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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> | 3,00 €<br />

4 197821 303000 5 4<br />

Zug um Zug –<br />

Mythos Märklin<br />

Florian Sieber führt den traditionsreichen<br />

Modellbahnhersteller zurück in die Erfolgsspur. Ein<br />

Gespräch über Emotionen, Digitales und Marketing.<br />

Arbeitszeit Wie Unternehmen attraktiver werden SEITE 6<br />

Entspannung Tipps für kurze Auszeiten in der Alltagshektik SEITE 32<br />

Umfrage Was für Führungskräfte an Weihnachten wichtig ist SEITE 46


Zeit für Pioniere.<br />

Die Meister Driver Chronoscope zeigt nicht nur die<br />

Zeit an, sondern bringt eine ganze Epoche zurück: die<br />

Anfangsjahre des modernen Automobils und die Stunde<br />

der großen Technik pioniere. Ihr Äußeres ist inspiriert<br />

von der Gestaltung historisch bedeutender Oldtimer<br />

und deren Instrumententafeln. Wie keine andere verbindet<br />

sie den einzigartigen Charme dieser Automobile<br />

mit unserer Leidenschaft für mechanische Zeitmesser.


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[inhalt]<br />

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,<br />

Alexander Bögelein,<br />

Redaktionsleiter<br />

<strong>unternehmen</strong> [!]<br />

was bleibt im Rückblick auf dieses Jahr für<br />

die erfolgsverwöhnte Wirtschaft in Baden-<br />

Württemberg? Wie wäre es mit Dankbarkeit?<br />

Während viele Länder in Krisen und<br />

Kriegen versinken, geht es bei uns im siebten<br />

Jahr in Folge bergauf. Die Firmen sind<br />

gut ausgelastet – und gut aufgestellt. Das<br />

gilt auch für Märklin, wenngleich der Wettbewerb<br />

um Regalfläche im Handel für den<br />

Modellbahnhersteller herausfordernd ist,<br />

wie unser Titelinterview mit Märklin-Chef<br />

Florian Sieber zeigt (S. 10). Doch die gute<br />

Auftragslage hat auch ihre Kehrseite: Manche<br />

Chefs fordern viel und gehen mit ihren<br />

Mitarbeitern, aber auch mit sich selbst,<br />

nicht gut um. Das kann gefährliche Folgen<br />

haben und für Firmen teuer werden (S. 28).<br />

Dabei wäre es so einfach, sich Auszeiten zu<br />

gönnen (S.32). In unserer Umfrage geht es<br />

dieses Mal um Weihnachtserlebnisse. Ich<br />

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.<br />

Ihr Alexander Bögelein<br />

[führen]<br />

6 Wann es euch gefällt Mit Vertrauensarbeits<br />

zeit zum attraktiven Arbeitgeber<br />

40 Bühne für die Suche nach den Besten<br />

1200 Besucher beim zweiten<br />

Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE<br />

[titelthema]<br />

10 Weichensteller für die digitale<br />

Zukunft Märklin-Chef Florian Sieber<br />

im Gespräch<br />

[spezial]<br />

20 Auf die Plätze – fertig – Haus<br />

In Günzburg stehen Europas modernste<br />

Fertighäuser<br />

36 Flott gemacht Viel Geld mit<br />

Fuhrparkmanagement sparen<br />

[finanzieren]<br />

22 Die Tücke der Versorgungslücke<br />

Altersvorsorge: Keine Angst vor bösen<br />

Überraschungen<br />

[machen]<br />

26 Fensterbauer mit glasklarer<br />

Ausrichtung Gugelfuss aus Elchingen<br />

42 Gemeinsam besser entsorgen<br />

Recycling im Netzwerk: Knittel aus<br />

Vöhringen<br />

[verantworten]<br />

28 Gefährliche Abwärtsspirale Wie gute<br />

Chefs ihre Mitarbeiter vor Burnout<br />

schützen<br />

32 Moment mal Expertentipps für mehr<br />

Achtsamkeit sich selbst gegenüber<br />

[gründen]<br />

44 Vom Flüchtling zum Unternehmer<br />

Rashed Mohebbi macht sein Ding<br />

[leben]<br />

46 Ein Kater im Weihnachtsbaum<br />

Umfrage unter Führungskräften zu ihren<br />

Weihnachtswünschen und -erlebnissen<br />

[namen & nachrichten]<br />

4 Freiraum für digitale Talente<br />

5 Angespannter Immobilien-Markt,<br />

aber keine Preisblase<br />

20 Erster Mieter für Sedelhöfe<br />

50 Britax Römer: In Leipheim<br />

angekommen<br />

50 Impressum<br />

26 42<br />

28 06<br />

22<br />

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Freiraum für digitale Talente<br />

Die Wirtschaftsregion Ulm ist<br />

stark. Doch was ist nötig, damit<br />

das auch 2030 der Fall ist? Eine<br />

Initiative von Unternehmern hat<br />

den Verein „initiative.ulm.digital“<br />

gegründet. Dessen Ziel: Ulm<br />

zum digitalen Marktplatz für junge<br />

Talente zu machen, für diese<br />

und damit auch für Fachkräfte<br />

attraktiv zu sein. Ulms Oberbürgermeister<br />

Gunter Czisch ist Beiratsmitglied.<br />

Er beschäftigt sich<br />

seit mehr als zehn Jahren mit Digitalisierung,<br />

ist unter anderem<br />

beim Nationalen E-Government<br />

Kompetenzzentrum aktiv und in<br />

IT-Führungskreisen extrem gut<br />

vernetzt. „Innovation kann man<br />

nicht organisieren, man kann<br />

nur ein Milieu schaffen, in dem<br />

sich Kreativität entfaltet“, sagt<br />

Czisch. Für ihn ist Digitalisierung<br />

vor allem ein Thema der<br />

Stadtentwicklung: „Man muss<br />

stets fragen: An welcher Stelle<br />

kann und muss eine Stadt selbst<br />

etwas tun?“ Neben dem neu gegründeten<br />

Verein ist das Verschwörhaus<br />

ein Teil der Initiative.<br />

In diesem Reallabor haben<br />

junge Leute Freiräume, ihre Ideen<br />

umzusetzen. Aktuell geht es<br />

auch um den Aufbau eines Sensoren-Netzwerks.<br />

Wofür das gut<br />

sein soll? Um Lösungen zu finden,<br />

an die man heute noch nicht<br />

denkt. Im spanischen Santander<br />

wurden 20.000 Sensoren angebracht.<br />

Diese liefern nun Daten<br />

an eine zentrale Kontrollstelle.<br />

Damit werden die Parkplätze in<br />

der City wie in einem riesigen<br />

Parkhaus organisiert.<br />

Im Verschwörhaus gibt es derzeit<br />

Arbeitsgruppen für die Themen<br />

„Open Data“ und „CNC-Maschinen<br />

und gefährliche Geräte“ sowie<br />

Einführungskurse fürs „Offene<br />

Editieren“ von Wikipedia und<br />

wöchentlich offene Abende (ab<br />

18.30 Uhr.) Die Bandbreite der Interessierten<br />

reicht von 6 bis 60<br />

Jahren. Auch haben dort Jugendliche<br />

zum Beispiel in einem Löt-<br />

Workshop gelernt, einen TV-Ausknipser<br />

zu bauen. [!] AMB<br />

Machen Ulm attraktiv für Digital-Talente: OB Gunter Czisch (links) und Heribert<br />

Fritz, Vorsitzender des Vereins „initiative.ulm.digital“.<br />

Dietenheim wird zum Wissenschaftslabor<br />

Mit gläsernen Produktionen und<br />

Design-Werkstätten will Dietenheim<br />

(Alb-Donau-Kreis) an seine<br />

Tradition als Textilstandort anknüpfen.<br />

„Unser Ziel ist es, die<br />

Wirtschaftskraft unserer Stadt<br />

auszubauen und die Innenstadt<br />

neu zu beleben“, sagt Bürgermeister<br />

Christopher Eh. Gefördert<br />

wird sein Ansinnen vom Land<br />

Baden-Württemberg, das ein Forschungsprojekt<br />

der Universität<br />

Ulm und der Hochschule Reutlingen<br />

mit knapp einer Million<br />

Euro fördert. Mit einem „ReallaborE<br />

wollen die Wissenschaftler<br />

mit den 6700 Einwohnern Lösungen<br />

und Wege für die Zukunft<br />

ausfindig machen. Bereits im Juli<br />

wurde deshalb in der Dietenheimer<br />

Innenstadt ein Nähcafé für<br />

wöchentliche Workshops und<br />

Strickkurse eröffnet.<br />

„Wer verantwortungsvoll handelt,<br />

wendet sich ab von Billigtextilien<br />

und hin zu fair gehandelten,<br />

umweltverträglichen<br />

Produkten, die sich durch Qualität<br />

und Langlebigkeit auszeichnen“,<br />

erklärt Professor Dr. Martin<br />

Müller von der Universität Ulm<br />

die Philosophie des auf mehrere<br />

Die erste Messe „Dietenheim zieht an!“ lockte viel Besucher an.<br />

Jahre angelegten Forschungsprojektes.<br />

Eine erste Kostprobe gab<br />

es mit der Ausstellung „Dietenheim<br />

zieht an!“, bei der 15 Hersteller<br />

und Händler aus der Region<br />

nachhaltige Mode und<br />

innovative Ideen aus der Textilwirtschaft<br />

präsentierten, darunter<br />

Miet- und Tauschkonzepte für<br />

hochwertige Bekleidung. Auch<br />

Andreas Merkel möchte den Textilstandort<br />

wieder aufleben lassen.<br />

Der Geschäftsführer der Gebrüder<br />

Otto GmbH & Co. KG,<br />

einer Traditionsspinnerei, weiß:<br />

„Das Prinzip des klassischen Einzelhandels<br />

funktioniert nicht<br />

mehr. Deshalb müssen wir im<br />

Ort ein Einkaufserlebnis für die<br />

ganze Familie schaffen.“[!] LOE<br />

4


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[namen & nachrichten]<br />

Angespannter Immobilien-Markt, aber keine Preisblase<br />

Die Gefahr einer Immobilienblase<br />

steigt in deutschen Großstädten,<br />

nicht aber in der Region. Einen<br />

Spitzenplatz nimmt nach<br />

dem Blasenindex des Berliner Beratungs<strong>unternehmen</strong>s<br />

Empirica<br />

Stuttgart ein. Dort sei es deutlich<br />

schwieriger geworden, einen<br />

Wohnungskauf über Vermietung<br />

zu refinanzieren, weil sich Preise<br />

und Mieten auseinander entwickeln.<br />

Zudem lässt sich mit dem<br />

dortigen Einkommen schlechter<br />

eine Eigentumswohnung finanzieren.<br />

Empirica-Marktforscher<br />

Reiner Braun sieht die Situation<br />

kritisch: „In Stuttgart gibt es viel<br />

zu wenig Neubau.“ In den Landkreisen<br />

Göppingen, Alb-Donau,<br />

Ravensburg und Bodensee sei die<br />

Lage eher unproblematisch.<br />

Der Kreis Biberach sei eine der<br />

wenigen Regionen, in denen „zu<br />

viel“ gebaut werde. „Die Preise<br />

und Mieten haben sich zuletzt<br />

schon etwas beruhigt. Es gibt<br />

aber großen Nachholbedarf wegen<br />

der guten Arbeitsplatzentwicklung“,<br />

sagt Braun. Allerdings<br />

müsse man beobachten, ob langfristig<br />

mehr als 1000 Wohneinheiten<br />

pro Jahr fertiggestellt werden.<br />

„Das wäre dann wohl etwas<br />

zu viel.“ Gleichwohl sei es in Biberach,<br />

am Bodensee und in der<br />

Stadt Ulm im dritten Quartal<br />

schwieriger gewesen, einen Wohnungskauf<br />

über die Miete zu refinanzieren.<br />

In Ulm sei es auch<br />

komplizierter geworden, mit<br />

dem regionalen Einkommen eine<br />

Wohnung zu kaufen. [!] AMB<br />

Die Penthouse-Wohnungen im Brückenhaus in Neu-Ulm gehören zu den teuersten<br />

und exklusivsten Lagen, die die Region Ulm zu bieten hat.<br />

Aufschwung<br />

solide, gute<br />

Auslastung<br />

Die Konjunktur in Baden-Württemberg<br />

läuft weiter gut. Die IHK<br />

Ulm spricht von einem soliden<br />

Aufschwung. Die Stimmung in<br />

den Unternehmen ist positiv. Für<br />

die kommenden Monate wird eine<br />

Entwicklung auf ähnlichem<br />

Niveau erwartet. Bei mehr als der<br />

Hälfte aller Betriebe laufen die<br />

Geschäfte gut. Weitere 42 Prozent<br />

vermelden eine befriedigende<br />

Geschäftslage. Ursache hierfür<br />

sind laut IHK ordentliche Umsatzzahlen.<br />

Zudem habe sich die<br />

Ertragslage gegenüber dem Frühjahr<br />

noch einmal verbessert.<br />

Blendend ist die Stimmung im<br />

Handwerk. Nach den Angaben<br />

der Handwerkskammer Ulm, die<br />

18.400 Betriebe zwischen Jagst<br />

und Bodensee betreut, sind drei<br />

Viertel der Firmen mit ihrer wirtschaftlichen<br />

Situation zufrieden.<br />

Die Auslastung ist gut[!] AMB<br />

Daimler TSS holt sich den<br />

Titel „attraktivste Firma“<br />

Die 20 beliebtesten Firmen in der<br />

Region Ulm/Neu-Ulm<br />

1. Daimler TSS<br />

2. Ratiopharm GmbH<br />

3. Liebherr-International<br />

Deutschland<br />

4. Airbus Defence and Space<br />

5. Seeberger<br />

6. Wieland-Werke<br />

7. Gardena Deutschland<br />

8. Liqui Moly<br />

9. Peri<br />

10. Drogeriemarkt Müller<br />

Rund 1800 junge Leute haben<br />

Daimler TSS zum attraktivsten<br />

Arbeitgeber in der Region Ulm/<br />

Neu-Ulm gewählt. Die IT-Tochter<br />

des Daimler-Konzerns mit Sitz in<br />

Ulm (siehe auch Seite 6) verteidigte<br />

damit ihren Titel. Für die<br />

Studie hatte die Hochschule Neu-<br />

Ulm mehr als 1700 Studenten<br />

sowie Berufsschüler und erstmals<br />

auch Fachkräfte in Weiterbildung<br />

befragt. Es ging um drei<br />

Fragen: Ob man das Unternehmen<br />

kennt. Ob man es sympathisch<br />

findet. Und ob man sich<br />

dort bewerben würde. In die Studie<br />

aufgenommen wurden alle<br />

Unternehmen mit Sitz in der Region<br />

Ulm/Neu-Ulm, die einen<br />

Jahresumsatz von mindestens 50<br />

Millionen Euro erzielen: 72 Firmen<br />

an der Zahl. [!] AMB<br />

11. SWU Stadtwerke Ulm/NU<br />

12. Iveco-Magirus AG<br />

13. Magirus GmbH<br />

14. Settele Schwäbische<br />

Spezialitäten & Feinkost<br />

15. Möbel Inhofer<br />

16. Finkbeiner<br />

17. Held & Ströhle<br />

18. Zwick<br />

19. R-Pharm<br />

20. Reinz<br />

Präsident<br />

bis 2018:<br />

Peter Kulitz<br />

Den Rang als einen der aktivsten<br />

Fürsprecher des Wirtschaftsstandorts<br />

Baden-Württemberg<br />

kann<br />

Peter Kulitz<br />

niemand so<br />

schnell streitig<br />

machen. Auch<br />

wenn dieser<br />

nach drei Peter Kulitz ist seit<br />

Amtsperioden<br />

und sechs Jahren<br />

2003 Präsident<br />

der IHK Ulm.<br />

sein Amt<br />

als Präsident des Baden-Württembergischen<br />

Industrie- und Handelskammertages<br />

abgegeben hat.<br />

Sein Nachfolger ist Wolfgang<br />

Grenke (Baden-Baden) In Ulm<br />

bleibt der Unternehmer und<br />

Rechtswalt noch bis 2018 Präsident<br />

der dortigen IHK und wird<br />

die Führung dann nach 15 Jahren<br />

an der Spitze abgeben. [!] KÖ<br />

5


Starre Arbeitszeiten lösen sich auf: Was bei<br />

großen Beratungsfirmen oder im IT-Bereich dank<br />

Vernetzung selbstverständlich ist, erfasst nun<br />

auch andere Branchen.<br />

6


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[führen]<br />

Wann es euch gefällt<br />

Fixe Bürozeiten adé: Im modernen Berufsleben entkoppelt sich dank digitaler Möglichkeiten die Arbeit von Zeit<br />

und Raum. Der Wunsch nach flexiblen Lösungen ist bei vielen Beschäftigten groß. Im Zeitalter des<br />

Fachkräftemangels werden Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit zum Werbefaktor für attraktive Arbeitgeber.<br />

Bei mehr als 800 Mitarbeitern existieren bei Daimler TSS mehr<br />

als 165 Arbeitszeitmodelle. „Vom Prinzip her ist alles möglich“,<br />

erklärt Heike Tyrtania, die Leiterin Human Resource<br />

(HR) des Ulmer Unternehmens. „Manche Mitarbeiter kommen<br />

nur an einzelnen Tagen, andere immer vormittags, manche erledigen<br />

ihre Aufgaben zum Teil von unterwegs oder arbeiten zuhause.“<br />

Die Arbeitszeit muss auch nicht notwendigerweise am Stück erbracht<br />

werden. „Es ist auch denkbar, dass erst gearbeitet<br />

wird, dann etwas Privates erledigt<br />

wird, und dann geht es wieder zurück an<br />

die Arbeit.“<br />

Die Mitarbeiter müssen natürlich die vertraglich<br />

vereinbarten Wochenstunden arbeiten.<br />

Sie müssen diese auch dokumentieren.<br />

Doch wann sie arbeiten und wo sie<br />

arbeiten stimmen sie mit ihrem Vorgesetzten<br />

und den Kollegen ab. Das geht sogar<br />

soweit, dass im Fall der Fälle sogar Kinder<br />

mit ins Büro gebracht werden können, Heike Tyrtania, Leiterin<br />

wenn es zuhause nicht mit der Betreuung HR bei Daimler TSS.<br />

klappt. Dafür ist extra ein Familienzimmer<br />

eingerichtet worden.<br />

Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben bei potenziellen Mitarbeitern<br />

mit großer zeitlicher Flexibilität und der Vereinbarkeit von<br />

Familie und Beruf. Dass sich wirklich etwas getan hat und der klassische<br />

Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr nicht mehr der Standard ist, zeigen<br />

Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Zwei Drittel der<br />

Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben demnach flexible<br />

Tages- und Wochenarbeitszeiten, sieben von zehn Betrieben bieten<br />

individuelle Arbeitszeiten, fast vier Fünftel der Firmen bieten ihren<br />

Mitarbeitern Teilzeit an. Doch bei aller Flexibilität: Den Rahmen hierfür<br />

steckt immer noch das deutsche Arbeitszeitgesetz ab.<br />

STARRE OBERGRENZEN PRO TAG<br />

Kern der deutschen Arbeitszeitvorschriften ist der Achtstundentag.<br />

Bis zu zehn Stunden pro Tag sind möglich, wenn innerhalb von sechs<br />

Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt<br />

acht Stunden pro Werktag nicht überschritten werden. Auch der<br />

Samstag zählt zu den Werktagen. Damit beträgt die zulässige Wochenarbeitszeit<br />

48 Stunden. Allerdings gelten zahlreiche Ausnahmen, zum<br />

Beispiel für Klinikmitarbeiter, Beamte oder leitende Angestellte.<br />

„Den Unternehmen sind die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse nach<br />

flexiblen Arbeitszeiten wichtig“, sagt Götz A. Maier, Geschäftsführer<br />

der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm. Bewerber fragen nach seinen<br />

Worten in jüngster Zeit immer wieder danach. Allerdings sei es nicht<br />

immer einfach, diese beide Seiten der Flexibilität unter einen Hut zu<br />

bekommen. Er würde sich wünschen, dass zum Beispiel die Zeit zwischen<br />

zwei Arbeitstagen flexibler gehandhabt werden dürfte.<br />

Die aktuelle Gesetzeslage erlaube es nicht immer, die Bedürfnisse der<br />

Arbeitgeber und auch gerade der Beschäftigten abzubilden: „Wenn der<br />

Arbeitnehmer vielleicht früher nach Hause gegangen ist, um Zeit für<br />

die Familie zu haben und dann, wenn die Kinder im Bett sind, abends<br />

um 22 Uhr auf dem Sofa noch schnell 15 Minuten E-Mails durcharbeiten<br />

will, darf er am nächsten Tag erst wieder nach 9 Uhr arbeiten“, sagt<br />

Maier. In Europa gebe es meist nur eine Obergrenze der Arbeitszeit pro<br />

Woche, in Deutschland zusätzlich noch eine pro Tag. „Diese tägliche<br />

Grenze wegzulassen, würde die Flexibilität für beide Seiten spürbar<br />

verbessern, auch ohne dass insgesamt mehr gearbeitet werden würde“,<br />

sagt der Südwestmetall-Geschäftsführer aus Ulm.<br />

STATT ANWESENHEIT ZÄHLT DIE AUFGABE<br />

Für das gewerkschaftsnahe Wirtschafts - und Sozialwissenschaftliche<br />

Institut (WSI) ist die Flexibilität schon jetzt groß genug. Die bestehenden<br />

tariflichen Regelungen zur Arbeitsgestaltung würden eine Fülle<br />

an Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bieten, heißt es<br />

in einer WSI-Analyse. So bestehe nahezu in allen Tarifbereichen die<br />

Möglichkeit der unregelmäßigen Verteilung der tariflichen Regelarbeitszeit.<br />

Hinzu komme als wichtigste weitere Möglichkeit der Flexibilisierung<br />

das Überschreiten der Regelarbeitszeit durch Mehrarbeit.<br />

Schon nach dem derzeitigen rechtlichen Rahmen sind die unterschiedlichsten<br />

Arbeitszeitmodelle möglich. Grob werden drei verschiedene<br />

Modelle unterschieden: Die klassische Gleitzeit besteht aus<br />

einer Kernarbeitszeit mit allgemeiner Anwesenheitspflicht und einer<br />

Ein- und Ausgleitspanne. Arbeitnehmer können Beginn und Ende der<br />

täglichen Arbeitszeit in der vorgesehenen Zeitspanne selbst festlegen.<br />

Aus Sicht des Unternehmens sollen so Fehlzeiten verringert werden,<br />

etwa durch Arztbesuche, da die Arbeitnehmer es selbst in der Hand<br />

haben, ihre persönlichen Termine außerhalb der Kernzeiten zu legen.<br />

Bei der Funktionszeit legt das Unternehmen fest, in welchen Zeiträumen<br />

bestimmte Betriebsteile funktionsfähig sein müssen. Die Mitarbeiter<br />

können dann innerhalb dieser Funktionszeiten ihre jeweiligen<br />

Arbeitszeiten in Absprache mit den Kollegen selbst bestimmen. Im<br />

Mittelpunkt dieses Arbeitszeitmodells steht nicht mehr die Anwesenheit,<br />

sondern dass eine vereinbarte Aufgabe erledigt wird.<br />

Die Vertrauensarbeitszeit lässt die weiteste Autonomie. Das Modell<br />

der Stechuhr spielt hier überhaupt keine Rolle mehr. Es wird rein er-<br />

7


[führen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

„Inzwischen wird nicht mehr von Homeoffice geredet, sondern von mobiler Arbeit“, sagt Hochschul-Professorin Jutta Rump.<br />

gebnisorientiert gearbeitet. Manche Modelle sehen allerdings Zielvereinbarungen<br />

zwischen Mitarbeitern und Arbeitgeber vor, in denen<br />

festgelegt wird, welches Arbeitszeitvolumen zur Erledigung einer bestimmten<br />

