Sicherheitsingenieur Special Ergonomie 2019

KonradinMediengruppe

- 2019 -

Eine Sonderbeilage von:

www.sifa-sibe.de

Special

Ergonomie

Zukunft der

Ergonomie

Praxisszenarien im

Future Work Lab

Ergonomie -

Baustein im BGM

Gesund arbeiten in

Coworking Spaces & Co.


NIE MEHR

RÜCKEN!

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Weitere Infos unter: agr-ev.de

Eine medizinische Studie

des Universitätsklinikums Jena belegt:

SECURA VARIO ® -Fersendämpfung

hält die Muskulatur länger leistungsfähig.

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Editorial/Inhalt

Titelfotos: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO, © mooshny – stock.adobe.com, © MAN Truck & Bus SE, © vectorfusionart – stock.adobe.com

Es geht (gesund) voran!

Smartphone, Tablet, Laptop etc. machen vor allem typische Bürotätig -

keiten ortsunabhängig. Dass diese Flexibilität nicht unbedingt einhergeht

mit gesunden Arbeitsbedingungen, hat sich mittlerweile herausgestellt.

Neben der Psyche gilt das auch für den Körper. Wie Ergonomie gestaltet

werden muss, damit sie auch in Zukunft für gesunde Bedingungen sorgt,

war ein Thema des Tags der Ergonomie am 4. April in Mannheim.

Lebhafte Eindrücke hat meine Kollegin Petra Jauch vor Ort eingefangen.

Lesen Sie auf den Seiten vier bis sieben ihren Rückblick samt Besucher -

stimmen und Impressionen der Begleitausstellung.

Im Folgenden breiten Referenten der Veranstaltung die Inhalte Ihrer

Vorträge aus – von Coworking Spaces über Ergonomie im betrieblichen

Gesundheitsmanagement bis hin zur Fortbildung ErgonomieCoach. Hier

können Sie nochmal in die vielfältigen und spannenden Themen des Tags

eintauchen.

Fachbeiträge

8 Assistenz in der

Industrie 4.0

Praxisszenarien aus dem

Future Work Lab

Stefanie Findeisen, M.Sc.

10 Coworking Space,

Open Space

Das Büro der Zukunft?

Andreas Stephan

12 Helfer für mehr Gesundheit

Wie arbeitet ein

Ergonomie-Coach?

Christian Brunner

14 Ergonomie

Im Zeichen des digitalen

und demographischen

Wandels

Prof. Dr.-Ing. habil. Sascha

Stowasser

Lust auf mehr? Der 4. Tag der Ergonomie ist für

Herbst 2020 angepeilt. Deutlich früher und nicht

minder spannend erwarten Sie:

• Der 2. Praxiskongress Recht am 10. Dezember

2019, mehr dazu unter

www.praxiskongress recht.de

• Der 3. Tag der PSA am 18. März

2020, mehr dazu auf Seite 18.

Michael Köhmstedt

16 Betriebliches

Gesundheitsmanagement

Ergonomie als wichtiger

Baustein der Betrieblichen

Gesundheitsförderung

Sarah Müller,

Robert F. J. Rupertseder

Wissenswertes

4 Tag der Ergonomie 2019

Wichtigster Begleiter im

digitalen Wandel

Petra Jauch

18 Si-Akademie

3 Impressum

Impressum

Tag der

Ergonomie

Sonderausgabe zum „Tag der Ergonomie2019

Verlag:

Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH

Ernst-Mey-Straße 8

70771 Leinfelden-Echterdingen

Postanschrift:

Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH

Vangerowstraße 14/1, 69115 Heidelberg, Germany

Phone +49 711 7594–0

Herausgeberin:

Katja Kohlhammer

Geschäftsführer: Peter Dilger

Verlagsleiter: Peter Dilger

Redaktion:

Weigand Naumann (V.i.S.d.P.),

E-Mail: weigand.naumann@konradin.de

Nina Gruber, E-Mail: nina.gruber@konradin.de

Petra Jauch, E-Mail: petra.jauch@konradin.de

Michael Köhmstedt,

E-Mail: michael.koehmstedt@konradin.de

Verena Manek, E-Mail: verena.manek@konradin.de

Layout:

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Zurzeit gilt Anzeigenpreisliste Nr. 35 vom 1.10.2017

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Erfüllungsort und Gerichtstand ist Stuttgart.

Druck:

Konradin Druck GmbH, Leinfelden-Echterdingen

Printed in Germany

© 2019 by Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH,

Leinfelden-Echterdingen

Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH ist ein Unternehmen

der Konradin Mediengruppe

ISSN 0300–3329

Eine Sonderausgabe von:

2019 Special Ergonomie 3


Wissenswertes

Tag der Ergonomie 2019

Wichtigster Begleiter im digitalen Wandel

Wo bleibt der Mensch in der fortschreitenden Digitalisierung? „Im Mittelpunkt“, so die Vorgabe

beim „Tag der Ergonomie 2019“ in Mannheim. Acht Ergonomiespezialisten zeigten, welche

Herausforderungen mit diesem Anspruch verbunden sind.

ls Ergonomen müssen wir den

„AWandel positiv unterstützen. Niemand

anders kann das“, erklärte Prof. Dr.

Sascha Stowasser vom Institut für angewandte

Arbeitswissenschaft (ifaa) im Eröffnungsvortrag.

Das große Interesse an

der Veranstaltung zeigte, dass viele Betriebe

hier Bedarf sehen: Mit 121 Teilnehmern

war das Tagesseminar in Mannheim

restlos ausgebucht.

Technologien auf der Überholspur

„75 Prozent der Arbeitssysteme verändern

sich“, ließ Stowasser keinen Zweifel

an der Größenordnung der Aufgabe. Ein

Trend sei, Informationen näher an den

Menschen zu bringen – so etwa durch

Handschuhe mit Sensoren zur Datenerfassung

oder durch Datenbrillen, die neue

Dimensionen für das Lernen und Arbeiten

eröffnen. Wie benutzerfreundlich diese

Technologien seien, müsse sich erst zeigen

– denn die Normung hinke der Entwicklung

hinterher. Noch ungelöst erscheine

zum Beispiel die Hygienefrage:

„Werden diese Geräte nach Arbeitsende

gereinigt?“ Zudem gelte es, unnatürliche

Handhaltungen bei der Nutzung von Tablets

und Smartwatches in der Produktion

zu vermeiden.

Die Referenten Prof. Dr.-Ing. Martin Schmauder (links) und Prof. Dr. Sascha Stowasser

Eine Frage der Ethik

Auch die Mensch-Roboter Kollaboration

und der Einsatz von Exoskeletten werfe

noch viele Fragen auf: „Was, wenn der

Träger hinfällt? Wohin verlagert sich die

Belastung, etwa bei Überkopfarbeiten?“

und wiederum „Wie steht es um die Hygiene?“,

nannte Stowasser einige Beispiele.

Besonders klärungsbedürftig sei der

Einsatz aktiver Exoskelette, der ethische

Grundhaltungen in der Gesellschaft berühre.

„Wollen wir aktive Exoskelette, also

einen höheren Leistungsanspruch?“

gab Stowasser zu bedenken. Zunehmend

ins Spiel kämen mobile Sensoren zur Bewegungsanalyse

und künstliche Intelligenz,

die womöglich die menschliche

Souveränität untergrabe. „Die Zukunft

gehört nicht nur dem Hochglanz-Wissensarbeiter,

sondern es zeich net sich schon

jetzt auch eine Zunahme von Einfacharbeit

ab.“

Smarte Kleidung und „Motion Capturing“

seien völlig neue Aspekte für die Ergonomie.

