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Jadavs Dschungel

Die wahre Geschichte eines kleinen Jungen aus Assam, Indien, der im Laufe seines Lebens eine trockene Sandbank in einen lebendigen Dschungel verwandelte. Ein Buch über Pflanzen, Tiere, Menschen und die Bedeutung ihres Zusammenspiels.

Die wahre Geschichte eines kleinen Jungen aus Assam, Indien, der im Laufe seines Lebens eine trockene Sandbank in einen lebendigen Dschungel verwandelte.
Ein Buch über Pflanzen, Tiere, Menschen und die Bedeutung ihres Zusammenspiels.

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epresentation

JADAVS

DSCHUNGEL


Ein Sprichwort

aus Uganda sagt:

„Die beste Zeit, einen Baum

zu pflanzen, war vor zwanzig

Jahren. Die nächstbeste Zeit

ist jetzt.”


epresentation

Möchtest du

mehr wissen?

Unter dem Symbol der Sprechblase

findest du Zitate von Jadav

Payeng. Zitate sind Sätze, die er

tatsächlich gesagt oder geschrieben

hat.

Möchtest du mehr über Jadav

Payeng erfahren? Unter dem

Symbol des Pflänzchens findest

du detailliertere Informationen.

Interessiert dich das Thema?

Unter dem Symbol des Buches

findest du Erläuterungen und

Ergänzungen zum Thema.

Denkst du manchmal über die Welt

um dich herum nach?

Unter dem Symbol der Weltkugel

findest du Fragen, auf die jeder

Mensch seine eigenen Antworten

finden kann. Welche sind deine

Antworten?

Representation in children’s books matters simply because all children

deserve to see themselves in the literary portraits of society. This gift

becomes an acknowledgement and celebration of each child’s existence.

Dr. Rudine Sims Bishop, who taught children’s literature, sees books as

mirrors which can act as reflections of ourselves and our world. She further

describes books as windows and sliding doors which give us the chance to

look and walk into worlds that reflect the lives of others.

As societies, we should therefore work to create books that offer diverse

stories, with diverse characters, who are given complex and positive

personalities and circumstances. Diverse, positive and multidimensional

depictions of characters, not only have the power to make children feel

acknowledged and celebrated, but also provide real and imagined heroes

they can identify with.

Diverse stories and characters give all children the opportunity to engage

with diversity even if their immediate context does not always offer such

interactions. Diversity in books reminds children that although people are

different, we all share a common humanity, equal value and equal status.

This can inspire children to go into the wider world with positive ideas and

images of themselves and of diversity and differences around them. This

will serve them in the encounters they make along their life’s journey.

I therefore celebrate this book and all other books, authors and illustrators

who make it their mission to give all children the gift of love and affirmation

in book form.

Michell Sibongiseni Mpike

Ein Buch von Philippe Zwick Eby

Illustrationen von Ekaterina Goncharova

Herausgegeben von Sarah B. Zwick-Eby und Philippe Zwick Eby

Fachliche Beratung: Rituraj Phukan und Kathrin Meckel

1. Auflage, 2022

© editions mālama

www.editionsmalama.com

ISBN 978-3-949326-06-6


JADAVS

DSCHUNGEL

ein Buch von Philippe Zwick Eby

Illustrationen von Ekaterina Goncharova

editions mālama

representation


Jadav Payeng

Jadav Payeng wurde 1963 in Indien

in der Region Assam geboren.

Sein Spitzname ist Molai.

Über einen Zeitraum von vierzig

Jahren hinweg hat Jadav Payeng

jeden Tag einen Baum gepflanzt

und dadurch einen riesigen

Dschungel geschaffen.

Dies ist seine wahre Geschichte.

Das ist Jadav.

Jadav lebt in einem fernen Land,

weit, weit weg.

Indien

Jadav Payeng lebt in Indien.

Indien ist ein großes Land auf

dem asiatischen Kontinent. Die

meisten Menschen in Indien

sprechen Hindi und Englisch.

Insgesamt werden in Indien

jedoch mehr als 100 Sprachen

gesprochen.

6


Jadav und seine

Mutter sind in der großen Stadt. Auf dem Markt

kaufen sie Obst und Gemüse. Es riecht nach

Gewürzen, die du noch nie gerochen hast.

„Ohhh!”, jammert Jadavs Mutter,

„Warum ist das alles so teuer?”

Jadav mag die große Stadt nicht.

„Wann gehen wir nach Hause?”, fragt er.

Jadav Payeng sagt:

„Es geht über meinen Verstand

hinaus, wie sehr die Menschen

die Natur in ihren

Städten zerstört

haben.”

7


Brahmaputra

Der Brahmaputra ist ein Fluss.

Er entspringt in den Bergen

Tibets, durchquert dann das

Himalaya-Gebirge und wird im

Assam-Flusstal, in dem Jadav

lebt, bis zu zehn Kilometer breit.

Der Brahmaputra ist einer der

längsten Flüsse der Welt: Er ist

3100 Kilometer lang.

Die Majuli-Insel

Majuli ist die größte Flussinsel

der Welt: Diese Insel liegt nicht

im Meer, sondern ist vom Fluss

Brahmaputra umgeben. Majuli

wird jedoch jedes Jahr kleiner,

da der Brahmaputra den sandigen

Boden der Insel wegwäscht.

Eines Tages könnte Majuli völlig

verschwinden.

Auf dem Heimweg müssen Jadav und seine Mutter

ein Boot nehmen, um einen Fluss zu überqueren.

