis von

239 Euro kein Schnäppchen und daher für

den Vertriebsweg über Großhändler zu uninteressant.

Durch die hohen Herstellungskosten

bleibt den Händlern lediglich eine Marge

von gut 20 Prozent. Zu wenig für die Spielzeugwarenbranche.

Üblich ist dort ein

Aufschlag von rund 200 Prozent.

Immerhin haben 25 Händler in

Deutschland und der

Der Höbert ist mit seinen bunten Knöpfen ein

absoluter Hingucker für die Kleinen.

52


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[gründen]

Schweiz den Hörbert im Sortiment. Brang

setzt daher vor allem auf Direktvertrieb. 75

Prozent der Kunden bestellen über den eigenen

Onlineshop.

DIE EMPFEHLUNG IST WICHTIG

Da drei Viertel der Neukunden den Hörbert

auf Rat eines Bekannten kaufen, haben Brang

und sein Marketingteam eine abgestimmte

Strategie aus Neuansprache und Kundenbindung

entwickelt: Jede Werbe-Bestellung, die

durch einen Freund ausgelöst wird, belohnt

die Firma Winzki mit einem Hörbert-T-Shirt.

Clever: Das gelbe Hemdchen fällt auf und so

kommen Eltern, der Träger und potentielle

Neukunden ins Gespräch.

Sieben Jahre vergehen, in denen Brang vom

Selbstständigen zum Unternehmer mit Personalverantwortung

wird. „Es ist essentiell, dass

Gründer Entwicklungsstufen realisieren und

Organisationsstrukturen anpassen“, erzählt er.

Seit einigen Monaten baut das Team ein eigenständiges

Qualitätsmanagement auf. Im Tagesgeschäft

falle so manche Veränderung gar

nicht auf. Um diese zu be merken, sei der Blick

von außen nötig. Doch egal wie aufmerksam

ein Gründer auf sein Unternehmen blickt, unerwartete

Hindernisse stellen Businesspläne

auf den Kopf. So hatte das Hörbert-Team die

Tücken des internationalen Elektronikgeschäfts

zunächst unterschätzt. Anmeldefristen,

Lizenzen, Entsorgungs- und GEMA-Gebühren

erschweren den Export. Eine

übergreifende Regelung gibt es nicht. Je nach

Land liegen die Kosten, die anfallen, bevor der

erste Hörbert auf die Reise geht, zwischen mehreren

100 bis weit über 1.000 Euro. „Gut, dass

ich das zum Zeitpunkt der Gründung nicht

wusste“, schmunzelt Brang. Inzwischen regelt

ein externer Dienstleister diese Aufgaben.

Trotzdem muss der Unternehmer akzeptieren,

dass beispielsweise Kunden aus den USA aufgrund

nationaler Importrichtlinien vorerst

nicht beliefert werden können. Und das, obwohl

Hörbert im Museum of Modern Art in

New York 38.000 Besucher unter dem Motto:

Nachhaltigkeit als

Wettbewerbsfaktor

Deutsche Konsumenten kaufen lieber

bei nachhaltig wahrgenommenen Unternehmen

als bei der billigen Konkurrenz.

Das belegt eine Studie der Agentur

Serviceplan Corporate Reputation

und der Managementberatung Biesalski

& Company. Mehr als 8.100 Kunden

von 104 Unternehmen aus 16 Branchen

wurden gefragt, wie nachhaltig

sie einzelne Marken einschätzen.

Gleichzeitig sollten Probanden das eigene

Kaufverhalten einschätzen. GYS

„Anfassen, Ausprobieren, Benutzen“ begeistert

hat. Es tue schon weh wöchentlich zwei US-

Anfragen abzulehnen, so Brang. Den Mut rauben

solche Komplikationen dem Bastler nicht:

„Wir werden unser Unternehmen gemeinsam

so weiter gestalten, dass es für künftiges

Wachstum gerüstet ist.“ [!] RONJA GYSIN

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53


[leben] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Nur Mut!

Die Anforderungen an Unternehmen und Unternehmer wachsen rasant. Unser Mitarbeiter Stefan Loeffler hat

sich für unsere Umfrage in den Führungsebenen nach den dringlichsten Aufgaben der vergangenen zehn Jahren

erkundigt – und bekam Antworten, wie Firmen jedweder Größe den Wandel meistern.