„Hier müssen wir ganz anders

einwirken, und zwar möglichst frühzeitig

im Produktionsprozess“, befand Stowasser.

Bei den vielen Anbietern und Angeboten,

die sich bereits auf dem Markt tummelten,

könnten nur die Arbeitsplatzgestalter

eine richtige Auswahl treffen.

Gleichzeitig werde die Ergonomie immer

individueller und berücksichtige die Anforderungen

jedes einzelnen Arbeitsplatzes

und Mitarbeiters – im Sinne der Men-

„Ich bin Fachkraft für Arbeitssicherheit im Klinikum und

habe daher auch mit dem Thema Ergonomie zu tun: Bei

unseren Begehungen sehen wir, dass manche Arbeitsplätze

noch nicht optimal eingerichtet sind. Das liegt

auch daran, dass wir ein neues Gebäude bezogen

haben: Die Ausstattung ist vorhanden, die Gestaltung

liegt nun bei uns. Ich besuche den „Tag der Ergonomie“,

um auf diesem Gebiet richtig mitreden zu können. Das

Programm gefällt mir gut, es ist sehr vielfältig. Ich

empfehle die Veranstaltung gerne weiter.“

Holger Ketterer, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Schwarzwald-Baar-Klinikum

Foto: Jauch

Foto: Jauch

4 Special Ergonomie 2019


Wissenswertes

Fotos: Jauch

schen und der Unter nehmen: „Wir müssen

schauen, dass Arbeitsplätze gesund

und attraktiv sind, um gute Leute zu halten.“

Weiche Faktoren berücksichtigen

Einen Eindruck davon, wie schwierig

sich ein Normierungsprozess gestalten

kann, vermittelte Dr. Michael Bretschneider-Hagemes

von der Kommission Arbeitsschutz

und Normung (KAN). Als Arbeitnehmervertreter

begleitet er die Revision

der DIN EN 10075–2 „Ergonomische

Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung“.

Anlass dazu gab die Forderung,

psychische Belastung mit anderen

Belastungen gleichzustellen. Eine

grundsätzliche Ablehnung gegenüber

Normungen im nicht technischen betrieblichen

Bereich gebe es zwar nicht mehr,

die Haltungen dazu seien aber noch „diffus“,

bemängelte der Referent. Immerhin

gelte die Verabredung, dass soziale Faktoren

nicht mehr ausgeklammert werden

sollen.

Tablet aufnimmt? Bei der Kassiererin an

der Registrierkasse? Am Hotelempfang?

„Wir müssen uns von der klassischen Vorstellung

mit dem Bildschirm auf dem

Schreibtisch und dem Rechner darunter

lösen“, so Schmauder. Dies führe jedoch

zu einer schwierigen Abgrenzung in der

Frage: Was ist Bildschirmarbeit? Wo ist

die Grenze?

Ein maßgebliches Kriterium für Bildschirmarbeit

sei ein dauerhaft eingerichteter

Arbeitsplatz, ein weiteres, dass eine

Interaktion zwischen Nutzer und Rechner

zur Datenverarbeitung stattfinde. Kein

Telearbeitsplatz liege vor, wenn Bildschirme

nur zur Informationsanzeige oder nur

zur Maschinensteuerung dienten. Maßnahmen

zur Gestaltung von Bildschirmarbeit

enthalte Anhang 6 der Arbeitsstättenverordnung.

Konkretisiert würden diese

durch die neue ASR A6 „Bildschirmarbeit“,

die derzeit in Arbeit sei. „Bildschirmarbeit

hat den Ruf, krank zu machen

und die Augen zu schädigen“, erklärte

Schmauder. Das stimme zwar nicht –

sie sei eher Indikator statt Ursache für eine

schwache Sehleistung – doch die Dosis

mache das Gift. Die neue ASR A6 solle

den Betrieben als Leitplanke für gute Arbeit

dienen. „Wir wollen keine Überregulation,

sondern definieren einen gewissen

Stand der Technik zur Orientierung.“

Bewegungsfreiheit vonnöten

Die Technik presche voran und ermögliche

vieles, was nicht unbedingt praktikabel

sei, befand Andreas Stephan, Leiter des

Sachgebiets Büro im DGUV-Fachbereich

Verwaltung bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

(VBG). „In Malibu am

Strand arbeiten – klingt toll, geht aber

nicht, denn dort erkennen Sie nichts auf

dem Bildschirm.“ Die Preisfrage laute:

Wie sieht das Büro der Zukunft aus? An

Regelungen zur Gestaltung von Arbeitsplätzen

mangele es nicht, sie müssten nur

angewendet werden. So etwa in Bezug

auf den Platz bedarf von Büroarbeitern,

der in der ASR A1.2 definiert sei. „Achtung,

auch Verkehrswege und Bediengänge

müssen in gewisser Größe eingeplant

werden!“, betonte der Fachmann.

Allein für Tisch, Container, Stuhl und

Verkehrsweg seien 5,175 Quadratmeter

zu veranschlagen. Die Raumfrage sei

auch deshalb so wichtig, da Bewegungsmangel

zu den größten Gesundheits -

risiken bei der Bildschirmarbeit zähle. Neben

einem ausreichenden Bewegungsfreiraum

solle die Arbeitsum gebung

möglichst viele Haltungswechsel ermöglichen.

Hier seien auch die Arbeitnehmer

selbst gefragt: Durch Information sollten

sie darin bestärkt werden, Selbstverantwortung

für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Kopf und/oder Herz erreichen

„Es braucht mehr Kompetenz beim einzelnen

Mitarbeiter“, stieß Christian Brun-

Bildschirme auf dem Vormarsch

Die Zeiten, in denen Bildschirme nur in

Büros Verwendung fanden, sind vorbei: In

der Produktion, im Labor, in Krankenhäusern,

am Empfang, in Geschäften, Gaststätten

oder auch daheim greifen Monitore

um sich. „Ich habe einen neuen Backofen

mit Display“, gab Prof. Martin

Schmauder von der TU Dresden ein

Beispiel aus dem Alltag. Der Vorstoß

von Bildschirmen in alle Arbeits- und Lebensbereiche

werfe allerdings die Frage

auf, wann Bildschirmarbeit vorliege.

Beim Kellner, der Bestellungen mit dem

„Ich bin Sicherheitsbeauftragter und vor einiger Zeit vom

Labor in eine Bürotätigkeit an der Schnittstelle Labor – IT

gewechselt. Als Sicherheitsbeauftragter in einem Büro -

um feld liegt der Fokus eher bei der Ergonomie des Arbeitsplatzes.

Deshalb habe ich diesen „Tag der Ergonomie

besucht, um mich zu informieren. Das Programm ist sehr

abwechslungsreich. Mir gefällt die Aufteilung in Blöcke

mit je zwei Vorträgen und Fragerunde. Ich nehme viele

Anregungen und Infomaterial mit. Es ist gut, wenn man ein

Auge für die ergonomischen Zusammenhänge bekommt.“

Reinhard Hahn, Senior Specialist, Roche Diagnostics GmbH

Foto: Jauch

2019 Special Ergonomie 5


Foto: Jauch

„Wir entwickeln in unserem Team ‚Großprojekte‘ Bürokonzepte

und Arbeitswelten bei der Deutschen Bahn und

steuern diese in der Umsetzung. Derzeit richten wir

einen Neubau in Hannover ein – eine komplexe Aufgabe,

in der verschiedene Raummodule mit Rückzugs- und

Kommunikationsmöglichkeiten realisiert werden. In

dem modernen Flex-Haus wurde erstmalig ein gebäudeübergreifendes

Desk-Sharing-Konzept umgesetzt. Das

heißt, für insgesamt 950 Mitarbeiter stehen 750 Arbeitsplätze

zur Verfügung. Alle sind mit höhenverstellbaren

Schreibtischen ausgestattet. Zudem haben wir erstmals

unter anderem Gesundheitsmatten eingesetzt. Beim „Tag der Ergonomie

schaue ich nach weiteren Möglichkeiten, das Arbeiten komfortabler und

‚gesünder‘ zu machen und möchte mein berufliches Netzwerk erweitern.

