90 Jahre Fehrenkötter

lubitzpr

2019 feiert die Unternehmensgruppe Fehrenkötter ihr 90-jähriges Bestehen. 1929 gründete Heinrich Fehrenkötter im westfälischen Sassenberg ein Transportunternehmen. Heute gehört das Unternehmen mit mehr als 150 Lkw und rund 600 Mitarbeitern zu den führenden Fahrzeug- und Landmaschinenlogistikern Europas. Die Broschüre zeigt die wichtigsten Stationen und lässt 90 Jahre Unternehmensgeschichte lebendig werden.

1929 – 2019


INHALT

DREI GENERATIONEN FEHRENKÖTTER .......................................... S. 4

1929 – 1944: MIT 90 PS FING ALLES AN ......................................... S. 6

1945 – 1969: NEUANFANG UND WIRTSCHAFTSWUNDER ........... S. 10

SONDERGENEHMIGUNGEN FÜR DEN BERLIN-VERKEHR ............ S. 14

1970 – 1984: EXPANSION UND INNOVATION ............................... S. 16

DER ERSTE PLATEAU-ZUG: BEGINN EINER NEUEN ÄRA ............. S. 20

1985 – 2001: DRITTE GENERATION AM START .............................. S. 22

MEHR EFFIZIENZ MIT WECHSELBRÜCKEN ................................... S. 28

2007 – 2019: DAS DIGITALE ZEITALTER BRICHT AN ...................... S. 30

GESCHÜTZTE TRANSPORTE: FLEXCOVER UND FIXCOVER .......... S. 36


LIEBE FREUNDE, LIEBE GÄSTE,

90 Jahre ist unser Unternehmen nun alt. Das ist mehr als ein Menschenleben,

und so fällt es mir nicht immer leicht, über die „ersten“ 40 Jahre sicher zu urteilen.

Ich hatte das große Glück, mit meinem Großvater und meinem Vater nicht

nur tolle, kreative und vor allem fleißige und beharrliche Vorgänger gehabt zu

haben, sondern auch zwei Menschen die vieles aus unserer Firmengeschichte in

Wort, Schrift und Bild aufbewahrt haben. So können wir fast lückenlos auf die

Geschichte unseres Unternehmens zurückblicken.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit

aber nicht mit Sentimentalität zurückschauen.

Was mich beim Blick zurück

auf 90 Jahre Unternehmensgeschichte

vielmehr fasziniert, ist das, was man

für die Zukunft daraus lernen kann.

Wie mein Großvater aus einer sehr

mutigen Idee ein Transportunternehmen

aufgebaut hat. Wie er mit diesem

Mut und unendlicher Beharrlichkeit

sein Unternehmen und seine Familie

durch den Krieg gebracht hat. Der

Neuanfang nach dem Krieg und der

stetige Aufbau – das ist ein Zeugnis

von eisernem Willen.

Mein Vater stand dann von Anfang an

für Innovationen. Er gilt als der Erfinder

des Plateau-LKW und als Pionier

im Bereich der Jumbo-Transporte. Er

verfolgte ein ausgeklügeltes Marketing-Konzept

schon zu einer Zeit, als

in Deutschland nur wenige wussten,

was Marketing eigentlich bedeutet.

Und so habe ich diesen Faden aufgenommen

und gemeinsam mit unseren

Kunden, Partnern und Mitarbeitern

das Unternehmen weiterentwickelt.

Mit unserer Neugier, unserem Mut

und unserer Bereitschaft, Neues anzupacken

und immer wieder Vorreiter

zu sein, sehen wir uns für die nächsten

90 Jahre gerüstet.

Viel Spaß beim Lesen dieser Chronik

wünscht

Euer

Joachim Fehrenkötter


HEINRICH FEHRENKÖTTER

ROBERT FEHRENKÖTTER

* 14.03.1900 † 01.01.1970 * 18.03.1939 † 22.06.2014

Der gelernte Landwirt wollte Tierarzt werden und wurde

Fuhrunternehmer. Wer Heinrich kannte, war von

seiner Beharrlichkeit und seiner deutlichen Ansprache

beeindruckt. Aus dem Nichts etwas aufbauen, größte

Entbehrungen in Kauf nehmen und dabei eine Familie

mit neun Kindern durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre

bringen, dafür gebührt ihm genauso Respekt, wie für

seine kritische Sicht auf das Nazi-Regime.

