Heft 1 - Klima und Böden (PDF 8 MB - Nationalpark Bayerischer Wald

nationalpark.bayerischer.wald.de

Heft 1 - Klima und Böden (PDF 8 MB - Nationalpark Bayerischer Wald

Impressum

© Herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium

für Ernährung, Landwirtschaft und

Forsten.

2. verbesserte Auflage Dezember 1987

(1. Auflage 1976)

Alle Rechte vorbehalten!

Zu beziehen bei:

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald,

Freyunger Straße 2, 0-8352 Grafenau

Druck: Morsak Verlag, 8352 Grafenau

Titelbild: Rachelgipfel

Foto: H. Bibelriether


Im Juni 1969 beschloß der Bayerische Landtag einstimmig

die Errichtung des Nationalparks Bayerischer

Wald. Bereits Monate vorher erteilte die Bayerische

Staatsforstverwaltung den Auftrag, eine umfangreiche

Standortserkundung im geplanten Nationalparkgebiet

zu erarbeiten. Die Untersuchungen umfaßten Erkundungen

des Geländeklimas, eine Kartierung der Böden

und bemühten sich, die ursprüngliche Zusammensetzung

der Wälder zu rekonstruieren. Die Kenntnis der

natürlichen Lebensgrundlagen für Pflanzen und Tiere

wurden zu einem wichtigen Grundstein für die Arbeit

im Nationalpark Bayerischer Wald.

Die Veröffentlichung dieser ersten Forschungsergebnisse

erfolgte im Heft 1 der wissenschaftlichen Reihe

der Nationalparkverwaltung. Die Erstauflage war rasch

vergriffen. Da das Interesse nach wie vor groß ist, wurde

eine Neuauflage erstellt. Dabei war es möglich, die

Die erste Auflage dieser Arbeit ist im Jahr 1976 als Heft

1 der Schriftenreihe "Nationalpark Bayerischer Wald"

unter gleichem Titel in zwei verschiedenen Ausgaben

erschienen:

- Vollständige Ausgabe mit Textteil,

65 Abbildungen (schwarz-weiß) und

65 Tabellen.

- Kurzausgabe bestehend aus dem Textteil

und einer Reihe großformatiger Fotos

(farbig und schwarz-weiß).

Vorworte

mehrfarbigen Standorts- und Klimakarten, auf die in

der ersten Auflage nur hingewiesen werden konnte,

nunmehr als Beilage den Interessenten zur Verfügung

zu stellen.

Der kostenaufwendige Neudruck war nur möglich

durch die Unterstützung des "Vereins der Freunde des

Ersten Deutschen Nationalparks Bayerischer Wald

e)./.".Ihm ist auch zu verdanken, daß der Verkaufspreis

trotz der großzügigen Ausstattung im Rahmen gehalten

werden konnte. Dafür sei dem ,yerein der Freunde

des Nationalparks Bayerischer Wald" geziemend gedankt.

Grafenau, im Juni 1987

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Die vorliegende 2. Auflage umfaßt Textteil, Abbildungen

(schwarz-weiß) und Tabellen. Eine wesentliche Bereicherung

stellt der Druck mehrerer Karten dar, der

bei der ersten Auflage nicht möglich war. Im übrigen

unterscheidet sich diese Auflage von der ersten nur

durch Korrekturen, drucktechnische Verbesserungen

und Ergänzungen des Literaturverzeichnisses.

Weihenstephan im März 1987

Prof. Dr. Elling

im Namen der Autoren

3


Urwald am Rachelsee

Foto: H. Bibelriether

4


Inhaltsverzeichnis

13 1. Einleitung 53 - Ökologische Bedeutung des

13

13

1.1

1.2

Aufgabe der Standortserkundung

Durchführung der Standorts-

erkundung

54

Kaltluftstaus

3.1.4.3.3 Bestimmung der wirksamen Mitteltemperatur

nach PALLMANN im

Juli und August 1970

16 2. Geographische Einführung

54

55

- Zweck der Messungen

- Methodik der Messungen

16

16

17

17

2.1

2.2

2.3

2.4

Lage, Naturraum

Landschaftsgestalt

Bewaldung

Flußgebiete

60

61

62

- Die Eignung der PALLMANN-

Methode für die geländeklimatologischen

Untersuchungen

- Festlegung der Meßstationen

- Durchführung der Messungen

19

20

20

20

21

23

23

27

27

33

33

34

34

38

42

46

46

48

48

50

52

53

3. Klima

3.1 Einzelne Klimafaktoren

3.1.1 Strahlung

3.1.2 Bewölkung und Sonnenschein dauer

3.1 .3 Wind

3.1.4 Lufttemperatur

3.1.4.1 Großklima

3.1.4.2 Geländeeinfluß (nach der Literatur)

- Entstehung von Kaltluft durch

Ausstrahlung

- Bewegung der Kaltluft

- Tagesgang der Temperaturen nach

Höhenlagen

- Minima der Temperaturen nach

Höhenlagen

- Maxima der Temperaturen nach

Höhenlagen

- Mitteltemperaturen nach

Höhenlagen

3.1.4.3 Spezielle Untersuchungen über das

Wärmeklima des Nationalparks

3.1.4.3.1 Kartierung des Bereichs sichtbarer

Frostschäden an der Buche im

Herbst 1970

3.1.4.3.2 Tägliche Messungen der Minimaltemperatur

der Luft in 1,2 m Höhe

- Durchführung der Messungen

- Auswertung der Messungen

- Eigenarten der einzelnen Täler

- Zusammenfassung der Ergebnisse

- Diskussion der Ergebnisse

- Minimumtemperaturen im Juli und

August 1971

63

68

72

72

74

76

76

76

78

80

80

81

81

81

83

- Ergebnisse der Messungen der

wirksamen Mitteltemperatur

der Luft

- Vergleich der wirksamen Mitteltemperatur

der Luft mit den

Temperaturmessungen des Wetterdienstes

- Karte der wirksamen Mitteltemperatur

der Luft

- Ergebnisse der Messungen der

wirksamen Mitteltemperatur

im Humus

- Ergebnisse der Messungen der

wirksamen Mitteltemperatur

in 30 cm Bodentiefe

- Bemerkungen zur statistischen

Auswertung von JOACHIM

BACHLER

3.1.4.3.4 Phänologische Beobachtungen

an der Buche

- Kartierung des Buchenaustriebs

1970

- Zeitlicher Ablauf des Buchenaustriebs

1970

- Zur Frage nach dem Einfluß der

Temperaturverhältnisse auf den

Zeitpunkt des Buchenaustriebs

- Beobachtungen über die Dauer

der Vegetationszeit der Buche

3.1.5 Bodentemperatur

3.1.6 Luftfeuchte

3.1.7 Nebel und Nebelniederschlag

3.1.7.1 Nebel

3.1.7.2 Nebelniederschlag

5


85

88

93

93

94

98

101

101

103

105

3.1.8

3.1.9

3.1.9.1

3.1.9.2

3.1 .9.3

Niederschläge

Schneeverhältnisse

Schneefall

Schneedecke

- Beginn, Ende und Dauer der

Schneedecke

- Höhe der Schneedecke

Spezielle Untersuchungen über die

Schneedecke im Nationalparkgebiet

- Zweck der Aufnahmen der Schneedecke

im Winter 1969/70

- Methode der Kartierung der

geschlossenen Schneedecke

(Schneehöhen) am 4. März 1970

und am 14. April 1970

- Methode der Kartierung der

durchbrochenen Schneedecke am

147

147

152

152

152

153

153

153

153

153

154

154

154

3.2.5 Schäden durch Dürre

3.3 Ausscheidung von Höhenstufen

4. Geologie

4.1 Grundgebirge

4.1.1 Entstehung und Bau des Grundgebirges

4.1.2 Gesteine des Grundgebirges im

Nationalparkgebiet

- Cordieritgneise

- Glimmergneis

- Körnelgneis

- Kristallgranite

- Fein- bis mittelkörnige Granite

- Sonstige Gesteine

4.2 Zersatz der kristallinen Gesteine

110

113

115

118

118

121

121 3.2

11 . Mai 1970, 25. Mai 1970 und am

16. Juni 1970

- Ergebnisse der Kartierung der

Schneedecke im Jahre 1970

- Kartierung der durchbrochenen

Schneedecke am 3. März 1972

- Diskussion der Ergebnisse

- Messung der Schneedichte

- Wasservorrat der Schneedecke

- Bedeutung der Wasserspeicherung

in der Schneedecke

Witterungseinflüsse als Ursachen von

154

154

155

155

156

156

157

157

160

160

4.3

4.3.1

4.3.1.1

4.3.2

4.3.2.1

4.3.2.2

4.3.2.3

Ablagerungen aus den Eiszeiten

Bildungen der eiszeitlichen Gletscher

Eiszeitliche Gletscher im Nationalparkgebiet

- Der Rachelseegletscher

- Der nördliche Rachelgletscher

- Der Gletscher im Tal des Großen

Schwarz bachs

Andere eiszeitliche Bildungen

Verfestigter Schutt

Frost- und FlieBerden

Blockschutt

122 3.2.1

Schäden an Waldbäumen

Schäden durch Sturm

(Windwurf und Windbruch)

162

162

5. Böden

5.1 Methode der Bodenkartierung

122

130

131

134

135

137

140

141

142

3.2.1.1

3.2.1.2

3.2.1.3

3.2.1.4

3.2.1.5

3.2.1.6

3.2.2

3.2.3

3.2.4

Angaben aus der Literatur

Auswertung der Akten

Herbst- und Winterstürme aus

Westen und Südwesten

Herbst- und Winterstürme aus

Osten bis Nordosten (Böhmwind)

Sommerstürme bei Gewittern,

vorwiegend aus Südwesten bis

Westen

Gefährdung der Baumarten

Schäden durch Schnee,

Rauhreif und Rauheis

Schäden durch Winterfrost

Schäden durch Spätfrost

162

163

163

165

165

167

167

167

167

169

169

171

171

5.2

5.2.1

5.2.1.1

5.2.1.2

5.2.1.3

5.2.1.4

5.2.1.5

5.2.2

5.2.2.1

5.2.2.2

5.2.2.3

5.2.2.4

5.2.2.5

Beschreibung der Bodenformen

Fels- und Blockböden

Blockfeld

Block-Humus-Boden

Fels-Humus-Boden

Fels-Lehm-Mosaik

Block-Lehm-Mosaik

Sand- und Lehmböden

Sand und Schotter

Lehm über Sand

Lehm

Lehm mit Wasserzug

Tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt

6


172 5.2.2.6 Mittelgründiger Lehm über 212 7.3 Der Einfluß des Menschen auf den

verfestigtem Schutt Wald bis zur Mitte des 19. Jahr-

172 5.2.2.7 Gebleichter, mittelgründiger Lehm hunderts

174

174

175

175

176

176

176

178

5.2.3

5.2.3.1

5.2.3.2

5.2.3.3

5.2.3.4

5.2.3.5

5.2.3.6

5.2.4

über verfestigtem Schutt

Naß böden

Mineralischer Naßboden

Flaches Niedermoor

Mittleres und tiefes Niedermoor

Hochgelegenes Quellmoor

Übergangsmoor

Hochmoor

Moränenbereich

216

217

218

240

241

245

7.4

7.4.1

7.4.2

7.4.3

7.4.3.1

7.4.3.2

Bestandsformen um die Mitte des 19.

Jahrhunderts

Karte der Bestandsformen

Statistik der Bestandsformen nach

Höhenstufen

Bestandsformen nach Standortseinheiten

Standorte der Fels- und Lehmböden

Standorte der Fels- und Blockböden

178 5.3 Bodenreaktion 246 7.4.3.3 Standorte der Naßböden

179 5.4 Humusverhältnisse 249 7.5 Baumdimensionen

180 5.5 Bodenzonierung bei den Sand- und 250 8. Uteraturverzeichnis

Lehmböden

180 5.5.1 Höhenabhängige Zonen

182 5.5.1.1 Ergebnisse der Kartierung

191 5.5.1.2 Ergebnisse der Bodenanalyse

193 5.5.1.3 Zur Frage der Entstehungsweise der

Lockerbraunerde

194 5.5.2 Geländeabhängige Zonen

195 5.6 Ernährungszustand der Fichte nach

Nadelanalysen

198 5.6.1 Sand- und Lehmböden

198 5.6.1.1 Stickstoff

203 5.6.1.2 Stickstoffernährung und

Humuszustand

203 5.6.1.3 Stickstoffernährung und

Höhenwachstum der Fichte

203 5.6.1.4 Phosphor

204 5.6.1.5 Kalium

205 5.6.1.6 Calcium

205 5.6.2 Fels- und Blockböden

205 5.6.3 Naßböden

206 6. Standortseinheiten

207 7. Versuch einer Rekonstruktion der

ursprünglichen Zusammensetzung

der Wälder

207 7.1 Zweck der Untersuchung

207 7.2 Quellen

7


Verzeichnis der Abbildungen

s. Abb. s. Abb.

14 Lage und Einteilung des Nationalpark- Geländeklassen Gipfellagen, Hänge,

gebietes Täler)

20 2 Monatsmittel der Bewölkung in Zehnteln 67 16 Ausgleichsfunktionen für den Zusamder

Himmelsfläche (1951-1960) menhang zwischen See höhe und wirk-

22

22

27

34

3

4

5

6

Mittlere Monatssummen der Sonnenschein

dauer (1951-1960)

Mittlere Zahl der heiteren Tage

(1951-1960)

Mittlere Zahl der trüben Tage

(1951-1960)

Monats- und Jahresmittel der Lufttempe-

71 17

samer Mitteltemperatur (eT Luft, Gelän-

deklasse Hänge nach Hauptexpositionen

getrennt)

Zusammenhang zwischen der Mitteltemperatur

der Luft (Celsius-Zehntelgrade)

und in eT nach Vergleichsmessungen

an den Stationen Großer Falkenstein,

Freyung und Zwiesel berg während

ratur (1931-1960) in Abhängigkeit von der Monate Juli und August 1970

38 7

der Seehöhe (gilt nicht für Inversionslagen)

Andauer eines Tagesmittels der Lufttem-

72 18 Vergleich der Mittelwerte der Lufttempe-

ratur im Juli und August 1970 nach

Messungen des Wetterdienstes mit Mesperatur

von 10° C sungen an PALLMANN-Stationen in

41 8 Mittlere Tagesgänge der Lufttemperatur

am Großen Falkenstein in der Vegeta- 73 19

Gipfellagen.

Ausgleichsfunktionen für den Zusamtionszeit

Mai bis Oktober 1955 menhang zwischen Seehöhe und wirk-

(nach BAUMGARTNER, 1960 (b) samer Mitteltemperatur (eT) in der Luft

42 9 Beispiele für Höhenprofile der Minima

der Lufttemperatur in 1,2 m Höhe nach 79 20

und im Humus an Hängen.

Beobachtungen über die Dauer der

wolkenlosen Nächten und einer windigen Vegetationszeit der Buche

49 10

Schlechtwetternacht (29. 6. 1971)

Mittleres Minimum der Lufttemperatur

82 21 Täglicher Gang der relativen Feuchtigkeit

an einem typisch heiteren Frühjahrsin

1,2 m Höhe nach den 10 wolkenlosen tag (Mittel 1931 und 1932)

Nächten im Mai/Juni 1971 (Lusenabhang,

Schwarzach- und Flanitztal)

84 22 Prozentuale Verteilung von Regen- oder

Nebeltagen im Zeitraum 16. 4. bis 15. 11.

50 11 Fortsetzung von 10 1955 am Westhang des Großen Falken-

(Tal der Großen Ohe) stein.

51 12 Fortsetzung von 10 86 23 Verteilung der Regenmengen und des

(Sagwasser- und Reschwassertal) Gesamtniederschlags aus Regen, Nebel

55 13

64 14

PALLMANN-Station zur Messung der

wirksamen Mitteltemperatur der Luft

Wirksame Mitteltemperatur der Luft

in 2 m Höhe nach PALLMANN auf Berggipfeln

im Juli und August 1970

87 24

und Tau von Mai bis Oktober 1955 ent-

lang der Meßstrecke am Großen Falkenstein

Jahressumme des Niederschlags im

Mittel der Periode 1931-60

65 15 Ausgleichsfunktionen für den

Zusammenhang zwischen Seehöhe und

87 25 Niederschlagssumme der Monate

Mai-Juli im Mittel der Periode 1931-1960

wirksamer Mitteltemperatur (eT Luft, 89 26 Mittlerer Jahresgang des Niederschlags

8


s. Abb. s. Abb.

im Zeitraum 1931-60 (Nationalpark- einzelnen Monaten des Jahres

gebiet) 133 35 Windrichtungen bei Sturmschäden

90 27 Mittlerer Jahresgang des Niederschlags

im Zeitraum 1931-60 (Alpen und

Schwarzwald)

136 36 Windrichtungen bei Sturmschäden im

Oktober - März (a) und Juni bis

August (b)

90 28

98 29

Mittlerer Jahresgang des Niederschlags

im Zeitraum 1931-60

(Nördliches Südwestdeutschland

und Harz)

Mittlere monatliche Schneedeckenhöhe

(ern) in verschiedenen Höhenlagen des

Inneren Bayer. Waldes aufgrund

137 37

157 38

166 39

Höhenerstreckung von Schäden durch

Schnee, Rauhreif und Rauheis

Granitblock mit Gletscherschliff im

Tal des Reschwassers

Vorkommen der Bodenformen im

Gelände

20jähriger Beobachtungen nach CASPAR 192 40 Gehalt organischer Substanz (nasse

(1962) Veraschung) in verschiedenen Boden-

111 30 Schmelzteller um Buchen tiefen

112 31

119 32

120 33

133 34

Schneehöhenkurven im Winter 1969/70

Messung der Schneedichte mit der

Schneesonde "Vogels berg" (14. April

1970)

Entwicklung der in der Schneedecke

gebundenen Wassermenge nach Einzugsgebieten

im Jahr 1970

Häufigkeit von Sturmschäden in den

202 41

204 42

208 43

-65

Stickstoffgehalt von Fichtennadeln in

Abhängigkeit von der Höhenlage

Höhenbonität der Fichtenbestände,

in denen Nadelproben entnommen

wurden, in Abhängigkeit von deren

Höhenlage

Probeflächen in den Revieren Schönau,

Riedlhütte, Klingenbrunn und Finsterau

9


Verzeichnis der Karten

Vorbemerkung:

Es liegen die Karten Nr. 1-10 und 12 bei, die Karten Nr.

11, 13, 14 und 15 befinden sich bei der Nationalparkverwaltung

Bayer. Wald in Grafenau.

Maßstab 1 :50000

Karte Nr. 1 : Höhenstufen

12

2: Wirksame Mitteltemperaturen nach

PALLMANN

3: Buchenaustrieb 1970

4: Schneedecke am 4. März 1970

5: Schneedecke am 14. April 1970

6: Schneedecke am 11. Mai 1970

7: Schneedecke am 25. Mai 1970

8: Schneedecke am 16. Juni 1970

9: Schneedecke am 3. März 1972

10: Großschäden durch Stürme

11: Böden

Maßstab 1 :10000

12: Bestandsformen 1855

13: Typen der Sturmschäden

a) Herbst- und Winterstürme aus

W - SW (Okt. - März)

b) Herbst- und Winterstürme aus

o - NO (Okt. - März)

c) Sommerstürme bei Gewittern

(Juni - August)

Karte Nr. 14: Bodeneinschläge, Meßstationen usw.

(6 Blätter)

15: Standortskarte


1.1 Aufgabe der Standortserkundung

Die Standortserkundung, die nach und nach im gesamten

Staatswald Bayerns durchgeführt wird, soll die Lebensgrundlagen

der Wälder erfassen. Ihre Ergebnisse,

welche beispielsweise über bestimmte Klimafaktoren,

über die Böden oder über die ursprüngliche Baumarten-Zusammensetzung

der Wälder Auskunft geben,

werden in Karten und erläuternden Texten dargestellt.

Im Nationalpark Bayerischer Wald hat die Oberforstdirektion

Regensburg im Auftrag des Bayerischen

Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und

Forsten eine Standortserkundung durchgeführt. Die

gesamte Planung kann hier nur auf gründliche ökologische

Kenntnisse aufbauen. Das gilt besonders für die

künftige Behandlung der Waldbestände, die für den

Nationalpark Bayerischer Wald eine zentrale Rolle

spielt.

Wiederholte kartenmäßige Aufnahmen der geschlossenen

und der abschmelzenden Schneedecke, phänologische

Beobachtungen, Messungen der nächtlichen

Minimumtemperaturen und der wirksamen Mitteitemperaturen

nach PALLMANN ermöglichen nun detaillierte

Aussagen über das Geländeklima im Nationalparkgebiet.

Die Auswertung von Akten der Oberforstdirektion

Regensburg gab Aufschluß darüber, wie in

den letzten 100 Jahren Sturm, Schneebruch, Frost und

Dürre in das Leben der Wälder eingegriffen hatten.

Den größten Arbeitsaufwand verursachte eine Kartierung

der Böden nach ökologischen Gesichtspunkten

im Maßstab 1: 10000. Ergänzend wurden Nadelanalysen

und einige Bodenanalysen durchgeführt. Die Informationen

über das Geländeklima und über die Böden

sind zu einer Standortsgliederung verarbeitet. Schließlich

ermöglichten es die vollständig erhaltenen Aufnahmeergebnisse

der ersten gründlichen Forsteinrichtung,

die Baumarten-Zusammensetzung der Wälder

um die Mitte des vorigen Jahrhunderts anzugeben;

aufgrund der damaligen Altbaumbestände wurden

"Näherungswerte" für die natürliche Baumartenzusammensetzung

der Wälder auf den einzelnen Standorten

ermittelt.

Die Standortserkundung beschäftigte sich also mit

drei Bereichen, mit dem Geländeklima, mit den Böden

und mit dem Versuch, die ursprüngliche Zusammensetzung

der Wälder zu rekonstruieren. Diese drei

Bereiche stehen aber nicht isoliert nebeneinander,

1. Einleitung

sondern haben intensive Wechselbeziehungen. So

helfen beispielsweise die geländeklimatologischen

Ergebnisse zu einem besseren Verständnis der Verbreitung

bestimmter Bodenformen und die Baumartenzusammensetzung

der Wälder ist eng mit den

Eigenschaften der Standorte gekoppelt.

Die hier vorgelegten Ergebnisse der Standorterkundung

sollen einen Beitrag zur gesamt-ökologischen

Erforschung des Nationalparks Bayerischer Wald liefern.

Sie sind deshalb in Karten, Abbildungen und

Tabellen so ausführlich wiedergegeben, daß sie von

anderen Disziplinen weiterverwertet werden können.

1.2 Durchführung der Standortserkundung

Die Standortserkundung wurde von einer Arbeitsgruppe

unter der Leitung des erstgenannten Verfassers

durchgeführt:

Dr. Wolfram Elling

Edmund Bauer

Gerald Klemm

Dr. Herbert Koch

Im Sommer 1971 wirkten außerdem Werner Bierstedt

und Hans Waldhier bei der Bodenkartierung mit.

Während der Vorerkundung wurde anhand von Boden

einschlägen eine Gliederung der Böden erarbeitet.

Es schloß sich die Kartierung der Böden im Maßstab

1:10000 an. Nebenher lief eine Reihe geländeklimatologischer

Untersuchungen. Die Auswertung des Materials

fand während der Wintermonate in der Oberforstdirektion

Regensburg statt. Der zeitliche Ablauf der

Arbeiten kann aus der folgenden Übersicht entnommen

werden:

Vorerkundung:

Elling

Elling, Bauer, Klemm, Koch

Kartierung:

Elling, Bauer, Klemm, Koch

Elling, Bierstedt, Waldhier

September -

November 1969

Mai -

Juni 1970

Juli -

Dezember 1970

Mai -

August 1971

13


Ein großer Teil der Untersuchungen wäre ohne spezielle

Beratung ist nicht möglich gewesen. Vor allem

Prof. Dr. A. BAUMGARTNER vom Institut für Meteorologie

in München und Prof. Dr. K. KREUTZER vom Institut

für Bodenkunde und Standortslehre, ebenfalls in München,

haben durch Rat und Hilfe die Arbeiten gefördert.

Weiter sind zu nennen Prof. Dr. W. lAATSCH, der leiter

des Instituts für Bodenkunde und Standortslehre in

München, Dr. h. c. Georg PRIEHÄUSSER in Zwiesel, Dr.

W. BAUBERGER vom Bayerischen Geologischen landesamt

in München, überregierungschemierätin Dr. L.

Bauer von der landesstelle für Gewässerkunde und

Wasserwirtschaftliehe Planung Baden-Württemberg

in Karlsruhe sowie Prof. Dr. F. FRANZ und Dr. J. BACHlER

vom Institut der Ertragskunde in München. Dem

Zentralamt des Deutschen Wetterdienstes und dem

Wetteramt München sowie der landesstelle für

Gewässerkunde in München verdanken wie Beobachtungsdaten.

Die Firma CARl ZEISS in überkochen

stellte ein Kreispolarimeter leihweise zur Verfügung.

Allen Genannten danken wir für ihre Hilfe.

15


2. Geographische Einführung

2.1 Lage, Naturraum

Südöstlich der Cham-Further Senke teilt die Grenze

zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei einen

einheitlichen Naturraum. Sie folgt etwa der Kammlinie

des Mittelgebirgszuges, der früher zusammenfassend

als Böhmerwald bezeichnet wurde (siehe z. B:

Anonym, Die Forstverwaltung Bayerns, 1844). Heute

versteht man unter Böhmerwald im allgemeinen nur

noch den Teil, der auf tschechoslowakischem Staatsgebiet

liegt und nennt die Abhänge auf der deutschen

Seite den Hinteren oder Inneren Bayerischen Wald.

(FEHN 1959, CZAJKA und KLiNK 1967). Dieser Begriff

meint nur den Hauptabhang des Gebirges, gegen Südwesten

und Süden schließen sich das Hügelland der

Regen-Senke und die Wegscheider Hochfläche sowie

jenseits der Regen-Senke der Vordere Bayerische

Wald an. Der Nationalpark Bayerischer Wald mit seinen

Hauptbergen Rachel (1453 m) und Lusen (1373 m)

nimmt den mittleren Abschnitt des Inneren Bayerischen

Waldes ein.

Das Untersuchungsgebiet (Nationalparkgebiet) der

vorliegenden Arbeit greift teilweise über die Grenzen

des Nationalparks hinaus. Es reicht von der böhmischen

Grenze und dem Kleinen Regen im Norden bis

herunter zum Süd rand des geschlossenen StaatswaIdes,

den die Orte Spiegelau, St. Oswald, Neuschönau

und Schön brunn ungefähr markieren. Im Westen

schließen jenseits der Flanitz die Besitzungen des Freiherrn

von Poschinger und auf der anderen Seite der

Bahnlinie Spiegelau-Frauenau weitere Staatswaldungen

an. Die Ostgrenze folgt der Straße von Finsterau

zur Ödung Buchwald in Böhmen und dem Lauf des

Reschwassers. Die beschriebene, 13203 ha umfassende

Fläche ist gemeint, wenn in dieser Arbeit von Nationalparkgebiet

oder Untersuchungsgebiet die Rede

ist; auf sie beziehen sich sämtliche Karten und Erhebungen.

Zur Erleichterung des Überblicks ist das Nationalparkgebiet

entsprechend den bisherigen Forstamtsbereichen

in sechs Gebiets-Abschnitte gegliedert (siehe

Abb. 1):

Gebiets-Abschnitt I

(bisher Forstamt Buchenau, Abk.: Bu) 417 ha

Gebiets-Abschnitt 11

(bisher Forstamt Klingenbrunn, Abk.: Kli) 1845 ha

16

Gebiets-Abschnitt 111

(bisher Forstamt Spiegelau, Abk.: Sp) 2915 ha

Gebiets-Abschnitt IV

(bisher Forstamt St. Oswald, Abk.: St.O) 3395 ha

Gebiets-Abschnitt V

(bisher Forstamt Mauth-West, Abk.: M-W) 3065 ha

Gebiets-Abschnitt VI

(bisher Forstamt Mauth-Ost, Abk.: M-O) 1 566 ha

insgesamt 13203 ha

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich zwischen seinem

höchsten Punkt, dem Rachelgipfel (1453 m) und

dem tiefsten Punkt (667 m) bei der Schönauer Mühle

an der Kleinen Ohe über einen Höhenunterschied von

fast 800 m.

2.2 Landschaftsgestalt

In den abgerundeten Formen seiner Berge zeigt der

Bayerische Wald die Kennzeichen eines schon lange

Zeit der Verwitterung und Abtragung unterliegenden

Gebirges. Bei genauerem Zusehen erkennt man auf

verschiedenen Niveaus plateauartige Verebnungen,

die als eine Treppe alter Rumpfflächen aufgefaßt werden

(ERGENZINGER 1965). Die Anteile der einzelnen

Höhenstufen an der Fläche des Nationalparkgebiets

zeigt die folgende Aufstellung, die mit Hilfe des Polarplanimeters

aus der Karte 1:25 000 gewonnen ist

(siehe auch Tab. 1):

Bei einem Gebirge, dessen Hänge sich mit gleichmäßigem

Gefälle zu den Gipfeln hinaufziehen, müßten die

Flächen der einzelnen Stufen mit der Höhe kontinuierlich

abnehmen. Hier dagegen zeigt sich ein sprunghafter

Rückgang der Flächenanteile bei etwa 900 m sowie

bei etwa 1300 m und deutet die typische Geländegestalt

an: Vorberge, flache Hänge und Täler unterhalb

900 m, ein steiler Anstieg zwischen 900 und 1100 m,

von einzelnen Gipfeln überragte flache Rücken und

Plateaus zwischen 1100 und 1300 m.

Fast ein Viertel der Fläche, nämlich die weiten Talkessel an

der Schwarzach und der Großen Ohe, sowie das Hügelland

um Altschönau und Neuschönau, liegt 700 bis 800 m hoch.

Ein weiteres Viertel nehmen die Vorberge (Bocksberg, Jägerriegel,

Siebenruck) und der flachere, untere Teil des Haupt-


Nationalpark mit Rachelsee. Der Nationalpark Bayerischer

Wald ist fast ausschließlich mit Wald bedeckt.

Foto: H. Bibelriether

18


Ziel der folgenden Abschnitte ist es, das Klima als

Standortfaktor zu erfassen. Bei dieser ökologischen

Betrachtungsweise geht es also nicht primär um meteorologische

oder klimatologische Zusammenhänge,

sondern um die Wirkungen des Klimas auf das Leben

von Pflanzen und Tieren. Ein solches Vorhaben stößt in

mehrfacher Hinsicht auf Schwierigkeiten, die teilweise

von der Zerlegung des Komplexes Klima in einzelne,

untereinander verkoppelte Faktoren herrühren, teilweise

auch von unserer lückenhaften Kenntnis über

die spezifischen Reaktionen der Lebewesen auf bestimmte

Umwelteinflüsse. Daher ist es hier besonders

nötig, sich stets der Gefahr von Fehlinterpretationen

bewußt zu bleiben. Die Ergebnisse von Beobachtungen

und Messungen werden daher im folgenden Text

ausführlich wiedergegeben und streng von ökologischen

Erklärungsversuchen getrennt.

Die Stellung des Bayerischen Waldes im mitteleuropäischen

Klimabereich hat BAUMGARTNER (1970) vom

Standpunkt des Meteorologen folgendermaßen gekennzeichnet:

"Der Raum liegt im Bereich des planetarischen Westwindgürtels,

allerdings bereits so weit landeinwärts,

daß sich die kontinentalen meteorologischen Einflüsse,

vorwiegend aus Südosten, bemerkbar machen. Die

Grenzzone gegensätzlicher Klimaeigenschaften wird

durch den querliegenden Höhenzug des Böhmerwaldes

verschärft. Im Sommer liegt der Bayer. Wald häufig

an der Ostflanke westlicher Hochdruckgebiete und im

Stau der von Westen her auflaufenden Fronten. Dies

ist die eine Quelle für relativ großen Niederschlagsreichtum

im Sommer. Die andere sind die Vb-Regenwetterlagen,

die aus feuchter Luft aus dem MitteImeerraum

kommend, auf dem Weg nach Nordosten auch

über den Bayer. Wald ziehen und Täler und Höhen tagelang

mit Wolken und Regen verhängen. Im Winter

liegt die Landschaft weiter und häufiger im Bereich des

kalten europäischen Hochdruckgebietes. Bei klarem

Himmel kommt es zu tiefen Nachttemperaturen. Die

pendelnde Grenzlage zwischen maritimen und kontinentalen

Einflüssen und die Tiefdruckgebiete aus dem

Adriaraum sind die Ursache verhältnismäßig großen

Schneereichtums. Das Böhmerwaldgebirge erfüllt klimatisch

ähnliche Funktionen wie hydrologisch: es ist

Wasser- und Klimascheide zugleich. So sind zum Beispiel

die Niederschlagsmengen und Schneehöhen auf

der Ostseite des Böhmerwaldes bedeutend geringer

3. Klima

als auf der Westseite."

Die Besprechung der einzelnen klimatischen Faktoren

geht aus von den Meßwerten der Stationen des Deutschen

Wetterdienstes. Der Vergleich mit benachbarten

Gebieten soll das Besondere herausarbeiten und

zugleich eine Hilfe für die ökologische Beurteilung der

einzelnen Klimafaktoren sein. Eine solche großräumige

Betrachtungsweise kann sich nicht nur auf die Klimastationen

im Nationalparkgebiet und seiner unmittelbaren

Umgebung stützen, sondern muß den ganzen

Bayerischen Wald bis hinunter in die Donauniederung

und in die Cham-Further-Senke berücksichtigen.

Glücklicherweise brauchen wir uns im Bayerischen

Wald nicht mit einer groben Klimacharakterisierung

anhand der Meßwerte der amtlichen Wetterstationen

zu begnügen. Zur Abwandlung des Großklimas durch

das bergige Gelände sind gerade hier grundlegende

Untersuchungen durchgeführt worden. GEIGER,

WOELFLE und SEIP (1933 und 1934) haben auf Meßprofilen

vom Tal bis zum Gipfel des Großen Arber Lufttemperatur

und Luftfeuchte gemessen. In einem

mehrjährigen, ökologisch ausgerichteten Untersuchungsprogramm

haben BAUMGARTNER (1958 a,

1958 b, 1960 b, 1961, 1962, 1964, 1970) BAUMGART­

NER, KLEINLEIN und WALDMANN (1956), BAUM­

GARTNER und HOFMANN (1957) und WALDMANN

(1959) Regenmengen, Nebel und Nebelniederschlag,

Sonnen bestrahlung bei verschiedener Geländeform,

Luft- und Bodentemperaturen, Schneehöhen und Ausaperung,

sowie die Zeitpunkte des Austreibens von

Pflanzen bestimmt und teilweise kartenmäßig dargestellt.

Auf den von den geannten Autoren angewandten Verfahren

fußen vielfach die speziellen Untersuchungen

im Nationalpark. Bei einem Höhenbereich von fast 800

m und sehr unterschiedlichen Geländeformen bestehen

bedeutende klimatische Unterschiede innerhalb

des Gebietes. Sie zu erfassen und - soweit möglich -

kartenmäßig darzustellen, ist ein Ziel dieser Arbeit.

Soweit genügend Material vorhanden ist, gliedert sich

demnach die Besprechung jedes Klimafaktors in drei

Teile:

a) Großklima nach Meßwerten des Deutschen Wetterdienstes

b) Abwandlung des Klimas durch das Gelände (nach

der Literatur)

c) spezielle Untersuchungen über das Geländeklima

19


des Nationalparkgebietes.

3.1 Einzelne Klimafaktoren

3.1.1 Strahlung

Die von der Sonne ausgehende Strahlung hält unser

gesamtes Wettergeschehen in Gang. Sie bildet außerdem

die Energiegrundlage aller Lebensvorgänge, ist

also auch ökologisch von zentraler Bedeutung. An der

Bodenoberfläche lassen sich verschiedene Strahlungsströme

unterscheiden (GIGGER 1961):

1. Direkte Sonnenstrahlung

2. Ungerichtete Himmelsstrahlung, entstanden durch

Zerstreuung der Sonnenstrahlung in der Atmosphäre

3. An der Erdoberfläche zurückgeworfene Reflexstrahlung

4. Ausstrahlung von der Erdoberfläche zur Atmosphäre

5. Gegenstrahlung von der Atmosphäre zur Erdoberfläche

Bei den Nummern 1-3 handelt es sich um kurzweilige,

bei Nr. 4 und 5 um langweilige Strahlung. Diese tritt bei

Tag und Nacht auf,jene nur tagsüber. Aus den genannten

Größen ergibt sich die Strahlungsbilanz an der

Erdoberfläche.

Aus dem Gebiet des Bayerischen Waldes liegen derzeit

noch keine Meßergebnisse über den Faktor Strahlung

vor. Es sind aber Untersuchungen durch BAUM­

GARTNER im Gang. Als Hilfsgrößen werden daher vorerst

die Bewölkung und die Sonnenscheindauer sowie

die Zahlen der heiteren und trüben Tage herangezogen.

3.1.2 Bewölkung und Sonnenscheindauer

Die Bewölkung wird von den Beobachtern der Wetterstationen

in Zehnteln (neuerdings in Achteln) der Himmelsfläche

geschätzt, ist also keine gemessene Größe.

Sie ist zudem sehr von der Geländelage abhängig. Täler

und Mulden mit häufiger Nebelbildung sowie

Kammlagen der Gebirge, die zeitweise in die Wolken

hineinreichen, liefern höhere Werte der Bewölkung.

Trotzdem ergibt sich für die in Tabelle 2 aufgeführten

Orte ein sehr ähnlicher Jahresgang der Himmelsbedeckung

mit einem Maximum im Winter (Nov. - Jan.)

20

Abb.2:

Zehntel

10

9

8

7

6

5

4

3

Monatsmittel der Bewölkung in Zehnteln

der Himmelsfläche (1951 - 1960)

nach Unterlagen des Deutschen Wetterdienstes

--Gr:Falkens tein (1307m)

.. ··········Zwiesel(590mJ

---- - Pass au-Ob erha us(409m)

Monate J S 0 N 0

und einem sekundären Maximum im Sommer (Juni, Juli);

die Übergangsjahreszeiten, vor allem der März und

der September sind relativ wolkenarm. Im Winter ragen

die Berge häufig über die Nebel-und Hochnebeldecken

hinaus, unter denen das Flachland liegt. Im

Sommer stauen oder bilden sich die Wolken oft an den

Gebirgen und verursachen dort eine höhere Himmelsbedeckung

als im Flachland. Abb. 2 macht dies für 3

Stationen des Bayer. Waldes deutlich.

Die tatsächliche Sonnenscheindauer hängt von der

astronomisch möglichen Sonnenscheindauer und

dem Grad der Bewölkung ab. Noch klarer, als bei der

mittleren Bewölkung zeigt sich hier (Tab. 3), daß die

Gebirge im Winter mehr, im Sommer weniger Sonne

erhalten als die Niederungen. So hatte beispielsweise

während der Periode 1951-1960 Regensburg im Dezember

eine durchschnittliche Sonnenscheindauer

von 32 Stunden, auf dem Großen Falkenstein waren es

dagegen 77 Stunden (siehe Abb. 3).

Im Bergland bewirken Hangrichtung, Hangneigung und

Horizonteinengung wesentliche Unterschiede für den

Gewinn an direkter Sonnenstrahlung. Auf die übrigen

Strahlungsströme (siehe oben) hat die Geländeform


Zeitraum Unterstellter Temperaturgradient

je 100 m

Höhenanstieg

Jahr -0,49

Sommermonate

Mai - August -0,62

Wintermonate

Nov. - Februar -0,31

schen Waldes bedingen eine beträchtliche mittlere

Jahresschwankung der Lufttemperatur (berechnet

aus der Differenz des größten und kleinsten langjährigen

Monatsmittels) (Tab. 12), die größer ist als in den

anderen süddeutschen Mittelgebirgen bei entsprechender

Höhenlage. Darin macht sich der kontinentale

Einschlag des Klimas bemerkbar. Außerdem zeigt die

Zusammenstellung, wie die mittlere Jahresschwankung

mit dem Anstieg in die Gebirge zurückgeht.

Aus der Andauer eines Tagesmittels von 5° C und

mehr bzw. 10° C und mehr lassen sich Anhaltspunkte

für die Dauer der Vegetationszeit in verschiedenen Höhenlagen

gewinnen (Tab. 12 und Abb. 7). Die Werte

sind graphisch aus den Monatsmitteln bestimmt. Abb.

7 macht die rasche Verkürzung der warmen Jahreszeit

mit zunehmender Meereshöhe erkennbar. Die Unterschiede

zwischen dem Bayerischen Wald und den anderen

süddeutschen Gebirgen sind nicht bedeutend,

jedoch besteht die Tendenz, daß bei gleicher Höhe die

Alpenstationen begünstigt, die westdeutschen Stationen

benachteiligt sind.

Eine Vorstellung von den absoluten Maxima und

Minima der Lufttemperatur, die in den einzelnen Monaten

auftreten können, vermitteln die Tabellen 13 und

14. In den unteren Lagen werden tiefere Minima und

höhere Maxima erreicht, als in den höheren. Die absoluten

Maxima und Minima sind jedoch nur einmalig erreichte

Werte und stammen zudem noch aus unterschiedlichen

Beobachtungszeiträumen, ihre Aussagekraft

ist daher begrenzt.

Das mittlere Datum des ersten und letzten Frostes

(gemessen in 2 m Höhe) und die daraus berechnete

26

Übersicht

Temperaturgradienten im Bayerischen Wald und in den Alpen

Mitteltemperaturen tür Gleiche Mitteltemperaturen sind

gleiche Meereshöhen in den Alpen in einer um ... m

liegen in den Alpen größeren Meereshöhe anzutreffen

.•• 0 C höher als im als im Bayer. Wald

Bayer. Wald

0,8-1,7 170-350

0,2-1,3 30-210

1,1-2,2 300-740

mittlere Dauer der frostfreien Zeit sind bei der geringen

Dichte des amtlichen Stationsnetzes als ökologische

Weiser wenig brauchbar. Entsprechend der Temperaturabnahme

mit steigender Meereshöhe schwindet

bei sonst gleichen Bedingungen auch die Dauer der

frostfreien Zeit. Wie sehr die Geländeform aber hierfür

bestimmend ist, geht daraus hervor, daß beispielsweise

im Klimaatlas von Bayern für das Höllensteinkraftwerk

(Seehöhe 403 m) in der Kaltluftstaulage der Regensenke

eine mittlere Dauer der frostfreien Zeit von

149 Tagen, für Finsterau (Seehöhe 1000 m) eine solche

von 169 Tagen angegeben wird. Über die Verhältnisse

im Nationalparkgebiet geben die Messungen der Minimumtemperaturen

während des Frühjahres 1971 Auskunft

(siehe Abschnitt 3.1.4.3.2).

3.1.4.2 Geländeeinfluß (nach der Literatur)

Die geringe Aussagekraft der amtlichen Daten des ersten

und letzten Frostes hat uns auf den einschneidenden

Einfluß der Geländeform hingewiesen. Diese ist

vielfach in der Lage, großklimatische Gegebenheiten,

wie z. B. die Abnahme der Lufttemperatur mit wachsender

Meereshöhe, stark zu verändern oder sogar

umzukehren. Das trifft beispielsweise für die Lufttemperatur

in starkem Maße zu, wie wir gerade für den

Bayerischen Wald aus den Untersuchungen von GEI­

GER und Mitarbeitern am Großen Arber und BAUM-

. GARTNER und Mitarbeitern am Großen Falkenstein

wissen (Literaturangaben siehe Abschnitt 3). Die dort

gewonnenen Ergebnisse sollen in den folgenden Absätzen

kurz zusammengefaßt werden.


Reifbildung und Dunstschichten zeigen den Kaltluftstau

in den Tallagen.

Foto: H. Strunz

28


Tabelle 15

Die tiefsten Minimumtemperaturen (0 C) in den einzelnen Monaten der Jahre 1953 bis 1955

am Westhang des Großen Falkenstein in 1,2 m Höhe über dem Boden

(nach BAUMGARTNER 1962)

Station Kr. ... 2 4 6

Seehöhe (m) ... 1307 1157 1008

Jan1a.ar 1954 -25,2 -20,1 -19,4

Februar 1954 -24,4 -21,8 -21,0

März 1954 -14,8 -11,5 - 7,7

April 1954/55 -10,4 - 9,1 - 7,7

Mai 1954/55 - 4,3 - 5,6 - 7, °

Juni 1954/55 - 1, ° 0,0 0,4

Juli 1955 3,7 4,9 5,7

August 1955 2,1 3,5 4,5

Septemb.1955 - 0,4 0,9 2,0

Oktober 1955 - 8,6 - 5,7 - 4,7

Nov. 1953/55 - 6,8 - 5,5 - 4,7

Dez. 1953 -12,2 -10,7 - 9,6

Steigt man die Hänge hinauf, so enden die angeführten

Merkmale mit einer relativ scharfen Grenze, die eine

kartenmäßige Ausscheidung erlaubt. An stärker geneigten

Hängen ist der Bereich innerhalb dessen sich

über die Grenzziehung streiten läßt, nicht breiter als 20

m Horizontaldistanz. An den - nur selten vorkommenden

- sehr flachen Hängen ist die Festlegung unsicherer,

sie kann hier um etwa 50 m schwanken. All diese

Umstände stützen die Annahme, es handle sich bei

den genannten Merkmalen um brauchbare Kriterien

zur Abgrenzung der besonders frostgefährdeten Lagen.

Auf Grund dieser Annahme erfolgte im Herbst 1970 -

nach Laubabfall der Buche - eine Kartierung (Karte Nr.

1 - Tallagen) der besonders frostgefährdeten Lagen.

Ihre Obergrenze wurde dort gezogen, wo Frostdefor-

7 8 9 12 14

925 850 796 658 622

-16,6 -18,5 -19,1 -23,6 -28,1

-20,2 -19,7 -20,6 -21,9 -25,3

- 6,4 - 6,5 · - 8,1 -13,6 -15,4

- 7,2 - 6,5 - 5,5 - 7,6 -11 ,1

- 7,1 - 8,0 - 7,5 - 8,6 - 9,8

0,3 0,7 0,9 - 2,4 - 5,2

6,0 6,1 7,0 3,6 0,1

4,7 5,0 5,6 4,6 1,4

1 ,5 1,4 2,1 - 2,4 - 7,1

- 4,6 - 4,8 - 4,0 - 8,3 -12,8

- 5,4 - 7,8 - 8,2 -11,6 -16,8

- 9,3 - 8,8 - 8,0 -11,9 -15,1

mationen und Flechtenbewuchs an den feineren Zweigen

der Buche aufhören. Es sind hierfür nur freistehende

Buchen brauchbar, offensichtlich deshalb, weil

Überschirmung die Strahlungsfröste mildert. Bäume

auf Naß böden müssen ebenfalls unberücksichtigt bleiben,

da sie auch außerhalb der Frostzone an den Zweigen

Flechtenbewuchs tragen können.lnfolge derTemperaturschichtung

der boden nahen Kaltluft sind die

Kennzeichen an jungen Buchen - etwa bis Zimmerhöhe

- und an den unteren Ästen älterer Bäume am deutlichsten

entwickelt.

Betrachtet man das Ergebnis der Aufnahme, wie es in

Karte Nr. 1 dargestellt ist, so läßt sich folgendes feststellen:

Die Zone einer besonderen Frostgefährdung

der Buche in den Tallagen ist relativ flach. Sie erreicht

nur eine Mächtigkeit zwischen 10 und 45 m. Im Durch-

43


Tabelle 16

Monatsmittel der täglichen Temperaturhöchstwerte 1955 an den Klimastationen

" am Westhang des GroBen Falkenstein

(nach BAUMGARTNER 1962)

in oe

Station 2 4 6

Seehöhe(m) •• 1 307 1157 1008

Mai 9,0 9,8 10,9

Juni 13,5 1 3,6 14,2

Juli 15,4 15,9 16,5

August 15,0

... C ....., • c -

IJ , ':' • J , I

September 12,5 12,4 1 3,4

Oktober 7,2 7,0 8,0

Mai-Oktober 12,1 12,3 1 3, 1

schnitt reicht sie etwa 25 m über den Talgrund hinauf.

Oberhalb starker Verengungen der Talquerschnitte,

wie beispielsweise im Bereich der Einmündung des

Steinbaches in das Reschwasser, wächst sie bis auf

45 man.

Die Obergrenze der Frost-Merkmale an der Buche verläuft

nicht horizontal, sondern folgt dem Anstieg von

Tälern, die ein geringes Gefälle aufweisen. Talaufwärts

verliert die Frostzone an Mächtigkeit, in höher liegenden

Seitentälern schwindet sie bis auf etwa 10m.

Überschreitet das Gefälle eines Tale's den unteren

Grenzwert von etwa 10%, dann werden die beschriebenen

Merkmale undeutlich und verschwinden

schließlich ganz; in den steilen Hangtälern sind sie niemals

zu beobachten. Das Sagwassertal oberhalb der

Sagwassersäge stellt einen Grenzfall dar. Hier sind

Frostdeformationen und Flechtenbewuchs nur mehr

44

7 8 9 12 1,1

925 850 796 658 622

11 , 9 12,7 1 3, 1 13, Ä 14.,2

15, 1 16,1 16,5 17,1 18, 1

16,7 17, 9 18,2 20,0 20,2

i 6 , 5 17 , 2 18,0 18,7 20,0

14,4 14,8 15,0 15,6 17,0

8,7 9,1 9,6 9,7 11 ,4

13,9 14,6 1 5, 1 15,7 16,8

vereinzelt zu finden.

Aus all diesen Beobachtungen ist folgende Hypothese

abzuleiten: Innerhalb der Täler entsteht in Strahlungsnächten

ein flache, stark unterkühlte Luftschicht. Mit

dem Anstieg von der Talsohle vermindert sich die

Frostgefahr rasch. Gefälle und Form der Täler spielen

hierbei eine wesentliche Rolle.

Die täglichen Messungen der Minimumtemperatur im

folgenden Frühjahr 1971, über die im nächsten Abschnitt

berichtet wird, haben diese Hypothese bestätigt.

Da solche Messungen immer nur punktweise

durchgeführt werden können, ist es wichtig, außerdem

eine Methode in der Hand zu haben, die eine flächige

Erfassung des Geländes erlaubt. Das zuvor beschriebene

Verfahren hat sich hierfür als brauchbar erwiesen.


Gebiet/?­

Abschnltt

11

11

II

II

II

11

II

II

111

III

III

111

111

111

IV

Tabelle 17

Beschreibung der Stationen zur Messung der Minima der Lufttemperatur

Nr. Seehöhe

m

Bezeichnung

757 Forsthaus

Klingenbrunn-Bahnhof

2 745 Forsthaus Linden

4

5

6

7

8

9

10

12

13

14

15

16

17

Geländeform

Talverebnung auf

Wasserscheide

Talgrund

777 GroBer Buchwald Hügel in Talmulde

805 Weitaubuchet

auslaufender Hang

840 .Hirschfütterung

Hang

960 Waldhüttenriegel

Hang

1100 Hochbuchet

Hang

745 Lindau

weite Talmulde

810 Neuhüttenwiese, oben Hang

790 Neuhüttenwiese, unten Talgrund

780 Vord. Schachtenbachbrücke Talgrund

810 Weitau

Talmulde

875 Brandfleck-Lagerplatz Hang

750 Aufschlägersäge

Talgrund

1190 Stangenfilz

Hochmoor in Sattelmulde

des Grenzkamms

IV 18 1210 Böhmsteig

Hang

IV 19 1345 Lusenhaus

Hang, nahe Gipfel

V 20 940 Sagwasserklause

Grund eines tiefeingeschnittenen

Tals

V 21 725 Weithütten

Talgrund

V 23 775 Kohlenfil z

Hochmoor i.Talgrund

V 35 805 Bärenhöhl

auslaufender Hang

V 52 870 Streulfald

Hang

V 400 950 Umkehr

Hang

Am 24.5.1971 wurden noch zusätzlich aufgebaut:

III

Trasse der HochlagenstraBe

Hang

V

Wiese beim Kohlenfilz Tal grund

VI B 1100 Schlfarzbachklause Talgrund mit steilen

Hängen

VI c 920 Plöchingersäge

Tal grund

Geländeneigg.

%

2

7

10

13

22

23

1

12

5

2

4

14

1

o

10

23

9

3

2

7

21

25

23

2

7

12

45


3.1.4.3.2 Tägliche Messungen der Minimumtemperatur

der Luft in 1,2 m Höhe

Aufbauend auf Untersuchungen von GEIGER und

BAUMGARTNER über die Temperaturverhältnisse in

Abhängigkeit von der Höhenlage, deren Übertragung

auf das Gelände des Nationalparks nicht ohne weiteres

möglich erschien, wurde versucht, durch spezielle

Messungen die Antworten auf folgende, eng zusammenhängende

Fragen zu finden.

1. Wo sind im Nationalpark die Lagen mit nächtlichem

Kaltluftstau und wo ist demnach die warme

Hangzone zu finden?

2. Welche Bedeutung haben hierfür die Formen des

Geländereliefs?

Durchführung der Messungen

Es wurden daher am 24. April 1971 23 Stationen und am 24.

Mai 1971 vier weitere Stationen mit Minimumthermometern

aufgebaut. Vom 25. April bis 30. Juni fanden täglich Ablesungen

statt. Zwei Stationen blieben zur gelegentlichen Beobachtung

noch im Juli und August in Betrieb. Herrn Prof. Dr.