Es ist ein sehr großer Fluss.

Sein Name ist Brahmaputra.

Jadav lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Holzhaus.

Die wenigen Menschen, die hier leben, sind

arm. Denn der Boden ist sehr sandig. Im Sand können

Menschen keine Pflanzen pflanzen.

Wovon sollen sie also leben?

Warum sind nicht

alle reich?

8


Jadavs Familie hat drei Kühe.

Die Kühe stehen meistens im Wasser.

„Warum gibt es hier keine Bäume?”,

fragt Jadav seine Mutter, „Die Bäume könnten

den Kühen Schatten spenden.”

9


Monsun

In Indien ist es das ganze Jahr

über sehr heiß. Es regnet selten.

Jedes Jahr gibt es von Juli bis

September starke Winde. Diese

Winde bringen Wolken über das

Land und die Wolken bringen

Regen mit sich. Das bedeutet, dass

es im Juli, August und September

in Indien sehr stark regnet. Dies

nennt man den Monsun.

Hochwasser

Wenn es regnet, fällt Wasser auf

die Erde. Das Wasser wird von

der Erde aufgenommen. Pflanzen

brauchen dieses Wasser, um zu

wachsen. Sie saugen es über ihre

Wurzeln aus der Erde.

Wenn es keine Pflanzen gibt,

kann die Erde nicht das gesamte

Regenwasser aufnehmen. Dann

fließt das Wasser in Flüsse. Je

mehr Wasser in die Flüsse fließt,

desto größer und breiter werden

die Flüsse. Dies nennt man Hochwasser.

Hochwasser kann für Menschen

und Tiere sehr gefährlich sein und

alles zerstören. In Assam gibt es

jedes Jahr mindestens einmal

Hochwasser.

In dem fernen Land ist es das ganze Jahr über sehr heiß.

Im Sommer beginnt der Regen. Es regnet viel.

Es regnet ohne Pause. Es regnet Tag und Nacht.

„Wohin fließt das ganze Wasser?”, fragt Jadav.

Plötzlich schwillt der Fluss an.

Das Wasser fließt nicht mehr ruhig.

Es fließt schnell und wild.

Der Fluss wird breiter.

Ist unser Leben

von Anfang an festgelegt?

10


Das Wasser kommt näher.

Jadav und seine Eltern verlassen schnell ihr Zuhause.

Der Fluss trägt Jadavs Haus mit sich.

Der Fluss trägt die Kühe mit sich.

Der Fluss trägt die Boote mit sich.

Jadavs Mutter weint.

„Ich hasse diesen Fluss!”, schluchzt sie.

„Jedes Jahr nimmt uns der Fluss alles, was

wir haben! Ich will hier nicht mehr leben!”

Jadav Payeng sagt:

„Jedes Jahr während des

Monsuns wird diese Insel vom

Rest der Welt abgeschnitten. Und

dann wird sehr viel zerstört.”

11


Warum lernen wir?

Jadavs Eltern beschließen, das Dorf zu verlassen.

„Ich möchte hier bleiben!”, protestiert Jadav,

„Ich möchte weiter zur Schule gehen!”

Jadav bleibt allein zurück.

Er lernt fleißig.

12


Jedes Jahr schwillt der Fluss an und reißt alles mit sich.

Übrig bleibt immer nur Sand.

Als Jadav 16 Jahre alt wird, ist das Hochwasser besonders

schlimm. Nachdem das Wasser wieder zurückgegangen ist,

macht Jadav eine schreckliche Entdeckung:

Auf dem trockenen Sand liegen Wasserschlangen.

Viele Wasserschlangen.

Sie bewegen sich nicht mehr.

„Die armen Schlangen sind alle ausgetrocknet”,

denkt Jadav. Er wird sehr traurig.

Wasserschlangen

Wasserschlangen sind Schlangen,

die im Wasser leben. Sie gehören

zu der Tierart der Reptilien.

Es gibt über 50 verschiedene Arten

von Wasserschlangen. Sie sind ein

bis zwei Meter lang und können

bis zu zwei Stunden unter Wasser

bleiben. Einige Wasserschlangen

tauchen bis zu 180 Meter tief.

Wasserschlangen sind giftig. Ihr

Gift kann einen Menschen töten.

Sie greifen jedoch selten an.

Wasserschlangen leben im Salzwasser

des Meeres. Sie können

jedoch auch in sehr breiten

Flüssen vorkommen.

Jadav Payeng sagt:

„Es war sehr heiß und es gab

keinen einzigen Baum. Deshalb

sind all diese Schlangen

gestorben. Sie wären nicht

zugrunde gegangen, wenn es

Bäume gegeben hätte, die ihnen

Schatten spenden.”

Hast du jemals ein totes

Tier gefunden? Was hast du

damit gemacht?

13


Jadav Payeng sagt:

„Ich habe mich gefragt:

Was kann ich tun?

Ich habe die Ältesten nach den

toten Schlangen gefragt. Alle

antworteten, dass das Pflanzen

von Bambus die einzige Lösung

sei, um die Hitze zu stoppen.

Wenn man Bambus pflanzt,

überleben die Schlangen.”

Jadav fragt seine Lehrer:

„Warum sind die Schlangen gestorben?”

Alle Lehrer geben Jadav die selbe Antwort: „Diese Tiere

brauchen Schatten, sonst trocknen sie in der Sonne aus.“

„Hm ...”, überlegt Jadav, „... und was kann man tun,

um für die Schlangen Schatten zu bekommen?”

