2018/29 - unternehmen[!] - August

suedwest.presse

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 63 | Juli 2018 | 3,00 €

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Digitaler

Taktgeber

Der Markt ist umkämpft, der Wandel rasant:

Stefan Bill steht in diesen unruhigen Zeiten an der

Spitze der Sparkasse Ulm – seit 100 Tagen.

Personal Warum sich Firmen über Familien Gedanken machen sollten SEITE 6

Patente Wie Mittelständler ihre Ideen schützen können SEITE 33

Pubertät Führungskräfte erinnern sich: Mein erster eigener Urlaub SEITE 42


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unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

wirtschaftspolitisch herrscht in Deutschland

Stillstand und doch läuft die Konjunktur

gut. Die Unionskrise und der CSU-Komödianten-Stadl

lähmen die Bundesregierung

und zeigen zugleich: Für die Wirtschaft ist es

von Vorteil, wenn niemand hineinregiert.

Dennoch hat Deutschland Reformbedarf,

beispielsweise bei Digitalisierung und Rente.

Diese Themen gehören auch nicht auf die

lange Bank geschoben. Unternehmen können

sich nicht so viel Zeit nehmen wie die

Politik. Das Veränderungstempo ist hoch,

wie unser Titelinterview mit dem neuen

Vorstandschef der Sparkasse Ulm, Stefan Bill,

zeigt. Er spricht davon, dass die Wirtschaft

in der Region voll im Saft steht. Das liegt an

innovativen Unternehmen, die wissen wie

sie ihre Ideen schützen können (S.33), an

Machern wie dem Elektro-Autobauer Efa-S

und findigen Tüftlern wie Rezemo (S.28).

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

[führen]

6 Wie es euch gefällt So machen sich

Unternehmen fit für die Vereinbarkeit

von Beruf und Familie

[titelthema]

10 Stratege in der Neuen Mitte

Sparkassen-Chef Stefan Bill im

Gespräch

[spezial]

20 Aufladen, bitte! Die Tranporter-

Branche steht unter Strom

33 Patente Lösungen Lassen Sie sich Ihre

Ideen nicht klauen

[machen]

26 Der mit den großen Vögeln Wolfgang

Schmid aus Waldburg züchtet Strauße

30 Alles im Griff Legt Design in unsere

Hand – Griffwerk aus Blaustein

36 Aus alt mach Elektro Die EFA-S GmbH

aus Zell/Aichelberg sorgt für E-Mobilität

[gründen]

28 Die Kapsel-Revolution Rezemo aus

Stuttgart: nachhaltiger Kaffee-Genuss

mit Holz

[finanzieren]

38 Mit schützender Hand

Familien stif tungen zum Wohl von Firma

und Hinterbliebenen

[leben]

44 Sommer, Sonne, Abenteuer

Führungskräfte erinnern sich an ihren

ersten eigenen Urlaub

[namen & nachrichten]

4 Conti baut Forschungscampus

4 Millionen-Projekt von Boehringer

in Biberach

5 Schuler und das gute Gefühl mit

Bargeld

32 Ferienaktion für Schüler

45 Sensoren schützen Radfahrer

46 1000 neue Arbeitsplätze im Allgäu

46 Impressum

06

20 28

26 33

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Conti baut Forschungscampus

Die Medien sind voll von Themen

rund um das autonome Fahren,

in Ulm wird an dieser Zukunftstechnologie

geforscht. Die

Stadt an der Donau hat sich in

Deutschland zu einem der Hot-

Spots für Car-IT entwickelt –

auch dank des Continental-Konzerns

aus Hannover. Der hatte

vor knapp fünfeinhalb Jahren in

der sogenannten „Wissenschaftstadt“

ein Forschungszentrum

eröffnet und 120 ehemalige Nokia-Mitarbeiter

eingestellt, nachdem

der finnische Mobilfunkkonzern

seine Handyforschung

aufgegeben hatte.

Heute arbeiten bei Conti in Ulm

und Neu-Ulm rund 500 Mitarbeiter,

verteilt an drei Standorten, an

der „Vision zero“, also dem Ziel

des unfallfreien Fahrens. Weil der

Geschäftsbereich Fahrerassistenzsysteme

als Teil der Division

Chassis & Safety boomt, will

Conti in der Region weiter wachsen

und die Zahl der Mitarbeiter

erhöhen. Daher baut der Autozulieferer

in Neu-Ulm einen Forschungscampus,

der im Januar

2021 bezogen werden soll. Damit

wird das 4000 Quadratmeter große

bisherige Forschungszentrum

frei, das der Darmstädter Software

AG-Stiftung gehört.

Die Zentrale für den Standort

Ulm, an dem es um Kamera und

Radarsysteme zur Erfassung des

Fahrzeugumfeldes geht, sitzt in

Lindau. Dort arbeiten rund 850

Mitarbeiter an 25 Standorten, unter

anderem in den USA, Mexiko,

Japan, Korea, Indien, China, Philippinen,

Rumänien und Deutschland.

Weltweit sind 7000 Mitarbeiter

im Geschäftsbereich

Fahrerassistenzsysteme tätig.

Dieser entwickelt und produziert

als Systemlieferant Sensoren,

Fahrfunktionen und Steuergeräte

für das assistierte sowie automatisierte

Fahren. 2017 betrug

der Umsatz mit Assistenzsystemen

1,6 Milliarden Euro. 2020

sollen es bereits 2,5 Milliarden

Euro sein. [!]

AMB

In Ulm und Lindau wird an Fahrerassistenzsystemen geforscht, produziert

werden sie unter anderem in Ingolstadt.

Foto: Jörg Koch

Millionen-Projekt von Boehringer in Biberach

Das Pharmaunternehmen

Boehringer Ingelheim baut für

230 Millionen Euro ein neues

Entwicklungszentrum für biotechnisch

produzierte Wirkstoffe

in Biberach. Das Gebäude soll

im Jahr 2020 bezogen werden.

„Die Investition ist ein wichtiger

Baustein in der langfristigen Strategie

des Unternehmens“, betonte

Fridtjof Traulsen, der Leiter

Globale Entwicklung Humanpharma.

„Damit setzen wir auf

einen zunehmenden Anteil biologischer

Arzneimittel in unserer

Pipeline – insbesondere in zwei

unserer Kernbereiche: nämlich

Immunonkologie und Immunologie”,

sagte Traulsen. Baden-

Württemberg ist nach den Worten

von Nicole Hoffmeister-Kraut

schon heute der Pharmastandort

Nummer 1 in Deutschland. „Das

Entwicklungszentrum ist ein

starkes Signal, um diese Kompetenz

auszubauen“, sagte die baden-württembergische

Wirtschafts-

und Arbeitsministerin

bei der Grundsteinlegung des

Neubaus. Neben Biopharmazeutika,

gehören Humanpharmazeutika

und Tiergesundheit zu den

230 Millionen Euro fließen in das neue Entwicklungszentrum.

Geschäftsbereichen von Boehrunger

Ingelheim. In dem neuen

Entwicklungszentrum sollen

biologische Analytik, Prozessentwicklung

und die Medikamentenherstellung

für klinische Studien

gebündelt und Abläufe

optimiert werden. Mit dem Einzug

in das Gebäude Ende 2020

wird das Entwicklungsteam in

Biberach nach und nach um weitere

100 auf insgesamt 500 Mitarbeiter

anwachsen.

Konzwernweit arbeiten rund

50.000 Mitarbeiter für den Arzneimittelhersteller,

6013 davon

am Standort Biberach. Im vergangenen

Jahr erwirtschaftete der

Pharma-Experte Umsatzerlöse

von 18,1 Milliarden Euro. [!] SEI

4


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[namen & nachrichten]

Schuler und das gute Gefühl mit Bargeld

Mit Umfragen im Auftrag von

Unternehmen ist das so eine Sache.

In aller Regel verfolgen Unternehmen

eigene Interessen.

Umso überraschender kommen

auf den ersten Blick die Ergebnisse

einer Umfrage daher, die der

Göppinger Pressenbauer Schuler

in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis:

Die Bürger im deutschsprachigen

Raum wollen nicht

auf Münzgeld verzichten.

89 Prozent der Bevölkerung in

Deutschland, Österreich und der

Schweiz haben in den vergangenen

48 Stunden Münzen als Zahlungsmittel

verwendet. 86 Prozent

der Befragten finden es

wichtig, dass es Münzen gibt, sogar

89 Prozent sind es in der

Schweiz. 88 Prozent gibt Bargeld

ein gutes Gefühl, und sieben von

zehn Teilnehmern an der Umfrage

vermitteln Münzen beim Bezahlen

Sicherheit. Die Sicherheitsmerkmale

der Münzen

überprüft kaum jemand. Da

kommt wieder Schuler ins Spiel.

Denn Entwicklungen wie die

Fünf-Euro-Sammlermünze mit

Polymerring werden mit Schuler-

Technologie geprägt und bieten

verschiedene Sicherheitsmerkmale.

Vor wenigen Wochen erschien

die dritte Ausgabe der

Münze „Subtropische Zone“.

2017 erwirtschafteten 6570 Schuler-Mitarbeiter

einen Umsatz von

1,23 Milliarden Euro. Das Ergebnis

vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen

stieg auf 141 Millionen

Euro. [!]

AMB

Viele Sammlermünzen werden mit Schuler-Technologie geprägt.

Grüße von

Bosshoss

Mit einem Fest und viel Wertschätzung

haben Mitarbeiter,

Weggefährten und Kunden Thomas

Witzel (61) in den Ruhestand

verabschiedet. Witzel bekam vor

200 Gästen unter anderem Videogrüße

von den Bosshoss-Sängern

Boss Burns

und Hoss Power.

Witzel

hatte in seiner

Zeit als

Mitglied der

Mit großer Party

in den Ruhestand:

Thomas Witzel.

Geschäftsleitung

für den

Mercedes-

Lkw-Vertrieb

in Deutschland

die Sänger

für die Einführung des Modells

Actross gewinnen können.

Seit 1985 hatte er im Daimler-

Konzern Karriere gemacht. Zuletzt

leitete er die Vertriebsdirektion

Nutzfahrzeuge Württemberg

mit Sitz in Neu-Ulm. AMB

Thürheimer verkauft sein

Geschäft an Lucky Bike

Seeberger investiert

im Ulmer Donautal

Seit 86 Jahren betreibt Familie

Thürheimer das Fahrradfachgeschäft

Thürheimer in Ulm, jetzt

hat sie das Unternehmen verkauft.

Neuer Eigentümer ist Lucky

Bike. Der Fahrradhändler aus

Bielefeld hat derzeit 26 Filialen

und einen Online-Shop. Der Verkauf

des Geschäfts in der Blaubeurer

Straße hat laut Ex-Chef

Mark Thürheimer rein persönliche

Gründe, wirtschaftlich stehe

das Fahrradgeschäft gut da. Kündigungen

seien nie ein Thema

gewesen: „Für die Mitarbeiter ändert

sich nichts“, betont er. Der

neue Besitzer suche sogar nach

Verstärkung. [!] SEI/KLI

Seeberger baut an seinem Stammsitz

im Industriegebiet Donautal

bis 2020 ein funfstöckiges Multifunktionsgebäude.

Der Spezialist

für Nüsse, Trockenfrüchte und

Kaffee plant in der Hans-Lorenser-Straße

ein Café mit Shop, das

zu einem Treffpunkt für junge

Menschen werden soll. In den

oberen Geschossen sollen Arbeitsplätze

für etwa 160 Mitarbeiter

enstehen. Derzeit beschäftigt

Seeberger rund 550 Mitarbeiter

am Standort Ulm. Das Café von

Seeberger befindet sich im Moment

in einem Containerdorf am

Haupteingang. Im Jahr 2020 soll

der Neubau fertig sein. Das Unternehmen

investiert dafür 25

Millionen Euro. [!] SEI/KÖ

Schutz vor

Hackern

Gemeinsam mit Partnern aus der

Industrie und Wissenschaft entwickeln

Ulmer Forscher in den

nächsten drei Jahren ein Konzept

für IT-Sicherheit in fahrerlosen

Fahrzeugen. „Kein Passagier eines

zukünftigen automatisierten

Taxis soll befürchten müssen,

sein Ziel wegen eines Hackerangriffes

nicht zu erreichen“, sagt

Frank Kargl, Professor am Ulmer

Institut für Verteilte Systeme und

wissenschaftlicher Leiter des Verbundprojektes

„SecForCars“. Ziel

der Forschung ist es, Schutzmaßnahmen

in das Zusammenspiel

zwischen Sensoren, Kameras und

Bordcomputer zu integrieren.

Das Projekt bringt Experten der

Themen IT-Sicherheit und automatisiertes

Fahren zusammen.

Autohersteller Audi und Zulieferer

Infineon sind beteiligt. „Sec-

ForCars“ wird mit 7,5 Millionen

Euro vom Bundesforschungsministerium

gefördert. [!] SEI/JON

5


6

Illustrationen Seiten 6 – 8: © ivector, © Viktoriia Panchenko, © studiostoks, © Mushakesa – alle shutterstock.com


FOCUS–GESUNDHEIT 04 | 2018

FOCUS–GESUNDHEIT 04 | 2018

unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[führen]

Wie es euch gefällt

Im Jahr 2018 suchen sich Mitarbeiter ihre Arbeitgeber aus – und nicht umgekehrt. Das Thema Vereinbarkeit von Familie

und Beruf wird für viele Firmen zum Prüfstein, sagen Petra Bergmann und Sabrina Ring und sehen Handlungsbedarf.

Gute Arbeitgeber wissen, dass sie von

glücklichen Mitarbeitern profitieren.

Zufriedene Beschäftigte sind motivierter,

engagierter, weniger krank und leisten

bessere Arbeit – zum Wohl des Unternehmens.

Das belegt eine ganze Reihe von Studien.

Fortschrittliche Unternehmen achten daher

auf die Führung ihrer Mitarbeiter und das

Betriebsklima. Dafür bieten sie subventionierte

Kita-Plätze und manches mehr an.

Doch obwohl die Angebote für die Mitarbeiter

zunehmen, ist der Alltag herausfordernd.

Das ist die Erfahrung von Petra Bergmann,

Business-Coach mit 20 Jahren Trainer- und

Beratungserfahrung

in der Führungskräfte-

und

Organisationsentwicklung,

sowie

Sabrina Ring. Die

Personalleiterin

der Ulmer Seeberger

GmbH macht

dafür mehrere

Personalleiterin

Sabrina Ring.

Gründe aus. Zum

einen, sei die Erwartungshaltung

der Mitarbeiter an die Firmen gestiegen.

Zum anderen veränderten sich die gesellschaftlichen

Rollenbilder. Ein

Großteil der Mitarbeiter, die eine

Familie gründen, tun sich schwer,

strategisch ihre Familienplanung

mit dem Arbeitsleben in

Einklang zu bringen. Das ist aber

die Voraussetzung, damit Unternehmen

maßgeschneiderte

Angebote für ihre Mitarbeiter

entwickeln können und diese

sich wohl fühlen“, betont Ring.

Vor diesem Hintergrund bergen die

familiären Herausforderungen für die Unternehmen

die Gefahr, die Leistungsfähigkeit

guter Kräfte zu verlieren. „Dies geht oft einher

mit einer Minderung der Lebensqualität der

Mitarbeiter“, sagt Petra Bergmann und schildert

den Fall eines 30-jährigen Leistungsträgers.

Der junge Mann hat seine erste Führungsposition

inne, ist stark gefordert und

hofft seit Monaten, dass sich die berufliche

Situation wieder normalisiert. Der Firmenchef

hält große Stücke auf ihn, bürdet ihm

stetig mehr Aufgaben bei der Neustrukturierung

des Unternehmens auf. Der junge Mann,

der sich bewusst für Karriere entschieden hat,

ist verheiratet, hat mit seiner Frau zwei kleine

Kinder und fühlt sich mittlerweile zwischen

den Welten aufgerieben. „Einerseits hat er den

Wunsch, seiner Frau Aufgaben in der Familie

abzunehmen, andererseits ist er mit der Mehrfachverantwortung

an seiner Belastungsgrenze“,

sagt Bergmann. Seine Frau hat ihren früheren

Führungsjob aufgegeben und arbeitet

„nur noch“ halbtags. Sie fordert die Unterstüt-

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[führen] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Business-Coach

Petra Bergmann.

zung ihres Mannes

ein und dass er an

bestimmten Tagen

um 17 Uhr zuhause

ist, damit auch

sie ihren Zielen

nachgehen kann.

Für den 30-Jährigen

wird dies zunehmend

zu einer

großen psychischen

Belastung.

Der Fall des jungen

Paares ist kein Einzelfall. Viele Männer scheitern

an dem veränderten gesellschaftlichen

Rollenbild einhergehend mit ihrer Mehrfachverantwortung

und ihrem Anspruch, mehr

Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Familienfreundlichkeit als Markenzeichen

Kita-Plätze für Mitarbeiterkinder bieten heute zumindest die fortschrittlichen Unternehmen an.

Foto: © DeeMPhotography / shutterstock.com

ENTTÄUSCHTE ERWARTUNGEN

In einer Zeit, in der junge Familien häufig

nicht mehr ein soziales Netz oder die Großeltern

in der Nähe haben, bergen solche Belastungssituationen

Sprengstoff für Beziehungen.