BAUMGARTNER vom Meteorologischen Institut München

sei besonders für die Beratung und für die Überlassung der

Minimumthermometer mit Strahlungsschutzrohren gedankt;

ebenso seinen beiden Mitarbeitern, den Herren Hirner und

Knötig, die beim Aufbau der Stationen mithalfen. Thermometer

und Strahlungsschutzrohre sind dieselben, die BAUM­

GARTNER bereits am Großen Falkenstein verwendet und

ausführlich beschrieben hat (1962). Die Geräte wurden

ebenfalls 1,2 m über dem Boden angebracht. Diese Meßhöhe

hat den Vorteil, daß man die für die Pflanzen besonders wichtigen

Temperaturen in Bodennähe erfaßt, ohne jedoch zu

sehr vom Kleinrelief des Geländes abhängig zu werden. Vergleichsmessungen

von BAUMGARTNER (1962) gestatten es

außerdem, auf Grund der Messungen in 1,2 m Höhe (Stangen-Minimum)

die Minima in 0,05 m (Gras-Minimum) und 2 m

(Hütten-Minimum) Höhe über dem Boden abzuschätzen.

Die Ablesungen der Thermometer besorgten die zuständigen

Revierbeamten der Forstämter, Frau Puchinger am

Forsthaus Linden und Herr Janka am Lusenhaus, denen hiermit

gedankt sei; außerdem waren die Standortserkunder beteiligt.

Es wurden täglich die Minimumtemperatur und die Augenblickstemperatur

notiert, um etwaige "unechte Minima"

(GEIGER, WOELFLE und SEIP 1933) ausschalten zu können.

Nach Abschluß der Messungen fand eine Eichung der Thermometer

in einem isolierten Gefäß mit einem Glasfenster

statt, in dem die Flüssigkeit über eine Kurbel laufend umge-

46

wälzt werden konnte. Eichungen bei 0° C und bei 5° C ergaben

in den allermeisten Fällen übereinstimmende Korrekturwerte

für die Thermometer. Die Differenzen von maximal 1

Zehntel ° C zwischen den beiden Ablesungen, wie sie in einigen

Fällen auftraten, rühren von der begrenzten Ablesegenauigkeit

her.

Die Meßstationen sind in der Karte Nr. 14 eingezeichnet und

in Tabelle 17 zusammengestellt.

Zusätzlich arbeitete während der Beobachtungsperiode bei

der Station Nr. 1 ein Thermograph in einer meteorologischen

Hütte in 2 m Höhe über dem Boden. Trotz der nicht exakten

Eichung konnte mit diesem Gerät der Temperaturgang verfolgt

werden.

Um den starken und im Einzelfall nicht bekannten Einfluß des

Waldes auf die nächtliche Minimumtemperatur auszuschalten,

wurden die Meßstationen grundsätzlich im Freiland, d. h.

auf kleineren oder größeren Wald blößen aufgebaut (vergl.

hierzu GEIGER, WOELFLE und SEIP 1933). Die Mindestgröße

dieser Lichtungen ergab sich aus folgender Regel: Verbindungslinien

vom Thermometer zu den Baumwipfeln an entgegengesetzten

Seiten der Freiflächen mußten in vertikaler

Ebene mindestens einen Winkel von 90° C einschließen. Bei

den Stationen Nr. 14 und Nr. 52 ist diese Bedingung nur

knapp erfüllt, da keine anderen Meßplätze zur Verfügung

standen. Es ist daher zu erwarten, daß die dort nach Strahlungsnächten

gemessenen Minimumtemperaturen relativ zu

hoch sind. Alle anderen Meßorte entsprachen voll der geforderten

Norm.

Aus den Untersuchungen von GEIGER, WOELFLE und SEIP

(1933, 1934) geht hervor, daß die Exposition der Hänge für

die nächtliche Temperaturminima nur untergeordnete Bedeutung

hat. Die weit stärkeren Wirkungen, die von der Geländeform

und der Höhenlage ausgehen, galt es daher zu erfassen.

Die Stationen wurden hierfür in Ketten aus den Talgründen

aus den Hängen hinauf ausgebracht. Da auf Grund

der Kartierung von Frostschäden an der Buche (siehe Abschnitt

3.1.4.3.1) anzunehmen war, daß sich eine flache Luftschicht

in den Tälern sehr stark unterkühlt, wurden die Höhenabstände

der Stationen im unteren Bereich dichter gewählt,

als im oberen. Seehöhe der Meßorte und eine kurze Lagebeschreibung

können aus Tabelle 16 entnommen werden.

"Talg rund" steht hier für mittelbreite, "Talmulde" für besonders

weite Täler. Es ist eigens vermerkt, daß das obere Sagwassertal

bei Station 20 eng und tief eingeschnitten ist. Die

Angabe über die Geländeneigung soll nur als Anhalt dienen.

Sie ist nicht bei der Station gemessen, sondern aus der Karte

1:10 000 für den weiteren Umkreis des Aufstellungsortes (etwa

200 m Durchmesser) entnommen.


Auswertung der Messungen

Ziel der Untersuchung war es, den Kaltluftstau in den

Tälern zu erfassen. Die Temperaturverhältnisse nach

Nächten mit starker Ausstrahlung sind daher besonders

aussagekräftig. Die Auswertung der Meßergebnisse

beschränkte sich zunächst auf die 10 wolkenlosen

Nächte im Mai und Juni 1971. Nächte wurden als

wolkenlos angesehen, wenn der Himmel abends und

morgens klar war und wenn das Thermogramm auf

Grund des gleichmäßigen Absinkens der Temperatur

keine Anzeichen einer zeitweisen Bewölkung aufwies.

KNOCH (1963) weist darauf hin, daß die Gegenstrahlung

stark vom Wasserdampfgehalt der Luft abhängt und daher

auch beim Fehlen einer sichtbaren Bewölkung noch erheblich

variiert. Die Beobachtungen im Nationalpark haben aber

gezeigt, daß sich hier die Inversion in allen klaren Nächten

eindeutig durchsetzt, wenn auch mit unterschiedlichen Temperaturdifferenzen

zwischen Tal und warmer Hangzone.

Die am dichtesten besetzte Kette von Stationen

(Hauptprofil) führt aus der breiten Talmulde der

Schwarzach am Abhang des Rachel bis auf etwa 1100

m Seehöhe hinauf; dazu kommt noch die Gipfelstation

vor dem Lusenhaus. Abb. 9 enthält typische Höhenprofile

der Minimumtemperatur. Nach windigen Schlechtwetternächten,

wie am 29. Juni 1971, ergibt sich ein

gleichmäßiger Rückgang der Temperatur mit zunehmender

Höhe. Ganz anders wird das Bild, wenn sich im

Laufe klarer Nächte mit starker effektiver Ausstrahlung

kalte Luft in den Tälern ansammelt, dort also Inversionen

entstehen.

Die Beispiele in Abb. 9 lassen folgendes erkennen:

1. Temperaturinversionen können bei ganz verschiedenem

Temperaturniveau auftreten. Es ergeben

sich jeweils Kurven, die in ihren Grundzügen sehr

ähnlich sind:

sehr tiefe Temperaturminima im Tal, die höchsten

Werte am Mittelhang, dann ein allmähliches Absinken

gegen die Gipfel.

2. Die Höchstwerte können wir in unterschiedlichen

Höhen am Hang antreffen, je nach Wetterlage

kann es in 840 m, in 960 m oder in 1100 m Höhe

relativ am wärmsten sein.

3. Die Differenzen zwischen den tiefsten Minima im

Tal und den höchsten Minima am Hang (= Inver-

48

sionsbeträge) sindje nach Wetterlage recht unterschiedlich.

Sie sind relativ gering, wenn nach Kaltlufteinbrüchen,

bei fortdauernder Kaltluftzufuhr,

der Himmel aufklart und sich durch Ausstrahlung

stagnierende Kaltluftmassen in den Tälern bilden.

Dann ist aber wegen des geringen Temperaturniveaus

die Frostgefahr am größten. Ein Beispiel

hierfür bietet die Kurve vom 29. April 1971. Strömt

bei heiterem Himmel Warmluft zu, so entstehen

ebenfalls durch Ausstrahlung Kaltluftmassen im

Tal. Trotz größerer Inversionsbeträge (z. B. 13,5° C

am 17. Mai 1971) besteht dann nur geringe Frostgefahr,

weil das Temperaturniveau hoch ist. Der

Wasserdampfgehalt der Luft, von dem die Gegenstrahlung

abhängt, und der Wind variieren außerdem

die Ergebnisse.

4. Gemeinsam ist allen Höhenprofilen nach wolkenlosen

Nächten der außerordentlich rasche Abfall

der Minimumtemperatur mit der Annäherung an

den Talboden. Erst weiter oberhalb der Gipfelhöhe

des Bayerischen Waldes würden wieder so tiefe

Temperaturen herrschen, wie an der Talsohle; daraus

wird deutlich, mit welch einem markanten Sonderklima

wir es hier im Talbereich zu tun haben.

Eigenarten der einzelnen Täler

Die nach den 10 wolkenlosen Nächten im Mai und Juni

1971 gemessenen Tiefsttemperaturen sind in Tab. 18

für alle Stationen wiedergegeben. Einzelne fehlende

Werte wurden nach Stationen entsprechender Lage

ergänzt. Die mittleren Minima dieser 10 Tage sind in

den Abb. 10 bis 12 dargestellt. Hierfür haben wir die

Mittelwerte der Stationen, die nur im Juni bestanden,

auf den ganzen Zeitraum extrapoliert, was natürlich mit

erheblicher Unsicherheit belastet ist. Da jedoch eine

entsprechende Darstellung für alle Stationen, die nur

auf den Werten des Juni beruht, grundsätzlich die gleichen

Relationen zwischen den einzelnen Meßplätzen

ergibt, erscheinen die Werte für Vergleiche brauchbar.

Im Bereich des weiten Talkessels an der Schwarzach

finden wir die größten Temperaturdifferenzen (Abb.

10) zwischen der Talsohle und der wärmsten Station

am Hang, nämlich 10,4°C im Mittel der 10 Strahlungsnächte.

Beim Forsthaus Klingenbrunn-Bahnhof (auf

der Wasserscheide zur Flanitz) und beim Forsthaus

Linden (an der Flanitz) werden nicht so tiefe Minima er-


Diskussion der Ergebnisse

Nach unseren derzeitigen Kenntnissen über Entstehung

von Kaltluftmassen durch nächtliche Ausstrahlung

und deren Verlagerung übt die Form der Täler einen

starken Einfluß aus. Dieser erstreckt sich auf (nach

GEIGER 1961):

1. Herabsetzung des turbulenten Austausches durch

den Wind in Mulden,

2. Wärmezufuhr aus dem Boden der Hänge bei tiefen

und engen Mulden,

3. Verkürzung des Tageslänge durch Abschattung

am Morgen und Abend,

4. Herabsetzung der effektiven Ausstrahlung durch

Horizontalabschirmung,

5. Abflußmöglichkeit oder Stau der gebildeten Kaltluft.

Seit GEIGER, WOELFLE und SEIP (1934) ist bekannt,

daß zwischen der Stärke von Inversionen und der

Windgeschwindigkeit in der Gipfelregion nur eine lose

Beziehung besteht; der Einfluß des Windes in den oberen

Lagen auf den Kaltluftstau im Tal ist also nicht sehr

bedeutend. Auch bei sehr windigem Wetter wurden

1971 kräftige Inversionen beobachtet. Bei tiefen und

engen Tälern kompensieren sich die Wirkungen der

Abschattung (Nr. 3) und die Wärmezufuhr aus dem Boden

(Nr. 2) teilweise.

Geht man davon aus, daß die unter Nr. 1-3 aufgeführten

Umstände in der Mittelgebirgslandschaft des Nationalparks

keine gravierenden Unterschiede zwischen

den einzelnen Talzügen hervorrufen, dann läßt

sich der Einfluß der Horizontabschirmung und des

Kaltluftstaus in etwa abschätzen. Hierfür bilden die

Messungen in Tälern ganz verschiedener Form eine

Grundlage.

Je höher die Horizontabschirmung, desto größer ist die

Gegenstrahlung und desto geringer ist daher die effektive

Ausstrahlung. Je enger und steilwandiger ein Tal

ist, desto weniger Kaltluft entsteht daher an seinem

Grund.

Je stärker an einem bestimmten Ort das Gelände geneigt

ist, desto leichter fließt die durch Ausstrahlung

gebildete Kaltluft ab. Die Geländeneigung bestimmt also

weitgehend, ob sich die Kaltluft staut und dann

durch Ausstrahlung weiter unterkühlt oder nicht.

Aus dem Wechselspiel zwischen Entstehung und Abtransport

von Kaltluft ergibt sich, wie weit die Tempera-

52

tur an einem Ort im Laufe einer Strahlungsnacht absinkt.

In abflußlosen Mulden kann der Vorgang des

Auskühlens der bodennahen Luft sich fortsetzen, bis

am Morgen die Strahlungsbilanz wieder positiv wird.

Fließt die boden nahe Kaltluft langsamer oder schneller

ab, so wird dadurch das Absinken der Temperatur

mehr oder minder stark gehemmt. Das kann schließlich

dazu führen, daß sich ein Gleichgewicht zwischen

Produktion und Abfluß von Kaltluft bildet, auf Grund

dessen die Temperaturen in einem stark abfallenden

Tal nicht wesentlich unter die der Hänge absinken.

Kann in einem Tal die durch Ausstrahlung entstandene boden

nahe Kaltluft abfließen, so wird dadurch der Temperaturabfall

gebremst. Die abgeführte Luft wird durch ebenfalls abgekühlte

Luft ersetzt, die von oben her nachfließt. Luft aus

breiten Tälern mit geringer Horizontalabschirmung muß

durch Ausstrahlung bereits stärker ausgekühlt sein als solche

aus engen, tiefen Tälern. Es wäre eine interessante Aufgabe,

auf Grund umfangreicherer Messungen die Energiebilanzen

verschieden geformter Täler aufzustellen, um so genauere

Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Bildung

und Verlagerung der Kaltluft einerseits und der Geländeform

andererseits zu erhalten; auf diese Weise könnten Kriterien

entwickelt werden, die eine Übertragung der Ergebnisse auf

andere Gebiete ermöglichen.

Die Ergebnisse der Messungen im Frühjahr 1971 stehen

im Einklang mif den oben angestellten Überlegungen

über Bildung und Verlagerung der durch Ausstrahlung

entstandenen Kaltluft. Demnach lassen sich die

untersuchten Täler in drei Gruppen einordnen:

Die größten Unterschiede zwischen den Temperaturen

am Hang und im Talgrund finden wir bei den

weiten, nur ganz schwach fallenden Talmulden an

der Flanitz, der Schwarzach und der Großen Ohe,

in denen kaum ein Kaltluftabfluß möglich ist;

Weniger tiefe Minima waren zu beobachten in den

Tälern mittlerer Breite, die aber ebenfalls geringes

Gefälle aufweisen und allenfalls einen zögernden

Kaltluftfluß erlauben, hierzu gehören das Tal des

Reschwassers, das Sagwassertal unterhalb der

Sagwassersäge und vermutlich das Tal der Kleinen

Ohe, in dem keine Messungen stattfanden.

Nur noch geringe Temperaturdifferenzen gegenüber

den Hängen gleicher Höhenlage zeigen tiefeingeschnittene

Täler mit einem Gefälle ab etwa

10%, so am Schwarzbach oberhalb der Plöchin-


gersäge und am Sagwasser oberhalb der Sagwassersäge.

Das zweite Beispiel stellt bereits einen

Grenzfall der Kaltluftstaulagen dar. Die Temperaturen

der Station an der Sagwasserklause nähern

sich bereits stark derjenigen der Hänge. Dieser

Befund deckt sich mit dem Ergebnis der Kartierung

sichtbarer Frostschäden an der Buche. Auch

dabei stellte das obere Sagwassertal einen Grenzfall

dar.

Es ist zu erwarten, daß sich mit zunehmendem

Gefälle der in die Hänge eingeschnittenen Täler

(Hangtäler) die nächtlichen Minimumtemperaturen

mehr und mehr denjenigen der Hänge angleichen.

Hier findet man nie auf Frost zurückführbare

Deformationen an der Buche.

den Einfluß der Geländeneigung auf die nächtlichen

Minimumtemperaturen zeigt auch die Station

am Böhmsteig in einer Verjüngungsgruppe im

Hochlagenfichtenwald. Schütterer FiJungwuchs

recht unterschiedlicher Höhe (bis etwa 3 m) führte

hier noch zu einer zusätzlichen, wenn auch wohl

nur geringfügigen Hemmung des Austausches. Bei

der für große Teile der Hochlagen typischen

Geländeneigung von etwa 10% war der Abfluß der

entstandenen Kaltluft noch so gehemmt, daß die

Minimumtemperaturen im Durchschnitt etwa 3° C

tiefer lagen, als in entsprechender Höhenlage an

steileren Hängen zu erwarten gewesen wäre. Auf

dem ebenen Stangenfilz, der in den Kamm des

Böhmerwaldes eingesenkt liegt, war es dann im

Durchschnitt nochmals um 3° C kälter.

Minimumtemperaturen im Juli und August 1971

Um zu erfahren, ob in extremen Kaltluftstaulagen auch

während des Sommers Fröste auftreten, wurde an den

Stationen Lindau und Stangenfilz während der beiden

wärmsten Monate des Jahres noch gelegentlich abgelesen.

Aus Tab. 19 geht hervor, daß auch im Sommer in

1,2 m Höhe Temperaturen um den Nullpunkt auftreten.

In Bodennähe ist die Frostgefahr noch größer. Eine Abschätzung

ist auf Grund der von BAUMGARTNER

(1962) veröffentlichten Vergleichsmessungen möglich.

Im September treten dann schon schärfere Fröste

auf, an der Station Lindau wurde am 16.9. 1971 schon

wieder -6,5° C beobachtet.

In den extremen Kaltluftstaulagen muß also in allen

Monaten des Jahres mit Nachtfrösten in Bodennähe

gerechnet werden.

Ökologische Bedeutung des Kaltluftstaus

Kaltluftstau in den Tälern und der warmen Hangzone

treten nur in klaren Nächten deutlich auf, tagsüber und

in Schlechtwetternächten nimmt die Temperatur mit

steigender Seehöhe ab. Zwischen beiden Typen gibt

es Übergänge. Die Inversionen, die bei Strahlungswetter

im Tal entstehen, sind so kräftig, daß sie sich selbst

in den Monatsmitteln der Temperatur noch durchsetzen.

Trotzdem ist zu bedenken, daß entsprechende

Temperaturverhältnisse nur während einer relativ kurzen

Zeit herrschen, nämlich während eines Teils der

Nächte.

Tiefe Nachttemperaturen brauchen für die Vegetation

kein Nachteil zu sein; da sie die stark temperaturabhängige

Atmung dämpfen, wirken sie sich auf die Assimilat-Bilanz

sogar positiv aus. Trotzdem erhielt BAUM­

GARTNER (1962) bei Erbsen und jungen WaIdbäumen,

die er auf einer Versuchsstrecke vom Tal bis zum

Gipfel des Großen Falkensteins gepflanzt bzw. gesät

hatte, die größten Zuwächse in der warmen Hangzone;

das ist jedoch sicherlich nicht allein von der Assimilat­

Bilanz her zu erklären. Wir haben es hier vermutlich mit

einem steuernden Eingriff der Temperatur in eine Reihe

von physiologischen Prozessen zu tun.

Die umfangreichen Bestimmungen der Höhenbonität

der Waldbäume während der Waldinventur 1971 haben

bei Fichte und Tanne zwischen Tallagen und unteren

Hanglagen keine sicheren Unterschiede im Höhenwuchs

ergeben.

Es wäre interessant, der Frage nach den Unterschieden der

Assimilat-Bilanz im Lokal-Klima der Tallagen, der warmen

Hangzone und der Hochlagen durch Messung von Photosynthese

und Atmung nachzugehen. Die Fichtem die in allen Höhenstufen

vorkommt, wäre hierfür besonders geeignet.

Erst wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt

sinken und Frostschäden an den Pflanzen verursachen,

erlangen sie einschneidende Bedeutung. Fröste

werden den Pflanzen vor allem zu zwei Jahreszeiten

gefährlich:

Als Winterfröste mit extrem tiefen Temperaturen

Als Spätfröste, die während des Frühjahrs die jun-

53


der Kürze und der niedrigen Temperaturen der Vege- Abb.13: PALLMANN-Station zur Messung der wirksamen Mitteltationszeit

ist das Wärmeangebot ein ausgesproche- temperatur der Luft

ner Minimumfaktor für die Vegetation. Es ist daher zu

erwarten, daß bereits geringe Unterschiede in den

Wärmeverhältnissen relativ große Bedeutung für die

Vegetation haben. Ein Ziel der vorliegenden Untersuchungen

war es daher, die Abstufungen des Wärmeangebots

während der Vegetationszeit im Zusammenhang

mit der Höhenlage und dem Geländerelief zu erfassen.

Mit herkömmlichen Methoden, also täglich abzulesenden

Thermometern, wäre das nicht möglich

gewesen, da für eine derartige Fragestellung zahlreiche

Meßpunkte notwendig sind - auch in schwer zugänglichem

Gelände.

Methodik der Messungen

Bei unserer Suche nach einer geeigneten Meßmethode

stießen wir auf die von PALLMANN, EICHENBER­

GER und HASLER im Jahre 1940 erstmals beschriebene

Methode, welche die Bestimmung von Mittelwerten

der Temperatur eines längeren Zeitraums ohne tägliche

Ablesung von Instrumenten gestattet. Die Durchführung

der Messung ist bei PALLMANN, EICHENBER­

GER und HASLER (1940) und PALLMANN und FREI

(1943) ausführlich erklärt. Hier soll nur das Prinzip kurz

erläutert werden, soweit es für das Verständnis der

Meßergebnisse notwendig ist.

Rohrzucker wird in wässriger Lösung durch Wasserstoff-Ionen

in Traubenzucker und Fruchtzucker zerlegt,

er wird invertiert. Diese Reaktion ist bei konstanter

Wasserstoff-Ionen-Konzentration (Puffer-Lösung)

sehr stark von der Temperatur abhängig. Da sich der

Grad der Rohrzuckerinversion nach einer bestimmten

Versuchsdauer polarisationsoptisch leicht und genau

messen läßt, bekommt man ein Maß für Temperaturverhältnisse

im betreffenden Zeitraum.

Die Inversionsgeschwindigkeit "* befolgt bei konstanter

Temperatur und innerhalb einer nicht zu

weiten pH-Spanne der Pufferlösung die Gleichung

wobei bedeuten:

(1)"* = K . H . (A - x)

A = Rohrzuckerkonzentration zu Beginn, Zeit t = 0

x = gebildeter Invertzucker nach der Zeit t

A -x = verbliebener Rohrzucker zur Zeit t

t = Zeit, in Stunden ausgedrückt

H = Wasserstoffionenkonzentration

K = Inversionskonstante für die Temperatur T

Die Inversionskonstante K läßt sich für eine bestimmte Konstant-Temperatur

T aus der integrierten Gleichung (1) be­

rechnen:

1 A

(2) K = - log ( --)

H·t A-x

Für die polarisationsoptische Messung kann die Gleichung

umgeformt werden:

(3) K = _1 log .c.o - ßo

H·t L -(50

Es bedeuten darin:

"'/"0 = optischer Drehwinkel der Rohrzucker-Lösung

bei t = 0

(30 = optischer Drehwinkel des Invertzuckers bei t =::)0

oL = optischer Drehwinkel der partiell invertierten

Lösung

nach t Stunden.

Die Rohrzuckerinversion geht bei hohen Temperaturen weit

schneller vor sich als bei niedrigen. Die Zunahme verläuft mit

55


Tabelle 20/1

Verzeichnis der PALLMANN-Stationen

Station S •• h6h. G.llndak lasse GeUnde· Exposition B.stand IIirilsall Nitt.lt.lp.ratur

Nr. (I) neiljunlj (0) Alt.rsphl" Schlu8ljl'ld Luft HUlus aod.n

(2 I Höhe) (2 CI Ti.te) (30 CI Tief.)

2 930 Hlnljbl 14 11110 Alt holz dicht . 9.0

3 m Hanlj 10 11110 AI tholz littel 13.4 11.3

4 1070 Hing 15 11 Shnlj.nh. dicht 13.2 10.6

5 1090 Hlnlj 7 11 alulholz litteI 12.5 10.2

6 1095 Hlnlj 7 N alulhol z litt.1 12.6 10.0

7 1225 Hlnlj 28 111111 alulholz dicht 12.1 9.4

8 1230 Hing 35 11 Altholz lock.r- 12.3 9.4

9 1175 Hing 38 0 Alth.lz Iltt.1 12.8 9.5

10 1290 Gipfellage 4 I Alt holz locker 12.2 10.2

11 1320 Hing 21 11 Alt holz litt.1 11.7 9.5

12 1425 Hing 13 11 alulholz lithl 11.1 8.9

13 1435 Gipfalhge 15 11110 Blulhol z litlel 11.2 8.7

14 1435 Gipf.lhgl 22 SW Slanljlnho lz lock.r 11.3 9.1

15 1415 Hing 17 SII Altholz lock.r 11.3 9.0

16 1320 HIDg 7 WSW Alt holz lock.r 11 . 8 9.3

17 1180 Hanlj 16 IISW Baulho I z dicht 12.5 7.8

18 955 Hlnlj 12 WSV Altholz dicht 1/t.1 11.2

19 865 Hlnghl 5 SSII alulholz dich! 1/t.O 11.5

20 850 Hang 8 SII ShnQ.nholz dich! 14.8 10.0

21 800 Hang [, SII Alth,lz dich! 14.& 11.9

22 830 Hing 9 N Blulholz litt.1 1/t.0 11.0 9.0

23 855 HanQ 10 11 alulholz dich! 1405 12.4

24 755 lallige IH 1 SI/ Altholz litt.1 14,4 11.8

Kaltlufh!lu

25 815 Hing 15 SO Blulholz litt.l 14.9 12.3 9.8

26 735 hl1age li! 2 SSO Baulholz dich! 14.1 11.4

KIltluftslau

27 1275 Gi pf. llige 3 SSI/ Blulholz litt,1 11.9 9.3

28 1250 Hing 11 SSI/ Baulholz litt.l 12.2 9.6

29 1175 HlnQ 6 S Blulholz dich! 12.& 9.9

30 1040 HlnQ 23 SI/ Alt holz li ttal 13.& 10.6

31 810 Tlll.I.Klltl. 3 OSO S lanQ.nho lz dich! 14.0 11.8

32 860 Hlnghl [, SI/ Blulholz li tt.1 13.1 10.9

33 845 HlnQ 12 S Blulholz dich! 14.3 12.1

34 810 hll.l. Kaltl. 2 sw Blulholz litt,l 13.4 11.5

35 800 .1. 4 SO Altholz li tt.l 13.9 9.1

56


steigenden Temperaturen nicht linear, sondern exponentiell.

Ein Anstieg der Temperatur um einen gewissen Betrag bewirkt

im Bereich hoherTemperaturen eine weit größere Zunahme

der Inversion, als im Bereich niedriger Temperaturen.

Das wäre nun kein Problem, wenn die Methode zur Messung

konstanter oder nahezu konstanter Temperaturen eingesetzt

würde. In der Regel haben wir es jedoch bei geländeklimatologischen

Untersuchungen in der Luft und in den oberen

Bodenschichten mit starken Temperaturschwankungen

zu tun, die wir im einzelnen Fall nicht kennen. Es ist daher kein

Schluß von der gemessenen Größe der Rohrzuckerinversion

auf übliche, in Celsius-Graden gemessene Mitteitemperaturen

möglich. Pendelt beispielsweise die Temperatur regelmäßig

um einen gegebenen Mittelwert, so beeinflußt die Amplitude

dieser Schwankung das Ergebnis. Bei großer Amplitude

haben die so erreichten hohen Temperaturen viel größeres

Gewicht, als niedrigere Temperaturen: Der am Ende der

Versuchsdauer festgestellte Inversionseffekt ist größer als

bei geringerer Amplitude der Schwankung.

Die Urheber der Methode (PALLMANN, EICHENBERGER und

HALS ER, 1940) haben daher den Begriff der wirksamen Mitteltemperatur

(eT) eingeführt: "Die eT-Zahl stellt das sogeannte

expotentielle Temperaturmittel der Meßperiode dar."

Sie gibt diejenige Konstanttemperatur an, bei welcher während

der Versuchsdauer eine Rohrzuckerinversion in Höhe

der tatsächlich festgestellten erreicht worden wäre. Die wirksame

Mitteltemperatur (eT) ist daher bei schwankenden

Temperaturen stets größer als das arithmetische Temperaturmittel.

Eine Umrechnung der wirksamen Mitteltemperatur

in arithmetische Temperaturmittel ist nicht möglich, weil sich

im Freien die Temperaturen ständig ändern.

Die Eignung der PALLMANN-Methode tür geländeklimatologische

Untersuchungen

In der Literatur finden sich sehr verschiedene Urteile

über den Wert der PALLMANN-Methode für ökologische

Untersuchungen. Es muß daher diskutiert werden,

ob sie zur Lösung der eingangs gestellten Frage

geeignet ist. Diese lautet: Wie unterscheidet sich das

Wärmeangebot während der Vegetationszeit in verschiedenen

Bereichen des Nationalparks?

Die Autoren der Methode (PALLMANN, EICHENBER­

GER und HASLER 1940, PALLMANN und FREI 1943)

sehen darin, daß die eT-Zahl nicht dem arithmetischen,

sondern dem expotentiellen Temperaturmittel einer

Versuchsperiode entspricht, einen Vorteil bei ökologischen

Untersuchungen. Sie weisen darauf hin, daß

nicht nur die Rohrzuckerinversion, sondern auch alle

anderen chemischen und biologischen Reaktionen innerhalb

gewisser systembedingter Grenzen bei höheren

Temperaturen rascher verlaufen als bei niedrigeren

und erwähnen ausdrücklich die Silikathydrolyse

und die Humifizierung. Sie halten es daher für günstig,

daß die hohen Temperaturen mit größerem Gewicht in

das Temperaturmittel (eT) eingehen als die niedrigen.

LÜDI hielt dem bereits 1948 entgegen, daß sich die Lebensprozesse

der Pflanzen bei ständig steigender

Temperatur schließlich wieder verlangsamen und

dann ganz erliegen. Auch AULITZKY (1961) wies mit

Recht darauf hin, daß biologische Vorgänge im allgemeinen

einer Optimumkurve folgen. Diese Einwände

müssen bei der Interpretation dereT-Werte unbedingt

beachtet werden. Sie stellen jedoch noch kein durchgreifendes

Argument gegen die Verwendung der

PALLMANN-Methode dar, selbst dann nicht, wenn bei

biologischen Prozessen der Zusammenhang der Reaktionsgeschwindigkeit

mit der eT-Zahl komplizierter

ist, als mit der Celsius-Temperatur (LÜTZKE 1963).

Vor einer Fehlinterpretation der mit eT-Messungen erzielten

Ergebnisse hat LÜTZKE (1963) gewarnt. Anhand

der von GEIGER (1933, 1934) am Großen Arber

gewonnenen Temperaturdaten hat er gezeigt, daß bei

der Verwendung von wirksamen Mitteltemperaturen

teilweise sogar in der Tendenz andere Ergebnisse herauskommen,

als bei den üblichen Mitteltemperaturen.

Mittel durchschn. durchschn. durchschn. eT

(OC) Tagesschwank- Maximum Minimum (nach

kung (nach Stundenwerten) LÜTZKE)

Hanglage 1008 m 15,6 9,2 20,2 11,0 16,4

(Kopfhäng)

Tallage 645 m 14,9 16,1 22,7 6,6 17,4

(Seebachsch leife)

- . .

60


Seine Überlegungen sind für uns so wesentlich, daß sie

ausführlich besprochen werden müssen. In der Übersicht

auf S. 60 sind die erforderlichen Daten nach der

Originalarbeit von GEIGER (1933, 1934) und nach

LÜTZKE (1963) zusammengestellt. Es handelt sich um

Durchschnittswerte der Lufttemperatur an 25 heiteren

Mai- und Juni-Tagen.

Die Ansammlung von Kaltluft im Tal führt hier zu tiefen

Temperaturen während der Nacht und am Morgen.

Dieser Umstand wirkt sich so sehr auf die Mitteltemperatur

aus, daß diese in der Tallage geringer ist als in der

Hanglage. Die von LÜTZKE aus den Daten von GEIGER

errechneten eT-Werte verhalten sich jedoch umgekehrt.

Wie auf Grund des Meßprinzips zu erwarten, kann daher

die PALLMANN-Methode nicht zum Nachweis der

warmen Hangzone und der Tallage mit Kaltluftstau

herangezogen werden. Das rührt von den im Tal wesentlichen

höheren Tagestemperaturen her. Nach den

Messungen von GEIGER sind in der Tallage die Temperaturen

etwa von 8 Uhr morgens bis 19 Uhr abends höher

als in der Hanglage; entsprechend verhält sich die

Maximaltemperatur.

Die Rohrzuckerinversion wird durch die hohen Tagestemperaturen

weit stärker beeinflußt als durch die tiefen

Temperaturen der Nacht. Die Tageswerte setzen

sich also im Ergebnis gegen die Nachtwerte durch.

Deshalb können die eT-Zahlen keine Auskunft über die

arithmetischen Temperaturmittel geben. Sie charakterisieren

aber gut das Wärmeangebot, das der Vegetation

während des Tages, zur Zeit der Assimilation, in

den einzelnen Bereichen des Geländes zur Verfügung

steht. Gerade danach ist aber eingangs gefragt worden.

Keine andere Methode liefert derzeit entsprechende

Ergebnisse mit einem vergleichbar geringen

Arbeitsaufwand.

Die Genauigkeit der PALLMANN-Methode ist nach

übereinstimmender Aussage mehrerer Autoren außerordentlich

groß (KUNDLER 1954, LÜTZKE 1963). Die

Ergebnisse unserer Messungen im Nationalparkgebiet

bestätigen das erneut.

Festlegung der Meßstationen

Um Daten zur Beurteilung des Wärmeangebots während

der Vegetationszeit in Abhängigkeit von der Höhenlage

und dem Geländerelief (Geländeform, Gelän-

deneigung, Exposition) zu erhalten, wurden im Nationalparkgebiet

über 100 PALLMANN-Stationen aufgebaut.

Jede Station erhielt zwei mit Zuckerlösung gefüllte

Reagenzgläser. Diese waren jeweils angebracht:

- Mit einem zuverlässigen Strahlungsschutz versehen

in zwei Meter Höhe über dem Boden; die hier gemessene

wirksame Mitteltemperatur ist ausschließlich

eine Funktion der Lufttemperatur.

- In der organischen Bodendecke etwa 2 cm dick mit

Streu bedeckt. Hier findet hauptsächlich die Umsetzung

des organischen Bestandsabfalls (Nadel-,

Laub- und Aststreu) statt, deren Verlauf wieder für

Pflanzenernährung und Bodenentwicklung bedeutsam

ist.

Die Untersuchung der Wärmeverhältnisse in den verschiedenen

Geländebereichen setzt eigentlich voraus,

daß die sekundären Wirkungen der Vegetation ausgeschaltet

werden. Das hätte an sich die Durchführung

der Messungen auf waldfreien Flächen erfordert. Es

wurde jedoch rasch klar, daß solche Meßplätze viel zu

selten sind, als daß man das Gelände mit einem hinreichend

dichten Meßpunktnetz hätte überziehen können.

Es blieb daher nichts anderes übrig, als die Messungen

in Wald beständen durchzuführen. Das hat auf

der einen Seite den Nachteil, daß die Messungen nur

die Wärmeverhältnisse im Stammraum des Waldes

wiedergeben. Es hat jedoch den Vorteil, daß die Messungen

für große Flächen des nahezu geschlossen bewaldeten

Gebietes repräsentativ sind.

Die Eigenarten des Bestandsklimas, vor allem niedrigere Tagestemperaturen

und eine geringe Tagesschwankung der

Temperatur als im Freiland, beeinflussen also die Ergebnisse.

Man muß sich aber vor Augen halten, daß sich die Lufttemperaturen

im Wald und außerhalb des Waldes nicht sehr stark

unterscheiden. Die Strahlung wird zwar an der "äußeren aktiven

Oberfläche des Waldes", im Kronenraum bereits weitgehend

abgefangen (BAUMGARTNER 1956), im Bestand

herrschen daher völlig andere Strahlungsverhältnisse als außerhalb.

Die Luft im Stammraum des Waldes steht jedoch in

einem sehr lebhaften Austausch mit der Außenluft, besonders

während der warmen Stunden des Tages, die für das Ergebnis

unserer Messungen am wirksamsten sind (BAUM­

GARTNER 1956, HECKERT 1959, GEIGER 1961).

Anders verhält es sich bei der Bodentemperatur, die im Wald

wegen der weitgehenden Abhaltung der Strahlung wesentlich

niedriger bleibt als im Freiland.

Da der Einfluß der Waldbestände nicht ausgeschaltet

61


werden konnte, galt es, ihn möglichst konstant zu halten,

um so die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu wahren.

Die Stationen wurden grundsätzlich in Fichten­

Baumbeständen mittleren Schlusses aufgebaut. Diese

Bestandsform ist am weitesten verbreitet und klar genug

definierbar. Um alle Geländelagen zu erfassen,

mußten wir hin und wieder von dieser Norm abweichen,

in einigen Fällen wurden Stangen- und Althölzer,

oder Bestände mit nur lockerem oder dichtem Schluß

einbezogen. Diese Bestandseigenschaften wurden jedoch

festgehalten und in der statistischen Bearbeitung

der Ergebnisse berücksichtigt. Es zeigte sich, daß die

Forderung nach Konstanz des Bestandseinflusses

weitgehend erfüllt werden konnte.

Einige Forscher haben die PALLMANN-Methode dazu

verwendet, die wärmeklimatischen Unterschiede in

verschiedenen Pflanzengesellschaften zu untersuchen

CPALLMANN und FREI 1943, LÜDl1948).Sokann

man - soweit die Methode sich hierfür eignet - Aufschlüsse

über die Temperaturbedingungen in speziellen

Pflanzenbeständen erhalten. Es lassen sich jedoch

in diesem Fall die primären, von der Lage im Gelände

herrührenden Eigenschaften eines Meßortes nicht von

seinen sekundären, durch bestimmte Pflanzenbestände

verursachten Eigenschaften trennen. Anders ausgedrückt:

Es läßt sich bei einem solchen Vorgehen

nicht sagen, inwieweit die festgestellten Temperaturverhältnisse

Ursache oder Wirkung bestimmter Pflanzengesellschaften

sind. Wir sind daher bewußt einen

anderen Weg gegangen und haben uns bemüht, für ein

bewaldetes Gebiet durch weitgehende Normierung

des Bestandseinflusses die geländebedingten Unterschiede

im Wärmeangebot zu erfassen. Um ein größeres,

statistisch auswertbares Zahlenmaterial zu bekommen,

wurde auf die gleichzeitige Beantwortung

anderer Fragen CZ. B. nach dem Einfluß der Bestandsdichte)

verzichtet.

Durchführung der Messungen

Während der Monate Juli und August 1970 bestanden

103 PALLMANN-Stationen im Nationalparkgebiet.

Dank der Hilfe von Herrn Dip!. Gärtner Haug vom Nationalparkamt

konnte der Frauenberg bei Grafenau in die

Untersuchungen einbezogen und dadurch der erfaßte

Höhenbereich auf 1435 bis 500 m Seehöhe erweitert

werden. Am Frauenberg waren 12 Stationen eingerich-

62

tet. Um den Anschluß an die Messungen des Wetterdienstes

zu gewinnen, brachten wir auch je 1 Reagenzglas

mit Rohrzucker-Pufferlösung in den Wetterhütten

der Stationen Großer Falkenstein, Zwieselberg

und Freyung unter. Hier stehen uns die Terminbeobachtungen

und Mittelwerte der Lufttemperatur zur

Verfügung.

Die Herstellung der erforderlichen Rohrzucker-Puffer-Lösung

(reichlich 5 Liter, pH-Wert 2,90) erfolgte in einem Lösungsansatz

im Labor der Oberforstdirektion Regensburg.

Einzelheiten des Verfahrens sind bei PALLMANN, EICHEN­

BERGER und HASLER 1940 beschrieben. Für praktische Ratschläge

danken wir Frau L. BAUER von der Landesstelle für

Gewässerkunde und wasserwirtschaftliche Planung Baden­

Württemberg in Karlsruhe. Um Mikroorganismen auszuschließen,

wurden der Lösung 0,35% Formaldehyd zugesetzt

(SCHMITZ 1964). Eine Verpilzung war nach Abschluß des

Versuches nirgends zu beobachten.

Die Rohrzucker-Puffer-Lösung wurde in gewöhnliche Reagenzgläser

abgefüllt. Gummistopfen dienten als Verschluß.

Jedes Glas enthielt etwas mehr als 20 cm 3 Lösung. Die gefüllten

Reagenzgläser beförderten wir in einem wärmeisolierten

Behälter nach Spiegelau und bewahrten sie dort in der Gefriertruhe

bei -20 0 C bis zur Ausbringung ins Gelände auf.

Sämtliche PALLMANN-Stationen waren mit zwei Reagenzgläsern

ausgestattet. Das eine wurde horizontal in

die organische Auflage des Bodens eingeschoben und

zwar so, daß es etwa 2 cm dick mit Streu bedeckt war.

Die natürliche Lagerung des organischen Materials

blieb dabei weitgehend ungestört. Das andere Reagenzglas

wurde mit einem Strahlungsschutz versehen

in 2 m Höhe befestigt. Dazu wählten wir folgende Vorrichtung:

Je 3 Holzlatten von 60 cm Länge wurden in

Form eines gleichseitigen Dreiecks verbunden und so

am Baum angenagelt, daß die freie Spitze nach Norden

zeigte (siehe Abb. 13). Nahe dem äußeren Ende des

unteren, schrägen Schenkels wurden zwei Nägel eingeschlagen

und an ihnen das Reagenzglas mit Hilfe

dünner Drähte in der Längsrichtung verankert. Das

Glas befand sich jeweils zwei Meter über dem Boden.

Ein dünnes Aluminiumblech, das an der Latte angenagelt

war, wurde dann zu einer Röhre zusammengebogen.

Das aufgehängte Reagenzglas hing frei in der Luft,

es berührte weder das Blech noch das Holz.

Ein derartiges Rohr aus Aluminium-Blech als Strahlungsschutz

hat sich bei der Messung der Lufttempe-


atur mit Thermometern bewährt. (BAUER und

BUSCHNER 1955). Falls beispielsweise die Sonne auf

das Rohr scheint, entsteht sofort ein Konvektionsstrom,

der das Meßgerät belüftet. Die mit einer solchen

Vorrichtung gemessenen wirksamen MitteItemperaturen

sind also eindeutige Funktionen der Lufttemperatur

im Stammraum des jeweiligen Bestandes.

Die Reagenzgläser mit der eingefrorenen Rohrzuckerlösung

verteilten wir am 1. Juni 1970 mit Kühltaschen

im Gelände. Die letzten Gläser, die am Abend ausgebracht

wurden, enthielten noch Eisreste. Die Uhrzeit

der Ausbringung wurde bei jeder Station notiert. Am 1.

September 1970 sammelten wir die Gläser in derselben

Reihenfolge, in der wir sie ausgebracht hatten,

wieder ein. Die Uhrzeiten sind festgehalten, der Transport

erfolgte wiederum in Kühltaschen. Anschließend

froren wir die Proben sofort in der Kühltruhe ein und lagerten

sie hier bis zur Messung der Drehwinkel.

Erst im Dezember 1970 konnte die weitere Auswertung

erfolgen. Die Firma Zeiss, Oberkochen, stellte uns

dankenswerterweise ein Kreispolarimeter 0,01 0 leihweise

zur Verfügung und ermöglichte dadurch erst die

Messungen. Das Gerät war mit einer Hg-Spektrallampe

und 200 mm langen Polarimeterröhren mit Einfüllstutzen

ausgerüstet.

Die Reagenzgläserwurden aus der Kühltruhe genommen, ihr

Inhalt auf etwa 20° erwärmt und bei dieser Temperatur eine

Stunde lang aufbewahrt (SCHMITZ 1964). Den Drehwinkeljeder

Probe maßen wir 3 mal und bildeten dann das Mittel. Vor

und nach den in rascher Folge durchgeführten Messungen

wurde die Temperatur der Probeflüssigkeit abgelesen.

(SCHMITZ 1964) und die beiden Werte ebenfalls gemittelt.

Nach jeder Probe entleerten wir die Polarimeterröhre, spülten

sie mit der nächsten zu messenden Lösung aus und füllten

diese erst dann ein. Unsere Reagenzgläser faßten fast

doppelt soviel Lösung wie die Polarimeterröhre. Die Anfangdrehwinkel

der Lösung wurden an 4 Proben bestimmt, die

von Anfang an in zwei verschiedenen Kühltruhen gelagert

waren; sie stimmten sehr gut überein.

Die Berechnung der wirksamen Mitteltemperaturen

für die einzelnen Proben führte für uns die Landesstelle

für Gewässerkunde und wasserwirtschaftliche Planung

Baden-Württemberg in Karlsruhee nach einem

von SCHMITZ entwickelten Rechenprogramm durch.

Dieses Rechenprogramm berücksichtigt die von

SCHMITZ (1964) veröffentlichte Verfeinerungen der

PALLMANN-Methode.

Ergebnisse der Messungen der wirksamen MitteItemperaturen

der Luft

Die wirksamen Mitteltemperaturen (Juli und August 1970)

der Luft in 2 Meter Höhe, der organischen Bodendecke und

für einige Stationen auch des Bodens in 30 cm Tiefe wurden

in Waldbeständen (Norm: Fichten-Baumholz mittleren

Schlusses) bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 18a ausführlich

wiedergegeben. Dort sind auch für jede Station die

Seehöhe, die Geländeklasse, die Geländeneigung, die Exposition

sowie Altersphase (Stangenholz, Baumholz, Altholz)

und Schlußgrad (dicht, mittel, locker) des betreffenden Bestandes

angegeben. Mit den beiden letzten Angaben soll geprüft

werden, inwieweit es gelungen ist, den Bestandseinfluß

zu normieren.

Die Geländeklassen waren folgendermaßen definiert:

1. Tallagen mit Kaltluftstau } T .. I

2. Hangta ··1 er

a er

3. Bergsättel

4. Plateaulagen

5. Gipfellagen

Für die weitere Auswertung wurden die Geländeklassen teilweise

noch zusammengefaßt oder nach Expositionen weiter

untergliedert.

Aufgrund der Meßergebnisse an den einzelnen Stationen

sind zunächst nur Aussagen über die Wärmeverhältnisse

an eben diesen Geländepunkten möglich.

Damit allgemeinere Aussagen gemacht werden. können,

ist den Zusammenhängen zwischen der wirksamen

Mitteltemperatur und den Geländedaten, also

Geländeklasse, Seehöhe, Geländeneigung und Exposition

näher nachzugehen. Das geschah zunächst nur

graphisch, dann aber durch das Entgegenkommen von

Dr. J. BACHLER vom Institut für Waldertragskunde der

Forstlichen Forschungsanstalt München auch regressionsanalytisch.

Die methodischen und statistischen

Fragen behandelt BACHLER anschließend in einem

besonderen Absatz.

Die Regressionsanalysen führten wir getrennt für die einzelnen

Geländeklassen durch; soweit genügend Stationen vorhanden

waren, unterteilten wir innerhalb der Geländeklassen

nach 4 Haupt-Expositionen (ONO bis SO = Ost, aso bis SW

= Süd, WSW bis NW = West, NNW bis NO = Nord). Die Expositionen

wurden in Tälern nicht nach der Richtung des Tales

sondern nach der unmittelbaren Umgebung der Station bestimmt.

Als Ausgleichsfunktion für den Zusammenhang zwischen

Höhenlage und wirksamer Mitteltemperatur wählten

63


deeinflüsse zurück und es kommt daher die Abhängigkeit

der Temperatur von der Meereshöhe am klarsten

zum Ausdruck.

Die Ausgleichsfunktion für die Hänge schneidet diejenige

der Gipfellagen in etwa 1140 m Höhe: Oberhalb

erscheinen die Gipfel etwas kühler, unterhalb wärmer

als die Hänge (Abb. 15). Möglicherweise sind die Temperaturen

im unteren Bereich der Hänge deshalb gedrückt,

weil hier zahlreiche Stationen vorhanden sind,

die bereits zu den Tälern überleiten. Die Kovarianzanalyse

ergab bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%

keine gesicherten Unterschiede zwischen den Geländeklassen

der Hänge und der Gipfellagen (siehe Beitrag

BACHLER).

Da die Geländeklassen der Tallagen mit Kaltluftstau

und der Hangtäler nicht durch eine scharfe Grenze getrennt,

sondern durch allmähliche Übergänge verbunden

sind, und da auch die gemessenen wirksamen Mitteltemperaturen

gut zusammenpassen, wurden die

beiden Geländeklassen im Verlauf der statistischen

Auswertung als "Täler" zusammengefaßt. Die wirksamen

Mitteltemperaturen der Täler liegen durchwegs

unter denen der Gipfellagen oder der Hänge. Die Kovarianzanalyse

ergab bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit

von 5% gesicherte Unterschiede zwischen den Tälern

einerseits und den Hängen bzw. Gipfellagen andererseits

(siehe Beitrag BACHLER). Woher kommen diese

Unterschiede?

In den Hangtälern, die in die Hänge eingesenkt sind

und die daher ein starkes Gefälle aufweisen, bleiben

die Temperaturen beträchtlich hinter denen der benachbarten

Hänge zurück (siehe Abb. 15). Das wird

auch durch die Beobachtungen beim Abschmelzen

der Schneedecke (Abschn. 3.1.9.3) und beim Austreiben

der Buche (Absehn. 3.1.4.3.4) gestützt. Eine weitere

Beobachtung weist in diese Richtung. Vielfach ist

sogar an warmen Tagen zu spüren, daß ein Luftstrom in

den Hangtälern bergab zieht, während an den Hängen

der Wind bergauf weht. Die Hangtäler spielen also

möglicherweise im System des Berg- und Talwindes

eine besondere Rolle. Mindestens zeitweise scheinen

hier Ausgleichsbewegungen gegen den tagsüber

herrschenden Talwind stattzufinden. Teilweise wirken

sich wohl solche Strömungen bis hinunter in die Tallagen

mit Kaltluftstau aus. Dafür sprechen zum Beispiel

die tiefen Temperaturen in dem Kessel, in dem sich einige

Quellbäche zur Großen Ohe vereinigen (siehe

66

Karte Nr. 2).

Erwartungsgemäß drückt sich der nächtliche Kaltluftstau

in den Tallagen nicht erkennbar in der wirksamen

Mitteltemperatur aus. Das zeigt z. B. besonders deutlich

die Station Nr. 24 (Gebietsabschnitt 11, Abt. Föhrau),

die sich in einer extremen Kaltluftstaulage befand. Die

Station Nr. 9 des Netzes für die Messung der Minimum­

Temperaturen, an der regelmäßig die tiefsten Werte

erreicht wurden, war ganz in der Nähe. Die gemessene

wirksame Mitteltemperatur von 14,4°C eT läßt jedoch

keine Besonderheiten erkennen, sie deckt sich fast mit

dem an hand der Ausgleichsfunktion für die betreffende

Höhenlage der Täler errechneten Wert.

Warum also ist es in den Tallagen kühler als an Hängen

oder auf Gipfeln? Die Frage ist wohl kaum endgültig zu

beantworten. Wenigstens teilweise dürften die Täler

weniger Strahlung erhalten, weil diese durch vorgelagerte

Höhen abgeschirmt wird. Das würde vor allem für

enge Täler, nicht aber für weite Talmulden gelten. Die

Strahlungsunterschiede reichen daher zur Erklärung

der geringen wirksamen Mitteltemperaturen in Tälern

nicht aus. Eine größere Rolle dürfte ein anderer Umstand

spielen. Es war bereits davon die Rede, daß ein

sehr lebhafter Austausch zwischen der Luft im Stammraum

des Waldes und der freien Atmosphäre stattfindet.

Das trifft aber in den windruhigen Tallagen vermutlich

weniger zu, als an Hängen oder auf Gipfeln. Infolge

eines verminderten Luftaustausches könnten sich die

Eigenarten des Bestandsklimas - niedrigere Temperaturen

und geringere Tagesschwankungen - stärker auf

die wirksame Mitteltemperatur auswirken, als bei anderen

Geländeformen. Auch hier wären enge Täler

stärker betroffen als weite, was sich in den Meßergebnissen

anzudeuten scheint. Inwieweit diese Überlegung

auch für die Hangtäler zutrifft, erscheint fraglich.

Die Tatsache, daß im Stammraum des Waldes in Tallagen

mit Kaltluftstau wie auch in Hangtälern geringere

wirksame Mitteltemperaturen auftreten, als beispielsweise

an Hängen, ist gesichert, wenn auch die Ursachen

nicht eindeutig anzugeben sind.

Plateaulagen und Bergsättel zeigen etwas niedrigere

wirksame Mitteltemperaturen, als Hänge gleicher Höhenlage.

Deutlich ist das zum Beispiel bei dem hochgelegenen

Plateau zwischen Reschbachklause und

Schwarzbachklause im Gebiets-Abschnitt VI. Für weitergehende

Aussagen ist die Zahl der Meßwerte zu gering.