Bambus

Bambus gehört zur Pflanzenfamilie

der Gräser. Er hat lange,

schlanke Halme, die innen hohl

sind. Bambus wächst ziemlich

schnell. Bambushalme werden 1,5

bis 9 Meter hoch. Es gibt jedoch

eine Bambusart, die sogar bis zu

40 Meter hoch wird.

Nach einiger Zeit werden die

Bambushalme holzig. Sie sind

dann sehr leicht und dennoch

extrem stabil und flexibel.

In Asien fertigen die Menschen

viele Dinge aus Bambus: Dächer,

Möbel, Zäune, Wasserpfeifen,

Kleidung und Essstäbchen.

Aber das ist noch nicht alles:

Du kannst die jungen Bambussprossen

sogar essen. Sie sind

sehr lecker.


„Man muss Bambus pflanzen”, antworten die Lehrer,

„dann werden die Schlangen die Sonne überleben.”

Am nächsten Tag pflanzt Jadav zwanzig Bambussetzlinge

in den trockenen, sandigen Boden.

Jadav Payeng sagt:

„Es war schmerzhaft, aber ich

habe es trotzdem getan. Es gab

niemanden, der mir half. Es

interessierte niemanden.”

Hast du jemals

eine Pflanze gepflanzt?

15


Bodenerosion

Pflanzen schützen den Erdboden,

denn ihre Wurzeln halten die Erde

zusammen und stabilisieren den

Boden. Ihre Blätter schützen vor

Wind und Regen.

Wenn Pflanzen abgeschnitten

werden, wird der Boden schnell

trocken. Der Regen oder der Wind

tragen dann die Erde mit sich.

Das nächste Hochwasser kommt und trägt alles mit

sich. Alles? Nein, nicht wirklich alles:

Jadavs Bambussetzlinge stehen noch.

Der Bambus beginnt nun sogar zu treiben:

Siehst du die grünen, frischen Blätter?

„Es funktioniert”, denkt Jadav glücklich und pflanzt

noch mehr Bambus in den Sand.

Bäume

Bäume sind sehr wichtig für unser

Leben. Sie liefern Holz zum Bauen

und Zellstoff für die Herstellung

von Papier. Sie schenken uns viele

verschiedene Arten von Früchten

und Nüssen. Äpfel, Orangen,

Walnüsse, Mangos, Pfirsiche und

viele mehr wachsen auf Bäumen.

Bäume tragen außerdem dazu bei,

unsere Luft sauber und unsere

Ökosysteme gesund zu halten:

Wir Menschen atmen Sauerstoff

ein und Kohlendioxid aus. Bäume

atmen Kohlendioxid ein und

Sauerstoff aus. Das bedeutet:

Bäume reinigen unsere Luft.

Der Naturwissenschaftler

Charles Darwin sagt:

„Alles, was gegen die Natur ist,

hat auf Dauer keinen Bestand.”

16


Jadav lernt alles über Pflanzen.

Er fragt. Er hört zu. Er liest.

Er weiß jetzt, dass manche Pflanzen

viel Sonne mögen.

Und manche nicht.

Kapokbaum

Der Kapokbaum wächst in den Regenwäldern

von Afrika, Asien und

Amerika. Er wird bis zu sechzig

Meter hoch. Er ist also viel höher

als die meisten anderen Bäume.

Der Kapokbaum braucht viel

Sonne. Seine riesige Baumkrone

gleicht einem Sonnenschirm: Sie

schützt die Pflanzen darunter vor

den heißen Sonnenstrahlen.

Der Stamm des Kapokbaums hat

spitze Stacheln und kann bis zu

drei Meter dick werden. Seine

breiten Brettwurzeln ragen weit

aus dem Boden heraus und geben

ihm Stabilität.

Abholzung

Abholzung bedeutet, dass Menschen

die Bäume eines Waldes

fällen. Sie tun dies, um Holz zu

gewinnen, neues Weideland für

Rinder zu schaffen oder um dort

Häuser und Straßen zu bauen.

Der Wald ist der Lebensraum

vieler Tiere und Pflanzen. Diese

verlieren durch Abholzung ihr

Zuhause.

Viele Tiere und Pflanzen sind

wegen Abholzung vom Aussterben

bedroht. Viele Tiere und Pflanzen

sind bereits ausgestorben.

Jadav Payeng sagt:

„Jedes Kind sollte in seiner

Schulzeit zwei Bäume pflanzen.

Damit würde das Kind seinen

eigenen Sauerstoff produzieren.

Wer dazu nicht in der Lage

ist, sollte keinen Abschluss

bekommen.

Ich kann nur hoffen, dass die

Menschen in Indien und überall

sonst auf der Welt damit anfangen,

diesen Planeten grüner zu

machen. Dann wäre es eine sehr

schöne Welt zum Leben.“

17


Der Aufbau eines Baumes

Ein Baum besteht aus folgenden

Teilen:

Einige Pflanzen brauchen viel Platz.

Andere nicht.

Baumkrone

Die Baumkrone besteht aus den

Blättern, Früchten und Ästen an

der Spitze eines Baumes.

Blätter

Blätter sind die Lebensmittelfabriken

eines Baumes. Sie versorgen

den Baum mit Energie indem

sie das Licht der Sonne in Zucker

umwandeln. Dieser Vorgang wird

als Photosynthese bezeichnet.

Früchte

Jeder Baum produziert Samen, um

sich zu vermehren. Diese Samen

befinden sich in Früchten. Viele

dieser Früchte kannst du essen.