Robert war Heinrichs jüngster Sohn. Nach einigen

Jahren in anderen Betrieben übernahm er 1970 die

Verantwortung für das elterliche Unternehmen. Aus

einem kleinen Fuhrbetrieb formte Robert Fehrenkötter

eine leistungsstarke, innovative und über die Grenzen

Deutschlands bekannte internationale Spedition. Er

war Vollblutunternehmer galt als willensstarker, verlässlicher

und fairer Firmenchef.

DREI GENERATIONEN


FEHRENKÖTTER IN ZAHLEN

• 600 Mitarbeiter

• 150 eigene LKW

• 50.000 m² offene Lagerfläche

JOACHIM FEHRENKÖTTER

* 20.03.1968

Joachim wuchs mit seinen drei Brüdern Frank, David und

René† auf dem „Spielplatz Spedition“ auf und hat das

Handwerk von der Pike auf gelernt. In der Jugend arbeitete

er als Lagerhelfer, LKW-Wäscher und als Kraftfahrer.

Nach Ausbildung und Studium übernahm er 1994 die

Geschäftsleitung. Joachim führt das Unternehmen bereits

im 25. Jahr im Sinne seines Vaters und Großvaters

mit Entscheidungsfreude und Innovationen.

TRANSPORTE PRO JAHR

• 200.000 t Landmaschinen

• 50.000 t Anlagen / Maschinen

• 40.000 PKW-Anhänger

• 20.000 Busse / Transporter

• 15.000 PKW

• 10.000 Traktoren

• 5.000 Wohnwagen / Reisemobile

• 1.000 LKW

FEHRENKÖTTER


6

Heinrich Fehrenkötter und der erste angestellte Fahrer

Bernhard Lackamp an einer Tankstelle in Breslau 1930.


1929 – 1944

MIT 90 PS

FING ALLES AN

VOM LANDWIRTSSOHN, DER EIN

FUHRUNTERNEHMEN GRÜNDET,

BIS ZU DEN KRIEGSJAHREN


1929

– 1944

MIT 90 PS FING ALLES AN

Ausgerechnet im Jahr der schwersten

Weltwirtschaftskrise macht sich Heinrich

Fehrenkötter mit seinem Partner

Wilhelm Lückewerth und einem Krupp

L 3 als Fuhrunternehmer selbstständig.

Ursprünglich wollte Heinrich Fehrenkötter

Tierarzt werden, doch als sein

älterer Bruder Bernhard im Ersten

Weltkrieg fiel, musste Heinrich den elterlichen

Hof übernehmen. 1929 war

Heinrich 29 Jahre alt, und die Selbstständigkeit

barg ein Risiko – aber auch

die Chance, der Enge des kleinen Hofes


Alle paar hundert Kilometer

war ein Ölwechsel

am Straßenrand fällig.

Bernard Lackamp und Josef Nieß 1931 in

Düsseldorf: Man hatte bei Henkel Waschmittel

für Breslau geladen.

Das Ende des Krupp 1935 kurz vor der Heimat.

Eine defekte Bremse hatte das Fahrzeug in Flammen aufgehen lassen.

im Münsterland zu entkommen. Dabei

schaffte es der junge Fuhrunternehmer

von Anfang an, sich mit einem Alleinstellungsmerkmal

von den damaligen

Wettbewerbern zu unterscheiden:

Heinrich Fehrenkötter betrieb echten

Fernverkehr. So nahm er Touren an, die

von Düsseldorf nach Breslau gingen.

Für die Wollfabrik Gebrasa in Sassenberg

fuhr er praktisch in jeden Winkel

Deutschlands. Mit unfassbar langsamen

37 Stundenkilometern – am Anfang

noch größtenteils auf Vollgummibereifung

und mit einer Kabine, die

keinerlei Komfort bot – war dies ein

echtes und andauerndes Abenteuer.

Im Jahr 1935 brannte der Krupp kurz

vor dem heimatlichen Sassenberg aus.

