unternehmen Dezember 2016
unternehmen Dezember 2016
unternehmen Dezember 2016
Transform your PDFs into Flipbooks and boost your revenue!
Leverage SEO-optimized Flipbooks, powerful backlinks, and multimedia content to professionally showcase your products and significantly increase your reach.
Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> | 3,00 €<br />
4 197821 303000 5 4<br />
Zug um Zug –<br />
Mythos Märklin<br />
Florian Sieber führt den traditionsreichen<br />
Modellbahnhersteller zurück in die Erfolgsspur. Ein<br />
Gespräch über Emotionen, Digitales und Marketing.<br />
Arbeitszeit Wie Unternehmen attraktiver werden SEITE 6<br />
Entspannung Tipps für kurze Auszeiten in der Alltagshektik SEITE 32<br />
Umfrage Was für Führungskräfte an Weihnachten wichtig ist SEITE 46
Zeit für Pioniere.<br />
Die Meister Driver Chronoscope zeigt nicht nur die<br />
Zeit an, sondern bringt eine ganze Epoche zurück: die<br />
Anfangsjahre des modernen Automobils und die Stunde<br />
der großen Technik pioniere. Ihr Äußeres ist inspiriert<br />
von der Gestaltung historisch bedeutender Oldtimer<br />
und deren Instrumententafeln. Wie keine andere verbindet<br />
sie den einzigartigen Charme dieser Automobile<br />
mit unserer Leidenschaft für mechanische Zeitmesser.
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[inhalt]<br />
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,<br />
Alexander Bögelein,<br />
Redaktionsleiter<br />
<strong>unternehmen</strong> [!]<br />
was bleibt im Rückblick auf dieses Jahr für<br />
die erfolgsverwöhnte Wirtschaft in Baden-<br />
Württemberg? Wie wäre es mit Dankbarkeit?<br />
Während viele Länder in Krisen und<br />
Kriegen versinken, geht es bei uns im siebten<br />
Jahr in Folge bergauf. Die Firmen sind<br />
gut ausgelastet – und gut aufgestellt. Das<br />
gilt auch für Märklin, wenngleich der Wettbewerb<br />
um Regalfläche im Handel für den<br />
Modellbahnhersteller herausfordernd ist,<br />
wie unser Titelinterview mit Märklin-Chef<br />
Florian Sieber zeigt (S. 10). Doch die gute<br />
Auftragslage hat auch ihre Kehrseite: Manche<br />
Chefs fordern viel und gehen mit ihren<br />
Mitarbeitern, aber auch mit sich selbst,<br />
nicht gut um. Das kann gefährliche Folgen<br />
haben und für Firmen teuer werden (S. 28).<br />
Dabei wäre es so einfach, sich Auszeiten zu<br />
gönnen (S.32). In unserer Umfrage geht es<br />
dieses Mal um Weihnachtserlebnisse. Ich<br />
wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.<br />
Ihr Alexander Bögelein<br />
[führen]<br />
6 Wann es euch gefällt Mit Vertrauensarbeits<br />
zeit zum attraktiven Arbeitgeber<br />
40 Bühne für die Suche nach den Besten<br />
1200 Besucher beim zweiten<br />
Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE<br />
[titelthema]<br />
10 Weichensteller für die digitale<br />
Zukunft Märklin-Chef Florian Sieber<br />
im Gespräch<br />
[spezial]<br />
20 Auf die Plätze – fertig – Haus<br />
In Günzburg stehen Europas modernste<br />
Fertighäuser<br />
36 Flott gemacht Viel Geld mit<br />
Fuhrparkmanagement sparen<br />
[finanzieren]<br />
22 Die Tücke der Versorgungslücke<br />
Altersvorsorge: Keine Angst vor bösen<br />
Überraschungen<br />
[machen]<br />
26 Fensterbauer mit glasklarer<br />
Ausrichtung Gugelfuss aus Elchingen<br />
42 Gemeinsam besser entsorgen<br />
Recycling im Netzwerk: Knittel aus<br />
Vöhringen<br />
[verantworten]<br />
28 Gefährliche Abwärtsspirale Wie gute<br />
Chefs ihre Mitarbeiter vor Burnout<br />
schützen<br />
32 Moment mal Expertentipps für mehr<br />
Achtsamkeit sich selbst gegenüber<br />
[gründen]<br />
44 Vom Flüchtling zum Unternehmer<br />
Rashed Mohebbi macht sein Ding<br />
[leben]<br />
46 Ein Kater im Weihnachtsbaum<br />
Umfrage unter Führungskräften zu ihren<br />
Weihnachtswünschen und -erlebnissen<br />
[namen & nachrichten]<br />
4 Freiraum für digitale Talente<br />
5 Angespannter Immobilien-Markt,<br />
aber keine Preisblase<br />
20 Erster Mieter für Sedelhöfe<br />
50 Britax Römer: In Leipheim<br />
angekommen<br />
50 Impressum<br />
26 42<br />
28 06<br />
22<br />
3
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Freiraum für digitale Talente<br />
Die Wirtschaftsregion Ulm ist<br />
stark. Doch was ist nötig, damit<br />
das auch 2030 der Fall ist? Eine<br />
Initiative von Unternehmern hat<br />
den Verein „initiative.ulm.digital“<br />
gegründet. Dessen Ziel: Ulm<br />
zum digitalen Marktplatz für junge<br />
Talente zu machen, für diese<br />
und damit auch für Fachkräfte<br />
attraktiv zu sein. Ulms Oberbürgermeister<br />
Gunter Czisch ist Beiratsmitglied.<br />
Er beschäftigt sich<br />
seit mehr als zehn Jahren mit Digitalisierung,<br />
ist unter anderem<br />
beim Nationalen E-Government<br />
Kompetenzzentrum aktiv und in<br />
IT-Führungskreisen extrem gut<br />
vernetzt. „Innovation kann man<br />
nicht organisieren, man kann<br />
nur ein Milieu schaffen, in dem<br />
sich Kreativität entfaltet“, sagt<br />
Czisch. Für ihn ist Digitalisierung<br />
vor allem ein Thema der<br />
Stadtentwicklung: „Man muss<br />
stets fragen: An welcher Stelle<br />
kann und muss eine Stadt selbst<br />
etwas tun?“ Neben dem neu gegründeten<br />
Verein ist das Verschwörhaus<br />
ein Teil der Initiative.<br />
In diesem Reallabor haben<br />
junge Leute Freiräume, ihre Ideen<br />
umzusetzen. Aktuell geht es<br />
auch um den Aufbau eines Sensoren-Netzwerks.<br />
Wofür das gut<br />
sein soll? Um Lösungen zu finden,<br />
an die man heute noch nicht<br />
denkt. Im spanischen Santander<br />
wurden 20.000 Sensoren angebracht.<br />
Diese liefern nun Daten<br />
an eine zentrale Kontrollstelle.<br />
Damit werden die Parkplätze in<br />
der City wie in einem riesigen<br />
Parkhaus organisiert.<br />
Im Verschwörhaus gibt es derzeit<br />
Arbeitsgruppen für die Themen<br />
„Open Data“ und „CNC-Maschinen<br />
und gefährliche Geräte“ sowie<br />
Einführungskurse fürs „Offene<br />
Editieren“ von Wikipedia und<br />
wöchentlich offene Abende (ab<br />
18.30 Uhr.) Die Bandbreite der Interessierten<br />
reicht von 6 bis 60<br />
Jahren. Auch haben dort Jugendliche<br />
zum Beispiel in einem Löt-<br />
Workshop gelernt, einen TV-Ausknipser<br />
zu bauen. [!] AMB<br />
Machen Ulm attraktiv für Digital-Talente: OB Gunter Czisch (links) und Heribert<br />
Fritz, Vorsitzender des Vereins „initiative.ulm.digital“.<br />
Dietenheim wird zum Wissenschaftslabor<br />
Mit gläsernen Produktionen und<br />
Design-Werkstätten will Dietenheim<br />
(Alb-Donau-Kreis) an seine<br />
Tradition als Textilstandort anknüpfen.<br />
„Unser Ziel ist es, die<br />
Wirtschaftskraft unserer Stadt<br />
auszubauen und die Innenstadt<br />
neu zu beleben“, sagt Bürgermeister<br />
Christopher Eh. Gefördert<br />
wird sein Ansinnen vom Land<br />
Baden-Württemberg, das ein Forschungsprojekt<br />
der Universität<br />
Ulm und der Hochschule Reutlingen<br />
mit knapp einer Million<br />
Euro fördert. Mit einem „ReallaborE<br />
wollen die Wissenschaftler<br />
mit den 6700 Einwohnern Lösungen<br />
und Wege für die Zukunft<br />
ausfindig machen. Bereits im Juli<br />
wurde deshalb in der Dietenheimer<br />
Innenstadt ein Nähcafé für<br />
wöchentliche Workshops und<br />
Strickkurse eröffnet.<br />
„Wer verantwortungsvoll handelt,<br />
wendet sich ab von Billigtextilien<br />
und hin zu fair gehandelten,<br />
umweltverträglichen<br />
Produkten, die sich durch Qualität<br />
und Langlebigkeit auszeichnen“,<br />
erklärt Professor Dr. Martin<br />
Müller von der Universität Ulm<br />
die Philosophie des auf mehrere<br />
Die erste Messe „Dietenheim zieht an!“ lockte viel Besucher an.<br />
Jahre angelegten Forschungsprojektes.<br />
Eine erste Kostprobe gab<br />
es mit der Ausstellung „Dietenheim<br />
zieht an!“, bei der 15 Hersteller<br />
und Händler aus der Region<br />
nachhaltige Mode und<br />
innovative Ideen aus der Textilwirtschaft<br />
präsentierten, darunter<br />
Miet- und Tauschkonzepte für<br />
hochwertige Bekleidung. Auch<br />
Andreas Merkel möchte den Textilstandort<br />
wieder aufleben lassen.<br />
Der Geschäftsführer der Gebrüder<br />
Otto GmbH & Co. KG,<br />
einer Traditionsspinnerei, weiß:<br />
„Das Prinzip des klassischen Einzelhandels<br />
funktioniert nicht<br />
mehr. Deshalb müssen wir im<br />
Ort ein Einkaufserlebnis für die<br />
ganze Familie schaffen.“[!] LOE<br />
4
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[namen & nachrichten]<br />
Angespannter Immobilien-Markt, aber keine Preisblase<br />
Die Gefahr einer Immobilienblase<br />
steigt in deutschen Großstädten,<br />
nicht aber in der Region. Einen<br />
Spitzenplatz nimmt nach<br />
dem Blasenindex des Berliner Beratungs<strong>unternehmen</strong>s<br />
Empirica<br />
Stuttgart ein. Dort sei es deutlich<br />
schwieriger geworden, einen<br />
Wohnungskauf über Vermietung<br />
zu refinanzieren, weil sich Preise<br />
und Mieten auseinander entwickeln.<br />
Zudem lässt sich mit dem<br />
dortigen Einkommen schlechter<br />
eine Eigentumswohnung finanzieren.<br />
Empirica-Marktforscher<br />
Reiner Braun sieht die Situation<br />
kritisch: „In Stuttgart gibt es viel<br />
zu wenig Neubau.“ In den Landkreisen<br />
Göppingen, Alb-Donau,<br />
Ravensburg und Bodensee sei die<br />
Lage eher unproblematisch.<br />
Der Kreis Biberach sei eine der<br />
wenigen Regionen, in denen „zu<br />
viel“ gebaut werde. „Die Preise<br />
und Mieten haben sich zuletzt<br />
schon etwas beruhigt. Es gibt<br />
aber großen Nachholbedarf wegen<br />
der guten Arbeitsplatzentwicklung“,<br />
sagt Braun. Allerdings<br />
müsse man beobachten, ob langfristig<br />
mehr als 1000 Wohneinheiten<br />
pro Jahr fertiggestellt werden.<br />
„Das wäre dann wohl etwas<br />
zu viel.“ Gleichwohl sei es in Biberach,<br />
am Bodensee und in der<br />
Stadt Ulm im dritten Quartal<br />
schwieriger gewesen, einen Wohnungskauf<br />
über die Miete zu refinanzieren.<br />
In Ulm sei es auch<br />
komplizierter geworden, mit<br />
dem regionalen Einkommen eine<br />
Wohnung zu kaufen. [!] AMB<br />
Die Penthouse-Wohnungen im Brückenhaus in Neu-Ulm gehören zu den teuersten<br />
und exklusivsten Lagen, die die Region Ulm zu bieten hat.<br />
Aufschwung<br />
solide, gute<br />
Auslastung<br />
Die Konjunktur in Baden-Württemberg<br />
läuft weiter gut. Die IHK<br />
Ulm spricht von einem soliden<br />
Aufschwung. Die Stimmung in<br />
den Unternehmen ist positiv. Für<br />
die kommenden Monate wird eine<br />
Entwicklung auf ähnlichem<br />
Niveau erwartet. Bei mehr als der<br />
Hälfte aller Betriebe laufen die<br />
Geschäfte gut. Weitere 42 Prozent<br />
vermelden eine befriedigende<br />
Geschäftslage. Ursache hierfür<br />
sind laut IHK ordentliche Umsatzzahlen.<br />
Zudem habe sich die<br />
Ertragslage gegenüber dem Frühjahr<br />
noch einmal verbessert.<br />
Blendend ist die Stimmung im<br />
Handwerk. Nach den Angaben<br />
der Handwerkskammer Ulm, die<br />
18.400 Betriebe zwischen Jagst<br />
und Bodensee betreut, sind drei<br />
Viertel der Firmen mit ihrer wirtschaftlichen<br />
Situation zufrieden.<br />
Die Auslastung ist gut[!] AMB<br />
Daimler TSS holt sich den<br />
Titel „attraktivste Firma“<br />
Die 20 beliebtesten Firmen in der<br />
Region Ulm/Neu-Ulm<br />
1. Daimler TSS<br />
2. Ratiopharm GmbH<br />
3. Liebherr-International<br />
Deutschland<br />
4. Airbus Defence and Space<br />
5. Seeberger<br />
6. Wieland-Werke<br />
7. Gardena Deutschland<br />
8. Liqui Moly<br />
9. Peri<br />
10. Drogeriemarkt Müller<br />
Rund 1800 junge Leute haben<br />
Daimler TSS zum attraktivsten<br />
Arbeitgeber in der Region Ulm/<br />
Neu-Ulm gewählt. Die IT-Tochter<br />
des Daimler-Konzerns mit Sitz in<br />
Ulm (siehe auch Seite 6) verteidigte<br />
damit ihren Titel. Für die<br />
Studie hatte die Hochschule Neu-<br />
Ulm mehr als 1700 Studenten<br />
sowie Berufsschüler und erstmals<br />
auch Fachkräfte in Weiterbildung<br />
befragt. Es ging um drei<br />
Fragen: Ob man das Unternehmen<br />
kennt. Ob man es sympathisch<br />
findet. Und ob man sich<br />
dort bewerben würde. In die Studie<br />
aufgenommen wurden alle<br />
Unternehmen mit Sitz in der Region<br />
Ulm/Neu-Ulm, die einen<br />
Jahresumsatz von mindestens 50<br />
Millionen Euro erzielen: 72 Firmen<br />
an der Zahl. [!] AMB<br />
11. SWU Stadtwerke Ulm/NU<br />
12. Iveco-Magirus AG<br />
13. Magirus GmbH<br />
14. Settele Schwäbische<br />
Spezialitäten & Feinkost<br />
15. Möbel Inhofer<br />
16. Finkbeiner<br />
17. Held & Ströhle<br />
18. Zwick<br />
19. R-Pharm<br />
20. Reinz<br />
Präsident<br />
bis 2018:<br />
Peter Kulitz<br />
Den Rang als einen der aktivsten<br />
Fürsprecher des Wirtschaftsstandorts<br />
Baden-Württemberg<br />
kann<br />
Peter Kulitz<br />
niemand so<br />
schnell streitig<br />
machen. Auch<br />
wenn dieser<br />
nach drei Peter Kulitz ist seit<br />
Amtsperioden<br />
und sechs Jahren<br />
2003 Präsident<br />
der IHK Ulm.<br />
sein Amt<br />
als Präsident des Baden-Württembergischen<br />
Industrie- und Handelskammertages<br />
abgegeben hat.<br />
Sein Nachfolger ist Wolfgang<br />
Grenke (Baden-Baden) In Ulm<br />
bleibt der Unternehmer und<br />
Rechtswalt noch bis 2018 Präsident<br />
der dortigen IHK und wird<br />
die Führung dann nach 15 Jahren<br />
an der Spitze abgeben. [!] KÖ<br />
5
Starre Arbeitszeiten lösen sich auf: Was bei<br />
großen Beratungsfirmen oder im IT-Bereich dank<br />
Vernetzung selbstverständlich ist, erfasst nun<br />
auch andere Branchen.<br />
6
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[führen]<br />
Wann es euch gefällt<br />
Fixe Bürozeiten adé: Im modernen Berufsleben entkoppelt sich dank digitaler Möglichkeiten die Arbeit von Zeit<br />
und Raum. Der Wunsch nach flexiblen Lösungen ist bei vielen Beschäftigten groß. Im Zeitalter des<br />
Fachkräftemangels werden Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit zum Werbefaktor für attraktive Arbeitgeber.<br />
Bei mehr als 800 Mitarbeitern existieren bei Daimler TSS mehr<br />
als 165 Arbeitszeitmodelle. „Vom Prinzip her ist alles möglich“,<br />
erklärt Heike Tyrtania, die Leiterin Human Resource<br />
(HR) des Ulmer Unternehmens. „Manche Mitarbeiter kommen<br />
nur an einzelnen Tagen, andere immer vormittags, manche erledigen<br />
ihre Aufgaben zum Teil von unterwegs oder arbeiten zuhause.“<br />
Die Arbeitszeit muss auch nicht notwendigerweise am Stück erbracht<br />
werden. „Es ist auch denkbar, dass erst gearbeitet<br />
wird, dann etwas Privates erledigt<br />
wird, und dann geht es wieder zurück an<br />
die Arbeit.“<br />
Die Mitarbeiter müssen natürlich die vertraglich<br />
vereinbarten Wochenstunden arbeiten.<br />
Sie müssen diese auch dokumentieren.<br />
Doch wann sie arbeiten und wo sie<br />
arbeiten stimmen sie mit ihrem Vorgesetzten<br />
und den Kollegen ab. Das geht sogar<br />
soweit, dass im Fall der Fälle sogar Kinder<br />
mit ins Büro gebracht werden können, Heike Tyrtania, Leiterin<br />
wenn es zuhause nicht mit der Betreuung HR bei Daimler TSS.<br />
klappt. Dafür ist extra ein Familienzimmer<br />
eingerichtet worden.<br />
Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben bei potenziellen Mitarbeitern<br />
mit großer zeitlicher Flexibilität und der Vereinbarkeit von<br />
Familie und Beruf. Dass sich wirklich etwas getan hat und der klassische<br />
Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr nicht mehr der Standard ist, zeigen<br />
Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Zwei Drittel der<br />
Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben demnach flexible<br />
Tages- und Wochenarbeitszeiten, sieben von zehn Betrieben bieten<br />
individuelle Arbeitszeiten, fast vier Fünftel der Firmen bieten ihren<br />
Mitarbeitern Teilzeit an. Doch bei aller Flexibilität: Den Rahmen hierfür<br />
steckt immer noch das deutsche Arbeitszeitgesetz ab.<br />
STARRE OBERGRENZEN PRO TAG<br />
Kern der deutschen Arbeitszeitvorschriften ist der Achtstundentag.<br />
Bis zu zehn Stunden pro Tag sind möglich, wenn innerhalb von sechs<br />
Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt<br />
acht Stunden pro Werktag nicht überschritten werden. Auch der<br />
Samstag zählt zu den Werktagen. Damit beträgt die zulässige Wochenarbeitszeit<br />
48 Stunden. Allerdings gelten zahlreiche Ausnahmen, zum<br />
Beispiel für Klinikmitarbeiter, Beamte oder leitende Angestellte.<br />
„Den Unternehmen sind die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse nach<br />
flexiblen Arbeitszeiten wichtig“, sagt Götz A. Maier, Geschäftsführer<br />
der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm. Bewerber fragen nach seinen<br />
Worten in jüngster Zeit immer wieder danach. Allerdings sei es nicht<br />
immer einfach, diese beide Seiten der Flexibilität unter einen Hut zu<br />
bekommen. Er würde sich wünschen, dass zum Beispiel die Zeit zwischen<br />
zwei Arbeitstagen flexibler gehandhabt werden dürfte.<br />
Die aktuelle Gesetzeslage erlaube es nicht immer, die Bedürfnisse der<br />
Arbeitgeber und auch gerade der Beschäftigten abzubilden: „Wenn der<br />
Arbeitnehmer vielleicht früher nach Hause gegangen ist, um Zeit für<br />
die Familie zu haben und dann, wenn die Kinder im Bett sind, abends<br />
um 22 Uhr auf dem Sofa noch schnell 15 Minuten E-Mails durcharbeiten<br />
will, darf er am nächsten Tag erst wieder nach 9 Uhr arbeiten“, sagt<br />
Maier. In Europa gebe es meist nur eine Obergrenze der Arbeitszeit pro<br />
Woche, in Deutschland zusätzlich noch eine pro Tag. „Diese tägliche<br />
Grenze wegzulassen, würde die Flexibilität für beide Seiten spürbar<br />
verbessern, auch ohne dass insgesamt mehr gearbeitet werden würde“,<br />
sagt der Südwestmetall-Geschäftsführer aus Ulm.<br />
STATT ANWESENHEIT ZÄHLT DIE AUFGABE<br />
Für das gewerkschaftsnahe Wirtschafts - und Sozialwissenschaftliche<br />
Institut (WSI) ist die Flexibilität schon jetzt groß genug. Die bestehenden<br />
tariflichen Regelungen zur Arbeitsgestaltung würden eine Fülle<br />
an Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bieten, heißt es<br />
in einer WSI-Analyse. So bestehe nahezu in allen Tarifbereichen die<br />
Möglichkeit der unregelmäßigen Verteilung der tariflichen Regelarbeitszeit.<br />
Hinzu komme als wichtigste weitere Möglichkeit der Flexibilisierung<br />
das Überschreiten der Regelarbeitszeit durch Mehrarbeit.<br />
Schon nach dem derzeitigen rechtlichen Rahmen sind die unterschiedlichsten<br />
Arbeitszeitmodelle möglich. Grob werden drei verschiedene<br />
Modelle unterschieden: Die klassische Gleitzeit besteht aus<br />
einer Kernarbeitszeit mit allgemeiner Anwesenheitspflicht und einer<br />
Ein- und Ausgleitspanne. Arbeitnehmer können Beginn und Ende der<br />
täglichen Arbeitszeit in der vorgesehenen Zeitspanne selbst festlegen.<br />
Aus Sicht des Unternehmens sollen so Fehlzeiten verringert werden,<br />
etwa durch Arztbesuche, da die Arbeitnehmer es selbst in der Hand<br />
haben, ihre persönlichen Termine außerhalb der Kernzeiten zu legen.<br />
Bei der Funktionszeit legt das Unternehmen fest, in welchen Zeiträumen<br />
bestimmte Betriebsteile funktionsfähig sein müssen. Die Mitarbeiter<br />
können dann innerhalb dieser Funktionszeiten ihre jeweiligen<br />
Arbeitszeiten in Absprache mit den Kollegen selbst bestimmen. Im<br />
Mittelpunkt dieses Arbeitszeitmodells steht nicht mehr die Anwesenheit,<br />
sondern dass eine vereinbarte Aufgabe erledigt wird.<br />
Die Vertrauensarbeitszeit lässt die weiteste Autonomie. Das Modell<br />
der Stechuhr spielt hier überhaupt keine Rolle mehr. Es wird rein er-<br />
7
[führen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
„Inzwischen wird nicht mehr von Homeoffice geredet, sondern von mobiler Arbeit“, sagt Hochschul-Professorin Jutta Rump.<br />
gebnisorientiert gearbeitet. Manche Modelle sehen allerdings Zielvereinbarungen<br />
zwischen Mitarbeitern und Arbeitgeber vor, in denen<br />
festgelegt wird, welches Arbeitszeitvolumen zur Erledigung einer bestimmten<br />
Aufgabe nötig ist.<br />
Jutta Rump ist Professorin<br />
für Personalmanagement.<br />
FLEXIBILITÄT AUCH IN DER PRODUKTION<br />
Jutta Rump ist Professorin für Personalmanagement und Organisationsentwicklung<br />
an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des<br />
Instituts für Beschäftigung und Employability. „Was die technische<br />
Machbarkeit betrifft, sind wir kurz davor, neue Dimensionen der Flexibilität<br />
zu erreichen.“ Inzwischen werde nicht mehr von Homeoffice<br />
geredet, sondern von mobiler Arbeit. In dieser Wortwahl schon zeigt<br />
sich, dass eine starke Entkopplung der Arbeit von Raum und Zeit stattgefunden<br />
hat. Diese Entkopplung gilt schon jetzt für sehr viele Bürotätigkeiten.<br />
Mit der Industrie 4.0, also der Digitalisierung der Produktionsprozesse,<br />
ist es möglich, diese Flexibilität auch auf die Produktion<br />
zu übertragen. „Dann ist zu überlegen, ob ein Schichtbetrieb, wie er<br />
heute noch gängig ist, überhaupt noch nötig ist“, sagt Rump. „Um etwa<br />