Äste

Die Äste verbinden den Stamm

und die Blätter. Die Äste ermöglichen

es dem Baum, seine

Blätter auf einer großen Fläche

zu verteilen. Die Äste dienen

auch als Leitungen für Wasser

und Nährstoffe. Je weiter die Äste

vom Stamm entfernt sind, desto

dünner werden sie.

Stamm

Der Stamm gibt dem Baum seine

Höhe und trägt die Baumkrone.

Der Stamm transportiert Wasser

und Nährstoffe aus den Wurzeln

in die Baumkrone. Der Stamm

ist von der Rinde umgeben. Die

Rinde schützt den Baum vor Verletzungen

und Austrocknung.

Wurzeln

Die Wurzeln wachsen unter der

Erde. Die Größe des Wurzelsystems

ist normalerweise so groß

wie der Rest des Baumes. Dies ist

notwendig, da die Wurzeln den

Baum stützen und stabilisieren.

Die Aufgabe der Wurzeln besteht

jedoch auch darin, Wasser und

Nährstoffe aus dem Boden zu

sammeln und zu speichern.

18


Einige Pflanzen brauchen viel Wasser.

Andere nicht.

Baumarten

Es gibt zwei Arten von Bäumen:

Laubbäume und Nadelbäume.

Laubbäume

Laubbäume verlieren für einen

Teil des Jahres alle ihre Blätter.

In kalten Klimazonen geschieht

dies im Herbst, sodass die Bäume

den ganzen Winter über kahl sind.

In heißen und trockenen Klimazonen

verlieren Laubbäume

ihre Blätter meist während der

Trockenzeit.

Nadelbäume

Die Blätter von Nadelbäumen sind

meist lang und dünn wie eine Nadel.

Nadelbäume verlieren ebenfalls

ihre Nadeln, jedoch nicht

gleichzeitig. Abgefallene Nadeln

werden sofort durch neue Nadeln

ersetzt.

Photosynthese

Pflanzen brauchen Energie, um zu

wachsen. Diese Energie ist Zucker.

Die Pflanzen bekommen den

Zucker aus den Blättern.

Blätter wandeln das Licht der

Sonne in Zucker um. Blätter

enthalten eine ganz besondere

Substanz namens Chlorophyll.

Diese Substanz gibt ihnen ihre

grüne Farbe. Mit der Hilfe von

Chlorophyll können die Blätter

die Sonnenenergie nutzen, um

schlechte Luft (Kohlendioxid)

aus der Atmosphäre und Wasser

aus dem Boden in Zucker und

Sauerstoff umzuwandeln.

Der Zucker dient als Nahrung

des Baumes. Der Sauerstoff

wird wieder freigesetzt. Dieser

Sauerstoff ermöglicht es den

Tieren und Menschen auf der Erde

zu leben.

19


Die Oase

Eine Oase ist ein pflanzenreicher

Ort, der in der Wüste liegt. Eine

Oase entsteht an einem Brunnen,

einem Wasserloch oder einem

Fluss. Dank des Wassers können

Pflanzen auch in der heißen und

sandigen Wüste wachsen.

Die Menschen pflanzen Oasen in

drei „Stockwerken”:

Unten wachsen Getreide, Reis

und Gemüse. Kleinere Bäume wie

Feigen- oder Granatapfelbäume

wachsen bis in den ersten Stock.

Und die Dattelpalmen wachsen

bis in den zweiten Stock. Auf

diese Weise kannst du selbst in

einer kleinen Oase alle benötigten

Lebensmittel ernten.

Aus Jadavs Bambussetzlingen ist eine kleine, grüne

Oase geworden. Und Jadav macht weiter.

Jeden Tag steht er sehr früh morgens auf.

Jeden Tag marschiert er zwei Stunden zu seiner

Oase. Jeden Tag pflanzt er eine neue Pflanze.

Jadav Payeng sagt:

„Immer wenn ich ein Stück

unbepflanztes Land sehe,

pflanze ich dort Samen aus

meinem Wald. Das ist der

richtige Weg, um einen Wald

zu vergrößern. Auf diese

Weise habe ich meinen Wald

gepflegt. Indem ich Samen

aus dem Wald erneut in den

Wald pflanze.”

20


Jadav sammelt die Samen der Pflanzen und pflanzt

sie wieder ein. So wird seine Oase immer größer.

„Er ist verrückt!”, sagen die Leute.

Vegetationsschichten

Ein Dschungel besteht aus fünf

verschiedenen Schichten:

Baumschicht

In der Baumschicht wachsen die

Bäume bis zu 45 Meter hoch. Die

Baumwipfel sind unterschiedlich

hoch. Sie bilden ein Dach, das die

Pflanzen in den unteren Schichten

vor starker Sonne oder starkem

Regen schützt. Dieses Dach

heißt Baldachin. Die Baumschicht

ist die Heimat von Affen, Adlern

und Schlangen.

Strauchschicht

In der Strauchschicht wachsen

kleinere Bäume. Sie werden bis

zu fünf Meter hoch. Diese Bäume

schützen mit ihren Blättern

die Kräuterschicht vor den

Sonnenstrahlen. Für viele Vögel

ist die Strauchschicht ein sicherer

Ort, um ihre Nester zu bauen.

Kräuterschicht

In der Kräuterschicht wachsen bis

zu 1,5 Meter hohe Kräuter, Gräser

und Sträucher. Diese Pflanzen

brauchen viel Feuchtigkeit. Sie

mögen keine direkte Sonne.

Moosschicht

Unter der Kräuterschicht

befindet sich die Moosschicht.