Häufig schleicht sich in solchen

Situationen das Gefühl ein, nicht mehr als

Paar zu funktionieren. „Hauptproblem ist der

fehlende Austausch. Wenn Vorwürfe sich

wiederholen oder vermeintliches Wissen

durch Interpretation von Situationen die

Kommunikation bestimmen, befindet sich

das Paar in einer ernstzunehmenden Krise“,

sagt Gisela Backes vom PME Familienservice.

Auch Firmen bekommen diese Themen zu

spüren und müssen darauf reagieren. Denn

Mitarbeiter haben heute den Anspruch an ihren

Arbeitgeber, dass sie ihre persönlichen

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es

für Unternehmen unerlässlich, ihre Mitarbeiter

zu halten. Die Nachbesetzung einer

Stelle koste bis zu 20.000 Euro, sagt Sabrina

Ring, Personalleiterin der Seeberger

GmbH. Wiederbesetzungen seien schwierig

und langwierig. Häufig seien danach

die Personalkosten höher. Zudem hätten

die Firmen das Risiko, ob sie den Richtigen

oder die Richtige gefunden haben.

Wer sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren

will, kommt am Thema Familienfreundlichkeit

nicht vorbei, sagt Business-

Coach Petra Bergmann. Durch die

gesetzlichen Elternzeitregeln und flexible

Arbeitszeitmodelle sei es Normalität,

dass beide Elternteile weiter arbeiten wollen.

Eine familienfreundliche Personalpolitik

rücke damit in den Fokus unternehmerischen

Handelns.

AMB

und privaten Lebensansprüche und Ziele mit

dem Berufsleben vereinbaren können. Dies

erfordert in der Zukunft von jedem Unternehmen

noch viel mehr individuelle und kreative

Lösungsansätze und Möglichkeiten, die gemeinsam

erarbeitet werden müssen, sagt

Ring. Allerdings setzt dies voraus, dass die

Mitarbeiter auch bereit sind, Eigenverantwortung

für ihr privates sowie geschäftliches Leben

zu übernehmen und sich zu positionieren

– auch im Bewusstsein der Konsequenzen.

Der Anbieter von Trockenfrüchten, Kaffee

und Tee hat ein ausgeklügeltes Personalkonzept,

um die Mitarbeiter zu unterstützen.

Auch andere Unternehmen

stehen vor diesen

Herausforderungen, ergänzt

Business-Coach Petra

Bergmann. Eine familienfreundliche

Personalpolitik rückt damit

zunehmend in den

Fokus unternehmerischen

Handelns. Doch häufig

denken die Unternehmen

noch zu sehr in Ressourcen.

Es gehe aber nicht allein darum Plätze in

einer bestimmten Kita zu buchen, sondern

um langfristige tragfähige Lösungen für alle

Beteiligten zu finden, um die Lebensqualität

innerhalb der Familie und die Leistungsfähigkeit

im Unternehmen erhalten zu können.

Nach den Worten von Bergmann und Ring ist

es an der Zeit, dass Unternehmen einen ganzheitlichen

Ansatz wählen und die Eigenverantwortung

für eine bewusste Familien- und

Berufsplanung der Mitarbeiter stärken. Erst

wenn Mitarbeiter sich ihre Bedürfnisse bewusst

gemacht haben, könne das Unternehmen

sie mit maßgeschneiderten Lösungen

unterstützen und eine Strategie entwickeln.

Exklusiv für Leser von unternehmen[!] bieten

die Expertinnen am 11. Oktober einen Impuls-Vortrag

an. Darin geht es unter anderem

um Antworten auf die Frage, wie Arbeitgeber

erreichen, dass ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich

ihren beruflichen Werdegang nicht

aus den Augen verlieren und diesen mit dem

Familienleben und den beruflichen Zielen

langfristig vereinbaren können. Anmeldung

unter: erleben.swp.de/netzwerk [!]


ALEXANDER BÖGELEIN

8


„Nächster Halt: Familie.

Anschlussmöglichkeiten zur Karriere.“

Wir laden Unternehmer und Personalverantwortliche zum Impulsvortrag

„Strategieentwicklung Projekt Familie“ ein.

Der Inhalt:

Gute Mitarbeiter sind die Basis für den

Unternehmenserfolg. Wer die persönlichen

Lebensansprüche seiner Mitarbeiter mit den

Unternehmenszielen vereinbaren kann, hat die

Nase vorn. Für viele ist es eine echte Herausforderung,

Familie und Arbeit zu verbinden.

Diese gemeinsam zu managen, ist letztlich

eine Win-Win-Strategie für Unternehmen und

Mitarbeiter.

Die Referentinnen:

Petra Bergmann (BEMA Coaching) und

Sabrina Ring (Personalleitung Seeberger)

Termin & Anmeldung:

Donnerstag, 11. Oktober 2018,

14 – 16 Uhr, SÜDWEST PRESSE Galerie.

Anmeldung unter:

erleben.swp.de/netzwerk

oder 0731-156-619.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Eine Initiative von:

NETZWERK „MIT MEHRWERT“

jobs.swp.de


[titelthema] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

10


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[titelthema]

Stratege in der

Neuen Mitte

Die Wünsche der Kunden und die Digitalisierung geben den Takt für die

Veränderung der Sparkasse Ulm vor. Stefan Bill steht seit April an deren Spitze.

Ein Gespräch über den scharfen Wettbewerb in der Branche, Erwartungen,

moderne Technik und künftige Strukturen.

Herr Bill, lassen Sie uns über Einkommen reden:

Wie haben Sie Ihre erste D-Mark verdient?

Als Wochenblatt-Austräger. Damals gab es zwei Pfennig

pro Zeitung plus ein Pfennig pro Werbeeinlage.

Mein Bruder und ich sind mit Fahrrad und Rollschuhen

losgezogen.

Wie haben Sie Ihr Kapital vermehrt?

Indem ich Aufträge ausgeübt habe, die besser bezahlt

werden. Zum Beispiel hab ich auf Veranstaltungen Keyboard

gespielt, teilweise mit anderen, teilweise alleine.

Auf Hochzeiten oder Geburtstagen. Außerdem habe

ich Keyboard-Unterricht gegeben.

Ihr jetziger Posten ist noch ein bisschen besser dotiert.

Haben Sie einen Anruf von einem Headhunter

bekommen?

So schnell wie ich mich beworben habe, hätte der mich

gar nicht anrufen können. Aber im Ernst: Die Ausschreibung

war für mich ein 100-prozentiger Treffer. In

allen genannten Ressorts hatte ich bereits Erfahrung

gesammelt.

Und warum aus dem schönen Oberbayern nach Ulm?

Die Sparkasse Ulm ist ein sehr interessantes Institut,

auch von der Größe her. Für mich als gebürtigen Augsburger

ist auch die Lage klasse: In einem Haus dieser

Größe wieder so nah an die Familie ranzurücken und

dann auch noch in so einer wunderschönen Stadt. Ulm

und der ganze Alb-Donau-Kreis gefallen mir sehr gut.

Welche Kriterien muss ein Vorstandschef der Sparkasse

Ulm erfüllen?

Da gibt es strikte Regularien und Anforderungen an

Kompetenzen und Berufserfahrung, die im Kreditwesengesetz

und im Sparkassengesetz geregelt sind. Erst

dann gibt einem die Bafin als Aufsichtsbehörde den

Stempel, Geschäftsleiter werden zu dürfen. Ich war bereits

in meiner vorherigen Tätigkeit Vorstandsvorsitzender

einer Sparkasse. Daher war klar, dass ich die

nötigen Kompetenzen mitbringe.

Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Was war die größte

Umstellung?

Die größte Herausforderung ist es, den kompletten Familien-

und Lebensmittelpunkt zu verlagern. Angesichts

der Distanz von 240 Kilometern muss ich viele

private Kontakte größtenteils aufgeben. Sich neu zu

verorten, alle Mitarbeiter, Kunden und städtischen

Funktionsträger kennenzulernen, ist eine riesige Umstellung.

Ein Stück weit wird alles auf null gesetzt.

Manche Mitarbeiter staunen ob des Tempos, das

sie an den Tag legen.

Das Schöne war, dass ich von Tag eins an einen Warmstart

hatte. Gemeinsam mit meinem Vorgänger Manfred

Oster war ich schon die vergangenen Monate auf

Veranstaltungen oder in Kundengesprächen. Das war

sehr hilfreich und hat mir vieles erleichtert. Ich hatte

im Vorfeld auch Zugang zu den Betriebsdaten. So konnte

ich mich etwas vorbereiten. Bis ich alles auf dem

Schirm habe, wird es noch etwas dauern.

Was sind die größten Aufgaben der Sparkasse Ulm?

Das sind bei uns die gleichen wie bei jeder anderen

Sparkasse und jedem anderen Kreditinstitut. Wir haben

drei Riesenthemen: die bürokratischen Vorgaben

der EU, das Niedrigzinsniveau und die Digitalisierung.

An denen arbeiten wir alle, egal ob wir in Ulm, in Altötting-Mühldorf,

Hamburg oder München sind.

Zur Person

Stefan Bill ist Frühaufsteher.

Häufig

sitzt er um 7 Uhr –

oder früher – am

Schreibtisch in seinem

Büro. Zuvor hat

er einen Spaziergang

mit dem Familienhund

hinter sich, einem

Entlebucher

Sennenhund. Ansonsten

ist der

46-Jährige (verheiratet,

zwei Kinder) gerne

in der Natur, vor

allem in den Bergen.

Nach Abitur und seiner

Banklehre in

Augsburg studierte er

Betriebswirtschaft,

bevor er im Sparkassen-Lager

– von der

IT über den bayerischen

Verband – Karriere

machte. In Altötting

wurde Bill 2009

in den Vorstand berufen,

2013 rückte er an

die Spitze. Seit

100 Tagen ist er Vorstandschef

der Sparkasse

Ulm. AMB

Stefan Bill, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ulm, beschäftigt sich intensiv mit digitalen Technologien.

11


[titelthema] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Sein Zielsetzung ist es, Dinge

zu analysieren, gemeinsam

eine Strategie zu definieren

und daraus abzuleiten, was

das konkret für uns bedeutet:

Sparkassenchef Stefan Bill.

Wie bewerten Sie diese Riesenthemen?

Die Digitalisierung ist aus meiner Sicht eine echte

Chance, an der wir sehr produktiv arbeiten. Die bürokratischen

Vorgaben sind notwendiges Übel, das wir

schlichtweg erfüllen müssen. Und das Niedrigzinsniveau

tut uns – wie allen anderen – weh. Deshalb sind

wir überzeugt, dass es eine zeitliche Befristung geben

muss. Sonst kommen wir immer mehr in einen Bereich,

in dem die negativen Nebenwirkungen den Therapieerfolg

deutlich übertreffen.

Wie lange bleiben die Zinsen noch so niedrig?

Ich meine, wir haben den Tiefpunkt gesehen. Solange

nicht etwas Unvorhergesehenes passiert, werden die

Zinsen aus meiner Sicht nicht mehr signifikant sinken.

Und wie stark werden die Zinsen steigen?

Seit Sommer 2016 sind sie ein gutes Stück nach oben

gewandert. Die EZB drosselt derzeit ihr Einkaufsprogramm

und will es zum Jahresende beenden, sodass ich

mit tendenziell steigenden, aber nicht mit hohen Zinsen

rechne.

Alle Banken stehen unter Kostendruck und bauen

Personal ab.

Die Zahl der Beschäftigten in der Branche sinkt, weil

sich die Prozesse verändern. Kostenmanagement gewinnt

durch die verminderten Erträge infolge der Niedrigzinsen

an Stellenwert. Auf der anderen Seite haben

auch wir in der S-Finanzgruppe hohe Effizienzsteigerungsraten

durch die zunehmende Digitalisierung.

Wie stark wird die Sparkasse Ulm Stellen streichen?

Derzeit gibt es noch keine Zielmarke, das wäre nach

100 Tagen im Amt zu früh. Meine Zielsetzung ist es, die

Dinge sauber zu analysieren, gemeinsam eine Strategie

zu definieren und daraus abzuleiten, was das konkret

für uns bedeutet. Neben der natürlichen Fluktuation

steuern wir die Größe der Belegschaft beispielsweise

über die Anzahl der Azubis, die wir einstellen wollen.

Diese Zahl ist bereits zurückgegangen.

Andere Banken schließen bereits Filialen. Bleibt die

Sparkasse Ulm bei ihrer bisherigen Zurückhaltung?

Die Filialstruktur zu überprüfen, ist eine Daueraufgabe.

Für mich heißt das konkret, dass wir kontinuierlich

überprüfen müssen, ob die Filialstruktur noch zeitgemäß

ist.

Woran messen Sie das?

Daran, ob unsere Kunden die Filialen nutzen. Uns ist es

wichtig, dass wir dort sind, wo unsere Kunden uns erwarten

und moderne Lösungen anbieten. Nutzen Kunden

bestimmte Infrastrukturen nicht mehr hinreichend,

reagieren wir. Pläne für Schließungen haben

wir nicht in der Schublade.

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Liquidität.

Wir haben Vorschriften und müssen eine bestimmte

kurzfristige Liquidität vorhalten, die wir so gering wie

möglich halten.

Um welche Summe geht es da?

Wir hatten zum Bilanzstichtag am 31.12.2017 bei der

Europäischen Zentralbank 45 Millionen Euro und

nochmal 20 Millionen Euro in Tagesgeldern. Also halten

wir zu diesem Zeitpunkt zusammengerechnet etwa

65 Millionen Euro an täglicher Liquidität vor.

12


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[titelthema]

Was kostet das die Sparkasse?

Für dieses Kapital gelten die 0,40 Minuszinsen. Das allein

kostet 260.000 Euro pro Jahr. Je nachdem, wie es

uns gelingt, in der Tagesdisposition Geldaufnahme

und Geldanlage zu koordinieren, zahlen wir mal weniger

und mal mehr.

Wie attraktiv ist das Geschäft mit Spareinlagen der

Kunden?

Wir verdienen derzeit kein Geld damit, auch wenn die

Kunden nichts bekommen. Die Geldpolitik der EZB

führt dazu, dass ein großer Teil unserer Geschäfte heute

keinen Ertrag bringen. Dennoch sehen wir das als vorübergehend

an. Unser Interesse ist es weiterhin, erste

Adresse für die Sparer in unserer Region zu sein.

Früher war der Zins der Preis des Geldes.

Ja, das stimmt. Der ist ein Stück weit ausgeschaltet.

Aber das ist politisch gewollt. Dass Geld nicht mehr

den Ertrag wie früher bringt, merken vor allem die Sparer

– und die Finanzierer, weil diese historisch niedrige

Zinsen bezahlen. Dafür müssen die Immobilienkäufer

jedoch deutlich höhere Preise bezahlen.

Im Firmenkundengeschäft verdienen die Banken

noch, die Konkurrenz ist groß, unter anderem will

die Commerzbank verstärkt den kleineren Mittelstand

für sich gewinnen.

Davor habe ich keine Angst. Wir haben – und das ist

eines unserer Markenzeichen – eine große Nähe zu unseren

Kunden und eine starke Vertrauensbasis. Wir

begleiten sie seit Jahrzehnten. Auf diese Basis setzen

wir – und auch unsere Kunden. Wir haben bewiesen,

dass für uns in guten wie in schlechten Zeiten die glei-

Der Wettbewerb im Firmenkundengeschäft

nimmt zu.

Stefan Bill hat davor keine

Angst: „Unser Markenzeichen

ist Kundennähe.“

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13


[titelthema] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

„Wenn Sie seit Jahrzehnten

mit den gleichen Menschen

zusammenarbeiten, wissen

Sie, dass Sie sich auf Absprachen

verlassen können.“

chen Dinge zählen. Das ist eine ausgezeichnete Grundlage

für das Geschäft der Zukunft.

Wie hart ist der Wettbewerb?

Der Markt ist extrem umkämpft, das fängt schon beim

Privatkredit an. Sie werden immer irgendjemanden am

Markt finden, der der Billigste ist. Die Frage ist doch

aber, ob der Billigste auch der Preiswerteste

ist. Die Sparkasse Ulm

muss sich beim Preis nicht verstecken

– ganz im Gegenteil: Eine aktuelle

Verbraucheranalyse hat ergeben,

dass wir zum Beispiel das

bundesweit attraktivste Pauschal-

Girokonto anbieten. Ich glaube,

dass zum Preis aber noch andere

wichtige Komponenten dazugehören.

Welche sind das?

Das Vertrauen zu den Mitarbeitern der Sparkasse. Wenn

Sie seit Jahrzehnten mit den gleichen Menschen zusammenarbeiten,

wissen Sie, dass Sie sich auf Absprachen

verlassen können. Und Sie wissen, dass bei uns alle Entscheidungen

vor Ort getroffen werden und nicht sonst

Wir

entscheiden

stets von

Angesicht zu

Angesicht

wo. Wir entscheiden immer von Angesicht zu Angesicht.

Ich bin mir sicher, dass unsere Kunden das zu

schätzen wissen.

Gibt es Firmenkunden, die sich im Zweifel gegen

den günstigeren Kredit entscheiden?

Eines ist klar, wir müssen im Preis voll mithalten. Es passiert

äußerst selten, dass wir aufgrund

des Preises hinten runterfallen.