Die Vorträge sind sehr abwechslungsreich, da viele aktuelle und wichtige

Themen angesprochen werden. Ein sehr kurzweiliger Tag!“

Susanne Jackl, Dipl. Ing. Innenarchitektur (FH), Deutsche Bahn AG –

DB Immobilien

ner vom Institut für Gesundheit und Ergonomie

e. V. (IGR) ins gleiche Horn. Ergonomen

müssten mit ihren Botschaften „in

die Birne oder ins Herz des Mitarbeiters

kommen“, so der Fachmann. Um den Mitarbeitern

gesunde Verhaltensweisen

schmackhaft zu machen, verwende er vier

„Gewürze“: wissenschaftliche Erkenntnisse,

selbstgemachte Erfahrungen („Lassen

Sie einen Mitarbeiter einfach mal zu hoch

oder zu tief sitzen!“), Visualisierung, zum

Beispiel mithilfe der Wirbelix-Modellfigur,

und unterhaltsame Elemente – Ergotainment

„Ich halte Mitarbeitern zum Beispiel

einen Spiegel vor. Dann sieht er sich zum

ersten Mal selbst am Arbeitsplatz und korrigiert

automatisch seine Haltung.“

Wichtig: Ergonomie-Marketing

Unterhaltsame Einlagen mit Lerneffekt

ließ Brunner auch in seinen Vortrag einfließen.

So animierte er die 121 Teilnehmer

dazu, sich wechselseitig den Rücken

abzuklopfen und zu kneten, um die positiven

Auswirkungen unmittelbar spürbar zu

machen. Grundsätzlich empfahl er, gesunde

Handlungen zu ritualisieren. „Ihre Zähne

putzen Sie selbst im Vollrausch – weil

es ritualisiert ist.“ Um nachhaltige Verhaltensänderungen

zu erwirken, müssten

Ergonomen nicht zuletzt Marketing betreiben:

„Schieben Sie nicht einfach neue

Stühle in den Raum. Zelebrieren Sie die

neuen Möbel“, riet er den Zuhörern.

Wie sie ihren Mitarbeitern Gesundheits-

und insbesondere Ergonomie -

themen näherbringen, erläuterten anschließend

Sarah Müller und Robert

Rupertseder von der MAN Truck & Bus

AG. „Um alle zu erreichen, gehen wir mit

unseren Angeboten direkt in die Werkhalle“,

erklärte Sarah Müller – auch eine

Form von Marketing im Sinne ihres Vorredners.

Unter den insgesamt 11.000 Beschäftigten

gebe es noch Personen, die

den hauseigenen Gesundheitsdienst nicht

kennen. „Wir haben den Handlungsbedarf

in Sachen Ergonomie erkannt und derzeit

40 Ergonomie-Coaches im Einsatz – und

es werden noch mehr“, ergänzte Robert

Rupertseder. Zudem habe er eine vierstündige

Standardveranstaltung zum

Thema „Gesund und sicher im Büro“ entwickelt,

die inzwischen 1.000 Mitarbeiter

besucht hätten.

Wo bleibt der Mensch?

Mit Praxisszenarien aus dem Future

Work Lab schlug Stefanie Findeisen vom

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft

und Organisation (IAO) noch einmal

einen Bogen zum Einführungsvortrag: Assistenzsysteme

seien eine Antwort auf die

steigenden Anforderungen im Produktionsumfeld,

hätten sich aber noch nicht

richtig in der betrieblichen Praxis durchgesetzt.

Sie sollen die Mitarbeitenden bei

ihren Aufgaben unterstützen, nicht ersetzen,

betonte die Referentin. Die Unterstützung

könne auf unterschiedliche Art

erfolgen: kognitiv, zum Beispiel durch

einen verbesserten Informationsfluss;

physisch, etwa mithilfe von Exoskeletten,

oder sensorisch – in Arbeitssituationen,

bei denen die menschlichen Sinnesorgane

an ihre Grenzen stoßen. Die

meisten Assistenzsysteme hätten eine digitale

Komponente, ergänzte sie.

Ein Problem, das bereits Prof. Dr.

Sascha Stowasser in seiner Einführung

ansprach, sieht Findeisen im möglichen

Autonomieverlust: „Ich habe eine neue

elektrische Zahnbürste. Nach einigen Minuten

Vibration schaltet diese selbsttätig

ab“, nutzte sie ein Beispiel aus dem Hausgebrauch.

„Es ärgert mich, dass die Maschine

entscheidet, wann der Putzvorgang

beendet ist.“ Damit der Mensch im

Mittelpunkt bleibt, müsse die Entwicklung

„weg vom technologiezentrierten

Ansatz hin zum Problemlösungsfall“, forderte

sie. „Unser Appell lautet: den Fokus

auf den Nutzer setzen, ihn in den Gestaltungsprozess

einbeziehen.“

Foto: Jauch

„Die Muskulatur mag klopfen“ - das konnten die Teilnehmer unter Anleitung von

Christian Brunner kurzerhand am eigenen Leib erfahren.

Marktplatz für Ergonomie

In der Begleitausstellung – Impressionen

davon bietet die folgende Seite – präsentierten

13 Aussteller aktuelle Produkte

für eine ergonomische Arbeitsumgebung

und -ausrüstung. Viele Besucher nutzen

die Gelegenheit zum Gespräch an den

Ständen und zum Austausch mit anderen

Teilnehmern. Aufgrund der großen Resonanz

auf die Veranstaltung wird es im

kommenden Jahr wieder einen „Tag der

Ergonomie“ geben.

www.tag-der-ergonomie.de

Petra Jauch

6 Special Ergonomie 2019


Wissenswertes

Begleitausstellung

beim Tag der

Ergonomie 2019

2019 Special Ergonomie 7


Fachbeitrag

Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO

Exo-Jacket für leichteres Arbeiten und Augmented Reality im

Future Work Lab in Stuttgart

Assistenz in der Industrie 4.0

Praxisszenarien aus dem

Future Work Lab

Im Kontext von Industrie 4.0-Implementierungen wird oft von Anwendungsfällen oder Use

Cases gesprochen. Diese Anwendungsfälle folgen keinem einheitlichen Design, sondern

unterscheiden sich in Inhalt, Absicht und Branchenzugehörigkeit. Eine Studie von Bitkom zum

Thema Status und Perspektiven der Industrie 4.0 aus dem Jahr 2016 hat herausgefunden,

dass 40 Prozent der Industrie 4.0-Anwendungsfälle unter die Kategorie „Assistenzsysteme“

fallen. 1 Das Forschungsprojekt Future Work Lab untersucht mögliche Anwendungsformen.

Foto: Fraunhofer IAO

Autorin: Stefanie Findeisen, M.Sc.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team

„Vernetzte Produktionssysteme“,

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft

und Organisation IAO

Die Relevanz des Themas ergibt sich

aus den steigenden Anforderungen

im Produktionsumfeld. Komplexe Produkte

und Prozesse führen zu einer steigenden

Anlernzeit und einem steigenden

Fehlerpotenzial. Um Mitarbeitende vor

einer möglichen Überlastung zu schützen,

ohne deren Arbeitsplatz obsolet zu

machen, gilt es, die Assistenzsysteme für

den jeweiligen Einsatzzweck passend zu

gestalten. Ebenso können die Auswirkungen

des Fachkräftemangels dadurch zumindest

teilweise abgefangen werden.