Die Moosschicht ist nur etwa

15 Zentimeter hoch und besteht

aus niedrigen Pflanzen

wie Moosen, aber auch aus

abgestorbenem Material wie

alten Blättern. In der Moosschicht

leben zahlreiche Insekten,

Bakterien und Pilze.

Wurzelschicht

Unter der Erde befindet sich die

Wurzelschicht. Sie beherbergt

Wurzeln, Knollen und Zwiebeln.

21


Ameisen

Ameisen gehören zu den Insekten.

Wie alle Insekten ist ihr Körper in

drei Teile unterteilt: Kopf, Brust

und Bauch. Und wie alle Insekten

haben sie sechs Beine.

Ameisen existieren seit mehr als

hundert Millionen Jahren. Sie

existieren auf allen Kontinenten

dieser Erde.

Ameisen leben in riesigen Gruppen,

sogenannten Staaten. Im

Ameisenstaat hat jede Ameise

eine besondere Aufgabe:

Die größeren Königinnen legen

Eier, aus denen neue Ameisen

schlüpfen. Die wenigen Männchen

sind nur dazu da, um die Königinnen

zu befruchten. Du erkennst

die Männchen an ihren Flügeln.

Und die meisten Ameisen in einem

Staat sind Arbeiterinnen. Die

Arbeiterinnen sind für einen Wald

sehr wichtig: Sie lockern den Boden

auf, zerkleinern tote Blätter

und verbreiten die Samen verschiedener

Pflanzen.

Jadav lernt, dass Pflanzen einen gesunden Boden

benötigen. Dafür braucht es Ameisen.

Jadav bringt Ameisen aus seinem Dorf mit.

Jadav Payeng sagt:

„Wenn eine karge Sandbank in

einen Wald verwandelt werden

soll, muss der Boden verändert

werden. Und ich weiß, dass dies

nur von Ameisen getan werden

kann. Also habe ich von meinem

Dorf aus tausende von Ausflügen

unternommen und Ameisen

in den Wald gebracht. Ich bin

unzählige Male von Ameisen

gebissen worden. Es tat weh.”

22


Eines Tages sieht Jadav einen Geier.

„Jeder Dschungel braucht Geier”, lächelt er.

Jadavs Oase ist zu einem kleinen Dschungel

geworden.

Geier

Geier gehören zu den Greifvögeln.

Sie leben in Südeuropa,

Afrika, Südamerika und Asien.

Geier sind sehr große Vögel. Sie

werden bis zu einem Meter groß.

Ihre Spannweite beträgt bis zu

2,90 Meter (die Spannweite ist

der Abstand zwischen den zwei

Flügelspitzen, wenn die Flügel

ausgestreckt sind).

Geier ernähren sich fast ausschließlich

von toten Tieren. Sie

jagen diese Tiere jedoch nicht

selbst. Geier fressen Tiere, die

schon längere Zeit tot sind und

deren Fleisch bereits verrottet. Sie

werden deshalb auch Aasfresser

genannt.

Geier haben eine besonders

ätzende Magensäure, die alle

Krankheitserreger abtötet. Geier

werden deshalb durch verfaultes

Fleisch nicht krank.

Ohne Geier würden die toten

Körper von Büffeln, Zebras oder

Elefanten etwa dreimal länger

herumliegen. In der Hitze beginnt

sich das Fleisch toter Tiere schnell

zu zersetzen. Dann vermehren

sich Krankheitserreger im Fleisch.

Diese Krankheitserreger können

sich auf andere Tiere ausbreiten.

Geier haben also eine wichtige

Aufgabe: Indem sie tote Tiere

auffressen, halten sie die Umwelt

sauber. Heute sind Geier vom

Aussterben bedroht.

Jadav Payeng sagt:

„Ein Wald ist nur dann

vollständig, wenn Geier darin

leben. Es freut mich sehr, Geier

in meinem Wald zu sehen.”

23


Jadav Payeng sagt:

„Wenn der Wind durch meinen

Dschungel weht und dabei diese

schöne Musik macht, dann fühlt

es sich an, als ob er mit mir

sprechen würde. Deshalb lebe

ich gerne im Dschungel. Städte

machen mich nicht glücklich.”

Hast du dich schon einmal

um ein Tier gekümmert?

Inzwischen ist Jadav verheiratet. Seine Frau Binita und er

haben drei Kinder: Munmuni, Sanjiv und Sanjay.

Zusammen leben sie in einer kleinen Hütte. Sie züchten Kühe

und verkaufen die Milch. Davon können sie leben. Der kleine

Sanjay kümmert sich um die Kühe. Wenn er sie ruft, kommen

sie sofort angerannt. Binita webt Stoffe, aus denen sie

Kleidung für ihre Familie näht. Ihre Tochter Munmuni hilft ihr

dabei. Jadav fährt weiterhin jeden Tag in seinen Dschungel.

24


Nachts zünden sie eine Öllampe an.

Wenn es regnet, haben alle Angst vor der Flut.

„Papa, ich kann nicht einschlafen”, flüstert Sanjiv,

„Was ist, wenn nachts das Hochwasser kommt?

Dann werden wir alle sterben. Lass uns wegziehen!”

Woher kommt

die Angst?

25


Jadav Payeng sagt:

„Der Brahmaputra hat mein

Haus viele Male zerstört.

Deshalb baue ich für mein Hab

und Gut ein Haus, das uns vor

Überschwemmungen bei diesen

zwei bis drei Monate dauernden

Regenfällen schützt.”

