Räume für Kinder

JovisVerlag

ISBN 978-3-86859-620-5

2

SEITE


aukind — Architektur für Kinder

Nathalie Dziobek-Bepler

Räume

für

Kinder

Gestaltung

auf Augenhöhe

Pädagogik + Architektur + Design


INHALT

— FOKUS

SEITE 6

Starke Kinder — starke Gesellschaft

— Vorwort

04

SEITE 20

Bewegung

— Motor der Entwicklung

SEITE 9

01 Kinderstimmen

Interview — Bobby und Tom

05

SEITE 36

Multifunktion

— Mehr kann mehr

02

SEITE 10

Vom „Aufbewahrungsort“ zu den

Spiel- und Lernräumen der Gegenwart

06

SEITE 50

Erlebnisbäder

— Sinneserfahrung pur

03

SEITE 18

Interview — Pädagogik

Markus Schindler

07

SEITE 66

Übergangsräume

— die Qualität des Dazwischen


INHALT

08

SEITE 80

Interview — Design

Karin Schmidt-Ruhland

— PROJEKTE

SEITE 92

11 Fröbel–Kita

— von urbanen Strukturen zur wilden Natur

SEITE 82

09 Wie funktioniert Kitabau?

SEITE 112

12 Kita Weltenbummler

— meine Gruppe, meine Farbe

SEITE 90

10 Interview — Architektur

Nathalie Dziobek-Bepler

SEITE 128

13 Kita CompanyKids

— Seemannsgarn, Hafenluft und Nebelhörner

SEITE 146

14 Kinderzahnarztpraxis Kinderlieb

— der Angst die Zähne zeigen

SEITE 158

15 Kita KiKu Kinderland

— das Erlebnis in der Nische

SEITE 174

Danksagung

SEITE 176

Literatur und Abbildungen


VORWORT

Starke Kinder

— starke Gesellschaft

Gestaltung auf Augenhöhe

fördert die Entwicklung von Kindern

Kindgerechte Architektur entsteht, wenn es uns

Erwachsenen gelingt, die Perspektive von Kindern

einzunehmen. Begegnen wir ihnen auf Augenhöhe

und verstehen ihre Bedürfnisse, können wir ein

Umfeld für sie schaffen, das anregend, schützend

und flexibel zugleich ist. Hierin liegt die besondere

Herausforderung und Aufgabe, wenn es darum

geht Räume von der pädagogischen Einrichtung

bis hin zur Kinderarztpraxis zu gestalten.

Kinder fühlen, denken und empfinden anders als

Erwachsene. Sie reagieren auf ihre Umgebung

intuitiv, direkt und unvoreingenommen. Ihre Umgebung

erschließen sich Kinder, indem sie sich in ihr

bewegen, sie fühlen und erforschen. Kinder füllen

Raum nicht nur mit Leben, sie erleben diesen ganz

unmittelbar durch ihre Körperlichkeit und sind

empfänglich für feinste sensorische Einflüsse.

Wie können Räume gestaltet werden, damit

sie die Entwicklung von Kindern fördern?

Die Bedürfnisse von Kindern sind sehr individuell

und vielschichtig. Es gilt die große Spanne der

motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten

der ersten Lebensjahre zu kennen und zu

berücksichtigen. So wie die Erkenntnisse aus der

Entwicklungsforschung dabei helfen altersgerecht

zu entwerfen, ermöglichen gezielte Sicherheitsvorkehrungen

den Kindern große Bewegungsfreiheit.

Durch eigenmotivierte Aktivität in einer offen und

gleichzeitig sicher gestalteten Umgebung erfahren

Kinder einen neuen Handlungsspielraum, erleben

sich als selbstbestimmt, freuen sich über Erfolge,

überwinden Misserfolge und Hindernisse. Bewegungsfreiheit

und Selbstbestimmung sind prägende

Erlebnisse. Eine Auseinandersetzung mit

unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen und

dem Konzept des Trägers ist wichtig und notwendig.

Reformpädagogische Richtungen prägen seit

langer Zeit eine ganzheitliche Sicht auf das Kind

und die Pädagogik.

Erste Ansätze einer ganzheitlichen Pädagogik

sind bereits im 18. Jahrhundert bei dem Pädagogen

Johann Heinrich Pestalozzi zu erkennen,

der die Vermutung aufstellte, dass Kopf, Herz und

Hand eine Lerneinheit bilden. Heute ist das eine

wissenschaftlich fundierte Gewissheit. Es gilt also

anzuerkennen, dass mit allen Sinnen, mit Verstand,

Gemüt und Körper gelernt wird, und daraus sind

die entsprechenden Schlüsse bei der Gestaltung

von Räumen zu ziehen. Ziel ist es, eine Ausgewogenheit

zwischen Anreiz und Ruhe, zwischen

Geborgenheit und Herausforderung zu erreichen.

Dieses Buch zeigt wie Zonierung, Grundrissplanung,

Material und Farbe in Kombination mit

Akustik, Licht, Natur und Wasserspiel eingesetzt

werden können, um Räume zu schaffen, die Kommunikation,

soziale Interaktion und Bewegung

fördern und Spaß machen. Die wohl größte

Herausforderung bei der Gestaltung liegt jedoch

in der Bewältigung des Spagats zwischen den

komplexen Sicherheitsvorschriften und der Schaffung

von spannenden Angeboten. Die Gestaltung

fordert und fördert nicht nur die Kinder, sondern

sollte auch die Erwachsenen im Blick behalten

SEITE 6


VORWORT

und damit den Bedürfnissen aller Beteiligten

gerecht werden. Eine durchdachte Raumgestaltung

unterstützt das Team bei seiner täglichen

Arbeit und berücksichtigt den Austausch zwischen

Eltern und ErzieherInnen.

Über die Nutzung im Kitaalltag hinaus wird in

vielen neuen Einrichtungen eine Mehrfachnutzung

und damit eine Öffnung des Sozialraumes

angestrebt. So kann in der Planung neben dem

Gebäude und dem angrenzenden Außenraum

auch das räumliche und soziale Umfeld der Kita

miteinbezogen werden. Ob Bastelnachmittage

mit SeniorInnen aus dem benachbarten Pflegeheim,

die gemeinsame Nutzung der Küche

mit der Volkshochschule, die Öffnung eines

Vorplatzes, um Verbindungen innerhalb des

Quartiers zu schaffen, oder Angebote zu Eltern-,

Jugend- und Familienarbeit – die Möglichkeiten

sind zahlreich und der Mehrwert ist groß. Sind

Kindergarten, Schule und Hort eng mit ihrer

Nachbarschaft verknüpft und öffnen sie sich für

Jung und Alt, werden sie zu einem gesamtgesellschaftlichen

Treffpunkt, einem Ort für Erfahrungsaustausch

und gelebte Gemeinschaft.

Kindgerechte Gestaltung sollte an allen Orten,

an denen sich Kinder aufhalten, mitgedacht

werden – im öffentlichen Raum, in Schulen, Arztpraxen

und Museen. Überall gilt es, Kindern auf

Augenhöhe zu begegnen und ihnen Vertrauen

in ihre eigenen Fähigkeiten zu schenken. So entsteht

Selbsttätigkeit und aus dieser resultieren

ein positives Selbstbild sowie Selbstbewusstsein.

„Wir planen für Kinder,

und das soll für sie und

auch die Erwachsenen

erfahrbar sein.“

Mehr als 100 Kinder-Bauprojekte verschiedener

Größe und Anforderung hat das Architektur- und

Designbüro baukind seit der Gründung 2011

bearbeitet und umgesetzt. Ob Neubau, Umbau

oder Sanierung – es sind immer die kleinsten und

jüngsten Mitglieder der Gesellschaft, die im Fokus

stehen. Die Entwürfe übersetzen unterschiedliche

pädagogische Ansätze in ein architektonisches

Konzept und unterstützen mit einer ganzheitlichen

und kindgerechten Gestaltung die Entwicklung

und die Selbstständigkeit von Kindern. „Vertrauen

in Kinder“ lautet die Grundhaltung. baukind

bringt Kindern das Vertrauen entgegen, dass sie

die Kompetenz haben, nach ihren Bedürfnissen

zu handeln. Die Umgebung soll dabei so gestaltet

werden, dass sich das Kind frei und selbstbestimmt

darin bewegen kann.

7 SEITE


Kleine Türen in den Proportionen der Kinder

schaffen neue Erfahrungswelten – Die Kinder

fühlen sich ernst und für voll genommen.


