Baumagazin 2021

KantonsspitalStGallen

Come

BAUMAGAZIN

KANTONSSPITAL

ST.GALLEN

2021

TOGETHER


Liebe Leserin, lieber Leser

Der Grundstein von Haus 07A/B ist gelegt, er bildet das Fundament

für die Zukunft. Die Tiefgarage hat ihre definitive Tiefe

erreicht, damit ist die baukritische Tiefbauphase überstanden.

Eine golden gravierte Zeitkapsel enthält Nachrichten aus dem

Jahr 2020, vielleicht finden diese zu einem unbestimmten

Zeitpunkt inter essierte Leser.

Der Baufortschritt des Roh-Hochbaus ist unübersehbar. Damit

bekommt das Neubauprojekt noch mehr Aufmerksamkeit. Die Detailplanung

ist weiterhin in vollem Gange. Aktives Mitwirken

unserer Mitarbeitenden in diversen Projekten ist wichtig, um die

Räumlichkeiten für die zukünftige Nutzung optimal zu planen.

Ab Frühling 2021 bieten wir öffentliche Bauführungen an. Wir

möchten Sie dazu einladen, unserer Baustelle einen Besuch abzustatten

und sich – neben dem Einblick im Baumagazin – einen

Eindruck vor Ort zu machen. Mehr Informationen dazu finden Sie

auf Seite 29.

Herzliche Grüsse

Dr. Daniel Germann

Direktor und Vorsitzender

der Geschäftsleitung

Editorial

3


IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Kantonsspital St.Gallen

Unternehmenskommunikation

Rorschacher Strasse 95

CH-9007 St.Gallen

Tel. +41 71 494 11 11

www.kssg.ch

DESIGN

VITAMIN 2 AG, St.Gallen

www.vitamin2.ch

ILLUSTRATION WIMMELBILD

Jonathan Németh

www.jonathanzeich.net

FOTOS

Bildarchiv Kantonsspital St.Gallen

DRUCK

AVD Goldach AG, Goldach

www.avd.ch

HINWEIS

Die im Magazin geäusserten

Meinungen können von jenen

des Herausgebers abweichen.

Haben Sie Fragen an das

Redaktionsteam? Schreiben Sie an:

baumagazin@kssg.ch

Veröffentlicht im Januar 2021

4. Ausgabe


6

Panorama

8

Einblick

ZWISCHEN NUTZERSICHT

UND ARCHITEKTUR

12

Bildstory

HOCH HINAUS

UND SCHNELL

VORAN

18

Baureportage

Das Skelett

des neuen Haus

07A/B

26

Neubauten

IM SCHAUFENSTER

29

Agenda

30

Dialog

DIE BAUWEISE

VON HEUTE

FÜR MORGEN

34

WIMMELBILD

mit Wettbewerb


Grundsteinlegung Haus 07A/B

Panorama

Im Neubauprojekt «come together» ist bereits ein

Drittel der gesamten Bauzeit geschafft. Der tiefste Punkt

von Haus 07A/B mit 25 Metern Tiefe ist erreicht. Die

offizielle Grundsteinlegungsfeier von Haus 07A/B ist

aber leider der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Stattdessen haben verschiedene Akteure aus dem Spitalumfeld

– von einer Lernenden über eine Leitende

Ärztin bis hin zum Architekten oder dem Verwaltungsratspräsidenten

und dem Vorsteher des Gesundheitsdepartements

– eine in der Kunstgiesserei St.Gallen

geschaffene, goldene Zeitkapsel mit verschiedenen

Gegenständen aus der Gegenwart gefüllt.

Sehen Sie selbst, wie verschiedene Akteure

den Zeitgeist 2020 einfangen und was im

Brief an die Zukunft steht.

www.kssg.ch/grundsteinlegung-haus07

INTERAKTIV DURCH

HAUS 07A NAVIGIEREN

Welche Kliniken, Zentren

und Fachbereiche zügeln

ins Haus 07A? Und auf

welchen Stockwerken sind

zukünftig die Bettenstationen

zu finden?

Die interaktive Infografik

bietet Einblick in den Neubau

Haus 07A. Sie zeigt

pro Stockwerk kompakt

zusammengefasst die

wichtigsten Informationen.

Auch öffentliche

Bereiche wie die Eingangshalle

oder Gastronomieangebote

sind abgebildet.

Navigieren Sie durch die

Infografik:

www.kssg.ch/neubauinfografik

«Termin einhalten ist hier Pflicht,

drum brennt schon früh das starke Licht,

bis endlich dann der Tag erwacht

und alles besser sichtbar macht.

Man merkt, es ist gut vorbereitet,

das Wichtigste schon eingeleitet.

Das Ohr nimmt Hammerschläge wahr,

den Vibrator erkennt man klar.

Das leise Surren von vier Kranen,

die alles in die rechten Bahnen

leiten und fachgerecht dort deponieren

und schwebend Lasten transportieren.

Die Männer ganz in «orange» sind,

damit das Auge sie gleich findt,

haben den zugewiesnen Ort,

erkannt, bezogen schnell, sofort!

Nun wird gehoben, weggeschoben,

«Mann» schaut hinunter, dann nach oben.

Dem roten Kran gilt nun mein Blick –

Was da abgeht – gibt's da nen Trick?

Von unten denkt man s’wird passieren,

dass zwei der vier sich gleich touchieren!

Doch nichts geschieht, in aller Ruh,

wird «rumgekränelt» immerzu.