Wir arbeiten alle in der gleichen

Gemengelage, jeder muss sich refinanzieren.

Keiner kann billiger verkaufen

als er einkauft.

Und keiner möchte sich schlechte

Risiken holen.

Wir haben Hochkonjunktur. Einzelwertberichtigungen

sind seit

Jahren ein Fremdwort. Das wird sich aber auch wieder

ändern. Daran müssen wir heute schon denken. Ich

möchte stets so entscheiden, dass ich auch in schwierigen

Zeiten den Kunden begleiten kann.

Die meisten Firmen haben aus der Finanzkrise gelernt

und mehr Geld auf der hohen Kante. Was heißt

14


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[titelthema]

das für die Sparkasse als Mittelstandsfinanzierer?

Die Krise 2009 hat die Unternehmen stärker gemacht.

Sie achten mehr auf Liquidität. Am Ende geht es aber

immer darum, maßgeschneiderte Lösungen zu finden.

Jedes Unternehmen hat andere Ausgangsvoraussetzungen,

da spielen Dinge wie Eigenkapital, Verschuldungsgrad

und Eigentümerstruktur eine Rolle. Gleichzeitig

geht es darum, was sie finanzieren wollen.

Darüber hinaus hat auf Unternehmerseite die Vermögensberatung

an Bedeutung gewonnen.

Ändern sich die Vorlieben in der Finanzierung?

Man merkt, dass Beteiligungen, Leasing und Factoring

zunehmen. Das hat aber nicht zwingend damit zu tun,

dass wir heute eine andere Finanzierungsstruktur haben,

sondern vielmehr, dass wir in einer prosperierenden

Region und in einer konjunkturell sehr stabilen

Situation leben. Ich stelle fest, dass unsere Kunden sehr

viel professioneller mit dem Thema Finanzierung umgehen

als früher. Das Wichtigste ist, dass Investitionen

laufzeitgerecht finanziert werden.

Wie viele Firmenkunden müssen Strafzinsen auf

ihre Einlagen bezahlen?

Wir nennen das Verwahrentgelt, das ist kein Massenphänomen

und betrifft nur einige Kunden.

Stichwort Digitalisierung: Wie technikaffin sind Sie

persönlich?

Technik und Digitales haben mich schon immer interessiert.

Ich trenne private und geschäftliche Nutzung

konsequent. In der Regel habe ich immer vier bis sechs

Geräte dabei: je ein privates und geschäftliches iPad,

das gleiche bei den iPhones. Zusätzlich hab ich noch

ein privates und ein geschäftliches Notebook in der Tasche,

um mich von unterwegs ins Sparkassen-Netz einzuwählen.

Also was digitale Endgeräte angeht, bin ich

bestens ausgestattet.

Wie weh tun den Sparkassen die aufkommenden,

technikgetriebenen Finanzdienstleister?

Wir haben inzwischen einen guten Weg gefunden, mit

Fintechs zusammenzuarbeiten. Die Sparkassen bringen

deutschlandweit 40 Millionen Kunden mit. Wer

mit uns kooperiert, hat einen Markteinstieg, den er anders

kaum zu Stande bringen würde. Die Fotoüberweisung,

die wir in der App integriert haben, ist nichts an-

Stefan Bill ist ein Digitalfan.

Hier zählt er seine Endgeräte

auf. Vier bis sechs hat er immer

dabei, privat und geschäftlich

sauber getrennt.

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15


[titelthema] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Die Sparkasse Ulm hat ihre Verwaltung in der Neuen Mitte konzentriert.

Fotos: Volkmar Könneke (Gebäude außen), Matthias Kessler (Foyer)

Vier Milliarden Euro Kundeneinlagen, 153.000 Girokonten

Die Sparkasse Ulm belegt mit einer Bilanzsumme

von 6,1 Milliarden Euro Platz

zehn der Sparkassen in Würtemberg. Die

Institute aus Göppingen und Biberach folgen

auf den Plätzen elf und zwölf. Bundesweit

nimmt Ulm Rang 43 unter den

390 Sparkassen ein. Während die Kundeneinlagen

mit 4 Milliarden Euro stabil

blieben, stiegen die Kundenkredite im

vergangenen Jahr auf 4 Milliarden Euro.

Die Zahl der Mitarbeiter verringerte sich

um 59 auf 1109 Beschäftigte. Den rund

230.000 Kunden stehen 71 Geschäftsstellen

sowie 14 Selbstbedienungseinheiten

zur Verfügung. Auf den annähernd

153.000 Girokonten liegen bei einem

durchschnittlichen Kunden 5000 Euro.

An der Spitze des vor 171 Jahre gegründeten

Instituts steht seit 1. April Vorstandschef

Stefan Bill. Er hat Manfred Oster abgelöst,

der nach 18 Jahren im Amt in den

Ruhestand gegangen ist. Dem Vorstand

gehört auch Wolfgang Hach (stellvertretender

Vorsitzender) an. Bis zum Jahresende

soll entschieden sein, wer das Ressort

Marktfolge im Vorstand verantworten

wird. Der Hintergrund: Der Verwaltungsrat

hat den auf sechs Jahre angelegten

Vertrag von Andrea Grusdas (49) nicht

verlängert. Die Sparkasse Ulm ist eine

Anstalt öffentlichen Rechts, getragen von

einem Zweckverband der Stadt Ulm und

des Alb-Donau-Kreises.

AMB

deres als eine Fintech-Lösung. In der

Sparkassen-Finanzgruppe haben wir inzwischen einen

Innovation Hub in Berlin. Dort wird beobachtet, welche

Fintechs für uns interessant sein könnten und mit

welchen wir zusammenarbeiten wollen.

Mit welchem Ergebnis?

Nehmen Sie das Beispiel „Instant

Payments“. Vom 20. August 2018 an

erreichen Überweisungen unserer

Kunden im Online-Banking den

Empfänger binnen 10 Sekunden.

Das kostet gerade einmal 50 Cent.

Und im Juli starten die Sparkassen

eine neue App.

Was kann die?

Die bringt Mastercard und die Sparkassen-Karte ins

Handy. Sie brauchen die Karten nicht mehr dabei haben,

sie bezahlen über einen NFC-Chip (Near Field

Communication). Momentan geht das aus lizenzrechtlichen

Gründen nur mit Android-Smartphones. Damit

sind die Sparkassen die ersten auf dem Markt. In diesem

Bereich sind wir extrem innovativ.

Der Chat ist

sehr stark

gefragt, weil

er diskret

funktioniert

Sie haben technikaffine und konservative Kunden.

Wie schaffen die Sparkassen diesen Spagat?

Die meisten unserer Kunden wollen eine Mischung

aus Filialen und Online-Angeboten. Geht es um einfache

Bankgeschäfte, unterscheidet sich die Nutzung der

Online- und Offline-Angebote je

nach Person sehr. Geht es aber um

Baufinanzierungen, Altersvorsorge

oder Wertpapierberatungen –

eben alle komplexeren Themen –

spielt es eine große Rolle vor Ort zu

sein. Auch bei vornehmlich digitalen

Kunden.

Wie gewichten Sie diese Kanäle?

Das liegt an unseren Kunden. Nutzen

diese mehr digitale Angebote, werden wir unser Geschäftsmodell

in diese Richtung anpassen. Werden verstärkt

Vor-Ort-Beratungen beansprucht, erweitern wir

unser Offline-Angebot. Dass ist unser Ass. Wir sind digital

richtig gut, bieten aber auch das, was reine Online-

Banken nicht bieten können: Ansprechpartner, Vertrauen

und Vier-Augen-Gespräche. Unter Kostenaspekten ist

das eine Herausforderung, aber das bekommen wir hin.

16


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[titelthema]

Was heißt das für die künftige Struktur, wie sieht

die Filiale 2030 aus?

Ich weiß es nicht. Dazu müsste ich das Kundenverhalten

prognostizieren und das möchte ich nicht. Die Kunden

sollen wählen, was sie wollen. Wir reagieren darauf

und müssen dort Präsenz zeigen. Natürlich müssen

wir im Hinblick auf die Digitalisierung auch ein Stück

weit antizipieren, was die Kunden wollen. Die Grenzen

verschwimmen, für uns als Sparkasse ergeben sich daraus

auch Chancen. So sind unsere online-affinen Kunden

durch die digitalen Angebote deutlich leichter anzusprechen

als in der Filiale.

Aber es ist eine andere Kontaktqualität.

Das stimmt, aber auch da gibt es Wege. Etwa einen Berater-Chat

und wir werden demnächst eine Art Video-

Beratung testen.

Andere Banken machen das schon. Wie sehen da

die Erfahrungen aus?

Ich bekomme vor allem mit, dass es noch kein Massenthema

ist. Die Chatfunktion allerdings ist sehr stark

nachgefragt, vor allem weil sie diskret funktioniert.

Kollegen, die beide Funktionen haben, bieten etwa bei

längeren Chatverläufen an, jetzt auf Video-Chat umzusteigen,

weil die Kommunikation einfacher ist. Oft

kommt dann die Rückmeldung: Nein, das will ich

nicht. Ich bin gerade bei der Arbeit.

Apropos Präsenz: Setzen Sie als Sponsor andere

Schwerpunkte?

Wir gehören den Bürgern der Stadt Ulm und des Alb-

Donau-Kreises. Die Zielsetzung ist also, ein Stück von

unserem Erfolg an die Bürger zurückzugeben. Deshalb

streuen wir das sehr breit, was in der Vergangenheit gut

funktioniert hat. Bislang sehe ich keinen Veränderungsbedarf,

hab mich aber ehrlicherweise auch noch

nicht tiefer damit beschäftigt. Die Highlights sind sicher

der Einstein-Marathon in Ulm und der Sparkassen-Cup

in Ehingen.

Die EU-Regeln verstärken den Kostendruck. Wie

groß ist der Zwang zu größeren Einheiten bei der

Sparkasse Ulm?

Wir haben 390 Sparkassen in Deutschland. Die durchschnittliche

Größe liegt bei einer Bilanzsumme von 2,5

Milliarden Euro. Von diesen 390 liegt Ulm von der Größe

her auf Rang 43. Sprich: 340 Sparkassen sind kleiner

als wir. Natürlich stehen kleinere Sparkassen und Genossenschaftsbanken

unter Kostendruck – und es wird

Konzentrationsprozesse geben. Die Sparkasse Ulm hat

mit einer Bilanzsumme von mehr als 6 Milliarden Euro

eine Größenordnung erreicht, bei der wir aus regulato-

„Die Digitalisierung hat den

Vorteil, dass wir unsere Kunden

besser erreichen können“,

sagt Stefan Bill.

17


[titelthema] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Die Europäische Zentralbank

setzt die regionalen Institute

doppelt unter Druck: Sie bürdet

ihnen Kosten auf und

fährt mit Niedrigzinsen die

Erträge nach unten, bemängelt

Stefan Bill.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN

HARALD JOHN, MITGLIED

DER CHEFREDAKTION DER

SÜDWEST PRESSE,

FRANK KÖNIG, WIRT-

SCHAFTSREDAKTEUR, UND

ALEXANDER BÖGELEIN, RE-

DAKTIONSLEITER UNTER-

NEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

LARS SCHWERDTFEGER

rischen Gesichtspunkten diesbezüglich kein Thema

haben. Was nicht heißt, dass es uns nicht weh tut.

Die USA geht den entgegengesetzten Weg.

Dort ist die Regulierung für Institute unter 250 Milliarden

Euro Bilanzsumme praktisch ausgeschaltet. Da

stellt sich die Frage, ob die EU den richtigen Weg geht,

vor allem bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken,

die die Wirtschaft in der Krise

gerettet haben. Wir haben 2009

doch bewiesen, dass wir kein Problem

haben. Alles was durch die Regulatorik

kommt, ist aber eine Reaktion

auf diese Krise. Uns werden

Kosten aufgebürdet und durch die

gleiche Institution – die EZB – werden

geldpolitisch die Erträge nach

unten gefahren.

Ärgert Sie das?

Es ist vor allem keine gute Vorbereitung für die nächste

Krise. Für uns als Sparkasse Ulm hat sich die Welt, in

der wir agieren, durch die neuen Regeln, nicht zum Besseren

verändert.

Aber der Wirtschaft geht es doch blendend.

Das ist richtig. Unsere Unternehmen stehen im Saft, haben

gute Auftragslagen, die Immobiliennachfrage ist

ungebrochen hoch. Ich frage mich, wann diese geopolitischen

Auswirkungen überhaupt bei uns ankommen.

Noch

schlagen die

Risiken nicht

auf die

Firmen durch

An was denken Sie konkret?

Schauen Sie auf die Entwicklung in den vergangenen

Jahren in China, den USA, Russland oder der Türkei.

Wenig davon hat unsere Wirtschaft bisher beeinflusst.

Aktuell steht die Situation in Italien auf der Kippe.

Gleichzeitig hat die EZB ihren Handlungsspielraum

ausgeschöpft.

Wie meinen Sie das?

Wir befinden uns in einer Hochkonjunktur

und in einer Ausgangssituation,

in der kein Instrumentarium

zur Verfügung steht,

wenn die Konjunktur abflacht. Da

stellt sich die Frage, wie wir geordnet

ohne Dellen und Blessuren aus

dieser Situation herauskommen.

Das ist eine eigenartige Gemengelage,

bei der keiner sagen kann, ob

das auf Dauer funktioniert. Und das in Kombination

mit steigenden Preisen in allen Anlageklassen, Niedrigzinsen,

einem florierenden Aktienmarkt und hohen

Immobilienpreisen.

Was heißt das für die Zukunft?

Ich halte es da mit dem geflügelten Wort „Prognosen

sind immer schwierig, besonders wenn Sie die Zukunft

betreffen“. Unsere Aufgabe als Sparkasse ist es nicht, die

Zukunft vorauszusagen, sondern darauf vorbereitet zu

sein. [!]

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[spezial] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

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Die gute Wirtschaftslage und der boomende Onlinehandel steigern die Nachfrage nach Transportern. Die werden immer

öfter für Kunden individuell ausgestattet. Ihre Zukunft hängt wohl an der Steckdose.

Cluster-Manager

Lothar Riesenegger.

Sie kommen so schnell wie möglich,

bringen Paketsendungen nach Hause

und Kranke in die Notaufnahme. In ihnen

kann man warme Semmeln anliefern und

kühle Getränke, Päckchen stapeln oder eine

rollende Werkstatt einrichten. Ob im Kurier-,

Express- oder Rettungsdienst. Ob als Handwerker-,

Auslieferfahrzeug oder umgebautes

Reisemobil. Transporter gehören zum täglichen

Straßenbild wie Ampelanlagen und Verkehrsschilder.

2,5

Millionen Fahrzeuge

bis 3,5 Tonnen

Gesamtgewicht

sind in

Deutschland zugelassen.

Und es werden

immer mehr.

So erwartet der

Verband der Automobilindustrie

(VDA) in Berlin,

dass die Neuzulassungen

von Transportern

unter sechs Tonnen in Deutschland in

diesem Jahr um noch einmal zwei Prozent auf

282.000 Fahrzeuge zunehmen. Ein Grund

hierfür ist die große Nachfrage, die durch das

ungebrochene Wachstum des Versand- und

Onlinehandels angetrieben wird. Auch die

starke Baukonjunktur spielt den Herstellern

von Sprinter, Jumper, Transit und Boxer in die

Hände, denn das Handwerk hat im ersten

Quartal 2018 einen Umsatzzuwachs von

5,9 Prozent zu verzeichnen, das Bauhauptgewerbe

gar von 7,7 Prozent.

Dabei genügt es den Kunden schon lange

nicht mehr, dass die kleinen Brüder der großen

Brummis ausschließlich sparsam, großräumig,

leicht gebaut und wendig sind. Moderne

Transporter müssen vor allem

individuellen Anforderungen entsprechen.

Werden künftig innerstädtisch die Regel sein: Lieferfahrzeuge

mit Elektroantrieb.

20


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[rubrik]

Der stetig wachsende Onlinehandel ist ein Grund, warum auch der Transporter-Markt boomt.

„Wir beobachten, dass sich die Transporterbranche

zum einen in Richtung Kurier-, Express-

und Paket-Dienste (KEP) fokussiert und

zum anderen in Richtung der individuellen

Transporterfahrzeuge, die für den Einsatz in

unterschiedlichen Branchen geeignet sind“,

sagt Lothar Riesenegger vom Cluster Nutzfahrzeuge

Schwaben.

Während KEP-Fahrzeuge in der Regel einsatzfertig

vom Erstausrüster an den Betreiber geliefert

werden, ist es bei Transportern zum

Beispiel für Handwerker der Fall, dass diese

durch Spezialfirmen anwendungsspezifisch

ausgestattet werden. So benötigt ein Installateur

eine völlig andere Ausstattung als eine

Großbäckerei, die ihre Filialen bedient. Beispiele

sind spezielle Tief rahmenchassis, die

an ein Transporter-Fahrerhaus angebaut werden,

um einen tieferen Aufstieg auf die Ladefläche

und damit ein leichteres Be- und Entladen

zu erreichen. Jeder Bereich, ob

Material- oder Lebensmitteltransport, hat seine

eigenen Anforderungen an die Transportsicherheit

oder muss entsprechende Hygienevorschriften

erfüllen. „Eine Vielzahl von

individuellen Lösungen ist deshalb gefragt,

von denen die Mehrzahl von kleinen und mittelständischen

Unternehmen entwickelt und

produziert werden“, sagt Riesenegger.

