Ausgabe 04.2020

c.karpe

SWE Magazin für Kunden der Stadtwerke Erfurt, Erfurt-Fans und Erfurter. In dieser Ausgabe: Unterwegs in Erfurts dunklen Gassen, die Kinderstube des Erfurter Zooparks, Elektromobilität für zu Hause, Jenaplan-Schüler starten Wetterballon, die Teddymanufaktur von der Krämerbrücke, ein Tag bei der Stadtreinigung, BUGA-Außenstandort Bad Langensalza, Ehrenamt für die BUGA, Erfurts Stadtgärtner lassen es blühen, Heiztipps, Weihnachtsbäckerei....

Winter 2020

Journal

Das Magazin für unsere Kunden

Die Verwandlung

Melanie Thurm zeigt Erfurt

gestern und heute Seite 42

Affe, Löwe,

Elefant & Co.

Neues aus der Kinderstube

im Zoopark Erfurt Seite 6

Der Teddy von

der Krämerbrücke

Zu Besuch in der

Bärenmanufaktur Seite 16


Inhalt

Wir gehen in die Luft

21x1.000: Junge Forscher

starten Wetterballon............................ 12

Erfurts junge Wilde

Vereint die Basketball Löwen:

Coach Uvis Helmanis.............................20

Wir machen Kinder stark

Zu Besuch im Albert-Schweitzer-

Kinderdorf Erfurt e. V. .......................... 22

Hier geht Schloss Einstein baden

Dreharbeiten im

Dreienbrunnenbad................................ 28

Danke, dass ihr Erfurt zum Blühen bringt!

Dr. Sascha Döll hat viele

Ideen für die BUGA 2021........................30

Wohlfühlhelfer

Birgit Fehling unterstützt die

BUGA 2021 im Ehrenamt........................34

Spannung garantiert

Neuer Ausbildungsberuf

bei der SWE..........................................40

Geheimnis Zeughaus

Die schwarze Geisterarmee

von der Schwarzburg...........................44

Ihre Stadtwerke im Netz:

www.stadtwerke-erfurt.de

Der Stadtwerke-Blog:

www.swefuererfurt.de

Unsere Facebook-Seite:

www.facebook.com/sweerfurt

Impressum

HERAUSGEBER: SWE Stadtwerke Erfurt GmbH

REDAKTION: Henry Köhlert, Anke Roeder-Eckert

E-Mail: presse@stadtwerke-erfurt.de, Telefon: 0361 564-1128

BEIRAT: Udo Bauer, Ivo Dierbach, Annett Glase, Anne Griese,

Christine Karpe, Inka Kaufmann, Anja Kümpfel, Sabine Lehmann,

Barbara Mörstedt, Hanno Rupp, Anett Schmidt

REDAKTIONSSCHLUSS: 06.11.2020

GESTALTUNG: Stefan Waldert, Janet Waldert

TITELBILD: Steve Bauerschmidt

FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

Winterlicher

Blick auf Erfurt

Heutzutage ein selten gewordener Anblick: Schnee ist

gefallen. Pflaster und Bäume sind mit den weißen Flocken

bedeckt. Durch das Tor der Zitadelle Petersberg sind im Nebel

die Türme von Dom und St. Severi auf dem Domberg zu erkennen.

Ein einzigartiges architektonisches Ensemble, das seinesgleichen sucht.

Die katholische Kirche St. Severi ist eine der wenigen fünfschiffigen gotischen

Hallenkirchen Deutschlands. Es wird angenommen, dass an ihrer Stelle bereits

im Jahr 836 ein Benediktiner-Nonnenkloster stand.

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In Erfurts

dunklen Gassen unterwegs

Dr. Hannes Schütt ist ein Erfurter Urgestein.

Von jeher hat er ein Faible für Erfurt

und seine Geschichte. Auch wenn

der Doktor der Pädagogik lange Jahre

in den alten Bundesländern gearbeitet

hat, am Ende zog es ihn zurück in die

schöne Stadt an der Gera.

Mit etwas Glück begegnet er Ihnen

in dunklen Erfurter Gassen. Aber keine

Angst, er hat immer ein Licht dabei

und seinen Spieß – getreu der alten

Tradition der Nachtwächter, die im

Mittelalter nachts für Ordnung sorgten.

Denn anders als heute waren die

Städte dunkel, Diebe und Landstreicher

trieben in den Schatten der Nacht

ihr Unwesen.

„Meist waren die Nachtwächter alte

Soldaten, die sich ihrer Haut sehr gut

zu wehren wussten und so manchen

Schurken in die Schranken wiesen.

Aber auch Betrunkene, die in winterlichen

Gassen ihren Rausch ausschliefen,

brachten sie sicher nach Hause,

oder wenn es öfter vorkam, in den Karzer

im Rathaus“, erzählt er. Seit 2012 ist

der 72-Jährige als Stadtführer in Erfurt

unterwegs.

Als wandelndes Lexikon – nur viel

amüsanter – könnte man ihn bezeichnen,

so viel weiß er zu erzählen, von

Stadtbränden und wie schnell sie entstehen

konnten, wenn sich die Glut

in den Feuerstellen der Häuser wieder

entfachte, von alten Schätzen und

Geheimverstecken. Oder wie es dazu

kam, dass Zar Alexander 1808 zum

Fürstenkongress nach Erfurt kam.

Nach Paris wäre er wohl nicht gefahren,

nach Erfurt aber schon. Das wusste

Napoleon und lud ihn ein. Denn

Alexanders Schwester residierte in

Weimar, so konnte der Zar Maria Pawlowna

besuchen. Davon kündet auch

der große Napoleonstein zwischen Erfurt

und Utzberg. Bis dorthin kam der

französische Kaiser dem Zaren entgegen,

um ihn nach Erfurt zu geleiten, erzählt

Dr. Hannes Schütt.

Wer den „Romantischen Abendspaziergang“

mit dem Nachtwächter bucht,

kann sich auf spannende Geschichten

freuen. Führungen können bei

der Erfurter Tourismus und Marketing

GmbH reserviert werden: www.erfurttourismus.de/stadtfuehrungen.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

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Affe, Löwe,

Elefant & Co.

Die Brillenlanguren sind

etwas ganz Besonderes.

Sie sind wegen ihrer

sehr speziellen Ernährung

schwer zu halten. Kommt

ein Baby dazu, so wie vor

sieben Monaten der

kleine Henry, dann ist die

Freude doppelt groß.

Wenn die Löwen Babys bekommen oder

sich eine kleine Elefantine einstellt, dann

sorgt das nicht nur meist für ein großes

Medienecho in Zoos und Tierparks, auch die

Besucher sind hellauf begeistert. Kein Wunder,

sieht man sowas ja nicht alle Tage. Das ist

auch in Erfurt nicht anders. Wir haben uns in

der Kinderstube im Zoopark umgeschaut.

Ayoka ist jetzt 16 Wochen alt und klettert gern.

Mama Chupa zeigt ihr die Welt.

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Dr. Heike Maisch erwartet uns

schon am Eingang. Die Kuratorin

des Zooparks hat viel zu tun und dennoch

ein buntes Babyprogramm für uns

zusammengestellt: Sechs Stationen sind

geplant. Von Haus aus ist sie Biologin

mit dem Fokus auf Verhaltensforschung.

„Meine Sammlung lebt und atmet, anders

als die Kunstwerke in Museen“, sagt sie

und führt uns zu den Löwenbabys.

Während Mama Bastet wachsam

durch den Schauraum flaniert

und die Besucher scharf

ins Auge fasst, lassen sich

die zwei Kätzchen und ein

Kater nicht stören. In einer

Ecke liegen die drei zusammengerollt

und blinzeln nur

kurz, als der Schieber geöffnet

wird und Latika, ihre große

Schwester, durchs Gitter

hereinschaut. Sie kann es gar

nicht erwarten, dass die Kleinen

ins Außengehege kommen. Langsam

soll die Familie zusammengeführt

werden, genau beobachtet von Tierpflegerin

Sabine Fuß und ihren Kollegen, um

notfalls eingreifen zu können.

Lebhafter geht es da schon bei den

Brillenlanguren zu. Die hüpfen ziemlich

munter hin und her, mittendrin der kleine

Henry. „Er ist jetzt sieben Monate alt und

darf sich ziemlich viel erlauben – noch“,

sagt Tierpflegerin Karola Walter. Seit 45

Jahren kümmert sie sich um die Säugetiere,

die uns am nächsten sind. Die Brillenmanguren

sind aber auch für sie etwas

Besonderes. „Wir haben sie aus Wuppertal

übernommen, nur Freya und Ursa sind

Engländerinnen“, erzählt sie. So niedlich

die Schlankaffen sind, sie sind komplizierte

Zeitgenossen, zumindest, was ihre Ernährung

angeht. Sie fressen nur Laub und

Blüten, was die Sache im Winter nicht gerade

einfach macht. „Wir ernten im Sommer

und frosten das Laub für die kalte

Jahreszeit ein“, sagt Karola Walter.

Bei den Kattas ist gerade Fütterungszeit.

Neugierig beäugen sie Markus Düx.

Was er wohl in seinem Schälchen hat?

Der Tierpfleger breitet die Köstlichkeiten

auf den Futterplatten aus. Süßkartoffeln,

Rettich, Tomate, rote Bete. Das Zwillingspärchen

Belo und Belara lässt sich nicht

lange bitten und greift flugs zu. Sie sind

– genau wie Berenty – im März geboren

und genießen noch Narrenfreiheit.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Noch schlafen die Löwenbabys Jasiri, Saba

und Zuri die meiste Zeit des Tages. Das

wird sich bald ändern. Wenn ihr Entdeckergeist

geweckt ist, erobern sie das Gehege.

Papa Aslam hat alles genau im Visier.

Genüsslich knabbern Holy und

ihr Junges Arya Affenpellets.

Die beiden Kronenmakis sind

ein Herz und eine Seele.

Auf den ersten Blick sind sie kaum zu erkennen,

sehen aus wie eine Flechte. Bei den Moosfröschen

bleibt die aufwendige Aufzucht der Quappen

an den Tierpflegern hängen.

Auch bei den

Kattas gab es

dieses Jahr Nachwuchs:

zwei Männchen

und ein Weibchen.

Mehr zur Kinderstube Zoo gibt es in

unserem Blog. Einfach den QR-Code

scannen oder unter www.stadtwerkeerfurt.de/swejournal.de

schauen.

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Zwei wichtige NACH-RICHTEN aus Berlin

Ständig erreichen uns Meldungen aus der

Welt der Energie, die in unser Leben eingreifen.

Wie die, dass die Bundesregierung

die Anschaffung privater

Ladesäulen fördert.

Oder dass ab Januar im Rahmen des

„Brennstoffemissionshandelsgesetzes“

eine CO 2 -Abgabe fällig wird, die zum

Beispiel das Tanken teurer macht. Das

Journal klärt auf:

H

aben Sie es auch schon bemerkt? Immer mehr

E-Autos rollen über unsere Straßen. Ist ja auch

kein Wunder, investieren die Hersteller doch Milliarden,

um immer ausgereiftere Wagen zu entwickeln.

Und auch die satte Förderung von bis zu 9.000

Euro je E-Auto verlockt inzwischen viele zum Kauf.

Doch wo aufladen? Zu Hause? Das wäre am besten.

Abends angestöpselt, morgens geladen – kein Problem

mit einer eigenen Ladestation an der Wand, einer Wallbox.

Und jetzt kommt die Bundesregierung ins Spiel: Mit

einem Förderpaket wird künftig die Errichtung einer eigenen

Ladestation gefördert.

Seit dem 24.11.2020 kann bei der KFW ein Investitionskostenzuschuss

in Höhe von 900 Euro für Anschaffung

und Installation beantragt werden. Wie viel die eigene

Tankstelle kostet, hängt von den Bedingungen vor

Ort ab: Zur intelligenten Wallbox kommen noch die Verlegung

der Stromkabel und der Anschluss ans Stromnetz

dazu.

Denn nicht jedes Gebäude ist gleich. Standortwahl, Kabelführung,

Installation und die Auswahl der richtigen Lademöglichkeiten

sind nur einige Fragen, die sich (zukünftige)

Besitzer von Elektrofahrzeugen stellen. Karel Schweng ist

Chef der SWE Energie GmbH: „Wir haben den Ausbau von öffentlicher

Ladeinfrastruktur von Anfang an begleitet und zahlreiche

Lademöglichkeiten in Erfurt geschaffen. Auch beim Laden

im privaten Bereich bieten wir Lösungen an, arbeiten dabei eng mit

Installateuren und Herstellern von Ladestationen zusammen.“

Die SWE Energie GmbH berät und begleitet E-Auto-Interessierte mit

Informationen zur Beantragung der Förderung, der Auswahl und dem

Kauf der geeigneten Ladestation sowie der Vermittlung eines spezialisierten

Installateurs. Schweng: „Nicht nur für diejenigen, die schon

ein E-Auto nutzen und denen bisher die eigene Wallbox zu teuer war,

ist die neue Förderung ein verlockendes Angebot. Auch all diejenigen,

die noch abwarten und erst später elektromobil unterwegs sein wollen,

können jetzt viel Geld sparen und sich vorsorglich eine eigene Ladestation

installieren lassen.“

Übrigens: Der Strom muss zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien

kommen.