Die Faszination ist gross,

wer koordiniert hier so famos?

Die Krankabine scheint mir leer,

zu weit entfernt? Ich seh’s nicht mehr!

Geschieht hier was von Geisterhand,

oder verlier ich den Verstand?

Der Arbeitstag geht nun zu Ende

Und bringt mir unverhofft die Wende

Bei jedem Kran – Tripp, tripp – Trapp, trapp

Steigt nun ein «Kranpilot» herab.

Was ich heut optisch durft’ erleben,

hat diese Zeilen hier ergeben.»

Doris Haag, ehemalige Patientin

Aus erster Hand informiert:

www.kssg.ch/bau

6


Digital ans Ziel

Offizieller Baustart:

Spatenstich Ostschweizer

Kinderspital OKS

Das Ostschweizer Kinderspital wird am 7. April 2021

mit dem Spatenstich den offiziellen Baustart feiern.

Die genaue Durchführung ist aufgrund der aktuellen

Corona-Situation noch nicht bekannt –

der symbolische Akt wird jedoch gebührend zelebriert

werden.

Die Baustelle im Herzen des Spitalgeländes

wächst und wächst. Dadurch

können manche altbekannten

Gehwege durchs Areal nicht mehr

genutzt werden und müssen durch

neue, unbekannte Wege ersetzt werden.

Damit sich die Patientinnen

und Patienten trotzdem stets auf dem

Gelände zurechtfinden, setzt das

Kantonsspital St.Gallen ab Frühling

2021 auf einen digitalen Arealplan.

Patientinnen und Patienten sowie Besucher

haben damit die Möglichkeit,

nach Kliniken, Gastronomieangeboten

und weiteren Zielen zu suchen

sowie sich die Wege zwischen den

Park plätzen, Bushaltestellen und ihren

Zielen anzeigen zu lassen. Änderungen

in der Wegführung werden

darin tagesak tuell berücksichtigt.

Machen Sie sich ab Frühling 2021

Ihr eigenes Bild unter:

www.kssg.ch/arealplan

Bereits seit September 2020 finden Vorbereitungsarbeiten

innerhalb der blauen Bauwände statt.

Die Freude beim Ostschweizer Kinderspital ist

gross, offiziell mit den Bauarbeiten auf dem gemeinsamen

Campus zu starten und mit dem Kantonsspital

St.Gallen zu wachsen. Mit der Realisierung des

Neubaus von 2021 bis Ende 2025 erhält das Ostschweizer

Kinderspital eine zeitgemässe Infrastruktur.

Es kann damit auch in Zukunft qualitativ hochstehende

Medizin im Bereich der Pädiatrie in der

Ostschweiz anbieten.

Mehr Informationen finden Sie unter:

www.kispisg.ch/neubau

SCHREIBEN SIE UNS Gefällt

Ihnen diese Ausgabe? Haben Sie

Fragen, Anregungen, Lob oder

Kritik? Wir freuen uns über Ihr

Feedback. Per Post: Kantonsspital

St.Gallen, Unternehmenskommunikation,

Rorschacher

Strasse 95, CH-9007 St.Gallen

Per E-Mail: baumagazin@kssg.ch

MÖCHTEN SIE

WEITERHIN INFORMIERT

WERDEN? Abonnieren Sie

kostenlos das «come together»-

Baumagazin des Kantonsspitals

St.Gallen unter www.kssg.ch/

baumagazin, per Post oder

E-Mail.

Panorama

7


Zwischen Nutzersicht

und Architektur

Die Planung für den Neubau Radiologie erfordert

von den Co-Projektleitern Fabian Dorner

und Andreas Bischof mehr als einen Spagat.

Sie bewältigen ihn mit Kommunikation.

Einblick

Auf dem Papier klingt es einfach: Ein Teil der Klinik

für Radiologie und Nuklearmedizin zieht ins erste

Untergeschoss des Neubaus 07A. Neu werden

dort die Mehrheit der bildgebenden Verfahren wie

Computertomographie, konventionelles Röntgen

und Magnetresonanztomographie angesiedelt sein.

80 Prozent des Leistungsangebots rücken somit

ins Zentrum und näher zu den Operationssälen und

ab 2028 auch zur Zentralen Notfallaufnahme.

Die Folgen: die strikte Trennung von ambulantem

und stationärem Bereich, kürzere Wege, mehr Synergien,

ein direkter Zugang aus der Eingangshalle

sowie der Tiefgarage zum Empfang und eine einfachere

Orientierung. So weit, so gut, so einfach.

Theoretisch.

Gesamtkonzept im Fokus

In der Realität steckt dahinter eine hochkomplexe

Planung. Wie komplex, erleben Fabian Dorner und

Andreas Bischof seit rund zehn Jahren – so lange

verantworten die beiden als Co-Projektleiter im

Bauplanungsteam den Neubau der Klinik für Radiologie

und Nuklearmedizin. Der Klinikmanager

und der Leiter Radiologiefachpersonen behalten

dabei die Gesamtstrategie der Radiologie und den

bedarfsgerechten Grundriss im Auge. Sie sind die

Schnittstelle zwischen jenen, die planen und jenen,

die den Neubau nutzen werden. «Wir nehmen

dabei eine Vermittlerrolle zwischen Radiologie und

Architektur ein», sagt Fabian Dorner. Denn nicht

immer seien die Vorstellungen deckungsgleich.