Aufgabe nötig ist.<br />

Jutta Rump ist Professorin<br />

für Personalmanagement.<br />

FLEXIBILITÄT AUCH IN DER PRODUKTION<br />

Jutta Rump ist Professorin für Personalmanagement und Organisationsentwicklung<br />

an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des<br />

Instituts für Beschäftigung und Employability. „Was die technische<br />

Machbarkeit betrifft, sind wir kurz davor, neue Dimensionen der Flexibilität<br />

zu erreichen.“ Inzwischen werde nicht mehr von Homeoffice<br />

geredet, sondern von mobiler Arbeit. In dieser Wortwahl schon zeigt<br />

sich, dass eine starke Entkopplung der Arbeit von Raum und Zeit stattgefunden<br />

hat. Diese Entkopplung gilt schon jetzt für sehr viele Bürotätigkeiten.<br />

Mit der Industrie 4.0, also der Digitalisierung der Produktionsprozesse,<br />

ist es möglich, diese Flexibilität auch auf die Produktion<br />

zu übertragen. „Dann ist zu überlegen, ob ein Schichtbetrieb, wie er<br />

heute noch gängig ist, überhaupt noch nötig ist“, sagt Rump. „Um etwa<br />

eine Anlage zu steuern, muss nicht unbedingt jemand vor Ort sein.<br />

Das könnte auch von einem anderen Ort aus geschehen.“<br />

Flexible Arbeitszeiten sind kein Thema mehr, mit dem vor allem Frauen<br />

angesprochen werden sollen. Die neuen Modelle richten sich an<br />

alle Mitarbeiter. „Sie tragen zur Attraktivität als Arbeitgeber bei“, sagt<br />

Rump. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels stößt die Freiheit an<br />

Grenzen. „Früher konnte man die Zeit, die ein Mitarbeiter weniger arbeitet,<br />

weil er sich für Teilzeit entschieden<br />

hat, mit neuen Kräften aus dem Arbeitsmarkt<br />

auffüllen“, erklärt sie. „Heute geht<br />

das nicht mehr so einfach.“<br />

Arbeitnehmer und Unternehmen wünschen<br />

sich gleichermaßen flexible Arbeitszeiten.<br />

Jedoch aus völlig unterschiedlichen<br />

Motive. Unternehmen sind getrieben<br />

durch Globalisierung, Wettbewerb und<br />

Kunden. Arbeitnehmer hingegen versuchen<br />

sich über Flexibilität an die unterschiedlichen<br />

starren Zeitsysteme anzupassen,<br />

die sie umgeben: Einkauf, Schule,<br />

Behörden und vieles mehr. Im schlimmsten Falle stehen die Bedürfnisse<br />

von Arbeitnehmern und Unternehmen im Widerspruch. Im besten<br />

Falle gibt es ein System, das beide berücksichtigt.<br />

Der IT-Spezialist Daimler TSS entwickelt Software- und IT-Lösungen.<br />

Kernthemen sind Car-IT und Mobility, Information Security, Analytics,<br />

Shared Services und Digital Customer Experience. Schon seit<br />

einiger Zeit wird Daimler TSS zu Deutschlands besten Arbeitgebern<br />

gezählt und schafft regelmäßig Top-Platzierungen beim Arbeitgeberwettbewerb<br />

„Great Place to Work“. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter<br />

sind Akademiker, die meisten Ingenieure. Eine Gruppe, die schon<br />

während der Ausbildung gelernt hat, sich selbst zu organisieren und<br />

selbstständig Probleme zu lösen.<br />

FLEXIBILITÄT ALS WERBEFAKTOR<br />

„Diese hohe Flexibilität bei der Arbeitszeit setzt voraus, dass die Mitarbeiter<br />

wissen, wie sie mit ihren Freiheiten umgehen“, erklärt Tyrtania.<br />

Daher sei das Modell nicht unbedingt auf jede Firma übertragbar. Zum<br />

Beispiel gibt es bei Daimler TSS kaum einen Job, der tatsächlich acht<br />

Stunden am Stück besetzt sein muss. Mit dieser Flexibilität lässt sich<br />

gut werben. Das Unternehmen lebe vor allem von der Kreativität und<br />

Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter. „Wenn wir diese Mitarbeiter<br />

wollen, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit bieten, kreativ<br />

und innovativ zu arbeiten und ihnen den Freiraum geben, den sie dafür<br />

brauchen“, sagt Heike Tyrtania. [!] <br />

HENNING ZANDER<br />

Dehnbare Arbeitszeiten<br />

Gilt für eine Firma ein Tarifvertrag, so gilt dieser vor den gesetzlichen<br />

Regeln. Laut Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie<br />

im Südwesten beträgt die Wochenarbeitszeit 35<br />

Stunden. Diese kann mit Zustimmung des Arbeitnehmers auf<br />

bis zu 40 Stunden steigen, soweit nicht mehr als 18 Prozent aller<br />

Arbeitnehmer des Betriebes einen solchen 40-Stunden-Vertrag<br />

haben. Unter bestimmten Umständen darf diese Quote auf<br />

50 Prozent steigen. Mehrarbeit ist bis zu 10 Stunden in der Woche<br />

und bis zu 20 Stunden im Monat zulässig. Die Wochenarbeitszeit<br />

kann ungleichmäßig auf mehrere Wochen verteilt werden,<br />

soweit eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird.<br />

8


Wandsekretär<br />

MAMBA<br />

Design: Victor Vasilev<br />

LIEBESERKLÄRUNG<br />

Möbel Inhofer GmbH & Co. KG, Ulmer Str. 50, 89250 Senden<br />

DESIGN FÜRS LEBEN<br />

www.interni.de • info@interni.de • Germanenstraße 2 • 89250 Senden/Iller<br />

Fon 07307/ 856000 • Fax 07307/ 856100 • offen: Mo - Sa 10 - 19 Uhr


10


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Weichensteller für<br />

die digitale Zukunft<br />

Ein Werkzeug-Satz der Marke Märklin? Wenn es nach Florian Sieber geht,<br />

vergibt der Modellbahnhersteller schon bald Lizenzen. Mit Herzblut,<br />

Kompetenz und einer Kultur des Zuhörens modernisiert der 31-Jährige<br />

das 157 Jahre alte Unternehmen und belebt den Mythos von Märklin.<br />

In Nordrhein-Westfalen haben Diebe in einem<br />

Spielzeugfachgeschäft Loks für 40.000 Euro erbeutet,<br />

und andere Dinge stehen lassen. Was geht<br />

Ihnen bei solch einer Nachricht durch den Kopf?<br />

Im ersten Moment habe ich an den Händler gedacht.<br />

Der steht erstmal vor einem riesigen Chaos.<br />

Und im zweiten …<br />

… habe ich mich gewundert, dass es die Diebe auf ein<br />

Modelleisenbahngeschäft abgesehen hatten und nicht<br />

auf einen Juwelier oder ein Uhrengeschäft.<br />

Bei den Kunden war Märklin hingegen weniger gefragt<br />

als erwartet. Sie mussten Ihre Umsatzziele<br />

korrigieren …<br />

Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben nach wie<br />

vor eine stabile Nachfrage. Dass die Zahlen zurückgegangen<br />

sind, liegt mitunter daran, dass wir bewusst auf<br />

Umsätze verzichtet haben. Beispielsweise solche, die<br />

von uns subventioniert waren und an denen wir kaum<br />

verdient haben.<br />

Zum Beispiel?<br />

Wir machen keine Aktion mit Aldi mehr, die meist<br />

rund zwei Millionen Euro Umsatz gebracht hat. Von<br />

diesen Einnahmen blieb allerdings kaum etwas hängen.<br />

Wir verkaufen seit dem Jahr 2013 sehr fair und<br />

stabil. Des Weiteren gibt es keine Sonderangebote<br />

mehr für größere Internethändler. Stattdessen behandeln<br />

wir alle gleich. Aus unserer Sicht ist das eine wichtige<br />

Basis, um den Fachhandel in der Breite zu stützen.<br />

Was sind die Vor-, was die Nachteile einer solchen<br />

Aktion mit Discountern?<br />

Sicher konnten wir den ein oder anderen Neukunden<br />

akquirieren. Allerdings waren diese Startpackungen<br />

abgespeckt, um den günstigen Preispunkt von 99,99<br />

Euro zu erreichen. Dadurch entstanden Produkte, die<br />

auf den ersten Blick nicht vollends begeistern. Aus Kostengründen<br />

konnten wir auch nicht auf die neuesten<br />

Technologien zurückgreifen.<br />

Haben Sie ein Beispiel für eine solche Technologie?<br />

Die Steuerung in den Aldi-Packungen war im Gegensatz<br />

zu unseren sonstigen Steuerungen nicht mobil,<br />

sondern per Kabel mit dem Gleis verbunden. Wir mussten<br />

unter anderem auch bei der Lok sparen. Sie war<br />

anders als unsere sonstigen Produkte nicht aus Metall<br />

und hatte keinen Sound.<br />

Am Tag der offenen Tür rennen Ihnen die Besucher<br />

die Werkshallen ein. Zudem ist Märklin zur Marke<br />

des Jahrhunderts gewählt worden. Demnach müsste<br />

Ihr Unternehmen nicht knapp 100 Millionen Euro<br />

Umsatz machen, sondern eine Milliarde. Warum<br />

hinkt der Umsatz dem Markenwert hinterher?<br />

Der Bekanntheitsgrad der Marke Märklin ließ schon<br />

immer ein viel größeres Unternehmen vermuten. Das<br />

hängt damit zusammen, dass die Marke unheimlich<br />

emotional aufgeladen ist. Unser Produkt ist allerdings<br />

nicht überlebenswichtig, sondern mit einem Hobby<br />

verbunden. Die meisten unserer Kunden sind älter. Sie<br />

verbinden schöne Erinnerungen mit Märklin, haben<br />

vielleicht schon als Kind mit Modellbahnen gespielt<br />

und greifen in höherem Alter ihr Hobby wieder auf. Die<br />

Markenbekanntheit bringt uns viele Vorteile, schürt<br />

aber auch hohe Erwartungen, die an andere Unternehmen<br />

in unserer Umsatzklasse nicht gestellt werden.<br />

Wie wollen Sie das Potenzial besser ausschöpfen?<br />

Zur Person<br />

Seit 2013 steht Florian<br />

Sieber an der Spitze<br />

von Märklin.<br />

Seither hat sich der<br />

geschäftsführende<br />

Gesellschafter bei<br />

Sammlern und Mitarbeitern<br />

viel Respekt<br />

erarbeitet. Sein Vater<br />

Michael (60) führt<br />

den Spielwarenhersteller<br />

Simba-Dickie.<br />

Der heute 31-Jährige<br />

wuchs im mittelfränkischen<br />

Städtchen<br />

Lauf mit zwei Geschwistern<br />

(28, 23)<br />

auf. Nach dem Abitur<br />

studierte er an der<br />

privaten Universität<br />

Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft.<br />

Für<br />

sein Master-Studium<br />

ging er nach Barcelona<br />

und Paris. Die Freizeit<br />

verbringt der Wochenendpendler<br />

am<br />

liebsten mit Freundin<br />

und Freunden. Seine<br />

Hobbys: Snowboarden<br />

und Fußballschauen.<br />

Sieber ist<br />

Fan von Greuther<br />

Fürth und Bayern<br />

München.<br />

Ob Produkte oder Marketing: Firmenchef Florian Sieber bringt die Märklin-Welt in die digitale Spur.<br />

11


[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Als kleiner Junge spielte er<br />

Modelleisenbahn mit seinem<br />

Opa. Heute führt er das Traditions<strong>unternehmen</strong><br />

und baut<br />

ein 11,3 Millionen Euro teures<br />

Museum.<br />

Das Modellbahngeschäft ist zwar stabil, aber große<br />

Wachstumsraten sind auch in den nächsten Jahren<br />

nicht zu erwarten. Daher wollen wir über andere Geschäftsfelder<br />

und Produktkategorien wachsen. Wir haben<br />

die vergangenen Jahre viele kleine Pflänzchen gesetzt,<br />

die wir jetzt pflegen.<br />

Ein bisschen konkreter bitte.<br />

Ein Beispiel dafür sind unsere Kinderspiellinien Märklin<br />

„My World“ für Kinder im Vorschulalter und Märklin<br />

„Start Up“ für Kinder ab sechs Jahren und aufwärts.<br />

Anders als im Modellbahnmarkt sind wir in diesem<br />

Segment noch ein kleiner Fisch. Mitwettbewerber wie<br />

Brio, Lego und Playmobil haben ebenfalls Eisenbahnen<br />

im Sortiment. Unsere zwei Kinderspiellinien tragen<br />

momentan noch nicht viel zum Umsatz bei. Doch wir<br />

bauen sie jetzt auf, damit sie künftig zum Wachstum<br />

des Gesamt<strong>unternehmen</strong>s beitragen.<br />

Welche Pläne haben Sie außerdem?<br />

Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Marke<br />

Märklin auch in anderen Bereichen nutzen können<br />

und wollen Lizenznehmer mit ins Boot holen. Wir suchen<br />

in Kooperation mit der Frankfurter Agentur Alicentia<br />

nach geeigneten Unternehmen. Deren Produkte,<br />

Qualität und Image müssen natürlich zu unserem<br />

Markenkern passen. Darauf aufbauend haben wir Kriterien<br />

festgelegt, die mögliche Lizenznehmer erfüllen<br />

müssen.<br />

Was gehört zum Markenkern?<br />

Hochwertige Metallverarbeitung und Elektrik sowie<br />

filigrane Formen machen schon immer Märklin-Spielzeug<br />

aus. Neben den aktuellen technischen Entwicklungen<br />

sind uns Nostalgie und Emotion ebenso wichtig.<br />

Wir wollen eine Verbindung zwischen den<br />

Generationen schaffen. Auch dass unsere Produkte<br />

Söhne, Väter und Opas gleichermaßen begeistern und<br />

zusammenbringen.<br />

Und wer passt zu Ihnen?<br />

Basierend auf diesen Eigenschaften können wir uns<br />

den Namen Märklin etwa für Werkzeuge vorstellen.<br />

Viele unserer Kunden sind richtige Heimwerker, die<br />

neben der Modellbahn auch anderes selbst fertigen.<br />

Deshalb führen wir unter anderem Gespräche mit<br />

möglichen Lizenznehmern in naheliegenden Bereichen,<br />

die in Deutschland produzieren, aber selbst nur<br />

eine weniger starke Marke haben.<br />

Soll das Lizenzgeschäft zur zweiten Säule werden?<br />

Ja, aber davon sind wir noch weit entfernt, da das Unternehmen<br />

in der Vergangenheit keine ähnlichen Versuche<br />

unternommen hat. Bei Produkten außerhalb unserer<br />

Sparte sehen wir es als sinnvollen Schritt an, uns<br />

kompetente Partner zu suchen, die in ihrem Fach Spezialisten<br />

in Fertigung, Vertrieb und Marketing sind.<br />

Umgekehrt kennen sie das Lizenzgeschäft ja über<br />

die Simba-Dickie-Gruppe, die ihr Großvater<br />

Fritz und ihr Vater Michael gegründet haben.<br />

Das ist der Inbegriff eines Spielzeugherstellers,<br />

der durch Lizenzen<br />

groß geworden ist.<br />

Das stimmt. Ich kenne das Geschäft von der<br />

anderen Seite. Simba Dickie gehört zu den größten<br />

Lizenznehmern für Spielwaren in Europa.<br />

Haben Sie eigentlich als Kind Modelleisenbahn<br />

gespielt?<br />

Als ich etwa sieben Jahre alt war, habe ich zusammen mit<br />

meinem Opa im Keller an einer Modelleisenbahn gebaut.<br />

Das waren bestimmt zwei, drei Abende die Woche.<br />

Hand aufs Herz, war das eine Märklin?<br />

Das war eine Märklin. Mein Opa meinte immer, es gäbe<br />

nur eine Marke für Modelleisenbahnen.<br />

Was tun Sie dafür, dass mehr Ihrer Produkte für<br />

Kinder von „My World“ und „Start Up“ unter dem<br />

Weihnachtsbaum liegen?<br />

Gegenüber dem Vorjahr haben wir unsere Anstrengun-<br />

12


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

gen im Marketing erhöht. Zum Beispiel durch eine<br />

großangelegte TV-Kampagne in der Vorweihnachtszeit.<br />

Unsere Spots sind vier Wochen lang auf drei Kinder-Sendern<br />

hauptsächlich zwischen sechs und neun<br />

Uhr morgens gelaufen. So wollen wir Märklin „My<br />

World“ bei den Kids bekannter machen.<br />

Und für Märklin „Start Up“?<br />

Hier setzen wir auf eine umfangreiche Online-Kampagne<br />

auf Youtube, Google, Facebook und Co. Dazu gehören<br />

Videos und Themenseiten, mit denen wir die Themenwelt<br />

„Containerverladung“ bewerben. Diese läuft<br />

parallel zur TV-Kampagne. Wir erhoffen uns dadurch<br />

eine deutliche Steigerung der Abverkäufe im Handel.<br />

Wie hoch ist der Umsatz mit Produkten für Kinder?<br />

Die zwei Kinderlinien machen noch unter 10 Prozent<br />

unseres Umsatzes aus. Es gibt aber auch Kinder, die die<br />

Produkte für Profis kaufen.<br />

Welche neuen Wege gehen Sie, um den Fachhandel<br />

zu unterstützen?<br />

In Hamburg und Schleswig-Holstein läuft gerade ein<br />

Pilotprojekt, das gezielt den Fachhandel stärken soll.<br />

Die breitangelegte Markenkampagne bespielt mehrere<br />

Kommunikationskanäle. Einmal sind das 2,9 Millionen<br />

Posteinwurfsendungen, wie „Einkauf aktuell“, in<br />

denen Märklin-Produkte auf der Titelseite und der Seite<br />

3 zu sehen sind. Weitere Bausteine sind TV- und Radiowerbungen<br />

auf regionalen Sendern, sowie Plakate<br />

Florian Sieber will die Marke<br />

Märklin in Lizenz vergeben.<br />

Mit einer Agentur sucht er<br />

Partner, die zur Göppinger<br />

Traditionsfirma passen.<br />

WAS ZÄHLT SIND<br />

WERTE,<br />

AUSDRUCK<br />

UND SIE.<br />

Know your classics. USM pflegt die wohlüberlegte Reduktion:<br />

klassisches Design, klare Formen, unaufdringliche Eleganz.<br />

#usmmakeityours<br />

buchbrunnenweg 16, 89081 ulm, tel. 0731-96 77 00<br />

dreiköniggasse 20, 89073 ulm-innenstadt, objekt@fey-ulm.de, www.fey-ulm.de<br />

www.usm.com<br />

13


Florian Sieber stärkt den<br />

Fachhandel. Im Zuge einer Pilot-Kampagne<br />

für die Zielgruppe<br />

55plus tauscht Märklin<br />

alte Gleise in neue um.<br />

im öffentlichen Nahverkehr und im Fachhandel. Das<br />

Ganze läuft unter dem Mantel „Deutschland sucht den<br />

Märklin Schatz“.<br />

An wen richtet sich die Kampagne?<br />

Primär an die Zielgruppe 55plus. Ziel ist es, dass der<br />

Opa mit seinem Enkel das Hobby Modelleisenbahn<br />

aufgreift. Durch verständlich aufbereitete Informationen<br />

soll dem Großvater der Sprung in die Digitalwelt<br />

erleichtert werden, in der sich die Enkel ohnehin auskennen.<br />

Jeder, der sich anmeldet, nimmt automatisch<br />

an einem Gewinnspiel teil. Zusätzlich bekommt er die<br />

Möglichkeit, alte Metallgleise inklusive<br />

Trafo dank eines saftigen<br />

Rabattes in moderne C-Gleise und<br />

ein digitales Fahrgerät umzutauschen.<br />

Wie messen Sie die Entwicklung<br />

der Abverkäufe?<br />

Das läuft über unseren Stammsitz<br />

Göppingen. Kunden, die sich anmelden,<br />

werden hier erfasst und<br />

bekommen ihr Informations-Set per Post zugeschickt.<br />

Zu diesem gehört eine Liste mit Fachhändlern in der<br />

jeweiligen Region, an die sich der Kunde bei Fragen<br />

wenden kann. Die ausgewählten Händler sind sehr<br />

kompetent und können beispielsweise auch alte, analoge<br />

Loks instand setzen und digitalisieren. Dem Paket<br />

liegt außerdem eine Einführung in die Digitalwelt bei.<br />

Ein reales Großvater-Enkel-Paar aus Stuttgart – Horst<br />

und Tim – erklären, wie die Modellbahn heute funktioniert<br />

und was nötig ist, um alte Bahnen aufzurüsten.<br />

Warum gerade im hohen Norden und nicht in Baden-Württemberg?<br />

Weil wir einen repräsentativen Schnitt für ganz<br />

Deutschland benötigen. In Baden-Württemberg ist<br />

Märklin sehr bekannt, deshalb wäre das Ergebnis nicht<br />

übertragbar. Im Norden kennt man uns weniger. Hamburg<br />

repräsentiert den städtischen Raum, Schleswig-<br />

Holstein den ländlichen. Das heißt, wir haben auf der<br />

Hilfe für<br />

Großväter<br />

beim Einstieg<br />

in moderne<br />

Märklin-Welt<br />

einen Seite hohes Einkommen, aber wenig Platz. Auf<br />

der anderen Seite etwas weniger Einkommen dafür<br />

mehr Fläche, die ist zum Modelleisenbahnbau wichtig.<br />

Firmen wie Lego und Playmobil haben es geschafft,<br />

sich neu zu erfinden? Was kann Märklin tun, um im<br />

Einzelhandel nicht abgehängt zu werden?<br />

Wir sind in der Fläche nicht mehr so breit vertreten wie<br />

früher, haben aber nach wie vor beispielsweise mit<br />

Müller, Conrad, Toys „R“ Us, Spielemax und My Toys<br />

große Partner. Im Spielwarenfachhandel, der nicht auf<br />

Modelleisenbahnen spezialisiert ist, haben wir mit unseren<br />

Kinderprodukten wieder<br />

Fuß gefasst. Das ist ein schwieriger<br />

Kampf. Wir müssen uns für jedes<br />

Geschäft Maßnahmen überlegen,<br />

mit denen wir die Abverkäufe steigern<br />

und dem Händler ausreichend<br />

Marge und Drehgeschwindigkeit<br />

bieten können. Da spielen<br />

TV-Kampagnen, Online-Aktionen<br />

und unser Auftritt am Point of Sale<br />

(POS) mit rein.<br />

Was sind geeignete Maßnahmen in den Läden?<br />

Bestenfalls haben wir eine Spielfläche, auf der Kinder<br />

und Eltern unser Produkt sehen und erleben. Viele Eltern<br />

denken noch immer: Märklin ist teuer und kompliziert.<br />

Wenn sie das Produkt aber ausgepackt in der<br />

Hand halten, bemerken sie, dass es sich hier um ein<br />

bezahlbares, leicht zu bedienendes Kinderspielzeug<br />

handelt. Das verschafft uns nachweislich bessere Umschlagsgeschwindigkeiten<br />

