unternehmen Dezember 2016

suedwest.presse

unternehmen Dezember 2016

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 54 | Dezember 2016 | 3,00 €

4 197821 303000 5 4

Zug um Zug –

Mythos Märklin

Florian Sieber führt den traditionsreichen

Modellbahnhersteller zurück in die Erfolgsspur. Ein

Gespräch über Emotionen, Digitales und Marketing.

Arbeitszeit Wie Unternehmen attraktiver werden SEITE 6

Entspannung Tipps für kurze Auszeiten in der Alltagshektik SEITE 32

Umfrage Was für Führungskräfte an Weihnachten wichtig ist SEITE 46


Zeit für Pioniere.

Die Meister Driver Chronoscope zeigt nicht nur die

Zeit an, sondern bringt eine ganze Epoche zurück: die

Anfangsjahre des modernen Automobils und die Stunde

der großen Technik pioniere. Ihr Äußeres ist inspiriert

von der Gestaltung historisch bedeutender Oldtimer

und deren Instrumententafeln. Wie keine andere verbindet

sie den einzigartigen Charme dieser Automobile

mit unserer Leidenschaft für mechanische Zeitmesser.


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

was bleibt im Rückblick auf dieses Jahr für

die erfolgsverwöhnte Wirtschaft in Baden-

Württemberg? Wie wäre es mit Dankbarkeit?

Während viele Länder in Krisen und

Kriegen versinken, geht es bei uns im siebten

Jahr in Folge bergauf. Die Firmen sind

gut ausgelastet – und gut aufgestellt. Das

gilt auch für Märklin, wenngleich der Wettbewerb

um Regalfläche im Handel für den

Modellbahnhersteller herausfordernd ist,

wie unser Titelinterview mit Märklin-Chef

Florian Sieber zeigt (S. 10). Doch die gute

Auftragslage hat auch ihre Kehrseite: Manche

Chefs fordern viel und gehen mit ihren

Mitarbeitern, aber auch mit sich selbst,

nicht gut um. Das kann gefährliche Folgen

haben und für Firmen teuer werden (S. 28).

Dabei wäre es so einfach, sich Auszeiten zu

gönnen (S.32). In unserer Umfrage geht es

dieses Mal um Weihnachtserlebnisse. Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[führen]

6 Wann es euch gefällt Mit Vertrauensarbeits

zeit zum attraktiven Arbeitgeber

40 Bühne für die Suche nach den Besten

1200 Besucher beim zweiten

Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE

[titelthema]

10 Weichensteller für die digitale

Zukunft Märklin-Chef Florian Sieber

im Gespräch

[spezial]

20 Auf die Plätze – fertig – Haus

In Günzburg stehen Europas modernste

Fertighäuser

36 Flott gemacht Viel Geld mit

Fuhrparkmanagement sparen

[finanzieren]

22 Die Tücke der Versorgungslücke

Altersvorsorge: Keine Angst vor bösen

Überraschungen

[machen]

26 Fensterbauer mit glasklarer

Ausrichtung Gugelfuss aus Elchingen

42 Gemeinsam besser entsorgen

Recycling im Netzwerk: Knittel aus

Vöhringen

[verantworten]

28 Gefährliche Abwärtsspirale Wie gute

Chefs ihre Mitarbeiter vor Burnout

schützen

32 Moment mal Expertentipps für mehr

Achtsamkeit sich selbst gegenüber

[gründen]

44 Vom Flüchtling zum Unternehmer

Rashed Mohebbi macht sein Ding

[leben]

46 Ein Kater im Weihnachtsbaum

Umfrage unter Führungskräften zu ihren

Weihnachtswünschen und -erlebnissen

[namen & nachrichten]

4 Freiraum für digitale Talente

5 Angespannter Immobilien-Markt,

aber keine Preisblase

20 Erster Mieter für Sedelhöfe

50 Britax Römer: In Leipheim

angekommen

50 Impressum

26 42

28 06

22

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Freiraum für digitale Talente

Die Wirtschaftsregion Ulm ist

stark. Doch was ist nötig, damit

das auch 2030 der Fall ist? Eine

Initiative von Unternehmern hat

den Verein „initiative.ulm.digital“

gegründet. Dessen Ziel: Ulm

zum digitalen Marktplatz für junge

Talente zu machen, für diese

und damit auch für Fachkräfte

attraktiv zu sein. Ulms Oberbürgermeister

Gunter Czisch ist Beiratsmitglied.

Er beschäftigt sich

seit mehr als zehn Jahren mit Digitalisierung,

ist unter anderem

beim Nationalen E-Government

Kompetenzzentrum aktiv und in

IT-Führungskreisen extrem gut

vernetzt. „Innovation kann man

nicht organisieren, man kann

nur ein Milieu schaffen, in dem

sich Kreativität entfaltet“, sagt

Czisch. Für ihn ist Digitalisierung

vor allem ein Thema der

Stadtentwicklung: „Man muss

stets fragen: An welcher Stelle

kann und muss eine Stadt selbst

etwas tun?“ Neben dem neu gegründeten

Verein ist das Verschwörhaus

ein Teil der Initiative.

In diesem Reallabor haben

junge Leute Freiräume, ihre Ideen

umzusetzen. Aktuell geht es

auch um den Aufbau eines Sensoren-Netzwerks.

Wofür das gut

sein soll? Um Lösungen zu finden,

an die man heute noch nicht

denkt. Im spanischen Santander

wurden 20.000 Sensoren angebracht.

Diese liefern nun Daten

an eine zentrale Kontrollstelle.

Damit werden die Parkplätze in

der City wie in einem riesigen

Parkhaus organisiert.

Im Verschwörhaus gibt es derzeit

Arbeitsgruppen für die Themen

„Open Data“ und „CNC-Maschinen

und gefährliche Geräte“ sowie

Einführungskurse fürs „Offene

Editieren“ von Wikipedia und

wöchentlich offene Abende (ab

18.30 Uhr.) Die Bandbreite der Interessierten

reicht von 6 bis 60

Jahren. Auch haben dort Jugendliche

zum Beispiel in einem Löt-

Workshop gelernt, einen TV-Ausknipser

zu bauen. [!] AMB

Machen Ulm attraktiv für Digital-Talente: OB Gunter Czisch (links) und Heribert

Fritz, Vorsitzender des Vereins „initiative.ulm.digital“.

Dietenheim wird zum Wissenschaftslabor

Mit gläsernen Produktionen und

Design-Werkstätten will Dietenheim

(Alb-Donau-Kreis) an seine

Tradition als Textilstandort anknüpfen.

„Unser Ziel ist es, die

Wirtschaftskraft unserer Stadt

auszubauen und die Innenstadt

neu zu beleben“, sagt Bürgermeister

Christopher Eh. Gefördert

wird sein Ansinnen vom Land

Baden-Württemberg, das ein Forschungsprojekt

der Universität

Ulm und der Hochschule Reutlingen

mit knapp einer Million

Euro fördert. Mit einem „ReallaborE

wollen die Wissenschaftler

mit den 6700 Einwohnern Lösungen

und Wege für die Zukunft

ausfindig machen. Bereits im Juli

wurde deshalb in der Dietenheimer

Innenstadt ein Nähcafé für

wöchentliche Workshops und

Strickkurse eröffnet.

„Wer verantwortungsvoll handelt,

wendet sich ab von Billigtextilien

und hin zu fair gehandelten,

umweltverträglichen

Produkten, die sich durch Qualität

und Langlebigkeit auszeichnen“,

erklärt Professor Dr. Martin

Müller von der Universität Ulm

die Philosophie des auf mehrere

Die erste Messe „Dietenheim zieht an!“ lockte viel Besucher an.

Jahre angelegten Forschungsprojektes.

Eine erste Kostprobe gab

es mit der Ausstellung „Dietenheim

zieht an!“, bei der 15 Hersteller

und Händler aus der Region

nachhaltige Mode und

innovative Ideen aus der Textilwirtschaft

präsentierten, darunter

Miet- und Tauschkonzepte für

hochwertige Bekleidung. Auch

Andreas Merkel möchte den Textilstandort

wieder aufleben lassen.

Der Geschäftsführer der Gebrüder

Otto GmbH & Co. KG,

einer Traditionsspinnerei, weiß:

„Das Prinzip des klassischen Einzelhandels

funktioniert nicht

mehr. Deshalb müssen wir im

Ort ein Einkaufserlebnis für die

ganze Familie schaffen.“[!] LOE

4


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[namen & nachrichten]

Angespannter Immobilien-Markt, aber keine Preisblase

Die Gefahr einer Immobilienblase

steigt in deutschen Großstädten,

nicht aber in der Region. Einen

Spitzenplatz nimmt nach

dem Blasenindex des Berliner Beratungsunternehmens

Empirica

Stuttgart ein. Dort sei es deutlich

schwieriger geworden, einen

Wohnungskauf über Vermietung

zu refinanzieren, weil sich Preise

und Mieten auseinander entwickeln.

Zudem lässt sich mit dem

dortigen Einkommen schlechter

eine Eigentumswohnung finanzieren.

Empirica-Marktforscher

Reiner Braun sieht die Situation

kritisch: „In Stuttgart gibt es viel

zu wenig Neubau.“ In den Landkreisen

Göppingen, Alb-Donau,

Ravensburg und Bodensee sei die

Lage eher unproblematisch.

Der Kreis Biberach sei eine der

wenigen Regionen, in denen „zu

viel“ gebaut werde. „Die Preise

und Mieten haben sich zuletzt

schon etwas beruhigt. Es gibt

aber großen Nachholbedarf wegen

der guten Arbeitsplatzentwicklung“,

sagt Braun. Allerdings

müsse man beobachten, ob langfristig

mehr als 1000 Wohneinheiten

pro Jahr fertiggestellt werden.

„Das wäre dann wohl etwas

zu viel.“ Gleichwohl sei es in Biberach,

am Bodensee und in der

Stadt Ulm im dritten Quartal

schwieriger gewesen, einen Wohnungskauf

über die Miete zu refinanzieren.

In Ulm sei es auch

komplizierter geworden, mit

dem regionalen Einkommen eine

Wohnung zu kaufen. [!] AMB

Die Penthouse-Wohnungen im Brückenhaus in Neu-Ulm gehören zu den teuersten

und exklusivsten Lagen, die die Region Ulm zu bieten hat.

Aufschwung

solide, gute

Auslastung

Die Konjunktur in Baden-Württemberg

läuft weiter gut. Die IHK

Ulm spricht von einem soliden

Aufschwung. Die Stimmung in

den Unternehmen ist positiv. Für

die kommenden Monate wird eine

Entwicklung auf ähnlichem

Niveau erwartet. Bei mehr als der

Hälfte aller Betriebe laufen die

Geschäfte gut. Weitere 42 Prozent

vermelden eine befriedigende

Geschäftslage. Ursache hierfür

sind laut IHK ordentliche Umsatzzahlen.

Zudem habe sich die

Ertragslage gegenüber dem Frühjahr

noch einmal verbessert.

Blendend ist die Stimmung im

Handwerk. Nach den Angaben

der Handwerkskammer Ulm, die

18.400 Betriebe zwischen Jagst

und Bodensee betreut, sind drei

Viertel der Firmen mit ihrer wirtschaftlichen

Situation zufrieden.

Die Auslastung ist gut[!] AMB

Daimler TSS holt sich den

Titel „attraktivste Firma“

Die 20 beliebtesten Firmen in der

Region Ulm/Neu-Ulm

1. Daimler TSS

2. Ratiopharm GmbH

3. Liebherr-International

Deutschland

4. Airbus Defence and Space

5. Seeberger

6. Wieland-Werke

7. Gardena Deutschland

8. Liqui Moly

9. Peri

10. Drogeriemarkt Müller

Rund 1800 junge Leute haben

Daimler TSS zum attraktivsten

Arbeitgeber in der Region Ulm/

Neu-Ulm gewählt. Die IT-Tochter

des Daimler-Konzerns mit Sitz in

Ulm (siehe auch Seite 6) verteidigte

damit ihren Titel. Für die

Studie hatte die Hochschule Neu-

Ulm mehr als 1700 Studenten

sowie Berufsschüler und erstmals

auch Fachkräfte in Weiterbildung

befragt. Es ging um drei

Fragen: Ob man das Unternehmen

kennt. Ob man es sympathisch

findet. Und ob man sich

dort bewerben würde. In die Studie

aufgenommen wurden alle

Unternehmen mit Sitz in der Region

Ulm/Neu-Ulm, die einen

Jahresumsatz von mindestens 50

Millionen Euro erzielen: 72 Firmen

an der Zahl. [!] AMB

11. SWU Stadtwerke Ulm/NU

12. Iveco-Magirus AG

13. Magirus GmbH

14. Settele Schwäbische

Spezialitäten & Feinkost

15. Möbel Inhofer

16. Finkbeiner

17. Held & Ströhle

18. Zwick

19. R-Pharm

20. Reinz

Präsident

bis 2018:

Peter Kulitz

Den Rang als einen der aktivsten

Fürsprecher des Wirtschaftsstandorts

Baden-Württemberg

kann

Peter Kulitz

niemand so

schnell streitig

machen. Auch

wenn dieser

nach drei Peter Kulitz ist seit

Amtsperioden

und sechs Jahren

2003 Präsident

der IHK Ulm.

sein Amt

als Präsident des Baden-Württembergischen

Industrie- und Handelskammertages

abgegeben hat.

Sein Nachfolger ist Wolfgang

Grenke (Baden-Baden) In Ulm

bleibt der Unternehmer und

Rechtswalt noch bis 2018 Präsident

der dortigen IHK und wird

die Führung dann nach 15 Jahren

an der Spitze abgeben. [!] KÖ

5


Starre Arbeitszeiten lösen sich auf: Was bei

großen Beratungsfirmen oder im IT-Bereich dank

Vernetzung selbstverständlich ist, erfasst nun

auch andere Branchen.

6


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[führen]

Wann es euch gefällt

Fixe Bürozeiten adé: Im modernen Berufsleben entkoppelt sich dank digitaler Möglichkeiten die Arbeit von Zeit

und Raum. Der Wunsch nach flexiblen Lösungen ist bei vielen Beschäftigten groß. Im Zeitalter des

Fachkräftemangels werden Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit zum Werbefaktor für attraktive Arbeitgeber.

Bei mehr als 800 Mitarbeitern existieren bei Daimler TSS mehr

als 165 Arbeitszeitmodelle. „Vom Prinzip her ist alles möglich“,

erklärt Heike Tyrtania, die Leiterin Human Resource

(HR) des Ulmer Unternehmens. „Manche Mitarbeiter kommen

nur an einzelnen Tagen, andere immer vormittags, manche erledigen

ihre Aufgaben zum Teil von unterwegs oder arbeiten zuhause.“

Die Arbeitszeit muss auch nicht notwendigerweise am Stück erbracht

werden. „Es ist auch denkbar, dass erst gearbeitet

wird, dann etwas Privates erledigt

wird, und dann geht es wieder zurück an

die Arbeit.“

Die Mitarbeiter müssen natürlich die vertraglich

vereinbarten Wochenstunden arbeiten.

Sie müssen diese auch dokumentieren.

Doch wann sie arbeiten und wo sie

arbeiten stimmen sie mit ihrem Vorgesetzten

und den Kollegen ab. Das geht sogar

soweit, dass im Fall der Fälle sogar Kinder

mit ins Büro gebracht werden können, Heike Tyrtania, Leiterin

wenn es zuhause nicht mit der Betreuung HR bei Daimler TSS.

klappt. Dafür ist extra ein Familienzimmer

eingerichtet worden.

Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben bei potenziellen Mitarbeitern

mit großer zeitlicher Flexibilität und der Vereinbarkeit von

Familie und Beruf. Dass sich wirklich etwas getan hat und der klassische

Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr nicht mehr der Standard ist, zeigen

Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Zwei Drittel der

Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben demnach flexible

Tages- und Wochenarbeitszeiten, sieben von zehn Betrieben bieten

individuelle Arbeitszeiten, fast vier Fünftel der Firmen bieten ihren

Mitarbeitern Teilzeit an. Doch bei aller Flexibilität: Den Rahmen hierfür

steckt immer noch das deutsche Arbeitszeitgesetz ab.

STARRE OBERGRENZEN PRO TAG

Kern der deutschen Arbeitszeitvorschriften ist der Achtstundentag.

Bis zu zehn Stunden pro Tag sind möglich, wenn innerhalb von sechs

Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt

acht Stunden pro Werktag nicht überschritten werden. Auch der

Samstag zählt zu den Werktagen. Damit beträgt die zulässige Wochenarbeitszeit

48 Stunden. Allerdings gelten zahlreiche Ausnahmen, zum

Beispiel für Klinikmitarbeiter, Beamte oder leitende Angestellte.

„Den Unternehmen sind die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse nach

flexiblen Arbeitszeiten wichtig“, sagt Götz A. Maier, Geschäftsführer

der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm. Bewerber fragen nach seinen

Worten in jüngster Zeit immer wieder danach. Allerdings sei es nicht

immer einfach, diese beide Seiten der Flexibilität unter einen Hut zu

bekommen. Er würde sich wünschen, dass zum Beispiel die Zeit zwischen

zwei Arbeitstagen flexibler gehandhabt werden dürfte.

Die aktuelle Gesetzeslage erlaube es nicht immer, die Bedürfnisse der

Arbeitgeber und auch gerade der Beschäftigten abzubilden: „Wenn der

Arbeitnehmer vielleicht früher nach Hause gegangen ist, um Zeit für

die Familie zu haben und dann, wenn die Kinder im Bett sind, abends

um 22 Uhr auf dem Sofa noch schnell 15 Minuten E-Mails durcharbeiten

will, darf er am nächsten Tag erst wieder nach 9 Uhr arbeiten“, sagt

Maier. In Europa gebe es meist nur eine Obergrenze der Arbeitszeit pro

Woche, in Deutschland zusätzlich noch eine pro Tag. „Diese tägliche

Grenze wegzulassen, würde die Flexibilität für beide Seiten spürbar

verbessern, auch ohne dass insgesamt mehr gearbeitet werden würde“,

sagt der Südwestmetall-Geschäftsführer aus Ulm.

STATT ANWESENHEIT ZÄHLT DIE AUFGABE

Für das gewerkschaftsnahe Wirtschafts - und Sozialwissenschaftliche

Institut (WSI) ist die Flexibilität schon jetzt groß genug. Die bestehenden

tariflichen Regelungen zur Arbeitsgestaltung würden eine Fülle

an Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bieten, heißt es

in einer WSI-Analyse. So bestehe nahezu in allen Tarifbereichen die

Möglichkeit der unregelmäßigen Verteilung der tariflichen Regelarbeitszeit.

Hinzu komme als wichtigste weitere Möglichkeit der Flexibilisierung

das Überschreiten der Regelarbeitszeit durch Mehrarbeit.

Schon nach dem derzeitigen rechtlichen Rahmen sind die unterschiedlichsten

Arbeitszeitmodelle möglich. Grob werden drei verschiedene

Modelle unterschieden: Die klassische Gleitzeit besteht aus

einer Kernarbeitszeit mit allgemeiner Anwesenheitspflicht und einer

Ein- und Ausgleitspanne. Arbeitnehmer können Beginn und Ende der

täglichen Arbeitszeit in der vorgesehenen Zeitspanne selbst festlegen.

Aus Sicht des Unternehmens sollen so Fehlzeiten verringert werden,

etwa durch Arztbesuche, da die Arbeitnehmer es selbst in der Hand

haben, ihre persönlichen Termine außerhalb der Kernzeiten zu legen.

Bei der Funktionszeit legt das Unternehmen fest, in welchen Zeiträumen

bestimmte Betriebsteile funktionsfähig sein müssen. Die Mitarbeiter

können dann innerhalb dieser Funktionszeiten ihre jeweiligen

Arbeitszeiten in Absprache mit den Kollegen selbst bestimmen. Im

Mittelpunkt dieses Arbeitszeitmodells steht nicht mehr die Anwesenheit,

sondern dass eine vereinbarte Aufgabe erledigt wird.

Die Vertrauensarbeitszeit lässt die weiteste Autonomie. Das Modell

der Stechuhr spielt hier überhaupt keine Rolle mehr. Es wird rein er-

7


[führen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

„Inzwischen wird nicht mehr von Homeoffice geredet, sondern von mobiler Arbeit“, sagt Hochschul-Professorin Jutta Rump.

gebnisorientiert gearbeitet. Manche Modelle sehen allerdings Zielvereinbarungen

zwischen Mitarbeitern und Arbeitgeber vor, in denen

festgelegt wird, welches Arbeitszeitvolumen zur Erledigung einer bestimmten

Aufgabe nötig ist.

Jutta Rump ist Professorin

für Personalmanagement.

FLEXIBILITÄT AUCH IN DER PRODUKTION

Jutta Rump ist Professorin für Personalmanagement und Organisationsentwicklung

an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des

Instituts für Beschäftigung und Employability. „Was die technische

Machbarkeit betrifft, sind wir kurz davor, neue Dimensionen der Flexibilität

zu erreichen.“ Inzwischen werde nicht mehr von Homeoffice

geredet, sondern von mobiler Arbeit. In dieser Wortwahl schon zeigt

sich, dass eine starke Entkopplung der Arbeit von Raum und Zeit stattgefunden

hat. Diese Entkopplung gilt schon jetzt für sehr viele Bürotätigkeiten.

Mit der Industrie 4.0, also der Digitalisierung der Produktionsprozesse,

ist es möglich, diese Flexibilität auch auf die Produktion

zu übertragen. „Dann ist zu überlegen, ob ein Schichtbetrieb, wie er

heute noch gängig ist, überhaupt noch nötig ist“, sagt Rump. „Um etwa

eine Anlage zu steuern, muss nicht unbedingt jemand vor Ort sein.

