VERITAS - Das Genussmagazin - Ausgabe 28/2020

oberkircher
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VERITAS - Das Genussmagazin der Oberkircher Winzer

DAS GENUSSMAGAZIN

28 // 2020

Endlich

Spargel!

Mit Willi Wurth

auf dem Acker

Badischer

Architekturpreis

Gut, besser, Vinotorium

Wein trifft ins Herz

Jahrgänge

Die Kolumne von

Vincenzo De Biase

Europa-Park-Sommelier

Titelthema

WIE URLAUB!

RENCHTAL & ACHERTAL

ENTDECKEN, WIE SCHÖN ES DAHEIM IST

DAS KUNDENMAGAZIN DER OBERKIRCHER WINZER

veritas-genuss.de


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unseren aktuellen Imagefilm an.

Oder gehen Sie auf oberkircher-winzer.de/film.


Liebe Weinfreundin,

lieber Weinfreund!

uch dieses Mal wollen wir etwas vom

Geheimnis Wein lüften, ohne diesen zu

entzaubern. Bekanntlich lautet unsere Mission: „Wer mehr

weiß, kann besser genießen.“ Wir schauen auf die Jahrgänge.

Zum Glück ist unser Experte Vincenzo De Biase auch darin

firm. Muss er auch, denn zu seinen Aufgaben gehört die

Bewirtschaftung seines Weinkellers im Europa-Park. Da kann

er sich nicht blind darauf verlassen, dass ein 2017er genauso

schmeckt wie ein 2018er. Unser Weinexperte findet das

spannend: „Weil man nicht weiß, was die Natur macht, ist

jedes Jahr anders. Für Weintrinker steckt somit das Leben

voller Überraschungen.“ Auch wenn die Jahrgänge immer

etwas verschieden sind, eins hat doch Bestand, und das sind

die kulinarischen Highlights im Jahreskreislauf. Alle freuen

sich auf Spargel im April, Mai, Juni, dann aufs Bärlauchsüppchen,

auf Pfifferlinge oder Sommersteinpilze mit Nudeln und

endlich im Herbst auf Wild mit Spätzle. Nebenbei läuft die

ganze Saison durch eh der Grill heiß. Bei manch einem darf’s

auch regnen, egal! Beim Spargel könnte es auch schneien, die

Fans sind hartnäckig und freuen sich über Spargelbauern

wie Willi Wurth, den wir auf Seite 12 vorstellen. Was trinkt

man zu Spargel und Co.? Beim König der Gemüse kommen die

frischen Weißweine zum Zuge, zum Grillen vielleicht ein

Rosé, aber auch ein Grauburgunder oder ein Spätburgunder

sind in der Diskussion. Da sind wir offen und lassen gerne

mit uns reden. Welcher Wein würde aber zu einer Landschaft

oder einem Ort passen? Wäre ein kräftiger Roter aus

dem Achertal der passende Tropfen zum Hexenhaus auf dem

Hexensteig? Wo würde ein Rosé besonders gut schmecken?

Wenn Sie jetzt an die Fatima-Kapelle bei Sonnenuntergang

denken, dann wären wir dabei. Ein cremiger Grauburgunder

könnte der Wein der Stunde auf der Moos sein, ein leichter

Weißburgunder oder ein spritziger Rivaner würde auch bei

einer Wanderung prima schmecken. (Und Schnaps nach der

Kletterei auf dem Karlsruher Grat, aber das ist was anderes.)

Wir hören jetzt auf, Ihnen den Mund wässrig zu machen,

und schreiten zur Tat. Die Sonne scheint schon wieder länger,

die Natur lässt von sich hören und zeigt ihre Farben. Wir sind

wieder dabei und sind gespannt, was die nähere Umgebung

so bringt. Bekanntlich leben und arbeiten wir dort, wo andere

Urlaub machen. Neugierde hat was, vor allem bringt sie

uns weiter – und näher zum Kühlschrank, also zum Genuss.

In diesem Sinne: Es gilt!

Herzlichst

Ihr VERITAS-Team

VORWORT

Jigal Fichtner fotografiert und unser Modell sagt nicht: „Cheese“, sondern:

„Strawberry Fields Forever”. Was sonst!

INHALT

In Wahrheit schön »SEITE 6

Titelgeschichte »SEITE 8

Spargel »SEITE 12

Leibspeise »SEITE 14

Vinotorium »SEITE 16

Gut badisch »SEITE 18

Kolumne »SEITE 19

Winzerbekenntnisse von Europa-Park-Sommelier Vincenzo De Biase »SEITE 20

Gewinnspiel »SEITE 21

Termine & Kalender »SEITE 22

Unterhaltung »SEITE 23

Titelbild: Renchtal Tourismus GmbH / Jigal Fichtner

IMPRESSUM:

Herausgeber: Oberkircher Winzer eG I Postanschrift Redaktion: YUPANQUI, Hauptstraße 57, 77652 Offenburg I Chefredakteur (v. i. S. d. P.): Rafael Yupanqui

Redaktion: Pascal Cames I Artdirektion: Luisa Engel I Fotos: Jigal Fichtner, Oberkircher Winzer eG, Renchtal Tourismus GmbH I Anzeigenleitung: Martin Benz

Produktion: YUPANQUI GmbH, Offenburg I Druck: Klaus A. Sturn, Grafik – Satz – Druck, Südring 6, 77704 Oberkirch I Auflage: 17.000

Bei dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Markus Ell, Martin Benz, Rafael Yupanqui, Luisa Engel, Julia Boschert, Sabrina Fritschi, Pascal Cames, Jigal Fichtner

VERITAS im Abo: Heftbestellung Tel. 07802 - 9 25 80


Genussvoller

FRÜHLING

Anne Obrecht ist nicht nur Baden-Württembergs erste Erdbeerkönigin,

sondern sie kommt auch aus Oberkirch. Jetzt, wo der Frühling beginnt,

hat sie bald wieder viel zu tun. Eine Königin hält Hof und muss ihr Ländle

bereisen. Ihre süße Mission: Erdbeeren in aller Munde!