eine Anlage zu steuern, muss nicht unbedingt jemand vor Ort sein.<br />
Das könnte auch von einem anderen Ort aus geschehen.“<br />
Flexible Arbeitszeiten sind kein Thema mehr, mit dem vor allem Frauen<br />
angesprochen werden sollen. Die neuen Modelle richten sich an<br />
alle Mitarbeiter. „Sie tragen zur Attraktivität als Arbeitgeber bei“, sagt<br />
Rump. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels stößt die Freiheit an<br />
Grenzen. „Früher konnte man die Zeit, die ein Mitarbeiter weniger arbeitet,<br />
weil er sich für Teilzeit entschieden<br />
hat, mit neuen Kräften aus dem Arbeitsmarkt<br />
auffüllen“, erklärt sie. „Heute geht<br />
das nicht mehr so einfach.“<br />
Arbeitnehmer und Unternehmen wünschen<br />
sich gleichermaßen flexible Arbeitszeiten.<br />
Jedoch aus völlig unterschiedlichen<br />
Motive. Unternehmen sind getrieben<br />
durch Globalisierung, Wettbewerb und<br />
Kunden. Arbeitnehmer hingegen versuchen<br />
sich über Flexibilität an die unterschiedlichen<br />
starren Zeitsysteme anzupassen,<br />
die sie umgeben: Einkauf, Schule,<br />
Behörden und vieles mehr. Im schlimmsten Falle stehen die Bedürfnisse<br />
von Arbeitnehmern und Unternehmen im Widerspruch. Im besten<br />
Falle gibt es ein System, das beide berücksichtigt.<br />
Der IT-Spezialist Daimler TSS entwickelt Software- und IT-Lösungen.<br />
Kernthemen sind Car-IT und Mobility, Information Security, Analytics,<br />
Shared Services und Digital Customer Experience. Schon seit<br />
einiger Zeit wird Daimler TSS zu Deutschlands besten Arbeitgebern<br />
gezählt und schafft regelmäßig Top-Platzierungen beim Arbeitgeberwettbewerb<br />
„Great Place to Work“. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter<br />
sind Akademiker, die meisten Ingenieure. Eine Gruppe, die schon<br />
während der Ausbildung gelernt hat, sich selbst zu organisieren und<br />
selbstständig Probleme zu lösen.<br />
FLEXIBILITÄT ALS WERBEFAKTOR<br />
„Diese hohe Flexibilität bei der Arbeitszeit setzt voraus, dass die Mitarbeiter<br />
wissen, wie sie mit ihren Freiheiten umgehen“, erklärt Tyrtania.<br />
Daher sei das Modell nicht unbedingt auf jede Firma übertragbar. Zum<br />
Beispiel gibt es bei Daimler TSS kaum einen Job, der tatsächlich acht<br />
Stunden am Stück besetzt sein muss. Mit dieser Flexibilität lässt sich<br />
gut werben. Das Unternehmen lebe vor allem von der Kreativität und<br />
Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter. „Wenn wir diese Mitarbeiter<br />
wollen, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit bieten, kreativ<br />
und innovativ zu arbeiten und ihnen den Freiraum geben, den sie dafür<br />
brauchen“, sagt Heike Tyrtania. [!] <br />
HENNING ZANDER<br />
Dehnbare Arbeitszeiten<br />
Gilt für eine Firma ein Tarifvertrag, so gilt dieser vor den gesetzlichen<br />
Regeln. Laut Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie<br />
im Südwesten beträgt die Wochenarbeitszeit 35<br />
Stunden. Diese kann mit Zustimmung des Arbeitnehmers auf<br />
bis zu 40 Stunden steigen, soweit nicht mehr als 18 Prozent aller<br />
Arbeitnehmer des Betriebes einen solchen 40-Stunden-Vertrag<br />
haben. Unter bestimmten Umständen darf diese Quote auf<br />
50 Prozent steigen. Mehrarbeit ist bis zu 10 Stunden in der Woche<br />
und bis zu 20 Stunden im Monat zulässig. Die Wochenarbeitszeit<br />
kann ungleichmäßig auf mehrere Wochen verteilt werden,<br />
soweit eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird.<br />
8
Wandsekretär<br />
MAMBA<br />
Design: Victor Vasilev<br />
LIEBESERKLÄRUNG<br />
Möbel Inhofer GmbH & Co. KG, Ulmer Str. 50, 89250 Senden<br />
DESIGN FÜRS LEBEN<br />
www.interni.de • info@interni.de • Germanenstraße 2 • 89250 Senden/Iller<br />
Fon 07307/ 856000 • Fax 07307/ 856100 • offen: Mo - Sa 10 - 19 Uhr
10
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[titelthema]<br />
Weichensteller für<br />
die digitale Zukunft<br />
Ein Werkzeug-Satz der Marke Märklin? Wenn es nach Florian Sieber geht,<br />
vergibt der Modellbahnhersteller schon bald Lizenzen. Mit Herzblut,<br />
Kompetenz und einer Kultur des Zuhörens modernisiert der 31-Jährige<br />
das 157 Jahre alte Unternehmen und belebt den Mythos von Märklin.<br />
In Nordrhein-Westfalen haben Diebe in einem<br />
Spielzeugfachgeschäft Loks für 40.000 Euro erbeutet,<br />
und andere Dinge stehen lassen. Was geht<br />
Ihnen bei solch einer Nachricht durch den Kopf?<br />
Im ersten Moment habe ich an den Händler gedacht.<br />
Der steht erstmal vor einem riesigen Chaos.<br />
Und im zweiten …<br />
… habe ich mich gewundert, dass es die Diebe auf ein<br />
Modelleisenbahngeschäft abgesehen hatten und nicht<br />
auf einen Juwelier oder ein Uhrengeschäft.<br />
Bei den Kunden war Märklin hingegen weniger gefragt<br />
als erwartet. Sie mussten Ihre Umsatzziele<br />
korrigieren …<br />
Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben nach wie<br />
vor eine stabile Nachfrage. Dass die Zahlen zurückgegangen<br />
sind, liegt mitunter daran, dass wir bewusst auf<br />
Umsätze verzichtet haben. Beispielsweise solche, die<br />
von uns subventioniert waren und an denen wir kaum<br />
verdient haben.<br />
Zum Beispiel?<br />
Wir machen keine Aktion mit Aldi mehr, die meist<br />
rund zwei Millionen Euro Umsatz gebracht hat. Von<br />
diesen Einnahmen blieb allerdings kaum etwas hängen.<br />
Wir verkaufen seit dem Jahr 2013 sehr fair und<br />
stabil. Des Weiteren gibt es keine Sonderangebote<br />
mehr für größere Internethändler. Stattdessen behandeln<br />
wir alle gleich. Aus unserer Sicht ist das eine wichtige<br />
Basis, um den Fachhandel in der Breite zu stützen.<br />
Was sind die Vor-, was die Nachteile einer solchen<br />
Aktion mit Discountern?<br />
Sicher konnten wir den ein oder anderen Neukunden<br />
akquirieren. Allerdings waren diese Startpackungen<br />
abgespeckt, um den günstigen Preispunkt von 99,99<br />
Euro zu erreichen. Dadurch entstanden Produkte, die<br />
auf den ersten Blick nicht vollends begeistern. Aus Kostengründen<br />
konnten wir auch nicht auf die neuesten<br />
Technologien zurückgreifen.<br />
Haben Sie ein Beispiel für eine solche Technologie?<br />
Die Steuerung in den Aldi-Packungen war im Gegensatz<br />
zu unseren sonstigen Steuerungen nicht mobil,<br />
sondern per Kabel mit dem Gleis verbunden. Wir mussten<br />
unter anderem auch bei der Lok sparen. Sie war<br />
anders als unsere sonstigen Produkte nicht aus Metall<br />
und hatte keinen Sound.<br />
Am Tag der offenen Tür rennen Ihnen die Besucher<br />
die Werkshallen ein. Zudem ist Märklin zur Marke<br />
des Jahrhunderts gewählt worden. Demnach müsste<br />
Ihr Unternehmen nicht knapp 100 Millionen Euro<br />
Umsatz machen, sondern eine Milliarde. Warum<br />
hinkt der Umsatz dem Markenwert hinterher?<br />
Der Bekanntheitsgrad der Marke Märklin ließ schon<br />
immer ein viel größeres Unternehmen vermuten. Das<br />
hängt damit zusammen, dass die Marke unheimlich<br />
emotional aufgeladen ist. Unser Produkt ist allerdings<br />
nicht überlebenswichtig, sondern mit einem Hobby<br />
verbunden. Die meisten unserer Kunden sind älter. Sie<br />
verbinden schöne Erinnerungen mit Märklin, haben<br />
vielleicht schon als Kind mit Modellbahnen gespielt<br />
und greifen in höherem Alter ihr Hobby wieder auf. Die<br />
Markenbekanntheit bringt uns viele Vorteile, schürt<br />
aber auch hohe Erwartungen, die an andere Unternehmen<br />
in unserer Umsatzklasse nicht gestellt werden.<br />
Wie wollen Sie das Potenzial besser ausschöpfen?<br />
Zur Person<br />
Seit 2013 steht Florian<br />
Sieber an der Spitze<br />
von Märklin.<br />
Seither hat sich der<br />
geschäftsführende<br />
Gesellschafter bei<br />
Sammlern und Mitarbeitern<br />
viel Respekt<br />
erarbeitet. Sein Vater<br />
Michael (60) führt<br />
den Spielwarenhersteller<br />
Simba-Dickie.<br />
Der heute 31-Jährige<br />
wuchs im mittelfränkischen<br />
Städtchen<br />
Lauf mit zwei Geschwistern<br />
(28, 23)<br />
auf. Nach dem Abitur<br />
studierte er an der<br />
privaten Universität<br />
Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft.<br />
Für<br />
sein Master-Studium<br />
ging er nach Barcelona<br />
und Paris. Die Freizeit<br />
verbringt der Wochenendpendler<br />
am<br />
liebsten mit Freundin<br />
und Freunden. Seine<br />
Hobbys: Snowboarden<br />
und Fußballschauen.<br />
Sieber ist<br />
Fan von Greuther<br />
Fürth und Bayern<br />
München.<br />
Ob Produkte oder Marketing: Firmenchef Florian Sieber bringt die Märklin-Welt in die digitale Spur.<br />
11
[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Als kleiner Junge spielte er<br />
Modelleisenbahn mit seinem<br />
Opa. Heute führt er das Traditions<strong>unternehmen</strong><br />
und baut<br />
ein 11,3 Millionen Euro teures<br />
Museum.<br />
Das Modellbahngeschäft ist zwar stabil, aber große<br />
Wachstumsraten sind auch in den nächsten Jahren<br />
nicht zu erwarten. Daher wollen wir über andere Geschäftsfelder<br />
und Produktkategorien wachsen. Wir haben<br />
die vergangenen Jahre viele kleine Pflänzchen gesetzt,<br />
die wir jetzt pflegen.<br />
Ein bisschen konkreter bitte.<br />
Ein Beispiel dafür sind unsere Kinderspiellinien Märklin<br />
„My World“ für Kinder im Vorschulalter und Märklin<br />
„Start Up“ für Kinder ab sechs Jahren und aufwärts.<br />
Anders als im Modellbahnmarkt sind wir in diesem<br />
Segment noch ein kleiner Fisch. Mitwettbewerber wie<br />
Brio, Lego und Playmobil haben ebenfalls Eisenbahnen<br />
im Sortiment. Unsere zwei Kinderspiellinien tragen<br />
momentan noch nicht viel zum Umsatz bei. Doch wir<br />
bauen sie jetzt auf, damit sie künftig zum Wachstum<br />
des Gesamt<strong>unternehmen</strong>s beitragen.<br />
Welche Pläne haben Sie außerdem?<br />
Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Marke<br />
Märklin auch in anderen Bereichen nutzen können<br />
und wollen Lizenznehmer mit ins Boot holen. Wir suchen<br />
in Kooperation mit der Frankfurter Agentur Alicentia<br />
nach geeigneten Unternehmen. Deren Produkte,<br />
Qualität und Image müssen natürlich zu unserem<br />
Markenkern passen. Darauf aufbauend haben wir Kriterien<br />
festgelegt, die mögliche Lizenznehmer erfüllen<br />
müssen.<br />
Was gehört zum Markenkern?<br />
Hochwertige Metallverarbeitung und Elektrik sowie<br />
filigrane Formen machen schon immer Märklin-Spielzeug<br />
aus. Neben den aktuellen technischen Entwicklungen<br />
sind uns Nostalgie und Emotion ebenso wichtig.<br />
Wir wollen eine Verbindung zwischen den<br />
Generationen schaffen. Auch dass unsere Produkte<br />
Söhne, Väter und Opas gleichermaßen begeistern und<br />
zusammenbringen.<br />
Und wer passt zu Ihnen?<br />
Basierend auf diesen Eigenschaften können wir uns<br />
den Namen Märklin etwa für Werkzeuge vorstellen.<br />
Viele unserer Kunden sind richtige Heimwerker, die<br />
neben der Modellbahn auch anderes selbst fertigen.<br />
Deshalb führen wir unter anderem Gespräche mit<br />
möglichen Lizenznehmern in naheliegenden Bereichen,<br />
die in Deutschland produzieren, aber selbst nur<br />
eine weniger starke Marke haben.<br />
Soll das Lizenzgeschäft zur zweiten Säule werden?<br />
Ja, aber davon sind wir noch weit entfernt, da das Unternehmen<br />
in der Vergangenheit keine ähnlichen Versuche<br />
unternommen hat. Bei Produkten außerhalb unserer<br />
Sparte sehen wir es als sinnvollen Schritt an, uns<br />
kompetente Partner zu suchen, die in ihrem Fach Spezialisten<br />
in Fertigung, Vertrieb und Marketing sind.<br />
Umgekehrt kennen sie das Lizenzgeschäft ja über<br />
die Simba-Dickie-Gruppe, die ihr Großvater<br />
Fritz und ihr Vater Michael gegründet haben.<br />
Das ist der Inbegriff eines Spielzeugherstellers,<br />
der durch Lizenzen<br />
groß geworden ist.<br />
Das stimmt. Ich kenne das Geschäft von der<br />
anderen Seite. Simba Dickie gehört zu den größten<br />
Lizenznehmern für Spielwaren in Europa.<br />
Haben Sie eigentlich als Kind Modelleisenbahn<br />
gespielt?<br />
Als ich etwa sieben Jahre alt war, habe ich zusammen mit<br />
meinem Opa im Keller an einer Modelleisenbahn gebaut.<br />
Das waren bestimmt zwei, drei Abende die Woche.<br />
Hand aufs Herz, war das eine Märklin?<br />
Das war eine Märklin. Mein Opa meinte immer, es gäbe<br />
nur eine Marke für Modelleisenbahnen.<br />
Was tun Sie dafür, dass mehr Ihrer Produkte für<br />
Kinder von „My World“ und „Start Up“ unter dem<br />
Weihnachtsbaum liegen?<br />
Gegenüber dem Vorjahr haben wir unsere Anstrengun-<br />
12
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[titelthema]<br />
gen im Marketing erhöht. Zum Beispiel durch eine<br />
großangelegte TV-Kampagne in der Vorweihnachtszeit.<br />
Unsere Spots sind vier Wochen lang auf drei Kinder-Sendern<br />
hauptsächlich zwischen sechs und neun<br />
Uhr morgens gelaufen. So wollen wir Märklin „My<br />
World“ bei den Kids bekannter machen.<br />
Und für Märklin „Start Up“?<br />
Hier setzen wir auf eine umfangreiche Online-Kampagne<br />
auf Youtube, Google, Facebook und Co. Dazu gehören<br />
Videos und Themenseiten, mit denen wir die Themenwelt<br />
„Containerverladung“ bewerben. Diese läuft<br />
parallel zur TV-Kampagne. Wir erhoffen uns dadurch<br />
eine deutliche Steigerung der Abverkäufe im Handel.<br />
Wie hoch ist der Umsatz mit Produkten für Kinder?<br />
Die zwei Kinderlinien machen noch unter 10 Prozent<br />
unseres Umsatzes aus. Es gibt aber auch Kinder, die die<br />
Produkte für Profis kaufen.<br />
Welche neuen Wege gehen Sie, um den Fachhandel<br />
zu unterstützen?<br />
In Hamburg und Schleswig-Holstein läuft gerade ein<br />
Pilotprojekt, das gezielt den Fachhandel stärken soll.<br />
Die breitangelegte Markenkampagne bespielt mehrere<br />
Kommunikationskanäle. Einmal sind das 2,9 Millionen<br />
Posteinwurfsendungen, wie „Einkauf aktuell“, in<br />
denen Märklin-Produkte auf der Titelseite und der Seite<br />
3 zu sehen sind. Weitere Bausteine sind TV- und Radiowerbungen<br />
auf regionalen Sendern, sowie Plakate<br />
Florian Sieber will die Marke<br />
Märklin in Lizenz vergeben.<br />
Mit einer Agentur sucht er<br />
Partner, die zur Göppinger<br />
Traditionsfirma passen.<br />
WAS ZÄHLT SIND<br />
WERTE,<br />
AUSDRUCK<br />
UND SIE.<br />
Know your classics. USM pflegt die wohlüberlegte Reduktion:<br />
klassisches Design, klare Formen, unaufdringliche Eleganz.<br />
#usmmakeityours<br />
buchbrunnenweg 16, 89081 ulm, tel. 0731-96 77 00<br />
dreiköniggasse 20, 89073 ulm-innenstadt, objekt@fey-ulm.de, www.fey-ulm.de<br />
www.usm.com<br />
13
Florian Sieber stärkt den<br />
Fachhandel. Im Zuge einer Pilot-Kampagne<br />
für die Zielgruppe<br />
55plus tauscht Märklin<br />
alte Gleise in neue um.<br />
im öffentlichen Nahverkehr und im Fachhandel. Das<br />
Ganze läuft unter dem Mantel „Deutschland sucht den<br />
Märklin Schatz“.<br />
An wen richtet sich die Kampagne?<br />
Primär an die Zielgruppe 55plus. Ziel ist es, dass der<br />
Opa mit seinem Enkel das Hobby Modelleisenbahn<br />
aufgreift. Durch verständlich aufbereitete Informationen<br />
soll dem Großvater der Sprung in die Digitalwelt<br />
erleichtert werden, in der sich die Enkel ohnehin auskennen.<br />
Jeder, der sich anmeldet, nimmt automatisch<br />
an einem Gewinnspiel teil. Zusätzlich bekommt er die<br />
Möglichkeit, alte Metallgleise inklusive<br />
Trafo dank eines saftigen<br />
Rabattes in moderne C-Gleise und<br />
ein digitales Fahrgerät umzutauschen.<br />
Wie messen Sie die Entwicklung<br />
der Abverkäufe?<br />
Das läuft über unseren Stammsitz<br />
Göppingen. Kunden, die sich anmelden,<br />
werden hier erfasst und<br />
bekommen ihr Informations-Set per Post zugeschickt.<br />
Zu diesem gehört eine Liste mit Fachhändlern in der<br />
jeweiligen Region, an die sich der Kunde bei Fragen<br />
wenden kann. Die ausgewählten Händler sind sehr<br />
kompetent und können beispielsweise auch alte, analoge<br />
Loks instand setzen und digitalisieren. Dem Paket<br />
liegt außerdem eine Einführung in die Digitalwelt bei.<br />
Ein reales Großvater-Enkel-Paar aus Stuttgart – Horst<br />
und Tim – erklären, wie die Modellbahn heute funktioniert<br />
und was nötig ist, um alte Bahnen aufzurüsten.<br />
Warum gerade im hohen Norden und nicht in Baden-Württemberg?<br />
Weil wir einen repräsentativen Schnitt für ganz<br />
Deutschland benötigen. In Baden-Württemberg ist<br />
Märklin sehr bekannt, deshalb wäre das Ergebnis nicht<br />
übertragbar. Im Norden kennt man uns weniger. Hamburg<br />
repräsentiert den städtischen Raum, Schleswig-<br />
Holstein den ländlichen. Das heißt, wir haben auf der<br />
Hilfe für<br />
Großväter<br />
beim Einstieg<br />
in moderne<br />
Märklin-Welt<br />
einen Seite hohes Einkommen, aber wenig Platz. Auf<br />
der anderen Seite etwas weniger Einkommen dafür<br />
mehr Fläche, die ist zum Modelleisenbahnbau wichtig.<br />
Firmen wie Lego und Playmobil haben es geschafft,<br />
sich neu zu erfinden? Was kann Märklin tun, um im<br />
Einzelhandel nicht abgehängt zu werden?<br />
Wir sind in der Fläche nicht mehr so breit vertreten wie<br />
früher, haben aber nach wie vor beispielsweise mit<br />
Müller, Conrad, Toys „R“ Us, Spielemax und My Toys<br />
große Partner. Im Spielwarenfachhandel, der nicht auf<br />
Modelleisenbahnen spezialisiert ist, haben wir mit unseren<br />
Kinderprodukten wieder<br />
Fuß gefasst. Das ist ein schwieriger<br />
Kampf. Wir müssen uns für jedes<br />
Geschäft Maßnahmen überlegen,<br />
mit denen wir die Abverkäufe steigern<br />
und dem Händler ausreichend<br />
Marge und Drehgeschwindigkeit<br />
bieten können. Da spielen<br />
TV-Kampagnen, Online-Aktionen<br />
und unser Auftritt am Point of Sale<br />
(POS) mit rein.<br />
Was sind geeignete Maßnahmen in den Läden?<br />
Bestenfalls haben wir eine Spielfläche, auf der Kinder<br />
und Eltern unser Produkt sehen und erleben. Viele Eltern<br />
denken noch immer: Märklin ist teuer und kompliziert.<br />
Wenn sie das Produkt aber ausgepackt in der<br />
Hand halten, bemerken sie, dass es sich hier um ein<br />
bezahlbares, leicht zu bedienendes Kinderspielzeug<br />
handelt. Das verschafft uns nachweislich bessere Umschlagsgeschwindigkeiten<br />
und Umsätze. Jedes Jahr<br />
statten wir 20 bis 30 Geschäfte mit modernen POS-<br />
Ständen aus.<br />
Märklin ist für sein großes Sortiment bekannt.<br />
<strong>2016</strong> haben Sie das Angebot für Sammler verringert.<br />
Wie waren die Reaktionen?<br />
Wir haben es in der Vergangenheit nicht geschafft, alle<br />
Produkte, die wir neu angekündigt haben, innerhalb<br />
des Jahres auszuliefern. Wir haben stets 50 bis 100 Pro-<br />
14
dukte ins neue Jahr genommen. Daher haben wir weniger<br />
Produkte angekündigt, um die Liste aus den Vorjahren<br />
abzuarbeiten. Trotz der Aufarbeitung der Vorjahre<br />
liefern wir mehr Produkte aus als im vergangenen Jahr.<br />
Schaffen Sie es, alle angekündigten Produkte in<br />
diesem Jahr auszuliefern?<br />
Nein, nicht ganz. Das liegt zum einen daran, dass wir<br />
einen kleinen Puffer benötigen und manchmal auch<br />
von Lieferanten nicht rechtzeitig beliefert werden. Wir<br />
sammeln im Laufe des Jahres Aufträge, die teilweise<br />
noch im Januar und Februar abgearbeitet werden. Früher<br />
lief das bis weit in den April hinein.<br />
Der Modelleisenbahnmarkt ist seit Jahren schwierig.<br />
Woran liegt das?<br />
Modelleisenbahnen sind teurer geworden. Das hängt<br />
mit dem Anspruch der Kunden zusammen. Die Bahnen<br />
müssen immer filigraner, technisch auf dem neuesten<br />
Stand und mit vielen Features wie Sound und Licht ausgestattet<br />
sein. Das hat die Preise in die Höhe getrieben<br />
und einige Kunden mit weniger Budget vergrault.<br />
Gleichzeitig haben sich Stückzahlen verringert …<br />
Was ebenfalls die Herstellungskosten pro Stück erhöht.<br />
Heute stellen wir bei einer Neukonstruktion<br />
nicht mehr 20.000 Bahnen her, sondern etwa 5000 in<br />
mehreren Varianten.<br />
Warum investieren Sie die stolze Summe von 11,3<br />
Millionen Euro in das Märklin-Museum?<br />
Das Museum ist für uns ein Prestige-Projekt. Als wir das<br />
Märklin-Museum zum ersten Mal sahen, konnten wir<br />
kaum glauben, dass solch eine große Marke in den<br />
Räumlichkeiten eines ehemaligen Möbelhauses untergebracht<br />
ist. Eher ein Shop als ein Museum. Dazu kamen<br />
Briefe von Märklinisten, die extra nach Göppingen<br />
gereist und enttäuscht waren, als sie das Museum<br />
besichtigt hatten. Dass dort etwas passieren muss, war<br />
uns klar. Priorität hatten aber zunächst die Investitionen<br />
in Produktion und Vertrieb.<br />
Wie finanzieren Sie das Großprojekt?<br />
Einen Teil der Finanzierung stemmen wir, indem wir<br />
die Märklin-Sammlung an eine Stiftung der Sparkasse<br />
Göppingen verkaufen. Über die Hälfte der Investition<br />
müssen wir selbst aufbringen. Auch wenn es uns nicht<br />
leicht gefallen ist, die Sammlung abzugeben, wissen<br />
Der Märklin-Chef bremst bei<br />
der Zahl der neuen Produkte.<br />