Kontaktadresse: elektromobilitaet.energie@stadtwerke-erfurt.de

Homepage mit Infos zur Förderung:

www.stadtwerke-erfurt.de/foerderpaket-elektromobilitaet

D

as Wortungetüm ist 32 Buchstaben schwer – Brennstoffemissionshandelsgesetz

heißt es. Knapp ein Jahr ist es alt und es schafft

die Grundlagen für den Handel mit Zertifikaten für Emissionen

aus Brennstoffen. Kurz: Wer bei einem Verbrennungsprozess

CO₂ ausstößt, muss zahlen. Ziel ist es, fossile Brennstoffe zu

verteuern und so die Verbraucher zum Umstieg auf klimafreundlichere

Alternativen anzuregen. Das Gesetz ist eines der Bausteine

der Bundesregierung zur Erreichung der (ambitionierten) Klimaschutzziele.

Ab Januar 2021 geht das Gesetz in die Umsetzung, dann greift eine

neue Abgabe auf CO₂-Emissionen. Und die trifft jeden Bürger. Denn: Die

Abgaben werden für die Sektoren Wärme und Verkehr und damit u. a.

auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas fällig.

Ob für den einzelnen Verbraucher auch das Heizöl teurer wird oder

das Erdgas zum Heizen der Wohnung, hängt vom Anbieter ab. „Die

Händler entscheiden selbst, ob sie die gesamten Kosten der sogenannten

CO₂-Abgabe an ihre Kunden weitergeben. In jedem Fall

sollten auch Mieterhaushalte mit Zentralheizung, die ihre Energieverträge

nicht selbst abschließen, wissen: Künftige Nebenkostenabrechnungen

können wegen des CO₂-Preises höher ausfallen“, schreibt

die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage.

25 Euro muss der Händler im nächsten Jahr pro Tonne ausgestoßenes

CO₂ zahlen. „Für eine Beispielfamilie im Einfamilienhaus

mit Gasheizung und Auto mit Benzinantrieb kommen im nächsten

Jahr insgesamt rund 205 Euro CO₂-Preis zusammen.“ Die Abgabe

steigt jährlich – 2025 wird sie bei 55 Euro je Tonne liegen. Das

wären dann schon bis zu 451 Euro Mehrkosten im Jahr. Ein Jahresbedarf

von 2.000 Litern Heizöl wird 2021 mit rund 159 Euro

CO₂-Preis belegt, vier Jahre später mit rund 350 Euro. Beim Tanken

werden sich die Preiserhöhungen schon ab Jahresbeginn

bemerkbar machen: Auf jeden Liter Benzin werden 7 Cent CO₂-

Preis fällig, beim Diesel sind es 8 Cent pro Liter. Bei einer jährlichen

Fahrleistung von rund 20.000 Kilometern und einem Verbrauch

von 5 Litern auf 100 Kilometer macht das rund 80 Euro

mehr für das Dieseltanken.

Übrigens: Fernwärmekunden in Erfurt müssen nicht mehr

zahlen – die Produktion der Wärme ist von der neuen CO₂-

Abgabe nicht betroffen. Und auch die Gaskunden der SWE

Energie GmbH werden 2021 nicht tiefer in die Tasche greifen

müssen, eine Preisanpassung ist vom Tisch.

TEXT: HENRY KÖHLERT

FOTOS: BARBARA NEUMANN, ADOBE STOCK

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21x1000: Junge Forscher der

JENAPLANSCHULE schicken

Wetterballon in die Stratosphäre

Wir gehen in die LUFT

Luca, Stella, Anni und Elias sind aufgeregt.

Die jungen Forscher wollen einen Wetterballon

in die Atmosphäre aufsteigen lassen.

„3.500 Meter. Das müssen Sie sich

mal vorstellen, ist das nicht Wahnsinn?“,

meint Luca, und Anni zeigt uns

den Ballon, der jetzt – klein und zusammengefaltet

– wenig Eindruck

macht. „Er wird mit Helium gefüllt.

5 bis 6 Meter pro Sekunde steigt

er, wird immer größer, je höher er

kommt“, erklärt uns Elias. „Aber irgendwann

platzt er, hoffentlich nicht zu

früh“, meint Anni.

Elias und Stella

sind froh. Der

Fallschirm, mit

dem der Wetterballon

später

landet, hat

sich schon mal

bewährt.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Konzentriert sitzen die vier Forscher am

Rechner und programmieren die letzten Daten.

Denn mit dem Ballon wird ein Minicomputer aufsteigen,

der alle Wetterdaten aufnimmt: Luftdruck, Temperatur,

Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung. Sogar die Helligkeit

wird gemessen. „Calliope mini heißt das kleine Gerät, es

wurde extra für Schul-AGs entwickelt“, erklärt uns Raik

Andritschke von der Deutschen Telekom IT GmbH. Er unterstützt

die jungen Forscher ehrenamtlich, hilft beim Programmieren

und der Zusammenstellung der Ausrüstung.

Genau muss berechnet werden, wie

viel Helium in den Ballon eingefüllt wird,

damit er die Box mit den Ausrüstungsgegenständen

tragen kann. Sie sollte

nicht mehr als 1,6 Kilogramm wiegen,

was knifflig werden dürfte, denn neben

dem Minicomputer gehen drei Kameras

und ein Fallschirm mit auf die Reise.

Schon die Batterien für die Kameras haben

es in sich. Sie müssen starke Temperaturschwankungen

aushalten, denn in

der Stratosphäre herrschen bis zu -60 °C.

Wenn die Kameras beschlagen und keine

guten Bilder machen, wäre das eine Enttäuschung,

ebenso, wenn der Ballon in einem

Wald oder auf einer Autobahn landet.

Nicht auszudenken! Für diese Fälle

musste die AG eine Luftfahrthalterversicherung

abschließen. Der Start muss bei

der Flugsicherung angemeldet werden.

Das wahre Abenteuer aber beginnt, wenn

der Ballon aufsteigt, denn wo er am Ende

landet, ist eine Wissenschaft für sich.

„Dort oben herrschen extreme Windge-

Jetzt

bewerben

Auch 2021 fördern wir

21 tolle Projekte aus

den Bereichen Bildung,

Sport, Soziales, Kultur

und BUGA, die Erfurt

ein bisschen schöner

machen. Bis zum

31. Dezember können

sich Vereine, Schulen

und Kindergärten bei

der Stadtwerke Erfurt

Gruppe mit ihren Ideen

bewerben. Mehr unter

www.stadtwerkeerfurt.de/21x1000.

Bis der Wetterballon aufsteigen kann, ist viel zu tun. Elias,

Stella, Anni und Luca sind gut vorbereitet.

schwindigkeiten. Dadurch kann sich der Ballon über 100 Kilometer

weit weg vom Startort entfernen“, meint Luca. Doch

auch darauf sind die 6.- und 7.-Klässler vorbereitet. Per Flugroutenberechnung

wollen sie analysieren, wo der Ballon landet.

„Man gibt Längen- und Breitengrad

des Startpunktes an, Start- und Sinkgeschwindigkeit.

Den Rest macht der Simulator“,

erklärt Anni. Vom Wind ist abhängig,

ob der Ballon in Suhl oder vielleicht

in der Nähe von Quedlinburg landet.

„Damit wir ihn auf jeden Fall wiederfinden,

ist ein GPS-Tracker mit an Bord.

Der hat eine SIM-Karte, die automatisch

eine SMS mit den Koordinaten

sendet, wenn der Fallschirm

gelandet ist“, sagt sie. Wer den

Ballon beim Spazierengehen findet,

kann das Team übrigens auch anrufen.

Die Telefonnummer steht auf der Box.

Wie geht das Abenteuer aus? Wo wird

der Ballon landen? Werden die jungen

Forscher ihre Daten aus der Stratosphäre

bekommen? Darüber informieren wir

Sie in unserem Blog unter www.swefuererfurt.de,

wenn der Flug stattgefunden

hat. Aufgrund der Coronaauflagen musste

er leider verschoben werden.

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Lebkuchenmännchen

In der

Weihnachtsbäckerei...

Ohne Bienen hätte es früher kein Weihnachten

gegeben, zumindest so, wie wir

es heute feiern. Nicht nur, weil die Kerzen

für den Weihnachtsbaum aus Bienenwachs

gezogen wurden. Auch den Lebkuchen,

wie wir ihn heute kennen, gäbe

es nicht. Denn früher wurde mit

Honig gesüßt, nicht mit Zucker.

Er hat nicht nur eine stärkere

Süßkraft als industriell hergestellter

Zucker, sondern enthält

neben Frucht- und Traubenzucker

auch Mineralstoffe, Spurenelemente,

Vitamine und Enzyme.

Die Drillinge Annabelle, Magdalena und

Cassandra haben es gemeinsam mit ihrem

Großcousin Dante ausprobiert. Sie haben

ihre Lebkuchen nach einem alten Rezept

gebacken. Honig spielt dabei eine ziemlich

wichtige Rolle. Das flüssige Gold eignet

sich aber nicht nur wunderbar, um Speisen

oder Gebäck zu verfeinern. Es wirkt auch

antibakteriell. Als beliebtes Hausmittel wird

Honig oft bei Erkältungen oder Husten eingesetzt.

Doch die wertvollen Stoffe sind

hitzeempfindlich. Anstatt den

Honig in Tee oder heiße Milch

einzurühren, ist es besser, einen

Löffel Honig zu sich zu nehmen.

Mehr über unsere Bienen, das

flüssige Gold und weitere leckere

Rezepte für die Weihnachtszeit

finden Sie in unserem Blog

unter www.swefuererfurt.de.

Einfach den QR-Code scannen oder unter

www.stadtwerke-erfurt.de/swejournal

nachschauen.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Cassandra,

Annabelle, Dante

und Magdalena

hatten viel Spaß

beim Backen (v. l.)

ZUTATEN

250 g flüssiger Honig

100 g brauner Zucker

125 g Butter

500 g Mehl

1 TL Backpulver

1 EL Backkakao

1 Ei

1 Pkg. Lebkuchengewürz

Für die Glasur:

1 Eiweiß

250 g Puderzucker

SO GEHT’S: Honig, Zucker

und Butter in einem

kleinen Topf aufkochen,

in eine Schüssel

geben und vollständig

auskühlen lassen.

Mehl, Backpulver,

Lebkuchengewürz und

Kakao mischen. Ei und

abgekühlte Honigmischung

dazugeben und

mit den Knethaken des

Handrührgeräts zu einem

glatten Teig verarbeiten.

Teig in Folie

wickeln und mindestens

zwei Stunden

ruhen lassen.

Teig auf einer bemehlten

Arbeitsfläche

ca. 0,5 Zentimeter

dick ausrollen und

Lebkuchenmänner ausstechen

(man kann natürlich

auch andere

Förmchen benutzen).

Auf mit Backpapier

ausgelegtes Backblech

legen und im vorgeheizten

Backofen bei 180 °C

(Umluft 160 °C) ca. 12

bis 15 Minuten backen

(mittlere Schiene).

Nach dem Backen

vom Blech ziehen und

vollständig auskühlen

lassen. Nach Belieben

verzieren, z. B. mit einer

Zuckerglasur. Dazu das

Eiweiß steif schlagen,

Puderzucker einrieseln

lassen. Masse in einen

Spritzbeutel geben und

die Lebkuchenmänner

verzieren.

ALLEE HONIG zu gewinnen

Wussten Sie schon,

dass die Stadtwerke

Erfurt selbst Bienen

haben, die Honig

herstellen? Nicht

nur auf der Deponie

in Schwerborn.

Auch auf dem Dach

des SWE Kundenzentrums

in der Magdeburger

Allee wohnen

Bienen. Inzwischen

sind es drei Völker.

Wer wissen möchte,

wie unser Allee Honig schmeckt, kann sich per E-Mail

bei presse@stadtwerke-erfurt.de melden oder eine

Postkarte an SWE Stadtwerke Erfurt GmbH, Unternehmenskommunikation,

Magdeburger Allee 34, 99086

Erfurt schreiben. Kontaktdaten inklusive Telefonnummer

bitte nicht vergessen!

Unter allen Einsendern, die sich bis zum 31. Dezember

2020 melden, verlosen wir 12 Gläser.

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Klassische Teddybären faszinieren Andrea Heese-Wagner

besonders. Seit drei Jahren entwirft und gestaltet

die Grafikdesignerin Künstlerbären, große und kleine, jeder

ist etwas Besonderes. Anfangs nähte sie zu Hause, seit dem

Sommer auf der Erfurter Krämerbrücke: im mit 22,01 Quadratmetern

wohl kleinsten Lädchen, der ehemals „Sehr kleinen Galerie“.

Hier malte Dr. Winfried Müller früher seine Bilder, schrieb Gedichte.

Eins davon hängt an der Wand. Es geht um Schnecken und ob

sie in ihren Häusern glücklich sind. „Das habe ich schon so lange,

eine Freundin hat es mir geschenkt. Es war das Erste, das ich hierher

mitgenommen habe“, sagt sie.

Hier stickt sie eine

Nase. Bis zu 30 Stunden

Arbeitszeit gehen für einen Bären ins Land.

Fürs Knuddeln

fast zu schade

Zu Besuch bei ANDREA HEESE-WAGNER:

Die Bärenmanufaktur auf

der Krämerbrücke

„Teddys wirken auf den ersten Blick vielleicht banal, stehen aber

für eine sehr tiefe Kindheitssymbolik“, sagt Andrea Heese-Wagner,

die schon immer genäht hat, früher Schlenkerpuppen, heute

Teddys. Ihre Bären sind kunstvoll, haben einen unverwechselbaren

Stil, brummen so, wie man es von früher kennt. Die meisten entstehen

aus einer Laune heraus: Jeder hat seinen ganz besonderen

Gesichtsausdruck. Immer arbeitet sie mit natürlichen Materialien.