und Umsätze. Jedes Jahr<br />

statten wir 20 bis 30 Geschäfte mit modernen POS-<br />

Ständen aus.<br />

Märklin ist für sein großes Sortiment bekannt.<br />

<strong>2016</strong> haben Sie das Angebot für Sammler verringert.<br />

Wie waren die Reaktionen?<br />

Wir haben es in der Vergangenheit nicht geschafft, alle<br />

Produkte, die wir neu angekündigt haben, innerhalb<br />

des Jahres auszuliefern. Wir haben stets 50 bis 100 Pro-<br />

14


dukte ins neue Jahr genommen. Daher haben wir weniger<br />

Produkte angekündigt, um die Liste aus den Vorjahren<br />

abzuarbeiten. Trotz der Aufarbeitung der Vorjahre<br />

liefern wir mehr Produkte aus als im vergangenen Jahr.<br />

Schaffen Sie es, alle angekündigten Produkte in<br />

diesem Jahr auszuliefern?<br />

Nein, nicht ganz. Das liegt zum einen daran, dass wir<br />

einen kleinen Puffer benötigen und manchmal auch<br />

von Lieferanten nicht rechtzeitig beliefert werden. Wir<br />

sammeln im Laufe des Jahres Aufträge, die teilweise<br />

noch im Januar und Februar abgearbeitet werden. Früher<br />

lief das bis weit in den April hinein.<br />

Der Modelleisenbahnmarkt ist seit Jahren schwierig.<br />

Woran liegt das?<br />

Modelleisenbahnen sind teurer geworden. Das hängt<br />

mit dem Anspruch der Kunden zusammen. Die Bahnen<br />

müssen immer filigraner, technisch auf dem neuesten<br />

Stand und mit vielen Features wie Sound und Licht ausgestattet<br />

sein. Das hat die Preise in die Höhe getrieben<br />

und einige Kunden mit weniger Budget vergrault.<br />

Gleichzeitig haben sich Stückzahlen verringert …<br />

Was ebenfalls die Herstellungskosten pro Stück erhöht.<br />

Heute stellen wir bei einer Neukonstruktion<br />

nicht mehr 20.000 Bahnen her, sondern etwa 5000 in<br />

mehreren Varianten.<br />

Warum investieren Sie die stolze Summe von 11,3<br />

Millionen Euro in das Märklin-Museum?<br />

Das Museum ist für uns ein Prestige-Projekt. Als wir das<br />

Märklin-Museum zum ersten Mal sahen, konnten wir<br />

kaum glauben, dass solch eine große Marke in den<br />

Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses untergebracht<br />

ist. Eher ein Shop als ein Museum. Dazu kamen<br />

Briefe von Märklinisten, die extra nach Göppingen<br />

gereist und enttäuscht waren, als sie das Museum<br />

besichtigt hatten. Dass dort etwas passieren muss, war<br />

uns klar. Priorität hatten aber zunächst die Investitionen<br />

in Produktion und Vertrieb.<br />

Wie finanzieren Sie das Großprojekt?<br />

Einen Teil der Finanzierung stemmen wir, indem wir<br />

die Märklin-Sammlung an eine Stiftung der Sparkasse<br />

Göppingen verkaufen. Über die Hälfte der Investition<br />

müssen wir selbst aufbringen. Auch wenn es uns nicht<br />

leicht gefallen ist, die Sammlung abzugeben, wissen<br />

Der Märklin-Chef bremst bei<br />

der Zahl der neuen Produkte.<br />

Lieber weniger ankündigen,<br />

aber diese auf den Markt<br />

bringen, lautet die Devise.<br />

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.<br />

Mehr über die Faszination der bulthaup Küche<br />

erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.<br />

www.gruener-bulthaup.de<br />

bulthaup bei Grüner<br />

Grüner GmbH. Neue Straße 113. 89073 Ulm<br />

Tel. 0731 92 70 59 30<br />

15


[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Produktion in Göppingen: In den Märklin-Produkten steckt viel Handarbeit. Für Kinder ab drei Jahren geeignet: der „My world“-Zug LINT.<br />

Zügig in die digitale Welt<br />

Mit Schwung führt Firmenchef Florian<br />

Sieber die Gebr. Märklin & Cie. GmbH in<br />

die digitale Welt. Dazu tragen auch die<br />

Produktlinien „My world“ für Vorschulkinder<br />

und „Start Up“ für Kinder ab sechs<br />

Jahren bei. In die Entwicklung von neuen<br />

Produkten im Einsteiger-Segment investiert<br />

das Unternehmen im Geschäftsjahr<br />

<strong>2016</strong>/17 mehr als eine 1 Million Euro.<br />

Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes<br />

von zuletzt 96 Millionen Euro entfallen jedoch<br />

auf Produkte für Modellbahnprofis<br />

und Sammler. Sieber hat auch das Märklin-Marketing<br />

modernisiert. Die Kundenansprache<br />

erfolgt mittlerweile auch über<br />

Facebook und Twitter. Zudem setzt Märklin<br />

bei der Vorstellung seiner Produktneuheiten<br />

auf Augmented Reality. Über<br />

eine zuvor heruntergeladene App können<br />

Fans der Marke sich per Smartphone-Kamera<br />

beispielsweise Loks dreidmensional<br />

zeigen lassen und Licht- und Soundeffekte<br />

auslösen. Zum 1859 als Blechspielzeughersteller<br />

gegründeten Unternehmen<br />

zählen die Marken Märklin, Trix und<br />

Lehmann-Gartenbahn. Das Unternehmen<br />

beschäftigt in Göppingen und Györ (Ungarn)<br />

knapp 1200 Mitarbeiter – 470 davon<br />

im Stammwerk Göppingen. Die Höhe<br />

des Gewinns nennt Märklin nicht. AMB<br />

wir sie in guten Händen und garantieren damit ihren<br />

Verbleib in Göppingen.<br />

Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus?<br />

Museen sind nur in den seltensten Fällen profitabel zu<br />

betreiben. Unser Ziel ist eine schwarze Null. Sprich,<br />

wenn unsere Investitionen, die damit verbundenen<br />

Abschreibungen und laufende Kosten<br />

annähernd durch die späteren<br />

Einnahmen gedeckt werden, sind<br />

wir zufrieden. Das Museum wird<br />

die Marke Märklin aber im Hinblick<br />

auf PR und Marketing aufwerten<br />

sowie überregionale Besucher<br />

nach Göppingen bringen.<br />

Spaß haben<br />

beim<br />

Rangieren im<br />

neuen<br />

Museum<br />

Was wird diese erwarten?<br />

Im Jahr 2018, in dem das Museum<br />

eröffnet werden soll, können wir nicht nur Exponate in<br />

Vitrinen stellen und hübsch beleuchten. Wir wollen den<br />

Gast – auch Nicht-Sammler und Familien – von der Modelleisenbahnwelt<br />

begeistern. Das schaffen wir nur<br />

durch interaktive Gestaltungselemente. Besucher sollen<br />

selbst ausprobieren können. Etwa mittels Rangierwettbewerben,<br />

bei denen sie Container verladen müssen<br />

oder die Anlage mit Tablet und Handy steuern können.<br />

Die Gäste sollen sich als Teil der Märklin-Welt fühlen.<br />

Wie wird diese Welt aussehen?<br />

Diese wird aus drei Teilen bestehen. Einen davon bildet<br />

die Ausstellung der Exponate, die vor allem für Sammler<br />

und Märklinisten interessant<br />

sein wird. Dann wird es interaktive<br />

Bereiche geben. Wir wollen auf<br />

moderne Weise zeigen, dass Modelleisenbahnen<br />

nichts Altbackenes<br />

sind, sondern dass innovative<br />

Technik in den Aufbauten steckt.<br />

Als dritten Teil bauen wir eine große<br />

Anlage, die sich ständig weiterentwickelt.<br />

Gäste können live mitverfolgen,<br />

wie man so etwas<br />

aufzieht. So wollen wir die Menschen nicht nur einmal,<br />

sondern immer wieder nach Göppingen ziehen.<br />

Es soll ja einen Sammler geben, der die weltgrößte<br />

Märklin-Sammlung besitzt. Gibt es Pläne, diese<br />

nach Göppingen zu holen?<br />

16


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

Wir sind mit dem Mann aus Belgien in Kontakt und<br />

planen, Teile seiner Sammlung als Leihgabe bei uns in<br />

Göppingen zu zeigen. Hierfür haben wir bereits seine<br />

Zusage. Bisher waren diese Sammlerstücke nicht öffentlich<br />

zugänglich. Für uns ist das eine tolle Möglichkeit,<br />

um immer wieder Highlights nach Göppingen zu<br />

holen.<br />

Warum eigentlich haben Sie und Ihr Vater vor drei<br />

Jahren Märklin aus der Insolvenz gekauft?<br />

Wir hatten diesbezüglich viele Gespräche. Anfang<br />

2009 hat mein Vater erst abgewunken, da wir das Modellbahngeschäft<br />

nicht kannten und es wenige Synergien<br />

gibt. Auch die Kundschaft ist eine andere als die<br />

bei Simba Dickie. Die hohe Komplexität von Modelleisenbahnen<br />

war mit keinem unserer anderen Produkte<br />

zu vergleichen. Mitte 2012 haben wir uns trotzdem<br />

entschieden, die Produktion anzuschauen. Das Knowhow<br />

und die Einstellung der Mitarbeiter haben uns<br />

von Anfang an begeistert. Wir spürten, dass die Belegschaft<br />

eine große Familie ist und Märklin wieder in die<br />

Spur bringen wird. Das hat uns überzeugt.<br />

Obwohl Modellbahn kein boomender Markt ist?<br />

Das war uns bewusst. Und auch, dass wir den Umsatz<br />

im ersten Schritt vermutlich nicht halten können. Das<br />

haben wir in Kauf genommen, weil das Unternehmen<br />

genug Substanz hat, um sinkende Umsätze auszugleichen.<br />

Unser oberstes Ziel ist es, profitabel zu sein. Das<br />

sind wir seit der Übernahme 2013. Nur so können wir<br />

weiter investieren und neue Projekte aufziehen.<br />

Warum sind sie als Geschäftsführer eingestiegen?<br />

Das war anfangs nicht geplant. Ich sollte den Prozess in<br />

Göppingen begleiten, kleine Synergien heben und die<br />

Modellbahn verstehen lernen. Es stellte sich aber heraus,<br />

dass der zweite Geschäftsführer andere Strategievorstellungen<br />

hatte als wir. Daher trennten wir uns<br />

von ihm. Auf die Schnelle fanden wir niemanden Neues.<br />

Deshalb bin ich eingesprungen.<br />

Manche Sammler bezeichnen Sie als Glücksfall für<br />

das Unternehmen. Wie schwierig war es – für Sie<br />

als damals 27-Jährigen – das Vertrauen der Sammler<br />

und Mitarbeiter zu gewinnen?<br />

Die Mitarbeiter haben einen gewissen Durchsatz an<br />

Seit dem Jahr 2013 führt Sieber<br />

den Modelleisenbahnhersteller.<br />

Sein Einstieg als Geschäftsführer<br />

war anfangs<br />

nicht vorgesehen.<br />

17


[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

„So wie ich Wolfrad Bächle<br />

vertraue, vertraut er mir“,<br />

sagt Florian Sieber im Gespräch<br />

mit Alexander Bögelein,<br />

dem Redaktionsleiter<br />

„<strong>unternehmen</strong> [!]“. Die Geschlossenheit<br />

der beiden Geschäftsführer<br />

ist einer der<br />

Faktoren für die erfolgreiche<br />

Neuausrichtung.<br />

Geschäftsführern erlebt. Aber es war lange kein geschäftsführender<br />

Gesellschafter mehr da. Dass meiner<br />

Familie das Unternehmen gehört, hat mir Rückhalt gegeben.<br />

Dazu kam, dass ich mich von Anfang an sehr gut<br />

mit meinem Kollegen Herrn Bächle (dem Technik-Geschäftsführer,<br />

Anmerkung der Redaktion) verstanden<br />

habe. Er kennt das Unternehmen und die Mitarbeiter<br />

sehr gut. Schnell war klar, dass wir nicht, wie so oft in<br />

der Vergangenheit gegeneinander, sondern miteinander<br />

arbeiteten. Sowie ich ihm mein volles Vertrauen<br />

geschenkt habe, vertraut er auch<br />

mir. Das spüren die Mitarbeiter,<br />

selbst diejenigen, die anfangs Zweifel<br />

hatten. Wir stehen zu dem, was<br />

wir bei der Übernahme von Märklin<br />

versprochen haben: Nämlich,<br />

dass wir alle Mitarbeiter in Göppingen<br />

behalten wollen und auch weiterhin<br />

auf unseren Standort in Ungarn<br />

setzen.<br />

Wir stehen zu<br />

dem, was wir<br />

beim Kauf<br />

versprochen<br />

haben<br />

richtigen Entscheidungen treffen kann. Ich musste<br />

mich in vielen Fällen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter<br />

stützen, habe mich beraten lassen und in viele<br />

Themen eingelesen. Was ich heute aus dem Stehgreif<br />

beantworten kann, musste ich damals aufwändig recherchieren.<br />

Wie schwierig ist es, für eine so komplexe Firma wie<br />

Märklin Entscheidungen zu treffen?<br />

Man muss sich Zeit für wichtige Entscheidungen nehmen.<br />

Und natürlich war ich nicht<br />

alleine: Herr Bächle, mein Vater<br />

und die anderen Geschäftsführer<br />

der Simba-Dickie-Gruppe standen<br />

mir jederzeit zur Seite. Trotzdem<br />

haben wir hin und wieder den falschen<br />

Weg eingeschlagen. Auch<br />

das gehört dazu – Fehler zu erkennen<br />

und einen Schritt zurückzugehen.<br />

Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Wie schwierig<br />

war es, die richtigen Stellschrauben für die Neuausrichtung<br />

zu finden?<br />

Es dauert einige Zeit, sich in die Modellbahn einzufinden.<br />

Deshalb habe ich mir auch nicht eingebildet, dass<br />

ich nur allein aufgrund meiner Position immer die<br />

Sie sind zugleich auch Junior Chef der Simba-Dickie-Gruppe<br />

in Fürth. Sind Sie dort auch in Entscheidungen<br />

involviert?<br />

Nein, dadurch, dass ich hier in Göppingen von früh bis<br />

spät beschäftigt bin, bekomme ich vom Tagesgeschäft<br />

nicht alles mit. Allerdings werde ich über alle relevan-<br />

18


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[titelthema]<br />

FACHKRÄFTETAG<br />

ULM & NEU-ULM<br />

ten Entwicklungen informiert und mein Vater und ich<br />

besprechen wichtige Themen in Nürnberg oder am Telefon.<br />

Ich tue mein Bestes, um mich auf dem Stand der<br />

Dinge zu halten und mitzuverfolgen, wo die Reise in<br />

Fürth hingeht. Hin und wieder muss ich auch einen<br />

Märklin-Tag opfern, wenn wichtige Ereignisse oder<br />

Kundenbesuche im Ausland anstehen.<br />

Was war ihr schönstes Erlebnis in den vergangenen<br />

drei Jahren?<br />

Schön ist es immer wieder, wenn Märklinisten auf Messen<br />

oder am Tag der offenen Tür auf uns zukommen<br />

und sich bedanken, dass wir das Unternehmen fortführen.<br />

Wenn sie uns Feedback geben oder Mut machen,<br />

dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das positive Feedback<br />

gibt uns Rückhalt und bestärkt uns. Deshalb habe<br />

ich trotz leichter Umsatzrückgänge keine Bedenken,<br />

dass wir das nicht hinbekommen. Die Führungsmannschaft<br />

hier im Unternehmen ist eine tolle, schlagkräftige<br />

Truppe. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, seit ich<br />

2013 hier angekommen bin. Die Arbeit macht mir Spaß<br />

und ich bin stolz, die Entwicklung dieser großartigen<br />

Marke mitzugestalten.<br />

Wie lange bleiben Sie Märklin erhalten?<br />

Das ist offen. Einen konkreten Termin für meine Rückkehr<br />

nach Fürth gibt es nicht.<br />

DAS INTERVIEW FÜHRTEN<br />

JOA SCHMID, STELLVER-<br />

TRETENDER REDAKTIONS-<br />

LEITER DER NWZ IN<br />

GÖPPINGEN UND<br />

ALEXANDER BÖGELEIN,<br />

REDAKTIONSLEITER<br />

UNTERNEHMEN [!]<br />

DOKUMENTATION:<br />

RONJA GYSIN<br />

FOTOS:<br />

GIACINTO CARLUCCI<br />

7.10.2017<br />

ratiopharm arena, Neu-Ulm<br />

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Bis 31.12.<strong>2016</strong><br />

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19


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Auffanglösung<br />

für Ravensburger<br />

Großmetzgerei<br />

Die insolvente Metzgerei Walser<br />

+ Schwaderer GmbH aus Ravensburg<br />

hat einen Käufer: Die<br />

Auffanggesellschaft Walser Spezialitäten.<br />

Deren Hauptgesellschafter<br />

Guido Meurer ist geschäftsführender<br />

Gesellschafter<br />

der Bösinger Fleischwaren<br />

GmbH (Kreis Rottweil). Auch<br />

die bisherigen Geschäftsführer<br />

Oliver Kvas und Reinhard Wrobleksi<br />

sind Gesellschafter. Im<br />

Sommer hatte die Walser +<br />

Schwaderer GmbH (Jahresumsatz<br />

von 12,5 Millionen Euro),<br />

Insolvenz angemeldet. Die<br />

Großmetzgerei hat 23 Filialen,<br />

unter anderem in Ravensburg,<br />

Friedrichshafen, Wangen und<br />

und Biberach. Die Filialen und<br />

mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze<br />

sollen erhalten bleiben.<br />

Deutsche Bahn<br />

investiert in<br />

Lindau<br />

130 Millionen Euro wird die<br />

Bahn AG in Lindau investieren,<br />

unter anderem in den Insel-<br />

Bahnhof für den Regionalverkehr<br />

und den Bahnhof für Fernund<br />

Nahverkehrszüge im<br />

Ortsteil Reutin. Bis Ende 2020<br />

soll die Strecke Lindau –München<br />

elektrifiziert werden,<br />

ebenso die Strecke Friedrichshafen<br />

– Ulm. Die Fahrt nach<br />

Stuttgart verkürzt sich dadurch<br />

um 45 Minuten. Lindau soll in<br />

Zukunft Bahnknoten für Allgäu,<br />

Bodensee, Vorarlberg und<br />

die Ostschweiz sein.<br />

Sana Kliniken<br />

investieren<br />

in Biberach<br />

Ein Akutkrankenhaus mit 370<br />

Betten und sieben OP-Sälen entsteht<br />

ab Frühjahr 2017 in Bibe<br />

Erster Mieter für Sedelhöfe<br />

Die Drogeriemarkt-Kette DM ist der erste Mieter des Ulmer<br />

Einkaufszentrums Sedelhöfe, das 2019 eröffnet werden soll.<br />

Dort laufen die Bauarbeiten (rechter Bildrand) ebenso wie für<br />

die Tiefgarage am Bahnhof mit 520 Plätzen. Im Laufe der<br />

nächsten fünf Jahre kommt der Bau der zweiten Straßenbahnlinie<br />

samt Haltestellen sowie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes<br />

hinzu. Dementsprechend hoch ist die Staugefahr.<br />

Das Bild entstand außerhalb der Hauptverkehrszeiten.<br />

rach. Kostenpunkt: 100 Millionen<br />

Euro. Wie bei den anderen<br />

drei Sana-Kliniken im Kreis Biberach,<br />

ist Beate Jörißen Geschäftsführerin.<br />

Die Baugenehmigung<br />

umfasst 13<br />

Aktenordner. Die Sana Kliniken<br />

AG ist mit 48 Krankenhäusern<br />

und 30.000 Mitarbeitern der<br />

drittgrößte Klinikverbund in<br />

Deutschland.<br />

Geno-Bank<br />

schließt neun<br />

weitere Filialen<br />

Foto: Siegfried Geyer<br />

Die Volksbank Raiffeisenbank<br />

Laupheim-Illertal schließt im<br />

April 2017 neun weitere Geschäftsstellen<br />

in Baltringen,<br />

Baustetten, Bußmanns hausen,<br />

Hörenhausen, Orsenhausen,<br />

Schönebürg, Oberholzheim, Ellwangen<br />

und Haslach. In Kirchberg,<br />

Dettingen und Tannheim<br />

reduziert das Institut die Öffnungszeiten.<br />

Derzeit wird geprüft,<br />

ob die Geno-Bank ihren<br />

älteren Menschen auf Bestellung<br />

Bargeld ins Haus bringt.<br />

Solarauto aus<br />

Bad Saulgau geht<br />

an den Start<br />

Ende des Jahres soll es seine<br />

Straßenzulassung erhalten: Das<br />

Solar-Auto „G-Cart“ des mittelständischen<br />

Unternehmens Ge-<br />

Ho Solartechnik aus Bad<br />

Saulgau (Kreis Sigmaringen). 45<br />

Stundenkilometer ist es schnell,<br />

480 Kilo schwer und soll weniger<br />

als 20.000 Euro kosten. Die<br />

Serien-Fertigung wird in Bad<br />

Saulgau sein. Die Materialien<br />

dafür stammen überwiegend<br />

von Firmen aus der Region. Geschäftsführer<br />

Gerhard Holderried<br />

verspricht eine Reichweite<br />

von 100 Kilometern. Hauptzielgruppe<br />

sind Golfclubs, Pizza-<br />

Services oder Medikamenten-<br />

Auslieferer.<br />

Im Südwesten<br />

bleiben 7200<br />

Lehrstellen leer<br />

Viele Betriebe in Baden-Württemberg<br />

suchen händeringend<br />

nach qualifizierten Bewerbern<br />

für offene Lehrstellen. Für das<br />

Ausbildungsjahr <strong>2016</strong>/2017<br />

konnten 7168 Stellen nicht besetzt<br />

werden. Das sind 17 Prozent<br />

mehr als noch vor einem<br />

Jahr, sagte der Stuttgarter Regionalchef<br />

der Bundesagentur für<br />

Arbeit, Christian Rauch. Groß<br />

ist der Nachwuchsmangel in<br />

Hotel- und Gastgewerbe, im<br />

Handel und bei zahnmedizinischen<br />

Fachangestellten.<br />

Grenzenlose<br />

Finanzierung<br />

des Allgäus<br />

Die Ferienregion Allgäu-Bodensee<br />

beteiligt sich ab Januar mit<br />

50.000 Euro jährlich an der bayerischen<br />

Marketing-Gesellschaft<br />

Allgäu GmbH. Sie will<br />

damit den Anschein des „Trittbrettfahrens“<br />

vermeiden, teilte<br />

das Gästeamt Wangen mit. Bislang<br />

wird die Gesellschaft von<br />

den vier bayerischen Allgäuer<br />

Landkreisen und den dortigen<br />

kreisfreien Städten finanziert.<br />

Das Gesamtbudget der Allgäu<br />

GmbH lag im vergangenen Jahr<br />

bei 3,8 Millionen Euro. [!]<br />

20


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

Nicht nur zum Auftakt strömen die Besucher in die Fertighauswelt nach Günzburg.<br />