Lieber weniger ankündigen,<br />
aber diese auf den Markt<br />
bringen, lautet die Devise.<br />
Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.<br />
Mehr über die Faszination der bulthaup Küche<br />
erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.<br />
www.gruener-bulthaup.de<br />
bulthaup bei Grüner<br />
Grüner GmbH. Neue Straße 113. 89073 Ulm<br />
Tel. 0731 92 70 59 30<br />
15
[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Produktion in Göppingen: In den Märklin-Produkten steckt viel Handarbeit. Für Kinder ab drei Jahren geeignet: der „My world“-Zug LINT.<br />
Zügig in die digitale Welt<br />
Mit Schwung führt Firmenchef Florian<br />
Sieber die Gebr. Märklin & Cie. GmbH in<br />
die digitale Welt. Dazu tragen auch die<br />
Produktlinien „My world“ für Vorschulkinder<br />
und „Start Up“ für Kinder ab sechs<br />
Jahren bei. In die Entwicklung von neuen<br />
Produkten im Einsteiger-Segment investiert<br />
das Unternehmen im Geschäftsjahr<br />
<strong>2016</strong>/17 mehr als eine 1 Million Euro.<br />
Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes<br />
von zuletzt 96 Millionen Euro entfallen jedoch<br />
auf Produkte für Modellbahnprofis<br />
und Sammler. Sieber hat auch das Märklin-Marketing<br />
modernisiert. Die Kundenansprache<br />
erfolgt mittlerweile auch über<br />
Facebook und Twitter. Zudem setzt Märklin<br />
bei der Vorstellung seiner Produktneuheiten<br />
auf Augmented Reality. Über<br />
eine zuvor heruntergeladene App können<br />
Fans der Marke sich per Smartphone-Kamera<br />
beispielsweise Loks dreidmensional<br />
zeigen lassen und Licht- und Soundeffekte<br />
auslösen. Zum 1859 als Blechspielzeughersteller<br />
gegründeten Unternehmen<br />
zählen die Marken Märklin, Trix und<br />
Lehmann-Gartenbahn. Das Unternehmen<br />
beschäftigt in Göppingen und Györ (Ungarn)<br />
knapp 1200 Mitarbeiter – 470 davon<br />
im Stammwerk Göppingen. Die Höhe<br />
des Gewinns nennt Märklin nicht. AMB<br />
wir sie in guten Händen und garantieren damit ihren<br />
Verbleib in Göppingen.<br />
Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus?<br />
Museen sind nur in den seltensten Fällen profitabel zu<br />
betreiben. Unser Ziel ist eine schwarze Null. Sprich,<br />
wenn unsere Investitionen, die damit verbundenen<br />
Abschreibungen und laufende Kosten<br />
annähernd durch die späteren<br />
Einnahmen gedeckt werden, sind<br />
wir zufrieden. Das Museum wird<br />
die Marke Märklin aber im Hinblick<br />
auf PR und Marketing aufwerten<br />
sowie überregionale Besucher<br />
nach Göppingen bringen.<br />
Spaß haben<br />
beim<br />
Rangieren im<br />
neuen<br />
Museum<br />
Was wird diese erwarten?<br />
Im Jahr 2018, in dem das Museum<br />
eröffnet werden soll, können wir nicht nur Exponate in<br />
Vitrinen stellen und hübsch beleuchten. Wir wollen den<br />
Gast – auch Nicht-Sammler und Familien – von der Modelleisenbahnwelt<br />
begeistern. Das schaffen wir nur<br />
durch interaktive Gestaltungselemente. Besucher sollen<br />
selbst ausprobieren können. Etwa mittels Rangierwettbewerben,<br />
bei denen sie Container verladen müssen<br />
oder die Anlage mit Tablet und Handy steuern können.<br />
Die Gäste sollen sich als Teil der Märklin-Welt fühlen.<br />
Wie wird diese Welt aussehen?<br />
Diese wird aus drei Teilen bestehen. Einen davon bildet<br />
die Ausstellung der Exponate, die vor allem für Sammler<br />
und Märklinisten interessant<br />
sein wird. Dann wird es interaktive<br />
Bereiche geben. Wir wollen auf<br />
moderne Weise zeigen, dass Modelleisenbahnen<br />
nichts Altbackenes<br />
sind, sondern dass innovative<br />
Technik in den Aufbauten steckt.<br />
Als dritten Teil bauen wir eine große<br />
Anlage, die sich ständig weiterentwickelt.<br />
Gäste können live mitverfolgen,<br />
wie man so etwas<br />
aufzieht. So wollen wir die Menschen nicht nur einmal,<br />
sondern immer wieder nach Göppingen ziehen.<br />
Es soll ja einen Sammler geben, der die weltgrößte<br />
Märklin-Sammlung besitzt. Gibt es Pläne, diese<br />
nach Göppingen zu holen?<br />
16
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[titelthema]<br />
Wir sind mit dem Mann aus Belgien in Kontakt und<br />
planen, Teile seiner Sammlung als Leihgabe bei uns in<br />
Göppingen zu zeigen. Hierfür haben wir bereits seine<br />
Zusage. Bisher waren diese Sammlerstücke nicht öffentlich<br />
zugänglich. Für uns ist das eine tolle Möglichkeit,<br />
um immer wieder Highlights nach Göppingen zu<br />
holen.<br />
Warum eigentlich haben Sie und Ihr Vater vor drei<br />
Jahren Märklin aus der Insolvenz gekauft?<br />
Wir hatten diesbezüglich viele Gespräche. Anfang<br />
2009 hat mein Vater erst abgewunken, da wir das Modellbahngeschäft<br />
nicht kannten und es wenige Synergien<br />
gibt. Auch die Kundschaft ist eine andere als die<br />
bei Simba Dickie. Die hohe Komplexität von Modelleisenbahnen<br />
war mit keinem unserer anderen Produkte<br />
zu vergleichen. Mitte 2012 haben wir uns trotzdem<br />
entschieden, die Produktion anzuschauen. Das Knowhow<br />
und die Einstellung der Mitarbeiter haben uns<br />
von Anfang an begeistert. Wir spürten, dass die Belegschaft<br />
eine große Familie ist und Märklin wieder in die<br />
Spur bringen wird. Das hat uns überzeugt.<br />
Obwohl Modellbahn kein boomender Markt ist?<br />
Das war uns bewusst. Und auch, dass wir den Umsatz<br />
im ersten Schritt vermutlich nicht halten können. Das<br />
haben wir in Kauf genommen, weil das Unternehmen<br />
genug Substanz hat, um sinkende Umsätze auszugleichen.<br />
Unser oberstes Ziel ist es, profitabel zu sein. Das<br />
sind wir seit der Übernahme 2013. Nur so können wir<br />
weiter investieren und neue Projekte aufziehen.<br />
Warum sind sie als Geschäftsführer eingestiegen?<br />
Das war anfangs nicht geplant. Ich sollte den Prozess in<br />
Göppingen begleiten, kleine Synergien heben und die<br />
Modellbahn verstehen lernen. Es stellte sich aber heraus,<br />
dass der zweite Geschäftsführer andere Strategievorstellungen<br />
hatte als wir. Daher trennten wir uns<br />
von ihm. Auf die Schnelle fanden wir niemanden Neues.<br />
Deshalb bin ich eingesprungen.<br />
Manche Sammler bezeichnen Sie als Glücksfall für<br />
das Unternehmen. Wie schwierig war es – für Sie<br />
als damals 27-Jährigen – das Vertrauen der Sammler<br />
und Mitarbeiter zu gewinnen?<br />
Die Mitarbeiter haben einen gewissen Durchsatz an<br />
Seit dem Jahr 2013 führt Sieber<br />
den Modelleisenbahnhersteller.<br />
Sein Einstieg als Geschäftsführer<br />
war anfangs<br />
nicht vorgesehen.<br />
17
[titelthema] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
„So wie ich Wolfrad Bächle<br />
vertraue, vertraut er mir“,<br />
sagt Florian Sieber im Gespräch<br />
mit Alexander Bögelein,<br />
dem Redaktionsleiter<br />
„<strong>unternehmen</strong> [!]“. Die Geschlossenheit<br />
der beiden Geschäftsführer<br />
ist einer der<br />
Faktoren für die erfolgreiche<br />
Neuausrichtung.<br />
Geschäftsführern erlebt. Aber es war lange kein geschäftsführender<br />
Gesellschafter mehr da. Dass meiner<br />
Familie das Unternehmen gehört, hat mir Rückhalt gegeben.<br />
Dazu kam, dass ich mich von Anfang an sehr gut<br />
mit meinem Kollegen Herrn Bächle (dem Technik-Geschäftsführer,<br />
Anmerkung der Redaktion) verstanden<br />
habe. Er kennt das Unternehmen und die Mitarbeiter<br />
sehr gut. Schnell war klar, dass wir nicht, wie so oft in<br />
der Vergangenheit gegeneinander, sondern miteinander<br />
arbeiteten. Sowie ich ihm mein volles Vertrauen<br />
geschenkt habe, vertraut er auch<br />
mir. Das spüren die Mitarbeiter,<br />
selbst diejenigen, die anfangs Zweifel<br />
hatten. Wir stehen zu dem, was<br />
wir bei der Übernahme von Märklin<br />
versprochen haben: Nämlich,<br />
dass wir alle Mitarbeiter in Göppingen<br />
behalten wollen und auch weiterhin<br />
auf unseren Standort in Ungarn<br />
setzen.<br />
Wir stehen zu<br />
dem, was wir<br />
beim Kauf<br />
versprochen<br />
haben<br />
richtigen Entscheidungen treffen kann. Ich musste<br />
mich in vielen Fällen auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter<br />
stützen, habe mich beraten lassen und in viele<br />
Themen eingelesen. Was ich heute aus dem Stehgreif<br />
beantworten kann, musste ich damals aufwändig recherchieren.<br />
Wie schwierig ist es, für eine so komplexe Firma wie<br />
Märklin Entscheidungen zu treffen?<br />
Man muss sich Zeit für wichtige Entscheidungen nehmen.<br />
Und natürlich war ich nicht<br />
alleine: Herr Bächle, mein Vater<br />
und die anderen Geschäftsführer<br />
der Simba-Dickie-Gruppe standen<br />
mir jederzeit zur Seite. Trotzdem<br />
haben wir hin und wieder den falschen<br />
Weg eingeschlagen. Auch<br />
das gehört dazu – Fehler zu erkennen<br />
und einen Schritt zurückzugehen.<br />
Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Wie schwierig<br />
war es, die richtigen Stellschrauben für die Neuausrichtung<br />
zu finden?<br />
Es dauert einige Zeit, sich in die Modellbahn einzufinden.<br />
Deshalb habe ich mir auch nicht eingebildet, dass<br />
ich nur allein aufgrund meiner Position immer die<br />
Sie sind zugleich auch Junior Chef der Simba-Dickie-Gruppe<br />
in Fürth. Sind Sie dort auch in Entscheidungen<br />
involviert?<br />
Nein, dadurch, dass ich hier in Göppingen von früh bis<br />
spät beschäftigt bin, bekomme ich vom Tagesgeschäft<br />
nicht alles mit. Allerdings werde ich über alle relevan-<br />
18
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[titelthema]<br />
FACHKRÄFTETAG<br />
ULM & NEU-ULM<br />
ten Entwicklungen informiert und mein Vater und ich<br />
besprechen wichtige Themen in Nürnberg oder am Telefon.<br />
Ich tue mein Bestes, um mich auf dem Stand der<br />
Dinge zu halten und mitzuverfolgen, wo die Reise in<br />
Fürth hingeht. Hin und wieder muss ich auch einen<br />
Märklin-Tag opfern, wenn wichtige Ereignisse oder<br />
Kundenbesuche im Ausland anstehen.<br />
Was war ihr schönstes Erlebnis in den vergangenen<br />
drei Jahren?<br />
Schön ist es immer wieder, wenn Märklinisten auf Messen<br />
oder am Tag der offenen Tür auf uns zukommen<br />
und sich bedanken, dass wir das Unternehmen fortführen.<br />
Wenn sie uns Feedback geben oder Mut machen,<br />
dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das positive Feedback<br />
gibt uns Rückhalt und bestärkt uns. Deshalb habe<br />
ich trotz leichter Umsatzrückgänge keine Bedenken,<br />
dass wir das nicht hinbekommen. Die Führungsmannschaft<br />
hier im Unternehmen ist eine tolle, schlagkräftige<br />
Truppe. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, seit ich<br />
2013 hier angekommen bin. Die Arbeit macht mir Spaß<br />
und ich bin stolz, die Entwicklung dieser großartigen<br />
Marke mitzugestalten.<br />
Wie lange bleiben Sie Märklin erhalten?<br />
Das ist offen. Einen konkreten Termin für meine Rückkehr<br />
nach Fürth gibt es nicht.<br />
DAS INTERVIEW FÜHRTEN<br />
JOA SCHMID, STELLVER-<br />
TRETENDER REDAKTIONS-<br />
LEITER DER NWZ IN<br />
GÖPPINGEN UND<br />
ALEXANDER BÖGELEIN,<br />
REDAKTIONSLEITER<br />
UNTERNEHMEN [!]<br />
DOKUMENTATION:<br />
RONJA GYSIN<br />
FOTOS:<br />
GIACINTO CARLUCCI<br />
7.10.2017<br />
ratiopharm arena, Neu-Ulm<br />
fachkräftetag.de<br />
Der Fachkräftetag wird begleitet von<br />
einer Sonderbeilage in der Südwest<br />
Presse, einem Online-Auftritt und umfangreichen<br />
Werbemaßnahmen.<br />
Die perfekte Kombi für Ihr erfolgreiches<br />
Personalmarketing.<br />
Wir beraten Sie gerne.<br />
T 0731 156-515<br />
Bis 31.12.<strong>2016</strong><br />
Frühbucherrabatt<br />
sichern!<br />
19
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Auffanglösung<br />
für Ravensburger<br />
Großmetzgerei<br />
Die insolvente Metzgerei Walser<br />
+ Schwaderer GmbH aus Ravensburg<br />
hat einen Käufer: Die<br />
Auffanggesellschaft Walser Spezialitäten.<br />
Deren Hauptgesellschafter<br />
Guido Meurer ist geschäftsführender<br />
Gesellschafter<br />
der Bösinger Fleischwaren<br />
GmbH (Kreis Rottweil). Auch<br />
die bisherigen Geschäftsführer<br />
Oliver Kvas und Reinhard Wrobleksi<br />
sind Gesellschafter. Im<br />
Sommer hatte die Walser +<br />
Schwaderer GmbH (Jahresumsatz<br />
von 12,5 Millionen Euro),<br />
Insolvenz angemeldet. Die<br />
Großmetzgerei hat 23 Filialen,<br />
unter anderem in Ravensburg,<br />
Friedrichshafen, Wangen und<br />
und Biberach. Die Filialen und<br />
mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze<br />
sollen erhalten bleiben.<br />
Deutsche Bahn<br />
investiert in<br />
Lindau<br />
130 Millionen Euro wird die<br />
Bahn AG in Lindau investieren,<br />
unter anderem in den Insel-<br />
Bahnhof für den Regionalverkehr<br />
und den Bahnhof für Fernund<br />
Nahverkehrszüge im<br />
Ortsteil Reutin. Bis Ende 2020<br />
soll die Strecke Lindau –München<br />
elektrifiziert werden,<br />
ebenso die Strecke Friedrichshafen<br />
– Ulm. Die Fahrt nach<br />
Stuttgart verkürzt sich dadurch<br />
um 45 Minuten. Lindau soll in<br />
Zukunft Bahnknoten für Allgäu,<br />
Bodensee, Vorarlberg und<br />
die Ostschweiz sein.<br />
Sana Kliniken<br />
investieren<br />
in Biberach<br />
Ein Akutkrankenhaus mit 370<br />
Betten und sieben OP-Sälen entsteht<br />
ab Frühjahr 2017 in Bibe<br />
Erster Mieter für Sedelhöfe<br />
Die Drogeriemarkt-Kette DM ist der erste Mieter des Ulmer<br />
Einkaufszentrums Sedelhöfe, das 2019 eröffnet werden soll.<br />
Dort laufen die Bauarbeiten (rechter Bildrand) ebenso wie für<br />
die Tiefgarage am Bahnhof mit 520 Plätzen. Im Laufe der<br />
nächsten fünf Jahre kommt der Bau der zweiten Straßenbahnlinie<br />
samt Haltestellen sowie die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes<br />
hinzu. Dementsprechend hoch ist die Staugefahr.<br />
Das Bild entstand außerhalb der Hauptverkehrszeiten.<br />
rach. Kostenpunkt: 100 Millionen<br />
Euro. Wie bei den anderen<br />
drei Sana-Kliniken im Kreis Biberach,<br />
ist Beate Jörißen Geschäftsführerin.<br />
Die Baugenehmigung<br />
umfasst 13<br />
Aktenordner. Die Sana Kliniken<br />
AG ist mit 48 Krankenhäusern<br />
und 30.000 Mitarbeitern der<br />
drittgrößte Klinikverbund in<br />
Deutschland.<br />
Geno-Bank<br />
schließt neun<br />
weitere Filialen<br />
Foto: Siegfried Geyer<br />
Die Volksbank Raiffeisenbank<br />
Laupheim-Illertal schließt im<br />
April 2017 neun weitere Geschäftsstellen<br />
in Baltringen,<br />
Baustetten, Bußmanns hausen,<br />
Hörenhausen, Orsenhausen,<br />
Schönebürg, Oberholzheim, Ellwangen<br />
und Haslach. In Kirchberg,<br />
Dettingen und Tannheim<br />
reduziert das Institut die Öffnungszeiten.<br />
Derzeit wird geprüft,<br />
ob die Geno-Bank ihren<br />
älteren Menschen auf Bestellung<br />
Bargeld ins Haus bringt.<br />
Solarauto aus<br />
Bad Saulgau geht<br />
an den Start<br />
Ende des Jahres soll es seine<br />
Straßenzulassung erhalten: Das<br />
Solar-Auto „G-Cart“ des mittelständischen<br />
Unternehmens Ge-<br />
Ho Solartechnik aus Bad<br />
Saulgau (Kreis Sigmaringen). 45<br />
Stundenkilometer ist es schnell,<br />
480 Kilo schwer und soll weniger<br />
als 20.000 Euro kosten. Die<br />
Serien-Fertigung wird in Bad<br />
Saulgau sein. Die Materialien<br />
dafür stammen überwiegend<br />
von Firmen aus der Region. Geschäftsführer<br />
Gerhard Holderried<br />
verspricht eine Reichweite<br />
von 100 Kilometern. Hauptzielgruppe<br />
sind Golfclubs, Pizza-<br />
Services oder Medikamenten-<br />
Auslieferer.<br />
Im Südwesten<br />
bleiben 7200<br />
Lehrstellen leer<br />
Viele Betriebe in Baden-Württemberg<br />
suchen händeringend<br />
nach qualifizierten Bewerbern<br />
für offene Lehrstellen. Für das<br />
Ausbildungsjahr <strong>2016</strong>/2017<br />
konnten 7168 Stellen nicht besetzt<br />
werden. Das sind 17 Prozent<br />
mehr als noch vor einem<br />
Jahr, sagte der Stuttgarter Regionalchef<br />
der Bundesagentur für<br />
Arbeit, Christian Rauch. Groß<br />
ist der Nachwuchsmangel in<br />
Hotel- und Gastgewerbe, im<br />
Handel und bei zahnmedizinischen<br />
Fachangestellten.<br />
Grenzenlose<br />
Finanzierung<br />
des Allgäus<br />
Die Ferienregion Allgäu-Bodensee<br />
beteiligt sich ab Januar mit<br />
50.000 Euro jährlich an der bayerischen<br />
Marketing-Gesellschaft<br />
Allgäu GmbH. Sie will<br />
damit den Anschein des „Trittbrettfahrens“<br />
vermeiden, teilte<br />
das Gästeamt Wangen mit. Bislang<br />
wird die Gesellschaft von<br />
den vier bayerischen Allgäuer<br />
Landkreisen und den dortigen<br />
kreisfreien Städten finanziert.<br />
Das Gesamtbudget der Allgäu<br />
GmbH lag im vergangenen Jahr<br />
bei 3,8 Millionen Euro. [!]<br />
20
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[spezial]<br />
Nicht nur zum Auftakt strömen die Besucher in die Fertighauswelt nach Günzburg.<br />
Auf die Plätze – fertig – Haus<br />
Ihre Bauzeit ist kurz, die Grundrisse flexibel, sie erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen und erfreuen sich im<br />
Südwesten großer Beliebtheit: Europas modernste Ausstellung von Fertighäusern steht in Günzburg.<br />
Die Erwartungen an die Besucherresonanz<br />
waren hoch, „doch sie sind bei<br />
weitem übertroffen worden“, sagt<br />
Christoph Windscheif, Marketing-Chef des<br />
Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF).<br />
Rund 17 Millionen Euro hat der Verband in<br />
die Fertighauswelt Günzburg investiert. Allein<br />
am Eröffnungswochenende strömten<br />
8300 Menschen dorthin, um sich 17 Musterhäuser<br />
auf der 22.000 Quadratmeter großen<br />
Anlage anzuschauen. Das waren mehr als bei<br />
der Eröffnung der Fertighauswelten in Köln,<br />
Wuppertal, Hannover und Nürnberg. Bis Ende<br />
November und damit in den ersten acht<br />
Wochen waren es rund 20.000. Zum Vergleich:<br />
Ursprünglich waren 50.000 Besucher pro Jahr<br />
angepeilt. Diese Zahl zu Grunde gelegt würde,<br />
nach einer Faustregel in der Branche, die Fertighaus-Welt<br />
Günzburg als erfolgreich gelten,<br />
wenn pro Jahr 0,8 Prozent der angepeilten Besucher,<br />
sprich rund 400 Menschen, dort ein<br />
Haus kaufen. Der Standort in Günzburg bietet<br />
viele Vorzüge. Er liegt verkehrsgünstig an der<br />
A8 in einer wirtschaftsstarken Region. Das benachbarte<br />
Legoland Deutschland lockt Familien<br />
mit Kindern an, also die Hauptzielgruppe<br />
der Fertigbauer. Zudem liegt die Fertighaus-<br />
Welt direkt an der Landesgrenze zu Baden-<br />
Württemberg. Im Südwesten liegt der Marktanteil<br />
der Fertigbauer mit 30 Prozent über<br />
dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent.<br />
KONKURRENZ ZU ULM<br />
Bundesweit gibt es 18 Hausausstellungen, ihr<br />
je weiliges Einzugsgebiet reicht anderthalb<br />
Fahr stunden. Dass mit dem Hausbaucenter<br />
Ulm und der Fertighauswelt Günzburg zwei<br />
nur 30 Kilometer voneinander entfernte<br />
Standorte existieren, ist selten. Der Hintergrund:<br />
Der BDF hielt den Auftritt und den Besucher-Service<br />
des Hausbaucenters Ulm für<br />
verbesserungswürdig. In Günzburg befindet<br />
sich nach Windscheifs Worten nun die modernste<br />
Fertighausausstellung Europas. Zum<br />
Konzept für Günzburg gehören hohe Anforderungen<br />
an nachhaltiges Bauen, sagt BDF-Präsident<br />
Johannes Schwörer. Die Branche sei<br />
Trendsetter in den Themen Energieeffizienz,<br />
Dämmung und Haustechnik. Weiterer Vorteil:<br />
Vom Vertragsabschluss über die Fertigung im<br />
Werk bis zur Montage auf der Baustelle liegen<br />
nur vier bis sechs Monate. Die Bauausführung<br />
sei wegen der industriellen Vorfertigung gut<br />
und der Bauherr bekomme alles aus einer<br />
Hand. Aktuell komme Schwung in das Thema<br />
„Smart Home“, auch weil sich die Einstellung<br />
der Verbraucher in den vergangenen zehn Jahren<br />
zu der Technik verändert habe. Auch für<br />
das Zeitalter der E-Mobilität sieht er die Branche<br />
gerüstet. Viele Fertighäuser sind Plus-<br />
Energie-Häuser, sie verbrauchen weniger<br />
Energie, als sie erzeugen. „Die Energie, die das<br />
Haus tagsüber erzeugt, können die Bewohner<br />
abends nutzen“, sagt Schwörer – und damit das<br />
Elektro-Auto aufladen. [!] <br />
AMB<br />
www.fertighauswelt-guenzburg.de<br />
21
[finanzieren] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Die Tücke der Versorgungslücke<br />
Viele Selbstständige und Freiberufler sorgen privat für ihren Ruhestand vor. Doch kaum jemand hat eine<br />
Vor stellung davon, wie viel Geld er zurücklegen muss, damit nicht im Alter herbe finanzielle Einbußen drohen.<br />
Das deutlich sinkende Niveau<br />
der gesetzlichen Rente<br />
und niedrige Zinsen am Kapitalmarkt<br />
machen die<br />
Alter svorsorge zum Spagat.<br />
22
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
Kommende Rentnergenerationen in<br />
Deutschland werden den Gürtel enger<br />
schnallen müssen. Jüngsten Prognoserechnungen<br />
des Bundesarbeitsministeriums<br />
zufolge wird das Niveau der gesetzlichen Rente<br />