Assistenz in der Industrie 4.0

Im Industrie 4.0-verwandten Sprachgebrauch

gelten alle technologischen

Anwendungen als Assistenzsysteme, die

den Beschäftigten bei der Ausführung seiner

Arbeit unterstützen. Die Unterstützung

kann bei kognitiven Aufgaben in

Form von Entscheidungsvorbereitung,

-findung und/oder -durchführung erfolgen.

2

Physische Assistenzsysteme unterstützen

den Beschäftigten bei schweren

oder körperlich ermüdenden Tätigkeiten,

wie dem Heben von Bauteilen oder anstrengender

Überkopfarbeit. Eine weitere

Form bilden sensorische Assistenzsysteme.

Beschäftigte werden bei Tätigkeiten

unterstützt, bei denen ihre Sinnesorgane

an ihre Grenze gelangen oder krankheits-/

altersbedingte Funktionsabnahmen ausgeglichen

werden können. Die zunehmende

Flut von Informationen, Arbeitsverdichtung

und die steigende Komplexität von

Prozessen 3

setzen die Bedeutung der ko-

1

BITKOM 2016, S. 12

2

vgl. agiplan et al. 2015, S. 90; Blutner et al., S. 6–7

3

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

2017, S. 4

8 Special Ergonomie 2019


Fachbeitrag

Foto: Ludmilla Parsyak © Fraunhofer IAO

Qualifizierung 4.0: „Wissensnuggets“ für komplexe Arbeitsabläufe

gnitiven Assistenz besonders in den Vordergrund.

Physische Krankheiten durch

Stress und Überlastung sowie Informationsfluten

belasten (besonders alternde)

Produktionsmitarbeitende zunehmend.

Was ist das Future Work Lab?

Das Future Work Lab ist ein national

gefördertes Forschungsprojekt zum Thema

Industrie 4.0. Das Projekt befasst sich

unter anderem mit konkreten Anwendungsfällen,

die mögliche zukünftige

Arbeitsplatzszenarien darstellen. 4

In einer

Laborumgebung sind aktuell 35 solcher

Szenarien ausgestellt, die sich unter

anderem um die Themengebiete Ergonomie

und Sicherheit, Qualifizierung

und Lernen am Arbeitsplatz und Digitale

Assistenz drehen.

Assistenzsysteme in der ...

Montage

In der Montage bieten Assistenzsysteme

ein breites Einsatzspektrum. Neben

der optimierten Informationsbereitstellung

(Push-Bereitstellung statt Pullbeschaffung

durch den Mitarbeiter) kann

der Beschäftigte durch eine Step-by-Step-

Anleitung und durch eine Arbeitsfortschrittskontrolle

im Prozess unterstützt

werden (Beispiel Future Work Lab: Assistierte

Montage, Molekulare Montage).

Beispiele für physische Assistenzsysteme

aus dem Future Work Lab sind unter anderem

der Einsatz eines fahrerlosen

Transportsystems (Mobile Montage) oder

4

vgl. Bauer et al. 2018, S. 191

die kollaborative Zusammenarbeit mit

einem Roboter (Kollaboration mit dem

Großroboter).

Fertigung

Im Bereich der Fertigung ist ein optimiertes

Maschinen- und Anlagenmanagement

eine weit verbreitete Einsatzmöglichkeit

von Assistenzsystemen. Die Analyse

von Vergangenheitsdaten hilft bei der optimierten

Wartung von Anlagen oder kann

in einzelnen Fällen eine vorausschauende

Detektion von Fehlern ermöglichen. Ebenso

können Technologien zur einfacheren

und effizienteren Kommunikation eingesetzt

werden. Über einfache Program -

mierungen oder Workflowsysteme lösen

Signale von Anlagen Nachrichten oder

Sicherheitshinweise aus. Dabei werden

nur betroffene Nutzer kontaktiert, eine

Überinformation wird dadurch verhindert

(Beispiel Future Work Lab: Mobile Mehrmaschinenbedienung).

Qualifizierung

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Qualifizierung

mittels neuer Lernmedien.

Augmented Reality (AR) und Virtual

Reality (VR) Anwendungen ermöglichen

es, neue Produktionsumgebungen und

-abläufe im virtuellen Raum vorab kennen

zu lernen (Beispiel Future Work Lab:

Industrial Holodeck). Über digitale Bildund

Videoanleitungen kann der Qualifizierungsprozess

der Beschäftigten selbstgesteuerter

und personalisierter gestaltet

werden. Kriterien wie der individuelle

Lernfortschritt, die bevorzugte Sprache

und die notwendige Detaillierungstiefe

lassen eine Personalisierung des Lernprozesses

zu (Beispiel Future Work Lab: Qualifizierung

mit Lernvideos).

Fazit

Der Fokus bei der Entwicklung von

Assistenzsystemen sollte bei Unternehmen

nicht nur auf monetärem Mehrwert

liegen, denn dieser ist nur teilweise direkt

quantitativ (zum Beispiel höher Ausbringungsmenge,

bessere Qualität, Reduzierung

von Suchzeiten) nachweisbar. Vor

dem Hintergrund von New Work und

Arbeitgeberattraktivität stellt sowohl die

Erleichterung von Tätigkeiten als auch

mehr Flexibilität einen qualitativen Mehrwert

dar, der unabdingbar für die Produktionsarbeit

der Zukunft ist.

Literaturverzeichnis

■ agiplan; Fraunhofer-IML; Zenit (2015):

Erschließung der Potenziale der Anwendung

von „Industrie 4.0“ im Mittelstand. Studie.

Mülheim an der Ruhr.

■ Bauer, Wilhelm; Hämmerle, Moritz; Bauernhansl,

Thomas; Zimmermann, Thilo (2018):

Future Work Lab – Arbeitswelt der Zukunft.

In: Reimund Neugebauer (Hg.): Digitalisierung.

Schlüsseltechnologien für Wirtschaft

und Gesellschaft. 1. Auflage. Berlin, Heidelberg:

Springer Vieweg (Fraunhofer-

Forschungsfokus), S. 190–192.

■ BITKOM (2016): Industrie 4.0 – Status und Perspektive

2016. Studie. Hg. v. BITKOM. Berlin.

■ Blutner, Doris; Cramer Stephan; Krause, Sven;

Mönks, Tycho; Nagel, Lars; Reinholz, Andreas;

Witthaut, Markus: Assistenzsysteme für die

Entscheidungsunterstützung. Ergebnisbericht

der Arbeitsgruppe 5, Technical Report 06009.

■ Bundesministerium für Arbeit und Soziales

(BMAS) (Hg.) (2017): Psychische Arbeitsbelastung

und Gesundheit. Arbeitsschutz in

der Praxis.

2019 Special Ergonomie 9


Fachbeitrag

Foto: © mooshny – stock.adobe.com

Coworking Space, Open Space

Das Büro der Zukunft?

Inspirierend: In Coworking Spaces kommen Fachleute

aus verschiedensten Bereichen zusammen.

Coworking Space, Open Space, Agile Working, Digitalisierung oder Büro 4.0 sind nur einige

Schlagworte, die das Arbeiten im oder aber das Büro der Zukunft beschreiben sollen. Doch was

verbirgt sich dahinter und wie muss das Büro der Zukunft ausgestattet sein, um den Anforderungen

an eine sich ändernde Arbeitswelt gerecht zu werden?