PÄDAGOGIK UND RAUM — 02

Für den dänischen Familientherapeuten Jesper

Juul (1948–2019) steht das „kompetente Kind“ im

Mittelpunkt: Kinder sind von Geburt an sozial und

emotional ebenso kompetent wie Erwachsene –

nach seinem Verständnis brauchen Kinder keine Erziehung,

sondern Beziehungen: „Kinder werden mit

allen sozialen und menschlichen Eigenschaften geboren.

Um diese weiterzuentwickeln, brauchen sie

nichts als die Gegenwart von Erwachsenen, die sich

menschlich und sozial verhalten.“ 4 Die Umgebung

ist für Jesper Juul, genau wie die Beziehungen, ein

flexibles Gebilde, das sich anpassen und mit den

Kindern und Erwachsenen, die diesen Raum nutzen

und beleben, verändern kann und soll.

Die Geschichte der Kindergärten und Kitas beginnt

düster, streng und still. Es ist ein langer Weg von

der rein funktionalen Kinderbewahranstalt bis

zum humanistisch geprägten Kindergarten der

Gegenwart. Die Notwendigkeit von Kinderbetreuung

wächst mit der Industrialisierung. Vor allem in

England entwickeln sich ab 1826 Einrichtungen, in

denen bis zu 150 Kinder in einem Raum kontrolliert

und beaufsichtigt werden. Gespielt wird hier nicht,

die Kinder müssen auf Tribünen stillsitzen. Ziel ist

„eine frühzeitige Erziehung zu Respekt, Ordnung

und Gehorsam.“

Diese dunklen Vorformen sind heute verdrängt

und vergessen. Das sprachliche Bild sowie den

Begriff des Kindergartens prägt Friedrich Wilhelm

August Fröbel (1782–1852) Mitte des 19. Jahrhunderts.

Für den Pädagogen, Wissenschaftler und

Schüler Pestalozzis sind Kinder wie Blumen: „Man

muss sich zu ihnen niederbeugen, wenn man sie

erkennen will.“ Außerdem sollen „Kinder […] nicht

bewahrt und nicht belehrt werden. Sondern glücklich

sollen sie im Sonnenlicht wachsen, erstarken und

sich entwickeln.“ 5

Maßstäbe bewusst aufzulösen

und mit ihnen zu spielen, lenkt

die Aufmerksamkeit auf die

kindliche Perspektive

Der angegliederte Garten als Freiraum für Fröbels

ersten Kindergarten, gegründet 1840 in Bad

Blankenburg, bildet den zentralen Punkt seines

pädagogischen Gesamtkonzepts, das sich wie die

Raumgestaltung erstmals an den Bedürfnissen der

Kinder orientiert. Die Erlebniswelt der Kinder wird

als gleichwertig wahrgenommen und Kinder werden

nicht mehr als Miniaturausgaben von Erwachsenen

definiert. Der „freie, denkende, selbsttätige

Mensch“ 6 ist das ausgesprochene Erziehungsziel

von Friedrich Fröbel. Anstatt beaufsichtigt und

bewacht, werden die Kinder bei Fröbel gefördert

und von ausgebildeten ErzieherInnen betreut – sie

lernen durch Spielen. Darin sieht der Pfarrerssohn

schließlich die höchste Stufe der Kindesentwicklung:

Im Spiel können Kinder die Welt erfahren.

F. Fröbel —

„Spiel ist die höchste Form

der Kindesentwicklung.“

Friedrich Fröbel bringt Farbe in die Einrichtungen,

definiert „Tätigkeitsbereiche“ für unterschiedliche

Aktivitäten und entwickelt die sogenannten „Spielgaben“

– Klötze, Zylinder und Kugeln für das freie

Spiel. Der Fröbel’sche Kindergarten markiert einen

entscheidenden Wendepunkt hinsichtlich der

Pädagogik und bezieht erstmalig Kinder, Eltern,

Öffentlichkeit und das aktuelle Umfeld mit ein. Die

Selbstbildung durch die sogenannte „Spielpflege“

und die Überzeugung, dass sich Kinder aus einer

intrinsischen Motivation heraus ihre Umwelt aneignen

und spielerisch lernen, beruhen auf der noch

heute aktuellen Arbeit Friedrich Fröbels.

13

SEITE


04 — BEWEGUNG

04

Bewegung

— Motor der

Entwicklung

Raumgestaltung,

die bewegt

Bewegung ist ein kindliches Grundbedürfnis und

gilt als erste und wichtigste Kommunikationsform

des Kindes. Bewegung steigert das Wohlbefinden

und das Selbstwertgefühl. Wenn Kinder erleben,

dass sie imstande sind, etwas zu leisten, und dass

ihre Handlungen eine Folge haben, stärkt das ihr

positives Selbstbild.

Es ist für Kinder elementar, ihre Körperlichkeit zu

spüren, zu erproben und Erfolge wie auch Misserfolge

direkt und unmittelbar am und mit dem

eigenen Körper zu erfahren. Diese Erfahrungen

wirken weit über die Ausbildung der motorischen

Fähigkeiten hinaus, die eng mit der kognitiven

Entwicklung verknüpft sind.

Erkenntnisse der Neurowissenschaften zeigen,

dass körperliche Aktivität und der Gebrauch aller

Sinne die Bildung von Synapsen und die Aktivierung

von Neuronen zur Folge haben. Gerade frühkindliche

Bewegungserfahrungen haben bedeutende

Effekte auf Gehirn und Gedächtnis.

Heute verbringen Kinder viel Zeit in Innenräumen

und bewegen sich zu wenig. Übergewicht und

Bewegungsmangel sind die Folgen. „Während

für den Erwachsenen zum Erhalt der körperlichen

Leistungsfähigkeit eine zwei- bis dreimalige körperliche

Belastung von etwa 60 Minuten in der Woche

durchaus als ausreichend angesehen werden kann,

benötigen Kinder zum Aufbau ihrer organischen

Funktionen eine tägliche Belastungseinheit von

mindestens zwei Stunden“ 9 , meint der Sport- und

Bewegungswissenschaftler Dieter Breithecker.

Ein Sprichwort lautet: „Fallen gehört zum Laufenlernen.“

GestalterInnen müssen sich gerade beim

Entwerfen von Bewegungsangeboten dem Spagat

der Alters- und Entwicklungsunterschiede und der

jeweils erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen

stellen. Es ist ein Balanceakt zwischen Sicherheit

und dem, was Kindern zugetraut werden kann oder

zugetraut werden sollte. Es gilt, Räume zu schaffen,

die Kinder nicht bremsen, sondern dazu anregen,

sich mit Freude zu bewegen.

SEITE 20


04 — BEWEGUNG

— Wo und wie kann

Bewegung entstehen?

Grundrissplanung

Offene Raumkonzepte mit Verbindungen

zwischen den Räumlichkeiten ermöglichen

Raum für Bewegung. Eine zentrale

Anordnung sowie die Nutzung von Fluren

als Spielräume ermöglichen es den Kindern,

sich frei und in ihrer Geschwindigkeit zu

bewegen. Rundläufe durch mehrere Räume,

von innen nach außen und zurück, regen

Kinder zur Bewegung an.

Treppen

Raumgreifende Bauteile wie Treppen

bieten eine ganze Bandbreite an Bewegungsoptionen.

Sie sind Treffpunkt,

Spielobjekt und aus ihrer reinen Funktion

heraus ein aktivierendes Element.

Werden sie durch Rutschen, Höhlen oder

Kletterregale ergänzt, ergibt sich eine

vielfältige Bewegungspalette.

Podeste

Einbauten und Hochebenen erweitern die

Freiflächen und bieten zudem Stauraum

für Matratzen, Sportgeräte und Spielzeug.

Gerade in kleineren Einrichtungen, in

denen Platz purer Luxus ist, sind solche

Lösungen von großem Wert und ermöglichen

zusätzliche Bewegungsangebote.

SEITE 22


BEWEGUNG — 04

Lose Elemente

Bälle und Polster erweitern das Körpererleben.

Im Bällebad können Kinder ihren

Bewegungsdrang in alle Richtungen

ausleben. Lose Polster sind Baumaterial

und Turngerät zugleich und bieten den

Kindern eine freie, kreative und selbstbestimmte

Form der Bewegung.