Dorner und Bischof koordinieren die Inputs aus

den verschiedenen Fachbereichen der Radiologie,

bringen sie in die Bauplanungsgruppe ein und

bringen deren Vorschläge gebündelt zu den jeweiligen

Teams zurück. «Unsere Kommunikationsund

Koordi nationsarbeit wird vom Baumanagement

sehr geschätzt», sagt Andreas Bischof.

8


Einblick

9


FABIAN DORNER

ist Klinikmanager des

Netzwerks Radiologie und

Stellvertreter von Chefarzt

Prof. Simon Wildermuth

für Klinik orga nisation,

Betriebswirtschaft

und Radiologie-Netzwerk.

Er ist seit 22 Jahren am

Kantonsspital St.Gallen

tätig; zuerst in der Intensiv

pflege, seit 2008 in

der Radiologie.

ANDREAS BISCHOF

Leiter Radiologie fachpersonen

aller Standorte

im Netzwerk

Radiologie, ist aus gebildeter

Radiologiefachmann

und arbeitet

seit 20 Jahren am Kantonsspital

St.Gallen.

Einblick

10


Eigene Erfahrung als Pluspunkt

Als Radiologiefachperson weiss er genau, wovon die

Mitarbeitenden sprechen. Dorner wiederum hat

einst über zehn Jahre in der Intensivpflege gearbeitet

und kennt die Abläufe in der Praxis aus dem

Effeff. «Das hilft uns dabei, die Sicht der Nutzerinnen

und Nutzer im Bauteam darzulegen und den

Radiologiefachpersonen die architektonische Perspektive

zu erklären.»

Auch punkto Bauplanung ist ihr Erfahrungsschatz

reich gefüllt: Bischof und Dorner haben im gesamten

Radiologienetzwerk von Uznach über Wattwil

bis Grabs schon diverse Neu- und Umbauten intensiv

begleitet. Dazu kommen ihre über 20-jährige

Vernetzung am Kantonsspital St.Gallen sowie die

konstante Zusammensetzung im Bauplanungsteam.

«Das gegenseitige Verständnis ist in dieser

Zeit gewachsen», bringt es Fabian Dorner auf den

Punkt.

Knackpunkt Tempo

Dennoch gab und gibt es etliche Hürden: Da sind

die baulichen Rahmenbedingungen, die sich

ändern und ein flexibles Denken erfordern. Da sind

die verschiedenen Fachgebiete und Modalitäten,

welche sich in der Radiologie rasant entwickeln.

«Anders als in anderen

Bereichen können wir für

die Radiologie nicht einen

Prototyp planen und diesen

dann fünfmal verwenden»

«Was wir heute planen, ist morgen vielleicht schon

wieder überholt – etwa, weil es bis dann wieder

neue technische Möglichkeiten gibt», erklärt Andreas

Bischof. Und Fabian Dorner ergänzt: «Anders

als in anderen Bereichen können wir für die Radiologie

nicht einen Prototyp planen und diesen dann

fünfmal verwenden.»

Und so attraktiv die separaten Zugänge für ambulante

und stationäre Patientinnen und Patienten

auch sein werden – sie erfordern eine aufwendige

Planung von «zwei Seiten».

Licht im Untergeschoss

Ebenso verlangt die Lage im Untergeschoss nach

speziellen Lösungen, besonders was das Licht

angeht. «Die Radiologie wird dank Innenhof, Glas

und indirekter Beleuchtung hell und modern gestaltet»,

betonen die Projektleiter, die nicht nur mit

dem Bauteam, sondern auch mit internen Stellen

wie der Medizintechnik, der Anästhesie und der

Logistik eng zusammenarbeiten. «Nur so können

wir Prozesse optimal abstimmen.»

Apropos Prozess: Dorner und Bischof sind optimistisch,

wenn sie an den Neubau denken. «Die Vorteile

gegenüber der heutigen Situation sind markant»,

sagt der Klinikmanager und nennt die weit

grössere Entwicklungsfläche der Radiologie, die

vertikale Erschliessung mit Notfall, Intensivpflegestation

und Tagesstationen, Synergien mit dem

Ostschweizer Kinderspital, mehr Kapazität für ambulante

Behandlungen, ein grösseres Leistungsangebot

und die Nähe zu anderen Fachbereichen.

Dem Umzug der Mitarbeitenden sehen sie zuversichtlich

entgegen. Durch die hohe Standardisierung

und die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit

im standortübergreifenden Netzwerk Radiologie

sind die Mitarbeitenden gut gerüstet. Für

beide ist die Vision eines attraktiven Neubaus heute

schon weit mehr Praxis als Theorie.

Einblick

11


Hoch hinaus

und schnell voran

Die Silhouette

vom Roh-

Hoch bau

Haus 07A

ist gut

erkennbar.

Was die

Bauarbeiter

aber Tag

für Tag in

der Höhe

leisten,

ist vom Spitalareal

aus

nicht genau

sichtbar.

Mit Fotograf

Daniel

Ammann

unterwegs

zwischen

Stützen,

Schalungen

und Treppenkernen.


Bildstory

13


Bildstory

14


Bildstory

15


Bildstory

16


Bildstory

17


Baureportage

18


Das Skelett des

neuen Haus 07A/B

Bereits im April 2018 begannen die Bauarbeiten des

neuen Haus 07A/B. Inzwischen ist schon einiges gegangen.