Auf die Plätze – fertig – Haus<br />

Ihre Bauzeit ist kurz, die Grundrisse flexibel, sie erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen und erfreuen sich im<br />

Südwesten großer Beliebtheit: Europas modernste Ausstellung von Fertighäusern steht in Günzburg.<br />

Die Erwartungen an die Besucherresonanz<br />

waren hoch, „doch sie sind bei<br />

weitem übertroffen worden“, sagt<br />

Christoph Windscheif, Marketing-Chef des<br />

Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF).<br />

Rund 17 Millionen Euro hat der Verband in<br />

die Fertighauswelt Günzburg investiert. Allein<br />

am Eröffnungswochenende strömten<br />

8300 Menschen dorthin, um sich 17 Musterhäuser<br />

auf der 22.000 Quadratmeter großen<br />

Anlage anzuschauen. Das waren mehr als bei<br />

der Eröffnung der Fertighauswelten in Köln,<br />

Wuppertal, Hannover und Nürnberg. Bis Ende<br />

November und damit in den ersten acht<br />

Wochen waren es rund 20.000. Zum Vergleich:<br />

Ursprünglich waren 50.000 Besucher pro Jahr<br />

angepeilt. Diese Zahl zu Grunde gelegt würde,<br />

nach einer Faustregel in der Branche, die Fertighaus-Welt<br />

Günzburg als erfolgreich gelten,<br />

wenn pro Jahr 0,8 Prozent der angepeilten Besucher,<br />

sprich rund 400 Menschen, dort ein<br />

Haus kaufen. Der Standort in Günzburg bietet<br />

viele Vorzüge. Er liegt verkehrsgünstig an der<br />

A8 in einer wirtschaftsstarken Region. Das benachbarte<br />

Legoland Deutschland lockt Familien<br />

mit Kindern an, also die Hauptzielgruppe<br />

der Fertigbauer. Zudem liegt die Fertighaus-<br />

Welt direkt an der Landesgrenze zu Baden-<br />

Württemberg. Im Südwesten liegt der Marktanteil<br />

der Fertigbauer mit 30 Prozent über<br />

dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent.<br />

KONKURRENZ ZU ULM<br />

Bundesweit gibt es 18 Hausausstellungen, ihr<br />

je weiliges Einzugsgebiet reicht anderthalb<br />

Fahr stunden. Dass mit dem Hausbaucenter<br />

Ulm und der Fertighauswelt Günzburg zwei<br />

nur 30 Kilometer voneinander entfernte<br />

Standorte existieren, ist selten. Der Hintergrund:<br />

Der BDF hielt den Auftritt und den Besucher-Service<br />

des Hausbaucenters Ulm für<br />

verbesserungswürdig. In Günzburg befindet<br />

sich nach Windscheifs Worten nun die modernste<br />

Fertighausausstellung Europas. Zum<br />

Konzept für Günzburg gehören hohe Anforderungen<br />

an nachhaltiges Bauen, sagt BDF-Präsident<br />

Johannes Schwörer. Die Branche sei<br />

Trendsetter in den Themen Energieeffizienz,<br />

Dämmung und Haustechnik. Weiterer Vorteil:<br />

Vom Vertragsabschluss über die Fertigung im<br />

Werk bis zur Montage auf der Baustelle liegen<br />

nur vier bis sechs Monate. Die Bauausführung<br />

sei wegen der industriellen Vorfertigung gut<br />

und der Bauherr bekomme alles aus einer<br />

Hand. Aktuell komme Schwung in das Thema<br />

„Smart Home“, auch weil sich die Einstellung<br />

der Verbraucher in den vergangenen zehn Jahren<br />

zu der Technik verändert habe. Auch für<br />

das Zeitalter der E-Mobilität sieht er die Branche<br />

gerüstet. Viele Fertighäuser sind Plus-<br />

Energie-Häuser, sie verbrauchen weniger<br />

Energie, als sie erzeugen. „Die Energie, die das<br />

Haus tagsüber erzeugt, können die Bewohner<br />

abends nutzen“, sagt Schwörer – und damit das<br />

Elektro-Auto aufladen. [!] <br />

AMB<br />

www.fertighauswelt-guenzburg.de<br />

21


[finanzieren] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Tücke der Versorgungslücke<br />

Viele Selbstständige und Freiberufler sorgen privat für ihren Ruhestand vor. Doch kaum jemand hat eine<br />

Vor stellung davon, wie viel Geld er zurücklegen muss, damit nicht im Alter herbe finanzielle Einbußen drohen.<br />

Das deutlich sinkende Niveau<br />

der gesetzlichen Rente<br />

und niedrige Zinsen am Kapitalmarkt<br />

machen die<br />

Alter svorsorge zum Spagat.<br />

22


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

Kommende Rentnergenerationen in<br />

Deutschland werden den Gürtel enger<br />

schnallen müssen. Jüngsten Prognoserechnungen<br />

des Bundesarbeitsministeriums<br />

zufolge wird das Niveau der gesetzlichen Rente<br />

bis zum Jahre 2030 auf 44,5 Prozent des letzten<br />

Brutto-Einkommens absinken. Mit dieser<br />

Altersrente kann allerdings nur der so genannte<br />

Eckrentner rechnen, der 45 Jahre lang<br />

gearbeitet hat und in dieser Zeit stets den sozialversicherungspflichtigen<br />

Durchschnittsverdienst<br />

erzielt hat.<br />

Viele Unternehmer und Freiberufler werden<br />

sich mit diesen Zahlen gar nicht erst beschäftigen.<br />

Denn selbst wenn sie Ansprüche in der<br />

gesetzlichen Rentenversicherung durch Anrechnungs-<br />

und Beitragszeiten im Rahmen<br />

einer Festanstellung gesammelt haben – mit<br />

der Rente, die daraus in 20 oder 30 Jahren resultiert,<br />

haben sie kaum ein komfortables<br />

Auskommen im Alter. Mit dem Wechsel in<br />

die Selbstständigkeit sorgen die meisten privat<br />

fürs Alter vor. Doch auch in diesem Fall<br />

drohen herbe Versorgungslücken, denn die<br />

niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt drücken<br />

die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen<br />

ebenso wie etwa die Rentenzusagen von<br />

berufsständischen Pensionskassen. Gleichzeitig<br />

wirft das eigene Sparvermögen auf Bankkonten<br />

kaum noch Erträge ab. Das bringt viele<br />

Rentenpläne ins Wanken.<br />

[finanzieren]<br />

VORSORGE IM BLINDFLUG<br />

Dabei haben die meisten Selbstständigen,<br />

wenn überhaupt, nur eine vage Vorstellung<br />

davon, wie hoch ihre Rentenlücke ausfällt.<br />

„Die Rentenlücke ist wie das Bermuda-Dreieck<br />

der Geldanlage. Jeder hat davon gehört,<br />

aber keiner weiß etwas Genaues“, sagt Torsten<br />

Homann, Portfoliomanager bei Taunus Investment.<br />

Schließlich lässt sich kaum abschätzen,<br />

wie sich die Renditen an den Kapitalmärkten,<br />

aber auch die allgemeinen<br />

Lebenshaltungskosten in den kommenden<br />

Jahren, geschweige denn Jahrzehnten, entwickeln<br />

werden.<br />

Außerdem verfügen Freiberufler und Unternehmer<br />

nicht über ein festes Einkommen. Sie<br />

können bestenfalls schätzen, wie viel sie zum<br />

Ende ihrer aktiven Berufsphase hin verdienen<br />

werden. Dazu kommt, dass angesichts von<br />

Termin- und Arbeitsdruck viele Selbstständige<br />

den Aufwand in Sachen Nachjustierung bei<br />

der eigenen Altersvorsorge scheuen. „Häufig<br />

wird das erstbeste, vermeintlich passende Produkt<br />

genommen – und damit das Thema Altersvorsorge<br />

abgehakt“,<br />

beschreibt<br />

Michael Huber,<br />

Mitglied der Geschäftsführung<br />

des Beratungs<strong>unternehmen</strong>s<br />

VZ<br />

Vermögenszentrum,<br />

einen Kardinalfehler.<br />

Dabei besteht Michael Huber, Vermögenszentrum<br />

München.<br />

auch für Selbstständige,<br />

die gut<br />

verdienen, fast immer Handlungsbedarf, wie<br />

Berechnungen von zwei Experten zeigen, die<br />

<strong>unternehmen</strong>[!] zu einem Vorsorgecheck von<br />

zwei Beispielfällen gebeten hat. Denn auch<br />

wer viel Geld in seine Altersvorsorge steckt,<br />

muss damit rechnen, dass im Alter die Versorgungslücke<br />

viel größer ist als angenommen.<br />

„Das Versorgungsziel sollte bei etwa 80 Prozent<br />

des geschätzten letzten Netto-Einkommens<br />

liegen“, gibt Gerhard Miller, Vorsitzender<br />

des Regionalverbands Süd des<br />

Bundesverbands deutscher Versicherungskaufleute,<br />

eine Richtmarke vor. „Von diesem<br />

Betrag ziehe ich dann ab, was ich an Versorgungsansprüchen<br />

habe und weiß, was ich<br />

dann noch bräuchte, wenn ich diese Lücke<br />

schließen will.“ Das klingt nach einer einfachen<br />

Rechnung, aber der Teufel steckt im Detail<br />

– weil sich zum Beispiel Ablaufleistungen<br />

von Lebensversicherungen nur schätzen lassen.<br />

„Dazu kommen steuerliche Gesichtspunkte<br />

und die Frage, ob Wohneigentum vorhanden<br />

ist. Dadurch wird das Thema sehr<br />

schnell komplex“, erläutert Miller.<br />

ANSPARSUMME 760.000 EURO<br />

Das zeigt sich bereits beim ersten Beispiel: Susanne<br />

Kerber arbeitet seit zwei Jahren als selbständige<br />

Grafikerin. Die 34-Jährige ist ledig<br />

und Mutter eines dreijährigen Kindes. Nach<br />

dem Studium, das sie mit 25 Jahren beendet<br />

hat, arbeitete Kerber zunächst bei verschiedenen<br />

Agenturen in fester Anstellung. Der Bruttoverdienst<br />

lag im Schnitt bei 40.000 Euro. In<br />

dieser Zeit hat sie in die gesetzliche Rentenversicherung<br />

eingezahlt, einen Riestervertrag<br />

abgeschlossen, auf dem mittlerweile rund<br />

12.000 Euro angespart sind, und privat rund<br />

10.000 Euro in Fonds und auf Sparkonten angespart.<br />

Mit der Geburt ihres Sohnes hat Kerber<br />

zuerst die Elternzeit genutzt und danach<br />

erste freie Aufträge angenommen. Nachdem<br />

ihr Kind nunmehr in den Kindergarten geht,<br />

Betriebliche Altersvorsorge:<br />

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23


[finanzieren] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Das 2 x 2 zur Altersvorsorge<br />

Die Experten Michael Huber und Gerhard Miller<br />

stellen ihre Überlegungen zu unseren zwei<br />

Fallbeispielen vor (Renteneintritt mit 67 Jahren):<br />

Klaus Marten (49) ist angestellter<br />

Geschäfts führer. Jahresgehalt 200.000 Euro<br />

plus erfolgsabhängige Komponente im Durchschnitt<br />

von 100.000 Euro. 12.000 Euro in einem Rürup-Vertrag,<br />

100.000 Euro Vermögen (in Wertpapieren).<br />

Schuldenfreies Haus. Die Restschuld eines<br />

Appartements: 65.000 Euro (monatliche Belastung<br />

500 Euro aus Darlehen).<br />

Beispielrechnung Michael Huber<br />

Risikobereitschaft<br />

mittel<br />

Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) > 3,5%<br />

Versorgungsziel<br />

Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 6000 €<br />

Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 8569 €<br />

Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 3450 €<br />

Verbleibendes Versorgungsziel 5119 €<br />

Sparziele bis Ruhestand<br />

Notwendiges Kapital 4) 1.340.000 €<br />

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3050 €<br />

Empfohlene Sparvehikel<br />

neu<br />

weiterzuführen<br />

Beispielrechnung Gerhard Miller<br />

ETF Sparplan (Aktienindizes)<br />

gesetzl. Rentenversicherung<br />

Kapitallebensversicherng<br />

Gesetzliche Rente 2500 €<br />

betriebliche Rente 1500 €<br />

Gesamt 4000 €<br />

Nettoeinkommen 14.000 €<br />

Versorgungsziel: netto 80% 11.000 €<br />

Versorgungslücke 7000 €<br />

Sparziele bis Ruhestand<br />

Notwendiges Kapital 6) 1.000.000 €<br />

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3000 €<br />

Empfohlene Sparvehikel<br />

weiterzuführen<br />

Anmerkungen:<br />

1)<br />

Eigener Anteil<br />

Basisrente, Riester-Rente, Fondssparplan<br />

gesetzl. Rentenversicherung, Betriebsrente,<br />

Kapitallebensversicherng<br />

2)<br />

Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.<br />

3)<br />

Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.<br />

4)<br />

Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.<br />

5)<br />

Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen<br />

Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.<br />

6)<br />

Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender<br />

Kapitalerträge<br />

baut sie diese freiberufliche Tätigkeit aus. Sie erwartet, dass sie im<br />

kommenden Jahr etwa 50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht. Sie<br />

will sich nun absichern und für ihr Alter vorsorgen.<br />

Nach Berechnungen von VZ-Experte Huber muss die Grafikerin bis<br />

zum Beginn der Rente 760.000 Euro ansparen und dafür 1000 Euro pro<br />

Monat zurücklegen. „Das wirkt sehr hoch“, sagt Huber. „Aber es ist zu<br />

berücksichtigen, dass in diesem Fall nur geringe gesetzliche Rentenansprüche<br />

bestehen und auch keine weiteren Beiträge zur gesetzlichen<br />

Rentenversicherung mehr geleistet werden. Somit gibt es auch<br />

mehr Spielraum, die notwendige Sparrate zu leisten.“ Dennoch: Das<br />

monatliche Sparziel für die junge Mutter ist hoch. Bei dem von ihr<br />

angepeilten Jahresumsatz ist das – wenn überhaupt – nur dann zu<br />

schaffen, wenn sie auf eine staatlich geförderte Anlageform wie die<br />

Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, zurückgreift.<br />

KAUM GELD ZUM LEBEN<br />

Versicherungsexperte Miller empfiehlt neben der Basisrente zudem,<br />

den Riestervertrag so hoch wie möglich weiter zu besparen und dessen<br />

Steuervorteile zu nutzen. Sie könne auch überlegen, freiwillig<br />

weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Damit<br />

erhöhe sich die gesetzliches Rente zwar, doch das reiche nicht, um<br />

im Alter abgesichert sein.<br />

Er empfiehlt der Grafikerin zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung,<br />

um das Risiko einer Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Dazu<br />

eine Risikolebensversicherung über mindestens 100.000 Euro, um<br />

ihre Familie abzusichern. Auch kann sich die Freiberuflerin überlegen,<br />

sich privat statt weiterhin gesetzlich krankenzuversichern. „Alles<br />

in allem kommt sie damit in eine finanzielle Größenordnung, bei<br />

der ihr kaum noch genug Geld zum Leben bleibt. Sie kann also nicht<br />

mehr Geld zurücklegen.“<br />

Dieses Problem stellt sich im anderen Beispielfall nicht: Klaus Marten<br />

ist angestellter Geschäftsführer einer mittelständischen GmbH. Nach<br />

dem Studium hat der 49-Jährige bei mehreren Unternehmen gearbeitet<br />

und ist schnell aufgestiegen. Sein festes Jahresgehalt liegt bei<br />

200.000 Euro, dazu kommt eine erfolgsabhängige Komponente, die<br />

im Mittel 100.000 Euro beträgt. Er und seine Ehefrau, die nicht arbeiten<br />

geht, besitzen bares Anlagevermögen von etwa 100.000 Euro und<br />

eine Lebensversicherung (Vertragssumme 100.000 Euro), die in seinem<br />

67. Lebensjahr fällig wird. Zudem zahlt er Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze<br />

in die gesetzlichen Rentenversicherung. Er<br />

hat die Zusage für eine Betriebsrente von 1500 Euro pro Monat. Das<br />

Ehepaar besitzt eine eigene, selbst genutzte Immobilie, die schuldenfrei<br />

ist. Zusätzlich haben die beiden vor vier Jahren ein Appartement<br />

erworben, das ihrer Tochter zur Verfügung steht, die dort ein<br />

Studium aufgenommen hatte. Nachdem diese ihr Studium abgeschlossen<br />

hat, und finanziell auf eigenen Beinen steht, vermietet<br />

Marten das Appartement (Restschuld 65.000 Euro). Die monatliche<br />

Belastung aus dem Darlehen beträgt 500 Euro. Das Barvermögen<br />

hat Marten eher konservativ in Wertpapieren und Fonds<br />

angelegt. 20.000 Euro liegen auf Konten bei der Bank.<br />

Auf den ersten Blick scheinen der 49-Jährige und seine Frau gut<br />

versorgt. Seine Renten-Ansprüche liegen von heute aus gesehen<br />

bei etwa 4000 Euro pro Monat. Bei einem Einkommen von rund<br />

14.000 Euro (ohne Sonderzahlungen) liegt jedoch das Versorgungsziel<br />

des Geschäftsführers bei etwa 11.000 Euro pro Monat.<br />

„Das zeigt, dass bei der Altersvorsorge vieles relativ ist“, sagt Miller.<br />

24


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[finanzieren]<br />

„Mit seinem hohen Einkommen hat sich Herr Marten einen gewissen<br />

Lebensstandard aufgebaut, den er wahrscheinlich halten möchte. Dazu<br />

muss er auch im Alter Rücklagen bilden zur Instandhaltung der<br />

Immobilien.“<br />

Will er steuerliche Vorteile für seine Altersvorsorge nutzen – was sich<br />

bei seinem hohen Einkommen anbietet –, wäre für ihn die Basisrente<br />

die einzige Möglichkeit. Bei der Basis-Rente, auch Rürup-Rente genannt,<br />

können Sparer <strong>2016</strong> einen Teil ihrer<br />

Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung<br />

geltend machen. <strong>2016</strong> sind das<br />

82 Prozent. Jedoch gibt es einen<br />

Höchstbetrag. Er orientiert sich<br />

an der Beitragsbemessungsgrenze<br />

zur Rentenversicherung und<br />

am Beitragssatz zur knappschaftlichen<br />

Rentenversicherung<br />

(24,8 Prozent). <strong>2016</strong> ergibt sich so<br />

ein Höchstbetrag von 22.766 Euro<br />

zur Rürup-Rente. Der maximale Beitrag,<br />

den Versicherte steuerlich anrechnen<br />

lassen können, wächst demzufolge<br />

auf 18.668 Euro (82 Prozent des Höchstbetrages) an. Verheiratete<br />

können die doppelte Summe einzahlen, die in der Steuererklärung<br />

berücksichtigt wird.<br />

Eine Alternative ist, dass Marten privat mehr Geld anspart.<br />

„Dabei sollte er unbedingt schwerpunktmäßig in<br />

Aktien – etwa über Fonds – investieren und er sollte sofort<br />

damit anfangen und regelmäßig investieren“, sagt<br />

Huber. „Denn erstens ist sein Anlagehorizont lang genug,<br />

weil es noch einige Jahre hin sind bis zum Renteneintritt.<br />

Zweitens ist seine Risikobereitschaft mindestens<br />

moderat, eher überdurchschnittlich hoch. Und drittens<br />

verfügt Herr Marten bereits über ein hohes Gesamtvermögen<br />

und hat seine Hausaufgaben gemacht.“ Zumal: Selbst<br />

wenn der Geschäftsführer einen Aktienstock von 150.000 Euro aufbaut<br />

– in der Betrachtung seines Gesamtvermögens ist er damit immer<br />

noch ein konservativer Anleger. „Aktien haben zweifellos Risiken,<br />

aber das größere Risiko ist es, keine Aktien zu haben“, sagt Huber<br />

mit Blick auf die historisch guten Anlageergebnisse von Dividendenpapieren.<br />