Das könnte auch von einem anderen Ort aus geschehen.“

Flexible Arbeitszeiten sind kein Thema mehr, mit dem vor allem Frauen

angesprochen werden sollen. Die neuen Modelle richten sich an

alle Mitarbeiter. „Sie tragen zur Attraktivität als Arbeitgeber bei“, sagt

Rump. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels stößt die Freiheit an

Grenzen. „Früher konnte man die Zeit, die ein Mitarbeiter weniger arbeitet,

weil er sich für Teilzeit entschieden

hat, mit neuen Kräften aus dem Arbeitsmarkt

auffüllen“, erklärt sie. „Heute geht

das nicht mehr so einfach.“

Arbeitnehmer und Unternehmen wünschen

sich gleichermaßen flexible Arbeitszeiten.

Jedoch aus völlig unterschiedlichen

Motive. Unternehmen sind getrieben

durch Globalisierung, Wettbewerb und

Kunden. Arbeitnehmer hingegen versuchen

sich über Flexibilität an die unterschiedlichen

starren Zeitsysteme anzupassen,

die sie umgeben: Einkauf, Schule,

Behörden und vieles mehr. Im schlimmsten Falle stehen die Bedürfnisse

von Arbeitnehmern und Unternehmen im Widerspruch. Im besten

Falle gibt es ein System, das beide berücksichtigt.

Der IT-Spezialist Daimler TSS entwickelt Software- und IT-Lösungen.

Kernthemen sind Car-IT und Mobility, Information Security, Analytics,

Shared Services und Digital Customer Experience. Schon seit

einiger Zeit wird Daimler TSS zu Deutschlands besten Arbeitgebern

gezählt und schafft regelmäßig Top-Platzierungen beim Arbeitgeberwettbewerb

„Great Place to Work“. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter

sind Akademiker, die meisten Ingenieure. Eine Gruppe, die schon

während der Ausbildung gelernt hat, sich selbst zu organisieren und

selbstständig Probleme zu lösen.

FLEXIBILITÄT ALS WERBEFAKTOR

„Diese hohe Flexibilität bei der Arbeitszeit setzt voraus, dass die Mitarbeiter

wissen, wie sie mit ihren Freiheiten umgehen“, erklärt Tyrtania.

Daher sei das Modell nicht unbedingt auf jede Firma übertragbar. Zum

Beispiel gibt es bei Daimler TSS kaum einen Job, der tatsächlich acht

Stunden am Stück besetzt sein muss. Mit dieser Flexibilität lässt sich

gut werben. Das Unternehmen lebe vor allem von der Kreativität und

Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter. „Wenn wir diese Mitarbeiter

wollen, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit bieten, kreativ

und innovativ zu arbeiten und ihnen den Freiraum geben, den sie dafür

brauchen“, sagt Heike Tyrtania. [!]

HENNING ZANDER

Dehnbare Arbeitszeiten

Gilt für eine Firma ein Tarifvertrag, so gilt dieser vor den gesetzlichen

Regeln. Laut Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie

im Südwesten beträgt die Wochenarbeitszeit 35

Stunden. Diese kann mit Zustimmung des Arbeitnehmers auf

bis zu 40 Stunden steigen, soweit nicht mehr als 18 Prozent aller

Arbeitnehmer des Betriebes einen solchen 40-Stunden-Vertrag

haben. Unter bestimmten Umständen darf diese Quote auf

50 Prozent steigen. Mehrarbeit ist bis zu 10 Stunden in der Woche

und bis zu 20 Stunden im Monat zulässig. Die Wochenarbeitszeit

kann ungleichmäßig auf mehrere Wochen verteilt werden,

soweit eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird.

8


Wandsekretär

MAMBA

Design: Victor Vasilev

LIEBESERKLÄRUNG

Möbel Inhofer GmbH & Co. KG, Ulmer Str. 50, 89250 Senden

DESIGN FÜRS LEBEN

www.interni.de • info@interni.de • Germanenstraße 2 • 89250 Senden/Iller

Fon 07307/ 856000 • Fax 07307/ 856100 • offen: Mo - Sa 10 - 19 Uhr


10


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[titelthema]

Weichensteller für

die digitale Zukunft

Ein Werkzeug-Satz der Marke Märklin? Wenn es nach Florian Sieber geht,

vergibt der Modellbahnhersteller schon bald Lizenzen. Mit Herzblut,

Kompetenz und einer Kultur des Zuhörens modernisiert der 31-Jährige

das 157 Jahre alte Unternehmen und belebt den Mythos von Märklin.

In Nordrhein-Westfalen haben Diebe in einem

Spielzeugfachgeschäft Loks für 40.000 Euro erbeutet,

und andere Dinge stehen lassen. Was geht

Ihnen bei solch einer Nachricht durch den Kopf?

Im ersten Moment habe ich an den Händler gedacht.

Der steht erstmal vor einem riesigen Chaos.

Und im zweiten …

… habe ich mich gewundert, dass es die Diebe auf ein

Modelleisenbahngeschäft abgesehen hatten und nicht

auf einen Juwelier oder ein Uhrengeschäft.

Bei den Kunden war Märklin hingegen weniger gefragt

als erwartet. Sie mussten Ihre Umsatzziele

korrigieren …

Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben nach wie

vor eine stabile Nachfrage. Dass die Zahlen zurückgegangen

sind, liegt mitunter daran, dass wir bewusst auf

Umsätze verzichtet haben. Beispielsweise solche, die

von uns subventioniert waren und an denen wir kaum

verdient haben.

Zum Beispiel?

Wir machen keine Aktion mit Aldi mehr, die meist

rund zwei Millionen Euro Umsatz gebracht hat. Von

diesen Einnahmen blieb allerdings kaum etwas hängen.

Wir verkaufen seit dem Jahr 2013 sehr fair und

stabil. Des Weiteren gibt es keine Sonderangebote

mehr für größere Internethändler. Stattdessen behandeln

wir alle gleich. Aus unserer Sicht ist das eine wichtige

Basis, um den Fachhandel in der Breite zu stützen.

Was sind die Vor-, was die Nachteile einer solchen

Aktion mit Discountern?

Sicher konnten wir den ein oder anderen Neukunden

akquirieren. Allerdings waren diese Startpackungen

abgespeckt, um den günstigen Preispunkt von 99,99

Euro zu erreichen. Dadurch entstanden Produkte, die

auf den ersten Blick nicht vollends begeistern. Aus Kostengründen

konnten wir auch nicht auf die neuesten

Technologien zurückgreifen.

Haben Sie ein Beispiel für eine solche Technologie?

Die Steuerung in den Aldi-Packungen war im Gegensatz

zu unseren sonstigen Steuerungen nicht mobil,

sondern per Kabel mit dem Gleis verbunden. Wir mussten

unter anderem auch bei der Lok sparen. Sie war

anders als unsere sonstigen Produkte nicht aus Metall

und hatte keinen Sound.

Am Tag der offenen Tür rennen Ihnen die Besucher

die Werkshallen ein. Zudem ist Märklin zur Marke

des Jahrhunderts gewählt worden. Demnach müsste

Ihr Unternehmen nicht knapp 100 Millionen Euro

Umsatz machen, sondern eine Milliarde. Warum

hinkt der Umsatz dem Markenwert hinterher?

Der Bekanntheitsgrad der Marke Märklin ließ schon

immer ein viel größeres Unternehmen vermuten. Das

hängt damit zusammen, dass die Marke unheimlich

emotional aufgeladen ist. Unser Produkt ist allerdings

nicht überlebenswichtig, sondern mit einem Hobby

verbunden. Die meisten unserer Kunden sind älter. Sie

verbinden schöne Erinnerungen mit Märklin, haben

vielleicht schon als Kind mit Modellbahnen gespielt

und greifen in höherem Alter ihr Hobby wieder auf. Die

Markenbekanntheit bringt uns viele Vorteile, schürt

aber auch hohe Erwartungen, die an andere Unternehmen

in unserer Umsatzklasse nicht gestellt werden.

Wie wollen Sie das Potenzial besser ausschöpfen?

Zur Person

Seit 2013 steht Florian

Sieber an der Spitze

von Märklin.

Seither hat sich der

geschäftsführende

Gesellschafter bei

Sammlern und Mitarbeitern

viel Respekt

erarbeitet. Sein Vater

Michael (60) führt

den Spielwarenhersteller

Simba-Dickie.

Der heute 31-Jährige

wuchs im mittelfränkischen

Städtchen

Lauf mit zwei Geschwistern

(28, 23)

auf. Nach dem Abitur

studierte er an der

privaten Universität

Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft.

Für

sein Master-Studium

ging er nach Barcelona

und Paris. Die Freizeit

verbringt der Wochenendpendler

am

liebsten mit Freundin

und Freunden. Seine

Hobbys: Snowboarden

und Fußballschauen.

Sieber ist

Fan von Greuther

Fürth und Bayern

München.

Ob Produkte oder Marketing: Firmenchef Florian Sieber bringt die Märklin-Welt in die digitale Spur.

11


[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Als kleiner Junge spielte er

Modelleisenbahn mit seinem

Opa. Heute führt er das Traditionsunternehmen

und baut

ein 11,3 Millionen Euro teures

Museum.

Das Modellbahngeschäft ist zwar stabil, aber große

Wachstumsraten sind auch in den nächsten Jahren

nicht zu erwarten. Daher wollen wir über andere Geschäftsfelder

und Produktkategorien wachsen. Wir haben

die vergangenen Jahre viele kleine Pflänzchen gesetzt,

die wir jetzt pflegen.

Ein bisschen konkreter bitte.

Ein Beispiel dafür sind unsere Kinderspiellinien Märklin

„My World“ für Kinder im Vorschulalter und Märklin

„Start Up“ für Kinder ab sechs Jahren und aufwärts.

Anders als im Modellbahnmarkt sind wir in diesem

Segment noch ein kleiner Fisch. Mitwettbewerber wie

Brio, Lego und Playmobil haben ebenfalls Eisenbahnen

im Sortiment. Unsere zwei Kinderspiellinien tragen

momentan noch nicht viel zum Umsatz bei. Doch wir

bauen sie jetzt auf, damit sie künftig zum Wachstum

des Gesamtunternehmens beitragen.

Welche Pläne haben Sie außerdem?

Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Marke

Märklin auch in anderen Bereichen nutzen können

und wollen Lizenznehmer mit ins Boot holen. Wir suchen

in Kooperation mit der Frankfurter Agentur Alicentia

nach geeigneten Unternehmen. Deren Produkte,

Qualität und Image müssen natürlich zu unserem

Markenkern passen. Darauf aufbauend haben wir Kriterien

festgelegt, die mögliche Lizenznehmer erfüllen

müssen.

Was gehört zum Markenkern?

Hochwertige Metallverarbeitung und Elektrik sowie

filigrane Formen machen schon immer Märklin-Spielzeug

aus. Neben den aktuellen technischen Entwicklungen

sind uns Nostalgie und Emotion ebenso wichtig.

Wir wollen eine Verbindung zwischen den

Generationen schaffen. Auch dass unsere Produkte

Söhne, Väter und Opas gleichermaßen begeistern und

zusammenbringen.

Und wer passt zu Ihnen?

Basierend auf diesen Eigenschaften können wir uns

den Namen Märklin etwa für Werkzeuge vorstellen.

Viele unserer Kunden sind richtige Heimwerker, die

neben der Modellbahn auch anderes selbst fertigen.

Deshalb führen wir unter anderem Gespräche mit

möglichen Lizenznehmern in naheliegenden Bereichen,

die in Deutschland produzieren, aber selbst nur

eine weniger starke Marke haben.

Soll das Lizenzgeschäft zur zweiten Säule werden?

Ja, aber davon sind wir noch weit entfernt, da das Unternehmen

in der Vergangenheit keine ähnlichen Versuche

unternommen hat. Bei Produkten außerhalb unserer

Sparte sehen wir es als sinnvollen Schritt an, uns

kompetente Partner zu suchen, die in ihrem Fach Spezialisten

in Fertigung, Vertrieb und Marketing sind.

Umgekehrt kennen sie das Lizenzgeschäft ja über

die Simba-Dickie-Gruppe, die ihr Großvater

Fritz und ihr Vater Michael gegründet haben.

Das ist der Inbegriff eines Spielzeugherstellers,

der durch Lizenzen

groß geworden ist.

Das stimmt. Ich kenne das Geschäft von der

anderen Seite. Simba Dickie gehört zu den größten

Lizenznehmern für Spielwaren in Europa.

Haben Sie eigentlich als Kind Modelleisenbahn

gespielt?

Als ich etwa sieben Jahre alt war, habe ich zusammen mit

meinem Opa im Keller an einer Modelleisenbahn gebaut.

Das waren bestimmt zwei, drei Abende die Woche.

Hand aufs Herz, war das eine Märklin?

Das war eine Märklin. Mein Opa meinte immer, es gäbe

nur eine Marke für Modelleisenbahnen.

Was tun Sie dafür, dass mehr Ihrer Produkte für

Kinder von „My World“ und „Start Up“ unter dem

Weihnachtsbaum liegen?

Gegenüber dem Vorjahr haben wir unsere Anstrengun-

12


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[titelthema]

gen im Marketing erhöht. Zum Beispiel durch eine

großangelegte TV-Kampagne in der Vorweihnachtszeit.

Unsere Spots sind vier Wochen lang auf drei Kinder-Sendern

hauptsächlich zwischen sechs und neun

Uhr morgens gelaufen. So wollen wir Märklin „My

World“ bei den Kids bekannter machen.

Und für Märklin „Start Up“?

Hier setzen wir auf eine umfangreiche Online-Kampagne

auf Youtube, Google, Facebook und Co. Dazu gehören

Videos und Themenseiten, mit denen wir die Themenwelt

„Containerverladung“ bewerben. Diese läuft

parallel zur TV-Kampagne. Wir erhoffen uns dadurch

eine deutliche Steigerung der Abverkäufe im Handel.

Wie hoch ist der Umsatz mit Produkten für Kinder?

Die zwei Kinderlinien machen noch unter 10 Prozent

unseres Umsatzes aus. Es gibt aber auch Kinder, die die

Produkte für Profis kaufen.

Welche neuen Wege gehen Sie, um den Fachhandel

zu unterstützen?

In Hamburg und Schleswig-Holstein läuft gerade ein

Pilotprojekt, das gezielt den Fachhandel stärken soll.

Die breitangelegte Markenkampagne bespielt mehrere

Kommunikationskanäle. Einmal sind das 2,9 Millionen

Posteinwurfsendungen, wie „Einkauf aktuell“, in

denen Märklin-Produkte auf der Titelseite und der Seite

3 zu sehen sind. Weitere Bausteine sind TV- und Radiowerbungen

auf regionalen Sendern, sowie Plakate

Florian Sieber will die Marke

Märklin in Lizenz vergeben.

Mit einer Agentur sucht er

Partner, die zur Göppinger

Traditionsfirma passen.

WAS ZÄHLT SIND

WERTE,

AUSDRUCK

UND SIE.

Know your classics. USM pflegt die wohlüberlegte Reduktion:

klassisches Design, klare Formen, unaufdringliche Eleganz.

#usmmakeityours

buchbrunnenweg 16, 89081 ulm, tel. 0731-96 77 00

dreiköniggasse 20, 89073 ulm-innenstadt, objekt@fey-ulm.de, www.fey-ulm.de

www.usm.com

13


Florian Sieber stärkt den

Fachhandel. Im Zuge einer Pilot-Kampagne

für die Zielgruppe

55plus tauscht Märklin

alte Gleise in neue um.

im öffentlichen Nahverkehr und im Fachhandel. Das

Ganze läuft unter dem Mantel „Deutschland sucht den

Märklin Schatz“.

An wen richtet sich die Kampagne?

Primär an die Zielgruppe 55plus. Ziel ist es, dass der

Opa mit seinem Enkel das Hobby Modelleisenbahn

aufgreift. Durch verständlich aufbereitete Informationen

soll dem Großvater der Sprung in die Digitalwelt

erleichtert werden, in der sich die Enkel ohnehin auskennen.

Jeder, der sich anmeldet, nimmt automatisch

an einem Gewinnspiel teil. Zusätzlich bekommt er die

Möglichkeit, alte Metallgleise inklusive

Trafo dank eines saftigen

Rabattes in moderne C-Gleise und

ein digitales Fahrgerät umzutauschen.

Wie messen Sie die Entwicklung

der Abverkäufe?

Das läuft über unseren Stammsitz

Göppingen. Kunden, die sich anmelden,

werden hier erfasst und

bekommen ihr Informations-Set per Post zugeschickt.

Zu diesem gehört eine Liste mit Fachhändlern in der

jeweiligen Region, an die sich der Kunde bei Fragen

wenden kann. Die ausgewählten Händler sind sehr

kompetent und können beispielsweise auch alte, analoge

Loks instand setzen und digitalisieren. Dem Paket

liegt außerdem eine Einführung in die Digitalwelt bei.

Ein reales Großvater-Enkel-Paar aus Stuttgart – Horst

und Tim – erklären, wie die Modellbahn heute funktioniert

und was nötig ist, um alte Bahnen aufzurüsten.

Warum gerade im hohen Norden und nicht in Baden-Württemberg?

Weil wir einen repräsentativen Schnitt für ganz

Deutschland benötigen. In Baden-Württemberg ist

Märklin sehr bekannt, deshalb wäre das Ergebnis nicht

übertragbar. Im Norden kennt man uns weniger. Hamburg

repräsentiert den städtischen Raum, Schleswig-

Holstein den ländlichen. Das heißt, wir haben auf der

Hilfe für

Großväter

beim Einstieg

in moderne

Märklin-Welt

einen Seite hohes Einkommen, aber wenig Platz. Auf

der anderen Seite etwas weniger Einkommen dafür

mehr Fläche, die ist zum Modelleisenbahnbau wichtig.

Firmen wie Lego und Playmobil haben es geschafft,

sich neu zu erfinden? Was kann Märklin tun, um im

Einzelhandel nicht abgehängt zu werden?

Wir sind in der Fläche nicht mehr so breit vertreten wie

früher, haben aber nach wie vor beispielsweise mit

Müller, Conrad, Toys „R“ Us, Spielemax und My Toys

große Partner. Im Spielwarenfachhandel, der nicht auf

Modelleisenbahnen spezialisiert ist, haben wir mit unseren

Kinderprodukten wieder

Fuß gefasst. Das ist ein schwieriger

Kampf. Wir müssen uns für jedes

Geschäft Maßnahmen überlegen,

mit denen wir die Abverkäufe steigern

und dem Händler ausreichend

Marge und Drehgeschwindigkeit

bieten können. Da spielen

TV-Kampagnen, Online-Aktionen

und unser Auftritt am Point of Sale

(POS) mit rein.

Was sind geeignete Maßnahmen in den Läden?

Bestenfalls haben wir eine Spielfläche, auf der Kinder

und Eltern unser Produkt sehen und erleben. Viele Eltern

denken noch immer: Märklin ist teuer und kompliziert.

Wenn sie das Produkt aber ausgepackt in der

Hand halten, bemerken sie, dass es sich hier um ein

bezahlbares, leicht zu bedienendes Kinderspielzeug

handelt. Das verschafft uns nachweislich bessere Umschlagsgeschwindigkeiten

und Umsätze. Jedes Jahr

statten wir 20 bis 30 Geschäfte mit modernen POS-

Ständen aus.

Märklin ist für sein großes Sortiment bekannt.

2016 haben Sie das Angebot für Sammler verringert.

Wie waren die Reaktionen?

Wir haben es in der Vergangenheit nicht geschafft, alle

Produkte, die wir neu angekündigt haben, innerhalb

des Jahres auszuliefern. Wir haben stets 50 bis 100 Pro-

14


dukte ins neue Jahr genommen. Daher haben wir weniger

Produkte angekündigt, um die Liste aus den Vorjahren

abzuarbeiten. Trotz der Aufarbeitung der Vorjahre

liefern wir mehr Produkte aus als im vergangenen Jahr.

Schaffen Sie es, alle angekündigten Produkte in

diesem Jahr auszuliefern?

Nein, nicht ganz. Das liegt zum einen daran, dass wir

einen kleinen Puffer benötigen und manchmal auch

von Lieferanten nicht rechtzeitig beliefert werden. Wir

sammeln im Laufe des Jahres Aufträge, die teilweise

noch im Januar und Februar abgearbeitet werden. Früher

lief das bis weit in den April hinein.

Der Modelleisenbahnmarkt ist seit Jahren schwierig.

Woran liegt das?

Modelleisenbahnen sind teurer geworden. Das hängt

mit dem Anspruch der Kunden zusammen. Die Bahnen

müssen immer filigraner, technisch auf dem neuesten

Stand und mit vielen Features wie Sound und Licht ausgestattet

sein. Das hat die Preise in die Höhe getrieben

und einige Kunden mit weniger Budget vergrault.

Gleichzeitig haben sich Stückzahlen verringert …

Was ebenfalls die Herstellungskosten pro Stück erhöht.

Heute stellen wir bei einer Neukonstruktion

nicht mehr 20.000 Bahnen her, sondern etwa 5000 in

mehreren Varianten.

Warum investieren Sie die stolze Summe von 11,3

Millionen Euro in das Märklin-Museum?

Das Museum ist für uns ein Prestige-Projekt. Als wir das

Märklin-Museum zum ersten Mal sahen, konnten wir

kaum glauben, dass solch eine große Marke in den

Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses untergebracht

ist. Eher ein Shop als ein Museum. Dazu kamen

Briefe von Märklinisten, die extra nach Göppingen

gereist und enttäuscht waren, als sie das Museum

besichtigt hatten. Dass dort etwas passieren muss, war

uns klar. Priorität hatten aber zunächst die Investitionen

in Produktion und Vertrieb.