Die Tiefgarage hat ihre definitive Tiefe erreicht,

worauf auch deren elf Halbgeschosse nun langsam Form

annehmen. Auch für das Bettenhochhaus begann im

Jahr 2020 der Rohbau. Mit der Skelettbau weise wurde

dafür eine ganz spezielle Bauweise gewählt, bei der

durch parallele Bauprozesse verschiedene Vorteile miteinander

kombiniert werden können.

< Die Skelettbauweise kommt sowohl beim Haus 07A/B

als auch beim Bau des Ostschweizer Kinderspitals

zum Einsatz. Dank des hohen Vorfabrikationsgrads entfallen

Arbeitsschritte vor Ort und ein Teil der Bauprozesse

kann parallel verlaufen.

Baureportage

19


Rund 25 Bauarbeiter sind zurzeit am Bau des 51,5 Meter hohen

Bettenhochhauses beteiligt. Sie verarbeiten in den 11 Stockwerken

20 000 m3 Beton. Für den Bau eines Stockwerks benötigen

die fleissigen Arbeiter im Schnitt lediglich 20 Tage, wodurch

der Rohbau innerhalb kurzer Zeit im obersten Stockwerk ankommt.

Doch wie ist das möglich? Das Zauberwort heisst

«Skelettbau». Bei der sogenannten Skelettbauweise wird zuerst

lediglich das nackte Skelett des Gebäudes gebaut. Ist die absolute

Höhe erreicht, starten die Bauarbeiter wieder von unten

mit den weiteren Arbeitsschritten – das Gebäude erhält dann

sein eigentliches Aussehen.

Baureportage

20


Das Prinzip der Skelettbauweise

Beim Skelettbau handelt es sich um eine Bauweise,

bei der im ersten Schritt die tragenden Komponenten

das Grundgerüst eines Gebäudes bilden. Das

Skelett besteht somit lediglich aus vorfabrizierten

Stützen, den Decken und Treppenkernen in Ortbeton,

welche zusätzlich der Erdbebenaussteifung

dienen (vgl. Schritt 1).

In den nächsten Schritten wird das Skelett nach

und nach vervollständigt, bis zuletzt die Fassade

vorgehängt wird (vgl. Schritte 2–4).

Nikola Vukovic, Bauprojektleiter am Kantonsspital

St.Gallen, vergleicht dieses Skelett gerne mit dem

menschlichen Körper: «Zuerst werden mit den tragenden

Komponenten nur die Knochen des Gebäudes

gebaut. Weiter folgt mit den Fenstern und

Fassadenelementen die Haut. In einem nächsten

Schritt werden danach mit der Lüftung, den Wasserleitungen,

Elektroinstallationen etc. die Sehnen,

Muskeln und Organe eingebaut, bis das Haus vollständig

ist.»

SCHRITT 1

SCHRITT 2

SCHRITT 1:

DAS GRUND-SKELETT WIRD GEBAUT

Als zeitgemässe Bauweise bei Industriebauten

eignet sich die Skelettbauweise

optimal für das Kantonsspital St.Gallen.

«In der ersten Phase wurden für das Gebäude

Bohrpfähle bis auf den tragfähigen

Boden ins Erdreich gebohrt, auf denen

danach die Bodenplatte betoniert wurde.

Gemeinsam bilden sie das Fundament

des neuen Haus 07A/B», erklärt Vukovic.

Sobald dieses Fundament vorbereitet sei,

folgen Geschoss für Geschoss die Stützen

im Wechsel mit den Geschossdecken.

Zusätzlich werden zur Aussteifung des Gebäudes

und zu dessen Stabilität die

Treppenkerne sowie einzelne Betonwände

eingezogen: «Diese dienen der Erdbebensicherheit

und verhindern, dass das

Haus 07A/B im Falle eines Erdbebens in

sich zusammenfällt.»

Die Stützen werden dabei in einem regelmässigen

Rasterfeld (8,10 × 8,10 Meter) angeordnet.

Dieser Stützenraster zieht sich

durch den gesamten Neubau. «Die Definition

des Abstandes zwischen den einzelnen

Säulen hat übrigens unmittelbar einen

Einfluss auf die weiteren Elemente wie

beispielsweise die Platzierung der Treppenkerne

oder die Grösse der Fassadenelemente»,

erklärt Vukovic weiter. Sie bestimmen

somit massgebend auch die äussere

Erscheinung des neuen Haus 07A/B und

später auch die des neuen Ostschweizer

Kinderspitals, über welches sich dasselbe

Rasterfeld zieht.

SCHRITT 2:

BETONIEREN DER STÜRZE UND BRÜS-

TUNGEN FÜR ZUSÄTZLICHEN HALT

Parallel zu den in Schritt 1 beschriebenen

Arbeitsschritten werden die Brüstungen

und Stürze zwischen den einzelnen Fassadenstützen

betoniert, bis die Absoluthöhe

des Gebäudes von 51,5 Metern erreicht

ist. «Diese Brüstungen und Stürze steifen

das Gebäude zusätzlich aus», weiss der

Bauprojektleiter.

Baureportage

21


SCHRITT 3

SCHRITT 4

SCHRITT 3:

MONTAGE DER FENSTER, FASSADEN-

HALTERUNGEN UND DÄMMUNG

Als nächstes werden die Fenster eingebaut.

Parallel werden an der inneren Fassadenkonstruktion

die Halterungen für die

Fassadenelemente montiert. Zudem wird

das Gebäude gegen aussen gedämmt.

Nach Abschluss der Dämmarbeiten wird

das Gerüst zurückgebaut.