bis zum Jahre 2030 auf 44,5 Prozent des letzten<br />
Brutto-Einkommens absinken. Mit dieser<br />
Altersrente kann allerdings nur der so genannte<br />
Eckrentner rechnen, der 45 Jahre lang<br />
gearbeitet hat und in dieser Zeit stets den sozialversicherungspflichtigen<br />
Durchschnittsverdienst<br />
erzielt hat.<br />
Viele Unternehmer und Freiberufler werden<br />
sich mit diesen Zahlen gar nicht erst beschäftigen.<br />
Denn selbst wenn sie Ansprüche in der<br />
gesetzlichen Rentenversicherung durch Anrechnungs-<br />
und Beitragszeiten im Rahmen<br />
einer Festanstellung gesammelt haben – mit<br />
der Rente, die daraus in 20 oder 30 Jahren resultiert,<br />
haben sie kaum ein komfortables<br />
Auskommen im Alter. Mit dem Wechsel in<br />
die Selbstständigkeit sorgen die meisten privat<br />
fürs Alter vor. Doch auch in diesem Fall<br />
drohen herbe Versorgungslücken, denn die<br />
niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt drücken<br />
die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen<br />
ebenso wie etwa die Rentenzusagen von<br />
berufsständischen Pensionskassen. Gleichzeitig<br />
wirft das eigene Sparvermögen auf Bankkonten<br />
kaum noch Erträge ab. Das bringt viele<br />
Rentenpläne ins Wanken.<br />
[finanzieren]<br />
VORSORGE IM BLINDFLUG<br />
Dabei haben die meisten Selbstständigen,<br />
wenn überhaupt, nur eine vage Vorstellung<br />
davon, wie hoch ihre Rentenlücke ausfällt.<br />
„Die Rentenlücke ist wie das Bermuda-Dreieck<br />
der Geldanlage. Jeder hat davon gehört,<br />
aber keiner weiß etwas Genaues“, sagt Torsten<br />
Homann, Portfoliomanager bei Taunus Investment.<br />
Schließlich lässt sich kaum abschätzen,<br />
wie sich die Renditen an den Kapitalmärkten,<br />
aber auch die allgemeinen<br />
Lebenshaltungskosten in den kommenden<br />
Jahren, geschweige denn Jahrzehnten, entwickeln<br />
werden.<br />
Außerdem verfügen Freiberufler und Unternehmer<br />
nicht über ein festes Einkommen. Sie<br />
können bestenfalls schätzen, wie viel sie zum<br />
Ende ihrer aktiven Berufsphase hin verdienen<br />
werden. Dazu kommt, dass angesichts von<br />
Termin- und Arbeitsdruck viele Selbstständige<br />
den Aufwand in Sachen Nachjustierung bei<br />
der eigenen Altersvorsorge scheuen. „Häufig<br />
wird das erstbeste, vermeintlich passende Produkt<br />
genommen – und damit das Thema Altersvorsorge<br />
abgehakt“,<br />
beschreibt<br />
Michael Huber,<br />
Mitglied der Geschäftsführung<br />
des Beratungs<strong>unternehmen</strong>s<br />
VZ<br />
Vermögenszentrum,<br />
einen Kardinalfehler.<br />
Dabei besteht Michael Huber, Vermögenszentrum<br />
München.<br />
auch für Selbstständige,<br />
die gut<br />
verdienen, fast immer Handlungsbedarf, wie<br />
Berechnungen von zwei Experten zeigen, die<br />
<strong>unternehmen</strong>[!] zu einem Vorsorgecheck von<br />
zwei Beispielfällen gebeten hat. Denn auch<br />
wer viel Geld in seine Altersvorsorge steckt,<br />
muss damit rechnen, dass im Alter die Versorgungslücke<br />
viel größer ist als angenommen.<br />
„Das Versorgungsziel sollte bei etwa 80 Prozent<br />
des geschätzten letzten Netto-Einkommens<br />
liegen“, gibt Gerhard Miller, Vorsitzender<br />
des Regionalverbands Süd des<br />
Bundesverbands deutscher Versicherungskaufleute,<br />
eine Richtmarke vor. „Von diesem<br />
Betrag ziehe ich dann ab, was ich an Versorgungsansprüchen<br />
habe und weiß, was ich<br />
dann noch bräuchte, wenn ich diese Lücke<br />
schließen will.“ Das klingt nach einer einfachen<br />
Rechnung, aber der Teufel steckt im Detail<br />
– weil sich zum Beispiel Ablaufleistungen<br />
von Lebensversicherungen nur schätzen lassen.<br />
„Dazu kommen steuerliche Gesichtspunkte<br />
und die Frage, ob Wohneigentum vorhanden<br />
ist. Dadurch wird das Thema sehr<br />
schnell komplex“, erläutert Miller.<br />
ANSPARSUMME 760.000 EURO<br />
Das zeigt sich bereits beim ersten Beispiel: Susanne<br />
Kerber arbeitet seit zwei Jahren als selbständige<br />
Grafikerin. Die 34-Jährige ist ledig<br />
und Mutter eines dreijährigen Kindes. Nach<br />
dem Studium, das sie mit 25 Jahren beendet<br />
hat, arbeitete Kerber zunächst bei verschiedenen<br />
Agenturen in fester Anstellung. Der Bruttoverdienst<br />
lag im Schnitt bei 40.000 Euro. In<br />
dieser Zeit hat sie in die gesetzliche Rentenversicherung<br />
eingezahlt, einen Riestervertrag<br />
abgeschlossen, auf dem mittlerweile rund<br />
12.000 Euro angespart sind, und privat rund<br />
10.000 Euro in Fonds und auf Sparkonten angespart.<br />
Mit der Geburt ihres Sohnes hat Kerber<br />
zuerst die Elternzeit genutzt und danach<br />
erste freie Aufträge angenommen. Nachdem<br />
ihr Kind nunmehr in den Kindergarten geht,<br />
Betriebliche Altersvorsorge:<br />
Profitieren auch<br />
Sie von unserer<br />
Komplettlösung<br />
aus einer Hand!<br />
Langjährige Erfahrungen<br />
sowie beste Referenzen!<br />
Mehr Informationen vom<br />
bewährten Spezialisten für<br />
betriebliche Altersvorsorge:<br />
Flurweg 15<br />
89134 Blaustein-Weidach<br />
Telefon 0 73 04-20 20<br />
info@haible-gmbh.de<br />
www.haible-gmbh.de<br />
23
[finanzieren] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Das 2 x 2 zur Altersvorsorge<br />
Die Experten Michael Huber und Gerhard Miller<br />
stellen ihre Überlegungen zu unseren zwei<br />
Fallbeispielen vor (Renteneintritt mit 67 Jahren):<br />
Klaus Marten (49) ist angestellter<br />
Geschäfts führer. Jahresgehalt 200.000 Euro<br />
plus erfolgsabhängige Komponente im Durchschnitt<br />
von 100.000 Euro. 12.000 Euro in einem Rürup-Vertrag,<br />
100.000 Euro Vermögen (in Wertpapieren).<br />
Schuldenfreies Haus. Die Restschuld eines<br />
Appartements: 65.000 Euro (monatliche Belastung<br />
500 Euro aus Darlehen).<br />
Beispielrechnung Michael Huber<br />
Risikobereitschaft<br />
mittel<br />
Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) > 3,5%<br />
Versorgungsziel<br />
Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 6000 €<br />
Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 8569 €<br />
Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 3450 €<br />
Verbleibendes Versorgungsziel 5119 €<br />
Sparziele bis Ruhestand<br />
Notwendiges Kapital 4) 1.340.000 €<br />
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3050 €<br />
Empfohlene Sparvehikel<br />
neu<br />
weiterzuführen<br />
Beispielrechnung Gerhard Miller<br />
ETF Sparplan (Aktienindizes)<br />
gesetzl. Rentenversicherung<br />
Kapitallebensversicherng<br />
Gesetzliche Rente 2500 €<br />
betriebliche Rente 1500 €<br />
Gesamt 4000 €<br />
Nettoeinkommen 14.000 €<br />
Versorgungsziel: netto 80% 11.000 €<br />
Versorgungslücke 7000 €<br />
Sparziele bis Ruhestand<br />
Notwendiges Kapital 6) 1.000.000 €<br />
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 3000 €<br />
Empfohlene Sparvehikel<br />
weiterzuführen<br />
Anmerkungen:<br />
1)<br />
Eigener Anteil<br />
Basisrente, Riester-Rente, Fondssparplan<br />
gesetzl. Rentenversicherung, Betriebsrente,<br />
Kapitallebensversicherng<br />
2)<br />
Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.<br />
3)<br />
Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.<br />
4)<br />
Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.<br />
5)<br />
Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen<br />
Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.<br />
6)<br />
Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender<br />
Kapitalerträge<br />
baut sie diese freiberufliche Tätigkeit aus. Sie erwartet, dass sie im<br />
kommenden Jahr etwa 50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht. Sie<br />
will sich nun absichern und für ihr Alter vorsorgen.<br />
Nach Berechnungen von VZ-Experte Huber muss die Grafikerin bis<br />
zum Beginn der Rente 760.000 Euro ansparen und dafür 1000 Euro pro<br />
Monat zurücklegen. „Das wirkt sehr hoch“, sagt Huber. „Aber es ist zu<br />
berücksichtigen, dass in diesem Fall nur geringe gesetzliche Rentenansprüche<br />
bestehen und auch keine weiteren Beiträge zur gesetzlichen<br />
Rentenversicherung mehr geleistet werden. Somit gibt es auch<br />
mehr Spielraum, die notwendige Sparrate zu leisten.“ Dennoch: Das<br />
monatliche Sparziel für die junge Mutter ist hoch. Bei dem von ihr<br />
angepeilten Jahresumsatz ist das – wenn überhaupt – nur dann zu<br />
schaffen, wenn sie auf eine staatlich geförderte Anlageform wie die<br />
Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, zurückgreift.<br />
KAUM GELD ZUM LEBEN<br />
Versicherungsexperte Miller empfiehlt neben der Basisrente zudem,<br />
den Riestervertrag so hoch wie möglich weiter zu besparen und dessen<br />
Steuervorteile zu nutzen. Sie könne auch überlegen, freiwillig<br />
weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Damit<br />
erhöhe sich die gesetzliches Rente zwar, doch das reiche nicht, um<br />
im Alter abgesichert sein.<br />
Er empfiehlt der Grafikerin zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung,<br />
um das Risiko einer Erwerbsunfähigkeit abzudecken. Dazu<br />
eine Risikolebensversicherung über mindestens 100.000 Euro, um<br />
ihre Familie abzusichern. Auch kann sich die Freiberuflerin überlegen,<br />
sich privat statt weiterhin gesetzlich krankenzuversichern. „Alles<br />
in allem kommt sie damit in eine finanzielle Größenordnung, bei<br />
der ihr kaum noch genug Geld zum Leben bleibt. Sie kann also nicht<br />
mehr Geld zurücklegen.“<br />
Dieses Problem stellt sich im anderen Beispielfall nicht: Klaus Marten<br />
ist angestellter Geschäftsführer einer mittelständischen GmbH. Nach<br />
dem Studium hat der 49-Jährige bei mehreren Unternehmen gearbeitet<br />
und ist schnell aufgestiegen. Sein festes Jahresgehalt liegt bei<br />
200.000 Euro, dazu kommt eine erfolgsabhängige Komponente, die<br />
im Mittel 100.000 Euro beträgt. Er und seine Ehefrau, die nicht arbeiten<br />
geht, besitzen bares Anlagevermögen von etwa 100.000 Euro und<br />
eine Lebensversicherung (Vertragssumme 100.000 Euro), die in seinem<br />
67. Lebensjahr fällig wird. Zudem zahlt er Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze<br />
in die gesetzlichen Rentenversicherung. Er<br />
hat die Zusage für eine Betriebsrente von 1500 Euro pro Monat. Das<br />
Ehepaar besitzt eine eigene, selbst genutzte Immobilie, die schuldenfrei<br />
ist. Zusätzlich haben die beiden vor vier Jahren ein Appartement<br />
erworben, das ihrer Tochter zur Verfügung steht, die dort ein<br />
Studium aufgenommen hatte. Nachdem diese ihr Studium abgeschlossen<br />
hat, und finanziell auf eigenen Beinen steht, vermietet<br />
Marten das Appartement (Restschuld 65.000 Euro). Die monatliche<br />
Belastung aus dem Darlehen beträgt 500 Euro. Das Barvermögen<br />
hat Marten eher konservativ in Wertpapieren und Fonds<br />
angelegt. 20.000 Euro liegen auf Konten bei der Bank.<br />
Auf den ersten Blick scheinen der 49-Jährige und seine Frau gut<br />
versorgt. Seine Renten-Ansprüche liegen von heute aus gesehen<br />
bei etwa 4000 Euro pro Monat. Bei einem Einkommen von rund<br />
14.000 Euro (ohne Sonderzahlungen) liegt jedoch das Versorgungsziel<br />
des Geschäftsführers bei etwa 11.000 Euro pro Monat.<br />
„Das zeigt, dass bei der Altersvorsorge vieles relativ ist“, sagt Miller.<br />
24
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[finanzieren]<br />
„Mit seinem hohen Einkommen hat sich Herr Marten einen gewissen<br />
Lebensstandard aufgebaut, den er wahrscheinlich halten möchte. Dazu<br />
muss er auch im Alter Rücklagen bilden zur Instandhaltung der<br />
Immobilien.“<br />
Will er steuerliche Vorteile für seine Altersvorsorge nutzen – was sich<br />
bei seinem hohen Einkommen anbietet –, wäre für ihn die Basisrente<br />
die einzige Möglichkeit. Bei der Basis-Rente, auch Rürup-Rente genannt,<br />
können Sparer <strong>2016</strong> einen Teil ihrer<br />
Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung<br />
geltend machen. <strong>2016</strong> sind das<br />
82 Prozent. Jedoch gibt es einen<br />
Höchstbetrag. Er orientiert sich<br />
an der Beitragsbemessungsgrenze<br />
zur Rentenversicherung und<br />
am Beitragssatz zur knappschaftlichen<br />
Rentenversicherung<br />
(24,8 Prozent). <strong>2016</strong> ergibt sich so<br />
ein Höchstbetrag von 22.766 Euro<br />
zur Rürup-Rente. Der maximale Beitrag,<br />
den Versicherte steuerlich anrechnen<br />
lassen können, wächst demzufolge<br />
auf 18.668 Euro (82 Prozent des Höchstbetrages) an. Verheiratete<br />
können die doppelte Summe einzahlen, die in der Steuererklärung<br />
berücksichtigt wird.<br />
Eine Alternative ist, dass Marten privat mehr Geld anspart.<br />
„Dabei sollte er unbedingt schwerpunktmäßig in<br />
Aktien – etwa über Fonds – investieren und er sollte sofort<br />
damit anfangen und regelmäßig investieren“, sagt<br />
Huber. „Denn erstens ist sein Anlagehorizont lang genug,<br />
weil es noch einige Jahre hin sind bis zum Renteneintritt.<br />
Zweitens ist seine Risikobereitschaft mindestens<br />
moderat, eher überdurchschnittlich hoch. Und drittens<br />
verfügt Herr Marten bereits über ein hohes Gesamtvermögen<br />
und hat seine Hausaufgaben gemacht.“ Zumal: Selbst<br />
wenn der Geschäftsführer einen Aktienstock von 150.000 Euro aufbaut<br />
– in der Betrachtung seines Gesamtvermögens ist er damit immer<br />
noch ein konservativer Anleger. „Aktien haben zweifellos Risiken,<br />
aber das größere Risiko ist es, keine Aktien zu haben“, sagt Huber<br />
mit Blick auf die historisch guten Anlageergebnisse von Dividendenpapieren.<br />
Zur Vorsicht rät er dagegen bei Immobilien. „Es heißt zwar<br />
immer: Immobilien sind sinnvoller Baustein zur eigenen Altersvorsorge.“<br />
Doch dafür sieht er Einschränkungen: „Der Käufer sollte sich<br />
die laufende Rate auch im Worst-Case-Szenario leisten können. Er<br />
sollte noch Eigenkapital übrig haben, nachdem er einen Teil des Kaufpreises<br />
der Immobilie mit eigenen Mitteln gedeckt hat. Und drittens<br />
darf ich nicht zu teuer einkaufen“, warnt Huber. Die Gefahr zu hoch<br />
einzusteigen, ist jedoch groß. Die niedrigen Zinsen treiben derzeit die<br />
Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern in die Höhe. Eigentumswohnungen<br />
haben sich dem F+B-Immobilienindex zufolge<br />
innerhalb der vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.<br />
In Berlin oder München sind die Preissprünge noch höher.<br />
Fraglich, ob sich der Einstandspreis bei einem Verkauf im Alter erzielen<br />
lässt. „Das Risiko, mit der eigenen Immobilie etwas falsch zu machen<br />
ist mindestens so groß wie die Chance, dass es ein gelungener<br />
Bestandteil meiner Vorsorgestrategie wird“, sagt Huber. [!]<br />
<br />
Gerhard Miller vom BVK,<br />
Regionalverband Süd.<br />
THOMAS LUTHER<br />
Susanne Kerber (34), selbständige<br />
Grafikerin, ledig, Mutter eines dreijährigen<br />
Kindes. Neun Jahre angestellt mit einem Brutto-Jahresverdienst<br />
40.000 Euro. Sie hat in einem<br />
Riestervertrag 12.000 Euro und zudem 10.000<br />
Euro angespart (davon 3500 Euro in einem Mischfonds).<br />
Sie erwartet, dass sie im nächsten Jahr etwa<br />
50.000 Euro bis 60.000 Euro Umsatz macht.<br />
Beispielrechnung Michael Huber<br />
Risikobereitschaft<br />
eher gering<br />
Renditeerwartung p.a. (nach Steuern, nach Kosten) 2,0%<br />
Versorgungsziel<br />
Versorgungsziel pro Monat (netto, heutige Kaufkraft) 1) 1700 €<br />
Versorgungsziel pro Monat (netto, nominal) 2) 3268 €<br />
Zuflüsse aus bestehenden Rentenansprüchen/Mieten 3) 360 €<br />
Verbleibendes Versorgungsziel 2908 €<br />
Sparziele bis Ruhestand<br />
Notwendiges Kapital 4) 760.000 €<br />
Notwendige Sparrate pro Monat 5) 1000 €<br />
Empfohlene Sparvehikel<br />
neu<br />
perspektivisch, daher weiter Tagesgeld aufbauen<br />
Beispielrechnung Gerhard Miller<br />
Rürup-Rente<br />
Selbstgenutzte ETW<br />
Bruttoverdienst Nettoverdienst 3300 € 2310 €<br />
Versorgungslücke netto 2310 €<br />
Regelaltersrente Lücke 984 € 1326 €<br />
Erwerbsminderungsrente 748 €<br />
Lücke bei voller<br />
Erwerbsminderung<br />
Lücke bei teilweiser<br />
Erwerbsminderung<br />
1562 € 1936 €<br />
Hinterbliebenenrente Lücke 630 € 1680 €<br />
Riester<br />
jährlicher Eigenbeitrag 1430 €<br />
Zulage (eigene + Kinderzulage 300 €) 454 €<br />
Steuerersparnis 402 €<br />
BU<br />
BU-Rente 1800 €<br />
Fondsguthaben bei 3% Wertentwicklung 24.087 €<br />
Beitrag pro Monat 7) 150 €<br />
Basisrente<br />
monatlicher Beitrag 200 €<br />
jährlicher Bruttoaufwand 2400 €<br />
Nettoaufwand 1609 €<br />
mögliches Fondsguthaben bei Renteneintritt 99.957 €<br />
Anmerkungen:<br />
1)<br />
Eigener Anteil; sie geht davon aus, dann in einer Partnerschaft zu leben.<br />
2)<br />
Inflationsannahme: 2,0% p.a., auch während Ruhestandsphase.<br />
3)<br />
Hochgerechnet bis zum Ruhestand; beim Geschäftsführer 25% Steuern abgezogen.<br />
4)<br />
Bei Verzehr Kapital bis Alter 90 und 2,5% Nettorendite in Auszahlphase.<br />
5)<br />
Anfängliche Sparrate, jedes Jahr um 2% erhöht. Unter Berücksichtigung des vorhandenen<br />
Kapitals und der Weiterführung der Lebensversicherung.<br />
6)<br />
Minimumbetrag bei Verzehr über 20 Jahre hinweg, ohne Berücksichtigungen laufender<br />
Kapitalerträge<br />
7)<br />
Durchschnittswert<br />
8)<br />
Bei einer unterstellten Durchscnittsrendite von 3%<br />
25
[machen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Fensterbauer mit<br />
glasklarer Ausrichtung<br />
Früher holte der Bartel bei Gugelfuss in Elchingen das Fass für den Most ab. Das<br />
ist Geschichte. Das Familien<strong>unternehmen</strong> hat sich neu erfunden. Mit seiner<br />
hochmodernen Produktion gehört es zu den Großen der Fensterbau-Branche.<br />
Hochmoderne Fensterproduktion in Elchingen: Die Gugelfuss GmbH hat in den vergangenen Jahren rund 10 Millionen Euro am Stammsitz investiert.<br />
Wer in der Unternehmensgeschichte<br />
der Gugelfuss GmbH blättert, die<br />
neue Produktionshalle nach einem<br />
Rundgang in frischer Erinnerung, reibt sich<br />
verwundert die Augen: Auf den alten Aufnahmen<br />
spielen Fässer eine wichtige Rolle, ab<br />
1960 werden Grünfuttersilos dokumentiert;<br />
betrieben wurden zu dem Zeitpunkt eine<br />
Mosterei und eine Brennerei und im Keller<br />
gab es einen Verkaufsraum für Wein und Spirituosen.<br />
Die ursprüngliche Küferei und ihre<br />
Nebenlinien – alles längst Geschichte.<br />
Heute, im Jahr 125 nach der Gründung, zählt<br />
das Unternehmen aus Elchingen (Kreis Neu-<br />
Ulm) zu den großen Anbietern im Fensterund<br />
Türenbau. Das Unternehmen hat in den<br />
vergangenen Jahren kräftig investiert und<br />
fertigt heute stark automatisiert. Mit der neuen<br />
Produktions- und Montagehalle am Elchinger<br />
Stammsitz ging vor wenigen Jahren<br />
ein vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb.<br />
2017 soll das alte Zuschnitt- und Bearbeitungszentrum,<br />
das Herzstück der Produktion,<br />
durch ein neues ersetzt werden, die den<br />
Automatisierungsgrad nochmals erhöht.<br />
Rund zehn Millionen Euro wurden binnen<br />
weniger Jahre investiert, sagt Anton Gugelfuß,<br />
der sich mit seinem Neffen Martin die<br />
Geschäftsführung teilt. Dritte im Familien-<br />
Bunde auf der Leitungsebene ist mit Susanne<br />
Gugelfuß-Dannerbauer als Prokuristin dessen<br />
Schwester. Sie stehen für die vierte und fünfte<br />
Generation des Familien<strong>unternehmen</strong>s.<br />
Das zuletzt hohe Investitionsniveau – beim<br />
Umsatz hofft man in diesem Jahr die 40-Millionen-Euro-Schwelle<br />
zu überschreiten – ist<br />
gleichzeitig Ausdruck und Indiz für den rasanten<br />
Wandel in der Branche. Sie ist nach wie<br />
vor relativ kleinteilig und zersplittert. Aber<br />
immer mehr der kleineren und kleinsten Betriebe<br />
stellen die Produktion ein und verlegen<br />
sich auf die Montage als Partner der Großen.<br />
Diese wiederum unterliegen dem Zwang zu<br />
weiterem Wachstum. Die Kehrseite ist, dass<br />
mit der Ausweitung der Kapazitäten auch der<br />
Druck auf die Preise zunehme, erläutert Martin<br />
Gugelfuß. Zudem schüren osteuropäische<br />
Billiganbieter den Konkurrenzdruck. „Es<br />
herrscht Verdrängungswettbewerb“, ergänzt<br />
sein Onkel. Doch im Moment – Spiegelbild<br />
der guten Baukonjunktur – laufe der Absatz<br />
gut.<br />
Das Unternehmen profitiert dabei von der guten<br />
Marktdurchdringung über die mehr als<br />
650 Händler-Kunden. Diese kommen aus einem<br />
Radius von 400 Kilometern und sorgen<br />
für Aufträge und Absatz. Die zweite Vertriebschiene<br />
ist das Direktgeschäft in einem engeren<br />
Umkreis. Hier übernimmt Gugelfuss auch<br />
die Montage. Auslieferungen erfolgen mit der<br />
eigenen Transporter-Flotte.<br />
Trotz industrieller Fertigung sind größere Serien<br />
mit gleichem Maß selten. „Im Grunde ist<br />
jedes Fenster ein Prototyp“, erläutert Martin<br />
Gugelfuß. Das liegt an den unterschiedlichen<br />
Die Firmenchefs: Martin Gugelfuß und sein<br />
26