Zur Vorsicht rät er dagegen bei Immobilien. „Es heißt zwar<br />

immer: Immobilien sind sinnvoller Baustein zur eigenen Altersvorsorge.“<br />

Doch dafür sieht er Einschränkungen: „Der Käufer sollte sich<br />

die laufende Rate auch im Worst-Case-Szenario leisten können. Er<br />

sollte noch Eigenkapital übrig haben, nachdem er einen Teil des Kaufpreises<br />

der Immobilie mit eigenen Mitteln gedeckt hat. Und drittens<br />

darf ich nicht zu teuer einkaufen“, warnt Huber. Die Gefahr zu hoch<br />

einzusteigen, ist jedoch groß. Die niedrigen Zinsen treiben derzeit die<br />

Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern in die Höhe. Eigentumswohnungen<br />

haben sich dem F+B-Immobilienindex zufolge<br />

innerhalb der vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.<br />

In Berlin oder München sind die Preissprünge noch höher.<br />

Fraglich, ob sich der Einstandspreis bei einem Verkauf im Alter erzielen<br />

lässt. „Das Risiko, mit der eigenen Immobilie etwas falsch zu machen<br />

ist mindestens so groß wie die Chance, dass es ein gelungener<br />

Bestandteil meiner Vorsorgestrategie wird“, sagt Huber. [!]<br />

<br />

Gerhard Miller vom BVK,<br />

Regionalverband Süd.<br />

THOMAS LUTHER<br />

Susanne Kerber (34), selbständige<br />

Grafikerin, ledig, Mutter eines dreijährigen<br />

Kindes. Neun Jahre angestellt mit einem Brutto-Jahresverdienst<br />

40.000 Euro. Sie hat in einem<br />

Riestervertrag 12.000 Euro und zudem 10.000<br />

Euro angespart (davon 3500 Euro in einem Mischfonds).<br />

Sie erwartet, dass sie im nächsten Jahr etwa<br />

50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht.<br />

Beispielrechnung Michael Huber<br />

Risikobereitschaft<br />

eher gering<br />

Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) 2,0%<br />

Versorgungsziel<br />

Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 1700 €<br />

Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 3268 €<br />

Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 360 €<br />

Verbleibendes Versorgungsziel 2908 €<br />

Sparziele bis Ruhestand<br />

Notwendiges Kapital 4) 760.000 €<br />

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 1000 €<br />

Empfohlene Sparvehikel<br />

neu<br />

perspektivisch, daher weiter Tagesgeld aufbauen<br />

Beispielrechnung Gerhard Miller<br />

Rürup-Rente<br />

Selbstgenutzte ETW<br />

Bruttoverdienst Nettoverdienst 3300 € 2310 €<br />

Versorgungslücke netto 2310 €<br />

Regelaltersrente Lücke 984 € 1326 €<br />

Erwerbsminderungsrente 748 €<br />

Lücke bei voller<br />

Erwerbsminderung<br />

Lücke bei teilweiser<br />

Erwerbsminderung<br />

1562 € 1936 €<br />

Hinterbliebenenrente Lücke 630 € 1680 €<br />

Riester<br />

jährlicher Eigenbeitrag 1430 €<br />

Zulage (eigene + Kinderzulage 300 €) 454 €<br />

Steuerersparnis 402 €<br />

BU<br />

BU-Rente 1800 €<br />

Fondsguthaben bei 3% Wertentwicklung 24.087 €<br />

Beitrag pro Monat 7) 150 €<br />

Basisrente<br />

monatlicher Beitrag 200 €<br />

jährlicher Bruttoaufwand 2400 €<br />

Nettoaufwand 1609 €<br />

mögliches Fondsguthaben bei Renteneintritt 99.957 €<br />

Anmerkungen:<br />

1)<br />

Eigener Anteil; sie geht davon aus, dann in einer Partnerschaft zu leben.<br />

2)<br />

Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.<br />

3)<br />

Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.<br />

4)<br />

Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.<br />

5)<br />

Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen<br />

Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.<br />

6)<br />

Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender<br />

Kapitalerträge<br />

7)<br />

Durchschnittswert<br />

8)<br />

Bei einer unterstellten Durchscnittsrendite von 3%<br />

25


[machen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Fensterbauer mit<br />

glasklarer Ausrichtung<br />

Früher holte der Bartel bei Gugelfuss in Elchingen das Fass für den Most ab. Das<br />

ist Geschichte. Das Familien<strong>unternehmen</strong> hat sich neu erfunden. Mit seiner<br />

hochmodernen Produktion gehört es zu den Großen der Fensterbau-Branche.<br />

Hochmoderne Fensterproduktion in Elchingen: Die Gugelfuss GmbH hat in den vergangenen Jahren rund 10 Millionen Euro am Stammsitz investiert.<br />

Wer in der Unternehmensgeschichte<br />

der Gugelfuss GmbH blättert, die<br />

neue Produktionshalle nach einem<br />

Rundgang in frischer Erinnerung, reibt sich<br />

verwundert die Augen: Auf den alten Aufnahmen<br />

spielen Fässer eine wichtige Rolle, ab<br />

1960 werden Grünfuttersilos dokumentiert;<br />

betrieben wurden zu dem Zeitpunkt eine<br />

Mosterei und eine Brennerei und im Keller<br />

gab es einen Verkaufsraum für Wein und Spirituosen.<br />

Die ursprüngliche Küferei und ihre<br />

Nebenlinien – alles längst Geschichte.<br />

Heute, im Jahr 125 nach der Gründung, zählt<br />

das Unternehmen aus Elchingen (Kreis Neu-<br />

Ulm) zu den großen Anbietern im Fensterund<br />

Türenbau. Das Unternehmen hat in den<br />

vergangenen Jahren kräftig investiert und<br />

fertigt heute stark automatisiert. Mit der neuen<br />

Produktions- und Montagehalle am Elchinger<br />

Stammsitz ging vor wenigen Jahren<br />

ein vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb.<br />

2017 soll das alte Zuschnitt- und Bearbeitungszentrum,<br />

das Herzstück der Produktion,<br />

durch ein neues ersetzt werden, die den<br />

Automatisierungsgrad nochmals erhöht.<br />

Rund zehn Millionen Euro wurden binnen<br />

weniger Jahre investiert, sagt Anton Gugelfuß,<br />

der sich mit seinem Neffen Martin die<br />

Geschäftsführung teilt. Dritte im Familien-<br />

Bunde auf der Leitungsebene ist mit Susanne<br />

Gugelfuß-Dannerbauer als Prokuristin dessen<br />

Schwester. Sie stehen für die vierte und fünfte<br />

Generation des Familien<strong>unternehmen</strong>s.<br />

Das zuletzt hohe Investitionsniveau – beim<br />

Umsatz hofft man in diesem Jahr die 40-Millionen-Euro-Schwelle<br />

zu überschreiten – ist<br />

gleichzeitig Ausdruck und Indiz für den rasanten<br />

Wandel in der Branche. Sie ist nach wie<br />

vor relativ kleinteilig und zersplittert. Aber<br />

immer mehr der kleineren und kleinsten Betriebe<br />

stellen die Produktion ein und verlegen<br />

sich auf die Montage als Partner der Großen.<br />

Diese wiederum unterliegen dem Zwang zu<br />

weiterem Wachstum. Die Kehrseite ist, dass<br />

mit der Ausweitung der Kapazitäten auch der<br />

Druck auf die Preise zunehme, erläutert Martin<br />

Gugelfuß. Zudem schüren osteuropäische<br />

Billiganbieter den Konkurrenzdruck. „Es<br />

herrscht Verdrängungswettbewerb“, ergänzt<br />

sein Onkel. Doch im Moment – Spiegelbild<br />

der guten Baukonjunktur – laufe der Absatz<br />

gut.<br />

Das Unternehmen profitiert dabei von der guten<br />

Marktdurchdringung über die mehr als<br />

650 Händler-Kunden. Diese kommen aus einem<br />

Radius von 400 Kilometern und sorgen<br />

für Aufträge und Absatz. Die zweite Vertriebschiene<br />

ist das Direktgeschäft in einem engeren<br />

Umkreis. Hier übernimmt Gugelfuss auch<br />

die Montage. Auslieferungen erfolgen mit der<br />

eigenen Transporter-Flotte.<br />

Trotz industrieller Fertigung sind größere Serien<br />

mit gleichem Maß selten. „Im Grunde ist<br />

jedes Fenster ein Prototyp“, erläutert Martin<br />

Gugelfuß. Das liegt an den unterschiedlichen<br />

Die Firmenchefs: Martin Gugelfuß und sein<br />

26


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[machen]<br />

Wie im Fußball,<br />

so im Geschäftsleben<br />

Anton Gugelfuß ist in der Region Ulm<br />

als Unternehmer, aber auch durch sein<br />

Ehrenamt bekannt. Er ist neben Roland<br />

Häußler und Thomas Oelmayer einer<br />

der drei gleichberechtigten Vorstände<br />

des Regionalligisten SSV Ulm 1846<br />

Fußball und damit an federführender<br />

Stelle mitbeteiligt an der Konsolidierung<br />

und der Erholung des Vereins, der<br />

bereits drei Mal insolvent war. Angefragt<br />

vom Insolvenzverwalter, sei er<br />

„aus der Num mer einfach nicht mehr<br />

rausgekommen“, erzählt er und kann<br />

sich auch hier auf der Erfolgsspur wähnen:<br />

„Als ich anfing, waren es acht.<br />

Heute sind es 170.“ Gemeint ist die Zahl<br />

der Sponsoren, zu denen sein Unternehmen<br />

bereits seit mehr als 40 Jahren<br />

zählt. Auf die Frage, ob es zwischen<br />

dem aktuellen Ulmer Fußball und der<br />

Gugelfuss GmbH Gemeinsamkeiten gebe,<br />

zögert Gugelfuß erst, dann antwortet<br />

er mit seiner Maxime: „Niemals abheben,<br />

immer die Bodenhaftung TV<br />

Größen, aber auch an den unterschiedlichen<br />

Anforderungen an Schall-, Brand- und Einbruchschutz<br />

sowie unterschiedlichen Wärmewerten.<br />

Diese Ausdifferenzierung habe<br />

dazu geführt, „dass es herkömmliche, einfache<br />

Fenster kaum mehr gibt“. Und selbst bei<br />

Fenstern gibt es Trends. Derzeit sind graue<br />

Profile und bodentiefe Formate angesagt.<br />

130 unterschiedliche Hauptprofile, bezogen<br />

von zwei Herstellern, enthält der „Baukasten“<br />

des Fensterbauers. Die Komplexität von Produkt<br />

und Aufgabe kommt ebenso im „Leitfaden<br />

zur Montage“ des Instituts für Fensterbau<br />

(Rosenheim) zum Ausdruck, der inzwischen<br />

299 Seiten umfasst. Der Leitfaden definiert die<br />

Onkel Anton Gugelfuß.<br />

Standards der Branche und bildet bei Gugelfuss<br />

die Basis für die internen Schulungen.<br />

„In den zurückliegenden Jahren sind die Anforderungen<br />

rasant gewachsen“, berichtet<br />

Martin Gugelfuß. Eine hohe Kompetenz ist<br />

das eine. „Das andere ist, dass unsere Kunden<br />

gerne mit uns zusammenarbeiten sollen“,<br />

nennt er eine weitere Möglichkeit der Profilierung.<br />

Das Unternehmen habe Stammkunden<br />

gewinnen können, „die nur auf uns setzen“.<br />

Als die kleine Küferei um 1970 in den Kunststoff-Fensterbau<br />

einstieg, waren weder Erfolg<br />

noch weitere Perspektiven daraus absehbar,<br />

erinnert sich Anton Gugelfuß. Mittlerweile<br />

zählt das Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten<br />

in Elchingen und weiteren 80 in den<br />

Werken Straß (Kreis Neu-Ulm) und Beerwalde<br />

(Thüringen) zu den Großen der Branche.<br />

Gugelfuss verkauft jährlich rund 100.000<br />

Scheiben-Einheiten und 4.800 Haustüren.<br />

Alu-Fenster haben die Elchinger zwar ebenfalls<br />

im Angebot, der weitaus größere Teil aber<br />

wird aber aus PVC gefertigt. Den Anteil von<br />

Kunststoff-Fenstern im Fensterbau allgemein<br />

beziffert Anton Gugelfuß auf 65 Prozent. Der<br />

Vorteil: Produktionsreste könnten komplett<br />

recycelt werden. Stark rückläufig sei hingegen<br />

der Anteil von Holzfenstern. [!]<br />

<br />

THOMAS VOGEL<br />

27


[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Gefährliche Abwärtsspirale<br />

Dauerstress und in der Folge Burnout verursachen hohe Kosten für Unternehmen. Es ist höchste Zeit, dass das Thema<br />

Gesundheit zur Chefsache wird und Mitarbeiter lernen, sich zu schützen, sagt Präventionsexperte Norbert Hüge.<br />

Foto: © Simon Dannhauer / Fotolia.com<br />

Christine Jung (Name von der Redaktion<br />

geändert) sieht blass aus. „Ich fühle<br />

mich schrecklich“, sagt sie. Die Endvierzigerin<br />

arbeitet im Vertrieb eines Ulmer<br />

Unternehmens, seit vier Monaten vertritt sie<br />

zusätzlich einen erkrankten Kollegen.<br />

„Manchmal ist mir schwindlig, manchmal fallen<br />

mir die Wörter nicht mehr ein, abends bin<br />

ich einfach nur noch platt“, erzählt sie. Aussicht<br />

auf eine ruhigere Phase hat sie nicht.<br />

All das, was Jung erzählt, sind Warnzeichen<br />

für eine Überlastung, die in einem Burnout<br />

münden kann. Dieser Begriff gehört zwar<br />

nicht zum Abrechnungskatalog der Krankenkassen,<br />

doch er ist eine Tatsache. Mit diesem<br />

Syndrom beschreiben Ärzte und Therapeuten<br />

einen psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand.<br />

Das<br />

Krankheitsbild<br />

hat viele Facetten:<br />

Die Symptome reichen<br />

von Magenschmerzen,<br />

Sodbrennen<br />

und<br />

Rückenschmerzen<br />

bis zu Herzrasen,<br />

Hörsturz, Drehschwindel,<br />

aber<br />

auch zu Antriebslosigkeit,<br />

Schlafder<br />

des Verbands DBVB.<br />

Norbert Hüge, Vorsitzenstörungen,<br />

Stimmungsschwankungen<br />

und Angstzuständen.<br />

Einer Studie zufolge gehen in Deutschland 60<br />

Millionen Fehltage pro Jahr auf psychische<br />

Belastungen zurück. Laut dem „Gesundheitsatlas<br />

2015“ der Betriebskrankenkassen haben<br />

sich die Krankentage wegen seelischer Leiden<br />

seit 2003 mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche<br />

Dauer der Krankschreibung gehört<br />

mit 40 Tagen zu den längeren.<br />

Das Thema Burnout hat viel mit unserer Leistungsgesellschaft<br />

zu tun. „Viele Menschen<br />

Wer nicht achtsam mit sich ist, dem droht ein<br />

Weg in den Burnout und weit nach unten.<br />

28


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[verantworten]<br />

setzten sich immer neue Ziele, um sich zu beweisen.<br />

Erfolge feiern sie nicht, vielmehr steigen<br />

die Erwartungen. Doch je höher die Ziele,<br />

umso mehr Energie muss ich aufwenden, um<br />

sie zu erreichen. Das fällt immer schwerer“,<br />

erläutert Norbert Hüge, Vorsitzender des<br />

Deutschen Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe<br />

und Prävention (DBVB). Weil der<br />

Mensch ein Gewohnheitstier sei, stelle er sich<br />

zunächst auf den höheren Stresslevel ein.<br />

Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft<br />

für Psychosomatische Medizin und Ärztliche<br />

Psychotherapie (DGPM) in Berlin lösen hohes<br />

Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringe Gestaltungsspielräume,<br />

paralleles Arbeiten an mehreren<br />

Aufgaben und ständige Erreichbarkeit<br />

chronischen Stress aus. Zur totalen körperlichen<br />

und geistigen Erschöpfung kommt es,<br />

wenn ein Arbeitnehmer nicht abschalten und<br />

sich auch in seiner Freizeit nicht mehr erholen<br />

kann. „Der Körper ist dann in einem Dauer-Alarmzustand“,<br />

erklärt Hüge.<br />

KÖRPER IM DAUERALARM<br />

Während die meisten Menschen zügig zur<br />

nächsten Werkstatt fahren, wenn ein rotes<br />

Lämpchen im Auto brennt, würden viele die<br />

Zeichen ihres Körpers nicht ernst nehmen.<br />

Dabei lässt Hüge keinen Zweifel daran: „Dieser<br />

Dauer-Alarmzustand muss unterbrochen<br />

werden! Das Herz pumpt wie verrückt, unser<br />

Körper hat einen höheren Verschleiß, die Zellen<br />

werden geschädigt und auch die Lust auf<br />

Sex lässt nach. Es lohnt sich nicht, chronischen<br />

Stress zu ertragen“, wird Hüge deutlich.<br />

Stressempfinden, so stellt der Burnout-Prophylaxe<br />

Trainer aus München klar, ist etwas<br />

sehr individuelles. „Für den einen sind 50<br />

Mails täglich im Postfach Stress pur, ein anderer<br />

läuft sich erst bei 200 Mails richtig warm“,<br />

sagt Hüge. Manche Menschen setzten sich<br />

selbst unter Druck durch Denkmuster wie<br />

Haus am Fluss<br />

MBSR<br />

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Allgemeinmedizin<br />

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Tel.: 07307 923036<br />

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29


[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

zum Beispiel: „Ich will beliebt sein, ich will<br />

anerkannt werden, ich muss perfekt sein, alles<br />

selber machen, sonst wird es nicht gut.“<br />

Wer dauernd seinen Energietopf anzapft, seine<br />

Hobbys nicht pflegt, sich keine Zeit für sich<br />

selbst nimmt, der leert seinen Akku. Diese<br />

Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse äußert<br />

sich in schlechten Ernährungsgewohnheiten,<br />

mangelnder Bewegung und auch darin,<br />

Freundschaften nicht mehr zu pflegen.<br />

Das Krankheitsbild des Burnout hat der Psychologe<br />

und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger<br />

(1929 bis 1999) in zwölf Phasen<br />

beschrieben (siehe Infokasten). Für Betroffene<br />

sind laut Hüge Coaching-Maßnahmen bis<br />

Phase fünf sinnvoll. Wenn Betroffene aber<br />

bereits ihr Wertesystem umdeuten, private<br />

Kontakte vermeiden oder es wegen des Burnouts<br />

gar in der Partnerschaft kriselt, sei eine<br />

ärztliche Begleitung nötig. Ab Stufe neun<br />

oder zehn, wenn das Gefühl des automatenhaften<br />

Funktionierens und der inneren Leere<br />

die Oberhand gewinnen, sei es Zeit in eine<br />

Klinik zu gehen.<br />

So verbreitet psychische Störungen in der Gesellschaft<br />

sind, so häufig werden sie immer<br />

noch abgetan. Deswegen gingen die Leute<br />

krank zur Arbeit, sagt Hüge und verweist auf<br />

Untersuchungen: Auf dem Weg in den Burnout<br />

steige die Fehlerhäufigkeit der betroffenen<br />

Mitarbeiter um das Sechsfache.<br />

Die Firmen sollten ein großes Interesse daran<br />

haben, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.<br />

Seit dem Jahr 2013 sind Unternehmen nach<br />

dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet auch<br />

eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung<br />

am Arbeitsplatz vorzunehmen: Wie<br />

sieht die Umgebung des Arbeitsplatzes aus?<br />

Wie agiert die Führungskraft? Wie gehen<br />

die Kollegen miteinander um? „Doch die wenigsten<br />

Firmen machen das oder sehen dies<br />

als erforderlich an “, sagt Hüge. Dabei sei es in<br />

deren Interesse zu fragen: Was benötigen Mitarbeiter,<br />

um gesund zu bleiben? Davon profitierten<br />

die Firmen in Form von weniger Fehltagen,<br />

aber auch weil es sie zu einem<br />

attraktiven Arbeitgeber mache und sie sich<br />

von anderen Firmen abheben. Nötig sei, das<br />

Thema Gesundheit zur Chefsache zu machen<br />

und die Führungskräfte zu schulen. Diese sollten<br />

Unterstützung erhalten, um selbst gesund<br />

zu bleiben, und Anleitung, wie sie dem Burnout<br />

von Mitarbeitern vorbeugen können.<br />

80 PROZENT REICHEN AUCH<br />

Aber auch die Mitarbeiter müssten an sich arbeiten<br />

und sich fragen: Was sind meine Werte?<br />

Was gibt meinem Leben Sinn? Werden die<br />

Werte, die mir wichtig sind, in „meiner“ Firma<br />

gelebt. Sie sollten Stressquellen am Arbeitsplatz<br />

identifizieren und verringern. Und sie<br />

sollten lernen, auch Nein zu sagen und sich<br />

fragen: Bei welcher Aufgabe reichen statt einer<br />

perfekten Ausführung auch mal 60 oder<br />

80 Prozent. Was brauche ich im Moment, damit<br />

es mir gut geht? Darüber hinaus empfiehlt<br />

Hüge gezielte Entspannung, zum Beispiel<br />

mit progressiver Muskelentspannung,<br />

Autogenem Training, Yoga, Tai Chi oder Qi<br />

Gong; regelmäßige Bewegung, ausreichend<br />

Schlaf, sich Auszeiten nehmen (Handy, Laptop,<br />

Tablet ausschalten) und sich gesund zu<br />

ernähren. [!] ALEXANDER BÖGELEIN<br />

Ein Krankheitsbild,<br />

zwölf Phasen<br />

Der Psychoanalytiker Hermann Freudenberger<br />

untergliedert den Burnout<br />

in diese Phasen: 1. Übertriebener Ehrgeiz<br />

und der Zwang, sich zu beweisen.<br />

2. Übertriebene Leistungsbereitschaft<br />

aufgrund der eigenen hohen Anforderungen.<br />

3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse<br />

(Schlaf, regelmäßige Ernährung).<br />

4. Bewusstes Verdrängen und<br />

Überspielen von Konflikten und Bedürfnissen.<br />

5. Verzerrte Wahrnehmung<br />

der Realität. Alte Grundsätze verlieren<br />

an Wert, Freundschaften werden als<br />

Belastung empfunden. 6. Verleugnung<br />

von Problemen, Zynismus und zunehmende<br />

Intoleranz. 7. Emotionaler und<br />

sozialer Rückzug. 8. Verhaltensänderung<br />

in Form einer Abwehrhaltung gegenüber<br />

Kritik aber auch gegenüber<br />

Zuwendung. 9.Depersonalisation durch<br />

den Wahrnehmungsverlust und die<br />

Verneinung der eigenen Persönlichkeit.<br />

10. Gefühl der inneren Leere und Nutzlosigkeit.<br />

11. Depression geprägt von<br />

Sinnlosigkeit, Erschöpfung und Gleichgültigkeit.<br />

12. Totale geistige, emotionale<br />

und körperliche Erschöpfung, die<br />

zum Suizid führen kann. <br />

AMB<br />

Ein Führungsstil, der auf Lob, Anerkennung ,<br />

Wertschätzung und Vertrauen beruht, hilft Mitarbeitern<br />

und kann diese vor dem Ausbrennen<br />

schützen, sagt Verbandschef Norbert Hüge.<br />

Foto: © Tino Neitz / Fotolia.com<br />

30


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der therapeutischen Gemeinschaft und<br />

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Zitat Dr. Franz Pfitzer,<br />

Chefarzt Klinik ChiemseeWinkel Seebruck<br />

Verantwortlich in der Geschäftsführung ist Dominique<br />

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Vorstand Geschäftsbereich Medizin der Gesundheitswelt<br />

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Chefarzt-Sekretariat: Eva Frühholz<br />

+49 (0)8667/87930-71; E-Mail:<br />

e.fruehholz@klinik-chiemseewinkel.de<br />

Sekretariat Geschäftsführung:<br />

Kathrin Ruchotzki +49 (0)8051-599<br />

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31


[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Moment mal<br />

Anhalten, den Atem spüren und zu sich kommen: Im hektischen Jahresendspurt tun das nur wenige.<br />

Doch wem Gesundheit und Wohlbefinden wichtig sind, der sollte bewusst Auszeiten nehmen. Tipps, wie man<br />

Achtsamkeit sich selbst gegenüber lernen kann.<br />

Stade Zeit nennen die Bayern und Österreicher den Advent. Doch<br />

die Tage vor Weihnachten sind alles andere als ruhig und besinnlich.<br />

Ganz im Gegenteil. In den Firmen gehört der <strong>Dezember</strong> zu<br />

den anstrengendsten Zeiten im Jahr.<br />

Dementsprechend stressig empfinden viele die Arbeitstage. Projekte müssen<br />

vor den Weihnachtsferien abgeschlossen sein, die Jahresziele erreicht<br />

werden. Viele Mitarbeiter fühlen sich in dieser Situation wie in einem<br />

Hamsterrad, das stetig schneller läuft. Da hilft nur, achtsam mit sich umzugehen.<br />