Wie finanzieren Sie das Großprojekt?

Einen Teil der Finanzierung stemmen wir, indem wir

die Märklin-Sammlung an eine Stiftung der Sparkasse

Göppingen verkaufen. Über die Hälfte der Investition

müssen wir selbst aufbringen. Auch wenn es uns nicht

leicht gefallen ist, die Sammlung abzugeben, wissen

Der Märklin-Chef bremst bei

der Zahl der neuen Produkte.

Lieber weniger ankündigen,

aber diese auf den Markt

bringen, lautet die Devise.

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.

Mehr über die Faszination der bulthaup Küche

erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.

www.gruener-bulthaup.de

bulthaup bei Grüner

Grüner GmbH. Neue Straße 113. 89073 Ulm

Tel. 0731 92 70 59 30

15


[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Produktion in Göppingen: In den Märklin-Produkten steckt viel Handarbeit. Für Kinder ab drei Jahren geeignet: der „My world“-Zug LINT.

Zügig in die digitale Welt

Mit Schwung führt Firmenchef Florian

Sieber die Gebr. Märklin & Cie. GmbH in

die digitale Welt. Dazu tragen auch die

Produktlinien „My world“ für Vorschulkinder

und „Start Up“ für Kinder ab sechs

Jahren bei. In die Entwicklung von neuen

Produkten im Einsteiger-Segment investiert

das Unternehmen im Geschäftsjahr

2016/17 mehr als eine 1 Million Euro.

Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes

von zuletzt 96 Millionen Euro entfallen jedoch

auf Produkte für Modellbahnprofis

und Sammler. Sieber hat auch das Märklin-Marketing

modernisiert. Die Kundenansprache

erfolgt mittlerweile auch über

Facebook und Twitter. Zudem setzt Märklin

bei der Vorstellung seiner Produktneuheiten

auf Augmented Reality. Über

eine zuvor heruntergeladene App können

Fans der Marke sich per Smartphone-Kamera

beispielsweise Loks dreidmensional

zeigen lassen und Licht- und Soundeffekte

auslösen. Zum 1859 als Blechspielzeughersteller

gegründeten Unternehmen

zählen die Marken Märklin, Trix und

Lehmann-Gartenbahn. Das Unternehmen

beschäftigt in Göppingen und Györ (Ungarn)

knapp 1200 Mitarbeiter – 470 davon

im Stammwerk Göppingen. Die Höhe

des Gewinns nennt Märklin nicht. AMB

wir sie in guten Händen und garantieren damit ihren

Verbleib in Göppingen.

Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus?

Museen sind nur in den seltensten Fällen profitabel zu

betreiben. Unser Ziel ist eine schwarze Null. Sprich,

wenn unsere Investitionen, die damit verbundenen

Abschreibungen und laufende Kosten

annähernd durch die späteren

Einnahmen gedeckt werden, sind

wir zufrieden. Das Museum wird

die Marke Märklin aber im Hinblick

auf PR und Marketing aufwerten

sowie überregionale Besucher

nach Göppingen bringen.

Spaß haben

beim

Rangieren im

neuen

Museum

Was wird diese erwarten?

Im Jahr 2018, in dem das Museum

eröffnet werden soll, können wir nicht nur Exponate in

Vitrinen stellen und hübsch beleuchten. Wir wollen den

Gast – auch Nicht-Sammler und Familien – von der Modelleisenbahnwelt

begeistern. Das schaffen wir nur

durch interaktive Gestaltungselemente. Besucher sollen

selbst ausprobieren können. Etwa mittels Rangierwettbewerben,

bei denen sie Container verladen müssen

oder die Anlage mit Tablet und Handy steuern können.

Die Gäste sollen sich als Teil der Märklin-Welt fühlen.

Wie wird diese Welt aussehen?

Diese wird aus drei Teilen bestehen. Einen davon bildet

die Ausstellung der Exponate, die vor allem für Sammler

und Märklinisten interessant

sein wird. Dann wird es interaktive

Bereiche geben. Wir wollen auf

moderne Weise zeigen, dass Modelleisenbahnen

nichts Altbackenes

sind, sondern dass innovative

Technik in den Aufbauten steckt.

Als dritten Teil bauen wir eine große

Anlage, die sich ständig weiterentwickelt.

Gäste können live mitverfolgen,

wie man so etwas

aufzieht. So wollen wir die Menschen nicht nur einmal,

sondern immer wieder nach Göppingen ziehen.

Es soll ja einen Sammler geben, der die weltgrößte

Märklin-Sammlung besitzt. Gibt es Pläne, diese

nach Göppingen zu holen?

16


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[titelthema]

Wir sind mit dem Mann aus Belgien in Kontakt und

planen, Teile seiner Sammlung als Leihgabe bei uns in

Göppingen zu zeigen. Hierfür haben wir bereits seine

Zusage. Bisher waren diese Sammlerstücke nicht öffentlich

zugänglich. Für uns ist das eine tolle Möglichkeit,

um immer wieder Highlights nach Göppingen zu

holen.

Warum eigentlich haben Sie und Ihr Vater vor drei

Jahren Märklin aus der Insolvenz gekauft?

Wir hatten diesbezüglich viele Gespräche. Anfang

2009 hat mein Vater erst abgewunken, da wir das Modellbahngeschäft

nicht kannten und es wenige Synergien

gibt. Auch die Kundschaft ist eine andere als die

bei Simba Dickie. Die hohe Komplexität von Modelleisenbahnen

war mit keinem unserer anderen Produkte

zu vergleichen. Mitte 2012 haben wir uns trotzdem

entschieden, die Produktion anzuschauen. Das Knowhow

und die Einstellung der Mitarbeiter haben uns

von Anfang an begeistert. Wir spürten, dass die Belegschaft

eine große Familie ist und Märklin wieder in die

Spur bringen wird. Das hat uns überzeugt.

Obwohl Modellbahn kein boomender Markt ist?

Das war uns bewusst. Und auch, dass wir den Umsatz

im ersten Schritt vermutlich nicht halten können. Das

haben wir in Kauf genommen, weil das Unternehmen

genug Substanz hat, um sinkende Umsätze auszugleichen.

Unser oberstes Ziel ist es, profitabel zu sein. Das

sind wir seit der Übernahme 2013. Nur so können wir

weiter investieren und neue Projekte aufziehen.

Warum sind sie als Geschäftsführer eingestiegen?

Das war anfangs nicht geplant. Ich sollte den Prozess in

Göppingen begleiten, kleine Synergien heben und die

Modellbahn verstehen lernen. Es stellte sich aber heraus,

dass der zweite Geschäftsführer andere Strategievorstellungen

hatte als wir. Daher trennten wir uns

von ihm. Auf die Schnelle fanden wir niemanden Neues.

Deshalb bin ich eingesprungen.

Manche Sammler bezeichnen Sie als Glücksfall für

das Unternehmen. Wie schwierig war es – für Sie

als damals 27-Jährigen – das Vertrauen der Sammler

und Mitarbeiter zu gewinnen?

Die Mitarbeiter haben einen gewissen Durchsatz an

Seit dem Jahr 2013 führt Sieber

den Modelleisenbahnhersteller.

Sein Einstieg als Geschäftsführer

war anfangs

nicht vorgesehen.

17


[titelthema] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

„So wie ich Wolfrad Bächle

vertraue, vertraut er mir“,

sagt Florian Sieber im Gespräch

mit Alexander Bögelein,

dem Redaktionsleiter

unternehmen [!]“. Die Geschlossenheit

der beiden Geschäftsführer

ist einer der

Faktoren für die erfolgreiche

Neuausrichtung.

Geschäftsführern erlebt. Aber es war lange kein geschäftsführender

Gesellschafter mehr da. Dass meiner

Familie das Unternehmen gehört, hat mir Rückhalt gegeben.

Dazu kam, dass ich mich von Anfang an sehr gut

mit meinem Kollegen Herrn Bächle (dem Technik-Geschäftsführer,

Anmerkung der Redaktion) verstanden

habe. Er kennt das Unternehmen und die Mitarbeiter

sehr gut. Schnell war klar, dass wir nicht, wie so oft in

der Vergangenheit gegeneinander, sondern miteinander

arbeiteten. Sowie ich ihm mein volles Vertrauen

geschenkt habe, vertraut er auch

mir. Das spüren die Mitarbeiter,

selbst diejenigen, die anfangs Zweifel

hatten. Wir stehen zu dem, was

wir bei der Übernahme von Märklin

versprochen haben: Nämlich,

dass wir alle Mitarbeiter in Göppingen

behalten wollen und auch weiterhin

auf unseren Standort in Ungarn

setzen.

Wir stehen zu

dem, was wir

beim Kauf

versprochen

haben

richtigen Entscheidungen treffen kann. Ich musste

mich in vielen Fällen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter

stützen, habe mich beraten lassen und in viele

Themen eingelesen. Was ich heute aus dem Stehgreif

beantworten kann, musste ich damals aufwändig recherchieren.

Wie schwierig ist es, für eine so komplexe Firma wie

Märklin Entscheidungen zu treffen?

Man muss sich Zeit für wichtige Entscheidungen nehmen.

Und natürlich war ich nicht

alleine: Herr Bächle, mein Vater

und die anderen Geschäftsführer

der Simba-Dickie-Gruppe standen

mir jederzeit zur Seite. Trotzdem

haben wir hin und wieder den falschen

Weg eingeschlagen. Auch

das gehört dazu – Fehler zu erkennen

und einen Schritt zurückzugehen.

Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Wie schwierig

war es, die richtigen Stellschrauben für die Neuausrichtung

zu finden?

Es dauert einige Zeit, sich in die Modellbahn einzufinden.

Deshalb habe ich mir auch nicht eingebildet, dass

ich nur allein aufgrund meiner Position immer die

Sie sind zugleich auch Junior Chef der Simba-Dickie-Gruppe

in Fürth. Sind Sie dort auch in Entscheidungen

involviert?

Nein, dadurch, dass ich hier in Göppingen von früh bis

spät beschäftigt bin, bekomme ich vom Tagesgeschäft

nicht alles mit. Allerdings werde ich über alle relevan-

18


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[titelthema]

FACHKRÄFTETAG

ULM & NEU-ULM

ten Entwicklungen informiert und mein Vater und ich

besprechen wichtige Themen in Nürnberg oder am Telefon.

Ich tue mein Bestes, um mich auf dem Stand der

Dinge zu halten und mitzuverfolgen, wo die Reise in

Fürth hingeht. Hin und wieder muss ich auch einen

Märklin-Tag opfern, wenn wichtige Ereignisse oder

Kundenbesuche im Ausland anstehen.

Was war ihr schönstes Erlebnis in den vergangenen

drei Jahren?

Schön ist es immer wieder, wenn Märklinisten auf Messen

oder am Tag der offenen Tür auf uns zukommen

und sich bedanken, dass wir das Unternehmen fortführen.

Wenn sie uns Feedback geben oder Mut machen,

dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das positive Feedback

gibt uns Rückhalt und bestärkt uns. Deshalb habe

ich trotz leichter Umsatzrückgänge keine Bedenken,

dass wir das nicht hinbekommen. Die Führungsmannschaft

hier im Unternehmen ist eine tolle, schlagkräftige

Truppe. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, seit ich

2013 hier angekommen bin. Die Arbeit macht mir Spaß

und ich bin stolz, die Entwicklung dieser großartigen

Marke mitzugestalten.

Wie lange bleiben Sie Märklin erhalten?

Das ist offen. Einen konkreten Termin für meine Rückkehr

nach Fürth gibt es nicht.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN

JOA SCHMID, STELLVER-

TRETENDER REDAKTIONS-

LEITER DER NWZ IN

GÖPPINGEN UND

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

GIACINTO CARLUCCI

7.10.2017

ratiopharm arena, Neu-Ulm

fachkräftetag.de

Der Fachkräftetag wird begleitet von

einer Sonderbeilage in der Südwest

Presse, einem Online-Auftritt und umfangreichen

Werbemaßnahmen.

Die perfekte Kombi für Ihr erfolgreiches

Personalmarketing.

Wir beraten Sie gerne.

T 0731 156-515

Bis 31.12.2016

Frühbucherrabatt

sichern!

19


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Auffanglösung

für Ravensburger

Großmetzgerei

Die insolvente Metzgerei Walser

+ Schwaderer GmbH aus Ravensburg

hat einen Käufer: Die

Auffanggesellschaft Walser Spezialitäten.

Deren Hauptgesellschafter

Guido Meurer ist geschäftsführender

Gesellschafter

der Bösinger Fleischwaren

GmbH (Kreis Rottweil). Auch

die bisherigen Geschäftsführer

Oliver Kvas und Reinhard Wrobleksi

sind Gesellschafter. Im

Sommer hatte die Walser +

Schwaderer GmbH (Jahresumsatz

von 12,5 Millionen Euro),

Insolvenz angemeldet. Die

Großmetzgerei hat 23 Filialen,

unter anderem in Ravensburg,

Friedrichshafen, Wangen und

und Biberach. Die Filialen und

mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze

sollen erhalten bleiben.

Deutsche Bahn

investiert in

Lindau

130 Millionen Euro wird die

Bahn AG in Lindau investieren,

unter anderem in den Insel-

Bahnhof für den Regionalverkehr

und den Bahnhof für Fernund

Nahverkehrszüge im

Ortsteil Reutin. Bis Ende 2020

soll die Strecke Lindau –München

elektrifiziert werden,

ebenso die Strecke Friedrichshafen

– Ulm. Die Fahrt nach

Stuttgart verkürzt sich dadurch

um 45 Minuten. Lindau soll in

Zukunft Bahnknoten für Allgäu,

Bodensee, Vorarlberg und

die Ostschweiz sein.

Sana Kliniken

investieren

in Biberach

Ein Akutkrankenhaus mit 370

Betten und sieben OP-Sälen entsteht

ab Frühjahr 2017 in Bibe

Erster Mieter für Sedelhöfe

Die Drogeriemarkt-Kette DM ist der erste Mieter des Ulmer

Einkaufszentrums Sedelhöfe, das 2019 eröffnet werden soll.

Dort laufen die Bauarbeiten (rechter Bildrand) ebenso wie für

die Tiefgarage am Bahnhof mit 520 Plätzen. Im Laufe der

nächsten fünf Jahre kommt der Bau der zweiten Straßenbahnlinie

samt Haltestellen sowie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes

hinzu. Dementsprechend hoch ist die Staugefahr.

Das Bild entstand außerhalb der Hauptverkehrszeiten.

rach. Kostenpunkt: 100 Millionen

Euro. Wie bei den anderen

drei Sana-Kliniken im Kreis Biberach,

ist Beate Jörißen Geschäftsführerin.

Die Baugenehmigung

umfasst 13

Aktenordner. Die Sana Kliniken

AG ist mit 48 Krankenhäusern

und 30.000 Mitarbeitern der

drittgrößte Klinikverbund in

Deutschland.

Geno-Bank

schließt neun

weitere Filialen

Foto: Siegfried Geyer

Die Volksbank Raiffeisenbank

Laupheim-Illertal schließt im

April 2017 neun weitere Geschäftsstellen

in Baltringen,

Baustetten, Bußmanns hausen,

Hörenhausen, Orsenhausen,

Schönebürg, Oberholzheim, Ellwangen

und Haslach. In Kirchberg,

Dettingen und Tannheim

reduziert das Institut die Öffnungszeiten.

Derzeit wird geprüft,

ob die Geno-Bank ihren

älteren Menschen auf Bestellung

Bargeld ins Haus bringt.

Solarauto aus

Bad Saulgau geht

an den Start

Ende des Jahres soll es seine

Straßenzulassung erhalten: Das

Solar-Auto „G-Cart“ des mittelständischen

Unternehmens Ge-

Ho Solartechnik aus Bad

Saulgau (Kreis Sigmaringen). 45

Stundenkilometer ist es schnell,

480 Kilo schwer und soll weniger

als 20.000 Euro kosten. Die

Serien-Fertigung wird in Bad

Saulgau sein. Die Materialien

dafür stammen überwiegend

von Firmen aus der Region. Geschäftsführer

Gerhard Holderried

verspricht eine Reichweite

von 100 Kilometern. Hauptzielgruppe

sind Golfclubs, Pizza-

Services oder Medikamenten-

Auslieferer.

Im Südwesten

bleiben 7200

Lehrstellen leer

Viele Betriebe in Baden-Württemberg

suchen händeringend

nach qualifizierten Bewerbern

für offene Lehrstellen. Für das

Ausbildungsjahr 2016/2017

konnten 7168 Stellen nicht besetzt

werden. Das sind 17 Prozent

mehr als noch vor einem

Jahr, sagte der Stuttgarter Regionalchef

der Bundesagentur für

Arbeit, Christian Rauch. Groß

ist der Nachwuchsmangel in

Hotel- und Gastgewerbe, im

Handel und bei zahnmedizinischen

Fachangestellten.

Grenzenlose

Finanzierung

des Allgäus

Die Ferienregion Allgäu-Bodensee

beteiligt sich ab Januar mit

50.000 Euro jährlich an der bayerischen

Marketing-Gesellschaft

Allgäu GmbH. Sie will

damit den Anschein des „Trittbrettfahrens“

vermeiden, teilte

das Gästeamt Wangen mit. Bislang

wird die Gesellschaft von

den vier bayerischen Allgäuer

Landkreisen und den dortigen

kreisfreien Städten finanziert.

Das Gesamtbudget der Allgäu

GmbH lag im vergangenen Jahr

bei 3,8 Millionen Euro. [!]

20


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[spezial]

Nicht nur zum Auftakt strömen die Besucher in die Fertighauswelt nach Günzburg.

Auf die Plätze – fertig – Haus

Ihre Bauzeit ist kurz, die Grundrisse flexibel, sie erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen und erfreuen sich im

Südwesten großer Beliebtheit: Europas modernste Ausstellung von Fertighäusern steht in Günzburg.

Die Erwartungen an die Besucherresonanz

waren hoch, „doch sie sind bei

weitem übertroffen worden“, sagt

Christoph Windscheif, Marketing-Chef des

Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF).

Rund 17 Millionen Euro hat der Verband in

die Fertighauswelt Günzburg investiert. Allein

am Eröffnungswochenende strömten

8300 Menschen dorthin, um sich 17 Musterhäuser

auf der 22.000 Quadratmeter großen

Anlage anzuschauen. Das waren mehr als bei

der Eröffnung der Fertighauswelten in Köln,

Wuppertal, Hannover und Nürnberg. Bis Ende

November und damit in den ersten acht

Wochen waren es rund 20.000. Zum Vergleich:

Ursprünglich waren 50.000 Besucher pro Jahr

angepeilt. Diese Zahl zu Grunde gelegt würde,

nach einer Faustregel in der Branche, die Fertighaus-Welt

Günzburg als erfolgreich gelten,

wenn pro Jahr 0,8 Prozent der angepeilten Besucher,

sprich rund 400 Menschen, dort ein

Haus kaufen. Der Standort in Günzburg bietet

viele Vorzüge. Er liegt verkehrsgünstig an der

A8 in einer wirtschaftsstarken Region. Das benachbarte

Legoland Deutschland lockt Familien

mit Kindern an, also die Hauptzielgruppe

der Fertigbauer. Zudem liegt die Fertighaus-

Welt direkt an der Landesgrenze zu Baden-

Württemberg. Im Südwesten liegt der Marktanteil

der Fertigbauer mit 30 Prozent über

dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent.

KONKURRENZ ZU ULM

Bundesweit gibt es 18 Hausausstellungen, ihr

je weiliges Einzugsgebiet reicht anderthalb

Fahr stunden. Dass mit dem Hausbaucenter

Ulm und der Fertighauswelt Günzburg zwei

nur 30 Kilometer voneinander entfernte

Standorte existieren, ist selten. Der Hintergrund:

Der BDF hielt den Auftritt und den Besucher-Service

des Hausbaucenters Ulm für

verbesserungswürdig. In Günzburg befindet

sich nach Windscheifs Worten nun die modernste

Fertighausausstellung Europas. Zum

Konzept für Günzburg gehören hohe Anforderungen

an nachhaltiges Bauen, sagt BDF-Präsident

Johannes Schwörer. Die Branche sei

Trendsetter in den Themen Energieeffizienz,

Dämmung und Haustechnik. Weiterer Vorteil:

Vom Vertragsabschluss über die Fertigung im

Werk bis zur Montage auf der Baustelle liegen

nur vier bis sechs Monate. Die Bauausführung

sei wegen der industriellen Vorfertigung gut

und der Bauherr bekomme alles aus einer

Hand. Aktuell komme Schwung in das Thema

„Smart Home“, auch weil sich die Einstellung

der Verbraucher in den vergangenen zehn Jahren

zu der Technik verändert habe. Auch für

das Zeitalter der E-Mobilität sieht er die Branche

gerüstet. Viele Fertighäuser sind Plus-

Energie-Häuser, sie verbrauchen weniger

Energie, als sie erzeugen. „Die Energie, die das

Haus tagsüber erzeugt, können die Bewohner

abends nutzen“, sagt Schwörer – und damit das

Elektro-Auto aufladen. [!]

AMB

www.fertighauswelt-guenzburg.de

21


[finanzieren] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Die Tücke der Versorgungslücke

Viele Selbstständige und Freiberufler sorgen privat für ihren Ruhestand vor. Doch kaum jemand hat eine

Vor stellung davon, wie viel Geld er zurücklegen muss, damit nicht im Alter herbe finanzielle Einbußen drohen.

Das deutlich sinkende Niveau

der gesetzlichen Rente

und niedrige Zinsen am Kapitalmarkt

machen die

Alter svorsorge zum Spagat.