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[machen]<br />
Wie im Fußball,<br />
so im Geschäftsleben<br />
Anton Gugelfuß ist in der Region Ulm<br />
als Unternehmer, aber auch durch sein<br />
Ehrenamt bekannt. Er ist neben Roland<br />
Häußler und Thomas Oelmayer einer<br />
der drei gleichberechtigten Vorstände<br />
des Regionalligisten SSV Ulm 1846<br />
Fußball und damit an federführender<br />
Stelle mitbeteiligt an der Konsolidierung<br />
und der Erholung des Vereins, der<br />
bereits drei Mal insolvent war. Angefragt<br />
vom Insolvenzverwalter, sei er<br />
„aus der Num mer einfach nicht mehr<br />
rausgekommen“, erzählt er und kann<br />
sich auch hier auf der Erfolgsspur wähnen:<br />
„Als ich anfing, waren es acht.<br />
Heute sind es 170.“ Gemeint ist die Zahl<br />
der Sponsoren, zu denen sein Unternehmen<br />
bereits seit mehr als 40 Jahren<br />
zählt. Auf die Frage, ob es zwischen<br />
dem aktuellen Ulmer Fußball und der<br />
Gugelfuss GmbH Gemeinsamkeiten gebe,<br />
zögert Gugelfuß erst, dann antwortet<br />
er mit seiner Maxime: „Niemals abheben,<br />
immer die Bodenhaftung TV<br />
Größen, aber auch an den unterschiedlichen<br />
Anforderungen an Schall-, Brand- und Einbruchschutz<br />
sowie unterschiedlichen Wärmewerten.<br />
Diese Ausdifferenzierung habe<br />
dazu geführt, „dass es herkömmliche, einfache<br />
Fenster kaum mehr gibt“. Und selbst bei<br />
Fenstern gibt es Trends. Derzeit sind graue<br />
Profile und bodentiefe Formate angesagt.<br />
130 unterschiedliche Hauptprofile, bezogen<br />
von zwei Herstellern, enthält der „Baukasten“<br />
des Fensterbauers. Die Komplexität von Produkt<br />
und Aufgabe kommt ebenso im „Leitfaden<br />
zur Montage“ des Instituts für Fensterbau<br />
(Rosenheim) zum Ausdruck, der inzwischen<br />
299 Seiten umfasst. Der Leitfaden definiert die<br />
Onkel Anton Gugelfuß.<br />
Standards der Branche und bildet bei Gugelfuss<br />
die Basis für die internen Schulungen.<br />
„In den zurückliegenden Jahren sind die Anforderungen<br />
rasant gewachsen“, berichtet<br />
Martin Gugelfuß. Eine hohe Kompetenz ist<br />
das eine. „Das andere ist, dass unsere Kunden<br />
gerne mit uns zusammenarbeiten sollen“,<br />
nennt er eine weitere Möglichkeit der Profilierung.<br />
Das Unternehmen habe Stammkunden<br />
gewinnen können, „die nur auf uns setzen“.<br />
Als die kleine Küferei um 1970 in den Kunststoff-Fensterbau<br />
einstieg, waren weder Erfolg<br />
noch weitere Perspektiven daraus absehbar,<br />
erinnert sich Anton Gugelfuß. Mittlerweile<br />
zählt das Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten<br />
in Elchingen und weiteren 80 in den<br />
Werken Straß (Kreis Neu-Ulm) und Beerwalde<br />
(Thüringen) zu den Großen der Branche.<br />
Gugelfuss verkauft jährlich rund 100.000<br />
Scheiben-Einheiten und 4.800 Haustüren.<br />
Alu-Fenster haben die Elchinger zwar ebenfalls<br />
im Angebot, der weitaus größere Teil aber<br />
wird aber aus PVC gefertigt. Den Anteil von<br />
Kunststoff-Fenstern im Fensterbau allgemein<br />
beziffert Anton Gugelfuß auf 65 Prozent. Der<br />
Vorteil: Produktionsreste könnten komplett<br />
recycelt werden. Stark rückläufig sei hingegen<br />
der Anteil von Holzfenstern. [!]<br />
<br />
THOMAS VOGEL<br />
27
[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Gefährliche Abwärtsspirale<br />
Dauerstress und in der Folge Burnout verursachen hohe Kosten für Unternehmen. Es ist höchste Zeit, dass das Thema<br />
Gesundheit zur Chefsache wird und Mitarbeiter lernen, sich zu schützen, sagt Präventionsexperte Norbert Hüge.<br />
Foto: © Simon Dannhauer / Fotolia.com<br />
Christine Jung (Name von der Redaktion<br />
geändert) sieht blass aus. „Ich fühle<br />
mich schrecklich“, sagt sie. Die Endvierzigerin<br />
arbeitet im Vertrieb eines Ulmer<br />
Unternehmens, seit vier Monaten vertritt sie<br />
zusätzlich einen erkrankten Kollegen.<br />
„Manchmal ist mir schwindlig, manchmal fallen<br />
mir die Wörter nicht mehr ein, abends bin<br />
ich einfach nur noch platt“, erzählt sie. Aussicht<br />
auf eine ruhigere Phase hat sie nicht.<br />
All das, was Jung erzählt, sind Warnzeichen<br />
für eine Überlastung, die in einem Burnout<br />
münden kann. Dieser Begriff gehört zwar<br />
nicht zum Abrechnungskatalog der Krankenkassen,<br />
doch er ist eine Tatsache. Mit diesem<br />
Syndrom beschreiben Ärzte und Therapeuten<br />
einen psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand.<br />
Das<br />
Krankheitsbild<br />
hat viele Facetten:<br />
Die Symptome reichen<br />
von Magenschmerzen,<br />
Sodbrennen<br />
und<br />
Rückenschmerzen<br />
bis zu Herzrasen,<br />
Hörsturz, Drehschwindel,<br />
aber<br />
auch zu Antriebslosigkeit,<br />
Schlafder<br />
des Verbands DBVB.<br />
Norbert Hüge, Vorsitzenstörungen,<br />
Stimmungsschwankungen<br />
und Angstzuständen.<br />
Einer Studie zufolge gehen in Deutschland 60<br />
Millionen Fehltage pro Jahr auf psychische<br />
Belastungen zurück. Laut dem „Gesundheitsatlas<br />
2015“ der Betriebskrankenkassen haben<br />
sich die Krankentage wegen seelischer Leiden<br />
seit 2003 mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche<br />
Dauer der Krankschreibung gehört<br />
mit 40 Tagen zu den längeren.<br />
Das Thema Burnout hat viel mit unserer Leistungsgesellschaft<br />
zu tun. „Viele Menschen<br />
Wer nicht achtsam mit sich ist, dem droht ein<br />
Weg in den Burnout und weit nach unten.<br />
28
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[verantworten]<br />
setzten sich immer neue Ziele, um sich zu beweisen.<br />
Erfolge feiern sie nicht, vielmehr steigen<br />
die Erwartungen. Doch je höher die Ziele,<br />
umso mehr Energie muss ich aufwenden, um<br />
sie zu erreichen. Das fällt immer schwerer“,<br />
erläutert Norbert Hüge, Vorsitzender des<br />
Deutschen Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe<br />
und Prävention (DBVB). Weil der<br />
Mensch ein Gewohnheitstier sei, stelle er sich<br />
zunächst auf den höheren Stresslevel ein.<br />
Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft<br />
für Psychosomatische Medizin und Ärztliche<br />
Psychotherapie (DGPM) in Berlin lösen hohes<br />
Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringe Gestaltungsspielräume,<br />
paralleles Arbeiten an mehreren<br />
Aufgaben und ständige Erreichbarkeit<br />
chronischen Stress aus. Zur totalen körperlichen<br />
und geistigen Erschöpfung kommt es,<br />
wenn ein Arbeitnehmer nicht abschalten und<br />
sich auch in seiner Freizeit nicht mehr erholen<br />
kann. „Der Körper ist dann in einem Dauer-Alarmzustand“,<br />
erklärt Hüge.<br />
KÖRPER IM DAUERALARM<br />
Während die meisten Menschen zügig zur<br />
nächsten Werkstatt fahren, wenn ein rotes<br />
Lämpchen im Auto brennt, würden viele die<br />
Zeichen ihres Körpers nicht ernst nehmen.<br />
Dabei lässt Hüge keinen Zweifel daran: „Dieser<br />
Dauer-Alarmzustand muss unterbrochen<br />
werden! Das Herz pumpt wie verrückt, unser<br />
Körper hat einen höheren Verschleiß, die Zellen<br />
werden geschädigt und auch die Lust auf<br />
Sex lässt nach. Es lohnt sich nicht, chronischen<br />
Stress zu ertragen“, wird Hüge deutlich.<br />
Stressempfinden, so stellt der Burnout-Prophylaxe<br />
Trainer aus München klar, ist etwas<br />
sehr individuelles. „Für den einen sind 50<br />
Mails täglich im Postfach Stress pur, ein anderer<br />
läuft sich erst bei 200 Mails richtig warm“,<br />
sagt Hüge. Manche Menschen setzten sich<br />
selbst unter Druck durch Denkmuster wie<br />
Haus am Fluss<br />
MBSR<br />
2 Change<br />
Andrea Weber<br />
Fachärztin für<br />
Allgemeinmedizin<br />
MBSR-Lehrerin<br />
Mitglied im<br />
MBSR-Verband<br />
Karin Probst<br />
Zertifizierter<br />
Business Coach<br />
(FU Berlin)<br />
Burnout – Prävention & Therapie<br />
Ressourcenorientiert – kompetent vernetzt<br />
· Yoga, QiGong, Meditation<br />
· Kunsttherapie<br />
· Ganzheitliche Medizin, TCM<br />
Medizin www.regineschuster.de<br />
Kunsttherapie www.ulrikelips.de<br />
Yoga, QiGong www.haus-am-fluss-ulm.de<br />
MBSR-8-Wochenkurs<br />
in 88400 Biberach,<br />
Karl-Müller-Straße 14<br />
Nächster Beginn: 12. Januar 2017<br />
Weitere Informationen unter<br />
www.mbsr-bc.de<br />
Training, Coaching und Beratung:<br />
Stress- und Burnoutprävention,<br />
Gesundes Führen, BGM,<br />
Wertschöpfung durch Wertschätzung<br />
Uferstraße 3<br />
89231 Neu-Ulm<br />
Tel.: 0731 72565765<br />
www.2-change.de<br />
Zentrum für Bindungsenergetik<br />
Schmidt Consult<br />
Praxis Lebensfreude<br />
Burnout-Behandlung / Beratung<br />
Psychotherapie HeilprG,<br />
Aus- und Weiterbildung<br />
Ulmergasse 21, 89076 Ulm<br />
Tel.: 07307 923036<br />
Mobil: 0176 50117843<br />
www.bindungsenergetikkerstin-zangl.de<br />
Kerstin<br />
Zangl-Mittelmeier<br />
Heilpraktikerin,<br />
Bindungsenergetikerin<br />
Adelheid<br />
Schmidt<br />
Dipl.-Psychologin,<br />
wingwave-Coach,<br />
Trainerin/Coach<br />
für Präsente Kommunikation,<br />
Systemisches<br />
Konsensieren.<br />
Schwerpunkte: Burnout,<br />
Stress, Konflikte, Führung, Leistungssteigerung,<br />
Persönlichkeitsentwicklung<br />
Hafenbad 27 · D-89073 Ulm<br />
Hesseweg 11 · D-89542 Herbrechtingen<br />
T.: 07324 1491420 · M: 0176 20935752<br />
info@schmidt-consult.org<br />
www.schmidt-consult.org<br />
Angebot:<br />
· Atemtechniken zur Entspannung<br />
· Burnout-Prävention<br />
· kognitive Verhaltenstherapie<br />
· inhouse Seminare zum<br />
Thema „Burnout”<br />
· Einzelcoachings für Führungskräfte<br />
www.lebensfreude-ulm.de<br />
Martin Schuler<br />
Heilpraktiker für<br />
Psychotherapie,<br />
Zertifizierter<br />
Burnout-Berater,<br />
Rhetorik-Trainer &<br />
Business-Coach<br />
29
[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
zum Beispiel: „Ich will beliebt sein, ich will<br />
anerkannt werden, ich muss perfekt sein, alles<br />
selber machen, sonst wird es nicht gut.“<br />
Wer dauernd seinen Energietopf anzapft, seine<br />
Hobbys nicht pflegt, sich keine Zeit für sich<br />
selbst nimmt, der leert seinen Akku. Diese<br />
Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse äußert<br />
sich in schlechten Ernährungsgewohnheiten,<br />
mangelnder Bewegung und auch darin,<br />
Freundschaften nicht mehr zu pflegen.<br />
Das Krankheitsbild des Burnout hat der Psychologe<br />
und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger<br />
(1929 bis 1999) in zwölf Phasen<br />
beschrieben (siehe Infokasten). Für Betroffene<br />
sind laut Hüge Coaching-Maßnahmen bis<br />
Phase fünf sinnvoll. Wenn Betroffene aber<br />
bereits ihr Wertesystem umdeuten, private<br />
Kontakte vermeiden oder es wegen des Burnouts<br />
gar in der Partnerschaft kriselt, sei eine<br />
ärztliche Begleitung nötig. Ab Stufe neun<br />
oder zehn, wenn das Gefühl des automatenhaften<br />
Funktionierens und der inneren Leere<br />
die Oberhand gewinnen, sei es Zeit in eine<br />
Klinik zu gehen.<br />
So verbreitet psychische Störungen in der Gesellschaft<br />
sind, so häufig werden sie immer<br />
noch abgetan. Deswegen gingen die Leute<br />
krank zur Arbeit, sagt Hüge und verweist auf<br />
Untersuchungen: Auf dem Weg in den Burnout<br />
steige die Fehlerhäufigkeit der betroffenen<br />
Mitarbeiter um das Sechsfache.<br />
Die Firmen sollten ein großes Interesse daran<br />
haben, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.<br />
Seit dem Jahr 2013 sind Unternehmen nach<br />
dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet auch<br />
eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung<br />
am Arbeitsplatz vorzunehmen: Wie<br />
sieht die Umgebung des Arbeitsplatzes aus?<br />
Wie agiert die Führungskraft? Wie gehen<br />
die Kollegen miteinander um? „Doch die wenigsten<br />
Firmen machen das oder sehen dies<br />
als erforderlich an “, sagt Hüge. Dabei sei es in<br />
deren Interesse zu fragen: Was benötigen Mitarbeiter,<br />
um gesund zu bleiben? Davon profitierten<br />
die Firmen in Form von weniger Fehltagen,<br />
aber auch weil es sie zu einem<br />
attraktiven Arbeitgeber mache und sie sich<br />
von anderen Firmen abheben. Nötig sei, das<br />
Thema Gesundheit zur Chefsache zu machen<br />
und die Führungskräfte zu schulen. Diese sollten<br />
Unterstützung erhalten, um selbst gesund<br />
zu bleiben, und Anleitung, wie sie dem Burnout<br />
von Mitarbeitern vorbeugen können.<br />
80 PROZENT REICHEN AUCH<br />
Aber auch die Mitarbeiter müssten an sich arbeiten<br />
und sich fragen: Was sind meine Werte?<br />
Was gibt meinem Leben Sinn? Werden die<br />
Werte, die mir wichtig sind, in „meiner“ Firma<br />
gelebt. Sie sollten Stressquellen am Arbeitsplatz<br />
identifizieren und verringern. Und sie<br />
sollten lernen, auch Nein zu sagen und sich<br />
fragen: Bei welcher Aufgabe reichen statt einer<br />
perfekten Ausführung auch mal 60 oder<br />
80 Prozent. Was brauche ich im Moment, damit<br />
es mir gut geht? Darüber hinaus empfiehlt<br />
Hüge gezielte Entspannung, zum Beispiel<br />
mit progressiver Muskelentspannung,<br />
Autogenem Training, Yoga, Tai Chi oder Qi<br />
Gong; regelmäßige Bewegung, ausreichend<br />
Schlaf, sich Auszeiten nehmen (Handy, Laptop,<br />
Tablet ausschalten) und sich gesund zu<br />
ernähren. [!] ALEXANDER BÖGELEIN<br />
Ein Krankheitsbild,<br />
zwölf Phasen<br />
Der Psychoanalytiker Hermann Freudenberger<br />
untergliedert den Burnout<br />
in diese Phasen: 1. Übertriebener Ehrgeiz<br />
und der Zwang, sich zu beweisen.<br />
2. Übertriebene Leistungsbereitschaft<br />
aufgrund der eigenen hohen Anforderungen.<br />
3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse<br />
(Schlaf, regelmäßige Ernährung).<br />
4. Bewusstes Verdrängen und<br />
Überspielen von Konflikten und Bedürfnissen.<br />
5. Verzerrte Wahrnehmung<br />
der Realität. Alte Grundsätze verlieren<br />
an Wert, Freundschaften werden als<br />
Belastung empfunden. 6. Verleugnung<br />
von Problemen, Zynismus und zunehmende<br />
Intoleranz. 7. Emotionaler und<br />
sozialer Rückzug. 8. Verhaltensänderung<br />
in Form einer Abwehrhaltung gegenüber<br />
Kritik aber auch gegenüber<br />
Zuwendung. 9.Depersonalisation durch<br />
den Wahrnehmungsverlust und die<br />
Verneinung der eigenen Persönlichkeit.<br />
10. Gefühl der inneren Leere und Nutzlosigkeit.<br />
11. Depression geprägt von<br />
Sinnlosigkeit, Erschöpfung und Gleichgültigkeit.<br />
12. Totale geistige, emotionale<br />
und körperliche Erschöpfung, die<br />
zum Suizid führen kann. <br />
AMB<br />
Ein Führungsstil, der auf Lob, Anerkennung ,<br />
Wertschätzung und Vertrauen beruht, hilft Mitarbeitern<br />
und kann diese vor dem Ausbrennen<br />
schützen, sagt Verbandschef Norbert Hüge.<br />
Foto: © Tino Neitz / Fotolia.com<br />
30
Anzeige<br />
Neueröffnung Januar 2017<br />
Klinik ChiemseeWinkel Seebruck<br />
www.gesundheitswelt.de<br />
Bild Image Florian Werner • Skizzen: Rudolf Bachhuber GmbH&CoKG<br />
Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie auf<br />
Vier-Sterne-Plus-Niveau: Integrativ – Individuell – Innovativ<br />
Die neue Klinik ChiemseeWinkel ist eine den<br />
höchsten Ansprüchen genügende Fachklinik<br />
für Psychosomatik und Psychotherapie.<br />
Sie ist konzipiert in einem hochwertigen<br />
Ambiente auf Vier-Sterne-Plus-Niveau für<br />
privat- und beihilfeversicherte Patienten/<br />
innen sowie für Selbstzahler/innen, mit 50<br />
Einzelzimmern – ein „Geschützter Raum für<br />
Heilung.“<br />
Die Klinik ChiemseeWinkel arbeitet nach dem<br />
bewährten Behandlungskonzept der Klinik<br />
St. Irmingard in Prien und der Simssee Klinik<br />
in Bad Endorf. Deutschlandweit werden Privatversicherte,<br />
Beamte sowie Selbstzahler<br />
mit Depressionen, Ängsten, Burnout, Somatisierungsstörungen<br />
angesprochen – dies direkt<br />
am Chiemseeufer in Seebruck, mit erstklassiger<br />
Behandlung durch ein hochqualifiziertes,<br />
multiprofessionelles Team unter der<br />
Führung des erfahrenen Chefarztes Dr. Franz<br />
Pfitzer.<br />
Für Dr. Pfitzer ist Stationäre Psychosomatik<br />
multimodale, multiprofessionelle integrative<br />
Teamarbeit, d. h. die gute Zusammenarbeit<br />
vieler psychotherapeutischer Spezialisten<br />
ist entscheidend. In der Privatklinik<br />
bringt der Chefarzt in besonderer Weise seine<br />
bewährten und beständig fortentwickelten<br />
Therapiekonzepte ein, die unterschiedliche<br />
wissenschaftlich fundierte Therapieverfahren<br />
aus Tiefenpsychologie, Trauma-, Verhaltensund<br />
Familientherapie vernetzen und neueste<br />
Erkenntnisse aus der Neurobiologie berücksichtigen.<br />
Unsere Stärken<br />
· Aufnahme innerhalb kürzester Zeit<br />
· Bewährtes, innovatives Therapiekonzept<br />
von Chefarzt Dr. Pfitzer<br />
· Individuelle Atmosphäre – 50 exklusive<br />
Einzelzimmer<br />
· Ruhige, höchst attraktive Lage direkt am<br />
Chiemsee<br />
· Wunderschöner See- und Bergblick<br />
Behandlungsschwerpunkte<br />
· Psychische Erkrankungen (Depressionen,<br />
Angst-, Panikstörungen, Zwänge)<br />
· Störungen der Organfunktionen (psychosomatische<br />
Störungen, funktionelle Störungen,<br />
die oft schon lange bestehen)<br />
· Akute und chronische Belastungsreaktionen,<br />
Burnout-Syndrome<br />
· Bindungs- und Beziehungsstörungen, einschließlich<br />
arbeitsplatzbezogener Konflikte<br />
· Psychotherapie bei älteren Menschen<br />
· Krisen und traumatische Reaktionen nach<br />
Unfällen, Verlusterfahrungen, schweren<br />
Krankheiten oder Operationen<br />
· Lebenskrisen, Sinnkrisen, Beziehungskrisen,<br />
berufliche und persönliche Identitätskrisen<br />
Wir bieten auch spezialisierte Behandlungsangebote<br />
für Ärzte, Führungskräfte und<br />
Selbstständige, Lehrer und Menschen in anderen<br />
„helfenden Berufen“. In der therapeutischen<br />
Gemeinschaft werden eingeschliffene<br />
krankheitsbedingte Muster von Rückzug und<br />
Vermeidung verändert. Neugier, Lebensfreude<br />
und Lebendigkeit werden wieder wahrgenommen.<br />
„Im geschützten Rahmen der Klinik soll durch<br />
neue Beziehungserfahrung Heilung ermöglicht<br />
werden. Dafür bietet die Klinik Chiemsee-<br />
Winkel mit dem spezifischen Therapiekonzept,<br />
der therapeutischen Gemeinschaft und<br />
der überschaubaren Klinikgröße sowie der<br />
besonderen Lage und dem Ambiente den optimalen<br />
Ort.“<br />
Zitat Dr. Franz Pfitzer,<br />
Chefarzt Klinik ChiemseeWinkel Seebruck<br />
Verantwortlich in der Geschäftsführung ist Dominique<br />
Hannig gemeinsam mit Dietolf Hämel,<br />
Vorstand Geschäftsbereich Medizin der Gesundheitswelt<br />
Chiemgau AG in Bad Emdorf.<br />
[ Interessierte dürfen sich gerne bewerben:<br />
bewerbung@gesundheitswelt.de]<br />
Neueröffnung im Januar 2017<br />
Anmeldungen und Informationen sind<br />
bereits jetzt möglich.<br />
Telefonische Informationen unter:<br />
Chefarzt-Sekretariat: Eva Frühholz<br />
+49 (0)8667/87930-71; E-Mail:<br />
e.fruehholz@klinik-chiemseewinkel.de<br />
Sekretariat Geschäftsführung:<br />
Kathrin Ruchotzki +49 (0)8051-599<br />
E-Mail: k.ruchotzki@klinik-chiemseewinkel.de<br />
www.klinik-chiemseewinkel.de<br />
31
[verantworten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Moment mal<br />
Anhalten, den Atem spüren und zu sich kommen: Im hektischen Jahresendspurt tun das nur wenige.<br />
Doch wem Gesundheit und Wohlbefinden wichtig sind, der sollte bewusst Auszeiten nehmen. Tipps, wie man<br />
Achtsamkeit sich selbst gegenüber lernen kann.<br />
Stade Zeit nennen die Bayern und Österreicher den Advent. Doch<br />
die Tage vor Weihnachten sind alles andere als ruhig und besinnlich.<br />
Ganz im Gegenteil. In den Firmen gehört der <strong>Dezember</strong> zu<br />
den anstrengendsten Zeiten im Jahr.<br />
Dementsprechend stressig empfinden viele die Arbeitstage. Projekte müssen<br />
vor den Weihnachtsferien abgeschlossen sein, die Jahresziele erreicht<br />
werden. Viele Mitarbeiter fühlen sich in dieser Situation wie in einem<br />
Hamsterrad, das stetig schneller läuft. Da hilft nur, achtsam mit sich umzugehen.<br />
Doch das haben viele Menschen nicht gelernt. „Entsprechende<br />
Übungen sind für viele ungewohnt. Sie lassen sich aber gut in den Alltag<br />
einbauen“, erklärt Achtsamkeitstrainer Günter Hudasch. Er ist Vorsitzender<br />
des Verbands der MBSR- und MBCT-Lehrer in Deutschland. Die beiden Abkürzungen<br />
stehen für entsprechende Trainingsprogramme (Mindfulness-<br />
Based Stress Reduction, Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Depression).<br />
„Wer das Grundprinzip verinnerlicht, kann mit kleinen<br />
Übungseinheiten große Wirkung erzielen und Gelassenheit entwickeln“,<br />
sagt Hudasch. Er hat diese fünf Tipps:<br />
bewußt genießen . . .<br />
Tee trinken<br />
Statt den Tee im Büro nebenbei zu schlürfen und gleichzeitig E-Mails zu<br />
checken, lautet die Aufgabe: Schmecken und riechen Sie ihn bewusst.<br />
Spüren Sie das Gewicht der Tasse. Und die Wärme, die von ihr ausgeht.<br />
Foto: © contrastwerkstatt / Fotolia.com<br />
intensiv spüren . . .<br />
Duschen Sie mit allen Sinnen<br />