Sie verwendet Mohairstoffe, nichts Künstliches. Bis zu 24 Stoffteile

vernähte sie für ein kuscheliges Kerlchen, die sie mit Holz- oder

Schafwolle stopft. Die Nasen stickt sie und poliert sie mit Holz, so

lange, bis sie fast lederartig wirken. Unzählige Arbeitsschritte und

ca. 30 Stunden braucht es, bis die Bärchen fertig vor ihr sitzen.

Manche ihrer Künstlerbären wirken leicht ramponiert, als hätten

Horden von Kindern sie durch die

Gegend getragen. Aber sie sind

neu, so wie Mari, die – wie alle

anderen – ihren eigenen Bärenpass

hat, in dem steht, wie groß

sie ist, wann sie das Licht der Welt

erblickte und was sie ausmacht.

„Sie alt aussehen zu lassen, ist

gar nicht so einfach und erfordert

viel Geduld“, sagt Andrea

Heese-Wagner. „Ich zupfe die

Härchen einzeln aus oder dünne

den Stoff mit einer Silhouettenschere

aus“, meint sie. Mit Ölkreide,

Antikwachs und Schleifpapier

Blick in ihren Wunderkasten.

verpasst sie ihren Teddys den abgewetzten

Look. Es geht aber auch kuschelig, violett oder blau,

meint sie. Die kleinsten sind gerade mal 20 Zentimeter groß, dann

aber stille Bären. Die Brummstimme hätte einfach nicht den richtigen

Klang, verrät sie.

Doch warum der Wechsel vom Grafikdesign zur Bärenmanufaktur?

„Ich wollte wieder handwerklich arbeiten, Unikate erschaffen,

etwas, das die Menschen erfreut“, sagt sie. Die ersten Jahre war sie

viel auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs. Fast jedes Wochenende

stand sie bei Wind und Wetter mit ihren Künstlerbären auf

dem Platz. Da blieb nicht viel Zeit, selbst kreativ zu sein. „Ich habe

viele wunderbare Orte und Menschen kennengelernt, auf Dauer

ist das aber nichts“, meint sie und ist froh um ihre kleine Werkstatt

auf der Krämerbrücke. „Es ist zauberhaft hier, die Leute geben so

viel zurück. Manchmal stecken bunte Knöpfe in meinem Briefkasten

oder ein paar Münzen als Spende für den Alternativen Bärenpark

in Worbis, den ich unterstütze. Sogar einen Teddybärenkrimi

hat man mir schon vor die Tür gestellt“, erzählt sie.

Andrea Heese-Wagner in ihrem kleinen Reich.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Mehr zur Bärenmanufaktur gibt es im Internet

unter www.tilibom.de.

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#swelokal Hilfe hoch 4

Bei einem kleinen Wehwehchen ist sie die erste Anlaufstelle, um sich Rat über Medikamente, Therapien und Krankheiten

einzuholen. Die Apotheke. Viele kennen ihre Apothekerin oder ihren Apotheker persönlich. Apotheken gibt

es schon seit 800 Jahren. Wir haben vier von ihnen in Erfurt besucht und gefragt, was sie im Nachtdienst tun.

Schwan Apotheke Auf eine lange Tradition blickt die Schwan

Apotheke zurück. Seit 1638 holen sich Erfurter ihre Heilmittel von dort. Der Leverkusener Axel Hock

führt sie seit 2001 in der Bahnhofstraße mitten in der Stadt. Das Interesse an Alchemie und Pflanzenkunde

führte ihn zum Pharmaziestudium in Marburg. Den Nachtdienst geht Axel Hock ruhig

an, ist aber sofort munter, wenn es klingelt.

ADRESSE

Friedrich-Engels-Str. 63

99086 Erfurt

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag bis Freitag: 08:30 bis

18:30 Uhr, Samstag: 08:30 bis

12:30 Uhr

WEBSEITE

www.arkaden-apothekeerfurt.de

KONTAKT

Telefon: 0361 5 40 21 85

Fax: 0361 5 40 21 86

E-Mail:

arkaden.apo.erfurt@gmx.de

5 Angestellte

TIPP GEGEN ERKÄLTUNG

Ingwer mit Zitrone.

ADRESSE

Bahnhofstr. 2, 99084 Erfurt

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag bis Freitag: 08:00 bis

20:00 Uhr, Samstag: 09:00 bis

19:00 Uhr

WEBSEITE

www.schwan-apotheke.de

KONTAKT

Telefon: 0361 56 26 42 5

Fax: 0361 56 27 70 4

E-Mail: service@

schwan-apotheke.de

16 Angestellte

TIPP GEGEN ERKÄLTUNG

Einfach das Immunsystem in

Schuss halten.

Arkaden-Apotheke Die gebürtige Saalfelderin Karin Polten führt

die Apotheke im Norden Erfurts seit 1996. Schon mit 14 jobbte sie in den Ferien bei ihrer Mutter in

einer Apotheke. Das hat ihr gefallen. Nun ist sie die Chefin. Ihr Studium absolvierte sie an der Martin-

Luther-Universität in Halle. Beim Nachtdienst hilft ihr das umfangreiche Angebot von Streamingdiensten.

Das Gute: Wenn es klingelt, kann man den Film unterbrechen.

Park Apotheke Die Apotheke hat ihren Namen wegen ihres Standortes

– der Thüringenpark. Dort kann man schon seit 25 Jahren Medikamente holen. Vor sechs

Jahren kam Daniela Tischer aus Stralsund und übernahm die Apotheke. Ihr Berufswunsch Apothekerin

stand schon sehr früh fest. Daran war die Mutter nicht ganz unschuldig, sie ist Pharmazieingenieurin.

Studiert hat Daniela Tischer an der Humboldt-Universität in Berlin. Beim Nachtdienst

widmet sich die Apothekerin der Buchhaltung – bis jemand sein Medikament braucht.

ADRESSE

Neuwerkstr. 51, 99084 Erfurt

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag bis Freitag: 08:00 bis

19:00 Uhr, Samstag: 09:00 bis

13:00 Uhr

WEBSEITE

www.neue-marien-apothekeerfurt-app.de

KONTAKT

Telefon: 0361 6442674

Fax: 0361 6442673

E-Mail: info@nmaerfurt.de

20 Angestellte

TIPP GEGEN ERKÄLTUNG

Richtige Kleidung, gesunde

Ernährung, Abstand, Hygiene,

Vitamin C und Zink.

Neue Marien-Apotheke Kurz nach seinem Studium an

der Berliner Humboldt-Universität eröffnete der gebürtige Sachse Ronald Schreiber 1995 in der Regierungsstraße

70 seine Neue Marien-Apotheke. 2006 zog er ein paar hundert Meter weiter in die Neuwerkstraße

51. Zu seiner Berufung fand er, weil sein naturwissenschaftliches Interesse und sein Wunsch, Menschen

zu helfen, sich gut im Apothekerberuf vereinen lassen. Dazu gehört auch die Handarbeit bei der

Herstellung von Rezepturen. Passt. Den Nachtdienst nutzt Ronald Schreiber dann für Schreibtischarbeit

und Bürotätigkeiten – bis es klingelt.

ADRESSE

Thüringenpark

Nordhäuser Straße 73T

99091 Erfurt

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag bis Samstag: 08:30 bis

20:00 Uhr

WEBSEITE

www.parkapothekeerfurt.de

KONTAKT

Telefon: 03 61 65 38 39-0

Telefax: 03 61 65 38 39-28

E-Mail: parkapo-erfurt@

web.de

26 Angestellte

TIPP GEGEN ERKÄLTUNG

Salbeitee zubereiten, als Eiswürfel

einfrieren, lutschen.

TEXT: IVO DIERBACH FOTOS: KARINA HEßLAND-WISSEL

18

SWE-Journal 04_2020

SWE-Journal 04_2020 19


Erfurts JUNGE WILDE

Uvis Helmanis, neuer Chefcoach der

Basketball Löwen aus Erfurt, gibt sich

beim Fotoshooting vor der Saison optimistisch.

Die Vorstellungen des Vereins

und seine sportlichen Ambitionen

passen, so konnten die Löwen zwei

Jahre nach ihrer Gründung einen sehr

hochkarätigen Trainer verpflichten.

Der 48-jährige Lette bringt viel Erfahrung

auf höchstem Level mit. In

seiner langen und sehr erfolgreichen

Spielerlaufbahn konnte der 2,04 Meter

große Mann aus Riga viele Jahre in

den höchsten europäischen Ligen und

für die lettische Nationalmannschaft

spielen. Zudem trainierte er schon verschiedene

lettische Jugendnationalmannschaften.

Das ist den Löwen besonders

wichtig, denn Erfurt setzt auf

den Nachwuchs. Vier Spieler aus der

Bundesligamannschaft sind Leistungsträger

aus der U 19, das Team hat einen

Altersdurchschnitt von 21 Jahren.

Auch Helmanis‘ eigener Nachwuchs

ist sehr erfolgreich. Fünf Kinder hat

der Lette. Die zwei Söhne spielen beide

sehr erfolgreich Basketball in internationalen

Teams. In Erfurt hat er

sich gut eingelebt. Alte Städte wie seine

Heimat Riga oder Bamberg, wo er

viele Jahre gespielt hat, haben wie Erfurt

auch ein besonderes Flair...

„Uvis Helmanis ist mehr als eine

1-A-Lösung für unser Team. Er bringt

Spielerfahrung aus der höchsten deutschen

Liga mit, war lettischer Nationalspieler

und Nachwuchstrainer

im hochklassigen Basketball. All das

kann unser Team nur voranbringen“,

sagt Matthias Herzog, Geschäftsführer

der XXL Baskets GmbH, und hofft

auf neuen Schwung im Team. Und natürlich

auf die Unterstützung der Zuschauer,

die hoffentlich bald wieder zu

den Spielen kommen dürfen.

www.basketball-loewen.com/saison/spielplan

Es gibt im Team

viele junge Spieler,

die will ich besser

machen. In dieser

Saison wollen wir

in die Play-offs,

also unter die

ersten Acht.

Uvis Helmanis,

Chefcoach der Erfurter

Basketball Löwen

TEXT: CHRISTINE KARPE

FOTO: JACOB SCHRÖTER

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Wir machen

KINDER STARK

Zu Besuch im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen e. V.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

E

igentlich ist es wie in einer richtigen

Familie, Großfamilie zugegeben.

Denn bei Dorothea Welsche-Meyer

sitzen sechs Kinder

um den Tisch. Die Sozialpädagogin arbeitet als Hausmutter

im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen e. V. im Erfurter

Süden. Gemeinsam mit ihrem Mann Micha führt sie das Haus

Wiesenhof – inzwischen seit sieben Jahren. Mit Leib und Seele,

Herz und Verstand. Es ist eins von sechs Familienhäusern

im Kinderdorf. Insgesamt leben dort 41 Kinder. Schön haben

sie es. Jede Familie hat ein Haus für sich, den Spielplatz vor

der Tür. In den Wald sind es nur wenige Schritte. Perfekt für

die Großfamilie, die Kindern aus ganz Thüringen ein Heim

gibt. Die meisten kommen aus der Kurzzeitpflege oder aus

einer Inobhutnahme, die wenigsten direkt von den Eltern

– und bleiben, bis sie 18 sind. Im Haus Wiesenhof geht es

mit fünf Kindern zwischen vier und acht Jahren und einem

Hausmutter Dorothea

Welsche-Meyer mit Philipp,

Emily und Sarah.

16-Jährigen turbulent zu. Zwei sind Geschwister.

„Es ist echtes Glück, dass sie zusammenbleiben

konnten. Und auch ihre

Freundin Vanessa konnte später mit einziehen“,

erzählt die Hausmutter, die alle nur Doro nennen.

Das geht aber nur, wenn Plätze frei werden, also, wenn die

Großen ausziehen. „Wir halten natürlich immer noch Kontakt

und helfen“, sagt Dorothea Welsche-Meyer, aber man merkt

ihr an, dass es auch für sie nicht leicht ist, die Kinder ziehen

zu lassen, wenn sie erwachsen werden.

Emily ist ein echter Wildfang, sie klettert gern. Unbedingt

will sie uns ihre Schaukel zeigen, die in ihrem Zimmer hängt.

„Kommst du erst zu mir?“, Vanessa zieht uns mit in ihr kleines

Reich. „Schau mal, ich hab meine eigene Pflanze. Doro,

darf ich sie bitte gießen?“, fragt sie ihre Hausmutter. Freudestrahlend

nehmen uns die Kinder auf, zeigen uns, wie toll

22

SWE-Journal 04_2020

SWE-Journal 04_2020 23





sie Fahrrad oder Roller fahren können, ihre Lieblingskuscheltiere,

ihre Bücher. Philipp präsentiert sein ferngesteuertes

Auto, das er gerade erst zum Geburtstag bekommen

hat. Wenig später trifft auch Maxi Krauß ein.

Die junge Erzieherin unterstützt die Hauseltern. Die gute

Seele ist Hauswirtschafterin Dorina Olivieri. „Für uns ist

sie wie eine Oma“, flüstert

1 Emily und Sarah

lieben Kissenschlachten.