Was war für Sie die größte geschäftliche Her ausforderung

in den vergangenen zehn Jahren und

wie sind Sie damit umgegangen?

Eine große Herausforderung der letzten zehn Jahre war die Realisierung eines einzigartigen Projektes in Saudi-

Arabien. Wir haben 250 Großschirme und einen Supergroßschirm in die Moscheen nach Medina und Mekka

geliefert, aufgestellt und erfolgreich in Betrieb genommen. Eine unglaubliche Teamarbeit auf technischem und

vertraglichem Neuland!

Mario Trunzer ist seit 15 Jahren Geschäftsführer bei der Liebherr-Werk Ehingen GmbH

und Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ulm.

Das über hundertprozentige Wachstum der HNU – sowohl in Bezug auf die Anzahl an Studierenden, als auch in

Bezug auf die Kolleginnen und Kollegen in der Lehre und Verwaltung – und dabei den partnerschaftlichen Zusammenhalt

intern zu bewahren, ist für mich mitunter die größte Herausforderung als Präsidentin.

Prof. Dr. Uta M. Feser ist seit 2006 Präsidentin der Hochschule Neu-Ulm (HNU).

Die größte geschäftliche Herausforderung in den letzten zehn Jahren ist nicht gewesen, mit einem Einzelereignis

fertig zu werden, sondern jeden Tag mit frohem Mut, mit guter Laune, aber auch mit Sachverstand und einer hohen

Energieleistung alles zu tun, was getan werden muss. Die Kunst besteht darin, die Belange der Menschen mit den

Anforderungen des knallharten Wirtschaftslebens so in Übereinstimmung zu bringen, dass es keine Opfer, sondern

nur Gewinner gibt.

Ernst Prost stieg 1990 als Vertriebs- und Marketingchef bei Liqui Moly ein.

Seit 1998 ist er alleiniger geschäftsführender Gesellschafter.

54


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[leben]

Es war 2008, als der Auftragseingang bei ESTA schlagartig in Folge

der von den USA ausgehenden Immobilien- und Finanzkrise um

40 Prozent einbrach. Wir erlebten die wuchtigste Nachkriegsrezession

von minus fünf Prozent des BIP. Die Kosten mussten sofort

dem reduzierten Geschäftsvolumen angepasst werden. Mir

wurde schlagartig deutlich, in welchem Maße die Belegschaft Vertrauen

in die richtigen Maßnahmen der Geschäftsleitung legt und

wir entschieden uns, unter Verzicht auf gebotene Entlassungen

die Möglichkeiten von Kurzarbeit zu nutzen. Unter den Mitarbeitern

entwickelte sich ein auf Solidarität gegründetes Zusammengehörigkeitsgefühl

bis hin zu selbst angebotenen Gehaltsverzichten

auf Geschäftsleitungsebene. Als die Konjunktur wieder anzog,

waren wir lieferfähig.

Dr. Peter Kulitz ist seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter

des Familienunternehmens ESTA sowie Präsident der Industrie- und

Handelskammer Ulm.

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In der Healthcare-Branche besteht aktuell die größte Herausforderung

darin, dem ständigen Wandel zu begegnen. Denn die Komplexität

im Markt hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen,

vor allem durch die Digitalisierung und den

Fachkräftemangel. Bei allen ganz großen Herausforderungen und

Niederlagen, vor denen Unternehmen stehen, wende ich eine

wichtige Übung an. Gemeinsam mit den Mitarbeitern fragen wir

uns: „Warum ist es gut, dass es so ist, wie es ist?“ Es gilt drei Dinge

herauszufinden, die an der aktuellen Situation gut sind – und die

gibt es immer. Dadurch verändert man die eigene Perspektive und

findet neue Wege.

Die studierte Betriebswirtschaftlerin Katrin Wenzler ging 2000 als

Business Development Manager zur Marvecs GmbH und ist seit 2004

Geschäftsführerin.

Auch wenn es bei der heute sehr gut laufenden Baukonjunktur

fast nicht mehr vorstellbar ist, so ist es doch noch nicht sehr lange

her, dass Insolvenzen, Arbeitsplatzabbau und Firmenkrisen in der

deutschen Bauwirtschaft normal waren. Da wir nach wie vor auf

eigene Mitarbeiter setzen, und auch mit unseren Lieferanten einen

partnerschaftlichen Umgang pflegen, war es eine große Herausforderung

in diesen schwierigen Zeiten immer für eine gute

Auslastung unserer Produktionswerke, unserer 1.700 Mitarbeiter,

aber auch unserer Lieferanten zu sorgen. Durch Produktentwicklungen

in der Nachverdichtung, im mehrgeschossigen Wohnungsbau

und auch durch kontinuierliche Weiterentwicklung

unserer Energieplushäuser ist es uns gelungen, keinen Mitarbeiter

entlassen zu müssen.