Foto: VBG/Berthold Steinhilber

Autor: Andreas Stephan

Leiter des Sachgebiets Büro im

DGUV-Fachbereich Verwaltung bei der

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)

Die Digitalisierung im Büro hat spätestens

mit der Einführung der Lochkarten

begonnen. Und seit den 90er Jahren

des vergangenen Jahrhunderts wird in

den Unternehmen das papierlose Büro

angestrebt. Insofern haben vielleicht die

Beschäftigten in Bürobetrieben weniger

Berührungsängste beim Thema Digitalisierung

als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

in der Industrie oder in anderen

Branchen. Trotzdem werden sich auch im

Büro die Arbeitsbedingungen ändern. Einige

Tätigkeiten werden sich teilweise

oder ganz ändern, andere Aufgaben verschwinden,

aber auch neue entstehen.

Damit die Beschäftigten die Anforderungen

ihrer Tätigkeiten optimal bewältigen

können, benötigen sie eine geeignete Arbeitsumgebung.

Spezialisierte Arbeitsbereiche

Open Office oder Open Space wird

deshalb häufig als eine ideale Arbeitsumgebung

genannt, in der die Beschäftigten

optimal die sich rasch ändernden

Anforderungen ihrer Arbeitsaufgaben

bewältigten können. Dabei stehen den

Beschäftigten verschiedene Arbeitsbereich

innerhalb der offenen Bürolandschaft

für die unterschiedlichen Arbeitsaufgaben

zur Verfügung.

Neben dem eigentlichen Arbeitsplatz

kommen weitere Bereiche dazu. Zum

Beispiel Think Tanks für Teamarbeit

oder konzentrierte Einzelarbeit, offene

Besprechungsbereiche oder Lounges, die

sowohl Pausenzonen als auch Kommunikationszonen

sein können. Kommunikation,

Kreativität sowie der interdisziplinäre

Austausch zwischen Fachleuten im

Unternehmen sollen dadurch gefördert

werden.

10 Special Ergonomie 2019


Fachbeitrag

Vielfältiges Wissen für mehr

Inspiration

Einen Schritt weiter gehen Coworking

Spaces. Über Unternehmensgrenzen hinweg

kommen hier Menschen mit unterschiedlichen

beruflichen Werdegängen,

Aufgaben und Zielen zusammen. Da kann

die freiberufliche Softwareingenieurin

neben dem kreativen Mediengestalter

und einer Gruppe von Beschäftigen eines

großen Beratungsunternehmens sitzen.

Ebenso wie in einem Open Office arbeiten

diese Menschen zumeist in größeren,

offenen Räumen zusammen. Die Idee ist,

dass jeder vom Wissen anderer profitieren

und so zu kreativen und vielfältigen Ideen

kommen kann. Die Betreiber von Coworking

Spaces bieten neben Arbeitsplätzen

auch die dazugehörige Infrastruktur an,

wie zum Beispiel schnelles Internet, Drucker

oder Besprechungsräume.

Sowohl Open Offices als auch Coworking

Spaces können die Büroarbeit bereichern

und den Austausch untereinander

auf unkomplizierte Art fördern. Dabei ist

jedoch zu beachten, dass solche Konzepte

von den Menschen, die darin arbeiten

sollen, mitgetragen werden müssen. Mit

steigender Akzeptanz steigen auch die

Erfolgsaussichten von neuen Konzepten.

Ergonomie für gesundes Arbeiten

Des Weiteren tragen ergonomisch

gestaltete und eingerichtet Arbeitsplätze

dazu bei, dass Beschäftigte effizient und

Gestaltungshinweise, rechtliche Grundlagen

Diese Themen sowie Hilfen zur praktischen Umsetzung von Arbeitsplätzen in

Open Spaces und Coworking Spaces sind in der DGUV Regel 115–401 „Branche

Bürobetriebe“ zu finden. Eine gute Hilfe für die tägliche Arbeit stellt das

VBG Faltblatt: „Gesund arbeiten am PC“ dar. Diese und weitere Schriften und

Praxishilfen sind auf der Internetseite der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

zu finden unter

www.vbg.de > Praevention und Arbeitshilfen > Bildschirm- und Büroarbeit

ohne Beeinträchtigung ihrer Sicherheit,

ihrer Gesundheit oder ihres Wohlbefindens

arbeiten können.

Bewegungsmangel ist eines der größten

Gesundheitsrisiken unserer modernen

Zeit. Deshalb benötigen gerade

Menschen bei der Bildschirmarbeit einen

ausreichenden Bewegungsfreiraum. Die

Arbeitsumgebung sollte möglichst viele

Haltungswechsel ermöglichen (Sitzen,

Stehen und Gehen).

Weitere Kriterien für eine ergonomische

Umgebungsgestaltung sind:

■ ausreichend bemessene Verkehrswege,

die nicht verstellt werden dürfen

■ optimale Beleuchtung; störende Blendungen

durch die Beleuchtungsanlage

oder Sonneneinstrahlung sind zu vermeiden

■ gesundes Raumklima

■ gut geplante Raumakustik

Neben der ergonomisch gestalteten

Arbeitsumgebung ist auch Wert auf ergonomische

Arbeitsmittel zu legen, die eine

reibungslose, fehlerfreie und sichere Umsetzung

der Arbeitsaufgaben ermöglichen.

Dazu zählen:

■ ein Arbeitstisch (möglichst höhen -

verstellbar, Tischplatte mindestens

1,60m x 0,80m)

■ ein ergonomischer Bürodrehstuhl

■ eine ergonomische Software und

Hardware

Über die Planung und richtige Einrichten

von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen

hinaus ist es wichtig, die Arbeitsmittel

optimal einzustellen. Dies betrifft unter

anderem die richtige Höhe von Bürostuhl

und Arbeitstisch sowie die richtige Platzierung

von Bildschirm und Tastatur auf

dem Arbeitstisch.

Industrie

Das

Kompetenz-

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der Industrie

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Führungs kräfte in der Industrie

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Fachbeitrag

Grafik: IGR e.V.

Mehr Bewegung im Berufsalltag - Ergonomie-Coaches wissen, wie´s geht!

Helferinnen und Helfer für mehr Gesundheit

Wie arbeitet ein Ergonomie-

Coach?

Ergonomie-Coaches sind gut für die Gesundheit, Helfer im Alltag, gut gegen Schmerzen und

Gesundheitsschäden. Sie können die Arbeit leichter machen, vermeiden Fehltage und helfen

die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, was in einer immer älter werdenden Gesellschaft besonders

wichtig ist. Kurz gesagt: Ergonomie ist ihr Thema.

Foto: IGR e.V.

Autor: Christian Brunner

Institut für Gesundheit und Ergonomie e.V.

(IGR)

Was einen ergonomischen Arbeitsplatz

ausmacht, können sich viele

ganz gut vorstellen. Doch wie arbeiten

nun solche Ergonomie-Coaches? (Und bevor

jemand irritiert ist: Ergonomie-Coach

sein, ist keineswegs nur Männersache,

ergibt allerdings sprachlich entspanntere

Formulierungen.) Am Anfang des „Wie“

steht sinnvollerweise zunächst das „Wo“.

Natürlich können Ergonomie-Coaches nahezu

alles untersuchen, was allgemein zu

den „Verhältnissen“ und dem „Verhalten“

bei verschiedenen Aktivitäten gehört.

Auch Küchenhändler lassen Beschäftigte

bei der Si-Akademie und dem IGR – Institut

für Gesundheit und Ergonomie e.V.

zum Beispiel zum Ergonomie-Berater ausbilden.

Für den Händler ist es dann eine

gute Möglichkeit, als Berater und nicht als

der Verkäufer mit seinen Kunden ins

Gespräch zu kommen.