Als Ersatz kam ein Büssing 502 mit

einem ausgewachsenen Dieselmotor

mit bärenstarken 135 PS. Die Geschwindigkeit

stieg auf 52 km/h, und

die Motorleistung ließ höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten

zu. Auch

war der 12 Liter große Dieselmotor

deutlich wartungsärmer und benötigte

nicht alle paar hundert Kilometer

einen Ölwechsel am Straßenrand. Der

Zweite Weltkrieg stoppte eine weitere

Expansion des immer noch jungen

Fuhrgeschäfts. Heinrich Fehrenkötter

wurde eingezogen, der LKW requiriert.

Heinrich hatte Glück im Unglück und

wurde nach einer weniger schweren

Verletzung nicht mehr an die Front geschickt.

Stattdessen pflegte er in Warendorf

Pferde, die im Kriegseinsatz

verwundet wurden. Seinen Büssing

502 sah er allerdings nie wieder, der

wurde im Krieg zerstört.

9


10

Der Büssing 105 mit Fahrer Heinz Hartmann

1946 bei einer Pause in Georgsmarienhütte.


1945 – 1969

NEUANFANG UND

WIRTSCHAFTSWUNDER

VOM KAUF DES ERSTEN NACHKRIEGS-

BÜSSING BIS ZUR ÜBERGABE AN

DIE ZWEITE GENERATION


1945

– 1969

NEUANFANG UND WIRTSCHAFTSWUNDER

12

Heinrich Fehrenkötter ließ sich durch

den Verlust seines LKW im Krieg nicht

von dem eingeschlagenen Weg als

Fuhrunternehmer abbringen. 1946 versuchte

er den Neuanfang.

Mit seinem Miele-Motorrad, einem

kleinen Anhänger, beladen mit einem

halben Schwein, und einigen Reichsmark

in der Tasche fuhr er nach Braunschweig

zum Werk des LKW-Herstellers

Büssing. Dort übernahm er einen neuen

Büssing 4500 mit 105 PS als Fahrgestell.

Das Fahrerhaus dazu baute die

Firma Kiffe in Münster auf.

Der Büssing und zwei Anhänger bildeten

den Grundstein für den ersten

Linienverkehr. Mit Baustahl oder Kohle

ging es vom Ruhrgebiet in das im Krieg

zerstörte Bremen. Die Rückladung

bestand aus Mehl von der Rolandmühle.

Nachdem sich das Geschäft

stabilisiert hatte, investierte Heinrich

Fehrenkötter weiter in Lastwagen der

Marke Büssing. So kam Anfang der

1950er Jahre der legendäre Büssing

8000 in den Fuhrpark. Am Steuer:

Willi Fehrenkötter, der zweitälteste

Sohn Heinrichs.

Der Kundenstamm wuchs und mit ihm

auch die Flotte. Mitte der 1950er Jahre

bestand der Fuhrpark bereits aus fünf

LKW. 1961 kehrte der jüngste Sohn

Robert – nach seiner Lehre bei der Büssing-Vertretung

Stahmer & Compagnie

in Osnabrück und weiteren Stationen,

etwa bei den Zündapp-Werken oder

dem Kraftverkehr Nagel – zunächst

als Kraftfahrer in das elterliche Unternehmen

zurück. Durch die jahrelange

Praxis wusste er genau, was im Fernverkehr

möglich war. So war es nur folgerichtig,

dass der kluge und fleißige

Robert und seine Frau Ursula nach dem

Tod Heinrich Fehrenkötters 1970 die

Unternehmensführung übernahmen.

Willi Fehrenkötter 1954 vor dem Flaggschiff

der Fehrenkötter Flotte, dem Büssing 8000 in

Werbung des größten Kunden Gebrasa Wolle.


Fuhrpark 1959 am ersten Firmensitz in Sassenberg auf der Langewiese

mit Heinrich Fehrenkötter, Heinz Hartmann, Willi Fehrenkötter, Bernhard Korte.

Robert Fehrenkötter 1961 bei verdienter Ruhepause auf Ferntour.

Büssing LU 11 1961 auf Ferntour in Bamberg.


Im Jahr 1964 hälte Mercedes-Benz Einzug in den Fuhrpark:

hier Robert und Willi Fehrenkötter vor den schnellen LP 332,

die schnelle Umläufe im Berlin Verkehr garantieren.