Die Aufteilung der Geländeklassen nach Expositionen

brachte unterschiedliche Ergebnisse. Zwischen den

Hauptexpositionen Nord, Ost, Süd, West innerhalb der

Täler (Tallagen mit Kaltluftstau und Hangtäler) bestehen

bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% keine

gesicherten Unterschiede. Das ist nicht verwunderlich,

da die Ausgleichfunktionen fast identisch sind.

Für die vier Hauptexpositionen der Hänge ergibt die

Kovarianzanalyse bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit

von 5% gesicherte Unterschiede (Abb. 16). Man sollte

diesen Befund aber nicht überbewerten. In Höhenlagen

von etwa 900 m aufwärts gibt die Ausgleichsfunktion

für die Südhänge die höchsten, diejenige für die

Nordhänge die niedrigsten eT-Werte. Die Ost- und

West-Hänge ordnen sich hier dazwischen ein. Unterhalb

einer Höhe von etwa 900 m ergeben sich für die

Süd hänge geringere Temperaturen, als für die Ost-und

Westhänge. Die Ursache dieser Abweichung ist nicht

klar.

Wie sehr nicht ohne weiteres faßbare Zufälligkeiten die

Lage der Ausgleichsfunktionen verändern können,

zeigt das Beispiel der West hänge. Je nachdem, ob man

die zwei Stationen aus Frauenberg, deren Werte aus

dem Rahmen fallen, einbezieht oder nicht, ergeben

sich deutlich verschiedene Ausgleichsfunktionen (s.

Abb.16).

Als wesentliches Ergebnis ist festzuhalten, daß sich in

dem gut mit Stationen besetzten Bereich der Hanglagen

etwa zwischen 800 und 1300 m Höhe im Stammraum

der Bestände nur auffallend geringe Differenzen

der wirksamen Mitteltemperatur in Abhängigkeit von

der Exposition ergeben. Nord- und Südhänge unterscheiden

sich bei gleicher Höhenlage im Durchschnitt

nur etwa um 0,3 bis 0,6 0 eT; das entspricht einem Höhenunterschied

von etwa 50 bis 100 m. Die Unterschiede

sind damit etwas geringer als zwischen Hanglagen

und Tälern, die im Durchschnitt eine Temperaturdifferenz

von 0,5 bis 0,70 eT aufweisen (s. Abb. 15).

Vergleich der wirksamen Mitteltemperatur der Luft

mit den Temperaturmessungen des Wetterdienstes

An drei Stationen des Deutschen Wetterdienstes, auf

dem Großen Falkenstein, in Freyung und in Zwieselberg

war je ein PALLMANN-Röhrchen vom 1. Juli bis 1.

September 1970 in der Wetterhütte untergebracht.

Gleichlaufend zu den eT-Werten liegen also Messungen

der Lufttemperatur zu den üblichen Terminen sowie

Maxima und Minima vor. Die Mitteltemperaturen

der Luft in den Monaten Juli und August 1970 sowie die

langjährigen Mittel dieser Monate enthält die folgende

Übersicht:

Mitteltemperatur der Monate Juli und August

Station langjähriges Mittel Mittel

(1931-1960)

1970

Großer Falkenstein (1307 m) 11 ,9

Freyung (655 m) 15,7

Zwieselberg (615 m)

Passau-Oberhaus (409 m) 17,4

Es wurde bereits eingehend begründet, warum die eT­

Werte nicht in Mitteltemperaturen umgerechnet werden

können. Für die 8 PALLMANN-Stationen auf Berggipfeln

soll das nun trotzdem überschlägig geschehen,

um wenigstens eine Größenordnung für den Vergleich

der eT-Werte mit den Mittelwerten der Lufttemperatur

zu geben. Die Gipfelstationen erscheinen am geeignetsten,

weil hier der Geländeeinfluß - der sich auch in

68

11,5

15,7

15,0

16,9

unterschiedlichen Tagesschwankungen auswirkt - am

geringsten ist.

Die Beziehung zwischen dem Mittel der Lufttemperatur

während der Monate Juli und August 1970 und der

wirksamen Mitteltemperatur geht aus Abb. 17 hervor.

Mit Hilfe der entsprechenden Regressionsgleichung

sind die eT-Werte der Gipfellagen in "Mitteitemperaturen"

umgerechnet (Abb. 18). Außerdem enthält die Ab-


Abb. 18: Vergleich der Mittelwerte der Lufttemperatur im Juli und

August 1970 nach Messungen des Wetterdienstes mit Messun·

gen an PALLMANN·Stationen in Gipfellagen (Erklärung

Seehöhe im Text)

m

72

1500

1400

1300

1200

1100

1000

900

800

700

600

500

400

10

amtliche Meßstelien

PALLMANN-Stationen(eT)

in Gipfellagen näherungsweise

auf·e umgerechnet

--e T um gerechnet} Ausgleichs-

-- - - amtl.Meßwerte geraden

IS 20 t ·C

bildung die Mitteltemperaturen der Stationen Großer

Falkenstein, Freyung, Zwieselberg und Passau-Oberhaus

während desselben Zeitraums. Für beide Serien

von Werten sind die Regressionsgeraden berechnet.

Sie differieren über den ganzen Höhenbereich hinweg

nur um 0,2°C. Aus den eT-Werten, die in Beständen gewonnen

wurden, ergeben sich etwas geringere "Mitteitemperaturen",

als an den amtlichen Stationen.

Karte der wirksamen Mitteltemperatur der Luft

Aufgrund der relativ zahlreichen Meßwerte (99 innerhalb

des Nationalparkgebietes) und der straffen Korrelationen,

die zwischen der wirksamen Mitteitemperatur

bestimmter Geländeklassen und der Seehöhe bestehen,

war es möglich, eine Karte der Temperaturverteilung

im Stamm raum des Waldes während der Monate

Juli und August 1970 zu zeichnen (Karte Nr. 2). In

ihrer Lage etwas unsichere Grenzlinien sind gestrichelt.

Das trifft vor allem für die Trennlinie zwischen

dem Bereich mit Temperaturen von über 15°eT bzw.

unter 15°eT westlich des Sagwassers zu, die bei bewegtem

Relief gerade dort zu ziehen war, wo nur wenige

Meßstationen bestanden.

Die Karte Nr. 2 könnte eine Hilfe für die verschiedensten

ökQlogischen Untersuchungen sein. Was bei der

Interpretation zu beachten ist, wurde bereits im Absatz

über die Methodik ausführlich besprochen.

Ergebnisse der Messungen der wirksamen

Mitteltemperatur im Humus

Das organische Material, das von den Bäumen eines

Waldes abgefallen ist, also Äste, Rindenteile, Blätter

und Nadeln, unterliegt vielfältigen Abbau- und Umsetzungsprozessen.

Art und Geschwindigkeit dieser Vorgänge

haben große Bedeutung für die Bodenentwicklung,

für die Bodentiere und für die Ernährung der

Pflanzen. Unter den klimatischen Faktoren ist es im

feucht-kühlen Klima des Bayerischen Waldes vor allem

das Wärmeangebot, das die chemischen und biologischen

Vorgänge in der organischen Bodendecke

stark beeinflußt. Messungen der wirksamen Mitteitemperatur

können daher die Beurteilung der hier - in der

ökologisch äußerst wichtigen Grenzzone zwischen Atmosphäre

und Boden - ablaufenden Prozesse erleichtern.


An jeder der PALLMANN-Stationen war ein Reagenzglas

in der organischen Bodendecke untergebracht. Es

wurde so in die möglichst ungestörte Streu eingeschoben,

daß es etwa 2 cm dick mit organischem Material

bedeckt war. Da es sich durchwegs um Fichtenbestände

handelte, konnten die Röhrchen so ziemlich gleichartig

untergebracht werden. Es sollte möglichst keine

Bodenvegetation vorhanden sein. Die unmittelbare

Umgebung der Wurzelstöcke war zu meiden.

Die Ergebnisse der Messungen gehen wieder aus der

Tabelle 20 hervor. Aus Tabelle 22 sind die Resultate der

statistischen Auswertungen zu entnehmen.

Es war zu erwarten, daß die Unterschiede in der Bestandsdichte

sich auf die wirksame Mitteltemperatur in

der organischen Bodendecke ("Humus") weit stärker

auswirken, als auf diejenige der Luft. Bei den Auswertungen

erscheint die Altersphase aber nur zwei Mal unter

den im Verlauf der Regressionsanalyse nicht ausgeschiedenen

Faktoren (Tab. 22). Bei den Hängen aller

Expositionen und bei den Süd hängen bleibt jeweils die

Altersphase übrig. Diese Faktoren erscheinen mit positiven

Koeffizienten, das heißt je älter und damit lichter

ein Bestand ist, desto höhere eT-Werte finden wir im

Humus. Die erfaßten Bestandsdaten zeigen also einen

kaum stärkeren Einfluß auf die wirksamen Mitteitemperaturen

im Humus als auf diejenige der Luft. Das

rührt vermutlich daher, daß die nicht erfaßten Unterschiede

der Bestände eine große Rolle spielen. Es ist

sicherlich wichtig, ob beispielsweise die Sonne durch

Lücken im Kronendach längere oder kürzere Zeit unmittelbar

auf die Stelle scheint, an der das Röhrchen in

der Bodendecke liegt. Der Bestandseinfluß macht sich

daher weniger in deutlichen Zusammenhängen mit

den erfaßten Bestandsdaten bemerkbar, als vielmehr

in einer wesentlich größeren Streuung der Meßwerte.

Der Faktoren Hangneigung und Schlußgrad wurden

bei allen Rechengängen der Regressionsanalyse ausgeschaltet.

Die Meßwerte von Gipfellagen, von Bergsätteln und

Plateaus und von den Hängen, lassen trotzdem den

Einfluß der Meereshöhe noch ganz klar erkennen (Tab.

22). Für die Geländeklasse der Hänge sind die Ausgleichsfunktionen

der eT-Werte von Luft und Humus in

Abb. 19 dargestellt.

Bei den Tälern ist die Streuung der Werte so groß, daß

meist nicht einmal eine Abhängigkeit von der Höhenlage

deutlich wird (Tab. 22).

74

Die Meßwerte der Hänge und der Täler wurden wieder

nach den 4 Hauptexpositionen aufgegliedert. In beiden

Fällen ergab die Kovarianzanalyse bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit

von 5% keine gesicherten Unterschiede

zwischen den Expositionen.

Ergebnisse der Messungen der wirksamen

Mitteltemperatur in 30 cm Bodentiefe

Um wenigstens einige Anhaltspunkte für die Temperaturen

im Haupt-Wurzelraum zu bekommen, vergruben

wir bei 8 PALLMANN-Stationen je ein Reagenzglas mit

Meßlösung 30 cm tief im Boden. Das Reagenzglas wurde

von einer kleinen Grube aus horizontal in den möglichst

ungestörten Boden eingebracht. Mehr als 8 Messungen

dieser Art wären wegen des großen Arbeitsaufwandes

nicht möglich gewesen.

Die Meßergebnisse sind in Tab. 18a wiedergegeben

und in Abb. 19 dargestellt. Auch hier ist der Einfluß der

Seehöhe zu erkennen. Für eine weitere Diskussion ist

die Zahl der Meßwerte zu gering.

Bemerkungen zur Statistischen Auswertung von

JOACHIM BACHLER

Der Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen wird

zweckmäßigerweise durch eine Korrelationsrechnung

geprüft. Dabei gibt der Korrelationskoeffizient r die

Straffheit der Beziehung an, die um so größer ist, je

mehr er sich dem Wert 1,0 nähert. Das Vorzeichen des

Koeffizienten sagt zusätzlich, ob eine gleichgerichtete

oder eine gegenläufige Beziehung besteht, ob mit dem

Steigen der Werte des einen Merkmals sich auch die

beobachteten Größen des anderen Merkmals erhöhen

oder ob sie kleiner werden.

Über die kausalen Zusammenhänge zwischen den beiden

Merkmalen sagt die Korrelationsrechnung nichts

aus. Welches Merkmal unabhängig und welches abhängig

ist, muß aus der Versuchsanlage hervorgehen.

Ebenfalls ist es nicht möglich, eine Voraussage zu machen,

um wieviel Einheiten sich das abhängige Merkmal

y verändert, wenn das unabhängige Merkmal x um

eine Einheit vergrößert wird. Das ist nur nach der Berechnung

einer Ausgleichslinie, der sogenannten Regressionslinie

möglich. Diese Regressionsrechnung

kann auch bei mehreren Unabhängigen durchgeführt

werden, um Mehrfachbeziehungen zu ermitteln und


um festzustellen, welche der unabhängigen Merkmale

von besonderem Einfluß auf das abhängige Merkmal

sind.

Bei den hier zu untersuchenden Zusammenhängen

war die Regressionsanalyse eine geeignete statistische

Methode. Ein an der Rechenanlage des Landwirtschaftsministeriums

in München laufendes Computerprogramm

übernahm die komplizierten Berechnungen.

Dazu mußten folgende Voraussetzungen gegeben

sein:

1. Das Programm berechnet eine Regressionsfunktion

der allgemeinen Form

y = a + b . X1 + C • X2 + ...

Die Ausgangsdaten müssen also durch Umwandlung

in eine Form gebracht werden, die einen linearen

Ausgleich zuläßt. Die Exponentialfunktion führt

erwartungsgemäß bei Zusammenhängen im Bereich

der Naturwissenschaften zu guten Ergebnissen,

besonders auch auf biologischen Gebieten. Daher

wurde im vorliegenden Fall ein halblogarithmischer

Ansatz der Form

y = a + b . Inx1 + c . Inx2 + ..

gewählt.

2. Das dem Programm zugrunde liegende Verfahren

verlangt sowohl als x- als auch als y-Werte sich stetig

verändernde Merkmale, sogenannte Variablen.

Diskrete Noten, wie z. B. Schlüsselzahlen für Baumarten

oder für Herkünfte, sind dazu nicht geeignet.

Es ist jedoch möglich, Werte zu verwenden, die Ausdruck

von gewissen Klassifikationen des Merkmals

sind. Bei den Merkmalen Altersphase und Schlußgrad

trifft das zu. Damit konnten auch diese Unabhängigen

in die Berechnungen einbezogen werden.

Das vorliegende FORTRAN IV - Programm BMD 02 R,

mit dem die statistischen Auswertungen weitgehend

berechnet wurden, führt eine schrittweise Regressionsanalyse

durch. Von allen möglichen Unabhängigen

wird zuerst diejenige in die Regression einbezogen,

die den höchsten Anteil zur Erklärung der Abhängigen,

also des y-Wertes, beiträgt. Mit jedem weiteren

Schritt wird die im Restfeld beste Variable dazugenommen.

Die Bedeutung der Variablen wird durch einen

F-Wert ausgedrückt, der sich nach jedem Schritt

sowohl in der Funktion als auch im Feld der noch nicht

einbezogenen Variablen ändern kann. Durch Begrenzung

dieses F-Wertes auf eine dem Versuchsumfang

in etwa angemessene Höchstgröße kann die Berech-

nung abgebrochen werden, sobald alle statistisch

wichtigen Unabhängigen in die Funktion einbezogen

worden sind. Dadurch war es in den hier vorliegenden

Auswertungen möglich, daß von den vier Unabhängigen

Altersphase, Schlußgrad, Seehöhe und Neigung

nur eine oder zwei in die Regressionsgleichung Eingang

fanden.

Die Ergebnisse der Regressionsanalyse zeigen allgemein

sehr enge Beziehungen zwischen den Unabhängigen,

insbesondere der Seehöhe, und der wirksamen

Mitteltemperatur. Dabei sind besonders bei Teilbereichen

mit nur wenigen Beobachtungen die hohen Korrelationskoeffizienten

bemerkenswert, wenn es sich

um die wirksame Mitteltemperatur der Luft handelt.

Beim Humus sind die Zusammenhänge nicht so ausgeprägt.

Die Gründe dafür hat schon ELLING besprochen.

Als Besonderheit ist noch die Mehrfachkorrelation von

1,0000 bei den Tallagen Nord (Tab. 21) zu erwähnen.

Sie wird durch eine hohe Korrelation von 0,98 zwischen

der See höhe und der Neigung bewirkt und ist insofern

kein reguläres Rechenergebnis, als im regressionsanalytischen

Ansatz derartige Interkorrelationen nicht

erlaubt sind.

Beim vorliegenden Problem war es weiter notwendig,

Unterschiede zwischen den Geländeklassifikationen

sowie zwischen Expositionen zu prüfen. Nachdem die

Regressionsanalyse gezeigt hat, daß die wirksame Mitteltemperatur

der Luft überall mindestens von der

Seehöhe abhängig ist, war es nicht mehr angebracht,

nur die Mittelwerte miteinander zu vergleichen. Bei

derart engen Beziehungen muß davon ausgegangen

werden, daß die Mittelwerte ebenfalls beeinflußt sind.

Man muß daher mit dem Verfahren der Kovarianzana­

IY8e zuerst den Einfluß der Kovarianten, in diesem Falle

der Seehöhe, ausschalten und so die Mittelwerte korrigieren,

bevor ein Vergleich der Mittelwerte untereinander

möglich ist.

Ein weiteres Programm (BMD 04 V) erlaubt diese

Berechnung. Danach sind z. B. gesicherte Differenzen

zwischen den drei Ausgleichsfunktionen der Abb. 15

vorhanden, wobei sich allerdings nur die Täler von den

anderen beiden Geländeklassen abheben, zwischen

denen keine gesicherten Unterschiede bestehen. Das

Verfahren prüft allerdings nicht die Steigungen der

Funktionen, sondern nur deren Höhe im Bereich der

mittleren x-Werte.

75


3.1.4.3.4 Phänologische Beobachtungen

an der Buche

Kartierung des Buchenaustriebs 1970

Aus Untersuchungen von ENGLER (1911), GEIGER,

WOELFLE und SEIP (1933/34) und BAUMGARTNER,

KLEINLEIN und WALDMANN (1956) wissen wir, daß

enge Zusammenhänge zwischen den Temperaturverhältnissen

und dem Zeitpunkt des Austreibens der

Buche wie auch anderer Pflanzen bestehen. Verfolgt

man das Austreiben der Buche durch wiederholte Kartierungen,

so ergibt sich daraus eine Gliederung des

Geländes in Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturverhältnissen.

Dies läßt sich grundsätzlich feststellen,

obwohl die Zusammenhänge zwischen den Temperaturen

und dem Austreibezeitpunkt noch nicht klar

zu übersehen sind; das Problem wird weiter unten diskutiert.

Eine solche phänologische Karte ist eine Hilfe bei der

ökologischen Beurteilung eines Gebietes. Zwar fällt an

einem bestimmten Ort der Zeitpunkt des Austreibens

von Jahr zu Jahr anders - je nach der Witterung. Aus

zwölf jährigen Beobachtungen von ENGLER (1911) in

der Schweiz (660-700 m NN) ist zu ersehen, daß der

Eintrittstermin für eine bestimmte phänologische

Phase der Buche um etwa 3 Wochen differieren kann.

Soweit heute bekannt ist, wiederholt sich aber von Jahr

zu Jahr die Reihenfolge, in der der Buchenaustrieb

bestimmte Geländeteile erfaßt. Das haben beispielsweise

HARTMANN, VAN EIMERN und JAHN (1959) im

Harz beobachtet. Auch im Nationalpark vollzog sich

1971 und 1972 die Entwicklung in derselben Abfolge

wie 1970.

Die Kartierung des Buchenaustriebs im Frühjahr 1970

brachte außerdem wertvolle Hinweise auf Unterschiede

in den Temperaturverhältnissen, die dann bei

der Messung der wirksamen Mitteltemperaturen nach

PALLMANN im Sommer 1970 und bei der Messung der

Minimumtemperaturen im Frühjahr 1971 näher untersucht

wurden.

Die Geländeaufnahmen führten die Revierbeamten der

staatlichen Forstämter am 15. Mai 1970, am 20. Mai 1970 und

am 5. Juni 1970 durch; jede Kartierung benötigte also nur

einen Tag . Das ist wesentlich, da sich bei warmem Wetter das

Bild von einem Tag auf den anderen schon deutlich ändern

kann.

76

Nach der Beobachtungsanleitung zeichneten die Revierbeamten

in eine Karte 1:10000 ihres Reviers diejenigen Flächen

ein, auf denen 25% der hauptständigen Buchen die

ersten entfalteten Blätter zeigten. Diese Abgrenzung erwies

sich als zweckmäßig. Ob die Blattspreite entfaltet ist oder

nicht, läßt sich auf größere Entfernung feststellen. Obwohl

die individuellen Unterschiede im Austreibezeitpunkt bei der

Buche nicht sehr groß sind, gibt es doch einzelne Exemplare,

die vorauseilen, deshalb wurden 25% der hauptständigen

Bäume mit entfalteten Blättern verlangt, wenn ein Bestand

als "ausgetrieben" bezeichnet werden sollte. Bei dieser Definition

entstanden keine wesentlichen Differenzen an den

Reviergrenzen.

Buchen im Jungwuchs- und Dickungsstadium, die später als

ältere Buchen austreiben, sowie nebenständige Buchen wurden

nicht berücksichtigt. Der Buchen-Nebenbestand unter

Altbuchen schlägt regelmäßig früher aus als die hauptständigen

Bäume. ENGLER (1911) hat in einer gründlichen Arbeit

nachgewiesen, daß Schattenformen der Buche eher treiben

als Lichtformen. Das frühere Austreiben unterständiger

Buchen ist also nicht allein eine Folge des Bestandsklimas.

Die nebenständige Buche unter der Fichte begrünte sich

1970 gleichzeitig mit der hauptständigen Buche.

Während sich die Buche bei den Aufnahmen im Jahre 1970

für eine kartenmäßige Abgrenzung bestimmter phänologischer

Phasen als sehr geeignet erwies, brachte ein entsprechender

Versuch mit der Fichte keine klaren Ergebnisse.

Infolge großer individueller Unterschiede erschienen an einzelnen

Fichten gleichzeitig über große Höhenbereiche hinweg

die jungen Triebe. Die Vorschrift, nur Bestände einzubeziehen,

in denen 25% der Bäume die ersten jungen Triebe

zeigten, war dann nur schwer anwendbar. An den Reviergrenzen

entstanden bedeutende Sprünge in der Karte. Auf eine

Auswertung mußte daher verzichtet werden.

Zeitlicher Ablauf des Buchenaustriebs 1970

Das Ergebnis der Aufnahmen liegt in Karte Nr. 3 vor.

Hierzu nur einige Ergänzungen über den Ablauf des

Austreibens der hauptständigen, älteren Buchen.

Bereits am 27. April begannen die Buchen bei Kelheim

(ca. 400 m NN) auszutreiben. Ein Kaltlufteinbruch

brachte am 30. April 1970 Schneefall bis in die Donauniederung

herab und bremste die weitere Entwicklung.

Am 4. Mai hatte die Blattentfaltung der Buche 450 m,

am 8. Mai bei sehr warmem Wetter 700 m erreicht. Am

10. Mai wurden im Nationalparkgebiet in 800 m Höhe

am Südhang die ersten belaubten Bäume beobachtet.

Am 14. Mai hatten bis 800 m Höhe 25% der hauptstän-


digen Buchen die ersten entfalteten Blätter, waren also

"ausgetrieben". Am 15. Mai, dem Tag der ersten kartenmäßigen

Aufnahme, waren etwa 850 m Höhe erreicht.

Die Karte zeigt aber nun ganz deutlich, daß der Austrieb

nicht einfach der Meereshöhe entsprechend

ansteigt. Noch nicht ausgetrieben war die Buche innerhalb

dieses Bereiches bis 850 m Höhe:

- An stärker geneigten Nordwest- bis Nordost-Hängen

(teilweise auch O-Hängen) der Vorberge; an flachen

und niedrigen Vorbergen waren keine Expositionsunterschiede

festzustellen.

- In den Tallagen mit Kaltluftstau - die uns bereits

durch die Messungen der Minimumtemperatur

bekannt sind.

- Im Bereich der Hangtäler, deren kühles Klima die

Messung der wirksamen Mitteltemperatur nach

PALLMANN erwiesen hat.

Ausgetrieben hatte die Buche am 15. Mai 1970 bereits

in der Zone der gegen Südost bis Südwest (teilweise

auch noch 0 und W) exponierten unteren Hanglagen,

wie sie im Ostteil des Nationalparks klar zu erkennen

ist. Westlich der Kleinen Ohe teilt sich diese Zone in

zwei Äste. Der eine folgt dem unteren Teil des Hauptanstiegs

zum Grenzkamm. Der andere nimmt die

sonnseitigen Expositionen der Vorberge ein. Vergleicht

man mit der Karte der abschmelzenden

Schneedecke vom 11. Mai 1970, so zeigt sich, daß der

Buchenaustrieb zuerst diejenigen Flächen erfaßte, die

am frühesten schneefrei geworden waren.

Zwischen dem 15. und 20. Mai erfaßte der Buchenaustrieb

rasch die gesamten Lagen unterhalb etwa 950 bis

1000 m Höhe an den Sonnenhängen und unterhalb

900 bis 950 m an den Schatthängen. Ausgenommen

waren wiederum die höher gelegenen Täler mit Kaltluftstau

sowie die Hangtäler. Am 5. Juni schließlich

stand der Buchenaustrieb auf einer Höhe von 1100 bis

1150 m, ohne erkennbare Unterschiede zwischen

Nord- und Südhängen, jedoch mit dem üblichen Zurückbleiben

der Hangtäler. Am 10. Juni hatten auch die

obersten hauptständigen Buchen ausgetrieben.

Aus der Karte des Buchenaustriebs geht deutlich hervor,

daß an Südwest- bis Südosthängen die Buche früher

ausschlug, als an Hängen anderer Richtungen. Die

Austriebsgrenze lag an Südhängen höher als an Nordhängen:

- am 15. Mai:

- am 20. Mai:

- am 5. Juni:

mehr als 50 m, da freie Nordhänge

in dieser Höhenlage fehlen,

ist der Betrag nicht festzustellen.

etwa 50 m

kein Unterschied.

Anfangs bestanden also im Jahre 1970 bedeutende

Unterschiede; diese verwischten sich später, mit dem

Ansteigen des Bu-Austriebs gegen die Berggipfel,

mehr und mehr. Es sollte überprüft werden, ob diese

Beobachtungen allgemeine Bedeutung besitzen, oder

auf Besonderheiten des untersuchten Geländes oder

des Jahres 1970 zurückgehen. Das Gelände des Nationalparkgebietes

ist jedoch hierfür ungeeignet, da zu

wenig Nordhänge vorhanden sind.

Die angeführten Beobachtungen, die besagen, daß die

Buche am Südhang früher austreibt, als an anderen

Expositionen, insbesondere nördlichen, decken sich

mit den Ergebnissen, die GEIGER, WOELFLE und SEIP

(1934) am Großen Arber und BAUMGARTNER, KLEIN­

LEIN und WALDMANN (1956) am Großen Falkenstein

erhielten. Sie stehen jedoch im Widerspruch zu ENG­

LER (1911), der berichtet, daß die Buche nach Beobachtungen

in den Jahren 1904 bis 1910 in gleicher

Höhe am Nordhang durchschnittlich um 6 Tage früher

zu treiben begann und den Blattausbruch durchschnittlich

um 9 Tage früher abschloß als am Südhang.

Er selbst zieht daraus den Schluß, daß das Klima für

den Blattausbruch nicht allein maßgebend sein kann.

Durch Verpflanzungsversuche hat ENGLER nachgewiesen,

daß Schattenformen der Buche früher austreiben

als Lichtformen und diese Eigenschaft zunächst

beibehalten, auch wenn man sie ins Freiland versetzt.

Vermutlich hat also die Buche an den Nordhängen des

Bürgenstocks und anderer steiler Berge Schattenformen

entwickelt. An den Nordhängen in der MitteIgebirgslandschaft

des Bayerischen Waldes ist das offenbar

nicht der Fall.

Die Blattentfaltung der Buche ist sehr witterungsabhängig

(siehe auch ENGLER 1911). An kalten

Schlechtwettertagen stockt die Entwicklung. So z. B.

rückte die Austriebsgrenze vom 18. bis 24. Mai 1970

nicht merklich von der Stelle. An warmen, heiteren

Tagen schreitet die Entwicklung sehr rasch voran. Entsprechend

der Witterung des jeweiligen Jahres ist

auch die Zeitspanne vom Austreiben der Buche an den

wärmsten Unterhängen bis zum Austreiben an der

77


Beobachtungen über die Dauer der Vegetationszeit

der Buche

Der folgende Abschnitt stützt sich auf Tagebuchnotizen

der Jahre 1970 und 1971 über den Laubausbruch

im Frühjahr, sowie über die Laubverfärbung und den

Laubabfall im Herbst. Die Beobachtungen erfolgten

neben den anderen Außenarbeiten und beziehen sich

auf die vorherrschende Südwest-Exposition.

Im Gegensatz zum Laubausbruch, der an den wärmsten

Unterhängen 3-4 Wochen früher beginnt als an

der oberen Verbreitungsgrenze der Buche, treten Vergilben

und Laubfall in den verschiedenen Höhen in nur

geringem zeitlichen Abstand ein. Die Laubverfärbung

wird möglicherweise durch Fröste und Kaltluftein-'

brüche beschleunigt; dafür sprechen jedenfalls die Beobachtungen

von 1970 und 1971. Für den zeitlichen

Ablauf des Laubfalls im Herbst ist der Wind sehr

wesentlich. Bei stürmischem Wetter können

bestimmte Phasen des Laubabfalls im gesamten

Höhenbereich des Nationalparkgebiets gleichzeitig

eintreten (siehe Tab. 23). Bei ruhigem Wetter fällt oft

tagelang kaum Laub ab.

Von den Beobachtungen über Blattverfärbungen und

Laubfall, die nach dem von BAUMGARTNER, KLEIN­

LEIN und WALDMANN (1956) veröffentlichten Schlüssel

erfolgten, ist in Tab. 23 nur eine Phase wiedergegeben.

Die Zeitspanne zwischen dem Austrieb und dem

Blattfall kann als Maß für die Dauer der Vegetationszeit

der Buche in den einzelnen Höhenzonen dienen. Die

Vegetationszeit ist in den unteren Hanglagen in 800 bis

900 m Höhe am längsten. Sie nimmt nach unten hin zu

den Kaltluftstaulagen und nach oben hin ab (Abb. 20).

Die Vegetationszeit währte 1970 und 1971 in den günstigsten

Lagen um 27 Tage länger als an der Obergrenze

des Buchenvorkommens. BAUMGARTNER,

KLEINLEIN und WALDMANN (1956), deren Definition

für den Beginn der Vegetationszeit geringfügig von der

hier verwendeten abweicht, erhielten im Jahr 1955

eine Differenz von 42 Tagen.

In den Jahren 1970 und 1971 traten keine Spätfröste

auf, die die Buche schädigten. Bei den Beobachtungen

von 1955 tötete dagegen ein Maifrost im Talgrund die

gerade aufbrechenden Knospen ab und brachte hier

eine zusätzliche Verkürzung der Vegetationszeit gegenüber

den Hängen gleicher Höhenlage.

80

3.1.5 Bodentemperatur

Neben den Temperaturen im Luftraum spielen die

Bodentemperaturen für alle Pflanzen und auch viele

Tiere eine wichtige Rolle. Leider lassen sich hierüber

für den Bayerischen Wald und speziell das Nationalparkgebiet

bisher nur bruchstückhafte Angaben

machen. Es wird ein wichtiges Anliegen ökologischer

Forschung sein, diese Lücke zu schließen.

Über mehrjährige Beobachtungen des Bodenfrostes

im Bayerischen Wald berichtet PRIEHÄUSSER (1939).

Einige Angaben über Bodentemperaturen am Großen

Falkenstein finden sich bei BAUMGARTNER und HOF­

MANN (1957). Zu Vergleichen können die mehrjährigen

Messungen und Registrierungen der Bodentemperatur

dienen, die AULITZKY (1961) in den Zentralalpen

beiderseits der Waldgrenze durchgeführt hat.

Sein Untersuchungsgebiet lag zwischen 1820 und

2240 m See höhe. Oberhalb der Waldgrenze bestimmen

die reliefbedingten Unterschiede von Strahlung

und Wind und der davon wieder abhängigen Schneebedeckungsdauer

die Bodentemperaturen in erster

Linie. An sonnseitigen Lagen kommt es im Sommer bei

ungehinderter Einstrahlung und geringer Ventilation

zu kurzzeitigen Überhitzungen der Bodenoberfläche

(bis etwa 80° C). An windausgesetzten Standorten, wo

sich keine ständige Schneedecke bildet, friert während

des Winters der Boden tief durch. Im subalpinen Lärchen-Zirben-Wald

treten die primären Wirkungen des

Reliefs gegenüber den Sekundärwirkungen der Vegetation

zurück. Windausgesetzte Standorte, an denen

keine ständige winterliche Schneedecke entsteht, fehlen

hier. Es treten daher nur geringe Bodenfröste auf.

Wo große Sonneneinstrahlung, geringe Kronendekkung

und starke Windabschirmung zusammentreffen,

kommt es im Sommer zu oberflächlichen Bodenerhitzungen.

Das durch den Waldbestand bedingte, feinverteilte

Mosaik der Bodenoberflächentemperaturen

wirkt sich jedoch in erster Linie in den hier zu beobachtenden

oberflächlichen Maxima aus, jedoch nicht im

Sinne eines unterschiedlichen Wärmegenusses für die

Lebewesen im Wurzelraum oder in tieferen Bodenschichten.

Hier finden sich nur sehr geringe Unterschiede

in den Bodentemperaturen. Die Ergebnisse

von AULITZKY sind ausführlicher wiedergegeben, weil

sie, mindestens teilweise, auch für das Nationalparkgebiet

bedeutsam sind.


Eine Beobachtung soll noch angeführt werden. Die

mächtigen Schneedecken, wie sie z. B. am 14. April

1970 bei der Schneedichtenmessung (s. Abschn.

3.193) in den Hochlagen anzutreffen waren, enthielten

zahlreiche, mehr oder minder hart durchgefrorene,

verharschte Schichten. Stets bestanden aber die unteren

Zentimeter aus körnigem, nassem, firnähnlichem

Schnee. Die Schneedecken tauten also offenbar an

ihrer Untergrenze leicht. Bei keiner der Schneedichtemessungen

wurde je eine gefrorene Bodenoberfläche

beobachtet. Dieser Umstand ist für Bodenentwicklung

und Hydrologie wesentlich.

Die Messungen der wirksamen Mitteltemperatur nach

der PALLMANN-Methode erstreckten sich auch auf

den Boden. Von den mehr als 100 Stationen war jede

auch mit einem Meßröhrchen ausgestattet, das in der

organischen Auflage des Bodens, 2 cm mit Streu

bedeckt, untergebracht war. An 8 Stationen war während

des Meßzeitraums zusätzlich je 1 Röhrchen in 30

cm Tiefe im Boden vergraben. Die Ergebnisse dieser

Messungen sind in Abschnitt 3.1433 dargestellt.

3.1.6 Luftfeuchte

Der Wassergehalt der Luft übt einen starken Einfluß

auf die Assimilation der Pflanzen aus. Nimmt die

Atmosphäre kein weiteres Wasser auf, weil sie gesättigt

ist, so stockt der Transpirationsstrom in den Pflanzen

und mit ihm die Nährstoffzufuhr aus dem Boden.

Übertrifft der Verdunstungsanspruch der Luft den

Wassernachschub aus dem Boden, so sind die Pflanzen

zum Schließen der Spaltöffnungen und damit zur

Drosselung der Photosynthese gezwungen. Zwischen

den beiden Extremen liegt der Bereich günstiger

Wachstumsbedingungen. Die Unterschiede von Pflanzenart

zu Pflanzenart und von Standort zu Standort

sind jedoch erheblich.

In unserem Klima kehrt etwa die Hälfte des Niederschlagswassers

als Wasserdampf wieder in die Atmosphäre

zurück. Der Wasserdampftransport aus der

Atmosphäre zum Boden durch Tau und Reif ist dagegen

geringfügig (GEIGER 1961). Der Wasserdampfstrom

fließt im wesentlichen vom Boden in die Atmosphäre.

Bei ökologischen Fragestellungen eignet sich zur Charakterisierung

des Feuchtzustandes der Luft am

besten die relative Luftfeuchte. Sie gibt das Verhältnis

des Dampfdrucks zu dem von der Temperatur abhängigen

Sättigungsdampfdruck an, also die Wassersättigung

der Luft in %. Infolge der starken Temperaturabhängigkeit

des Sättigungsdampfdrucks verläuft die

Kurve des Tagesgangs der relativen Luftfeuchte im

wesentlichen spiegelbildlich zur Kurve der Lufttemperatur.

Der charakteristische Tagesgang des Dampfdrucks

setzt sich hier nicht durch.

GEIGER, WOELFLE und SEIP (1934) fanden am Großen

Arber im Mai und Juni 1931 und 1932 an warmen

und kalten Regentagen (maritime und polar-maritime

Luftkörper) im Tagesmittel eine schwache Zunahme

der relativen Luftfeuchte mit der Meereshöhe; sie

betrug etwa 5% auf 800 m Höhenunterschied. An heiteren,

trockenen Tagen (kontinentale Luftkörper), an

denen sich schon in den Tagesmitteln der Lufttemperatur

die Hänge als besonders warm abzeichnen, gilt

entsprechend für die relative Feuchte: Die warmen

Hanglagen sind trocken, nach oben hin nimmt die

Feuchtigkeit zu, am feuchtesten ist es in den Tallagen,

in denen nachts die stärkste Taubildung stattfindet.

Etwas differenzierter wird das Bild, wenn wir uns den

Tagesgängen zuwenden. Bei Zufuhr polar-maritimer

Luftmassen nimmt die relative Feuchte tagsüber von

unten nach oben zu, nachts herrscht in allen Höhen

nahezu Sättigung. Die Tagesschwankung ist gering.

Ganz anders an heiteren Tagen mit kontinentalen Luftmassen.

In allen Höhenlagen ist dann die Tagesschwankung

wesentlich größer. In der Tallage mit Kaltluftstau

ist es nachts wesentlich feuchter und tags -

aufgrund der hohen Temperaturen - wesentlich trokkener

als in allen anderen Höhen. Die Tagesschwankung

erreicht hier 60% (siehe Abb. 21). Die Tage mit

maritimen Luftkörpern nehmen eine MittelsteIlung

zwischen den beiden geschilderten Extremen ein.

Das Klima der Tallagen mit Kaltluftstau weist also nicht

nur bei der Lufttemperatur, sondern auch bei der relativen

Luftfeuchte große Gegensätze auf.

3.1.7 Nebel und Nebelniederschlag

3.1.7.1 Nebel

Untersuchungen von BAUMGARTNER (1958 b) verdanken

wir genauere Einblicke in die Rolle, die der Nebel

für den Bergwald spielt. Die Begriffe Wolken und

Nebel, die sich nur durch den Standpunkt des Beob-

81


Zwar gebe'n Messungen mit solchen künstlichen Nebelfängern

keine sichere Auskunft über die vom Wald

wirklich zurückgehaltenen Wassermengen, sie ermöglichen

aber eine Aussage über die Bedeutung des Nebelniederschlags

in verschiedenen Bereichen des untersuchten

Geländes.

Das Ergebnis seiner Messungen hat BAUMGARTNER

in Abb. 23 anschaulich dargestellt. Auf dem exponierten

Gipfel des Großen Falkenstein übertrifft im untersuchten

Zeitraum der Nebelniederschlag den Regenniederschlag.

Vom Gipfel abwärts läßt der Nebelniederschlag

rasch nach. Unterhalb 1000 m NN wurde in

den Geräten mit Nebelfänger durchwegs weniger Niederschlag

gemessen als in normalen Regenmessern.

Das ist auf Verluste von Regenwasser, vor allem durch

Verdunstung am Nebelfänger zurückzuführen. Die bedeutenden

Mengen an Nebelniederschlag in der Gipfelregion

haben ihre Ursache in der großen Häufigkeit

und der hohen Triftgeschwindigkeit des Nebels.

Wegen des geringen Flächenanteils der Gipfellagen

spielt zwar - wie BAUMGARTNER (1958 b) gezeigt hat

- der Nebelniederschlag für den Wasserhaushalt des

gesamten Waldgebietes um den Großen Falkenstein

nur eine unwesentliche Rolle. Das könnte dort anders

sein, wo wir es mit breiten Bergrücken und Hochlagen­

Plateaus zu tun haben, wie im Nordost-Teil des Nationalparkgebietes.

Leider ist nicht abzuschätzen, wieviel

Nebelniederschlag hier abgesetzt wird. Die Übertragung

der Meßwerte vom Großen Falkenstein auf derartiges

Gelände ist aber sicherlich nicht ohne weiteres

möglich.

3.1.8 Niederschläge

Für die Beurteilung des Wasserhaushalts des Gebietes

und der Wasserversorgung der Vegetation ist die Niederschlagshöhe

eine wichtige Grundgröße. Aus Tab.

25 können für Beobachtungsstellen des Bayerischen

Waldes sowie einige Vergleichsstationen die langjährigen

Mittel der Niederschlagssummen für die Monate

und das Jahr, für die Halbjahre und die für das Pflanzenwachsturn

entscheidenden Monate Mai bis Juli

entnommen werden.

Stellt man die dort gesammelten Werte in Abhängigkeit

von der Seehöhe graphisch dar (Abb. 24 und 25),

so wird die Zunahme der Niederschlagsmenge mit der

Höhenlage erkennbar. Es fällt aber vor allem auch die

große Streuung bei gleicher Höhenlage auf, eine Folge

des Einflusses der Geländeform. Nach WEINLÄNDER

(1959) fallen am Großen Arber 83% des Niederschlags

bei Windrichtungen von NW bis SW. Die W-Seiten des

Gebirges, an denen die Luftmassen zum Aufsteigen

gezwungen werden, erhalten demnach mehr Niederschläge

als Hänge anderer Himmelsrichtungen. Die im

Lee absteigenden Luftmassen bewirken dort einen

"Regenschatten". Hierfür ein besonders krasses Beispiel:

Schaufling - Hausstein (648 m) an der Westseite

des Vorderen Bayerischen Waldes erhält im Jahresdurchschnitt

1465 mm Niederschlag, Wiesing - Bachlern

(670 m), das in der Regensenke, im Regenschatten

des Vorderen Bayerischen Waldes liegt, nur

922 mm.

Auch BAUMGARTNER (1958 a) hat für den Großen Falkenstein

gezeigt, daß die Verteilung der Niederschlagsmengen

an den Hängen des Einzelberges wesentlich

von der durchschnittlichen vertikalen Verteilung

in einem größeren Gebiet abweichen kann.

Legt man trotz dieser Vorbehalte in Abb. 24 und 25 eine

Ausgleichslinie ein, so kann an ihr eine mittlere Zunahme

der Niederschlagssummen von 90 mmje 100 m

Höhenanstieg für das Jahr und 50 mm je 100 m Höhenanstieg

für die Monate Mai bis Juli abgelesen werden.

Beschränken wir uns auf die Meßstellen im Nationalparkgebiet

und seiner nächsten Umgebung (Abb. 26),

so machen sich auch hier noch die Luv- und die Lee­

Einflüsse bemerkbar. Die Station Finsterau, im Regenschatten

des Lusenmassivs, erhält deutlich weniger

Niederschlag als andere Stationen gleicher Höhenlage.

In abgeschwächtem Maß gilt dasselbe für Klingen

brunn im Lee des Eschenberges. Im übrigen sind

die Beziehungen zwischen Geländeform und Niederschlagshöhe

sehr verwickelt (WEINLÄNDER 1959).

Die Zahl der Meßpunkte ist viel zu gering, als daß man

beispielsweise eine Karte der Niederschlagsverteilung

innerhalb des Nationalparkgebietes entwerfen könnte.

Geländeform und gemessene Niederschlagsmengen

lassen jedoch vermuten, daß an der Kammlinie, die

vom Rachel zum Lusen und dann gegen Süden umbiegend

zum Hochfilzberg, Sulzriegel und Hohlstein verläuft,

bei westlichen Luftströmungen ein Stau entsteht.

Ähnlich wirken wohl die Plateaus nordöstlich des

Lusen, über denen die von Westen her kommenden

Luftmassen nicht wieder absteigen können. Östlich

des Bergrückens - Lusen - Hochfilzberg - Sulzriegel-

85


der Tummelplatzhütte wurde eine

Schneehöhe von 2,30 m gemessen

(nach von RAESFELDT 1984).

1899 In der Freyunger Waldpost vom 14. 1.

1899 wird über Schneemangel geklagt: ".

.. ein ausgiebiger Schneefall wird allseitig

gewünscht ... ", damit mit dem Schlittenzug

begonnen werden kann.

1909 Ergiebige Schneefälle setzten erst am

29. Januar ein. Es schneite 10 Tage ununterbrochen

bei Tag und Nacht. Ganze

Ortschaften waren wochenlang von der

Außenwelt abgeschlossen (nach Grafenauer

Anzeiger vom 3. März 1970).

Die angeführten Zitate vermitteln ein anschauliches

Bild der Schneelagen in extremen Jahren. Im folgenden

Abschnitt sollen nun anhand der Beobachtungen

der amtlichen Wetterstationen und spezieller Untersuchungen

im Nationalparkgebiet während der Winter

1969/70 und 1971/72 durchschnittliche und extreme

winterliche Schneeverhältnisse zahlenmäßig charakterisiert

werden. Wie schon bei anderen Klimaelementen,

muß die Betrachtung wieder auf ein größeres Gebiet

ausgedehnt werden, da für den Bereich des Nationalparks

zu wenig Beobachtungsmaterial verfügbar

ist.

3.1.9.1 Schneefall

Schneefälle treten im Inneren Bayerischen Wald regelmäßig

von Oktober bis Mai auf. In den höchsten Lagen

fällt vereinzelt im Zusammenhang mit Kaltlufteinbrüchen

auch im Juni, Juli und September der Niederschlag

als Schnee. Nur für den August liegen keinerlei

Nachrichten über Schneefall vor.

Die mittlere Zahl der Tage mit Schneefall und Schneeregen

(Periode 1931-1960) ist leider nur für wenige Stationen

des Bayerischen Waldes bekannt (Tab. 30 und

31).

Altschönau mit durchschnittlich 48 Tagen Schneefall

und 15 Tagen Schneeregen, zusammen also 63 Tagen,

liefert etwa einen unteren Grenzwert für das Nationalparkgebiet.

Es bedeutet eine empfindliche Lücke, daß

keine Daten für eine höher gelegene Station verfügbar

sind. Nach den Angaben im Klimaatlas von Bayern

(KNOCH 1952) fällt Schnee (Schnee und Schneere-

gen) in den unteren Lagen des Nationalparkgebietes

an 60 bis 70 Tagen, was gut mit dem genannten Wert

von Altschönau übereinstimmt. In den oberen Lagen

sind "über 70 Tage" mit Schneefall zu erwarten.

Etwas reichlicher ist das Zahlenmaterial über den Anteil

des Schnees am Gesamtniederschlag (Tab. 32),

aber auch hier fehlen Stationen der oberen Lagen völlig.

In Altschönau sind 27%, in St. Oswald 25% des Niederschlags

im langjährigen Durchschnitt Schnee. Damit

stimmt überein, daß dem Klimaatlas von Bayern

25-30% für den unteren Bereich des Nationalparkgebietes

zu entnehmen sind. Für den oberen Bereich bleiben

die Angaben unsicherer. Der Klimaatlas gibt 30 bis

40% an, BAUMGARTNER (1970) nennt für die höchsten

Lagen 50% und mehr. Faßt man all das zusammen,

dann läßt sich sagen, daß an der Basis des Nationalparkgebietes

etwa ein Viertel, in den höchsten Lagen

etwa die Hälfte des Niederschlags in Form von Schnee

fällt.

Vergleicht man die Daten verschiedener Gebiete, so

zeigt sich, daß sowohl die Zahl der Tage mit Schneefall,

als auch der Anteil des Schnees am Gesamtniederschlag

im Inneren Bayerischen Wald größer sind, als in

den Höhenlagen der Alpen, die dem Nationalparkgebiet

entsprechen. Für diese Eigenart des Bayerischen

Waldes dürften sowohl die jahreszeitliche Verteilung

der Niederschläge (sekundäres Wintermaximum im

Bayerischen Wald, siehe Abschn. 3.1.8) als auch das

geringere Temperaturniveau während der Wintermonate

(siehe Abschn. 3.1.4.1) verantwortlich sein.

3.1.9.2 Schneedecke

Zahlen mäßige Angaben über Dauer der Schneedecke

und Schneehöhe eines 20jährigen Zeitraumes enthält

das Tabellenwerk von CASPAR (1962) auch für einige

Orte des Inneren Bayerischen Waldes. Die Stationen

auf dem Großen Falkenstein (1307 m) und in Finsterau

(1004 m) sind repräsentativ für Hochlagen und Obere

Hanglagen. Zwiesel in nicht ganz 600 m Meereshöhe

gibt Werte für die Tallage. Allerdings sind die Tallagen

des Nationalparkgebietes, die höher liegen als Zwiesel,

vermutlich schneereicher. Die Daten der Station

Rusel-Irlmoos im Vorderen Bayerischen Wald sind

nicht ohne weiteres auf den Inneren Bayerischen Wald

übertragbar. Es lassen sich also über die Schneedecke

in den oberen Lagen genauere Angaben machen als

für den unteren Bereich.

93


In den Hochlagen des Nationalparks fällt die Hälfte des Gesamtniederschlages

als Schnee.

Foto: F. Herzinger

97


sche Wald häufig unter dem Kaltlufteinfluß des festländischen

Hochdruckgebietes und wird daher nicht vom

Tauwetter erfaßt. Entsprechende Unterschiede kamen

auch bereits in den Lufttemperaturen während des

Winters zum Ausdruck (siehe Abschnitt 3.1.4.1).

Höhe der Schneedecke

Die mittlere Schneedeckenhöhe (= Summe der

Schneehöhe der einzelnen Tage dividiert durch die

Zahl der Tage mit Schneedecke) für den Bayerischen

Wald und einige Vergleichsstationen ist aus Tab. 39 zu

ersehen.

Sie kulminiert bei allen angeführten Stationen im Februar.

Vergleicht man für diesen Monat die Gebiete untereinander,

so fällt der Bayerische Wald durch seinen

Schneereichtum auf: In den entsprechenden Höhenlagen

der Alpen, des Schwarzwaldes und der Rhön sind

die mittleren Schneedeckenhöhen wesentlich niedriger.

Selbst der um 180 m höhere Feldberg erreicht in

den Hauptwintermonaten nicht die Werte des Großen

Falkenstein, nur zu Winterbeginn hat er etwas höhere

Schneedecken. Sogar die rd. 350 m höher gelegene

Station beim Kreuzeckhaus übertrifft in der mittleren

Schneedeckenhöhe den Großen Falkenstein nur in

den Monaten September, Oktober, November, Dezember,

sowie im Juli und August. In den Hauptwinter-

Schneedeckenhöhe

cm

150

100

50

10

98

monaten unterscheiden sich die Werte der beiden

Meßstelien nur geringfügig.

Die graphische Darstellung in Abb. 29 macht an Hand

der mittleren Schneedeckenhöhe der einzelnen Monate

den durchschnittlichen Verlauf des Auf- und Abbaus

der Schneedecke in verschiedenen Höhenlagen

des Inneren Bayerischen Waldes anschaulich.

Im Gebiet des Nationalparks sind in den einzelnen Höhenstufen

etwa folgende mittlere Schneedeckenhöhen

im schneereichsten Monat Februar zu erwarten:

Hochlage

Obere Hanglage

Untere Hanglage

Tallage

100-120 cm

80-100 cm

40- 80 cm

40- 60 cm

Auch die mittleren monatlichen Maxima der Schneedeckenhöhe

(Tab. 41) erreichen ihre höchsten Werte

im Februar (eine Ausnahme macht nur die Station

Wasserkuppe, bei der eine verkürzte Beobachtungsreihe

zugrundeliegt). Auch in diesen Zahlen kommt

zum Ausdruck, daß der Bayerische Wald schneereicher

ist als die zum Vergleich herangezogenen Gebirge.

Die größten und kleinsten Monats- und Jahresmaxima

(Tab. 42) geben die Grenzwerte an, zwischen denen

sich die Höhe der Schneedecke in den einzelnen Mo-

Großer Falkenstein BOr m

Abb. 29: Mittlere monatliche Schneedeckenhöhe (cm) in verschiedenen Höhenlagen des Hinteren Bayer.

Waldes aufgrund 20jähriger Beobachtungen nach CASPAR (1962)


Tabelle 29

Schäden durch Hochwasser (1885-1970)

Zeit Ursaohe Sohaden Absohnitt

'0.11./1.12. Boohwaaser ' an triftbächen Und V, VI

1885 110 lz ab fuhrwe gen

,0.11./1.12. an Triftwässern und leben- III

1885 Bochwasser läufen duroh Versandung,

duroh länger Verkiesung und Hittterspüandauernde

lung der Ufersohutsbauten.

starke Resengüsse.

5.8.1890 Baselwetter besonders am Teufelsbaoh, VI

Vermurung, Stege wurden

weggerissen

8.8.1890 Wolkenbruoh an Begangsteigen, die von II

i. Raohelse- den Was.ermassen su Tal sebiet

rissen wurden. Durohl& •••

und Straßengräben verschlammten.Ufsrslcherungen

wurden unterspült,

Ufer weggerissen.

2'./24.11.1890 plötzliches an Triftbäohen und Boh- V, VI

Hochwasser abfuhrwegen

2'.12.1890 plötzliohes An den Triftbächen durch

Tauwetter, Untersptilung und Wegreis- VI

Regen putzte sen der Beschlachten Verden

Sohnee sandung, Vermurung, Bruoh

auch in den der Schwarzbaohklause.