Fertigung und Verwaltung haben

ihre eigene Ergonomie

Doch Ergonomie-Coaches sind natürlich

besonders gefragt, wenn es um den

beruflichen Arbeitsplatz geht, denn es

gibt viele Gründe, die Gesundheit der Beschäftigten

zu erhalten und zu fördern –

nicht zuletzt auch die Fürsorgepflicht des

Arbeitgebers. Dabei ist es sinnvoll, zwischen

Fertigung und Verwaltung zu unterscheiden,

weil bei beiden oft sehr unterschiedliche

Anforderungen gestellt

werden. Deshalb bieten die Si-Akademie

und das IGR Ausbildungen zum Ergonomie-Coach

mit diesen unterschiedlichen

Schwerpunkten an.

Ergonomie-Coach kann nach einer entsprechenden

Ausbildung die Kollegin

oder der Kollege aus den eigenen Reihen

sein, jedoch auch eine externe Person wie

zum Beispiel ein Mitarbeiter des betreu-

12 Special Ergonomie 2019


Fachbeitrag

enden Büromöbelhändlers oder eine Physiotherapeutin

mit dem entsprechendem

Angebot. Das Auftreten ist je nach Hintergrund

unterschiedlich und man sollte sich

der eigenen Rolle bewusst sein, sie deutlich

machen und ausfüllen.

Wissen auf den neuesten Stand

Wann immer es um Ergonomie sowie

Regeln und Vorschriften zum Arbeitsplatz

geht, sind Ergonomie-Coaches sachkundige

und versierte Ansprechpersonen. Bei

der Einrichtung und Ausstattung des Arbeitsplatzes

wissen sie, was „State of the

Art“ ist. Sie halten ihr Wissen immer auf

dem aktuellen Stand und Neuerungen

und Neuheiten im Blick: Von welchen

Leistungsträgern gibt es finanzielle Beihilfen,

was muss die Hebehilfe leisten

oder welche Möglichkeiten hat man, Geräusche

zu dämpfen? Wichtig ist außerdem

der Blick für Potenziale und Probleme,

also schnell zu sehen, wo „es

klemmt“. Dabei ist nicht nur ein geschultes,

sondern auch ein wachsames Auge

gefragt.

Damit wäre der Ergonomie-Teil geklärt,

fehlt also der Coach oder eben die

„Coachin“, deren Tätigkeit im Kern eine

gelungene und möglichst nachhaltige

Kommunikation ist. Dies setzt selbstverständlich

voraus, dass die Adressaten des

Coachings auf die bestmögliche Art angesprochen

und erreicht werden.

Coaching mit Schmunzeleffekt

Ganz verkehrt ist immer der erhobene

Zeigefinger. Es geht nicht darum zu

belehren und zu ermahnen, sondern zu

erklären und zu ermuntern. Jede gute

Lehrperson weiß das. Das IGR sieht einen

gewissen Unterhaltungswert als ganz

wichtigen Punkt und hat sich deshalb

schon vor etlichen Jahren den Begriff

„Ergotainment“ schützen lassen. Keiner

solle sagen, dass es beim Thema Ergonomie

nichts zu lachen gibt. Eine geschickte

Auswahl und Gestaltung von Skizzen,

Abbildungen oder Cartoons sorgt schnell

für das ein oder andere Schmunzeln.

Wichtig ist es, dass möglichst alles

erlebbar und nachvollziehbar ist. Soll

zum Beispiel eine Arbeitsposition korrigiert

werden, ist es am besten, der Person

einen „Spiegel vorzuhalten“. Früher hätte

ein Coach sicher damit punkten können,

wenn er mit einem größeren Spiegel

angekommen wäre. Heutzutage ist ein

Smartphone die einfachste Lösung. Eine

Aufnahme ist schnell gemacht und die

oder der Betroffene kann sofort aus dem

geeignetsten Blickwinkel sehen, was

Sache ist. Am entspanntesten ist die

Situation, wenn der Coach sich dafür

direkt das Smartphone der betroffenen

Person ausleiht.

Wenn es um eine Didaktik der Ergonomie

geht, hat die Visualisierung eine ganz

herausragende Bedeutung. So werden die

Inhalte einprägsam vor Augen geführt

und man sieht sofort, worauf es ankommt.

Gut ist es daher auch, wenn Coaches

Erklärtes direkt vormachen können. Lässt

man das Publikum agieren, ist es noch

besser.

Werbung ist wichtig

Last but not least gibt es noch ein weiteres

wichtiges Aufgabenfeld: Coaches

müssen dafür sorgen, dass sie mit ihrer

Arbeit wahrgenommen werden. PR in

eigener Sache ist enorm wichtig. Im Intranet

oder in der Hauszeitschrift können

Coaches regelmäßig Artikel veröffent -

lichen oder hilfreiche Tipps zum ergonomischen

Arbeiten geben. Schon ein gut

gemachter Aushang am Schwarzen Brett

trägt zur Aufmerksamkeit bei. Wer selbst

auf einer Schulung war, kann wahrscheinlich

Interessantes berichten. Auch

bei der Organisation von Gesundheitstagen

sind Coaches selbstverständlich dabei

und nutzen diese Plattform. So wird wieder

einmal mehr deutlich, dass Ergonomie

immer ein Thema ist.

2019 Special Ergonomie 13


Fachbeitrag

Foto: © ok-foto – stock.adobe.com

Ergonomie

Im Zeichen des digitalen und

demographischen Wandels

Die rapiden Veränderungen hin zu einer Arbeitswelt 4.0 prägen die Praxis der Ergonomie und

Arbeitsgestaltung. Durch die vernetzte und intelligente Digitalisierung (geäußert zum Beispiel

in der „Industrie 4.0“) entstehen zahlreiche Wege zur Neugestaltung von Arbeit und damit auch

Potenziale für die Ergonomie.

Foto: ifaa

Autor: Prof. Dr.-Ing. habil. Sascha Stowasser

Institut für angewandte Arbeitswissenschaft

(ifaa)

Die Arbeitswelt der Zukunft ist gekennzeichnet

durch Flexibilisierung, Vernetzung

und Individualisierung der Arbeit.

Resultierend daraus entwickeln sich vielfältige

Gestaltungsoptionen von mobilen, vernetzten

und alternsgerechten Arbeitssystemen.

Darauf muss die Disziplin der Ergonomie

eine Antwort finden.

Zukunftstrends der Arbeitswelt

Als vornehmliche Gestaltungsparadigmen

der Arbeitswelt der Zukunft stellen

sich die Folgenden heraus (Stowasser

2018, S. 121):



Die zukünftige Arbeitswelt basiert auf

der immer kraftvoller werdenden

Flexibilisierung, Vernetzung und Individualisierung

der Arbeit. Dimensionen

der Flexibilisierung sind Arbeitsort,

Arbeitszeit und Arbeitsstrukturen.

Resultierend daraus entwickeln sich

vielfältige Szenarien von mobilen und

vernetzten Arbeitssystemen.

Durch die vernetzte Digitalisierung entstehen

zahlreiche Wege zur Neugestaltung

von Arbeit und damit auch

Potenziale für die Ergonomie. Informationsorientierte

Assistenzsysteme, techni-

14 Special Ergonomie 2019


Fachbeitrag

sche Unterstützungsmöglichkeiten und

weitere Automatisierungsmechanismen

werden die Arbeit der Zukunft prägen.

Dies betrifft alle sowohl Produktions- als

auch Wissensarbeit.