SCHRITT 4:

BEFESTIGEN DER FASSADENELEMENTE

Als Abschluss des Rohbaus folgen wieder

von unten beginnend nach und nach die

rund 2200 Beton-Fassadenelemente. Diese

werden vorfabriziert geliefert und

müssen nur noch an die zuvor gesetzten

Verankerungen gehängt werden. «Durch

die parallelen Bauprozesse vor Ort und im

Werk kann der ganze Roh-Hochbau natürlich

viel schneller abgewickelt werden»,

sagt Vukovic begeistert. «Die Fassadenelemente

bilden quasi die Haut des Skelettes

und bestimmen so das zukünftige Aussehen

der neuen Gebäude.»

< Das Mock-up ist ein

«Eins-zu-eins-Muster»

des Neubaus Haus 07A/B.

Es zeigt die Elementfassade

in den effektiv

genutzten Materialien.

Baureportage

22


Flexibilität trotz hoher Standardisierung

Durch die Regelmässigkeit der Räume in einem

Spital und deren grosse Anzahl eignet sich die Skelettbauweise

für dieses Neubauprojekt ganz besonders.

Ein grosser Vorteil davon ist die Anpassbarkeit

der Innenräume. «Da es im Inneren des

Gebäudes keine tragenden Innenwände gibt, können

die Räume durch Hinzufügen oder Entfernen

von Leichtbauwänden je nach Nutzung flexibel

angepasst werden», wie Vukovic sagt.

Schneller dank hohem Vorfertigungsgrad

Die Skelettbauweise zeichnet sich durch einen sehr

hohen Vorfertigungsgrad aus. So führt der Bauprojektleiter

aus: «Die einzelnen Elemente müssen

nicht vor Ort betoniert werden, wodurch wir Zeit

einsparen können. Die im Werk vorgefertigten

Elemente werden auf Abruf pünktlich auf die Baustelle

geliefert, wo sie von den Bauarbeitern im

Laufe des Tages verbaut werden können.» Dies sei

zwar eine grosse logistische Herausforderung,

die jedoch eine rasche Umsetzung des Rohbaus ermöglicht.

Zudem finden dank des hohen Vorfertigungsgrads

viele lärmintensive Arbeiten ausserhalb

«Durch die parallelen Bauprozesse

kann der ganze

Roh-Hochbau viel schneller

abgewickelt werden.»

des Spitalareals statt. Patientinnen und Patienten

sowie die Mitarbeitenden profitieren davon.

Patientenorientierung als Zielbild

Im neuen Haus 07A/B stehen die Patienten im

Mittel punkt. Durch den Zusammenzug funktionaler

Bereiche und die zentrale Verortung hochinstallierter

Bereiche wie Notfall, Intensivstationen und

Operationssäle können Synergien genutzt werden.

Die Wege werden sowohl für Patientinnen und

Patienten als auch für Mitarbeitende kürzer. Durch

den Neubau wird das Kantonsspital St. Gallen zudem

den gestiegenen Ansprüchen der Patientinnen

und Patienten an Zimmergrösse, Komfort und

Mobilität gerecht.

Baureportage

23


Das Generationenprojekt

«come together» im Überblick

Das Projekt «come together» umfasst eine etappierte Erneuerung

des Kantonsspitals St.Gallen (Häuser 10, 07A, 07B)

und den Neubau des Ostschweizer Kinderspitals (OKS) auf

dem Areal des Kantonsspitals St.Gallen.

HAUS 07A –

SOCKELGESCHOSS

Auf 11 unterirdischen

Halbgeschossen werden

rund 450 Tiefgaragenplätze

realisiert. Im Erdgeschoss

entsteht eine

grosszügige Eingangshalle

mit angrenzenden Ambulatorien.

Im 1. Obergeschoss

befindet sich

die Intensivmedizin, im

2. Obergeschoss werden

10 Operationssäle

realisiert. Der Dachgarten

befindet sich auf

dem Dach des 2. Obergeschosses.

HAUS 07A – TURM

Im rund 52 Meter hohen

Gebäude (Erdgeschoss +

11 Obergeschosse) entstehen

interdisziplinäre

Ambulatorien, 96 Bettenzimmer

sowie die Cafeteria

mit Zugang zum

Dach garten.

HAUS 10

Das sechsstöckige

Gebäude umfasst neue

Ambulatorien der

Kliniken Onkologie und

Hämatologie, Psychosomatik,

Endokrinologie

und der Nephrologie

inklusive Hämodialyse.

Baureportage

HAUS 07B

Das dreigeschossige Haus

07B erweitert die Infrastruktur

und schliesst an

das Bettenhochhaus 07A

an. Es beinhaltet 10 weitere

Operationssäle sowie die

Notfallaufnahme.

NEUBAU OKS

Dank der räumlichen

Nähe des Ostschweizer

Kinderspitals auf dem

gleichen Areal kann

das Mutter-Kind-Zentrum

realisiert werden.

24


Die Meilensteine 2021

Auch 2021 stehen Bauarbeiten in der Höhe und Tiefe der Baustelle

an. Im Haus 07A liegt der Fokus auf der Fertigstellung der

Elementfassade sowie dem Innenausbau. Gleichzeitig wird der

unterirdische, zweigeschossige Verbindungskanal von Haus 24

und 25 fertiggestellt. Beim Ostschweizer Kinderspital erfolgt der

Spatenstich und die Aushubarbeiten starten.