22


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

Kommende Rentnergenerationen in

Deutschland werden den Gürtel enger

schnallen müssen. Jüngsten Prognoserechnungen

des Bundesarbeitsministeriums

zufolge wird das Niveau der gesetzlichen Rente

bis zum Jahre 2030 auf 44,5 Prozent des letzten

Brutto-Einkommens absinken. Mit dieser

Altersrente kann allerdings nur der so genannte

Eckrentner rechnen, der 45 Jahre lang

gearbeitet hat und in dieser Zeit stets den sozialversicherungspflichtigen

Durchschnittsverdienst

erzielt hat.

Viele Unternehmer und Freiberufler werden

sich mit diesen Zahlen gar nicht erst beschäftigen.

Denn selbst wenn sie Ansprüche in der

gesetzlichen Rentenversicherung durch Anrechnungs-

und Beitragszeiten im Rahmen

einer Festanstellung gesammelt haben – mit

der Rente, die daraus in 20 oder 30 Jahren resultiert,

haben sie kaum ein komfortables

Auskommen im Alter. Mit dem Wechsel in

die Selbstständigkeit sorgen die meisten privat

fürs Alter vor. Doch auch in diesem Fall

drohen herbe Versorgungslücken, denn die

niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt drücken

die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen

ebenso wie etwa die Rentenzusagen von

berufsständischen Pensionskassen. Gleichzeitig

wirft das eigene Sparvermögen auf Bankkonten

kaum noch Erträge ab. Das bringt viele

Rentenpläne ins Wanken.

[finanzieren]

VORSORGE IM BLINDFLUG

Dabei haben die meisten Selbstständigen,

wenn überhaupt, nur eine vage Vorstellung

davon, wie hoch ihre Rentenlücke ausfällt.

„Die Rentenlücke ist wie das Bermuda-Dreieck

der Geldanlage. Jeder hat davon gehört,

aber keiner weiß etwas Genaues“, sagt Torsten

Homann, Portfoliomanager bei Taunus Investment.

Schließlich lässt sich kaum abschätzen,

wie sich die Renditen an den Kapitalmärkten,

aber auch die allgemeinen

Lebenshaltungskosten in den kommenden

Jahren, geschweige denn Jahrzehnten, entwickeln

werden.

Außerdem verfügen Freiberufler und Unternehmer

nicht über ein festes Einkommen. Sie

können bestenfalls schätzen, wie viel sie zum

Ende ihrer aktiven Berufsphase hin verdienen

werden. Dazu kommt, dass angesichts von

Termin- und Arbeitsdruck viele Selbstständige

den Aufwand in Sachen Nachjustierung bei

der eigenen Altersvorsorge scheuen. „Häufig

wird das erstbeste, vermeintlich passende Produkt

genommen – und damit das Thema Altersvorsorge

abgehakt“,

beschreibt

Michael Huber,

Mitglied der Geschäftsführung

des Beratungsunternehmens

VZ

Vermögenszentrum,

einen Kardinalfehler.

Dabei besteht Michael Huber, Vermögenszentrum

München.

auch für Selbstständige,

die gut

verdienen, fast immer Handlungsbedarf, wie

Berechnungen von zwei Experten zeigen, die

unternehmen[!] zu einem Vorsorgecheck von

zwei Beispielfällen gebeten hat. Denn auch

wer viel Geld in seine Altersvorsorge steckt,

muss damit rechnen, dass im Alter die Versorgungslücke

viel größer ist als angenommen.

„Das Versorgungsziel sollte bei etwa 80 Prozent

des geschätzten letzten Netto-Einkommens

liegen“, gibt Gerhard Miller, Vorsitzender

des Regionalverbands Süd des

Bundesverbands deutscher Versicherungskaufleute,

eine Richtmarke vor. „Von diesem

Betrag ziehe ich dann ab, was ich an Versorgungsansprüchen

habe und weiß, was ich

dann noch bräuchte, wenn ich diese Lücke

schließen will.“ Das klingt nach einer einfachen

Rechnung, aber der Teufel steckt im Detail

– weil sich zum Beispiel Ablaufleistungen

von Lebensversicherungen nur schätzen lassen.

„Dazu kommen steuerliche Gesichtspunkte

und die Frage, ob Wohneigentum vorhanden

ist. Dadurch wird das Thema sehr

schnell komplex“, erläutert Miller.

ANSPARSUMME 760.000 EURO

Das zeigt sich bereits beim ersten Beispiel: Susanne

Kerber arbeitet seit zwei Jahren als selbständige

Grafikerin. Die 34-Jährige ist ledig

und Mutter eines dreijährigen Kindes. Nach

dem Studium, das sie mit 25 Jahren beendet

hat, arbeitete Kerber zunächst bei verschiedenen

Agenturen in fester Anstellung. Der Bruttoverdienst

lag im Schnitt bei 40.000 Euro. In

dieser Zeit hat sie in die gesetzliche Rentenversicherung

eingezahlt, einen Riestervertrag

abgeschlossen, auf dem mittlerweile rund

12.000 Euro angespart sind, und privat rund

10.000 Euro in Fonds und auf Sparkonten angespart.

Mit der Geburt ihres Sohnes hat Kerber

zuerst die Elternzeit genutzt und danach

erste freie Aufträge angenommen. Nachdem

ihr Kind nunmehr in den Kindergarten geht,

Betriebliche Altersvorsorge:

Profitieren auch

Sie von unserer

Komplettlösung

aus einer Hand!

Langjährige Erfahrungen

sowie beste Referenzen!

Mehr Informationen vom

bewährten Spezialisten für

betriebliche Altersvorsorge:

Flurweg 15

89134 Blaustein-Weidach

Telefon 0 73 04-20 20

info@haible-gmbh.de

www.haible-gmbh.de

23


[finanzieren] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Das 2 x 2 zur Altersvorsorge

Die Experten Michael Huber und Gerhard Miller

stellen ihre Überlegungen zu unseren zwei

Fallbeispielen vor (Renteneintritt mit 67 Jahren):

Klaus Marten (49) ist angestellter

Geschäfts führer. Jahresgehalt 200.000 Euro

plus erfolgsabhängige Komponente im Durchschnitt

von 100.000 Euro. 12.000 Euro in einem Rürup-Vertrag,

100.000 Euro Vermögen (in Wertpapieren).

Schuldenfreies Haus. Die Restschuld eines

Appartements: 65.000 Euro (monatliche Belastung

500 Euro aus Darlehen).

Beispielrechnung Michael Huber

Risikobereitschaft

mittel

Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) > 3,5%

Versorgungsziel

Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 6000 €

Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 8569 €

Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 3450 €

Verbleibendes Versorgungsziel 5119 €

Sparziele bis Ruhestand

Notwendiges Kapital 4) 1.340.000 €

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3050 €

Empfohlene Sparvehikel

neu

weiterzuführen

Beispielrechnung Gerhard Miller

ETF Sparplan (Aktienindizes)

gesetzl. Rentenversicherung

Kapitallebensversicherng

Gesetzliche Rente 2500 €

betriebliche Rente 1500 €

Gesamt 4000 €

Nettoeinkommen 14.000 €

Versorgungsziel: netto 80% 11.000 €

Versorgungslücke 7000 €

Sparziele bis Ruhestand

Notwendiges Kapital 6) 1.000.000 €

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3000 €

Empfohlene Sparvehikel

weiterzuführen

Anmerkungen:

1)

Eigener Anteil

Basisrente, Riester-Rente, Fondssparplan

gesetzl. Rentenversicherung, Betriebsrente,

Kapitallebensversicherng

2)

Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.

3)

Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.

4)

Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.

5)

Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen

Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.

6)

Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender

Kapitalerträge

baut sie diese freiberufliche Tätigkeit aus. Sie erwartet, dass sie im

kommenden Jahr etwa 50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht. Sie

will sich nun absichern und für ihr Alter vorsorgen.

Nach Berechnungen von VZ-Experte Huber muss die Grafikerin bis

zum Beginn der Rente 760.000 Euro ansparen und dafür 1000 Euro pro

Monat zurücklegen. „Das wirkt sehr hoch“, sagt Huber. „Aber es ist zu

berücksichtigen, dass in diesem Fall nur geringe gesetzliche Rentenansprüche

bestehen und auch keine weiteren Beiträge zur gesetzlichen

Rentenversicherung mehr geleistet werden. Somit gibt es auch

mehr Spielraum, die notwendige Sparrate zu leisten.“ Dennoch: Das

monatliche Sparziel für die junge Mutter ist hoch. Bei dem von ihr

angepeilten Jahresumsatz ist das – wenn überhaupt – nur dann zu

schaffen, wenn sie auf eine staatlich geförderte Anlageform wie die

Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, zurückgreift.

KAUM GELD ZUM LEBEN

Versicherungsexperte Miller empfiehlt neben der Basisrente zudem,

den Riestervertrag so hoch wie möglich weiter zu besparen und dessen

Steuervorteile zu nutzen. Sie könne auch überlegen, freiwillig

weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Damit

erhöhe sich die gesetzliches Rente zwar, doch das reiche nicht, um

im Alter abgesichert sein.

Er empfiehlt der Grafikerin zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung,

um das Risiko einer Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Dazu

eine Risikolebensversicherung über mindestens 100.000 Euro, um

ihre Familie abzusichern. Auch kann sich die Freiberuflerin überlegen,

sich privat statt weiterhin gesetzlich krankenzuversichern. „Alles

in allem kommt sie damit in eine finanzielle Größenordnung, bei

der ihr kaum noch genug Geld zum Leben bleibt. Sie kann also nicht

mehr Geld zurücklegen.“

Dieses Problem stellt sich im anderen Beispielfall nicht: Klaus Marten

ist angestellter Geschäftsführer einer mittelständischen GmbH. Nach

dem Studium hat der 49-Jährige bei mehreren Unternehmen gearbeitet

und ist schnell aufgestiegen. Sein festes Jahresgehalt liegt bei

200.000 Euro, dazu kommt eine erfolgsabhängige Komponente, die

im Mittel 100.000 Euro beträgt. Er und seine Ehefrau, die nicht arbeiten

geht, besitzen bares Anlagevermögen von etwa 100.000 Euro und

eine Lebensversicherung (Vertragssumme 100.000 Euro), die in seinem

67. Lebensjahr fällig wird. Zudem zahlt er Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze

in die gesetzlichen Rentenversicherung. Er

hat die Zusage für eine Betriebsrente von 1500 Euro pro Monat. Das

Ehepaar besitzt eine eigene, selbst genutzte Immobilie, die schuldenfrei

ist. Zusätzlich haben die beiden vor vier Jahren ein Appartement

erworben, das ihrer Tochter zur Verfügung steht, die dort ein

Studium aufgenommen hatte. Nachdem diese ihr Studium abgeschlossen

hat, und finanziell auf eigenen Beinen steht, vermietet

Marten das Appartement (Restschuld 65.000 Euro). Die monatliche

Belastung aus dem Darlehen beträgt 500 Euro. Das Barvermögen

hat Marten eher konservativ in Wertpapieren und Fonds

angelegt. 20.000 Euro liegen auf Konten bei der Bank.

Auf den ersten Blick scheinen der 49-Jährige und seine Frau gut

versorgt. Seine Renten-Ansprüche liegen von heute aus gesehen

bei etwa 4000 Euro pro Monat. Bei einem Einkommen von rund

14.000 Euro (ohne Sonderzahlungen) liegt jedoch das Versorgungsziel

des Geschäftsführers bei etwa 11.000 Euro pro Monat.

„Das zeigt, dass bei der Altersvorsorge vieles relativ ist“, sagt Miller.

24


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[finanzieren]

„Mit seinem hohen Einkommen hat sich Herr Marten einen gewissen

Lebensstandard aufgebaut, den er wahrscheinlich halten möchte. Dazu

muss er auch im Alter Rücklagen bilden zur Instandhaltung der

Immobilien.“

Will er steuerliche Vorteile für seine Altersvorsorge nutzen – was sich

bei seinem hohen Einkommen anbietet –, wäre für ihn die Basisrente

die einzige Möglichkeit. Bei der Basis-Rente, auch Rürup-Rente genannt,

können Sparer 2016 einen Teil ihrer

Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung

geltend machen. 2016 sind das

82 Prozent. Jedoch gibt es einen

Höchstbetrag. Er orientiert sich

an der Beitragsbemessungsgrenze

zur Rentenversicherung und

am Beitragssatz zur knappschaftlichen

Rentenversicherung

(24,8 Prozent). 2016 ergibt sich so

ein Höchstbetrag von 22.766 Euro

zur Rürup-Rente. Der maximale Beitrag,

den Versicherte steuerlich anrechnen

lassen können, wächst demzufolge

auf 18.668 Euro (82 Prozent des Höchstbetrages) an. Verheiratete

können die doppelte Summe einzahlen, die in der Steuererklärung

berücksichtigt wird.

Eine Alternative ist, dass Marten privat mehr Geld anspart.

„Dabei sollte er unbedingt schwerpunktmäßig in

Aktien – etwa über Fonds – investieren und er sollte sofort

damit anfangen und regelmäßig investieren“, sagt

Huber. „Denn erstens ist sein Anlagehorizont lang genug,

weil es noch einige Jahre hin sind bis zum Renteneintritt.

Zweitens ist seine Risikobereitschaft mindestens

moderat, eher überdurchschnittlich hoch. Und drittens

verfügt Herr Marten bereits über ein hohes Gesamtvermögen

und hat seine Hausaufgaben gemacht.“ Zumal: Selbst

wenn der Geschäftsführer einen Aktienstock von 150.000 Euro aufbaut

– in der Betrachtung seines Gesamtvermögens ist er damit immer

noch ein konservativer Anleger. „Aktien haben zweifellos Risiken,

aber das größere Risiko ist es, keine Aktien zu haben“, sagt Huber

mit Blick auf die historisch guten Anlageergebnisse von Dividendenpapieren.

Zur Vorsicht rät er dagegen bei Immobilien. „Es heißt zwar

immer: Immobilien sind sinnvoller Baustein zur eigenen Altersvorsorge.“

Doch dafür sieht er Einschränkungen: „Der Käufer sollte sich

die laufende Rate auch im Worst-Case-Szenario leisten können. Er

sollte noch Eigenkapital übrig haben, nachdem er einen Teil des Kaufpreises

der Immobilie mit eigenen Mitteln gedeckt hat. Und drittens

darf ich nicht zu teuer einkaufen“, warnt Huber. Die Gefahr zu hoch

einzusteigen, ist jedoch groß. Die niedrigen Zinsen treiben derzeit die

Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern in die Höhe. Eigentumswohnungen

haben sich dem F+B-Immobilienindex zufolge

innerhalb der vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.

In Berlin oder München sind die Preissprünge noch höher.

Fraglich, ob sich der Einstandspreis bei einem Verkauf im Alter erzielen

lässt. „Das Risiko, mit der eigenen Immobilie etwas falsch zu machen

ist mindestens so groß wie die Chance, dass es ein gelungener

Bestandteil meiner Vorsorgestrategie wird“, sagt Huber. [!]


Gerhard Miller vom BVK,

Regionalverband Süd.

THOMAS LUTHER

Susanne Kerber (34), selbständige

Grafikerin, ledig, Mutter eines dreijährigen

Kindes. Neun Jahre angestellt mit einem Brutto-Jahresverdienst

40.000 Euro. Sie hat in einem

Riestervertrag 12.000 Euro und zudem 10.000

Euro angespart (davon 3500 Euro in einem Mischfonds).

Sie erwartet, dass sie im nächsten Jahr etwa

50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht.

Beispielrechnung Michael Huber

Risikobereitschaft

eher gering

Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) 2,0%

Versorgungsziel

Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 1700 €

Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 3268 €

Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 360 €

Verbleibendes Versorgungsziel 2908 €

Sparziele bis Ruhestand

Notwendiges Kapital 4) 760.000 €

Notwendige Sparrate pro Monat 5) 1000 €

Empfohlene Sparvehikel

neu

perspektivisch, daher weiter Tagesgeld aufbauen

Beispielrechnung Gerhard Miller

Rürup-Rente

Selbstgenutzte ETW

Bruttoverdienst Nettoverdienst 3300 € 2310 €

Versorgungslücke netto 2310 €

Regelaltersrente Lücke 984 € 1326 €

Erwerbsminderungsrente 748 €

Lücke bei voller

Erwerbsminderung

Lücke bei teilweiser

Erwerbsminderung

1562 € 1936 €

Hinterbliebenenrente Lücke 630 € 1680 €

Riester

jährlicher Eigenbeitrag 1430 €

Zulage (eigene + Kinderzulage 300 €) 454 €

Steuerersparnis 402 €

BU

BU-Rente 1800 €

Fondsguthaben bei 3% Wertentwicklung 24.087 €

Beitrag pro Monat 7) 150 €

Basisrente

monatlicher Beitrag 200 €

jährlicher Bruttoaufwand 2400 €

Nettoaufwand 1609 €

mögliches Fondsguthaben bei Renteneintritt 99.957 €

Anmerkungen:

1)

Eigener Anteil; sie geht davon aus, dann in einer Partnerschaft zu leben.

2)

Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.

3)

Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.

4)

Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.

5)

Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen

Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.

6)

Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender

Kapitalerträge

7)

Durchschnittswert

8)

Bei einer unterstellten Durchscnittsrendite von 3%

25


[machen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Fensterbauer mit

glasklarer Ausrichtung

Früher holte der Bartel bei Gugelfuss in Elchingen das Fass für den Most ab. Das

ist Geschichte. Das Familienunternehmen hat sich neu erfunden. Mit seiner

hochmodernen Produktion gehört es zu den Großen der Fensterbau-Branche.

Hochmoderne Fensterproduktion in Elchingen: Die Gugelfuss GmbH hat in den vergangenen Jahren rund 10 Millionen Euro am Stammsitz investiert.

Wer in der Unternehmensgeschichte

der Gugelfuss GmbH blättert, die

neue Produktionshalle nach einem

Rundgang in frischer Erinnerung, reibt sich

verwundert die Augen: Auf den alten Aufnahmen

spielen Fässer eine wichtige Rolle, ab

1960 werden Grünfuttersilos dokumentiert;

betrieben wurden zu dem Zeitpunkt eine

Mosterei und eine Brennerei und im Keller

gab es einen Verkaufsraum für Wein und Spirituosen.

Die ursprüngliche Küferei und ihre

Nebenlinien – alles längst Geschichte.

Heute, im Jahr 125 nach der Gründung, zählt

das Unternehmen aus Elchingen (Kreis Neu-

Ulm) zu den großen Anbietern im Fensterund

Türenbau. Das Unternehmen hat in den

vergangenen Jahren kräftig investiert und

fertigt heute stark automatisiert. Mit der neuen

Produktions- und Montagehalle am Elchinger

Stammsitz ging vor wenigen Jahren

ein vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb.

2017 soll das alte Zuschnitt- und Bearbeitungszentrum,

das Herzstück der Produktion,

durch ein neues ersetzt werden, die den

Automatisierungsgrad nochmals erhöht.

Rund zehn Millionen Euro wurden binnen

weniger Jahre investiert, sagt Anton Gugelfuß,

der sich mit seinem Neffen Martin die

Geschäftsführung teilt. Dritte im Familien-

Bunde auf der Leitungsebene ist mit Susanne

Gugelfuß-Dannerbauer als Prokuristin dessen

Schwester. Sie stehen für die vierte und fünfte

Generation des Familienunternehmens.

Das zuletzt hohe Investitionsniveau – beim

Umsatz hofft man in diesem Jahr die 40-Millionen-Euro-Schwelle

zu überschreiten – ist

gleichzeitig Ausdruck und Indiz für den rasanten

Wandel in der Branche. Sie ist nach wie

vor relativ kleinteilig und zersplittert. Aber

immer mehr der kleineren und kleinsten Betriebe

stellen die Produktion ein und verlegen

sich auf die Montage als Partner der Großen.

Diese wiederum unterliegen dem Zwang zu

weiterem Wachstum. Die Kehrseite ist, dass

mit der Ausweitung der Kapazitäten auch der

Druck auf die Preise zunehme, erläutert Martin

Gugelfuß. Zudem schüren osteuropäische

Billiganbieter den Konkurrenzdruck. „Es

herrscht Verdrängungswettbewerb“, ergänzt

sein Onkel. Doch im Moment – Spiegelbild

der guten Baukonjunktur – laufe der Absatz

gut.

Das Unternehmen profitiert dabei von der guten

Marktdurchdringung über die mehr als

650 Händler-Kunden. Diese kommen aus einem

Radius von 400 Kilometern und sorgen

für Aufträge und Absatz. Die zweite Vertriebschiene

ist das Direktgeschäft in einem engeren

Umkreis. Hier übernimmt Gugelfuss auch

die Montage. Auslieferungen erfolgen mit der

eigenen Transporter-Flotte.

Trotz industrieller Fertigung sind größere Serien

mit gleichem Maß selten. „Im Grunde ist

jedes Fenster ein Prototyp“, erläutert Martin

Gugelfuß. Das liegt an den unterschiedlichen

Die Firmenchefs: Martin Gugelfuß und sein

26


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[machen]

Wie im Fußball,

so im Geschäftsleben

Anton Gugelfuß ist in der Region Ulm

als Unternehmer, aber auch durch sein

Ehrenamt bekannt. Er ist neben Roland

Häußler und Thomas Oelmayer einer

der drei gleichberechtigten Vorstände

des Regionalligisten SSV Ulm 1846

Fußball und damit an federführender

Stelle mitbeteiligt an der Konsolidierung

und der Erholung des Vereins, der

bereits drei Mal insolvent war. Angefragt

vom Insolvenzverwalter, sei er

„aus der Num mer einfach nicht mehr

rausgekommen“, erzählt er und kann

sich auch hier auf der Erfolgsspur wähnen:

„Als ich anfing, waren es acht.