IN WAHRHEIT SCHÖN

»Ein Haufen

Mineralien«

MINERALIENHALDE

WOLFACH

Eisen, Silber, Gold! In

der Ortenau wurde schon

immer nach Metallen

gebuddelt. In Oberwolfach

floriert bis heute der Berg-

bau in der 500 Meter

tiefen Grube Clara. Diese

gilt als das mineralienreichste

Bergwerk der Welt. Was nicht gebraucht wird,

landet auf der Mineralienhalde in Wolfach, die zu einer

wahren Fundgrube für Mineraliensammler geworden ist.

Mineralienhalde Wolfach, Wolfach-Kirnbach,

Saison: 30. März – 31. Oktober, jeweils Montag bis Samstag

9 –17 Uhr, Eintritt: Erwachsene 12,50 Euro, Kinder 7,50 Euro,

mineralienhalde.com

»Wild mit Wald«

KOCHBUCH

Für mehr Bauchgefühl in der Küche!

Dafür haben die beiden Freunde

Heiko Antoniewicz und Ludwig

Maurer ein wunderbares Buch gemacht,

das viel mehr ist als „nur“

ein Kochbuch. „Wilder Wald“ ist

eine Liebeserklärung an den Wald

in Wort und Bild. Ob nun Natur-

aufnahmen oder fotografierte Teller,

alle Fotos sind vom Feinsten. Die

„Jäger der verlorenen Küche“ haben

ihre Rezepte den vier Elementen

gewidmet. Die Rezepte sind kein

Hexenwerk und machen Lust auf die Natur. Wer hat schon

mal wilden Brokkoli gegessen? H. Antoniewicz, L. Maurer,

Wilder Wald, Matthaes Verlag, 240 Seiten, 69,90 Euro

»Fein mit Rotwein«

ROTWEINNUDELN

Badenern geht bei Nudeln Mund

und Herz auf. Während die einen

nach Sahnesoße schmachten,

möchten die anderen ein gediegenes

Sößchen mit Rotwein. Hand

aufs Herz, die Kochkunst ist hier

so groß, dass man es allen recht

machen kann. Sogar noch ein

bisschen mehr als recht, wenn es

zur Rotweinsoße noch Rotweinnudeln

und ein Glas Spätburgunder

gibt. Somit ist der kulinarische

Dreiklang perfekt!

Rotweinnudeln von Fischinger,

250 g, 2,80 Euro, erhältlich im

Laden (Renchen-Ulm) oder online

www.fischinger-nudeln.de

»Haufenweise

Medaillen«

VINUM NOBILE,

WEISSER BURGUNDER

Weintrinker lieben die Vielfalt und haben

darum immer einen Plan B in Keller oder

Kühlschrank. B wie Burgunder beispielsweise.

Der elegante Vinum Nobile Weisser

Burgunder alias Pinot blanc ist aber mehr

als nur „Plan B“ mit einem feinen Bouquet.

Der Weiße Burgunder begeistert rundum

die Weintrinker und überzeugte die Jury

bei der Bundesweinprämierung. Dieser

rassige Tropfen bekam bei der Bundesweinprämierung

Gold Extra, genauso wie

übrigens auch der Syrah und der Grauburgunder.

Dazu weitere Bronze- und

Silbermedaillen ... Vinum Nobile, Weißer

Burgunder, Qualitätswein trocken,

2018er, www.oberkircher-winzer.de

6


© Benedikt Spether

»Gut Holz«

GEMEINSINN: HÜTTENBAU FÜR TIERGARTEN UND (WEIN-)WANDERER

Cowboys? Farmer? Trapper? Das Blockhaus inmitten der

Weinberge von Tiergarten sieht zwar schwer nach „Wildem

Westen“ aus, aber gemach, so schmuck, prächtig und originell

können Holzhütten heute eben aussehen. So ungewöhnlich

die Architektur, so ungewöhnlich war auch der Weg von der

Idee zum Dach über dem Kopf.

Vor über fünf Jahren wurde während eines Workshops des

Ortschaftsrats Tiergarten zum ersten Mal über eine Hütte

in den Reben gesprochen. Es standen auch andere Ideen im

Raum, aber die verschwanden wieder, die Hütte jedoch blieb

eisern auf der Agenda. Als das große Jubiläum 2019 konkret

wurde, fand man, dass es Zeit war für die Holzhütte. Sozusagen

als Geschenk zum 700-Jährigen der Gemeinde an ihre

Bürger, denn bislang gab es so etwas noch nicht.

Jetzt kam eines zum anderen, nämlich das, was Badener

auszeichnet – vernetzen, schaffen, hilfst du mir, helf’ ich

dir und machen: Das Gelände in der Talsenke unterhalb der

Fatima-Kapelle gehört der Stadt Oberkirch, aber Bauherr

ist die Vereinsgemeinschaft Tiergarten, in dem alle Vereine

eingebunden sind. Das Geld wiederum stammt je zu einem

Drittel von der Ortsverwaltung Tiergarten, den Oberkircher

Winzern und aus dem Leader-Topf. Leader ist ein regionales

Entwicklungskonzept, das vom Land und der EU getragen

wird. Die Absicht: Stärkung des ländlichen Raums. „Ohne

Leader wäre es nicht gegangen“, stellt Martin Benz, seines

Zeichens Marketing-Chef bei den Oberkircher Winzern und

Ortsvorsteher von Tiergarten, heraus.

Beim Bauen war die katholische Landjugend der Aktivposten

mit den Muskeln. Aber bei einer Sache mussten alle

passen. Als das Holzhaus aus Bayern in seinen Einzelteilen

geliefert wurde, ließ man doch lieber eine ortsansässige

Zimmerei ran. Bei über 200 Einzelteilen wird’s halt doch ä

bissel knifflig. Nach der Einweihung 2019, natürlich begleitet

von den flüssigen Produkten der Natur ringsum, freuen sich

jetzt alle über diese Blockhütte, die mit Solaranlage, Stromaggregat,

Kühlschrank, Licht und Toilette keinen Vergleich

mit einem Vereinsheim scheuen muss.

Worin liegt der Unterschied zu einem herkömmlichen Vereinsheim?

In der lauschigen Umgebung! Auf der einen Seite

schaut man auf die Reben, auf der anderen auf ein Biotop

mit Weiden und Nussbäumen. Wanderer und Spaziergänger

haben jetzt eine Rastplatz fürs Picknick oder, wenn’s mal

regnet, einen Unterstand. Die Leute aus Tiergarten wiederum

haben eine feine Anlaufstelle für einen zünftigen Waldspeck

oder was man sonst so macht, um in aller Ruhe einen

Riesling zu genießen.