Hochlagen weg

26.8.1925 Hoohwasser

durch star- - III

ken Regen

7.5.19'0 Boohwasser in-an der Resohbachstra8e, IV

folge star- an den Uferverbauungen

ker Nieder- des Reschbaohs.

sohläge

20{21.11. wolkenbruch- an der SeebachstraBe, III

19,0 artiger Re- an den Uferbefe.tungen

gen und des Seebaoha.

Schneesohmelze

am

Raohe!.

20./21.11.19'0 Wolkenbrüche an der ReschbaohstraBe IV

und völlige (streckenweis. völlig

Sohne.sohDlel- zerstört); an Ur.rb.s.

restigung,n.

99


Tabelle 41

Mittlere monatliche Maxima der Schneedeckenhöhe (cm)

Zeile 2: Zahl der Jahre, mit der gemittelt wurde

(Mittelwerte der Winter 1936/37 bis 1957/58 ohne 1944/45 und 1945/46 nach CASPAR 1962)

Station Se.höhe Sept • Okt lOT. Dez.


linsterau 1 004 3,0 12,5 25,9 51,6

1 13 19 20

Gr. Falken.teil 1 301 1,0 18,1 32,5 68,4

3 15 20 20

Philippsreut 924 1,3 13,1 30,4 64,8

3 12 19 20

Rusel-Irliloo. 840 - 15,4 21,2 43,2

10 18 20

Zwiesel 578 - 8,4 12,2 21,6

5 11 20

Zum Versleioh. a) ilEen und ilEenvorland

Hohenpei8enb.rE 917 3,0 20,0 11,9 25,6

2 10 16 20

Kreuzeokhau8 1 652 8,0 19,7 45,0 76,9

9 19 20 20

Oberjooh 1 145 4,3 19,2 '7,1 6',5

4 18 20 20

b) Südwe.tdeut.ohland

Feldberg 1 486 6,2 19,7 35,3 59,9

8 15 20 20

Wauerkuppe 923 - 8,6 15,2 34,4

12 19 20

Stufe 11: Regelmäßig durchbrochene Schneedecke

- durch Schmelzteller um Bäume oder Jungpflanzen,

Felsen usw. (siehe Abb. 30).

Stufe 111: Ineinanderfließen der Schmelzteller; unregelmäßige

SChneeverteilung mit einem Bedeckungsgrad

über 50%.

Stufe IV: Schneeflecken bzw. Reste von Schneefeldern,

die insgesamt weniger als 50% des

Bodens bedecken.

Stufe V: Schneefreie Flächen, d. h. auf einer Fläche

von mindestens 1 ha ist kein Schnee mehr

vorhanden.

108

Jan. lebr. Klrz ipr. Kai Juni Juli iug.

81,4 111,1 106,1 49,6 6,0 - - -

20 20 20 20 6

108,9 149,3 143,6 91,1 36,4 11 ,5 - -

20 20 20 20 18 3

96,3 122,9 115,8 52,6 1,9 - - -

20 20 20 19 1

61,2 11,6 51,2 11,1 4,5 - - -

20 20 20 18 4

43,6 48,4 35,1 10,1 0,5 - - -

20 20 20 15 2

38,2 49,8 38,1 18,4 7,3 - - -

20 20 20 19 8

110,1 149,4 145,0 01,7 40,3 1,3 20,0 6,0

20 20 20 20 19 1 1 2

89,4 121,7 114,7 66,9 21, , 6,3

20 20 20 20 14 3

98,0 148,4 131,2 81,8 26,0 7,0

20 20 20 20 18 3

52,8 51,5 38,5 11,2 5,6 - - -

20 20 20 20 5

An den Meßpunkten, die im Gelände einen Abstand

von etwa 400 m hatten, wurde die Abschmelzstufe

festgestellt und die durchschnittliche Höhe der noch

vorhandenen Schneedecke gemessen. Unterschied

sich die Schneelage im einzelnen Bestand wesentlich

von der Umgebung, so war der Bestand kurz zu beschreiben

(z. B. Fi-Dickung). Außerdem waren die

Grenzlinien zwischen den Abschmelzstufen in die Karte1:10000

einzuzeichnen. Die Teilergebnisse der einzelnen

Reviere wurden zu einer Karte 1:1 0 000 zusammengefügt

und dann auf 1 :25000 verkleinert (Karten

Nr. 6, 7 und 8). Der dargestellte Zustand der abschmelzenden

Schneedecke ist also das Ergebnis der Einwirkung

des Geländes und des Bestandes.

Am 11. Mai lag in den oberen Lagen noch so viel

Schnee, daß eine zusätzliche Aufteilung der geschlos-


senen Schneedecke (Stufe I) nach Schneehöhen erforderlich

wurde.

Ergebnisse der Kartierung der Schneedecke

im Jahre 1970

Zuvor soll der Verlauf des Winters bis zur ersten kartenmäßigen

Aufnahme kurz charakterisiert werden.

Die Schneefälle begannen in den oberen Lagen in den

letzten Tagen des Oktober. Ab Mitte November trat

wiederholt Schneefall auf. Die Schneelage kann jetzt in

Abb. 31 verfolgt werden. Ab 25. November setzte die

ununterbrochene Schneebedeckung in den Hochlagen

ein.lnfolge geringer Schneefälle im Dezember und

Januar wuchs die Schneedecke nur langsam. Nach anhaltendem

Strahlungswetter begannen um den 20. Januar

steile Südhänge bis 1100 m hinauf auszuapern.

Bei einer Besteigung des Rachel am 23. Januar 1970

wurde eine Beschreibung der Schneeverteilung im Gelände

angefertigt. In den ersten Tagen des Februar begannen

gewaltige Schneefälle (Niederschlagssumme

des Februar an der Station Großer Falkenstein 343

mm); sie hielten mit kurzen Unterbrechungen bis zu

der ersten Kartierung der Schneehöhen an, in der die

Ausgangslage des Abtauens festgehalten werden sollte.

Weitere starke Schneefälle während des März und

April zwangen zu einer zweiten Kartierung der Schneehöhen

am 14. April 1970.

Betrachtet man die Karte der Schneehöhe vom 4. März

1970 (Karte 4), so fällt zuerst das Anwachsen der

Schneedecke mit der Meereshöhe ins Auge. Es führt

dazu, daß die Karte - grob gesehen - das Relief nachzeichnet.

Errechnet man die durchschnittliche Meereshöhe

der Meßorte, an denen eine bestimmte

Schneehöhenstufe angetroffen wurde, so zeigt sich

das deutlich:

110

Schneehöhenstufen

(cm)

Die größten Schneehöhen (310-320 cm) wurden um

den Rachelgipfel und am Moorberg, die geringsten (um

100 cm) in den tiefsten Lagen beobachtet.

Der Einfluß des Geländereliefs ist am leichtesten in den

Gipfelbereichen des Lusen und des Rachels zu erkennen.

Nach WEINLÄNDER (1959) fallen im Bayerischen

Wald über 80% der Niederschläge bei Winden aus

westlichen Richtungen. Entsprechende Beobachtungen

machte WALDMANN (1959) im Winter 1953/54

am Großen Falkenstein. Die vorherrschende Windrichtung

während der Schneefallperiode im Februar/März

1970 war S bis W. Der Rauhreifbelag am Rachelkreuz

und die Beobachtung von Schneewehen ließen das erkennen.

Unmittelbar nordöstlich des Bergkammes

zwischen dem Großen und dem Kleinen Rachel waren

bedeutende Schneeaufwehungen zu beobachten. Vor

allem am Grat im WNW des Rachelgipfels türmte sich

der Schnee zu mehrere Meter hohen Wächten. Auf der

Rachelwiese, wo die Abdachung nach SW beginnt, war

dagegen die Schneehöhe durch Abwehung stark gemindert.

Am Lusengipfel war ebenfalls an der SW-Seite

die Schneehöhe durch Verblasen reduziert, an der

NO-Seite war sie erhöht. Auf den breiten, vom Wald

bestandenen Bergrücken "spielte dagegen offensichtlich

die Verwehung des Schnees keine wesentliche

Rolle.

Das Vorherrschen der Winde aus Richtungen um S bis

W ließe nach den Ergebnissen, die WALDMANN (1959)

am Großen Falkenstein erhielt, größere Schneehöhen

an den Leeseiten gegen N-und O-Hänge erwarten. Tatsächlich

greifen die Linien gleicher Schneehöhe östlich

größerer Bergmassive, wie Rachel-Steinkopf,

Steinfleckberg und Sulzriegel, in tiefere Lagen hinunter,

als an anderen Expositionen. Trotzdem überwiegt

der Einfluß der Meereshöhe denjenigen des Reliefs

stark.

durchschnittliche Meereshöhe der

Meßorte

am 4. März 1970 am 14. April 1970

> 240 1269 1282

200-240 1164 1192

160-200 1007 1050

120-160 837 900

80-120 800 825

40- 80 - 782


Sicherlich gehen auch noch andere Einflüsse vom Relief

aus, so vielleicht eine Stauwirkung mit erhöhten

Niederschlägen im Winkel der Bergkämme vom Lusen

zum Rachel einerseits und vom Lusen zum Hochfilzberg

- Sulzriegel andererseits. Die relativ großen

Schneehöhen im obersten Sagwassertal, die wohl

kaum auf geringere Abschmelzung zurückzuführen

sind (S-Hänge!) könnten dadurch erklärt werden. Größere

Schneehöhen als sonst in dieser Höhenlage waren

im Bereich der großen Massenerhebungen nordöstlich

des Lusen um den Moorberg und Steinfleckberg

anzutreffen. Inwieweit sie auf ergiebigere

Schneefälle oder auf verminderte Abschmelzung zurückzuführen

sind, muß offen bleiben. Im gesamten

Bereich unterhalb 900 m, in dem keine bedeutenden

Höhenunterschiede anzutreffen sind, wechselte die

Schneehöhe nur wenig.

Die Verteilung der Schneehöhen am 14. April (Karte Nr.

5) ähnelt derjenigen vom 4. März in allen wesentlichen

Zügen. Veränderungen sind das Ergebnis weiterer

starker Schneefälle und verstärkter Abschmelzvorgänge

in den unteren Lagen. Die geringsten gemessenen

Schneehöhen lagen bei 60 cm. Etwa von 900 m abwärts

hatte sich die Schneehöhe um rund eine 40 cm

Stufe vermindert. In den höchsten Lagen waren die

Werte etwa gleich geblieben (nördlich des Rachelgipfels

310-320 cm) oder sie hatten sich unwesentlich

verringert. Die dazwischen liegenden Schneehöhenstufen

waren auf schmälere Geländestreifen zusammengedrängt

worden. Die Unterschiede der Schneehöhe

in Abhängigkeit von der Meereshöhe waren also

am 14. April noch größer als am 4. März 1970.

Kurz nach der Aufnahme vom 14. April 1970 setzte

auch in den Hochlagen der Abschmelzvorgang voll ein.

Zwischen 27. und 29. April entstanden in den unteren

Lagen des Nationalparkgebiets die ersten Durchbrechungen

der Schneedecke von einigen ar Größe. Ein

Kaltlufteinbruch brachte am 30. April nochmals

Schneefall bis hinunter in die Donauniederung. An diesem

und den folgenden Tagen kam es erneut zu einer

geschlossenen Schneedecke, die erst um den 3. Mai

wieder abzutauen begann. Am 5. Mai fing die Schneedecke

an sonnseitigen Unterhängen an sich aufzulösen.

Drei sehr warme Tage (6.-8. Mai) mit kräftigem

Wind führten am 8. Mai auch bei der aus dem geschlossenen

Waldgebiet kommenden Großen Ohe zu Hochwasser.

Am 7. Mai floß das Schmelzwasser auf breiter

Abb. 30: Schmelzteller um Buchen

Fläche über die Wiesen der Lichtung von Waldhäuser

hinunter. Auf nicht vernäßten Böden der bewaldeten

Hänge war nur ganz selten ein Oberflächenabfluß zu

beobachten, was auf die im Bestand verzögerte

Schmelze und die hier raschere Versickerung des

Wassers zurückgehen dürfte.

Die Karte Nr. 6 hält den Zustand der Schneedecke am

11. Mai 1970 fest. Die großen Unterschiede der

Schneehöhe (35-180 cm) innerhalb der geschlossenen

Schneedecke (Stufe I) erforderten zusätzlich deren

Aufgliederung nach Schneehöhen. Deutlich zeigt

die Karte, wie zuerst die sonnseitigen unteren Hanglagen

bis etwa 900 m hinauf aper wurden. Die Schatthänge

dieses Höhenbereichs und die Tallagen mit Kaltluft-

111


Schneehöhe

cm

100

. 200

100

,

Segeng zur Erfassung

der Schneeverhältnisse

I

I

1.

I

Z. .3. 4.

KARTIE:RUNGo

Abb. 31 : Schneehöhenkurven im Winter 1969nO nlch Unterl"en des Deutschen Wetterdienstes

(punkt. Fläche: Wasservorrll der Schneedecke in cml

112

5 .

stau (siehe Abschnitt 3.1.4.3.2) hinkten deutlich nach.

Ein schneefreier Streifen war am klarsten zu erkennen

an den Südhängen des Steinberges (Gebiets-Abschnitt

V) und zog sich dann von dort nach Westen. Er

teilte sich um den Talkessel, in dem sich mehrere Bäche

zur Großen Ohe vereinigen, in einen unteren Ast,

der die Sonnseiten der Vorberge einnahm und in einen

oberen, der dem unteren Haupthang folgte. In den

Hangtälern (siehe Abschnitt 3.1.4.3.3) verzögerte sich

die Schneeschmelze deutlich. Das Kartenbild der aperen

Flächen ähnelt stark demjenigen, das bei der ersten

Kartierung des Austreibezustands der Buche herauskam.

In den Bereichen, die zuerst schneefrei werden,

entfaltet auch die Buche ihre Blätter am frühesten.

Zwischen dem 11. und dem 25. Mai zog sich die

Schneedecke weitgehend in die oberen Lagen zurück.

Immerhin kam am 25. Mai noch auf großen Flächen der

Hochlagen eine geschlossene Schneedecke mit

Schneehöhen zwischen 50 und 150 cm vor (Karte Nr.

7). Das Vorauseilen der Schneeschmelze an den sonnseitigen

gegenüber den schattseitigen Hanglagen und

vor allem gegenüber den Hangtälern wird deutlich.

Noch nennenswerte Schneereste finden sich in den

Tallagen mit Kaltluftstau.

Die Ausaperung machte rasche Fortschritte bis zum

Übergang der steilen Hanglagen in die flachen Hochlagen,

verlangsamte sich aber dann merklich. So waren

noch am 16. Juni 1970 Schneereste auf größeren Flächen

in den Hochlagen zu erfassen (Karte Nr. 8). Außer

dem Nachhinken der Schatthänge und der Hangtäler

war - in der Endphase der Schneeschmelze noch

deutlicher als früher - zu beobachten, daß im Wald

ebene Lagen später schneefrei wurden als Hänge, die

Nordhänge eingeschlossen. Besonders gut ist das an

den Hochplateaus nordöstlich des Lusen zu erkennen.

Wie während des gesamten Abschmelzvorgangs waren

auch am 16. Juni die Freiflächen dem Wald voraus

(z. B. Großer Filz am Spitzberg).

Die mittleren Schneehöhen innerhalb der Abschmelzstufen

blieben zwar, wie WALDMANN (1959) festgestellt

hat, bei einer Kartierung ziemlich konstant. Sie

unterschieden sich aber stark von Aufnahme zu Aufnahme,

offenbar im Zusammenhang mit der ursprünglichen

Mächtigkeit der von der Schneeschmelze erfaßten

Schneedecken. Entsprechende Angaben enthält

Tab. 45.


114

Tabelle 45

Durchschnittliche Höhe der Schneedecke innerhalb der Abschmelzstufen

Datum Absoblaelzstur. Sohne.höhe {cm}

Streubereich JU ttelwer1 zur Berechn1lJlg

de. WasserTorrat.

Terwendet

11 •• ai 10 Stufe I > 120 ca 120 - 180 149 150

80 - 120 oa 80 - 120 100 100


2. Ein viel stärkerer Einfluß des Waldbestandes auf die

Schneelage im Jahr 1972. Bei sonst gleichen Voraussetzungen

schmolz der Schnee in Laubbaumbeständen

wesentlich später als in älteren Nadelbaumbeständen.

Bei Laubholz zeigten sich keine

wesentlichen Unterschiede in Abhängigkeit vom

Bestandsalter. Am längsten hielt sich der Schnee in

Stangenhölzern und Dickungen aus Nadelbäumen.

Der Vergleich der Schneedeckenkarte mit den

Wald beständen zeigt, daß gerade junge Nadelholzbestände

das Kartenbild stark beeinflussen.

3. Auf freien Flächen lag mehr Schnee als in Beständen

aller Art, z. B. auf den Moorflächen des Großen

Filzes am Spitzberg.

Das Abtauen der winterlichen Schneedecke wurde

1972 durch Neuschneefälle Ende März und in der 2.

Hälfte des Aprils unterbrochen. Der April war kühler

und feuchter als der März. Am 8. Mai waren nur noch

vereinzelt Schneereste in den Hochlagen zu beobachten.

Diskussion der Ergebnisse

1. Sicherlich ist die Verzögerung des Abtauens der

Schneedecke mit zunehmender Höhenlage teils eine

Folge der abnehmenden Temperatur und teils

der zunehmenden Schneehöhe; beide Einflüsse lassen

sich jedoch nicht trennen.

2. Der Vorsprung sonnseitiger Lagen in der Ausaperung

von schattseitigen erklärt sich aus dem unterschiedlichen

Genuß an direkter Sonnenstrahlung.

3. Das Zurückbleiben der Hangtäler bei der Schneeschmelze

hängt zweifellos mit derem kühleren Klima

zusammen, wie es durch die Messung der wirksamen

Mitteltemperatur festgestellt worden und in

diesem Zusammenhang näher besprochen ist

(Abschn. 3.1.4.3.3).

4. Die starke Verzögerung des Ausaperns in den Tallagen

mit Kaltluftstau war bereits aus den Untersuchungen

von WALDMANN (1959) am Großen Falkenstein

bekannt. Die Aufnahmen im Nationalpark

gestatten es jetzt, seine Aussagen noch zu erweitern.

Im Untersuchungsgebiet am Großen Falkenstein

sind die vorwiegend nach SW gerichteten

Hänge gegenüber den flachen Tallagen auch durch

höheren Gewinn an direkter Sonnenstrahlung im

Vorteil. Daß jedoch dieser Umstand nicht entschei-

dend ist, ließ sich jetzt im Nationalparkgebiet zeigen:

Sogar Nordhänge entsprechender Höhenlage werden

früher schneefrei als die Talgründe. Es ist also

wirklich deren extremes Sonderklima, das die

Schneeschmelze verzögert. Neben dem Kaltluftstau

dürfte auch die Behinderung des Luftaustausches

eine Rolle spielen.

5. Das im Jahre 1970 beobachtete Zurückbleiben der

Verebnungen und Plateaus im bewaldeten Gelände

ist nicht eindeutig zu erklären. Bei der Messung der

wirksamen Mitteltemperatur ergaben sich hier etwas

geringere Werte als an den Hängen, vielleicht

als Folge verminderten Luftaustausches. Auch im

Bestand dürfte außerdem ein gewisser Stau bodennaher

Kaltluft in den Nächten gegeben sein, wie er

bei der Messung der Minimumtemperatur auf freien

Flächen nachgewiesen wurde. Daneben kann auch

die unterschiedliche Schneehöhe an den Hängen

und auf ebenem Gelände, die wegen der lotrechten

Messung in der Karte nicht zum Ausdruck kommt

(sie würde erst bei Messung der Schneehöhe senkrecht

zum Hang erkennbar) beteiligt sein. Anders

ausgedrückt: eine Schneedecke gleicher Höhe (bei

lotrechter Messung) hat am Hang eine größere

Oberfläche als auf ebenem Boden.

6. Der Einfluß der Waldbestände auf die Schneeschmelze

ist kompliziert. Je nach der Art des Kronendachs

verändert sich das Zusammenspiel von

Interzeption, Strahlung und Luftaustausch. Der hohe

Schneevorrat der Freiflächen im schneearmen

und strahlungsreichen Winter 1971/72 unterstreicht

die Bedeutung der Interzeption. Sie überwog

den Einfluß der Strahlung, wie auch das frühere

Ausapern älterer Nadelbaumbestände gegenüber

älteren Laubbaumbeständen zeigt. Die Ausaperung

vollzog sich 1971/72 in der Reihenfolge: Ältere Nadelbaumbestände

- Laubbaumbestände - Freiflächen,

also gerade umgekehrt, als im schneereichen

und strahlungsarmen Winter 1969/70, in dem offenbar

die Interzeption nur eine untergeordnete Rolle

spielte.

Die Konservierung des Schnees in jungen Fichtenbeständen,

die in beiden Wintern zuletzt schneefrei

wurden, hängt sicherlich auch mit der Behinderung

des Luftaustausches zusammen.

7. Der Witterungsablauf des Winters bestimmt weitgehend

den zeitlichen Ablauf der Ausaperung. Ähn-

115


stimmt (Abb. 32). Die Messung war bei den großen

Schneehöhen sehr mühsam, da das Rohr nach dem ersten

Einstechen ausgegraben werden mußte. Die Proben

stammten jeweils paarweise aus Beständen verschiedener

Art und von Freiflächen. Da sich keine klaren

Unterschiede in der Schneedichte ergaben, wurden

die Werte dann gemittelt. Die Ergebnisse sind in

Tabelle 46 zusammengestellt.

Bei dem Ausstechen der Schneesäulen war folgendes

zu beobachten: Die mächtigen Schneedecken, wie sie

z. B. am 14. April 1970 in den Hochlagen anzutreffen

waren, enthielten zahlreiche mehr oder weniger hart

gefrorene, verharrschte Schichten. Stets bestanden

aber die untersten Zentimeter aus körnigem, nassem,

firnähnlichem Schnee. Die Schneedecken tauten also

an ihrer Untergrenze leicht. Bei keiner der Schneedichtemessungen

wurde je eine gefrorene Bodenoberfläche

angetroffen. Dieser Umstand ist für Bodenentwicklung

und Hydrologie sehr bedeutsam.

Wasservorrat der Schneedecke

Aus den durchschnittlichen Schneehöhen, der Größe

Abb. 32: Messung der Schneedichte mit der Schneesonde

"Vogelsberg " (14. April 1970)

-

der Flächen, für die diese Schneehöhen gelten und der

durchschnittlichen Schneedichte lassen sich Schätzwerte

derjenigen Wassermengen errechnen, die zu

bestimmten Terminen in der Schneedecke gebunden

waren.

Als durchschnittliche Schneehöhe ist bei den Aufnahmen

der geschlossenen Schneedecke die Mitte einer

Schneehöhenstufe angenommen. Die Mittelwerte der

Schneehöhen innerhalb der Abschmelzstufen liegen in

Tab. 45 vor.

Die Flächen der einzelnen Schneehöhenstufen bzw.

Abschmelzstufen wurden für jeden Termin durch Planimetrieren

auf der Karte 1:10000 gewonnen. Außer

der Fläche des Unterschungsgebietes (Gelände-Abschnitt

1- VI, siehe Abb. 1) von 13203 ha sind bei dieser

Auswertung auch die Enklaven (Ortsfluren, Wiesen)

berücksichtigt. Das Bearbeitungsgebiet umfaßt also in

diesem Fall den 13503 ha großen Bereich von der Landesgrenze

bis zur Untergrenze des geschlossenen

Staatswaldgebietes (siehe Abb. 1). Die Flächen der

Schneehöhenstufen bzw. Abschmelzstufen liegen getrennt

nach Einzugsgebieten vor. Die Flächen der Einzugsgebiete

enthält Tab. 47.

119


Kulmination der Schneedecken höhe zeigt sich auch,

wenn man an Hand der mittleren Schneedichte (Tab.

44) und der mittleren Schneedeckenhöhe (Tab. 39)

(nur korrekt, wenn an allen Tagen des Monats eine

Schneedecke vorhanden war) für die Monate des Winters

den mittleren Schneewasservorrat berechnet. Am

Großen Falkenstein fällt die größte Höhe der Schneedecke

im Durchschnitt in den Februar, in einzelnen, besonders

schneereichen Jahren in den März (siehe Abschnitt

3.192). Der Wasservorrat der Schneedecke dagegen

erreicht seinen Höchstwert im langjährigen Mittel

im März. In besonders schneereichen Wintern - wie

1969/70 - sogar erst im April.

Bedeutung der Wasserspeicherung

in der Schneedecke

In der Schneedecke der Hochlagen wurden am 4. März

1970 Wassermengen um 500 mm (= 500 Liter/qm), am

14. April um 800 mm (= 800 Liter/qm) gemessen. Da

diese Bereiche im Bayerischen Wald wegen der breiten

Bergrücken und Plateaus bedeutende Flächen einnehmen

(rund ein Viertel der Fläche des Nationalparkgebietes

liegt höher als 1100 m, siehe Abschn. 2.2),

geht von ihnen ein gewichtiger Einfluß auf den Wasserhaushalt

des Gebietes aus.

Am 14. April waren in den höchsten Lagen Wasservorräte

in der Schneedecke gespeichert, die fast dem gesamten

Niederschlag des Winterhalbjahres entsprechen.

Nun waren im Winter 1969/70 die Schneevorräte

besonders groß und die Schneeschmelze setzte erst

sehr spät ein. Aber auch in durchschnittlichen Jahren

werden zu Ende des Winters bedeutende Wassermengen

aus dem Schnee zur Verfügung gestellt. Zu Beginn

der Vegetationszeit sind daher die Böden in der Regel

stark durchfeuchtet, die Pflanzen finden reichlich Wasser

vor. Auch im Rahmen des Gebietswasserhaushaltes

spielt die Schneeschmelze eine hervorragende

Rolle. Die aus dem Inneren Bayerischen Wald kommenden

Flüsse haben, wie KERN (1959) am Beispiel

des Schwarzen Regen gezeigt hat, infolge der Schneeschmelze

eine deutliche Abflußspitze, die im langjährigen

Mittel in den April fällt. Im Jahre 1970 verzögerte

sich das Maximum der Wasserführung in den Mai hinein.

Die freundlicherweise von der Bayerischen Landesstelle

für Gewässerkunde zur Verfügung gestellten,

noch vorläufigen Abflußzahlen für die Zuflüsse der

IIz (Reschwasser, Große Ohe, Kleine Ohe), die auf Messungen

an Pegeln einige Kilometer unterhalb des Nationalparkgebietes

beruhen, lassen eine deutliche Abflußspitze

im Mai erkennen.

Die angegebene Lage der Meßstelien ermöglicht es leider

nicht, den Abfluß aus dem geschlossenen Waldgebiet getrennt

zu erfassen. Es sollten unbedingt zusätzliche Pegel

eingerichtet werden, um diesem Mangel abzuhelfen. So

könnten aufschlußreiche Untersuchungen über den Wasserhaushalt

in den Einzugsgebieten der aus dem Nationalpark

kommenden Bäche möglich werden.

Die Abschätzung der Schneewasservorräte in den außergewöhnlichen

Wintern 1969/70 und 1971/72 zeigt

die großen Unterschiede, die zwischen extrem

schneereichen und extrem schneearmen Wintern auftreten

können. So betrug der Wasservorrat der

Schneedecke im 135 qkm großen Untersuchungsgebiet

(Tab. 48)

am 4. März 1970

am 14. April 1970

am 3. März 1972

rund

rund

rund

55 Mio m 3

75 Mio m 3

3,6 Mio m 3 .

Hierzu eine Vergleichszahl: Der Wasserverbrauch der

Stadt Regensburg im Jahre 1970 belief sich auf 11,5

Mio m 3 .

3.2 Witterungseinflüsse als Ursache von Schäden

an Waldbäumen

Klimatische Einflüsse wirken in vielfältiger Weise auf

das Leben der Pflanzen. Die Zusammenhänge sind allgemein

nicht leicht festzustellen. Ohne weiteres erkennbar

werden sie erst dann, wenn bestimmte Wetterfaktoren

extreme Werte erreichen und dadurch

sichtbare Schäden an den Pflanzen verursachen, so,

wenn der Wind sich zum Orkan steigert, wenn nasser

Schnee die Kronen der Bäume niederbricht oder wenn

Spätfröste Blätter und junge Triebe abtöten. Der folgende

Abschnitt beschäftigt sich mit solchen Schäden

an Waldbäumen.

Da derartige Ereignisse für die Forstwirtschaft häufig

schwere Verluste bedeuten, gibt es darüber zahlreiche

schriftliche Nachrichten. Die Berichte der königlichen

bzw. staatlichen Forstämter im Nationalparkgebiet an

121


ihre vorgesetzten Dienststellen, die an der Oberforstdirektion

Regensburg gesammelt sind, stellen eine

wertvolle Quelle dar (Akt: Waldbeschädigung durch

Wind usw.). Sie weisen zwar Lücken auf und sind in ihrer

Qualität recht unterschiedlich, manchmal aber geben

sie die Ereignisse so genau und anschaulich wieder,

daß sich die damaligen Wetterlagen noch gut rekonstruieren

lassen.

3.2.1 Schäden durch Sturm

(Windwurf und Windbruch)

3.2.1.1 Angaben aus der Literatur

Mit dem Anstieg in die Gebirge erhöhen sich die Windgeschwindigkeiten.

GEIGER (1950) verglich die Beobachtungen

von deutschen Wetterstationen auf Berggipfeln

und im Flachland und erhielt für die Häufigkeit

des Auftretens von Stürmen (mindestens Windstärke

8 BEAUFORT) ein Verhältnis von 100 :3. Bei einem Vergleich

der Stationen Großer Falkenstein, Zwiesel und

Passau-Oberhaus (Tab. 9) ergibt sich für Windstärken

von mindestens 7 BEAUFORT ein Verhältnis der Häufigkeit

von 100 : 27 : 9. Die Station Passau-Oberhaus ist

noch nicht typisch für das Flachland, da sie selbst auf

einer windausgesetzten Höhe liegt. Diese Verhältniszahlen

lassen ermessen, wie sehr die Waldbestände

der Gebirge an ihren Standort angepaßt sind, wenn

Windwürfe hier nicht häufiger auftreten als im Flachland.

Den Zusammenhängen zwischen Geländerelief und

Windwurfgefahrging HÜTTE (1967) durch Versuche im

Windkanal und Geländebeobachtungen nach. "Stürme

werden nicht nur durch ihre hohe Geschwindigkeit,

sondern vor allem durch ihre starke Turbulenz für den

Wald gefährlich", vor allem dann, wenn die Frequenz

der Böen mit derjenigen von Baumschwingungen

übereinstimmt. Besonders gefährdet sind daher Zonen

im Gelände, wo Böigkeit und Geschwindigkeit des

Sturmes gleichzeitig sehr hoch sind, beispielsweise

1. an den Flanken und im Lee von Kuppen

2. wo der Wind nach Überqueren eines Bergrückens

wieder auf den in die Ebene auslaufenden Lee-Hang

trifft

3. an Mittel- bzw. Oberhängen von Tälern, auf die der

Luftstrom nach Überqueren des Tals trifft

122

4. am Mittelhang von Bergrücken, wenn diese schräg

vom Sturm getroffen werden

5. am luvseitigen Mittelhang von Bergnasen.

Zwar sind die Unterlagen über die Stürme der vergangenen

Zeiten im allgemeinen nicht genau genug, um

sie mit den Angaben HÜTTEs im einzelnen zu vergleichen.

Besonders deutlich wird aber aus den Ortsangaben

von Sturmschäden immer wieder die große Gefährdung

von Hängen, auf die der Wind nach Überquerung

eines Tales trifft.

Es ist altbekannt, daß die Fichte auf Böden mit Grundund

Stauwassereinfluß, wo sie nur ein flachstreichendes

Wurzelsystem entwickeln kann, besonders leicht

vom Sturm geworfen wird. HÜTTE (1967) hat den Vorgang

neuerdings genau studiert. Gerade auf den Naßböden

des Nationalparkgebietes war aber die Fichte

von jeher die vorherrschende Baumart; dort haben wir

es also mit einem Schwerpunkt der Windwürfe zu tun.

Sind Böden ohne Grund- und Stauwassereinfluß zeitweise

sehr naß, beispielsweise nach der Schneeschmelze,

so ist auch hier die Windwurfgefahr stark erhöht,

GEIGER (1950) hat gezeigt, daß aufgeweichter

Boden während der Wintermonate besonders häufig

ist, und zwar vor allem in den Übergangsjahreszeiten

zu Beginn und Ende des Winters. Bei den Beobachtungen

von München kommt das noch deutlicher zum

Ausdruck als bei denen von Berlin. Die Übertragung

dieser Ergebnisse auf den Bayerischen Wald ist kaum

möglich; man kann lediglich vermuten, daß schmelzende

Schneedecke und tauende Gefrornis hier auch zu

Beginn und Ende des Winters besonders häufig sind

und dadurch vom Boden her die Voraussetzungen für

erhöhte Windwurfgefahr schaffen. Während des

Hochwinters liegen im allgemeinen stärkere Schneedecken,

die an ihrer Untergrenze leicht tauen, über

dem nicht gefrorenen Boden. Auch sie dürften zu einer

starken Durchfeuchtung des Bodens, jedoch kaum zu

einer Vernässung führen. Ausgetrockneter Boden und

Bodenfrost vermindern die Windwurfgefahr, besonders

starke Stürme brechen dann die Stämme. Auf

Grund der Windstatistik von Potsdam hat GEIGER

(1950) festgestellt, daß stürmische Stunden (Windgeschwindigkeit

größer oder gleich 10 m/sek.) besonders

häufig während des Winters und dann in den Mittagsstunden

auftreten. Die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens

von aufgeweichtem Boden (Beobachtun-


me stark. Nimmt man nun zu dieser Aufgliederung die

Beschreibung der einzelnen Schadensfälle hinzu, so

schälen sich drei stark vorherrschende Typen heraus:

1. Herbst- und Winterstürme (Oktober bis März) aus

West bis Südwest

2. Herbst- und Winterstürme (Oktober bis März) aus

Ost bis Nordost

3. Sommerstürme (Juni bis August) bei Gewittern, vorwiegend

aus Südwest bis West

Die Beschreibungen der Sturmschäden enthalten

meist Angaben über die angefallenen Holzmengen.

Die betreffenden Zahlen sind in Tab. 50 gesammelt. Sie

sind nur als grobe Schätzwerte zu verstehen, welche

die Größenordnung der einzelnen Schadensereignisse

kennzeichnen sollen. Rund 92% des Holzanfalls, der

aus Tab. 50 für die Jahre seit 1868 zu entnehmen ist,

lassen sich eindeutig einem der drei Sturm-Typen

zuordnen. Auch von den restlichen 8% träfe das wohl

noch für einen Teil der Schadensfälle zu; hier sind zwar

Holzmengen, aber keine Sturm richtungen angegeben.

Der Holzanfall, den Stürme der drei ausgeschiedenen

Typen verursacht haben, teilt sich folgendermaßen

auf:

Typ1:51%

Typ 2: 15%

Typ 3: 34%

Sechs Großschäden (7./8. Dez. 1868,26./27. Okt. 1870,

11. Aug. 1925, 4. Juli 1929, 23. Nov. 1930 und 15. Nov.

1941), unter ihnen Beispiele für jeden der genannten

drei Typen, sind etwa 81% des Holzanfalls zuzuschreiben.

Anschließend sollen die drei Arten von Stürmen, die

hauptsächlich die Windwürfe und -Brüche verursachen,

an hand der Beschreibungen der Zeitgenossen

näher charakterisiert werden (Karte Nr. 13).

3.2.1.3 Herbst- und Winterstürme aus Westen

und Südwesten

Die größten Schäden - nach der betroffenen Fläche -

und nach der Holzmenge - verursachten die Herbstund

Winterstürme aus westlicher Richtung. "Der Kernwinter

bringt die kräftigsten Tiefdruckgebiete, die

größte Luftdruckveränderlichkeit und darum auch am

häufigsten Stürme" GEIGER (1950). Tab. 50 enthält 15

Fälle, die zwischen 1868 und 1970 aufgetreten sind.

Die Andauer beträgt viele Stunden bis mehrere Tage.

Wurf und Bruch treten sowohl flächig als auch streifenund

nesterweise auf. Oft werden über sämtliche Abteilungen

verstreut einzelne Bäume niedergelegt.

Den schweren Sturm von 1868, der vor allem die Hochlagen

und die Oberen Hanglagen schädigte, beschreibt

ZEITHAMMER (1896) von Winterberg aus folgendermaßen:

"Derselbe gewaltige Orkan, welcher am 7. Dezember

1868 den ganzen Continent bestrichen hat, brauste am

nämlichen Tage auch über den Böhmerwald und verbreitete

wie allgemein auch in den mächtigen Forsten

desselben Schrecken und Verwüstungen. Diesem Orkan,

welcher von Westen gestrichen von 9 Uhr vormittags

bis 6 Uhr abends angedauert hat, ging das auf unserem

Festlande seltene großartige Phänomen eines

über den westlichen und nördlichen Horizont in blutrothen

Strahlen ausgebreiteten Nordlichtes voran. Nicht

zu gedenken der namhaften Schäden an Gebäuden aller

Orten, namentlich in Fürstenhut, wo selbst unter

den etlichen 50 Häusern nur an einigen die Schindeldachungen

unbeschädigt blieben, hat dieser furchtbare

Orkan in den Holzbeständen große Verheerungen infolge

von Windrissen und Brüchen verursacht.

Daß solche entstanden sind, wurde dadurch veranlaßt,

daß diesem Orkan ein Tauwetter mit + 10 - 12° voranging,

welches den Schnee ganz hinwegschmelzte, so

daß der gefrorene Boden gänzlich aUfthaute und dadurch

den festen Halt verlor, wodurch der Wald bestand

sich aufrecht erhalten konnte. Der darauf gefolgte

Orkan fand somit gleichsam ein vorbereitetes leichtes

Spiel, außer zahlreichen einzelnen Stämmen selbst

viele Gruppen inmitten geschlossener Bestände niederzureißen

und namentlich auf lockerem Au- und

Moorboden solche Verheerungen anzurichten, daß

ausgedehnte Partien reiner Fichtenbestände total hingestreckt

wurden."

Der Orkan vom 26./27. Oktober 1870 war der "verheerendste"

seit Beginn schriftlicher Aufzeichnungen. Der

Chronist Hilz (1890) aus Zwiesel beschreibt ihn folgendermaßen:

,,1870 am 24. Oktober abends 6 Uhr sehr schönes

Nordlicht, sichtbar wie eine ungeheure Feuersbrunst.

Am 25. Oktober abends 7 Uhr ebenfalls sehr ausgedehntes

Nordlicht, welches bereits die ganze Nacht

sichtbar war. In der Nacht vom 26. bis 27. Oktober von

131


ternde Darstellung für den Regentriftkomplex von

1878).

Die Orkane von 1868 und 1870 und eine Borkenkäferkalamität

als deren Folge haben große Flächen von

Wald entblößt. Die nächste Forsteinrichtung - im IIztriftkomplex

(Gebiets-Abschn. 11 - IV) 1878 und im

Wolfsteiner Komplex (Gebiets-Abschn. V und VI) 1881

- hat diese Flächen genau erfaßt. Sie konnten daher tabellarisch

(Tab. 51) und kartenmäßig (Karte Nr. 10) dargestellt

werden. Die vom Sturm geschädigten Flächen

sind damals ziemlich großzügig ausgeschieden worden.

Sie enthalten noch mehr oder minder große bestockte

Teile. Da jedoch die Holzmengen dieser Restbestockungen

angegeben sind, läßt sich mit Hilfe der

Holzvorräte benachbarter, unbeschädigter Bestände

eine reduzierte Schadensfläche ermitteln. Diese gibt

an, auf welcher Fläche der Wald durch Stürme und den

Borkenkäfer vollkommen verschwunden ist. Wie aus

Tab. 51 hervorgeht, sind das immerhin 12% der untersuchten

Fläche. Der Schwerpunkt lag in Gebiets-Abschnitt

VI.

Die kleineren Bestockungsreste, die den Sturm überdauert

hatten, wurden später noch großteils eingeschlagen.

Unter den niedergelegten Beständen nachkommende

Naturverjüngung überdauerte jedoch vielfach.

3.2.1.4 Herbst- und Winterstürme aus Osten

bis Nordosten (Böhmwind)

Besteht über dem Böhmerwald ein Luftdruckgefälle

von 0 nach W, was hauptsächlich während des Winters

der Fall ist, wenn über Osteuropa ein beständiges

Hochdruckgebiet liegt, dann kommt häufig der sog.

Böhmwindzustande (SCHRAMM 1950). Er bringt meist

arktische Kaltluft. So entsteht auf der bayerischen Seite

ein mit starker Abkühlung verbundener Fallwind mit

hoher Geschwindigkeit; dabei ist das Wetter im allgemeinen

trocken.

Schäden durch Böhmwinde sind etwas seltener als

solche durch Westwinde und etwa gleich häufig wie

diejenigen durch Gewitterstürme. In 16 nachgewiesenen

Fällen haben zwischen 1868 und 1970 Böhmwinde

im Herbst und Winter Schäden verursacht. Diese sind

geringer als bei den beiden anderen Haupttypen. Der

Holzanfall beträgt nämlich nur knapp 113 des bei den

Weststürmen im Herbst und Winter und knapp die

134

Hälfte des bei Gewitterstürmen im Sommer aufgezeichneten.

Die Böhmwinde halten meist einen oder mehrere Tage

lang an. Typisch für sie ist, daß ihr Schaden sich nicht

auf große Flächen erstreckt, sondern gassen-, streifenund

nesterweise auftritt. "Der Bruch erfolgte gassenweise;

innerhalb der langen Gassen liegt alles am Boden,

zwischen den Gassen sind verhältnismäßig breite

Streifen intakt." (Bericht des kgl. Forstamtes St. Oswald

(Gebiets-Abschn. IV) vom 9. Oktober 1894 über

den Sturm vom 1. Oktober 1894). Häufig überspringt

der Wind sturmfeste Ränder und greift dann mitten in

die Bestände hinein. In den Berichten der Forstämter

wird immer wieder ein böiger Überfallwind beschrieben,

der von einem Temperatursturz begleitet ist.

Besonders stark wird durch die Böhmwinde regelmäßig

der weite Talkessel an den Quellbächen der Großen

Ohe, bis hinauf zum Rachelsee, betroffen. Hier

stößt der über den Kamm des Gebirges strömende

Wind wieder auf flaches Gelände oder Gegenhänge,

was ja nach HÜnE (1967) die gefährlichen Turbulenzen

hervorruft (siehe Karte Nr. 13b). Böhmwinde kommen

bei offenem und gefrorenem Boden vor, im letzteren

Fall verursachen sie viel Bruch, weniger Wurf (Bericht

des Forstamtes Spiegelau (= Gebiets-Abschn. 111

vom 30. Dezember 1927).

Ein Bericht des königlichen Forstamtes St. Oswald

(= Gebiets-Abschn. IV) vom 4. April 1892 enthält eine

besonders anschauliche Beschreibung des Sturms

vom 29.130. März 1892:

"Am 28. März herrschte, wie schon seit längerer Zeit,

warmes Frühlingswetter; ein in der Nacht zum 29. beobachtetes

fernes Gewitter brachte hierin keine Änderung,

bis am 29. mittags 1 Uhr völlig plötzlich der Wind

(bisher Südwest bis West) nach Ost umschlug. Gleich

anfangs kräftig auftretend, nahm er gegen Abend an

Heftigkeit zu und verstärkte sich gegen Mitternacht

zum Sturm, der nun bis 30. spät abends bei ca. + 2° R

ununterbrochen anhielt. Während des Witterungsumschlages

war das Vorland in einen Schleier gehüllt, die

Temperatur stürzte anfänglich von +11° Rum 6° R, gegen

Abend, an welchem schwacher Regen mit Schnee

fiel, noch mehr. Der Sturm hatte keine gleichmäßige,

dauernde Stärke, sondern es traten in Intervallen von

ca. je 112 Stunde heftige Böen von nicht zu langer Dauer

auf, welchen Pausen verhältnismäßiger Ruhe folgten.

Während des Einbruchs der Böen erfolgten allmählich


3.2.2 Schäden durch Schnee, Rauhreif und Rauheis

Nasser Schnee, Rauhreif (Duft), der sich aus ziehendem

Nebel an der Luvseite der Baumkronen ablagert

(dann auch Nebelfrost genannt) und Regen, der auf einer

gefrorenen Unterlage Eisschichten bildet (Rauheis,

Eisanhang) können die Bäume brechen oder niederdrücken

(Definitionen nach BLÜTHGEN 1964).

Ist Schnee die Ursache von Schäden, so spricht man

von Schneebruch oder Schneedruck. Es wäre an sich

zu erwarten, daß die Zone besonderer Gefährdung

durch Naßschnee im Herbst in den hohen Lagen zu finden

ist, während des Hochwinters dann nach unten

rückt und gegen das Frühjahr wieder hinaufsteigt; im

Winter fällt in der Höhe vor allem trockener Pulverschnee.

Inwieweit das zutrifft, ließe sich wohl nur an einem

sehr umfangreichen Material klären. Liest man die

Beschreibungen von Schneebrüchen, so gewinnt man

den Eindruck, daß häufig Wetterlagen, die für die betreffende

Jahreszeit ungewöhnlich sind, schwere

Schäden verursacht haben.

Schäden durch Schnee scheinen im gesamten Höhenbereich

des Nationalparkgebietes bedeutsam zu sein.

Auch BORCHERS (1964) fand, daß im Harz nur die untere

Randzone als schneebruchsicher zu bezeichnen

ist.

Aus Arbeiten von EISENKOLB (1963) und DRESCHER

(1965) geht hervor, daß im Schwarzwald an Nord- und

OstQängen viel höhere Schneebruchanfälle auftreten,

als an Süd- und Westhängen. MITSCHERLICH (1971)

versucht das mit der starken Schneeablagerung an der

Leeseite des Gebirges zu erklären, die bei warmen

südlichen und westlichen Luftströmungen aus Naßschnee,

bei Kaltlufteinbrüchen aus Norden aus Pulverschnee

besteht. Das Nationalparkgebiet, ja der ganze

Innere Bayerische Wald, ist zur Untersuchung dieser

Frage wenig geeignet, da es auf deutscher Seite nur

wenige Nord- und Osthänge gibt. Die Akten enthalten

jedoch vereinzelt Berichte über stärkere Schäden an

Osthängen.

Über den Anteil des Rauheises an den Schäden im

Wald enthält die zugängliche Literatur keine Angaben

(DENGLER 1971, MITSCHERLICH 1971).

Die Bildung von Rauhfrost oder Nebelfrost entspricht

derjenigen von Nebelniederschlag, dessen Verteilung

am Bergmassiv des Großen Falkenstein BAUMGART­

NER (1958 b) untersucht hat. Überträgt man seine im

140

Sommer gewonnenen Ergebnisse auf den Winter -

was mit einiger Unsicherheit verbunden ist - dann ergibt

sich für den Rauhfrost: Geringe Bedeutung in den

unteren Lagen, zunehmende Ergiebigkeit oberhalb

1000 m und ein sprunghaftes Ansteigen in den exponierten

Gipfellagen, wo aus dem schnell ziehenden Nebel

gewaltige Mengen an Wasser bzw. Rauhreif abgelagert

werden können. Für die Richtigkeit dieser Ansicht

sprechen sowohl die Untersuchungen von BOR­

CHERS (1964) im Harz, wie auch die Beobachtungen

Anfang März 1970, nach einer bewölkungs- und niederschlagsreichen

Periode von etwa einem Monat

Dauer. Die damals vorhandenen "Panzer" an den

Baumwipfeln bestanden wohl teilweise auch aus

Schnee. BORCHERS (1964) hat im Harz die Rauhreifschäden

getrennt von den Schneebruchschäden aufgenommen.

Er kommt zu dem Ergebnis, daß die exponierten

Kuppen und luvseitigen Oberhänge durch

Rauhreif besonders gefährdet sind.

Es sind also ganz verschiedene Vorgänge, die zur Belastung

der Baumkrone mit Schnee, Eis oder Rauhreif

führen. Bei der Entstehung von Schäden im Wald wirken

sie aber häufig zusammen. Ein Bericht der Bergwetterwarte

auf dem Großen Falkenstein (1313 m)

über Bruchschäden im Wald zwischen dem 18. und 22.

Februar 1953 soll dies deutlich machen: "Ungewöhnlich

starker Rauhreifansatz führte zu den Bruchschäden.

Unter Rauhreif werden i. a. nur die Nebelfrostablagerungen

verstanden. Hier handelte es sich aber um

eine mehrfache Schichtung aus echtem Rauhreif,

Glatteis durch unterkühlten Regen, Schnee und

Schnee mit Regen vermischt, also Ablagerungen aus

verschiedenen Witterungsperioden mit mehr oder weniger

starkem Frost der vorangegangenen Wochen

und Monate. Stellenweise erreichten sie eine Stärke

von mehr als 40 cm, entsprechend den betreffenden

Windrichtungen in diesem Zeitraum, vornehmlich an

der Südwest- bis Nordwestseite der Baumkronen. Die

Temperaturen lagen bis zum 20. ständig unter dem Gefrierpunkt

. .. Das am 18. mit dem Übergang zur zyklonalen

Westlage einsetzende Tauwetter konnte sich

nur bis in Höhen von ca. 1150 m entscheidend durchsetzen.

Der Waldbestand in den Hochlagen darüber

behielt den sehr starken Rauhreif, dessen Gewicht mit

dem in der Nacht zum 18. gefallenen und festfrierenden

Schneeregen erheblich zugenommen haben mußte

... " Die Beschreibung zeigt klar, daß sich Schäden im


Wald häufig nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen

lassen. Abgesehen vom Nebelfrost, der auch

bei tiefen Temperaturen auftritt, werden vor allem Erscheinungen

bei um den Gefrierpunkt schwankenden

Temperaturen dem Wald gefährlich: Naßschnee,

Schneeregen, Rauheis, erneute Naßschneefälle auf

bereits umgebogene Kronen.

Lassen sich schon bei einem unmittelbar zu beobachtenden

Schadensfall oft die verschiedenen Teilursachen

nicht trennen, so ist dies umso weniger möglich,

wenn wir uns an hand der Meldungen der Forstämter

ein Bild über die Häufigkeit und dem Umfang von

Schnee-, Duft- und Eisschäden im Nationalparkgebiet

machen wollen (Tab. 53). Bei der Auswertung der Berichte

über den Zeitraum von 1868 bis 1970 wird daher

nicht nach den drei Schadensursachen unterschieden.

Die meisten "Schneebruchschäden" traten in den Monaten

Dezember bis Februar auf. Vereinzelte starke

Schneefälle im Oktober brechen die belaubte Buche,

vor allem in jüngeren Beständen und im Nebenbestand.

Aus Schadensmeldungen mit Angaben der Meereshöhe

wurde die Abb. 37 gezeichnet. Aus ihr ist ein wichtiger

Befund zu entnehmen: Es gibt im Bayerischen

Wald keine auf eine bestimmte Höhenlage beschränkte

"Schneebruchzone". Die Darstellung zeigt auch, wie

gefährlich es ist, aus kurzen Beobachtungsreihen zu

weit gehende Schlußfolgerungen in dieser Richtung zu

ziehen. Die Wetterbedingungen, die zu Schäden führen,

können in allen Höhen vorkommen. Bei der Deutung

dieses Ergebnisses ist aber zu berücksichtigen,

daß die Fichtenbestände der Hochlagen, die noch häufig

sehr licht stehen, bezüglich ihrer Schneebruchanfälligkeit

nicht ohne weiteres mit den im allgemeinen

viel dichteren Beständen der Hanglagen zu vergleichen

sind.

Die Angaben der unmittelbar nach den jeweiligen Ereignissen

gefertigten Berichte über den Holzanfall infolge

von Schnee-, Duft- und Eisschäden haben sich

als so unzuverlässig erwiesen, daß sie nicht in Tab. 43

aufgenommen sind. Die Aussagekraft solcher Zahlen

wäre ohnedies gering, da häufig junge Bestände betroffen

werden, deren Holz noch nicht verwertbar ist.

Aus Berichten geht klar hervor, daß die Fichte die am

stärksten gefährdete Baumart ist. Die Buche wird nur

im belaubten Zustand beschädigt. Die Tanne ist weit

weniger, der Bergahorn kaum gefährdet.

Die Schneeschäden konzentrieren sich also auf die

Fichte. Sie treten in Dickungen und Stangenorten

durch nester- und flächenweises Brechen und Niederdrücken

in Erscheinung. Junge Fichten in den Hochlagen

leiden besonders durch Abknicken der Stämme

und Ausreißen der Äste durch sich setzende Schneedecken.

In Stangen- und Baumhölzern verursacht der

Schnee meist Gipfelbruch.

Schäden durch Rauhfrost treffen wiederum hauptsächlich

die Fichte, jedoch mehr in den älteren, als in

den jüngeren Beständen (BORCHERS 1964). Einzelne

Fichten in den mittelalten Beständen der oberen Hanglagen,

die über das Kronendach der Buche hinausragen,

scheinen durch Rauhreif besonders stark gefährdet

zu sein. Diese Vermutung, die auf Beobachtungen

im Winter 1969/70 beruht, sollte überprüft werden.

Insgesamt ergibt sich, daß die Druck- und Bruchschäden,

welche Schnee, Duft und Eis an den Bäumen anrichten

können, in allen Höhenlagen des Nationalparkgebietes

einen bedeutenden Standortsfaktor darstellen.