2 Maxi Krauß mit

Emily. Sie unterstützt

die Familie

als Erzieherin.

3 Philipp mit seinem

ferngesteuerten

Auto – ein Geburtstagsgeschenk.

4 Emily bringt ihre

geliebte Schaukel in

Schwung. Sarah sitzt

drin und freut sich.

5 Hausmutter

Dorothea Welsche-

Meyer lebt für

ihre Arbeit.

6 Philipp, Sarah

und Emily sind gern

draußen.

7 Dorina Olivieri:

Hauswirtschafterin

und gute Seele im

Haus Wiesenhof.

mir Martin zu, der schon in

die 2. Klasse geht.

„Weißt du, Doro ist meine

Ersatzmama“, erklärt

Emily und kuschelt sich an

sie. Für die Kleine ist das

ganz normal. Hört man

aber auf die Zwischentöne,

spürt man, dass sich

die Kinder fragen, warum

sie nicht bei ihren Eltern

leben, dass sie traurig

sind, wenn Mama es nicht

schafft, vorbeizukommen,

obwohl sie sich sehr darauf

gefreut haben. Aber auch

wenn die Eltern zu Besuch

kommen, ist es nicht einfach,

verrät Dorothea Welsche-Meyer.

„Dann sind sie

erst mal ein paar Tage verwirrt

und traurig, denn die

Bindung ist da. Dieses Loch

können wir nicht stopfen,

so sehr wir es möchten“,

sagt sie, nimmt Philipp in

den Arm und drückt ihm

einen Kuss auf die Stirn.

Jetzt auch online:

ABO-WECHSEL

Ab sofort wird das Leben für unsere

Abonnenten leichter. In der EVAG-

App „Erfurt mobil“ können sie ganz einfach

Änderungen ihres Abos vornehmen,

egal, ob sie eine neue Adresse oder ein

neues Konto haben. Und auch wenn die

Abo-Karte verloren geht, kann man das

ganz einfach melden.

Sogar ein Wechsel des Abo-Produkts

oder der bevorzugten Tarifzonen ist ganz

einfach und unkompliziert über die App

möglich, was sehr praktisch ist, denn bald

wird der Verkehrsverbund Mittelthüringen

(VMT) größer.

Damit alles funktioniert,

sollten die Kunden

sich in der App registrieren.

Mehr dazu unter:

www.evag.app. Einfach

den QR-Code scannen.

VMT wird größer

Gegen den

Winterblues

Auch wenn Herbstlese und Thüringer

Buchtage aufgrund der Corona-Auflagen

nicht stattfinden können, lesen

können wir trotzdem. Wie wäre

es mit Christian Berkels neuem Buch?

Wer den Schauspieler auch als Autor

schätzt, wird seinen neuen Roman lieben.

In „Ada“ erzählt er von einer vielschichtigen

jungen Frau, die zu Zeiten

des deutschen Wirtschaftswunders ihren

eigenen Weg sucht und aus dem

Schweigen ihrer Elterngeneration heraustritt.

Wie schon beim „Apfelbaum“,

seinem hochgelobten Erstlingswerk,

stehen auch in seinem neuen Roman

Lücken und blinde Flecken in Familiengeschichten,

die Suche nach Identität

und die Auseinandersetzung mit der

Zeitgeschichte im Fokus.

FOTO: GERALD VON FORIS

Sehenswert: die

Heidecksburg in

Rudolstadt.



Unterstützung gefragt

Seit 1991 gibt es das Albert-Schweitzer-Kinderdorf

Thüringen e. V. am Rande von Erfurt. Die

Finanzierung der Betreuung läuft über das Jugendamt.

Der Unterhalt der Häuser aber, an denen

nach knapp 30 Jahren vermehrt Reparaturen

notwendig werden, gelingt nur mithilfe von

Sponsoren und ehrenamtlicher Unterstützung.

Mehr über das Kinderdorf gibt es im Internet

unter www.kinderdorf-erfurt.de.

Das Verbundgebiet wächst ab 13. Dezember

um die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt

und Saale-Orla-Kreis. Auch auf

der Schiene können sich Fahrgäste über

neue Ziele freuen. Mit den Eisenbahnstrecken

nach Bad Kösen – Sömmerda, Eisenach

und Arnstadt – Bad Blankenburg –

Saalfeld sowie Saalfeld – Neustadt/Orla

– Triptis – Gera erweitert sich das VMT-

Netz in alle Himmelsrichtungen. Ideen

für einen Ausflug nach Saalfeld-Rudolstadt

präsentieren wir Ihnen auf Seite 44.

Mehr zum VMT unter

www.vmt-thueringen.de.



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SWE-Journal 04_2020

FOTO: ANDRÉ KRANERT

25


Ein TAG in

ORANGE

EMELY STEHR bei der

Straßenreinigung Erfurt

nen. „Wir müssen besonders unter die Bänke und um die Papierkörbe

herum schauen. Dort sammelt sich besonders viel

Müll“, sagt Frank Stubenrauch. Wir arbeiten uns die Gehwege

entlang, vorbei an dunklen Hausfassaden. Und wir haben viel

zu tun – mit Kippen, Taschentüchern und Bierdeckeln hatte

ich gerechnet, doch wir sammeln auch Stoffmasken, Essensreste

(darunter eine halbe Brezel) und Bierflaschen – ganz

oder auch nur in Teilen – auf. Welcher Erfurter die einzelne

dunkelblaue Socke verloren hat, lässt sich nicht mehr klären…

„Die schlimmsten Ecken am Morgen sind der Busbahnhof

und die Plätze vor den Fast-Food-Läden“, sagt Frank

Stubenrauch. Der gelernte Maurer ist täglich mit Kollege

Harald Rahn ab den frühen Morgenstunden auf den Beinen.

„Es spielt keine Rolle, ob es regnet, stürmt oder schneit“, sagt

der Erfurter. „Die Laubzeit jetzt im Herbst ist am schlimmsten.

Gerade bei Regen ist alles nass, da kommen wir auch

mit dem Laubbläser nicht weiter und müssen alles kehren.“

Am Fischmarkt treffen wir uns mit dem anderen Team, ein

Arbeitsgerätetausch steht an: Eimer und Zange gegen Gasbrenner.

Denn die Männer sind nicht nur für das Aufsammeln

von Müll, sondern auch für das Beseitigen von Unkraut verantwortlich.

Vor dem Gasbrenner habe ich gehörigen Respekt,

nicht, dass ich die halbe Stadt in Flammen setze. Keine

Sorge, ich habe den Brenner schnell im Griff und das Unkraut

hat keine Chance.

Nach dem Frühstück gehts an der Krämpferstraße weiter.

Der Auftrag: die Straßenränder reinigen. Temporäre Halteverbote

sorgen dafür, dass keine geparkten Autos stören.

„Die Stadtwirtschaft muss rund 60 Straßen in Erfurt sauber

machen. Für den Rest sind die Anwohner zuständig“, erklärt

Markus Graß vom anderen Team.

Wir befreien die Straßen mit Besen, Laubbläsern und Motorsense

von Laub und Unrat und sind quasi die Vorabeiter

für die Kehrmaschine, die alles einsaugt. Ein anstrengender

Job, die Geräte sind schwer und die Lautstärke zerrt an den

Nerven. Aber, ganz ehrlich – es hat verdammt viel Spaß gemacht,

vielleicht auch, weil das saubere Ergebnis mich mit

Stolz erfüllt.

Wir haben einen

abwechslunsreichen

Job an der frischen

Luft. Kein Tag ist wie

der andere.

Uwe Ehrlich,

Kraftfahrer bei der

SWE Stadtwirtschaft GmbH

Emely, Werkstudentin in der SWE Unternehmenskommunikation,

tauscht für einen Tag Zivil gegen Orange.

Es ist 5:30 Uhr. Der Himmel über Erfurt ist dunkel, die

Straßen wie leer gefegt. Heute steht ein Jobtausch

für mich an: Ich tausche Büro und Schreibtisch in der

SWE-Zentrale gegen die Arbeit im Freien mit Besen, Laubbläser

und Kneifzange. Acht Stunden Einsatz bei der Stadtwirtschaft,

mitten in Erfurt. Auftrag: die Stadt säubern.

Los geht’s bei der Zentrale der Straßenreinigung an der

Eugen-Richter-Straße, Arbeitsklamotten anprobieren und

anziehen. Latzhose und passende Jacke in orange, dazu

dicke Arbeitshandschuhe. Mein Team für diesen Tag: Uwe

Ehrlich, Frank Stubenrauch, Harald Rahn und David Güttig –

jeder hat eine andere Aufgabe, um Erfurt sauber zu halten.

Start: Hirschgarten. Von da aus geht’s den Anger entlang.

Die Stadt ist wie ausgestorben, Laternen und einige Schaufenster

erhellen die Straßen. „Hier, deine Arbeitsgeräte. In

eine Hand den Eimer und in die andere die Zange“, sagt Uwe

Ehrlich.

Das Team teilt sich auf: Während die einen zur Markstraße

weiterfahren, starte ich mit zwei Kollegen am Angerbrun-

Straßen fegen ist nicht alles, es gibt so viele andere Aufgaben,

die warten. So müssen täglich 280 Papierkörbe im

Stadtgebiet geleert werden – am Wochenende sogar zweimal

am Tag. „ Wir haben einen abwechslungsreichen Job an

der frischen Luft. Kein Tag ist wie der andere“, sagt Uwe Ehrlich,

der vor seiner Tätigkeit bei der Stadtwirtschaft Kraftfahrer

für Medizintechnik war.

„Viele Erfurter erkennen unsere Arbeit an – die einen

mehr, die anderen weniger“, sagt er und lächelt. „Es kommen

manchmal Touristen auf uns zu und sagen, dass Erfurt

im Gegensatz zu den Städten, die sie kennen, eine sehr saubere

Stadt ist. Sie kommen oft aus Frankfurt oder Stuttgart.“

Und ich? Ich bewundere die Jungs, die für uns unterwegs

sind – jeden Tag, bei Wind und Wetter. Ihren Job kann keine

Maschine machen, Kippen aus den Fugen kratzen, Papierkörbe

leeren oder dem Unkraut zu Leibe rücken – das können

eben nur die flinken Hände eines Menschen.

TEXT: EMELY STEHR FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

Frank Stubenrauch und Harald Rahn helfen Emely

beim Abbrennen von Unkraut.

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SWE-Journal 04_2020 27


Was ist denn das?

Einbrecher im

Dreienbrunnenbad?

Nein, hier wird eine

Szene mit Arnold

Makuissie für Schloss

Einstein gedreht.

Felix Abraham ist studierter

Fotojournalist.

Wenn er nicht für

Magazine oder

Zeitungen arbeitet, ist

er als Standfotograf

am Set von Schloss

Einstein dabei.

SCHLOSS EINSTEIN

im Dreienbrunnenbad

Die ersten Blätter färben sich rot. Es ist ein schöner

Herbsttag, nicht zu kalt, aber auch nicht gerade

warm und bestimmt kein Badewetter. Die Saison

ist lange durch, auch im Dreienbrunnenbad. Aber wieso

fahren da Laster vor? Was soll das emsige Treiben? Kisten

werden ausgeladen, Kommandos gerufen. Alles geht zack

zack. Schloss Einstein dreht eine Episode der 24. Staffel.

Kamera, Ton und Licht sind die ersten vor Ort. Sie richten

das Set ein. Wenn die Darsteller kommen, muss alles passen.

Denn die Drehzeit ist begrenzt. Immerhin gehen die

Schauspieler noch in die Schule, so wie Noel Okwanga

(spielt Pawel Kronbügel) und Carla Hüttermann (spielt

Flora Freytag), die heute ihren Auftritt haben. Was genau

passiert, wird natürlich nicht verraten, erst, wenn die neuen

Folgen anlaufen.

Auch Phillip Müller (er spielt den Sportler Bela) ist mit von

der Partie. Für ihn ist die 24. die erste Staffel. Mehr als drei

Stunden am Tag dürfen die drei nicht drehen, sie sind 15

und 16 Jahre alt und fallen unter das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Auch die Zeit am Set ist begrenzt. Die Dreharbeiten,

die normalerweise im April beginnen, starteten dieses

Jahr erst im Juli. Wegen Corona und der besonderen Auflagen

zum Schutz von Darstellern und Team. Jeder am Set

trägt Maske, außer vor der Kamera. Und im direkten Zusammenspiel

dürfen die Schauspieler wegen der Abstandsregeln

nicht auftreten, jede Berührung ist ausgeschlossen.

Regisseur

Nils Dettmann

im

Gespräch mit

Darsteller

Noel

Okwanga.

Kamerafrau

Julia

Schlingmann

und Kamerabühnenassistent

Kurt Hall

harren im 15

Grad kalten

Wasser aus.

Ziemlich schwierig, nicht nur für Regisseur Nils

Dettmann, der inzwischen ein Meister im Improvisieren

ist, oder die Kamerafrau Julia Schlingmann. Das ist

aber nicht die einzige Herausforderung für das Kamerateam.

Um richtig gute Bilder zu kriegen, entschließen

sich Julia und Kamerabühnenassistent Kurt Hall

zu einem Bad. Vorsichtig steigen sie ins Wasser, setzen

einen Fuß vor den anderen, damit die teure Technik

nur keine Spritzer abbekommt. „Oh je, ist das kalt“,

murmelt Julia und schreitet tapfer in die Mitte, wo sie

wie eine Salzsäule stehen bleibt und verharrt. 15 frische

Grad hat das Schwimmbecken an diesem Tag,

was noch kälter wirkt, wenn man sich nicht bewegen

darf.