Johannes Schwörer ist Geschäftsführer der Schwörer Haus KG

in Hohenstein/Oberstetten.

55


[leben] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Für mich war es eine große Herausforderung, vor rund zehn Jahren den Generationenwechsel auf der Insel Mainau

erfolgreich mitzugestalten. Dass dieser so gut gelang, darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Als ich im Jahr 2007

die Geschäftsführung der Mainau GmbH von meiner Mutter, Sonja Gräfin Bernadotte, übernahm, ging eine längere

Phase der Vorbereitung zu Ende. In dieser, wie auch danach, wurden wir von einem gemeinsamen Coach begleitet,

der uns mit Rat und Tat zur Seite stand und bei diversen Themenstellungen zwischen allen Beteiligten moderierte.

Die studierte Kunstgeschichtlerin Bettina Gräfin Bernadotte ist seit 2007 Geschäftsführerin der Mainau GmbH.

Im Jahr 2007 hat die Berg Brauerei ein neues Sudhaus in Betrieb genommen, nachdem das alte Sudhaus nach

40 Jahren verschlissen war. Es war die größte Investition der Brauerei seit Jahrzehnten. Es galt die Rezepte aller

14 Bierspezialitäten so weiterzuentwickeln, dass die Biere denselben Charakter hatten, wie sie die Verbraucher

von ihrer Brauerei schätzten. Dafür haben wir uns zwei Jahre Zeit genommen. Im Jahr 2016 hat die Brauerei ihr

Jubiläum „550 Jahre auf dem Berg“ über mehrere Monate mit zahlreichen Aktivitäten in Getränkemärkten und in

der Gastronomie mit dem Endverbraucher gefeiert.

Der Diplom-Braumeister Uli Zimmermann stieg 1986 in die familiengeführte Berg Brauerei in Ehingen ein,

die er seit 1994 mit seiner Frau Beate leitet.

Als größter und einziger in Deutschland produzierender Hersteller setzen wir mit unseren Reise-, Stadt- und Überlandlinienbussen

seit Jahren Maßstäbe in den Bereichen Ökologie und Ökonomie. Aus diesem Grund gehörte die

erfolgreiche Umstellung aller in Neu-Ulm produzierten Omnibusse der Setra TopClass und Setra ComfortClass auf

die umweltfreundliche und wirtschaftliche Euro VI-Motorentechnologie zu unseren größten Aufgaben. Begeisterte

Kunden und Rekordabsatzzahlen der Marke Setra stehen für diesen Erfolg.

Hartmut Schick ist seit 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung der Evobus GmbH und

verantwortet das weltweite Busgeschäft des Daimler-Konzerns.

Zur größten Herausforderung gehörte in den Jahren 2010 und 2011 die Planung und Realisierung eines gigantischen

Logistikprojekts zur Produktionsversorgung eines Autoherstellers. Bei dem größten Einzelauftrag unserer

Firmengeschichte stellen wir in der 46.000 Quadratmeter großen Halle die sekundengenaue Bandanlieferung bei

der Motorenmontage sicher. Zudem feierten wir 2017 unser 70. Firmenjubiläum mit mehreren tausend Mitarbeitern

und ihren Familien und haben in der Seifert Logistics GmbH in diesem Jahr 900 neue Mitarbeiter eingestellt.

Harald Seifert ist geschäftsführender Gesellschafter der Seifert Logistics GmbH. 1976 trat er in

den Transportbetrieb seines Vaters ein, der damals fünf Mitarbeiter beschäftigte.

Als führendes Medienunternehmen für touristische Informationen ist für uns die größte Herausforderung, den Medienwandel

bzw. die Digitalisierung nicht als Gefahr, sondern als Chance zu verstehen und die richtigen Strategien

für die Zukunft zu entwickeln. Um in diesem Umfeld den richtigen Weg zu gehen, haben wir uns entschieden, das

Projekt „Cross Channel Strategie“ aufzusetzen. Dessen Ziel: Eine übergreifende Strategie für unsere digitalen Marken-Kanäle

sowie konkrete Maßnahmen für die optimale Verzahnung von Digital und Print zu erarbeiten.