Die Widerstandsfähigkeit gegen derartige Ereignisse

bildet daher eine Existenzfrage für die Wald bestände.

3.2.3 Schäden durch Winterfrost

Die Frostresistenz der Pflanzen (siehe MITSCHERLICH

1971) unterliegt einem deutlichen Jahresgang. Sie ist

im Sommer am geringsten, im Winter am größten. Gewöhnlich

geht die Zunahme der Frostrestistenz im

Herbst und Winter dem Absinken der Temperatur so

weit voraus, daß keine Schäden auftreten. Kälteperioden

erhöhen die Frosthärte, warme Abschnitte vermindern

sie. Winterfrostschäden an den heimischen

Waldbäumen kommen nur bei extremen Kälteperioden

vor, wie sie beispielsweise in den Wintern 1928/29,

1939/40 und 1955/56 aufgetreten sind.

Die Berichte der Forstämter seit 1885 enthalten nur

spärliche Angaben über Winterfrostschäden im Nationalparkgebiet.

Selbst in dem extrem kalten Winter

1928/29, der nach GEIGER (1959) für Berlin der strengste

Winter zwischen 1766 und 1954 war, traten außer

Nadelrötungen an den unteren Zweigen stark besonnter

Tannen keine Schäden auf. Aus dem Winter 19391

40 fehlen wegen des Krieges zuverlässsige Berichte.

Einen ganz ungewöhnlichen Verlauf nahm der Winter

1955/56, in dem ein relativ warmer Januar mit einem

141


extrem kalten Februar zusammentraf. Der Februar

1956 brachte mit minus 12,4° C das tiefste Monatsmittel,

das auf dem Hohenpeißenberg seit Beginn der

Temperaturmessungen im Jahre 1781 verzeichnet ist

(GRUNOW, GREBE und HEIGEL 1957). In der ganzen

Reihe folgte niemals ein Februar mit einer MitteItemperatur

unter minus 8° C auf einen ähnlich warmen Januar.

Die tiefen Temperaturen des Februar dürften gerade

wegen der vorausgegangenen Wärmeperiode

die Bäume besonders hart getroffen haben.

Im Februar 1956 wurden im Bayerischen Wald folgende

Temperaturminima erreicht:

Großer Falkenstein (1307 m) -29,7°C

Finsterau (1000 m) -30,2°C

Zwiesel ( 590 m) -31,2° C

Nennenswerte Schäden traten nur an der Tanne auf

und bestanden hier vor allem in der Rötung eines mehr

oder minder großen Teils der Nadeln, vor allem der älteren

Jahrgänge. Das stimmt mit JAHNEL (1959) überein,

der angibt, daß Tannennadeln ab etwa minus 27°C

erfrieren. Im folgenden Sommer erholten sich auch

Bäume wieder, die zunächst verlorengegeben wurden.

Durch Jahrringanalysen sollte geklärt werden, ob Tannen

im Winter 1955/56 länger nachwirkende Frostschäden

erlitten haben.

3.2.4 Schäden durch Spätfrost

Nach GEIGER, WOELFLE und SEIP (1933 und 1934)

und GEIGER (1961) lassen sich zwei Formen von Spätfrösten

unterscheiden:

- Advektivfröste

entstehen durch den Antransport von Kaltluft, sind

also großräumig durch die Wetterlage bedingt und

mit mehr oder minder starkem Wind verbunden. Je

höher ein Ort liegt, desto frostgefährdeter ist er.

Häufig treten dabei Schneeschauer auf.

- Strahlungsfröste

kommen durch nächtliche Ausstrahlung und Windstille

bei klarem Himmel zustande. Der Frost ist dort

am schärfsten, wo die gebildete Kaltluft nicht nach

unten abfließen kann. Das gilt vor allem für die boden

nahe Luftschicht in schwach fallenden Tälern,

142

die in Abschn. 3.1.4.3.1 als Tallagen mit Kaltluftstau

ausgeschieden sind.

Zu Frostschäden führt fast stets das Zusammenwirken

beider Vorgänge: "Der Antransport der Kaltluftmasse

senkt das Temperaturniveau bis zum Gefahrenbereich

ab, die nachfolgende Ausstrahlung führt bis zum Tod

der Pflanzen." (GEIGER 1961). An den Temperaturprofilen

in Abb. 9 haben wir gesehen, daß auch das gleichzeitige

Auftreten eines Advektivfrostes in den hohen

Lagen und eines Strahlungsfrostes in den Tallagen

denkbar ist, daß aber die warme Hangzone hierbei

frostfrei bleiben kann.

Die Baumarten sind in sehr unterschiedlichem Maße

durch Spätfröste gefährdet. Am häufigsten wird die

früh austreibende Buche betroffen, viel weniger häufig

die Fichte, deren junge Triebe später erscheinen. Tanne

und Bergahorn, deren Knospen sich noch später als

die der Fichte öffnen (BAUMGARTNER, KLEINLEIN

und WALDMANN 1956), schädigt der Spätfrost seltener.

In Tab. 54 sind die Nachrichten gesammelt, die über

Spätfrostschäden im Nationalparkgebiet aus den Akten

zu entnehmen waren. Im Zeitraum von 1882 bis

1970 wird von den Forstämtern über 18 Fälle berichtet;

das bedeutet etwa jedes 5. Jahr einen Spätfrostschaden.

Berücksichtigt man, daß sicherlich nicht über alle

Schadensereignisse Meldungen vorliegen, dann erkennt

man, daß Spätfröste - die auch im Juni nicht seiten

sind - im Gebiet des Nationalparks einen bedeutenden

Standortsfaktor darstellen.

Bei den meisten aufgeführten Spätfrösten läßt sich

aufgrund der Beschreibung einigermaßen zuverlässig

feststellen, ob er durch Advektion oder Strahlung zustandegekommen

ist.

Es sprechen für

Advektivfrost

- Schäden nur in höheren Lagen

- Wind und Schneefall

- Schäden an freistehenden und überschirmten

Bäumen aller Altersklassen

Strahlungsfrost

- Schäden nur in unteren Lagen

(Tallagen, "Umgebung der Auen")

- klarer Himmel, Windstille

- Schäden nur an freistehenden Bäumen

oder nur an Jungwuchs auf der Freifläche.


Zeit

Datum

Anfang bis

21.5.1904

9./10.5.

1926

9.-14.5.

1953

Höhenlage der

Be sohädi gungen'

(m NN)

Tallagen

Tallagen

untere Hälfte

des Forstamtes

bil zu 800

in freien ungeschützten

Lagen

über 950

über 1000

Tabelle 54/3

Sohadensereignis

Spätfrost

starker Frost

starker Frost

wahrscheinl.

neben Stranlungsfrost

auch Einbruch

von kalten

Luftmassen

Nachtfrost

Spätfrost

Schaden

an Bu-Verjüngungen

an der Bu

am Du-Laub I selbst

Alt-Du und Bu unter

Fichten wurden beschädigt.

an freistehenden Du­

Gruppen und Horstenl

auch an Bu-Altholzbeständen

noch Frostwirkung

am Gipfel

an freistehenden Bu­

Verjüngungen ist das

gesamte Laub, bei Stangenhölzern

und Alt-Bu

das Laub der Randbäume

und des freistehenden

Gipfelteils vernichtet.

an Bu-Verjüngungen

an neuen Trieben sowie

am Laub der Bu-Verjüngung

bis auf 4 - 5 m

Höhe

Gebiets-I

AbachniÜ

Ir

II

III

II

III

III

II

am Bu-Laub auf freien 111

Flächen, wie auch Bestandslüoken

am Laub der Bu-Verjüngung 11

und z.Teil auch an den

jungen Trieben der Fi

bis zu einer Höhe von

oa. 4 m

mehrtägiger in Bu-Beständen aller I

Sohneefall u. Altersklassen

Frost

(Buchenaustrieb 14 Tage 11

früher als sonst)

Bu auoh in älteren Beständen

145


3.2.5 Schäden durch Dürre

Im Zeitraum von 1885 bis 1970 sah sich die Forstverwaltung

nur zweimal veranlaBt, von den Forstämtern in

Niederbayern und der Oberpfalz Berichte über Dürreschäden

einzufordern, nämlich in den Jahren 1904 und

1947. Die Niederschlagsverhältnisse in diesen Jahren

lassen sich im Vergleich zu anderen relativ trockenen

Jahren anhand der langjährigen Beobachtungen der

Station Metten in etwa beurteilen (Tab. 45).

Während bei der Sommerdürre des Jahres 1904 im

Flachland in erheblichem Umfang Forstkulturen abstarben,

besonders an trockenen und stark besonnten

Standorten, meldeten vier der fünf Forstämter im Nationalparkgebiet

keinerlei Schäden. Das Forstamt Klingen

brunn (Gebiets-Abschn. 11) schreibt, es seien "keine

erheblichen Schäden" entstanden. Nähere Angaben

fehlen.

GEIGER (1959) kam aufgrund der Niederschlagsmessungen

von Bamberg zu dem Ergebnis, daß das Dürrejahr

1947 das schwerste zwischen 1880 und 1954 war.

In der Trockenzeit, die von Ende Juli bis Anfang November

währte, waren die Verhältnisse ähnlich wie

1904: bedeutende Schäden im Flachland, nur geringe

Schäden in den Gebirgen. Ein Gutachten des Meteorologischen

Instituts München stellte fest, daß sich in den

Niederschlagskarten der Trockenzeit die Gebirge

noch stärker als begünstigte Gebiete herausheben als

in den Karten der mittleren Niederschläge. Die Berglagen

blieben daher ziemlich schadensfrei.

Im Flachland entfielen weitaus die meisten Schäden

auf die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets

angesiedelte Fichte, die in neu angelegten sowie

ein- bis zehnjährigen Kulturen besonders schwer betrotten

wurde. Darüber hinaus starben aber Fichten aller

Altersklassen flächig ab, wobei die Ausfälle mit zunehmendem

Alter geringer wurden. Vereinzelt ging

Buchenaufschlag aus der Mast 1946 ein. Nur ganz seiten

wird über das Absterben einzelner älterer Buchen

und Tannen berichtet.

Im Nationalparkgebiet hatte die Dürre weit geringere

Folgen. Schäden traten hier vor allem bei den Fichtenkulturen

von 1947 sowie bei ein- und zweijährigen Fichten-

und Buchen-Naturverjüngungen auf, besonders

an exponierten GeländesteIlen. Nie wird in diesem Zusammenhang

die Tanne erwähnt. Es waren also offenbar

nur die obersten Bodenhorizonte, vielleicht nur die

organische Auflage, stark ausgetrocknet.

Ältere Bäume starben nach Berichten aus den Jahren

1947 und 1948 nicht in erheblichem Umfang ab. Nur in

wenigen Fällen wird aus dem Inneren Bayerischen

Wald der Ausfall von Einzelbäumen oder kleinen Partien

der Fichte auf trockenen, felsigen Standorten, vor

allem an Südhängen, angezeigt. In den Jahren 1947

und 1948 war auch im Bayerischen Wald mit dem Nationalparkgebiet

ein verstärktes Absterben von Alttannen

zu beobachten, das in einzelnen Forstämtern einen

Holzanfall von einigen Hundert Festmetern brachte.

Stets enthalten die Berichte im Zusammenhang mit

dem Absterben alter Tannen Angaben über besondere

Umstände: felsige oder blockreiche Böden auf Graten

oder an Südhängen, Vorkommen der Tanne als Überhälter

oder an südlichen Bestandsrändern, starkes

Auftreten des Tannenkrebses. Fast immer wird ein erheblicher

Befall durch Ips curvidens erwähnt, der wohl

als Folge der außergewöhnlichen Witterung angesehen

werden muß, der aber wesentlich zum Tod der

Tanne beigetragen haben kann. Die vorhandenen Unterlagen

gestatten also kein eindeutiges Urteil über die

Ursache des damaligen Tannensterbens.

Faßt man all diese Beobachtungen zusammen, so ergibt

sich, daß Dürre während der Vegetationszeit im

Nationalparkgebiet als Standortsfaktor keine wesentliche

Rolle spielt. Das ist auch nicht anders zu erwarten,

wenn man die Wasserspeicherung der Schneedecke,

die hohen Niederschläge während der Vegetationszeit

und die große Speicherleistung der Böden für pflanzenverfügbares

Wasser berücksichtigt. Selbst im

Trockenjahr 1947 - im einzigen, in dem zwischen 1885

und 1970 Schäden aus dem Inneren Bayerischen Wald

gemeldet wurden - starb nur der jüngste Anflug von

Fichte und Buche ab. Ausfälle an älteren Fichten beschränkten

sich auf extreme Standorte. Verstärktes

Absterben von Alttannen ist möglicherweise nicht allein

auf die Dürre zurückzuführen, wenngleich diese

mitgewirkt haben dürfte.

3.3 Ausscheidung von Höhenstufen

In den vorigen Abschnitten war von den einzelnen klimatischen

Faktoren und ihrer ökologischen Bedeutung,

sowie von Schäden an Waldbäumen zufolge von

Wetterereignissen die Rede. Nun gilt es, die dort gegebenen

klimatischen Informationen zusammenzufas-

147


Blockböden und Lockerbraunerde sind in ihrer Verbreitung

wiederum stark von der Geländeform abhängig.

Die Grenze zwischen oberen und unteren Hanglagen

trennt also zugleich Bereiche verschiedenen Geländereliefs.

Es hätte nahe gelegen, die Trennlinie entsprechend

den thermischen Verhältnissen an den Hangexpositionen

zu variieren, sie hätte also am Südhang höher liegen

müssen als am Nordhang. Aus den Messungen der

wirksamen Mitteltemperatur nach PALLMANN im Juli!

August 1970 geht hervor, daß in Höhenlagen von 900-

1000 m im Stamm raum des Waldes vergleichbare

thermische Verhältnisse am Südhang zwischen 50 und

100 m höher anzutreffen sind als am Nordhang. Daraus

wird die geringe Größenordnung der Unterschiede

klar. Möglicherweise würden aber bei Messungen auf

der Freifläche oder im Kronenraum des Waldes andere

Differenzen zwischen den Expositionen herauskommen.

Mit anderen Worten: Die wirksame MitteItemperatur

im Stammraum ist nur einer unter mehreren möglichen

ökologischen Weisern. Es wäre zu gewagt, auf

ihr allein die Trennung der Hangzone aufzubauen, zumal

sich nur relativ geringe Unterschiede zwischen

den Expositionen ergeben haben. So erscheint es besser,

von einer nach Geländemerkmalen gezogenen

Leitlinie in 900 m Höhe auszugehen, und sich darüber

150

klar zu sein, daß eine nach thermischen Gesichtspunkten

gezogene Grenze am Nordhang tiefer, am Südhang

höher verlaufen müßte.

Die in die Hänge eingeschnittenen Täler (Hangtäler)

nehmen klimatisch eine Sonderstellung ein. In klaren

Nächten sinken die Temperaturen nicht besonders tief

ab, da die Kaltluft sich nicht staut (Abschn. 3.1.4.3.2).

Tagsüber erwärmen sie sich weniger stark als die umliegenden

Hänge (Abschn. 3.1.4.3.3) und behalten daher

eine höhere relative Luftfeuchte. Auch die Verspätung

der Schneeschmelze und des Buchenaustriebs

gegenüber den Hängen belegen das kühlere Klima. Die

Hangtäler mit ihrem thermisch ausgeglichenen und

luftfeuchten Sonderklima wurden kartenmäßig nicht

eigens ausgeschieden, da sie aus der Topographie jederzeit

zu entnehmen sind. Auch die Karten der wirksamen

Mitteltemperatur, der Schneeschmelze und

des Buchenaustriebs geben hierfür Hinweise.

In Karte Nr. 1 sind die ausgeschiedenen Höhenstufen

eingezeichnet. Die wesentlichen Klimadaten zu ihrer

Charakterisierung können aus Tabelle 56 entnommen

werden. Die Benennung der Höhenstufen richtet sich

nach den im Bayerischen Wald schon bisher üblichen

Bezeichnungen; es wurden jedoch neue Kriterien für

die Abgrenzung dieser Stufen entwickelt.


Gneise bilden auf zweidrittel der Nationalparkfläche den

Felsuntergrund. Sie verwittern oft blättrig, während die Granite

meist in größere Blöcke zerfallen.

Foto: H. Bibelriether

151


4. Geologie

Als Grundlage für den folgenden Abschnitt dienen die

neueren geologischen Arbeiten über den Bayerischen

Wald. Es sind das die Geologische Karte von Bayern

1 :500000 mit Erläuterungen (1964), ein Führer zu geologisch-petrographischen

Exkursionen in den Bayerischen

Wald (TROLL u. a. 1967) mit einer geologischen

Übersichtskarte 1:100000 und das zu Vergleichen geeignete

Gradabteilungsblatt 6945 Zwiesel der Geologischen

Karte von Bayern 1 :25000 (MADEL, PRO­

PACH und REICH, 1968). Mit den Verwitterungsvorgängen

während des Tertiärs, und vor allem mit den Bildungen

des Pleistozäns befaßten sich PRIEHÄUSSER

(1928,1929,1930,1931 (a), 1938, 1951, 1952 (e), 1956

(a), 1956 (b), 1958 (a), 1958 (d), 1959, 1961,1963 (a, b),

1966,1968), RATHSBURG (1928, 1930, 1932 - 35) und

ERGENZINGER (1965).

Eine geologische Karte des Nationalparkgebietes im

Maßstab 1 :25000 wurde durch Dr. W. BAUBERGER

vom Bayerischen Geologischen Landesamt erarbeitet.

Mitverwendet wurden von ihm die in drei unveröffentlichten

Diplomarbeiten enthaltenen geologischen Aufnahmen

von Teilbereichen der Gradabteilungsblätter

7046 Spiegelau und 7047 Finsterau (BROCKAMP

1968, GEBAUER 1969, und VOLLMER 1969).

Auf die angeführte Literatur und auf mündliche Auskünfte

von Dr. W. BAUBERGER, mit dem während der

Außenarbeiten ein ständiger Kontakt bestand, sowie

auf eigene Beobachtungen stützt sich die Darstellung

im folgenden Abschnitt, die bei der gegebenen Sachlage

nur vorläufigen Charakter haben kann. Sie beschränkt

sich auf die wesentlichen erdgeschichtlichen

Zusammenhänge und auf die Beschreibung der Gesteine

und Umwandlungsprodukte von Gesteinen, die

als Ausgangsmaterial der Bodenbildung im Gebiet des

Nationalparks vorhanden sind. Demnach kommen im

folgenden Abschnitt zur Sprache:

- Entstehung, Bau und Gesteine des Grundgebirges,

- Zersatz der kristallinen Gesteine,

- Ablagerungen aus den Eiszeiten.

4. 1. Grundgebirge

4. 1.1 Entstehung und Bau des Grundgebirges

Der Bayerische Wald ist das südwestliche Randgebiet

der böhmischen Masse. Er gehört zu deren ältestem

152

Teil, der moldanubischen Region, die sich jenseits der

Grenze fortsetzt und etwa die Süd hälfte Böhmens einnimmt.

Seine Randlage rührt von gewaltigen Verwerfungen

her, die entlang dem Lauf der Donau (Donaurandbruch)

das südwestliche Vorland staffelbruchartig

abgesenkt haben. Ihre Sprung höhe beträgt beispielsweise

im Raum von Straubing 1800 m (TILLMANN

1968, zitiert nach BAUBERGER 1970) ist also dem heutigen

Anstieg des Alpenrandes vergleichbar (BAUBER­

GER 1964). Gegen Westen trennt eine ähnliche Verwerfung

(Keilberg-Naabtal-Störung) den Bayerischen

Wald vom mesozoischen Vorland.

Das Grundgebirge, das bereits frühzeitig als eine ältere

Einheit vom Deckgebirge unterschieden worden ist,

setzt sich unter den jüngeren Ablagerungen gegen Süden

und Südwesten fort. Es ist in jüngerer Zeit durch

zahlreiche Bohrungen unter dem Bayerisch-Schwäbischen

Molassebecken nachgewiesen worden, so daß

heute eine Verbindung zum Südschwarzwald als gesichert

gilt (TROLL u. a. 1967). Zwei große Störungen untergliedern

den Bayerischen Wald. Die von NW nach

SO verlaufende Pfahlzone bildet eine deutliche geologische

Grenze zwischen dem Inneren Bayerischen

Wald und dem Vorderen Bayerischen Wald. Parallel

dazu zieht im Inneren Bayerischen Wald eine Störung

von Runding über Kötzting nach SO.

Die Gebirgskämme des Inneren Bayerischen Waldes

sind vorwiegend aus Paragneisen aufgebaut. Diese gehen

zurück auf eine mächtige Folge sandig-toniger Sedimente,

die im Algonkium oder noch früher abgelagert

und später verfaltet und in Gneise umgewandelt

wurden: "Im Verlauf dieser metamorphen Vorgänge

kam es zu partiellen Aufschmelzungen, stellenweise

auch zu Mobilisationen größeren Ausmaßes" (BAU­

BERG ER 1972). Es intrudierten in bedeutendem Umfang

Gesteine, vor allem solche granitischer Zusammensetzung.

Die älteren von ihnen wurden noch von

der Durchbewegung erfaßt und in Orthogneise umgewandelt

(BAU BERG ER 1972). Die Vorgänge der Verfaltung,

Metamorphose, Aufschmelzung und Intrusion erfolgten

in mehreren Phasen. Geschichte und Bau des

Grundgebirges sind deshalb verwickelt und noch in

vielen Einzelheiten ungeklärt.

Die Verfaltung und Aufschmelzung endete nach neueren

Altersbestimmungen (TROLL u. a. 1967) mit der

variskischen Gebirgsbildung, war also zu Beginn des

Mesozoikums bereits abgeschlossen.


Zeiten verstärkter Bruchtektonik traten in der Endphase

der variskischen Faltung und in späteren Epochen,

z. B. der Oberkreide und dem Tertiär auf (TROLL u. a.

1967); sie führten zur tektonischen Hebung einzelner

Blöcke im Jungtertiär (MADEL, PROPACH und REICH

1968) und trugen dadurch zur Gestaltung der heutigen

Landschaftsformen bei.

Seit dem Perm ist die moldanubische Region im westlichen

ein Hochgebiet, das der Abtragung unterliegt.

DUDEK und SUK (1965, zitiert nach TROLL u. a. 1967)

schätzen die post karbonische Denudation auf 1500 m.

4.1.2 Gesteine des Grundgebirges im

Nationalparkgebiet

Die Darstellung beschränkt sich auf die für die Bodenbildung

wichtigeren Gesteine. Sie stützt sich vor allem

auf BROCKAMP (1968) und GEBAUER (1969). Die vielfältigen

unterscheidbaren Gesteinstypen werden zu

Gruppen zusammengefaßt.

Cordieritgneise

Den westlichen und südlichen, sowie den nordöstlichen

Teil des Nationalparkgebietes nehmen Cordieritgneise

ein. Sie bilden auf schätzungsweise zwei Dritteln

der Fläche den Felsuntergrund.

An frischen Bruchflächen zeigen sie eine dunkel-graublaue

Färbung, die auf den Gehalt an Cordierit und Biotit

zurückgeht. Meist ist eine Sonderung in dunklere

und hellere Lagen und häufig eine starke Verfaltung zu

erkennen. Nach dem Gefüge und der Mineralzusammensetzung

können mehrere Typen unterschieden

werden, die sich jedoch in ihrem Stoffbestand nicht

wesentlich unterscheiden. Als Hauptgemengteile treten

Quarz, Cordierit, Kalifeldspat, Biotit und Plagioklas

auf. Als konkordante Einlagerungen kommen in den

Cordieritgneisen, vor allem im Gebiet östlich des Rachels,

Biotit-Plagioklasgneise und Kaltsilikatfelse vor.

Die Cordieritgneise verwittern infolge der Zersetzung

eisenreicher Mineralien rötlich braun. Sie neigen weit

weniger zur blockigen Absonderung als die Granite

und bilden daher auch nur selten Blockhalden. Die Vergrusung

reicht im allgemeinen weniger tief als bei den

Graniten.

Glimmergneis

Nur an zwei Stellen des Hauptkammes, nämlich nördlich

des Großen Rachel (zwischen dem Großen Rachelbach

und der böhmischen Grenze) und zwischen

dem Großen und Kleinen Spitzberg tritt im Nationalparkgebiet

Glimmergneis auf; er leitet zu den geringer

metamorphen Gesteinen über und wird als "Dach" des

Moldanubikums angesehen.

Bei klein- bis mittelkörnigem Gefüge wird das Aussehen

des Gesteins durch schwach wellig verbogene

Biotitlagen bestimmt, die durch Linsen aus Quarz und

Feldspat getrennt sind. Unter den Mineralbestandteilen

überwiegt der Quarz. Daneben kommen als Hauptgemengteile

Kalifeldspat, Plagioklas und Biotit vor.

Infolge der durchgehenden Biotitlagen ergibt sich bei

der Verwitterung eine plattige Absonderung. Diese

macht sich bei der Bodenkartierung dadurch unangenehm

bemerkbar, daß die flach liegenden Gesteinstrümmer

das Einschlagen des Bohrstockes häufig verhindern.

Körnelgneis

In mehreren kleinen Vorkommen tritt der Körnelgneis

auf, teilweise - wie in der Umgebung des Bahnhofs

Klingenbrunn - in Wechsellagerung mit Granat­

Metaaplit.

Es handelt sich um ein mittel- bis grobkörniges

schwarz-weiß gesprenkeltes Gestein mit meist deutlicher

Paralleltextur und bis 1 cm großen Feldspäten.

Plagioklas, Kalifeldspat, Quarz und Biotit sind die

Hauptgemengteile.

Der Körnelgneis ist an seinen Vorkommen im Nationalparkgebiet

fast immer tiefgründig vergrust.

Kristallgranite

Die zweite, flächen mäßig bedeutsame Gesteinsart neben

den Cordieritgneisen bilden die Kristallgranite. Sie

kommen um den Steinkopf und Feistenberg vor. Ostwärts

der Abteilung Mühlbuchethäng im Gebiets­

Abschn.1I1 bilden sie den Hauptkamm des Gebirges.lhre

südwestliche Grenze gegen die Cordieritgneise verläuft

über die Fredenbrücke (Punkt 839 an der Kleinen

Ohe) zum Waldhäuserriegel, überquert an der Nordgrenze

der Abt. Rindelberg (Gebiets-Abschn. IV), beim

153


Punkt 825 das Sagwasser und zieht dann nördlich am

Steinbergmassiv vorbei zum Reschwasser. Nördlich

und östlich vom Steinfleckberg verzahnt sich Granit

mit Cordieritgneis, wobei letzterer überwiegt.

Die Kristallgranite bestehen aus einer mittel- bis grobkörnigen

Grundsubstanz, in die bis mehrere cm große,

meistens parallel geregelte Kalifeldspäte eingelagert

sind. Hauptgemengteile sind Quarz, Plagioklas und Kalifeldspat

zu etwa gleichen Teilen; Biotit ist weniger

stark vertreten.

Die Kristallgranite bilden bei der Verwitterung häufig

große Blöcke. Blockfelder kommen daher in der Regel

hier, nicht in den Cordieritgneisen vor. Die Kristallgranite

sind außerdem meist wesentlich tiefgründiger vergrust

als die Cordiergneise.

Fein- bis mittel körnige Granite

Die fein- bis mittel körnigen Granite treten im wesentlichen

in Form von Gängen auf, die sowohl den Cordieritgneis,

als auch den Kristallgranit durchsetzen können.

Das Gestein ist fein- bis mittelkörnig und weißlich gefärbt.

Kalifeldspat, Quarz und Plagioklas bilden die

Hauptmasse, dazu kommen Muskovit und - in wechselnden

Anteilen - Biotit.

Wie der Kristallgranit neigt der fein- bis mittelkörnige

Granit zum Zerfall in Blöcke. Tiefgründig vergrust liefert

er einen feinen Sand, der häufig abgebaut wird.

Sonstige Gesteine

Vor allem an Hängen, wo in den einstmals bewegten

Schuttdecken die Grenzen der Gesteine verwischt

sind, haben kleine Vorkommen für die Bodenbildung

keine wesentliche Bedeutung. So treten im Nationalparkgebiet

auf geringen Flächen - meist in Form von

Gängen oder Linsen - noch weitere Gesteine wie Granat-Metaaplit,

Turmalinaplit, Pegmatit, Quarz, Amphibolit,

Redwitzit und Nadeldiorit auf.

Der an zwei Stellen auf nur ganz kleinen Flächen vorkommende

Serpentinit fällt durch die Böden aus dem

Rahmen, die sich aus diesem Gestein gebildet haben

(siehe Abschn. 5.2.3.1).

4.2 Zersatz der kristallinen Gesteine

Wie für andere Mittelgebirge ist es auch für den Bayeri-

154

schen Wald typisch, daß die kristallinen Gesteine mehr

oder minder tiefgründig vergrust sind; man nennt das

Verwitterungsprodukt auch Zersatz. Das ursprüngliche

Gefüge der Gesteine ist noch gut erkennbar. Der

Verband der Mineralien ist aber soweit gelockert, daß

das Material mit dem Spaten abgestochen werden

kann. Außer dem Quarz sind die Mineralien teilweise

oder auch vollständig verwittert; häufig sind Feldspäte

in Kaolin umgewandelt. Nach unten hin geht der Zersatz

allmählich in das feste Gestein über. PRIEHÄUS­

SER erwähnt Aufschlüsse im Zersatz bis zu 20 m Tiefe.

Große Zersatzmächtigkeiten sind nur auf Verebnungsflächen

zu erwarten, wo das lockere Material in der Eiszeit

nicht abgetragen werden konnte. Granite sind im

allgemeinen tiefgründiger vergrust als Gneise.

Der Vorgang der Vergrusung wird mit den Wirkungen

eines tropischen Klimas in Verbindung gebracht; er

wird allgemein ins Tertiär gestellt (HÖVERMANN 1951,

PRIEHÄUSSER 1968). Für diese Datierung sind vor allem

die Reste von Roterden maßgebend, die in räumlichem

Zusammenhang mit den Zersatzdecken vorkommen.

Der Zersatz ist als Ausgangsmaterial und drainierende

Unterlage der Böden sowie als Wasserspeicher von

großer Bedeutung für die gesamte Landschaft.

4.3 Ablagerungen aus den Eiszeiten

4.3.1 Bildungen der eiszeitlichen Gletscher

Über die Erscheinungen, welche die Eiszeiten für den

Bayerischen Wald brachten, herrschte länger Unklarheit,

als bei anderen deutschen Mittelgebirgen.

RATHSBURG (1928) gibt einen ausführlichen Überblick

über die Forschungsgeschichte, dem im folgenden

die wichtigsten Daten entnommen werden.

MBEL stellte 1868, also zu einer Zeit, zu der der

Feldsee im Schwarzwald bereits als glazialer Karsee

erkannt war, das Fehlen von eindeutigen Spuren einer

Vergletscherung ausdrücklich fest. PARTSCH (1882)

brachte die Seen des Bayerischen Waldes mit Glazialerscheinungen

der Vorzeit in Verbindung und erhärtete

das durch eine vollkommen korrekte Beschreibung

des Moränengeländes unterhalb des Kleinen Arbersees.

Auch PENCK (1882) vermutete in den Seen des Böhmerwaldes

Spuren der Eiszeit. Die wesentlichen Aus-


sagen einer 1886 erschienenen Arbeit von BA YBER­

GER, nach der Gletscherschliffe und Moränen noch

wenig nördlich von Passau und Regensburg vorkommen

sollen, wurden von PENCK, BÖHM und RODLER

(1887) zit. nach RATHSBURG 1928) "ins Schattenreich

verwiesen". GÜMBEL lehnte noch 1894 eine glaziale

Entstehung der Böhmerwaldseen ab.

In den folgenden Jahrzehnten herrschte weitgehend

Unsicherheit über den Umfang eiszeitlicher Gletscher

im Bayerischen Wald. Es erfolgten keine gründlichen

neuen Beobachtungen, die Antworten auf die offenen

Fragen erlaubt hätten. Lediglich die Wälle, welche die

Karseen unmittelbar umranden, wurden von den meisten

Autoren als Spuren von Gletschern gedeutet (z. B.

WAGNER 1899).

Einen entscheidenden Fortschritt brachte erst das

Jahr 1928, in dem fast gleichzeitig und voneinander unabhängig

PRIEHÄUSSER (1928) und RATHSBURG

(1928) eine Fülle von Spuren eiszeitlicher Gletscher

nachwiesen.

PRIEHÄUSSER (1928) stellte in der Umgebung des

Großen Arbersees Moränen, Rundhöcker, geritzte Geschiebe

fest und lieferte eine Kartenskizze des Moränengeländes.

Danach liegt die unterste deutliche Endmoräne

bei ca. 850 m NN und rd. 800 m vom Ausfluß

des See baches aus dem Arbersee entfernt. PRIE­

HÄUSSER beschäftigte sich noch in zahlreichen weiteren

Arbeiten mit den Eiszeiten im Bayerischen Wald.

RATHSBURG (1928) kommt aufgrund eigener Beobachtungen

an den meisten Böhmerwaldseen zu ähnlichen

Ergebnissen. Auch er fand das untere Ende des

Moränengeländes am Großen Arbersee bei 850 m NN.

Seine Kritik an PRIEHÄUSSER (1928) bezieht sich in

diesem Fall nur auf untergeordnete Einzelheiten.

RATHSBURG datiert die Wälle der äußeren End- und

Seitenmoränen wegen ihres sehr guten Erhaltungszustandes

in die Würmeiszeit. Die in dichter Folge innerhalb

dieser Umgrenzung abgelagerten Wall moränen

wären demnach als Stadialmoränen anzusehen, die

der Gletscher bei kurzzeitigen Unterbrechungen des

Abschmelzens abgelagert hat. Die meisten Autoren

sind RATHSBURG in dieser zeitlichen Einstufung gefolgt

(z. B. PRIEHÄUSSER). Sie steht völlig im Einklang

mit Beobachtungen im Alpenvorland, nach denen die

würmeiszeitlichen Moränen gut erhalten, die risseiszeitlichen

dagegen durch Verwitterung bereits weitgehend

eingeebnet sind (vergi. z. B. BÜDEL 1953).

In weiteren Arbeiten (1932-35) dehnte RATHSBURG

seine Betrachtungen auf andere deutsche Mittelgebirge

aus. Er zeigte, wie der Grad der eiszeitlichen Vergletscherung

mit zunehmender Meerferne von den

Vogesen über den Schwarzwald und Böhmerwald bis

zum Riesengebirge nachließ.

Durch die Arbeiten von PRIEHÄUSSER und RATHS­

BURG steht heute fest, daß der Böhmerwald und der

Innere Bayerische Wald während des Pleistozäns lokale

Gletscher trugen. Der längste von ihnen, am Kleinen

Arberseee (RATHSBURG 1932-1935), erreichte mit

seinen äußersten, als Wallformen deutlich erkennbaren

Endmoränen eine Länge von etwa 3 km und eine

Meereshöhe von etwa 830 m.

4.3.1.1 Eiszeitliche Gletscher im Nationalparkgebiet

Im Nationalparkgebiet haben drei größere eiszeitliche

Gletscher ihre Spuren in Form deutlich sichtbarer Moränenwälle

hinterlassen:

1. der Rachelseegletscher

2. der nördliche Rachelgletscher

3. der Gletscher im Tal des Großen Schwarzbachs.

Das kleinflächige Mosaik der Böden im Moränengelände

zwang zur Ausscheidung dieser Bereiche in der

Karte der Böden (Karten Nr. 11 und 15, siehe auch

Abschn. 5.24). Dort sind die als Wallformen klar erkennbaren

Moränen dargestellt, soweit das im jeweiligen

Maßstab möglich ist. Die Aufnahmen erfolgten unabhängig

von früher gefertigten Beschreibungen oder

Kartenskizzen.

Der Rachelseegletscher

Der Rachelseegletscher setzte sich aus 2 Teilgletschern

zusammen, die ihren Ursprung in getrennten

Karnischen hatten. Dem östlichen Strom, der in der

Seewand begonnen haben muß, verdankt der Rachelsee

seine Entstehung. Der westliche Teilgletscher entstammte

dem Kar östlich des heutigen Waldschmidthauses

und hinterließ die heute von Mooren erfüllten

Mulden des "Alten Sees" und des "Stausees". Während

des Höchststandes gehörte möglicherweise auch

noch die breite, vom Markfilzl herunterziehende Mulde

zum Nährgebiet des Gletschers.

Die einzelnen Ströme vereinigten sich zu einer gemeinsamen

Zunge. Das Ende der untersten, als Wall-

155


form deutlich sichtbaren Endmoräne liegt in rund 810

m Höhe, immerhin fast 1400 m vom Ausfluß des Seebaches

aus dem Rachelsee entfernt. Diese äußere

Stirnmoräne und ihre Fortsetzung, die linke äußere

Seitenmoräe, die 15 bis 20 m Höhe erreicht, sind im

Gelände besonders gut zu erkennen.

Innerhalb des äußeren Moränenkranzes, der einem

Höchststand des Gletschers entspricht, sind bei dessen

Abschmelzen in dichter Folge Stadialmoränen entstanden.

In einem späten Rückzugsstadium ist offenbar

ein Zerfall in zwei Zungen eingetreten, deren eine

den Rachelsee, deren andere den "Alten See" und den

"Stausee" gebildet hat. Dieses Stadium ist, vor allem im

westlichen Teil infolge der dort vorhandenen FeIsriegel,

durch Moränenwälle weniger klar markiert. Lediglich

die starke Mittelmoräne zwischen den beiden

Teilgletschern ist gut erkennbar. Der letzte Rest des

abschmelzenden Gletschers befand sich vermutlich in

der kleinen Karnische unmittelbar östlich des Waldschmidthauses,

wo ein vermoorter Talkessel in rund

1235 m Höhe nach unten durch einen Wall abgedämmt

ist, der mindestens teilweise aus Moränenmaterial

besteht.

Die erste genauere Beschreibung des Rachelseegletschers

bei RATHSBURG (1928) ist unvollständig, da dieser Autor die

Spuren der gemeinsamen Zunge, zu der sich die beiden

Teilgletscher vereint haben, nicht gefunden hat. Eine zweite

Beschreibung durch PRIEHÄUSSER (1963 b) deckt sich, was

die Lage der Gletscherzunge anbelangt, mit der Aufnahme in

den Karten Nr. 15 und 11. Jedoch zieht PRIEHÄUSSER die

bergseitigen Enden der Seitenmoränen senkrecht zu den

Höhenlinien weit in die Hänge hinauf. Das konnte nicht beobachtet

werden.

Die Beschreibung des Rachelseegletschers bei ERGENZIN­

GER (1965) war bei der Geländeaufnahme ebenfalls nicht

bekannt; sie deckt sich mit den geschilderten Ergebnissen in

allen Einzelheiten.

Der nördliche Rachelgletscher

An der Nordseite des Rachelmassivs liegt ein steilwandiges

Kar, in dem während der Eiszeit ein kleiner Gletscher

entsprang. Er ist in den Karten Nr. 11 und 15 dargestellt.

Die Zunge griff während eines Höchststandes

aus dem Kar hinaus und über einen relativ steilen Hang

hinunter.

Das untere Ende der äußeren, als Wallform deutlich er-

156

kennbaren Stirnmoräne liegt bei etwa 1000 m Höhe, es

ist wegen am Hang abgerollter Blöcke nicht scharf abgrenzbar.

Die äußere linke Seiten-und Stirnmoräne

sind am deutlichsten entwickelt. Das Zentrum des Karbodens

wird von einer moorigen Mulde eingenommen.

Ein zweites, kleines Moor liegt an der SO-Seite des Kares,

dicht beim Beginn des Steilanstiegs. Es ist von einem

gebogenen Wall, vermutlich einer Stadialmoräne

um einen letzten Rest des abschmelzenden Gletschers

umgeben.

Erste Hinweise auf eiszeitliche Spuren im nördlichen Rachelkar

stammen von THIEME (1906 zitiert nach RATHSBURG

1928). RATHSBURG (1928) vermutete nach einem Geländebegang

die Endmoränen am Ausgang aus dem Kar, dar er,

was in dem unübersichtlichen Gelände begreiflich ist, die

Spuren am unterhalb liegenden Hang nicht auffand.

Der Gletscher im Tal des Großen Schwarzbachs

Ein dritter größerer eiszeitlicher Gletscher, der im Nationalparkgebiet

Spuren in Form deutlich sichtbarer

Moränenwälle hinterlassen hat, lag im Tal des Großen

Schwarzbachs. Gut entwickelte Seitenmoränen finden

sich in der Waldabteilung Scharriegel. In dem Bereich,

in dem die zugehörigen Endmoränen zu vermuten waren

(um 900 bis 950 m NN) fanden sich nur weniger

deutliche Wallformen; es ist daher nur bei 900 m Höhe

ein Wall in die Karte eingezeichnet. Am Fuß der steilen,

eingebuchteten Ostwand des Steinfleckberges (Bärenriegeln)

liegt ein Moor, unterhalb dessen einige gut

sichtbare Moränenwälle das Tal sperren.

Die näheren Umstände der Vergletscherung sind am

Schwarzbach weniger gut erkennbar als am Rachel. So

ist nicht klar, ob die karähnliche Felswand (Bärenriegeln)

für die Bildung des Gletschers entscheidend war,

oder ob sich dessen Einzugsgebiet in den Bereich

oberhalb der Schwarzbachklause erstreckte; das letztere

ist wegen des geringen Gefälles und des V-förmigen

Querschnitts dieser Täler zweifelhaft.

RATHSBURG (1928), der das Schwarzbachtal nicht

kannte, hielt aufgrund der von ihm aufgestellten Bedingungen

für das Vorkommen eiszeitlicher Gletscher

(Nähe eines Berggipfels von wenigstens rund 1300 m

Höhe, ein Kar oder karähnlich gestaltetes Relief*) mit

starker durchschnittlicher Geländeneigung) eine eiszeitliche

Vergletscherung nicht für ausgeschlossen. Er


Abb. 38: Granitblock mit Gletscherschliff im Tal des

Reschwassers

nahm aber - da er aufgrund seiner ungenauen topographischen

Karten von dem Steilabfall der Bärenriegeln

nichts wußte - an, daß die Bedingung einer hinreichenden

Geländeneigung im oberen Teil des Schwarzbachtales

(westlich der Schwarzbachklause) nicht erfüllt

sei, was auch zutrifft. Dort hätte sich also - wenn

die Kriterien von RATHSBURG richtig sind - kein Gletscher

entwickeln können. Somit wären die beschriebenen

Glazialspuren auf einen kleinen Gletscher zurückzuführen,

der in den Bärenriegeln seinen Anfang nahm.

*) Die Exposition des Geländes nach Nord oder Ost, die RATHSBURG (1928)

gefordert hatte, wurde hinfällig durch die Entdeckung eines Gletschers am

Südhang des GroBen Arbers (Arber-Schwelle-Gletscher) durch RATHS­

BURG (1930).

Die aufgeführten Moränenwälle sind auch bei ERGEN­

ZINGER (1965) bereits beschrieben.

ERGENZINGER (1965) erwähnt in der Beschreibung

des Aufschlusses bei der Schustersäge im Reschbachtal,

etwa 2 km unterhalb der beschriebenen äußeren

Moränen im Tal des Großen Schwarzbaches, einen

"ü ber 1,5 m langen, polierten Granitblock mit Gletscherschrammen".

Im Jahre 1971 wurde in der betreffenden

Grube beim Abbau von Weg bau material ein

über 3 m langer Granitblock (oder anstehender Fels) in

seinem oberen Teil völlig freigelegt. Es handelt sich sicherlich

um denselben, den ERGENZINGER beschrieben

hat. Der Block ist gerundet und mit seiner Längs-

achse parallel zur Talachse orientiert. Ebenfalls parallel

zur Talachse verlaufen deutliche, tiefe Schrammen

in der glatt polierten Oberfläche des Steines (siehe

Abb. 38). Es ist anzunehmen, daß der Granitblock von

einem Gletscher geschliffen und geschrammt worden

ist. Da ein Block dieser Größe nicht vom Wasser transportiert

sein kann, muß er vom Gletscher hierhier verfrachtet

oder vom Gletscher an Ort und Stelle bearbeitet

worden sein. Der geschliffene Block beweist also,

daß an dieser Stelle im Reschbachtal einst ein Gletscher

vorhanden war.

Unterhalb der FundsteIle treten im Gelände keine als

Wälle deutlich erkennbaren Moränen mehr auf. Es liegt

daher der Schluß nahe, daß diese inzwischen durch die

Verwitterung wieder weitgehend abgetragen sind, und

die Schliffspuren auf dem Block daher in eine ältere

Phase des Pleistozäns gehören als die deutlich erkennbaren

Moränenwälle.

Die gegenwärtige Darstellung beschränkt sich bewußt

auf die eindeutigen, an den Geländeformen sicher erkennbaren

Spuren ehemaliger Gletscher. ERGENZIN­

GER (1965) teilt eine Fülle zusätzlicher Beobachtungen

mit. Für die weitere Erforschung bietet gerade das

Tal des Reschwassers und seiner Zuflüsse gute Ansatzpunkte,

da hier Gletscherspuren anzutreffen sind,

die vermutlich aus verschiedenen Phasen der Eiszeit

stammen.

4.3.2 Andere eiszeitliche Bildungen

4.3.2.1 Verfestigter Schutt

Bereits in seiner ersten Veröffentlichung (1928) berichtete

PRIEHÄUSSER über Ablagerungen in den

Hochlagen des Arbergebietes, die er als Bildungen am

Grunde des Firneises deutete und für die er später die

Bedeutung "Firneisgrundschutt" verwendete.

Die Beobachtungen PRIEHÄUSSERs über die speziellen

Verwitterungsdecken der Hochlagen wurden zunächst

heftig bezweifelt (RATHSBURG 1930), haben

sich jedoch voll bestätigt und gehören heute zum festen

Bestand unseres gesicherten Wissens. Dagegen

ist die Deutung dieses Befundes durch PRIEHÄUSSER

bis heute umstritten. Mehrere Autoren (WOLDSTEDT

1958, BRUNNACKER 1965, STETINER 1958) erwägen

eine Erklärung des Phänomens durch eiszeitliche Solifluktion.

157


Das Vorhandensein von Gletschern während der Eiszeit

beweist, daß damals die oberen Teile des Bayerischen

Waldes verfirnt waren. So einleuchtend deshalb

und aufgrund einer Reihe anderer Argumente PRIE­

HÄUSSERs Hypothese von der Entstehung des Firneisgrundschuttes

ist, konnte doch das Problem der

Entstehungsweise dieser Ablagerungen noch nicht

eindeutig gelöst werden. In der vorliegenden Arbeit

wird daher statt "Firneisgrundschutt" der rein beschreibende

Begriff "verfestigter Schutt" gebraucht.

Die Kennzeichen des verfestigten Schuttes sind:

- in einer sandig-grusigen Grundmasse sind in der

Regel zahlreiche Steine und Blöcke eingelagert; die

Bodenart der Grundmasse ist schwach lehmiger

Sand oder Grus,

die Steine liegen im geneigten Gelände hangparallel

orientiert auf ihrer flachen Seite; auf Verebnungen

und Rücken ("Firnbodenschutt" nach PRIEHÄUS­

SER) ist eine Orientierung nur schwach erkennbar

oder sie fehlt,

die Steine tragen oberseits eine Lehmhaut, unten

sind sie sauber; das rührt offenbar von der Durchschlämmung

feinen Bodenmaterials her,

die Grundmasse ist zementartig verfestigt. Der verfestigte

Schutt ist daher in frischem Zustand selbst

mit dem Pickel nur schwer zu bearbeiten. Herausgehackte

Brocken lassen sich in der Hand leicht zerbröckeln

und zerfallen zu schwach lehmigem Sand

oder Grus. Der Ton- und Schluffanteil ist zwischen

die gröberen Gemengteile dicht eingeschlämmt

(BAUBERGER, mdl. Mitt.). Trotzdem kann der verfestigte

Schutt nicht insgesamt als verdichtet bezeichnet

werden, denn er hat zahlreiche, mit freiem

Auge erkennbare Poren. Nähere Aufschlüsse läßt

die Untersuct:IUng der von BAUBERGER angefertigten

Dünnschliffe erwarten.

die verfestigte Grundmasse läßt ein der Geländeoberfläche

parallel orientiertes, blättriges Gefüge

erkennen. In dieser Richtung spaltet das Material

bei mechanischer Beanspruchung bevorzugt auf.

Besonders gut erkennbar wird der schichtige Aufbau

dort, wo verfestigter Schutt vom Wasser erodiert

ist.

Der verfestigte Schutt tritt regelmäßig in folgendem

Schichtenverband auf:

158

- 0,3-1,5 m lockere, sandig-lehmige Deckschicht,

meist skelettreich; Steine liegen stets

unorientiert in der Grundmasse aus feinerem

Material und tragen oberseits

keine Lehmhaut. Eine Umformung

durch Bodenbildung, die das Substrat

erfahren hat, wird nach der Tiefe zu

schwächer,

- 0,5-5 m (wahrscheinlich auch noch mehr) verfestigter

Schutt mit den oben beschriebenen

Merkmalen, in einer nicht weiter

auftrennbaren Schicht oder in mehreren

nach Färbung, Skelettgehalt usw. verschiedenen

Schichten,

- 1-1,5 m verzogener Zersatz mit deutlichem

"Hakenschlagen" an Hängen; im flachen

Gelände Hakenschlagen undeutlich

oder fehlend. Einzelne eingebettete

Steine hangparallel, oberseits mit Lehmhaut;

wechselnde im allgemeinen

schwache Verfestigung.

- bis mehrere Meter mächtiger, ungestörter Zersatz

in situ, nach unten allmählich in festes

Gestein übergehend.

Die untere Grenze des verfestigten Schuttes ist fließend;

der Profilaufbau legt den Schluß nahe, daß dieser

Bereich - nach oben hin zunehmend - von den Vorgängen

mit erfaßt wurde, die zu Bildung des verfestigten

Schuttes geführt haben. Die Obergrenze des verfestigten

Schuttes kann scharf sein oder einen allmählichen

Übergang erkennen lassen. In letzterem Fall tritt

eine Zwischenzone auf, in der der Schutt nicht mehr

verfestigt ist, aber die hangparallele Orientierung der

Steine und die oberseitige Lehmhaut noch erkennen

läßt. Der Profilaufbau spricht hier für eine Auflockerung

des verfestigten Schuttes durch die von oben her wirkenden

Kräfte der Verwitterung.

PRIEHÄUSSER hat (1958) versucht, das den verfestigten

Schutt überlagernde Material (lockere Deckschicht)

als Ausschmelzungsprodukt aus dem von

oben her abtauenden Firneis zu erklären. Danach hätte

sich auf dem Firneis eine Art Obermoräne gebildet, die

durch den Zerfall der letzten Eisreste mit wirrer Lagerung

der Steine auf die unter dem Firneis gebildeten

Schichten abgesetzt worden wäre. Gegen eine solche

Deutung bestehen aber erhebliche Bedenken:


1. Die Hypothese von PRIEHÄUSSER kann alle die Fälle

nicht erklären, in denen ein allmählicher Übergang

vom verfestigten Schutt zu der lockeren Deckschicht

zu beobachten ist.

2. Die außerordentlichen Unterschiede in der Mächtigkeit

der lockeren Deckschicht beruhen nur zu einem

unwesentlichen Teil auf klein räumigem Wechsel, in

der Hauptsache haben sie eine ganz klare Beziehung

zu der Höhenlage und dem Geländerelief. Mit

zunehmender Höhenlage nimmt die Dicke der lokkeren

Oberschicht allgemein ab. Dieser Zusammenhang

wird allerdings durch das Relief sehr stark

abgewandelt. Nur eine ganz geringe Stärke von

durchschnittlich 0,4 bis 0,6 m hat die lockere Deckschicht

in den flachen Hochlagen. Wo die wenig geneigten

Hochlagenflächen mit einem Geländeknick

in die steilen Hänge übergehen, nimmt sie sprunghaft

zu. Werden steile Süd hänge - wie z. B. in der

Umgebung der Racheldiensthütte - nach unten hin

wieder flacher, so nimmt auch die Mächtigkeit des

unausgerichteten, lockeren Schuttes wieder ab. An

Süd hängen ist die lockere Zone viel mächtiger als

an Nordhängen gleicher Höhenlage.

Die Tiefenlage der Obergrenze des verfestigten Schuttes

ist von einschneidender Bedeutung für die Ökologie

der Böden; sie fand deshalb und weil sie mit dem

Bohrstock bis 1 m Tiefe nachweisbar ist bei der Abgrenzung

der Bodenformen Verwendung. Aus Karte

15 und 11 ist daher zu entnehmen, auf welchen Flächen

die Mächtigkeit der lockeren Deckschicht zwischen

0,3 und 0,6 und auf welchen Flächen sie zwischen

0,6 und 0,9 m beträgt. Wurde außerhalb dieser

kartierten Fläche verfestigter Schutt mit dem Bohrstock

oder an Aufschlüssen festgestellt, so ist das in

der Karte durch eine Signatur kenntlich gemacht.

Diese Beobachtungen lassen es fraglich erscheinen,

ob die von PRIEHÄUSSER angenommene Entstehungsweise

zutrifft. Näher läge es wohl, in der Deckschicht

mit unausgerichteten Steinen die Verwitterungsrinde

des verfestigten Schuttes zu sehen. Diese

wäre nach Aufhören derjenigen Bedingungen entstanden,

die zur Bildung des verfestigten Schutts geführt

haben. Durch Auffrieren und vielleicht auch eine gewisse

Wanderung des Materials am Hang - also durch Solifluktionserscheinungen

im weitesten Sinne - wäre die

wirre Lagerung der Steine zustande gekommen.