DIE WEICHEN SIND GESTELLT

Ob Kasten- oder Pritschenwagen, Fahrgestell,

Bus oder als Basis für unterschiedliche Aufbauten.

Vielseitigkeit ist mehr denn je gefragt.

Allein vom Mercedes Sprinter, der seit Juni

auf dem Markt erhältlich ist, gibt es 1700 verschiedene

Varianten. Wer das Fahrzeug jedoch

mit Elektroantrieb möchte, der muss

sich noch ein Weilchen gedulden, denn der

E-Sprinter ist erst 2019 zu haben. Und das obwohl

auch in dieser Branche die Weichen geradewegs

in Richtung Elektrifizierung gestellt

zu sein scheinen. So sieht das auch Lothar

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[spezial] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Riesenegger: „Das Thema Elektrotransporter

hat sich von einem anfänglichen Trend zu einem

zwischenzeitlich etablierten Produktbereich

entwickelt.

So werden zum

Teil auch konventionell

ausgestattete

Transporter

auf batteriebetriebene

Elektroan-

VDA-Chef

Bernhard Mattes.

triebe umgerüstet.

Vor allem für Zustellfahrten

in innerstädtischen

Bereichen

ist der

Elektroantrieb gefragt.

Die Post ist

mit ihrem E-Scooter Vorreiter in dieser Fahrzeugtechnologie

und nutzt schon seit einiger

Zeit Zustellfahrzeuge mit Elektroantrieb. Die

Weiterentwicklung dieser Kleinverteilerfahrzeuge

in die Größenordnung der Transporterfahrzeuge

im 2,5- bis 3,5-Tonnen-Bereich

macht dieses Konzept nun auch für weitere

Transportsegmente anwendbar. So hat sich

bereits ein Herstellerumfeld entwickelt, das

elektrisch betriebene Fahrzeuge durch entsprechende

Auf- und Einbauten auf Branchentauglichkeit

trimmt.“ Das Thema Leichtbau

steht dabei im Vordergrund, denn das

Gewicht der Batterien muss so weit wie möglich

kompensiert werden, um wirtschaftliche

Nutzlastangebote zu erzielen. Lothar Riesenegger:

„Diese Entwicklung ist nicht zuletzt

der zunehmenden Forderung nach emissionsfreien

Fahrzeugen in innerstädtischen Bereichen

geschuldet. Bei Transportabläufen,

für die

vorhandene La-

Innovationen statt Verbote

Die Diskussion um schlechte Luft in Städten beschleunigt die Entwicklung von E-Transportern.

de-Infrastrukturen ausreichen, darf ein zunehmender

Einsatz von elektrisch angetriebenen

Fahrzeugen im Handel und im

Handwerk erwartet werden.“

PRAXISTESTS BEI KUNDEN

Auch für VDA-Präsident Bernhard Mattes ist

der Transporter wie kein anderes Nutzfahrzeug

geradezu prädestiniert für den elektrischen

Antrieb. „Da die Fahrzeuge

schwerpunktmäßig in

Ballungsräumen

Der schwelende Diesel-Skandal verpestet

die Luft in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie

– und in den Innenstädten.

Drohen nun auch Transportern und

Kleinlastwagen gesetzliche Fahrverbote

in den Citys? Bernhard Mattes, Präsident

des Verbandes der Automobilindustrie

(VDA) hält davon nichts: „Es gibt wirksamere

Instrumente als Fahrverbote. Elektro

mobilität, saubere Busse, digitale Verkehrssteuerung,

Verflüssigung des

Verkehrs. Innovationen sind der Schlüssel,

nicht Verbote. Anspruchsvolle Vorgaben

bei der Luftqualität in Städten können

grundsätzlich auch ohne großflächige

Fahrverbote erreicht werden.“ loe

unterwegs sind, kann in der Regel eine ausreichende

Ladeinfrastruktur gewährleistet werden,

zum Beispiel auf Betriebshöfen. Zudem

sorgen häufige Bremsvorgänge im Stadtverkehr

dafür, dass der Elektromotor durch

Bremsenergie zusätzlich gespeist wird“, erläutert

Mattes. Rein elektrische Transporter bis 6

Tonnen sind nach seinen Worten derzeit bei

vielen Kunden im Praxistest. „Die Großserienproduktion

dieser Fahrzeuge beginnt voraussichtlich

2019. Auch die Nachfrage der Kunden

wächst.“

Die Botschaft ist angekommen, so dass viele

Hersteller, darunter Iveco, Renault, Nissan,

Mercedes-Benz oder VW vom 3,5-Tonner bis

zum Kleinsttransporter ein immer breiteres

Sortiment an Fahrzeugen ohne Dieselmotor

anbieten. Wann dessen letzte

Stunde geschlagen haben wird, ist

noch unklar. Sicher ist jedoch, dass

Pakete ausgeliefert, Getränke verteilt

und Kranke in die Klinik

gebracht werden müssen. Und

das so sauber und schnell wie

möglich. [!]


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Ob wie hier auf der Schwäbischen Alb oder im Betrieb von Wolfgang Schmid bei Waldburg: Im Südwesten sind Straußenzüchter eine seltene Spezies.

Der mit den großen Vögeln

Erst war es eine spleenige Idee, heute hat Wolfgang Schmid bis zu 300 Tiere in seinem Betrieb bei Waldburg. Mit seiner

Straußenfarm galt er lange als Exot unter den Landwirten. Mittlerweile hat er sich als Züchter etabliert.

Wolfgang Schmid hat einen ziemlich

großen Vogel. Eigentlich hat er sogar

viele große Vögel – in Hinterwiddum

bei Waldburg in Oberschwaben: Wo

früher eine klassische Landwirtschaft mit

40 Milchkühen und Ackerbau war, tummeln

sich heute auf mehr als 300.000 Quadratmeter

je nach Jahreszeit bis zu 300 Strauße.

Mit fünf Tieren fing alles an. „Als Hobby“, wie

der Straußenzüchter erzählt. Etwas mehr als

eine spleenige Idee war es wohl damals schon.

Weil Straußenhaltung genehmigungspflichtig

ist, musste der 38-Jährige ein Sachkunde-

Seminar an der LMU in München besuchen –

für mehrere hundert Euro.

Eigentlich hätten die ersten Hennen aufgrund

ihres Alters noch keine Eier legen dürfen. Haben

sie trotzdem – und Wolfgang Schmid fing

an zu brüten. So wurden im ersten Jahr aus

fünf Straußen 36 und im folgenden Jahr mehr

als 70. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir mehr

Strauße als Rinder“, sagt Schmid. „Wir haben

dann schnell ein gewisses Potenzial erkannt.“

Als Exot unter den Landwirten musste er aber

erst einmal Banken von seiner Straußenfarm

überzeugen. In den letzten Jahren hat er viel

investiert. Nicht nur Zeit und Mühe, sondern

vor allem Geld: „Wir hatten sehr viel Arbeit

damit, den landwirtschaftlichen Betrieb so

umzubauen, dass die optimale Haltung der

Tiere sowie die Vermarktung möglich ist,“

sagt Wolfgang Schmid. Genaue Umsatzzahlen

zu nennen, ist für ihn daher schwierig. Der

finanziellen Sicherheit wegen arbeitet er immer

noch halbtags als Konstrukteur.

Nachdem es immer schwieriger wurde, einen

Schlachtbetrieb zu finden, gibt es seit 2017 eine

zertifizierte Metzgerei auf dem Gelände.

200.000 Euro steckten Schmid und seine Fa-

26


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[machen]

Eigener Hofladen und eigene Metzgerei

Den Hofladen gibt es seit 2011. Hier verkauft Schmid seine eigenen Produkte.

Foto: Matthias Kessler

Nach ersten Überlegungen legte sich

Wolfgang Schmid im Frühjahr 2009 die

ersten fünf Strauße zu. 2010 wurde für

die dann bereits etwa 70 Vögel ein großer,

offener Stall gebaut. Der Hofladen

kam ein Jahr später hinzu. Ende 2015

schließlich gab Schmid die traditionelle

Landwirtschaft zugunsten der Straußenzucht

auf. Seit 2017 schlachtet Schmid

seine Tiere in der eigenen Metzgerei: Er

selbst hat eine Zusatzausbildung, sein

Vater ist gelernter Metzger. Der Familienbetrieb

beschäftigt drei 450-Euro-Kräfte.

www.straussenfarm-waldburg.de RIZ

milie in diese Erweiterung.

Ein

Projekt, das durch

die vielen Auflagen

„sehr, sehr viel

umfangreicher ist,

als sich ein Laie

das vorstellt. Mit

persönlichen Interessen

oder Wünschen

hat das

nicht viel zu tun“,

erklärt er.

Straußenzüchter

Wolfgang Schmid.

DAS LEDER IST NICHT GEFRAGT

Steak, Filet, Braten, Gulasch, Wurst, Straußeneier,

Eierlikör, Eier-Nudeln, Deko-Artikel: Seine

Produkte verkauft Schmid nicht nur im

eigenen Hofladen und dem 24-Stunden-Verkaufsautomaten,

sondern auch bei kleineren

Handelspartnern und an Gastronomien.

Sein Ziel ist es, von 2019 an auf 200 Schlachttiere

pro Jahr zu kommen – jedes mit rund 100

Kilogramm. Ein Kilo Straußen-Filet kostet im

Hofladen rund 39 Euro. Theoretisch kann ein

Strauß fast vollständig verwertet werden,

auch Hals, Haut und Federn. Doch für Wolfgang

Schmid ist das nur bedingt ein Vorteil:

„Wir können nur das verkaufen, was der Kunde

auch kaufen will“, erklärt er. „Welche junge

Hausfrau kocht heute noch Herz oder Leber?

Oder kauft Straußenhals-Stücke, um Fleischbrühe

zu machen? Dies sind Produkte, die wir

nur schwer zu Geld machen können.“

Federn müssen so aufwändig aufgearbeitet

und gereinigt werden, dass sich der Verkauf

kaum lohnt. Die Nachfrage nach Straußenleder

ist laut Schmid momentan kaum vorhanden:

„Ich kann mir 300 gegerbte Straußenhäute

in den Keller legen, aber was bringt mir

das?! Das ist ja nur gebundenes Kapital.“

KONKURRENZ VOM SCHWEIN

Ewige Konkurrenz für den Landwirt aus

Waldburg sind Supermärkte und Discounter:

„Wir stehen im permanenten Konkurrenzdruck

zu Wurst aus Schweinefleisch. Diesen

Preis können wir nicht halten, schon weil

durch unsere Art der Haltung ganz andere

Kosten verursacht werden. Und nur weil wir

Straußenfleisch verkaufen, können wir das

nicht im Zehn-Kilo-Paket anbieten. Der Kunde

möchte das so, wie er es aus dem Supermarkt

kennt“, sagt Schmid.

In Deutschland gibt es noch einige andere

Straußenfarmen. Ein Stückweit sind die Züchter

und vermeintlichen Konkurrenten aufeinander

angewiesen, um keine Inzucht zu produzieren.

Ausgewachsene Zuchttiere kosten

zwischen 1200 und 1500 Euro – DNA-Analyse

und Mikrochip inklusive.

Über 50 Führungen im Jahr veranstaltet

Schmid. Im Idealfall kaufen die Besucher danach

kräftig im Hofladen ein. Das tun aber

nicht alle. Schon gar nicht, wenn es sich um

die Kindergarten-Gruppe aus dem Nachbar-

Dorf handelt. Für den Straußenzüchter eine

Misch-Kalkulation.

Die anfängliche Kritik vieler, ob das süddeutsche

Klima vor allem in Winter nicht schädlich

für die Tiere sei, ist weniger geworden.

Für viele andere Landwirte ist Wolfgang

Schmid nicht mehr nur ein „Spinner“. Auch

sein Vater hat längst erkannt, dass es Hand

und Fuß hat, was sein Sohn sich da ausgedacht

hat.

Schmids nächstes Projekt ist der Ausbau des

touristischen Bereichs. „Wenn die Leute kommen,

müssen wir ihnen auch etwas bieten“,

sagt Schmid – und brütet schon die nächsten

Ideen aus. [!]

JULIA RIZZOLO

27


[gründen] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Die Kapsel-Revolution

Das Start-up Rezemo rollt mit Kaffeekapseln aus Holz den Markt auf. Gemeinsam mit der Rösterei der

Oberschwäbischen Werkstätten haben die Stuttgarter lange getüftelt. Seit Januar sind sie erfolgreich im Handel.

Gleichmäßig rieseln die Kaffeebohnen

durch den Röster, der sich langsam

dreht. Das kupferfarbene Metall blitzt

in der Sonne, die in die helle Halle scheint, es

ist warm und riecht nach Kaffee. Hier, in der

Kaffeerösterei Cafésito in Kißlegg, die von

den Oberschwäbischen Werkstätten (OWB)

betrieben wird, soll eine kleine Kaffee-Revolution

ihren Anfang nehmen.

Gemeinsam mit den OWB, die vor allem Menschen

mit Behinderungen beschäftigen, will

das Start-up Rezemo mit Sitz in Stuttgart Kaffeekapseln

auf den Markt bringen. Alter Hut,

mag man jetzt denken. Schließlich gibt es inzwischen

zahlreiche Anbieter, die Kaffeegenuss

auf Knopfdruck versprechen. Doch während

Frauenschwarm und Schauspieler

George Clooney noch das Getränk aus Alukapseln

als Lifestyle-Getränk bewirbt, wollen

die Schwaben den Markt aufrollen: Ihr Kaffee

kommt aus Holzkapseln. Und auch der Inhalt

soll dazu passen: nachhaltig, regional und fair.

Foto: Simone Dürmuth

„Als Studenten hatten wir eine Nespresso-

Maschine. Eines Tages hatten wir uns gefragt,

was eigentlich mit dem ganzen Kaffeesatz aus

den Kapseln passiert“, schildert Gründer Stefan

Zender den ersten Gedanken zum nachhaltig

produzierten Kapsel-Kaffee. Das war

2015. Er und Mitgründer Julian Reitze stammen

beide aus Mühlhausen-Ehingen, ein kleines

Dorf in der Nähe von Singen am Bodensee,

beide haben in Stuttgart studiert und in einer

WG zusammengewohnt.

5000 TONNEN KAPSELMÜLL

Wenig später sei dann die Idee entstanden, an

der Verpackung etwas zu ändern. Die Stiftung

Warentest hat den Kapselmüll in Deutschland

2015 auf 5000 Tonnen Abfall hochgerechnet.

Etwa die Hälfte davon entfalle auf

den Marktführer, rechnet der 24-Jährige vor.

„Deutschland ist ein Waldland“, begründet

Zender dann auch, warum die Wahl auf den

Werkstoff Holz fiel.

Inzwischen haben die Gründer ihre Büroräume

aus der WG in eine Altbauwohnung in der

Stuttgarter Innenstadt verlegt. „Wir sind unseren

Vermietern sehr dankbar, weil sie akzeptieren,

dass wir auch spät abends noch tüfteln“,

berichtet Zender aus der Firmenzentrale.

Und tüfteln müssen sie eine ganze Menge.

Denn Holz allein war nicht des Rätsels Lösung,

auch wenn es viele erwünschte Eigenschaften

mitbringt. Zum Beispiel, dass es relativ

schnell verrottet, auch die Ökobilanz

stimmt. Doch die Studenten stießen auf einige

Probleme: Wie sollte man den Werkstoff in

Form bringen – schnitzen war natürlich keine

Option. Auch der Druck von 19 bar und die

hohe Temperatur in der Maschine stellten die

Gründer vor Probleme.

Gemeinsam mit der Universität in Stuttgart

und dem Fraunhofer Institut begann dann die

Tüftelei. Nach vielen Versuchen, drei Jahren

Foto: Rezemo

Stefan Zender (links) und Egon Streicher produzieren

die Holzkapseln und ihre Füllung.

28


unternehmen [!] Ausgabe XY 63 | Juli Monat 2018 JJJJ

[gründen] [rubrik]

Entwicklungszeit ratur aliquam, occus und dolorempor einigen Rückschlägen,

sa se quae

zum milluptatem Beispiel nonserovid verkohlten Kapseln, qui sum dann qui ium das

Ergebnis: facessit molupta Holzspäne del minimporro als Hauptbestandteil

blatusc iisqui

duntem mit einem que essus Bio-Kunststoff eatis es am gemischt. cuptatati

werden

Die consenis Holzspäne sus. Tur kommen repeligni von im der con Schwäbischen

opti qui Alb, debis ein Abfallprodukt explameni qui aus qui einem to et Säge-

plate

nobis et

werk. nonseca Die tiisqua Masse tiorit wird omnim Spritzgussverfahren

quid exeri atur,

geformt. omnimolorem Bereits aut kurze quo Zeit dolupta nach dem tiatectorit, Brühen

beginnt ipienescit der ut Zersetzungsprozess, exceat omnia volupta die sperum Kapsel

beginnt dolupta sich cus ande aufzulösen, cum reptat so dass fuga. man Ferrume sie in

den laccatem Biomüll, ulpa Kompost voluptat. oder den heimischen

Kamin werfen kann.