Felix Abraham beobachtet das Ganze aus der Ferne

und entschließt sich, seine Fotos lieber vom Beckenrand

aus zu schießen. Er ist seit 2017 als Standfotograf

bei Schloss Einstein dabei, allerdings nicht so oft

am Set wie die anderen. Ein- bis zweimal pro Woche

kommt der 29-Jährige mit dem ICE aus Halle, schießt

aussagekräftige Fotos der Dreharbeiten aus verschiedenen

Perspektiven. Meist an Tagen, an denen besonders

viele Darsteller am Set sind, oder wenn etwas

Entscheidendes in der Handlung passiert. „Immer in

Absprache mit der Producerin und der Pressebetreuerin,

denn die Bilder sind für die Öffentlichkeitsarbeit,

gehen an Fernsehzeitschriften oder werden für Poster

oder Autogrammkarten verwendet“, erklärt der Hallenser,

der als selbständiger Fotograf arbeitet, überwiegend

im journalistischen Tagesgeschäft. Sein Herz

aber schlägt für den Film. „Schon mit 11 habe ich mit

Freunden erste Livesendungen im lokalen offenen Kanal

gesendet und immer wieder Kurzfilme gedreht“,

erzählt er und freut sich schon auf den nächsten Tag

am Set.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: FELIX ABRAHAM/LEA JUNGHANNS

Weitere Fotos und Informationen

zur Arbeit eines Standfotografen

gibt es im Blog unter

www.swefuererfurt.de. Einfach

den QR-Code scannen oder unter

www.stadtwerke-erfurt.de/

swejournal nachschauen.

28

SWE-Journal 04_2020

SWE-Journal 04_2020 29


Danke,

dass ihr

Erfurt zum

Blühen bringt!

Fürs Gruppenfoto haben

sich Kolleginnen und Kollegen

vom Erfurter Garten-

und Friedhofsamt

im Hirschgarten aufgestellt.

Ihr Job: Erfurt

grüner, bunter und

artenreicher machen.

D

ie Frauen und Männer, die Sie auf dem großen Foto

sehen, verändern gerade unsere Stadt. Es sind Mitarbeiter

des Garten- und Friedhofsamtes, sie machen Erfurt

grüner, bunter, lebenswerter. Und immer mehr Einwohner

der Landeshauptstadt beobachten mit Staunen die Veränderungen

in Parks, auf Plätzen und an Straßenrändern. „Durch

die BUGA haben sich Möglichkeiten aufgetan, die Stadt in

ihrer grünen Infrastruktur dauerhaft zu entwickeln“, sagt Dr.

Sascha Döll, Chef des Garten- und Friedhofsamtes der Stadt.

„Wir können Dinge machen, für die wir früher nie das Budget

hatten.“

Beispiele? „In der Innenstadt kann man keine großen

Strukturen anlegen, da musst man viel mit Töpfen und Hochbeeten

arbeiten. Deshalb haben wir 15 begrünte und blühende

Sitzbänke in unterschiedlichen Formen und Größen

beschafft, sie an verschiedenen Orten aufgestellt – Schlösserbrücke,

Anger, Domplatz, Theater. Wir haben den Hirsch-

garten neu gestaltet, wir haben eine Bewässerungsanlage

eingebaut.“

Dr. Döll: „Unsere Aufgabe ist es, die Grünanlagen fit zu halten.

Wir kümmern uns um Friedhöfe, Verkehrsinseln, Parkanlagen,

wir haben auch landwirtschaftliche Flächen und

Wälder.“ Ein Problem: „Beim Stadtumbau nach der Wende

hat man das Grün häufig vernachlässigt. Damals hatte man

die Bäume nicht so richtig auf dem Schirm.“

Und nun auch noch der Klimawandel mit den viel zu trockenen

Sommermonaten: „Wir müssen anders mit Grün umgehen,

ich muss es in Baumaßnahmen integrieren. Also bagger‘

ich nicht einfach nur ein Loch, schmeiß Erde rein und

denke mir, das wird schon – wir schaffen jetzt bis zu 15 Kubikmeter

große unterirdische Räume, füllen sie mit Substrat,

damit die Bäume gut wurzeln können. Wir sorgen für Bewässerung,

leiten Regenwasser in die Pflanzgruben, damit es

nicht in Kanälen verschwindet. Da, wo ich das nicht machen

kann, muss ich über aktive Bewässerung nachdenken. Das

testen wir gerade an drei Flächen: Hirschgarten,

Blumenstraße, Nordpark.“

Dr. Döll: „Wir wollen bei den Erfurtern

Interesse an der BUGA erzeugen, und wir

wollen zeigen, was wir als Gartenamt alles

leisten können.“ Dazu gehört auch die

Schaffung von Blumenwiesen dort, wo

früher regelmäßig Rasenflächen gemäht

wurden: „Wir müssen die Artenvielfalt erhöhen,

Rasen ist ökologisch nutzlos.“ So

ist sein Amt dabei, die Rasenfläche an der

Staufenbergallee mit Beeten zu versehen.

„Wir haben Blumenzwiebeln eingebracht,

Ansaaten ausgesät – sie sollen sich jedes

Jahr weiter ausweiten und die Anlage artenreicher machen.“

Wie geht’s weiter?

„Wir entwickeln Wiesenkonzepte, Baumpflanzkonzepte, Erholungskonzepte.

Bei den größeren Parkanlagen, Stadtpark,

Durch die BUGA

können wir

Dinge machen,

für die wir

früher nie das

Budget hatten.

Dr. Sascha Döll,

Chef des Gartenund

Friedhofsamtes

Luisenpark und Nordpark mit Geraaue,

müssen wir gucken, wie wir künftig mit

der Pflege umgehen. Wichtig sind auch

die Ortsteile mit ihren zum Teil wunderschönen

Ortskernen, hier wollen wir die

Heimatvereine künftig stärker unterstützen.

Und wir müssen jedes Jahr zwei neue

Erholungsflächen wie an der Blumenstraße

schaffen – in neu gebauten Wohnanlagen,

aber auch im städtischen Bestand.“

Doch auch die Erfurter können was für

eine grüne Stadt tun. „Wir kommen bei

den 90.000 Bäumen im Stadtgebiet nicht

hinterher, sie alle zu gießen. Es wäre toll, wenn die Menschen

mehr Baumpatenschaften übernehmen, sie brauchen

sich nur an das Gartenamt zu wenden.“

TEXT: HENRY KÖHLERT FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

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SWE-Journal 04_2020 31


25 besondere Kleinode

– Parks und Gärten aus dem

grünen Schatz Thüringens –

sind als BUGA-Außenstandorte

in einem Gartennetzwerk

vereint. Die Idee der

Bundesgartenschau wird so

in den gesamten Freistaat

getragen. Bad Langensalza

verzaubert seine Besucher

mit blühenden Gärten, verschlungenen

Gassen und

einem liebevoll gestalteten

Stadtbild und beeindruckt mit

der Vielfalt von zehn Parks

und Themengärten. Immer

einen Besuch wert…

Vier GÄRTEN

Eine STADT

Eine BUGA

Rosengarten

Auf einem 18.000 Quadratmeter großen,

ehemaligen Fabrikgelände beeindrucken fast

450 Rosenarten und -sorten mit Duft und Blütenpracht.

Besonders sehenswert in Anmut

und Vielfalt ist die Sammlung der Bad Langensalzaer

Rosen. Zwischen 1950 und 1990

wurden in der Stadt allein 91 Sorten gezüchtet.

Deutschlands einzige Rosenzüchterin

Anni Berger wirkte in Bad Langensalza.

Unter Kennern gilt der Rosengarten als einer

der schönsten Deutschlands.

Japanischer Garten

Sanft plätschernde Wasserfälle und der Platz der heiligen Bäume begrüßen

die Besucher im Japanischen Garten. Einem Trockenwasserfall entspringen

in Kies geharkte Wellen. Majestätisch ziehen Kois im klaren Wasser des mit

Seerosen und Wasserlilien gesäumten Teiches vorbei. Die Ästhetik meisterhaft

gestalteter Bonsaikunstwerke im stetigen Wandel erfreut die Besucher.

Im wunderschönen Pflanzenpavillon mit seinem Teehaus wird zur original

japanischen Teezeremonie eingeladen.

TEXT: CHRISTINE KARPE FOTOS: ALEXANDER WEINGARTEN

Apothekergarten

Der Apothekergarten am Thüringer Apothekenmuseum im

„Haus Rosenthal“ zeigt eine Auswahl typischer Pflanzen, die

in Mitteldeutschland heimisch sind. Viele davon werden heute

noch für die Herstellung von Arzneidrogen verwendet

oder waren prägend für die Entwicklung moderner Arzneimittel.

Die Heilpflanzen sind in neun Beeten nach ihren Anwendungen

bzw. medizinischer Indikation geordnet. Blumenrabatten

mit Rosen sowie besonders attraktiv blühenden und

duftenden Heilpflanzen umsäumen die Kräuterbeete.

Schlösschenpark

Die einst barocke Grundstruktur des Schlösschenparks veränderte sich

mit dem jeweiligen Zeitgeschmack. Die terrassenartige Parkanlage mit

ihren seitlichen Rabatten vereint viele verschiedene Stile der Gartenarchitektur.

Der halbrunde Platz in diesem Park bietet mit dem Blick

auf das Friederikenschlösschen eine beeindruckende Kulisse. Beim

Rundgang durch den Schlosspark eröffnen sich die Orangerie, der

Pavillon mit Brunnen für schwefelhaltiges Wasser, der naturbelassene

Parkteil und die alte Remise mit der historischen Druckerei.

32

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SWE-Journal 04_2020 33


DIESE FRAU will

ein EHRENAMT

34

Damit die BUGA in Erfurt ein Erfolg

wird, braucht es nicht nur Gärtner,

Landschaftsbauer und Planer. Es

braucht auch viele gute Geister,

die ehrenamtlich unterstützen.

So wie BIRGIT FEHLING.

„Wenn ich groß bin, dann fahre ich zu

Olympia!“ Dieses selbstbewusste Vorhaben

hatte sich Birgit Fehling mit zehn

Jahren gesetzt und es auch erreicht. „Es

hat zwar 40 Jahre gedauert, aber 2012

habe ich die Olympischen Spiele in London

als Kampfrichter miterlebt. Diese

Chance hat man wohl nur einmal im

Leben“, sagt die 58-jährige Erfurterin.

Birgit Fehling ist Kampfrichterin im

Kanuslalom. Eine Sportart, die man

in Erfurt wohl eher weniger vermutet:

Meterbreite Stromschnellen, jede

Menge spritzendes Wasser und Felsen

– nur mit einem Paddel kämpfen

sich die Sportler durch die wilden Fluten.

Und doch, in einem abgegrenzten

Areal unterhalb des Nordparks, trainieren

seit Jahrzehnten Enthusiasten den

Zweikampf Mensch gegen die Urkraft

des Wassers.

Der Kanusport wurde ihr in die Wiege

gelegt: Als Tochter des Vereinsvorsitzenden

eines Weimarer Kanusportvereins.

Als es im Jugendbereich dann

sportlich nicht mehr richtig voranging,

förderte Birgit Fehling den Nachwuchs

als Übungsleiter und machte schließlich

eine Kampfrichterausbildung. Mit

21 Jahren war sie stolz die jüngste

Kampfrichterin im Kanusport der damaligen

DDR.

Bei Wind und Wetter stand sie viele

Jahre an den Kanurennstrecken. „Ich

TEXT: CHRISTINE KARPE

FOTOS: PAUL PHILIPP BRAUN

SWE-Journal 04_2020

Birgit Fehling ist seit

vielen Jahren als

Kampfrichterin international

im Einsatz.

London war ihr

Traumziel. Die erfahrene

Kampfrichterin

weiß: Über Sieg und

Niederlage entscheiden

im Kanusport

Kleinigkeiten.

habe lange gezögert, meine Englischkenntnisse

waren nicht so gut, um international

tätig sein zu können. Doch

dann entschied ich mich 2003 für

eine Ausbildung zum internationalen

Kampfrichter“, erzählt die in Erfurt lebende

Mutter zweier Kinder. 15 Europameisterschaften,

ungezählte Weltcups

stehen auf ihrer Einsatzliste.

„Olympia ist ein unbeschreibliches

Gefühl, die Sportler aus vielen Nationen,

das Miteinander und auch die besondere

Gastfreundschaft der Londoner.

Ohne freiwillige Helfer geht bei

einem solchen Großereignis gar nichts,

das Engagement dieser Leute hatte

wahrlich olympische Dimensionen.“

Bis zu sechs Wochen

ist sie in manchem Jahr

im Wettkampfeinsatz, sie

erlebt die Begeisterung

in den Sportvereinen, die

Hilfe und Unterstützung,

ohne die weder Leistungs-

noch Nachwuchssport durchzuführen

sind. Helfer, die für alle Essen kochen,

Eltern als Fahrdienst.

Birgit Fehling, seit 2013 übrigens offizielle

Botschafterin der Landeshauptstadt,

möchte gerne etwas an ihre

Heimatstadt zurückgeben. Wenn im

nächsten Jahr die BUGA-Besucher kommen,

dann ist sie im Einsatz: „Gästen

den Weg zu weisen oder Mobilitätshilfe

anzubieten – das möchte ich im BU-

GA-Freiwilligendienst übernehmen.“ Als

sie den Aufruf im BUGA-Boten, einem

Einleger im Amtsblatt gelesen hatte,

zögerte sie nicht und meldete sich per

E-Mail an.