Doch für Jadav ist der Dschungel alles auf der Welt.

Um sich und seine Familie zu schützen, baut er das

Haus auf Stelzen. Jetzt ist es vor

Überschwemmungen sicher.

26


Aus dem kleinen Dschungel ist ein

großer Dschungel geworden. Die Vögel singen. Die Bäume

spenden Schatten. Die Wurzeln der Bäume halten die Erde

zusammen. Der Fluss kann den Boden nicht mehr wegspülen.

Immer mehr Menschen bauen ihre Häuser in der Nähe von

Jadavs Dschungel. Es gibt jetzt sogar eine Schule.

Jadav Payeng sagt:

„Kaum hatte ich das Land

fruchtbar gemacht, zogen schon

die ersten Menschen aus den

Städten hierher, denn das Leben

dort ist teuer. Sie begannen mit

der Landwirtschaft. Allmählich

vergrößerte sich unser Dorf und

heute leben hier mehr als 200

Familien.”

Monets Garten

Der berühmte französische Künstler

Claude Monet (1840-1926) ließ

sich für viele seiner Gemälde von

der Natur inspirieren. Seine Bilder

von Seerosen sind absolute Meisterwerke.

Monet malte dasselbe Motiv gerne

mehrmals, jedoch zu verschiedenen

Tageszeiten. Aufgrund der

wechselnden Farbe des Lichtes

sieht deshalb jedes Bild anders

aus.

Als Monet älter wurde, legte er

sogar seinen eigenen Garten an.

Im Dorf Giverny in der Nähe von

Paris schuf er ein kleines Paradies

mit unzähligen Blumenbeeten,

Bäumen und dem berühmten

Seerosenteich, über den eine

japanische Brücke führt. Monet

arbeitete zehn Jahre an seinem

Garten und malte viele seiner

Bilder darin.

Der Garten existiert noch heute.

Du kannst ihn sogar besuchen.

Oder Du siehst Dir das Gemälde

Seerosenteich und japanische Brücke

an, das Monet im Jahr 1899

gemalt hat.

Was ist ein Paradies?

27


Hast du jemals Spuren

entdeckt? Welche?

Tiger

Der Tiger ist eine Großkatze. Sein

Fell ist dunkel gestreift.

Tiger gibt es nur auf dem asiatischen

Kontinent. Sie leben in

Regenwäldern, in Sumpfgebieten

oder in Grasländern.

Tiger sind Raubtiere. Sie ernähren

sich von Fleisch, deshalb jagen

sie andere Tiere wie Hirsche,

Wildschweine und Antilopen.

Es gibt neun Unterarten des

Tigers. Drei von ihnen sind jedoch

bereits ausgestorben. Die wenigen

noch übrigen Tiger sind stark

vom Aussterben bedroht. Indem

die Menschen den Regenwald

abholzen, nehmen sie den Tigern

ihren Lebensraum weg.

Leider werden Tiger immer noch

gejagt, obwohl das verboten ist.

Eines Tages entdeckt Jadav Spuren, die

zu einem Wasserloch führen. Er denkt:

„Das sind die Spuren eines Tigers.

Er kommt zum Trinken hierher.”

Henri Rousseau

Der französische Maler Henri

Rousseau war Autodidakt. Das

bedeutet, dass er sich das Malen

selbst beigebracht hat.

Obwohl Henri Rousseau nie in einem

echten Dschungel war, malte

er zahlreiche Gemälde, die

Dschungelszenen zeigen.

Sieh dir die beiden Gemälde

Tiger in einem tropischen Sturm

(überrascht!) von 1891 und

Kampf zwischen einem Tiger

und einem Büffel von 1908

an. Schau genau hin! Hinter

den Blättern sind zahlreiche

Tiere versteckt.

Henri Rousseau sagt:

„Meine einzige Lehrerin

war die Natur.”

28


Am nächsten Morgen entdeckt Sanjay eine tote Kuh.

Neben der Kuh liegt ihr Kalb und ruft nach ihr.

„Das war der Tiger”, denkt Sanjay, „Sicherlich hat die Kuh

nach mir gerufen, als der Tiger sie packte.”

Sanjay umarmt das einsame Kalb und weint.

Als Jadav von seiner Arbeit im Dschungel zurückkehrt, rennt

Sanjay auf ihn zu: „Die Kuh hat auf der Weide gegrast. Der

Tiger hat sie dort entdeckt und aufgefressen. Ihr Kalb ruft

nach ihr. Es wird sterben, da es keine Milch mehr bekommt.”

„Weine nicht”, antwortet Jadav, „Wenn man hungrig ist, muss

man essen.”

„Wir leben von dem Geld, das wir durch den Verkauf von Kuhmilch

bekommen. Wie können wir nicht traurig sein, wenn der

Tiger eine unserer Kühe frisst?”, antwortet Sanjay mit Tränen

in den Augen. Er ist sehr wütend, auf den Tiger

und auf seinen Vater.

Sanjay Payeng sagt:

„Ich bin noch sehr jung, aber

wenn ein Tiger meine Kuh töten

wollte, würde ich alles tun, um

sie zu retten.”

Jadav Payeng sagt:

„Ich bin ständig von Tigern und

anderen wilden Tieren umgeben,

doch sie tun mir nichts.”

Sanjay Payeng sagt:

„Ich mag meinen Vater nicht,

weil er meinen Schmerz nicht

versteht.“

Wofür ist es gut,

traurig zu sein?