Doch ZWISCHENZEILE

Reitze und Zender darf man sich nicht

als Pidest, Öko-Missionare ini to officto vorstellen. totatis mi, Zwar eatecae versuche labore

er nitatinum generell, del Müll earum zu vermeiden, inctium fuga. nimmt Itatiorro einen

Jute-Beutel mos et as nimus zum Einkaufen volore eserspe mit, rspellecum

so Zender.

Aber arum er re stellt nat litiam auch eium klar: „Wir volorum, sind occus nicht etur voll

grün.“ rero te vellam Hinter que seinem reperch Produkt icitiis steht cipistota er aber iuntio.

Sunt und enias ganz: dolest „Alu ist pa einfach sandiam, der seriam falsche et

voll

Werkstoff vitius volupta für ein temporeste Einwegprodukt.“ sandund icimillest

Beibt pedi tes nur endi noch voluptur? die Frage, Qui welcher odipsum Kaffee qui nonem

el Hülle eos quatquo passt und explaut wie er hineinkommt.

pa nonempero

zu

dieser

Auftritt eleniam für fuga. die Tenditam, OWB und corporibus Geschäftsführer etur

Egon Streicher. Den Cafésito-Kaffee gab es bisher

nicht in Kapseln. Auch wenn es Ideen gab.

„Die Lösungen passten nicht zu uns“, so Streicher.

Nachhaltig sollte nicht nur der Kaffee

sein, sondern auch die Verpackung. Genau die

Nische von Rezemo. „In diese Richtung wollte

noch keiner.“ Streicher ist begeistert vom Produkt

der Studenten.

Die Eltern als

doppelter Boden

Gegründet haben Julian Reitze und

Stefan Zender Rezemo als UG Ende

2016. Die 5000 Euro Stammkapital

stemmten sie aus eigenen Mitteln.

Auch eine Kapitalerhöhung für die Umwandlung

in eine GmbH Ende 2017 finanzierten

sie aus ihren Ersparnissen

und holten Business Angels ins Boot,

die eine Minderheit an der Firma halten

und den Gründern mit Know-how zur

Seite stehen. Nicht an der Firma beteiligt

sind die Eltern der Gründer. Sie fungieren

aber als doppelter Boden, sollte

das Projekt Rezemo schiefgehen. MONE

Non plit officie nimodigent, corehenis sinimos ere, alit re ini dolor millabo. Itat et et ex eatur soluptatur

ERSTE CHARGE IST VERGRIFFEN

Im Januar haben die beiden Partner die ersten

30.000 Kapseln produziert, sie sind bereits vergriffen,

es wurden mehrere Neuchargen produziert.

5,99 Euro kostet eine Packung mit

14 Kapseln. Das entspricht den Preisen, die

andere Hersteller aufrufen. Bislang ist nur eine

Sorte im Handel, ein Espresso. Zwei weitere

stehen in den Startlöchern. „Es gibt einiges zu

arum testen“, fugit, erklärt id molore Zender. sed Dazu quam zählen nimus, Röstgrad, ut et

vernam Mahlgrad exceaque und Sorte, lam aber hil auch ipidunt die volorro Menge, die occus

in die dolumquatem Kapsel kommt, am, und volessus wie que stark pratibero sie dort

verdichtet delit, si atur wird. mod Bis quam, zu einem sam ut halben ut esequas Jahr

volut kann die volorer Entwicklungsphase orundi bere, cus, dauern. unt quo occaborum

Entschieden ini beris wird molorro am Ende blaborum per Blindverkostung.

eossita An der turenis nehmen rectur? auch Itiorrorae die Gründer non et teil. ma-

esequam

ea

xima Bis zu quuntiunto vier Tassen omnime Kaffee trinke quiam, er am sandeli Tag, asperum

Zender. ulluptis „Inzwischen resequos auch et Espresso.“ quianimos [!] aliqui

so

beaque con nonserunt. [!] SIMONE DER DÜRMUTH AUTOR

Hohe Auszeichnungen für Volksbank

Volksbank Ulm-Biberach eG wurde mit den Preisen „Bester Fördermittelberater 2017“ in der

Kategorie Energie & Umwelt und „Beste VR-Fördermittelbank 2017“ ausgezeichnet.

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Zum dritten Mal hat die LfA Förderbank Bayern

in Kooperation mit der KfW-Bankengruppe

und der DZ Bank den Preis „Bester Fördermittelberater“

verliehen.

Wolfgang Renz, Unternehmenskundenberater

bei der Volksbank Ulm-Biberach eG, und sein

Kollege Michael Bausch, Fördermittelberater,

wurden 2017 in der Kategorie Energie & Umwelt

mit diesem Titel geehrt. Überzeugt haben

die beiden Experten die Jury durch umfassende

Beratung sowie durch die bedarfsorientierten

Finanzierungskonzepte für den mittelständischen

Kunden Aquachem GmbH Separationstechnik

aus Senden. „Bei der Ausarbeitung

von Finanzierungsangeboten richten wir unsere

Vorschläge konsequent an den individuellen

Voraussetzungen des jeweiligen Vorhabens

und an den Wünschen unserer Kunden aus“,

betont Bausch.

Im April nahm die Volksbank eine weitere Auszeichnung

als „Beste VR-Fördermittelbank

2017“ in ihrer Bilanzsummenklasse in Baden-

vlnr.: Ralph P. Blankenberg (Vorstandssprecher), Michael Bausch (Leiter öffentliche Fördermittel),

Wolfgang Renz (Unternehmenskundenbetreuer), Josef Schneiderhan (Leiter Markt- & Kundennetzwerke)

Württemberg entgegen. Dieser Preis wird jährlich

von der DZ Bank verliehen und zeichnet im besonderen Maße berücksichtigen und so-

Kundenberatungen öffentliche Fördermittel

Banken – unterteilt in vier Bilanzsummenklassen

und verteilt auf fünf Regionen – aus, die bei men der Finanzierung

mit ihren Kunden zahlreiche Vorteile im Rah-

schaffen.

29


[rubrik] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Seine Firma öffnet Türen: Matthias Lamparter hat Griffwerk gegründet. Im kommenden Jahr will er eine Million Türgriffe umsetzen.

Fotos: Marc Hörger

Alles im Griff

Alle fassen sie täglich dutzendfach an – und denken sich kaum etwas dabei. Nicht so Matthias Lamparter – er

verwandelt Türklinken in Designerstücke und ist mit seiner Griffwerk GmbH aus Blaustein erfolgreich.

Max Bill (1908-1994) war ein Tausendsassa,

Architekt, Produktdesigner,

Bildhauer, Grafiker. In und um Ulm

ist der Bauhaus-Absolvent vor allem als der

Gründungsrektor der Hochschule für Gestaltung

in Ulm in guter Erinnerung. Ohne ihn

wäre diese legendäre Einrichtung 1955 kaum

in die Gänge gekommen. Das betont puristische,

streng im Rastermaß durchdeklinierte

Gebäude geht auf seinen Entwurf zurück,

zahlreiche Details wie etwa die Türgriffe

ebenfalls. Bill legte die Grundlagen für eine

Philosophie der Gestaltung, die schon bald als

„ulmer“ Linie für Furore sorgen sollte und bis

heute höchstes Ansehen genießt.

Matthias Lamparter kann sich ein Lächeln

nicht verkneifen. Nicht, weil er Zweifel hegte

am hohen Stellenwert dieser Ulmer Schule,

ganz im Gegenteil. Vielmehr, weil er in und

um Ulm herum schon zigfach „Bill’sche Klinken“

gedrückt hat, die gar keine sind.

Der geschäftsführende Inhaber der Blausteiner

Griffwerk GmbH weiß das so genau, weil

seine Firma seit 2012 die offizielle Lizenz zur

Fertigung des „ulmer griffs“ besitzt, erworben

von der „max, binia + jakob bill stiftung“, die

den Nachlass des Meisters verwaltet.

GEGEN DEN IDEEN-KLAU

Ein Coup, der Griffwerk weiter ins Gespräch

brachte. Es war beileibe nicht der einzige in

der noch jungen Firmengeschichte. Auch

Thomas Gerlach, Jette Joop sowie Christian

und Michel Sieger haben im Produktportfolio

von Griffwerk – neben Türgriffen gibt es Beschläge

und seit 2014 auch Glastüren – prägende

Akzente gesetzt. Die Auszeichnungen

fürs Design ließen nicht lange auf sich warten.

Ebenso wenig wie juristische Auseinandersetzungen.

Griffwerk wehrt sich sehr aktiv

gegen den Ideen-Klau. Allein im Moment gehe

man in vier Fällen gegen Nachahmer vor.

Produziert werden die Klinken und Beschläge

in China. Dort unterhält Griffwerk seit 15 Jahren

ein eigenes Produktionswerk mit 100 Mitarbeitern.

Das ist ein sensibles Thema, weil

China kaum für höchste Qualitätsansprüche

steht. Genau die seien aber gefordert und würden

auch erfüllt, sagt Lamparter. Ein striktes

Qualitätsmanagement und ein hoher Standardisierungsgrad

machen es möglich.

30


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[machen]

„Täglich“ träfe ein Container im Firmensitz in

Blaustein ein. Lamparter erwartet für 2018 einen

Umsatz von knapp 30 Millionen Euro.

Eine Million Griffe will er verkaufen. 2013

war es noch etwa die Hälfte. Mit sechs bis

zehn Prozent Wachstum soll es weitergehen.

Entsprechend rasant wird am 2013 bezogenen

Hauptsitz investiert. Eben erst ist eine neue

Lagerhalle fertig geworden, schon steht ein

weiterer Neubau an. Vertrieb, Entwicklung,

Marketing und Lager sind in Blaustein angesiedelt,

mit 115 sind hier fast ebenso viele Mitarbeiter

wie in China an Bord. Im hintersten

Winkel befindet sich eine kleine Produktion.

Hier bringen zwei Laser Dekors auf Glastüren

auf. Möglich ist damit sehr Vieles, Einzelanfertigungen,

Foto-Motive, grafische Muster.

Die beiden Laser laufen rund um die Uhr, der

Prozess ist weitgehend automatisiert.

Vom Praktikant zum Firmenchef

Auch Glastüren sind bei Griffwerk im Programm. Sie haben eine besondere Färbung.

ENTWÜRFE VON JETTE JOOP

Die weitere „Optimierung der Abläufe und

Prozesse“ sieht Lamparter als seine Hauptaufgabe

in nächster Zeit. Das rasante Wachstum

will gesteuert sein. Schließlich erfolgt es in

Märkten, die der Geschäftsführer als weitgehend

gesättigt bezeichnet. Wachsen könne da

nur, wer Marktanteile hinzugewinnt. Und das

klappt nur, wenn die Produkte aus der Masse

herausragen. Die Stichworte dazu lauten „Design-Orientierung“,

„Hochwertigkeit“ sowie -

in der höher positionierten Linie „Design-

Manufaktur“ – ein „hohes konzeptionelles

Niveau“. Bei Türen und Beschlägen zählt er

sein Unternehmen mittlerweile zu den Top 3.

„Wir suchen die Revolution“, verkündet Lamparter

nonchalant und stürmt an die Show-

Wand mit den Glastüren. Das Besondere

Geschäftsführer Matthias Lamparter

gehört die Griffwerk GmbH zu 80 Prozent.

Mit je 10 Prozent sind Hugo und Wolfgang

Habisreutinger beteiligt. Der studierte

Betriebswirt, 1970 in Ulm geboren, hatte

bei ihnen einst als Praktikant angeheuert

und dann Karriere gemacht. Doch auf

Dauer reichte ihm das nicht; er gründete

die deutsche Niederlassung des italienischen

Türgriffeproduzenten Frascio,

konnte sich mit seinen Vorstellungen bei

der Produktentwicklung aber nicht durchsetzen.

2006 ging er seinen eigenen Weg

und rief das „Griffwerk“ ins Leben. Die

GmbH präsentierte 2008 erstmals eigene

Entwürfe, die von Beginn an in Asien realisiert

wurden. 2013 erfolgte der Umzug

von Verwaltung und Entwicklung aus einem

Industriebau in Ulm-Lehr an den

heutigen Firmensitz in Blaustein. THV

steckt in diesem Fall in der Farbe. Anders als

üblich gibt es Ausführungen in Weißglas, also

ohne den üblichen leichten Grünschimmer.

Dies verändert die Tönung des einfallenden

Lichts zwar nur minimal, für ein detailverliebtes

Publikum ist das aber entscheidend.

Jette Joop wiederum, die 2014 eine erste Kollektion

an Beschlägen und Glastüren vorgelegt

hat, sei nicht zuletzt deshalb verpflichtet

worden, weil sie eine „feminine Sicht“ in den

Katalog einbringe, sagt Marketing-Frau Elke

Hagmann. Über das Einrichten der eigenen

vier Wände würden Paare heute schließlich

gemeinsam entscheiden. [!] THOMAS VOGEL

31


[namen & nachrichten] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Hymer bringt

neue B-Klasse

heraus

Mit einer neuen Version ihres

Erfolgsmodells B-Klasse will

die Hymer GmbH & Co. KG

(Bad Waldsee) den Umsatz ankurbeln.

Als erstes Unternehmen

verbaute Hymer den neuen

Sprinter-Triebkopf von

Mercedes-Benz Vans in Serie.

Trotz etwa sieben Meter Länge,

wiegt das Wohnmobil weniger

als drei Tonnen. Die Erwin Hymer

Group erzielte im Geschäftsjahr

2016/2017 mit ihren

weltweit mehr als 6000 Mitarbeitern

einen Umsatz von 2,1

Milliarden Euro.

„Lisa’s Chips“

konzentriert sich

auf Einzelhandel

Die Firma Aroma Snacks GmbH

& Co. KG will sich mit ihrer

Marke „Lisa‘s Chips“ 2018 mit

neuem Produkt-Design und

neuen Sorten stärker auf den

konventionellen Einzelhandel

konzentrieren. Die verwendeten

Kartoffeln stammen aus

Bayern und Baden-Württemberg.

Seit 2012 fertigt Inhaber

Jochen Krumm in Amtzell zwischen

Ravensburg und Wangen

im Allgäu Bio-Kesselchips – mit

wachsendem Erfolg. Mittlerweile

gehört das 2011 gegründete

Unternehmen zur britischen

Firma Amplify, die zu

Jahresbeginn vom US-Konzern

Hershey übernommen worden

ist.

Maschinenfabrik

wird zu

Bürogebäude

Im Herbst 2018 soll der Umbau

der ehemaligen Ravensburger

Maschinenfabrik in der Georgstraße

24 beginnen. Für zwei

Millionen Euro will Armin

Bausch die 1000 Quadratmeter

große Halle in ein modernes Bürogebäude

verwandeln. Investiert

werden soll in Lüftung,

Fenster, Dach und Brandschutz.

Armin Bausch ist Geschäftsführer

des 120 Mitarbeiter großen

Entsorgungsfachbetriebs

Bausch GmbH.

Neues Zentrum

für Logistik von

Reischmann

Die Reischmann GmbH & Co.

KGaA hat ein neues Logistikzentrum

im Ravensburger Gewerbegebiet

Erlen bezogen. Auf

4600 Quadratmetern befinden

Foto: Wirtschaftsförderung Bodenseekreis

Ferienaktion für Schüler

Mit der Ferienaktion „wissen was geht!“ lässt die Wirtschaftsförderung

Friedrichshafen Jugendliche ab 14 Jahren hinter die

Kulissen von Firmen blicken. Die Hoffnung dabei: Die jungen

Leute bekommen Interesse an einer Lehre und die Firmen steigern

ihren Bekanntheitsgrad. www.wissen-was-geht.de

sich Online-Shop, Fotostudio,

Rechnungsprüfung und IT-Abteilung.

Das Unternehmen beschäftigt

1100 Mitarbeiter, 85

davon im Logistikzentrum. Neben

seinen Häusern am Hauptsitz

Ravensburg hat Reischmann

Filialen in Ulm, Kempten

und Memmingen – mit insgesamt

mehr als 40.000 Quadratmetern

Verkaufsfläche.

Vetter mietet

Wohnungen

für Mitarbeiter

Die Gruppe Vetter Pharma wird

vom Jahr 2019 an zehn bis 15

Wohnungen in neu entstehenden

Mehrfamilienhäusern in

der Ravensburger Innenstadt

für Mitarbeiter anmieten. Es ist

eine der Maßnahmen des Unternehmens,

um Personal zu locken.

Durch den Fachkräftemangel

sind etwa 100 Stellen

unbesetzt. Die Vetter Pharma

International GmbH aus Ravensburg

ist Spezialist für die

aseptische Fertigung von vorgefüllten

Injektionssystemen. Zuletzt

erwirtschafteten 4400 Mitarbeiter

einen Jahresumsatz

von 503 Millionen Euro.

Prisma

investiert in

Oberschwaben

Die Vorarlberger Unternehmensgruppe

Prisma will in den

nächsten Jahren laut Vorstand

Bernhard Ölz massiv in die Region

Süddeutschland investieren,

zum Beispiel in Singen und

Ulm. Aktuelles Projekt in Ravensburg:

Das KUP-Gründerzentrum

in Zusammenarbeit

mit der Stiftung Liebenau. Von

Juli an arbeiten hier künftig auf

5000 Quadratmetern Unternehmen

und Existenzgründer mit

behinderten Menschen Tür an

Tür. Die österreichische Prima

Holding wurde 1994 gegründet

und ist spezialisiert auf Standort-

und Regionalentwicklung.