Und weil sie davon überzeugt ist,

dass die BUGA in ihrer

Heimatstadt ein Erfolg

wird, hat sie auch ihre

Sportfreunde aus vielen

Bundesländern eingeladen,

Erfurt und das große

Gartenfest zu besuchen.

SWE-Journal 04_2020

Haben auch Sie

Interesse am BUGA-

Freiwilligendienst?

www.buga2021.de/

buga-helfer.

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Ein Baum für

den Frieden

BUGA

gibts als

Geschenk

Völkerverständigung auf dem Petersberg:

Was nach einem großen

Auftrag klingt, das wird zur

BUGA ganz einfach möglich, mit

dem Paradiesbaum. Das gemeinsame

Metallkunstwerk der jüdischen

Künstlerin Ruth Horam und

des muslimischen Künstlers Nihad

Dabeet.

Dabei ist der stilisierte Olivenbaum

bereits die sechste derartige

Skulptur. Eine andere steht in

Jerusalem, unweit des Präsidentenpalasts.

Sie alle haben ein Ziel:

Sie sollen zur Völkerverständigung

und zum Frieden über ethnische,

kulturelle und religiöse

Grenzen hinweg beitragen. Und

schon das Künstlerduo ist genau

ein solcher Quell des Austausches,

denn Nihad Dabeet wurde in einem

christlichen Elternhaus in Israel

geboren, konvertierte der Liebe

wegen zum Islam. Dass er nun

mit der Jüdin Ruth Horam zusammenarbeitet,

schon das ist eine

Aussage.

Der Erfurter Baum soll dabei das

größte Objekt von allen sein, ausgestattet

mit 60.000 kupfernen

Olivenblättern. Während die Blätter

der Bäume in Israel jedoch golden

glänzen, werden die Erfurter

Exemplare mit der Zeit eine grüne

Patina erhalten. So werden sie

in die Farbe der Hoffnung verwandelt.

Die Besonderheit: Wer möchte,

kann ein solches Doppelblatt

in vielen Sparkassenfilialen und

Erfurter Hotels erwerben und so

zum Wachsen des Baumes beitragen.

Dieses Olivenblatt als Zeichen

für Frieden und Harmonie ist

auch ein einzigartiges Geschenk.

Der Käufer kann das weiche

Kupfer nach eigenen Vorstellungen

verzieren und an vorher festgelegten

Terminen auf den Berg

bringen. Nihad Dabeet befestigt

es im Beisein des Eigentümers und

schafft so eine persönliche Verbindung

zum Petersberg. Und das

nicht nur in diesem Jahr, sondern

auch während der BUGA.

Eingeweiht wurde die rund

1,5 Tonnen schwere Stahlskulptur

am 20. September, zum Abschluss

der diesjährigen Achava-Festspiele,

um die Völkerverständigung

auf dem Petersberg zu feiern.

www.paradiesbaum.org

BUGA macht

Schule spannend

Raus aus dem Klassenzimmer,

rein in die Natur: Wo können

Kinder und Jugendliche spannende

Pflanzen und Tiere in ihrem

Lebensraum kennenlernen?

2021 lädt das BUGA-Klassenzimmer

mit einer großen Vielfalt

von Themen zum Lernen außerhalb

der Schulgebäude ein. Mehr

als 2.000 Angebote an 22 Standorten

im egapark und auf dem Petersberg

gibt es für Schüler aller

Altersklassen: vom Danakil über

den grünen Erlebnisrundgang,

das Deutsche Gartenbaumuseum

oder den Schulgarten im egapark

bis zum Gärtnertreff in den Erfurter

Gartenschätzen, die Outdoorküche,

den Bienenlehrpfad

oder die Gärten der Verbände

auf dem Petersberg… Weitere Informationen

www.buga2021.de/

buga-klassenzimmer.

Schöner gießen

mit Kannelore

und Gießbert

Kannelore, Gießbert, Blumian und Gießabella – Lisa Jahn (Foto) vom BUGA-Team präsentiert

die limitierte Erfurt-Edition der BUGA-Maskottchen. Zum Start des Tageskartenverkaufs

standen auch die vier Gießkannen in den Regalen der Erfurter Vorverkaufsstellen.

Für alle, die leider keine Kanne bekommen haben, eine gute Nachricht:

Ab 23.04.2021 steht die offizielle BUGA-Edition in den Läden und dann ist garantiert

genug für alle da.

Zuwachs im

GärtnerReich

Das GärtnerReich im egapark, mit 3,5 Hektar Thüringens größter Spielplatz, wächst bis

zur BUGA 2021 weiter. 2016 wurden die ersten Spielgeräte aufgebaut, jetzt kamen weitere

Geräte hinzu – wie der Queckenwurzelzieher den Thomas Thiel, Holzspielzeugmacher

bei der Werkform GmbH, zeigt (Foto). Insgesamt sollen 29 riesengroße Spielgeräte

(inklusive Planschbecken) die kleinen und großen Gäste erfreuen.

Pünktlich zur Weihnachtszeit

heißt es:

Startfrei für den Vorverkauf

der BUGA-Tickets!

Die Tageskarte für Erwachsene

kostet 25,00

Euro, für junge Erwachsene

12,50 Euro und für

Schüler 2,50 Euro. Kinder

bis zum 7. Lebensjahr

zahlen nichts. Ein

besonderes Angebot

ist die Zweitageskarte:

Die kostet für Erwachsene

35,00 Euro und für

junge Erwachsene 17,50

Euro. In den Preis beider

Karten ist die Fahrt mit

der Straßenbahn eingeschlossen.

Die Karten

gibt es u. a. bei den mehr

als 100 Ticketshops der

Funke Medien Gruppe

in ganz Thüringen, weiteren

Erfurter Servicestellen

oder online unter

www.buga2021.de/

tickets. Neu vor dem

Fest steht auch der offizielle

BUGA-Wein in den

Regalen.

Fotos gesucht

Im Kommandantenhaus auf

dem Petersberg eröffnet zur

BUGA eine multivisuelle Mitmachausstellung

zur Besiedlungsgeschichte

des Berges.

Der letzte Raum des Ausstellungsrundgangs

soll die

ganz persönlichen Momente

der Erfurter auf dem Petersberg

nach 1945 zeigen.

Wer private Fotos zur Verfügung

stellen möchte:

www.erfurt.de/ef136124.

TEXT: CHRISTINE KARPE

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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Winterschutz für den Wasserzähler

Das Laub im Garten ist weggefegt, Gartentisch und Stühle sind

gut verpackt im Keller. Streusalz und Schneeschieber stehen bereit.

Haben Sie nicht noch etwas vergessen? Ist der Wasserzähler

auf die kalte Jahreszeit vorbereitet?

Es sind nur wenige Handgriffe, die sich lohnen: Befindet

sich der Zähler in einem frostsicheren Raum? Wenn nicht,

dann schützt eine frostsichere Verpackung aus Schaumstoff

oder ähnlich wärmendem Material als „Winterbekleidung“ die

Messeinrichtung vor dem Zerfrieren.

Warum muss der Wasserzähler im Winter besonders geschützt

werden?

HEIZEN und LÜFTEN

im Winter: So

gehts richtig

Auch wenn es draußen kalt ist und man

es zu Hause wohlig warm haben möchte,

sollte man nicht auf das Öffnen der

Fenster verzichten. Die Verbraucherzentrale

Thüringen zeigt, wie Sie mit der

richtigen Balance beim Heizen und Lüften

ein angenehmes Raumklima schaffen

und Schimmel vermeiden können.

FÜR FRISCHE LUFT SORGEN. Je mehr

Personen sich im Haushalt befinden

und je aktiver sie sind, desto öfter muss

gelüftet werden – kurz durch ein oder

mehrere weit geöffnete Fenster (Stoßlüften),

vorzugsweise quer durch die

Wohnung (Querlüften). Im Winter bei

niedrigen Außentemperaturen reichen

drei bis fünf Minuten. Drei bis vier Mal

pro Tag sollten Sie die Luft komplett

austauschen, mindestens aber morgens

und abends. Dabei natürlich die Heizkörper

abdrehen, sonst heizen Sie zum

Fenster raus.

DIE FEUCHTIGKEIT VERTREIBEN. Auch

nach dem Duschen, Baden und Kochen

sollte sofort gut durchgelüftet werden,

ebenso im Schlafzimmer gleich nach

dem Aufstehen. Die relative Luftfeuchtigkeit

im Raum lässt sich leicht mit einem

Thermo-Hygrometer kontrollieren,

das es für wenige Euro im Baumarkt zu

kaufen gibt. Ist die relative Luftfeuchtigkeit

im Winter regelmäßig höher als

50 Prozent, steigt die Schimmelgefahr.

Sinkt sie unter 30 Prozent, kann die trockene

Luft die Schleimhäute reizen.

ALLE RÄUME HEIZEN. In der Heizperiode

sollten Sie alle Wohn- und Schlafräume

tagsüber auf mindestens 16 Grad

heizen, auch wenn einige nur selten genutzt

werden. Versuchen Sie nicht, die

ganze Wohnung nur mit einzelnen

Heizkörpern zu heizen. Temperaturunterschiede

von mehr als fünf Grad zwischen

Räumen innerhalb der Wohnung

können schnell zu einem Schimmelproblem

führen. Schließen Sie daher die Türen

zwischen unterschiedlich stark beheizten

Räumen.

NICHT VOLL AUFDREHEN. Entgegen

der landläufigen Meinung wird es nicht

schneller warm, wenn der Heizkörper

voll aufgedreht wird. Stellen Sie das

Thermostatventil Ihrer Heizung also am

besten genau auf die gewünschte Stufe

ein. Dann wird der Raum nicht überheizt.

Stufe 3 entspricht etwa 20 °C. Eine

Stufe höher oder niedriger macht jeweils

ungefähr vier Grad aus. Testen Sie mit

einem Thermometer aus, welche Stufe

Erfurts Trinkwasserversorger setzt in seinem Versorgungsgebiet

Messeinrichtungen ein, deren Zählwerk unter Wasser

steht. Sinken die Temperaturen unter 0 °C, wird es zerstört, das

Zählerglas zerplatzt. Passiert das, dann muss ein neuer Zähler

eingebaut werden. Der Verbrauch wird für die nächste Rechnungslegung

geschätzt, da eine genaue Abrechnung nun nicht

mehr möglich ist. Die Kosten für den Ersatz des Wasserzählers

trägt der Kunde. Sein Liefervertrag verpflichtet ihn dazu, sorgsam

mit der Messeinrichtung umzugehen und Probleme umgehend

dem Versorger mitzuteilen.

Deshalb: rechtzeitig an den Winter denken!

FOTO: ADOBE STOCK

Sie maximal benötigen, um sich noch

behaglich zu fühlen.

RÄUME NICHT AUSKÜHLEN LASSEN.

Vergessen Sie nach dem Lüften nicht,

die Fenster wieder zu schließen. Beim

Dauerlüften geht viel Wärmeenergie

verloren und die Wände im Raum kühlen

ab. Dann dauert es lange, bis der

Raum wieder warm wird und es besteht

Schimmelgefahr.

HEIZKÖRPER FREIRÄUMEN. Kann die

warme Luft am Heizkörper nicht zirkulieren,

funktioniert das Thermostat

nicht richtig. Möbel, Vorhänge oder

Abdeckungen direkt vor dem Heizkörper

sollten Sie deshalb entfernen oder

verschieben.

Weitere Fragen beantworten die Energieberater

der Verbraucherzentrale Thüringen:

in der Beratungsstelle am Willy-

Brandt-Platz oder auch bei Ihnen zu

Hause. Terminvereinbarung unter Tel.

0800 809 802 400 oder 0361-555140.

SWE-Journal 04_2020

FOTO: SUSANN NUERNBERGER

Entspannung

für Körper und Seele

Wussten Sie es schon? Saunagänger tun nicht nur etwas

für ihre Gesundheit, sondern auch für ihre Seele.

Vor allem in der kalten Jahreszeit ist das Schwitzen bei

hohen Temperaturen sehr beliebt.

Der regelmäßige Gang in die Sauna stärkt die Abwehrkräfte

und ist der perfekte Faltenkiller. Die Haut

wird entschlackt, Feuchtigkeit wird besser gespeichert.

Aber auch bei Schlafstörungen haben Saunafreunde

sehr gute Erfahrungen gemacht. Durch das Saunieren

wird der Stoffwechsel angeregt, aber auch Stresshormone

werden abgebaut. Der extreme Wechsel zwischen

kalten und hohen Temperaturen tut sein Übriges

und zwingt den Körper regelrecht zum Entspannen.

„Leider sind unsere Schwimmhallen und Saunen

aufgrund der aktuellen Corona-Sonderverordnung

geschlossen. Wir hoffen jedoch, dass wir bald wieder

für Sie öffnen können, um Ihnen entspannte Saunagänge

abseits des stressigen Alltags anbieten zu können,

ebenso wie Schwimmen für die ganze Familie“,

sagt Katrin Knabe-Lange, Betriebsleiterin der SWE

Bäder GmbH.