■ Die Bedürfnisse, auf den demogra -

fischen Wandel zu reagieren (das heißt

Nachwuchskräfte zu gewinnen sowie

Leistungsfähigkeit einer alternden Belegschaft

zu gewährleisten) drängen

die Mitarbeiterorientierung immer

weiter in den Vordergrund. Verändern

werden sich auch die qualitativen und

quantitativen Anforderungen an Personalentwicklung

und Qualifikation der

Beschäftigten.

75 Prozent aller Arbeitssysteme

verändern sich

Mit Sicherheit wird die vernetzte und

intelligente Digitalisierung relevante

Auswirkungen auf die Arbeitsinhalte, die

Arbeitsaufgaben, die Arbeitsprozesse

und Umgebungsbedingungen haben. Die

Gestaltung innovativer Arbeitssysteme

nimmt erheblich an Dynamik und Bedeutung

zu. In verschiedenen Unternehmensprojekten

und Studien des Instituts

für angewandte Arbeitswissenschaft

(ifaa) zeichnet sich ab, dass sich mindestens

75 Prozent der bestehenden Arbeitssysteme

verändern.

Verschiedene Technologien können

vielseitig eingesetzt werden. Damit geht

nicht nur die Möglichkeit zur Verbesserung

von Prozessen hinsichtlich Qualität,

Durchlaufzeit und Produktionskosten einher,

sondern insbesondere auch zur physischen

und kognitiven Entlastung der Beschäftigten.

Ein Beispiel für physische

Entlastung kann der Einsatz kollaborierender

Roboter sein, um Bauteile zusammen

mit dem Menschen in Vorrichtungen

einzupassen, oder es können Exoskelette

beim Heben von Behältern im Lager

verwendet werden. Um den Menschen

kognitiv bei informatorischer Arbeit zu

unterstützen, können bedarfsgerechte

Informationen mittels Tablets oder Datenbrillen

an Arbeitsplätzen bereitgestellt

werden, die auf konkrete Arbeitsaufgaben

und die Qualifikation des jeweiligen Mitarbeiters

abgestimmt sind.

Herausforderungen bei der Umsetzung

von Ergonomie-Lösungen

In Unternehmen, in denen Veränderungen

und der Einsatz innovativer Technologien

derart schnell und beispiellos

vorgenommen werden, sind Ergonomie-

Abb. 1: Erfahrungen mit Ergonomie in der Praxis; Quelle: ifaa 2018

Lösungen notwendig, die den Stand der

Arbeitswissenschaft abbilden. Und nun

wird offensichtlich:

■ Noch gibt es Unternehmen ohne systematische

und ganzheitliche Berücksichtigung

ergonomischer Prinzipien.

■ Die Beseitigung von gesundheitsschädigenden

Abläufen und Belastungen

ist eine essentielle unternehmerische

Aufgabe, gerade unter dem Aspekt

älter werdender Belegschaften. Ein unüberlegter

Aktionismus ist jedoch nicht

sinnvoll. Unternehmen müssen sehr

genau analysieren, welche ergonomischen

Maßnahme sie brauchen. Eine

Ergonomie-Analyse gibt Aufschluss

darüber, wo sich das Unternehmen

konkret ergonomisch verbessern kann.

Die Analyse der ergonomischen Situation

ist somit Ausgangspunkt der Verbesserung

aller Arbeitsplätze. Empfehlenswert

sind standardisierte Prozesse

wie sie zum Beispiel in der aktuellen

Fassung der Ergonomie-Norm DIN EN

ISO 6385 beschrieben sind.

■ Der arbeitswissenschaftliche Erkenntnisstand

ist unbedingt auszubauen.

Tatsächlich fehlen umfassende konkrete

Aussagen zum Einsatz neuer Technologien

(zum Beispiel empfohlene

Tragedauer von Daten- und VR-Brillen,

Kraftgrenze aktiver Exoskelette, ergo-

Grafik: ifaa

nomische Informationsbereitstellung

mit Smartwatches). Als Herausforderung

für die Arbeitsforschung stellt

sich schon heute heraus, dass die

Rasanz der Technikentwicklung die

Geschwindigkeit der Forschung und

Normung überholt.

In der Praxis zeigt sich, dass dort, wo

Ergonomie eine wichtige Rolle spielt, der

Weg in die Arbeitswelt der Zukunft glücken

kann (vgl. Praxisberichte in Abb. 1).

Quellen

■ DIN EN ISO 6385–2016: Grundsätze der Ergonomie

für die Gestaltung von Arbeitssystemen

(ISO 6385:2016); Deutsche Fassung EN ISO

6385:2016.

■ ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft

(Hrsg.): Digitalisierung & Industrie

4.0 – Good-Practice-Ansätze zur erfolgreichen

Umsetzung. Düsseldorf, 2018.

■ Stowasser, Sascha (2018): Arbeitswelt der Zukunft.

In: Personal und Recht, 6/2018, S. 121.

2019 Special Ergonomie 15


Fachbeitrag

Foto: MAN Truck & Bus SE

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Ergonomie als wichtiger Baustein der

Betrieblichen Gesundheitsförderung

Abteilungsübergreifende Vernetzung im Arbeits- und

Steuerkreis Gesundheit

Die Gesundheit der Beschäftigten stellt die Grundlage für Leistungsfähigkeit und Erfolg sowie

der langfristigen Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens dar. Aus diesem Grund

stellt sich die MAN Truck & Bus den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen:

Neben dem demografischen Wandel, steigender Verantwortung, zunehmender Komplexität,

steht auch die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten im Fokus.

Foto: MAN Truck & Bus SE

Sarah Müller

Projektkoordination

Arbeitskreis Gesundheit,

MAN Truck & Bus SE

Foto: MAN Truck & Bus SE

Autoren:

Robert F. J.

Rupertseder

Fachkraft für

Arbeitssicherheit,

MAN Truck & Bus SE

Um die Herausforderungen zu überwinden

und die Gesundheit der Mitarbeiter

zu stärken, zu fördern und weiter

voranzubringen, arbeiten bei der MAN

Truck & Bus verschiedenen interne und

externe Stakeholder zusammen. Zusätzlich

zum Fehlzeitenmanagement sind die

Gesundheitsförderung und Prävention

unverzichtbare Bausteine im Rahmen der

abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit.

Hierbei spielt die Verhaltens- und

Verhältnisprävention eine zentrale Rolle.

Daher sollte das Thema Gesundheit im

gesamtbetrieblichen Kontext betrachtet

werden.

Integriertes BGM

Bei MAN Truck & Bus hat sich für

die interdisziplinäre Zusammenarbeit im

Gesundheitsbereich die Formulierung

integriertes betriebliches Gesundheitsmanagement

(iBGM) etabliert. Das iBGM

vernetzt alle relevanten Akteure im Unternehmen,

um systematisch die Gesundheit

und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu

fördern, zu erhalten und wiederherzustel-

len. Dieses interne Netzwerk besteht aus

Gesundheitsdienst, Betriebsrat, Arbeits -

sicherheit, Personal, Ausbildung, Führungskräfte

und den Mitarbeitern selbst.

Die unterschiedlichen Projekte und

Fokusthemen werden im Arbeitskreis

Gesundheit erarbeitet und durch die Teilnehmer

im Steuerkreis entschieden.

Ergonomie stellt eine wichtige Komponente

in der Betrieblichen Gesundheitsförderung

dar. Ergonomische Verhältnisse

und ergonomisches Verhalten steigern

nicht nur die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft

der Beschäftigten in der

Produktion, sondern auch an Bildschirmarbeitsplätzen.

Doch wie kann die Optimierung

der Ergonomie auch in der

Verwaltung nachhaltig umgesetzt werden?