Autozulieferer

Weber erweitert

Firmensitz

Weber Automotive GmbH erweitert

seinen Firmensitz im

Markdorfer Gewerbegebiet Negelsee.

Eine Produktionshalle

soll abgerissen und durch einen

Neubau ersetzt werden. Die

1969 gegründete und 1500 Mitarbeiter

große Weber Automotive

GmbH zählt zu den führenden

Unternehmen der

Fahrzeugzulieferindustrie. Der

Jahresumsatz lag zuletzt bei 313

Millionen Euro. [!] RIZ

32


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[spezial]

Patente Lösungen

Die Konkurrenz schläft nicht – und kopiert unter Umständen auch Innovationen. Daher gewinnt das Thema

Schutzrechte auch für Mittelständler an Bedeutung. Was bei Gebrauchsmustern & Co. zu beachten ist.

Man muss schon einen langen Atem

haben. Neun Jahre hat es gedauert,

dann hatte die Firma Gaugler & Lutz

aus Aalen ihr zweites Patent, eine Steckverbindung

aus Balsaholz, die sich in den Kernen

von Rotorblättern von Windkraftanlagen befindet.

Gaugler & Lutz ist ein Familienbetrieb.

Der Vater Roland Lutz hat das Unternehmen

vor rund 35 Jahren mit Roman Gaugler gegründet.

Seit 2009 ist er alleiniger Firmeninhaber.

Sohn Dominic Lutz, Jahrgang 1981, ist

Wirtschaftsingenieur und arbeitet seit 2009

in dem Unternehmen, inzwischen als Prokurist.

Auch die Tochter, Nadine Lutz, arbeitet

im Familienunternehmen.

„Wir sind eine Art explodierte Schreinerei“,

sagt Dominic Lutz. Im Zuge der Energiewende

und des wachsenden Marktes für Windkraftanlagen

hat sich das Unternehmen in den vergangenen

Jahren stark vergrößert. Heute sind

hier 180 Mitarbeiter beschäftigt, in Spitzenzeiten

sind es bis zu 250.

VORTEIL DURCH SCHUTZRECHTE

„Schutzrechte sind mittlerweile Teil unserer

Unternehmensstrategie“, erzählt Lutz. „Wir

denken sie immer mit, wenn wir neue Marktsegmente

erobern wollen, neue Kundengruppen

oder Regionen.“ Insgesamt hat das Unternehmen

rund 100 Schutzrechte. Das sind zum

Beispiel Markenrechte, Bildrechte, und eben

die zwei benannten Patente, bei denen es

nicht bleiben soll.

„Das Patent ist die

Königsdisziplin.

Das Gebiet der

Schutzrechte ist

Dominic Lutz von Gaugler

& Lutz aus Aalen.

eine weite Spielwiese,

auf der man

sehr viel gestalten

kann“, sagt Lutz.

„Wir sehen das Potenzial

der Schutzrechte

auf mehreren

Ebenen: Wir

Wer mit neuen techischen Ideen auf den Markt geht, sollte diese dringend schützen.

Foto: © ANDRANIK HAKOBYAN / shutterstock.com

können uns gegen Mitbewerber abgrenzen

und wir können sie nutzen um im Marketing

sichtbar zu werden.“

Viele Unternehmen arbeiten hart an ihren Innovationen

und investieren viel Zeit und

Geld. Um so ärgerlicher ist es, wenn jemand

daher kommt und die Idee klaut. Oder man

aus Versehen die Rechte von anderen Unternehmen

missachtet. Da ist es sinnvoll, sich

über Schutzrechte Gedanken zu machen. „Zu

Beginn jeglicher Forschungs- und Entwicklungstätigkeit

sollte eine systematische Recherche

bestehender Schutzrechte Dritter erfolgen“,

rät Sönke Voss, Referent Industrie,

Technologie und Innovation von der IHK Bodensee-Oberschwaben.

„Andernfalls besteht

das Risiko, dass nach aufwändiger und kostspieliger

Entwicklungstätigkeit ein Wettbewerber

seine Rechte geltend macht und erhebliche

Schadensersatzansprüche drohen.“

Die optimale Schutzrechtsstrategie müsse

stets im Einzelfall analysiert und festgelegt

werden. So sind Patent und Gebrauchsmuster

für den Schutz technischer Aspekte vorgesehen,

während Marke und ein eingetragenes

Design den Namen und die Erscheinungsform

schützen. „Häufig werden verschiedene

Schutzrechte kombiniert, um Produkte optimal

zu schützen“, sagt Voss. Zudem könnten

gewerbliche Schutzrechte national, europaweit,

weltweit oder in international ausgewählten

Ländern angemeldet werden. In der

Regel empfehle sich daher die Einbeziehung

eines erfahrenen Patentanwalts, um die optimale

Strategie – auch unter Kostenaspekten

– festzulegen.

33


[spezial] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Sönke Voss, IHK-Technologieexperte.

Am Beispiel eines

Stuhls lassen sich

laut Voss die Unterschiede

der

Schutzrechte gut

darstellen: So kann

ein neuartiger Mechanismus

zur

Verstellung der

Lehne über ein Patent

oder Gebrauchsmuster

geschützt

sein, der

Name des Modells und das Logo des Herstellers

als Marke sowie eine neuartige Erscheinungsform

als eingetragenes Design.

Kleines Lexikon der Schutzrechte

Gaugler & Lutz aus Aalen verfügt über 100 Schutzrechte. Auch diese Steckverbindung aus Basalholz,

die in den Kernen von Rotorbättern steckt, hat das Familienunternehmen eintragen lassen.

Patent: Voraussetzung sind Neuheit, erfinderische

Leistung und gewerbliche Anwendbarkeit.

Vorsicht: Sobald eine Erfindung

öffentlich präsentiert wurde, ist

kein Patentschutz mehr möglich.

Gebrauchsmuster: Das Gebrauchsmuster

wird sofort eingetragen und erst geprüft,

sofern ein Streitfall eintritt.

Designschutz (früher Geschmacksmuster):

Das Design muss zum Zeitpunkt der

AGGRESSIVE VERTEIDIGUNG

Die Bandbreite, wie Unternehmen mit dem

Thema Schutzrechte umgehen können, ist

groß. Zu Beginn kann es genügen, sich passiv

zu verhaltenund einen Überblick zu verschaffen,

welche Schutzrechte bestehen und ob mit

eigenen Entwicklungen gegen die Schutzrechte

anderer verstoßen wird. In der nächsten

Stufe kann eine Firma eigene Schutzrechte

anmelden. Dazu müssen deren Mitarbeiter

erkennen, wo schutzwürdige Erfindungen

gemacht werden oder wo es sich lohnt ein

neues Design oder Marken einzutragen.

„Die letzte Stufe ist meist erreicht, wenn Entwicklungen

oder gut designte Produkte des

eigenen Unternehmens als Plagiate am Markt

auftauchen“, meint Bernd Häußler, Leiter des

Recherchebereichs im Informationszentrum

Patente des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Dann helfe nur, rechtlich und aggressiv gegen

die vorzugehen, die die Schutzrechte verletzen.

Dafür benötige man eine „gewisse Kriegskasse“

und die Bereitschaft, für seine Rechte

zu kämpfen.“

Technische Erfindungen, die gewerblich anwendbar

sind, kann man in Deutschland als

Patent und Gebrauchsmuster schützen lassen.

Der Patentschutz erstreckt sich über 20

Jahre, beim Gebrauchsmuster sind es 10 Jahre.

Während beim Patent vor der Erteilung geprüft

wird, ob die Voraussetzungen für den

Schutz vorliegen, wird das Gebrauchsmuster

ungeprüft und sehr schnell eingetragen. Die

Unsicherheit, ob tatsächlich ein Schutz für

die Erfindung besteht ist hier größer. Erst in

einem Streitfall wird beim Gebrauchsmuster

diese Frage geklärt. „Die Entscheidung für das

eine oder andere Schutzrecht kann man jedoch

nicht pauschal treffen, es sind meist taktische

oder strategische Erwägungen. Dabei

helfen zum Beispiel auch Patentanwälte“, sagt

Bernd Häußler.

PATENTANWÄLTE HELFEN

Bei allen Schutzrechten handelt es sich um

territoriale Rechte, meist einzelner Staaten

oder Staatengruppen. „Das Patent verhindert

nicht nur die Herstellung, sondern auch den

Vertrieb, die Einfuhr und gegebenenfalls sogar

die Werbung für dieses Produkt“, sagt

Häußler. Die Innovation kann also in

Deutschland geschützt sein, wenn dies beispielsweise

nicht für China der Fall ist, kann

ein Konkurrent das Produkt dort herstellen

und vertreiben. „Deutschland jedoch ist für

ihn Tabu“, erklärt Bernd Häußler.

Je mehr Schutzrechte ein Unternehmen verwaltet,

desto aufwendiger wird es, den Überblick

zu behalten. Gaugler & Lutz arbeitet mit

einem spezialisierten Unternehmen zusammen,

in dem Patentanwälte regelmäßig den

Markt überwachen. „Um Spezialisten kommt

man bei diesem Thema nicht drumherum“,

sagt Lutz. Mit diesen Spezialisten könne man

Anmeldung neu sein. Das heißt, vor dem

Anmeldetag darf kein in unwesentlichen

Merkmalen abweichendes Design veröffentlicht,

ausgestellt oder auf den Markt

gebracht worden sein. Zudem muss das

Design eine Eigenart aufweisen.

Markenschutz: Hier geht es oft um den

Namen. Aber auch Logos und eine Verbindung

von Name und Logo können geschützt

werden.

HZ

Ideen entwickeln, und zielgerichtet Produkte

schützen oder sogar extra Produkte für die Patentanmeldung

entwickeln. Schließlich sind

Patente gerade in Kooperationen mit größeren

Unternehmen ein wichtiges Gut, dass in

eine Partnerschaft eingebracht werden kann.

Doch wie weit geht Gaugler & Lutz, um die

eigenen Rechte durchzusetzen? „Unsere Strategie

ist es, uns gerade in unseren Kernbereichen

von unseren Wettbewerbern abzugrenzen“,

erklärt Lutz. Wenn jemand zum Beispiel

einen von Gaugler & Lutz geschützten Slogan

benutzt oder einen Markennamen, dann geht

das Unternehmen dagegen vor.

Dominic Lutz hat aus der Beschäftigung mit

Patenten und Schutzrechten viel für sich und

das Unternehmen gezogen. Einsteigern empfiehlt

er, sich das öffentliche Verzeichnis des

Deutschen Patent- und Markenamtes anzuschauen.

„Dort sind die Offenlegungsschriften

hinterlegt. Man erfährt viel darüber, wie es

die anderen machen“, sagt er. Daraus ließen

sich viel Wissen und Erfahrung ziehen. „Und

auch, wie man es vielleicht anders machen

kann – und besser.“ [!] HENNING ZANDER

34


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Mit Lawinen zur erfolgreichen Patentverwertung

Die Frage kennt jeder Patentinhaber: Wie

kann die Idee wirtschaftlich erfolgreich werden,

welche Investitionen sind sinnvoll, was

ist die richtige Strategie? Bei diesen Fragen

hilft die AVALANCHE Research mit ihrer

neuen Recherche-Methode.

Schon vielen guten Ideen ist es so ergangen.

Zwar ist tatsächlich etwas noch nie Dagewesenes

geschaffen worden. Solange dies aber

keinem Interessenten „schmackhaft“ gemacht

werden kann, bleibt auch die beste Erfindung

ein einsames Geheimnis. Genau hier

setzt das Team der AVALANCHE an.

Mit ihrer neu entwickelten Methode einer

webbasierten Lawinen-Recherche suchen die

Patent-Spezialisten nach den „relevanten Informationen“

über das Potential der Idee und

liefern dabei einen wichtigen Beitrag für die

unternehmerische Entscheidung. „Relevant

ist eine Information, die es dem Unternehmer

ermöglicht, eine konkrete Entscheidung zu

fällen“, so Franz Weller, der Geschäftsführer

der AVALANCHE Research. Durch die Vielfalt

der eingehenden Informationen erhält der

Auftraggeber auch durchaus neue Aspekte,

die ihm die konkrete Einschätzung erleichtern.

Die Lawinen-Recherchen verhelfen außerdem

dazu, dass die mit dem weiteren Vorgehen

verbundenen Kosten und Investitionen solide

abgeschätzt werden können und das Unternehmen

seine Mittel intelligent einsetzt.

Der innovative Ansatz des bei der AVA-

LANCHE eingesetzten Algorithmus‘ ist, dass

man sich durch die schnelle, aber dabei exakt

abgezielte Verbreitung der Fragestellungen

innerhalb des weltweiten Experten-Netzwerks

bewegt. Durch ein Bonus-System, das allein

schon die Weiterleitung belohnen kann, sucht

sich die Fragestellung ihren eigenen Weg. Aber

nur die gezielte Weiterleitung hilft: denn nur

die beiden Letzten in der Kette haben die

Chance auf den Bonus.

„Die Zielsetzung unserer Methode besteht also

eben nicht darin, dass einzelne Personen

aufwendige Recherchen anstellen, sondern

vielmehr das bereits vorhandene Wissen nutzen

oder in wenigen Sekunden die Frage weiterleiten

an denjenigen, der es wissen könnte“,

so Weller.

So bringt man die Lawine ins Rollen und dem

Patent die Chance, mehr als nur eine verborgene

Idee zu bleiben.

Das Patent-Rezept gegen Strafzölle

Die letzten Tage haben es gezeigt: Protektionismus

und Strafzölle nehmen Einfluss auf

die Märkte. Durch eine geschickte Patentstrategie

können sich Unternehmen aber

auch gegen solche Handelshemmnisse

wappnen.

Dass Schutzzölle auch für innovative Unternehmen

einen erheblichen Wettbewerbsnachteil

auf den internationalen Märkten verursachen,

bedarf wohl kaum einer Erklärung:

Die in den jeweiligen Markt exportierten Waren

verteuern sich gegenüber den Produkten

der einheimischen Anbieter.

Eine Möglichkeit, solchen Handelshemmnissen

auszuweichen, ist natürlich der Aufbau

einer eigenen Produktion in dem jeweiligen

Land. Der Aufwand und das Risiko machen

diesen Weg für die Unternehmen jedoch kaum

attraktiv. Wie also reagiert man auf diese Situation?

Patente und weitere gewerbliche Schutzrechte

bieten sich als kluge Alternative an. Auch

wenn noch nicht sicher ist, welche Produkte

zukünftig mit Repressalien erfasst werden,

zeichnet sich aber ab, dass ein „Produkt“ auch

in Zukunft verschont bleiben wird: die Anmeldung

und Durchsetzung von gewerblichen

Schutzrechten in den durch Zölle betroffenen

Staaten.

„Wichtig ist eine clevere Patent-Strategie. Bereitet

man sein Unternehmen hier gut vor,

können gewerbliche Schutzrechte durch die

damit verbundene Monopolposition dem Inhaber

einen entscheidenden Vorteil bieten –

z.B. kann man den inländischen Anbietern

verbieten, auf dem Zielmarkt aktiv zu sein,

auch wenn sie durch die Strafzölle geschützt

werden sollten“, so Patentanwalt Klaus Peter

Raunecker von der gleichnamigen Kanzlei mit

Sitz in Ulm und München. Man sollte sich daher

überlegen, ob man nicht zusätzlich zu den

eigenen Vertriebsaktivitäten schnellstmöglich

die Marktposition mit einem gewerblichen

Schutzrecht sichert.

„Durch Erteilung von Lizenzen und eine gute

Vertragsgestaltung kann der Unternehmer im

zweiten Schritt dann dafür sorgen, dass seine

innovativen Produkte im internationalen

Markt erfolgreich verkauft werden – und das

trotz aller Hemmnisse, die derzeit von verschiedenen

Regierungen initiiert werden“; Armin

Weidt, Wirtschaftsanwalt bei der KNORR

Rechtsanwälte AG in Ulm, ist überzeugt davon,

dass auf diesem Weg Probleme umschifft

werden können, die sich vielleicht durch den

aktuellen Trend zum Protektionismus abzeichnen.

Die Vorbereitung einer geschickten Patent-

Strategie lässt somit den klugen Unternehmer

beruhigter betrachten, was aktuell auf

politischer Ebene passiert!

Ihre zentrale Anlaufstelle:

Frauenstraße 11 D-89073 Ulm

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35


[machen] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Aus alt mach Elektro

Weil er kein Stromauto für seine Frau fand, hat Reinhardt Ritter einfach einen Polo zu einem Stromer umgebaut. Daraus

entstand die EFA-S GmbH. Der Mittelständler aus Zell unter Aichelberg rüstet alte Lieferwagen um.

Es ist kühl in der Produktionshalle, obwohl

das Thermometer draußen mehr

als 25 Grad Celsius anzeigt. Sechs Mann,

darunter Mechaniker, Elektriker und Ingenieure,

schrauben an dem braunen Ungetüm in

ihrer Mitte. Der ausgediente Dieseltransporter

bekommt wieder Leben eingehaucht. Mit

einem hocheffizienten Elektromotor.