Heute sind es 170.“ Gemeint ist die Zahl

der Sponsoren, zu denen sein Unternehmen

bereits seit mehr als 40 Jahren

zählt. Auf die Frage, ob es zwischen

dem aktuellen Ulmer Fußball und der

Gugelfuss GmbH Gemeinsamkeiten gebe,

zögert Gugelfuß erst, dann antwortet

er mit seiner Maxime: „Niemals abheben,

immer die Bodenhaftung TV

Größen, aber auch an den unterschiedlichen

Anforderungen an Schall-, Brand- und Einbruchschutz

sowie unterschiedlichen Wärmewerten.

Diese Ausdifferenzierung habe

dazu geführt, „dass es herkömmliche, einfache

Fenster kaum mehr gibt“. Und selbst bei

Fenstern gibt es Trends. Derzeit sind graue

Profile und bodentiefe Formate angesagt.

130 unterschiedliche Hauptprofile, bezogen

von zwei Herstellern, enthält der „Baukasten“

des Fensterbauers. Die Komplexität von Produkt

und Aufgabe kommt ebenso im „Leitfaden

zur Montage“ des Instituts für Fensterbau

(Rosenheim) zum Ausdruck, der inzwischen

299 Seiten umfasst. Der Leitfaden definiert die

Onkel Anton Gugelfuß.

Standards der Branche und bildet bei Gugelfuss

die Basis für die internen Schulungen.

„In den zurückliegenden Jahren sind die Anforderungen

rasant gewachsen“, berichtet

Martin Gugelfuß. Eine hohe Kompetenz ist

das eine. „Das andere ist, dass unsere Kunden

gerne mit uns zusammenarbeiten sollen“,

nennt er eine weitere Möglichkeit der Profilierung.

Das Unternehmen habe Stammkunden

gewinnen können, „die nur auf uns setzen“.

Als die kleine Küferei um 1970 in den Kunststoff-Fensterbau

einstieg, waren weder Erfolg

noch weitere Perspektiven daraus absehbar,

erinnert sich Anton Gugelfuß. Mittlerweile

zählt das Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten

in Elchingen und weiteren 80 in den

Werken Straß (Kreis Neu-Ulm) und Beerwalde

(Thüringen) zu den Großen der Branche.

Gugelfuss verkauft jährlich rund 100.000

Scheiben-Einheiten und 4.800 Haustüren.

Alu-Fenster haben die Elchinger zwar ebenfalls

im Angebot, der weitaus größere Teil aber

wird aber aus PVC gefertigt. Den Anteil von

Kunststoff-Fenstern im Fensterbau allgemein

beziffert Anton Gugelfuß auf 65 Prozent. Der

Vorteil: Produktionsreste könnten komplett

recycelt werden. Stark rückläufig sei hingegen

der Anteil von Holzfenstern. [!]


THOMAS VOGEL

27


[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Gefährliche Abwärtsspirale

Dauerstress und in der Folge Burnout verursachen hohe Kosten für Unternehmen. Es ist höchste Zeit, dass das Thema

Gesundheit zur Chefsache wird und Mitarbeiter lernen, sich zu schützen, sagt Präventionsexperte Norbert Hüge.

Foto: © Simon Dannhauer / Fotolia.com

Christine Jung (Name von der Redaktion

geändert) sieht blass aus. „Ich fühle

mich schrecklich“, sagt sie. Die Endvierzigerin

arbeitet im Vertrieb eines Ulmer

Unternehmens, seit vier Monaten vertritt sie

zusätzlich einen erkrankten Kollegen.

„Manchmal ist mir schwindlig, manchmal fallen

mir die Wörter nicht mehr ein, abends bin

ich einfach nur noch platt“, erzählt sie. Aussicht

auf eine ruhigere Phase hat sie nicht.

All das, was Jung erzählt, sind Warnzeichen

für eine Überlastung, die in einem Burnout

münden kann. Dieser Begriff gehört zwar

nicht zum Abrechnungskatalog der Krankenkassen,

doch er ist eine Tatsache. Mit diesem

Syndrom beschreiben Ärzte und Therapeuten

einen psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand.

Das

Krankheitsbild

hat viele Facetten:

Die Symptome reichen

von Magenschmerzen,

Sodbrennen

und

Rückenschmerzen

bis zu Herzrasen,

Hörsturz, Drehschwindel,

aber

auch zu Antriebslosigkeit,

Schlafder

des Verbands DBVB.

Norbert Hüge, Vorsitzenstörungen,

Stimmungsschwankungen

und Angstzuständen.

Einer Studie zufolge gehen in Deutschland 60

Millionen Fehltage pro Jahr auf psychische

Belastungen zurück. Laut dem „Gesundheitsatlas

2015“ der Betriebskrankenkassen haben

sich die Krankentage wegen seelischer Leiden

seit 2003 mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche

Dauer der Krankschreibung gehört

mit 40 Tagen zu den längeren.

Das Thema Burnout hat viel mit unserer Leistungsgesellschaft

zu tun. „Viele Menschen

Wer nicht achtsam mit sich ist, dem droht ein

Weg in den Burnout und weit nach unten.

28


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[verantworten]

setzten sich immer neue Ziele, um sich zu beweisen.

Erfolge feiern sie nicht, vielmehr steigen

die Erwartungen. Doch je höher die Ziele,

umso mehr Energie muss ich aufwenden, um

sie zu erreichen. Das fällt immer schwerer“,

erläutert Norbert Hüge, Vorsitzender des

Deutschen Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe

und Prävention (DBVB). Weil der

Mensch ein Gewohnheitstier sei, stelle er sich

zunächst auf den höheren Stresslevel ein.

Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft

für Psychosomatische Medizin und Ärztliche

Psychotherapie (DGPM) in Berlin lösen hohes

Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringe Gestaltungsspielräume,

paralleles Arbeiten an mehreren

Aufgaben und ständige Erreichbarkeit

chronischen Stress aus. Zur totalen körperlichen

und geistigen Erschöpfung kommt es,

wenn ein Arbeitnehmer nicht abschalten und

sich auch in seiner Freizeit nicht mehr erholen

kann. „Der Körper ist dann in einem Dauer-Alarmzustand“,

erklärt Hüge.

KÖRPER IM DAUERALARM

Während die meisten Menschen zügig zur

nächsten Werkstatt fahren, wenn ein rotes

Lämpchen im Auto brennt, würden viele die

Zeichen ihres Körpers nicht ernst nehmen.

Dabei lässt Hüge keinen Zweifel daran: „Dieser

Dauer-Alarmzustand muss unterbrochen

werden! Das Herz pumpt wie verrückt, unser

Körper hat einen höheren Verschleiß, die Zellen

werden geschädigt und auch die Lust auf

Sex lässt nach. Es lohnt sich nicht, chronischen

Stress zu ertragen“, wird Hüge deutlich.

Stressempfinden, so stellt der Burnout-Prophylaxe

Trainer aus München klar, ist etwas

sehr individuelles. „Für den einen sind 50

Mails täglich im Postfach Stress pur, ein anderer

läuft sich erst bei 200 Mails richtig warm“,

sagt Hüge. Manche Menschen setzten sich

selbst unter Druck durch Denkmuster wie

Haus am Fluss

MBSR

2 Change

Andrea Weber

Fachärztin für

Allgemeinmedizin

MBSR-Lehrerin

Mitglied im

MBSR-Verband

Karin Probst

Zertifizierter

Business Coach

(FU Berlin)

Burnout – Prävention & Therapie

Ressourcenorientiert – kompetent vernetzt

· Yoga, QiGong, Meditation

· Kunsttherapie

· Ganzheitliche Medizin, TCM

Medizin www.regineschuster.de

Kunsttherapie www.ulrikelips.de

Yoga, QiGong www.haus-am-fluss-ulm.de

MBSR-8-Wochenkurs

in 88400 Biberach,

Karl-Müller-Straße 14

Nächster Beginn: 12. Januar 2017

Weitere Informationen unter

www.mbsr-bc.de

Training, Coaching und Beratung:

Stress- und Burnoutprävention,

Gesundes Führen, BGM,

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Uferstraße 3

89231 Neu-Ulm

Tel.: 0731 72565765

www.2-change.de

Zentrum für Bindungsenergetik

Schmidt Consult

Praxis Lebensfreude

Burnout-Behandlung / Beratung

Psychotherapie HeilprG,

Aus- und Weiterbildung

Ulmergasse 21, 89076 Ulm

Tel.: 07307 923036

Mobil: 0176 50117843

www.bindungsenergetikkerstin-zangl.de

Kerstin

Zangl-Mittelmeier

Heilpraktikerin,

Bindungsenergetikerin

Adelheid

Schmidt

Dipl.-Psychologin,

wingwave-Coach,

Trainerin/Coach

für Präsente Kommunikation,

Systemisches

Konsensieren.

Schwerpunkte: Burnout,

Stress, Konflikte, Führung, Leistungssteigerung,

Persönlichkeitsentwicklung

Hafenbad 27 · D-89073 Ulm

Hesseweg 11 · D-89542 Herbrechtingen

T.: 07324 1491420 · M: 0176 20935752

info@schmidt-consult.org

www.schmidt-consult.org

Angebot:

· Atemtechniken zur Entspannung

· Burnout-Prävention

· kognitive Verhaltenstherapie

· inhouse Seminare zum

Thema „Burnout”

· Einzelcoachings für Führungskräfte

www.lebensfreude-ulm.de

Martin Schuler

Heilpraktiker für

Psychotherapie,

Zertifizierter

Burnout-Berater,

Rhetorik-Trainer &

Business-Coach

29


[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

zum Beispiel: „Ich will beliebt sein, ich will

anerkannt werden, ich muss perfekt sein, alles

selber machen, sonst wird es nicht gut.“

Wer dauernd seinen Energietopf anzapft, seine

Hobbys nicht pflegt, sich keine Zeit für sich

selbst nimmt, der leert seinen Akku. Diese

Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse äußert

sich in schlechten Ernährungsgewohnheiten,

mangelnder Bewegung und auch darin,

Freundschaften nicht mehr zu pflegen.

Das Krankheitsbild des Burnout hat der Psychologe

und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger

(1929 bis 1999) in zwölf Phasen

beschrieben (siehe Infokasten). Für Betroffene

sind laut Hüge Coaching-Maßnahmen bis

Phase fünf sinnvoll. Wenn Betroffene aber

bereits ihr Wertesystem umdeuten, private

Kontakte vermeiden oder es wegen des Burnouts

gar in der Partnerschaft kriselt, sei eine

ärztliche Begleitung nötig. Ab Stufe neun

oder zehn, wenn das Gefühl des automatenhaften

Funktionierens und der inneren Leere

die Oberhand gewinnen, sei es Zeit in eine

Klinik zu gehen.

So verbreitet psychische Störungen in der Gesellschaft

sind, so häufig werden sie immer

noch abgetan. Deswegen gingen die Leute

krank zur Arbeit, sagt Hüge und verweist auf

Untersuchungen: Auf dem Weg in den Burnout

steige die Fehlerhäufigkeit der betroffenen

Mitarbeiter um das Sechsfache.

Die Firmen sollten ein großes Interesse daran

haben, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Seit dem Jahr 2013 sind Unternehmen nach

dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet auch

eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

am Arbeitsplatz vorzunehmen: Wie

sieht die Umgebung des Arbeitsplatzes aus?

Wie agiert die Führungskraft? Wie gehen

die Kollegen miteinander um? „Doch die wenigsten

Firmen machen das oder sehen dies

als erforderlich an “, sagt Hüge. Dabei sei es in

deren Interesse zu fragen: Was benötigen Mitarbeiter,

um gesund zu bleiben? Davon profitierten

die Firmen in Form von weniger Fehltagen,

aber auch weil es sie zu einem

attraktiven Arbeitgeber mache und sie sich

von anderen Firmen abheben. Nötig sei, das

Thema Gesundheit zur Chefsache zu machen

und die Führungskräfte zu schulen. Diese sollten

Unterstützung erhalten, um selbst gesund

zu bleiben, und Anleitung, wie sie dem Burnout

von Mitarbeitern vorbeugen können.

80 PROZENT REICHEN AUCH

Aber auch die Mitarbeiter müssten an sich arbeiten

und sich fragen: Was sind meine Werte?

Was gibt meinem Leben Sinn? Werden die

Werte, die mir wichtig sind, in „meiner“ Firma

gelebt. Sie sollten Stressquellen am Arbeitsplatz

identifizieren und verringern. Und sie

sollten lernen, auch Nein zu sagen und sich

fragen: Bei welcher Aufgabe reichen statt einer

perfekten Ausführung auch mal 60 oder

80 Prozent. Was brauche ich im Moment, damit

es mir gut geht? Darüber hinaus empfiehlt

Hüge gezielte Entspannung, zum Beispiel

mit progressiver Muskelentspannung,

Autogenem Training, Yoga, Tai Chi oder Qi

Gong; regelmäßige Bewegung, ausreichend

Schlaf, sich Auszeiten nehmen (Handy, Laptop,

Tablet ausschalten) und sich gesund zu

ernähren. [!] ALEXANDER BÖGELEIN

Ein Krankheitsbild,

zwölf Phasen

Der Psychoanalytiker Hermann Freudenberger

untergliedert den Burnout

in diese Phasen: 1. Übertriebener Ehrgeiz

und der Zwang, sich zu beweisen.

2. Übertriebene Leistungsbereitschaft

aufgrund der eigenen hohen Anforderungen.

3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse

(Schlaf, regelmäßige Ernährung).

4. Bewusstes Verdrängen und

Überspielen von Konflikten und Bedürfnissen.

5. Verzerrte Wahrnehmung

der Realität. Alte Grundsätze verlieren

an Wert, Freundschaften werden als

Belastung empfunden. 6. Verleugnung

von Problemen, Zynismus und zunehmende

Intoleranz. 7. Emotionaler und

sozialer Rückzug. 8. Verhaltensänderung

in Form einer Abwehrhaltung gegenüber

Kritik aber auch gegenüber

Zuwendung. 9.Depersonalisation durch

den Wahrnehmungsverlust und die

Verneinung der eigenen Persönlichkeit.

10. Gefühl der inneren Leere und Nutzlosigkeit.

11. Depression geprägt von

Sinnlosigkeit, Erschöpfung und Gleichgültigkeit.

12. Totale geistige, emotionale

und körperliche Erschöpfung, die

zum Suizid führen kann.

AMB

Ein Führungsstil, der auf Lob, Anerkennung ,

Wertschätzung und Vertrauen beruht, hilft Mitarbeitern

und kann diese vor dem Ausbrennen

schützen, sagt Verbandschef Norbert Hüge.

Foto: © Tino Neitz / Fotolia.com

30


Anzeige

Neueröffnung Januar 2017

Klinik ChiemseeWinkel Seebruck

www.gesundheitswelt.de

Bild Image Florian Werner • Skizzen: Rudolf Bachhuber GmbH&CoKG

Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie auf

Vier-Sterne-Plus-Niveau: Integrativ – Individuell – Innovativ

Die neue Klinik ChiemseeWinkel ist eine den

höchsten Ansprüchen genügende Fachklinik

für Psychosomatik und Psychotherapie.

Sie ist konzipiert in einem hochwertigen

Ambiente auf Vier-Sterne-Plus-Niveau für

privat- und beihilfeversicherte Patienten/

innen sowie für Selbstzahler/innen, mit 50

Einzelzimmern – ein „Geschützter Raum für

Heilung.“

Die Klinik ChiemseeWinkel arbeitet nach dem

bewährten Behandlungskonzept der Klinik

St. Irmingard in Prien und der Simssee Klinik

in Bad Endorf. Deutschlandweit werden Privatversicherte,

Beamte sowie Selbstzahler

mit Depressionen, Ängsten, Burnout, Somatisierungsstörungen

angesprochen – dies direkt

am Chiemseeufer in Seebruck, mit erstklassiger

Behandlung durch ein hochqualifiziertes,

multiprofessionelles Team unter der

Führung des erfahrenen Chefarztes Dr. Franz

Pfitzer.

Für Dr. Pfitzer ist Stationäre Psychosomatik

multimodale, multiprofessionelle integrative

Teamarbeit, d. h. die gute Zusammenarbeit

vieler psychotherapeutischer Spezialisten

ist entscheidend. In der Privatklinik

bringt der Chefarzt in besonderer Weise seine

bewährten und beständig fortentwickelten

Therapiekonzepte ein, die unterschiedliche

wissenschaftlich fundierte Therapieverfahren

aus Tiefenpsychologie, Trauma-, Verhaltensund

Familientherapie vernetzen und neueste

Erkenntnisse aus der Neurobiologie berücksichtigen.

Unsere Stärken

· Aufnahme innerhalb kürzester Zeit

· Bewährtes, innovatives Therapiekonzept

von Chefarzt Dr. Pfitzer

· Individuelle Atmosphäre – 50 exklusive

Einzelzimmer

· Ruhige, höchst attraktive Lage direkt am

Chiemsee

· Wunderschöner See- und Bergblick

Behandlungsschwerpunkte

· Psychische Erkrankungen (Depressionen,

Angst-, Panikstörungen, Zwänge)

· Störungen der Organfunktionen (psychosomatische

Störungen, funktionelle Störungen,

die oft schon lange bestehen)

· Akute und chronische Belastungsreaktionen,

Burnout-Syndrome

· Bindungs- und Beziehungsstörungen, einschließlich

arbeitsplatzbezogener Konflikte

· Psychotherapie bei älteren Menschen

· Krisen und traumatische Reaktionen nach

Unfällen, Verlusterfahrungen, schweren

Krankheiten oder Operationen

· Lebenskrisen, Sinnkrisen, Beziehungskrisen,

berufliche und persönliche Identitätskrisen

Wir bieten auch spezialisierte Behandlungsangebote

für Ärzte, Führungskräfte und

Selbstständige, Lehrer und Menschen in anderen

„helfenden Berufen“. In der therapeutischen

Gemeinschaft werden eingeschliffene

krankheitsbedingte Muster von Rückzug und

Vermeidung verändert. Neugier, Lebensfreude

und Lebendigkeit werden wieder wahrgenommen.

„Im geschützten Rahmen der Klinik soll durch

neue Beziehungserfahrung Heilung ermöglicht

werden. Dafür bietet die Klinik Chiemsee-

Winkel mit dem spezifischen Therapiekonzept,

der therapeutischen Gemeinschaft und

der überschaubaren Klinikgröße sowie der

besonderen Lage und dem Ambiente den optimalen

Ort.“

Zitat Dr. Franz Pfitzer,

Chefarzt Klinik ChiemseeWinkel Seebruck

Verantwortlich in der Geschäftsführung ist Dominique

Hannig gemeinsam mit Dietolf Hämel,

Vorstand Geschäftsbereich Medizin der Gesundheitswelt

Chiemgau AG in Bad Emdorf.

[ Interessierte dürfen sich gerne bewerben:

bewerbung@gesundheitswelt.de]

Neueröffnung im Januar 2017

Anmeldungen und Informationen sind

bereits jetzt möglich.

Telefonische Informationen unter:

Chefarzt-Sekretariat: Eva Frühholz

+49 (0)8667/87930-71; E-Mail:

e.fruehholz@klinik-chiemseewinkel.de

Sekretariat Geschäftsführung:

Kathrin Ruchotzki +49 (0)8051-599

E-Mail: k.ruchotzki@klinik-chiemseewinkel.de

www.klinik-chiemseewinkel.de

31


[verantworten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Moment mal

Anhalten, den Atem spüren und zu sich kommen: Im hektischen Jahresendspurt tun das nur wenige.

Doch wem Gesundheit und Wohlbefinden wichtig sind, der sollte bewusst Auszeiten nehmen. Tipps, wie man

Achtsamkeit sich selbst gegenüber lernen kann.

Stade Zeit nennen die Bayern und Österreicher den Advent. Doch

die Tage vor Weihnachten sind alles andere als ruhig und besinnlich.

Ganz im Gegenteil. In den Firmen gehört der Dezember zu

den anstrengendsten Zeiten im Jahr.

Dementsprechend stressig empfinden viele die Arbeitstage. Projekte müssen

vor den Weihnachtsferien abgeschlossen sein, die Jahresziele erreicht

werden. Viele Mitarbeiter fühlen sich in dieser Situation wie in einem

Hamsterrad, das stetig schneller läuft. Da hilft nur, achtsam mit sich umzugehen.

Doch das haben viele Menschen nicht gelernt. „Entsprechende

Übungen sind für viele ungewohnt. Sie lassen sich aber gut in den Alltag

einbauen“, erklärt Achtsamkeitstrainer Günter Hudasch. Er ist Vorsitzender

des Verbands der MBSR- und MBCT-Lehrer in Deutschland. Die beiden Abkürzungen

stehen für entsprechende Trainingsprogramme (Mindfulness-

Based Stress Reduction, Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression).

„Wer das Grundprinzip verinnerlicht, kann mit kleinen

Übungseinheiten große Wirkung erzielen und Gelassenheit entwickeln“,

sagt Hudasch. Er hat diese fünf Tipps:

bewußt genießen . . .

Tee trinken

Statt den Tee im Büro nebenbei zu schlürfen und gleichzeitig E-Mails zu

checken, lautet die Aufgabe: Schmecken und riechen Sie ihn bewusst.

Spüren Sie das Gewicht der Tasse. Und die Wärme, die von ihr ausgeht.

Foto: © contrastwerkstatt / Fotolia.com

intensiv spüren . . .

Duschen Sie mit allen Sinnen

Statt morgens unter der Brause schon daran zu denken, welche Aufgaben im Job auf einen

warten, heißt es dieses Mal: der Stimme im Kopf keine Beachtung schenken, sondern sich

mit allen Sinnen auf das Duschen konzentrieren und es genießen. Achten Sie darauf, wie das

Rauschen des Wassers klingt, wie es sich anfühlt. Wie spüren Sie es auf der Kopfhaut? Wie

riecht die frisch geduschte Haut?