Rampen und Stufen

Stufen, Schrägen, Rampen und Rutschen

sind Spielmagnete und bieten altersübergreifende

Bewegungsanreize. Es

braucht nicht viel, um aus einem kleinen

Podest eine motorische Herausforderung

zu machen und neue Spiel- und Bewegungswelten

zu eröffnen.

Erste Bewegung

Eine Bewegungsbaustelle für Krabbelkinder

entsteht durch vermeintlich kleine

Details. Schon geringe Höhenunterschiede,

Haltestangen und frei schwingende Elemente

stellen eine Mutprobe dar und sind Trainingsfeld

für die körperliche Entwicklung.

23

SEITE


04 — BEWEGUNG

Lose Elemente

— kreatives Chaos

Bällebäder und lose Polster schaffen Raum für freie

Bewegung und kreatives Chaos. Ins Bällebad tauchen

alle Kinder gerne ein. Es schult ihre Wahrnehmung,

den Gleichgewichtssinn und die Tiefensensibilität.

Fingerfertigkeiten wie Greifen, Werfen, Zielen, Fangen

und Sammeln werden spielerisch geübt. Für große

Kinder sollte das Becken eine Tiefe von mindestens

30 Zentimetern aufweisen, für Krabbelkinder

dagegen nur von 15 Zentimetern.

Lose Polster auf Podesten und Bänken sind Sitzunterlagen

für Eltern und ErzieherInnen und ermöglichen

zusätzlich das freie Spiel mit großformatigen

Bauklötzen: tragen, heben, stapeln. Grob- und

feinmotorische Bewegungsabläufe werden trainiert

und nebenbei wird das räumliche Denken geschult.

SEITE 32


BEWEGUNG — 04

Mobile Polster bilden die Begrenzung

für ein flexibles Bällebad

33

SEITE


04 — BEWEGUNG

Erste Bewegung

— Anreize für

Krippenkinder

Frühkindliche Bewegung ist nicht gleichzusetzen

mit der Bewegung großer Kinder. Je nach Alter

sind die Fähigkeiten und deshalb auch die

notwendigen entwicklungsfördernden Anreize

sehr verschieden. Für Kleinkinder sind leichte

Niveauunterschiede in Podesten oder eine kleine

Bodenwelle bereits eine große Herausforderung,

die es zu meistern gilt.

Krabbellandschaften aus Matten, Haltestangen

und Schrägen, speziell ausgerichtet auf die

Bedürfnisse von Krippenkindern, fördern

die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik.

Erhebungen und kleine Hügel im Boden

schaffen Bewegungsimpulse und trainieren

den Gleichgewichtssinn

Krabbelkinder üben sich zunächst in Höhenunterschieden

von 5 bis 10 Zentimetern und auf Polster

können sie sicher fallen. Fallen zu üben ist wertvoll

und stärkt das Selbstbewusstsein. Es geht nicht

um höher, weiter, schneller – oft sind es kleine

Details, die Kinder optimal fördern.

Rampen mit angebrachten

Leisten lassen sich von kleinen

Kindern leichter erklimmen

Haltestangen und Spiegel

ermutigen die Kleinsten sich

aufzurichten

SEITE 34


BEWEGUNG — 04

Kleine Höhenunterschiede

sind gewollte Stolperfallen

35

SEITE


05 — MULTIFUNKTION

SEITE 42

Geheime Höhlenzugänge

und Verstecke im Regal


MULTIFUNKTION — 05

Stauraum

— Platz für Spiel

In den Räumlichkeiten von Kindereinrichtungen

sammelt sich eine Vielzahl von Materialien. Einige,

zum Beispiel die Matratzen für den Mittagsschlaf

oder Turngeräte, werden zwar täglich, meist aber

nur kurz genutzt. Sie sind sperrig und benötigen

Platz zur Lagerung.

Der bespielbare Stauraum ist ein großer Platzgewinn

insbesondere für kleine Einrichtungen.

Durch Podeste vergrößert sich die nutzbare

Grundfläche einer Kita. Gleichzeitig dienen sie

als Bewegungselemente, Bühnen oder Verstecke.

Selbst das Aufräumen und Verstauen kann

dann zum Spiel werden und regt Kinder dazu an,

Verantwortung zu übernehmen.

Matratzen verschwinden

in den Treppenstufen

Das Aufräumen wird zum Teil

des Spiels und fördert die

Selbstständigkeit

43

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06 — ERLEBNISBÄDER

06

Erlebnisbäder

— Sinneserfahrung pur

Wasser ist ein

faszinierendes Element und

Physik zum Anfassen

Im Badezimmer erfahren Kinder am eigenen

Körper und mit allen Sinnen: Wasser ist warm, kalt,

unberechenbar spritzend oder langsam fließend,

Wasser fällt von oben nach unten, es sammelt sich

und läuft ab, lässt sich lenken und mit Schwämmen

aufsaugen. Wasser bedeutet Vielfalt. Wir trinken

es und baden darin. Wir riechen und schmecken

es, fühlen seine Temperatur, hören es tropfen und

plätschern, sehen es fließen, spüren die Kraft oder

Sanftheit eines Wasserstrahls.

Stehen Entspannung und Sinneserfahrung im

Schwimmbad, im Planschbecken oder auf dem

Wasserspielplatz eindeutig im Zentrum, so können

auch Badezimmer, die primär für die tägliche Körperhygiene

angelegt sind, mit einem ergänzenden

Fokus auf nassen Spielspaß gestaltet werden. Für

Kinder wird die Badelandschaft dann zum beliebten

Lern- und Spielbereich. Statt sich nur die Hände

zu waschen oder die Zähne zu putzen, verbringen

Kinder ihre Zeit im Bad am liebsten mit dem Wasser

selbst. Sie wollen planschen, erleben, spüren.

Die baurechtlichen Anforderungen und Flächenstandards

an ein Kitabad variieren je nach Bundesland.

In Berlin sind es 0,6 Quadratmeter Grundfläche, die

pro Kind im Bad eingeplant werden müssen. Damit

erhält das Badezimmer in einer Einrichtung mit 100

Kindern eine Mindestgröße von 60 Quadratmetern:

genügend Spielraum für eine kreative und innovative

Gestaltung!

In Kinderbädern wird stundenlang gespielt, Wasser

erlebt und erforscht. Pädagogische Wasserspiele

unterstützen die Wahrnehmung und schärfen die

Sinne. Gleichzeitig fördert das Badezimmer auch

das soziale Lernen. Gibt es weniger Armaturen und

Waschbecken als Kinder, muss sich die Gruppe

abstimmen und einigen. Das Bad wird zum Verhandlungsraum.

Werden gemeinsam in der Gruppe

Staudämme und Wasserwege gebaut, verwandelt

sich das Spiel in ein Gemeinschaftsprojekt.

Waschrinnen mit mehreren Ebenen und Stauvorrichtungen

lassen das Wasser fließen und es in Bahnen

lenken: Wasserläufe beflügeln die Fantasie.

Eine variantenreiche Auswahl verschiedenster Armaturen

lehrt deren jeweilige mechanische Benutzung

per Drehen, Kippen oder Drücken. Duschbereiche

werden für offenes Planschen eingerichtet, sodass in

dieser Zone der gesamte Körper nass werden kann –

das Spiel wild und frei sein darf.

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06 — ERLEBNISBÄDER

— Wie wird das Kinderbad

zum Erlebnisraum?

Ausbauqualitäten

Durch den Einsatz von Akustikdecken,

Fußbodenheizung, angenehmer Beleuchtung

und natürlichen Materialien wird die

Aufenthaltsqualität in Bädern stark erhöht.

Sind die Ausbaustandards sorgsam geplant

und ausgeführt, verbringen Kinder Stunden

mit dem Wasserspiel.

Waschrinnen

Das gemeinschaftliche Wasserspiel

wird zum ganzheitlichen Erlebnis, wenn

gestufte Waschrinnen oder frei stehende

Becken eingesetzt werden. Waschrinnen

mit mehreren Armaturen, Ebenen und

Stauvorrichtungen eignen sich ideal für

das Spiel in der Gruppe.

Fliesenbilder

Fliesen im Bad dienen der Hygiene und

schnellen Reinigung, sie eröffnen aber

auch einen großen Gestaltungspielraum.

Ob glasierte Fliesen, Mosaikfliesen, Feinsteinzeug

oder farbige Fugen – das Gesicht

und die Atmosphäre des Badezimmers

verändern sich grundlegend, wenn Fliesen

geschickt eingesetzt werden.