Weitere Fotos der tollen Hütte

und ihrer Bauphase finden Sie hier:

Infos: Ortsverwaltung Tiergarten, Tel. 07802 - 33 23

7


TITELGESCHICHTE

Achern

Genussheimat

Renchtal & Achertal

Kappelrodeck

5

Ottenhöfen

A5

4

Oberkirch

B28

6

7

In Paris gibt es Leute, die noch nie auf dem Eiffelturm waren.

Das ist zwar schade, aber keine Schande. Nächstes Wochenende!

In den Ferien! So vergeht Jahr um Jahr. Dieses Phänomen gibt

es auch in Renchtal und Achertal. Die Fatima-Kapelle oder ein

Spaziergang durch die Kirschblüten stehen bei manchen schon

lange auf der Agenda, andere träumen vom Karlsruher Grat ...

Für die schöne Jahreszeit haben wir zehn Tipps, die ein bisschen

wie Urlaub sind. Warum haben wir keinen Weintipp? Wir gehen

davon aus, dass der Urlaub daheim bei einem Glas Wein geplant,

besprochen und nacherzählt wird.

8

8


Seebach

3

1

Lautenbacher Hexensteig

2

2

3

Karlsruher Grat

Edelfrauengrab-Wasserfälle

1

Lautenbach

4

5

Mühlenweg

Fatima-Kapelle

6

Wallfahrtskirche

Mariä Krönung

10

7

8

Kirschblüten

Moosturm

Oppenau

9

10

Renchtalhütte

Zuflucht

B500

9

9


TITELGESCHICHTE

1

Lautenbacher Hexensteig

Wandertouren sind im Renchtal häufig prämiert und sagenhaft

gut. Erst recht der Lautenbacher Hexensteig mit seiner Sage

von der Hexe, die die Leute vom Weg abbrachte. Da jetzt auch

die Kappelrodecker einen Hexensteig haben, die Wege treffen

sich sogar, könnte es passieren, dass jemand von Lautenbach

nach Kappelrodeck wandert und andersherum. Die Hexen

haben ganze Arbeit geleistet! Start: Bahnhof Lautenbach,

Länge: 15,5 Kilometer, Wanderzeit: 5 Stunden.

© Renchtal Tourismus GmbH

Karlsruher Grat

2

Auch ein schöner Bergrücken kann entzücken. Der als Karlsruher

Grat bekannte Gebirgskamm bei Ottenhöfen ist der einzige

alpine Klettersteig des Schwarzwalds. Prädikat: Sehr anspruchsvoll!

Wer nicht klettern will oder kann, nimmt den Pfad

neben dem Fels. Aber vorher gilt es, die Aussicht zu bestaunen:

Wald, versteckte Schluchten und Berge, Berge, Berge. Der ausgeschilderte

Premiumwanderweg (14 km) startet idealerweise

am Wanderparkplatz bei den Edelfrauengrab-Wasserfällen.

© Adobe Stock

3

Edelfrauengrab-Wasserfälle

Nicht jede Wanderung beginnt so spannend: Zuerst wird es eng,

dann etwas dunkler, sofort etwas kühler. Wer vom Wanderparkplatz

dem Gottschlägbach bergauf folgt, ist gleich in einer

anderen Welt. Passend dazu ist an den Wasserfällen eine

ausgewaschene Höhle, die unter dem Namen „Edelfrauengrab“

bekannt ist. Gleich zwei Sagen kursieren. Von hier hat es

mehrere Wanderziele, z. B. auf den Karlsruher Grat oder zu den

Allerheiligen-Wasserfällen. Wasser und Wanderer marsch!

© Adobe Stock

Mühlenweg

4

Mühlen gehören zu den schlauesten Erfindungen der Menschheit.

Da es im Schwarzwald meist Wasser im Überfluss hat, drehte sich

auch das Mühlrad pausenlos. Dank Wasserkraft gab es Hammerschmieden

und Kornmühlen. Auch wenn bekanntlich alles anders

geworden ist, drehen und klappern die Mühlräder immer noch.

Zumindest im Mühlendorf Ottenhöfen. Der Mühlenweg (12 km)

beginnt am Bürgerhaus/Bahnhof in Ottenhöfen. Tipp: am Pfingstmontag

ist Mühlentag mit Folklore und Essen und Trinken!

© Tourist-Info Ottenhöfen

© Renchtal Tourismus GmbH

5 Fatima-Kapelle

Das Renchtal kennt viele Plätze für einen perfekten Sonnenuntergang,

die Fatima-Kapelle inmitten Tiergartens Reben ist

definitiv einer. Aber dieser Geheimtipp hat einen ganz anderen

Hintergrund: Die Fatima-Kapelle wurde 1962 zum Dank

gebaut für eine gesunde Kriegsheimkehr und dafür, dass

Tiergarten vom Krieg verschont blieb. Jedes Jahr an Pfingsten

findet hier ein Gottesdienst statt. Wer eine besondere

Stimmung erleben will, ist hier am richtigen Platz.

10


6

Wallfahrtskirche Mariä Krönung

In alter Zeit war diese Kirche das „Must-go“ im Rheintal. Von weit

her kamen Pilger, auf ein Wunder hoffend. Der Platz war schon

voller Mythen, eine von den Kelten verehrte Quelle war hier, vor

der Kirche schon eine Kapelle. Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert

im spätgotischen Still erbaut, und wie durch ein Wunder

blieb sie immer heil und wurde auch nie verschlimmbessert. Am

deutschen Oberrhein ist sie geradezu einmalig. Kirchenführungen

von Mai bis Oktober sonntags um 11 Uhr.

© Manfred Huber

Kirschblüten

7

Schnee ist rar, aber einmal im Jahr zeigt sich das Renchtal

ganz in Weiß. Die Kirschblüte Mitte April ist ganz wunderbar.

Ach! und Oh!, heißt es dann, sogar wer’s schon x-mal gesehen

hat, findet es wunderbar. Die einen genießen den Anblick der

18.000 Bäume von einem Hügel oder Weinberg, die anderen

radeln, spazieren oder wandern durch das Blütenmeer. Wer es

einmal gesehen hat, weiß, warum man in Japan die Kirschblüte

Hanami so groß feiert. Vielleicht sollten wir das auch tun?