NEUES GESCHÄFTSFELD:

SONDERGENEHMIGUNGEN

FÜR DEN BERLIN-VERKEHR

Die Teilung Deutschlands und die

nach dem Mauerbau 1961 isolierte

Lage Berlins brachten gravierende Einschnitte

für die gesamte Transportbranche

mit sich. Die Kontrollen an der

Grenze zur DDR und die Auflagen für

die mehrstündige Fahrt auf den Transitstrecken

von und nach Berlin wurden

immer kleinlicher und strenger.

Andererseits benötigten die Menschen

und die Betriebe in der isolierten Millionen-Metropole

Berlin täglich Waren

und Lebensmittel und was dort produziert

wurde, musste zurück in die Bundesrepublik.

Die Sondergenehmigungen

für den Verkehr nach West-Berlin

waren begehrt, denn sie bedeuteten

ein sicheres Geschäft. Doch die Fahrt

durch die DDR war riskant und ebenso

zeitraubend wie nervenaufreibend. Für

viele Spediteure Grund genug, die Finger

davon zu lassen.

Nicht so für Fehrenkötter. Robert Fehrenkötter

gelang es, einige Sondergenehmigungen

zu ergattern und so

besetzte die Spedition aus dem Münsterland

diese schwierige, aber lukrative

Nische im deutschen Transportmarkt.


16

Neue Dimension: der Betriebshof in Sassenberg,

1973 errichtet und stetig ausgebaut.


1970 – 1993

EXPANSION UND

INNOVATION

VOM BAU DES NEUEN FIRMEN-

SITZES UND DER ERFINDUNG

DES CARAVAN-EXPRESS


Robert Fehrenkötter als Pionier der „Jumbo“ LKW Entwicklung 1974:

ein umgebauter PKW Transporter mit einem sehr tiefen Anhänger.

Komfort für den Fahrer: Unterflurmotor

und Büssing und Sohn Fahrerhaus 1973.


1970

– 1993

EXPANSION UND INNOVATION

Frank Fehrenkötter auf dem Stapler 1975:

Verladearbeiten statt Hausarbeiten, dafür

war der „Spielplatz Spedition“ immer gut.

Mit dem Übergang der Firmenleitung

von Heinrich an Robert Fehrenkötter

begann eine neue Zeitrechnung im

Unternehmen. 1971 verstarb Heinrich

Fehrenkötter 71-jährig und hinterließ

dem Junior mit seiner Frau einen solide

gewachsenen und gut florierenden

Betrieb mit Aufbaupotenzialen.

Im gleichen Jahr nahmen Robert und

seine Frau Ursula einen kompletten

Neubau im neuen Industriegebiet der

Stadt Sassenberg in Angriff. Das Arbeitsumfeld

mit Werkstatt, Büro und

Lagerräumen war eine wirklich neue

Dimension im Vergleich zu den Provisorien

am alten Standort. Der neue

Firmensitz war aber nur der Auftakt zu

einer Reihe von Investitionen und Innovationen.

Robert Fehrenkötter hatte

Volumen-Ladungen als neues Geschäftsfeld

entdeckt. Er beschaffte die

hierfür benötigten, leichten LKW mit

hoher Laderaumkapazität und machte

so das Unternehmen zum Vorreiter in

diesem Bereich. Fast zeitgleich stieg

der Bedarf an Transportkapazität für

den Wohnwagenhersteller Saure, heute

LMC Caravan. Die Wohnwagen wurden

seinerzeit entweder einzeln oder

maximal zu zwei Fahrzeugen verladen.

Robert Fehrenkötter entwickelte daher

den ersten Plateauzug. (siehe nächste

Seite). Schnell kamen weitere Kunden

wie beispielsweise die Westfalia-Werke

in Rheda-Wiedenbrück hinzu, für

die Fehrenkötter fast 20 Jahre Hausspediteur

war.

Bereits 1979 reichte der Platz auf dem

Firmengelände nicht mehr aus und so

erweiterte man es und bezog kurze

Zeit später ein neu erbautes Büro- und

Lagergebäude. Dank der nun größeren

Lager- und Transportkapazitäten

gelang es, zusätzliche Kunden wie

Vespa Deutschland, Claas und Mercedes-Benz

zu gewinnen.