Statt morgens unter der Brause schon daran zu denken, welche Aufgaben im Job auf einen<br />
warten, heißt es dieses Mal: der Stimme im Kopf keine Beachtung schenken, sondern sich<br />
mit allen Sinnen auf das Duschen konzentrieren und es genießen. Achten Sie darauf, wie das<br />
Rauschen des Wassers klingt, wie es sich anfühlt. Wie spüren Sie es auf der Kopfhaut? Wie<br />
riecht die frisch geduschte Haut? <br />
Foto: © eldarnurkovic / Fotolia.com<br />
32
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[verantworten]<br />
Atmen<br />
Den eigenen Atem nehmen viele normalerweise gar nicht wahr. Das<br />
soll sich bei dieser Übung ändern: Setzen Sie sich aufrecht hin. Durch<br />
die Nase einatmen. Fühlen Sie, wie die Luft in Ihren Körper hineinund<br />
wieder hinausströmt. Spüren Sie, wie sich der Brustkorb hebt<br />
und senkt. Entspannen Sie, so gut es geht, mit der Ausatmung.<br />
<br />
Foto: © olly / Fotolia.com<br />
mich entspannen . . .<br />
Barfuß laufen<br />
Am besten gleich morgens nach dem Aufstehen: barfuß übers<br />
Gras im Garten. Gehen Sie langsam, rollen Sie die Füße ab und<br />
lassen Sie die Anspannung los. Das Tautreten ist eine Methode<br />
von Sebastian Kneipp. Idealerweise startet man das im Sommer,<br />
doch es geht auch in der kalten Jahreszeit. Wer ein bisschen abgehärtet<br />
ist, probiert das Schneegehen aus. Dafür reichen wenige<br />
bis maximal 30 Sekunden barfuß im frisch gefallenen Schnee.<br />
Damit die Füße nicht auskühlen, halten Sie trockene Strümpfe<br />
und Schuhe bereit und bleiben Sie in Bewegung.<br />
<br />
Foto: © David Pereiras / Fotolia.com<br />
anders fühlen . . .<br />
Den Körper erkunden<br />
Beim sogenannten „Body Scan“ geht es darum, den eigenen Körper<br />
von unten bis oben zu erspüren. „Am besten üben Sie das erst einmal<br />
mit einer CD“, sagt Hudasch. „Auf diese Weise trainieren Sie,<br />
Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Ihre Wahrnehmung für sich zu<br />
vertiefen und sich so mehr mit sich selbst zu verbinden. Versuchen<br />
Sie einmal, Ihren kleinen Zeh am linken Fuß zu spüren.<br />
Dann gehen Sie Stück für Stück den Körper nach oben durch, bis<br />
Sie am Scheitel angekommen sind. Am besten geht es im Liegen<br />
auf dem Rücken mit geschlossenen Augen.“ Foto: © fizkes / Fotolia.com<br />
Foto: © Stefan Arendt / Fotolia.com<br />
zu mir finden . . .<br />
Auf der Homepage des Verbandes besteht die Möglichkeit, entsprechende Kurse in der<br />
Umgebung zu suchen: www.mbsr-verband.de (unter Kurse/Kompaktkurse)<br />
33
Sonderveröffentlichung<br />
Natürlich online sichtbar<br />
Ein Internetseite ist heute Pflicht, sagt die Ulmer Heilpraktikerin Anja Hirth. Anfangs hat die Spezialistin für<br />
Hypnotherapie das Thema unterschätzt. Seit drei Jahren lässt sie sich von der NPG Digital betreuen.<br />
Anja Hirth hat Lehrgeld bezahlt. Bereits vor<br />
Jahren entschloss sich die Heilprakterin für<br />
Psychotherapie, dass sie online sichtbar sein<br />
will. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt<br />
sie. Bei einem Grafiker ließ sie sich eine Webseite<br />
bauen für rund 5000 Euro bauen. „Ich<br />
dachte, ich mache das einmal und dann ist es<br />
das“, erzählt Hirth. „Ich hatte damals keine<br />
Vorstellung wie schnell, eine Internetseite<br />
veraltet und lediglich eine Kulisse darstellt,<br />
die in kürzester Zeit nichts mehr wert ist.“<br />
Obwohl Hirth damals eine der ersten Praxen<br />
in Ulm war, die Hypnotherapie anbot und ihre<br />
Homepage neu war, war sie bei Google<br />
schlecht zu finden.<br />
Marc Wiedbrauck, Online-Marketingberater<br />
von NPG Digital, kennt diese Irrtümer von<br />
Selbstständigen, Einzelhändlern und kleinen<br />
Firmen in Sachen Online-Auftritt: „Der ist eine<br />
langfristige Angelegenheit, die Seite muss<br />
kontinuierlich gepflegt werden.“ Der Grund:<br />
Die meisten Menschen suchen heute von unterwegs<br />
mit ihrem Smartphone oder Tablet<br />
über Google nach Themen und Dingen, die<br />
sie interessieren.<br />
MOBIL-OPTIMIERT IST PFLICHT<br />
„Wer dann mit einem Klick auf eine veraltete<br />
Internetseite kommt; eine, die nicht für mobile<br />
Geräte optimiert und deswegen für die<br />
Nutzer umständlich zu handhaben ist, der<br />
fühlt sich vergrault und ist mit einem Klick<br />
weiter bei der Konkurrenz“, erklärt Wiedbrauck<br />
und betont: „Ein Internetauftritt ist<br />
heute ein Muss. Wer im Internet nicht zu finden<br />
ist, der existiert förmlich nicht.“ Das machen<br />
auch diese Zahlen deutlich: Drei Viertel<br />
aller Bundesbürger in Deutschland nutzen<br />
das Internet – durchschnittlich mehr als zwei<br />
Stunden am Tag. Rund 40 Millionen Menschen<br />
surfen mit ihrem Smartphone im Netz,<br />
informieren sich, planen und erledigen ihre<br />
Einkäufe.<br />
Auch für Anja Hirth war klar: „Nur eine für<br />
Smartphones optimierte Seite macht Sinn.“<br />
Am Vorgehen der NPG Digital GmbH, die früher<br />
unter Südwest Presse Online-Dienste<br />
GmbH firmierte, gefiel ihr, dass „sie offen und<br />
ehrlich beraten haben und die Seite nicht nur<br />
technisch umgesetzt, sondern sich viel Mühe<br />
gegeben haben, meine Kolleginnen und mich<br />
zu verstehen“, sagt Anja Hirth. Sie entschied<br />
sich für ein Gesamtpaket, um das Therapiezentrum<br />
für Hypnotherapie & Osteopathie<br />
darzustellen. Dabei war ihr die Möglichkeit<br />
wichtig, Inhalte selbst ergänzen zu können.<br />
„Für uns ist es der oberste Grundsatz, uns<br />
möglichst gut in die Lage der Kunden zu versetzen<br />
und sie dauerhaft zu begleiten“, sagt<br />
Wiedbrauck und betont: „Nur so können wir<br />
unsere Kunden nachhaltig betreuen und beraten.<br />
Die Online-Welt ist ein sehr schnelllebiges<br />
Medium. Was heute Standard ist, kann in<br />
ein paar Wochen schon wieder veraltet sein.<br />
Damit sich unsere Kunden nicht mit dem<br />
Thema befassen müssen, dafür haben sie<br />
uns.<br />
BEZAHLBARER MONATSTARIF<br />
Das spiegelt sich auch in den Tarifmodellen<br />
der NPG Digital wider. „Mit unseren drei Website-Paketen<br />
(Basis, Plus und Premium) wollen<br />
wir auch den Einzel- und Kleinunternehmern<br />
die Möglichkeit bieten, eine hoch<br />
professionelle Website zu haben, auf der sie<br />
sich präsentieren können und das zu bezahlbaren<br />
Monatstarifen“, sagt Wiedbrauck.<br />
Die Investition lohnt sich. „Die Resonanz der<br />
Patienten war super“, erinnert sich Anja<br />
Hirth. Die NPG Digital habe die Seite gut<br />
Heilpraktikerin Anja Hirth mit ihrer Homepage:<br />
„Ein guter erster Eindruck ist wichtig.“<br />
34
Sonderveröffentlichung<br />
strukturiert, die<br />
Texte gut aufbereitet.<br />
„Es sind schöne<br />
Bilder aus der<br />
Praxis und die Online-Besucher<br />
finden<br />
sich gut zurecht.<br />
Für mich ist<br />
wichtig, dass Suchende<br />
mich und<br />
Online-Marketingberater<br />
Marc Wiedbrauck. keiten anschauen<br />
meine Räumlich-<br />
und sich einen ersten<br />
Eindruck verschaffen können. Denn Psychotherapie<br />
ist Vertrauenssache.“<br />
Vor der Zusammenarbeit mit der NPG Digital<br />
kümmerte sich die online-affine Heilpraktikerin<br />
noch selbst um Themen, wie ihre Homepage<br />
bei Google gerankt wird und wie sie mit<br />
dem Google-Dienst „AdWords“ mehr Besucher<br />
auf die Internetseite lotst. Bei dem<br />
Dienst „AdWords“ können Werbetreibende<br />
Anzeigen schalten, die sich vor allem an den<br />
Google-Suchergebnissen von Nutzern orientieren.<br />
Doch um diese ganzen Fragen kümmert<br />
sie sich nun nicht mehr. „Ich konzentriere<br />
mich lieber auf die Arbeit mit meinen<br />
Patienten“, sagt sie.<br />
Derweil kümmert sich das Team von NPG Digital<br />
um die Überarbeitung der Website und<br />
steht Anja Hirth bei sämtlichen Fragen zum<br />
Thema Online-Marketing zur Seite. Dazu gehört<br />
auch eine so genannte SEO-Optimierung.<br />
Die NPG-Onlineexperten versehen die Texte<br />
mit Schlüsselwörtern. Damit erreichen sie,<br />
dass Hirths Seite www.natuerlich-ganz-gesund.de<br />
bei der lokalen Suche über Google<br />
weit oben in den Ergebnislisten der Suchmaschine<br />
steht. Die Praxis mitsamt ihren Angeboten<br />
ist damit online gut sichtbar.<br />
Zum Service der NPG Digital gehört ein kostenloser<br />
Check der Webseite, bei der unter<br />
anderem Ladezeiten, mobile Optimierung<br />
und Nutzerführung geprüft werden. Das Erstellen<br />
einer Webseite ist eine Sache, ein andere,<br />
dass diese bekannt, gesehen und besucht<br />
wird. „Die Maßnahmen die wir hier<br />
anbieten sind Displaywerbung (Banner), zielgruppengerechte<br />
Werbung auf Facebook und<br />
mit Google Ad-Words. Für den Aufbau von<br />
Neukunden und deren langfristige Bindung“,<br />
so Wiedbrauck, „bieten wir die richtige Lösung<br />
mit Hilfe von Newsletter-Marketing“.<br />
Experten fürs<br />
Online-Marketing<br />
Die NPG Digital ist die Online-Marketing-Agentur<br />
der SÜDWEST PRESSE<br />
und seit 2008 aktiv. Sie ist Dienstleisterin<br />
für die Muttergesellschaft und<br />
richtet sich darüber hinaus vor allem<br />
an kleine und mittelständische Unternehmen.<br />
Mehr als 40 Digital-Experten<br />
kümmern sich um alles was man<br />
braucht, um im Internet erfolgreich zu<br />
sein. Sie bietet auch eine monatliche<br />
Vortragsreihe an. Themen, Termine<br />
und weitere Infos: www.npg-digital.de<br />
IHR KOSTENLOSER<br />
WEBSITE-CHECK!<br />
IST IHR INTERNET-AUFTRITT FIT FÜR DIE<br />
ZUKUNFT? WIR TESTEN IHN KOSTENLOS UND<br />
UNVERBINDLICH.<br />
Eine moderne und ansprechende Website ist für Ihr<br />
Unternehmen heutzutage ein Baustein für den Erfolg. Wir<br />
bieten Ihnen eine kostenlose Analyse Ihres aktuellen<br />
Internet-Auftritts.<br />
Wir analysieren:<br />
P Inhalt und Struktur<br />
P Mobile Optimierung und technische Performance<br />
P Suchmaschinenoptimierung<br />
Jetzt anfordern unter: www.npg-digital.de/websitecheck<br />
Ihr Ansprechpartner:<br />
Daniel Gentner, d.gentner@n-pg.de<br />
T 07310156 - 167<br />
35
[rubrik] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Firmenwagen, wo früher Pershing-II-Rakten standen: In Buch (Kreis Neu-Ulm) übernimmt das Autokontor Bayern die Logistik für Firmenflotten.<br />
Flott gemacht<br />
Große Unternehmen mit einer Vielzahl an Firmenautos und Lkw wissen: Mit professionellem Fuhrparkmanagement<br />
lässt sich viel Geld sparen. Doch viele kleinere Unternehmen ignorieren das Sparpotenzial: Ein teurer Fehler.<br />
Wann steht der nächste TÜV an, sind<br />
die Fahrzeugpapiere kontrolliert<br />
und alle Autos von der Reparatur<br />
zurück? Wer mehr als ein Fahrzeug in seinem<br />
Unternehmen verwalten muss, weiß: Die Liste<br />
der täglich zu klärenden Punkte ist oftmals<br />
so lang wie die Reihe der Fuhrparkautos. Und<br />
die ist mitunter sehr lang.<br />
Wer da die Übersicht verliert, macht schnell<br />
auch viel Geld kaputt – und das aus reiner Unwissenheit<br />
heraus. „Die Tragweite und die<br />
Komplexität eines Fuhrparkmanagements<br />
wird von vielen Betrieben vollkommen unterschätzt.<br />
Ich kenne eine Menge Firmeninhaber,<br />
die deswegen ihren Fokus auf andere Themen<br />
legen“, sagt Marc-Oliver Prinzing, der Vorsitzende<br />
des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement<br />
mit Sitz in Mannheim „Der große<br />
Nachteil daran: Viele Geschäftsführer erkennen<br />
deshalb auch mögliche Einsparpotentiale<br />
nicht. Doch ein gut geführter Fuhrpark verursacht<br />
bis zu 40 Prozent weniger Kosten als eine<br />
schlecht oder sogar schlampig geführte<br />
Fahrzeugflotte.“<br />
Der Verbandschef ist auch als Ausbilder für<br />
die Dekra Akademie GmbH tätig und hat<br />
schon mehrmals erlebt, dass Fuhrpark-Verantwortliche<br />
in seinen Seminaren sitzen und<br />
aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas<br />
verblüfft feststellen: „Eigentlich müsste mein<br />
Geschäftsführer hier sitzen und nicht ich.“<br />
Tut er jedoch in den wenigsten Fällen und dies<br />
ist in der Tat ein großer, wenn auch nicht seltener<br />
Fehler, der wiederum fatale Folgen hat.<br />
„Die Fuhrparkverantwortlichen bekommen<br />
oftmals nicht die erforderlichen Mittel zur<br />
36
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[spezial]<br />
Hand, die für ein professionelles Management<br />
dringend notwendig wären, sagt Prinzing.<br />
Deshalb gelingt die Fuhrparküberwachung in<br />
vielen Fällen nicht gut.“<br />
UNTERSCHÄTZTE AUFGABE<br />
Doch auch die Lernwilligen unter denen, die<br />
die Aufgabe der Dienstwagen-Aufsicht intern<br />
übertragen bekommen haben, gehen oftmals<br />
leer aus. Denn eine gesetzlich geregelte Berufsausbildung<br />
gibt es in Deutschland bislang<br />
nicht. Hilfe gibt es dennoch, denn bei der Dekra<br />
Akademie kann man sich in drei Wochen<br />
zum zertifizierten Fuhrparkmanager ausbilden<br />
lassen. Zudem bietet die Stuttgarter Bildungsorganisation<br />
weitere berufsbegleitende<br />
Fuhrpark-Management Seminare an, die unter<br />
anderem die<br />
Themen Kostenrechnung,<br />
IT-Lösungen,<br />
operative<br />
Aufgaben, Finanzierung<br />
und Verwertung<br />
beinhal-<br />
Marc-Oliver Prinzing,<br />
Chef des Bundesverbandes.<br />
ten.<br />
Stellt sich die Frage:<br />
Ab welcher<br />
Fuhrparkgröße ist<br />
ein professionelles<br />
Management<br />
zwingend erforderlich?<br />
Für Marc-Oliver Prinzing ist das eine<br />
einfache Rechnung. Für ihn lohnt sich ein externer<br />
Anbieter immer dann, wenn intern keiner<br />
die Aufgaben machen will oder kann:<br />
„Man muss generell zwischen dem wirtschaftlichen<br />
und rechtlichen Aspekt unterscheiden.<br />
Bei der Halterhaftung ist es egal, ob ich zwei<br />
Rund 80 Prozent der Firmenwagen sind geleast<br />
Bundesweit gibt es 1,6 Millionen Fuhrparks mit 4,5 Millionen Autos und Kleintransportern.<br />
Rund 4,5 Millionen Pkw und Kleintransporter<br />
sind in Deutschland als Flottenfahrzeuge<br />
in rund 1,6 Millionen Firmenfuhrparks<br />
unterwegs. Insgesamt gab es<br />
2014 rund 44,4 Millionen Pkw in Deutschland.<br />
Ein Bestand, der von 2006 bis 2009<br />
rapide abnahm, jedoch seit 2010 wieder<br />
moderat wächst. Der gewerbliche Anteil<br />
ist nach Angaben des Verband markenunabhängiger<br />
Fuhrparkmanagementgesellschaften<br />
konstant und beträgt rund<br />
10,1 Prozent. Rund 80 Prozent der Firmen<br />
fahr zeuge im Bestand sind mittlerwei<br />
le über Finanz- oder Fullserviceleasing<br />
finanziert. Das Flotten-Leasing-Neugeschäft<br />
2015 stieg nach den Angaben<br />
des Verbandes deutscher Leasing<strong>unternehmen</strong><br />
um 6,5 Prozent auf 32,8 Milliarden<br />
Euro. 80 Prozent davon entfallen auf<br />
Pkw, 20 Prozent auf Nutzfahrzeuge. LOE<br />
oder 2000 Fahrzeuge im Fuhrpark habe. Denn<br />
ich muss jederzeit sicherstellen, dass die<br />
rechtlichen Anforderungen gewährleistet<br />
sind, sprich zum Beispiel die Führerscheine<br />
der Mitarbeiter in Ordnung sind und die Fahrer<br />
die gesetzlich erforderlichen Unterweisungen<br />
erhalten haben. Wirtschaftlich gesehen<br />
arbeiten alle Unternehmen professionell,<br />
wenn sie auf die Betriebskosten achten und<br />
Verbrauchsstatistiken lesen. Gerade kleinere<br />
Firmen überlassen dies oftmals den Fahrern,<br />
was jedoch nicht immer funktioniert. Denn<br />
für Fahrer sind Dienstwagen reine Arbeitsinstrumente,<br />
mit denen sie ihren Job verrichten.<br />
DER SEAT LEON ST.<br />
Raum für neue Möglichkeiten.<br />
SCHON AB 198 € 1 IM MONAT – INKL. BUSINESS-PAKET.<br />
Bis zu 1.470 Liter Gepäckraumvolumen, damit Sie ein Maximum an Flexibilität genießen.<br />
Effi ziente Motoren, die Leistung mit Wirtschaftlichkeit verbinden. Fortschrittliche Technologien,<br />
die Sicherheit und Konnektivität bieten. Business-Pakete, mit denen Sie sich ein Plus<br />
an Ausstattung und Preisvorteile sicher.<br />
SEAT Leon ST Reference 1.6 TDI Start&Stop Kraftstoffverbrauch: innerorts 4,6, außerorts<br />
3,3, kombiniert 3,8 l/100 km; CO2-Emissionen: kombiniert 99 g/km. Effizienzklasse: A.<br />
Kraftstoffverbrauch SEAT Leon ST: kombiniert 6,8–3,6 l/100 km; CO2-Emissionen: kombiniert<br />
158-94g/km. Effizienzklasse: D–A+.<br />
1<br />
Der SEAT ST Reference 1.6 TDI Start&Stop 77 kW (105 PS), Fahrzeugpreis 23.450,00 € + Sonderausstattung<br />
0,00 € zzgl. Überführungskosten und MwSt.: 198,00 € monatl. Leasingrate bei 36 Monaten<br />
Laufzeit und jährlicher Laufleistung von 15.000 km, Sonderzahlung 0,00 €. Ein Angebot der SEAT<br />
Leasing. Zweigniederlassung der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Straße 57, 38112 Braunschweig.<br />
Dieses Angebot ist nur für gewerbliche Kunden mit Großkundenvertrag und nur bis zum<br />
31.12.<strong>2016</strong> gültig. Das abgebildete Fahrzeug enthält Sonderausstattung gegen Mehrpreis.<br />
AUTOHAUS SAUR GMBH & CO. KG<br />
Blaubeurer Str. 45<br />
89077 Ulm<br />
Tel.: 0731 93554-0<br />
info@autohaus-saur.de<br />
SEAT FOR BUSINESS<br />
Ihr SEAT Gewerbe-/ & Grosskunden<br />
Kompetenz Zentrum<br />
für die Region Ulm/Neu-Ulm<br />
37
[spezial] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Die Energieversorgung Filstal setzt auf Umweltfreundlichkeit: Zu ihrer Flotte gehören 62 Erdgasautos.<br />
Die täglich anfallenden Kosten interessieren<br />
sie wenig bis gar nicht. Deshalb muss in einem<br />
Unternehmen sichergestellt sein, dass<br />
sich jemand um den Fuhrpark kümmert.“<br />
Doch es genügt eben nicht, dass man darauf<br />
achtet, ob die Sitze sauber sind und genügend<br />
Sprit im Tank ist. Marc-Oliver Prinzing: „Ein<br />
professionelles Fuhrparkmanagement umfasst<br />
alle Prozesse von der Bestellung der Fahrzeuge<br />
bis zur deren Rückgabe oder deren Vermarktung.“<br />
VORGABEN FÜR MITARBEITER<br />
Die Liste der Tätigkeiten eines Fuhrparkmanagers<br />
reicht von der Reparatur-Steuerung,<br />
der Prüfung von Rechnungen, der Bearbeitung<br />
von Bußgeldbescheiden bis hin zur Sicherstellung<br />
der Reifenqualität sowie der Betreuung<br />
der Fahrer. Zu dieser gehört unter<br />
anderem die von der Berufsgenossenschaft<br />
geforderte Einweisung des Personals bei einem<br />
neuen Fahrzeug. Im Idealfall lässt die<br />
Geschäftsführung die Fahrer Nutzungsüberlassungsverträge<br />
unterzeichnen, in denen geregelt<br />
ist, wie diese mit den überlassenen<br />
Fahrzeugen umzugehen haben, wo sie diese<br />
im Pannenfall reparieren lassen dürfen oder<br />
auch welche Kraftstoffe je nach Fahrzeugtyp<br />
zu tanken sind. „Natürlich muss man dahinter<br />
her sein, dass diese Punkte auch strikt eingehalten<br />
werden“, so Marc-Oliver Prinzing,<br />
der weiß, dass die etwa zehn großen deutschen<br />
Dienstleister für externes Flottenmanagement<br />
ihren Kunden entweder einen Rundum-Service<br />
oder verschiedene Module<br />
anbieten.<br />
Eines davon ist das äußerst komplexe Thema<br />
Schadensmanagement. Bei diesem haben die<br />
Verantwortlichen viel mit Anwälten, Gutachtern<br />
und Versicherungen zu tun. „Im Grunde<br />
können diese Anbieter jedoch nicht das Management,<br />
sondern lediglich einen Teil der<br />
Fuhrparkverwaltung übernehmen“, sagt Prinzing.<br />
„Strategische Entscheidungen, zum Beispiel<br />
über Investitionen, können ausschließlich<br />
die Unternehmen selbst treffen“, erläutert<br />
er. „Dennoch benötige ich immer jemanden<br />
im Unternehmen, der sich vor Ort um die<br />
Fahrzeuge und um das Controlling des Dienstleisters<br />
kümmert und als Ansprechpartner<br />
überprüft, ob alle Aufgaben erfüllt werden.“<br />
Das klingt einfacher, als es im Alltag ist. Denn<br />
kleinere Unternehmen<br />
mit einem<br />
Fuhrpark mit<br />
bis zu 50 Fahrzeugen<br />
können oft<br />
keine professionellen<br />
Fuhrparkmanagement-Gesellschaften<br />
für<br />
sich gewinnen, da<br />
sich für diese die Dr. Martin Bernhart,<br />
Zusammenarbeit EVF-Geschäftsführer<br />
nicht rentiert.<br />
So oder so. Das Thema Wirtschaftlichkeit<br />
steht bei allen Unternehmen, egal wie viel<br />
Fahrzeuge sie nun betreiben, an erster Stelle.<br />
Es geht um die höchstmögliche Effizienz und<br />
darum, Kosten zu sparen. Dabei sticht die ökonomische<br />
Sichtweise die ökologische aus.<br />
Marc-Oliver Prinzing weiß, dass der Umweltgedanke<br />
bei vielen Fuhrparkleitern noch<br />
nicht sehr ausgeprägt ist: „Der Einsatz von<br />
schadstoffarmen Elektroautos spielt in den<br />
Fuhrparks aus wirtschaftlichen Gründen derzeit<br />
eine noch eher untergeordnete Rolle.“ Der<br />
Grund: Sie sind noch nicht ohne weiteres in<br />
der Praxis einsetzbar. Erdgas-Fahrzeuge hingegen<br />
haben nach seinen Worten mittlerweile<br />
eine sehr gute Reichweite und sind kostengünstiger<br />
als Elektroautos. „Doch auch diese<br />
stoßen auf eine sehr verhaltene Akzeptanz.<br />
Zwar haben viele Fuhrparkleiter ein Ohr am<br />
Markt, aber dennoch liegt hier noch ein langer<br />
Weg vor uns“, sagt der Verbandschef.<br />
Nicht so für die Göppinger Energieversorgung<br />