Vergleicht man die Karte der Bodenformen mit der

Karte der Schneedecke vom 3. März 1972, so zeigt sich

- vielfach bis in die Einzelheiten hinein - eine Gemeinsamkeit:

wo der Schnee am längsten liegt, ist die lockere

Oberschicht am dünnsten. Langanhaltende

Schneebedeckung bedeutet einen weitgehenden

Schutz des Bodens vor den Wirkungen des Frostes.

Dieser Umstand stützt die Vermutung, daß die unterschiedliche

Mächtigkeit der lockeren Oberschicht eine

Folge unterschiedlicher Intensität der Frostverwitterung

ist. Es ergäbe sich so eine in sich widerspruchsfreie

Erklärung der oben angeführten Beobachtungen.

Bis heute ist nicht eindeutig entschieden, ob der verfestigte

Schutt seine Entstehung dem Firneis oder speziellen

Solifluktionsvorgängen verdankt. Eine endgültige

Klärung könnte wohl nur die unmittelbare Beobachtung

der Bildung entsprechender Ablagerungen in

heutiger Zeit bringen. So einleuchtend die Hypothese

von PRIEHÄUSSER in vielen Punkten ist, fehlt doch dieser

entscheidende Punkt zu einem schlüssigen Beweis.

Eine Diskussion über die Genese des verfestigten

Schuttes ist hier nicht beabsichtigt. Es sollen jedoch im

Folgenden einige Beobachtungen über seine Verbreitung

mitgeteilt werden, die für weitere Überlegungen

bedeutsam werden könnten.

Die Feststellungen über die Verbreitung des verfestigten

Schuttes im Nationalparkgebiet stimmen weitgehend

mit den Angaben PRIEHÄUSSERs überein, ergänzen

diese aber noch durch einige Einzelheiten. Der

verfestigte Schutt überzieht in wechselnder Mächtigkeit

von 0,5 bis mehrere Meter die gesamten oberen

Lagen des Inneren Bayerischen Waldes. Unterbrochen

ist er nur dort, wo Fels an der Erdoberfläche ansteht

und an einigen Stellen im östlichen Teil des Gebietes,

an denen er entweder nicht abgelagert oder durch

spätere Einwirkungen wieder abgeräumt worden ist.

Die untersten beobachteten Vorkommen des verfestigten

Schuttes liegen beispielsweise in der Umgebung

der Racheldiensthütte (876 m), in der breiten

Mulde der Weitau (Gebiets-Abschn. 111,810 m) und im

Tal des Sagwassers bei 850 m. Das stimmt gut mit der

Untergrenze von durchschnittlich 800 bis 830 m überein,

die PRIEHÄUSSER (1958 a) angibt.

Verfestigter Schutt tritt nur an Bergen auf, die eine gewisse

Mindesthöhe überschreiten. Am WaIdhäuserriegel

mit 1151 m ist er noch deutlich entwickelt, an dem

mit relativ steilen Hängen bis 1011 mansteigenden

159


Stein berg wurde er nicht mehr festgestellt. Dagegen

tritt geringmächtiger verfestigter Schutt auf den breiten

Höhenrücken auf, die außerhalb des Nationalparkes,

östlich von Finsterau die Grenze gegen Böhmen

bilden und Höhen zwischen 1000 und 1066 m erreichen.

Auch das stimmt mit den Angaben PRIEHÄUS­

SERs überein.

Verfestigter Schutt wurde auch an sehr steilen Hängen,

so im obersten Teil der Rachelseewand bei Hangneigungen

zwischen 30 und 400 angetroffen.

4.3.2.2 Frost- und AieBerden

c. TROLL (1944, 1947, 1948) hat in verschiedenen Erdteilen

die Frostbodenformen und ihre Abhängigkeit

vom Klima studiert. Dadurch haben sich unsere Kenntnisse

wesentlich erweitert. Es steht heute fest, daß das

Fließen eines mit Wasser übersättigten Erdbreies über

einem dauernd gefrorenen Untergrund nur eine unter

mehreren Möglichkeiten der Solifluktion ist. Er definierte

daher (1947): "Solifluktion im weitesten Sinne ist

die Erscheinung, daß unter der Wirkung langdauernder,

jahreszeitlicher oder kurzdauernder, sich häufig

wiederholender bis allnächtlicher Gefrornis des Bodens

eine lebhafte Verlagerung der Bodenteilchen

stattfindet, die sich auf ebenem Gelände in der Bildung

von Bodenstrukturen oder Bodentexturen (Frostgefügeböden),

auf geneigtem Gelände auch bei ganz geringem

Gefälle in einem beträchtlichen hangabwärts gerichteten

Massentransport (Frostbodenversetzung)

äußert."

So betrachtet, wird eine einfache Unterscheidung von

Frost- und Fließerden unmöglich. Alle Böden, die ohne

den Schutz einer mächtigen Schnee- oder Firndecke

den Wirkungen des eiszeitlichen Klimas ausgesetzt

waren, müssen durch Vorgänge der Solifluktion geprägt

sein. Je nach Geländeform und Geländeklima

wird entweder die Zu- oder die Abfuhr der durch die

Verwitterung gebildeten Feinerde überwogen haben.

Es ist auch denkbar, daß an Hängen der Abtransport

nach unten und der Nachschub von oben sich in etwa

die Waage hielten.

Wenn man - beispielsweise als Kartierer - für jeden

Teil eines größeren Geländes feststellen soll, ob eine

Fließerde oder eine Frosterde vorliegt, dann wird rasch

klar, daß es - jedenfalls ohne spezielle Untersuchungen

- an zuverlässigen Kriterien für eine Unterschei-

160

dung fehlt. Mit einiger Sicherheit lassen sich nur diejenigen

Bereiche abtrennen, in denen eindeutig der Abtransport

bzw. die Akkumulation überwogen hat. Der

erste Fall ist an steilen Oberhängen, auf Gipfeln und

Kuppen gegeben. Das zeigt sich auch darin, daß hier

die verlehmte Zone der Böden weniger mächtig ist als

in Mulden und an Unterhängen, wo aufgrund der Geländeform

nur eine Akkumulation des durch die Solifluktion

transportierten Materials stattgefunden haben

kann. In solchen Fließerde-Akkumulationsbereichen

sind die Böden bindiger, sie enthalten weniger Steine,

Sand und Grus, dafür aber mehr Schluff- und Tonsubstanz

als in anderen Bereichen. Eine Verdichtung dieser

Böden ist jedoch nur festzustellen, wenn besondere

Umstände hinzukommen. Das ist der Fall in unmittelbarem

Kontakt mit den Naßböden, wo sich häufig verdichtete

Lagen unterhalb 60 cm Tiefe finden. Diese

und noch andere Beobachtungen deuten darauf hin,

daß auch unter periglazialen Bedingungen die gut drainierten

Böden sich grundsätzlich anders verhalten haben

als die Böden, bei denen der Abzug des Wassers

nach unten gehemmt oder unterbunden war. Möglicherweise

bildeten sich in beiden Fällen verschiedene

Formen der Solifluktion heraus.

Alle bisherigen Versuche der genetischen Deutung

heute vorhandener Verwitterungsdecken im Inneren

Bayerischen Wald gehen von einigen unsicheren Voraussetzungen

aus. Die jetzt vorliegende Karte der Bodenformen

könnte bei der Klärung der offenen Fragen

mithelfen.

4.3.2.3 BlockschuH

Blockschutt spielt im Bayerischen Wald in Form von

Blockmeeren, Blockhalden, Blockströmen und der

Blocküberlagerung der Hänge eine große Rolle. Wegen

seiner Bedeutung für die Vegetation ist der Blockschutt

in den Karten Nr. 15 und 11 in mehreren Stufen

dargestellt. Sieht man von der in gewissen Bereichen

durchwegs mehr oder minder starken Blocküberlagerung

der Hänge ab, und konzentriert man sich auf diejenigen

Flächen, auf denen Block an Block liegt (Bodenformen

Nr. 1, Nr. 2 und auf Teilflächen Nr. 5), so

zeigt sich folgendes:

1. Die Blockschuttmassen treten vor allem im Gebiet

des Granits auf; im Gneis sind sie sehr viel seltener;


5.Böden

5.1 Methode der Bodenkartierung

Es war das Ziel der Standortserkundung, eine Karte der

Böden zu liefern, die nach ökologischen Gesichtspunkten

aufgebaut ist. Die Einheiten für die Bodenkartierung

waren daher so zu definieren, daß sie möglichst

gleichartige Wachstumsbedingungen für die Vegetation

umreißen.

Das in Mitteleuropa übliche System der Gliederung in

Bodentypen ist hierfür wenig geeignet. Es hebt zwar

die bodengenetischen Zusammenhänge hervor, bringt

aber die ökologischen Eigenschaften der Böden nur

ungenügend zum Ausdruck. Kleine Unterschiede in

der Dynamik des Oberbodens, die ökologisch belanglos

sind, bedingen vielfach bereits eine andere Einordnung

in das System. Weitgehend unberücksichtigt

bleiben dagegen Bodenart und Gefüge, die durch ihre

Wirkungen auf die Nährstoffversorgung der Pflanzen

und das Bodenklima entscheidende standörtliche Bedeutung

haben.

Der Kartierung wurde daher eine Gliederung der Böden

nach Bodenformen zugrundegelegt. Entscheidend

für die Zuordnung zu einer Bodenform sind im

Nationalpark mit seinen petrographisch wenig differenzierten

Substraten die Bodenart, das Gefüge und

die Gründigkeit, sowie die Horizontierung der Böden,

soweit sie als ökologisch wesentlich angesehen wurde;

das ist z. B. bei Naßböden und bei Podsolen der Fall.

Darüber hinaus gibt die Karte weitere Einzelheiten boden

genetischer oder ökologischer Art durch Signaturen

wieder. Es sollten die bei der Bodenkartierung im

Gelände gewonnenen Informationen möglichst vollständig

festgehalten werden, im Sinne einer "Bestandsaufnahme"

des Bodens (MÜCKENHAUSEN 1952, zitiert

nach EHWALD 1966 a). Deshalb ist der Bodentyp,

soweit er nicht aus der Definition der Bodenform hervorgeht,

mit Hilfe einer Signatur dargestellt. Die Karte

der Bodenformen kann daher auch als Bodentypenkarte

gelesen werden. So ist der Anschluß an

BRUNNACKER (1965 a, 1965 b) gewahrt und ein Vergleich

mit PELISEK (1969) möglich.

Das gewählte Verfahren schließt sich eng an die Methoden

an, wie sie in Nordamerika angewandt werden.

Die in der Karte enthaltenen Informationen würden

auch die Einordnung in ein System der Böden ermöglichen,

wiees EHWALD (1966a, 1966b) und seine Mitarbeiter

entwickelt haben; EHWALD definiert die Boden-

162

form durch Angabe des Substrates und des genetischen

Bodentyps und bringt so sowohl die bodensystematische

Stellung, als auch die für die Praxis wichtigen

ökologischen Eigenschaften unmittelbar zum Ausdruck

(EHWALD 1966 a).

Die Gliederung der Böden wurde an einer Serie von rund 180

Bodeneinschlägen (Abk.: E) entwickelt und dann - nach einer

probeweisen Anwendung bei der Kartierung - festgelegt. Als

Grundlage der Aufnahme diente eine Pause der Karte

1 :1 0 000 mit Höhenlinien und dem gesamten forstlichen Detail.

Bodenprofile wurden duch einen Helfer des Kartierers

mit einem 1 m langen Bohrstock nach PÜRKHAUER gewonnen.

Die Ergebnisse jeder Bohrung sind durch Ziffern und Zeichen

möglichst umfassend auf der Karte festgehalten. Grenzen

der auszuscheidenden Bodenformen waren sofort bei

der Geländearbeit festzulegen. Hierbei und bei der Wahl der

Bohrstellen bot die Beobachtung der Vegetation wertvolle

Hilfe. Es wurde jedoch darauf geachtet, daß die Grenzziehung

streng nach den Definitionen der Bodenformen, nicht

nach dem Bewuchs, vor sich ging. Hiervon machten nur die

Bodenformen Hochmoor und Übergangsmoor eine Ausnahme,

bei denen zur Ausscheidung die Vegetation mit herangezogen

wurde.

Ziel der Bodenkartierung war es, neben einer Einteilung nach

ökologischen Gesichtspunkten eine möglichst umfassende

Bestandsaufnahme der Böden zu liefern. So können mit Hilfe

der Bodenkarte wohl auch Fragen beantwortet werden, die

bei deren Aufnahme gar nicht gestellt waren; dies dürfte vor

allem für glazialgeologische Probleme zutreffen (siehe Karte

Nr. 15 und Nr. 11).

5.2 Beschreibung der Bodenformen

Die vorkommenden Bodenformen ordnen sich zwanglos

in drei Gruppen:

1. Fels- und Blockböden

2. Sand- und Lehmböden

3. Naßböden

Die Böden der ersten Gruppe sind geprägt durch das

flächige Auftreten von Fels oder Grobskelett in Form

von Blöcken. Die Sand- und Lehmböden erhalten ihren

Charakter durch die mineralische Feinerde, der ein

wechselnder Anteil an Skelett beigemengt ist.

Die Böden der beiden ersten Gruppen haben sich außerhalb

(terrestrische Böden), die Böden der dritten

Gruppe innerhalb des ständigen Einwirkungsbereiches

des Grundwassers gebildet (semiterrestrische

Böden). Im Sinne von EHWALD (1966 b) wären die bei-


den ersten Gruppen zu den anhydromorphen, die dritte

Gruppe zu den hydromorphen Böden zu rechnen.

Die Naßböden werden nach dem Anteil an mineralischer

und organischer Substanz untergliedert.

Zur Benennung der Bodenformen werden Kurzbezeichnungen

verwendet. Diese dienen nur der raschen

Verständigung und stellen keine Definition dar.

5.2.1 Fels- und Blockböden

Blockschuttmassen geben großen Flächen am steilen

Abfall des Böhmerwaldkammes das Gepräge. Es ist

standörtlich sehr bedeutsam, ob Felsblöcke ein Gelände

dicht oder weniger dicht überlagern. Bei der Kartierung

wurde daher getrennt in Blockböden und blocküberlagerte

Böden. Bei den Blockböden liegen die

Felsblöcke dicht nebeneinander, meist auch noch

übereinander. Zwischen ihnen befinden sich entweder

Hohlräume oder humose Füllungen. Die Wurzeln der

Bäume beschränken sich auf das humose Füllmaterial

oder müssen dieses durchstoßen, bevor sie die mineralische

Feinerde erreichen. Zu den Blockböden gehören

die anschließend zu besprechenden Blockfelder

und Block-Humus-Böden, die als eigene Bodenformen

ausgeschieden sind.

Auf blocküberlagerten Böden wurzeln die Bäume in

humosen, sandig-lehmigen Substraten; Blöcke überdecken

das Gelände mehr oder weniger dicht, werden

aber nicht in demselben Maß ökologisch wirksam, wie

bei den Blockböden. Blocküberlagerung wird daher

nur als Signatur wiedergegeben, die mit verschiedenen

Bodenformen kombiniert werden kann. Bedecken

Blöcke weniger als schätzungsweise 10% einer überschauben

Fläche, so erscheint das Zeichen für schwache

Blocküberlagerung. Nehmen sie mehr als 10% der

Fläche ein, rücken aber noch nicht so eng zusammen,

daß ein Blockboden entsteht, so wird die Signatur für

starke Blocküberlagerung gesetzt.

Die Signaturen für Blocküberlagerung haben gleichzeitig

eine zweite Bedeutung. Bei der Kartierung mit

dem Bohrstock ist es kaum möglich, den Skelettgehalt

zutreffend anzusprechen. Auch wenn der Bohrstock

bei wiederholtem Einschlagen mehrmals auf Steine

trifft, sagt das noch nicht viel. Andererseits gelingt die

Bohrung häufig in sehr skelettreichen Böden erstaunlich

leicht. Das hängt damit zusammen, daß Größe und

Form der Steine eine entscheidende Rolle spielen. Ein-

zeine große Blöcke oder flachliegende Gesteinsplatten

hindern das Eintreiben des Bohrstocks mehr als ein

besonders hoher Gehalt an kleineren Steinen Beobachtungen

an Bodeneinschlägen haben nun aber gezeigt,

daß in dem gesamten Gebiet, in dem Blocküberlagerung

vorkommt, die Böden stark steinig (30-75

Vol. % Skelettanteil) sind. Wo die Blocksignatur auf

größeren Flächen fehlt - das ist vor allem im Bereich

der Vorberge der Fall, wo der Zersatz des Ausgangsmaterial

für die Bodenbildung liefert - ist meist nur ein

schwacher oder mittlerer Steingehalt der Böden gegeben.

Eine Ausnahme hiervon machen nur die Hochlagen,

in denen zwar häufig nur eine geringe oder keine

Blocküberlagerung zu beobachten ist, wo aber die Böden

stets stark steinhaltig sind.

5.2.1.1 Blockfeld

Übereinander gehäufte lose Blöcke von 0,5-2,0 m

Kantenlänge, zwischen denen die Hohlräume noch

nicht mit organischer oder mineralischer Feinerde ausgefüllt

sind, charakterisieren die Bodenform Blockfeld.

Der überwiegende Teil der Blockfelder ist lediglich von

Flechten bewachsen. Nur wo sich zwischen den Blökken

bereits etwas humoses Material gesammelt hat,

können Latschen, krüppelhafte Fichten und Ebereschen,

begleitet von Heidelbeeren, Preiselbeeren und

Moosen Fuß fassen. Niemals erreichen jedoch die Bestände

der Gehölze eine solche Höhe und Dichte, daß

man von einem Wald sprechen könnte.

Es ist also kein durchgehender humoser A-Horizont

gegeben, sondern ein Ai-Horizont, der wenigstens von

Flechten belebt ist. Es liegt daher der Bodentyp Rohboden

vor.

Blockfelder haben sich fast nur aus Granit entwickelt,

Gneis neigt anscheinend weniger zu blockiger Absonderung

und ist nicht hinreichend verwitterungsbeständig.

Blockfelder bedecken nur geringe Flächen, vor allem

in den Hochlagen und den sonnseitigen oberen

Hanglagen (Tab. 57). In den unteren Hanglagen und

Tallagen kommen sie nich vor. Stets treten sie in Gipfellagen

(am bekanntesten ist das Blockfeld auf dem

Lusengipfel) oder an steilen Hängen auf. Sie werden

von den Rändern her sehr langsam vom Fichtenwald

erobert, sobald sich genügend humoses Material angesammelt

hat.

163


Urwälder der Hanglagen haben sich vor allem halten können,

wo das Holz schwer bringbar ist.

Foto: H. Bibelriether

164


5.2.1.4 Fels-Lehm-Mosaik

Anstehender Fels im kleinflächigen Wechsel mit steinigem,

sandigem Lehm kommt nur auf geringen Flächen

im Nationalparkgebiet vor; die Bodenform tritt in den

oberen und unteren Hanglagen auf, ist aber in den

Hoch- und Tallagen kaum zu finden. Fels-Lehm-Mosaik

ist typisch für Gipfel und Grate. Gneise oder Granite

können hier regelrechte Felsburgen bilden. Zwischen

diesen sind Böden aus mineralischer Feinerde anzutreffen;

auch in den Klüften hat sich häufig Feinmaterial

gesammelt. Es wechseln also Rohböden mit Braunerden

oder Podsol-Braunerden ab.

Die Felspartien werden, soweit sie überhaupt Bäume tragen,

von Fichten, selten Bergahornen und Tannen eingenommen.

Auf den lehmigen Teilen zwischen den Felsen gedeihen alle

in der entsprechenden Höhenlage vorkommenden Baumarten.

Auch die Felsanteile der Bodenform Fels-Lehm-Mosaik

erfordern ständig den Schutz durch den WaIdbestand,

damit Feinerdeverluste vermieden werden. Es

handelt sich also hier ebenfalls um Schutzwald.

5.2.1.5 Block-Lehm-Mosaik

Block-Humus-Boden in kleinflächigem Wechsel mit

steinigen, sandig-grusigen Lehmböden nimmt große

Flächen im Nationalparkgebiet ein (Tab. 57). Der Anteil

an Block-Humus-Boden kann zwischen 10 und 90%

schwanken. Bedecken Block-Humus-Böden weniger

als 10% der Fläche, so ist nur die Signatur für starke

Blocküberlagerung gesetzt. Werden 90% Flächenanteil

überschritten, so ist ein Block-Humus-Boden kartiert.

Block-Lehm-Mosaik hat den Schwerpunkt seiner

Verbreitung in den sonnseitigen oberen Hanglagen; in

den Hochlagen ist es weniger häufig, in unteren Hanglagen

und Tallagen findet man es nur vereinzelt. Bemerkenswert

und wohl auch für die Frage der Entstehung

bedeutsam ist die Beobachtung, daß die Block­

Humus-Böden stets auf konkaven, die lehmigen Böden

auf konvexen Geländeteilen anzutreffen sind. Im

übrigen gilt für den Anteil an Block-Humus-Böden, das

bereits in Abschnitt 5.2.1.2 Gesagte. Die stark steinigen,

sandigen Lehmböden, die zwischen den Block­

Humus-Böden vorkommen, sind nicht weiter unterglie-

dert; ihre Eigenschaften stimmen weitgehend mit denen

der benachbarten Sand- und Lehmböden überein,

sie sind also beispielweise in der oberen Hanglage

meist als Lockerbraunerden entwickelt. Außerdem treten

- vor allem in den Hochlagen - Podsol-Braunerden,

Braunerde-Podsole und Podsole auf.

5.2.2 Sand- und Lehmböden

Den weitaus größten Teil, nämlich fast drei Viertel der

Fläche des Nationalparkgebietes, nehmen Sand- und

Lehmböden mit mehr oder minder großem Steingehalt

ein (Tab. 57). Sie lassen eine deutliche Zonierung nach

der Höhenlage erkennen, die sich teils im Bodensubstrat,

teils im Bodentyp, häufig in beiden zugleich bemerkbar

macht. Das Geländerelief wandelt vielfach die

Höhenlage der Zonen bestimmter Bodenformen ab.

Die gesetzmäßige Verbreitung bestimmter Bodenformen

ermöglicht bei bekannter Höhenlage, Exposition

und Hangneigung ziemlich sichere Voraussagen über

die in einem bestimmten Bereich vorhandenen Böden.

Um die Zusammenhänge deutlich zu machen, ist die

Abb. 39 gezeichnet worden, die zweckmäßigerweise

beim Lesen des nachfolgenden Textes verwendet

wird. Die Ergebnisse über die höhenabhängige Verbreitung

bestimmter Bodenformen decken sich im

wesentlichen mit denen von BRUNNACKER (1965 a,

1965 b) und PELISEK (1969). Eine ausführliche Besprechung

der Bodenzonierung folgt im Abschn. 5.5.

5.2.2.1 Sand und Schotter

Nur auf ganz geringen Flächen und zwar fast ausschließlich

in den TalJagen, kommen Böden vor, bei denen

auf weniger als 30 cm Bodentiefe die Bodenart

Lehm festzustellen ist. Lehm bedeutet hier - wie auch

sonst in dieser Arbeit - nur, daß die Feinerde zu einer

bleistiftdicken Wurst ausrollbar ist. Bei der Bodenform

Sand und Schotter, die fast nur auf sandig-kiesigen

Talsedimenten auftritt, ist häufig überhaupt kein Lehm

im Oberboden zu finden, das Substrat ist durchwegs

sandig oder kiesig.

Trotz ihrer geringen Verbreitung wurden die Sand- und

Schotterböden als eigene Bodenform ausgeschieden,

weil zu vermuten ist, daß sie außerhalb des Nationalparkgebietes,

im Bereich größerer Flüsse, auf wesentlichen

Flächen vorkommen.

167


Bodentypologisch handelt es sich in der Regel um Podsol-Braunerden,

nur selten um Braunerden. In der Karte

erfolgt die Unterscheidung durch Signatur.

Die physikalischen Eigenschaften der Sandböden,

nämlich gute Durchlüftung, Durchlässigkeit, geringe

Wasserkapazität, machen sich sicherlich in der

Wuchsleistung der Baumarten bemerkbar. Das Beobachtungsmaterial

ist aber vorläufig noch zu gering für

weitere Aussagen.

5.2.2.2 Lehm über Sand

Eine 30 bis 60 cm mächtige, zu Lehm verwitterte Zone

über einem sandig-grusigen Unterboden ist kennzeichnend

für die Bodenform Lehm über Sand. Der

Lehm ist stets sandig bis stark sandig, der Skelettgehalt

in der Regel gering bis mittel. Das rührt daher, daß

diese Böden sich meist aus dem Zersatz entwickelt haben

und zwar im Nationalparkgebiet fast ausschließlich

aus Gneiszersatz. Die Bodenform hat deshalb

auch ihre Hauptverbreitung auf den flachen Vorbergen.

Mittlere Reliefenergie ist die Voraussetzung für die

Entstehung dieser Bodenform. In ausgesprochen flachem

Gelände haben sich bereits mächtigere Lehmzonen

entwickelt. In steilem Gelände ist vielfach die

Verwitterungsdecke bis auf das feste Gestein entfernt.

Im Bereich mittlerer Reliefenergie hat eine mäßige Bodenabtragung

zur Bildung geringmächtiger Lehmzonen

geführt. Im flachwelligen Hügelgelände der unteren

Hanglagen und Tallagen, sowie in schwach bis mäßig

geneigten Hochlagen im NO-Teil des Nationalparkgebietes

sind daher diese Böden am weitesten verbreitet.

Sie nehmen jedoch nur etwas über 2% der Gesamtfläche

ein (Tab. 57).

Mit zunehmender Seehöhe steigt bei dieser Bodenform

der Humusgehalt und die Tendenz zur Podsolierung

nimmt zu. Der Humus kann sowohl als Rohhumus

dem Boden aufliegen als auch - besonders deutlich bis

zur Untergrenze der Verlehmung - im Mineralboden

stecken. Bis etwa 1000 bis 1100 m Seehöhe kommen

fast nur Braunerden vor. Eine Ausnahme machen lediglich

die Tallagen, in denen die Tendenz zur Podsolierung

stets stärker ist als in den Hanglagen; hier findet

man immer wieder auch Podsol-Braunerden (Signatur).

Diese treten oberhalb 1100-1000 m stärker auf

und sind vor allem in den Hochlagen häufig. Die Boden-

form Lehm über Sand ist im Nationalparkgebiet fast

ausschließlich aus Gneiszersatz hervorgegangen. Außerhalb

des Untersuchungsgebietes, östlich von Finsterau,

kommen auf größerer Fläche die entsprechenden

Substrate aus Granit entstanden vor. Diese lassen

eine wesentlich stärkere Podsolierung erkennen als

sie im Bereich des Gneiszersatzes festzustellen ist.

Die physikalischen Eigenschaften der Bodenform

Lehm über Sand sind aus ihrem Aufbau ableitbar. Wasser

wird hauptsächlich in der verlehmten Zone gespeichert,

im unterliegenden sandigen Material des Zersatzes

versickert es rasch. Diese Böden sind infolgedessen

stets gut nach unten drainiert. Sie trocknen im

Frühjahr nach der Schneeschmelze rasch ab und erwärmen

sich frühzeitig. Die Durchlüftung reicht bis in

größere Bodentiefen, wie auch die Wurzeln der Fichte

anzeigen, die über einen Meter tief, also in den noch

kaum verlehmten Zersatz, eindringen. Wegen der relativ

geringen Speicherkapazität dieser Böden ist die

Wasserversorgung des Waldes in Trockenzeiten weniger

gut als bei der Bodenform Lehm.

In der ursprünglichen Zusammensetzung des Waldes sind

keine Unterschiede gegenüber den Böden mit einer mächtigeren

verlehmten Zone nachweisbar. Auffälligerweise haben

aber die Untersuchungen der Waldinventur 1971 bei der Bodenform

Lehm über Sand einen wesentlich stärkeren Rotfäule-Befall

der Fichte festgestellt als bei der Bodenform Lehm.

5.2.2.3 Lehm

Die Bodenform Lehm hat die stärkste Verbreitung, sie

nimmt ziemlich genau die Hälfte der Fläche des Nationalparkgebietes

ein. In den Tallagen, wo die Naßböden

konzentriert auftreten, bleiben für den Lehm nur rd. 40,

in den unteren Hanglagen rd. 75 und in den oberen

Hanglagen rd. 60% der Fläche übrig. In den Hochlagen

finden sich nur noch ganz vereinzelte Vorkommen

(Tab. 57).

Definitionsgemäß muß der Boden auf mehr als 60 cm

Tiefe ein Lehm sein, d. h. zu einer bleistiftstarken Wurst

ausgerollt werden können. Der Lehm ist in der Regel

ein sandiger Lehm.

In der Umgebung der Naßböden, besonders in den Tallagen,

sind die Lehme oft unterhalb 60 cm Tiefe, selten

auch höher herauf, verdichtet; sie weisen dann häufig

auch nur einen geringen Sand- und Steingehalt auf.

169


Damit verbunden ist manchmal eine vom Stauwasser

herrührende Fleckung im tieferen Unterboden. Die

Verdichtung der Lehmböden ist jedoch ein Ausnahmefall,

der sich auf kleinere Flächen beschränkt.

Sandige Lehme mit geringem Skelettgehalt kommen

vor allem in den Tallagen und unteren Hanglagen großflächig

vor, wo die Karte keine Blocküberlagerung verzeichnet.

Stets sind diese Böden oben bindiger als unten.

Häufig ist zwischen 60 und 90 cm Tiefe nur noch

ein lehmiger oder schwach lehmiger Sand anzutreffen,

was ebenfalls durch eine Signatur festgehalten ist.

In Bereichen mit Blocküberlagerung und fast durchgehend

oberhalb etwa 900 m sind die Lehme stark steinhaltig;

häufig ist auch der Sand- und Grusgehalt recht

hoch. Vereinzelt tritt hier sogar Lehm über Sand inselartig

auf.

Die Braunerde großer Entwicklungstiefe ist der

herrschende Bodentyp. Nur selten - und dann durch

Signatur gekennzeichnet - kommen Podsol-Braunerden

vor. Diese konzentrieren sich auf die Tallagen, die

Hangtäler und die Hochlagen. Etwa ab 900 m Meereshöhe,

wo das Gelände steiler zum Grenzkamm des Gebirges

anzusteigen beginnt, wandelt sich das Erscheinungsbild

der Braunerden. Ihre Farbe geht von ockergelb

bis ockerbraun allmählich zu einem tiefen Braun

über, wie das auch in der Arbeit von PELISEK (1969)

zum Ausdruck kommt. Alle Braunerden im Nationalparkgebiet

sind mehr oder minder locker; eine Ausnahme

machen nur diejenigen Bereiche in der Umgebung

der Naßböden, in denen eine Signatur Verdichtung der

Böden angibt. Oberhalb etwa 900 m werden aber nun

die Lehme ganz besonders locker. Hier fällt die Feinerde

entweder von selbst wieder aus dem Bohrstock

oder kann mit dem Finger leicht herausgewischt werden.

Wenn das auf etwa 60 cm Tiefe der Fall war, wurde

in der Karte die Signatur für ausgeprägte Lockerheit

gesetzt. Erstaunlicherweise verlieren diese Böden die

beschriebenen Eigenschaften auch dann nicht, wenn

sie stark durchfeuchtet sind. Möglicherweise hängt

das mit der außerordentlich intensiven und tief hinunterreichenden

Einmischung von Humus in den Mineralboden

zusammen, die eine gute Krümelung der Böden

herbeiführt und auch zu der dunklen Färbung beiträgt.

BRUNNACKER (1965 a, 1965 b) hat zur Kennzeichnung solcher

Böden den Begriff Lockerbraunerde erstmals auf den

Bayerischen Wald übertragen. Die kartenmäßige Abgrenzung

der Lockerbraunerde nach dem oben genannten stren-

170

gen Maßstab liefert eine Untergrenze diese Bodentyps in etwa

900 m Höhe; das deckt sich gut mit den Ergebnissen, die

BRUNNACKER bei der bodenkundlichen Aufnahme von Blatt

Zwiesel (1965 a) erhielt.

Der gesamte Bereich der Bodenform Lehm in der oberen

Hanglage - also oberhalb 900 m - wird ganz überwiegend

von der Lockerbraunerde eingenommen. Da

die ausgeprägte Lockerheit ein Merkmal ist, das keine

scharfe Abgrenzung gestattet, ist auf Grenzlinien in

der Karte verzichtet worden. Die Signatur macht auch

die Verbreitung der ausgeprägten Lockerheit in Abhängigkeit

vom Geländerelief besser deutlich. Die Lokkerheit

ist an Sonnhängen typischer entwickelt als an

Schatthängen und an steilen Hängen typischer als bei

geringer Geländeneigung. Daraus ergibt sich eine enge

Vergesellschaftung mit den Blockböden. Die Annahme

liegt nahe, daß ähnliche Vorgänge während der

Eiszeit bei der Entstehung von Blockböden und Lokkerbraunerden

mitgewirkt haben.

Wo Lehm noch in den Hochlagen vorkommt, fehlt ihm

die ausgeprägte Lockerheit. Häufig hat er zwar auch

eine tiefbraune Farbe und einen sehr hohen Humusgehalt,

das Gefüge ist aber nicht mehr ausgeprägt locker

und krümelig, sondern bröckelig oder schmierig. Hiervon

gibt es zwei Ausnahmen: an den steilen Südhängen

des Lusen und des Platten hausen reicht Lehm mit

ausgeprägter Lockerheit noch ein Stück weit in die

Hochlagen hinauf.

Das Erscheinungsbild der Bodenform Lehm, einschließlich

der Lockerbraunerde, ist auf Graniten ganz

ähnlich wie auf Gneisen. Es wird sich zeigen, ob analytische

Untersuchungen wesentliche Unterschiede ergeben.

Ökologisch unterscheiden sich die Braunerden vor allem

durch ihr Gefüge. Wo Bodenverdichtung auftritt

kann zeitweilig - vor allem im Frühjahr - der Wasserabzug

gehemmt sein, was zu Vernässung und ungenügender

Durchlüftung führt. Die große Masse der sandigen

Lehme ist jedoch infolge der nach unten hin abnehmenden

Bindigkeit gut drainiert und durchlüftet,

was auch die tief hinunterreichende Durchwurzelung

der Fichte erkennen läßt.

Außerordentlich günstig ist die Bodenstruktur der Lokkerbraunerden

für Wald bäume. Die Wurzeln aller

Baumarten dringen tief ein und machen sich einen großen

Bodenraum für ihre Wasser- und Nährstoffversorgung

nutzbar. Zu bemerken ist, daß die Buche noch in


Tiefen von mehr als 1 m den Boden sehr intensiv erschließt.

Der Vergleich von Wuchsleistung, Konkurrenzkraft und Ansamungsfähigkeit

der Buche auf verschiedenen Bodenformen

in der oberen Hanglage zeigt, daß diese Baumart durch

die Lockerbraunerde begünstigt wird. Sie verjüngt sich beispielsweise

noch in 1200 m Höhe auf Lockerbraunerden üppig,

auf podsoliertem Lehm über Granitgrus, wie er östlich

des Nationalparks vorkommt, dagegen bereits in 1000 m Höhe

nur noch schlecht. Daraus geht hervor, daß die Buche in

der oberen Hanglage nicht nur vom Klima, sondern eindeutig

auch vom Boden her im Vorteil ist. Trotz ihrer starken Siedlungstendenz

bleibt die Buche jedoch mit zunehmender Seehöhe

hinter der Fichte im Höhenwuchs immer mehr zurück.

5.2.2.4 Lehm mit Wasserzug

Eine Übergangsform zwischen dem Lehm und dem mineralischen

Naßboden stellt die Bodenform Lehm mit

Wasserzug dar. Das Bodensubstrat ist stets ein sandiger

Lehm mit wechselndem, meist mittlerem Steingehalt.

Im Unterboden zwischen 40 und 100 cm Tiefe

macht sich Wassereinfluß durch Fleckung oder Graufärbung

bemerkbar. Es handelt sich also um den Bodentyp

Gley-Braunerde (reichen die Spuren des Wassereinflusses

höher herauf, so ist mineralischer Naßboden

kartiert).

Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in den unteren

Hanglagen; seltener tritt die Bodenform in Tallagen

und in oberen Hanglagen auf (Tab. 57). Von wenigen

Ausnahmen abgesehen, findet sich der Lehm mit Wasserzug

in hängigem Gelände, die Benennung ist daher

gerechtfertigt. Es gibt Bereiche, in denen die Bodenform

im kleinflächigen Wechsel mit Lehm und mineralischem

Naßboden auftritt, so beispielweise in den Abteilungen

Rehdobel und Rehstand des Gebiets­

Abschn. IV. Charakteristisch sind für solches Gelände

die zahlreichen, kleinen Bachgerinne. Der rasche

Wechsel der Bodenformen läßt hier erkennen, daß

Wasser auf stauender Unterlage nahe der Bodenoberfläche

bergab zieht. Über die Natur dieser stauenden

Unterlage ist noch nichts Näheres bekannt.

Ökologisch zeichnet sich der Lehm mit Wasserzug

durch hinreichende Durchlüftung und durch eine besonders

nachhaltige Wasserversorgung aus. Wo die

Bodenform im günstigen Klima der unteren Hanglage

vorkommt, dürften die Waldbäume ihre größte Wuchskraft

entfalten. Bereits bei der ersten Waldinventur

rühmte man die gewaltigen Mischbestände aus Fichte,

Tanne und Buche, und "die vorzügliche Güte des Waldbodens".

5.2.2.5 Tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt

Schon im Bereich der Bodenform Lehm hatte der einen

Meter lange Bohrstock hin und wieder verfestigten

Schutt erfaßt; durch Signaturen ist das festgehalten. Je

mehr man sich der Hochlagengrenze nähert, desto

häufiger tritt verfestigter Schutt in 60 bis 90 cm Tiefe

auf. Ein stark steiniger, sandig-grusiger Lehm bildet

das darüberliegende Bodensubstrat.

Die Bodenform überdeckt den Bereich, in dem das

mehr oder minder steile Gelände der oberen Hanglage

zu den Hochlagen hin zu verflachen beginnt (Abb. 39).

Unterhalb des "Hangknicks" sind über dem in 60 bis 90

cm Tiefe anstehenden, verfestigten Schutt noch typische

Lockerbraunerden entwickelt. Oberhalb behalten

zwar die Böden ihre tiefbraune Farbe und zeigen einen

sehr hohen Humusgehalt, ihr Gefüge ist aber brökkelig

bis schmierig, es läßt die krümelige Struktur der

Lockerbraunerde vermissen. Zugleich mit der typischen

Lockerbraunerde erreicht die Buche die Obergrenze

ihres flächigen Vorkommens (Horste, Gruppen).

Die obere Verbreitungsgrenze der Lockerbraunerde

zeigt also eine klare Beziehung zur heutigen

Waldvegetation, wie auch zur Zusammensetzung der

ursprünglichen Wälder (vgl. Abschn. 7.4.2). Die Obergrenze

der Lockerbraunerde wurde daher zu einer verfeinerten

Abtrennung der Höhenstufe "Hochlage" herangezogen.

Diese Grenze verläuft in der Regel innerhalb

der Bodenform tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt.

Der enge Zusammenhang zwischen Geländeform und

Tiefenlage des verfestigten Schutts ist bereits in

Abschn. 4.3.2.1 geschildert worden. So verwundert es

nicht, daß tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt auch innerhalb der Hochlagen immer wieder in

steilem Gelände auftritt, ebensowenig, daß diese Bodenform

an Nordhängen wesentlich weiter hinunterreicht

als an Südhängen.

An Bodentypen treten Lockerbraunerde, Braunerde

mit hohem Humusgehalt und mit zunehmender Seehöhe

auch Podsol-Braunerden auf. Wesentliche Unterschiede

zwischen Gneis und Granit konnten nicht

171


eobachtet werden.

Der verfestigte Schutt ist nicht eigentlich verdichtet,

sondern zeigt mit freiem Auge sichtbare Poren. Er wirkt

aber zu Zeiten großen Wasserangebotes, so während

der Schneeschmelze, als Wasserstauer, da das Wasser

das überliegende lockere Material wesentlich rascher

durchsickern kann als den verfestigten Schutt.

Für die Wurzeln der Bäume stellt der verfestigte Schutt

ein kaum zu durchdringendes Hindernis dar. Die

Durchwurzelung endet daher in der Regel auf dieser

Sohle. Je mehr der verfestigte Schutt sich der Oberfläche

nähert, desto stärker wird der verfügbare Wurzelraum

eingeengt. Die Beobachtungen sprechen dafür,

daß die Sperrschicht das Wachstum der Fichte nicht

erkennbar, das Wachstum der Buche aber stark beeinträchtigt.

5.2.2.6 Mittelgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt

Mittelgründiger Lehm über verfestigtem Schutt ist die

typische Bodenform der Hochlagen (Tab. 57). Der verfestigte

Schutt steht in 30 bis 60 cm Tiefe an. Darüber

liegt stark steiniger, sandig-grusiger Lehm.

Nur selten kommen Braunerden vor. Der herrschende

Bodentyp ist die Podsol-Braunerde. Der Auswaschungshorizont

ist häufig wegen seines hohen Gehaltes

an schwarzem Humus nur schwer zu erkennen. Die

darunter liegenden Horizonte (B und B v ) haben eine

kräftige rostbraune Farbe, die sich gegen das helle

Graugelb des verfestigten Schuttes deutlich abhebt.

Die tiefbraune Farbe wird mindestens zu einem Teil

durch organische Substanz verursacht.

Das Gefüge ist bröckelig bis schmierig. Mehr oder minder

mächtige Rohhumusauflagen sind kennzeichnend

für die Bodenform. Der Grad der Einarbeitung von

schwarzem Humus in den Mineralboden wechselt

stark. Im Durchschnitt sind diese Böden reich an Humus.

Ist der Gehalt an organischer Substanz im Oberboden

überdurchschnittlich groß, sei es durch aufliegenden

Rohhumus oder in den Mineralboden eingearbeiteten

Humus, ist das durch eine Signatur in der Karte

vermerkt. Solche Humusanreicherungen wurden in

den höchsten Lagen, vor allem an Schatthängen, gefunden.

Die Bodenform tritt auf Gneisen und Graniten auf, ohne

daß erhebliche Unterschiede festzustellen wären.

172

Die Verebnungen, die Nordhänge und die höchsten

Teile der Hochlagen werden fast ausschließlich von

dieser Bodenform eingenommen. An steilen Hängen,

vor allem Sonnhängen, liegt der verfestigte Schutt in

der Regel tiefer (siehe Abschn. 4.3.2.1).

Der verfestigte Schutt läßt das Sickerwasser schwerer

durch als das darüberliegende Bodenmaterial. Bei großem

Wasserangebot kommt es daher zu zeitweiligem

Wasserstau. Fallen im Spätherbst, wenn die Verdunstung

bereits gering ist, reichlich Niederschläge, so füllen

sich Bodeneinschläge im mittelgründigen Lehm

über verfestigtem Schutt allmählich mit Wasser. In

noch stärkerem Maß ist das bei der Schneeschmelze

im Frühjahr der Fall. Mit dem Einsetzen einer stärkeren

Verdunstung verschwindet das Wasser aus den Boden

einschlägen. Nach starken Regenfällen im Sommer

war nie eine Wasserfüllung zu beobachten. Trotz

des zeitweiligen Wasserstaus ist in den Böden i. a. keine

Fleckung oder Graufärbung erkennbar.

Zu Zeiten des Wasserstaus tritt Luftmangel in den Böden

auf. Die Wassersättigung verzögert außerdem die

Erwärmung im Frühjahr. Der verfestigte Schutt hemmt

den Tiefgang der Wurzeln. All diese Umstände beeinträchtigen

die Fichte wenig, führen aber offenbar zum

weitgehenden Ausfall der Buche, die nur noch in geringwüchsigen,

von Flechten besetzten Exemplaren

auf dieser Bodenform anzutreffen ist.

Liegen mittelgründiger Lehm über verfestigtem Schutt

und Lehm bei gleicher Höhenlage und Exposition nebeneinander,

wie das beispielsweise am BÖhmsteig

vorkommt, so finden wir auf Lehm in etwa 1170 m Höhe

noch ansehnliche Buchenbestände, auf mittelgründigem

Lehm über verfestigtem Schutt nur mehr Fichte

mit unterständiger Buche. Das Beispiel zeigt eindringlich,

wie stark die obere Verbreitungsgrenze der Buche

im Bayerischen Wald durch die Bodenverhältnisse

modifiziert wird. Mittelgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt kommt vereinzelt noch in Höhenlagen um

1000 m vor; auch hier wächst die Buche nur noch kümmerlich,

während sie sich auf Lockerbraunerden in

über 1200 m Höhe noch zu ansehnlichen Bäumen entwickelt.

5.2.2.7 Gebleichter, mittelgründiger Lehm über

verfestigtem Schutt

Der gebleichte, mittelgründige Lehm über verfestig-


Die Bergfichtenwälder der Hochlagen stocken auf anderen

Böden (v. a. mittelgründiger Lehm über verfestigtem Schutt),

als die Wälder der Hanglagen.

Foto: H. Bibelriether

173


tem Schutt unterscheidet sich von der vorigen Einheit

nur durch den Grad der Podsolierung. Waren bei der

zuletzt besprochenen Bodenform Podsol-Braunerden

und Braunerden vorhanden, so sind hier Braunerde­

Podsole oder Podsole charakteristisch. Als Abgrenzungskriterien

gegen die vorige Einheit dienten die

Mächtigkeit des Bleichhorizontes von mindestens

6 cm und das Vorhandensein eines deutlichen Anreicherungshorizontes.

Die Bodenform kommt nur auf unbedeutenden Flächen

in den höchsten Lagen, vor allem auf breiten Gipfelkuppen

und Rücken vor. Für die Wald bäume sind

keine wesentlichen ökologischen Unterschiede gegenüber

der vorigen Einheit zu erkennen. Möglicherweise

zeichnet die übrige Vegetation stärker. Die Bodenform

wurde vor allem ausgeschieden, um die bodengenetischen

Zusammenhänge klar zu machen und

den Anschluß an BRUNNACKER (1965 a) zu wahren.

5.2.3 Naßböden

Naßböden, die sich im ständigen Einwirkungsbereich

des Grundwassers entwickelt haben, nehmen fast ein

Viertel der Fläche des Untersuchungsgebietes ein. Sie

sind in allen Höhenstufen verbreitet, am stärksten jedoch

in den Tallagen, wo die Hälfte der Fläche zu dieser

Gruppe gehört (Tab. 57).

Häufig hat man die Naß böden durch Gräben ober- '

flächlich entwässert; die Hauptgräben sind in der Karte

jeweils eingezeichnet.

Anders als bei den Mineralböden haben wir bei den

Mooren noch keine ausreichenden Kriterien zur Abgrenzung

ökologischer Einheiten nach den Merkmalen

der Bodensubstrate. Außer dem Zersetzungsgrad des

Torfs und der Geländeform muß daher die Vegetation

zur Ausscheidung der Bodenformen mit herangezogen

werden. In der gegenwärtigen Arbeit wurde vor allem

das Vorkommen und die Wuchskraft der Baumarten

hierfür verwendet. Das Ergebnis ist nur als eine

"Vorsortierung" der Moore zu werten. Genauere vegetationskundliche

Untersuchungen ermöglichen sicherlich

eine feinere Untergliederung. Wesentliche

ökologische Unterschiede zeigen sich aber auch

schon darin, daß beispielsweise eine Baumart in gutem,

in geringem oder nur mehr in krüppeligem Wuchs

vorkommt.

174

5.2.3.1 Mineralischer Naßboden

Zu dieser Bodenform zählen die Gleye, Anmoorgleye

und Moorgleye. Gleye und Anmoorgleye sind bei der

Kartierung nicht unterschieden, vor allem deshalb, weil

die Abschätzung von 15-30% organischer Substanz

im A-Horizont zu unsicher ist. Organische Auflagen bis

10 cm Stärke waren zulässig. Naß böden mit einer organischen

Auflage (d. h. mehr als 30% organischen Substanz)

von 10 bis 20 cm Mächtigkeit, die mit den vorher

beschriebenen Gleyen und Anmoorgleyen in kleinflächigem

Wechsel auftreten und daher nicht kartenmäßig

abgetrennt werden können, sind durch eine Signatur

dargestellt.

Bei den bisher besprochenen Gleyen fehlt ein deutlicher

Go-Horizont. Das ist im Untersuchungsgebiet

auch die Regel. Tritt ein deutlicher Go-Horizont auf, so

ist das ebenfalls durch Signatur dargestellt. Dieselbe

Signatur wird zur Kennzeichnung von Braunerde­

Gleyen verwendet, bei denen A- und Bv-Horizont zusammen

weniger als 40 cm mächtig sind (siehe auch

Abschn. 5.2.2.4).

Die Art des mineralischen Substrats ist bei Naßböden

ökologisch weniger bedeutsam, sie wurde daher nicht

als Unterscheidungsmerkmal herangezogen. Man

kann jedoch davon ausgehen, daß die mineralischen

Naßböden überwiegend einen steinigen, sandigengrusigen

Lehm enthalten. Nur in den jüngsten Taisedimenten

kommen hin und wieder sandige und kiesige

Substrate vor.

Blocküberlagerung ist häufig und durch Signatur festgehalten.

Einen Sonderfall stellen die Block-Humus­

Böden an Hängen über nassem Untergrund dar. Hier

liegen die Blöcke dicht neben- oder übereinander. Humuspolster

überziehen die Blöcke. Unter den Blöcken

rieselt oder gurgelt das Wasser auf dem nassen Untergrund

dahin. Die Fichte wird als einzige Baumart mit

den ungewöhnlichen Bodenverhältnissen fertig. Nur

der geringe Flächenanteil hat daran gehindert, eine besondere

Kartierungseinheit für diesen ökologisch eigenartigen

Boden auszuscheiden. Er erhielt jedoch

eine besondere Signatur.

In der Übergangszone zwischen Braunerden und

Gleyen findet man immer wieder Böden mit einem

Pseudogley-Profil. Sieht man genauer zu, so stellt man

fest, daß auf engstem Raum nach der einen Seite hin

Gleye, nach der anderen Seite Braunerden anschlie-


ßen, es wäre also nicht möglich, die schmale Übergangszone

in der Karte zu erfassen. Jedoch gibt es Geländesituationen,

bei denen Böden mit Pseudogleyprofil

größere, kartierbare Flächen am Rand der Gleye

einnehmen. Das kann zum Beispiel auf terrassenartigen

Verebnungen vorkommen, die mit einem nebenan

den Hang herunterziehenden Gley Kontakt haben

oder bei etwas höher liegenden flachen Randzonen

von Gleyen. Die Geländesituation spricht dafür, daß es

sich hier nicht um selbständige Pseudogleye, sondern

um Randpartien von Gleyen handelt, die zu Zeiten starker

Wasserführung vom Naßboden her unter Wasser

gesetzt werden. Läßt die Wasserführung des Gleys

nach, dann verlieren diese Böden den hohen Wassergehalt.

Dafür spricht auch, daß derartige Böden stets

nur im Kontakt mit Gleyen gefunden worden sind. Diese

wechselfeuchten Böden sind daher zur Bodenform

mineralischer Naßboden gestellt, von dieser aber

durch eine Signatur unterschieden worden.

Ein einziges Beispiel für einen echten Pseudogley fand

sich in der Ausdehnung von wenigen Ar im Gebiets­

Abschn. 111, auf der Kuppe eines aus Serpentinit bestehenden

Hügels. Das ist nur wegen der bodengenetischen

Zusammenhänge interessant, jedoch für die

Kartierung ohne Bedeutung.

Mineralische Naßböden finden sich in den verschiedensten

Geländesituationen, so auf hochgelegenen

Verebnungen, an Hängen im Zusammenhang mit Wasseraustritten

und in flachen Talmulden.

Der hohe Wasserstand bestimmt die ökologischen Eigenschaften

der Naßböden. Luftmangel der Wurzeln tritt vor allem

als begrenzender Faktor für das Vorkommen von Baumarten

in Erscheinung und bewirkt die ausgesprochene Flachwurzeligkeit

und damit große Windwurfgefährdung der vorherrschenden

Fichte. Die Tanne, die hier noch gedeiht und

ein tiefreichendes Wurzelwerk entwickelt, hat besondere Bedeutung

für die Stabilität der Bestände. Lediglich auf Naßböden

an stärker geneigten Hängen, die offenbar nicht ganzjährig

von Wasser gesättigt sind, kommt die Buche vereinzelt

vor, besonders im Unter- und Zwischenstand.

5.2.3.2 Flaches Niedermoor

Wo der Umsatz der organischen Substanz im Oberboden

stockt, entwickelt sich auf Naßböden ein Niedermoor.

Es wird stets noch von dem aus mineralischen

Substraten austretenden Wasser erfaßt. Nach der be-

stehenden Übereinkunft (Arbeitskreis für Standortskartierung

1966) wird ab 20 cm Mächtigkeit des H-Horizontes

ein Niedermoor ausgeschieden. Da sich mit

zunehmender Stärke des organischen Materials die

ökologischen Bedingungen verändern, wurden flache

bzw. mittlere und tiefe Niedermoore getrennt.

Flache Niedermoore kommen vor allem in breiten, vernäßten

Mulden aller Höhenlagen vor. Sie finden sich

außerdem als kleinflächige Quellmoore unmittelbar an

Wasseraustritten in den Hängen. In den Tallagen bedecken

Niedermoore weit größere Flächen als in den

anderen Höhenstufen.