Die Jumboflotte auf dem Höhepunkt 1982.

19


Die selbst entwickelten Plateau-LKW

mit überfahrbarer Ladefläche eröffneten

nicht nur neue Möglichkeiten

im Caravan-Transport, sie verschafften

auch Zugang zu ganz neuen Geschäftsfeldern.

So gab es im nahegelegenen

Warendorf den Landtechnikhersteller

Hagedorn, Produzent von Kartoffelrodern

und Ladewagen. Die Geschäftsführung

ließ sich von den Vorteilen

eines Transports mit den neuen, leichten

Plateau-Fahrzeugen überzeugen

– für Fehrenkötter die ersten Schritte

als Landtechnik-Transporteur. Die seinerzeit

noch sehr zierlichen Ladewagen

und Kartoffelroder passten tatsächlich

noch auf die 7,5-Tonner-LKW.

Das sollte sich in den 1980er Jahren

ändern. Robert Fehrenkötter wollte

unbedingt für den Landtechnikhersteller

Krone im emsländischen Spelle

fahren. Denn Krone war auch Hersteller

von LKW-Anhängern und Wechselbrücken

und so könnte sich – so

die Überlegung – ein Gegengeschäft

ergeben: Beim Kauf von Wechselbrücken

durch Fehrenkötter sollte Krone

täglich eine Ladung Landmaschinen

bereitstellen. Bernard Krone und Robert

Fehrenkötter telefonierten, verstanden

sich auf Anhieb und seit

diesen Tagen gehört Krone in jeder

Beziehung zu den Top-Kunden und

Freunden des Hauses.

Typische Samstagszene 1974: Es wurde geschraubt,

gewaschen, rangiert, verladen und geklönt.

20

Universell einsetzbar: der Plateauzug.


Wechselbehälter sicherten ein

hohes Maaß an Flexibilität.

Antwort auf die Herausforderungen der Claas

Ersatzteillogistik: der Ersatzteilexpress.

MEHR EFFIZIENZ MIT

WECHSELBRÜCKEN

Anfang der 1980er Jahre war Fehrenkötter

auch in der Kühllogistik tätig.

Ein wichtiger Meilenstein in der

Weiterentwicklung der Logistik

war die Belieferung von Baumärkten

für die damals junge Firma Sanitop

in Warendorf.

In festen Touren belieferten Fehrenkötter-LKW

die Baumärkte, jede

Woche praktisch zum gleichen Zeitpunkt.

Das dafür ausgearbeitete

Logistik-System erforderte eine gewisse

Flexibilität beim Einsatz der

Fahrzeuge. Die Lösung hieß: Wechselbrücken.

Diese abnehmbaren

LKW-Aufbauten ließen sich an der

Laderampe abstellen, wo sie beoder

entladen wurden, während der

LKW mit einem weiteren Satz Wechselbrücken

bereits wieder auf Tour

ging. Diese Technik trug zur Sicherung

einer hohen Transportqualität

und einer sehr exakten Belieferung

bei – und damit zu einem starken

Wachstum dieses Geschäfts.


DER ERSTE PLATEAUZUG:

BEGINN EINER NEUEN ÄRA

Eigens für den Transport von Caravans

entwickelte Robert Fehrenkötter den

sogenannten „Caravan Express“. Dieser

leichte LKW und der dazugehörige

Anhänger verfügten über eine Plattform,

die sich dank Auf- und Überfahrrampen

mit Fahrzeugen befahren ließ.

Ein oben an der Rückwand des Fahrerhauses

angebrachter Kasten – das

sogenannte Schwalbennest – beherbergte

das Bett für den Fahrer, ließ

aber darunter noch Ladefläche frei,

sodass mehr Wohnwagen auf der Ladefläche

Platz fanden. Ein weiterer

Vorteil der leichten Mercedes LP 813

mit 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht:

Eine damals noch notwendige

Konzession ließ sich auf mehrere

Fahrzeuge verteilen. Darüber hinaus

genügte ein Führerschein der Klasse 3

(PKW), um diese Fahrzeuge zu fahren.