Kurt Pulinna ist Betriebsleiter des Ulmer Logistikzentrums der Mairdumont GmbH & Co. KG. Das Unternehmen mit Sitz in

Ostfildern ist die größte deutsche Reiseverlagsgruppe und gibt unter anderem die Marco-Polo-Reiseführer heraus.

56


unternehmen [!] Ausgabe 60 | Dezember 2017

[leben]

Im letzten Jahrzehnt stand die möglichst nachhaltige Ausrichtung unserer Brauerei im Mittelpunkt unserer unternehmerischen

Aktivitäten – also die ganzheitliche Verbindung von Ökologie und Ökonomie. So haben wir die gesamte

Produktion auf erneuerbare Energien umgestellt, beim Bezug unserer Rohstoffe den direkten Kontakt zu den

erzeugenden Landwirten gesucht und unser Bier- und Getränkesortiment Zug um Zug um Bio-Produkte erweitert.

Deren Umsatzanteil liegt zwischenzeitlich bei knapp 50 Prozent – mit stark wachsender Tendenz.

Der Diplom-Volkswirt Gottfried Härle ist seit 1985 Geschäftsführer der Brauerei Clemens Härle in Leutkirch.

Die größte Herausforderung in den letzten Jahren war es für mich, das Amt des Präsidenten der Handwerkskammer

Ulm zu verbinden mit meiner unternehmerischen Tätigkeit in meinem Betrieb in Leutkirch. Es ist mir wichtig, diese

Aufgabe gut zu machen; ich möchte 19.000 Betrieben in der Politik und der Öffentlichkeit Gehör und Wertschätzung

verschaffen, so wie es diese Betriebe verdienen. Gleichzeitig will ich meinen Kunden größtmögliche Qualität

und Verlässlichkeit anbieten. Das ist oft ein Spagat zwischen unternehmerischer Tätigkeit und Repräsentation als

Präsident der Handwerkskammer. Glücklicherweise habe ich diese Herausforderung gemeinsam mit meinem

Sohn, den Familienmitgliedern und meinen Mitarbeitern meistern können.

Der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister Joachim Krimmer ist seit 1982 Inhaber der Otto Krimmer OHG

in Leutkirch und seit drei Jahren Präsident der Handwerkskammer Ulm.

Rückblickend würde ich sagen, die größte Herausforderung war die Markterweiterung und Internationalisierung

mit Aufbau des Baumanagements für anspruchsvolle, groß dimensionierte, komplexe, schlüsselfertige Bio-Designhäuser

– inklusive Dienstleistung für den Export. Spannend waren auch die zu entwickelnden Strategien, um relevante

Zielgruppen in uns nicht bekannten Märkten zu erreichen und Netzwerke dafür aufzubauen. Über die dadurch

erzielte steigende Nachfrage nach wohngesunder Architektur freue ich mich deshalb ganz besonders.

Die Allgäuerin Dagmar Fritz-Kramer leitet den Ökodesignhäuser-Spezialist Baufritz seit 2004 als

geschäftsführende Gesellschafterin in der vierten Generation.

Die größte Herausforderung in den vergangenen zehn Jahren waren ganz eindeutig die Vorplanung und der Bau eines

neuen Gebäudes auf unserem Firmengrundstück. Hier sind nun eine Waschhalle und Schulungs-, Aufenthaltsund

Lagerräume für Reinigungsmittel sowie für unsere Maschinen und Geräte für Sondereinigungen untergebracht.

Die Realisierung der neuen Lagerhalle, die im Jahr 2014 fertiggestellt wurde, war nicht immer ganz einfach,

da sie während des laufenden Betriebs über die Bühne gehen musste. Heute bin ich sehr froh, dass ich dieses Projekt

angepackt habe.

Jürgen Barz ist seit 1992 Geschäftsführer und Inhaber der gleichnamigen Gebäudereinigungs-Firma.