Die organische Substanz ist in der Regel gut zersetzt

(Humositätsgrade H 6-9 nach VON POST, in OVER­

BECK 1950). Geringer Zersetzungsgrad (H 4-5) ist in

der Karte durch Signatur angegeben.

Die Vernässung dieser Böden läßt die Fichte, die allerdings

sehr durch Windwurf gefährdet ist, zur herrschenden Baumart

werden. Die Tanne geht mit zunehmender organischer

Auflage mehr und mehr zurück. Die Niedermoorböden haben

- wie erwähnt - stets Anschluß an Wasser, das aus mineralischen

Substraten austritt und daher in nennenswerter Menge

gelöste Mineralstoffe mitführt. Die Fichten erreichen deshalb

hier noch gute Wuchsleistungen. Hiervon gibt es jedoch

Ausnahmefälle dort, wo flache Niedermoore in unmittelbarem

Kontakt mit Übergangs- oder Hochmooren vorkommen.

Da diese in der Regel höher liegen, gelangt von ihnen vermutlich

mineralstoffarmes Wasser zu den Niedermooren. Vor allem

in den unteren Lagen des Gebiets-Abschn. 11 sind solche

Fälle häufiger zu beobachten. Die Wuchsleistung der Fichte

ist hier geringer als auf selbständigen Niedermooren.

5.2.3.3 Mittleres und tiefes Niedermoor

Mittlere (60-100 cm) und tiefe (über 100 cm) organische

Auflage (H-Horizont) der Niedermoore sind ökologisch

nahezu gleichwertig, weil in bei den Fällen die

Wurzeln der Bäume nicht mehr zum Mineralboden vordringen

können. Es wurde daher nur eine Bodenform

gebildet. Wie beim flachen Niedermoor ist auch beim

mittleren und tiefen Niedermoor die organische Substanz

gewöhnlich gut zersetzt (H 6-9); andernfalls

zeigt dies eine Signatur in der Karte an.

Mittleres und tiefes Niedermoor kommt in allen Höhenstufen,

am großflächigsten jedoch in den Tallagen vor,

wo flache vernäßte Mulden günstige Voraussetzungen

für die Moorbildung bieten.

175


Offenbar ist auch aus dem mittleren und tiefen Niedermoor

noch eine erhebliche Zufuhr von Wasser aus mineralischen

Substraten gegeben. Anders wäre es kaum verständlich, daß

die Fichte hier noch mittleres bis gutes Wachstum zeigt. Wo

unmittelbarer Kontakt zu Übergangs- und Hochmooren besteht,

die vermutlich mineralstoffarme Wässer aussenden,

geht die Wuchsleistung zurück, wie bereits bei den flachen

Niedermooren erwähnt. Selbstverständlich wurzelt die Fichte

nur sehr flach und ist stark windwurfgefährdet. Die Tanne

kommt nur noch ganz vereinzelt vor.

5.2.3.4 Hochgelegenes Quellmoor

Einen eigenartigen und in seinen ökologischen Bedingungen

noch ungeklärten Moortyp stellt das hochgelegene

Quellmoor dar. Es tritt nur in den Hochlagen und

den obersten Hanglagen (etwa oberhalb 1050 m) auf.

Austretendes Grundwasser verursacht die Bildung

dieser Moore. Die Mächtigkeit der organischen Auflage

ist in der Regel gering (20-60 cm), nur selten ist ein

mitteltiefer (60-100 cm) H-Horizont zu beobachten.

Da das Quellmoor meist von zahlreichen Bachgerinnen

durchzogen wird, schwankt die Tiefe der organischen

Auflage auf kurze Entfernungen erheblich. Das

angehäufte organische Material ist stets nur schlecht

zersetzt (H 3-5).

Das ganze Moor ist stark von Wasser durchrieselt. Da

dieses aus regelrechten Quellen stammt, also Mineralstoffe

mitführen muß, ist das hochgelegene Quellmoor

als Niedermoor einzustufen. Es unterscheidet sich jedoch

von den Quellmooren tieferer Lagen erheblich in

seinem Pflanzenbestand. Während die Fichte selbst

auf ziemlich nassen Quellmooren tieferer Lagen wüchsige

Bestände bildet, ist auf dem hochgelegenen

Quellmoor nur noch eine ganz schüttere, kümmerliche

Fichtenbestockung zu finden. Wo die organische Auflage

größere Mächtigkeit erreicht (60-100 cm) und

sich über die Umgebung etwas aufwölbt, fehlt kleinflächig

der Baumbestand, es finden sich hier bereits typische

Hochmoorpflanzen.

Nur genauere Untersuchungen könnten die ökologischen

Zusammenhänge klären. Die Beschränkung dieses

Moortyps auf die höheren Lagen spricht dafür, daß

das Klima eine entscheidende Rolle spielt; auch die

niedrige Temperatur des austretenden Quellwassers

dürfte mitwirken.

176

5.2.3.5 Übergangsmoor

Beginnen Teile eines Moores sich durch anhaltendes

Wachstum über ihre Umgebung aufzuwölben, so wird

allmählich der Kontakt zum Wasser des Mineralbodens

geringer und geht schließlich ganz verloren. Diese

Entwicklung gibt sich durch einschneidende Veränderungen

in der Vegetation zu erkennen.

Als Übergangsmoore sind in der Standortskarte diejenigen

Moorflächen ausgeschieden, die eine beginnende

Aufwölbung über ihre Umgebung erkennen lassen

und auf denen der Torf schlecht zersetzt ist (H etwa 3-

5). Diese Kriterien sind jedoch nicht eindeutig genug;

deshalb wurde die Vegetation zur Abgrenzung mit herangezogen.

Auf den Niedermooren stocken noch Fichtenbestände

von guter oder mittlerer Wuchsleistung.

An der Grenze zu den Übergangsmooren geht die

Wuchskraft der Fichte stark und fast schlagartig zurück.

Diese erstaunlich scharfe Grenze wurde zur Abgrenzung

des Übergangsmoores mit verwendet. Die

geringe Wuchs- und Konkurrenzkraft der Fichte auf

den Übergangsmooren führt dazu, daß sie Lichtbaumarten,

wie Moorbirke und Wald kiefer als ständige Begleiter

dulden muß. Wegen der Abgrenzung der Übergangsmoore

gegen die Hochmoore siehe Abschn.

5.2.3.6.

Übergangsmoore umgeben die Hochmoore oder kommen

als selbständige Einheiten vor. Sie sind vor allem

in den Tallagen, weniger in den Hochlagen und kaum in

den Hanglagen verbreitet. Flache, großflächige, vernäßte

Mulden sind die Voraussetzung für die Entstehung

dieses Moortyps. Übergangsmoore tragen nur

selten eine mittlere (60-100 cm), meistens eine tiefe

(über 100 cm) Torfauflage.

Mineralstoff- und Sauerstoffarmut bei gleichzeitig

starker Versauerung kennzeichnen die Bodenform

Übergangsmoor. Die Fichte vermag nur ganz flach zu

wurzeln. Trotzdem fällt sie hier seltener dem Sturm

zum Opfer, als auf den Niedermooren, weil sie nur geringe

Höhen erreicht.

5.2.3.6 Hochmoor

Wölben sich Teile eines Moores deutlich über ihre Umgebung

auf, so entsteht in ihnen schließlich ein nur vom

Regenwasser gespeister, vom Grundwasser aus mineralischen

Substraten unabhängiger Wasserkörper. Ex-


Den Sprossenden Bärlapp (Lycopodium annotinum) findet

man häufig in der Bodenvegetation der Bergfichtenwälder.

Foto: H. Bibelriether

177


5.4 Humusverhältnisse

Es ist schwierig, für größere Flächen zutreffende Beschreibungen

der Humusverhältnisse zu geben. Schon

auf kleinstem Raum, bei Entfernungen von einigen Metern,

sind oft große Unterschiede festzustellen. Neben

den primären Eigenschaften eines Standorts, wie sie

durch Grundgestein und Bodensubstrat einerseits und

das spezielle Kleinklima andererseits charakterisiert

werden, spielen dessen sekundäre, biologisch bedingte

Eigenschaften eine Rolle für den Humuszustand. Die

Zusammensetzung und das Alter von Waldbeständen

und die Zusammensetzung der Bodenvegetation üben

beispielsweise einen Einfluß aus. Als tertiär könnte

man diejenigen Eigenheiten eines Standortes bezeichnen,

die der Mensch, etwa durch Streunutzung, verursacht

hat. All diese Umstände wechseln von Ort zu Ort

und variieren die Humusverhältnisse.

Im folgenden Absatz soll daher nur versucht werden,

den Humuszustand nach Höhenstufen zu beschreiben.

Soweit möglich, werden Alter und Zusammensetzung

der Waldbestände berücksichtigt. Die Darstellung

beschränkt sich auf die Sand- und Lehmböden.

Bei Fels- und Blockböden und bei Naßböden sind die

Humusverhältnisse in der Bodenform berücksichtigt.

Als Grundlage dient eine tabellarische Zusammenstellung

der Humusverhältnisse an 97 Bodeneinschlägen

auf Sand- und Lehmböden. Ausgewählt wurden nur

Profile mit ungestörtem Humus in mittelalten und älteren

Beständen. Für diese sind die Humusform und die

Mächtigkeit der 0L-, 0F-, 0H-Lage festgehalten. Die

Mächtigkeit der 0F- und der OH-Lage zusammen wird

im folgenden kurz als "Humusmächtigkeit" bezeichnet.

Im folgenden Abschnitt wird nur von dem Humus gesprochen,

der dem Mineralboden als Decke aufliegt.

Über den Humusgehalt der Mineralböden wird in

Abschn. 5.5.1.2 berichtet. Ausdrücklich soll aber betont

werden, wie schwierig die Abgrenzung der 0H-Lage gegen

den humosen Mineralboden (Ah-Horizont) häufig

ist. Gerade bei den sehr feinhumusreichen organischen

Decken in den Hochlagen ist hier bei der Ansprache

im Gelände häufig keine überzeugende

Grenzziehung möglich, weil der Übergang ganz allmählich

erfolgt. Die Angaben der Humusmächtigkeit

sind daher nur relativ grobe Weiser.

Die typische Humusform der Hochlagen ist der Rohhumus;

Moder tritt nur vereinzelt auf. In diesen kühlen La-

gen, wo fast die Hälfte des Jahres eine Schneedecke

liegt (siehe Abschn. 3.1.9.2) baut sich in den von Natur

aus fast reinen Fichtenbeständen die organische Substanz

nur verzögert ab. Die Humusmächtigkeit (OF +

0H-Lage) schwankt zwischen 2 und 19 cm und beträgt

im Durchschnitt von 21 Bodeneinschlägen 8,1 cm. Typisch

sind mächtige Humusstofflagen.

Von den Hochlagen zu den Oberen Hanglagen tritt eine

rasche Änderung ein, wie sie auch bei der Dauer der

Schneebedeckung und bei der Vegetation festzustellen

ist. Im gesamten Bereich der Hanglagen ist Moder

die vorherrschende Humusform unter Nadelholzbestockung.

Rohhumus ist selten. Zwischenformen von

Rohhumus und Moder kommen öfter, Zwischenformen

zwischen Moder und Mull nur selten vor. Die Humusmächtigkeit

unter Nadelholz erreicht in den oberen

Hanglagen Werte von 1,5-7 cm im Durchschnitt

von 12 Fällen 3,0 cm.

In den unteren Hanglagen lauten die entsprechenden

Zahlen 0,5 bis 6,0 cm, im Mittel von 24 Bodeneinschlägen

2,8 cm. Unter vorherrschendem Laubholz bewegt

sich die Humusform zwischen Mull und Moder, Mull tritt

nur in den unteren Hanglagen vereinzelt auf. Die Humusmächtigkeit

liegt in den oberen Hanglagen unter

Laubholz zwischen 0,5 und 3,0 cm, im Mittel von 15 Fällen

bei 1,5 cm, ist also wesentlich geringer als unter Nadelholz.

Für die übrigen Höhenstufen stehen keine Vergleichszahlen

von Laub- und Nadelholzbeständen zur

Verfügung.

In den Tallagen ist die Humusform Moder ebenfalls am

häufigsten, daneben treten aber auch Rohhumus und

Zwischenformen dieser beiden häufiger auf, als in den

Hanglagen. Moderartiger Mull und mullartiger Moder

sind hier nur selten. Die Humusmächtigkeit unter vorherrschendem

Nadelholz ist mit 0,5 bis 7,5 cm, im

Durchschnitt von 19 Beobachtungen 3,4 cm, größer als

in den Hanglagen. Inwieweit hierfür primäre, vom Bodensubstrat

oder dem Klima ausgehende Ursachen

oder das starke Überwiegen des Nadelholzes in den

Tallagen eine Rolle spielen, ist nicht zu sagen.

Parallel zu den Nadelproben von 1970 wurden auch

Humusproben (Mischproben der 0F- und OH-Lage)

gewonnen. Aus Tab. 59 gehen die ph-Werte, die Kohlenstoffgehalte,

die Stickstoffgehalte und die C/N-Verhältnisse

hervor. Gerade das C/N-Verhältnis ist ein

wichtiger Weiser tür die Qualität des Humus und die Intensität

der in ihm vorgehenden Umsetzungsprozesse.

179


Die ermittelten C/N-Verhältnisse liegen in Wald beständen

durchwegs zwischen 16 und 26, im Durchschnitt

um 20, zeigen also noch einen relativ guten Umsatz

der organischen Substanz in der Bodendecke an,

wie der folgende Vergleich mit den Ergebnissen anderer

Autoren zeigt. STREBEL (1960) fand in Mischproben

aus der 0F- und OH-Lage bayerischer Fichtenbestände

C/N-Verhältnisse zwischen etwa 14 und 38. Bei

C/N-Verhältnissen unter etwa 26 rechnet er mit ausreichender

Stickstoff-Ernährung der Fichte. EHRHARDT

(1961) ermittelte für Fichtenbestände in 550-1930 m

Seehöhe in den Zentralalpen C/N-Verhältnisse zwischen

22 und 33.

Es ist auffallend, daß sich im Nationalparkgebiet trotz

unterschiedlichen Humuszustandes zwischen den einzelnen

Höhenstufen keine wesentlichen Unterschiede

im C/N-Verhältnis ergaben. Auch eine graphische Darstellung

läßt keine Abhängigkeit des C/N-Verhältnisses

von der Höhenlage erkennen. Im gesamten Höhenbereich

schwanken die C/N-Verhältnisse um 20, mit

wenigen Ausnahmen liegen sie zwischen 16 und 24.

Geht man den Werten zwischen 24 und 26 näher nach,

so stellt sich heraus, daß sie ausschließlich von Proben

aus ortsnahen Beständen in den unteren Lagen stammen.

Daraus ergibt sich der Verdacht, daß hier die

Streunutzung eine gewisse Rolle gespielt hat.

Daß auch im Nationalparkgebiet Bodenstreu genutzt wurde,

ist sicher. Aus dem Jahre 1837 existiert beispielsweise eine

Streunutzungsinstruktion für den IIz-Triftkomplex, aus den

folgenden Jahren gibt es Streunutzungspläne und -nachweisungen

der Forstämter. Sowohl aus den Streunutzungsplänen,

wie aus dem beigefügten Text ergibt sich, daß nur siedlungsnahe

und gut erschlossene Waldteile betroffen waren.

Die Nachweisungen über die Streunutzung seit der Mitte des

vorigen Jahrhunderts zeigen, daß die entnommenen Streumengen,

beispielsweise im Vergleich zur Oberpfalz, relativ

gering waren. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß in siedlungsnahen

Bereichen die Streunutzung eine gewisse Veränderung

der Standorte bewirkt haben dürfte. Die eiN-Verhältnisse

im Humus, die den Wert 26 nicht überschreiten, zeigen

jedoch, daß kein einschneidender Wandel eingetreten ist. Für

alle siedlungsfernen und schlecht erschlossenen Waldteile

kann eine nennenswerte Beeinflussung des Humus durch

Streunutzung ausgeschlossen werden. Das ist über den

Bayerischen Wald hinaus von Bedeutung, da solche vom

Menschen wenig veränderte Standorte in Mitteleuropa nur

selten zu finden sind.

180

5.5. Bodenzonierung bei den Sand- und Lehmböden

5.5.1 Höhenabhängige Zonen

Beschäftigt man sich mit den Böden des Inneren Bayerischen

Waldes, so bemerkt man rasch, daß sich aus

vergleichbarem Ausgangsmaterial je nach der Höhenlage

ganz verschiedene Böden entwickelt haben. Am

deutlichsten ist das an den Sand- und Lehmböden zu

erkennen.

In zwei Arbeiten hat BRUNNACKER (1965 a, b) die entsprechende

Abfolge der Böden im Gebiet von Zwiesel

beschrieben. In Höhenlagen unter 800 bis 900 m sind

Braunerden unterschiedlicher Entwicklungstiefe anzutreffen.

Zwischen 800 bis 900 mund 1100 bis 1200 m

Seehöhe kommen Lockerbraunerden vor.

BRUNNACKER hat den Begriff der Lockerbraunerde,

der auf SCHÖNHALS (1957 a, b, c) zurückgeht, auf den

Bayerischen Wald übertragen. Trotz nicht zu übersehender

Unterschiede zwischen den von SCHÖNHALS

beschriebenen Lockerbraunerden und denen des

Bayerischen Waldes (beispielsweise hinsichtlich der

Entwicklungstiefe) wird der seit BRUNNACKER (1965

a, b) übliche Begriff übernommen. "Lockerbraunerde"

ist rein beschreibend verwendet, es wird mit dem Begriff

keine bestimmte Theorie über die Entstehungsweise

verbunden.

Typisch sind für die Lockerbraunerde nach

BRUNNACKER:

- ausgeprägte Lockerheit

- leuchtend ockerbraune Farbe

- extrem basenarmes Solum

- das Fehlen von Verlagerungsvorgängen, wie sie für

Podsol und Parabraunerde typisch sind

- geringer Ton- und hoher Schluffgehalt

- als wesentlichstes Merkmal ein relativ hoher Anteil

des leichtlöslichen Eisens am Gesamteisen

- aufgrund der hohen T -Werte ist ein hoher Anteil

nicht färbender Humussubstanz im Unterboden der

Lockerbraunerde zu vermuten.

In Höhenlagen über rd. 1100 bis 1200 m ist nach

BRUNNACKER auch die Lockerbraunerde anfälliger

gegen die Podsolierung, hier ist deshalb die podsolige

Lockerbrauner.de anzutreffen; diese umgrenzt den auf


Wo in den Hochlagen kleine Lichtweideflächen entstanden

sind, wächst der Ungarn-Enzian (gentiana pannonica).

Foto: H. Bibelriether

181


Mit der Farbe ändert sich auch das Gefüge der Böden,

sie werden auffallend locker. Das hat zu der Bezeichnung

Lockerbraunerde geführt. Die ausgeprägte Lokkerheit

(in der vorliegenden Arbeit werden nur die Böden

mit ausgeprägter Lockerheit als Lockerbraunerden

bezeichnet) wurde bei der Bodenkartierung erfaßt

(siehe Abschn. 5.2.2.3) und durch eine Signatur punktweise

dort in die Karte eingetragen, wo sie festgestellt

worden war. Das hat den Vorteil, daß die Abhängigkeit

dieser Bodeneigenschaft vom Relief besser zum Ausdruck

kommt, als bei einer flächigen Kartierung: Die

Lockerbraunerde ist in steilem Gelände am besten

entwickelt. Je mehr das Gelände verflacht, desto untypischer

werden ihre Merkmale. Dieser Umstand spielt

möglicherweise für die Gestaltung der Untergrenze

der Lockerbraunerde eine Rolle. Im Nationalparkgebiet

sind unterhalb etwa 900 m Seehöhe die Hänge im

Durchschnitt wesentlich flacher als oberhalb (siehe

Abschn. 2.2). An stark geneigten Hängen wurden bei

Kartierung Lockerbraunerden vereinzelt noch bis

800 m herab angetroffen. Diese Höhenangaben dekken

sich mit denen von BRUNNACKER (1965 a, b). Ob

die Lockerbraunerden an Ost- und Nordhängen tiefer

herunter reichen, als an Süd- und Westhängen, wie das

BRUNNACKER angibt, konnte im bisher kartierten Gebiet

nicht beobachtet werden, weil nördliche Expositionen

hier zu selten sind. Jedoch sprechen die Beobachtungen

dafür, daß die Eigenschaften der Lockerbraunerden

an Sonnenhängen typischer entwickelt

sind als an Schatthängen.

Entsprechend den Angaben von BRUNNACKER konnte

auch im Nationalparkgebiet die Lockerbraunerde

nur an den Hängen größerer Bergmassive beobachtet

werden: sie ist noch gut entwickelt an Bergen mit Höhen

um 1100 m (z. B. Waldhäuserriegel), sie kommt

noch vereinzelt vor, offenbar aber nur noch bei stärkerer

Hangneigung, an Bergen um 950 bis 1000 m Höhe

(z. B. Stein berg sowie Wagensonnriegel und Märzenberg

westlich des Nationalparkgebietes), sie war nicht

mehr zu beobachten an Bergen von knapp 900 m Höhe

(z. B. Bocksberg).

Typisch für die Lockerbraunerde ist ihre große Entwicklungstiefe,

wie sie auch aus den bodenanalytischen

Daten abzulesen ist (siehe Abschn. 5.5). Um diesem

ökologisch sehr wichtigen Umstand Geltung zu

verschaffen, wurde festgelegt, daß die ausgeprägte

Lockerheit nur kartiert werden sollte, wenn sie bis in 60

cm Bodentiefe hinunterreicht.

Die ausgeprägte Lockerheit nach der dieser Arbeit zugrundeliegenden

Definition (siehe Abschn. 5.2.2.3) hat

nicht nur eine untere, sondern auch eine obere Verbreitungsgrenze.

Diese verläuft in der Regel innerhalb

der Bodenform "tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt" in der Zone, in der die stark geneigten Hänge

zu den Hochlagen hin zu verflachen beginnen. Bergwärts

behalten zwar die Böden ihre tief-rostbraune

Farbe und ihren hohen Humusgehalt (siehe Abschn.

5.5.1.2), es fehlt ihnen jedoch die lockere, krümelige

Struktur der Lockerbraunerde. Das Material zeigt im

Bohrstock ein schmieriges, eher kompaktes Gefüge

(siehe jedoch Abschn. 5.5.1.2). Die zwischen etwa 1100

und 1250 m Seehöhe schwankende Obergrenze der

ausgeprägten Lockerheit zeigt eine klare Beziehung

zur heutigen wie auch zur früheren Zusammensetzung

des Waldes (siehe Abschn. 5.2.2.5, 7.4.2 und 7.4.3.1).

Die Lockerbraunerde wurde im Nationalparkgebiet sowohl

auf Cordieritgneisen als auch auf Kristallgraniten

in ganz entsprechender, typischer Ausbildung angetroffen.

Diese Beobachtung deckt sich wieder mit den

Angaben von BRUNNACKER (1965 b).

Abweichend von BRUNNACKER werden die Böden

oberhalb der Zone mit ausgeprägter Lockerheit in der

vorliegenden Arbeit nicht mehr als Lockerbraunerden

bezeichnet. Die geringere Gründigkeit dieser flächig

vom verfestigten Schutt unterlagerten Hochlagenböden

schafft wesentlich andere ökologische Verhältnisse.

Zudem tritt hier auf großen Flächen eine mehr oder

minder starke Podsolierung auf (Podsol-Braunerden,

Braunerde-Podsole, Podsole), was dem ursprünglichen

Begriff der Lockerbraunerde widerspricht

(SCHÖNHALS 1957 a, b, c). PELISEK (1969) spricht

von der "Zone der humusreichen Gebirgspodsole".

Innerhalb der Bodenform "tiefgründiger Lehm über

verfestigtem Schutt", die im unteren Bereich und in

stärker geneigten Bereichen der Hochlagen vorkommt,

treten ganz überwiegend Braunerden, mit zunehmender

Höhenlage auch Podsol-Braunerden auf.

Braunerden, Podsol-Braunerden und Braunerde-Podsole

kommen im Bereich der Bodenform "mittelgründiger

Lehm über verfestigtem Schutt" vor, die für die fla­

'cheren Geländebereiche typisch ist. Definitionsgemäß

kommt innerhalb der nach strengen Maßstäben abgegrenzten

(siehe Abschn. 5.2.2.7) Bodenform "gebleichter

mittelgründiger Lehm über verfestigtem Schutt"

183


Stickstoftgehalt

der Nadeln

2.0

."

Abb. 41: Stickstoffgehalt von Fichtennadeln in Abhängigkeit von der Höhenlage

• •


• . .- :

• • •

1.5


0

• • 0

1.0

202

0

0

0

800 900 1000

menhang bis jetzt noch ungenügend untersucht. Eine

Arbeit von HÖHNE und NEBE (1964), die allerdings

nur auf wenigen Beständen beruht, besagt folgendes:

In den Nadeln jüngerer Bäume ist der Stickstoffgehalt

niedrig. Er steigt vom 15. Lebensjahr

aber stark an, erreicht bei 20 bis 30 Jahren ein Maximum

und nimmt dann mit steigendem Alter ganz allmählich

ab. Inwieweit dieser Befund verallgemeinert

werden kann, ist offen. Wir können daher vorerst nur

die Nadelanalysen-Ergebnisse von Fichten vergleichen,

die etwa in demselben Alter stehen. Bei den

Proben von 1969 ergaben sich in 10 Jungwüchsen

N-Gehalte von 1,51 bis 1,92 (im Durchschnitt

1,65%), in 11 Altbeständen von 1,21 bis 1,60 (im

Durchschnitt 1,42%). Diese Unterschiede müssen

berücksichtigt werden.

Die N-Konzentrationen in den Nadeln von Altbeständen

(im Durchschnitt 1,42%, Proben von 1969)

o ältere Bestände 1969

• Stangen u. Baumhölzer 1970


• • •

0 •


0

1100

Seehöhe m


0

1200 1300 1400

liegen nahe bei denjenigen, wie sie für Fichten bester

Wuchsleistung im Alpenvorland (im Durchschnitt

1,44%, STREBEL 1961) und im Erzgebirge

(HUNGER 1965) festgestellt wurden. Die Werte liegen

fast durchwegs höher als diejenigen, die EHR­

HARDT an 130- bis 160jährigen Fichtenbeständen

der Zentralalpen in 550 bis 1930 m NN ermittelte;

dort muß nach ERHARDT mit einer Hemmung des

Wachstums infolge N-Mangels gerechnet werden.

Nur in einem Probebestand aus dem Nationalparkgebiet

wird die von STREBEL (1960) für mittelalte

Bestände genannte Grenze des mäßigen Stickstoffmangels

von 1,3% N unterschritten. Das dürfte jedoch

vom hohen Alterdieses Bestandes (128Jahre)

herrühren.

Die 25 Nadelproben des Jahres 1970 aus mittelalten

Beständen (nur Stangen- und Baumhölzer) ergaben

N-Konzentrationen von 1,43 bis 1,78, im Durch-


schnitt 1,58%. Aufgrund entsprechender Bestandsalter

sind diese Werte mit dem umfangreichen Zahlenmaterial

vergleichbar, das STREBEL (1960) für

Bayern veröffentlicht hat. Danach sind die Fichten in

allen Höhenlagen des Nationalparkgebietes reichlich

mit N versorgt. Mit einer durch N-Mangel bedingten

Hemmung des Wachstums ist erst bei N­

Konzentrationen unter etwa 1,3% zu rechnen.

Ähnlich hohe N-Gehalte der Fichten-Nadeln, wie sie

im Nationalparkgebiet auftreten, haben NEBE und

BENES (1965) in optimal wachsenden Fichtenbeständen

der Beskiden und des Böhmerwaldes gefunden.

5.6.1.2 Stickstoffernährung und Humuszustand

Es bestehen in der Regel Beziehungen zwischen der

Zersetzungsgeschwindigkeit des Bestandsabfalls -

wie sie in der Humusform oder im eIN-Verhältnis zum

Ausdruck kommt - und der N-Ernährung der Bestände.

Für die 25 Probe bestände von 1970 läßt sich jedoch

zwischen dem eIN-Verhältnis und der 0F- und 0H-Lage

und dem N-Gehalt in den Fichtennadeln kein deutlicher

Zusammenhang erkennen. Das hat vermutlich

verschiedene Gründe. Einmal wird bei einem höheren

N-Gehalt der organischen Bodendecke (eIN-Verhältnis

kleiner als 26) die Beziehung zwischen eIN-Verhältnis

in der Streu und der N-Konzentration in Fichtennadeln

sehr lose, wie aus ,den Ergebnissen von

STREBEL (1960) hervorgeht. Nur sehr N-arme Streu

war stets mit geringen N-Konzentrationen der Nadeln

verbunden. Schon deshalb ist es nicht verwunderlich,

daß im Nationalparkgebiet, wo nur eIN-Verhältnisse

größer als 26 ermittel wurden, keine Beziehung zwischen

dem N-Gehalt der organischen Auflage und der

Fichtennadeln erkennbar ist. Außerdem warnen uns

die im allgemeinen hohen Humusgehalte der Mineralböden

(siehe Abschn. 5.5.1.2) davor, die Bedeutung

der organischen Bodendecke für die N-Versorgung

der Pflanzen zu überschätzen.

5.6.1.3 Stickstoffernährung und Höhenwachstum

der Fichte

Da Stickstoffmangel in unserem Raum häufig das

Wachstum derWaidbäume begrenzt, besteht im allgemeinen

auch eine deutliche Beziehung zwischen der

N-Ernährung der Fichte und ihrer durch die Höhenbonität

charakterisierten Wuchsleistung. Besonders klar

kommt das bei KREUTZER (1970) für Fichtenbestände

auf neutralen bis schwach alkalischen Substraten des

süddeutschen Flachlandes zum Ausdruck. Eine entsprechende

Darstellung läßt für das Nationalparkgebiet

überhaupt keinen Zusammenhang erkennen. Bei

N-Gehalt der Nadeln von 1,5 bis 1,6% werden Bonitäten

von I bis V (GEHRHARDT) erreicht. Das dürfte damit

zu erklären sein, daß sich die Unterschiede innerhalb

einer reichlichen oder sogar optimum nahen N­

Versorgung kaum mehr auf die Wuchsleistung auswirken,

daß jedoch andere Wachstumsfaktoren eine wesentliche

Rolle spielen. Abb. 42 zeigt die Bonität

(GEHRHARDT) der für die Nadelproben herangezogenen

Bestände in Abhängigkeit von deren Höhenlage.

Dem starken Absinken der Bonität mit zunehmender

Seehöhe stehen keine entsprechenden Veränderungen

im Ernährungszustand der Bäume mit N oder einem

anderen Nährelement gegenüber, die P- und

Gehalte nehmen sogar vielleicht mit der Höhe leicht zu.

Da Unterschiede im Wasserhaushalt für eine Erklärung

nicht in Frage kommen, kann nur die Kürze derVegetationszeit

und der Mangel an Wärme in den oberen Lagen

das Höhenwachstum der Fichte begrenzen. Die

Nadelanalyse liefert also einen neuerlichen Beleg für

die Richtigkeit dieser Auffassung. Soviel kann gesagt

werden, obwohl in Kamm- und Gipfellagen ein etwas

zweifelhaftes Maß für die Wuchsleistung einer Baumart

dargestellt ist. (FIEDLER und NEBE 1969).

5.6.1.4 Phosphor

Die P-Gehalte in den Nadeln von 11 Altbeständen (Probenahme

1969) lagen zwischen 0,16% und 0,33%, im

Durchschnitt bei 0,21 %, diejenigen von 10 Jungwüchsen

(Probenahme 1969) zwischen 0,20% und 0,33%, im

Durchschnitt bei 0,27%. In 25 Stangen- und Baumhölzern

(Proben von 1970) ergaben sich Werte zwischen

0,15 und 0,25, im Durchschnitt von 0,18%.

Die Phosphorernährung der Bestände ist also nach

den verfügbaren Vergleichszahlen (STREBEL 1960)

als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Mit wesentlichen,

durch das Baumalter bedingten Schwankungen des P­

Gehaltes ist nicht zu rechnen (HÖHNE und NEBE,

1964). Eine durch P-Mangel bedingte Hemmung des

Wachstums ist erst bei P-Konzentrationen unter 0, 11 %

203


Bonität Fichte

( Gehrhardt)

I

"

'"

IV

V

Abb. 42: Höhenbonität der Fichtenbestände, in denen Nadelproben entnommen

wurden, in Abhängigkeit von deren Höhenlage

o 0 o 0 o 00 0

0 0 0

8 0 9 0 1000 1100 1200 1300 1400

Seehöhe m

zu erwarten (STREBEL 1960) und kann daher für das

Nationalparkgebiet ausgeschlossen werden. Die ermittelten

P-Gehalte der Fichtennadeln stimmen gut

mit denjenigen optimal wachsender Fichtenbestände

im Alpenvorland (0,16 bis 0,25%, STREBEL 1961), sowie

in den Beskiden und im Böhmerwald überein

(NEBE und BENES 1965).

5.6.1.5 Kalium

In 11 Altbeständen (Probenahme 1969) ergaben sich

K-Konzentrationen zwischen 0,50% und 0,82%, im

Durchschnitt von 0,59%, in 10 Jungwüchsen (Probenahmen

1969) zwischen 0,71% und 0,94%, im Durchschnitt

von 0,81 %. In 25 Stangen- und Baumhölzern

204

0 0

(Probenahme 1970) lagen die Werte zwischen 0,50

und 0,91%, im Durchschnitt bei 0,66%. Die Bestimmung

der K-Konzentrationen ist weniger zuverlässig

als bei den Elementen N und P.

Auch wenn man die durch das Baumalter bedingten

Abweichungen berücksichtigt (HÖHNE und NEBE,

1964), liegen die K-Konzentrationen weit außerhalb

des Mangelbereiches. Das war nach den Untersuchungen

von STREBEL (1960) auch gar nicht anders zu erwarten.

In seinem Material aus ganz Bayern kam kein

Fichtenbestand vor, bei dem eine durch K-Mangel verursachte

Wuchsdepression nachzuweisen gewesen

wäre. Die K-Gehalte im Nationalparkgebiet liegen

durchwegs über denjenigen, die STREBEL (1961) für

bestwüchsige Bestände des Alpenvorlandes feststell-


te und entsprechen denjenigen, die NEBE und BENES

(1965) bei Fichten bester Wuchsleistung in den Beskiden,

dem Böhmerwald und dem Erzgebirge erhielten.

5.6.1.6 Calcium

Für 11 Altbestände des Probejahrganges 1969 wurden Ca­

Gehalte von 0,33% bis 0,62%, im Durchschnitt 0,50% ermittelt.

Für 10 Jungwüchse (Probenahme 1969) lauten die entsprechenden

Zahlen 0,28% bis 0,44%, im Durchschnitt

0,34%. Bei den 25 Stangen- und Baumhölzern der Proben von

1970 ergaben sich Werte von 0,13% bis 0,46%, im Durchschnitt

waren es 0,30%.

Die Zuverlässigkeit der Calciumbestimmung auf Grund von

Mischproben von nur 10 Bäumen ist gering (WEHRMANN

1959 a, STREBEL 1960). Der große Unterschied der Mittelwerte

der beiden Probe-Jahrgänge könnte auf Schwankungen

der Calciumkonzentrationen von Jahr zu Jahr beruhen,

wie sie auch STREBEL (1960) feststellte; es ist unwahrscheinlich,

daß das Alter der untersuchten Bäume eine wesentliche

Rolle spielt (HÖHNE und NEBE, 1964).

Beim Calcium werden die von STREBEL (1960) genannten

Tiefstwerte in zwei Fällen unterschritten. Der eine Bestand

(0,19% Ca) hat eine Bonität von 1,0 GEHRHARDT. Er ist stark

geschält und vom Schnee durchbrochen. Der andere Bestand

(0,13% Ca) ist sehr stark vom Schnee gebrochen. Wegen

der geringen Zuverlässigkeit der Ca-Werte ist Vorsicht

bei Schlußfolgerungen geboten.

5.6.2 Fels- und Blockböden

Es liegen nur zwei Proben (1970) von Block-Humus­

Böden vor. Die Konzentrationen sämtlicher untersuchter

Nährelemente liegen innerhalb des bei Sand- und

Lehmböden angegebenen Rahmens.

5.6.3 Naßböden

6 Proben aus dem Jahre 1970 von Stangen- und Baumhölzern

auf mineralischen Naßböden (untere Hangla-

ge und Tallage) weisen N-Konzentrationen zwischen

1,45 und 1,76, im Durchschnitt 1,61 % auf. Diese Werte

entsprechen vollkommen denjenigen auf den Sandund

Lehmböden. Für die P-, K- und Ca-Gehalte gilt dasselbe.

Der Nährstoffumsatz ist also auch bei mineralischen

Naß böden im allgemeinen noch so lebhaft, daß

keine Ernährungsstörungen der Fichte auftreten.

Eine Ausnahme macht die Probe Nr. 18 aus dem Jahre

1969, die von schlechtwüchsigen Jungfichten auf einem

vernäßten Standort in fast ebener Lage (nahe

dem Finsterauer Filz) stammt. Die etwa mannshohen

Fichten fielen durch gelbgrüne, kleine Nadeln auf. Die

Nadelanalyse (N= 1,09%) bestätigte den vermuteten

N-Mangel. Die Konzentrationen der Elemente P, Kund

Calcium sind durchschnittlich. Auf vernäßten Kahlflächen

kann offenbar der Umsatz der organischen Substanz

stocken und dadurch ein mangelhaftes N-Angebot

für die Fichte zustande kommen.

Für die Bodenformen flaches Niedermoor, mittleres

und tiefes Niedermoor und Übergangsmoor sind keine

einigermaßen zuverlässigen Aussagen möglich, da nur

je eine Probe zur Verfügung steht; es sollten zu starke

Auflichtungen dieser meist kleinflächigen Bestände

durch die Probenahme vermieden werden. Die Proben

von den beiden Niedermooreinheiten lieferten keine

wesentlich anderen Ergebnisse, als diejenigen von mineralischen

Naßböden. Die Probe Nr. 21 stammt von

einem Übergangsmoor. Der N-Gehalt liegt mit 1,36%

bereits dicht beim Mangelbereich, auch P- und K-Konzentrationen

entsprechen dem unteren Ende der bei

anderen Standorten festgestellten Streubereiche. Mit

Annäherung an die Standortsverhältnisse des Hochmoors

ist ein weiterer Rückgang des N-, P- und auch K­

Gehaltes in den Nadeln bis zum Bereich starken Nährstoffmangels

zu erwarten (STREBEL 1960, WEHR­

MANN 1963).

205


6. Standortseinheiten

Mit der Gliederung des Geländes in klimabedingte Höhenstufen

und der Einteilung der Böden in Bodenformen

stehen die wesentlichen Hilfsmittel zur Verfügung,

die zur Bildung ökologisch fundierter Standortseinheiten

notwendig sind. Die Standortseinheit ergibt

sich aus Höhenstufe und Bodenform, sie wird z. B. folgendermaßen

bezeichnet:

- Hochlage I Block-Humus-Boden

- Obere Hanglage I Mineralischer Naßboden

- Untere Hanglage I Lehm mit Wasserzug

- Tallage I Lehm über Sand usw.

Auf eine Beschreibung der einzelnen Standortseinheiten

kann verzichtet werden, da diese sich ohne weiteres

aus einer Kombination der Beschreibung der Klimaverhältnisse

nach Höhenstufen und der Beschreibung

der Bodenformen ergibt.

Die Kombination der höhenabhängigen klimatischen

Bedingungen und der Bodeneigenschaften zu einem

206

konzentrierten Ausdruck für die Standortsverhältnisse

ist für viele Probleme günstig. Infolge der voneinander

unabhängigen Ausscheidung der Höhenstufen und

der Bodenformen ist aber jederzeit wieder eine Zerlegung

in Einzelfaktoren möglich. Das bringt große Vorteile,

wenn es beispielsweise darum geht, Fragen nach

den Ursachen der Verbreitung von Pflanzen zu beantworten.

Ein typisches Beispiel bietet im Inneren Bayerischen

Wald die obere Verbreitungsgrenze der Buche.

Bisher nahm man an, daß hier unmittelbare Wirkungen

des von der Höhenlage und Exposition abhängigen Klimas

vorliegen, wenn auch die Schärfe dieser Grenze

auffiel. Die Untersuchung der Böden hat gezeigt, daß

die höhen- und damit klimaabhängige obere Verbreitungsgrenze

der Buche durch die Bodenverhältnisse

wesentlich modifiziert wird. Das Klima kann hier allerdings

indirekt, nämlich über das Bodenklima, wiederum

beteiligt sein.


7. Versuch einer Rekonstruktion der ursprünglichen

Zusammensetzung der Wälder

7.1 Zweck der Untersuchung

Die bisherigen Abschnitte befaßten sich mit der Beschreibung

der im wesentlichen von Lage, Klima und

Boden ausgehenden ökologischen Wirkungen auf die

Pflanzen, insbesondere auf die Wald bäume. Nun soll

versucht werden, nähere Aufschlüsse über die ursprüngliche

Baumartenzusammensetzung des Waides

auf den einzelnen Standorten zu gewinnen. Das ist

aus mehreren Gründen wichtig. Einmal ist die Kenntnis

der natürlichen Zusammensetzung des Waldes im Nationalpark

unbedingte Voraussetzung für künftige Eingriffe

in den Baumbestand. Zum anderen läßt sich an

der natürlichen Waldvegetation ablesen, ob eine sinnvolle

Gliederung des Gebietes in Standortseinheiten

gelungen ist. Schließlich ermöglicht es die Besprechung

der Waldformen im Zusammenhang mit dem

Standort, den Ursachen der heutigen Verbreitung einzelner

Baumarten im Nationalparkgebiet nachzugehen;

in manchen Fällen wird es möglich sein, zu entscheiden,

ob Klima oder Boden in erster Linie begrenzend

wirken, wofür bisher die Grundlagen fehlten.

Eine umfassende Bearbeitung der Zusammenhänge

zwischen Standort und Vegetation wird erst möglich

sein, wenn PETERMANN seine Untersuchung und Kartierung

der Vegetation des Nationalparkgebietes abgeschlossen

hat. Vorab sollen mit Hilfe waIdgeschichtlicher

Methoden über einen sehr wesentlichen Teil der

Vegetation, nämlich den Baumbestand, Aussagen gemacht

werden. Die folgende Darstellung vermeidet daher

bewußt vegetationskundliche Begriffe. Sie baut auf

der Beschreibung der Bestandsform auf. Diese gibt an,

aus welchen Baumarten sich ein Waldbestand zusammensetzt.

Es geht also im folgenden Abschnitt jeweils um drei

Fragen:

1. Welche Angaben lassen sich über die ursprüngliche

Zusammensetzung der Wälder machen?

2. Ist - nach der Zusammensetzung der WaIdbestände

zu urteilen - die Gliederung des Gebietes in ökologisch

aussagekräftige Standortseinheiten gelungen?

3. Welche Ursachen bestimmen die Verbreitung der

Waldbäume im Nationalparkgebiet?

7.2 Quellen

Unterlagen, die uns sichere Aussagen über den früheren

Zustand des Waldes im Nationalparkgebiet erlauben,

haben wir erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Im Gebiet westlich des Sagwassers (Gebiets­

Abschnitte 11 bis IV), dem IIztriftkomplex, begann die erste

gründliche Wald inventur im Jahre 1837, im östlich

des Sagwassers gelegenen Wolfsteiner Komplex erst

1854. Bereits 1861 wurden die Wälder des IIztriftkomplexes

ein zweites Mal aufgenommen.

Das gesamte damals erarbeitete Material ist erhalten

geblieben. Karten im Maßstab 1 :10000 geben die Einteilung

des Gebietes in Wald bestände wieder. Für jeden

einzelnen Bestand wurde eine Beschreibung angefertigt,

aus der die vorkommenden Baumarten, sowie

das Gefüge und das Alter hervorgehen. Bei der ersten

und zweiten Waldinventur im IIztriftkomplex wurde

die geschätzte Beteiligung der einzelnen Baumarten

nur durch die Reihenfolge zum Ausdruck gebracht,

in der diese genannt wurden. Die jeweils stärker vertretene

Baumart erschien vor der selteneren. Bei der ersten

Aufnahme der Wälder des Wolfsteiner Komplexes

sind die geschätzten Anteile der Baumarten bereits

in Prozenten angegeben.

Während der ersten Waldinventur im IIztrift Komplex

und im Wolfsteiner Komplex nahmen die damaligen

Forstleute auf einer größeren Anzahl von Probeflächen

den Waldbestand genau auf, um eine Grundlage für die

Abschätzung der nutzbaren Holzmengen zu bekommen.

Im IIztriftkomplex wurden in den Jahren 1837/39 - über

alle Lagen des Gebietes verteilt - 45 Bestandsprobeflächen

im Gelände genau vermessen und in die Karte

eingezeichnet (siehe Karte Nr. 14). Sie hatte fast

durchwegs die Form langer, schmaler Streifen, deren

Länge zwischen 290-1450 m, deren Breite etwa zwischen

10 und 60 m schwankte; abgesehen von nur

ganz wenigen Ausnahmen lagen die Flächengrößen

zwischen 1 und 3 ha. Alle auf den Probeflächen vorkommenden

Bäume sind nach Baumart und Durchmesser

in Brusthöhe (Durchmesserklassen von je 1

Zoll = 2,92 cm) in Listen festgehalten. Wir kennen also

heute die Häufigkeitsverteilungen der Baumarten in

Abhängigkeit vom Durchmesser. Graphische Darstellungen

solcher Baumzahlverteilungen enthalten die

Abbildungen 43 bis 65. Die Baumzahlen sind jeweils auf

207


1 ha Fläche umgerechnet, also untereinander unmittelbar

zu vergleichen. Das bei einem Teil der Flächen miterfaßte

Dürrholz blieb außer acht.

Eine Erläuterung zu den Abbildungen enthält weitere

Angaben:

1. Die damals niedergeschriebene, wörtliche Beschreibung

des Waldbestandes auf der Probefläche.

2. Eine Beschreibung des Standorts nach heutigen

Maßstäben; das ist möglich, da die Lage fast aller

Flächen genau bekannt ist.

3. Für einen Teil der Probeflächen sind an hand des

Massentarifs für den Gemeindewald Kreuzberg

(SOMMER 1963) die Holzvorräte in Erntefestmetern

ohne Rinde (Derbholz) je ha berechnet.

Die zahlreichen Probeflächen, welche bei der 1854 begonnenen

ersten Waldinventur im Wolfsteiner Komplex

aufgenommen wurden, sind weniger brauchbar,

da sie nicht in der Karte eingezeichnet sind. Es läßt sich

daher nur angeben, in welchem Wald bestand die

Probefläche lag. Außerdem sind Tanne und Fichte

nicht unterschieden. Es sind daher nur die Ergebnisse

von einigen - standörtlich ziemlich gleichförmigen -

Probeflächen aus den Hochlagen übernommen

(Abb. 44-46).

Die beschriebenen Unterlagen geben bis ins einzelne

gehende Aufschlüsse über die Zusammensetzung des

Waldes auf den einzelnen Standorten um die Mitte des

vorigen Jahrhunderts.

7.3 Der Einfluß des Menschen auf den Wald bis

zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Im vorigen Abschnitt ist das umfangreiche Material

aufgeführt, das uns eine Rekonstruktion des WaIdbildes

um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ermöglicht.

Nun ist zu fragen, inwieweit der damalige Zustand des

Waldes noch als natürlich anzusehen ist, und inwieweit

er bereits das Ergebnis menschlicher Einwirkungen

darstellt. Die Beantwortung dieser Frage erfordert einen

kurzen Überblick über die Geschichte des Waldgebietes.

Erst sehr spät wurde der Grenzkamm des Inneren

Bayerischen Waldes besiedelt. Verhältnismäßig alt

sind die Ortschaften Draxlschlag, Reichenberg, Hö-

212

henbrunn, Haslach, Schönanger und Grünbach, die in

der Stiftungsurkunde des Klosters St. Oswald aus dem

Jahre 1396 erwähnt sind. Aber erst in den folgenden

Jahrhunderten schob sich die Besiedlung bis in das

Nationalparkgebiet vor. Ortsgründungen standen im

Zusammenhang mit Glashütten oder den "Goldenen

Steigen", den Handelswegen nach Böhmen.

Im 16. Jahrhundert erlangten die Glashütten in Riedlhütte,

Klingenbrunn und Schönau für das Nationalparkgebiet

eine nennenswerte Bedeutung. Wegen

Holzmangels mußten sie während des 16., 17. und 18.

Jahrhunderts immer wieder verlegt werden. Dadurch

bildeten sich Ansiedlungen in Alt- und Neuhütte, Spiegelau,

Guglöd, Neuschönau, Schönbrunn, Weidhütte

und Glashütte. An den Goldenen Steigen entstanden

erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts die Waldhäuser

und erst um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert

die Orte Mauth, Hohenröhren, Heinrichsbrunn und Finsterau.

Die Holznutzung für den eigenen Bedarf der Bevölkerung

erstreckte sich sicherlich nur auf die ortsnahen

Waldungen und war im Verhältnis zu den vorhandenen

Holzvorräten so gering, daß sie keinen wesentlichen

Einfluß auf den Wald ausgeübt haben kann. Anders ist

das bei den Glashütten, die Holz zur Feuerung der Öfen

und zur Gewinnung von Pottasche verbrauchten. Das

Feuerholz stammte aus der näheren Umgebung der

Hütten; die wiederholten Verlegungen von Hütten zeigen,

daß man es nicht weit transportierte, sondern dem

Holz nachwanderte. Es wurden nur die für Bearbeitung

und Transport gut geeigneten Stämme entnommen,

alles übrige blieb stehen und wuchs weiter. Zwischen

der Nutzung nur einzelner Stämme und der Entnahme

fast des ganzen Holzvorrates gab es sicherlich alle

Übergänge.

In den weiter entfernten und höher gelegenen Waldungen

- dazu gehört der weit größere Teil der Fläche des

Nationalparkgebietes - war der Aschenbrand die einzige

wesentliche Art der Holznutzung. Sie konzentrierte

sich auf stehende oder liegende, bereits abgestorbene

sowie auf noch lebende, besonders starke und alte

Bäume, die stehend ausgebrannt wurden. Solche Bäume

kamen meist nur in größeren Abständen vor. Die

Gewinnung der Pottasche verbrauchte weit mehr Holz,

als die Feuerung der Öfen. Wegen ihres höheren Kaligehaltes

wurden vor allem die Buche und unter den

Nadelbäumen die Tanne vor der Fichte zum Aschen-


im Bergmischwald sogar auf nicht vernäßten Böden

schwere Schäden anrichtete, wirkten sich auch im Urwald

aus. Die Nutzung durch Aschenbrand und Plenterung

ist also nicht so sehr von den Eingriffen verschieden,

wie sie infolge von Stürmen von Zeit zu Zeit auch

im Urwald vorkommen. Es ist daher nicht zu erwarten,

daß die unregelmäßige Plenterung die Baumartenanteile

der Wälder durchgreifend verändert hat. Dafür

spricht auch die auf vergleichbaren Standorten in stark

und weniger stark genutzten Beständen recht ähnliche

Beteiligung der Baumarten.

Die Unterschiede zwischen den Altersklassen, wie sie

aus den Tab. 61 und 62 hervorgehen und wie sie auch

PLOCHMANN (1961) fand, sind mindestens teilweise

altersbedingt. Auch in echten Urwäldern ist die Baumartenzusammensetzung

von Jungwuchspartien wesentlich

von derjenigen der Oberschicht verschieden.

Nutzt man in der Oberschicht der Urwälder, so ändern

sich sofort die Anteile der Baumarten. Inwieweit die

Unterschiede zwischen der Zusammensetzung älterer

und jüngerer Bestände um die Mitte des vorigen Jahrhunderts

auf diesen Umstand oder aber auf einen tatsächlichen,

anthropogen bedingten Wandel in der

Waldzusammensetzung zurückzuführen sind, das läßt

sich nicht sagen. Es ist daher zweckmäßig, sich bei der

Suche nach der natürlichen Zusammensetzung der

Wälder vor allem auf die über 120jährigen Bestände zu

stützen. Zwischen den drei über 120jährigen Altersklassen

fand auch PLOCHMANN (1961) keine nennenswerten

Unterschiede in der Bestandsform oder

den Baumartenanteilen.

Leider geben die bisher durchgeführten Pollenanalysen

(RUOFF 1932, TRAUTMANN 1952) keine eindeutige Auskunft

auf die Frage, wie natürlich die Baumartenzusammensetzung

der Wälder in der Mitte des vorigen Jahrhunderts war. Eine

spezielle pollenanalytische Untersuchung, verbunden mit

genauer Altersbestimmung der Proben, könnte hier unsere

Kenntnis wesentlich erweitern, ganz im Sinne von FIRBAS

(1952): "Es wäre sehr reizvoll, in diesem noch verhältnismäßig

wenig beeinflußten Waldgebiet der jüngeren Geschichte

der Wälder weiter nachzugehen ... ".

Noch eine weitere Unsicherheit besteht. Es ist nicht

bekannt, inwieweit die Viehweide bis 1850 verändernd

auf den Wald gewirkt hat. Ihre Bedeutung dürfte im Gebiet

zwischen Rachel und Lusen geringer, östlich des

216

Sagwassers größer gewesen sein. Da sie vor allem in

den Hochlagen ausgeübt worden ist, wo ohnedies reine

Fichtenwälder vorkommen, ist anzunehmen, daß

die Waldweide keinen wesentlichen Einfluß auf die Zusammensetzung

des Waldes ausgeübt hat.