Ludwig Henger 1973 im ersten Plateauzug der Spedition Fehrenkötter:

Der Name und die Farbe wurden bald auf „Fehrenkötter“ umgestellt.


24

Joachim Fehrenkötter 1994: aus dem Studium direkt in die Geschäftsführung.


1994 – 2001

DRITTE GENERATION

AM START

VOM EINSTIEG IN DEN LAND-

TECHNIK-TRANSPORT BIS ZUM

UMZUG NACH LADBERGEN


1994

– 2001

DRITTE GENERATION AM START

Nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann

in Stuttgart und dem erfolgreichen

Abschluss der Deutschen

Außenhandels- und Verkehrsakademie

(DAV) in Bremen trat Joachim, der

jüngste Sohn von Robert und Ursula

Fehrenkötter, 1994 in die Geschäftsführung

und als Gesellschafter in das

Familienunternehmen ein. Mit großem

Fleiß und neuen Ideen nahm er

die neuerliche Expansion des Unternehmens

in Angriff.

Dazu gehörte beispielsweise auch

die Eröffnung einer Niederlassung im

schwäbischen Nürtingen im Jahr 1996.

Gemeinsam mit dem Vertriebs- und

Niederlassungsleiter Norbert Lohr entwickelte

Fehrenkötter die Idee, ein europaweites

Netzwerk für Landtechniktransporte

aufzubauen. Mit Vehemenz

machten sich die beiden daran, ihre Vision

in die Tat umzusetzen. Bereits 1997

stellte das Unternehmen die ersten

Tieflader für den Transport von Mähdreschern

und anderen Großmaschinen in

Dienst. In den darauffolgenden Jahren

erfolgten eine deutliche Modernisierung

und der Ausbau der Flotte.

Auch die Informationstechnologie richtete

Fehrenkötter in dieser Zeit auf die

Zukunft aus und setzte erstmals das

TMS-System, ein Dispositionssystem

mit grafischer Oberfläche, aus dem

Hause Brabender ein – zu dieser Zeit

ein absolutes Novum. Da Joachim Fehrenkötter

und Thomas Brabender gemeinsam

studiert hatten, konnten sie

gemeinsam die Software sehr intensiv

weiterentwickeln.

Die über die Jahre gewachsene Immobilie

in Sassenberg wurde schließlich zu

klein. Die Wege waren zu lang – nicht

nur auf dem Betriebsgelände. Die große

Entfernung zur nächsten Autobahn bedeutete,

dass sich die LKW bei jeder Tour

Optimale Bedingungen für das wachsende Unternehmen:

der neue Standort Ladbergen ab 2001.

40 bis 50 Minuten über die Landstraßen

des Münsterlandes quälen mussten.

Und so zog das Unternehmen 2001 in

die neu errichtete Firmenzentrale in

Ladbergen, direkt an der Autobahn A1

und in unmittelbarer Nachbarschaft

zum Binnenhafen und zum Flughafen

Münster-Osnabrück. „Das Drehkreuz

der Zukunft“ hatte Bernard Krone seinerzeit

gesagt. Recht sollte er behalten.

Mitarbeiter und Kunden waren begeistert

vom neuen Standort und die Voraussetzungen

für eine weitere Expansion

geschaffen.

26


Kilometermillionäre: Fahrerehepaar Marianne und Wladyslw Niescouruk haben

gemeinsam mehrere Millionen Kilometer unfallfrei und pünktlich abgespult.

Ende der 90er Jahre wurde mit Tiefladertransporten

eine weitere Nische besetzt.


Um Geld zu sparen, fuhr der Juniorchef auch

mal einen Abschleppeinsatz mit der Kaelble

Zugmaschine selber. Hier mit Horst Sunder

nach einem Motorschaden in Passau.

Die Vision vom europaweiten

Netzwerk für

Landtechnik-Transporte

wurde Wirklichkeit.

28


Dispoleiter Andreas Scheske nutzt

die Möglichkeiten des TMS-Systems

aus dem Hause Brabender.

Auch andere Mütter haben schöne

Töchter: zwei DAF 95 Superspacecab

mit allem, was das Fahrerherz begehrt.

Kadrettin Güney, 1996 voller Stolz

vor seinem neuen Mercedes 1834.