Doch das haben viele Menschen nicht gelernt. „Entsprechende<br />

Übungen sind für viele ungewohnt. Sie lassen sich aber gut in den Alltag<br />

einbauen“, erklärt Achtsamkeitstrainer Günter Hudasch. Er ist Vorsitzender<br />

des Verbands der MBSR- und MBCT-Lehrer in Deutschland. Die beiden Abkürzungen<br />

stehen für entsprechende Trainingsprogramme (Mindfulness-<br />

Based Stress Reduction, Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression).<br />

„Wer das Grundprinzip verinnerlicht, kann mit kleinen<br />

Übungseinheiten große Wirkung erzielen und Gelassenheit entwickeln“,<br />

sagt Hudasch. Er hat diese fünf Tipps:<br />

bewußt genießen . . .<br />

Tee trinken<br />

Statt den Tee im Büro nebenbei zu schlürfen und gleichzeitig E-Mails zu<br />

checken, lautet die Aufgabe: Schmecken und riechen Sie ihn bewusst.<br />

Spüren Sie das Gewicht der Tasse. Und die Wärme, die von ihr ausgeht.<br />

Foto: © contrastwerkstatt / Fotolia.com<br />

intensiv spüren . . .<br />

Duschen Sie mit allen Sinnen<br />

Statt morgens unter der Brause schon daran zu denken, welche Aufgaben im Job auf einen<br />

warten, heißt es dieses Mal: der Stimme im Kopf keine Beachtung schenken, sondern sich<br />

mit allen Sinnen auf das Duschen konzentrieren und es genießen. Achten Sie darauf, wie das<br />

Rauschen des Wassers klingt, wie es sich anfühlt. Wie spüren Sie es auf der Kopfhaut? Wie<br />

riecht die frisch geduschte Haut? <br />

Foto: © eldarnurkovic / Fotolia.com<br />

32


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[verantworten]<br />

Atmen<br />

Den eigenen Atem nehmen viele normalerweise gar nicht wahr. Das<br />

soll sich bei dieser Übung ändern: Setzen Sie sich aufrecht hin. Durch<br />

die Nase einatmen. Fühlen Sie, wie die Luft in Ihren Körper hineinund<br />

wieder hinausströmt. Spüren Sie, wie sich der Brustkorb hebt<br />

und senkt. Entspannen Sie, so gut es geht, mit der Ausatmung.<br />

<br />

Foto: © olly / Fotolia.com<br />

mich entspannen . . .<br />

Barfuß laufen<br />

Am besten gleich morgens nach dem Aufstehen: barfuß übers<br />

Gras im Garten. Gehen Sie langsam, rollen Sie die Füße ab und<br />

lassen Sie die Anspannung los. Das Tautreten ist eine Methode<br />

von Sebastian Kneipp. Idealerweise startet man das im Sommer,<br />

doch es geht auch in der kalten Jahreszeit. Wer ein bisschen abgehärtet<br />

ist, probiert das Schneegehen aus. Dafür reichen wenige<br />

bis maximal 30 Sekunden barfuß im frisch gefallenen Schnee.<br />

Damit die Füße nicht auskühlen, halten Sie trockene Strümpfe<br />

und Schuhe bereit und bleiben Sie in Bewegung.<br />

<br />

Foto: © David Pereiras / Fotolia.com<br />

anders fühlen . . .<br />

Den Körper erkunden<br />

Beim sogenannten „Body Scan“ geht es darum, den eigenen Körper<br />

von unten bis oben zu erspüren. „Am besten üben Sie das erst einmal<br />

mit einer CD“, sagt Hudasch. „Auf diese Weise trainieren Sie,<br />

Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Ihre Wahrnehmung für sich zu<br />

vertiefen und sich so mehr mit sich selbst zu verbinden. Versuchen<br />

Sie einmal, Ihren kleinen Zeh am linken Fuß zu spüren.<br />

Dann gehen Sie Stück für Stück den Körper nach oben durch, bis<br />

Sie am Scheitel angekommen sind. Am besten geht es im Liegen<br />

auf dem Rücken mit geschlossenen Augen.“ Foto: © fizkes / Fotolia.com<br />

Foto: © Stefan Arendt / Fotolia.com<br />

zu mir finden . . .<br />

Auf der Homepage des Verbandes besteht die Möglichkeit, entsprechende Kurse in der<br />

Umgebung zu suchen: www.mbsr-verband.de (unter Kurse/Kompaktkurse)<br />

33


Sonderveröffentlichung<br />

Natürlich online sichtbar<br />

Ein Internetseite ist heute Pflicht, sagt die Ulmer Heilpraktikerin Anja Hirth. Anfangs hat die Spezialistin für<br />

Hypnotherapie das Thema unterschätzt. Seit drei Jahren lässt sie sich von der NPG Digital betreuen.<br />

Anja Hirth hat Lehrgeld bezahlt. Bereits vor<br />

Jahren entschloss sich die Heilprakterin für<br />

Psychotherapie, dass sie online sichtbar sein<br />

will. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt<br />

sie. Bei einem Grafiker ließ sie sich eine Webseite<br />

bauen für rund 5000 Euro bauen. „Ich<br />

dachte, ich mache das einmal und dann ist es<br />

das“, erzählt Hirth. „Ich hatte damals keine<br />

Vorstellung wie schnell, eine Internetseite<br />

veraltet und lediglich eine Kulisse darstellt,<br />

die in kürzester Zeit nichts mehr wert ist.“<br />

Obwohl Hirth damals eine der ersten Praxen<br />

in Ulm war, die Hypnotherapie anbot und ihre<br />

Homepage neu war, war sie bei Google<br />

schlecht zu finden.<br />

Marc Wiedbrauck, Online-Marketingberater<br />

von NPG Digital, kennt diese Irrtümer von<br />

Selbstständigen, Einzelhändlern und kleinen<br />

Firmen in Sachen Online-Auftritt: „Der ist eine<br />

langfristige Angelegenheit, die Seite muss<br />

kontinuierlich gepflegt werden.“ Der Grund:<br />

Die meisten Menschen suchen heute von unterwegs<br />

mit ihrem Smartphone oder Tablet<br />

über Google nach Themen und Dingen, die<br />

sie interessieren.<br />

MOBIL-OPTIMIERT IST PFLICHT<br />

„Wer dann mit einem Klick auf eine veraltete<br />

Internetseite kommt; eine, die nicht für mobile<br />

Geräte optimiert und deswegen für die<br />

Nutzer umständlich zu handhaben ist, der<br />

fühlt sich vergrault und ist mit einem Klick<br />

weiter bei der Konkurrenz“, erklärt Wiedbrauck<br />

und betont: „Ein Internetauftritt ist<br />

heute ein Muss. Wer im Internet nicht zu finden<br />

ist, der existiert förmlich nicht.“ Das machen<br />

auch diese Zahlen deutlich: Drei Viertel<br />

aller Bundesbürger in Deutschland nutzen<br />

das Internet – durchschnittlich mehr als zwei<br />

Stunden am Tag. Rund 40 Millionen Menschen<br />

surfen mit ihrem Smartphone im Netz,<br />

informieren sich, planen und erledigen ihre<br />

Einkäufe.<br />

Auch für Anja Hirth war klar: „Nur eine für<br />

Smartphones optimierte Seite macht Sinn.“<br />

Am Vorgehen der NPG Digital GmbH, die früher<br />

unter Südwest Presse Online-Dienste<br />

GmbH firmierte, gefiel ihr, dass „sie offen und<br />

ehrlich beraten haben und die Seite nicht nur<br />

technisch umgesetzt, sondern sich viel Mühe<br />

gegeben haben, meine Kolleginnen und mich<br />

zu verstehen“, sagt Anja Hirth. Sie entschied<br />

sich für ein Gesamtpaket, um das Therapiezentrum<br />

für Hypnotherapie & Osteopathie<br />

darzustellen. Dabei war ihr die Möglichkeit<br />

wichtig, Inhalte selbst ergänzen zu können.<br />

„Für uns ist es der oberste Grundsatz, uns<br />

möglichst gut in die Lage der Kunden zu versetzen<br />

und sie dauerhaft zu begleiten“, sagt<br />

Wiedbrauck und betont: „Nur so können wir<br />

unsere Kunden nachhaltig betreuen und beraten.<br />

Die Online-Welt ist ein sehr schnelllebiges<br />

Medium. Was heute Standard ist, kann in<br />

ein paar Wochen schon wieder veraltet sein.<br />

Damit sich unsere Kunden nicht mit dem<br />

Thema befassen müssen, dafür haben sie<br />

uns.<br />

BEZAHLBARER MONATSTARIF<br />

Das spiegelt sich auch in den Tarifmodellen<br />

der NPG Digital wider. „Mit unseren drei Website-Paketen<br />

(Basis, Plus und Premium) wollen<br />

wir auch den Einzel- und Kleinunternehmern<br />

die Möglichkeit bieten, eine hoch<br />

professionelle Website zu haben, auf der sie<br />

sich präsentieren können und das zu bezahlbaren<br />

Monatstarifen“, sagt Wiedbrauck.<br />

Die Investition lohnt sich. „Die Resonanz der<br />

Patienten war super“, erinnert sich Anja<br />

Hirth. Die NPG Digital habe die Seite gut<br />

Heilpraktikerin Anja Hirth mit ihrer Homepage:<br />

„Ein guter erster Eindruck ist wichtig.“<br />

34


Sonderveröffentlichung<br />

strukturiert, die<br />

Texte gut aufbereitet.<br />

„Es sind schöne<br />

Bilder aus der<br />

Praxis und die Online-Besucher<br />

finden<br />

sich gut zurecht.<br />

Für mich ist<br />

wichtig, dass Suchende<br />

mich und<br />

Online-Marketingberater<br />

Marc Wiedbrauck. keiten anschauen<br />

meine Räumlich-<br />

und sich einen ersten<br />

Eindruck verschaffen können. Denn Psychotherapie<br />

ist Vertrauenssache.“<br />

Vor der Zusammenarbeit mit der NPG Digital<br />

kümmerte sich die online-affine Heilpraktikerin<br />

noch selbst um Themen, wie ihre Homepage<br />

bei Google gerankt wird und wie sie mit<br />

dem Google-Dienst „AdWords“ mehr Besucher<br />

auf die Internetseite lotst. Bei dem<br />

Dienst „AdWords“ können Werbetreibende<br />

Anzeigen schalten, die sich vor allem an den<br />

Google-Suchergebnissen von Nutzern orientieren.<br />

Doch um diese ganzen Fragen kümmert<br />

sie sich nun nicht mehr. „Ich konzentriere<br />

mich lieber auf die Arbeit mit meinen<br />

Patienten“, sagt sie.<br />

Derweil kümmert sich das Team von NPG Digital<br />

um die Überarbeitung der Website und<br />

steht Anja Hirth bei sämtlichen Fragen zum<br />

Thema Online-Marketing zur Seite. Dazu gehört<br />

auch eine so genannte SEO-Optimierung.<br />

Die NPG-Onlineexperten versehen die Texte<br />

mit Schlüsselwörtern. Damit erreichen sie,<br />

dass Hirths Seite www.natuerlich-ganz-gesund.de<br />

bei der lokalen Suche über Google<br />

weit oben in den Ergebnislisten der Suchmaschine<br />

steht. Die Praxis mitsamt ihren Angeboten<br />

ist damit online gut sichtbar.<br />

Zum Service der NPG Digital gehört ein kostenloser<br />

Check der Webseite, bei der unter<br />

anderem Ladezeiten, mobile Optimierung<br />

und Nutzerführung geprüft werden. Das Erstellen<br />

einer Webseite ist eine Sache, ein andere,<br />

dass diese bekannt, gesehen und besucht<br />

wird. „Die Maßnahmen die wir hier<br />

anbieten sind Displaywerbung (Banner), zielgruppengerechte<br />

Werbung auf Facebook und<br />

mit Google Ad-Words. Für den Aufbau von<br />

Neukunden und deren langfristige Bindung“,<br />

so Wiedbrauck, „bieten wir die richtige Lösung<br />

mit Hilfe von Newsletter-Marketing“.<br />

Experten fürs<br />

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Die NPG Digital ist die Online-Marketing-Agentur<br />

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und seit 2008 aktiv. Sie ist Dienstleisterin<br />

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35


[rubrik] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Firmenwagen, wo früher Pershing-II-Rakten standen: In Buch (Kreis Neu-Ulm) übernimmt das Autokontor Bayern die Logistik für Firmenflotten.<br />

Flott gemacht<br />

Große Unternehmen mit einer Vielzahl an Firmenautos und Lkw wissen: Mit professionellem Fuhrparkmanagement<br />

lässt sich viel Geld sparen. Doch viele kleinere Unternehmen ignorieren das Sparpotenzial: Ein teurer Fehler.<br />

Wann steht der nächste TÜV an, sind<br />

die Fahrzeugpapiere kontrolliert<br />

und alle Autos von der Reparatur<br />

zurück? Wer mehr als ein Fahrzeug in seinem<br />

Unternehmen verwalten muss, weiß: Die Liste<br />

der täglich zu klärenden Punkte ist oftmals<br />

so lang wie die Reihe der Fuhrparkautos. Und<br />

die ist mitunter sehr lang.<br />

Wer da die Übersicht verliert, macht schnell<br />

auch viel Geld kaputt – und das aus reiner Unwissenheit<br />

heraus. „Die Tragweite und die<br />

Komplexität eines Fuhrparkmanagements<br />

wird von vielen Betrieben vollkommen unterschätzt.<br />

Ich kenne eine Menge Firmeninhaber,<br />

die deswegen ihren Fokus auf andere Themen<br />

legen“, sagt Marc-Oliver Prinzing, der Vorsitzende<br />

des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement<br />

mit Sitz in Mannheim „Der große<br />

Nachteil daran: Viele Geschäftsführer erkennen<br />

deshalb auch mögliche Einsparpotentiale<br />

nicht. Doch ein gut geführter Fuhrpark verursacht<br />

bis zu 40 Prozent weniger Kosten als eine<br />

schlecht oder sogar schlampig geführte<br />

Fahrzeugflotte.“<br />

Der Verbandschef ist auch als Ausbilder für<br />

die Dekra Akademie GmbH tätig und hat<br />

schon mehrmals erlebt, dass Fuhrpark-Verantwortliche<br />

in seinen Seminaren sitzen und<br />

aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas<br />

verblüfft feststellen: „Eigentlich müsste mein<br />

Geschäftsführer hier sitzen und nicht ich.“<br />

Tut er jedoch in den wenigsten Fällen und dies<br />

ist in der Tat ein großer, wenn auch nicht seltener<br />

Fehler, der wiederum fatale Folgen hat.<br />

„Die Fuhrparkverantwortlichen bekommen<br />

oftmals nicht die erforderlichen Mittel zur<br />

36


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[spezial]<br />

Hand, die für ein professionelles Management<br />

dringend notwendig wären, sagt Prinzing.<br />

Deshalb gelingt die Fuhrparküberwachung in<br />

vielen Fällen nicht gut.“<br />

UNTERSCHÄTZTE AUFGABE<br />

Doch auch die Lernwilligen unter denen, die<br />

die Aufgabe der Dienstwagen-Aufsicht intern<br />

übertragen bekommen haben, gehen oftmals<br />

leer aus. Denn eine gesetzlich geregelte Berufsausbildung<br />

gibt es in Deutschland bislang<br />

nicht. Hilfe gibt es dennoch, denn bei der Dekra<br />

Akademie kann man sich in drei Wochen<br />

zum zertifizierten Fuhrparkmanager ausbilden<br />

lassen. Zudem bietet die Stuttgarter Bildungsorganisation<br />

weitere berufsbegleitende<br />

Fuhrpark-Management Seminare an, die unter<br />

anderem die<br />

Themen Kostenrechnung,<br />

IT-Lösungen,<br />

operative<br />

Aufgaben, Finanzierung<br />

und Verwertung<br />

beinhal-<br />

Marc-Oliver Prinzing,<br />

Chef des Bundesverbandes.<br />

ten.<br />

Stellt sich die Frage:<br />

Ab welcher<br />

Fuhrparkgröße ist<br />

ein professionelles<br />

Management<br />

zwingend erforderlich?<br />

Für Marc-Oliver Prinzing ist das eine<br />

einfache Rechnung. Für ihn lohnt sich ein externer<br />

Anbieter immer dann, wenn intern keiner<br />

die Aufgaben machen will oder kann:<br />

„Man muss generell zwischen dem wirtschaftlichen<br />

und rechtlichen Aspekt unterscheiden.<br />

Bei der Halterhaftung ist es egal, ob ich zwei<br />

Rund 80 Prozent der Firmenwagen sind geleast<br />

Bundesweit gibt es 1,6 Millionen Fuhrparks mit 4,5 Millionen Autos und Kleintransportern.<br />

Rund 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter<br />

sind in Deutschland als Flottenfahrzeuge<br />

in rund 1,6 Millionen Firmenfuhrparks<br />

unterwegs. Insgesamt gab es<br />

2014 rund 44,4 Millionen Pkw in Deutschland.<br />

Ein Bestand, der von 2006 bis 2009<br />

rapide abnahm, jedoch seit 2010 wieder<br />

moderat wächst. Der gewerbliche Anteil<br />

ist nach Angaben des Verband markenunabhängiger<br />

Fuhrparkmanagementgesellschaften<br />

konstant und beträgt rund<br />

10,1 Prozent. Rund 80 Prozent der Firmen<br />

fahr zeuge im Bestand sind mittlerwei<br />

le über Finanz- oder Fullserviceleasing<br />

finanziert. Das Flotten-Leasing-Neugeschäft<br />

2015 stieg nach den Angaben<br />

des Verbandes deutscher Leasing<strong>unternehmen</strong><br />

um 6,5 Prozent auf 32,8 Milliarden<br />

Euro. 80 Prozent davon entfallen auf<br />

Pkw, 20 Prozent auf Nutzfahrzeuge. LOE<br />

oder 2000 Fahrzeuge im Fuhrpark habe. Denn<br />

ich muss jederzeit sicherstellen, dass die<br />

rechtlichen Anforderungen gewährleistet<br />

sind, sprich zum Beispiel die Führerscheine<br />

der Mitarbeiter in Ordnung sind und die Fahrer<br />

die gesetzlich erforderlichen Unterweisungen<br />

erhalten haben. Wirtschaftlich gesehen<br />

arbeiten alle Unternehmen professionell,<br />

wenn sie auf die Betriebskosten achten und<br />

Verbrauchsstatistiken lesen. Gerade kleinere<br />

Firmen überlassen dies oftmals den Fahrern,<br />

was jedoch nicht immer funktioniert. Denn<br />

für Fahrer sind Dienstwagen reine Arbeitsinstrumente,<br />

mit denen sie ihren Job verrichten.<br />

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37


[spezial] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Die Energieversorgung Filstal setzt auf Umweltfreundlichkeit: Zu ihrer Flotte gehören 62 Erdgasautos.<br />

Die täglich anfallenden Kosten interessieren<br />

sie wenig bis gar nicht. Deshalb muss in einem<br />

Unternehmen sichergestellt sein, dass<br />

sich jemand um den Fuhrpark kümmert.“<br />

Doch es genügt eben nicht, dass man darauf<br />

achtet, ob die Sitze sauber sind und genügend<br />

Sprit im Tank ist. Marc-Oliver Prinzing: „Ein<br />

professionelles Fuhrparkmanagement umfasst<br />

alle Prozesse von der Bestellung der Fahrzeuge<br />

bis zur deren Rückgabe oder deren Vermarktung.“<br />

VORGABEN FÜR MITARBEITER<br />

Die Liste der Tätigkeiten eines Fuhrparkmanagers<br />

reicht von der Reparatur-Steuerung,<br />

der Prüfung von Rechnungen, der Bearbeitung<br />

von Bußgeldbescheiden bis hin zur Sicherstellung<br />

der Reifenqualität sowie der Betreuung<br />

der Fahrer. Zu dieser gehört unter<br />

anderem die von der Berufsgenossenschaft<br />

geforderte Einweisung des Personals bei einem<br />

neuen Fahrzeug. Im Idealfall lässt die<br />

Geschäftsführung die Fahrer Nutzungsüberlassungsverträge<br />

unterzeichnen, in denen geregelt<br />

ist, wie diese mit den überlassenen<br />

Fahrzeugen umzugehen haben, wo sie diese<br />

im Pannenfall reparieren lassen dürfen oder<br />

auch welche Kraftstoffe je nach Fahrzeugtyp<br />

zu tanken sind. „Natürlich muss man dahinter<br />

her sein, dass diese Punkte auch strikt eingehalten<br />

werden“, so Marc-Oliver Prinzing,<br />

der weiß, dass die etwa zehn großen deutschen<br />

Dienstleister für externes Flottenmanagement<br />

ihren Kunden entweder einen Rundum-Service<br />

oder verschiedene Module<br />

anbieten.<br />

Eines davon ist das äußerst komplexe Thema<br />

Schadensmanagement. Bei diesem haben die<br />

Verantwortlichen viel mit Anwälten, Gutachtern<br />

und Versicherungen zu tun. „Im Grunde<br />

können diese Anbieter jedoch nicht das Management,<br />

sondern lediglich einen Teil der<br />

Fuhrparkverwaltung übernehmen“, sagt Prinzing.<br />

„Strategische Entscheidungen, zum Beispiel<br />

über Investitionen, können ausschließlich<br />

die Unternehmen selbst treffen“, erläutert<br />

er. „Dennoch benötige ich immer jemanden<br />

im Unternehmen, der sich vor Ort um die<br />

Fahrzeuge und um das Controlling des Dienstleisters<br />

kümmert und als Ansprechpartner<br />

überprüft, ob alle Aufgaben erfüllt werden.“<br />

Das klingt einfacher, als es im Alltag ist. Denn<br />

kleinere Unternehmen<br />

mit einem<br />

Fuhrpark mit<br />

bis zu 50 Fahrzeugen<br />

können oft<br />

keine professionellen<br />

Fuhrparkmanagement-Gesellschaften<br />

für<br />

sich gewinnen, da<br />

sich für diese die Dr. Martin Bernhart,<br />

Zusammenarbeit EVF-Geschäftsführer<br />

nicht rentiert.<br />

So oder so. Das Thema Wirtschaftlichkeit<br />

steht bei allen Unternehmen, egal wie viel<br />

Fahrzeuge sie nun betreiben, an erster Stelle.<br />

Es geht um die höchstmögliche Effizienz und<br />

darum, Kosten zu sparen. Dabei sticht die ökonomische<br />

Sichtweise die ökologische aus.<br />

Marc-Oliver Prinzing weiß, dass der Umweltgedanke<br />

bei vielen Fuhrparkleitern noch<br />

nicht sehr ausgeprägt ist: „Der Einsatz von<br />

schadstoffarmen Elektroautos spielt in den<br />

Fuhrparks aus wirtschaftlichen Gründen derzeit<br />

eine noch eher untergeordnete Rolle.“ Der<br />

Grund: Sie sind noch nicht ohne weiteres in<br />

der Praxis einsetzbar. Erdgas-Fahrzeuge hingegen<br />

haben nach seinen Worten mittlerweile<br />

eine sehr gute Reichweite und sind kostengünstiger<br />

als Elektroautos. „Doch auch diese<br />

stoßen auf eine sehr verhaltene Akzeptanz.<br />

Zwar haben viele Fuhrparkleiter ein Ohr am<br />

Markt, aber dennoch liegt hier noch ein langer<br />

Weg vor uns“, sagt der Verbandschef.<br />

Nicht so für die Göppinger Energieversorgung<br />

Filstal GmbH & Co. KG (EVF). Denn 62<br />

der insgesamt 71 Fahrzeuge ihres Fuhrparks<br />

haben einen Erdgas-Antrieb. Der regionale<br />

Energieversorger, der auch drei eigene Erdgastankstellen<br />

in Göppingen, Geislingen und<br />

Wiesensteig betreibt, fährt so mit gutem Beispiel<br />

voran.<br />

Für Dr. Martin Bernhart ist dies der richtige<br />

Schritt in die Zukunft: „Im Vergleich zu Diesel<br />

entstehen bei Erdgas bis zu 95 Prozent weniger<br />

Stickoxide. Ruß und Feinstaub werden<br />

nahezu vollständig vermieden. Bei dem hohem<br />

Verkehrsaufkommen in unseren Städten<br />

wirkt sich das positiv auf das Klima und die<br />

Gesundheit der Menschen aus“, erklärt der<br />

EVF-Geschäftsführer: „Zudem sind Erdgasautos<br />

in Anschaffung und Betrieb kaum teurer<br />

als Benzin- und vergleichbare Dieselmodelle.“<br />

Auch dieser Aspekt ist ein Argument für professionelles<br />

Flottenmanagement. [!]<br />

<br />

STEFAN LOEFFLER<br />

38


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(kombiniert); CO 2<br />

-Emissionen: 179 g/km (kombiniert).<br />

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />

Schwabengarage GmbH<br />

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0<br />

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39


[führen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Bühne für die Suche nach den Besten<br />