Auch Firmengründer Reinhardt Ritter ist mit

von der Partie und flitzt mit dem Gabelstapler

durch die Halle. 26 Jahre ist es her, dass der

heute 70-Jährige sein erstes Fahrzeug mit

Elektro-Synchronmotor zum Patent angemeldet

und so den Grundstein für EFA-S Elektrofahrzeuge

Stuttgart gelegt hat. „Damals war

mein Schwiegervater auf der Suche nach einem

Elektroauto für seine Frau“, erzählt Geschäftsführer

Bastian Beutel. Doch die angebotenen

Modelle überzeugten ihn nicht. Um

die Karosserie leicht zu halten, hatten die

Fahrzeuge so gut wie keine Knautschzone.

Außerdem waren die schweren Batterien oft

hinter dem Vordersitz verbaut, wodurch sie

bei einem Unfall für den Fahrer gefährlich

werden konnten.

EINFACH SELBST KONSTRUIERT

Ernüchtert, doch keinesfalls demotiviert beschloss

Ritter kurzerhand, das E-Auto für seine

Familie selbst zu konstruieren. „Mit der

Flex bewaffnet entkernte er einen nagelneuen

VW Polo“, erinnert sich der 34-Jährige Schwiegersohn,

der seit sechs Jahren die Geschäfte

von EFA-S führt. Sechs Monate und 110.000

D-Mark später nahm der TÜV den Wagen ab.

Die Idee, aus seiner Erfindung ein Geschäft zu

machen, kommt Ritter allerdings erst 16 Jahre

später als sein Freund Can Baki, der bei UPS

arbeitete, die für einen Presseartikel vorbereiteten

Pläne sieht. „Kannst du sowas auch in

einen Lieferwagen bauen?“, wollte dieser wissen.

Wenig später bauten Ritter und Beutel

den alten Diesellieferwagen von Bakis Ehefrau,

die einen Gemüsehandel betrieb, um.

Nach gelungener Umrüstung stellte Baki den

Kontakt zu seinem früheren Arbeitgeber UPS

her, der direkt einen Prototypen in Auftrag

gab. Noch im gleichen Jahr – 2009 – wurde die

Firma EFA-S gegründet.

Seitdem hat das inzwischen 15 Mitarbeiter

zählende Team 170 Altfahrzeugen des Paketdienstes

ein zweites Leben geschenkt. „Die

Fahrzeuge sind allesamt Spezialbauten und

wegen ihrer Aluminiumkarosserie und dem

170 UPS-Wagen wurden umgerüstet – so auch

dieses Fahrzeug in Kirchheim/Teck.Fotos: Cremer

36


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[machen]

Kevlardach sozusagen

unkaputtbar.

Gleichzeitig

sind sie deutlich

leichter als normale

Autos – was der

Elektromobilität

entgegenkommt“,

erklärt Beutel, der

nach seiner Lehre

Geschäftsführer

zum Mechatroniker

Automatisie-

Bastian Beutel.

rungstechnik an

der Hochschule Esslingen studiert hat.

Nach Einführung der Feinstaubplaketten

durften viele der robusten Transporter nicht

mehr auf die Straße. Zu hoher Schadstoffausstoß.

Neuanschaffungen sind teuer. Die umgerüsteten

Transporter werden vor allem in

Großstädten wie London, Amsterdam oder

Paris eingesetzt. „Das heißt, sie laufen unter

Extrembedingungen“, sagt Beutel. Trotzdem

haben sie eine Reichweite von mindestens

hundert Kilometern. Ein mindestens 90 Kilowatt

starker Synchronmotor liefert die nötige

Power. Die 124 Lithium-Eisenphosphat-Batterien

sind im Unterboden der Fahrzeuge eingebaut,

sodass der Laderaum nicht kleiner wird.

EIN INVESTOR AUS ASIEN

Als das Kleinunternehmen 2012, nach dem

unerwarteten Tod von Mitgesellschafter Can

Baki, an seine Kapazitätsgrenzen stößt, entschließt

die Geschäftsführung einstimmig,

im Jahr 2015 einen Investor an Bord zu nehmen.

Die Schwaben knüpfen Kontakt zu Li

Jing Yu, der mit seinem Joint Venture Beijing

WKW bereits Erfahrungen im Automobilbereich

gesammelt hat. „Im Tagesgeschäft hat

sich für uns nur wenig geändert“, findet Beutel.

Noch immer werden die meisten Entscheidungen

in Zell getroffen. Es ist vor allem das

zusätzliche Kapital, das den E-Mobility-Spezialisten

so manchen Sprung ermöglicht. Etwa

das Vergrößern der Produktionsfläche oder

Privatinvestor aus China

Ein UPS-P80-Fahrzeug mit offener Haube: Der Batterieblock füllt den Großteil des Motorraums.

das Zurückholen ausgelagerter Produktionsschritte.

Auch Kontakte zu chinesischen Unternehmen

wirken sich positiv auf das Gesamtergebnis

aus. „Zudem motiviert uns Li,

mehr auszuprobieren“, erzählt Beutel. Dabei

denkt der junge Chef zum Beispiel an den Firmen-Tesla.

Lange hatte sich die Geschäftsführung

gesträubt, den Wagen anzuschaffen. „Li

hat uns einfach benachrichtigt, dass das notwendige

Kapital nun auf dem Konto sei und

nichts mehr gegen den Kauf spreche.“

Die Innovationsfreude des Chinesen färbt ab.

Zwar bleibt UPS Hauptkunde, doch trauen

sich die Schwaben auch mehr Spezialprojekte

EFA-S Elektrofahrzeuge Stuttgart wurde

2009 von Reinhardt Ritter, Can Baki

und Achim Schröder gegründet. Seit

sechs Jahren leitet Bastian Beutel die Geschäfte.

Jahre später beteiligte sich Privatinvestor

Li Jing Yu am Unternehmen.

Dieses Jahr rüsten die Spezialisten für

Elektromobilität etwa 100 bestehende

Dieselfahrzeuge zu Elektrofahrzeugen

um. Die in Zell unter Aichelberg (Landkreis

Göppingen) sitzende Firma ist auf

Großfahrzeuge spezialisiert. Mit 15 Mitarbeitern

aus den Bereichen KFZ-Mechatronik,

Mechanik, Elektrik und Ingenieurswesen

erwirtschaften die Schwaben

aktuell vier Millionen Euro Umsatz. Innerhalb

der nächsten Jahre soll das EFA-S

Team auf 25 Mitarbeiter anwachsen. Zudem

soll ein eigenes Fahrzeug auf den

Markt gebracht werden.

GYS

zu. So verbauten sie erst kürzlich zwei Elektromotoren

in einen 18-Tonner, den das Fraunhofer

Institut zum Erproben autonomer Fahrtechnologien

nutzt. „Der zweite Motor

unterstützt bei Steigungen“, erklärt Beutel.

Einen anderen Lösungsweg – Originalgetriebe

plus 1:150 NM Drehmoment – wählte das

Team beim Umbau einer 20 Tonnen schweren

Bahn für Rundfahrten nach einer Besichtigung

in Oberstdorf. Die muss in der Lage sein,

20-prozentige Steigungen zu erklimmen. „Die

eine Lösung gibt es nicht. Deshalb passen wir

uns an das an, was uns zur Verfügung steht –

auch in Zukunft.“ [!]

RONJA GYSIN

Harley Davidson in Schwäbisch Gmünd

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38

Die meisten der 22.000 Stiftungen in

Deutschland dienen gemeinnützigen

Zwecken. Nur in fünf Prozent geht es

um den Erhalt von Firmen und die

Versorgung der Hinterbliebenen.

Illustration: Getty Images/Imagezoo


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[finanzieren]

Mit schützender Hand

Wenn Unternehmer ihr Erbe über ihren Tod hinaus zusammen halten wollen, können sie eine Familienstiftung

gründen. Diese fördert die Firma und versorgt die Hinterbliebenen. Doch ein solches Konzept erfordert eine sehr

gute Vorbereitung –und birgt etliche Tücken.

Der nahende 85. Geburtstag war für Erwin Müller ein Anlass,

sein Lebenswerk zu ordnen. So hat der Gründer der gleichnamigen

Drogeriemarktkette im Frühjahr vergangenen Jahres,

wenige Monate vor seinem Ehrentag, die Erwin-Müller-Privatstiftung

mit Sitz im österreichischen Linz ins Leben gerufen. Ausweislich

des örtlichen Handelsregisters ist der Zweck der Privatstiftung

der Erhalt und die Förderung der Unternehmen, an denen die

Privatstiftung beteiligt ist, sowie der entgeltliche und unentgeltliche

Erwerb von Anteilen an Unternehmen, an denen der Stifter beteiligt

ist. Dazu kommen die Versorgung der in der Satzung genannten Begünstigten

und die Förderung der Interessen der Allgemeinheit durch

die Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen und Projekte.

Mit diesem Auftrag versucht Müller quasi die Quadratur des Kreises:

Seine Stiftung soll seine Nachfolge in der Firma übernehmen, die Erben

versorgen und nicht zuletzt auch noch sozial und gemeinnützig

tätig werden. Wahrlich kein leichtes Erbe. Doch mit dem Problem, eine

passende Lösung für seine Nachfolge zu finden, steht der erfolgreiche

Ulmer Unternehmer nicht allein. Nach einer im vergangenen Jahr

von der Commerzbank durchgeführten Erhebung rechnet ein Drittel

aller Firmen in Baden-Württemberg, mit einem Jahresumsatz von

mehr als 2,5 Millionen Euro, in den kommenden fünf Jahren mit einem

altersbedingten Wechsel an der Führungsspitze.

Thomas Klinger,

Commerzbank.

DEM KAMPF UMS ERBE VORBEUGEN

Dass die Eigentümer dazu eine Stiftung gründen, ist nichts Ungewöhnliches.

Vor Müller, der mittlerweile zwei Privatstiftungen im

Nachbarland gegründet hat, haben auch der verstorbene Haribo-Chef

Hans Riegel (Bonn) und Schraubenkönig

Reinhold Würth aus Künzelsau diesen

Schritt gemacht. Ihr Motiv: Wenn sie selbst

nicht mehr können oder wollen, sorgt die

Stiftung beziehungsweise dessen Vorstand

dafür, dass das Unternehmen als Ganzes

weitergeführt wird. Ein Kampf ums Erbe,

bei dem unter Umständen die gesamte Firma

oder Teile davon unter Druck verkauft

werden müssen, um Nachkommen auszuzahlen,

oder der den Betrieb führungslos in

die Krise rutscht lässt, ist ausgeschlossen.

„Doch ob diese Lösung der Nachfolgereglung

die ideale ist, sollte vorher genau

durchdacht werden“, sagt Thomas Klinger, Leiter Nachlass- und Stiftungsmanagement

bei der Commerzbank. „Dazu müssen eine Reihe

von Faktoren passen. Auf keinen Fall löst der Unternehmer durch eine

Stiftung das Problem einer fehlenden personellen Nachfolge. Er verlagert

damit nur das Problem. Denn fortan muss sich der Stiftungsvorstand

um die Führung des Unternehmens kümmern oder einen externen

Geschäftsführer einstellen und ihn kontrollieren.“

Eine Stiftung selbst hat keine Eigentümer. Sie gehört sich selbst und

unterliegt lediglich der Stiftungsaufsicht.

Der Stiftungsrat übernimmt die Steuerung,

ein Vorstand führt die Geschäfte. Durch

diese Konstruktion können die Erben später

eine Stiftung nicht auflösen und auch

nicht die Hand aufs Firmenvermögen legen.

Diese Art der Nachfolgeregelung ist

rechtlich und steuerlich herausfordernd –

egal, ob die Stiftung nun in Deutschland

oder im Ausland gegründet wird. Vor allem

Mark Pawlytta,

KPMG-Anwalt.

muss die Ausgestaltung gut überlegt sein.

„Familienstiftungen sind keine Selbstläufer,

die Übertragung sollte gut vorbereitet

werden. Dazu müssen früh die Rahmenbedingungen

abgesteckt und wichtige Fragen beantwortet werden“, betont

Mark Uwe Pawlytta, Rechtsanwalt und Experte für Familienstiftungen

bei KPMG. Wie weit soll der Einfluss der Familie auf die

Stiftung reichen? Da stellen sich viele Fragen: Dürfen Anteile des Unternehmens

verkauft werden und – wenn ja – auf welche Weise?

Wird ein Unternehmen in eine Stiftung eingebracht, ist dieses Vermögen

dort dauerhaft gebunden und kann später – wenn überhaupt – nur

unter bestimmten Umständen verkauft werden. Dieser Umstand steht

strategischen Entscheidungen unter Umständen irgendwann entgegen.

„Die Stiftungsregelung kann der Unternehmer oder seine Erben

nicht einfach rückgängig machen. Der Entschluss sollte also reiflich

überlegt sein“, betont Klinger.

22.000 STIFTUNGEN IN DEUTSCHLAND

Zwar sind Stiftungen auf Zeit derzeit noch möglich, aber mit der anstehenden

Reform des Stiftungsrechts soll es damit ein Ende haben. Für

den Stiftungszweck dürfen nur die erzielten Erträge des Stiftungsvermögens

verwendet werden. Ein Verzehr des Stiftungskapitals beziehungsweise

-vermögens ist nicht zulässig.

Mehr als 22.000 Stiftungen gibt es nach Angaben des Bundesverbandes

Deutscher Stiftungen in Deutschland. 95 Prozent davon sind gemeinnützig

und dienen sozialen, karitativen oder mildtätigen Zwecken

verfolgen. Dazu kommen Familienstiftungen. Ihre Aufgabe ist

es, eines oder mehrere Familienmitglieder des Stifters aus den Erträgen

des Stiftungsvermögens zu versorgen – meist, indem ein familien-

39


[finanzieren] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

eigenes Unternehmen als Ganzes in die Stiftung eingebracht wird.

Das ist insbesondere sinnvoll, wenn es keinen geeigneten Nachfolger

aus der Familie gibt. In der Stiftung lassen sich Firmenanteile bündeln.

Das ist laut Pawlytta etwa bei großen Familien hilfreich, da der

Anteilsbesitz ansonsten zersplittert wird. Familienstiftungen haben

außerdem kein Ablaufdatum, während Testamentsvollstreckungen

in der Regel für maximal 30 Jahre angeordnet werden können“, ergänzt

der Anwalt. Dazu komme, dass das Unternehmen mit der Umsetzung

unter Umständen mittel- bis langfristig Pflichtteilsansprüche

vermeiden oder zumindest kurzfristig verringern können.

ANSPRUCH AUF PFLICHTTEIL BLEIBT ERHALTEN

Das verhindert aber nicht, dass die betroffenen Erben ihre Ansprüche

auf den Pflichtteil vor Gericht einklagen. Streitigkeiten unter Erben

kommen in den besten Familien vor. Für den Stifter kann das zu einem

echten Problem werden, weil die Stiftung, wenn sie einmal steht, für

die Auszahlung eingeklagter Erbansprüche nicht zuständig ist. Mit

einer Stiftung verhindert der Unternehmer nicht, dass sich die Erben

unter Umständen streiten. Wer sich mit dem Gedanken an eine solche

Nachfolgeregelung beschäftigt, tut nach Klingers Worten gut daran,

vorher das Gespräch mit allen Betroffenen zu suchen und zur Wahrung

des Familienfriedens gegebenfalls einzelne Erben auszuzahlen.

Stiftungen können jedoch in steuerlicher Hinsicht Vorteile bieten –

wenn das Konzept stimmt. „Es gibt seitens des Gesetzgebers derzeit

unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein Unternehmer seine Firma

steuerschonend auf seine Erben übertragen kann“, weiß Gunter Mühlhaus,

Stiftungsexperte bei Heuking Kühn Lüer Wojtek. Die Zuordnung

von Betriebs- und Privatvermögen spiele dabei für den Fiskus

eine wichtige Rolle. „Vor diesem Hintergrund kann die Übertragung

des Betriebsvermögens auf eine Stiftung

zu Lebzeiten des Unternehmers

vorteilhaft sein – zumal die Erfahrung

lehrt, dass der Gesetzgeber das Erbschaftsteuerrecht

in zeitlich kurzer

Folge wieder reformiert und heute bestehende

Gestaltungsmöglichkeiten

dann wegfallen könnten“, erklärt

Mühlhaus.“

Ganz um das Thema Steuern herum

kommen die Erben aber

auch bei einer Stiftung nicht.

„Wenn Vermögenswerte auf eine

Stiftung übertragen werden,

werden wie bei einer Übertragung

an natürliche Personen unter

Umständen Schenkungsteuer

oder Erbschaftsteuer fällig“, sagt

KPMG-Experte Pawlytta. „Zudem

muss bei inländischen Familienstiftungen

alle 30 Jahre die Erbersatzsteuer

bezahlt werden – eine Art simulierter

Erbfall. Hier kann sich die frühe

Einbindung von Steuer- und Rechtsexperten

lohnen, besonders mit Blick darauf,

dass diese Besteuerungen zeitlich gut

planbar sind.

40

Illustration: Getty Images/Imagezoo

Erst planen, dann stiften

Fruchtgummis von Haribo: Der verstorbene Firmenchef Hans Riegel

hat das Familienunternehmen in eine Stiftung überführt.

Bei der Gründung einer Stiftung gilt es im Vorfeld viele Dinge

genau zu planen – etwa den Stiftungszweck – und die Transaktion

rechtlich sauber umzusetzen. Ohne die Hilfe von Fachleuten

wie etwa einem auf das Stiftungsrecht spezialisierten

Fachanwalt ist die Gefahr groß, entscheidende Fehler zu machen.