Als Quintessenz aus dem historischen Überblick ergibt

sich, daß eine zuverlässige Beantwortung der Frage, inwieweit

die Baumartenzusammensetzung der Wälder

im Nationalparkgebiet um die Mitte des vorigen Jahrhunderts

schon vom Menschen verändert war, heute

nicht möglich ist. Mit Sicherheit begann aber hier ein

nennenswerter Einfluß des Menschen auf den Wald

später als in fast allen anderen Gebieten MitteIeuropas,

einschließlich der Gebirge. Urwälder hatten sich

noch auf erheblichen Flächen in unzugänglichen Lagen

erhalten. Die Holznutzung ging bis ins vorige Jahrhundert

hinein überwiegend in Form einer rohen Plenterung

vor sich, also auf sehr naturnahe Weise. Hinweise

auf künstliche Verjüngung durch Saat oder Pflanzung

sind aus der Zeit vor der ersten Wald inventur

nicht bekannt. All diese Umstände sprechen dafür, daß

die Baumartenanteile um die Mitte des 19. Jahrhunderts

gute "Näherungswerte" für die Zusammensetzung

der ursprünglichen Wälder geben.

7.4 Bestandsformen um die Mitte des

19. Jahrhunderts

Damit Vergleiche möglich werden, folgt die Ausscheidung

der Bestandsformen ganz derjenigen von

PLOCHMANN (1961). Eine Baumart ist in der Bestandsform

berücksichtigt, wenn sie einen Anteil von

mindestens 10% hat; erreicht sie mehr als 90%, so bedingt

das die Ausscheidung eines Reinbestandes. Bei

Bestandsformen aus nur zwei Baumarten ist die jeweils

stärker vertretene zuerst genannt. In Fi-Bu-Beständen

überwiegt also die Fichte, in Bu-Fi-Beständen

ist es umgekehrt. Bei Fichten-Tannen-Buchenbeständen

ist nur verlangt, daß jede der drei Baumarten 10%

erreicht. Die Reihenfolge der Nennung der Baumarten

hat bei dieser Bestandsform keine Bedeutung.

Die Grundlage für die Feststellung der Bestandsformen

bildeten im Gebiet östlich des Sagwassers (Gebiets-Abschn.

V und VI), das zum Wolfsteiner Triftkomplex

gehörte, die Bestandsbeschreibungen der ersten

Waldinventur aus dem Jahr 1855, welche die geschätzten

Baumartenanteile in Prozenten angeben. Es


ist nicht ersichtlich, ob hierfür die Baumzahlen, die

Holzmassen oder die Flächen maßgebend waren. In

den Bestandsbeschreibungen des IIztriftkomplexes

(Gebiets-Abschn. 11 bis IV; für Gebiets-Abschn. I existieren

keine Unterlagen) ist die Beteiligung der Baumarten,

weder bei der ersten, 1837 begonnenen, noch

bei der zweiten Waldinventur von 1861 zahlenmäßig

angegeben. Hier hieß es beispielsweise: "Bestand aus

Bu, Ta, Fi mit mehreren (einigen, etlichen, eingesprengten)

Ahornen".

Die weniger zahlreich vertretenen Baumarten, so hier

der Ahorn, blieben bei der Feststellung der Bestandsform

für die Karte der Bestandsformen und die Statistik

der Bestandsformen nach Höhenstufen außer

acht. In der Zusammenstellung der Bestandsformen

innerhalb der einzelnen Standortseinheiten sind sie

mit aufgeführt. Bei dem o. a. Beispiel ergibt sich also die

Bestandsform Fichten-Tannen-Buchen-Bestand, bzw.

Fi, Ta, Bu (Ah). Wie Vergleiche mit Probeflächen ergaben,

sind die Baumarten in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit

genannt: dadurch ist beispielsweise eine Unterscheidung

von Fichten-Buchen- und Buchen-Fichten­

Beständen möglich. Die Bestandsausscheidung der

ersten Waldinventur im IIztriftkomplex war noch relativ

grob. Die Auswertung stützt sich daher auf das Material

der zweiten Aufnahme von 1861, bei der vor allem

die Bestände der Naß böden sehr sorgfältig abgetrennt

sind. Für die Zuordnung der Bestände des IIztriftkomplexes

zu Altersklassen wurde ebenfalls das Stichjahr

1855 gewählt.

7.4.1 Karte der Bestandsformen

Betrachtet man die Karte der Bestandsformen (Karte

Nr. 12) für das Jahr 1855, so fällt zunächst auf, daß die

Fichte in zwei Teilen des Gebietes Reinbestände bildet:

In den Hochlagen und auf den Naßböden, die vorwiegend

in den Tallagen vorkommen. Zwischen diesen

Bereichen dehnte sich in einer breiten Zone der Mischwald

aus Fichte, Tanne und Buche.

Nimmt man noch die Filze hinzu, so entspricht dem die

Einteilung in Waldformen, die bereits bei der ersten, im

Jahre 1837 begonnenen Waldinventur im IIztriftkomplex

üblich war. Diese ist in den Wirtschaftsregeln für

den Bayerischen Wald (Königliches Ministerial-Forsteinrichtungsbureau,

1849) erstmals veröffentlicht und

lautet in der Formulierung von RAESFELDT (1894):

- Filzwald

- Auwald

(alle hochmoorartigen Bildungen)

(von der Fichte beherrschte Wälder

der Naßböden)

- Hochwald (Fichtenwälder der Hochlagen)

- Mischwald (Bergmischwald aus Fi-Ta-Bu)

Diese Gliederung gilt im Grundsatz bis heute.

Die Karte gibt aber noch eine Reihe weiterer Informationen.

So treten in den Randbereichen der Naßböden,

vor allem im hängigen Gelände, auf bedeutenden Flächen

Fichten-Tannen- und auf geringen Flächen Tannen-Fichten-Bestände

auf.

Im Bereich der Hochlagengrenze kommen in geringem

Umfang Fi-Bu- und Bu-Fi-Bestände vor; die Tanne ist

hier so schwach beteiligt, daß sie nicht mehr 10% Anteil

erreicht oder nicht mehr unter den führenden Baumarten

genannt wird. Die Bestandsbeschreibungen geben

keine Hinweise darauf, daß menschliche Eingriffe die

Ursache für das Fehlen der Tanne sein könnten. So

sind Fi-Bu-Bestände auch in den östlichen Steilabstürzen

des Steinfleckberges, in den sogen. Bärenriegeln,

erwähnt, wo sicherlich zuvor keine wesentlichen Nutzungen

stattgefunden hatten. Offenbar erreicht die

Tanne ihre obere Verbreitungsgrenze im Durchschnitt

in etwas geringerer Meereshöhe als die Buche, die sich

gerade an steilen Hängen dicht unterhalb der Hochlagengrenze,

auf Lockerbraunerden, noch reichlich verjüngt.

Sie kam hier um 1850 teils mit dem Bergahorn

gemischt, teils auch in kleinen Partien, fast rein vor. So

wird in der Beschreibung der Bärenriegel von 1855 erwähnt:

"Ein paar Tagwerk sind fast rein mit Buche und

Ahorn bestockt, das hintere Hochbuchwaldl genannt".

An der bezeichneten Stelle stehen noch heute mächtige

Buchen, ohne eine nennenswerte Beimischung anderer

Baumarten.

Die Fichten-Buchen- und Buchen-Fichten-Bestände,

die außerhalb des Grenzbereiches der Hochlagen auftreten,

sind das Ergebnis menschlicher Einwirkung.

Darauf deutet zunächst schon die Verbreitung dieser

Bestandsformen hin. Sie waren westlich des Sagwassers,

im IIztriftkomplex kaum anzutreffen. Im Ostteil,

wo die Triftanlagen bereits 100 Jahre früher ausgebaut

waren, kamen sie bereits auf beträchtlichen Flächen

vor. Aus den Beschreibungen ist eindeutig zu entnehmen,

daß es sich überwiegend um junge Bestände handelte.

Besonders bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang

die großflächigen reinen Buchenbestän-

217


Tabelle 63

Bestandsformen 1972

(ohne Hochmoore und Moorrandbestockungen)

Bestandsformen Altersstufen in % der Fläche

1 - 40 41 - 80

Pi rein 42 14

Fi,Ta 3 2

lI'i,Bu 41 47

lI'i,'.ra,Bu 7 2

Bu,.Pi 7 35

Sa. ha 2 794,8 :5 844,4

Sa. '1> 100 100

deo Die Bestandsbeschreibungen sagen ganz klar, daß

hier das Nadelholz ausgeplentert worden war.

Auf kleinen Flächen kamen am Rand des Gebietes sogenannte

Reut-Fichten vor. Darunter verstand man

Fichtenbestände, die durch Aufforstung ehemaligen

Weidelandes entstanden waren. Noch heute tritt hier

die Rotfäule viel stärker auf als auf alten Waldböden,

ein Zeichen dafür, daß sich die Biozönose des Waldes

noch nicht wieder voll regeneriert hat.

7.4.2 Statistik der Bestandsformen nach

Höhenstufen

Nachdem anhand der Karte der Bestandsformen ein

Überblick gewonnen ist, sollen die Bestandsformen

nun getrennt nach Höhenstufen betrachtet werden

(Tab. 62). Es ist so ein erster Schritt in Richtung auf eine

Zuordnung der Bestandsformen zu den Standorten

beabsichtigt.

218

81 - 120 über 120 Sa.in '-'

37 60 36

3 1 2

33 14 35

17 19 11

10 6 16

3 167,6 2 562,7 12 369,5

100 100 100

Die Fichten-Tannen- und die wesentlich selteneren

Tannen-Fichten-Bestände sind in dieser Aufstellung

zusammengefaßt. Eine gewisse Unschärfe haben die

Erhebungen dadurch, daß Bestände, die über die

Grenzen der Höhenstufen hinweggreifen, oft nur einheitlich

beschrieben sind. Vermutlich aus diesem

Grund treten z. B. in den Hochlagen noch 2% Fi-Ta-Bu­

Bestände auf. Als Stichjahr für die Einstufung in Altersklassen

ist einheitlich 1855 zugrunde gelegt. Bei den

Altersangaben ist aber stets zu bedenken, daß es sich

um grobe Durchschnittswerte für oft sehr ungleichaltrige

Bestände handelt.

Am einfachsten sind die Verhältnisse in den Hochlagen,

wo 97% der Fläche den reinen Fichtenbeständen

zugehören. Die Fichten-Tannen-Buchen-Bestände

(2%) und die Fichten-Buchen-Bestände (1 %) sind wohl

als Unschärfe infolge der damaligen Bestandsausscheidung

zu verstehen. Das fast ausschließliche Vorkommen

der Bestandsform "Fichte rein" ist vor allem


Abb.49

Probefläche Nr. 12 im Revier Schönau (1,4 ha; 319 x 42,2 m)

(Gebiets-Abschn. IV)

a) Holzbestand: 181j. Bestand aus Bu, Ta und einigen Fi;

sehr variierend in Alter und Bestand,

doch meist geschlossen und häufig mit

Bu-Gestäng durchwachsen. Der Bestand

ist überalt und zur Verjüngung umso

mehr reif.

b) Bewirtschaftung: Bei der Verjüngung ist vor allem auf die

Nachzucht der Buche das Hauptaugenmerk

zu richten. Durch die vorhandenen

sehr zahlreichen Buchen, die noch kräftige

Samenerzeugung versprechen,

wird es nicht schwierig sein, einen reinen

Bu-Dunkelschlag stellen zu können,

wenn man auch nur die besseren von ihnen

zu Samen bäumen ausmittelt.

c) Standort:

Höhenlage:

Gelände:

Bodenform:

Obere Hanglage

905-940 m NN

d) Holzvorrat

(nach Tarif Kreuzberg, SOMMER, 1963)

Stärkeklasse

schwach bis mäßig geneigter NO-Hang.

Lehm (Lockerbraunerde), sandig-grusiger

Unterboden, vereinzelt schwache

Blocküberlagerung.

Holzvorrat in

Fichte Tanne

Schwachholz 3.3 17 .0

(4 - 9 Zoll)

Mittelholz 2.4 17 .2

( 1 0 - 1 6 Zo 11 )

Starkholz 9·1 112.3

(über 17 Zoll)

insgesamt fm 14.8 146.5

( 1 Zoll os 2.92(m)

% 3.8 37.7

Anzahl!

h.

160

150

140

130

Efm o.R.

Buche

25.5

83.6

118.3

227.4

58.5

Revier Schönau Fläche Nr.1Z

Derbholz I/je ha

insgesamt

.fm . %

45.8 11.8

103.2 26.6

239.7 61 .6

388.7 100.0

100.0

223


worden sein. Die Altbestände können die Anteile der

Bestandsformen nicht mehr repräsentieren, wie sich

aus folgender Überlegung ergibt: In den über 80 Jahre

alten Beständen nimmt die Mischungsform Fichte­

Tanne-Buche etwa zwei Drittel der Fläche ein; für reine

Fichtenbestände und Fichten-Tannen-Bestände bleibt

dann noch etwa ein Drittel. In den Tallagen bedecken

die Naßböden aber rund die Hälfte der Fläche. Auf Naßböden

können jedoch keine Fichten-Tannen-Buchen­

Bestände gestockt haben. Diese müssen also in den

mehr als 80 Jahre alten Beständen überrepräsentiert

sein. Das erklärt sich aus der Waldgeschichte. In den

Jahrzehnten vor 1855 wurden die Bestände der Naßböden

- vor allem im Westteil des Nationalparkgebietes

- sehr stark genutzt. Das Regelverfahren bestand

im kahlen Abtrieb und nachfolgender Entwässerung

(Kgl. Ministerial-Forsteinrichtungsbureau 1849). Die

bedeutenden Nutzungen in den Tallagen konzentrierten

sich also auf die Naß böden, was nicht verwunderlich

ist, da diese zum großen Teil nahe an den Triftgewässern

liegen und daher der Transport des Holzes

keine großen Schwierigkeiten bereitete.

Der Rückgang der Fichten-Tannen-Buchen-Bestände

und die Zunahme der reinen Fichten-Bestände von

den älteren zu den jüngeren Altersklassen sind also in

dem Umfang, wie sie zunächst aus der Statistik hervorzugehen

schienen, nicht gegeben; die Ursache liegt

bei der großflächigen Abnutzung der Bestände auf

Naß böden in den Jahrzehnten vor 1855. Nähere Aufschlüsse

werden sich ergeben, wenn wir die Bestandsformen

im Zusammenhang mit den Standortseinheiten

betrachten.

Eine zweite Statistik der Bestandsformen nach den Ergebnissen

der Waldinventur von 1971 enthalten die

Tabellen 63 und 64. Hier soll der Bestockungswandel

seit 1855 nur insofern kurz erörtert werden, als hierbei

die standörtlichen Unterschiede zwischen den Höhenstufen

eine Rolle gespielt haben. Soweit die 1971 ausgeschiedenen

Bestände über die Grenzen der Höhenstufen

hinweggreifen, sind sie dort eingeordnet, wo der

größere Teil ihrer Fläche liegt. Die Ausscheidung deckt

sich also nicht vollkommen mit der der Höhenstufen.

Die Bestandsformen reine Buche und Reut-Fichte

(Wiesenaufforstungen) kamen 1972 nur auf verschwindenden

Flächen vor und sind daher den Buchen-Fichten-Beständen

bzw. den reinen Fichten-Beständen

zugeschlagen.

240

Die Wälder der Hochlagen haben sich in ihrer Zusammensetzung

seit 1855 nicht verändert. In den oberen

Hanglagen ist der Anteil der reinen Fichtenbestände

etwa gleich geblieben (Fels- und Blockböden, Naß böden).

Die einstmals dominierende Mischung Fichte­

Tanne-Buche ist bis auf geringfügige Reste zusammengeschrumpft.

An ihre Stelle sind zu etwa gleichen

Teilen Fichten-Buchen- und Buchen-Fichten-Bestände

getreten. Die Fichten-Tannen-Buchen-Bestände

haben auch in den unteren Hanglagen stark abgenommen.

Die freigewordenen Flächen sind zu 3/4 an Fichten-Buchen-Bestände

und nur zu 1/4 an die Buchen­

Fichten-Bestände gefallen. In den Tallagen hat die Mischung

Fichte-Tanne-Buche den größten Teil ihrer Fläche

an die Fichten-Buchen-Bestände verloren, Buchen-Fichten-Bestände

treten hier nicht auf.

Gerade der Flächenzuwachs der Buchen-Fichten-Bestände,

die auf den Lockerbraunerden der oberen

Hanglage große, in der unteren Hanglage geringe und

in der frostgefährdeten Tallage gar keine Flächen dazugewonnen

haben, zeigt klar die ökologischen Unterschiede

zwischen den Höhenstufen; diese kommen

wesentlich deutlicher zum Ausdruck als bei PLOCH­

MANN (1961), der die Grenzen der Hochlagen, oberen

und unteren Hanglagen und Tallagen bei Meereshöhen

von 1150 m, 950 mund 700 m festlegte. Eine Untergrenze

der unteren Hanglagen bei 700 m hätte beispielsweise

für das Nationalparkgebiet fast keine Flächen

in den Tallagen ergeben, da diese hier höher liegen

als in anderen Bereichen.

7.4.3 Bestandsformen nach Standortseinheiten

Um herauszufinden, wie sich die Waldbestände der

einzelnen Standortseinheiten (d. h. Bodenformen innerhalb

bestimmter Höhenstufen) in ihrer Baumartenmischung

unterscheiden, wurde eine besondere Auswertung

durchgeführt. Aus den Unterlagen von 1855

(WolfsteinerTriftkomplex) bzw.1861 (lIz-Triftkomplex)

sind diejenigen Bestände ausgewählt, deren Fläche

sich zu über 90%, zu 90 bis 75% oder zu 75 bis 50% mit

einer heutigen Standortseinheit deckt. Die nicht veröffentlichte

Tabelle gibt an, aus welchen Baumarten sich

die betreffenden Waldbestände zusammensetzen.

Die Daten sind so geordnet, daß entsprechend ihrer

Reihenfolge ihre Aussagekraft abnimmt. Bestände, deren

Fläche sich zu über 90% mit einer Standortseinheit


deckt, sind zuerst aufgeführt, erst danach diejenigen

mit geringerer Übereinstimmung. Innerhalb dieser

Gruppen wurden die Bestände von den hohen zu den

niedrigen Altern angeordnet. Aus der ersten Spalte

können die Baumarten in der Reihenfolge ihres Anteils

am Bestand entnommen werden. Untergeordnete Beimischung

ist durch eine Klammer gekennzeichnet.

Als zweite Quelle dienen die Aufnahmen der Probeflächen,

die in Abschn. 7.2 beschrieben sind und deren

wesentliche Daten den Abb. 43 bis 65 Ueweils mit erläuterndem

Text) zugrunde liegen.

Bei der folgenden Darstellung wird der Inhalt der Abschnitte

7.4 bis 7.42 als bekannt vorausgesetzt; es folgen

dazu noch Ergänzungen. Gegenstand der Erörterung

ist nur die Baumartenzusammensetzung der Wälder,

nicht deren Gefüge und Dynamik.

7.4.3.1 Standorte der Sand- und Lehmböden

Diese Gruppen von Standorten wird zuerst besprochen,

weil hier die Gliederung nach Höhenstufen am

klarsten erkennbar ist und weil hier alle wesentlichen

Baumarten vorkommen, auch diejenigen, welche auf

Fels- und Blockböden oder Naßböden nicht mehr gedeihen.

Innerhalb der Hochlagen wird die Bodenform

mitteJgründiger Lehm über verfestigtem Schutt ganz

von der Fichte beherrscht. Nur am unteren Rand der

Einheit tauchen hie und da der Bergahorn und vereinzelte

Buchen auf. Als Pionierbaumart kommt zur Fichte

die Eberesche.

Ein Beispiel für einen solchen Fichtenbestand gibt die

Probefläche Nr. 6 aus dem Revier Schönau (Abb. 43);

der Text enthält die treffende Beschreibung eines damals

offenbar noch unberührten Bestandes; typisch ist

die Verjüngung der Fichte auf vermodernden Stämmen.

Weitere Aufschlüsse über die Fichtenwälder dieser

Standortseinheit geben die Probeflächen Nr. 55, 56

und 60 aus dem Revier Finsterau (Abb. 44, 45 und 46),

von denen die beiden letztgenannten noch vom Menschen

unberührt sein dürften. Die Aufbauformen der

Fichten-Hochlagenbestände wird Schreyer (Bayer.

Staatsministerium f. Ernährung, Landw. u. Forsten,

1973), behandeln.

Nur sehr gering sind - wenigstens für den Baumbestand

- die Unterschiede zur Standortseinheit HochJage

/ gebJeichter mitteJgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt, die nur unbedeutende Flächen einnimmt.

Es liegen deshalb keine speziellen Angaben vor. Da

diese Bodenform jedoch nur in Kamm- und Rückenlagen

und deshalb in größerer Meereshöhe vorkommt,

scheiden hier Mischbaumarten wie Bergahorn und Buche

allein deshalb aus. Die Vogelbeere tritt, wie auf der

zuvor beschriebenen Einheit, als Pionierbaumart auf.

Wo in der Hochlage tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt vorkommt, trifft man neben der Fichte bis

etwa 1300 m regelmäßig den Bergahorn und bis etwa

1200 m auch die Buche an. Es handelt sich hier im wesentlichen

um den unteren Grenzbereich der Hochlagen.

Der Bergahorn hat hier - wo die Konkurrenz der

Tanne aufgehört hat und die Konkurrenz der Buche

nicht mehr stark ist - seinen Verbreitungsschwerpunkt.

Die Vogelbeere spielt als Pionierbaum eine Rolle.

Für die Standortseinheiten HochJage / Lehm über

Sand und HochJage / Lehm, die ebenfalls nur geringe

Flächen im unteren Grenzbereich der Höhenstufe dekken,

fehlen spezielle Bestandsbeschreibungen.

Innerhalb der Bodenform tiefgründiger Lehm über verfestigtem

Schutt vollzieht sich der Übergang von den

Mischwäldern der Hanglagen zu den Fichtenwäldern

der Hochlagen. Die Grenze der beiden Höhenstufen

wurde dort gezogen, wo die besonders lockeren Böden

(siehe Abschn. 5.2.2.5) ihre Obergrenze finden

(Ausnahmen siehe Abschn. 3.3). Diese Trennlinie verläuft

stets dort, wo flächige Vorkommen der Buche

(Horste, Gruppen) aufhören, oberhalb ist diese Baumart

nur noch einzeln vertreten. Unterhalb nimmt der

Buchenanteil der Bestände rasch zu. Wie bereits ausgeführt

(Abschn. 7.4.1), liegt die obere Verbreitungsgrenze

der Tanne anscheinend etwas tiefer als die der

Buche. So bildet sich im obersten Teil der Hanglagen

innerhalb der Standortseinheit obere HangJage / tiefgründiger

Lehm über verfestigtem Schutt eine schmale

Zone heraus, in der die Tanne nur selten vorkommt und

die Buche - begleitet von Bergahorn und Fichte - häufig

dominiert. Beispiele dieser Art liefern die Probeflächen

Nr. 10 im Revier Schönau (Abb. 47) und die Probefläche

Nr. 2 im Revier Klingenbrunn (Abb. 48).

Die Bodenform Lehm in der Ausbildung als Lockerbraunerde

herrscht in der oberen HangJage vor. Der

Mischwald aus Fichte-Tanne-Buche mit untergeordneter

Beteiligung des Bergahorn ist die zugehörige Bestandsform.

Als seltenere Mischbaumarten werden bis

etwa 1100 m Höhe der Spitzahorn, die Esche und die

Bergulme genannt. Als Pioniergehölze sind die Eber-

241


Die Spirke ist nur in den Hochmooren bis etwa 1100 m Höhe

verbreitet.

Foto: H. Bibelriether

242


In den Verebnungen der Hochlagen haben sich Hochmoore

mit Latsche ausgebildet.

Foto: G. Sperber

243


esche und die Salweide verbreitet; auch Birken kommen

vor. Im unteren Teil der Höhenstufe müßte auch

noch die Aspe gedeihen, jedoch fehlen Beobachtungen.

Die Probeflächen Nr. 12 im Revier Schönau (Abb. 49),

Nr. 19 im Revier Riedlhütte (Abb. 50), sowie Nr. 3 und

Nr. 6 im Revier Klingenbrunn (Abb. 51 und 52), die offenbar

vom Menschen noch wenig beeinflußt sind, geben

Beispiele für diese Bestandsform. Meist herrscht

nach der Baumzahl die Buche vor, die typischerweise

(siehe Schreyer, Bayer. Staatsministerium f. Ernährung,

Landw. u. Forsten, 1973) hauptsächlich mit Bäumen

geringerer Durchmesser vertreten ist; nach der

Holzmasse überwiegen die Nadelbäume. Im Durchschnitt

entfällt auf die Fichte, die Tanne und die Buche je

etwa ein Drittel der Holzmasse; bemerkenswert ist vor

allem die starke Beteiligung der Tanne, die heute in diesem

Bereich auf großen Flächen völlig fehlt!

Die Standortseinheit untere Hanglage / Lehm unterscheidet

sich von der vorigen in der Zusammensetzung

ihrer Waldbestände nicht wesentlich. Auch hier

ist fast überall die ausgewogene Mischung von Fichte­

Tanne-Buche zu finden. Beispiele für diese Bestände

liefern die Probeflächen Nr. 8 im Revier Schönau (Abb.

53), Nr. 17 und Nr. 20 im Revier Riedlhütte (Abb. 54 und

55), die alle bereits plenterartig genutzt sind. Als weitere,

seltenere Baumarten werden der Bergahorn, der

Spitzahorn, die Bergulme, die Esche, die Eibe und in

den wärmsten Lagen auch die Sommerlinde erwähnt.

Nicht genannt ist die Vogelkirsche, die man immer wieder

in den Wäldern antrifft. Als Pionierbaumarten kommen

die Salweide, die Aspe, die Eberesche und die Birke

vor.

Die bevorzugte Verwendung der Tanne und der Buche

für den Aschenbrand der Glashütten könnte eine gewisse

Begünstigung der Fichte bedeutet haben. Das ist

aber keineswegs sicher. Die Nutzung in Form einer

rohen Plenterung könnte auch Vorteile für die Schattbaumarten

Tanne und Buche gebracht haben. Eine

grundsätzliche Veränderung der Baumartenanteile in

den Fichten-Tannen-Buchen-Wäldern auf Lehmen in

der oberen und der unteren Hanglage dürften jedoch

diese Eingriffe nicht bewirkt haben (siehe Abschn. 7.3).

Es ist daher unwahrscheinlich, daß "die Fichte im Buchen-Tannenwald

der besten Lagen keine nennenswerte

Rolle" gespielt hat, wie TRAUTMANN (1952) annimmt.

Man darf sich durch die großflächigen, von der

244

Buche beherrschten Bestände, die heute auf den Lokkerbraunerden

der Hanglagen zu finden sind, nicht

täuschen lassen. Mehrere Autoren, die sich mit der Erneuerung

der Buchen-Tannen-Fichten-Urwälder befaßt

haben, z. B. MAUVE (1931) und RUBNER (1953),

haben die Bedeutung der am Boden liegenden, modernden

Baumstämme (Rannen) für die Verjüngung

der Fichte betont. Die weitgehende Nutzung des Holzes

verschiebt vermutlich die Konkurrenzverhältnisse

zwischen Buche, Tanne und Fichte zu ungunsten der

Fichte.

Die Standortseinheit Lehm über Sand hat in der unteren

Hanglage ihren Verbreitungsschwerpunkt. Sie unterscheidet

sich in der Bestandszusammensetzung

nicht nachweisbar von der Standortseinheit Lehm / untere

Hanglage, wie aus der Tabelle, aus den Probeflächen

Nr. 17, 18 und 21 im Revier Klingenbrunn (Abb. 56,

57 und 58) und der Beobachtung der heutigen Bestände

hervorgeht. Jedoch weisen die Untersuchungen

während der Waldinventur 1971 darauf hin, daß die

Fichte hier anfälliger für die Rotfäule ist als auf anderen

Standorten (Schreyer, Bayer. Staatsministerium f. Ernährung,

Landw. u. Forsten, 1973). Das könnte nun allerdings

auch für den Aufbau der einstigen Urwälder

bedeutsam gewesen sein; die betreffenden, leicht zugänglichen

Waldteile unterlagen aber schon 1855 zu

lange der menschlichen Nutzung als daß ihre Bestände

noch darüber Aufschluß geben könnten.

Die Standortseinheiten Lehm mit Wasserzug in der unteren

und oberen Hanglage sind nur auf geringen Flächen

vertreten, passende Bestandsbeschreibungen

fehlen daher. Es bestehen auch heute keine Unterschiede

in der Bestandszusammensetzung gegenüber

den Einheiten Lehm / obere Hanglage und Lehm / untere

Hanglage. Jedoch ist bei den beiden Probeflächen,

in denen auf wesentlichen Flächen Wasserzug

im Unterboden anzutreffen ist (Nr. 5 Revier Schönau

und Nr. 11 Revier Schönau, siehe Abb. 59 und 60), in

der Beschreibung auf die "vorzügliche Güte des Waldbodens"

hingewiesen, was bei anderen Standortseinheiten

nicht vorkommt. Innerhalb der Standortseinheit

untere Hanglage / Lehm mit Wasserzug gedeihen im

Nationalparkgebiet vermutlich die wuchskräftigsten

Mischbestände aus Buche, Tanne und Fichte.

Das im gesamten Bereich der Hanglagen ziemlich ähnliche

Bild des Mischwaldes ändert sich, wenn wir in die

Tallage kommen. Zwar sind in der Tabelle für die Stand-


ortseinheit Lehm / Tallage noch durchwegs die Baumarten

Fichte-Tanne-Buche angegeben. Aus den Bestandsbeschreibungen

geht aber hervor, daß die Buche

in der Regel in weit geringerer Zahl vertreten ist

und vor allem den Nebenbestand bildet. Je mehr man

sich den Kernen der Tallage mit ihrem extremen Klima

nähert, desto mehr gehen die Anteile der Buche zurück;

auf Teilflächen kann sie ganz fehlen, so daß hier

nur Fichte und Tanne die Bestände aufbauen. Neben

dem extremen Klima wirkt sich hier auch noch die Verdichtung

der Böden aus, die sich auf die Umgebung der

Naßböden konzentriert; auch dadurch ist die Buche im

Nachteil.

Zum gleichen Ergebnis kommt man auch aufgrund der

einzigen in diese Standortseinheit fallende Probefläche

(Nr. 2 Revier Schönau, Abb. 61) und nach der heutigen

Zusammensetzung der Bestände. Während in

den Hanglagen auch in den jüngsten Altersklassen bis

1855 die Mischung Fichte-Tanne-Buche gewahrt blieb,

fehlten in den Verjüngungen der Tallagen bereits

mehrfach die Buche und die Tanne. Diese Baumarten

können sich - nach der Abnutzung der Altbestände

den Wirkungen des extremen Klimas ausgesetzt - nur

schwer behaupten. Im Abschn. 3.1431 ist auf die Frostwirkungen

an der Buche näher eingegangen, die im

Freiland sehr deutlich sind, nicht dagegen unter

Schirm.

Sonstige Baumarten treten auf der Standortseinheit

kaum auf, vereinzelt findet sich der Bergahorn. Die Pionierbaumarten

Aspe, Salweide, Vogelbeere und Birke

kommen auch hier vor.

Die Standortseinheit Tallage / Lehm über Sand unterscheidet

sich in der Bestandszusammensetzung nicht

von der vorigen. Dasselbe gilt vermutlich für die Einheit

Tallage / Sand und Schotter, über die keine weiteren

Aussagen möglich sind.

7.4.3.2 Standorte der Fels- und Blockböden

Über die vorkommenden Baumarten und ihre Anteile

an den Beständen geben uns wieder die Beschreibungen

aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts einigen

Aufschluß. Probeflächen, die damals überwiegend auf

den betreffenden Standortseinheiten angelegt wurden,

existieren leider nicht. Wesentliche Auskünfte

gibt uns hier aber die Beobachtung der heutigen Waldbestände,

die wegen des schwer zugänglichen und

vielfach steilen Geländes noch ursprünglicher erhalten

sind als es auf den anderen Standorten der Fall ist. Wesentlich

ist für alle Fels-, Humus- und Block-Humusböden

das fast vollständige Fehlen der Buche, ein Befund,

der durch zahlreiche Beobachtungen gesichert ist.

Die Standortseinheiten Hochlage / BJockfeJd und obere

HangJage / BJockfeJd sind waldfrei, da sich zwischen

den Blöcken noch nicht genügend humoses Material

gesammelt hat. Nur vereinzelt treten Latsche, krüppelige

Fichte und Vogelbeere (z. B. am Lusengipfel), in der

oberen Hanglage auch manchmal Birke auf.

Die Fichte beherrscht die Standortseinheiten BJock­

Humusboden und Fels-Humusboden in den HochJagen.

Auf Fels-Humusböden ist ihr Wachstum gegenüber

den Block-Humusböden stark gedämpft. Bis etwa

1300 m kommt der Bergahorn dazu; als Pioniergehölze

sind die Vogelbeere und bestimmte strauchförmige

Weidenarten anzutreffen. Die angegebene Bestandszusammensetzung

gilt auch für die Fels- und Block­

Boden-Anteile der Standortseinheiten HochJage /

FeJs-Lehm-Mosaik und HochJage / BJock-Lehm-Mosaik;

der Rest dieser Flächen folgt in seiner Bestokkung

den Sand- und Lehmböden, d. h. der Bergahorn

ist bis 1300 m stäker vertreten und Buche kommt in der

unteren Randzone vor.

In den oberen Hanglagen haben die Fels- und Blockböden

den Schwerpunkt ihrer Verbreitung. Die Standortseinheit

obere HangJage / BJock-Humusboden

schließt die Buche fast vollkommen aus. Die Bestände

bauen sich - es gibt noch schöne Beispiele - aus Fichte,

Tanne und Bergahorn auf; hinzu kommt noch bis

etwa 1100 m der Spitzahorn. Wenigstens im unteren

Höhenbereich könnte auch die Bergulme noch vertreten

sein, es fehlen aber entsprechende Angaben. Als

Pionier ist die Eberesche häufig. Dieselben Baumarten

treffen wir auf den Block-Humus-Böden innerhalb der

Standortseinheit BJock-Lehm-Mosaik in der oberen

HangJage. Für den Anteil an lehmigen Böden gilt das in

Abschn. 7.4.3.1 Gesagte.

Die FeJs-Humus-Böden der oberen HangJage tragen -

wie die der Hochlage - nur eine geringwüchsige Fichtenbestockung.

Vereinzelte Exemplare der Tanne, des

Bergahorn und der Buche trifft man meist nur dort, wo

sich etwas mineralische Feinerde gesammelt hat.

Die Felsanteile der Standortseinheit obere HangJage /

FeJs-Lehm-Mosaik sind mit Fichten, Tannen und Bergahornen,

selten auch Buchen bestanden. Angaben für

245


die Anteile an lehmigen Böden enthält Abschn. 7.4.3.1.

Auf den Block-Humusböden der unteren Hanglage, die

nur sehr selten sind, kommen hin und wieder die Bergulme

und die Sommerlinde vor, sonst bestehen keine

wesentlichen Unterschiede gegenüber der oberen

Hanglage. Für den Felsanteil der Standortseinheit untere

Hanglage / Fels-Lehm-Mosaik gilt dasselbe.

Soweit Fels- und Blockböden in den Tallagen überhaupt

vorkommen, sind neben der Fichte vor allem die

Tanne und vereinzelt der Bergahorn auf ihnen anzutreffen.

Als Pioniergehölz kommt noch die Vogelbeere

hinzu.

7.4.3.3 Standorte der Naßböden

Einige der Baumarten, die auf den Sand- und Lehmböden

anzutreffen sind, fehlen auf den Naß böden, weil sie

bei den hier gegebenen Bodenverhältnissen nicht

mehr gedeihen. Die Zahl der vorkommenden Baumarten

ist also gegenüber den Sand- und Lehmböden eingeschränkt,

ähnlich wie das auch bei den Fels- und

Blockböden festzustellen war.

Die mineralischen Naßböden der Hochlagen werden

sowohl nach den Aufzeichnungen aus der Mitte des

vorigen Jahrhunderts als auch nach heutigen Beobachtungen

ganz von der Fichte eingenommen. Zu ihr

gesellt sich bereits in der oberen Hanglage die Tanne.

Diese ist hier aber wesentlich seltener als auf den

Sand- und Lehmböden derselben Höhenstufe. Das

geht aus der Tabelle hervor, wo die Tanne bei den mineralischen

Naßböden in nicht einmal der Hälfte der

Fälle ausdrücklich genannt ist.

Heute spielt die Tanne auf Naßböden oberhalb 1050 m

keine wesentliche Rolle mehr. Das war vermutlich bereits

in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ähnlich,

denn aus der Karte von 1855 sind nur zwei Bestände

aus Fichte und Tanne zu entnehmen, die im Höhenbereich

1050 bis 1150 m lagen und vorwiegend auf Naßböden

stockten. In dieselbe Richtung deutet auch ein

Vergleich der Probeflächen Nr. 13 im Revier Schönau

(Abb. 62) und Nr. 9 im Revier Klingenbrunn (Abb. 63),

die größere Flächen an mineralischen Naß böden enthalten.

Es ist zu vermuten, daß die Tanne auf Naßböden

ihre obere Verbreitungsgrenze in etwas geringerer

Meereshöhe erreicht, als auf Sand- und Lehmböden.

Geht man zu mineralischen Naßböden der unteren

Hanglage über, so war auch hier die Tanne nur als un-

246

tergeordnete Beimischung, aber regelmäßig, anzutreffen.

Die in der Tabelle aufgeführten Bestandsbeschreibungen

erwähnen zwar die Tanne in der Mehrzahl der

Fälle nicht; Vergleiche zwischen Bestandsbeschreibungen

und den Originalaufnahmen der in den betreffenden

Beständen liegenden Probeflächen haben jedoch

auch bei Naßböden gezeigt, daß Ta-Anteile um

10% auch dann gegeben waren, wenn die Tanne nicht

als Baumart erwähnt ist. Man kann daher annehmen,

daß ein großer Teil der "Fichten-Bestände" auf mineralischen

Naßböden geringe Tannen-Anteile aufwies. Sicher

ist aber, daß die Tanne hier weit weniger häufig

war, als auf Sand- und Lehmböden. Das trifft wohl auch

für die Bestände zu, die in der Karte Nr. 12 als Fichten­

Tannen-Bestände ausgeschieden sind. In geringem

Umfang und fast nur nebenständig kommt auf den mineralischen

Naßböden an steileren Hängen, die nicht

das ganze Jahr über bis zur Oberfläche vernäßt sind,

sowohl in der unteren als auch in der oberen Hanglage

die Buche vor. An quelligen Stellen trifft man in der unteren

Hanglage hin und wieder die Schwarzerle an. Als

Pioniergehölze treten Aspe, Salweide, Vogelbeere und

Birke auf.

Auf mineralischen Naßböden der Tallagen herrschte

ebenfalls die Fichte, Tanne dürfte im allgemeinen in geringerem

Umfang aber regelmäßig beigemischt gewesen

sein, wie es heute noch zu beobachten ist; dafür

sprechen die Bestandsbeschreibungen in der Tabelle,

in denen die Tanne immer wieder erwähnt ist. Und die

Bestandsbeschreibungen auf denen die Karte Nr. 12

beruht (Fichten-Tannen-Bestände). Waren nur wenige

Tannen vorhanden, so brauchen sie nicht immer aufgeführt

zu sein, wie im vorigen Absatz bereits dargelegt

ist; wenn also die Tanne in den Bestandsbeschreibungen

nicht genannt ist, so beweist das noch nicht, daß

sie fehlte, wohl aber, daß sie nur untergeordnet beteiligt

war.

Neben der Fichte und der Tanne findet sich vereinzelt,

vor allem an Wasserläufen, die Schwarzerle; anders als

in den unteren Hanglagen ist ihr Wuchs stets kümmerlich.

Möglicherweise spielen hierbei die extremen klimatischen

Verhältnisse eine Rolle. Als Pionierbaumarten

sind Birke, Salweide und Vogelbeere anzutreffen.

Mit zunehmender Stärke der organischen Auflage werden

die ökologischen Bedingungen auf den Naßböden

für die meisten Baumarten schwieriger. Die Fichte


kann sich relativ gut anpassen, sie wächst auf Niedermoor

noch zu mächtigen Bäumen heran. Kaum möglich

ist es, über die Beteiligung der Tanne an solchen

Beständen genauere Aussagen zu machen; denn die

Flächen dieser Bodenform sind meist so klein, daß weder

Bestandsbeschreibungen, noch Probeflächen ein

klares Bild vermitteln können. Im heutigen Wald geht

die Beteiligung der Tanne in den Beständen auf flachem

sowie auf mittlerem und tiefem Niedermoor mit

zunehmender Mächtigkeit der organischen Auflage

zurück. Trifft man auf mineralischen Naßböden die

Tanne noch häufig, so sinkt innerhalb der Bodenform

flaches Niedermoor ihr Anteil mit zunehmender Stärke

der Moorauflage laufend ab, häufig fehlt sie vollständig.

Auf tiefem Niedermoor ist sie nur in seltenen Ausnahmefällen

noch zu finden. Die Bestandsbeschreibungen

sprechen dafür, daß das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts

ähnlich war. Weder bei Beständen auf flachem,

noch bei solchen auf tiefem Niedermoor wird jeweils

die Tanne genannt. Wie schon erläutert, muß das

nicht bedeuten, daß sie völlig gefehlt hat, es besagt

aber mindestens, daß sie nur gering am Aufbau der Bestände

beteiligt gewesen ist. Die beiden Probeflächen

Nr. 21 im Revier Riedlhütte (Abb. 64) und Nr. 14 im Revier

Klingenbrunn (Abb. 65) lassen nicht erkennen, ob

die Tanne auch auf dem tiefen Niedermoor oder nur

außerhalb vorgekommen ist.

Faßt man all diese Beobachtungen zusammen, so ist

es wahrscheinlich, daß die Tanne in den natürlichen

Wäldern auf den Standortseinheiten Tallage / flaches

Niedermoor und untere Hanglage / flaches Niedermoor

noch in geringem Umfang, aber wesentlich seltener als

auf mineralischen Naßböden vorkam. Bis zu welcher

Meereshöhe sie diese Standorte besiedeln konnte, ist

offen. Als Pioniergehölze treten die Ohrweide und die

Moorbirke auf; diese kommt vereinzelt bis in die Hochlagen

vor, ist aber nur im unteren Bereich häufiger.

Hat ein Moor durch Anhäufung organischer Substanz

begonnen, sich über seine Umgebung aufzuwölben

und wächst es allmählich aus dem Niveau des mineralstoffhaitigen

Grundwassers hinaus, so sind die veränderten

ökologischen Bedingungen deutlich am Wald

zu erkennen. Auf Übergangsmooren ist die dominierende

Baumart die Fichte. Ihre Wuchs- und Konkurrenzkraft

sind aber bereits so geschwächt, daß lichtbedürftige

Baumarten, wie die Moorbirke, wesentliche

Anteile an den Beständen erhalten. Abgesehen von

den Hochlagen, wo die Fichte allein vorkommt, sind daher

Fichte und Moorbirke die Hauptbaumarten auf dieser

Standortseinheit. Zu ihnen tritt als weitere Lichtbaumart

in den Tallagen die Wald kiefer, die immer wieder

zu beobachten ist, z. B. im Großen Filz bei Spiegelau.

Das bedeutendste Vorkommen der Waldkiefer auf

Übergangsmooren liegt außerhalb des Nationalparks,

in der Randzone des Klosterfilzes; es wird neben anderen

Beispielen auch bereits von SENDTNER 1860 erwähnt.

Die Übergangsmoore der Tallagen sind daher

möglicherweise ein natürlicher Standort der WaIdkiefer,

sicherlich der einzige im Nationalparkgebiet.

Bei weiterem Wachstum entwickelt ein Moor einen eigenen,

nur mehr aus den Niederschlägen gespeisten

Wasserkörper im Torf; es bildet sich ein Hochmoor. Die

Standortseinheit Übergangsmoor ist in der vorliegenden

Arbeit gegen die Einheit Hochmoor dort abgegrenzt,

wo der Wald aus Fichte, Moorbirke und Waldkiefer

aufhört und Beständen der Spirke, Latsche oder

vereinzelten krüppelhaften Fichten oder Moorbirken

weicht. Spirke tritt innerhalb des Nationalparkgebietes

nur in der Tallage auf; sie erreicht aber im Finsterauer

Filz eine Meereshöhe von 1050 m. In den Kammlagen

des Gebirges sind Moore häufig nur von Krüppelfichten

bestanden. In den Kernen der Hochmoore können

auch diese Gehölze kleinflächig fehlen. Nach Entwässerung

breiten sich häufig Fichten und Birken, besonders

an den Grabenrändern aus.

Sonderfälle stellen die Standortseinheiten des hochgelegenen

Quellmoors in den oberen Hanglagen und in

den Hochlagen dar. Sie kommen nur oberhalb etwa

1050 m vor. Eine im allgemeinen nur geringe Mächtigkeit

der organischen Auflage und starke Wasserdurchrieselung

sind kennzeichnend. Die Standorte dieser

Einheiten sind von kümmernden Fichten schütter bestockt.

Wo die organischen Auflagen mächtiger werden

(z. B. 80 cm), fehlt häufig auch die Fichte und es

siedeln sich typische Hochmoorpflanzen an. Die ökologischen

Bedingungen dieses Standorts sollten näher

untersucht werden. Die Höhenlage deutet darauf hin,

daß hier klimatische Umstände, vielleicht auch die

Temperatur des Quellwassers, eine Rolle spielen.

Zwischen den Bestandsformen, wie sie aus den Aufnahmen

um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, bzw.

aus den Beobachtungen der heutigen Wälder hervorgehen,

und den Standortseinheiten haben sich in den

vorausgehenden Abschnitten klare Zusammenhänge

247


ergeben. Auch wenn eine gewisse Veränderung der

Wälder durch menschliche Einflüsse bis zur Mitte des

vorigen Jahrhunderts angenommen wird, haben die

Untersuchungen doch differenziertere Angaben über

die Baumartenzusammensetzung erbracht, als Pollenanalyse

und Vegetationskunde liefern können. Aufbauend

auf der Standortskarte lassen sich nun für fast

die gesamte Fläche des Nationalparkgebietes annähernde

Aussagen über die ursprünglichen Baumartenanteile

der Wälder machen. Es istzu hoffen, daß darüber

hinaus in absehbarer Zeit, beispielsweise durch

pollenanalytische Untersuchungen geklärt wird, wie

stark die Zusammensetzung des Waldes sich bis zur

Mitte des vorigen Jahrhunderts unter dem Einfluß des

Menschen bereits verändert hatte.

7.5 Baumdimensionen

Zum Abschluß sei noch einiges über die Ausmaße gesagt,

die Bäume im Inneren Bayerischen Wald erreichen

können. Am Ende des vorigen Jahrhunderts kamen

urwüchsige Bestände noch auf wesentlich größeren

Flächen vor als heute. Aus RAESFELDT (1894) ist

daher die Tabelle 65 übernommen. Die größeren Ausmaße

sind nach Höhe (55 m), Durchmesser in Brusthöhe

(170 cm) und Holzmasse (36,9 fm) für die Weißtanne

angegeben. Bei der Fichte sind als größte Baumhöhe

49 m, bei der Buche 48 m genannt.

Diese gewaltigen Ausmaße zeigen, zu welcher Größe

Fichten, Tannen und Buchen im Inneren Bayerischen

Wald heranwachsen, wenn sie alt genug werden können;

sie beweisen auch, wie günstig die Standorte für

das Wachstum der Waldbäume in diesem Gebiet sind.

249


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der niederösterreichischen Kalkalpen, Mitt. d. Forstl.

Bundes-Versuchsanstalt Mariabrunn, 62, Heft


Wissenschaftliche Reihen Nationalpark Bayerischer Wald

Bisher erschienene Hefte:

A) "Nationalpark Bayerischer Wald"

Nr. l' Klima und Böden - Waldstandorte, von W. Elling,

E. Bauer, G. Klemm und H. Koch,

2. Auflage 1987, 254 Seiten, zahlreiche Tabellen.

Abbildungen, 11 mehrfarbige Karten im Maßstab

1 :50 000 Preis DM 50,-

Nr. 2 Rauhfuß-Hühner von W. Scherzinger, 1976

71 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Tabellen

und Grafiken DM 14,-

Nr. 3 Fischotter von I. Hodl-Rohn u. R. Becker, 1978

60 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Tabellen

und Grafiken DM 14,-

Nr. 4 Pflanzengesellschaften des Nationalparkes

Bayer. Wald von R. Petermann und P. Seibert, 1979,

142 Seiten, zahlreiche Tabellen, z. T. mehrfarbige

Abbildungen, Vegetationskarte

Maßstab 1 :25000 DM 20,-

Nr. 5 Witterung und Klima im Nationalpark Bayer. Wald

- dargestellt an hand der dreijährigen Datenreihe

der Klimastation Waldhäuser (1974-1976), von

E.-M. Noack, 1979, 132 Seiten, zahlreiche

Abbildungen, Tabellen und Grafiken DM 17,-

Nr. 6 Eiszeitliche Formen und Ablagerungen

von U. Hauner, 1980,

198 Seiten, zahlreiche Grafiken, Karten,

Tabellen und z. T. mehrfarbige Abbildungen DM 35,-

Nr. 7 Rot- und Rehwild im Nationalpark Bayer. Wald

von U. Wotschikowsky, 1981,

111 Seiten, zahlreiche Tabellen, Grafiken, Abbildungen,

mehrfarbige Karte der Schälschäden DM 17,-

Nr. 8 Sammeln und Langlauten im Nationalpark Bayer.

Wald von U. Ammer, A. Pledl, H. J. Riederer und

K. Thiele, 1982, 65 Seiten, zahlreiche Abbildungen,

Tabellen, Grafiken und Karten DM 14,-

Nr. 9 Spechte im Nationalpark Bayer. Wald

von W. Scherzinger, 1982, 119 Seiten, zahlreiche

Abbildungen, Grafiken, Tabellen und Karten DM 14,-

Nr. 10 Ökologische Wertanalyse - Gutachten zur

Waldpflegeplanung im Nationalpark Bayer. Wald auf

der Grundlage einer ökologischen Wertanalyse von

U. Ammer und H. Utschick, 1984, 95 Seiten,

zahlreiche Tabellen, Abbildungen, Grafiken,

4 mehrfarbige Karten im Maßstab 1 :50000 DM 14,-

Nr. 11 Eine Landschaft wird Nationalpark

Die Geschichte des Waldes und seiner Besiedlung

von R. Strobl, Entstehungsgeschichte des Nationalparks

Bayer. Wald und Entwicklung seit 1969 von

M. Haug, 1983, 135 Seiten, zahlreiche Abbildungen,

Karten, umfangreiche Listen der erschienenen

Literatur und der laufenden und abgeschlossenen

Forschungsarbeiten DM 20,-

Nr. 12 Vögel im Urwald

Die Vogelwelt der Urwaldgebiete im Inneren Bayer.

Wald von W. Scherzinger, 1985, 188 Seiten, zahlreiche

Abbildungen, Tabellen und Grafiken DM 20,-

B) Tagungsberichte

1. Wasserhaushaltssysteme naturnaher, kleiner Einzugsgebiete,

25.-27. Mai 1978, 134 Seiten, zahlreiche

Abbildungen, Tabellen und Grafiken (vergriffen)

2. Forschungsziele, Planung und Koordination von

Forschungsprogrammen in mitteleuropäischen

Nationalparken und vergleichbaren Schutzgebieten,

25.-27. Mai 1978,98 Seiten, zahlreiche Abbildungen,

Tabellen und Grafiken DM 17,-

3. Schutz der Tier- und Pflanzenwelt und ihrer natürlichen

Lebensräume, 22.-26. Juni 1979, 117 Seiten, 1 Tabelle,

10 Abbildungen DM 17,-

4. Naturerieben, Naturerkenntnis, naturkundliche Bildung

in Nationalparken und vergleichbaren Schutzgebieten

18.-21. Juni 1980, 154 Seiten, zahlreiche Abbildungen,

Tabellen und Grafiken DM 22,-

5.1 Wald und Wasser

Prozesse im Wasser- und Stoffkreislauf von Waldgebieten

2.-5. September 1984

Teil I: 385 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Tabellen

und Grafiken DM 21,-

5.2 Wald und Wasser

Prozesse im Wasser- und Stoffkreislauf von Waldgebieten

2.-5. September 1984

Teil 11 : Wasser- und Stoffbilanzen, 682 Seiten, zahlreiche

Abbildungen, Tabellen und Grafiken DM 21,-

C) Wasserhaushalt und Stoffbilanzen im naturnahen

Einzugsgebiet GroBe Ohe

1. Die Ermittlung des Gebietsniederschlages zur Lösung

hydrologischer Bilanzen von U. Teichmann, 1984,

89 S., 38 Abbildungen, 3 Fotos, 10 Tabellen DM 15,-

2. Säure- und Stoffeintrag mit dem Niederschlag von

Marc Bosse, 1987, 168 Seiten, 38 Abbildungen,

16 Tabellen DM 17,-

3. Validierung, Anpassung und Modifizierung des forsthydrologischen

Modells BROOK von Martin Kennel

1987, 178 Seiten, 23 Abbildungen, 12 Tabellen DM '17,-

255

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