Gute Vorträge, kostenlose Service-Angebote und die Möglichkeit, ungezwungen Firmen kennenzulernen. Das Konzept<br />

des Fachkräftetags der SÜDWEST PRESSE geht auf. Das zeigen 1200 Besucher und zufriedene Aussteller.<br />

Der Saal ist brechend voll, doch es ist<br />

mucksmäuschenstill. 180 Besucher<br />

des Fachkräftetags hören gebannt zu.<br />

Business-Coach Petra Bergmann aus Blaubeuren<br />

gibt Tipps zu Gehaltsverhandlungen und<br />

erklärt, warum viele Frauen ihre Leistung vor<br />

ihren Chefs schlecht verkaufen können. Das<br />

liege an mehreren Faktoren: Mangelnde Vorbereitung,<br />

fehlendes Selbstbewusstsein, eine<br />

falsche Taktik, sein Gegenüber nicht richtig<br />

einzuschätzen oder ein Gespräch, bei dem die<br />

Anwesenden nicht aktiv zuhören. Mit im Publikum<br />

sitzt auch Annegret R. (Name von der<br />

Redaktion geändert), die im Gesundheitswesen<br />

arbeitet. „Der Vortrag war klasse!“, sagt sie.<br />

Auch das Thema zuvor „Sieben Todsünden<br />

der Bewerbung“ fand sie spannend. Dabei ist<br />

sie selbst gar nicht auf Stellensuche. Den<br />

2.Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE in der<br />

Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm besucht sie,<br />

um Tipps für ihre Tochter zu sammeln, die<br />

kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht.<br />

Rebecca Stadelmaier, die Projektleiterin der<br />

Veranstaltung, freut sich über zufriedene Besucher.<br />

„Zu unserem Konzept gehört es, den<br />

Besuchern Nutzwert und Service zu geben“,<br />

sagt die Stellenmarktverantwortliche der<br />

SÜDWEST PRESSE. Interessante Vorträge und<br />

kostenlose Services, unter anderem Bewerbungsberatung<br />

und –fotos, lockten 1200 Besucher<br />

an. Davon profitierten wiederum die<br />

ausstellenden Firmen.<br />

Zur Premiere im vergangenen Jahr waren es<br />

zwar noch etwas<br />

mehr, dennoch<br />

sind Stadelmaier<br />

und ihr Team sehr<br />

zufrieden. Denn<br />

die Resonanz der<br />

Aussteller fällt positiv<br />

aus. Die 31<br />

Unternehmen auf<br />

der ausgebuchten<br />

Messe waren von<br />

der Qualität der Rebecca Stadelmaier, Projektleiterin<br />

Fachkräftetag.<br />

Gespräche angetan.<br />

„Das ist fast<br />

schon unheimlich, wie gut die Besucher an<br />

unserem Stand unserer Zielgruppe entsprechen“,<br />

sagte beispielsweise Maria Arruda, Personalreferentin<br />

der Deutz AG.<br />

„TOLLE GESPRÄCHE“<br />

Roland Huemer, Fertigungsmeister der<br />

Schwegler Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG<br />

aus Vöhringen (Kreis Neu-Ulm) sagt: „Wir haben<br />

tolle Gespräche.“ Wie Firmenchef Rainer<br />

Schwegler ist auch Huemer stark gefragt. Das<br />

Unternehmen mit 210 Mitarbeitern und<br />

Standorten in der Türkei und China sucht „am<br />

liebsten Zerspanungsmechaniker, die Werkzeuge<br />

schleifen können“.<br />

Zeni Sulejmani von der Mayser GmbH & Co.<br />

KG in Ulm ist überrascht: „Der Andrang ist<br />

Auf dem Fachkräftetag in der Ratiopharm-Arena<br />

machten sich 31 Firmen als Arbeitgeber sichtbar.<br />

40


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[führen]<br />

riesig. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so qualitativ<br />

hochwertige Gespräche am Stand führen.“<br />

Im Nachgang gingen bei dem Spezialist<br />

für Sicherheits- und Schaumstofftechnik<br />

mehr als 20 Bewerbungen ein. Viele der Standbesucher<br />

seien zwischen 30 und 50 Jahre alt<br />

gewesen. Mehr erhofft vom Fachkräftetag hat<br />

sich dagegen das Team der MBDA-Gruppe.<br />

Der Konzern für Rüstungstechnik hat in Ulm<br />

einen kleinen Standort mit 70 Mitarbeitern.<br />

In Schrobenhausen, dem Sitz der MBDA<br />

Deutschland GmbH, subd etliche Stellen unbesetzt.<br />

Die Entfernung von 130 Kilometern<br />

sei den meisten Besuchern zu viel: „Die suchen<br />

in der Region Ulm.“<br />

Direkt gegenüber begutachten Melina (20)<br />

und ihr Begleiter Thorsten (33) die freien Stellen<br />

der ausstellenden Unternehmen, die an<br />

der „Job-Wall“ aushängen. Beide sind über die<br />

Facebook-Werbekampagne der SÜDWEST<br />

PRESSE auf die Veranstaltung aufmerksam<br />

geworden. „Ich finde es gut, mich direkt über<br />

Firmen informieren zu können, die man nicht<br />

so kennt“, sagt die junge Frau. Auch Soman<br />

Hipp ist über Facebook auf den Fachkräftetag<br />

aufmerksam geworden. Der 28-Jährige, der<br />

mit seiner Partnerin und deren Freundin, in<br />

die Ratiopharm-Arena gekommen ist, verfügt<br />

über zwei Ausbildungen: IT-Systemelektroniker<br />

und Zerspanungsmechaniker. Derzeit ist<br />

er bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, doch<br />

er sucht einen festen Job: „Am liebsten Montage,<br />

das macht mir viel mehr Spaß, als in der<br />

Fabrik zu stehen“, sagt er und schlendert weiter<br />

– vorbei an Stella Rosenbach.<br />

GESUCHT, GEFUNDEN<br />

Sie ist die Personalverantwortliche von<br />

Scherr+ Klimke und wollte mit dem Messestand<br />

auf dem Fachkräftetag nur den Bekannheitsgrad<br />

des Unternehmens mit 110 Mitarbeitern<br />

steigern. Scherr+Klimke ist in<br />

Architektur- und Baukreisen als General- und<br />

Fachplaner bekannt. Doch dann stand eine<br />

27-jährige Wirtschaftsingenieurin vor ihr, die<br />

im Fachgebiet „Supply Chain“ fit ist. „Das war<br />

wie bestellt“, sagt Rosenbach. Denn die junge<br />

Frau passt genau auf eine freie Stelle im Bereich<br />

„Logistik Engineering“. Dieser optimiert<br />

für Kunden innerbetriebliche Warenströme<br />

und Lagersysteme. „Ich dachte, die Stelle zu<br />

besetzen wird echt schwierig“, erzählt Rosenbach.<br />

Doch auf ein „sehr gutes Gespräch“ am<br />

Stand, folgte die Bewerbung in der Woche darauf,<br />

vier Tage später das Vorstellungsgespräch,<br />

drei Tage darauf war der Vertrag unter Dach<br />

und Fach. „Der zeitliche Ablauf war unfassbar“,<br />

sagt Rosenbach, die sich für den Fachkräftetag<br />

2017 bereits angemeldet hat. [!] AMB<br />

Dritter Fachkräftetag<br />

am 7. Oktober 2017<br />

Nähere Informationen zum Konzept<br />

und zum 3. Fachkräftetag im Jahr 2017<br />

gibt Rebecca Stadelmaier telefonisch<br />

unter 0731 156 619 oder per E-Mail:<br />

r.stadelmaier@swp.de<br />

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41


Handhabbar im Quadrat: Im Knittel-Recyclingcenter werden voluminöse Abfälle wie Pappe, Folien und Dosen zu Ballen gepresst. <br />

Fotos: Marc Hörger<br />

Gemeinsam besser entsorgen<br />

High-Tech, Rohstoffkreisläufe, Umweltschutz. Der Vöhringer Unternehmer Werner Knittel hat ein nachhaltig gutes<br />

Geschäftsmodell aufgebaut. Der Grundstein: die Gründung eines Mittelstands-Netzwerks vor mehr als 20 Jahren.<br />

Allein in München holen die Mitarbeiter<br />

von Werner Knittel pro Woche 150<br />

Tonnen verpackte Lebensmittel ab<br />

und bringen diese nach Erkheim (bei Memmingen)<br />

in eine Bioabfall- und Speiserestevergärungsanlage,<br />

die der Unternehmer bereits<br />

1998 mit einem Partner aufgebaut hat. Dort<br />

werden sie vollautomatisch entpackt und vergoren.<br />

So entstehen Strom und Wärme. „Mir<br />

liegt die sinnvolle Verwertung von Abfällen<br />

am Herzen“, sagt der 63jährige Unternehmer<br />

aus Vöhringen (Neu-Ulm).<br />

Dass Handelsketten Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum<br />

überschritten ist,<br />

nicht einmal mehr verschenken dürfen, auch<br />

wenn sie noch genießbar sind, gibt der Gesetzgeber<br />

vor. Große Handelsketten wie Edeka<br />

und Aldi schreiben die Entsorgung bundesweit<br />

oder auf Ebene der Bundesländer aus.<br />

„Als einzelner Mittelständler hat man da keine<br />

Chance, zum Zuge zu kommen“, sagt Knittel.<br />

„Zwar sind wir nahe am Kunden und treffen<br />

Entscheidungen schnell, aber als<br />

Mittelständler hat man auch Nachteile: Wir<br />

haben geringere Einkaufsvolumen als die großen<br />

Konkurrenten, deswegen schlechtere<br />

Konditionen und weniger Möglichkeiten, Synergien<br />

zu nutzen. Als Kleiner kannst du<br />

auch nicht die ganze Palette der Dienstleistungen<br />

anbieten“, sagt Knittel, der seit 40 Jahren<br />

Sprecher der schwäbischen Entsorger ist.<br />

KOOPERATION DER KLEINEN<br />

Wie kommt es dann, dass seine Fahrzeuge von<br />

Oberstdorf bis Donauwörth, von Garmisch-<br />

Partenkirchen bis München Lebensmittel ein-<br />

42


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[machen]<br />

sammeln? Vor 20 Jahren hatte er die Idee zu<br />

einer Kooperation mit anderen mittelständischen<br />

Entsorgern. Aus anfangs 7 Gesellschaftern<br />

sind 42 geworden. Das Netzwerk Logex<br />

steht heute für 150 Unternehmen, 600 Millionen<br />

Euro Umsatz, 5000 Mitarbeiter und 2500<br />

Fahrzeuge. Die 60 Mitarbeiter von Logexsind<br />

Dienstleister für die Mitglieder. Sie setzen sich<br />

beispielsweise mit neuen Gesetzen auseinander<br />

und was diese für die Firmen bedeuten.<br />

Die Unternehmer tauschen sich zudem über<br />

ihre Themen im Betrieb aus.<br />

Logex beteiligt sich aber auch an bundesweiten<br />

Ausschreibungen und vergibt den Gesamtauftrag<br />

an seine Gesellschafter. „Jeder hat<br />

sein Gebiet. Das ist ein Recht, aber auch eine<br />

Verpflichtung“, sagt Knittel über das Netzwerk,<br />

das beim Kartellamt angemeldet ist. In<br />

anderen Teilen der Republik sind mittelständische<br />

Entsorgungsbetriebe in den vergangenen<br />

Jahren verschwunden – nicht so in Süddeutschland.<br />

Das Netzwerk sei die Basis dafür,<br />

dass der Mittelstand mit den Großen mithalten<br />

kann. „Auf dieser Kooperation beruht ein<br />

Großteil meines Erfolgs“, sagt Knittel.<br />

Die Bandbreite an Dienstleistungen hat er stetig<br />

vergrößert. 1974 stieg er – viel früher als<br />

geplant – im Alter von 21 in den Betrieb ein.<br />

Statt damals 10 Mitarbeitern beschäftigt das<br />

Familien<strong>unternehmen</strong> heute 130 Menschen.<br />

Die Fahrzeugflotte wuchs von sechs auf 60.<br />

Das Wachstum des Unternehmens sei aufgrund<br />

der höheren Abfallmengen und der gestiegenen<br />

Bedeutung des Umweltschutzes<br />

fast zwangsläufig gestiegen, gibt sich Knittel<br />

bescheiden.<br />

MODERNE ANLAGENTECHNIK<br />

Er hat das einstige Müllabfuhr-Unternehmen<br />

zu einem Entsorgungsspezialisten für Industrie,<br />

Gewerbe und Handel weiterentwickelt.<br />

Auf diesen Bereich entfallen mehr als 60 Prozent.<br />

des Jahresumsatzes. In 12 Landkreisen<br />

ist Knittel Komplettentsorger für alle Kfz-<br />

Werkstätten von BMW, Opel und Ford: vom<br />

Altöl über Fensterscheiben bis zum Airbag.<br />

„Lager-, Behandlungs- und Verwertungsanlagen<br />

sind heute unverzichtbar, wenn man seinen<br />

Kunden ein professioneller Partner sein<br />

will“, betont Knittel. Im Sommer hat er eine<br />

1,5 Millionen teure, hochmoderne Anlage<br />

eingeweiht. In dieser werden unter Vakuum<br />

und Hitze Wasser-Ölgemische, die in Metallbetrieben<br />

anfallen, getrennt und das Öl aufbereitet.<br />

Zudem investiert er 1,5 Millionen Euro<br />

in ein neues Recycling-Center.<br />

Entsorgungskonzepte für Firmen und Kommunen<br />

Firmenchef Werner Knittel vor der neuen Emulsionsverwertungsanlage. Mitarbeiter Thomas<br />

Ostheimer begutachtet eine Probe des ölhaltigen Konzentrats.<br />

Mit einem Magirus-Lkw begann die Firmengeschichte<br />

1953. Damals gründete<br />

Werner Knittels Vater das Unternehmen,<br />

anfangs noch als Sand-und Kiestransporteur.<br />

Früh kam die damals noch freiwillige<br />

Hausmüllabfuhr dazu. Heute erledigt die<br />

Knittel GmbH (Vöhringen/Iller) mit ihren<br />

130 Mitarbeitern die Hausmüllentsorgung<br />

für 300.000 Einwohner in den Kreisen<br />

Alb-Donau, Neu-Ulm und Biberach,<br />

Die Mischung aus Tätigkeitsbereichen, verschieden<br />

langen Vertragslaufzeiten, Geschäften<br />

mit höherer und geringerer Marge hat<br />

Knittel gewählt, um das Unternehmen möglichst<br />

krisenfest zu machen. Sein Grundsatz:<br />

„Ich frage mich bei jeder Entscheidung: Was<br />

ist langfristig das Beste fürs Unternehmen?“<br />

Im Moment stelle er den Betrieb für die nächste<br />

Generation auf. „Da soll es keinen Investitionsstau<br />

geben“, sagt Knittel. Weil seine beiden<br />

Kinder noch studieren und zu jung für die<br />

Geschäftsführung sind, hat Knittel „ganz bewusst“<br />

vor 15 Jahren Oliver Sauter eingestellt,<br />

der zur Geschäftsleitung gehört. Er selbst will<br />

erfasst und vermarktet Wertstoffe. Ihr<br />

wichtigste Standbein sind Entsorgungskonzepte<br />

für Industrie und Handel. Darauf<br />

entfallen 10 von 16 Millionen Jahresumsatz,<br />

auf das Geschäft mit Kommunen<br />

5 und auf das mit Privatleuten 1 Million<br />

Euro. Neben einem Recycling-Center unterhält<br />

die Firma eine Vergärungs- und<br />

Emulsionsverwertungsan lage und ein<br />

Sonderabfallzwischenlager. AMB<br />

„in drei bis vier Jahren vom Gas gehen“. Bisher<br />

absolviert Knittel noch regelmäßig seine Fortbildung<br />

als gewerblicher Kraftfahrer und<br />

kennt jeden Teilbereich seiner Firma aus dem<br />

Effeff. Für ihn gehört das zum Selbstverständnis:<br />

„Als Firmenchef musst du wissen, was<br />

deine Mitarbeiter leisten.“ Bei Betriebsfeiern<br />

ist es ihm wichtig, dass auch Partner und Kinder<br />

dabei sind. „Wir erbringen eine Dienstleistung,<br />

die nicht nach Stechuhr funktioniert.<br />

Manchmal müssen Mitarbeiter auch kurz vor<br />

Feierabend wegen eines verstopften Rohres<br />

ausrücken. Da braucht es das Verständnis des<br />

Partners.“ [!]<br />

ALEXANDER BÖGELEIN<br />

43


[gründen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Vom Flüchtling zum Unternehmer<br />

Der Anlauf zur Existenzgründung dauerte lange, doch Rashed Mohebbi hat an seinem Traum festgehalten. Der<br />

25-Jährige verkauft seit Juni Lebensmittel, repariert Handys und hat bereits einen Mitarbeiter eingestellt.<br />