© Christian Wolf

8

Moosturm

Tiefe Wolken, harter Wind. Was anderswo ein Grund zur

Umkehr wäre, ist für den Moosgänger (zu Fuß, zu Pferde oder

auf dem MTB) der wahre Genuss. Herrlich rau! Die Moos ist

der Hausberg der Ortenau, aber die schönsten Bergrouten,

so sagt man, kommen vom Renchtal hoch. Sogar ein großer

Dichter saß schon hier und schrieb darüber. Der einfache

Wanderer lässt sich auf dem Berg das Vesper schmecken

und macht ein Selfie mit Turm oder Panorama. „Ich war da!“

© Renchtal Tourismus GmbH

Renchtalhütte

9

Jeder Wanderer braucht etwas, das ihn antreibt: wildromantische

Landschaften, exponierte Aussichtspunkte, Schnapsbrunnen

oder eine Einkehr von Format. Wie gut, dass es im hinteren

Renchtal alles hat für eine perfekte Wanderung. Die gute Einkehr

in der rustikal-alpinen Renchtalhütte ist bemerkenswert,

denn dahinter steckt Zwei-Sterne-Koch Martin Herrmann vom

Hotel Dollenberg. Fürs Navi: Rohrenbach 8, 77740 Bad Peterstal-Griesbach.

www.renchtalhuette.de/anfahrt

© renchtalhuette.de

© Adobe Stock

10 Zuflucht

Radler kämpfen sich die Oppenauer Steige (18 % Steigung!)

hinauf, Wanderer machen gerne einen Schlenker dahin. Die

Zuflucht vis-à-vis der Schwarzwaldhochstraße ist das Ziel

aller Ziele. Hier gibt’s den definitiven Ortenauer Wow-Effekt

mit Fernsicht! Wir stellen fest: Der Schwarzwald ist groß,

mächtig, endlos – und wunderbar. Da setzt man sich gerne ins

Gras und blinzelt in die Sonne, während irgendwo da draußen

ein Drachenflieger seine Kreise zieht. Das ist ganz großes Kino.

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SPARGEL

12


Idealist & Macher

SUPERSPARGEL: WILLI WURTH

AUS ZUSENHOFEN HOLT DAS BESTE

AUS DER SCHWEREN ERDE HERAUS

Die Kälte ist schon nicht mehr so hart. Der Wind

riecht anders. Wir stellen fest: Da ist was in der

Luft. Richtig, der Frühling kommt und Baden

atmet auf. Es ist Spargelzeit und die großen

Töpfe stehen auf dem Herd, das Soßentöpfchen blubbert

und der frische Weißwein kommt wieder zu Ehren. Was

wäre Baden ohne seinen Spargel? Lag vor Jahrzehnten die

Hochburg in Nordbaden, so wächst heute Spargel fast überall,

sogar dort, wo es eigentlich unmöglich ist. Zum Beispiel

in Zusenhofen.

„Man muss ein Idealist sein“, ruft Willi Wurth (62) in

den Wind, während er die Folien auf den Spargelfeldern

wendet. Die schwere Folie flattert geräuschvoll. Mit den

Folien kann der Spargelbauer die Temperatur regeln. Ist

die schwarze Seite oben, wird es drunter wärmer und der

Spargel wächst schneller. Mit der weißen Seite wird es

dagegen kälter auf dem Acker und das Wachstum verlangsamt

sich etwas. Bei gutem Wetter wächst Spargel zehn

Zentimeter pro Tag. „Den besten, den schönsten Spargel“

hat Willi Wurth dann auf dem Acker. Bei Kälte und Regen

wächst er kaum, da hilft die schwarze Folie auch nicht viel.

Aller Anfang ist schwer

„Schwer war’s“, sagt Willi Wurth und meint nicht die Folie,

sondern die ersten Jahre. Blutjung, mit 18, übernahm er den

elterlichen Hof. Mit vier Hektar Fläche war Willi Wurths

Hof kaum überlebensfähig. Was tun? Er wagte sich an die

Sonderkulturen Erdbeeren und Spargel. Aber mit Spargel

hatte es hier noch keiner versucht. Aus gutem Grund:

Der Boden ist nicht locker und leicht, sondern schwer,

feucht und fest. Zusenhofen ist nicht Bruchsal. Wie will da

Spargel wachsen?

Aber mit viel Einsatz klappte es doch und nach und nach

sprach es sich herum, dass dieser Spargel das Prädikat

„weißes Gold“ verdient. Genau das, was den Anbau so

schwierig macht, macht auch die Qualität aus. Der schwere

Boden hat viel mehr Bodenpunkte (Mineralien) als ein

Sandboden. Sandboden hat ungefähr 20, 30 Bodenpunkte,

die Zusenhofener Erde dagegen zwischen 70 und 90! Das

ist die Erklärung für das „gewisse Etwas“, das bald ein

Gastronom aus Offenburg entdeckte. „Ja, die Gastronomie

ist stark“, sagt Willi Wurth über seine Kundschaft.

Mit dem Hofladen auf dem Acker ist ihm ein weiterer Coup

gelungen. Zwischen April und Ende Juni wird hier die lokale

Ökonomie gestärkt und die Lust auf Kuchen gestillt. Wer

seinen Großeinkauf saisonal und regional erledigen will,

kann das tun. Hier gibt es zig Salate, Säfte, Wein, Schinken,

Speck und vieles mehr sowie Kräuter, Soßen und Wein, was

prima zum Spargel passt. Mit dem Hofladen und 15 Hektar

Spargel ist Willi Wurths Betrieb gut aufgestellt. In drei

Jahren will er den Hof an seine Tochter Selina übergeben.

Die gelernte Obstbaumeisterin ist genauso im Thema wie

der Papa. Die andere Tochter, Sabrina, macht das Büro. Alle

drei essen natürlich sehr gerne Spargel. Selina Wurth mag

alle Varianten und ist offen für Neues wie zum Beispiel

Spaghetti mit grünem Spargel. Willi Wurth mag es klassisch

mit Schinken, Omelette und Sauce Hollandaise. Da geht das

badische Herz auf!