HAUS 07A

HAUS 25

HAUS 24

Der Rohbau Haus 07A erreicht

im ersten Halbjahr

seine definitive Höhe von

rund 52 Metern. Die Ausbau

arbeiten im Bettenhochhaus

sind gleichzeitig

in vollem Gange. Gebäudetechnische

Installationen

wie z. B. Lüftung und Heizung

werden vorgenommen.

Gegen Ende Jahr sind die

Beton-Fassadenelemente

fast fertig versetzt. Das Bettenhochhaus

zeigt sich im

künftigen Look.

Der zweigeschossige Nord-

Süd-Verbindungskanal

wird im Frühjahr fertiggestellt.

Er wird jedoch erst

ab Inbetriebnahme von

Haus 07A genutzt werden.

Die Vorbereitungsarbeiten

für das Ostschweizer Kinderspital

sind beinahe abgeschlossen.

Der offizielle Spatenstich

erfolgt am 7. April

2021. Die Aushubarbeiten

der Untergeschosse starten

nach Abschluss der Schlitzwandarbeiten

sowie dem

Setzen der Tragpfähle und

dauern bis Dezember 2021.

Alle Bauetappen im

Überblick finden Sie unter

www.kssg.ch/bau

AUSHUBARBEITEN

OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL

Baureportage

25


Im Schaufenster

Grundsanierung und Erweiterung Haus 02

fertiggestellt

Seit März 2020 ist nach dreijähriger Bauzeit auch

die letzte Bettenstation im Haus 02 in Betrieb.

Das 1951 erstellte Gebäude ist im Rahmen des Umbaus

von Grund auf saniert worden. Das neue

Haus 02 präsentiert sich nun mit modernsten

Räumlichkeiten.

Im Rahmen des Umbaus wurden auf beiden Seiten

des Gebäudes durch Anbauten pro Stock je zwei

neue Zweierzimmer geschaffen. Es ist nun möglich,

bis zu 91 Patientinnen und Patienten in Einerund

Zweierzimmern zu betreuen. Der Komfort

konnte zudem deutlich verbessert werden. Die alten

Zweierzimmer ohne Nasszellen sind nun als

Einzelzimmer mit eigener Nasszelle nutzbar. Die

dadurch gesteigerte Privatsphäre wird nun vor

allem den Patientenbedürfnissen in den hochsensiblen

und pflegeintensiven Bettenstationen wie

Palliativ und Onkologie gerecht.

Optisch wirken die einzelnen Stationen seit der

Erneuerung heller und freundlicher. Gleichzeitig

schafft die farbliche Gestaltung der unterschiedlichen

Stockwerke Orientierung.

Auch technisch wurde das Haus rundum erneuert.

So sind die Zimmer im 4. Obergeschoss mit Unterdruck

ausgestattet und die Technik (Elektro,

Heizung, Lüftung, Sanitär etc.) ist den heutigen Erfordernissen

angepasst. Den Mitarbeitenden

stehen zudem komfortablere Garderoben und Versorgungsräume

zur Verfügung.

Neubauten

26


Neubauten

27


Fertigstellung neues iAmbi Haus 03

Neubauten

Im Erdgeschoss von Haus 03 sind die Arbeiten am

neuen interdisziplinäre Ambulatorium (iAmbi)

abgeschlossen. Auf einer Fläche von rund 2400 m2

finden Patientinnen und Patienten ein breites

ambulantes Angebot verschiedener Kliniken.

Bereits im November 2019 wurde die erste Etappe

des neuen iAmbis im Haus 03 in Betrieb genommen.

Darin sind die ambulatorischen Bereiche verschiedener

Kliniken (Klinik für Orthopädische

Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,

Klinik für Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie

und Klinik für Urologie) sowie

zwei Röntgenräume der konventionellen Radiologie

beheimatet.

Der Baubeginn der zweiten Etappe erfolgte schliesslich

im Januar 2020 und wurde im Dezember 2020

fertiggestellt. In diesem Teil des iAmbis sind die

Präoperativen Anästhesiesprechstunden (PAS), das

Wundzentrum, verschiedene Behandlungsräume

für die pflegerische Vorbereitung sowie administrative

Räume verortet.

Das iAmbi bietet Patientinnen und Patienten

verschiedene Vorteile. Sie finden durch die Interdisziplinarität

des iAmbis verschiedene Leistungsangebote

an einem gemeinsamen Ort. Die

Patientenwege konnten vereinfacht und die

Patientenströme optimiert werden.

28


Agenda

Öffentliche Vorträge

am Kantonsspital St.Gallen

«Cortison – Freund oder Feind?», «Patientenverfügung:

Wann, wie und wofür?», «Heilbare

Demenz»: Dies sind nur einige Themen der öffentlichen

Vortragsreihe 2021. Sie gewährt Einblick

in verschiedene medizinische Themen. Spezialisten

informieren und stehen bei Fragen zur Verfügung.

Das detaillierte Programm finden Sie

unter www.kssg.ch/vortraege

DURCHFÜHRUNG Ab April 2021 bis Juni 2021

immer dienstags. Aufgrund des Umbaus des Zentralen

Hörsaals findet eine verkürzte Serie statt.