Schon an seinem ersten Tag in Göppingen<br />

fallen Rashed Mohebbi die Geschäftsräume<br />

in der Gerberstraße auf.<br />

Gerade erst ist der Afghane in der örtlichen<br />

Flüchtlingsunterkunft angekommen. „Damals<br />

war es noch ein Internetcafé“, erinnert<br />

sich der 25-Jährige, „ich wusste sofort, so einen<br />

Laden will ich.“ Doch bis zur Eröffnung<br />

im Juni <strong>2016</strong> war es ein langer Weg.<br />

Rashed Mohebbi stammt aus Afghanistan, ist<br />

aber größtenteils im Iran aufgewachsen. „In<br />

Afghanistan kannst du nicht leben, zu viel<br />

Krieg“, erklärt er. 2007, mit 16 Jahren, eröffnet<br />

der Perser seinen ersten Reparaturservice. Nebenher<br />

besucht er Kurse bei Microsoft und<br />

wird zum IT-Experten. Allerdings muss alles<br />

unter falschem Namen stattfinden. „Afghanen<br />

sind im Iran nicht gern gesehen“, sagt Mohebbi.<br />

Weiterbildungen an Schulen oder Universitäten<br />

sind ihnen verwehrt. Auch<br />

alltägliche Dinge, wie Autofahren, sind für<br />

afghanische Flüchtlinge nicht möglich.<br />

DREI JAHRE OHNE SPRACHKURS<br />

Den geschäftstüchtigen Migrant belastet das<br />

Versteckspiel. Er will frei leben. 2011 flüchtete<br />

er schließlich nach Deutschland und landet<br />

in Göppingen. Drei Jahre vergehen bis der<br />

Asylantrag des jungen Mannes bewilligt wird.<br />

Drei Jahre ohne Arbeit, Sprachkurs und eigenen<br />

Wohnraum. Trotzdem gibt Mohebbi<br />

nicht auf, bringt sich wichtige Alltagssätze<br />

per Internet bei. Er träumt vom eigenen Service-Geschäft<br />

für Handys, Laptops und Tablets.<br />

Der junge Flüchtling will in Deutschland<br />

Karriere machen.<br />

2013 bricht Mohebbi für anderthalb Jahre<br />

nach Bonn auf. Dort besucht er Sprach- und<br />

Integrationskurse. Sein Ziel hat er fest vor Augen.<br />

Doch schnell stellt sich heraus, dass es in<br />

der Großstadt am Rhein ein Überangebot an<br />

Reparatur-Shops gibt. „In Göppingen aber<br />

nicht“, fällt dem Einsteiger ein. Er kehrt zurück<br />

in die Kreisstadt und arbeitet mithilfe<br />

des Bildungszentrums Donner und Partner<br />

innerhalb von vier Monaten einen Businessplan<br />

aus. Mohebbi entscheidet sich für ein<br />

Zwei-Säulen-Geschäftsmodell. Neben Reparaturen<br />

und Elektronikzubehör sollen persische<br />

Lebensmittel bei ihm erhältlich sein. So<br />

kann er seine Waren günstiger anbieten. Zudem<br />

hofft er, dass Kunden, die Lebensmittel<br />

bei ihm kaufen, sich bei Problemen mit Handy<br />

und Computer an ihn erinnern.<br />

20.000 EURO STARTKAPITAL<br />

„Und auf einmal hing ‚Zu vermieten‘ am Laden<br />

in der Gerberstraße‘“, grinst der Jungunternehmer.<br />

Das Glück scheint perfekt. Doch<br />

noch fehlt das Kapital. Mohebbi beantragt<br />

Einstiegsgeld beim Jobcenter. Zuvor legt er<br />

seinen Plan Gernot Irmgard, dem stellvertretenden<br />

Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer<br />

vor. Fördermittel bekommt der Afghane<br />

zwar keine, doch dafür steht ihm Irmgard mit<br />

Rat und Tat zur Seite. Mithilfe seiner Familie<br />

bringt Mohebbi 20.000 Euro Startkapital auf<br />

und beginnt im Mai sein Geschäft einzurich-<br />

Rashed Mohebbis verkauft in Göppingen persische<br />

Spezialitäten und repariert Laptops.<br />

44


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[gründen]<br />

ten. „Während ich renoviert habe, kam schon<br />

ein Kunde mit seinem Handy“, berichtet er<br />

stolz. Vom Wände streichen bis zum Thekenbau<br />

macht Mohebbi alles selbst. Am 1. Juni<br />

eröffnet „Pixel Technologies“.<br />

Bekannte und Freunde des Persers sind seine<br />

ersten Kunden. Manche reisen extra von Ulm<br />

oder Esslingen an, um sich mit heimischen<br />

Leckereien einzudecken. Doch auch immer<br />

mehr Deutsche bringen Handys mit Displayschaden<br />

und streikende Laptops vorbei. Oder<br />

sie probieren eine der 25 verschiedenen Teesorten.<br />

Weil die Geschäfte gut laufen, hat der<br />

Mohebbi einen Mitarbeiter eingestellt.<br />

„Meine Kunden sind sehr unterschiedlich“,<br />

weiß der Geschäftsmann. So sei es Menschen<br />

aus seiner Heimat und benachbarten Ländern<br />

wichtig, dass das kaputte Elektrogerät binnen<br />

kürzester Zeit wieder funktioniert. Deutsche<br />

hingegen werden misstrauisch, wenn der Displayaustausch<br />

nur 60 Minuten dauert. „Qualität<br />

ist hier wichtiger als Zeit“, hat Mohebbi<br />

gelernt.<br />

Der Existenzgründer liebäugelt sogar schon<br />

mit einem zweiten Geschäft. Denn langfristig<br />

plant er Lebensmittel und Elektronik voneinander<br />

zu trennen. Auch diese Idee stammt<br />

aus einer Beobachtung der deutschen Kunden:<br />

„Reparatur braucht einen ruhigen Platz.“<br />

Das schaffe mehr Vertrauen bei den Klienten.<br />

Sein nächstes Ziel ist es aber erstmal, den Kundenstamm<br />

auszubauen „durch mehr Reklame<br />

und mehr Arbeit“. Montag bis Samstag, 9:15<br />

Uhr bis 20 Uhr ist der Einwanderer für seine<br />

Kunden da.<br />

„ALLES IST GUT HIER“<br />

Als Angestellter in einer Firma zu arbeiten,<br />

kommt für den 25-Jährigen übrigens nicht in<br />

Frage. Mohebbi: „Ich will selbst verantwortlich<br />

sein und mein Leben gestalten.“ Deutschland<br />

soll seine neue Heimat werden: „Alles ist<br />

gut hier. Ich glaube viele Deutschen wissen<br />

das nicht.“ Dann fällt dem Selbstständigen<br />

doch noch eine Sache ein, die ihm hierzulande<br />

Kopfzerbrechen bereitet. Die Steuererklärung.<br />

„Dass jeder Steuern zahlt, finde ich richtig“,<br />

sagt der Gründer, „aber ich verstehe die<br />

Papiere nicht.“ Rashed Mohebbi ist in<br />

Deutschland angekommen. [!] RONJA GYSIN<br />

Migranten sind<br />

Gründerprofis<br />

40 Prozent aller Neugründungen im<br />

Jahr 2014 wurden von Personen mit<br />

ausländischer Staatsangehörigkeit<br />

durchgeführt. Dabei sind Newcomer<br />

mit Migrationshintergrund nach den<br />

IHK-Erfahrungen nicht besser oder<br />

schlechter vorbereitet als deutschstämmige<br />

Gründer. Da zwei Drittel der<br />

migrantengeführten Unternehmen in<br />

den Branchen Baugewerbe, Handel<br />

und Gastronomie agieren, übernehmen<br />

Einwanderer in vielen Gegenden die<br />

Nahversorgung. Mit rund 2,5 Millionen<br />

Arbeitsplätzen stärken sie gleichzeitig<br />

die deutsche Gesamtwirtschaft. GYS<br />

Wachsen ist einfach.<br />

Wenn man für Investitionen einen Partner hat,<br />

der Ideen von Anfang an unterstützt.<br />

ksk-gp.de<br />

sparkasse-ulm.de<br />

45


[leben] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Oh du schöner Weihnachtsschmuck! Auch manche Kater haben ihre Freude daran: Der Christbaum zieht sie magisch an. <br />

Foto: © Trevor Allen / Fotolia.com<br />

Volker Munk, Inhaber der Ulmer<br />

Firmen Munk Immobilien<br />

und Munk Bauen & Wohnen,<br />

verzichtet auf Kundengeschenke<br />

und spendet Geld an soziale<br />

Einrichtungen.<br />

Andrea Grusdas genießt den<br />

Heiligabend mit ihrem Mann<br />

und ihren beiden Hunden in<br />

aller Stille. Die 47-Jährige ist<br />

seit Oktober 2012 Vorstandsmitglied<br />

bei der Sparkasse Ulm.<br />

1) Wir haben neben der jährlichen Weihnachtsfeier am 23. <strong>Dezember</strong><br />

immer einen Umtrunk in der Firma, bei dem es Sekt oder Champagner<br />

und Räucherlachs gibt. Zu diesem Termin werden auch alle<br />

Weihnachtsgeschenke, die uns überreicht wurden, in einer Tombola<br />

verlost.<br />

2) Wir beschenken unsere Kunden nicht zu Weihnachten, stattdessen<br />

spenden wir an soziale Einrichtungen. Statt Weihnachtskarten verschicken<br />

wir seit mehr als 25 Jahren unseren individuell geschriebenen<br />

Weihnachtsbrief an mehr als 3000 Kunden.<br />

3) Am 24. <strong>Dezember</strong> nehme ich mir grundsätzlich eine Stunde Zeit, in<br />

der ich alleine einen Spaziergang mache und über das vergangene<br />

Jahr nachdenke. Vieles wird dann noch einmal überdacht und die<br />

Vorsätze für das kommende Jahr gefasst.<br />

4) Das schönste Weihnachten war der Heiligabend, an dem meine beiden<br />

Kinder das erste Mal Weihnachten aufgrund ihres Alters so<br />

richtig erleben konnten. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen<br />

in einem behüteten Umfeld?<br />

5) Bei klarem Verstand und ohne große körperlichen Gebrechen alt<br />

werden – und das Leben jeden Tag als Geschenk verstehen.<br />

1) JedeAbteilung gestaltet ihre Weihnachtsfeier individuell. Mal mit<br />

einem kleinen Umtrunk, mal mit einem gemeinsamen Abendessen.<br />

Ich finde das sehr schön und versuche, an möglichst vielen Feiern<br />

teilzunehmen.<br />

2) Die Sparkasse Ulm gestaltet jedes Jahr einen wunderschönen Wandkalender<br />

mit Fotomotiven aus dem Alb-Donau-Kreis und Ulm. Diesen<br />

verschenken wir zum Jahresende.<br />

3) Traditionell gibt es bei uns an Heiligabend ein Fleisch-Fondue mit<br />

vielen verschiedenen Saucen und Beilagen. Bei einem gemütlichen<br />

Beisammensein genießen mein Mann und ich einen ruhigen Abend<br />

mit unseren beiden Hunden.<br />

4) Ich kann mich an ein Fest erinnern, bei dem wir den ganzen Abend<br />

damit beschäftigt waren, unseren Kater aus dem geschmückten<br />

Baum zu holen und den Weihnachtsschmuck vor seinen Pfoten zu<br />

retten. Irgendwann haben wir aufgegeben und den Baum schon an<br />

Heiligabend abgeschmückt und einfach „grün“ stehen lassen – sehr<br />

zur Freude unseres Katers.<br />

5) Als jemand, der sich im Tierschutz engagiert, wäre mein Wunsch,<br />

dass Freude, Würde und Gesundheit nicht nur für Menschen, sondern<br />

auch für Tiere gesichert wäre.<br />

46


<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />

[leben]<br />

Ein Kater im Weihnachtsbaum<br />

Mit innerer Ruhe und klarem Verstand das Leben betrachten – und an Heiligabend mit Kindern und Freunden<br />

feiern: Sechs Führungskräfte haben unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler in einer Umfrage ihre persönlichen<br />

Erlebnisse und Wünsche für das kommende Weihnachtsfest verraten.<br />

1) Wie feiern Sie Weihnachten in Ihrem Unternehmen?<br />

2) Wie beschenken Sie Kunden, Partner und Mitarbeiter?<br />

3) Und privat: Verraten Sie uns eines Ihrer Weihnachtsrituale?<br />

4) Was war Ihr schönstes oder schrägstes Erlebnis an<br />

Weihnachten?<br />

5) Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – und bereits gesichert<br />

ist, dass alle Menschen in der Welt in Frieden,<br />

Würde und Gesundheit leben – wie lautet dieser?<br />

Foto: © sek_suwat / Fotolia.com<br />

Foto: © emuck / Fotolia.com<br />

Toastbrot statt Lachs. Melanie<br />

Kloker, die Geschäftsführerin der<br />

Kamo Frischwarmwassersystem<br />

GmbH in Ehingen, nahm ein verdorbenes<br />

Weihnachtsessen mit<br />

Humor.<br />

WIR<br />

GESTALTEN<br />

MIT<br />

1) Wir machen eine kleine Weihnachtsfeier bei uns in der Firma mit feinem Essen, Tanz und<br />

guten Unterhaltungen.<br />

2) Für unsere Kunden haben wir jedes Jahr verschiedene Geschenke, die zumeist persönlich von<br />

unseren Mitarbeitern übergeben werden. Für unsere mehr als 80 Beschäftigten versuchen wir<br />

immer etwas Besonderes mit persönlichem Touch zu finden, was nicht immer einfach ist.<br />

Meinen Partner zu beschenken ist nach über 25 Jahren auch nicht einfach, da man sich schon<br />

so einiges geschenkt hat. Dennoch finde ich es wichtig, sich wirklich Gedanken zu machen.<br />

3) Unsere Familie trifft sich an Heiligabend schon mittags zum Kaffee, um die Hektik aus dem<br />

Tag zu nehmen. Danach machen wir einen Spaziergang, um dann langsam zur Bescherung<br />

überzugehen.<br />

4) Meine Eltern hatten tollen Graved Lachs für das Weihnachtsmenü besorgt. Leider bemerkten<br />

wir beim Servieren, dass der Lachs am Heiligabend schlecht war. So bestand unser Weihnachtsessen<br />

aus Toastbrot. Wir haben das aber mit Humor genommen.<br />

5) Oh je, diese Frage finde ich schwierig. Natürlich habe ich viele Wünsche, aber welches „der<br />

Wunsch“ ist, kann ich nicht sagen.<br />

mediaservice ulm<br />

Frauenstraße 77<br />

89073 Ulm<br />

www.mediaservice-ulm.de<br />

47


[leben] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Hartmut Koch-Czech ist seit<br />

2001 Geschäftsführer der Eduard<br />

Merkle GmbH & Co. KG in<br />

Blaubeuren. Seine Familie und<br />

er fanden an Heiligabend einmal<br />

ein frierendes Kätzchen im<br />

Schnee – und nahmen es auf.<br />

1) Die Belegschaft und die Rentner sitzen zusammen beim Christbaum<br />

aus dem Steinbruch. Trompetenklänge stimmen mit ein paar<br />

Weihnachtsliedern auf das Fest ein. Nachdem ich einen Jahresrückblick<br />

gegeben habe und eine besinnliche Geschichte vorgelesen<br />

wurde, wird gut gegessen und lange gesessen.<br />

2) Kunden und Partner erhalten einen persönlichen Weihnachtsgruß.<br />

Im Jahresverlauf gibt es eine Einladung zur „Blaubeurer Sommerbühne“<br />

oder zu „Kunst im Steinbruch“.<br />

Foto: © Stauke / Fotolia.com<br />

3) Nach dem Kirchgang wird zuhause<br />

die Weihnachtsgeschichte<br />

nochmals gelesen und gesungen.<br />

Danach folgen die Bescherung<br />

und ein festliches Menü. An<br />

den Feiertagen kommen wir<br />

mit der Familie zusammen.<br />

4) An einem Heiligabend fanden<br />

wir nach dem Gottesdienst<br />

ein ca. 12 Wochen<br />

altes Kätzchen,<br />

das jämmerlich<br />

miauend<br />

und halb erfroren<br />

im Schnee unter<br />

der Haustreppe lag.<br />

Die Kinder haben es bei uns<br />

aufgenommen und umsorgt.<br />

5) Weihnachten einfach als Jesu<br />

Geburtstag feiern – nicht<br />

mehr und nicht weniger!<br />

Foto: © Claudia Paulussen / Fotolia.com<br />

Foto: © Thomas Francois / Fotolia.com<br />

Immer mit der Ruhe. Michaela<br />

Braunmüller, selbstständige<br />

Friseurmeisterin und Obermeisterin<br />

der Friseurinnung Göppingen,<br />

wünscht sich mehr Gelassenheit.<br />

1) Ich schenke meinen Kunden in der Adventszeit Tee, Kaffee und<br />

Glühwein aus. Und Weihnachtsgebäck gibt es auch.<br />

2) Jede Kundin und jeder Kunden erhält von mir ein persönliches, auf<br />

sie beziehungsweise ihn zugeschnittenes Geschenk. Ich lasse mir<br />

jedes Jahr etwas Neues einfallen.<br />

3) Ohne Weihnachtsbaum läuft bei uns gar nichts. Der muss bis unter<br />

die Zimmerdecke reichen und wird von mir stundenlang mit einer<br />

Unmenge von Weihnachtsschmuck dekoriert. An Weihnachten kochen<br />

und essen wir gemeinsam mit unseren Kindern und guten<br />

Freunden – drei Tage lang.<br />

4) Das war im Jahr 1992 die Geburt meines Sohnes, der 24 Minuten vor<br />

Heiligabend, also am 23. <strong>Dezember</strong> um 23.36 Uhr, auf die Welt kam.<br />

5) Gelassenheit. Wir Menschen müssen wieder lernen Freude zu empfinden.<br />

Und damit meine ich auch Spaß an der Arbeit. Denn wir leben<br />

doch in einer hektischen, durchgeknallten Welt.<br />

Hans-Georg Ehekircher, Inhaber<br />

der gleichnamigen Sanitär-<br />

Heizung-Flaschnerei in Geislingen,<br />

wünscht sich oftmals mehr<br />

Planungssicherheit im Leben.<br />

1) In der Regel wird von meinen Mitarbeitern eine kleine Weihnachtsfeier<br />

in einer Gaststätte organisiert. Ich übernehme die Kosten bis<br />

zu einer bestimmten Höhe.<br />

2) Kunden und Partner erhalten eine individuelle Grußkarte. Die Mitarbeiter<br />

bekommen etwas Nützliches, zum Beispiel Winterjacken<br />

oder sonstige Bekleidung.<br />

3) An Heiligabend ist ein gemeinsames Essen mit meiner Schwester<br />

und deren Familie angesagt, anschließend ein Kirchgang. Am zweiten<br />

Weihnachtsfeiertag ist Treffen mit der Familie meiner Frau in<br />

Esslingen.<br />

4) Der Sturm Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ist mir noch<br />

sehr gut in Erinnerung. Wir waren gerade am Aufbrechen zum Familientreffen,<br />

als er loslegte. Dieses Treffen war dann nicht mehr<br />

möglich. Anschließend stand das Telefon nicht mehr still. Wir hatten<br />

vollen Einsatz. Bei unseren Kunden waren Dächer abgedeckt<br />

und sonstige Beschädigungen an den Häusern waren zu beheben.<br />

Das Weihnachtsfest war schlagartig beendet.<br />

5) Etwas mehr Glück und weniger Sorgen für mich und meine Familie<br />

wären nicht schlecht. Das Leben ist sehr kompliziert. Oft weiß man<br />

nicht, was der Tag bringt. Hier wäre mir mehr Planungssicherheit<br />

wichtig.<br />

48


Da braut sich was Gutes zusammen!<br />

Im Frühjahr 2017 öffnen das RiKu HOTEL und die Barfüßer<br />

Hausbrauerei inmitten des Ulmer Zentrums ihre Türen.<br />

Während das RiKu HOTEL 40 komfortabel und modern eingerichtete<br />

Zimmer für Sie bereit hält, heißt Sie die Barfüßer Hausbrauerei mit<br />

selbst gebrautem Bier und bayrisch-schwäbischen Schmankerln<br />

herzlich willkommen.<br />

Aufgrund der direkten Anbindung des RiKu HOTELs an die Barfüßer<br />

Hausbrauerei lässt sich beides hervorragend miteinander kombinieren:<br />

So kann ein erfolgreicher Arbeitstag in dem gemütlichen Ambiente<br />

der Barfüßer Hausbrauerei ausgeklungen werden, wohlwissend, dass<br />

die Übernachtungsmöglichkeit für Geschäftspartner von auswärts nur<br />

einen Katzensprung entfernt ist.<br />

Das RiKu HOTEL und das Barfüßer Team freuen sich auf Sie!<br />

www.barfuesser-brauhaus.de www.riku-hotel.de


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />

Mit Konzept<br />

für Freizeitbad<br />

erfolgreich<br />

Ausgezeichnet:<br />

Natalie<br />

Falkenstein.<br />

Die 28-jährige Natalie Falkenstein<br />

aus Biberach ist mit dem<br />

Kulturpreis<br />

Bayern als<br />

beste Abs0lventin<br />

der<br />

Hochschule<br />

Neu-Ulm<br />

ausgezeichnet<br />

worden.<br />

Der Grund:<br />

Ihre herausragende<br />

Masterarbeit.<br />

Der Lohn: die mit 2.000 Euro<br />

dotierte Auszeichnung. Die<br />

„Master of Advanced<br />

Management“-Absolventin hatte<br />

in ihrer Abschlussarbeit ein<br />

kundenorientiertes Marketing-<br />

Konzept für das Freizeitbad Bad<br />

Blau in Blaustein entwickelt.<br />

Dafür hatte die Betriebswirtin<br />

Besucher befragt und das Kundenverhalten<br />

entlang des Kaufprozesses<br />

untersucht.<br />

„Es fehlen Leute,<br />

die das Geld<br />

verplanen“<br />

Britax Römer: In Leipheim angekommen<br />

Bis zum Jahresende schließt der Hersteller<br />

von Auto-Kindersitzen Britax Römer seinen<br />

Umzug nach Leipheim auf das interkommunale<br />

Gewerbegebiet „Areal pro“ ab. Ulm verliert<br />

damit 380 Arbeitsplätze. Als letzter Bereich<br />

verlässt die Fertigung das verwinkelte Gebäude<br />

in der Blaubeurer Straße. Der neue 18.000<br />

In Baden-Württemberg fehlen<br />

Ingenieure. Nach einer Erhebung<br />

des arbeitgebernahen Instituts<br />

der deutschen Wirtschaft<br />

und des Verbands Deutscher Ingenieure<br />

kommen auf 100 arbeitslose<br />

Ingenieure im Südwesten<br />

388 offene Stellen, im<br />

Bundesdurchschnitt sind es<br />

261. Der Fachkräftemangel<br />

wird mittlerweile für den öffentlichen<br />

Dienst zur Herausforderung.<br />

„Der findet keine<br />

Leute“, sagte IW-Arbeitsmarktexperte<br />

Oliver Koppel. Baden-<br />

Württembergs Wohnungsbauministerium<br />

bestätigte die<br />

schwierige Suche nach geeignetem<br />

Personal. Die Folge: Es sei<br />

zwar Geld für Sanierungen und<br />

Straßenbau da. „Aber jetzt fehlen<br />

die Leute, um das Geld zu<br />

verplanen.“ Gesucht seien derzeit<br />

Ingenieure aus den Bereichen<br />

Bau, Vermessung und Gebäudetechnik.<br />

Mit bekömmlich<br />

darf Härle<br />

nicht werben<br />

Auch das Oberlandesgericht<br />

Stuttgart hat dem Leutkircher<br />

Brauer Gottfried Härle untersagt,<br />

sein Bier „bekömmlich“ zu<br />

nennen, es ließ aber Revision<br />

beim Bundesgerichtshof (BGH)<br />

zu. Bei Redaktionsschluss dieser<br />

Ausgabe wusste Härle noch<br />

Quadratmeter große Hauptsitz hat einen zweistelligen<br />

Millionenbetrag gekostet und verfügt<br />

unter anderem über eine hochmoderne Crash-<br />

Test-Anlage. Britax Römer stellt 90 Prozent<br />

seiner Kindersitze in Europa her, davon zwei<br />

Drittel in Deutschland. Weltweit beschäftigt<br />

das Unternehmen rund 1220 Mitarbeiter.<br />

nicht, wie er sich entscheidet.<br />

Bisher hat ihn der Streit einen<br />

„ordentlichen“ fünfstelligen Betrag<br />

gekostet. Die Brauerei bewirbt<br />

seit 1902 manche Biersorte<br />

als „bekömmlich“. Weil aber<br />

EU-Recht gesundheitsbezogene<br />

Werbung für Getränke mit einem<br />

Alkoholgehalt von mehr<br />

als 1,2 Volumenprozent verbietet,<br />

klagte der Verband Sozialer<br />

Wettbewerb. Härle ärgert das,<br />

für ihn ist der Begriff eine „reine<br />

Qualitätsaussage“. Zudem lasse<br />

die EU-Verordnung unter bestimmten<br />

Voraussetzungen<br />

Ausnahmen zu. [!]<br />

[impressum]<br />

Verlag/Herausgeber<br />

Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG<br />

Frauenstraße 77, 89073 Ulm<br />

Geschäftsführer:<br />

Thomas Brackvogel<br />

Redaktion<br />

Alexander Bögelein (verantw.)<br />

a.boegelein@swp.de<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Anzeigen<br />

Dr. Thomas Baumann<br />

(verantwortlich)<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Gestaltung<br />

Alen Pahic (Art Director)<br />

Antje Meyer (Bild)<br />

Fotos Giacinto Carlucci (Titel +<br />

Titelinterview), Marc Hörger,<br />

Werkfotos, Getty Images, Picture<br />

Alliance, PR, Archiv<br />

Druck<br />

Druck- und Verlagsgesellschaft<br />

Bietigheim mbH<br />

Kronenbergstraße 10<br />

74321 Bietigheim-Bissingen<br />

Objektleitung<br />

Tobias Lehmann<br />

Telefon 0731 156-515<br />

t.lehmann@swp.de<br />

Mediaberatung<br />

Christine Blum<br />

Telefon 0731 156-356<br />

E-Mail c.blum@swp.de<br />

Vertriebsservice<br />

<strong>unternehmen</strong>.vertrieb@swp.de<br />

Auflage: 18.000 Exemplare<br />

Nächste Ausgabe<br />

10. März 2017<br />

Die Themen<br />

Unternehmertag 2017<br />

Gewerbebau<br />

Investitionen finanzieren<br />

u. v. m.<br />

Anzeigenschluss<br />

15. Februar 2017<br />

www.swp.de/<strong>unternehmen</strong><br />

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PartnervorOrt: Daimler AG,vertretendurchMercedes-BenzVertriebPKWGmbH<br />

NiederlassungUlm/Neu-Ulm:Von-Liebig-Straße10•89231Neu-Ulm<br />

Telefon: 0731/700-0•www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de

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