Foto: © eldarnurkovic / Fotolia.com

32


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[verantworten]

Atmen

Den eigenen Atem nehmen viele normalerweise gar nicht wahr. Das

soll sich bei dieser Übung ändern: Setzen Sie sich aufrecht hin. Durch

die Nase einatmen. Fühlen Sie, wie die Luft in Ihren Körper hineinund

wieder hinausströmt. Spüren Sie, wie sich der Brustkorb hebt

und senkt. Entspannen Sie, so gut es geht, mit der Ausatmung.


Foto: © olly / Fotolia.com

mich entspannen . . .

Barfuß laufen

Am besten gleich morgens nach dem Aufstehen: barfuß übers

Gras im Garten. Gehen Sie langsam, rollen Sie die Füße ab und

lassen Sie die Anspannung los. Das Tautreten ist eine Methode

von Sebastian Kneipp. Idealerweise startet man das im Sommer,

doch es geht auch in der kalten Jahreszeit. Wer ein bisschen abgehärtet

ist, probiert das Schneegehen aus. Dafür reichen wenige

bis maximal 30 Sekunden barfuß im frisch gefallenen Schnee.

Damit die Füße nicht auskühlen, halten Sie trockene Strümpfe

und Schuhe bereit und bleiben Sie in Bewegung.


Foto: © David Pereiras / Fotolia.com

anders fühlen . . .

Den Körper erkunden

Beim sogenannten „Body Scan“ geht es darum, den eigenen Körper

von unten bis oben zu erspüren. „Am besten üben Sie das erst einmal

mit einer CD“, sagt Hudasch. „Auf diese Weise trainieren Sie,

Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Ihre Wahrnehmung für sich zu

vertiefen und sich so mehr mit sich selbst zu verbinden. Versuchen

Sie einmal, Ihren kleinen Zeh am linken Fuß zu spüren.

Dann gehen Sie Stück für Stück den Körper nach oben durch, bis

Sie am Scheitel angekommen sind. Am besten geht es im Liegen

auf dem Rücken mit geschlossenen Augen.“ Foto: © fizkes / Fotolia.com

Foto: © Stefan Arendt / Fotolia.com

zu mir finden . . .

Auf der Homepage des Verbandes besteht die Möglichkeit, entsprechende Kurse in der

Umgebung zu suchen: www.mbsr-verband.de (unter Kurse/Kompaktkurse)

33


Sonderveröffentlichung

Natürlich online sichtbar

Ein Internetseite ist heute Pflicht, sagt die Ulmer Heilpraktikerin Anja Hirth. Anfangs hat die Spezialistin für

Hypnotherapie das Thema unterschätzt. Seit drei Jahren lässt sie sich von der NPG Digital betreuen.

Anja Hirth hat Lehrgeld bezahlt. Bereits vor

Jahren entschloss sich die Heilprakterin für

Psychotherapie, dass sie online sichtbar sein

will. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt

sie. Bei einem Grafiker ließ sie sich eine Webseite

bauen für rund 5000 Euro bauen. „Ich

dachte, ich mache das einmal und dann ist es

das“, erzählt Hirth. „Ich hatte damals keine

Vorstellung wie schnell, eine Internetseite

veraltet und lediglich eine Kulisse darstellt,

die in kürzester Zeit nichts mehr wert ist.“

Obwohl Hirth damals eine der ersten Praxen

in Ulm war, die Hypnotherapie anbot und ihre

Homepage neu war, war sie bei Google

schlecht zu finden.

Marc Wiedbrauck, Online-Marketingberater

von NPG Digital, kennt diese Irrtümer von

Selbstständigen, Einzelhändlern und kleinen

Firmen in Sachen Online-Auftritt: „Der ist eine

langfristige Angelegenheit, die Seite muss

kontinuierlich gepflegt werden.“ Der Grund:

Die meisten Menschen suchen heute von unterwegs

mit ihrem Smartphone oder Tablet

über Google nach Themen und Dingen, die

sie interessieren.

MOBIL-OPTIMIERT IST PFLICHT

„Wer dann mit einem Klick auf eine veraltete

Internetseite kommt; eine, die nicht für mobile

Geräte optimiert und deswegen für die

Nutzer umständlich zu handhaben ist, der

fühlt sich vergrault und ist mit einem Klick

weiter bei der Konkurrenz“, erklärt Wiedbrauck

und betont: „Ein Internetauftritt ist

heute ein Muss. Wer im Internet nicht zu finden

ist, der existiert förmlich nicht.“ Das machen

auch diese Zahlen deutlich: Drei Viertel

aller Bundesbürger in Deutschland nutzen

das Internet – durchschnittlich mehr als zwei

Stunden am Tag. Rund 40 Millionen Menschen

surfen mit ihrem Smartphone im Netz,

informieren sich, planen und erledigen ihre

Einkäufe.

Auch für Anja Hirth war klar: „Nur eine für

Smartphones optimierte Seite macht Sinn.“

Am Vorgehen der NPG Digital GmbH, die früher

unter Südwest Presse Online-Dienste

GmbH firmierte, gefiel ihr, dass „sie offen und

ehrlich beraten haben und die Seite nicht nur

technisch umgesetzt, sondern sich viel Mühe

gegeben haben, meine Kolleginnen und mich

zu verstehen“, sagt Anja Hirth. Sie entschied

sich für ein Gesamtpaket, um das Therapiezentrum

für Hypnotherapie & Osteopathie

darzustellen. Dabei war ihr die Möglichkeit

wichtig, Inhalte selbst ergänzen zu können.

„Für uns ist es der oberste Grundsatz, uns

möglichst gut in die Lage der Kunden zu versetzen

und sie dauerhaft zu begleiten“, sagt

Wiedbrauck und betont: „Nur so können wir

unsere Kunden nachhaltig betreuen und beraten.

Die Online-Welt ist ein sehr schnelllebiges

Medium. Was heute Standard ist, kann in

ein paar Wochen schon wieder veraltet sein.

Damit sich unsere Kunden nicht mit dem

Thema befassen müssen, dafür haben sie

uns.

BEZAHLBARER MONATSTARIF

Das spiegelt sich auch in den Tarifmodellen

der NPG Digital wider. „Mit unseren drei Website-Paketen

(Basis, Plus und Premium) wollen

wir auch den Einzel- und Kleinunternehmern

die Möglichkeit bieten, eine hoch

professionelle Website zu haben, auf der sie

sich präsentieren können und das zu bezahlbaren

Monatstarifen“, sagt Wiedbrauck.

Die Investition lohnt sich. „Die Resonanz der

Patienten war super“, erinnert sich Anja

Hirth. Die NPG Digital habe die Seite gut

Heilpraktikerin Anja Hirth mit ihrer Homepage:

„Ein guter erster Eindruck ist wichtig.“

34


Sonderveröffentlichung

strukturiert, die

Texte gut aufbereitet.

„Es sind schöne

Bilder aus der

Praxis und die Online-Besucher

finden

sich gut zurecht.

Für mich ist

wichtig, dass Suchende

mich und

Online-Marketingberater

Marc Wiedbrauck. keiten anschauen

meine Räumlich-

und sich einen ersten

Eindruck verschaffen können. Denn Psychotherapie

ist Vertrauenssache.“

Vor der Zusammenarbeit mit der NPG Digital

kümmerte sich die online-affine Heilpraktikerin

noch selbst um Themen, wie ihre Homepage

bei Google gerankt wird und wie sie mit

dem Google-Dienst „AdWords“ mehr Besucher

auf die Internetseite lotst. Bei dem

Dienst „AdWords“ können Werbetreibende

Anzeigen schalten, die sich vor allem an den

Google-Suchergebnissen von Nutzern orientieren.

Doch um diese ganzen Fragen kümmert

sie sich nun nicht mehr. „Ich konzentriere

mich lieber auf die Arbeit mit meinen

Patienten“, sagt sie.

Derweil kümmert sich das Team von NPG Digital

um die Überarbeitung der Website und

steht Anja Hirth bei sämtlichen Fragen zum

Thema Online-Marketing zur Seite. Dazu gehört

auch eine so genannte SEO-Optimierung.

Die NPG-Onlineexperten versehen die Texte

mit Schlüsselwörtern. Damit erreichen sie,

dass Hirths Seite www.natuerlich-ganz-gesund.de

bei der lokalen Suche über Google

weit oben in den Ergebnislisten der Suchmaschine

steht. Die Praxis mitsamt ihren Angeboten

ist damit online gut sichtbar.

Zum Service der NPG Digital gehört ein kostenloser

Check der Webseite, bei der unter

anderem Ladezeiten, mobile Optimierung

und Nutzerführung geprüft werden. Das Erstellen

einer Webseite ist eine Sache, ein andere,

dass diese bekannt, gesehen und besucht

wird. „Die Maßnahmen die wir hier

anbieten sind Displaywerbung (Banner), zielgruppengerechte

Werbung auf Facebook und

mit Google Ad-Words. Für den Aufbau von

Neukunden und deren langfristige Bindung“,

so Wiedbrauck, „bieten wir die richtige Lösung

mit Hilfe von Newsletter-Marketing“.

Experten fürs

Online-Marketing

Die NPG Digital ist die Online-Marketing-Agentur

der SÜDWEST PRESSE

und seit 2008 aktiv. Sie ist Dienstleisterin

für die Muttergesellschaft und

richtet sich darüber hinaus vor allem

an kleine und mittelständische Unternehmen.

Mehr als 40 Digital-Experten

kümmern sich um alles was man

braucht, um im Internet erfolgreich zu

sein. Sie bietet auch eine monatliche

Vortragsreihe an. Themen, Termine

und weitere Infos: www.npg-digital.de

IHR KOSTENLOSER

WEBSITE-CHECK!

IST IHR INTERNET-AUFTRITT FIT FÜR DIE

ZUKUNFT? WIR TESTEN IHN KOSTENLOS UND

UNVERBINDLICH.

Eine moderne und ansprechende Website ist für Ihr

Unternehmen heutzutage ein Baustein für den Erfolg. Wir

bieten Ihnen eine kostenlose Analyse Ihres aktuellen

Internet-Auftritts.

Wir analysieren:

P Inhalt und Struktur

P Mobile Optimierung und technische Performance

P Suchmaschinenoptimierung

Jetzt anfordern unter: www.npg-digital.de/websitecheck

Ihr Ansprechpartner:

Daniel Gentner, d.gentner@n-pg.de

T 07310156 - 167

35


[rubrik] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Firmenwagen, wo früher Pershing-II-Rakten standen: In Buch (Kreis Neu-Ulm) übernimmt das Autokontor Bayern die Logistik für Firmenflotten.

Flott gemacht

Große Unternehmen mit einer Vielzahl an Firmenautos und Lkw wissen: Mit professionellem Fuhrparkmanagement

lässt sich viel Geld sparen. Doch viele kleinere Unternehmen ignorieren das Sparpotenzial: Ein teurer Fehler.

Wann steht der nächste TÜV an, sind

die Fahrzeugpapiere kontrolliert

und alle Autos von der Reparatur

zurück? Wer mehr als ein Fahrzeug in seinem

Unternehmen verwalten muss, weiß: Die Liste

der täglich zu klärenden Punkte ist oftmals

so lang wie die Reihe der Fuhrparkautos. Und

die ist mitunter sehr lang.

Wer da die Übersicht verliert, macht schnell

auch viel Geld kaputt – und das aus reiner Unwissenheit

heraus. „Die Tragweite und die

Komplexität eines Fuhrparkmanagements

wird von vielen Betrieben vollkommen unterschätzt.

Ich kenne eine Menge Firmeninhaber,

die deswegen ihren Fokus auf andere Themen

legen“, sagt Marc-Oliver Prinzing, der Vorsitzende

des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement

mit Sitz in Mannheim „Der große

Nachteil daran: Viele Geschäftsführer erkennen

deshalb auch mögliche Einsparpotentiale

nicht. Doch ein gut geführter Fuhrpark verursacht

bis zu 40 Prozent weniger Kosten als eine

schlecht oder sogar schlampig geführte

Fahrzeugflotte.“

Der Verbandschef ist auch als Ausbilder für

die Dekra Akademie GmbH tätig und hat

schon mehrmals erlebt, dass Fuhrpark-Verantwortliche

in seinen Seminaren sitzen und

aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas

verblüfft feststellen: „Eigentlich müsste mein

Geschäftsführer hier sitzen und nicht ich.“

Tut er jedoch in den wenigsten Fällen und dies

ist in der Tat ein großer, wenn auch nicht seltener

Fehler, der wiederum fatale Folgen hat.

„Die Fuhrparkverantwortlichen bekommen

oftmals nicht die erforderlichen Mittel zur

36


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[spezial]

Hand, die für ein professionelles Management

dringend notwendig wären, sagt Prinzing.

Deshalb gelingt die Fuhrparküberwachung in

vielen Fällen nicht gut.“

UNTERSCHÄTZTE AUFGABE

Doch auch die Lernwilligen unter denen, die

die Aufgabe der Dienstwagen-Aufsicht intern

übertragen bekommen haben, gehen oftmals

leer aus. Denn eine gesetzlich geregelte Berufsausbildung

gibt es in Deutschland bislang

nicht. Hilfe gibt es dennoch, denn bei der Dekra

Akademie kann man sich in drei Wochen

zum zertifizierten Fuhrparkmanager ausbilden

lassen. Zudem bietet die Stuttgarter Bildungsorganisation

weitere berufsbegleitende

Fuhrpark-Management Seminare an, die unter

anderem die

Themen Kostenrechnung,

IT-Lösungen,

operative

Aufgaben, Finanzierung

und Verwertung

beinhal-

Marc-Oliver Prinzing,

Chef des Bundesverbandes.

ten.

Stellt sich die Frage:

Ab welcher

Fuhrparkgröße ist

ein professionelles

Management

zwingend erforderlich?

Für Marc-Oliver Prinzing ist das eine

einfache Rechnung. Für ihn lohnt sich ein externer

Anbieter immer dann, wenn intern keiner

die Aufgaben machen will oder kann:

„Man muss generell zwischen dem wirtschaftlichen

und rechtlichen Aspekt unterscheiden.

Bei der Halterhaftung ist es egal, ob ich zwei

Rund 80 Prozent der Firmenwagen sind geleast

Bundesweit gibt es 1,6 Millionen Fuhrparks mit 4,5 Millionen Autos und Kleintransportern.

Rund 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter

sind in Deutschland als Flottenfahrzeuge

in rund 1,6 Millionen Firmenfuhrparks

unterwegs. Insgesamt gab es

2014 rund 44,4 Millionen Pkw in Deutschland.

Ein Bestand, der von 2006 bis 2009

rapide abnahm, jedoch seit 2010 wieder

moderat wächst. Der gewerbliche Anteil

ist nach Angaben des Verband markenunabhängiger

Fuhrparkmanagementgesellschaften

konstant und beträgt rund

10,1 Prozent. Rund 80 Prozent der Firmen

fahr zeuge im Bestand sind mittlerwei

le über Finanz- oder Fullserviceleasing

finanziert. Das Flotten-Leasing-Neugeschäft

2015 stieg nach den Angaben

des Verbandes deutscher Leasingunternehmen

um 6,5 Prozent auf 32,8 Milliarden

Euro. 80 Prozent davon entfallen auf

Pkw, 20 Prozent auf Nutzfahrzeuge. LOE

oder 2000 Fahrzeuge im Fuhrpark habe. Denn

ich muss jederzeit sicherstellen, dass die

rechtlichen Anforderungen gewährleistet

sind, sprich zum Beispiel die Führerscheine

der Mitarbeiter in Ordnung sind und die Fahrer

die gesetzlich erforderlichen Unterweisungen

erhalten haben. Wirtschaftlich gesehen

arbeiten alle Unternehmen professionell,

wenn sie auf die Betriebskosten achten und

Verbrauchsstatistiken lesen. Gerade kleinere

Firmen überlassen dies oftmals den Fahrern,

was jedoch nicht immer funktioniert. Denn

für Fahrer sind Dienstwagen reine Arbeitsinstrumente,

mit denen sie ihren Job verrichten.

DER SEAT LEON ST.

Raum für neue Möglichkeiten.

SCHON AB 198 € 1 IM MONAT – INKL. BUSINESS-PAKET.

Bis zu 1.470 Liter Gepäckraumvolumen, damit Sie ein Maximum an Flexibilität genießen.

Effi ziente Motoren, die Leistung mit Wirtschaftlichkeit verbinden. Fortschrittliche Technologien,

die Sicherheit und Konnektivität bieten. Business-Pakete, mit denen Sie sich ein Plus

an Ausstattung und Preisvorteile sicher.

SEAT Leon ST Reference 1.6 TDI Start&Stop Kraftstoffverbrauch: innerorts 4,6, außerorts

3,3, kombiniert 3,8 l/100 km; CO2-Emissionen: kombiniert 99 g/km. Effizienzklasse: A.

Kraftstoffverbrauch SEAT Leon ST: kombiniert 6,8–3,6 l/100 km; CO2-Emissionen: kombiniert

158-94g/km. Effizienzklasse: D–A+.

1

Der SEAT ST Reference 1.6 TDI Start&Stop 77 kW (105 PS), Fahrzeugpreis 23.450,00 € + Sonderausstattung

0,00 € zzgl. Überführungskosten und MwSt.: 198,00 € monatl. Leasingrate bei 36 Monaten

Laufzeit und jährlicher Laufleistung von 15.000 km, Sonderzahlung 0,00 €. Ein Angebot der SEAT

Leasing. Zweigniederlassung der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Straße 57, 38112 Braunschweig.

Dieses Angebot ist nur für gewerbliche Kunden mit Großkundenvertrag und nur bis zum

31.12.2016 gültig. Das abgebildete Fahrzeug enthält Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

AUTOHAUS SAUR GMBH & CO. KG

Blaubeurer Str. 45

89077 Ulm

Tel.: 0731 93554-0

info@autohaus-saur.de

SEAT FOR BUSINESS

Ihr SEAT Gewerbe-/ & Grosskunden

Kompetenz Zentrum

für die Region Ulm/Neu-Ulm

37


[spezial] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Die Energieversorgung Filstal setzt auf Umweltfreundlichkeit: Zu ihrer Flotte gehören 62 Erdgasautos.

Die täglich anfallenden Kosten interessieren

sie wenig bis gar nicht. Deshalb muss in einem

Unternehmen sichergestellt sein, dass

sich jemand um den Fuhrpark kümmert.“

Doch es genügt eben nicht, dass man darauf

achtet, ob die Sitze sauber sind und genügend

Sprit im Tank ist. Marc-Oliver Prinzing: „Ein

professionelles Fuhrparkmanagement umfasst

alle Prozesse von der Bestellung der Fahrzeuge

bis zur deren Rückgabe oder deren Vermarktung.“

VORGABEN FÜR MITARBEITER

Die Liste der Tätigkeiten eines Fuhrparkmanagers

reicht von der Reparatur-Steuerung,

der Prüfung von Rechnungen, der Bearbeitung

von Bußgeldbescheiden bis hin zur Sicherstellung

der Reifenqualität sowie der Betreuung

der Fahrer. Zu dieser gehört unter

anderem die von der Berufsgenossenschaft

geforderte Einweisung des Personals bei einem

neuen Fahrzeug. Im Idealfall lässt die

Geschäftsführung die Fahrer Nutzungsüberlassungsverträge

unterzeichnen, in denen geregelt

ist, wie diese mit den überlassenen

Fahrzeugen umzugehen haben, wo sie diese

im Pannenfall reparieren lassen dürfen oder

auch welche Kraftstoffe je nach Fahrzeugtyp

zu tanken sind. „Natürlich muss man dahinter

her sein, dass diese Punkte auch strikt eingehalten

werden“, so Marc-Oliver Prinzing,

der weiß, dass die etwa zehn großen deutschen

Dienstleister für externes Flottenmanagement

ihren Kunden entweder einen Rundum-Service

oder verschiedene Module

anbieten.

Eines davon ist das äußerst komplexe Thema

Schadensmanagement. Bei diesem haben die

Verantwortlichen viel mit Anwälten, Gutachtern

und Versicherungen zu tun. „Im Grunde

können diese Anbieter jedoch nicht das Management,

sondern lediglich einen Teil der

Fuhrparkverwaltung übernehmen“, sagt Prinzing.

„Strategische Entscheidungen, zum Beispiel

über Investitionen, können ausschließlich

die Unternehmen selbst treffen“, erläutert

er. „Dennoch benötige ich immer jemanden

im Unternehmen, der sich vor Ort um die

Fahrzeuge und um das Controlling des Dienstleisters

kümmert und als Ansprechpartner

überprüft, ob alle Aufgaben erfüllt werden.“

Das klingt einfacher, als es im Alltag ist. Denn

kleinere Unternehmen

mit einem

Fuhrpark mit

bis zu 50 Fahrzeugen

können oft

keine professionellen

Fuhrparkmanagement-Gesellschaften

für

sich gewinnen, da

sich für diese die Dr. Martin Bernhart,

Zusammenarbeit EVF-Geschäftsführer

nicht rentiert.

So oder so. Das Thema Wirtschaftlichkeit

steht bei allen Unternehmen, egal wie viel

Fahrzeuge sie nun betreiben, an erster Stelle.

Es geht um die höchstmögliche Effizienz und

darum, Kosten zu sparen. Dabei sticht die ökonomische

Sichtweise die ökologische aus.

Marc-Oliver Prinzing weiß, dass der Umweltgedanke

bei vielen Fuhrparkleitern noch

nicht sehr ausgeprägt ist: „Der Einsatz von

schadstoffarmen Elektroautos spielt in den

Fuhrparks aus wirtschaftlichen Gründen derzeit

eine noch eher untergeordnete Rolle.“ Der

Grund: Sie sind noch nicht ohne weiteres in

der Praxis einsetzbar. Erdgas-Fahrzeuge hingegen

haben nach seinen Worten mittlerweile

eine sehr gute Reichweite und sind kostengünstiger

als Elektroautos. „Doch auch diese

stoßen auf eine sehr verhaltene Akzeptanz.