Die MAN Truck & Bus am Standort

München hat dazu ein Projekt „Gesund &

Sicher im Büro“ ins Leben gerufen.

16 Special Ergonomie 2019


Fachbeitrag

Grafik: MAN Truck & Bus SE/Arbeitssicherheit, IGR e.V.

Ein Beispiel für Verhaltensprävention: Ein zusammen -

faltbarer Würfel gibt MAN-Mitarbeitern Tipps zu

gesundem Verhalten am Arbeitsplatz.

Ergonomie-Coaches bringen

Bewegung ins Büro

Unter der Leitung der Abteilung

Arbeits sicherheit wurde eine Veranstaltungsreihe

konzipiert, die innerhalb von

zweieinhalb Jahren schon 1000 Mitarbeiter

mit über 120 Veranstaltungen erreicht

hat. In die Konzipierung der Veranstaltungen

wurden der Gesundheitsdienst

und Physiotherapeuten einbezogen. Federführend

agierte der Projektleiter, ein

beim Institut für Gesundheit und Ergonomie

e.V. (IGR) zertifizierter Ergonomie-

Coach. Ziel dieses Projekts ist es, bis zu 60

Ergonomie-Coaches auszubilden, welche

als Ansprechpersonen für circa 6000 Mitarbeiter

an Bildschirmarbeitsplätzen zur

Verfügung stehen sollen. Die Coaches sollen

die Mitarbeiter unterstützen ihren Arbeitsplatz

ergonomisch einzustellen. Die

individuelle Beratung und Hilfestellung

durch die Coaches ist ebenso wichtig wie

die Umgestaltung von Büroräumen, die

zum Beispiel zur Beseitigung von Lärmquellen

führt. Der wichtigste Punkt ist jedoch,

mehr Bewegung im Arbeitsalltag zu

integrieren. Dies reduziert die physischen

und damit auch psychischen

Stressfaktoren.

Sensibilisierung per

„Gesundheitsinsel“

Als weiteres Best Practice-Beispiel im

Bereich des iBGM ist die Kommunikations-

Gesund & Sicher im Büro, Workshop direkt vor Ort

und Austauschplattform „Gesundheitsinsel“

zu nennen. Die Gesundheitsinsel ist

ein Vier-Zonen-Modell, bei dem Gesundheitsdienst,

Personalreferent und Arbeitssicherheit

interaktive Kurzvorträge halten.

Danach haben die Beschäftigten ausreichend

Zeit, um sich mit dem Fachpersonal

über individuelle Fragen auszutauschen.

Die Themen der Vorträge reichen von Leistungen

des Gesundheitsdienstes, Stressmanagement,

Ergonomie, Gehörschutz

oder orthopädisch angepassten Sicherheitsschuhen

bis hin zu betrieb licher

Altersvorsorge oder Wiedereingliederung.

Ausgangslage für das Projekt war der unzureichende

Zugang der Produktionsmitarbeiter

zum Intranet und somit die

eingeschränkte Informationsgewinnung

über Gesundheitsangebote. Ziel ist es, das

Thema Gesundheit direkt zu den Mitarbeitern

vor Ort in die Produktionshallen

zu bringen, sie dafür zu sensibilisieren

und ihre persönliche Gesundheitskompetenz

zu stärken.

Foto: MAN Truck & Bus SE/Arbeitssicherheit

2019 Special Ergonomie 17


Si-Akademie

Foto: © Gorodenkoff – Fotolia

Jetzt anmelden!

3. Tag der PSA

Foto: Konradin

Mediengruppe

Zum dritten Mal findet am 18. März 2020 der „Tag der PSA“ statt: Die Veranstaltung, die alle

zwei Jahre von den beiden Fachzeitschriften „Sicherheitsingenieur“ und „Sicherheitsbeauftragter“

in Zusammenarbeit mit der Si-Akademie ausgerichtet wird, bietet wieder ein abwechslungsreiches

Programm rund um Persönliche Schutzausrüstungen (PSA).

Sieben Referenten gehen im Dorint

Kongresshotel Mannheim an den

Start. Zu den ausgewählten Themenfeldern

gehören unter anderem Neuigkeiten

und Innovationen aus dem Fußschutz sowie

dem Haut- und Handschutz. Auch

Persönliche Schutzausrüstung gegen die

thermischen Auswirkungen eines Störlichtbogens

(PSAgS) steht auf der Agenda.

Darüber hinaus gibt es Praxisvorträge,

in denen es um die Auswahl und den Einsatz

von PSA in Unternehmen geht:

Ziel ist es, den Teilnehmern neue Impulse

zu geben, wie Beschäftigte für das

Tragen von PSA und sicheres Verhalten

am Arbeitsplatz motiviert werden können.

Durch einen Vortrag der Bayer AG

wird auch die internationale Perspektive

eines global tätigen Großkonzerns behandelt.

Ein weiterer Praxisbeitrag gibt konkrete

Tipps für den betrieblichen Alltag

„von Sifas für Sifas“.

Rechtliche Aspekte zum Themenfeld

PSA werden bei der Veranstaltung ebenfalls

betrachtet. Die Referenten werfen

zudem einen Blick auf den Bereich der

„smarten PSA“. Die Kongressveranstaltung

richtet sich an Sicherheitsingenieure,

Fachkräfte für Arbeitssicherheit und

Sicherheitsbeauftragte sowie Unternehmer

und Führungskräfte.

Die reguläre Teilnehmergebühr für den

„3. Tag der PSA“ beträgt 395,00 Euro zzgl.

Mwst. (inkl. Verpflegung).

Bis zum 30.08.2019 besteht die

Möglichkeit, sich zum Frühbucherrabatt

von 345,00 Euro zzgl. MwSt. anzumelden.

Eine Online-Anmeldung ist bereits unter

www.tag-der-psa.de

möglich. Hier sind auch in Kürze weitere

Informationen zu den Vorträgen abrufbar.

Unsere Referenten beim „3. Tag der PSA“

■ Professor Frank Werner, Leiter des Fachbereichs Persönliche Schutz -

ausrüstungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und

stellv. Leiter des Fachbereichs Bauwesen der BG BAU

■ Andreas Vogt, Leiter des Sachgebiets Fußschutz im Fachbereich PSA der

DGUV

■ Dr. Thomas Jordan, Leiter Forschung & Entwicklung, BSD Bildungs- und

Servicezentrum GmbH

■ Dr. Andreas Wittmann, Leitende Sicherheitsfachkraft, Gedore GmbH

■ Thorsten Uhle, Arbeits- & Organisationspsychologe, Bayer AG

■ Professor Dr. Arno Weber, Professor für Arbeits- und Gesundheitsschutz

an der Hochschule Furtwangen und freiberufliche Fachkraft für Arbeits -

sicherheit

■ Dr. Michael Neupert, Rechtsanwalt, Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare

18 Special Ergonomie 2019


Veranstalter:

Praxiskongress

Recht




Foto: © zolnierek, fotolia.com

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2. Praxiskongress

Recht

Erfahren Sie, was Sie über Haftung und Verantwortung im Arbeitsschutz wissen müssen. Informieren

Sie sich über neueste Urteile zu Arbeits-, Dienst- und Wegeunfällen. Werfen Sie einen Blick auf

juristische Zusammenhänge in der Arbeitswelt 4.0 sowie den rechtlichen Rahmen für mobiles

Arbeiten und agile Unternehmen. Lernen Sie konkrete Beispiele zur Gestaltung von

alter(n)sgerechter Arbeit kennen – Gefährdungsbeurteilung inklusive!

Teilnahmegebühr:








aktuelle Urteile aus dem Arbeitsschutz und die Folgen für Betriebe

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