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ERLEBNISBÄDER — 06

Wandfarbe

Da die Aufenthaltsdauer im Badezimmer

limitiert ist, heißt es hier: Mut zur Farbe. In

den Sanitärräumen kann diese kräftig sein.

Wenn Fliesen- und Wandfarbe sich ergänzen,

entsteht ein stimmiges Gesamtbild.

Tafelwände

Tafelwände oder dunkle Fliesen dienen

als Malgrund und sind in Bädern optimal

platziert. Großflächige Kreidebilder

lassen sich mit der Brause schnell und

rückstandsfrei entfernen.

Gucklöcher

Innenfenster und Durchbrüche vom

Badezimmer in den Flur oder angrenzenden

Gruppenraum schaffen eine visuelle

und akustische Verbindung. Kommunikation

wird angeregt und eine Einladung

in den Raum ausgesprochen. Die sich

ergebenden Sichtachsen erleichtern den

ErzieherInnen die Aufsicht.

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ERLEBNISBÄDER — 06

Durch Mosaikfliesen lassen sich

abgerundete Kanten realisieren

59

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06 — ERLEBNISBÄDER

Wandfarbe

— einfaches Mittel,

große Wirkung

Die Farbgestaltung darf im Bad wesentlich kraftvoller

und mutiger sein, da die Aufenthaltsdauer in

den Waschräumen meist geringer ausfällt als in den

Gruppenräumen. Fliesen und Wandfarbe lassen sich

gut Ton in Ton oder mit Kontrasten aufeinander abstimmen.

So entsteht ein harmonisches Gesamtbild.

Wandbilder aus Farbe lassen sich kostengünstiger

realisieren als Fliesenbilder.

Will man in der Zukunft einen Gestaltungswechsel vornehmen,

um dem Bad einen neuen Charakter zu geben,

dann lässt sich das mit einem Wandanstrich einfach und

schnell realisieren. Wände im Bad sollten mit Latexfarbe

gestrichen werden, denn diese ist scheuerbeständig,

strapazierfähig und wasserundurchlässig.

Neutrale Fliesen sind gestalterisch zeitlos und das

Bad erhält mit einem neuen Wandanstrich immer

wieder ein neues Gesicht

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07 — ÜBERGANGSRÄUME

07

Übergangsräume

— die Qualität des

Dazwischen

Vom vernachlässigten

Schwellenraum zum

lebendigen Spiel- und

Begegnungsort

Ein Raum ist eine fest definierte Fläche mit einer

meist fest definierten Nutzung. Was aber ist mit den

Bereichen, die diese Räume verbinden, die ihnen

vor- oder nachgeschaltet sind? In der Gestaltung

werden sie meist nicht beachtet, obwohl hier große

Chancen lauern.

Flure, Garderoben, Eingangsbereiche – Übergangsräume

verbinden, trennen und filtern, sie sind Orte

der Begegnung und des Austauschs. Übergangsräume

heißen uns willkommen und verabschieden uns.

Ein Korridor kann – ähnlich wie eine Straße – durchaus

Aufenthaltsqualität besitzen: besonders, wenn

er sich im Gebäude zu einem Platz weitet.

Auch in pädagogischen Betreuungseinrichtungen

sollten Übergangsräume als aktiver Bestandteil

gedacht und konzipiert sein – allein schon, weil

sie meist verhältnismäßig viel Fläche einnehmen.

Erfährt der Flur eine architektonische Aufwertung,

ergänzt er die gesamte Kita um einen zusätzlichen

Aufenthaltsraum und wird zum Spielort und pädagogisch

wertvollen Raum.

In der Garderobe empfinden einige Kinder Verunsicherung

und Trennungsschmerz. Ein Raum

des Übergangs – von dem vertrauten Raum des

Elternhauses in den der Kita. Bezugspersonen und

Spielobjekte sind nicht exklusiv verfügbar, sondern

müssen geteilt werden. Es ist für Kinder eine täglich

zu überwindende Hürde – mal leichter, mal schwerer.

Gut gestaltete Eingangsräume und Garderoben

können ihnen diesen Übergang erleichtern.

Gerade weil Eingänge, Flure, und Garderoben

keine primär pädagogische Funktion haben,

sondern in erster Linie als Verteiler funktionieren,

bedarf es meist nur weniger, geschickt eingesetzter

Mittel, um aus dem Übergangsraum einen Spielraum

zu machen.

So entsteht Freiraum für spontanen Austausch,

Bewegung, Zugehörigkeit und soziale Interaktion,

aber auch für Schutz, Rückzug, Geborgenheit,

Sicherheit, Entspannung, Ruhe und Erholung.

Die Kinder erfahren die unterschätzte Qualität

des Dazwischen.

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07 — ÜBERGANGSRÄUME

SEITE 72

Gute Akustik und natürliches Licht

sorgen für eine angenehme Atmosphäre


ÜBERGANGSRÄUME — 07

Piazza

— Dorfplatz in der Kita

Die Piazza als wertvoller Bestandteil einer Kita

stammt aus der Reggio-Pädagogik. Der Eingangsbereich

wird nicht als Flur konzipiert, sondern vielmehr

als zentraler Marktplatz und Treffpunkt. Die Piazza ist

eine offene und fließende Raumverbindung und bietet

dabei ausreichend Platz für Bewegung und freies

Spiel. In Bestandskitas ist der Raum für eine Piazza

oft nicht vorhanden, aber auch ein Flur kann in eine

Piazza umgewandelt werden. Akzentbeleuchtung, ein

Sitzpodest und ein raumhohes Element lassen den

Flur zum Begegnungsort werden.

Eine Piazza kann auch in die

Garderobe integriert werden

73

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09 — KITABAU

Bedürfnisse

aller Beteiligten

Räume begleiten den Menschen in allen Lebensabschnitten,

von Beginn an. Eine sensible Raumgestaltung

zwischen Anregung und Geborgenheit fördert

die kindliche Entwicklung und unterstützt Kinder in

ihrer Selbstständigkeit und Selbstbildung. Die Herausforderung

ist es, die Bedürfnisse der Kinder, des

pädagogischen Teams und der Eltern auf der einen

Seite und die gesetzlichen Vorgaben und Sicherheitsvorschriften

auf der anderen Seite miteinander

zu verbinden und mithilfe von Gestaltung diesen

Anforderungen gerecht zu werden.

Kinder brauchen Räume, in denen sie sich wohlfühlen,

und ein Umfeld, das sie anregt, ihre persönliche

Entwicklung zu fördern. Dabei ergänzen sich Rückzug

und Stimulanz zu einem Gesamtgebilde, das

offen organisiert und gut strukturiert allen Kindern

eine räumliche Orientierung und Übersicht ermöglicht.

Das kindliche Grundbedürfnis nach Schutz,

Geborgenheit und Sicherheit muss erfüllt sein, um

die Kinder zu befähigen, ihre Umgebung angstfrei

zu erkunden und das Gefühl von Freiheit zu erleben.

Architektur kann hier einen wesentlichen Beitrag

leisten. Der Mensch steht in ständiger Wechselwirkung

mit seiner Umgebung. Auch – oder gerade –

Kinder sind sensibel für die Atmosphäre der Räume,

in denen sie sich aufhalten. Werden Kinder in Räumlichkeiten

empfangen, die ihnen Geborgenheit

vermitteln und die ihnen stimulierende Angebote

machen, dann kann diese Umgebung als kindgerecht

bezeichnet werden. Eine Varianz von Oberflächen,

Materialien und Strukturen schult die

Sinneswahrnehmungen der Kinder; Podeste mit

unterschiedlichen Höhen und Klettermöglichkeiten

ermöglichen den Wechsel der Perspektive; Begegnungsräume

unterstützen Interaktion und modulare

Möbel fördern eine selbstbestimmte Kreativität.

Neben den Bedürfnissen der Kinder sind die Anforderungen

an eine gesunde und gute Arbeitssituation

für die pädagogischen Fachkräfte in der Planung zu

berücksichtigen: Rückzugsmöglichkeiten für Ruhepausen,

Dokumentation und administratives Arbeiten,

ergonomische Anforderungen an das Mobiliar

und Sichtachsen, die eine gute Übersicht ermöglichen.