Zwar haben viele Fuhrparkleiter ein Ohr am

Markt, aber dennoch liegt hier noch ein langer

Weg vor uns“, sagt der Verbandschef.

Nicht so für die Göppinger Energieversorgung

Filstal GmbH & Co. KG (EVF). Denn 62

der insgesamt 71 Fahrzeuge ihres Fuhrparks

haben einen Erdgas-Antrieb. Der regionale

Energieversorger, der auch drei eigene Erdgastankstellen

in Göppingen, Geislingen und

Wiesensteig betreibt, fährt so mit gutem Beispiel

voran.

Für Dr. Martin Bernhart ist dies der richtige

Schritt in die Zukunft: „Im Vergleich zu Diesel

entstehen bei Erdgas bis zu 95 Prozent weniger

Stickoxide. Ruß und Feinstaub werden

nahezu vollständig vermieden. Bei dem hohem

Verkehrsaufkommen in unseren Städten

wirkt sich das positiv auf das Klima und die

Gesundheit der Menschen aus“, erklärt der

EVF-Geschäftsführer: „Zudem sind Erdgasautos

in Anschaffung und Betrieb kaum teurer

als Benzin- und vergleichbare Dieselmodelle.“

Auch dieser Aspekt ist ein Argument für professionelles

Flottenmanagement. [!]


STEFAN LOEFFLER

38


NEU

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

SCHAUTAGE

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

Jeden Samstag von 13.00 - 17.00 Uhr*

Jeden Sonntag von 11.00 - 16.00 Uhr*

*Probefahrten, Beratung und Verkauf nur während der

gesetzlichen Öffnungszeiten.

FORD MONDEO VIGNALE

Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),

Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung

und statischem Abbiegelicht, Hochwertige Sportsitze

mit exklusiver Lederausstattung, wabenförmig

gesteppt, mit Memory-Funktion, Rückfahrkamera

Bei uns für


39.950,- 1

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

FORD MONDEO VIGNALE

Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),

Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung

Kraftstoffverbrauch und statischem Abbiegelicht, (in l/100 km Hochwertige nach VO (EG) Sportsitze

VO mit (EG) exklusiver 692/2008 Lederausstattung, in jeweils geltenden wabenförmig Fassung):

715/2007

und

Ford gesteppt, Mondeo mit Vignale: Memory-Funktion, 5,2 (innerorts), Rückfahrkamera

4,1 (außerorts), 4,5

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).

Bei uns für


39.950,- 1

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Typisch Ford:

der Mythos lebt

FORD MUSTANG

Xenonscheinwerfer, Ford Power Startfunktion

(schlüsselfreies Starten inkl. Ford Key Free-System)

(schlüsselfreies Ent-/Verriegeln), Klimaanlage mit

automatischer Temperaturkontrolle, Polsterung in

Leder-Optik Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Bei Typisch uns für Ford:

der Mythos lebt


38.000,- 1

FORD MUSTANG

Kraftstoffverbrauch Xenonscheinwerfer, (in Ford l/100 Power km nach Startfunktion VO (EG) 715/2007

und (schlüsselfreies VO (EG) 692/2008 Starten in der inkl. jeweils Ford Key geltenden Free-System) Fassung):

Ford (schlüsselfreies Mustang: 10,1 Ent-/Verriegeln), (innerorts), 6,8 Klimaanlage (außerorts), mit 8,0

(kombiniert); automatischer CO 2

-Emissionen: Temperaturkontrolle, 179 g/km Polsterung (kombiniert).

Leder-Optik

Bei uns für


38.000,- 1

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Mondeo Vignale: 5,2 (innerorts), 4,1 (außerorts), 4,5

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

1

Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mondeo Vignale Turnier 2,0-l-TDCi-

Dieselmotor 132 kW (180 PS) (Start-Stopp-System).

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Mustang: 10,1 (innerorts), 6,8 (außerorts), 8,0

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 179 g/km (kombiniert).

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

1

Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mustang Fastback 2,3-l-EcoBoost-

Benzinmotor 233 kW (317 PS).

39


[führen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Bühne für die Suche nach den Besten

Gute Vorträge, kostenlose Service-Angebote und die Möglichkeit, ungezwungen Firmen kennenzulernen. Das Konzept

des Fachkräftetags der SÜDWEST PRESSE geht auf. Das zeigen 1200 Besucher und zufriedene Aussteller.

Der Saal ist brechend voll, doch es ist

mucksmäuschenstill. 180 Besucher

des Fachkräftetags hören gebannt zu.

Business-Coach Petra Bergmann aus Blaubeuren

gibt Tipps zu Gehaltsverhandlungen und

erklärt, warum viele Frauen ihre Leistung vor

ihren Chefs schlecht verkaufen können. Das

liege an mehreren Faktoren: Mangelnde Vorbereitung,

fehlendes Selbstbewusstsein, eine

falsche Taktik, sein Gegenüber nicht richtig

einzuschätzen oder ein Gespräch, bei dem die

Anwesenden nicht aktiv zuhören. Mit im Publikum

sitzt auch Annegret R. (Name von der

Redaktion geändert), die im Gesundheitswesen

arbeitet. „Der Vortrag war klasse!“, sagt sie.

Auch das Thema zuvor „Sieben Todsünden

der Bewerbung“ fand sie spannend. Dabei ist

sie selbst gar nicht auf Stellensuche. Den

2.Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE in der

Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm besucht sie,

um Tipps für ihre Tochter zu sammeln, die

kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht.

Rebecca Stadelmaier, die Projektleiterin der

Veranstaltung, freut sich über zufriedene Besucher.

„Zu unserem Konzept gehört es, den

Besuchern Nutzwert und Service zu geben“,

sagt die Stellenmarktverantwortliche der

SÜDWEST PRESSE. Interessante Vorträge und

kostenlose Services, unter anderem Bewerbungsberatung

und –fotos, lockten 1200 Besucher

an. Davon profitierten wiederum die

ausstellenden Firmen.

Zur Premiere im vergangenen Jahr waren es

zwar noch etwas

mehr, dennoch

sind Stadelmaier

und ihr Team sehr

zufrieden. Denn

die Resonanz der

Aussteller fällt positiv

aus. Die 31

Unternehmen auf

der ausgebuchten

Messe waren von

der Qualität der Rebecca Stadelmaier, Projektleiterin

Fachkräftetag.

Gespräche angetan.

„Das ist fast

schon unheimlich, wie gut die Besucher an

unserem Stand unserer Zielgruppe entsprechen“,

sagte beispielsweise Maria Arruda, Personalreferentin

der Deutz AG.

„TOLLE GESPRÄCHE“

Roland Huemer, Fertigungsmeister der

Schwegler Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG

aus Vöhringen (Kreis Neu-Ulm) sagt: „Wir haben

tolle Gespräche.“ Wie Firmenchef Rainer

Schwegler ist auch Huemer stark gefragt. Das

Unternehmen mit 210 Mitarbeitern und

Standorten in der Türkei und China sucht „am

liebsten Zerspanungsmechaniker, die Werkzeuge

schleifen können“.

Zeni Sulejmani von der Mayser GmbH & Co.

KG in Ulm ist überrascht: „Der Andrang ist

Auf dem Fachkräftetag in der Ratiopharm-Arena

machten sich 31 Firmen als Arbeitgeber sichtbar.

40


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[führen]

riesig. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so qualitativ

hochwertige Gespräche am Stand führen.“

Im Nachgang gingen bei dem Spezialist

für Sicherheits- und Schaumstofftechnik

mehr als 20 Bewerbungen ein. Viele der Standbesucher

seien zwischen 30 und 50 Jahre alt

gewesen. Mehr erhofft vom Fachkräftetag hat

sich dagegen das Team der MBDA-Gruppe.

Der Konzern für Rüstungstechnik hat in Ulm

einen kleinen Standort mit 70 Mitarbeitern.

In Schrobenhausen, dem Sitz der MBDA

Deutschland GmbH, subd etliche Stellen unbesetzt.

Die Entfernung von 130 Kilometern

sei den meisten Besuchern zu viel: „Die suchen

in der Region Ulm.“

Direkt gegenüber begutachten Melina (20)

und ihr Begleiter Thorsten (33) die freien Stellen

der ausstellenden Unternehmen, die an

der „Job-Wall“ aushängen. Beide sind über die

Facebook-Werbekampagne der SÜDWEST

PRESSE auf die Veranstaltung aufmerksam

geworden. „Ich finde es gut, mich direkt über

Firmen informieren zu können, die man nicht

so kennt“, sagt die junge Frau. Auch Soman

Hipp ist über Facebook auf den Fachkräftetag

aufmerksam geworden. Der 28-Jährige, der

mit seiner Partnerin und deren Freundin, in

die Ratiopharm-Arena gekommen ist, verfügt

über zwei Ausbildungen: IT-Systemelektroniker

und Zerspanungsmechaniker. Derzeit ist

er bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, doch

er sucht einen festen Job: „Am liebsten Montage,

das macht mir viel mehr Spaß, als in der

Fabrik zu stehen“, sagt er und schlendert weiter

– vorbei an Stella Rosenbach.

GESUCHT, GEFUNDEN

Sie ist die Personalverantwortliche von

Scherr+ Klimke und wollte mit dem Messestand

auf dem Fachkräftetag nur den Bekannheitsgrad

des Unternehmens mit 110 Mitarbeitern

steigern. Scherr+Klimke ist in

Architektur- und Baukreisen als General- und

Fachplaner bekannt. Doch dann stand eine

27-jährige Wirtschaftsingenieurin vor ihr, die

im Fachgebiet „Supply Chain“ fit ist. „Das war

wie bestellt“, sagt Rosenbach. Denn die junge

Frau passt genau auf eine freie Stelle im Bereich

„Logistik Engineering“. Dieser optimiert

für Kunden innerbetriebliche Warenströme

und Lagersysteme. „Ich dachte, die Stelle zu

besetzen wird echt schwierig“, erzählt Rosenbach.

Doch auf ein „sehr gutes Gespräch“ am

Stand, folgte die Bewerbung in der Woche darauf,

vier Tage später das Vorstellungsgespräch,

drei Tage darauf war der Vertrag unter Dach

und Fach. „Der zeitliche Ablauf war unfassbar“,

sagt Rosenbach, die sich für den Fachkräftetag

2017 bereits angemeldet hat. [!] AMB

Dritter Fachkräftetag

am 7. Oktober 2017

Nähere Informationen zum Konzept

und zum 3. Fachkräftetag im Jahr 2017

gibt Rebecca Stadelmaier telefonisch

unter 0731 156 619 oder per E-Mail:

r.stadelmaier@swp.de

BARES GELD SPAREN

BEIM VERSENDEN IHRER GESCHÄFTSPOST

IHRE VORTEILE:

Übernahme aller Sendungen

einschließlich Pakete

Kostenlose Abholung ab

50 Sendungen täglich

Weltweite Zustellung durch

gutes Partnernetzwerk

Frankierung mit Firmenlogo

oder eigener Briefmarke

Mit Südwest Mail

über 18% sparen!

Beispielrechnung bei 100

versendeten Briefen pro Tag.*

Ihre

Ersparnis:

2.772 U/

Jahr

JETZT ÜBER

2.700 €

PRO JAHR

SPAREN

Keine Mindestmenge

erforderlich

Postfachleerung

Info-Hotline:

0800 - 2260227

andere Anbieter

17.640 U/Jahr

0,70 c / Brief

Südwest Mail

14.868 U/Jahr

0,59 c / Brief

* Bei vorsteuerabzugsberechtigten Kunden. Komplette

Beispielrechnung auf suedwestmail.de/sparkalkulator

suedwestmail.de

41


Handhabbar im Quadrat: Im Knittel-Recyclingcenter werden voluminöse Abfälle wie Pappe, Folien und Dosen zu Ballen gepresst.

Fotos: Marc Hörger

Gemeinsam besser entsorgen

High-Tech, Rohstoffkreisläufe, Umweltschutz. Der Vöhringer Unternehmer Werner Knittel hat ein nachhaltig gutes

Geschäftsmodell aufgebaut. Der Grundstein: die Gründung eines Mittelstands-Netzwerks vor mehr als 20 Jahren.

Allein in München holen die Mitarbeiter

von Werner Knittel pro Woche 150

Tonnen verpackte Lebensmittel ab

und bringen diese nach Erkheim (bei Memmingen)

in eine Bioabfall- und Speiserestevergärungsanlage,

die der Unternehmer bereits

1998 mit einem Partner aufgebaut hat. Dort

werden sie vollautomatisch entpackt und vergoren.

So entstehen Strom und Wärme. „Mir

liegt die sinnvolle Verwertung von Abfällen

am Herzen“, sagt der 63jährige Unternehmer

aus Vöhringen (Neu-Ulm).

Dass Handelsketten Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum

überschritten ist,

nicht einmal mehr verschenken dürfen, auch

wenn sie noch genießbar sind, gibt der Gesetzgeber

vor. Große Handelsketten wie Edeka

und Aldi schreiben die Entsorgung bundesweit

oder auf Ebene der Bundesländer aus.

„Als einzelner Mittelständler hat man da keine

Chance, zum Zuge zu kommen“, sagt Knittel.

„Zwar sind wir nahe am Kunden und treffen

Entscheidungen schnell, aber als

Mittelständler hat man auch Nachteile: Wir

haben geringere Einkaufsvolumen als die großen

Konkurrenten, deswegen schlechtere

Konditionen und weniger Möglichkeiten, Synergien

zu nutzen. Als Kleiner kannst du

auch nicht die ganze Palette der Dienstleistungen

anbieten“, sagt Knittel, der seit 40 Jahren

Sprecher der schwäbischen Entsorger ist.

KOOPERATION DER KLEINEN

Wie kommt es dann, dass seine Fahrzeuge von

Oberstdorf bis Donauwörth, von Garmisch-

Partenkirchen bis München Lebensmittel ein-

42


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[machen]

sammeln? Vor 20 Jahren hatte er die Idee zu

einer Kooperation mit anderen mittelständischen

Entsorgern. Aus anfangs 7 Gesellschaftern

sind 42 geworden. Das Netzwerk Logex

steht heute für 150 Unternehmen, 600 Millionen

Euro Umsatz, 5000 Mitarbeiter und 2500

Fahrzeuge. Die 60 Mitarbeiter von Logexsind

Dienstleister für die Mitglieder. Sie setzen sich

beispielsweise mit neuen Gesetzen auseinander

und was diese für die Firmen bedeuten.

Die Unternehmer tauschen sich zudem über

ihre Themen im Betrieb aus.

Logex beteiligt sich aber auch an bundesweiten

Ausschreibungen und vergibt den Gesamtauftrag

an seine Gesellschafter. „Jeder hat

sein Gebiet. Das ist ein Recht, aber auch eine

Verpflichtung“, sagt Knittel über das Netzwerk,

das beim Kartellamt angemeldet ist. In

anderen Teilen der Republik sind mittelständische

Entsorgungsbetriebe in den vergangenen

Jahren verschwunden – nicht so in Süddeutschland.

Das Netzwerk sei die Basis dafür,

dass der Mittelstand mit den Großen mithalten

kann. „Auf dieser Kooperation beruht ein

Großteil meines Erfolgs“, sagt Knittel.

Die Bandbreite an Dienstleistungen hat er stetig

vergrößert. 1974 stieg er – viel früher als

geplant – im Alter von 21 in den Betrieb ein.

Statt damals 10 Mitarbeitern beschäftigt das

Familienunternehmen heute 130 Menschen.

Die Fahrzeugflotte wuchs von sechs auf 60.

Das Wachstum des Unternehmens sei aufgrund

der höheren Abfallmengen und der gestiegenen

Bedeutung des Umweltschutzes

fast zwangsläufig gestiegen, gibt sich Knittel

bescheiden.

MODERNE ANLAGENTECHNIK

Er hat das einstige Müllabfuhr-Unternehmen

zu einem Entsorgungsspezialisten für Industrie,

Gewerbe und Handel weiterentwickelt.

Auf diesen Bereich entfallen mehr als 60 Prozent.

des Jahresumsatzes. In 12 Landkreisen

ist Knittel Komplettentsorger für alle Kfz-

Werkstätten von BMW, Opel und Ford: vom

Altöl über Fensterscheiben bis zum Airbag.

„Lager-, Behandlungs- und Verwertungsanlagen

sind heute unverzichtbar, wenn man seinen

Kunden ein professioneller Partner sein

will“, betont Knittel. Im Sommer hat er eine

1,5 Millionen teure, hochmoderne Anlage

eingeweiht. In dieser werden unter Vakuum

und Hitze Wasser-Ölgemische, die in Metallbetrieben

anfallen, getrennt und das Öl aufbereitet.

Zudem investiert er 1,5 Millionen Euro

in ein neues Recycling-Center.

Entsorgungskonzepte für Firmen und Kommunen

Firmenchef Werner Knittel vor der neuen Emulsionsverwertungsanlage. Mitarbeiter Thomas

Ostheimer begutachtet eine Probe des ölhaltigen Konzentrats.

Mit einem Magirus-Lkw begann die Firmengeschichte

1953. Damals gründete

Werner Knittels Vater das Unternehmen,

anfangs noch als Sand-und Kiestransporteur.

Früh kam die damals noch freiwillige

Hausmüllabfuhr dazu. Heute erledigt die

Knittel GmbH (Vöhringen/Iller) mit ihren

130 Mitarbeitern die Hausmüllentsorgung

für 300.000 Einwohner in den Kreisen

Alb-Donau, Neu-Ulm und Biberach,

Die Mischung aus Tätigkeitsbereichen, verschieden

langen Vertragslaufzeiten, Geschäften

mit höherer und geringerer Marge hat

Knittel gewählt, um das Unternehmen möglichst

krisenfest zu machen. Sein Grundsatz:

„Ich frage mich bei jeder Entscheidung: Was

ist langfristig das Beste fürs Unternehmen?“

Im Moment stelle er den Betrieb für die nächste

Generation auf. „Da soll es keinen Investitionsstau

geben“, sagt Knittel. Weil seine beiden

Kinder noch studieren und zu jung für die

Geschäftsführung sind, hat Knittel „ganz bewusst“

vor 15 Jahren Oliver Sauter eingestellt,

der zur Geschäftsleitung gehört. Er selbst will

erfasst und vermarktet Wertstoffe. Ihr

wichtigste Standbein sind Entsorgungskonzepte

für Industrie und Handel. Darauf

entfallen 10 von 16 Millionen Jahresumsatz,

auf das Geschäft mit Kommunen

5 und auf das mit Privatleuten 1 Million

Euro. Neben einem Recycling-Center unterhält

die Firma eine Vergärungs- und

Emulsionsverwertungsan lage und ein

Sonderabfallzwischenlager. AMB

„in drei bis vier Jahren vom Gas gehen“. Bisher

absolviert Knittel noch regelmäßig seine Fortbildung

als gewerblicher Kraftfahrer und

kennt jeden Teilbereich seiner Firma aus dem

Effeff. Für ihn gehört das zum Selbstverständnis:

„Als Firmenchef musst du wissen, was

deine Mitarbeiter leisten.“ Bei Betriebsfeiern

ist es ihm wichtig, dass auch Partner und Kinder

dabei sind. „Wir erbringen eine Dienstleistung,

die nicht nach Stechuhr funktioniert.

Manchmal müssen Mitarbeiter auch kurz vor

Feierabend wegen eines verstopften Rohres

ausrücken. Da braucht es das Verständnis des

Partners.“ [!]

ALEXANDER BÖGELEIN

43


[gründen] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Vom Flüchtling zum Unternehmer

Der Anlauf zur Existenzgründung dauerte lange, doch Rashed Mohebbi hat an seinem Traum festgehalten. Der

25-Jährige verkauft seit Juni Lebensmittel, repariert Handys und hat bereits einen Mitarbeiter eingestellt.

Schon an seinem ersten Tag in Göppingen

fallen Rashed Mohebbi die Geschäftsräume

in der Gerberstraße auf.

Gerade erst ist der Afghane in der örtlichen

Flüchtlingsunterkunft angekommen. „Damals

war es noch ein Internetcafé“, erinnert

sich der 25-Jährige, „ich wusste sofort, so einen

Laden will ich.“ Doch bis zur Eröffnung

im Juni 2016 war es ein langer Weg.

Rashed Mohebbi stammt aus Afghanistan, ist

aber größtenteils im Iran aufgewachsen. „In

Afghanistan kannst du nicht leben, zu viel

Krieg“, erklärt er. 2007, mit 16 Jahren, eröffnet

der Perser seinen ersten Reparaturservice. Nebenher

besucht er Kurse bei Microsoft und

wird zum IT-Experten. Allerdings muss alles

unter falschem Namen stattfinden. „Afghanen

sind im Iran nicht gern gesehen“, sagt Mohebbi.

Weiterbildungen an Schulen oder Universitäten

sind ihnen verwehrt. Auch

alltägliche Dinge, wie Autofahren, sind für

afghanische Flüchtlinge nicht möglich.

DREI JAHRE OHNE SPRACHKURS

Den geschäftstüchtigen Migrant belastet das

Versteckspiel. Er will frei leben. 2011 flüchtete

er schließlich nach Deutschland und landet

in Göppingen. Drei Jahre vergehen bis der

Asylantrag des jungen Mannes bewilligt wird.

Drei Jahre ohne Arbeit, Sprachkurs und eigenen

Wohnraum. Trotzdem gibt Mohebbi

nicht auf, bringt sich wichtige Alltagssätze

per Internet bei. Er träumt vom eigenen Service-Geschäft

für Handys, Laptops und Tablets.