In Baden-Württemberg haben Unternehmer die Möglichkeit,

eine Beratungsförderung etwa über die RKW, eine

Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft (rkw-bw.de), in Anspruch

zu nehmen. Die Landesförderung unterstützt bis zu 50

Prozent der Beratungskosten durch einen verlorenen Zuschuss.

Eine einführende Lektüre bietet zudem das Buch „Unternehmensverbundene

Stiftungen: Recht, Steuer, Betriebswirtschaft

von Thomas Klinger und Gerhard Brandmüller. TLU

Von der (Einkommens-)Besteuerung

befreit sind Stiftungen nur, wenn sie

ausschließlich gemeinnützige Zwecke

verfolgen. Die Stifter können alle

zehn Jahre eine Million Euro – bei zusammen

veranlagten Ehepaaren sind

es zwei Millionen Euro – als Gründungskosten

absetzen. Spenden an eine gemeinnützige

Stiftung sind ebenfalls abzugsfähig.

„Allein wegen steuerlicher Überlegungen sollte

niemand eine Stiftungslösung für seine Nachfolge

in Betracht ziehen. Das erweist sich später

meist als kontraproduktiv“, warnt Mühlhaus.

Laut Klinger gibt es einige Möglichkeiten, die Nachfolge

neben der klassischen Erbfolge durch Gründung

einer juristischen Person zu regeln – etwa mit einer gemeinnützigen

GmbH. „Viele Unternehmer nehmen wieder

Abstand von dem Gedanken an eine Stiftung, wenn sie

das Konzept genau verstanden haben. Das gilt insbesondere

für eine Familienstiftung “, sagt der Commerzbanker,

der als Buchautor zu dem Thema um die Tücken des Stiftungsmodells

weiß. [!]

THOMAS LUTHER


Sie haben ein Lebenswerk geschaffen, mit viel Leidenschaft und Fleiß,

Schwierigkeiten überwunden und Herausforderungen zum Guten gewendet.

Gründen Sie Ihre persönliche Stiftung, mit Ihrem Namen, die Ihr Lebenswerk

in guter Erinnerung hält.

Wir unterstützen Sie dabei mit unserem Wissen und unserer langjährigen

Erfahrung.

Zuwendungen an die Stiftung Sparkasse Ulm sind über das Konto Nr. 31 31

bei der Sparkasse Ulm möglich.

Ihre Ansprechpartnerin für die

Stiftung Sparkasse Ulm

Roschanak Nüssle

Private Banking Beraterin Stiftungen

Tel. 0731 101-1661

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Eine Initiative der Sparkasse Ulm


[leben] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Sommer, Sonne, Abenteuer

Verträumte Stunden in Nachtzügen, eine spontane WM-Party auf dem Zeltplatz in Rom, der Geschmack der

ersten gebratenen Garnelen in Istrien oder mit dem Roller nach Kärnten. Sechs Führungskräfte haben sich für

unseren Mitarbeiter Stefan Loeffler erinnert, wie ihr erster Urlaub ohne die Eltern war.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit

Ihrem ersten eigenen Urlaub?

Foto: © canyalcin / shutterstock.com

Den ersten Urlaub alleine habe ich mit drei Freundinnen verbracht.

Wir haben uns – für damals 230 D-Mark – ein Interrail-Ticket gekauft

und sind vier Wochen durch Europa getourt. Für Teenager ein echtes

Abenteuer: Fahrpläne lesen, sich einigen, wohin man als nächstes

fährt, und sich mit mehr oder minder verständlichem Englisch in Italien,

Frankreich oder Spanien durchschlagen – wir fühlten uns ziemlich

„erwachsen“. Aus Spargründen haben wir oft in langsamen Nachtzügen

geschlafen und uns jedes Mal diebisch gefreut,

wenn wir am nächsten Tag in einem anderen Land

aufgewacht sind.

Kathrin Adamski ist Moderatorin, Medienberaterin

und Vorsitzende des Verbandes der Medientrainer.

Meine erste Urlaubsreise ohne Eltern unternahm ich 1982 im Alter von

16 Jahren mit einem Vereinskollegen. Ziel war Wolfsberg in Kärnten,

um dort Freunde zu besuchen. Reisemedium: eine Vespa – für uns beide.

Unsere Route führte uns am ersten Tag über Memmingen, Penzberg, Bad

Tölz vorbei am Achensee ins Zillertal. Entlang des Millstätter Sees machte

sich unser strapaziertes 6,8 PS Kraftpaket mit einer Kolbenklemmung

Luft. Diese konnten wir, da handwerklich nicht ungeschickt, selbst beheben.

Nach 700 Kilometern Fahrt kamen wir nach

zwei Tagen und sechs Tankstopps an. Bei der Planung

der Reiseroute galt das Motto „Der Weg ist das Ziel“.

Thomas Zenzinger ist Inhaber der Blech & Technik

GmbH & Co. KG in Vöhringen.

Foto: Johann Hinrichs / mauritius images

42


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[leben]

WIR GESTALTEN

MIT

Im Jahr 1987 verbrachte ich meinen ersten eigenen

Urlaub in Istrien. Drei Wochen Sommer,

Sonne und Strand, unbeschwerte Wochen

mit der ersten großen Liebe. Am Morgen

kamen wir in unserem Hotel an. Alles war

sehr schön, die Örtchen, das Meer, die Landschaft.

Einfach nur in den Tag hineinleben,

schwimmen und lesen – herrlich. Abends entdeckten

wir neue kulinarische Gerichte wie

zum Beispiel Scampi. Wir wussten damals

nicht, ob man die Dinger mit oder ohne Schal

isst oder wie man die Schale abmachen kann.

Alles war sehr spannend, es war ein wunderschöner

Urlaub.

CORPORATE DESIGN

CORPORATE PUBLISHING

WERBEKAMPAGNEN

WEBSITES

FOTOGRAFIE

mediaservice ulm

Tanja Fritz ist Geschäftsführerin

der Medienagentur

Fritz in Ebersbach.

Foto: © Leeyakorn06 / shutterstock.com

Frauenstraße 77

89073 Ulm

www.mediaservice-ulm.de

Ich war 16 Jahre alt, als ich zum ersten Mal

ohne meine Eltern auf Reisen ging. Und das

hatte einen guten Grund. Im Juli 1990 entschieden

zwei Freunde und ich spontan zum

Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft nach

Rom zu fahren – ohne Eintrittskarten. Übernachtet

haben wir im Auto auf einem Campingplatz,

auf dem kräftig gefeiert wurde. Die

Fahrt hat sich gelohnt, denn durch Zufall hatten

wir vor dem Spiel, bei dem Deutschland

gegen Argentinien gewann, noch Karten von

einem Holländer ergattern können. Für 220

Mark das Stück. Im Vergleich zu heutigen

Preisen für ein Finale war das geradezu geschenkt.

Marc Gröber ist Inhaber

der Firma Gröber Sanitär +

Heizung in Ehingen.

Foto: RENARD eric / Getty Images

43


[leben] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit

Ihrem ersten eigenen Urlaub?

Mit 18 Jahren fuhr ich mit meiner Freundin und unserer Clique mit

den Autos nach Rovinj im ehemaligen Jugoslawien. Alles war locker

und leicht, die Landschaft toll und die Einheimischen freundlich. Am

besten erinnere ich mich an den Besuch der Wasserfälle, an denen die

Winnetou-Filme gedreht wurden und an einen Markt, auf dem mich

ein Zigeuner kaufen wollte. Verständlicherweise habe ich das Geschäft

damals jedoch dankend abgelehnt.

Foto: © Seumas Christie-Johnston / shutterstock.com

Angelika Kutter ist Geschäftsführerin des Schlosserei-

Betriebes Kutter in Weißenhorn sowie Vorsitzende der

Unternehmerfrauen im Handwerk Neu-Ulm.

Mit Ausnahme von Tagesausflügen habe ich meinen ersten Urlaub

2004 in Mittel- und Südamerika verbracht und bin mit drei Schulfreunden

unter anderem durch Mexiko, Peru, Chile und Brasilien gefahren.

Nach dem Abitur haben wir den Rucksack gepackt und waren

mehr als vier Monate unterwegs. Mit solch einer Reise verbindet man

so viele tolle Erinnerungen, eine im Speziellen will

ich da nicht rausnehmen.“

Foto: © Antwon McMullen / shutterstock.com

Richard King ist für die Vermarktung und

Öffentlichkeitsarbeit der Ratiopharm Arena in Neu-Ulm

verantwortlich.

Foto: imago

44


unternehmen [!] Ausgabe 63 | Juli 2018

[aus den hochschulen]

Hochschule Ulm

und Krankenhaus

kooperieren

Wo Praxis und Theorie aufeinandertreffen,

profitieren beide

Seiten. Das wissen auch Vertreter

der HS Neu-Ulm und des

Bundeswehrkrankenhauses

Ulm. Durch Praktika, Forschungsprojekte

und Projektund

Abschlussarbeiten sollen

Theorie und Praxis bald im regen

Austausch miteinander stehen.

„Wir fördern dadurch den

Wissenstransfer im Bereich Gesundheitsmanagement

in der

Region“, sagt Hochschul-Präsidentin

Uta Feser. Mehr Informationen

bei: patrick.da-cruz@hsneu-ulm.de.

Die Suche nach

dem Auto hat

bald ein Ende

Wo hat der Kollege nur das

Fahrzeug abgestellt? Mit dieser

Frage beschäftigen sich das Heidenheimer

Unternehmen Voith

Digital Solutions GmbH und eine

studentische Gruppe der

DHBW Heidenheim. Mit einem

Sender orten und identifzieren

die Studenten Fahrzeuge. „Neben

der Position werden zusätzliche

Informationen etwa zum

Beladungszustand übermittelt“,

erklärt Student Michael Lober.

Das System soll unter anderem

dazu beitragen, Transportwege

effizienter zu gestalten. Kontakt:

simone.baumann@dhbwheidenheim.de,

Telefon:

07321/2722134.

Daten in

Informationen

umwandeln

Täglich sammeln Unternehmen

zahlreiche Daten. Sie auszuwerten,

fällt den meisten aber

schwer. Genau dieses Problem

will der Zertifikatskurs „Data

Sensoren schützen Radfahrer

Radfahrer und Rehe haben eine Sache gemeinsam:

Sie sind häufig an Verkehrsunfällen

beteiligt. Die Hochschulen Heilbronn und Ulm

wollen das jetzt ändern – und werden dafür

vom Land mit einer halben Million Euro gefördert.

Gemeinsam mit regionalen kleinen und

Science und Business Analytics“

lösen, den die Hochschule

Kempten von Oktober an anbietet.

Der Lehrgang vermittelt

Berufstätigen die Grundzüge

von Data Science und Business

Analytics. Ziel ist es, Daten mit

Hilfe moderner Technologien

auszuwerten und einzusetzen.

Kontakt: sybille.adamer@hskempten.de.

Hochschule

gewinnt Preis für

Lehrkonzept

Mit dem Teilzeitstudiengang

„Systems Engineering“ treffen

die Hochschule Kempten und

die Hochschule Augsburg den

Zahn der Zeit. An drei Tagen in

der Woche arbeiten die Studenten,

an zwei Tagen besuchen sie

Lehrveranstaltungen. Das bayerische

Wissenschaftsministerium

zeichnete den Studiengang

mit dem Preis für herausragende

Lehre aus. Mehr Informationen:

www.digital-und-regional.

de, Telefon 08312523494, sybille.adamer@hs-kempten.de.

Plattform für

Innovationen

geht an den Start

Die Hochschule für Wirtschaft

und Umwelt Nürtingen-Geislingen,

die Kreissparkasse Göppingen

und das Albwerk Geislingen

haben ein Innovations- und

Startup-Center gegründet. Ziel

ist es, Erkenntnisse aus der Wissenschaft

mit Ideen von Startups

und Erfahrungen der Industrie

zu verknüpfen und dabei

Geschäftsideen zu entwickeln.

Die Plattform bietet auch Veranstaltungen

für Gründer an

und für jene, die es werden wollen.

Kontakt: udo.renner@hfwu.de,

Telefon: 07331/5028279.

Foto: © Volodymyr Baleha / shutterstock.com

mittelständischen Unternehmen, arbeitet das

Forscherteam an einer intelligenten

Straßeninfra struktur. Sie soll Wildtiere und

Fahrradfahrer über Radar-Sensorik erfassen

und sofort eine Warnung an andere Verkehrsteilnehmer

geben.

Hilfe für Firmen

beim Aufspüren

von Trends

„Ein Großteil der regionalen Betriebe

hat nicht die Kapazität,

Trends im Detail zu verfolgen“,

sagt Hans-Joachim Hölz, Geschäftsführer

der Wirtschaftsund

Innovationsförderungsgesellschaft

des Landkreises

Ravensburg. Um das zu ändern,

haben sich die Hochschule Ravensburg-Weingarten,

das

Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische

Trendanalysen und der Landkreis

Ravensburg zusammengetan.

Sie wollen Mittelständlern

helfen, Entwicklungen nicht zu

verschlafen. Anlaufstelle für die

Firmen ist das Fraunhofer-Kontaktbüro.

Mehr Informationen:

christoph.oldenkotte@hsweingarten.de,

Telefon:

0751/5019526. [!] GYS

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[namen & nachrichten] Ausgabe 63 | Juli 2018 unternehmen [!]

HNU-Präsidentin

erhält Orden für

ihr Engagement

Uta Feser ist mit dem Bayerischen

Verdienstorden ausgezeichnet

worden. Die

Präsidentin

der Hochschule

Neu-

Ulm (HNU)

erhielt die

Uta Feser, Präsidentin

der Hochschule

Neu-Ulm.

Würdigung

für ihr Engagement

für

die bayerische

Hochschullandschaft.

Feser leitet die

Hochschule Neu-Ulm seit dem

Jahr 2006. Sie studierte Wirtschafts-

und Sozialpädagogik

und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg.

Opus Dental

Clinic kooperiert

mit Zahneins

1000 neue Arbeitsplätze im Allgäu

Der Center-Parcs Konzern will durch seinen

neuen Park in Leutkirch rund 1000 Arbeitsplätze

schaffen. Etwa 900 davon sollen laut

Pressesprecherin Sabine Huber zur Eröffnung

im Oktober besetzt sein. Außerdem wird es

mehrere Studienplätze in Zusammenarbeit

Die Opus Dental Clinic aus Ulm

ist eine Partnerschaft mit der

Zahneins Gruppe aus Hamburg

eingegangen. Damit will die Ulmer

Zahnarztpraxis, die medizinische

Versorgung im ländlichen

Raum sicherstellen. Mit

der Opus Dental Clinic wächst

die Zahneins Gruppe auf mehr

als 500 Mitarbeiter an. Die Praxis

in der Neuen Straße beschäftigt

derzeit 134 Mitarbeiter und

behandelt rund 40.000 Patienten.

Außerdem soll am Ulmer

Standort in die Ausbildung von

zahnmeidzinischem Fachpersonal

investiert werden.

Möbelmarkt

Mahler ändert

sein Konzept

Der Neu-Ulmer Möbelmarkt

Mahler setzt auf ein neues Konzept.

Fünf Millionen Euro investiert

das Unternehmen in einen

großflächigen Umbau. In

dem 80.000-Quadratmeter-Haus

sollen 30 bis 40 Fachgeschäfte

einziehen – darunter unter anderem

der Online-Händler

„Home24“ und ein Edeka-

Markt. Mahler selbst verkleinert

seine Verkaufsfläche und

reduziert den Warenbestand.

„Lea“-Preis

für D-Werk

und Jeutter

DieAgentur D-Werk aus Ravensburg

und der Garten- und

Landschaftsbaubetrieb Jeutter

mit der DHWB Ravensburg und der Hochschule

Kempten geben. Center Parcs Europe N.V.

ist eine niederländische Kette von Ferienparks.

In den Park im Allgäu sollen insgesamt rund

360 Millionen Euro investiert werden. Die Bauzeit

betrug weniger als zwei Jahre.

aus Göppingen sind von Caritas,

Diakonie und Wirtschaftsministerium

mit dem „Lea“-

Mittelstandspreis geehrt

worden. Der Preis zeichnet Unternehmen

aus, die sich für Geflüchtete,

den Naturschutz oder

Menschen mit Behinderung

einsetzen. D-Werk unterstützt

die Integration von Flüchtlingen

in Ravensburg. Der Gartenund

Landschaftsbaubetrieb von

Johannes Jeutter hat auf seinem

Gelände einen Wildobstpfad

angelegt, auf dem regelmäßig

Führungen und Verkostungen

angeboten werden. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

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Anschrift wie Verlag

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Gestaltung

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Fotos Lars Schwerdtfeger (Titel

+ Titelinterview), Marc Hörger,

Matthias Kessler, Werkfotos,

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74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 18.000 Exemplare

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Nächste Ausgabe

19. Oktober 2018

Die Themen

· Energie- und Ressourceneffizientes

Beleuchtungsmanagement

· Digitalisierung von Geschäftsprozessen

· Einbruchschutz & Sicherheit

· „Wie halten Sie sich fit?“ –

die Gesundheitsumfrage

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25. September 2018

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