Einen fokussierten Austausch mit den Eltern

über das Garderobengespräch hinaus ermöglichen

spezielle Räumlichkeiten für Gespräche in ruhiger

Gesetzliche

Vorgaben und

Empfehlungen

Atmosphäre, in denen aber auch Workshops und Informationsveranstaltungen

stattfinden können. Eine

Nutzung über den Kitaalltag hinaus wird in neuen

Einrichtungen angestrebt und vielerorts für Neubauten

vorausgesetzt. Der sogenannte „Dual Use“

bezieht neben den Raumeinheiten für Gespräche,

therapeutische Arbeit und Gruppenveranstaltungen

auch die Küche, sofern als Vollküche geplant, mit

ein. Diese Mehrfachnutzung spart Ressourcen und

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KITABAU — 09

Wie funktioniert

Kitabau? 09

Architektur und

ihre Möglichkeiten

verbindet die Einrichtung mit der Umgebung und

anderen Institutionen. Angebote zur Eltern- und

Familienbildung können und sollen eingebunden

werden, Vernetzungen mit Jugendeinrichtungen,

Seniorenheimen und dem umgebenden Quartier

werden aktiv gefördert und damit wird eine Öffnung

des Sozialraums erreicht.

Wie andere Bauaufgaben auch müssen architektonische

Ideen und Entwürfe gesetzlichen

Vorgaben, Sicherheitsvorschriften und technischen

Bestimmungen entsprechen. Im Kitabau fallen

diese verhältnismäßig komplex aus. In der Planung

müssen alle DIN-Normen hinsichtlich Akustik und

Schallschutz, Barrierefreiheit, Tageslicht in Innenräumen,

Treppen sowie Brandschutz-, Hygiene- und

Raumklimavorschriften beachtet werden. Dabei

müssen die Richtlinien der Aufsichtspflicht und

Unfallverhütung, die Arbeitsstättenrichtlinien und

das Infektionsschutzgesetz ebenfalls berücksichtigt

werden. Konkret bedeutet das beispielsweise die

Ausführung rutschhemmender Bodenbeläge, die

Vermeidung von Stolperstellen und weiteren Verletzungsgefahren,

eine Mindestbeleuchtungsstärke

von 300 Lux in Gruppenräumen und die Gewährleistung

von zwei unabhängigen Rettungswegen

für jeden Aufenthaltsraum. Weil darüber hinaus das

Vorschriftenkorsett im Sonderbau Kita aufgrund

uneinheitlicher Regelungen je nach Bundesland

unterschiedlich ausfällt, weichen eine Vielzahl

von Vorgaben voneinander ab. Hier wäre es wünschenswert,

nach dem Vorbild der bundesweiten

Schulbau-Richtlinie eine allgemeine Kitabau-Richtlinie

zu erarbeiten. Eindeutige, übereinstimmende

Regelungen würden eine große Erleichterung für

die Kitaplanung bedeuten. Auch hier gilt: Eine klare

Struktur ermöglicht größere Freiheit und erweitert

demnach den Gestaltungsspielraum.

Die Bauaufgabe Kita ist ein Spagat, sie muss den

Bedürfnissen und gesetzlichen Vorgaben als auch

den planerischen Anforderungen gerecht werden.

Licht und Farbe, Material und Akustik, Barrierefreiheit

und Augenhöhe – Räume für Kinder sollen

gleichermaßen Herausforderung bedeuten und

Sicherheit bieten. Übergeordnet steht die Frage,

wie Gestaltung sich in diesem Rahmen bewegen

und Möglichkeiten eröffnen kann. Wenn Architektur,

Innenraumgestaltung und Möblierung mit dem

pädagogischen Grundkonzept harmonieren, entstehen

Räume, an denen Kinder wachsen.

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09 — KITABAU

Kitalandschaft

und Richtlinienchaos

Seit August 2013 haben in Deutschland Eltern, deren

Kind das erste Lebensjahr vollendet hat, einen

Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Kinderbetreuung

dient dem Wohl und der Entwicklung der Kinder

sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dabei unterscheiden sich verschiedene Modelle

nach Altersgruppen und Tageszeiten und mitunter

je nach Bundesland. Organisiert sind sie in Form

kommunaler oder kirchlicher Trägereinrichtungen

oder als Elterninitiative im Verein.

Grundsätzlich werden in Kinderkrippen Ein- bis

Dreijährige betreut, in den Kindergarten gehen

Drei- bis Siebenjährige, während sich der Hort als

Angebot mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung

an SchülerInnen im Alter von sieben bis

zwölf Jahren richtet. Die Kita dient als Betreuungsmodell

für berufstätige Eltern und bietet anders als

der Kindergarten eine Ganztagsbetreuung von früh

morgens bis zum späten Nachmittag für Ein- bis

Siebenjährige an. Bundesweit herrscht zum Zeitpunkt

des Erscheinens dieses Buches ein Mangel an

Betreuungsplätzen. Neben pädagogischen Fachkräften

fehlen kindgerechte Räume, um die Plätze

entsprechend des Betreuungsbedarfs aufzustocken.

Daran hat sich trotz zahlreicher Neubauten und Sanierungen

nur wenig geändert.

Die Bauaufgaben Krippe, Kindergarten und Kita

werden in Deutschland durch ein komplexes Gerüst

aus vielfältigen Richtlinien und Empfehlungen der

Bundesländer und Kommunen gesteuert.

Bildung ist Ländersache (Art. 30 Grundgesetz).

Vom Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz

BayKiBiG bis zum Hamburger Kinderbetreuungsgesetz

KibeG, vom Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetz

ThürKitaG bis zum Gesetz zur frühen

Bildung und Förderung von Kindern in Nordrhein-

Westfalen KiBiz: Insgesamt 16 landesgesetzliche

Regelungen sowie Empfehlungen der Unfallkasse,

der Gesundheits- und Jugendämter der Kommunen

bilden ein gesamtnationales Richtlinienchaos.

Beispiele für die Differenz der Richtlinien:

Badezimmer:

Bayern: 15 Kinder – 1 Toilette

Sachsen: 6 Kinder – 1 Toilette

Garderobe:

Bayern: 40−45 cm Sitzfläche je Kind

Hamburg: 20 cm Sitzfläche je Kind

Braucht jedes Bundesland, jede Kommune, jedes

Jugendamt eigene Empfehlungen für den Kitabau?

Analog zur Schulbau-Richtlinie und diese gleichzeitig

übertreffend sollten für Kitas bundesweit eindeutige

Vorschriften von Bund, Ländern und Kommunen

in Kooperation mit einer Arbeitsgemeinschaft

von ExpertInnen definiert werden. Eine Kitabau-

Richtlinie würde die Planungsarbeit erleichtern,

mehr Sicherheit und Entscheidungshilfe bieten, die

BauherrInnen entlasten und dabei größtmögliche

Freiheiten in der Gestaltung zulassen. Es profitieren

alle – am Ende vor allem die Kinder.

SEITE 84


KITABAU — 09

Bund

Richtlinien & Empfehlungen

Versammlungsstättenrichtlinie

Länder

Richtlinien & Empfehlungen

Infektionsschutzgesetz

SGB VIII

Kinder- & Jugendhilfegesetz

Musterbauordnung

Kommunen

Richtlinien & Empfehlungen

Empfehlungen zu Bau und

Ausstattung, je Bundesland

Kindertagesstättengesetz,

je Bundesland

Musterschulbaurichtlinie

Landesbauordnungen

...

Arbeitsstättenverordnung /

Arbeitsstättenrichtlinie

(Technische Regeln

für Arbeitsstätten)

Empfehlungen zu Bau und

Ausstattung der Kommunen

und Jugendämter

Muster- / Rahmenhygienepläne,

je Bundesland

Muster- / Rahmenhygienepläne der

Kommunen und Gesundheitsämter

...

...

Unfallkasse NRW – Sichere Kita

Unfallverhütungsvorschrift

DGUV Information 202-022

Außenspielflächen und Spielplatzgeräte

DGUV Vorschrift 82

Kindertageseinrichtungen

DGUV

Deutsche Gesetzliche

Unfallversicherung

Vorschriften & Empfehlungen

DGUV Regel 102-602

Branche Kindertageseinrichtungen

...

DIN 18041

Hörsamkeit

in Räumen

Empfehlungen der

Unfallkasse, je Bundesland

DIN 18040

Barrierefreies Bauen

...

...

DIN EN 1176

Spielplatzgeräte

und Spielplatzböden

VDI 6000

Ausstattung von und

mit Sanitärräumen – Kindergärten,

Kindertagesstätten, Schulen

VDI

Verein Deutscher

Ingenieure

Richtlinien & Empfehlungen

DIN

Deutsches Institut

für Normung

Richtlinien & Empfehlungen

Beispielhafte Übersicht der wichtigsten

Richtlinien und Empfehlungen zum Kitabau

85

SEITE


11 — FRÖBEL–KITA

11

Von urbanen

Strukturen

zur wilden

Natur

Fröbel–Kita

775 qm für 65 Kinder

Berlin / 2019

Into the Wild — ein Dschungel für Großstadtkinder.