Filstal GmbH & Co. KG (EVF). Denn 62<br />
der insgesamt 71 Fahrzeuge ihres Fuhrparks<br />
haben einen Erdgas-Antrieb. Der regionale<br />
Energieversorger, der auch drei eigene Erdgastankstellen<br />
in Göppingen, Geislingen und<br />
Wiesensteig betreibt, fährt so mit gutem Beispiel<br />
voran.<br />
Für Dr. Martin Bernhart ist dies der richtige<br />
Schritt in die Zukunft: „Im Vergleich zu Diesel<br />
entstehen bei Erdgas bis zu 95 Prozent weniger<br />
Stickoxide. Ruß und Feinstaub werden<br />
nahezu vollständig vermieden. Bei dem hohem<br />
Verkehrsaufkommen in unseren Städten<br />
wirkt sich das positiv auf das Klima und die<br />
Gesundheit der Menschen aus“, erklärt der<br />
EVF-Geschäftsführer: „Zudem sind Erdgasautos<br />
in Anschaffung und Betrieb kaum teurer<br />
als Benzin- und vergleichbare Dieselmodelle.“<br />
Auch dieser Aspekt ist ein Argument für professionelles<br />
Flottenmanagement. [!]<br />
<br />
STEFAN LOEFFLER<br />
38
NEU<br />
Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />
Schwabengarage GmbH<br />
Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0<br />
www.schwabengarage-ulm.de<br />
SCHAUTAGE<br />
Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />
Jeden Samstag von 13.00 - 17.00 Uhr*<br />
Jeden Sonntag von 11.00 - 16.00 Uhr*<br />
*Probefahrten, Beratung und Verkauf nur während der<br />
gesetzlichen Öffnungszeiten.<br />
FORD MONDEO VIGNALE<br />
Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),<br />
Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung<br />
und statischem Abbiegelicht, Hochwertige Sportsitze<br />
mit exklusiver Lederausstattung, wabenförmig<br />
gesteppt, mit Memory-Funktion, Rückfahrkamera<br />
Bei uns für<br />
€<br />
39.950,- 1<br />
Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.<br />
FORD MONDEO VIGNALE<br />
Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),<br />
Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung<br />
Kraftstoffverbrauch und statischem Abbiegelicht, (in l/100 km Hochwertige nach VO (EG) Sportsitze<br />
VO mit (EG) exklusiver 692/2008 Lederausstattung, in jeweils geltenden wabenförmig Fassung):<br />
715/2007<br />
und<br />
Ford gesteppt, Mondeo mit Vignale: Memory-Funktion, 5,2 (innerorts), Rückfahrkamera<br />
4,1 (außerorts), 4,5<br />
(kombiniert); CO 2<br />
-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).<br />
Bei uns für<br />
€<br />
39.950,- 1<br />
Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.<br />
Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.<br />
Typisch Ford:<br />
der Mythos lebt<br />
FORD MUSTANG<br />
Xenonscheinwerfer, Ford Power Startfunktion<br />
(schlüsselfreies Starten inkl. Ford Key Free-System)<br />
(schlüsselfreies Ent-/Verriegeln), Klimaanlage mit<br />
automatischer Temperaturkontrolle, Polsterung in<br />
Leder-Optik Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.<br />
Bei Typisch uns für Ford:<br />
der Mythos lebt<br />
€<br />
38.000,- 1<br />
FORD MUSTANG<br />
Kraftstoffverbrauch Xenonscheinwerfer, (in Ford l/100 Power km nach Startfunktion VO (EG) 715/2007<br />
und (schlüsselfreies VO (EG) 692/2008 Starten in der inkl. jeweils Ford Key geltenden Free-System) Fassung):<br />
Ford (schlüsselfreies Mustang: 10,1 Ent-/Verriegeln), (innerorts), 6,8 Klimaanlage (außerorts), mit 8,0<br />
(kombiniert); automatischer CO 2<br />
-Emissionen: Temperaturkontrolle, 179 g/km Polsterung (kombiniert).<br />
Leder-Optik<br />
Bei uns für<br />
€<br />
38.000,- 1<br />
Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007<br />
und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):<br />
Ford Mondeo Vignale: 5,2 (innerorts), 4,1 (außerorts), 4,5<br />
(kombiniert); CO 2<br />
-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).<br />
Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />
Schwabengarage GmbH<br />
Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0<br />
www.schwabengarage-ulm.de<br />
Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />
1<br />
Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mondeo Vignale Turnier 2,0-l-TDCi-<br />
Dieselmotor 132 kW (180 PS) (Start-Stopp-System).<br />
Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007<br />
und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):<br />
Ford Mustang: 10,1 (innerorts), 6,8 (außerorts), 8,0<br />
(kombiniert); CO 2<br />
-Emissionen: 179 g/km (kombiniert).<br />
Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm<br />
Schwabengarage GmbH<br />
Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0<br />
www.schwabengarage-ulm.de<br />
Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland<br />
1<br />
Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mustang Fastback 2,3-l-EcoBoost-<br />
Benzinmotor 233 kW (317 PS).<br />
39
[führen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Bühne für die Suche nach den Besten<br />
Gute Vorträge, kostenlose Service-Angebote und die Möglichkeit, ungezwungen Firmen kennenzulernen. Das Konzept<br />
des Fachkräftetags der SÜDWEST PRESSE geht auf. Das zeigen 1200 Besucher und zufriedene Aussteller.<br />
Der Saal ist brechend voll, doch es ist<br />
mucksmäuschenstill. 180 Besucher<br />
des Fachkräftetags hören gebannt zu.<br />
Business-Coach Petra Bergmann aus Blaubeuren<br />
gibt Tipps zu Gehaltsverhandlungen und<br />
erklärt, warum viele Frauen ihre Leistung vor<br />
ihren Chefs schlecht verkaufen können. Das<br />
liege an mehreren Faktoren: Mangelnde Vorbereitung,<br />
fehlendes Selbstbewusstsein, eine<br />
falsche Taktik, sein Gegenüber nicht richtig<br />
einzuschätzen oder ein Gespräch, bei dem die<br />
Anwesenden nicht aktiv zuhören. Mit im Publikum<br />
sitzt auch Annegret R. (Name von der<br />
Redaktion geändert), die im Gesundheitswesen<br />
arbeitet. „Der Vortrag war klasse!“, sagt sie.<br />
Auch das Thema zuvor „Sieben Todsünden<br />
der Bewerbung“ fand sie spannend. Dabei ist<br />
sie selbst gar nicht auf Stellensuche. Den<br />
2.Fachkräftetag der SÜDWEST PRESSE in der<br />
Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm besucht sie,<br />
um Tipps für ihre Tochter zu sammeln, die<br />
kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht.<br />
Rebecca Stadelmaier, die Projektleiterin der<br />
Veranstaltung, freut sich über zufriedene Besucher.<br />
„Zu unserem Konzept gehört es, den<br />
Besuchern Nutzwert und Service zu geben“,<br />
sagt die Stellenmarktverantwortliche der<br />
SÜDWEST PRESSE. Interessante Vorträge und<br />
kostenlose Services, unter anderem Bewerbungsberatung<br />
und –fotos, lockten 1200 Besucher<br />
an. Davon profitierten wiederum die<br />
ausstellenden Firmen.<br />
Zur Premiere im vergangenen Jahr waren es<br />
zwar noch etwas<br />
mehr, dennoch<br />
sind Stadelmaier<br />
und ihr Team sehr<br />
zufrieden. Denn<br />
die Resonanz der<br />
Aussteller fällt positiv<br />
aus. Die 31<br />
Unternehmen auf<br />
der ausgebuchten<br />
Messe waren von<br />
der Qualität der Rebecca Stadelmaier, Projektleiterin<br />
Fachkräftetag.<br />
Gespräche angetan.<br />
„Das ist fast<br />
schon unheimlich, wie gut die Besucher an<br />
unserem Stand unserer Zielgruppe entsprechen“,<br />
sagte beispielsweise Maria Arruda, Personalreferentin<br />
der Deutz AG.<br />
„TOLLE GESPRÄCHE“<br />
Roland Huemer, Fertigungsmeister der<br />
Schwegler Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG<br />
aus Vöhringen (Kreis Neu-Ulm) sagt: „Wir haben<br />
tolle Gespräche.“ Wie Firmenchef Rainer<br />
Schwegler ist auch Huemer stark gefragt. Das<br />
Unternehmen mit 210 Mitarbeitern und<br />
Standorten in der Türkei und China sucht „am<br />
liebsten Zerspanungsmechaniker, die Werkzeuge<br />
schleifen können“.<br />
Zeni Sulejmani von der Mayser GmbH & Co.<br />
KG in Ulm ist überrascht: „Der Andrang ist<br />
Auf dem Fachkräftetag in der Ratiopharm-Arena<br />
machten sich 31 Firmen als Arbeitgeber sichtbar.<br />
40
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[führen]<br />
riesig. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so qualitativ<br />
hochwertige Gespräche am Stand führen.“<br />
Im Nachgang gingen bei dem Spezialist<br />
für Sicherheits- und Schaumstofftechnik<br />
mehr als 20 Bewerbungen ein. Viele der Standbesucher<br />
seien zwischen 30 und 50 Jahre alt<br />
gewesen. Mehr erhofft vom Fachkräftetag hat<br />
sich dagegen das Team der MBDA-Gruppe.<br />
Der Konzern für Rüstungstechnik hat in Ulm<br />
einen kleinen Standort mit 70 Mitarbeitern.<br />
In Schrobenhausen, dem Sitz der MBDA<br />
Deutschland GmbH, subd etliche Stellen unbesetzt.<br />
Die Entfernung von 130 Kilometern<br />
sei den meisten Besuchern zu viel: „Die suchen<br />
in der Region Ulm.“<br />
Direkt gegenüber begutachten Melina (20)<br />
und ihr Begleiter Thorsten (33) die freien Stellen<br />
der ausstellenden Unternehmen, die an<br />
der „Job-Wall“ aushängen. Beide sind über die<br />
Facebook-Werbekampagne der SÜDWEST<br />
PRESSE auf die Veranstaltung aufmerksam<br />
geworden. „Ich finde es gut, mich direkt über<br />
Firmen informieren zu können, die man nicht<br />
so kennt“, sagt die junge Frau. Auch Soman<br />
Hipp ist über Facebook auf den Fachkräftetag<br />
aufmerksam geworden. Der 28-Jährige, der<br />
mit seiner Partnerin und deren Freundin, in<br />
die Ratiopharm-Arena gekommen ist, verfügt<br />
über zwei Ausbildungen: IT-Systemelektroniker<br />
und Zerspanungsmechaniker. Derzeit ist<br />
er bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, doch<br />
er sucht einen festen Job: „Am liebsten Montage,<br />
das macht mir viel mehr Spaß, als in der<br />
Fabrik zu stehen“, sagt er und schlendert weiter<br />
– vorbei an Stella Rosenbach.<br />
GESUCHT, GEFUNDEN<br />
Sie ist die Personalverantwortliche von<br />
Scherr+ Klimke und wollte mit dem Messestand<br />
auf dem Fachkräftetag nur den Bekannheitsgrad<br />
des Unternehmens mit 110 Mitarbeitern<br />
steigern. Scherr+Klimke ist in<br />
Architektur- und Baukreisen als General- und<br />
Fachplaner bekannt. Doch dann stand eine<br />
27-jährige Wirtschaftsingenieurin vor ihr, die<br />
im Fachgebiet „Supply Chain“ fit ist. „Das war<br />
wie bestellt“, sagt Rosenbach. Denn die junge<br />
Frau passt genau auf eine freie Stelle im Bereich<br />
„Logistik Engineering“. Dieser optimiert<br />
für Kunden innerbetriebliche Warenströme<br />
und Lagersysteme. „Ich dachte, die Stelle zu<br />
besetzen wird echt schwierig“, erzählt Rosenbach.<br />
Doch auf ein „sehr gutes Gespräch“ am<br />
Stand, folgte die Bewerbung in der Woche darauf,<br />
vier Tage später das Vorstellungsgespräch,<br />
drei Tage darauf war der Vertrag unter Dach<br />
und Fach. „Der zeitliche Ablauf war unfassbar“,<br />
sagt Rosenbach, die sich für den Fachkräftetag<br />
2017 bereits angemeldet hat. [!] AMB<br />
Dritter Fachkräftetag<br />
am 7. Oktober 2017<br />
Nähere Informationen zum Konzept<br />
und zum 3. Fachkräftetag im Jahr 2017<br />
gibt Rebecca Stadelmaier telefonisch<br />
unter 0731 156 619 oder per E-Mail:<br />
r.stadelmaier@swp.de<br />
BARES GELD SPAREN<br />
BEIM VERSENDEN IHRER GESCHÄFTSPOST<br />
IHRE VORTEILE:<br />
Übernahme aller Sendungen<br />
einschließlich Pakete<br />
Kostenlose Abholung ab<br />
50 Sendungen täglich<br />
Weltweite Zustellung durch<br />
gutes Partnernetzwerk<br />
Frankierung mit Firmenlogo<br />
oder eigener Briefmarke<br />
Mit Südwest Mail<br />
über 18% sparen!<br />
Beispielrechnung bei 100<br />
versendeten Briefen pro Tag.*<br />
Ihre<br />
Ersparnis:<br />
2.772 U/<br />
Jahr<br />
JETZT ÜBER<br />
2.700 €<br />
PRO JAHR<br />
SPAREN<br />
Keine Mindestmenge<br />
erforderlich<br />
Postfachleerung<br />
Info-Hotline:<br />
0800 - 2260227<br />
andere Anbieter<br />
17.640 U/Jahr<br />
0,70 c / Brief<br />
Südwest Mail<br />
14.868 U/Jahr<br />
0,59 c / Brief<br />
* Bei vorsteuerabzugsberechtigten Kunden. Komplette<br />
Beispielrechnung auf suedwestmail.de/sparkalkulator<br />
suedwestmail.de<br />
41
Handhabbar im Quadrat: Im Knittel-Recyclingcenter werden voluminöse Abfälle wie Pappe, Folien und Dosen zu Ballen gepresst. <br />
Fotos: Marc Hörger<br />
Gemeinsam besser entsorgen<br />
High-Tech, Rohstoffkreisläufe, Umweltschutz. Der Vöhringer Unternehmer Werner Knittel hat ein nachhaltig gutes<br />
Geschäftsmodell aufgebaut. Der Grundstein: die Gründung eines Mittelstands-Netzwerks vor mehr als 20 Jahren.<br />
Allein in München holen die Mitarbeiter<br />
von Werner Knittel pro Woche 150<br />
Tonnen verpackte Lebensmittel ab<br />
und bringen diese nach Erkheim (bei Memmingen)<br />
in eine Bioabfall- und Speiserestevergärungsanlage,<br />
die der Unternehmer bereits<br />
1998 mit einem Partner aufgebaut hat. Dort<br />
werden sie vollautomatisch entpackt und vergoren.<br />
So entstehen Strom und Wärme. „Mir<br />
liegt die sinnvolle Verwertung von Abfällen<br />
am Herzen“, sagt der 63jährige Unternehmer<br />
aus Vöhringen (Neu-Ulm).<br />
Dass Handelsketten Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum<br />
überschritten ist,<br />
nicht einmal mehr verschenken dürfen, auch<br />
wenn sie noch genießbar sind, gibt der Gesetzgeber<br />
vor. Große Handelsketten wie Edeka<br />
und Aldi schreiben die Entsorgung bundesweit<br />
oder auf Ebene der Bundesländer aus.<br />
„Als einzelner Mittelständler hat man da keine<br />
Chance, zum Zuge zu kommen“, sagt Knittel.<br />
„Zwar sind wir nahe am Kunden und treffen<br />
Entscheidungen schnell, aber als<br />
Mittelständler hat man auch Nachteile: Wir<br />
haben geringere Einkaufsvolumen als die großen<br />
Konkurrenten, deswegen schlechtere<br />
Konditionen und weniger Möglichkeiten, Synergien<br />
zu nutzen. Als Kleiner kannst du<br />
auch nicht die ganze Palette der Dienstleistungen<br />
anbieten“, sagt Knittel, der seit 40 Jahren<br />
Sprecher der schwäbischen Entsorger ist.<br />
KOOPERATION DER KLEINEN<br />
Wie kommt es dann, dass seine Fahrzeuge von<br />
Oberstdorf bis Donauwörth, von Garmisch-<br />
Partenkirchen bis München Lebensmittel ein-<br />
42
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[machen]<br />
sammeln? Vor 20 Jahren hatte er die Idee zu<br />
einer Kooperation mit anderen mittelständischen<br />
Entsorgern. Aus anfangs 7 Gesellschaftern<br />
sind 42 geworden. Das Netzwerk Logex<br />
steht heute für 150 Unternehmen, 600 Millionen<br />
Euro Umsatz, 5000 Mitarbeiter und 2500<br />
Fahrzeuge. Die 60 Mitarbeiter von Logexsind<br />
Dienstleister für die Mitglieder. Sie setzen sich<br />
beispielsweise mit neuen Gesetzen auseinander<br />
und was diese für die Firmen bedeuten.<br />
Die Unternehmer tauschen sich zudem über<br />
ihre Themen im Betrieb aus.<br />
Logex beteiligt sich aber auch an bundesweiten<br />
Ausschreibungen und vergibt den Gesamtauftrag<br />
an seine Gesellschafter. „Jeder hat<br />
sein Gebiet. Das ist ein Recht, aber auch eine<br />
Verpflichtung“, sagt Knittel über das Netzwerk,<br />
das beim Kartellamt angemeldet ist. In<br />
anderen Teilen der Republik sind mittelständische<br />
Entsorgungsbetriebe in den vergangenen<br />
Jahren verschwunden – nicht so in Süddeutschland.<br />
Das Netzwerk sei die Basis dafür,<br />
dass der Mittelstand mit den Großen mithalten<br />
kann. „Auf dieser Kooperation beruht ein<br />
Großteil meines Erfolgs“, sagt Knittel.<br />
Die Bandbreite an Dienstleistungen hat er stetig<br />
vergrößert. 1974 stieg er – viel früher als<br />
geplant – im Alter von 21 in den Betrieb ein.<br />
Statt damals 10 Mitarbeitern beschäftigt das<br />
Familien<strong>unternehmen</strong> heute 130 Menschen.<br />
Die Fahrzeugflotte wuchs von sechs auf 60.<br />
Das Wachstum des Unternehmens sei aufgrund<br />
der höheren Abfallmengen und der gestiegenen<br />
Bedeutung des Umweltschutzes<br />
fast zwangsläufig gestiegen, gibt sich Knittel<br />
bescheiden.<br />
MODERNE ANLAGENTECHNIK<br />
Er hat das einstige Müllabfuhr-Unternehmen<br />
zu einem Entsorgungsspezialisten für Industrie,<br />
Gewerbe und Handel weiterentwickelt.<br />
Auf diesen Bereich entfallen mehr als 60 Prozent.<br />
des Jahresumsatzes. In 12 Landkreisen<br />
ist Knittel Komplettentsorger für alle Kfz-<br />
Werkstätten von BMW, Opel und Ford: vom<br />
Altöl über Fensterscheiben bis zum Airbag.<br />
„Lager-, Behandlungs- und Verwertungsanlagen<br />
sind heute unverzichtbar, wenn man seinen<br />
Kunden ein professioneller Partner sein<br />
will“, betont Knittel. Im Sommer hat er eine<br />
1,5 Millionen teure, hochmoderne Anlage<br />
eingeweiht. In dieser werden unter Vakuum<br />
und Hitze Wasser-Ölgemische, die in Metallbetrieben<br />
anfallen, getrennt und das Öl aufbereitet.<br />
Zudem investiert er 1,5 Millionen Euro<br />
in ein neues Recycling-Center.<br />
Entsorgungskonzepte für Firmen und Kommunen<br />
Firmenchef Werner Knittel vor der neuen Emulsionsverwertungsanlage. Mitarbeiter Thomas<br />
Ostheimer begutachtet eine Probe des ölhaltigen Konzentrats.<br />
Mit einem Magirus-Lkw begann die Firmengeschichte<br />
1953. Damals gründete<br />
Werner Knittels Vater das Unternehmen,<br />
anfangs noch als Sand-und Kiestransporteur.<br />
Früh kam die damals noch freiwillige<br />
Hausmüllabfuhr dazu. Heute erledigt die<br />
Knittel GmbH (Vöhringen/Iller) mit ihren<br />
130 Mitarbeitern die Hausmüllentsorgung<br />
für 300.000 Einwohner in den Kreisen<br />
Alb-Donau, Neu-Ulm und Biberach,<br />
Die Mischung aus Tätigkeitsbereichen, verschieden<br />
langen Vertragslaufzeiten, Geschäften<br />
mit höherer und geringerer Marge hat<br />
Knittel gewählt, um das Unternehmen möglichst<br />
krisenfest zu machen. Sein Grundsatz:<br />
„Ich frage mich bei jeder Entscheidung: Was<br />
ist langfristig das Beste fürs Unternehmen?“<br />
Im Moment stelle er den Betrieb für die nächste<br />
Generation auf. „Da soll es keinen Investitionsstau<br />
geben“, sagt Knittel. Weil seine beiden<br />
Kinder noch studieren und zu jung für die<br />
Geschäftsführung sind, hat Knittel „ganz bewusst“<br />
vor 15 Jahren Oliver Sauter eingestellt,<br />
der zur Geschäftsleitung gehört. Er selbst will<br />
erfasst und vermarktet Wertstoffe. Ihr<br />
wichtigste Standbein sind Entsorgungskonzepte<br />
für Industrie und Handel. Darauf<br />
entfallen 10 von 16 Millionen Jahresumsatz,<br />
auf das Geschäft mit Kommunen<br />
5 und auf das mit Privatleuten 1 Million<br />
Euro. Neben einem Recycling-Center unterhält<br />
die Firma eine Vergärungs- und<br />
Emulsionsverwertungsan lage und ein<br />
Sonderabfallzwischenlager. AMB<br />
„in drei bis vier Jahren vom Gas gehen“. Bisher<br />
absolviert Knittel noch regelmäßig seine Fortbildung<br />
als gewerblicher Kraftfahrer und<br />
kennt jeden Teilbereich seiner Firma aus dem<br />
Effeff. Für ihn gehört das zum Selbstverständnis:<br />
„Als Firmenchef musst du wissen, was<br />
deine Mitarbeiter leisten.“ Bei Betriebsfeiern<br />
ist es ihm wichtig, dass auch Partner und Kinder<br />
dabei sind. „Wir erbringen eine Dienstleistung,<br />
die nicht nach Stechuhr funktioniert.<br />
Manchmal müssen Mitarbeiter auch kurz vor<br />
Feierabend wegen eines verstopften Rohres<br />
ausrücken. Da braucht es das Verständnis des<br />
Partners.“ [!]<br />
ALEXANDER BÖGELEIN<br />
43
[gründen] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Vom Flüchtling zum Unternehmer<br />
Der Anlauf zur Existenzgründung dauerte lange, doch Rashed Mohebbi hat an seinem Traum festgehalten. Der<br />
25-Jährige verkauft seit Juni Lebensmittel, repariert Handys und hat bereits einen Mitarbeiter eingestellt.<br />
Schon an seinem ersten Tag in Göppingen<br />
fallen Rashed Mohebbi die Geschäftsräume<br />
in der Gerberstraße auf.<br />
Gerade erst ist der Afghane in der örtlichen<br />
Flüchtlingsunterkunft angekommen. „Damals<br />
war es noch ein Internetcafé“, erinnert<br />
sich der 25-Jährige, „ich wusste sofort, so einen<br />
Laden will ich.“ Doch bis zur Eröffnung<br />
im Juni <strong>2016</strong> war es ein langer Weg.<br />
Rashed Mohebbi stammt aus Afghanistan, ist<br />
aber größtenteils im Iran aufgewachsen. „In<br />
Afghanistan kannst du nicht leben, zu viel<br />
Krieg“, erklärt er. 2007, mit 16 Jahren, eröffnet<br />
der Perser seinen ersten Reparaturservice. Nebenher<br />
besucht er Kurse bei Microsoft und<br />
wird zum IT-Experten. Allerdings muss alles<br />
unter falschem Namen stattfinden. „Afghanen<br />
sind im Iran nicht gern gesehen“, sagt Mohebbi.<br />
Weiterbildungen an Schulen oder Universitäten<br />
sind ihnen verwehrt. Auch<br />
alltägliche Dinge, wie Autofahren, sind für<br />
afghanische Flüchtlinge nicht möglich.<br />
DREI JAHRE OHNE SPRACHKURS<br />
Den geschäftstüchtigen Migrant belastet das<br />
Versteckspiel. Er will frei leben. 2011 flüchtete<br />
er schließlich nach Deutschland und landet<br />
in Göppingen. Drei Jahre vergehen bis der<br />
Asylantrag des jungen Mannes bewilligt wird.<br />
Drei Jahre ohne Arbeit, Sprachkurs und eigenen<br />
Wohnraum. Trotzdem gibt Mohebbi<br />
nicht auf, bringt sich wichtige Alltagssätze<br />