3

Gutscheine

á 50 Euro für

das Restraurant

Estima zu

gewinnen

Sie wollen mehr über die gesundheitsfördernde

Wirkung

der Sauna wissen? Dann lesen

Sie unseren Blog. Einfach den

QR-Code scannen oder unter

www.stadtwerke-erfurt.de/

swejournal nachschauen.

Gefällt Ihnen unser Journal?

In unserem Journal erzählen wir Geschichten über

Erfurt und seine Menschen, schauen aber auch

hinter die Kulissen der Stadtwerke Erfurt. Wie

gefällt Ihnen das? Was halten Sie von der Gestaltung?

Was sagen Sie zu unseren Fotos? Was

können wir besser machen? Was würden Sie

gern in unserem Magazin lesen?

Schenken Sie uns fünf Minuten Ihrer Zeit und

machen Sie bei unserer Befragung mit.

Perfektes

Weihnachtsgeschenk

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ steht in

diesem Jahr als Weihnachtsmärchen im Theater Erfurt auf dem

Programm. Das Märchen – eines der letzten Werke des beliebten

Kinderbuchautors Michael Ende – spielt am Silvesterabend

und gerät zu einem schaurig-vergnüglichen Wettlauf gegen die

Zeit. Die Zauberposse um den Kater Maurizio und den Raben

Jakob ist auch für Erwachsene immer wieder ein Vergnügen.

Wollen Sie dabei sein, wenn ein kleiner Kater und ein Vogel

die Welt vor dem Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und seiner

Tante Tyrannja Vamperl retten? Dann machen Sie bei unserem

Gewinnspiel mit. Über die App „SWE Für Erfurt.“ verlosen wir

5 x 4 Karten für Familien mit zwei Kindern für den 25. Dezember

2020, wenn die Coronaverordnungen es zulassen.

Sie haben die App noch nicht? Hier

können Sie „SWE Für Erfurt.“ herunterladen.

Einfach den QR-Code scannen.

Weitere Informationen gibt es unter

www.stadtwerke-erfurt.de/swe-app.

Unter allen Teilnehmern verlosen wir drei Restaurantgutscheine

im Wert von jeweils 50 Euro

vom Restaurant Estima.

Teilnahmeschluss ist der

31. Dezember 2020. Einfach

den QR-Code scannen. Aber

auch per www.stadtwerkeerfurt.de/swejournal

ist die

Teilnahme möglich.

Wir sagen Danke!

SWE-Journal 04_2020 39

FOTO: © THEATER ERFURT


SWE sucht Elektroanlagenmonteur-Azubis

Ein Job

voller

Spannung

1.800 Frauen und Männer

der Stadtwerke sorgen

täglich dafür, dass in Erfurt

alles rundläuft. Tatkräftig

unterstützt werden sie von

100 Azubis in über 15 Berufen.

Jetzt die Premiere –

die SWE bildet zum ersten

Mal einen Elektroanlagenmonteur

aus.

Azubi Sven-Ole Schmidt

(li.) und Michael Willing

sind mit einem Spannungsprüfer

im Umspannwerk

Gispersleben unterwegs.

A

rbeitsort für den „neuen“ Stadtwerker: überall

in Erfurt. Auf Baustellen, im Umspannwerk oder

in einer der über 1.000 Trafostationen. Hier arbeitet

auch Sven-Ole Schmidt, 17 Jahre alt und

Auszubildender als Elektroniker für Betriebstechnik.

Ein lauter Knall ist zu hören, als er einen Hochspannungsleistungsschalter

am Umspannwerk Gispersleben

ausschaltet. „Ich weiß eigentlich, dass es ordentlich krachen

wird, aber ich erschrecke immer wieder aufs Neue“,

sagt er und lacht. Für ihn sind die Besuche im Umspannwerk

immer ein Highlight.

Hier wird – einfach gesagt – aus Hochspannung Mittelspannung.

Da ist Vorsicht geboten. „Wir können nur an

den Anlagen arbeiten, wenn sie spannungsfrei sind“, sagt

Michael Willing. Der Obermonteur muss es wissen. Seit

1984 ist er bei den Stadtwerken, hat hier eine Lehre zum

Elektromonteur gemacht und kennt die acht Erfurter Umspannwerke

aus dem Effeff. Mittlerweile bildet er selbst

Azubis aus und macht sie fit für die Arbeiten an dem über

3.000 Kilometer langen Stromnetz der Thüringer Landeshauptstadt.

Jetzt suchen er und seine Kollegen wieder Azubis wie

Sven-Ole Schmidt, die dafür sorgen, dass der Strom in Erfurt

sicher und jederzeit fließt. Michael Willing: „Neben

dem Elektroniker für Betriebstechnik wollen wir zum ersten

Mal junge Menschen zum Elektroanlagenmonteur ausbilden.

Die Ausbildung ist zugeschnitten auf die Leitungen

und Anlagen unserer Energienetze, also Strom und Gas.“

Die neuen Stadtwerker werden viel in Erfurt unterwegs

sein, mobil mit Fahrzeug, Schutzausrüstung, Werkzeug

und auch mit modernem Tablet. Dabei inspizieren

sie Leitungen, warten Trafos oder arbeiten im Umspannwerk.

Auch bei Störungen sind sie gefordert. „Wenn z. B.

bei Bauarbeiten eine Leitung zerstört wird, müssen wir im

Netz Schaltungen durchführen. So können wir die Kunden

so schnell wie möglich wieder versorgen und die Kabel reparieren

oder austauschen“, sagt Michael Willing. „Interessierte

sollten in jedem Fall technisches Verständnis und

logisches Denkvermögen mitbringen. Gute Noten in Mathe

und Physik sind nie verkehrt. Ganz wichtig ist ein hohes

Maß an Verantwortungsbewusstsein.“ Drei Jahre dauert

die Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur. Die Berufsschule

ist in Erfurt.

„Eine Sache wird der neue Azubi in jedem Fall erstmal

lernen müssen“, sagt Sven-Ole Schmidt und lächelt. Michael

Willing: „Sven-Ole spielt auf unsere fünf Sicherheitsregeln

an. Die muss jeder hier im Schlaf aufzählen können.

Ich frage die immer wieder ab.“ Die Sache hat natürlich einen

ernsten Hintergrund: Die Arbeit ist nicht ungefährlich

– aber spannend ohne Ende. Bewerbt euch!

Schon

gewusst?

Als Azubi bei den

Stadtwerken erhältst

du tolle Vorteile.

Du kannst vergünstigt

unsere

Bäder oder Busse

und Bahnen nutzen.

Wir spendieren dir

sogar die Schulbücher

während

der Ausbildung.

Du hast eine

38-Stunden-Woche

und 30 Tage Urlaub

im Jahr – und die

Bezahlung stimmt

natürlich auch!

Unser SWE AusbildungsPlus

und

noch mehr Infos:

www.stadtwerkeerfurt.de/

ausbildung.

Oder einfach den

QR-Code scannen.

TEXT: HANNES SCHAUERHAMMER

FOTO: STEVE BAUERSCHMIDT

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SWE-Journal 04_2020

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Erfurts

Verwandlung

Melanie Thurm in der Furthmühlgasse.

Kaum zu glauben, dass dieses schöne

Häuschen mal völlig verfallen war.

Das gleiche Haus am Ende der 1980er-Jahre.

Blick in die Kirchgasse: Heute ist sie ein

beliebtes Fotomotiv für Touristen.

Melanie Thurm

blickt in ihrem Buch

30 Jahre zurück,

vergleicht gestern

und heute

Dass Erfurt mal einer Geisterstadt

glich, zumindest in der tiefsten Altstadt,

ist heute schwer vorstellbar. Und

doch hat es Clueso in seinem gleichnamigen

Lied beschrieben, Melanie

Thurm aber hat die Verwandlung

aufs Papier gebannt. Auf 190 Seiten

zeigt sie Erfurt von seinen schrecklichen,

aber auch schönen Seiten, zeigt,

wie sehr sich die Stadt in den vergangenen

30 Jahren gewandelt hat, vom

Abenteuerspielplatz ihrer Kindheit mit

Altstadthäusern ohne Treppen, Türen

oder Fenster bis hin zum adretten

Städtchen, das jedes Jahr tausende

Touristen an die Gera lockt.

Zwischen den Seiten mit erschreckend

baufälligen Altbauten und farbenfrohen

Bildern der Häuser, wie sie

heute aussehen, hat sie Berichte von

Zeitzeugen versteckt, von jungen Menschen,

die zu DDR-Zeiten schweren Repressalien

ausgesetzt waren. So ist es

mehr als nur ein schönes Bilderbuch,

ein Nubu, wie Melanie sagen würde.

Ein Nutzbuch, denn es hat Seiten

für Notizen und sogar einen Stift. Mit

der Idee trug sich die heute 43-Jährige

schon lange. „Eigentlich wollte ich mich

damals damit selbständig machen,

Stadtführungen anbieten und zeigen,

wie sich die Stadt im Laufe der Jahrzehnte

zum Positiven verändert hat“,

sagt sie. Doch daraus wurde nichts.

Selbständig hat sie sich trotzdem

gemacht, mit der Agentur „Das schwarze

Schaf“. Das war 2013, allerdings vorrangig

mit Leistungen rund um Eventmanagement

und Incentive-Reisen.

„Dass am Ende die Kreation immer

stärker in den Vordergrund rückte und

das Buch – jetzt endlich – erschienen

ist, haben wir wohl Corona zu verdanken.

Unsere Einnahmen sind sehr niedrig.

90 Prozent des klassischen Geschäfts

sind weggebrochen“, erzählt

sie. So makaber es klingt, endlich hatte

sie Zeit, sich das Projekt wieder vorzunehmen.

Gemeinsam mit Sven Sauer,

ihrer rechten Hand, und Guillermo

Casado Rodriguez, ihrem spanischen

Layouter, hat sie ein wunderbares Buch

über Erfurt erschaffen – entzückend,

erstaunlich, aber auch irritierend. Wie

viel davon haben wir heute vergessen?

Wie selbstverständlich ist die schöne

Stadt uns heute geworden.

Nachdenkliche Töne klingen auch in

ihrem Vorwort an, Melanie ist nicht einfach

nur pro, sie sieht auch die Schattenseiten,

das Für und Wider. Wohl

auch deshalb engagiert sie sich sozial,

will weitergeben, was sie hat. „Das

mache ich schon, seit ich denken kann“,

sagt sie und will eigentlich keine große

Sache daraus machen. Dennoch ist es

etwas Besonderes, wenn man seit sieben

Jahren jedes Jahr ein Sommercamp

für alleinerziehende Eltern und ihre

Kinder anbietet, die sich sonst nicht

den kleinsten Ausflug leisten könnten.

Alles aus eigenen Mitteln. „Was wir mit

der Agentur verdienen, geben die Bunten

Schafe, das ist unser Verein, wieder

aus“, sagt sie fröhlich, auch wenn

das im Moment nicht so viel sein kann.

Dennoch steckt sie voller Lebensfreude,

entdeckt Chancen, wo andere nur

Risiken vermuten. Und so sieht sie auch

das Schwarze Schaf, das ihrer Agentur

ihren Namen gab, und eigentlich eher

negativ besetzt ist, positiv. Im Falle von

Melanie, Sven, Olli, Ricardo, Conny,

Claudia, Guillermo, Katja und Doreen

jedoch auf eine besondere Weise. Vielleicht

ist das eines der Erfolgsrezepte

der jungen Frau, die viele Ideen für Erfurt

und seine Menschen hat.

Das Buch „Erfurt die Verwandlung

– Ein Spaziergang von der Wendezeit

bis heute“ gibt es im Buchhandel für

29 Euro.

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT/

STADTARCHIV ERFURT

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Die schwarze

GEISTERARMEE

von der SCHWARZBURG

Journal-Besuch im

Fürstlichen Zeughaus

der Schwarzburg.

SABRINA LÜDERITZ, stellvertretende

Direktorin

vom Thüringer Landesmuseum

Heidecksburg,

führt auf den nächsten

Seiten durch eine einzigartige

Sammlung.

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Die mattschwarzen Rüstungen der Pikeniere

aus dem Dreißigjährigen Krieg stehen in Reih

und Glied, so als ob sie gleich den Befehl bekommen

würden, sich der feindlichen Kavallerie zu stellen:

den Pferden, den gepanzerten Reitern mit den beiden

Kavalleriepistolen links und rechts des Sattels. Man

kann fast die Schreie hören, Befehle, Trommelwirbel,

Schüsse, das Schlagen der Hufe.

Das Schwarzatal-Forum im Torhaus, ein Multifunktionsraum

mit Ausstellung zum Zeughaus

und zum Schwarzatal.

Präsentation der sogenannten „Kleinen Garde“

(bestand zwischen 1848–1855) des Prinzen und

späteren Fürsten Georg von Schwarzburg-Rudolstadt.

Tödliche Waffen, auf den Zentimeter genau ausgerichtet

– fast wie bei einer Parade. Hier sind es Gewehre mit aufgepflanzten

Bajonetten und Infanterieoffiziershelme.

Vor knapp 400 Jahren, mitten im Dreißigjährigen

Krieg, steckten Menschen in diesen Rüstungen. Pikeniere,

zumindest die in der ersten Reihe, hatte keine

große Chance zu überleben. Sie wurden niedergeritten.

Oder erschossen, erschlagen, erstochen.