Obst- und Spargelhof Willi Wurth

Lindenplatz 17

77704 Oberkirch-Zusenhofen

Tel. 07805 - 2294

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LEIBSPEISE

Text: Pascal Cames Foto: Jigal Fichtner

14


Voll im Saft

HEISSER TIPP: DER LANDGASTHOF REBSTOCK IN OTTENHÖFEN

ERFINDET DIE BADISCHE WIRTSCHAFT NEU

Sportler? Unternehmensberater? Gastronom? Obwohl

Michael Höfer auch schon Anfang 50 ist, ist seine Ausstrahlung

jung und dynamisch. Wenn er spricht, könnte man auf

Unternehmensberater tippen (tatsächlich berät er auch Kollegen),

und wenn man im Landgasthof Rebstock sitzt, wird

klar: Küchenmeister! Aber der Reihe nach.

Einschlägige Erfahrungen hat Michael Höfer schon früh im

elterlichen Gasthaus Salmen in Grauelsbaum im Hanauerland

gemacht. „Mit elf habe ich schon Wurst gemacht, mit

zwölf gekocht“, erzählt er. Er lernte Koch im Stahlbad in

Baden-Baden und Metzger in Bühl. Es folgten zehn gute Jahre

als Chefkoch einer Privatklinik, dann der Ruf der Heimat.

Alles lief gut, bis zu einem verheerenden Brand am Dreikönigstag

2002. Er orientierte sich um und wurde im Achertal

fündig, wo er den arg in die Jahre gekommenen Landgasthof

Rebstock aus dem Tiefschlaf weckte. Die Sache lief gut an …

2011 hatte er einen Unfall. Dank eisernem Willen kann

er heute wieder seinen rechten Arm benutzen, aber ohne

Gefühl für Kälte oder Wärme. Also muss er sich auf seine

Küchenmannschaft verlassen, die wie „einer für alle, alle für

einen“ handelt und kocht. So gibt es keine Schwankungen in

Geschmack und Qualität. Und schnell ist sie auch noch!

„ICH BIN SO EINER,

DER WAS PROBIERT“

Michael Höfer hat sich viele Gedanken über Gastronomie

gemacht. Überall schließen die guten, alten Dorfgasthäuser.

Nicht nur Baden wird um seine heimische Gastronomie

ärmer. Da er nicht in die gleiche Falle tappen will, hat er

einiges geändert: neues Kassensystem, realistische Preise,

fesche Einrichtung und immer wieder was Neues. „Ich bin

so einer, der was probiert“, sagt er. Geradezu logisch, dass

man so die Auszeichnung „Schönes Gasthaus“ bekommt. Die

Karte bietet Abwechslung: Burger, Flammkuchen, Wild und

vieles mehr. Der Klassiker des Hauses ist das Steak in all

seinen Varianten, also Tomahawk, T-Bone, Rib Eye ... Die Steaks

kommen nicht auf den Grill, sondern in den Steakofen. Bei

800 Grad Hitze wird das Rindfleisch zart, die Oberfläche kara-

mellisiert, und da alles so höllisch schnell und heiß passiert,

bleibt der Saft im Fleisch. Fürs i-Tüpfelchen: Das Fleisch ist

top durchgereift.

Michael Höfer freut sich nicht nur darüber, dass es so gut

läuft, sondern auch, dass die anderen mitmachen. Seinen

beiden Töchtern Saskia und Mona hat er alle Freiheiten gelassen.

Die hätten auch was anderes machen können, sagt er,

sind aber auch mit Herzblut dabei. Seine Frau Christine, seit

30 Jahren mit ihm verheiratet, hilft auch mit und die Köche

sind treue Seelen. „Wir haben keine Personalprobleme“, sagt

er, was an der fairen Bezahlung liegt, ganz sicher aber am

Mikroklima des Landgasthofs und eventuell auch an den

Steaks. In dieser Mannschaft ist noch eine Menge Saft für

viele kulinarische Heldentaten.

Landgasthof Rebstock | Dorfstraße 1 | 77883 Ottenhöfen

Tel. 07842 - 99 66 36 | www.landgasthofrebstock.de

Hirschsteak an Rahmwirsing,

Spätzle und einem Birnen-

Preiselbeer-Chutney

ZUBEREITUNG:

Soße: Fleischreste (vom Metzger) würzen, scharf anbraten, zerkleinertes

Suppengemüse dazugeben, Tomatenmark unterrühren und mit Rotwein

und Wasser ablöschen und ca. 2 Stunden köcheln lassen. Soße absieben

und binden, ggf. würzen.

Wirsing: Wirsing putzen, waschen, blanchieren

und in Eiswasser abschrecken. Wirsing anschwitzen,

würzen und mit Sahne und Brühe

ZUTATEN:

einkochen, bis eine sämige Soße entsteht. Mit

4 Hirschsteaks à 250 g

Birnensaft ablöschen, würzen und einkochen

1 Wirsing

lassen.

1 Paprika

Chutney:

500 ml Brühe

Die Birnen schälen, würfeln und in Topf mit

1 Zwiebel

Butter und Zucker kurz anbraten. Marmelade

3 Birnen

dazugeben und mit Birnensaft ablöschen.

Preiselbeermarmelade

Würzen, leicht einkochen und kalt stellen.

Brauner Zucker

Steaks:

Die Steaks beidseitig scharf anbraten und

bei 80 Grad im Ofen ca. 10 Minuten ruhen lassen.

ANRICHTEN:

Den Wirsing mittig auf dem Teller anrichten und das Fleisch darauf

positionieren. Mit etwas Chutney garnieren und mit Soße verzieren.

Spätzle extra servieren.

WEINEMPFEHLUNG: Hex vom Dasenstein, Alte Rebe,

Spätburgunder Rotwein, Spätlese trocken

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VINOTORIUM

von links: Thomas Braun, Markus Ell,

Jürgen Müller, Matthias Stippich

16


4. DIGITALE INTERPRETATION DES KLASSISCHEN GEWÖLBES

KONZEPTSKIZZE DER ARCHITEKTEN (VEREINFACHT):

MITTELKOMPLEXE WEINE

EINFACHE/LEICHTE WEINE

KOMPLEXE WEINE

Mehr Raum für Wein

BADAP: DAS VINOTORIUM WURDE MIT DEM „INTERIOR DESIGN“-PREIS BEDACHT

Erfolgreich, erfolgreicher, noch erfolgreicher. Das

Vinotorium der Oberkircher Winzer ist viel mehr

als bloß ein zeitgemäßer Weinkeller. Von Anfang

an flogen dem unterirdischen Gewölbe die Herzen

zu. Dank seiner Konzeption schmeckt hier der Wein besonders

gut. Vergangenen Dezember bekam das Vinotorium den

Badischen Architekturpreis (kurz Badap) in der Kategorie

„Interior Design“.