per Internet bei. Er träumt vom eigenen Service-Geschäft<br />
für Handys, Laptops und Tablets.<br />
Der junge Flüchtling will in Deutschland<br />
Karriere machen.<br />
2013 bricht Mohebbi für anderthalb Jahre<br />
nach Bonn auf. Dort besucht er Sprach- und<br />
Integrationskurse. Sein Ziel hat er fest vor Augen.<br />
Doch schnell stellt sich heraus, dass es in<br />
der Großstadt am Rhein ein Überangebot an<br />
Reparatur-Shops gibt. „In Göppingen aber<br />
nicht“, fällt dem Einsteiger ein. Er kehrt zurück<br />
in die Kreisstadt und arbeitet mithilfe<br />
des Bildungszentrums Donner und Partner<br />
innerhalb von vier Monaten einen Businessplan<br />
aus. Mohebbi entscheidet sich für ein<br />
Zwei-Säulen-Geschäftsmodell. Neben Reparaturen<br />
und Elektronikzubehör sollen persische<br />
Lebensmittel bei ihm erhältlich sein. So<br />
kann er seine Waren günstiger anbieten. Zudem<br />
hofft er, dass Kunden, die Lebensmittel<br />
bei ihm kaufen, sich bei Problemen mit Handy<br />
und Computer an ihn erinnern.<br />
20.000 EURO STARTKAPITAL<br />
„Und auf einmal hing ‚Zu vermieten‘ am Laden<br />
in der Gerberstraße‘“, grinst der Jungunternehmer.<br />
Das Glück scheint perfekt. Doch<br />
noch fehlt das Kapital. Mohebbi beantragt<br />
Einstiegsgeld beim Jobcenter. Zuvor legt er<br />
seinen Plan Gernot Irmgard, dem stellvertretenden<br />
Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer<br />
vor. Fördermittel bekommt der Afghane<br />
zwar keine, doch dafür steht ihm Irmgard mit<br />
Rat und Tat zur Seite. Mithilfe seiner Familie<br />
bringt Mohebbi 20.000 Euro Startkapital auf<br />
und beginnt im Mai sein Geschäft einzurich-<br />
Rashed Mohebbis verkauft in Göppingen persische<br />
Spezialitäten und repariert Laptops.<br />
44
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[gründen]<br />
ten. „Während ich renoviert habe, kam schon<br />
ein Kunde mit seinem Handy“, berichtet er<br />
stolz. Vom Wände streichen bis zum Thekenbau<br />
macht Mohebbi alles selbst. Am 1. Juni<br />
eröffnet „Pixel Technologies“.<br />
Bekannte und Freunde des Persers sind seine<br />
ersten Kunden. Manche reisen extra von Ulm<br />
oder Esslingen an, um sich mit heimischen<br />
Leckereien einzudecken. Doch auch immer<br />
mehr Deutsche bringen Handys mit Displayschaden<br />
und streikende Laptops vorbei. Oder<br />
sie probieren eine der 25 verschiedenen Teesorten.<br />
Weil die Geschäfte gut laufen, hat der<br />
Mohebbi einen Mitarbeiter eingestellt.<br />
„Meine Kunden sind sehr unterschiedlich“,<br />
weiß der Geschäftsmann. So sei es Menschen<br />
aus seiner Heimat und benachbarten Ländern<br />
wichtig, dass das kaputte Elektrogerät binnen<br />
kürzester Zeit wieder funktioniert. Deutsche<br />
hingegen werden misstrauisch, wenn der Displayaustausch<br />
nur 60 Minuten dauert. „Qualität<br />
ist hier wichtiger als Zeit“, hat Mohebbi<br />
gelernt.<br />
Der Existenzgründer liebäugelt sogar schon<br />
mit einem zweiten Geschäft. Denn langfristig<br />
plant er Lebensmittel und Elektronik voneinander<br />
zu trennen. Auch diese Idee stammt<br />
aus einer Beobachtung der deutschen Kunden:<br />
„Reparatur braucht einen ruhigen Platz.“<br />
Das schaffe mehr Vertrauen bei den Klienten.<br />
Sein nächstes Ziel ist es aber erstmal, den Kundenstamm<br />
auszubauen „durch mehr Reklame<br />
und mehr Arbeit“. Montag bis Samstag, 9:15<br />
Uhr bis 20 Uhr ist der Einwanderer für seine<br />
Kunden da.<br />
„ALLES IST GUT HIER“<br />
Als Angestellter in einer Firma zu arbeiten,<br />
kommt für den 25-Jährigen übrigens nicht in<br />
Frage. Mohebbi: „Ich will selbst verantwortlich<br />
sein und mein Leben gestalten.“ Deutschland<br />
soll seine neue Heimat werden: „Alles ist<br />
gut hier. Ich glaube viele Deutschen wissen<br />
das nicht.“ Dann fällt dem Selbstständigen<br />
doch noch eine Sache ein, die ihm hierzulande<br />
Kopfzerbrechen bereitet. Die Steuererklärung.<br />
„Dass jeder Steuern zahlt, finde ich richtig“,<br />
sagt der Gründer, „aber ich verstehe die<br />
Papiere nicht.“ Rashed Mohebbi ist in<br />
Deutschland angekommen. [!] RONJA GYSIN<br />
Migranten sind<br />
Gründerprofis<br />
40 Prozent aller Neugründungen im<br />
Jahr 2014 wurden von Personen mit<br />
ausländischer Staatsangehörigkeit<br />
durchgeführt. Dabei sind Newcomer<br />
mit Migrationshintergrund nach den<br />
IHK-Erfahrungen nicht besser oder<br />
schlechter vorbereitet als deutschstämmige<br />
Gründer. Da zwei Drittel der<br />
migrantengeführten Unternehmen in<br />
den Branchen Baugewerbe, Handel<br />
und Gastronomie agieren, übernehmen<br />
Einwanderer in vielen Gegenden die<br />
Nahversorgung. Mit rund 2,5 Millionen<br />
Arbeitsplätzen stärken sie gleichzeitig<br />
die deutsche Gesamtwirtschaft. GYS<br />
Wachsen ist einfach.<br />
Wenn man für Investitionen einen Partner hat,<br />
der Ideen von Anfang an unterstützt.<br />
ksk-gp.de<br />
sparkasse-ulm.de<br />
45
[leben] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Oh du schöner Weihnachtsschmuck! Auch manche Kater haben ihre Freude daran: Der Christbaum zieht sie magisch an. <br />
Foto: © Trevor Allen / Fotolia.com<br />
Volker Munk, Inhaber der Ulmer<br />
Firmen Munk Immobilien<br />
und Munk Bauen & Wohnen,<br />
verzichtet auf Kundengeschenke<br />
und spendet Geld an soziale<br />
Einrichtungen.<br />
Andrea Grusdas genießt den<br />
Heiligabend mit ihrem Mann<br />
und ihren beiden Hunden in<br />
aller Stille. Die 47-Jährige ist<br />
seit Oktober 2012 Vorstandsmitglied<br />
bei der Sparkasse Ulm.<br />
1) Wir haben neben der jährlichen Weihnachtsfeier am 23. <strong>Dezember</strong><br />
immer einen Umtrunk in der Firma, bei dem es Sekt oder Champagner<br />
und Räucherlachs gibt. Zu diesem Termin werden auch alle<br />
Weihnachtsgeschenke, die uns überreicht wurden, in einer Tombola<br />
verlost.<br />
2) Wir beschenken unsere Kunden nicht zu Weihnachten, stattdessen<br />
spenden wir an soziale Einrichtungen. Statt Weihnachtskarten verschicken<br />
wir seit mehr als 25 Jahren unseren individuell geschriebenen<br />
Weihnachtsbrief an mehr als 3000 Kunden.<br />
3) Am 24. <strong>Dezember</strong> nehme ich mir grundsätzlich eine Stunde Zeit, in<br />
der ich alleine einen Spaziergang mache und über das vergangene<br />
Jahr nachdenke. Vieles wird dann noch einmal überdacht und die<br />
Vorsätze für das kommende Jahr gefasst.<br />
4) Das schönste Weihnachten war der Heiligabend, an dem meine beiden<br />
Kinder das erste Mal Weihnachten aufgrund ihres Alters so<br />
richtig erleben konnten. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen<br />
in einem behüteten Umfeld?<br />
5) Bei klarem Verstand und ohne große körperlichen Gebrechen alt<br />
werden – und das Leben jeden Tag als Geschenk verstehen.<br />
1) JedeAbteilung gestaltet ihre Weihnachtsfeier individuell. Mal mit<br />
einem kleinen Umtrunk, mal mit einem gemeinsamen Abendessen.<br />
Ich finde das sehr schön und versuche, an möglichst vielen Feiern<br />
teilzunehmen.<br />
2) Die Sparkasse Ulm gestaltet jedes Jahr einen wunderschönen Wandkalender<br />
mit Fotomotiven aus dem Alb-Donau-Kreis und Ulm. Diesen<br />
verschenken wir zum Jahresende.<br />
3) Traditionell gibt es bei uns an Heiligabend ein Fleisch-Fondue mit<br />
vielen verschiedenen Saucen und Beilagen. Bei einem gemütlichen<br />
Beisammensein genießen mein Mann und ich einen ruhigen Abend<br />
mit unseren beiden Hunden.<br />
4) Ich kann mich an ein Fest erinnern, bei dem wir den ganzen Abend<br />
damit beschäftigt waren, unseren Kater aus dem geschmückten<br />
Baum zu holen und den Weihnachtsschmuck vor seinen Pfoten zu<br />
retten. Irgendwann haben wir aufgegeben und den Baum schon an<br />
Heiligabend abgeschmückt und einfach „grün“ stehen lassen – sehr<br />
zur Freude unseres Katers.<br />
5) Als jemand, der sich im Tierschutz engagiert, wäre mein Wunsch,<br />
dass Freude, Würde und Gesundheit nicht nur für Menschen, sondern<br />
auch für Tiere gesichert wäre.<br />
46
<strong>unternehmen</strong> [!] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong><br />
[leben]<br />
Ein Kater im Weihnachtsbaum<br />
Mit innerer Ruhe und klarem Verstand das Leben betrachten – und an Heiligabend mit Kindern und Freunden<br />
feiern: Sechs Führungskräfte haben unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler in einer Umfrage ihre persönlichen<br />
Erlebnisse und Wünsche für das kommende Weihnachtsfest verraten.<br />
1) Wie feiern Sie Weihnachten in Ihrem Unternehmen?<br />
2) Wie beschenken Sie Kunden, Partner und Mitarbeiter?<br />
3) Und privat: Verraten Sie uns eines Ihrer Weihnachtsrituale?<br />
4) Was war Ihr schönstes oder schrägstes Erlebnis an<br />
Weihnachten?<br />
5) Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – und bereits gesichert<br />
ist, dass alle Menschen in der Welt in Frieden,<br />
Würde und Gesundheit leben – wie lautet dieser?<br />
Foto: © sek_suwat / Fotolia.com<br />
Foto: © emuck / Fotolia.com<br />
Toastbrot statt Lachs. Melanie<br />
Kloker, die Geschäftsführerin der<br />
Kamo Frischwarmwassersystem<br />
GmbH in Ehingen, nahm ein verdorbenes<br />
Weihnachtsessen mit<br />
Humor.<br />
WIR<br />
GESTALTEN<br />
MIT<br />
1) Wir machen eine kleine Weihnachtsfeier bei uns in der Firma mit feinem Essen, Tanz und<br />
guten Unterhaltungen.<br />
2) Für unsere Kunden haben wir jedes Jahr verschiedene Geschenke, die zumeist persönlich von<br />
unseren Mitarbeitern übergeben werden. Für unsere mehr als 80 Beschäftigten versuchen wir<br />
immer etwas Besonderes mit persönlichem Touch zu finden, was nicht immer einfach ist.<br />
Meinen Partner zu beschenken ist nach über 25 Jahren auch nicht einfach, da man sich schon<br />
so einiges geschenkt hat. Dennoch finde ich es wichtig, sich wirklich Gedanken zu machen.<br />
3) Unsere Familie trifft sich an Heiligabend schon mittags zum Kaffee, um die Hektik aus dem<br />
Tag zu nehmen. Danach machen wir einen Spaziergang, um dann langsam zur Bescherung<br />
überzugehen.<br />
4) Meine Eltern hatten tollen Graved Lachs für das Weihnachtsmenü besorgt. Leider bemerkten<br />
wir beim Servieren, dass der Lachs am Heiligabend schlecht war. So bestand unser Weihnachtsessen<br />
aus Toastbrot. Wir haben das aber mit Humor genommen.<br />
5) Oh je, diese Frage finde ich schwierig. Natürlich habe ich viele Wünsche, aber welches „der<br />
Wunsch“ ist, kann ich nicht sagen.<br />
mediaservice ulm<br />
Frauenstraße 77<br />
89073 Ulm<br />
www.mediaservice-ulm.de<br />
47
[leben] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Hartmut Koch-Czech ist seit<br />
2001 Geschäftsführer der Eduard<br />
Merkle GmbH & Co. KG in<br />
Blaubeuren. Seine Familie und<br />
er fanden an Heiligabend einmal<br />
ein frierendes Kätzchen im<br />
Schnee – und nahmen es auf.<br />
1) Die Belegschaft und die Rentner sitzen zusammen beim Christbaum<br />
aus dem Steinbruch. Trompetenklänge stimmen mit ein paar<br />
Weihnachtsliedern auf das Fest ein. Nachdem ich einen Jahresrückblick<br />
gegeben habe und eine besinnliche Geschichte vorgelesen<br />
wurde, wird gut gegessen und lange gesessen.<br />
2) Kunden und Partner erhalten einen persönlichen Weihnachtsgruß.<br />
Im Jahresverlauf gibt es eine Einladung zur „Blaubeurer Sommerbühne“<br />
oder zu „Kunst im Steinbruch“.<br />
Foto: © Stauke / Fotolia.com<br />
3) Nach dem Kirchgang wird zuhause<br />
die Weihnachtsgeschichte<br />
nochmals gelesen und gesungen.<br />
Danach folgen die Bescherung<br />
und ein festliches Menü. An<br />
den Feiertagen kommen wir<br />
mit der Familie zusammen.<br />
4) An einem Heiligabend fanden<br />
wir nach dem Gottesdienst<br />
ein ca. 12 Wochen<br />
altes Kätzchen,<br />
das jämmerlich<br />
miauend<br />
und halb erfroren<br />
im Schnee unter<br />
der Haustreppe lag.<br />
Die Kinder haben es bei uns<br />
aufgenommen und umsorgt.<br />
5) Weihnachten einfach als Jesu<br />
Geburtstag feiern – nicht<br />
mehr und nicht weniger!<br />
Foto: © Claudia Paulussen / Fotolia.com<br />
Foto: © Thomas Francois / Fotolia.com<br />
Immer mit der Ruhe. Michaela<br />
Braunmüller, selbstständige<br />
Friseurmeisterin und Obermeisterin<br />
der Friseurinnung Göppingen,<br />
wünscht sich mehr Gelassenheit.<br />
1) Ich schenke meinen Kunden in der Adventszeit Tee, Kaffee und<br />
Glühwein aus. Und Weihnachtsgebäck gibt es auch.<br />
2) Jede Kundin und jeder Kunden erhält von mir ein persönliches, auf<br />
sie beziehungsweise ihn zugeschnittenes Geschenk. Ich lasse mir<br />
jedes Jahr etwas Neues einfallen.<br />
3) Ohne Weihnachtsbaum läuft bei uns gar nichts. Der muss bis unter<br />
die Zimmerdecke reichen und wird von mir stundenlang mit einer<br />
Unmenge von Weihnachtsschmuck dekoriert. An Weihnachten kochen<br />
und essen wir gemeinsam mit unseren Kindern und guten<br />
Freunden – drei Tage lang.<br />
4) Das war im Jahr 1992 die Geburt meines Sohnes, der 24 Minuten vor<br />
Heiligabend, also am 23. <strong>Dezember</strong> um 23.36 Uhr, auf die Welt kam.<br />
5) Gelassenheit. Wir Menschen müssen wieder lernen Freude zu empfinden.<br />
Und damit meine ich auch Spaß an der Arbeit. Denn wir leben<br />
doch in einer hektischen, durchgeknallten Welt.<br />
Hans-Georg Ehekircher, Inhaber<br />
der gleichnamigen Sanitär-<br />
Heizung-Flaschnerei in Geislingen,<br />
wünscht sich oftmals mehr<br />
Planungssicherheit im Leben.<br />
1) In der Regel wird von meinen Mitarbeitern eine kleine Weihnachtsfeier<br />
in einer Gaststätte organisiert. Ich übernehme die Kosten bis<br />
zu einer bestimmten Höhe.<br />
2) Kunden und Partner erhalten eine individuelle Grußkarte. Die Mitarbeiter<br />
bekommen etwas Nützliches, zum Beispiel Winterjacken<br />
oder sonstige Bekleidung.<br />
3) An Heiligabend ist ein gemeinsames Essen mit meiner Schwester<br />
und deren Familie angesagt, anschließend ein Kirchgang. Am zweiten<br />
Weihnachtsfeiertag ist Treffen mit der Familie meiner Frau in<br />
Esslingen.<br />
4) Der Sturm Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ist mir noch<br />
sehr gut in Erinnerung. Wir waren gerade am Aufbrechen zum Familientreffen,<br />
als er loslegte. Dieses Treffen war dann nicht mehr<br />
möglich. Anschließend stand das Telefon nicht mehr still. Wir hatten<br />
vollen Einsatz. Bei unseren Kunden waren Dächer abgedeckt<br />
und sonstige Beschädigungen an den Häusern waren zu beheben.<br />
Das Weihnachtsfest war schlagartig beendet.<br />
5) Etwas mehr Glück und weniger Sorgen für mich und meine Familie<br />
wären nicht schlecht. Das Leben ist sehr kompliziert. Oft weiß man<br />
nicht, was der Tag bringt. Hier wäre mir mehr Planungssicherheit<br />
wichtig.<br />
48
Da braut sich was Gutes zusammen!<br />
Im Frühjahr 2017 öffnen das RiKu HOTEL und die Barfüßer<br />
Hausbrauerei inmitten des Ulmer Zentrums ihre Türen.<br />
Während das RiKu HOTEL 40 komfortabel und modern eingerichtete<br />
Zimmer für Sie bereit hält, heißt Sie die Barfüßer Hausbrauerei mit<br />
selbst gebrautem Bier und bayrisch-schwäbischen Schmankerln<br />
herzlich willkommen.<br />
Aufgrund der direkten Anbindung des RiKu HOTELs an die Barfüßer<br />
Hausbrauerei lässt sich beides hervorragend miteinander kombinieren:<br />
So kann ein erfolgreicher Arbeitstag in dem gemütlichen Ambiente<br />
der Barfüßer Hausbrauerei ausgeklungen werden, wohlwissend, dass<br />
die Übernachtungsmöglichkeit für Geschäftspartner von auswärts nur<br />
einen Katzensprung entfernt ist.<br />
Das RiKu HOTEL und das Barfüßer Team freuen sich auf Sie!<br />
www.barfuesser-brauhaus.de www.riku-hotel.de
[namen & nachrichten] Ausgabe 54 | <strong>Dezember</strong> <strong>2016</strong> <strong>unternehmen</strong> [!]<br />
Mit Konzept<br />
für Freizeitbad<br />
erfolgreich<br />
Ausgezeichnet:<br />
Natalie<br />
Falkenstein.<br />
Die 28-jährige Natalie Falkenstein<br />
aus Biberach ist mit dem<br />
Kulturpreis<br />
Bayern als<br />
beste Abs0lventin<br />
der<br />
Hochschule<br />
Neu-Ulm<br />
ausgezeichnet<br />
worden.<br />
Der Grund:<br />
Ihre herausragende<br />
Masterarbeit.<br />
Der Lohn: die mit 2.000 Euro<br />
dotierte Auszeichnung. Die<br />
„Master of Advanced<br />
Management“-Absolventin hatte<br />
in ihrer Abschlussarbeit ein<br />
kundenorientiertes Marketing-<br />
Konzept für das Freizeitbad Bad<br />
Blau in Blaustein entwickelt.<br />
Dafür hatte die Betriebswirtin<br />
Besucher befragt und das Kundenverhalten<br />
entlang des Kaufprozesses<br />
untersucht.<br />
„Es fehlen Leute,<br />
die das Geld<br />
verplanen“<br />
Britax Römer: In Leipheim angekommen<br />
Bis zum Jahresende schließt der Hersteller<br />
von Auto-Kindersitzen Britax Römer seinen<br />
Umzug nach Leipheim auf das interkommunale<br />
Gewerbegebiet „Areal pro“ ab. Ulm verliert<br />
damit 380 Arbeitsplätze. Als letzter Bereich<br />
verlässt die Fertigung das verwinkelte Gebäude<br />
in der Blaubeurer Straße. Der neue 18.000<br />
In Baden-Württemberg fehlen<br />
Ingenieure. Nach einer Erhebung<br />
des arbeitgebernahen Instituts<br />
der deutschen Wirtschaft<br />
und des Verbands Deutscher Ingenieure<br />
kommen auf 100 arbeitslose<br />
Ingenieure im Südwesten<br />
388 offene Stellen, im<br />
Bundesdurchschnitt sind es<br />
261. Der Fachkräftemangel<br />
wird mittlerweile für den öffentlichen<br />
Dienst zur Herausforderung.<br />
„Der findet keine<br />
Leute“, sagte IW-Arbeitsmarktexperte<br />
Oliver Koppel. Baden-<br />
Württembergs Wohnungsbauministerium<br />
bestätigte die<br />
schwierige Suche nach geeignetem<br />
Personal. Die Folge: Es sei<br />
zwar Geld für Sanierungen und<br />
Straßenbau da. „Aber jetzt fehlen<br />
die Leute, um das Geld zu<br />
verplanen.“ Gesucht seien derzeit<br />
Ingenieure aus den Bereichen<br />
Bau, Vermessung und Gebäudetechnik.<br />
Mit bekömmlich<br />
darf Härle<br />
nicht werben<br />
Auch das Oberlandesgericht<br />
Stuttgart hat dem Leutkircher<br />
Brauer Gottfried Härle untersagt,<br />
sein Bier „bekömmlich“ zu<br />
nennen, es ließ aber Revision<br />
beim Bundesgerichtshof (BGH)<br />
zu. Bei Redaktionsschluss dieser<br />
Ausgabe wusste Härle noch<br />
Quadratmeter große Hauptsitz hat einen zweistelligen<br />
Millionenbetrag gekostet und verfügt<br />
unter anderem über eine hochmoderne Crash-<br />
Test-Anlage. Britax Römer stellt 90 Prozent<br />
seiner Kindersitze in Europa her, davon zwei<br />
Drittel in Deutschland. Weltweit beschäftigt<br />
das Unternehmen rund 1220 Mitarbeiter.<br />
nicht, wie er sich entscheidet.<br />
Bisher hat ihn der Streit einen<br />
„ordentlichen“ fünfstelligen Betrag<br />
gekostet. Die Brauerei bewirbt<br />
seit 1902 manche Biersorte<br />
als „bekömmlich“. Weil aber<br />
EU-Recht gesundheitsbezogene<br />
Werbung für Getränke mit einem<br />
Alkoholgehalt von mehr<br />
als 1,2 Volumenprozent verbietet,<br />
klagte der Verband Sozialer<br />
Wettbewerb. Härle ärgert das,<br />
für ihn ist der Begriff eine „reine<br />
Qualitätsaussage“. Zudem lasse<br />
die EU-Verordnung unter bestimmten<br />
Voraussetzungen<br />
Ausnahmen zu. [!]<br />
[impressum]<br />
Verlag/Herausgeber<br />
Neue Pressegesellschaft<br />
mbH & Co. KG<br />
Frauenstraße 77, 89073 Ulm<br />
Geschäftsführer:<br />
Thomas Brackvogel<br />
Redaktion<br />
Alexander Bögelein (verantw.)<br />
a.boegelein@swp.de<br />
Anschrift wie Verlag<br />
Anzeigen<br />
Dr. Thomas Baumann<br />
(verantwortlich)<br />
Anschrift wie Verlag<br />
Gestaltung<br />
Alen Pahic (Art Director)<br />
Antje Meyer (Bild)<br />
Fotos Giacinto Carlucci (Titel +<br />
Titelinterview), Marc Hörger,<br />
Werkfotos, Getty Images, Picture<br />
Alliance, PR, Archiv<br />
Druck<br />
Druck- und Verlagsgesellschaft<br />
Bietigheim mbH<br />
Kronenbergstraße 10<br />
74321 Bietigheim-Bissingen<br />
Objektleitung<br />
Tobias Lehmann<br />
Telefon 0731 156-515<br />
t.lehmann@swp.de<br />
Mediaberatung<br />
Christine Blum<br />
Telefon 0731 156-356<br />
E-Mail c.blum@swp.de<br />
Vertriebsservice<br />
<strong>unternehmen</strong>.vertrieb@swp.de<br />
Auflage: 18.000 Exemplare<br />
Nächste Ausgabe<br />
10. März 2017<br />
Die Themen<br />
Unternehmertag 2017<br />
Gewerbebau<br />
Investitionen finanzieren<br />
u. v. m.<br />
Anzeigenschluss<br />
15. Februar 2017<br />
www.swp.de/<strong>unternehmen</strong><br />
50
Intelligenz-Test-Fahrt.<br />
Das neue E-Klasse T-Modell. Masterpiece of Intelligence.<br />
•IntelligentesundvariablesRaumkonzeptmitdemgrößten<br />
LaderaumimSegment<br />
•EinzigartigesKomfort-undSicherheitsniveaudank<br />
neuesterGenerationMercedes-BenzInteligentDrive<br />
•BegeisterndeInnovationwiePRE-SAFE ® ImpulsSeite<br />
undDRIVEPILOT imoptionalenFahrassistenz-PaketPlus<br />
Jetzt Probe fahren.<br />
07 31/7 00-18 00<br />
Anbieter:DaimlerAG, Mercedesstraße137,70327Stuttgart<br />
PartnervorOrt: Daimler AG,vertretendurchMercedes-BenzVertriebPKWGmbH<br />
NiederlassungUlm/Neu-Ulm:Von-Liebig-Straße10•89231Neu-Ulm<br />
Telefon: 0731/700-0•www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de