29


Jadav Payeng sagt:

„Sogar aus weiter Ferne kommen

die Tiere in diesen Wald. Ich

weiß nicht, wie sie davon

erfahren haben. Sie kommen

aus hunderten von Kilometern

Entfernung in meinen Dschungel

und haben dafür andere große

Dschungel Indiens verlassen.“

„Ich bin glücklich, insgesamt

150 Elefanten zu versorgen. Ich

bin glücklich, dass sie in meinem

Wald bleiben.”

Elefanten

Elefanten sind Säugetiere. Sie sind

die größten Tiere, die auf dem

Land leben. Elefanten werden bis

zu vier Meter groß und wiegen

bis zu sieben Tonnen. Das ist so

schwer wie sieben Autos.

Es gibt asiatische und afrikanische

Elefanten. Der asiatische Elefant

hat kleinere Ohren und einen

kürzeren Rüssel.

Der Rüssel ist eine verlängerte

Nase. Der Elefant kann mit seinem

Rüssel jedoch nicht nur riechen.

Er kann damit auch Gegenstände

und Lebensmittel ertasten und

greifen. Mit seinem Rüssel kann

der Elefant bis zu zehn Liter

Wasser gleichzeitig aufsaugen.

Er kann damit tolle Geräusche

machen und sogar kämpfen.

Elefanten sind sehr intelligent.

Sie können zählen und rechnen.

Und sie haben ein ausgezeichnetes

Gedächtnis.

Elefanten sind vom Aussterben

bedroht. Wilderer töten jedes Jahr

Zehntausende von Elefanten, nur

um an ihre Stoßzähne zu gelangen,

die sie für viel Geld verkaufen.

Einige Tiere sind sehr weit gereist, bis sie in Jadavs Dschungel

ein Zuhause finden. Sogar eine ganze Herde von Elefanten lebt

nun dort. Eines Tages marschieren die Elefanten bis zu Jadavs

Haus. Sanjay hat keine Angst vor den riesigen Tieren:

„In unserem Haus gibt es nichts zu fressen. Kehrt wieder

um”, sagt er ruhig. Die Elefanten wedeln mit den Ohren

und drehen um. Aber auf dem Weg

zurück in den Dschungel

zerstören sie viele

Häuser in dem

kleinen

Dorf.

30


Die Nachbar:innen sind sehr wütend.

„Jadav hat die Elefanten angelockt”, rufen sie,

„Er ist schuld daran, dass unser Dorf zerstört ist.”

Und einige flüstern: „Jadav muss sterben!”

Nachts zünden sie Jadavs Haus an. Jadav und seine

Familie können sich retten. Aber viele Kühe sterben

in den Flammen.

Munmuni Payeng sagt:

„Auf dem Weg in den Dschungel

meines Vaters machten die

Elefanten die Häuser von

Dorfbewohner:innen kaputt

und zertrampelten deren Felder.

Als die Leute versuchten, die

Elefanten zu verscheuchen,

zerstörten diese noch mehr. Die

Leute gaben meinem Vater die

Schuld daran.”

Binita Payeng sagt:

„Niemand spielt mit unseren

Kindern. Niemand spricht mehr

mit uns. Unsere Familie ist

unsichtbar für dieses Dorf.“

Munmuni Payeng sagt:

„Sogar unsere

Nachbar:innen hassen ihn.

Sehr sogar.“

31


Sanjiv Payeng sagt:

„Mein Vater lässt niemanden

in seinem Dschungel Holz

fällen. Deshalb sind einige

Dorfbewohner:innen sehr

wütend auf uns.”

Amazonien

Der größte Regenwald der Welt

ist der Amazonas-Regenwald. Er

ist sechs Millionen Quadratkilometer

groß und befindet sich in

Südamerika. Dieser Regenwald

erstreckt sich über neun Länder.

Aber der größte Teil davon liegt

in Brasilien.

Durch den Amazonas-Regenwald

fließt der Fluß Amazonas. Deshalb

wird der Regenwald manchmal

auch Amazonien genannt.

In Amazonien leben unzählige

Tiere und Pflanzen. Viele von

ihnen wurden von uns Menschen

noch gar nicht entdeckt. Dieser

Regenwald ist eine echte Schatztruhe.

Man sagt, dass der Amazonas-Regenwald

die Lunge der

Erde ist. Und ohne eine Lunge

kann niemand leben.

Leider wird der Amazonas-

Regenwald von den Menschen

zerstört: Jedes Jahr holzen sie

fast 8.000 Quadratkilometer

Regenwald für Weideland oder für

Plantagen ab. Das sind mehr als

eine Million Fußballfelder. Wenn

die Menschen so weitermachen,

bleibt von Amazonien bald nicht

mehr viel übrig.

„Wir müssen den Dschungel abholzen”, sagen die Leute,

„dann gibt es in unserem Dorf keine wilden Tiere mehr

und mit dem Holz können wir neue Häuser bauen.”

Jadav lernt, dass er seine Bäume beschützen muss.

„Wenn ihr meine Bäume fällen wollt, müsst ihr zuerst

mich töten”, sagt er. Die Leute sind wütend auf ihn.

Jadav Payeng sagt:

„Der Mensch ist die Bedrohung.

Denn der Mensch ist Schuld an

der Abholzung.“

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Eines Tages schleichen sich Wilderer

in Jadavs Dschungel. Sie töten ein Nashorn.

Jadav lernt, dass er seine Tiere beschützen muss.

Jadav Payeng sagt:

„Die Wilderer hatten sein Horn,

seine Ohren und seine Hufe

mitgenommen und ich fühlte

großen Schmerz in mir.”