Die Kita im neu entstandenen Areal

der Mediaspree verbindet moderne Klarheit,

geordnetes Chaos und natürliche Wildheit.

Pädagogik — Beziehung, Individualisierung und

Partizipation sind die drei Grundpfeiler, auf denen

die pädagogische Arbeit der FRÖBEL Bildung und

Erziehung gGmbH basiert. Aus der Überzeugung

heraus, dass Kinder von Natur aus neugierig sind

und die Welt mit all ihren Sinnen entdecken wollen,

arbeitet der Kindergarten in Berlin-Friedrichshain

nach einer offenen Pädagogik. Die Themen

der Kinder und ihre Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Grundvoraussetzung für die Offene Arbeit

ist, dass die Kinder sich alle Räume selbstständig

erschließen und entsprechend ihrer Entwicklung

begleitet werden.

Architektur — Die Kita für 65 Kinder befindet sich

in dem 2019 fertiggestellten Bürocampus an der

Mediaspree. Die Einrichtung liegt im Erdgeschoss

eines futuristisch anmutenden Bürogebäudes mit

direktem Zugang zum Außenspielbereich und wurde

als betriebsnaher Kindergarten für die Zentrale eines

großen Tech-Unternehmens geschaffen. Das Bürogebäude

wurde nach dem Zertifizierungsstandard Gold

der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

(DGNB) erstellt. Auch für die Kita wurden nur Materialien

ausgewählt, die hinsichtlich ihrer Gewinnung,

Verarbeitung, Funktion und Beseitigung eine hohe

Gesundheits- und Umweltverträglichkeit aufweisen.

SEITE 92


Konzept — Hinter dem Entwurf steht die Idee, dass

Kinder Ordnung und Strukturen, aber auch Wildheit

und Freiheit benötigen, um sich zu entwickeln

und zu entfalten. Entsprechend zeigt die Raumgestaltung

einen Verlauf von der Stadt, der organisierten

Urbanität, hin zur wilden Natur: natürliche

Grün- und Erdtöne, ehrliche Materialien wie Holz

und Sichtbeton und die erlebbare Natur mitten in

der Stadt. Analog zu den drei Säulen der pädagogischen

Haltung des Trägers – Beziehung, Individualisierung

und Partizipation – gliedert sich der

Entwurf ebenfalls in drei Zonen.

93

SEITE


11 — FRÖBEL–KITA

In den Gruppenräumen lösen sich die

parallelen Linien auf und verlaufen

diagonal, Grün kommt hinzu – als

Farbe und Pflanzenwelt.

Der Außenraum wird durch aus dem

Innenraum weitergeführte Linien lebendig

und naturnah strukturiert. Er bietet

vielfältige Sinneserfahrungen, Kletterangebote

und Rückzugsorte.

Das Kinderrestaurant ist durch eine

große Glaswand mit der Küche verbunden.

Außerhalb der Essenszeiten wird

der Raum zum Toben genutzt.

SEITE 94


FRÖBEL–KITA — 11

Im Eingangsbereich und Flur sind die

Farben dezent, die Formen klar, die

Linien parallel – eine Referenz auf

die Stadt.

In Zone 1 empfängt die Kinder eine noch urban

anmutende Struktur. Sie bildet den Übergang von

der Stadt und dem Elternhaus in die Kita. In Zone 2

befinden sich die Aufenthaltsbereiche. Hier lösen

sich die strengen Strukturen langsam in diagonale

Linien auf, ergänzt durch kräftigere Farben und offen

gestaltete Einbauten. Pflanzen halten Einzug in die

Innenräume und leiten über in den Garten, der mit

viel Natur und Spielangeboten die Zone 3 bildet.

„Spiel ist nicht Spielerei.

Es hat hohen Ernst und

tiefe Bedeutung.“

— F. Fröbel 10

Das Badezimmer ist eine Spiellandschaft

mit zentraler Waschrinne für

das gemeinschaftliche Wasserspiel.

Das pädagogische Konzept der Offenen Arbeit der

Fröbel-Kita wird durch eine klare Zonierung und

offene Einbauten unterstützt. Die Themenräume, die

auf verschiedene Bedürfnisse eingehen und Raum

für Aktivitäten wie Klettern, Bauen, Experimentieren,

aber auch zum Lesen oder Ruhen bieten, ermöglichen

Gemeinschafts- und Einzelaktivitäten gleichermaßen.

Der offene Charakter der Räume wird

durch die Fensterfläche verstärkt, die sich über die

gesamte Fassade zum Innenhof erstreckt. Innen und

Außen gehen ineinander über, Sonnenlicht flutet die

Räume und die Natur hält Einzug in den Kindergarten.

Unterschiedliche ganzjährige Pflanzen machen

die Natur auch im Winter erfahrbar, bilden natürliche

Rückzugsorte und Inseln.

Der Kindergarten in Berlin-Friedrichshain verbindet

die Großstadt mit einer naturnahen Erlebniswelt.

Geordnete Strukturen, gezähmte Natur und

wilde Freiheit fließen ineinander über. Die Raumgestaltung

hält das bereit, was Kinder in ihrer Umwelt

benötigen, um glücklich heranzuwachsen –

Sicherheit und Freiheit.

95

SEITE


11 — FRÖBEL–KITA

Zone 3

Die Linien aus dem Innenraum

werden im Außenraum weitergeführt

und definieren die unterschiedlichen

Spielbereiche – eine lebendige

Struktur für ein natürliches Chaos.

3

1

2

Kreative Wildheit

Ein Netz aus dynamischen Linien findet seine

Fortführung vom Innenraum in den Außenraum.

Hier dominiert eindeutig die Natur, wild und frei.

Der Garten ist unterteilt in Bereiche für unterschiedliche

Geschwindigkeiten und motorische Fähigkeiten:

Aktivitätsbereiche, Rückzugsorte, Graslandschaften

und ein Barfußpfad. Natur erleben – anfassen, riechen,

schmecken. Der Bereich für Urban Gardening sorgt

für die städtische Komponente des Gärtnerns: Gemeinsam

bepflanzen die Kinder hier Hochbeete

und Pflanzkübel.

Winterharte Gewächse beleben den Außenbereich

ganzjährig. Sie sind Gestaltungselemente und

werden von den Kindern ins Spiel integriert.

Urban Gardening

ermöglicht den Kindern,

ihre Umgebung aktiv

mitzugestalten

SEITE 102


FRÖBEL–KITA — 11

Erhebungen und

ein Barfußpfad machen

den Untergrund zu einem

sinnlichen Erlebnis

Präriegras bringt

die Wildnis in die

Großstadt

103

SEITE


11 — FRÖBEL–KITA

Das Badezimmer ist eine Spiellandschaft mit

zentraler Waschrinne für das gemeinschaftliche

Wasserspiel. Unterschiedliche Armaturen erweitern

das physikalische Erlebnis, indem sich die Fallhöhen,

der Wasserdruck, der Winkel, aber auch die

Handhabung unterscheiden.

„Die Kinder aus dem

Bad zu bekommen, ist

unmöglich geworden.“

— Erzieherin / Fröbel–Kita

Neben dem Wasserspiel sind auch die Wände

Spielobjekte und können mit Kreide großflächig

bemalt werden. Über den praktischen Aspekt freuen

sich auch die ErzieherInnen, da die Reinigung

ganz einfach mit der Brause erfolgen kann. In der

7 Meter langen Wasserlandschaft experimentieren

die Kinder gemeinsam und machen wertvolle

Erfahrungen: Wie staue ich Wasser an? Wie fließt

es? Ein Spiel, dass Kinder sonst nur an Bachläufen

möglich ist, wird dank vieler Becken, Stufen und

Staumöglichkeiten nachgebildet und hier in den

Innenraum geholt. Auch das Kinderbad bleibt dem

Thema damit treu: Into the Wild – die Natur auch

in der Großstadt erfahrbar machen.

Dunkle, unglasierte Fliesen

eignen sich ideal als Malgrund

SEITE 108


FRÖBEL–KITA — 11

Die unterschiedlichen Höhen

der Waschrinne ermöglichen

das Wasserspiel für Kinder

aller Altersstufen

109

SEITE


12 — KITA WELTENBUMMLER

Der Spielturm nutzt die Höhendifferenz

zwischen Terrasse und Außenspielfläche

und bietet einen hohen Spielwert für alle

Altersstufen.