Die Weinwelt verblüfft nicht nur durch ihre Produkte,

sondern auch immer mehr durch ihre Architektur. Der hierbei

nicht ganz unerfahrene DFB-Präsident und Kaiserstühler

Winzer Fritz Keller sagt dazu: „Mit Architektur gibt man

ein Statement für ein ganzes Leben ab.“ Das ist auch den

Oberkircher Winzern mit ihrem Vinotorium gelungen. Die

Besucher erleben bei Weinproben, dass der Wein aus dem

Glas – und aus dem Raum spricht. Mit Absicht!

der Wein beispielsweise in einem anderen Holzfass lagerte

und durch den Luftaustausch, aber auch durch den Kontakt

mit dem Holz zusätzliche Aromen entwickeln konnte.

Mit Onlinevoting auf Platz eins

Matthias Stippich berichtet, das er anfangs nicht so genau

wusste, wohin die architektonische Reise gehen sollte. „Das

war ein Experiment“, sagt er und freut sich umso mehr,

dass es aufgegangen ist und immer weitere Kreise zieht.

Architekten, Winzer und Privatleute interessieren sich für

das Vinotorium und wollen den Geist dieser „Kathedrale

des Weins“ spüren. Geschäftsführer Markus Ell berichtet,

dass sie von einem Unbekannten nominiert wurden. „Das

freut uns natürlich besonders“, sagt er. Auf den ersten Platz

kamen sie dank des Onlinevotings. Erst am Galaabend im

Einer der klugen Köpfe hinter dem Vinotorium ist Architekt

Matthias Stippich (Kollektiv Echomar), der als Oberkircher

sowieso eine Affinität zum Wein hat. „Wenn man aus Oberkirch

kommt ...“, sagt er. Gemeinsam mit dem Oberkircher

Architekturbüro Müller & Huber hat er das Projekt gestemmt.

Für Matthias Stippich war die Verbindung Wein und Architektur

von Anfang an offensichtlich. „Es gibt eine Parallele,

beide geben eine Sinneserfahrung.“

Die Holzdecke wurde zur Spielwiese, um die

Vinifizierung darzustellen. Die architektonische

Weinreise beginnt mit einer einfachen

kubischen Form, welche die Primäraromen

darstellen soll, geht über in ein Spitztonnengewölbe,

jetzt wären wir am Gaumen bei den

Sekundäraromen, und endet in der komplexen

Vielfalt der Tertiäraromen im Kreuzgratgewölbe.

Komplexe Vielfalt bedeutet, dass

Europäischen Forum am Rhein erfuhren die Oberkircher

Winzer von ihrem Glück. „Die Wahrnehmung ist enorm“,

erzählt Markus Ell, denn alle wussten plötzlich, dass die

Oberkircher Winzer gewonnen haben. „Zwar sind wir mit

Prämierungserfolgen nicht unerfahren“, sagt Markus Ell,

„aber über den Badischen Architekturpreis haben wir uns

doch ganz besonders gefreut.“

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GUT BADISCH

BURGE (N)

Typisch Baden. Wo ein Weinberg

ist, ist eine Burg nicht weit weg. Oft

thront sie auf einem Berg, manchmal

weht die badische Flagge auf dem

Turm, so es ihn noch gibt. Der Badener

sagt nicht Burgruine oder Burgen,

sondern „Burge“ oder auch „Schloss“,

auch wenn ein Schloss bekanntlich

was anderes ist. Badens Burge haben

viele Bauherrn: Staufer („Herzog

Friedrich zieht am Schweif seines

Pferdes stets eine Burg hinter sich

her“), Zähringer, Bischöfe sowie Ritter

Kunibert und andere Edelleute.

Burgen waren dazu da, um Zoll einzutreiben

und Städte, Dörfer und Marktplätze

zu schützen. Denn Gold- und

Silbertaler zogen Faustrecht und Raubrittertum

an wie ein Misthaufen die

Fliegen. Also brauchte es jemand, der

das Schwert führen konnte. Das waren

die Ritter. Dank Schwarzpulver und

Feuerkraft verschwanden die Rittersleut’

bald aus der Weltgeschichte, aber die

Burgen blieben mit ihren Besatzungen.

Auftritt der Franzosen. Die

ballerten und sprengten Ende

des 17. Jahrhunderts alles weg

und übrig blieben mehr oder

weniger pompöse Steinhaufen,

die langsam zuwucherten.

Bekanntlich finden sich auch

im tiefsten Wald Burge, wie

zum Beispiel die Fürsteneck

bei Butschbach.

Im 19. Jahrhundert hätten

manche gerne alle Burgen

abgetragen. Wozu auch Burgen?

Braucht man nicht mehr!

Wieder andere wollten die

Gemäuer schön romantisch

auf- und ausbauen, wie es

dann in Ortenberg oder auf

der Hohkönigsburg im Elsass

geschah. Ganz oft hat man

nichts gemacht. Zum Glück!

Man stelle sich vor, die Burg

wäre wieder bewohnt. Dann

dürfte wahrscheinlich kein

Besucher hinein und die

Bewohner hätten doch keine rechte Lust, darin zu

wohnen. Ständig würde jemand klingeln und es

wäre auch zugig. Die Heizkosten wären immens,

der CO2-Fußabdruck verheerend und es würde

heißen, dass es spukt. Aber es wäre doch nur der

fluchende Burgherr, der nachts mit eisigen Füßen

aufs Klo trippelt. „Saukalt …“

Da dem nicht so ist, sind Badens Burgen Wanderziele

(Burgschenke!), Picknickplätze, Festplätze

und gute Orte für großartige Landschaftsfotografien,

auch ohne Drohnen. Eine Burg zeigt

an, auf welchem Gestein die Reben stehen. Im

Badischen ist es meistens der graue Granit. Eine

Burg ist quasi das i-Tüpfelchen der badischen

Weinlandschaft. Man stelle sich das Renchtal

ohne Schauenburg vor!

Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden,

dass es in alter Zeit auch Burgen in der Ebene

gab. Diese hatten meist einen Burggraben zum

Schutz. Aber die Gräben wurden aufgefüllt und

die Steine vollständig abgetragen. (Ausnahmen

bestätigen die Regel.) Wer will schon in der

Ebene wandern? Auf dem flachen Land braucht

kein Mensch Burge.

18


DIE WEINKOLUMNE

MIT VINCENZO DE BIASE

Wein

Lesen

W EIN TRIFFT INS HERZ

E ST 1973

Jahrgänge

als Sommelier stehe ich nicht nur im Restaurant, sondern

auch im Weinkeller, den ich bewirtschaften muss.

Bei meinen Einkäufen richte ich mich nach Sorten,

Regionen und Jahrgängen. Mal ist das eine Weingebiet

stark, dann das andere. Bei bestimmten Jahrgängen

weiß ich, dass ich sie erst in zwei, drei oder vier Jahren

meinen Gästen anbieten kann. So mache ich es dann

und meine Gäste sind glücklich.

Sind Jahrgänge auf der ganzen Welt gleich? Nein, natürlich

nicht, wenn es für Baden ein gutes Jahr war, dann

kann es in Bordeaux oder in der Toskana ganz anders

gewesen sein. Es kommt also auf die Weinregion an und

auf das Wetter. Es kommt aber auch auf die Rebsorte

an, denn die eine verträgt viel Sonne, die andere nicht

ganz so viel. Weil man nicht weiß, was die Natur macht,

ist jedes Jahr anders. Für Weintrinker steckt somit das

Leben voller Überraschungen.

Von einem großen Jahrgang kann ich erst sprechen,

wenn für die Weinregion mit ihren typischen Rebsorten

alles ideal gelaufen ist: der letzte Frost zum richtigen

Zeitpunkt, Regen, wo nötig, nicht zu viel Sonne, aber

auch nicht zu wenig ... Dann ist der Zuckergehalt in der

Traube genau richtig und die Säure auch. Weinkenner

schmecken in so einem Wein das Terroir heraus, also

die Landschaft, die Böden, das Klima. Sommeliers und

andere Profis können die verschiedenen Jahrgänge

glasklar herausschmecken und unterscheiden.

Große Jahrgänge werden meistens mit Rotweinen in

Verbindung gebracht. Einen Rotwein kann ich lagern.

Es bringt aber gar nichts, wenn ich den Wein meinen

Gästen zu früh anbiete. Da hat man keinen Spaß damit.

Auch Weißweine können eingelagert werden, aber

nicht so lange. Kürzlich habe ich einem Gast einen

Grauburgunder Jahrgang 2017 zum Essen empfohlen.

Der Gast war sehr skeptisch. Vielleicht war ihm der

Wein schon zu alt? Wie immer sagte ich: „Probieren

Sie!“ Die Reaktion: „Boah ey!“ Sehen Sie! Das war ein

schönes Erlebnis!

Beim Thema Jahrgang schauen fast alle in die Vergangenheit,

aber manche schon in die Zukunft. Der Wein

ist noch im Keller, häufig noch gar nicht auf der Flasche

und schon möchten die Leute wissen, wie der 2019er

wird. Guter Jahrgang? Wie ein Wein wird und ob er überhaupt

schmeckt – bekanntlich sind die Geschmäcker

unterschiedlich – weiß ich erst, wenn der Wein auf der

Flasche ist. Aber so viel ist sicher: Das Jahr war für

Baden gut, auch wenn die Beeren kleiner waren und

weniger Saft hatten. Die Natur hat wieder mal ganze

Arbeit geleistet und die Winzer werden ihre Chance

nutzen. Probieren Sie! Bald ist es ja so weit.

Herzlichst

Ihr

VERITAS-Kolumnist Vincenzo De Biase stammt

aus der Basilicata in Süditalien und lebt und liebt

Wein. „Würde ich noch mal auf die Welt kommen,

würde ich es wieder machen“, sagt er über

seinen Beruf als Sommelier im Europa-Park.


WINZERBEKENNTNISSE

»... zu viel? Was ist das?«

Nichts als Wahrheiten. Mitarbeiter erzählen, was ihnen zum Wein schmeckt, und andere Bekenntnisse.

Name: Manuel Cavero Garcia // Alter: 42 //

Wohnort: Kappelrodeck // Leibspeise: badischer

Sauerbraten (in Wein eingelegt) //

Hobby: Wandern, Zeit mit der Familie verbringen

(und manchmal auch mit einem Gläschen Wein) //

Lieblingsplatz: am Dasenstein (was für eine

Aussicht) // Am Wein mag ich besonders: … dass

hier noch Handwerk und die Liebe zum Produkt

für jeden erlebbar gemacht werden. //

Wenn ich ein Glas zu viel getrunken habe:

... waren die Gespräche und Geschichten besonders

schön und man hat die Zeit vergessen.

Mein Traumpartner für ein Glas Wein:

natürlich meine Frau

Name: Heike Bürk // Alter: 47 // Wohnort: Kappelrodeck

// Leibspeise: Fisch in allen Variationen //

Hobby: Wandern im Schwarzwald // Lieblingsplatz:

Sonnenuntergang auf der Hornisgrinde //

Mein Traumpartner für ein Glas Wein: natürlich

mein Mann // Wenn ich ein Glas zu viel getrunken

habe: … war es ein gelungener Abend.

Am Wein mag ich besonders:

die Vielseitigkeit der Weine

Name: Susanne Kimmig // Alter: 48 // Wohnort: Ottenhöfen //

Leibspeise: Sauerbraten mit Serviettenknödel, zubereitet

nach dem Rezept meiner Mama // Hobby: da gibt es viel ...

Laufen, Radeln, Lesen … // Lieblingsplatz: daheim in unserem

Garten // Mein Traumpartner für ein Glas Wein: gemeinsam

mit Familie und Freunden in geselliger Runde // Am Wein

mag ich besonders: seine Vielseitigkeit und seine Gabe,

mit einem Gläschen den Tag gemütlich ausklingen lassen

zu können!

Wenn ich ein Glas zu viel

getrunken habe:

… dann war es mit Sicherheit

ein gelungener Abend in

toller Gesellschaft!