FRÜHE DIGITALISIERUNG

Fehrenkötter war eines der ersten

Transportunternehmen in

Deutschland, das bereits in den

1990er-Jahren auf die Digitalisierung

in der Organisation setzte.

Die Einführung der Dispositions-Software

TMS von Brabender

machte die Disposition nicht nur

effizienter, sondern vor allem auch

papierlos – ein großer Fortschritt.

Darüber hinaus ließen sich mit

entsprechenden Schnittstellen

Kunden an das System anbinden,

was einen schnellen Informationsfluss

von und zu den Kunden

ermöglichte. Auch das Internet

wusste Fehrenkötter frühzeitig für

sich zu nutzen. Nachdem mit der

Gerbraucht-Maschinenplattform

„TraktorPool“ eine Partnerschaft

gegründet wurde, sorgte der Online-Handel

mit gebrauchten

Landmaschinen schnell für respektable

Umsätze.

Drei Mercedes Atego unterwegs für

den Kunden Sanitop zur Retourenrückholung

aus den Baumärkten.

Weitere Meilensteine wie das eigene

Zahlungstool „Trust & Trade“

und Transport-Auftrags-Portale für

die Kunden sollten folgen.


30

Mit dem von Fehrenkötter entwickelten FlexCover lassen sich Landmaschinen

und Fahrzeuge geschützt unter Plane transportieren.


2002 – 2019

DAS DIGITALE ZEIT-

ALTER BRICHT AN

VON DER ERWEITERUNG UM

PERSONALDIENSTLEISTUNGEN BIS

ZU ONLINE-DIENSTEN


Eine Armada von 70 Fehrenkötter LKW macht sich am 01. Januar 2017 auf den Weg nach Spanien.

Immer wieder wird das Konzept des Plateauzuges weiterentwickelt.

Hier der sogenannte Stapelzug mit besonders flachem Tridem-Anhänger.


2002

– 2019

DAS DIGITALE ZEITALTER BRICHT AN

Fehrenkötter konnte sich ab 2002 sehr schnell

als Personaldienstleister etablieren.

Fast schon legendär und weit über die Grenzen

Europas ein Thema in der Nutzfahrzeugbranche:

der Fehrenkötter-Test.

In den frühen 2000er-Jahren standen

bei Fehrenkötter die Zeichen auf

Wachstum. Im Jahr 2002 erweiterte

die Unternehmensgruppe das Dienstleistungsangebot

um klassische Zeitarbeit

und Personalvermittlung.

Mit Udo Gieseler fand Joachim Fehrenkötter

einen absoluten Profi in diesem

Bereich. Schnell etablierte sich das Geschäftsfeld

und 2007 gründete Fehrenkötter

die Personaldienstleistungen in

eine eigene Gesellschaft aus – mit Udo

Gieseler als Geschäftsführer und Teilhaber.

Sandra Fehrenkötter, Joachims

Ehefrau, baute ab 2012 eine Niederlassung

der Personaldienstleistung in

Warendorf auf.

Im Jahr 2007 konnte Fehrenkötter einen

der größten Aufträge der Firmengeschichte

für sich gewinnen: Für den

Landtechnik-Konzern Claas übernahm

die Spedition die Distribution der Traktorenproduktion

des Werks Le Mans für

die größten Märkte in Zentraleuropa.

Die Wirtschaftskrise 2008/2009 führte

jedoch zu harten Einschnitten. Die

Aufträge gingen dramatisch zurück.

Miet- und Leasingfahrzeuge ließen sich

zwar an die Finanzierer und Vermietgesellschaften

zurückgeben. Doch auch

für einige eigene, längst bezahlte Fahrzeuge

gab es in dieser Zeit nicht genug

Aufträge. So kam es, dass zeitweilig

mehr als 30 LKW abgemeldet auf einem

ehemaligen Militärgelände parkten

und auf bessere Zeiten warteten.

Noch heute ist das Unternehmen stolz

darauf, dass es trotz der schweren Krise

keine betriebsbedingten Kündigungen

gab und alle finanziellen Verpflichtungen

immer pünktlich bedient werden

konnten. So etwas schafft Vertrauen,

bei Mitarbeitern ebenso wie bei Banken

und Lieferanten.