EG

Der Gemeinschaftsraum dient

für therapeutische Angebote,

Workshops, Gespräche

und Feierlichkeiten.

OG

Mehrere Altersgruppen nutzen gemeinsam eine

Garderobe, deshalb sind hier die Farben gemischt.

Die Garderobe ist großzügig angelegt und lädt mit

gemütlichen Sitzinseln zum Verweilen ein.

SEITE 114


KITA WELTENBUMMLER — 12

„Es ging uns schon immer um mehr als

nur darum, Spiel- und Begegnungsort

für Kinder zu sein. Die Kinder sollen

mit und durch die Umgebung lernen.“

— Mirjam Spitalsky / Geschäftsführerin bik e.V.

Die Farben mischen sich im Außenbereich,

denn hier halten sich die Kinder gruppenund

altersübergreifend auf. Dennoch gibt

es Bereiche, die besonders für die jüngeren

Kinder Rückzug, Ruhe und altersgerechte

Bewegungsanreize bieten.

Kräftige, monochrome Farbecken

markieren die Gruppenräume und

erleichtern die Orientierung. Je Farbe

und Gruppenraum werden die Kinder

einer Altersstufe betreut.

Der Grundriss der Kita Weltenbummler erinnert

an eine Landkarte. Die Farbinseln dienen der

Zuordnung zu einer Altersgruppe und geben den

Kindern Hilfestellung bei der räumlichen Orientierung.

Die Kinder fühlen sich zugehörig, ganz

nach dem Motto: meine Farbe, meine Gruppe.

In den Gemeinschaftsräumen wie Bädern und

Garderoben sowie im Außenraum werden alle

Farben gemischt und zeigen den Kindern: Diese

Räume sind für uns alle da.

Der gemeinnützige Verein bik e.V. engagiert sich

sehr vielseitig im Bereich der Kleinkindpädagogik

und in der familienbegleitenden Kinderbetreuung,

der Forschung, Beratung und Weiterbildung.

Entsprechend finden sich in den Einrichtungen

immer auch Räume, in denen Seminare und andere

Veranstaltungen für Eltern und PädagogInnen

stattfinden. Diese Räume sind nicht ausgelagert,

sondern fester Teil des Grundrisskonzepts. So

öffnet sich die Tagesstätte für viele Themen und

Menschen, steht Familien umfassend zur Seite

und berät sie auch in Belangen, die jenseits der

Türschwelle der Kita relevant sind.

115

SEITE


12 — KITA WELTENBUMMLER

Kleine Höhenunterschiede

werden zum Bewegungsparcours

für Krabbelkinder

SEITE 122


KITA WELTENBUMMLER — 12

Spielhäuser regen zur

Bewegung an und fördern

die Kommunikation

Der Außenraum, den alle Altersgruppen gemeinsam

nutzen, führt die Gestaltungsidee des Innenraums

fort. Definieren die Farben Rot, Gelb und Lila im Innenraum

die Bereiche für die kleineren Kinder, tun sie

das im Außenraum ebenso.

Terrasse, Treppe und Garten halten motorische

Herausforderungen für Kinder aller Altersgruppen

bereit. Die Terrasse mit farbigen Kletterkugeln ist mit

Gummigranulat belegt und bietet so den erforderlichen

Fallschutz.

Alle Spielgeräte sind aus Kanthölzern gebaut. Die

Abstände zwischen den Hölzern geben interessante

Durchblicke frei. Je nach Perspektive und Standort erscheinen

die Elemente transparent oder geschlossen.

123

SEITE


12 — KITA WELTENBUMMLER

„Im Garten gibt es ein

riesiges Kletterhaus. Dort

gibt es viele Spinnen, das

ist ein bisschen ekelig.“

— Marlowe / 4 Jahre

Die Seilstrecke und der Spielturm mit Rutsche werden

von den großen Kindern bespielt. Der Spielturm verbindet

die Terrasse und den Sandbereich auf spielerische

Weise, sein Gestaltungsprinzip entspricht dem

der Häuser für die jüngeren Kinder. Damit auch hier

Sicherheit gewährleistet ist, gibt es erschwerte Aufstiege

in Form von 40 Zentimeter hohen Stufen. So

können die unter Dreijährigen nicht auf die Bereiche

gelangen, die für sie noch nicht sicher begehbar sind.

Auch in diesem Detail zeigt sich, dass in der Kita

Weltenbummler jede Altersstufe individuell betrachtet

und betreut wird – immer mit dem Ziel, alle als

Gemeinschaft zusammenzuführen.

SEITE 124


Das Erlebnisregal ist Stauraum für

Sportgeräte und dreidimensionale

Höhlen- und Kletterwelt


13 — KITA COMPANYKIDS

Im Erdgeschoss befindet sich das Herzstück der Kita:

das Kinderrestaurant. Die Küche öffnet sich zum Speisesaal

hin, sodass die Kinder wissen, wo und wie das

Essen zubereitet wird, und sich an der Küchenarbeit

beteiligen können. Außerhalb der Essenszeiten wird

es als Sport- und Bewegungsraum genutzt.

Parallel zur Treppe verläuft eine Rutsche. Der Raum

unter und neben der Treppe ist zum Erlebnisregal

ausgebaut. Schollenartige Vorsprünge dienen dem

Klettern und Verstecken sowie dem Aufbewahren von

Mattenwagen und Sportgeräten.

Die Möblierung aus Massivholz ist modular und platzsparend

verstaubar. Schnell kann das Kinderrestaurant

deshalb in eine freie Fläche verwandelt werden.

Die Treppe als zusätzlich

gewonnener Bewegungsraum

mit Rutsche und Erlebnisregal

SEITE 138


13 — KITA COMPANYKIDS

SEITE 140


KITA COMPANYKIDS — 13

Ein besonderes Highlight in der Kita CompanyKids

ist das Erlebnisbad im Obergeschoss: eine Badelandschaft

für stundenlange Wasserspiele mit mehreren

Becken und einem großen Planschbereich.

In einem gemeinsamen Workshop mit den ErzieherInnen

und der Mosaikkünstlerin Jana Wolf wurde

die Wand über der Plansche gestaltet. Fundstücke

wie Muscheln, kleine Steine und Fliesenbruch wurden

gemeinsam zu einem Mosaik zusammengefügt. Die

organische Formensprache gibt dem Bad einen

lebendigen Charakter.

Gestufte Steinbecken, die von drei Seiten zugänglich

sind, unterstützen das gemeinsame Wasserspiel. Die

Kinder erfahren nicht nur das Element Wasser in all

seinen Facetten, sondern schulen gleichzeitig ihre

kommunikativen Fähigkeiten. Sie müssen verhandeln,

sich behaupten und sich austauschen, denn es gibt

nur eine begrenzte Anzahl an Armaturen.

Der Einbau von Akustikdecken und einer Fußbodenheizung

sowie der Einsatz von natürlichen Materialien

wie Holz schaffen eine warme, einladende Atmosphäre.

Dieses Kinderbad ist ein vollwertig pädagogisch

genutzter Raum.

Natursteinbecken mit

Kaskaden fördern das

gemeinsame Wasserspiel

141 SEITE


15 — KITA KIKU KINDERLAND

SEITE 160


KITA KIKU KINDERLAND — 15

„Eine Fassade muss mehr

können als schützend und

schön zu sein. Sie sollte

zum Spielen verführen.“

— Nathalie Dziobek-Bepler / baukind

Das gesamte Gebäude wurde in nur neun Monaten

in Modulbauweise errichtet. Die Nischen und

Vorsprünge lockern den langen Baukörper auf und

fassen ihn zu einer gestalterischen Einheit zusammen.

Die Einschnitte im Baukörper sind mit farbig

lasierter Lärche verkleidet.

Pulverbeschichtete Blechelemente in der Farbe

des Besenstrich-Putzes und der nahezu fugenlose

Übergang von Holzverschalung zu Putz zeigen die

Liebe der ArchitektInnen zum Detail.