Name: Tassilo Viel // Alter: 34 //

Wohnort: Kappelrodeck //

Leibspeise: Gegrilltes, Flammkuchen oder

ein zünftiges Vesper // Hobby: mit dem

Mountainbike und Freunden neue Trails

entdecken // Lieblingsplatz: Hauptsache,

draußen, auch gerne in fernen Ländern //

Am Wein mag ich besonders: Die Handschrift

der Natur, des Winzers und des

Kellermeisters in jeder Flasche entdecken //

Wenn ich ein Glas zu viel getrunken habe:

… zu viel? Was ist das?

Mein Traumpartner für ein Glas Wein:

… ist nicht jugendfrei

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Viel Glück!

TRINKEN & GEWINNEN

Menü für zwei Personen

Gewinnen Sie ein Schlemmermenü für zwei Personen mit begleitenden Weinen

der Oberkircher Winzer im Hotelrestaurant „Engel Obertal“ in Baiersbronn.

FRAGE:

„Platz 1“

Welcher unserer Weine gewann

2019 die Gold-Extra-Medaille?

MITMACHEN BIS

31. 07. 2020

Zu gewinnen gibt es ein Schlemmermenü für zwei Personen mit begleitenden Weinen der Oberkircher Winzer

im Hotelrestaurant „Engel Obertal“ in Baiersbronn. Und so geht’s: Einfach die Antwort auf unserer Facebook-Pinnwand

(www.facebook.com/oberkircherwinzereG) posten oder eine E-Mail an info@oberkircher-winzer.de senden.

Alternativ können Sie uns die Lösung auch auf einer Postkarte an folgende Adresse senden: Oberkircher Winzer eG, Renchener Straße 42, 77704 Oberkirch. Nur ausreichend

frankierte Einsendungen mit vollständiger Absenderadresse nehmen an der Verlosung teil. Einsendeschluss ist der 31. 07. 2020. Teilnehmen kann jeder mit Ausnahme der Mitarbeiter

der beteiligten Unternehmen und deren Angehörigen. Eine Barauszahlung des Gewinnes und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

Gewinnerin des letzten Gewinnspiels: Annemarie Kuhn-Fetzer, Frankfurt am Main

SCHÖN

„Wie man zum Weinkenner wird?

Trinken, lesen, trinken, lesen.

Sie dürfen allerdings nur so viel

trinken, dass sie noch lesen können.“

Joschka Fischer (Ex-Außenminister)

WELTWEIT WEIN

Der Schriftsteller Ernest Hemingway

(1899 –1961) war bekanntlich dem

Alkohol zugetan. Als junger Mann

nahm er zum Skifahren in Schruns

(Vorarlberg) gerne mal ein Fässchen

Rotwein mit auf die Skihütte.

(Quelle: Ernest Hemingway „Paris.

Ein Fest fürs Leben“)

GESAGT

21


TERMINE & KALENDER

TERMINE

THEMA DATUM ORT

Burgunderfest

Winzerkeller Hex

vom Dasenstein

17. Mai 2020 Kappelrodeck

Badische Weinmesse 9. + 10. Mai 2020 Messe Offenburg

© Messe Offenburg

Fest der Sinne 7. Juni 2020

Oberkircher

Winzer eG

BADISCHE WEINMESSE

Oberkircher Weinfest 4. – 7. September 2020 Oberkirch

Das Muss im Frühjahr für Weinfreunde

und Genießer! Die Badische Weinmesse versammelt

Badens beste Weinerzeuger. Weiter

im Programm: Winzersekt, Destillate, Whisky,

Rum und andere Schmankerl. Als Gastland

reist das Burgenland an.

Rebhäusle Weinwanderung

mit kulinarischen

Köstlichkeiten

Ortenauer Weinfest

19. September 2020

25. – 28.

September 2020

Oberkircher

Winzer eG

Offenburg

Nähere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten Sie auf

unserer Website unter: www.oberkircher-winzer.de

KALENDER 2020

© Tine Acke

MUSIK & KUNST DATUM ORT

Anna Depenbusch

„Echtzeit Tour“

Samstag,

14. März 2020

Kulturzentrum

Tollhaus Karlsruhe

Jini Meyer „Frei Sein“

Freitag,

24. April 2020

Jazzhaus Freiburg

Iggy Pop

Mittwoch,

15. April 2020

Salle Erasme,

Straßburg

UDO LINDENBERG

Udo Lindenberg ist immer noch eine

coole Socke. Anfang des Jahres kam

die Filmbiografie „Lindenberg!

Mach dein Ding“ in die Kinos, jetzt

tourt er wieder. Auch wenn der

Rocker schon über 70 Lenze zählt,

keine Panik auf der Titanic,

Udo hat’s immer noch drauf!

Anne Clark

Nick Mason’s

Saucerful Of Secrets

Udo Lindenberg

Sonntag,

17. Mai 2020

Mittwoch,

20. Mai 2020

Dienstag,

16. Juni 2020

Kulturzentrum

Tollhaus Karlsruhe

Konzerthaus Freiburg

Messe Freiburg

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UNTERHALTUNG

Humor

Rätsel

1. Was bezeichnet ein Château?

2

2. Um Wein „Luft zum Atmen“ zu geben, füllt man ihn in ein bauchförmiges

Gefäß mit langem Hals. Wie heißt dieser Vorgang?

3. Den Einfluss von Klima, Bodentyp und Winzerkunst

auf den Wein bezeichnet man als ...

1

4

3

1

3

5

7

4

6

2

6

Lösung

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

Die Lösung finden Sie ab dem 31.07.2020 auf unserer

Facebook-Seite oder unter: www.oberkircher-winzer.de

8

4. Wie heißt die Drahtkonstruktion, mit der Sektkorken befestigt werden?

5. Einen überalten Wein, der oxidiert ist, bezeichnet man als ...

6. Welche Flasche gilt als ideal für feinen Wein, da die Alterung

und Flaschenreifung langsamer erfolgt?

5

23


Ehrenpreis

der Weinbruderschaft Baden-Württemberg

Winzerkeller Hex vom Dasenstein

Bester

nationaler Erzeuger Deutschlands

AWC Vienna

Oberkircher Winzer

Internationaler Weinpreis

Mundus Vini

„Bester Betrieb Badens“

Oberkircher Winzer

Von links: Alois Huber,

Martin Bäuerle, Markus Ell,

Frank Männle, Franz Männle

und Thomas Hirt

Badischer Architekturpreis

„Interior Design“

Oberkircher Winzer

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