Meine größte Herausforderung bei der Realisierung meiner beruflichen Vision 2008 war der Mut! Kann ich aus einem

gefühlten Sicherheitsgerüst als Personalleiterin den Schritt in die Selbstständigkeit wagen? Doch was könnte

mich, nachdem ich zehn Jahre meine berufliche Vision geplant und umgesetzt habe, noch davon abhalten? Durch

meine Entwicklung und Reifung, nicht nur in den Höhen, sondern insbesondere durch die Herausforderungen des

Lebens, weiß ich, welche Kraft in der gefühlten Angst und der eigenen Überzeugtheit für die Zielerreichung steckt.

Petra Bergmann ist Business Coach, Unternehmensberaterin, Dozentin und Inhaberin ihrer Agentur Bema Coaching.

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[namen & nachrichten] Ausgabe 60 | Dezember 2017 unternehmen [!]

Schuler:

Iacovelli löst

Klebert ab

Der Vorstandsvorsitzende der

Göppinger Schuler AG, Stefan

Klebert, verlängert

seinen

Vertrag

nicht. Er

scheide am

24. April

2018, dem

Domenico Iacovelli

wird Chef der

Schuler AG.

Tag der ordentlichen

Hauptversammlung,

einvernehmlich

aus, teilte Schuler mit. Klebert

leitet den Pressenbauer seit

2010. Sein Nachfolger wird Domenico

Iacovelli, der im November

als weiteres Vorstandsmitglied

und stellvertretender

Vorstandsvorsitzender vom

Aufsichtsrat bestellt worden ist.

Darlehen für

Flughafen

Friedrichshafen

High-Tech-Zentrum für Satelliten

Mit neuen Darlehen der Gesellschafter

in Höhe von 13,6 Mio.

Euro soll der von Verlusten geplagte

Bodensee-Airport Friedrichshafen

neu ausgerichtet

werden. Gut die Hälfte soll zur

Tilgung anderer Darlehen genutzt

werden, um die Zinslast

zu senken. Der Rest soll dazu

dienen, anstehende Investitionen

in Höhe von rund 13 Millionen

Euro bis zum Jahr 2022

mitzufinanzieren.

Vito und

Sprinter werden

elektrisch

Mercedes-Benz setzt für seine

gewerblichen Transporter auf

E-Mobilität. Vom Sommer 2018

an soll als erstes Modell ein eVito

verfügbar sein. Weitere Baureihen

sollen ab 2019 folgen.

„Wir sind von der Notwendigkeit

des elektrischen Antriebs

in unseren Vans überzeugt, allen

voran im innerstädtischen

Bereich“, sagte Volker Mornhinweg,

Leiter der Vans-Sparte. Auf

den elektrischen Vito soll 2019

der E-Sprinter folgen.

Freude über

abgesagte Fusion

der Volksbanken

Der Bau von Europas modernsten Satelliten-

Hub, der am Airbus-Standorts Friedrichshafen

(Immenstaad) entsteht, geht zügig voran.

Kern des 4250 Quadratmeter großen, vierstöckigen

Integrations- und Technologiezentrums

ist ein zentraler Reinraum für die Entwicklung

und den Bau von Satelliten. Die

Kosten für das Gebäude mit Abmessungen

von rund 70 x 60 Metern und einer Attikahöhe

von etwa 20 Metern liegen bei rund 45 Millionen

Euro. Die Inbetriebnahme ist für den Spätsommer

2018 vorgesehen.

Mit viel Optimismus hatten die

Volksbanken Göppingen und

Stuttgart im Sommer eine Fusion

angegangen. Die ist nach

erheblichen Bedenken in Göppingen

nun gescheitert. Ursprünglich

wollten die beiden

Institute ihre Kräfte bündeln,

um zu den großen Sparkassen

in der Region Stuttgart aufschließen

zu können. Nun wollen

die beiden Institute themenbezogen

kooperieren. Die

Volksbank Stuttgart ist mit einer

Bilanzsumme von 6,5 Milliarden

Euro fast drei Mal so groß

wie die Göppinger. In der Stauferstadt

ist die Freude groß: „Ich

begrüße es sehr, dass die Volksbank

Göppingen eine Göppinger

Bank bleibt“, sagt Oberbürgermeister

Guido Till. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Andreas Simmet

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel, Titelinterview,

Editorial), Volkmar Könneke,

Lars Schwerdtfeger, Matthias

Kessler, Giacinto Carlucci,

Amrei Groß, Werkfotos, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

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Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18.000 Exemplare

Nächste Ausgabe

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Lorcher Str. 151, 73529 Schwäbisch Gmünd

Sven Himmler, Tel. 07171 357 2175

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