„Es gibt keine Ungeheuer in

der Natur außer den Menschen.

Menschen verschlingen alles, bis

nichts mehr übrig ist. Nichts ist

vor den Menschen sicher, nicht

einmal Tiger oder Elefanten.“

Wilderer

Wilderer sind Menschen, die wilde

Tiere fangen und töten. Sie töten

die Tiere oft nur wegen ihres Fells,

ihrer Hörner oder ihrer Stoßzähne

und verkaufen diese Produkte

dann für viel Geld weiter. Einige

wilde Tiere wie Tiger, Nashörner

und Elefanten sind deshalb vom

Aussterben bedroht. Das bedeutet,

dass nur noch sehr wenige dieser

Tiere übrig sind und sie bald

aussterben könnten.

Wilderei ist verboten.

Ist es schlimm,

wenn Tiere aussterben?

Warum?

33


Hektar

Jadavs Dschungel ist heute mehr

als 550 Hektar groß.

Wenn Du ein Stück Land abmessen

möchtest, reicht das Maß Meter

oft nicht aus. Deshalb verwendest

du das Maß Hektar. Ein Hektar

ist eine Fläche von 100 mal 100

Metern.

So kannst du dir das vielleicht

besser vorstellen: Du hast mit

Sicherheit schon einmal ein Fußballfeld

gesehen. Ein Fußballfeld

misst in der Regel 68 mal

105 Meter, das ist weniger als

ein Hektar. Jadavs Dschungel

ist also so groß wie ungefähr 770

Fußballfelder und er wächst immer

noch.

Jadav fährt auch heute noch in seinen Dschungel,

jeden Tag, seit mehr als 40 Jahren.

Der Dschungel ist riesig.

Viele Tiere leben darin.

34


Eines Tages taucht ein Journalist auf.

Er fotografiert Jadavs Dschungel.

Am nächsten Tag ist Jadav in der Zeitung

und das ganze Land erfährt von seinem Dschungel.

Jadav Payeng sagt:

„Ich habe einen ganzen

Dschungel erschaffen, indem

ich langsam und kontinuierlich

Bäume gepflanzt habe.”

„Wenn ich meinen Dschungel

heute betrachte, kann ich die

harte Arbeit von 35 Jahren

sehen.”

Der Mann,

der Bäume pflanzte

Der französische Schriftsteller

Jean Giono schrieb im Jahr 1953

eine Kurzgeschichte mit dem Titel

Der Mann, der Bäume pflanzte.

Er erzählt darin die Geschichte

eines Hirten, der ein karges Tal

in einen Wald verwandelt, indem

er jeden Tag einen neuen Baum

pflanzt.

Das Buch war ein großer Erfolg

und wurde in viele Sprachen

übersetzt.

Was liebst du?

Worin bist du gut?

Was braucht die Welt?

Wofür könntest du

berühmt werden?

Diese vier Fragen des japanischen

Ikigai können dir dabei helfen, ein

glückliches und erfülltes Leben

zu führen.

35


Majuli Festival

Das Majuli Festival ist ein großes

Festival, das jedes Jahr im

November auf der Insel Majuli

stattfindet. Vier Tage lang feiern

die Menschen ihre Kultur:

Es gibt traditionelles Essen,

handgefertigte Produkte und

Vorführungen in traditionellen

Kostümen von Tanzgruppen aus

dem ganzen Land.

Endlich erkennen auch die Menschen im Dorf,

wie wichtig Jadavs Dschungel für Menschen und

Tiere ist. Sie nennen ihn jetzt stolz den Forest Man of

India.

Denn Schritt für Schritt und Tag für Tag verändert

Jadav Payeng unsere Welt und macht sie

zu einem besseren Ort.

Die Green Belt Bewegung

Im afrikanischen Kenia regnet

es wenig. Daher gibt es dort

viel Savanne. Savanne ist eine

trockene Landschaft, in der Gräser

und Büsche, aber kaum Bäume

wachsen.

Die Kenianerin Wangari Maathai

hatte die Idee, das Land durch

das Pflanzen von Bäumen zu

begrünen. Im Jahr 1977 gründete

sie das Green Belt Movement: Sie

brachte Tausenden von Frauen

bei, wie man Bäume pflanzt und

pflegt. Sie zeigte ihnen auch,

wie man Honig herstellt und

Lebensmittel produziert.

Wangari Maathais Bewegung

pflanzte insgesamt über 30

Millionen Bäume.

Wangari Maathai

Die Professorin, Politikerin,

Wissenschaftlerin und Umweltaktivistin

Wangari Maathai

ist nicht nur als Gründerin des

Green Belt Movement bekannt,

sondern unterstützte auch

nachdrücklich die Rechte von

Frauen in Kenia. Für ihre Arbeit

erhielt sie als erste Afrikanerin

den Friedensnobelpreis.

36


Und du?

Hast Du eine Idee, um unsere

Welt zu einem besseren Ort zu

machen?

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Der libanesischamerikanischer

Maler,

Philosoph und Dichter

Khalil Gibran sagt:

„Bäume sind Gedichte,

welche die Erde in den

Himmel schreibt.”

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Die wahre Geschichte eines kleinen Jungen aus Assam, Indien,

der im Laufe seines Lebens eine trockene Sandbank

in einen lebendigen Dschungel verwandelte.

Ein Buch über Pflanzen, Tiere, Menschen

und die Bedeutung ihres Zusammenspiels.

editions mālama

representation

ISBN 978-3-949326-06-6

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