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Projektreise 04/2023

Magazin der Auslandshilfe

Projektreise

Diözese St. Pölten „Für viele Kleinbäuer*innen im Globalen Süden ist die Landwirtschaft die einzige Lebensgrundlage – fällt die Ernte durch Hitze oder Überschwemmungen aus, können sie sich nicht mehr angemessen ernähren.“ Andreas Knapp Generalsekretär für Internationale Programme Caritas Österreich Nr. 12 Dezember 2023 Magazin der Caritas-Auslandshilfe mit aktuellen Informationen aus unseren Schwerpunktländern Albanien, Pakistan und Senegal Caritas St. Pölten Aktuell Erscheinungsort St. Pölten Sollen sie doch Burger essen! Aktive Schritte gegen Hunger Das zweite UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung „Kein Hunger bis 2030“ wird mit Stand heute nicht mehr zu erreichen sein. Und das, obwohl die Welt eigentlich genug Lebensmittel für alle produzieren könnte. Der Welthunger-Index 2023 (WHI) zeigt, dass es in vielen Ländern kaum noch Fortschritte gibt. In einigen Ländern steigt der Hunger sogar wieder an. Konkret heißt das: Etwa 735 Millionen Menschen wird jeden Tag das Menschenrecht auf angemessene Nahrung verwehrt. Diese Stagnation im Vergleich zu 2015 spiegelt die kombinierten Auswirkungen mehrerer Krisen wider. Dazu gehören etwa die COVID-19-Pandemie, der Russland-Ukraine-Krieg, die Entwicklungen im Nahen Osten und die Folgen der Klimakrise. Die dadurch weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise schwächten sich 2023 etwas ab. Doch für viele Menschen bleiben die Preise immer noch unbezahlbar. Die strukturellen Ursachen für Hunger wie Armut, Ungleichheit, mangelhafte Regierungsführung, schlechte Infrastruktur und geringe landwirtschaftliche Produktivität werden weiterhin unzureichend bekämpft. Sowohl in Südasien als auch in Afrika südlich der Sahara ist die Hungerlage weiterhin ernst. Südasien verzeichnet die weltweit höchste Auszehrungsrate bei Kindern*, einem Indikator für akute Unterernährung. Afrika südlich der Sahara hat die weltweit höchsten Raten von Unterernährung*, Wachstumsverzögerung * und Kindersterblichkeit*. Dürren treten hier überproportional häufig auf. Afrika ist die einzige Weltregion, für die zukünftig ein deutlicher Anstieg der Zahl unterernährter Menschen prognostiziert wird. Nach dem WHI-Bericht aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass über 500 Millionen kleinbäuerliche Betriebe rund 80 Prozent der Welternährung sichern und einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leisten. Dennoch gelingt es vielen Klein- und Kleinstbauern nicht, genug zu produzieren, um sich und ihren Familien einen angemessenen Lebensunterhalt zu sichern. In den Projekten der Caritas sind diese Kleinbauern eine wichtige Zielgruppe. Mit Gemeinschaftsgärten im Senegal oder der Förderung von ökologisch nachhaltigen Landwirtschaften in den Dörfern Pakistans wird versucht, Erträge ökologisch nachhaltig zu steigern. Damit stärkt die Caritas die ärmsten Bauernfamilien und setzt aktive Schritte, um dem Hunger in der Welt entgegenzuwirken. * Begriffserklärungen siehe Seite 2 unten: „Wenn wir von Hunger reden“ Autor: Lukas Steinwendtner Am Wort Gut soll es sein, gesund und umweltfreundlich. Das antworten Menschen im deutschsprachigen Raum, wenn es um die Frage geht, was ihnen beim Essen wichtig ist. Doch dieser Wunsch entspricht oftmals nicht der Realität. Denn was auf den persönlichen Teller kommt, ist eine höchst individuelle Entscheidung, die von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Lifestyle, Geschmäcker und die finanziellen Voraussetzungen sind verschieden. Als Caritas setzen wir uns im Inland und im Rahmen unserer internationalen Projekte dafür ein, dass Kinder gesund und stark aufwachsen können. Dafür braucht es eine ausgewogene und kräftigende Ernährung. Burger und Pommes zählen da eher nicht dazu. Genauso wenig ständig Nudeln mit Tomatensoße. Christoph Riedl Generalsekretär Caritas der Diözese St. Pölten „Sind wir zu viele?“, haben wir in der vorigen Ausgabe der „Projektreise“ gefragt. In jener, die Sie gerade in Händen halten, widmen wir uns dem Thema Ernährung. Könnten wir tatsächlich alle Menschen auf diesem Planeten mit guten und gesunden Lebensmitteln versorgen? Ja, sagt uns die Wissenschaft. Gefolgt von einem deutlichen „aber“. Denn dies kann nur dann gelingen, wenn wir beginnen würden, unseren Fleischkonsum zu reduzieren. Eine Zahl dazu: Aktuell werden in der EU 60 Prozent des produzierten Getreides für Futtermittel verwendet. Berechnungen von Global 2000 zeigen, dass bei einer Halbierung des Verzehrs von Tierprodukten in der EU eine Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen an Äckern und Weiden eingespart bzw. darauf mehr Getreide für den Export angebaut werden könnte. Aber sind wir bereit, unseren Lebensstil so massiv zu verändern? Die Debatte um Ernährung wird leider selten sehr sachlich geführt. Da schreiben wir lieber das Recht auf ein tägliches Schnitzel in die Verfassung, bevor wir darüber diskutieren, wie wir schrittweise dort hinkommen, wo wir eigentlich weltweit hinwollen: zu gutem, gesunden und umweltfreundlichem Essen. Mahlzeit!

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