33


Mehr geht nicht: die Tridem-Fahrzeuge bieten das Maximum an Transportraum.

34

Nach überwundener Krise meldete sich

das Unternehmen Fehrenkötter mit

neuen Ideen und Wachstumsfeldern

zurück. Die Digitalisierung und der Internet-Handel

– Zukunftsthemen, die

Fehrenkötter früh für sich entdeckte.

So entwickelte man das Zahlungstool

„Trust & Trade“, mit dem Käufer und

Verkäufer von gebrauchten Fahrzeugen

und Landmaschinen den Transport

in Auftrag geben und zugleich sicherstellen

können, dass Ware und Geld

ohne böse Überraschungen den Besitzer

wechseln.

Und auch mit seinen Transport-Portalen

im Internet war Fehrenkötter Vorreiter:

Kunden, die ein Fahrzeug oder

eine Maschine versenden wollten, bot

sich nun erstmals die Möglichkeit, auf

Knopfdruck den Preis für den Transport

zu kalkulieren und den Transport sofort

in Auftrag zu geben, ohne lange auf ein

Angebot warten zu müssen.

In der Flotte sorgten eigens entwickelte

Plateaufahrzeuge mit Planenaufbau

für weiteren Auftrieb und ermöglichten

den Einstieg in neue Geschäftsbereiche

(siehe Seite 36). In jüngster Zeit

erweiterte Fehrenkötter das Leistungsportfolio

zudem um logistische Dienstleistungen

rund um die Lagerung von

neuen PKW.

Auch wenn diese kurze Chronik nur

eine Auswahl der zahlreichen wegweisenden

Geschäftsideen und Innovationen,

die das Unternehmen prägten,

wiedergeben kann, so zeigen diese Beispiele

doch eines: Auch 90 Jahre nach

Gründung des Unternehmens steht

der Name Fehrenkötter für Innovation,

Tatkraft und Solidität.

Dicke Brummer: zwei Quaderpressen von

Krone auf dem Weg nach Süddeutschland.


Seit 90 Jahren steht

der Name Fehrenkötter

für Innovation, Tatkraft

und Solidität.

Von Oldiespezialisten für Oldieliebhaber: unsere

Flex-Cover-Züge für den gedeckten Transport.

Fahrer Jürgen Schwarzer: bekannt

aus Film, Funk und Fernsehen.


FLEXCOVER UND FIX-

COVER: GUT GESCHÜTZT

TRANSPORTIEREN

Im Jahr 2012 entwickelte Fehrenkötter

gemeinsam mit dem Fahrzeugbauer

Recker aus Harsewinkel eine neue

Fahrzeuggattung: den FlexCover-Zug.

Die Idee zu dieser innovativen Entwicklung

lieferte der damalige Chef

der Claas Vertriebsgesellschaft, Jonathan

Köber.

Seine Vision: die gesamte Produktpalette

für die Grünfutterernte der Firma

Claas sollte während des Transports

zum Händler oder Kunden geschützt

und trocken bleiben. Der FlexCover von

Fehrenkötter bot hierfür die passende

Lösung. Ein variabler Planenaufbau

mit verbreiterbarem Heckportal gewährleistete

nun den Transport von

Landmaschinen und Fahrzeugen gut

geschützt unter Plane.

Schnell erkannten auch andere Kunden

die Vorteile dieses Fahrzeugkonzepts

und so transportiert Fehrenkötter

heute für Kunden wie Mercedes-Benz,

AMG oder Brabus Prototypen, Showcars

und sehr exklusive Fahrzeuge.

Eigens für diesen Markt ließ Fehrenkötter

2017 die sogenannten FixCover

bauen, geschlossene Kofferfahrzeuge

mit integrierten Hubbühnen für den

Fahrzeugtransport.


Neu seit 2017: Die FixCover-Züge für Oldtimer,

Rennwagen, Prototypen und Exklusivfahrzeuge.


QUALITÄT

KOMMT AN!


Fehrenkötter Transport & Logistik GmbH

Heinrich-Büssing-Straße 6 • D - 49549 Ladbergen

Telefon: 05485.8308-0 • info@fehrenkoetter.de

www.fehrenkoetter.de

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