Jetzt stehen die Rüstungen, exakt ausgerichtet, im

Fürstlichen Zeughaus der Schwarzburg, knapp 80 Meter

über dem wildromantischen Schwarzatal. Sie sind Teil

einer einmaligen Ausstellung, die im Mai 2018 nach aufwendiger

Rekonstruktion wiedereröffnet wurde. Für Erfurter

ist die Anreise ab sofort besonders entspannend,

Rudolstadt (und damit auch der Ort Schwarzburg) ist

jetzt Teil des Verkehrsverbundes Mittelthüringen (VMT).

„Die Rekonstruktion des Zeughausgebäudes war eine

einmalige Chance, diese Waffensammlung der Fürsten

von Schwarzburg-Rudolstadt im Originalgebäude auszustellen“,

sagt Sabrina Lüderitz, stellvertretende Direktorin

vom Thüringer Landesmuseum Heidecksburg. Das

gibt es so in Deutschland nirgendwo. Mordinstrumente

wurden reine Dekoration – und auch zu einem Mahnmal,

zu einem Anlass, ihren damaligen Sinn zu hinterfragen.

Es sind 5.100 Objekte, die hier ihre neue (und auch

alte) Heimat finden. Die schiere Masse der verschiedensten

Waffen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert in dem

Zeughaus wirkt überwältigend. Hier reihen sich Helme

an Helme, Säbel an Säbel, Lauf an Lauf, Armbrustbolzen

aus dem 16. Jahrhundert sind an Wänden und Decken

zu Dutzenden dekoriert. „Viele Waffen, die wir hier

ausstellen, sind keine Gebrauchsgegenstände. Es sind

Kunstwerke, Jagdwaffen, verziert mit Gold, Silber, Perlmutt

und Elfenbein“, sagt Sabrina Lüderitz. Zu kostbar,

um je draußen im Wald zum Einsatz zu kommen.

Die Waffen, die Stück für Stück an Wänden, Brüstungen,

Bögen und Decken positioniert wurden, hatten im

Schloss Heidecksburg während der vergangen Jahre

Asyl gefunden. Seit 1940 lagerte die Waffensammlung,

die zuvor auf der 20 Kilometer entfernten Schwarzburg

ihr Zuhause hatte, in den Gewölben der fürstlichen Residenz.

Russische Truppen hatten die Sammlung 1946

beschlagnahmt und den Weitertransport in die Sowjetunion

vorbereitet, doch dazu war es nie gekommen.

„Seit 1453 ist die Existenz einer Waffensammlung, einer

Harnischkammer, auf der Schwarzburg nachweisbar;

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde erstmals das Zeughaus

erwähnt. Ab dem 18. Jahrhundert verlor dessen

militärische Nutzung an Bedeutung“, sagt Sabrina Lüderitz.

Die Waffen im Zeughaus dienten seitdem der

Schau: Wenn bedeutende Personen

zu Gast waren, wurde ihnen stolz die

Sammlung präsentiert.

Seit 2007 wurden viele Ausstellungsstücke

nach und nach restauriert,

und in Seidenpapier und Luftpolsterfolie

verpackt. Neun Monate

dauerte der Transport der Waffen, in

mehr als 200 Fahrten ging es von der

Heidecksburg zur Schwarzburg und wieder zurück. Wie viel

Arbeit im Detail steckt, lässt sich am Beispiel der gewaltigen

Flaggen erahnen, die das zentrale Element der Ausstellung

sind. Lüderitz: „Es dauerte zwei Jahre, um sie zu rekonstruieren.“

Experten der Dresdner Kunstsammlungen hatten

ein Jahr gebraucht, um aus den Überresten der alten

Flaggen Vorlagen für die Repliken zu erstellen.

In der Plauener Fahnenmanufaktur

Fahnen Fassmann wurden die zehn Banner

Der Blick in das Erdgeschoss wirkt

irgendwie surreal – im Zeughaus

werden Waffen, Ausrüstungen und

Munition vergangener Jahrhunderte

wieder genauso präsentiert

wie vor 130 Jahren. Es sind

Zeugen ihrer Zeit.

in aufwendiger Seidenstickerei hergestellt.

Eine der größten Herausforderungen

war die detailgetreue Nachbildung:

Es gibt keine Darstellungen vom

Inneren des Schwarzburger Zeughauses

vor 1890, kein Wort davon, wie die

Waffen der Fürsten damals präsentiert

wurden. Und ein knapp 130 Jahre altes

Foto von dem damals voll ausgestatteten

Zeughaus ließ für die Museumsmitarbeiter viel Raum

für Interpretationen...

Mehr Informationen gibts unter

www.schloss-schwarzburg.com.

TEXT: HENRY KÖHLERT

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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Karsten Rost mit Praktikantin Rike Kramer auf der Baustelle UW Erfurt-Ost.

Wir steigen

euch AUFS DACH

Schlosskonditorei,

Industriebau oder

Gästehaus? Für

Karsten Rost vom

Büro SÜDSEITEarchitektur

kein

Problem. Aktuell

saniert er die

Dächer am

Umspannwerk

Erfurt-Ost.

Das

Umspannwerk

ist für

die Dachsanierung

komplett

eingerüstet. Es ist

einer von zwei wichtigen

110 kV-Knotenpunkten.

Die Gas- und

Dampfturbinenanlage der

SWE Energie GmbH speist

direkt ins Umspannwerk

Erfurt-Ost ein.

Von Haus aus ist Karsten Rost Tischler. Seine Ausbildung

machte der 46-Jährige nach der Wende in Würzburg. „Ich habe

den Beruf geliebt, aber dann bekam ich eine Stauballergie

und musste überlegen, wie es weitergeht“, erzählt er. Also

holte er sein Fachabi nach und studierte an der FH Erfurt Architektur.

Inzwischen ist sein Büro SÜDSEITE-architektur eine

feste Größe im Industriebau. Ein großes Projekt läuft gerade

für die SWE Netz GmbH.

Über die nächsten drei Jahre saniert das Büro die Dächer

von vier Umspannwerken. Eine halbe Million Euro investiert

die SWE Netz GmbH in das Vorhaben.

In diesem Jahr steht das UW Erfurt-Ost auf dem Programm.

Es ist eins von insgesamt acht und wurde 1998/1999 gebaut.

„Mit 11 Hauptspannungsschaltfeldern ist es einer von

zwei wichtigen 110 kV-Knoten in Erfurt. Von hier aus geht

der Strom direkt in die Stadt, z. B. an Großkunden wie Schuler,

die TEAG oder das Helios-Klinikum. Unser größter Einspeiser

ist die Gas- und Dampfturbinenanlage der SWE Energie

GmbH. Aber auch die Deponie, die Restabfallbehandlungsanlage

der SWE oder der Windpark Katzenberg erzeugen selbst

Strom und speisen ihn ein“, erklärt Martin Händel. Er ist Projektingenieur

bei der SWE Netz GmbH und kümmert sich um

die Betriebsführung der Umspannwerke. Regelmäßig trifft

er sich mit Karsten Rost auf der Baustelle, um sich über den

Stand der Arbeiten zu informieren. Die komplette Dachhaut –

sie umfasst stolze 660 Quadratmeter – wird entfernt und neu

aufgebaut. „Wir bringen eine EPS-Dämmung aus Styropor

auf und verlegen eine zweilagige Bitumenbahn, bauen eine

Kaskadenentwässerung ein. Hierbei werden die Abflussrohre

durch die Dachfläche zusammengeführt und nach unten abgeleitet.

Das ist notwendig, denn am UW Erfurt-Ost haben wir

vier Dachflächen in unterschiedlichen Höhen“, erklärt Karsten

Rost, der die Bauunternehmen koordiniert. Den Hauptanteil

der Arbeiten übernimmt F&S Dachprofi Wandersleben,

die Fassadensanierung läuft über Fa. Boxberger. Die Gerüste

stellt Gerüstbau B+E aus Bad Langensalza. Nächstes Jahr folgen

die Dächer der Umspannwerke Iderhoffstraße und Flughafen.

2022 steht Melchendorf auf dem Programm. Auch hier

sind nach 20 Jahren Sanierungsarbeiten notwendig.

Seit Gründung 2008 hat das Büro SÜDSEITE-architektur viele

Projekte gestemmt. Über 40 Hotels in Deutschland, Frankreich,

Belgien, England, Schweden oder der Schweiz wurden

saniert. „Das ist toll, aber auch sehr anstrengend, denn Hotels

werden bei laufendem Betrieb umgebaut. Alles muss schnell

gehen und trotzdem funktional und gut gestaltet sein“, erzählt

Karsten Rost, der auch der Caponniere im egapark zu

Besprechung auf dem Dach: Martin Händel, Projektingenieur

der SWE Netz GmbH, mit Rike Kramer und

Architekt Karsten Rost (v.l.n.r.).

neuem Glanz verhalf. Aktuell arbeitet er in Molsdorf für die

Lebenshilfe Erfurt Service gGmbH. „Dort richten wir gerade

die Schlosskonditorei ein, in enger Abstimmung mit den Restauratoren

der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und

dem Denkmalschutz der Stadt Erfurt“, erzählt er. Unterstützt

wird das Büro von Anja Wandt und Pascal Schönerstedt. Für

die Uni Erfurt arbeitet das Büro an der Sanierung und barrierefreien

Umgestaltung zweier Hörsäle. Für den Felgenhersteller

Borbet baut das Büro SÜDSEITE-architektur Produktionshallen.

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SWE-Journal 04_2020

TEXT: ANKE ROEDER-ECKERT FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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Hier steht ein

GARTEN

IM GLAS

nen sich Schneckenhäuser, Kastanien, Zapfen, kleine

Ostereier oder Weihnachtskugeln. Der Fantasie sind

keine Grenzen gesetzt.“

So kommt der Garten ins Glas

W

underschön und pflegeleicht: ein Miniaturgarten

im Glas. Der Do-it-yourself-Trend für Zuhause

kommt – richtig angelegt – sogar ohne Gießen und

Düngen aus. Kristin Artschwager aus dem Grünen Klassenzimmer

im egapark zeigt euch, wie ihr den Garten im Glas

einfach nachbauen könnt.

Was braucht es für den Garten im Glas?

Viele Utensilien habt ihr bestimmt schon Zuhause. Zuerst

das Glas. „Das muss nicht unbedingt ein teures Dekoglas

sein, ein größeres Einmachglas geht auch“, sagt Kristin Artschwager.

Für den Boden braucht ihr Kieselsteine, Holzkohle

und Blumenerde. Als Pflanzen eignen sich Sukkulenten

wie das Dickblatt oder der Bubikopf, Ampelkraut und Farne.

Auch möglich: die Ufopflanze, deren Blätter wie fliegende

Untertassen aussehen. Eine bis vier kleine Pflänzchen dürfen

es sein (je nach Größe des Gefäßes).

Damit alles im Glas und nicht daneben landet, solltet ihr

Löffel, Holzstäbchen, Bindfaden und einen Korken bereitlegen.

Kristin Artschwager: „Das i-Tüpfelchen ist, den Miniaturgarten

entsprechend der Jahreszeit zu dekorieren. Dafür eig-

Kristin

Artschwager

vom Grünen

Klassenzimmer

im egapark

zeigt, wie

ihr euch auch

im Winter an

einem Garten

erfreuen

könnt.

Ist alles beisammen, kann es losgehen: Zuallererst

müsst ihr das Glas richtig gut mit heißem Wasser

auswaschen. Wenn es trocken ist, füllt ihr vorsichtig

die Kiesel rein. „Am besten benutzt man dafür eine

Papprolle oder eine zusammengerollte Zeitung als Trichter“,

sagt Kristin Artschwager. Die kleinen Steine sorgen

im Glas dafür, dass die Pflanzen nicht im Wasser stehen

und genügend Luft bekommen. Die Kieselschicht

sollte je nach Größe des Glases bis zu 3 Zentimeter

hoch sein. Darauf

zerbröselt ihr dann

ein paar Stückchen

Holzkohle, sodass

die Kieselschicht

gut bedeckt ist. Die

Kohle ist sehr wichtig.

Sie verhindert,

dass sich Schimmelpilze

bilden und

eurem Minigarten

schaden. Jetzt befüllt

ihr das Glas

mit der Blumenerde.

Sie sollte die

dickste Schicht bilden. Mit

dem Korken, Stäbchen und

Bindfaden könnt ihr euch

ganz einfach ein Werkzeug

basteln, um die Erde etwas

festzudrücken. Dann kommen

die Pflanzen zum Einsatz.

Wichtig: Kürzt vor dem

Einsetzen die Wurzeln! Das

Mehr zu

Kristin Artschwager

und dem

Grünen Klassenzimmer

im egapark

lest ihr

im SWE Blog –

einfach QR-Code

scannen!

regt die Pflänzchen an, neue Wurzeln zu bilden. Grabt

dann mit dem Löffel eine kleine Kuhle in die Erde. Setzt die

Pflänzchen ein und drückt sie vorsichtig fest. „Ihr solltet

darauf achten, dass die Pflanzen genügend Platz haben

und nicht zu eng nebeneinander sitzen. Bevor der Deckel

draufkommt, muss noch ein bisschen gegossen werden.

Am liebsten nehme ich Regenwasser dafür. Es ist kalkarm,

so wie es die Blumen lieben. Wichtig ist, dass die Pflanze

nicht im Wasser steht. Falls doch, lasst ihr einfach noch ein

paar Tage den Deckel offen. Dann kann das Wasser verdunsten“,

sagt Kristin Artschwager.

TEXT: HANNES SCHAUERHAMMER

FOTOS: STEVE BAUERSCHMIDT

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