Der junge Flüchtling will in Deutschland

Karriere machen.

2013 bricht Mohebbi für anderthalb Jahre

nach Bonn auf. Dort besucht er Sprach- und

Integrationskurse. Sein Ziel hat er fest vor Augen.

Doch schnell stellt sich heraus, dass es in

der Großstadt am Rhein ein Überangebot an

Reparatur-Shops gibt. „In Göppingen aber

nicht“, fällt dem Einsteiger ein. Er kehrt zurück

in die Kreisstadt und arbeitet mithilfe

des Bildungszentrums Donner und Partner

innerhalb von vier Monaten einen Businessplan

aus. Mohebbi entscheidet sich für ein

Zwei-Säulen-Geschäftsmodell. Neben Reparaturen

und Elektronikzubehör sollen persische

Lebensmittel bei ihm erhältlich sein. So

kann er seine Waren günstiger anbieten. Zudem

hofft er, dass Kunden, die Lebensmittel

bei ihm kaufen, sich bei Problemen mit Handy

und Computer an ihn erinnern.

20.000 EURO STARTKAPITAL

„Und auf einmal hing ‚Zu vermieten‘ am Laden

in der Gerberstraße‘“, grinst der Jungunternehmer.

Das Glück scheint perfekt. Doch

noch fehlt das Kapital. Mohebbi beantragt

Einstiegsgeld beim Jobcenter. Zuvor legt er

seinen Plan Gernot Irmgard, dem stellvertretenden

Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer

vor. Fördermittel bekommt der Afghane

zwar keine, doch dafür steht ihm Irmgard mit

Rat und Tat zur Seite. Mithilfe seiner Familie

bringt Mohebbi 20.000 Euro Startkapital auf

und beginnt im Mai sein Geschäft einzurich-

Rashed Mohebbis verkauft in Göppingen persische

Spezialitäten und repariert Laptops.

44


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[gründen]

ten. „Während ich renoviert habe, kam schon

ein Kunde mit seinem Handy“, berichtet er

stolz. Vom Wände streichen bis zum Thekenbau

macht Mohebbi alles selbst. Am 1. Juni

eröffnet „Pixel Technologies“.

Bekannte und Freunde des Persers sind seine

ersten Kunden. Manche reisen extra von Ulm

oder Esslingen an, um sich mit heimischen

Leckereien einzudecken. Doch auch immer

mehr Deutsche bringen Handys mit Displayschaden

und streikende Laptops vorbei. Oder

sie probieren eine der 25 verschiedenen Teesorten.

Weil die Geschäfte gut laufen, hat der

Mohebbi einen Mitarbeiter eingestellt.

„Meine Kunden sind sehr unterschiedlich“,

weiß der Geschäftsmann. So sei es Menschen

aus seiner Heimat und benachbarten Ländern

wichtig, dass das kaputte Elektrogerät binnen

kürzester Zeit wieder funktioniert. Deutsche

hingegen werden misstrauisch, wenn der Displayaustausch

nur 60 Minuten dauert. „Qualität

ist hier wichtiger als Zeit“, hat Mohebbi

gelernt.

Der Existenzgründer liebäugelt sogar schon

mit einem zweiten Geschäft. Denn langfristig

plant er Lebensmittel und Elektronik voneinander

zu trennen. Auch diese Idee stammt

aus einer Beobachtung der deutschen Kunden:

„Reparatur braucht einen ruhigen Platz.“

Das schaffe mehr Vertrauen bei den Klienten.

Sein nächstes Ziel ist es aber erstmal, den Kundenstamm

auszubauen „durch mehr Reklame

und mehr Arbeit“. Montag bis Samstag, 9:15

Uhr bis 20 Uhr ist der Einwanderer für seine

Kunden da.

„ALLES IST GUT HIER“

Als Angestellter in einer Firma zu arbeiten,

kommt für den 25-Jährigen übrigens nicht in

Frage. Mohebbi: „Ich will selbst verantwortlich

sein und mein Leben gestalten.“ Deutschland

soll seine neue Heimat werden: „Alles ist

gut hier. Ich glaube viele Deutschen wissen

das nicht.“ Dann fällt dem Selbstständigen

doch noch eine Sache ein, die ihm hierzulande

Kopfzerbrechen bereitet. Die Steuererklärung.

„Dass jeder Steuern zahlt, finde ich richtig“,

sagt der Gründer, „aber ich verstehe die

Papiere nicht.“ Rashed Mohebbi ist in

Deutschland angekommen. [!] RONJA GYSIN

Migranten sind

Gründerprofis

40 Prozent aller Neugründungen im

Jahr 2014 wurden von Personen mit

ausländischer Staatsangehörigkeit

durchgeführt. Dabei sind Newcomer

mit Migrationshintergrund nach den

IHK-Erfahrungen nicht besser oder

schlechter vorbereitet als deutschstämmige

Gründer. Da zwei Drittel der

migrantengeführten Unternehmen in

den Branchen Baugewerbe, Handel

und Gastronomie agieren, übernehmen

Einwanderer in vielen Gegenden die

Nahversorgung. Mit rund 2,5 Millionen

Arbeitsplätzen stärken sie gleichzeitig

die deutsche Gesamtwirtschaft. GYS

Wachsen ist einfach.

Wenn man für Investitionen einen Partner hat,

der Ideen von Anfang an unterstützt.

ksk-gp.de

sparkasse-ulm.de

45


[leben] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Oh du schöner Weihnachtsschmuck! Auch manche Kater haben ihre Freude daran: Der Christbaum zieht sie magisch an.

Foto: © Trevor Allen / Fotolia.com

Volker Munk, Inhaber der Ulmer

Firmen Munk Immobilien

und Munk Bauen & Wohnen,

verzichtet auf Kundengeschenke

und spendet Geld an soziale

Einrichtungen.

Andrea Grusdas genießt den

Heiligabend mit ihrem Mann

und ihren beiden Hunden in

aller Stille. Die 47-Jährige ist

seit Oktober 2012 Vorstandsmitglied

bei der Sparkasse Ulm.

1) Wir haben neben der jährlichen Weihnachtsfeier am 23. Dezember

immer einen Umtrunk in der Firma, bei dem es Sekt oder Champagner

und Räucherlachs gibt. Zu diesem Termin werden auch alle

Weihnachtsgeschenke, die uns überreicht wurden, in einer Tombola

verlost.

2) Wir beschenken unsere Kunden nicht zu Weihnachten, stattdessen

spenden wir an soziale Einrichtungen. Statt Weihnachtskarten verschicken

wir seit mehr als 25 Jahren unseren individuell geschriebenen

Weihnachtsbrief an mehr als 3000 Kunden.

3) Am 24. Dezember nehme ich mir grundsätzlich eine Stunde Zeit, in

der ich alleine einen Spaziergang mache und über das vergangene

Jahr nachdenke. Vieles wird dann noch einmal überdacht und die

Vorsätze für das kommende Jahr gefasst.

4) Das schönste Weihnachten war der Heiligabend, an dem meine beiden

Kinder das erste Mal Weihnachten aufgrund ihres Alters so

richtig erleben konnten. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen

in einem behüteten Umfeld?

5) Bei klarem Verstand und ohne große körperlichen Gebrechen alt

werden – und das Leben jeden Tag als Geschenk verstehen.

1) JedeAbteilung gestaltet ihre Weihnachtsfeier individuell. Mal mit

einem kleinen Umtrunk, mal mit einem gemeinsamen Abendessen.

Ich finde das sehr schön und versuche, an möglichst vielen Feiern

teilzunehmen.

2) Die Sparkasse Ulm gestaltet jedes Jahr einen wunderschönen Wandkalender

mit Fotomotiven aus dem Alb-Donau-Kreis und Ulm. Diesen

verschenken wir zum Jahresende.

3) Traditionell gibt es bei uns an Heiligabend ein Fleisch-Fondue mit

vielen verschiedenen Saucen und Beilagen. Bei einem gemütlichen

Beisammensein genießen mein Mann und ich einen ruhigen Abend

mit unseren beiden Hunden.

4) Ich kann mich an ein Fest erinnern, bei dem wir den ganzen Abend

damit beschäftigt waren, unseren Kater aus dem geschmückten

Baum zu holen und den Weihnachtsschmuck vor seinen Pfoten zu

retten. Irgendwann haben wir aufgegeben und den Baum schon an

Heiligabend abgeschmückt und einfach „grün“ stehen lassen – sehr

zur Freude unseres Katers.

5) Als jemand, der sich im Tierschutz engagiert, wäre mein Wunsch,

dass Freude, Würde und Gesundheit nicht nur für Menschen, sondern

auch für Tiere gesichert wäre.

46


unternehmen [!] Ausgabe 54 | Dezember 2016

[leben]

Ein Kater im Weihnachtsbaum

Mit innerer Ruhe und klarem Verstand das Leben betrachten – und an Heiligabend mit Kindern und Freunden

feiern: Sechs Führungskräfte haben unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler in einer Umfrage ihre persönlichen

Erlebnisse und Wünsche für das kommende Weihnachtsfest verraten.

1) Wie feiern Sie Weihnachten in Ihrem Unternehmen?

2) Wie beschenken Sie Kunden, Partner und Mitarbeiter?

3) Und privat: Verraten Sie uns eines Ihrer Weihnachtsrituale?

4) Was war Ihr schönstes oder schrägstes Erlebnis an

Weihnachten?

5) Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – und bereits gesichert

ist, dass alle Menschen in der Welt in Frieden,

Würde und Gesundheit leben – wie lautet dieser?

Foto: © sek_suwat / Fotolia.com

Foto: © emuck / Fotolia.com

Toastbrot statt Lachs. Melanie

Kloker, die Geschäftsführerin der

Kamo Frischwarmwassersystem

GmbH in Ehingen, nahm ein verdorbenes

Weihnachtsessen mit

Humor.

WIR

GESTALTEN

MIT

1) Wir machen eine kleine Weihnachtsfeier bei uns in der Firma mit feinem Essen, Tanz und

guten Unterhaltungen.

2) Für unsere Kunden haben wir jedes Jahr verschiedene Geschenke, die zumeist persönlich von

unseren Mitarbeitern übergeben werden. Für unsere mehr als 80 Beschäftigten versuchen wir

immer etwas Besonderes mit persönlichem Touch zu finden, was nicht immer einfach ist.

Meinen Partner zu beschenken ist nach über 25 Jahren auch nicht einfach, da man sich schon

so einiges geschenkt hat. Dennoch finde ich es wichtig, sich wirklich Gedanken zu machen.

3) Unsere Familie trifft sich an Heiligabend schon mittags zum Kaffee, um die Hektik aus dem

Tag zu nehmen. Danach machen wir einen Spaziergang, um dann langsam zur Bescherung

überzugehen.

4) Meine Eltern hatten tollen Graved Lachs für das Weihnachtsmenü besorgt. Leider bemerkten

wir beim Servieren, dass der Lachs am Heiligabend schlecht war. So bestand unser Weihnachtsessen

aus Toastbrot. Wir haben das aber mit Humor genommen.

5) Oh je, diese Frage finde ich schwierig. Natürlich habe ich viele Wünsche, aber welches „der

Wunsch“ ist, kann ich nicht sagen.

mediaservice ulm

Frauenstraße 77

89073 Ulm

www.mediaservice-ulm.de

47


[leben] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Hartmut Koch-Czech ist seit

2001 Geschäftsführer der Eduard

Merkle GmbH & Co. KG in

Blaubeuren. Seine Familie und

er fanden an Heiligabend einmal

ein frierendes Kätzchen im

Schnee – und nahmen es auf.

1) Die Belegschaft und die Rentner sitzen zusammen beim Christbaum

aus dem Steinbruch. Trompetenklänge stimmen mit ein paar

Weihnachtsliedern auf das Fest ein. Nachdem ich einen Jahresrückblick

gegeben habe und eine besinnliche Geschichte vorgelesen

wurde, wird gut gegessen und lange gesessen.

2) Kunden und Partner erhalten einen persönlichen Weihnachtsgruß.

Im Jahresverlauf gibt es eine Einladung zur „Blaubeurer Sommerbühne“

oder zu „Kunst im Steinbruch“.

Foto: © Stauke / Fotolia.com

3) Nach dem Kirchgang wird zuhause

die Weihnachtsgeschichte

nochmals gelesen und gesungen.

Danach folgen die Bescherung

und ein festliches Menü. An

den Feiertagen kommen wir

mit der Familie zusammen.

4) An einem Heiligabend fanden

wir nach dem Gottesdienst

ein ca. 12 Wochen

altes Kätzchen,

das jämmerlich

miauend

und halb erfroren

im Schnee unter

der Haustreppe lag.

Die Kinder haben es bei uns

aufgenommen und umsorgt.

5) Weihnachten einfach als Jesu

Geburtstag feiern – nicht

mehr und nicht weniger!

Foto: © Claudia Paulussen / Fotolia.com

Foto: © Thomas Francois / Fotolia.com

Immer mit der Ruhe. Michaela

Braunmüller, selbstständige

Friseurmeisterin und Obermeisterin

der Friseurinnung Göppingen,

wünscht sich mehr Gelassenheit.

1) Ich schenke meinen Kunden in der Adventszeit Tee, Kaffee und

Glühwein aus. Und Weihnachtsgebäck gibt es auch.

2) Jede Kundin und jeder Kunden erhält von mir ein persönliches, auf

sie beziehungsweise ihn zugeschnittenes Geschenk. Ich lasse mir

jedes Jahr etwas Neues einfallen.

3) Ohne Weihnachtsbaum läuft bei uns gar nichts. Der muss bis unter

die Zimmerdecke reichen und wird von mir stundenlang mit einer

Unmenge von Weihnachtsschmuck dekoriert. An Weihnachten kochen

und essen wir gemeinsam mit unseren Kindern und guten

Freunden – drei Tage lang.

4) Das war im Jahr 1992 die Geburt meines Sohnes, der 24 Minuten vor

Heiligabend, also am 23. Dezember um 23.36 Uhr, auf die Welt kam.

5) Gelassenheit. Wir Menschen müssen wieder lernen Freude zu empfinden.

Und damit meine ich auch Spaß an der Arbeit. Denn wir leben

doch in einer hektischen, durchgeknallten Welt.

Hans-Georg Ehekircher, Inhaber

der gleichnamigen Sanitär-

Heizung-Flaschnerei in Geislingen,

wünscht sich oftmals mehr

Planungssicherheit im Leben.

1) In der Regel wird von meinen Mitarbeitern eine kleine Weihnachtsfeier

in einer Gaststätte organisiert. Ich übernehme die Kosten bis

zu einer bestimmten Höhe.

2) Kunden und Partner erhalten eine individuelle Grußkarte. Die Mitarbeiter

bekommen etwas Nützliches, zum Beispiel Winterjacken

oder sonstige Bekleidung.

3) An Heiligabend ist ein gemeinsames Essen mit meiner Schwester

und deren Familie angesagt, anschließend ein Kirchgang. Am zweiten

Weihnachtsfeiertag ist Treffen mit der Familie meiner Frau in

Esslingen.

4) Der Sturm Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ist mir noch

sehr gut in Erinnerung. Wir waren gerade am Aufbrechen zum Familientreffen,

als er loslegte. Dieses Treffen war dann nicht mehr

möglich. Anschließend stand das Telefon nicht mehr still. Wir hatten

vollen Einsatz. Bei unseren Kunden waren Dächer abgedeckt

und sonstige Beschädigungen an den Häusern waren zu beheben.

Das Weihnachtsfest war schlagartig beendet.

5) Etwas mehr Glück und weniger Sorgen für mich und meine Familie

wären nicht schlecht. Das Leben ist sehr kompliziert. Oft weiß man

nicht, was der Tag bringt. Hier wäre mir mehr Planungssicherheit

wichtig.

48


Da braut sich was Gutes zusammen!

Im Frühjahr 2017 öffnen das RiKu HOTEL und die Barfüßer

Hausbrauerei inmitten des Ulmer Zentrums ihre Türen.

Während das RiKu HOTEL 40 komfortabel und modern eingerichtete

Zimmer für Sie bereit hält, heißt Sie die Barfüßer Hausbrauerei mit

selbst gebrautem Bier und bayrisch-schwäbischen Schmankerln

herzlich willkommen.

Aufgrund der direkten Anbindung des RiKu HOTELs an die Barfüßer

Hausbrauerei lässt sich beides hervorragend miteinander kombinieren:

So kann ein erfolgreicher Arbeitstag in dem gemütlichen Ambiente

der Barfüßer Hausbrauerei ausgeklungen werden, wohlwissend, dass

die Übernachtungsmöglichkeit für Geschäftspartner von auswärts nur

einen Katzensprung entfernt ist.

Das RiKu HOTEL und das Barfüßer Team freuen sich auf Sie!

www.barfuesser-brauhaus.de www.riku-hotel.de


[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | Dezember 2016 unternehmen [!]

Mit Konzept

für Freizeitbad

erfolgreich

Ausgezeichnet:

Natalie

Falkenstein.

Die 28-jährige Natalie Falkenstein

aus Biberach ist mit dem

Kulturpreis

Bayern als

beste Abs0lventin

der

Hochschule

Neu-Ulm

ausgezeichnet

worden.

Der Grund:

Ihre herausragende

Masterarbeit.

Der Lohn: die mit 2.000 Euro

dotierte Auszeichnung. Die

„Master of Advanced

Management“-Absolventin hatte

in ihrer Abschlussarbeit ein

kundenorientiertes Marketing-

Konzept für das Freizeitbad Bad

Blau in Blaustein entwickelt.

Dafür hatte die Betriebswirtin

Besucher befragt und das Kundenverhalten

entlang des Kaufprozesses

untersucht.

„Es fehlen Leute,

die das Geld

verplanen“

Britax Römer: In Leipheim angekommen

Bis zum Jahresende schließt der Hersteller

von Auto-Kindersitzen Britax Römer seinen

Umzug nach Leipheim auf das interkommunale

Gewerbegebiet „Areal pro“ ab. Ulm verliert

damit 380 Arbeitsplätze. Als letzter Bereich

verlässt die Fertigung das verwinkelte Gebäude

in der Blaubeurer Straße. Der neue 18.000

In Baden-Württemberg fehlen

Ingenieure. Nach einer Erhebung

des arbeitgebernahen Instituts

der deutschen Wirtschaft

und des Verbands Deutscher Ingenieure

kommen auf 100 arbeitslose

Ingenieure im Südwesten

388 offene Stellen, im

Bundesdurchschnitt sind es

261. Der Fachkräftemangel

wird mittlerweile für den öffentlichen

Dienst zur Herausforderung.

„Der findet keine

Leute“, sagte IW-Arbeitsmarktexperte

Oliver Koppel. Baden-

Württembergs Wohnungsbauministerium

bestätigte die

schwierige Suche nach geeignetem

Personal. Die Folge: Es sei

zwar Geld für Sanierungen und

Straßenbau da. „Aber jetzt fehlen

die Leute, um das Geld zu

verplanen.“ Gesucht seien derzeit

Ingenieure aus den Bereichen

Bau, Vermessung und Gebäudetechnik.

Mit bekömmlich

darf Härle

nicht werben

Auch das Oberlandesgericht

Stuttgart hat dem Leutkircher

Brauer Gottfried Härle untersagt,

sein Bier „bekömmlich“ zu

nennen, es ließ aber Revision

beim Bundesgerichtshof (BGH)

zu. Bei Redaktionsschluss dieser

Ausgabe wusste Härle noch

Quadratmeter große Hauptsitz hat einen zweistelligen

Millionenbetrag gekostet und verfügt

unter anderem über eine hochmoderne Crash-

Test-Anlage. Britax Römer stellt 90 Prozent

seiner Kindersitze in Europa her, davon zwei

Drittel in Deutschland. Weltweit beschäftigt

das Unternehmen rund 1220 Mitarbeiter.

nicht, wie er sich entscheidet.

Bisher hat ihn der Streit einen

„ordentlichen“ fünfstelligen Betrag

gekostet. Die Brauerei bewirbt

seit 1902 manche Biersorte

als „bekömmlich“. Weil aber

EU-Recht gesundheitsbezogene

Werbung für Getränke mit einem

Alkoholgehalt von mehr

als 1,2 Volumenprozent verbietet,

klagte der Verband Sozialer

Wettbewerb. Härle ärgert das,

für ihn ist der Begriff eine „reine

Qualitätsaussage“. Zudem lasse

die EU-Verordnung unter bestimmten

Voraussetzungen

Ausnahmen zu. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Giacinto Carlucci (Titel +

Titelinterview), Marc Hörger,

Werkfotos, Getty Images, Picture

Alliance, PR, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18.000 Exemplare

Nächste Ausgabe

10. März 2017

Die Themen

Unternehmertag 2017

Gewerbebau

Investitionen finanzieren

u. v. m.

Anzeigenschluss

15. Februar 2017

www.swp.de/unternehmen

50


Intelligenz-Test-Fahrt.

Das neue E-Klasse T-Modell. Masterpiece of Intelligence.

•IntelligentesundvariablesRaumkonzeptmitdemgrößten

LaderaumimSegment

•EinzigartigesKomfort-undSicherheitsniveaudank

neuesterGenerationMercedes-BenzInteligentDrive

•BegeisterndeInnovationwiePRE-SAFE ® ImpulsSeite

undDRIVEPILOT imoptionalenFahrassistenz-PaketPlus

Jetzt Probe fahren.

07 31/7 00-18 00

Anbieter:DaimlerAG, Mercedesstraße137,70327Stuttgart

PartnervorOrt: Daimler AG,vertretendurchMercedes-BenzVertriebPKWGmbH

NiederlassungUlm/Neu-Ulm:Von-Liebig-Straße10•89231Neu-Ulm

Telefon: 0731/700-0•www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de

More magazines by this user