Die Erlebnisnischen gliedern das Gebäude und

bieten vielseitige Überraschungen sowie Möglichkeiten

für die Kinder, zu forschen, zu beobachten

und zu erleben. Das Gebäude wird zum Ort für

eine Entdeckungsreise. Die Fassade ist nicht nur

Schutzhülle, sondern macht auch Angebote an die

kindliche Fantasie. Den unterschiedlichen kindlichen

Bedürfnissen nach Rückzug, Gemeinschaftsaktivität

oder versunkenem Spiel können die Kinder

selbstständig nachkommen und sich ihre ganz

persönliche Nische suchen – eine Bühnennische

für spannende Erlebnisse, eine Pflanznische für

Urban Gardening, eine Klangnische, eine Spiegelnische

und eine Nische mit Barfußpfad. Die Farben

der Nischen in der Außenfassade – Orange-,

Gelb- und Rottöne – entsprechen den Farben des

Corporate Designs des Trägers.

Die Bühnennische

mit Sitzempore wird

zum Freilufttheater

161 SEITE


15 — KITA KIKU KINDERLAND

Der Mehrzweckraum ist als Gemeinschaftsraum

für Nachbarschaftstreffen

und Familienangebote nutzbar.

Bühnennische

mit Sitzempore.

Multifunktionale Podeste im

Außenraum – zum Bespielen

und Verweilen.

Der Vorplatz ist ein öffentlich

zugänglicher Treffpunkt für

das Quartier.

Treppe und Flur weiten sich vor

dem Mehrzweckraum zu einer

Piazza auf.

EG

OG

Der großzügige Personalraum

besitzt einen Balkon

mit Blick auf den Vorplatz.

Die Nische im Obergeschoss wird zur

Terrasse und bietet Pflanzgefäße für Urban

Gardening. Über die Treppe gelangt man

vom Obergeschoss direkt in den Garten.

SEITE 162


KITA KIKU KINDERLAND — 15

Große Freiflächen mit Spielund

Klettereinheiten, Sandkasten,

Sitzlandschaften, Rasenflächen

und gepflasterten Wegen.

Üblicherweise sind Kindergärten durch einen Zaun

von benachbarten Grundstücken und der Straße

abgegrenzt und Eltern sowie Kinder betreten das

Gelände durch ein Tor. Doch in der Kita KiKu Kinderland

ist das anders: Ein offener Vorplatz lädt die

Nachbarschaft ein, diesen gemeinsam zu nutzen,

sich auszutauschen und Gemeinschaft zu leben.

Der Vorplatz als sozialer Ort steht im Einklang mit

der Philosophie des Trägers, der für die Kinder eine

offene Gesellschaft erlebbar machen möchte. Die

Kita soll keine isolierte Institution sein, sondern

Teil eines Gemeindelebens, in das alle Beteiligten

über Generationen hinweg miteinbezogen werden.

Im Eingangsbereich des gut 1000 Quadratmeter

großen, zweigeschossigen Gebäudes befindet sich

die Garderobe für die 100 Kinder. Der angrenzende,

offene Treppenraum ist im Erdgeschoss als Piazza

ausgebildet. Hier treffen sich Kinder, ErzieherInnen

und Eltern zum Austausch und Spiel. Ebenfalls im

Eingangsbereich befindet sich der große Mehrzweckraum.

Er wird als Kinderrestaurant, Sportraum

und für Kitafeste genutzt.

Die Krippenkinder werden im Erdgeschoss betreut.

Jede Gruppe verfügt über einen Gruppenraum mit

direktem Zugang zum Garten sowie über einen

Gruppennebenraum, der als Schlafraum dient.

Im Obergeschoss werden die älteren Kinder betreut.

Die Räume sind in Themenräume organisiert, die ein

offenes Arbeiten ermöglichen. Ein Forschungsraum,

einen Raum für Rollenspiel und einen Bauraum bieten

unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten. Über

die Terrasse im Obergeschoss gelangen auch die

großen Kinder direkt in den Garten.

163

SEITE


15 — KITA KIKU KINDERLAND

SEITE 172


KITA KIKU KINDERLAND — 15

Von der

Idee zur Kita

— 01

— 02

— 01

— 03

— 02

— 03

— 01 — 02

173

SEITE


— Literatur

1 — Hebenstreit, Sigurd: Maria Montessori, Herder, Freiburg 1999, S. 61

2 — Walden, Rotraut (Herausgeberin), Kosica, Simone (Autorin):

Architekturpsychologie für Kindertagesstätten, Pabst Science Publishers,

Lengenrich 2011, S. 5

3 — Aden-Grossmann, Wilma: Der Kindergarten – Geschichte,

Entwicklung, Konzepte, Beltz, Weinheim 2011, S. 32–33

4 — Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind, Rowohlt Taschenbuch Verlag,

Hamburg 2016, S. 24

5 — Fröbel, Friedrich: Der Menschenerziehung, Verlag der Allgemeinen

Deutschen Erziehungsanstalt, Keilhau 1826, S. 26

6 — Fröbel, Friedrich: Der Menschenerziehung, Verlag der Allgemeinen

Deutschen Erziehungsanstalt, Keilhau 1826, S. 16

7 — Waldschmidt, Ingeborg: Maria Montessori – Leben und Werk,

C.H.Beck, München 2010, S. 41

8 — Hoffmann, Johanna: Spiele fürs Leben, Greifenverlag,

Rudolstadt 1971, S. 162

9 — Breithecker, Dieter: Bewegung braucht das Kind ... damit es sich

gesund entwickeln und wohlfühlen kann, Wehrfritz Wissenschaftlicher

Dienst, 2002, Ausgabe 76, S. 3

10 — Dirx, Ruth: Das Kind, das unbekannte Wesen – Geschichte,

Soziologie, Pädagogik, von Schröder, Hamburg 1964, S. 147

— Abbildungen

Julia Hafenscher — S. 1, 2

Christoph Musiol — S. 7

HEJM — S. 9, 11, 14, 16, 17, 21, 22 links + Mitte, 23 links + Mitte,

24 rechts, 27, 29 unten, 30 links + rechts, 31, 31 unten, 33, 34 oben,

39 links + rechts, 45 links, 46, 54, 55 unten, 57 Mitte unten + unten,

58 oben + links, 60, 69 links, 70 oben, 71, 72, 73 oben, 76 links, 77,

87 unten rechts, 91 links, 92−127, 146−173

Anne Deppe — S. 12, 22 rechts, 23 rechts, 24 links + unten, 26, 28,

29 oben, 32 oben + Mitte, 34 links + rechts, 35, 28 Mitte + rechts,

39 Mitte, 41 unten, 42 oben, 43, 44 oben, 45 oben + Mitte + unten,

47, 48, 49, 51, 52 Mitte + rechts, 53, 56, 57 oben + Mitte oben, 58 rechts,

59, 61, 62, 63 links + rechts, 64, 65, 67, 68, 69 rechts, 70 links,

73 links + rechts, 74, 75 links oben + Mitte links + Mitte rechts + unten,

76 rechts, 78, 79, 86, 87 oben links + oben rechts + unten links, 128−145

Udo Meinel — S. 15, 37, 38 links, 40, 41 oben + rechts

Marcus Ebener — S. 30 unten, 42 unten, 55 oben, 63 unten, 70 rechts,

75 rechts oben

Werner Hutmacher — S. 44 unten, 52 links

Mattias Ritzmann — S. 81 links

Petra Stockhausen — S. 81 rechts

Mattias Lüdecke — S. 91 rechts

SEITE 176


Impressum

© 2020 by jovis Verlag GmbH

Das Copyright für die Texte liegt bei den AutorInnen.

Das Copyright für die Abbildungen liegt bei den FotografInnen/InhaberInnen der Bildrechte.

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlagmotiv — Anne Deppe, Kita Unterm Regenschirm in Berlin

Fotografien — Anne Deppe / Boris Breuer / Christoph Musiol / Corinna und Philipp Langenheim

von HEJM / Marcus Ebener / Julia Geiss / Udo Meinel / Werner Hutmacher / Julia Hafenscher /

Robert Sanow / Petra Stockhausen / Matthias Ritzmann / Matthias Lüdecke

Projektmanagement — Nina Kathalin Bergeest

Lektorat — Katharina Freisinger

Gestaltung und Satz — Rea Naber

Lithografie — Rea Naber

Gedruckt in der Europäischen Union

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

jovis Verlag GmbH

Lützowstraße 33

10785 Berlin

www.jovis.de

jovis-Bücher sind weltweit im ausgewählten Buchhandel erhältlich. Informationen zu unserem

internationalen Vertrieb erhalten Sie von Ihrem Buchhändler oder unter www.jovis.de.

ISBN 978-3-86859-620-5

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