TREFFPUNKT 19.30 Uhr im Zentralen Hörsaal,

Haus 21, Kantonsspital St.Gallen, Eintritt frei

Bauführungen

Ab Frühling 2021 bietet das Kantonsspital St.Gallen

in regelmässigen Abständen öffentliche Bauführungen

an. Kompetente Bauführerinnen und Bauführer

geben in rund 90 Minuten Einblick in das

aktuelle Baugeschehen. Unter Voranmeldung können

sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen

teilnehmen. Machen Sie sich selbst ein Bild und

erleben Sie den Bau hautnah!

Weitere Informationen finden Sie ab Frühling 2021

unter www.kssg.ch/baufuehrungen

Je nach Verlauf der

Covid-19-Pandemie muss

mit kurzfristigen

Programmänderungen

gerechnet werden.

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen

und aktuelle Informationen finden Sie unter

www.kssg.ch/ veranstaltungen

Agenda

29


Die Bauweise

von heute für morgen

Zwischenbilanz für Chefpolier Christian Michel

und Bauprojektleiter Nikola Vukovic beim

Hochbau von Haus 07A: ein Gespräch über ein

Skelett, die Zahl «08, 10» und Tempo.

Dialog

Herr Vukovic, Herr Michel, Sie sind derzeit

beide mit dem Hochbau 07A beschäftigt,

allerdings in unterschiedlicher Funktion.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

CHRISTIAN MICHEL: Ich bin Chefpolier der Stutz

AG und als Baustellenmanager verantwortlich für

die Arbeit meines Teams am Hochbau. Zusammen

mit der Bauleitung des Kantonsspitals koordiniere

ich die Abläufe auf der Baustelle.

NIKOLA VUKOVIC: Als Bauprojektleiter an der

Schnittstelle zwischen Spitalbetrieb und Bau beschäftige

ich mich mit der klaren Trennung zwischen

Spital- und Baustellenbetrieb. Patientinnen

und Patienten, Besucher und Mitarbeitende sollen

sich mit möglichst geringen Einschränkungen

auf dem Areal bewegen können. Die Wegführung

muss dabei klar signalisiert sein, damit der Bau

mit seiner sensiblen Lage mitten im Spitalareal möglichst

wenig tangiert wird. Als Beispiel: Unsere

grünen Bauwände, die den Baustellenbetrieb klar

vom Spital abschirmen, leisten gute Dienste.

CM: Die Bauwand in der auffälligen, hellgrünen

Farbe ist wirklich top und trennt den Bau optimal

vom Spitalbetrieb. Ab und zu kommt es trotzdem

vor, dass plötzlich jemand auf der Baustelle steht.

In diesem Fall appellieren meine Mitarbeitenden

und ich freundlich an die Vernunft oder verweisen

auf den richtigen Weg – das hat noch nie zu einem

Problem geführt, die Leute sind sehr verständnisvoll.

NV: Das stelle ich auch bei den Patientinnen und

Patienten fest. Mehr noch: Sie interessieren sich für

die Vorgänge und verfolgen die Bauarbeiten gerne

vom Zimmer aus. Manche geniessen es, dass es immer

etwas zu sehen gibt. Neulich stand ein Patient

lange am Fenster und sagte dann: «Das geht so

schnell vorwärts! Auf der Baustelle geht es zu und

her wie in einem Bienenstock, alle sind fleissig am

Arbeiten.» (lacht)

30


Das ist ein Kompliment an Sie und Ihr Team,

Herr Michel. Kommen Sie wirklich so rasch

voran?

CM: Der Hochbau 07A ist für mich schon beinahe

gegessen, das läuft tatsächlich prima. Wir bauen

zehn identische Stockwerke und haben die Abläufe

routiniert. Nur das erste Geschoss war Neuland,

jetzt spielt der Wiederholungsfaktor bis zum zehnten

Geschoss. Das elfte und letzte Stockwerk mit

einer anderen Raumhöhe, dem Open-Space-Bereich

und dem Helikopter-Landeplatz wird dann wieder

eine andere Herausforderung, aber so weit sind wir

noch nicht.

Verringert sich also der Zeitaufwand von

Geschoss zu Geschoss?

CM: (lacht) Leider nein. Tatsächlich sind unsere

Abläufe nun schneller, dafür wird der Weg für uns

und das Material mit jedem Stockwerk länger –

so gesehen hebt sich der Zeitgewinn wieder auf.

CHRISTIAN MICHEL

ist Hochbaupolier beim

Unternehmen Stutz AG

und derzeit Baustellenmanager

im Rohbau von

Haus 07A.

Apropos Zeit: Wie entspannt blicken Sie auf

den Kalender, Herr Vukovic?

NV: Entspannt. Seit Sommer 2019 sind wir am

Rohbau. Ab Ende 2023 wird das Haus 07A phasenweise

bezogen, sodass per Anfang 2024 der ordentliche

Spitalbetrieb starten kann. Im Moment

gibt es nichts, was dagegensprechen würde. Zu

Beginn bescherte uns der problematische Baugrund

einen leichten Rückstand. Er machte zusätzliche

Massnahmen nötig, unter anderem eine temporäre

Spriessplatte. Doch seither geht es aufwärts, auch

zeitlich gesprochen – Christian Michel und sein

Team haben den Zeitverlust zu Beginn mit ihrem

Tempo wieder wettgemacht; und wir stehen da,

wo wir stehen sollen.

Sie arbeiten mit der Skelettbauweise.

Inwiefern wirkt sie sich auf die Bauzeit aus?

NV: Der grosse Vorteil bei der Skelettbauweise ist,

dass sämtliche Stützen, die das tragende Skelett

bilden, in einem Betonwerk vorproduziert werden.

Anschliessend werden sie als Fertigteile auf den

Bau geliefert und sogleich versetzt. Auch die Fassade

wird mit standardisierten Elementen erstellt.

Bei dieser sogenannten Elementbauweise werden

die Elemente ebenfalls im Werk vorproduziert,

fertig angeliefert und müssen nur noch «eingehängt»

werden. Somit entfallen einige Arbeitsschritte vor

Ort und ein Teil der Bauprozesse kann parallel

verlaufen. Wir sparen dadurch Zeit. Ein weiterer

Pluspunkt und für uns während des laufenden

Spitalbetriebs wichtig: Durch die ausgelagerte Produktion

reduziert sich auch der Lärm.

CM: Ich kenne die Skelettbauweise von zahlreichen

Industrie- und Hochbauten. Sie drängt sich bei

einem standardisierten Bau wie dem Bettenhochhaus

geradezu auf. Dank der hohen Vorfabrikation

re duziert sich zusätzlich unser Platzbedarf vor

Ort, was wiederum dem Spitalareal zu Gute kommt.

Sie haben den standardisierten Bau erwähnt.

Gleichzeitig sollte aber das Spital flexibel

geplant werden, weil sich die Medizin stets

weiterentwickelt und sich Bedürfnisse sowie

die Patientenzahlen laufend verändern.

Vielleicht braucht es in einigen Jahren mehr

Operationssäle, dafür weniger Betten.

Wie veränderungsfreundlich ist die aktuelle

Bauweise langfristig gesehen?

NV: Der gewählte Stützenraster von 8,10 Metern

bildet die ideale Basis für anstehende Entwicklungen

im Spitalbetrieb – wir können mit wenig Aufwand

rasch auf die Raumbedürfnisse reagieren und

Räume vergrössern oder verkleinern. Zwischen den

tragenden Stützen können Leichtbauwände eingezogen

werden, sodass mit rund 64 m² ideale Ope-

Dialog

31


«Neulich stand ein Patient

am Fenster und sagte:

‹Das geht schnell vorwärts!›»

Dialog

NIKOLA VUKOVIC

bewegt sich als Bauprojektleiter

am Kantonsspital

St.Gallen an der

Schnittstelle von Spitalbetrieb

und Bau.

rationssäle entstehen. Mit einer Unterteilung werden

daraus zwei Patientenzimmer à 32 m², wiederum

eine ideale Grösse. Da die Fassadenelemente

mit einem Raster von 1,35 Meter dem Grundraster

der Stützen folgen, kann im Inneren dieses Rasters

auch auf drei Raumzellen von je 2,70 Meter aufgeteilt

werden. Damit entstehen drei nebeneinanderliegende

Untersuchungszimmer. Dank der

hohen Räume können die technischen Installationen,

wie z. B. die Lüftungsleitungen, unterhalb

der Betondecke montiert werden – dies schafft zusätzliche

Flexibilität.

CM: Dass der Grossteil der technischen Installationen

unterhalb der Decken aufgehängt wird, ist für

uns ebenfalls eine Erleichterung. So können wir

unabhängig von Sanitär, Lüftungsbauer etc. ohne

Unterbruch den Rohbau hochziehen.

Herr Michel, Sie waren als Hochbaupolier

schon in mehrere Projekte involviert.

Was ist bei einem Spitalbau anders?

CM: Gar nicht so viel. Im Wesentlichen sind es

zwei Punkte: der Lärm und die Sicherheit. Was den

Lärm angeht, stimmen wir einerseits die Zeiten

für lautstarke Arbeiten mit dem Spitalbetrieb ab.

Andererseits wenden wir «leisere» Methoden

an: Zum Beispiel arbeiten wir wo immer möglich

mit Gummihammer. Zudem werden die Wandscha

lungen geschraubt statt geschlagen. Damit

verhindern wir Lärm und minimieren potenzielle

Augenschäden durch Splittergefahr bei den Mitarbeitenden.

Die Sicherheit ist bei unserer wöchentlichen Besprechung

im Team ein zentrales Thema, dabei

passen wir unsere Vorsichtsmassnahmen stets dem

Baustand an. Bisher hat das reibungslos funktioniert,

die Patienten- und Besucherströme kommen

problemlos an uns vorbei.

Wenn wir gerade bei der Sicherheit sind:

Wie gelingt es Ihnen, die Corona-Massnahmen

auf der Baustelle umzusetzen?

NV: Die grösste Knacknuss sind die Arbeitspausen.

Die vorhandenen Verpflegungsräume sind für

gemeinsame Pausen zu klein. Mit der Aufteilung in

Gruppen sowie gestaffelten Zeiten für den Beginn

und die Mittagspause verhindern wir grosse Ansammlungen

– wir haben quasi die Gleitzeit auf

dem Bau eingeführt.

CM: Ich erlebe keine Einschränkungen bisher – die

Fläche auf der Baustelle ist gross genug, dass wir

den Abstand wahren können. Die Problematik in

unseren Verpflegungsräumen konnte ja dank der

Gleitzeit entschärft werden.

Angenommen, eine Baufee käme angeflogen

und würde Ihnen einen Wunsch erfüllen –

welcher wäre das?

NV: Dass wir weiterhin ohne Unfall durch die Bauzeit

kommen.

CM: Ich sage lieber nichts – nicht, dass ich mit dem

Wunsch noch einen Unfall heraufbeschwöre.

32


Dialog

33


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11 Stockwerke

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